Putin und die Realpolitik

by f.luebberding on 28. August 2014

Im Konflikt über die Ukraine kommt Bewegung. In diesem Fall über die Grenze zu Russland, wie uns russische Medien treuherzig versichern. Über die Klugheit der westlichen Politik in dieser Region kann man sicher diskutieren. Jeder hätte die Grenzen eines geopolitischen Konflikts vor der Haustür des immer noch größten Staates der Welt vorher kennen können. Insofern muss sich niemand wundern, wenn der Kreml jetzt am längeren Hebel zu sitzen scheint. Die ökonomische Lage der Ukraine ist desolat, ihre militärischen Fähigkeiten bescheiden und der Zustand ihrer politischen Führung trostlos. Gleichzeitig wird der Westen eine direkte militärische Konfrontation mit Russland nicht riskieren. Ein Kriegsgrund wäre ein Übergreifen auf einen NATO-Staat, etwa im Baltikum, wenn auch Defaitisten sogar daran Zweifel aufkommen lassen. Oder wie ist der Essay von Bernd Ulrich in der heutigen Zeit sonst zu verstehen? Eine Politik, die vor Monaten die realpolitische Konstellation der Ukraine-Krise souverän ignorierte, sollte jetzt nicht deren vermeintliche Ratlosigkeit konstatieren. So wartet man immer noch auf die Anträge der Grünen zur Aufstellung neuer deutscher Panzerbrigaden zur Abwehr der russischen Autokratie. Die Grünen sind jetzt aber in den Nordirak weitergezogen, wie man lesen kann. Das ändert aber alles nichts an der Dreistigkeit, die Russland gerade an den Tag legt. [click to continue…]

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Ob der 2. Weltkrieg am 1. September 1939 begonnen hat? Diese Frage ist weniger absurd als man denkt, vor allem wenn man den Krieg aus der asiatischen Perspektive betrachtet. Es gibt gute Gründe, ihn auf den 7. Juli 1937 zu datieren. Der Angriff Japans auf China eröffnete den Kampf um die Hegemonie in Asien und im Pazifik. Der Antikominternpakt von 1936 sollte die Interessen Deutschlands und Japans (Italien war eher eine Marginalie) als weltpolitische Rivalen der übrigen Großmächte zum Ausdruck bringen. Beide begriffen sich als revisionistische Mächte in der Weltpolitik. Das richtete sich gegen Frankreich, Großbritannien und die kommende westliche Hegemonialmacht USA. Es war ein Zweckbündnis, ohne dass beide später jemals ihre Kriegsanstrengungen koordiniert hätten. Das drückte sich vor allem im Verhältnis zur Sowjetunion aus, die erst 1939 mit dem Deutschen Reich und dann 1941 mit Japan einen Nichtangriffspakt geschlossen hatte.

Während Deutschland 1941 die Sowjetunion angreifen sollte, hielt der Nichtangriffspakt Stalins mit Japan bis kurz vor Kriegsende. Beide hatten an dieser Neutralität nach dem Krieg von 1938 um die Mandschurei ein Interesse. Japan wegen des absehbaren Krieges mit den USA und dem Britischen Empire im Pazifik, die Sowjetunion im Kampf gegen die Wehrmacht. Der Einsatz der sibirischen Divisionen vor Moskau im Winter 1941 (und damit die erste desaströse Niederlage der deutschen Kriegsmaschine) wäre ansonsten nicht möglich gewesen. Der 2. Weltkrieg wurde also erst zu einem Weltkrieg als ansonsten völlig unabhängige Kriegsschauplätze (und Kriegsursachen) durch die Bündnisstrukturen miteinander verknüpft wurden. Das muss man wissen, um die Dynamik in der gegenwärtigen Weltpolitik zu verstehen. [click to continue…]

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Bruchlinienkrieg: Samuel Huntington, neu gelesen

August 24, 2014

Der verstorbene Samuel Huntington galt in den 1990er Jahren als der Wortführer der Neokonservativen. Sein Buch über die Welt nach dem Ende des Kalten Krieges wurde bisweilen als ideologischer Angriff auf die Perspektive einer friedlichen Welt verstanden. Das änderte allerdings nichts an dem analytischen Wert von “Zusammenprall der Zivilisationen”. Den sollte man sich auch für […]

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Barack Obama und die “Bürde des weißen Mannes”

August 20, 2014

Schon einmal etwas vom Südsudan gehört? Unter #bytheendofseptember macht die Welthungerhilfe auf eine bevorstehende Katastrophe aufmerksam. Jens Berger hat auf den Nachdenkseiten den Hintergrund erläutert. Kurz gesagt: Es ist die Unfähigkeit der beiden Konfliktparteien im Südsudan, eine handlungsfähige Regierung zu bilden. Berger weist zugleich auf die Verantwortung des Westens für die dortige Entwicklung hin. Nun […]

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Wohin mit meinen Ersparnissen?

August 15, 2014

Darüber rede ich heute mit Holger Klein in der Abendlichen Talk Sendung Blue Moon von 22 -0 Uhr auf Radio Fritz. Jeder ist herzlich eingeladen live Fragen zustellen. FritzHörer-Hotline wählen: 0331 – 70 97 110! Zum Livestream geht es hierentlang. Hier gibt es die Sendung zum Nachhören. Mehr von eFlaton  hier

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“Humanitäre Hilfe” oder “Putins Trucker Show”?

August 13, 2014

Im Krieg um die Ost-Ukraine gab es seit Monaten einen Vorwurf seitens der Regierung in Kiew und des Westens. Die lange Grenze zwischen Russland und der Ukraine sei praktisch nicht zu kontrollieren. Über diese Grenze erhielten die Separatisten im Bürgerkrieg Nachschub für ihren Konflikt mit der Zentralregierung. Das ist durchaus plausibel. Ohne die Unterstützung aus […]

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Jeder trage seine Fahne. Ein Gastbeitrag von Jörg Friedrich.

August 10, 2014

“Die Fußball-WM ist vorbei, die Fahnen wieder im Schrank verstaut, und auch die Kritiker, Gegner und Mahner sind wieder verstummt.” So beginnt der Gastbeitrag von Jörg Friedrich, der sich noch einmal mit dem Phänomen des Fußballs als Kulturereignis beschäftigt. In einem Punkt muss ich Friedrich allerdings widersprechen. Ganz verstummt ist die Debatte noch nicht. Am […]

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Anmerkungen eines ehemaligen Zeitungslesers

August 7, 2014

Wer heute Morgen eine Zeitung in die Hand genommen hat, bekommt ein Bild vom Weltgeschehen. Ob die Ukraine, Ebola, ein muslimischer Schützenkönig oder der Nahe Osten. Es fehlt in den klassischen Ressorts wie Politik, Wirtschaft, Feuilleton oder Sport nichts, was ein gut informierter Zeitgenosse wissen muss. Dabei gibt es in jeder Zeitung Artikel, die man […]

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Ein Heckenschütze aus Berlin

August 5, 2014

Wie hoch ist eigentlich der Anteil gläubiger Katholiken bei der taz? Im Sinne eines Integrationsverständnisses, das sich aus der Abbildung der Gesamtgesellschaft definiert, müsste die Berliner Tageszeitung als ein gescheitertes Integrationsprojekt bezeichnet werden. Aber im Berliner Bundesdorf legt man auf solche Feinheiten nicht viel wert. Man sieht sich als Metropole, wo antisemitische Demonstrationen stattfinden, die […]

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Geier sind nützlich, nur nicht in Argentinien

Juli 31, 2014

Was macht ein Geier ohne Aas? Er wird verhungern. Wird das jetzt den Geierfonds so gehen, die von Argentinien kein Geld bekommen? Deren Geschäftsmodell, die als sogenannte Hedgefonds fungieren, ist einfach. Sie kauften nach dem tatsächlichen Staatsbankrott Argentiniens im Jahr 2001 Bonds zu den gefallenen Kursen nach der Pleite. Die Geier setzen dabei auf ein […]

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