Die neue Regierung in Athen ist noch nicht einmal eine Woche im Amt. Aber die Aufregung, die sie auslöst, könnte sicher den Empörungsjahresbedarf so manches Ministers in Berlin decken. Ein gutes Beispiel dafür war gestern Abend die Sendung von Maybrit Illner gewesen. Dort erlebten wie jenes Schauspiel, das uns auch in den kommenden Wochen und Monaten noch oft genug begegnen wird. Während man in Deutschland über die niedrigen Zinsen stöhnt (“private Vorsorge!”), hat man in Griechenland andere Sorgen, wie die hohe Arbeitslosigkeit oder den Zusammenbruch des Gesundheitssystems. Insofern war bei Frau Illner die Mainzer Ökonomin Beatrice di Mauro ein Lichtblick zu nennen. Sie litt nicht an der selektiven Wahrnehmung der Politiker. Warum es also nicht mit Wissenschaft versuchen? Damit fangen wir sofort an! In dem Gastbeitrag von Gerald Fricke geht es um die “blockierte Transformation” als Charakteristikum der europäischen Politik. Sie findet, so seine These, nicht aus einer Logik heraus, die nur ein Ziel zu kennen scheint: Zum Status quo vor der Krise zurückzukehren. Es lohnt sich die Debatte. Wer soll sie auch sonst führen, wenn nicht wir? Günther Oettinger? [click to continue…]

{ 65 comments }

Bismarck nannte seine Außenpolitik einmal als das “Spiel mit den fünf Bällen”. Es ging ihm darum, im Konzert der Großmächte die prekäre Lage des Reiches durch seine Bündnispolitik auszutarieren. Ob ihm das gelungen war, oder er nicht gerade deshalb die spätere Isolierung des Reiches zu verantworten hatte, ist unter Historikern bis heute umstritten. Unter heutigen Bedingungen bedeutet das etwas anderes. Man muss außenpolitisch in der Lage sein, die unterschiedlichen Interessen und Sichtweisen so auszutarieren, um von der Krisendynamik nicht überrollt zu werden. Zudem muss man die eigenen Fähigkeiten realistisch genug einschätzen, um letztlich nicht an der eigenen Überforderung zu scheitern. Die Deutschen mussten diese Unfähigkeit am Ende mit zwei Niederlagen und der Zerstörung des Bismack-Reiches bezahlen. Mit dem Regierungswechsel in Athen könnte jetzt das passieren, was alle befürchtet haben. Dass sich die Krise um die Struktur der EWWU mit dem Konflikt um die Ukraine verbindet. Damit könnte deutlich werden, was schon immer klar gewesen ist, aber die Scharfmacher in der europäischen Politik leider vergessen haben. Die EU operiert in ihrem Konflikt mit Russland aus einer Position der Schwäche. [click to continue…]

{ 103 comments }

Griechenland nach der Wahl: Alter Wein in neuen Schläuchen?

Januar 27, 2015

Mit dem Regierungswechsel in Griechenland beginnt eine neue Diskussion über die Zukunft des Landes. Daher sollte man noch einmal kurz klären, was eigentlich das Problem namens “Griechenland” gewesen ist. Griechenland war nämlich nicht die Ursache der Eurokrise gewesen, sondern lediglich ihr Auslöser. Es machte die Funktionsdefizite der EWWU deutlich und stellte damit zugleich ihre Zukunft […]

Read the full article →

Welche Unterschiede gibt es zwischen dem “World Economic Forum” und Pegida, außer bei der Ökobilanz?

Januar 22, 2015

In diesem Augenblick spricht in Davos beim World Economic Forum (WEF) die Bundeskanzlerin. Sie gehöre wegen ihrer erneuten Teilnahme “fast schon zur Familie”, so wurde sie vom Gründer des Forums, Klaus Schwab, begrüßt. Er hatte sich auch schon zu Pegida mit einigen bemerkenswerten Sätzen geäußert. “Die Welt: Meinen Sie damit Bewegungen wie die Pegida in […]

Read the full article →

Die “Ausgewogenheit” der Bundeszentrale für politische Bildung

Januar 21, 2015

Wer in Westdeutschland aufgewachsen ist, kennt noch die Themenhefte der “Bundeszentrale für politische Bildung”. Im Sozialkunde-Unterricht wurden sie in Klassensätzen zur Verfügung gestellt. Schließlich gab es noch nicht dieses Internet mit den zahllosen Möglichkeiten, sich schlimmstenfalls auch desinformieren zu lassen. Dort lernte man alles Mögliche über Länder wie die UdSSR, die USA oder einen Staat […]

Read the full article →

3 Days of #dld15 in 15 minutes

Januar 20, 2015

Ich hatte die letzten 3 Tage das Vergnügen, meine Zeit auf der DLD15 in München zuverbrigen. Dieses Jahr stand die Konferenz unter dem Motto “It’s only the Beginning”. Viele interessante Menschen mit Visonen für die digitale Zukunft, aber auch mit kritischen Stimmen. Eine Zusammenfassung der letzten 3 Tage in 15 Minuten haben Jeff Jarvis, Richard […]

Read the full article →

The Godfather

Januar 16, 2015

Der Schweizer an sich, lässt sich selten aus der Ruhe bringen. Doch gestern war alles anders. Der erste Schweizer betritt den Raum bei einer Aktienkonferenz und ruft mit einem blassen Gesicht: “Sie haben die Kursuntergrenze aufgehoben”. Panik! Plötzlich war die Konferenz unwichtig, hektisches Treiben, telefonieren, was tun? Die Entscheidung der SNB hat gestern einen “Flash […]

Read the full article →

Ist Jan Fleischhauer ein dschihadistischer Schläfer?

Januar 16, 2015

Nach solchen Ereignissen wie in Paris ist immer wieder eines zu beobachten. Alle warnen vor deren Instrumentalisierung, um diese dann um so ungenierter als Argument für ihre bisherige politische Position zu nutzen. Diese Diskrepanz erklärt sich sicherlich nicht aus den fehlenden Kenntnissen über die Bedeutung des Wortes “Instrumentalisierung”. Eher aus dem Wissen, damit Politik machen […]

Read the full article →

Stefan Niggemeier über eine Erklärung der deutschen Zeitungsverleger

Januar 10, 2015

Stefan Niggemeier hat etwas über journalistische Grundsätze formuliert. Meine Anmerkungen findet man im Kommentar. Zusammengefasst: Ich kann jedes Wort unterschreiben. Update 12.01.2015 Mein heutiges Altpapier kann man hier lesen.

Read the full article →

“Was darf Satire? Alles.”

Januar 9, 2015

Aus aktuellem Anlass wollen wir einen Kriegstreiber zitieren, der für diese Aussagen heute sicherlich einen Shitstorm ernten würde. Er verzichtet aber nicht deshalb auf einen Twitter-Account, sondern ist schon vor einiger Zeit verstorben: “Nicht einmal an den deutschen Landesfeind hat sich die deutsche Satire herangetraut. Wir sollten gewiß nicht den scheußlichen unter den französischen Kriegskarikaturen […]

Read the full article →