Der Fall Edathy und die Seuchenmedizin

by f.luebberding on 19. Dezember 2014

Ob sich schon jemand bei Hans-Peter Friedrich entschuldigt hat? Kaum. Der zurückgetretene CSU-Bundesinnenminister ist längst vergessen. Dabei sind die Gründe für dessen unsinnigen Rücktritt die gewesen, die noch immer die Debatte um Sebastian Edathy bestimmen. Die Angst, sich mit einem Verdacht namens Kinderpornographie infizieren zu können. Der funktioniert wie ein Virus. Allerdings ist er im Gegensatz zu Ebola zu 100 % tödlich. Niemand kann den Verdachtsvirus politisch überleben. Jeder, der in Verdacht geraten könnte, sich vom Verdächtigen nicht sofort zu isolieren, gilt selbst schon als infiziert und damit als ansteckend. Der Umgang von Politik und Medien mit der Edathy-Affäre ist besser mit den Kategorien der Seuchenmedizin zu begreifen als mit den normalen Kriterien des politischen Skandals. Es geht um die Isolierung des Verdächtigen; die Verhängung von Quarantäne für alle, die mit ihm zu tun hatten. [click to continue…]

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Gibt es ein Defizit an politischer Führung im Umgang mit den Pegida-Demonstranten in Dresden? Diese These vertritt heute Jasper von Altenbockum in der FAZ. Er diagnostiziert eine “politische Heimatlosigkeit”, auf die die Politik mit Hilflosigkeit reagiere. Nur was macht diese Heimatlosigkeit aus? Bei Rechtsextremisten könnte man davon kaum reden. Sie haben eine politische Heimat, nur denkt bei denen niemand daran, sie in unser System positiv zu integrieren. An dieser Stelle macht Benjamin Preisler in seinem Gastbeitrag eine interessante Beobachtung. Er war am Montag in Dresden vor Ort  gewesen und beobachtete gerade das Fehlen politischer Leitfiguren.

“Beeindruckend an dieser Ansammlung ist, dass sie nicht wegen, sondern trotz ihrer Leitfiguren so groß geworden ist.”

Es ist somit gerade nicht das Bedürfnis nach politischer Orientierung durch Charismatiker, was dort gesucht wird. Vielmehr scheint Dresden zum Kristallisationspunkt einer Entwicklung geworden zu sein, wo sich die Kritik an allen möglichen Themen bündelt. Preisler erkennt auch eine Dominanz regionaler Akteure. Die bisweilen geäußerte Vermutung, dort mobilisiert die deutsche Rechte zu einer Großdemonstration, konnte er mit seinen Erfahrungen vom vergangenen Montag nicht bestätigen. Die eigene Heimatlosigkeit, oder auch Fremdheit, ist offenkundig anders zu definieren. Die Lebenswelt der Dresdner Demonstranten passt nicht mehr zu der, die sie täglich als dominant in den Medien erfahren. Insoweit wünsche ich dem Artikel von Benjamin Preisler eine große Resonanz. Er versucht zu verstehen bevor er urteilt. [click to continue…]

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Früher nannte man das Demokratie

Dezember 12, 2014

Zuerst eine Ankündigung. Am Wochenende wird es unter anderem um die Frage gehen, was die Veröffentlichung des Folter-Berichts der CIA eigentlich bedeutet. Dafür habe ich heute schon einige Links im Angebot. Unter anderem meine Frühkritik der Sendung von Maybrit Illner. Es ging um die #Pegida Demonstrationen in Dresden. Zudem im heutigen Altpapier um die Bedeutung […]

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Menschen, Bilder, Emotionen, aber nicht nur bei RTL

Dezember 8, 2014

Heute wieder der Hinweis auf zwei Artikel von mir. In der FAZ habe ich drei Stunden und fünfundzwanzig Minuten lang den RTL-Jahresrückblick angesehen. Was mir dabei aufgefallen ist, kann man hier lesen. In der Altpapier-Kolumne geht es um die Veränderungen in der politischen Kommunikation. Macht die CSU unter heutigen Bedingungen alles richtig, obwohl sie alles […]

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Wahl in Thüringen

Dezember 5, 2014

Bodo Ramelow wurde gerade in Erfurt im 2. Wahlgang zum ersten linken Ministerpräsidenten gewählt. In der Sendung von Maybrit Illner ging es zwar gestern Abend um die Vergangenheit. Das muss einen aber nicht daran hindern, sich trotzdem mit der Zukunft zu beschäftigen. Oder will man wirklich in der Postdemokratie als Endzustand landen?

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Youtuber – Das Fernsehen der Zukunft oder nur Hype?

Dezember 1, 2014

Das Digitale Quartett #69: Alle reden, schreiben, senden über Youtuber in Deutschland. Youtube Netzwerke wie Mediakraft etc. erfahren von Investoren immer höhere Bewertungen. Im Digitalen Quartett wollen wir heute Abend um 21 Uhr über Berichterstattung und Realität dieser digitalen Spezies reden. Link folgt kurz vor der Sendung. Zu Gast sein wird  Marie Meimberg und Philipp […]

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Von Günther Jauch zu Max Weber

Dezember 1, 2014

Heute kann ich mich kurz fassen. In der FAZ meine Frühkritik der Sendung von Günther Jauch. Außerdem der Hinweis auf die Altpapier-Kolumne. Update Wir haben ein Problem mit den Kommentaren. Aber wir arbeiten daran.

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Die Zeit und die Realpolitik

November 28, 2014

In Deutschland hatte Realpolitik immer einen schlechten Klang. Das hatte auch einen guten Grund. Sie betrachtete man am Ende nicht mehr als Funktionsweise eines Systems rivalisierender Mächte, sondern als ein zynisches Modell zur Durchsetzung eigener Interessen. Da war der Krieg nur ein Mittel der Politik gewesen. Dafür fand man auch immer passende ideologische Begründungen. Mit […]

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Frauenquote im Kaffeekränzchen namens Aufsichtsrat

November 27, 2014

Die gestern beschlossenen Frauenquote für Aufsichtsräte gilt als ein großer Erfolg. Alle sind begeistert, außer Volker Kauder. Nun kann man zwar aus ordnungspolitischen Gründen seine Einwände erheben. Aber diese Gründe werden immer geltend gemacht, wenn es staatliche Regulierungen für unternehmerisches Handelns betrifft. Das galt sogar schon beim Verbot der Kinderarbeit. Eine qualitative Veränderung der Arbeit […]

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Ein Spiegel in der Tradition Rudolf Augsteins

November 23, 2014

Wenn man an diesem Sonntag eines empfehlen soll: Den aktuellen Spiegel zu lesen. In seinem Titel geht es um die Vorgeschichte jenes Desaster, das wir heute als die Ukraine-Krise kennen – oder als den neuen Kalten Krieg. Er belegt jene außenpolitische Unfähigkeit, die die Bundeskanzlerin immer unter der These der Ablehnung des “Denkens in Kategorien […]

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