Wir haben ein „Euro-Problem“ und nicht ein Problem mit „Euro-Sündern“

by f.luebberding on 3. Oktober 2011

Ein Gastbeitrag von Marshall Auerback und Stephan Ewald

Die Europäische Währungsunion ist als monetäres System gescheitert und scheitert auch daran Europa zu vereinen. Wie die religiöse Vereinigung Europas unter Karl dem Großen funktioniert die „Vereinigung“ Europas über eine gemeinsame Währung nur unter politischen Zwangsmaßnahmen. An diesen wird das Euro-Projekt langfristig scheitern, außer, es werden radikale Änderungen am Design der Währungsunion unternommen. Was genau sind die zentralen Probleme des Euro-Projekts?

Zunächst ist es wichtig den Unterschied zwischen souveränen und nicht-souveränen Währungen zu kennen. Im Fall einer Regierung mit einer nicht-souveränen Währung, die ihre Schulden entweder in einer Fremdwährung oder in Landeswährung gekoppelt an eine Fremdwährung (oder ein Edelmetall wie Gold) emittiert, besteht für den Gläubiger ein Ausfallrisiko. Im Gegensatz dazu gibt es kein Ausfallrisiko für Anleihen einer Regierung mit souveräner Währung. Deren Schuldtitel werden ausschließlich in eigener FIAT-Landeswährung, die weder konvertibel (Gold) noch gekoppelt (Fremdwährung) ist, emittiert. In dem Fall beschränkt sich für den Gläubiger das Ausfallrisiko auf ein politisches Risiko. Was die Debatte in den USA über die Erhöhung der Schuldengrenze eindrucksvoll vorgeführt hat. Aus genau diesem Grund kann Japan ohne Probleme viel höhere Schulden im Verhältnis zum BIP als die „hochverschuldeten“ PIIGS haben und dafür extrem niedrige Zinsen zahlen. Eine Nation mit einer souveränen Währung kann ihre Schulden plus Zinsen per Definitionem immer bedienen.

Das Euro-Dilemma ist ähnlich den früheren Problemen Lateinamerikas, wenn Länder wie Argentinien ihre Währung an den US-Dollar gekoppelt haben. Angesichts der institutionellen Zwänge müssen Defizite effektiv über „Fremdwährungskredite“ finanziert werden. Die Kreditaufnahme in einer „fremden Währung“ erfolgt notwendigerweise nach dem Diktat der privaten Märkte und die Nationalstaaten sind in ihrer Fiskalpolitik exogen eingeschränkt. Deshalb herrscht in Irland Chaos und es hat ein Solvenzproblem. Diese Fremdwährungs-Problematik haben die USA oder Japan nicht, weshalb Japan in der Lage war und ist, sich in den letzten zwei Jahrzehnten Geld für rund 1% zu leihen, obwohl es kein AAA-Rating hat und trotz einer öffentlichen Verschuldung im Verhältnis zum BIP von in etwa dem Doppelten der USA.

Dieses „Design“ der EWU war in vielerlei Hinsicht von den politischen Entscheidungsträgern gewünscht, vor allem vom teutonischen Block. Der mochte und wollte keinen „krassen Keynesianismus“ (in den Worten von Axel Weber, ehemaliger Präsident der Deutschen Bundesbank). Aber das Fehlen einer „Vereinigten Staaten von Europa“-Entität, die Fiskalpolitik auf supranationaler Ebene durchführen kann, bedeutet, dass regionale Disparitäten (die es seit der Einführung des Euro gibt) in Kraft blieben und von der jüngsten Kreditkrise verschärft wurden. Darum hat sich auch der Zinsabstand für Anleihen der so genannten PIIGS vis-a-vis Deutscher Bundesanleihen dramatisch verschärft. Diese Disparitäten sind NICHT die Folge der „mediterranen Verschwendungssucht“. Viele Menschen, vor allem in Deutschland, sind der Ansicht, dass die italienische, griechische oder portugiesische Regierung (und damit verbunden ihre Bürger) für diese Krise verantwortlich sind — leben auf Pump mit billigen Kredite von nordeuropäischen Banken, zahlen nicht genug Steuern, arbeiten nicht hart genug — alles Argumente, die besonders gerne von Deutschen vorgetragen werden.

Eines geht klar aus den dauernden Äußerungen der deutschen politischen Entscheidungsträger hervor. Sie verstehen grundlegende Buchhaltungs-Identitäten nicht. Sie sehen keinen Zusammenhang zwischen ihrem eigenen Export-Modell und ihren Handelspartnern. Es ist schon ironisch (und mehr als einen Hauch heuchlerisch), dass Deutschland seine Nachbarn, wie Griechenland oder seine Handelspartnern wie die USA, für ihre „Verschwendung“ geißelt, dann aber durch den Umstand, dass diese Länder „über ihre Verhältnisse leben“ die deutschen Handelsüberschüsse produziert, die der eigene Regierung kleinere Haushaltsdefizite ermöglichen. Es ist sogar noch extremer innerhalb der Eurozone. Die Europäische Währungsunion als Ganzes hat eine ziemlich ausgeglichene Leistungsbilanz mit dem Rest der Welt. Das bedeutet für Euroland ein Nullsummenspiel: der Leistungsbilanzüberschuss einer Nation wird über das Defizit von einem Nachbarn ausgeglichen. Mit der dreifachen Beschränkung — der Unmöglichkeit die „eigene“ Währung abzuwerten, einem globalen wirtschaftlichen Abschwung und einem dominanten Handelspartner innerhalb des Blocks, Deutschland, fest entschlossen eigene Handelsüberschüsse zu produzieren — ist es recht unwahrscheinlich, dass arme, leidende Staaten wie Griechenland oder Irland eigene Leistungsbilanzüberschüsse erwirtschaften.

Was ist nun aber mit den Argumenten der Faulheit, Korruption, mieser Steuermoral, alles Anklagepunkte die gegen die sogenannten „PIIGS“-Ländern vorgebracht werden? Hier müsste man einfach fragen, auch wenn die „Club Med“-Länder faul sind und keine Steuern zahlen, warum gibt es diese Krise jetzt? Waren diese Länder nicht „faul“ vor dem Beitritt zur EWU? Warum zum Beispiel hatte die italienische Regierung keine Solvenzprobleme vor dem Eintritt in die EWU? Vielleicht wäre es sinnvoll wenn die italienische Regierung höhere Einkommen stärker besteuert und/oder die Produktivität steigert, aber keine dieser Maßnahmen ist wesentlich zur Beilegung der Krise. Das Problem ist der Euro, und es ist ein gemeinsames Problem in der gesamten Euro-Zone. Das dämmert auch den Märkten und Ansteckung breitet sich von der Peripherie in den Kern aus.  Zum Beispiel das Chart der Ökonomin Rebecca Bräu, von Standish Management, einer in Boston ansässige Rentenfond-Management-Gruppe:

Die rote Linie bezieht sich auf Deutschlands wichtigste Wirtschafts-Indikatoren — Bestelleingänge, Exporte, etc. — und prognostiziert ein deutlich langsameres Wachstum in den kommenden Monaten. Deutschland ist eben auch ein Passagier auf der Titanic, wie der italienische Finanzminister Giulio Tremonti vor kurzem vermerkte. Es sitzt vielleicht in der Erste-Klasse-Kabine, anstatt auf dem Zwischendeck, aber wenn das Schiff den Eisberg trifft, dann sind alle Passagiere betroffen. Bis jetzt haben die Eurokraten auf die zunehmenden Stresssignale im Euro-System entweder mit Verleugnung (Ignoranz?) reagiert oder schwächere Länder zu noch größeren Sparmaßnahmen auf Kosten der Bevölkerung gezwungen, die die Probleme einfach nur weiter verschärft haben. Verschlimmert wird das Problem durch einen völligen Mangel an Konsistenz und Prinzipien. Wenn größere Länder wie Deutschland und Frankreich routinemäßig Ausgabegrenzen verletzten, wurde dies geflissentlich ignoriert (oder darüber tapeziert), ganz im Gegensatz zu der schmähenden Kritik mit der nun Griechenland beworfen wird. Die EU folgt ihrer „Strategie“ der Ad-hoc-Improvisationen der Vertragsbestimmungen der EWU, anstatt den harten Job der Reform der fehlerhaften Vereinbarungen anzugehen. Die bestehenden fehlerhaften Vereinbarungen sind das Resultat einer dummen Ideologie, die weder in der politischen Realität geerdet ist, noch einer ökonomischen Logik folgt. Das Ergebnis kann ein politischer Feuersturm sein, der vollständig die Glaubwürdigkeit des Euro untergräbt.

Viele Politiker kritisieren die Europäische Zentralbank für ihre Wiederaufnahme der Anleihekäufe. In gewissem Sinne sind die Kritikpunkte legitim: Die EZB übernimmt in der Tat eine „Fiskalfunktion“, für die sie nicht wirklich geeignet und auch nicht vorgesehen ist. Sie kauft Zeit durch den Kauf der Anleihen. Damit attackiert sie die Symptome, aber nicht die zugrunde liegenden Probleme. Die Europäer müssen erst die richtigen institutionellen Arrangements schaffen und die EZB, als alleiniger Herausgeber von Euros, ist das einzige Instrument, das zum gegebenen Zeitpunkt diese „Fiskalfunktion“ übernehmen kann, wenn auch unvollkommen. Die EWU ist nicht vergleichbar mit einer Währungsunion, die es in einer normalen Föderation (wie Australien oder den USA) gibt. Eine wichtige Eigenschaft, die bewusst von der herrschenden Elite nicht als Feature der EWU vorgesehen ist, damit man gemäß der neoliberalen Agenda die Herrschaft der Zentralbank und eine passive Fiskalpolitik bekommt, ist: die EWU hat keine „nationale Regierung“, die die Verantwortung für die Finanzpolitik trägt und die Zentralbank kontrollieren kann — mit der Folge, dass der demokratische Prozess nicht die Wirtschaftspolitik regelt, wie das in einer echten Föderation der Fall ist.

Das Ergebnis war, dass angesichts des ersten großen Nachfrageschocks in der Region die Nationalstaaten schnell herausfanden, dass sie keine Fiskalpolitik in verantwortlicher Art und Weise machen können, um die Wirtschaft vor steigender Arbeitslosigkeit und kollabierenden Einkommen zu schützen. In einer normalen Föderation kann die nationale Regierung immer die Zahlungsfähigkeit der föderalen Bestandteile über Finanztransfers sichern. In der rechtlichen Ausgestaltung der EWU gibt es keine solche Institution und die Versuche der Mitgliedstaaten, den Nachfragekollaps abzufedern, erregten schnell den Zorn der Euro-Eliten. Allen voran die EZB mit ihrem Austerität-Regime für sündige Regierungen. Das einzige, was zwischen der Insolvenz der „PIIGS“ und ihrem derzeitigen desolaten Zustand steht sind die „quasi-fiskalischen“ Interventionen der EZB. Durch Übernahme dieser Rolle — im Wege der Ad-hoc-Rettungsaktionen und Anleihekäufen auf dem sekundäre Markt — wird die EZB zu einer Art „Fiskalpolitik-Zar“. Aber in der Ausübung dieser Macht hat die EZB ihre Rolle missbraucht und den Regierungen harte Sparprogramme diktiert, mit dramatischen Konsequenzen für die Menschen, die in diesen Ländern leben (z. B. Griechenland und Irland). Tatsächlich jagt sie nur den eigenen Schwanz, denn die Sparmaßnahmen der „PIIGS“ als Bedingung für den Kauf ihrer Anleihen — Bedingungen, die nebenbei bemerkt strenger als die im sogenannten „Stabilitäts- und Wachstumspakt“ verankerten sind. — führen dazu, dass deren Wirtschaft weiter kontrahiert, wodurch die Defizite größer werden. In einer normalen Föderation würde die griechische oder irische Regierungen durchaus in der Lage sein, den Schaden des Nachfrageeinbruchs zu begrenzen. Aber in der EWU sind ihre Möglichkeiten begrenzt und sie werden nun gezwungen eine prozyklische Finanzpolitik zu verhängen, genau das Letzte was ihre Wirtschaft braucht und gegen jeden makroökonomisch gesunden Menschenverstand.

Die aktuelle Krise ist erst der Anfang der Tragödie und kann mit dem Tod nicht nur einer Währung, sondern auch einer Vision für ein vereintes Europa enden. Das wesentliche Problem ist, dass die EU als gemeinsames politisches Unternehmen gegründet wurde, sich aber schnell zu einem (vielversprechenden) ökonomischen Unternehmen weiter entwickelte. Die Ironie ist, dass das Fehlen einer echten politischen Union — die eine gemeinsame Fiskalpolitik erlauben würde — am Ende das ganze europäische Projekt ruinieren kann. Es ist daher an der Zeit darüber nachzudenken, wie ein großer Umbau des europäischen Projekts gestartet werden kann. Grundsätzlich gibt es zwei mögliche Wege. Erstens, wie würde eine Post-Euro-Welt aussehen? Die Auflösung der Eurozone müsste koordiniert erfolgen, da jede Nation mit einem Bank Run und schwerer Inflation konfrontiert wäre. Das Ergebnis wäre ein ineffizientes geteiltes System von der Art, das die Einführung des Euro eigentlich inspiriert hat.  Oder zweitens: Europa strebt eine „perfektere Union“ an und besinnt sich auf den ursprünglichen Ausgangspunkt des europäischen Projekts: die politische Union des Kontinents. Dessen Schlusspunkt wären dann die „Vereinigten Staaten von Europa“.

Your choice: no Euro or the Euro real thing?

Marshall Auerback hat jahrelange Erfahrung als Hedgefonds-Manager, ist Fellow bei „Economists for Peace and Security“, Senior Fellow im „Roosevelt Institute“ und wissenschaftlicher Mitarbeiter im „Levy Economics Institute“. Stephan Ewald betreibt u.a. das Blog „Garbage In ? Garbage Out“.

Dieser Beitrag erschien auch als Crosspost bei Rotstehtunsgeht.

{ 82 comments }

Systemfrager Oktober 3, 2011 um 10:18

Der Artikel ist eine Extraklasse!

>>> Dieses „Design“ der EWU war in vielerlei Hinsicht von den politischen Entscheidungsträgern gewünscht, vor allem vom teutonischen Block. Der mochte und wollte keinen „krassen Keynesianismus“

Es war ein neoliberales Projekt par excellence, so wie es in der ganzen Geschichte nur noch einmal versucht wurde, von den Teutonen in der Weimarer Zeit :

Geschichte wiederholt sich nicht (sofort)
weiter >>>

Huuh(rrah) Oktober 3, 2011 um 11:14

@ Systemfrager

Du bist auch eine Extraklasse!

lostgen Oktober 3, 2011 um 11:16

@Systemfrager

Der Euro war überhaupt kein ökonomisches Projekt. Nicht einmal ein neoliberales. Es ist der in jeder Hinsicht gescheiterte Versuch Frankreichs, die wirtschaftliche Stärke des vereinigten Deutschlands durch die Abschaffung der DM zu begrenzen. Es war seit jeher politisch.

Es stimmt. Entweder gibt es mehr Integration inklusive Transferleistungen oder es wird eine Depression geben, weil alle zum Deleveraging gezwungen sind. Die Autoren haben recht, dass dies auch Deutschland treffen wird. Insofern wird die Kompromissbereitschaft auf deutscher Seite mit der Zeit wohl steigen.

Systemfrager Oktober 3, 2011 um 11:29

>>> Es ist der in jeder Hinsicht gescheiterte Versuch Frankreichs, die wirtschaftliche Stärke des vereinigten Deutschlands durch die Abschaffung der DM zu begrenzen.

So geistreich würde es nicht einmal PI gelingen.

So so. Und zwei mal im vorigen Jh hat die böse Welt sogar versucht DE zu überfallen und zu vernichten, man musste sich nur verteidigen, … Man verteidigt doch unsere Freiheit am Hindukusch …

Warum wurde DE so stark nach dem WKII?

Weil es als das wichtigste Schaufenster für den Ostarn dienen sollte. Anstatt zu bestrafen, haben alle geholfen, wie es nur ging. Vor allem war es entscheidend, dass die Amis gesagt haben: Wir kaufen alles, was in DE hergestellt wird! Teutonen mussten nur für die Produktion sorgen, für den Absatz bzw. für die Nachfrage die anderen. Dasselbe wurde dann später mit € (zusätzlich) realisiert

wowy Oktober 3, 2011 um 11:35
topi Oktober 3, 2011 um 11:43

Aha, der Euro an sich ist also das Problem.
Na wer hätte solche fulminanten Neuigkeiten erwartet? :roll:

Ich biete mal einen dritten Weg: es gibt klare Vorgaben zur Einhaltung des Inflationsziels, wer nach oben abweicht, kriegt halt irgendwann Troikaner, wer nach unten abweicht, leistet Strafzahlungen in Höhe seiner Überschüsse.

Das ganze in Volksentscheidungen in den Ländern ausgehandelt, die Italiener bspw. dürfen sich also aussuchen, ob sie ihre privaten Riesenvermögen durch Besteuerung etwas im Wachstum begrenzen, oder sich austerisieren wollen.
Und die Deutschen können entscheiden, ob sie wieder normale Lohnsteigerungen erzielen wollen (eigentlich müsste man nachholenm, aber das ist wohl unrealistisch), oder ob sie die schönen Exportüberschüsse als Strafzahlungen abliefern.

A. G. Oktober 3, 2011 um 11:44

Sehr informativ, danke.

Nanuk Oktober 3, 2011 um 12:14
Stephan Ewald Oktober 3, 2011 um 12:15

@Topi
Das wir dir damit nichts Neues erzählen weiß ich.

lostgen Oktober 3, 2011 um 12:22

@systemfrager

[ ] Du hast schon Zeitung gelesen, als der Euro beschlossen wurde.

Nanuk Oktober 3, 2011 um 12:23

Viele kritisieren die EZB bei uns gibt es wenigstens noch Zinsen in den USA 0.00% und QE3… köstlich…

f.luebberding f.luebberding Oktober 3, 2011 um 12:31

topi

Es ist unser Beitrag zum “Tag der deutschen Einheit”. Immerhin: Bayern wollte nie aus der DM Zone austreten.

wowy Oktober 3, 2011 um 12:33

@fl Bayern hatte auch schon gegen das Grundgesetz gestimmt :-)

wowy Oktober 3, 2011 um 12:34
Horst Schmidt Oktober 3, 2011 um 12:37

@ lostgen

In der Tat, der schwerwiegendste Fehler unter allen anderen war die Zielsetzung, die zur Einführung dieses (nicht des/eines Euros!) Euros führte. Der Euro war gegen jemanden gerichtet und sollte eben nicht für etwas “Positives” stehen.
Weil aber das genaue Gegenteil eingetreten ist, bricht dieses Konstrukt in sich zusammen. Oder drücken wir es optimistisch aus, droht.

Lassen sich also diese Geburts-/Konstruktionsfehler beheben oder bedarf es eines Neuanfanges? Ratlosigkeit wo man hinschaut, hinhört.

eFlation eFlation Oktober 3, 2011 um 12:38

@Nanuk
Was nützen dir die Zinsen, wenn du mit Inflation negative Zinsen hast? Selbst mit einer 10 jährigen Bundesanleihe hast du negative Zinsen ….

Nanuk Oktober 3, 2011 um 12:40

@eflation
Its the deflation stupid… must du dir nur ein E-auto kaufen dann haste keine inflation mehr.

f.luebberding f.luebberding Oktober 3, 2011 um 12:42

lostgen, Hammersen

Das war die politische Motivation, aber es war nicht gegen Deutschland gerichtet. Das ist ein gefährlicher Mythos. Deutschland hatte ein Interesse an der europäischen Einigung. Die Frage ist, ob wir als Ausgleichsmechanismus in der Eurozone tatsächlich die “Vereinigten Staaten von Europa” brauchen.

Im übrigen: ich höre gerade die Rede von Vosskuhle zur deutschen Einheit. Scheint interessant zu werden.

wowy Oktober 3, 2011 um 12:43

@fl Wo?

Nanuk Oktober 3, 2011 um 12:44

und Nahrungsmittel fragen die Experten jetzt in Deutschland landen jährlich 20 Millionen Tonnen Lebensmittel auf dem Müll morgen verhungern wir alle…

f.luebberding f.luebberding Oktober 3, 2011 um 12:46

wowy

Etwa im DLF.

wowy Oktober 3, 2011 um 12:47

Ja, im ZDF schon gefunden, danke!

A. G. Oktober 3, 2011 um 12:49

„Grundsätzlich gibt es zwei mögliche Wege. Erstens, (…). Oder zweitens: Europa strebt eine „perfektere Union“ an und besinnt sich auf den ursprünglichen Ausgangspunkt des europäischen Projekts: die politische Union des Kontinents. Dessen Schlusspunkt wären dann die „Vereinigten Staaten von Europa“

Die beiden Wege erscheinen nach den vorherigen Ausführungen logisch. Der zweite Weg wäre mein Favorit. Fragt sich nur, ob dieser realistisch ist. Ohne Bürgerbeteiligung ist dieser nicht gangbar; das Bundesverfassungsgericht hat Klartext gesprochen. Wahlen in EU-Mitgliedsstaaten zu „Vereinigten Staaten von Europa“ sind nicht im Gespräch. Wenn Jahre verstreichen, ist die Titanic gesunken. Dazu: http://www.sueddeutsche.de/geld/streit-um-die-gemeinschaftswaehrung-der-euro-wird-zusammenbrechen-1.1151907 Zitat:

„Hoffnung haben diejenigen, die nichts besitzen, denn ihnen kann auch nichts genommen werden. Hoffnung haben auch jene ehrenwerten Mitglieder der Finanzindustrie, die jetzt noch ein oder zwei Jahre mit Steuerzahlers Hilfe Kasse machen, um sich dann mit dem eigenen Flugzeug auf die eigene Insel zu verabschieden und aus der Ferne zuzusehen, wie die übrigen hier klarkommen. Hoffnung hat schließlich, wer zu einer buddhistischen Lebensweise findet und materiellen Werten ganz entsagt. Für die anderen sehe ich schwarz.“

Wenn die Medien die „Vereinigten Staaten von Europa“ nicht thematisieren, damit die Politik stärker fordern, sieht’s bitter aus in Europa. Und ich glaube nicht, dass die aktiven Politiker das Geld dazu haben, um sich das Spektakel ihrer politischen Schlechtleistungen von einer Insel aus anzuschauen.

wowy Oktober 3, 2011 um 12:52
wowy Oktober 3, 2011 um 13:00

Die 5 ranghöchsten Vertreter der Bundesrepublik Deutschland in einem Raum. Das hat man auch nicht so oft:
Bundespräsident
Bundestagspräsident
Bundeskanzlerin
Bundesratspräsident
Bundesverfassungsgerichtspräsident

f.luebberding f.luebberding Oktober 3, 2011 um 13:02

“Europa ist keine Momentaufnahme.” Das war der entscheidende Satz. Gegenüber Athen scheint man das nicht so zu sehen.

wowy Oktober 3, 2011 um 13:04

korrekt muss es natürlich Bundesratspräsidentin heißen :-) —Hannelore Kraft

Stephan Ewald Oktober 3, 2011 um 13:12

@AG
>Der zweite Weg wäre mein Favorit. Fragt sich nur, ob dieser realistisch ist. Ohne Bürgerbeteiligung ist dieser nicht gangbar.

Korrekt. Meine persönliche Meinung zum momentanen Zeitpunkt ist: der zweite Weg ist eher unrealistisch. Das Europa- und Euro-Projekt leidet unter einem schweren politischen Legitimations-Defizit. Die staatlichen Budget-Defizite sind ein kein Problem dagegen. Und die gegenwärtige Politik “wir stolpern widerwillig von einer Rettung zur nächsten” macht alles noch schlimmer. Die Deutschen und Österreicher haben die Nase voll vom Retten und die “Geretteten” erleben Europa nur mehr als eine supranationale Abrissbirne.

lostgen Oktober 3, 2011 um 13:18

@f.luebberding

Ja, es war nicht “gegen Deutschland”, sondern aus Angst vor einer deutschen Wirtschaftssupermacht. Angst war auch diesmal ein schlechter Ratgeber.

wowy Oktober 3, 2011 um 13:19

@Stephan Ewald
“Das Europa- und Euro-Projekt leidet unter einem schweren politischen Legitimations-Defizit. ”
Korrekt! Deshalb wird es Zeit dies zu beheben. Dafür braucht es politische Kräfte. Gibt es diese? Ist das Ziel ein demokratisches, rechtsstaatliches Europa, ein Europa der Mitbestimmung durch die Völker oder (Achtung Provokation!) soll das regiernde Europa eher China ähnlich werden und zudem der Entsolidarisierung der Menschen dienen?

lostgen Oktober 3, 2011 um 13:22

@Stephan Ewald

Das ist wohl das Resultat einer Politik, in der der Bürger nicht mehr im Zentrum steht. Die Geldtransfers nach Griechenland oder anderswo würden in Deutschland auf viel mehr Zustimmung stoßen, wenn das Geld denn bei Bedürftigen Griechen ankäme und nicht bei Banken.

A. G. Oktober 3, 2011 um 13:23

„…der zweite Weg ist eher unrealistisch.“ Das befürchte ich auch, @Stephan Ewald.

Ein düsteres Europa. Mir graut davor. Und ich bin sonst ein optimistischer Mensch.

Ohne Wiedervereinigung würde es uns Westdeutschen nicht möglich sein, im Osten zu leben, der übrigens viel schöner ist. Vielleicht kann dem Zitat von Homburg noch hinzugefügt werden, dass sich manche, denen eine Insel zu teuer ist, auf dem Land einrichten werden, wenn sie es nicht schon getan haben.

Nanuk Oktober 3, 2011 um 13:24

@Stephan Ewald

Das Europa- und Euro-Projekt leidet unter einem schweren politischen Legitimations-Defizit.

You are shifting your ground…

Stephan Ewald Oktober 3, 2011 um 13:35

@lostgen
Stimmt. Aber wenn wir beide jetzt eine Diskussion über die Zombie-Banken in Europa beginnen dann leidet meine Feiertags-Stimmung.

@AG
So düster sehe ich das nicht. Technisch gesehen kann man gemeinsam den Euro ohne großes Drama auf ECU zurückfahren.

@Nanuk
Warum? (Bitte mit Videobeweis!)

wowy Oktober 3, 2011 um 13:36

@morph
“Natürlich nicht, wird es aber, wenn es so weiter geht. Der politische common sense der politischen Klasse ist ja: Wenn wir die europäische Integration nicht vorantreiben, werden wir zwischen den großen Weltwirtschaftsmächten zerrieben.”
Eben! Von China lernen heißt siegen lernen.
Aber wie meinet Voßkuhle vorhin so schön (ungefähr): Langfristig haben sich in der Geschichte die rechtsstaatlichen Modelle durchgesetzt. Dafür müssen wir kämpfen und dafür lohnt es sich.

f.luebberding f.luebberding Oktober 3, 2011 um 13:38

Wir müssen vor allem zwei Punkte auseinanderhalten. Zum einen der Umgang mit der aktuellen Krise. Zum anderen die zukünftige Architektur des Euroraumes. Damit ein gemeinsamer Währungsraum funktionieren kann, muss man nicht einen europäischen Bundesstaat schaffen. Das bedeutet erst einmal nur eine makroökonomische Koordinierung: es darf niemand über seine Verhältnisse, aber auch niemand unter seinen Verhältnissen leben. Also können nicht permanent zwischen den Mitgliedsstaaten entsprechend hohe Leistungsbilanzdefizite oder -überschüsse aufgebaut werden. Ansonsten wird man genau in der Situation landen, in der wir heute sind. Der Euroraum ist auch groß genug, dass seine Position gegenüber anderen Weltregionen nicht die entscheidende Rolle spielt. Selbst wenn der Euroraum Defizite hätte, führt das über den Wechselkursmechanismus sehr schnell zu einer entsprechenden Anpassung gegenüber Asien oder Amerika. Natürlich hat das für die einzelnen Vowis im Euroraum Konsequenzen. Eine reale Abwertung in Südeuropa und eine reale Aufwertung bei uns könnte durchaus zu Standortverlagerungen aus Deutschland heraus führen. Aber das wäre gerade angesichts unserer in den vergangenen 15 Jahren weiter zugunsten des Exportsektors ausgerichteten Wirtschaftsstruktur eine überfällige Entwicklung. Diese Struktur können wir auch nur erhalten, wenn wir stattdessen entsprechende Transfers in die schwachen Länder der Eurozone akzeptieren.

Der Versuch der Deutschen dagegen, aus Europa die Bundesrepublik Deutschland zu machen, aber keine Verantwortung für die einzelnen Bundesländer zu übernehmen, wird dagegen in das Desaster führen. Die Rezession klopft schon an unsere Pforten.

f.luebberding f.luebberding Oktober 3, 2011 um 13:43

“Technisch gesehen kann man gemeinsam den Euro ohne großes Drama auf ECU zurückfahren.”

Aber auch nur, wenn man dann eine koordinierte europäische Geldpolitik macht. Wie soll das funktionieren, wenn man unter dem alten Regime noch nicht einmal eine entsprechende Koordinierung hinbekommt? Der Umstieg würde im Chaos erfolgen, unter dem Zwang nicht beherrschbarer Umstände.

H.K.Hammersen Oktober 3, 2011 um 13:43

Die europäische Idee ist zu einer Angelegenheit der Finanzen und der Wirtschaft verkommen. Und warum ? Weil mit Geld jede demokratische Auseinandersetzung unterbunden werden kann. Wo ist denn die Angleichung der unterschiedlichen nationalen Systeme erfolgt ? Damit das gelingen könnte, müssten die Rechts- Sozial- und Steuersysteme angeglichen werden. Nur dann kann sich auch ein europaweiter Binnenmarkt entwickeln, der auch den Arbeitsmarkt einbezieht. Aber man muss sich nur den Sprachenstreit innerhalb der EU ansehen, um zu wissen, dass das ein unmögliches Unterfangen ist. Jedes Land agiert auf europäischer Ebene nach eigenen innenpolitischen Spielregeln. Und das verstärkt sich noch in der Eurokrise. Jedes Land hat sich doch vom Euro etwas anderes versprochen. Europa hat keine Chance, solange wir nicht bereit sind, auf einen Kristallisationskern zu verzichten. Nur ein Europa der verschiedenen Geschwindigkeiten kann die weitere Integration vorantreiben. Vielleicht wäre es sogar sinnvoll, verschiedene Kristallisationspunkte zu installieren, um den unterschiedlichen Entwicklungsstufen der einzelnen Länder gerecht zu werden.

Solange aber Erweiterung vor Vertiefung Vorrang hat, kann eine einheitliche Währung ganz bestimmt nicht die notwendige Vereinheitlichung bewirken, vor deren Umsetzung, die in mühevoller Kleinarbeit bewerkstelligt werden muss, man sich zu drücken versucht.

Stephan Ewald Oktober 3, 2011 um 13:49

@FL
Deshalb hab ich den Qualifier “Technisch” vorangestellt :-)

A. G. Oktober 3, 2011 um 13:49

„So düster sehe ich das nicht. Technisch gesehen kann man gemeinsam den Euro ohne großes Drama auf ECU zurückfahren.“ @Stephan Ewald, das mag sein.

Aber was technisch geht, wird nicht korrekt in den Medien rübergebracht. Technisch war auch bei der HRE ´ne Menge möglich. Die Medien sind direkt auf Horrorszenarien umgeschwenkt. Eine Ansteckung durch Lehman hätte technisch gemeistert werden können. Gerade das ist nicht passiert. Die Medien haben jede vernünftige „technische“ Entscheidung durch ihre inkompetente Berichterstattung unmöglich gemacht. Ich befürchte, dass das bei dem ersten Weg auch passieren wird. Das „Euro-Problem“ wird in den Medien zu einem emotionalen hochstilisiert werden. Das zeigt sich bereits daran, dass die Griechen überwiegend zu Sündenböcken gemacht werden.

wowy Oktober 3, 2011 um 13:49

@fl
“Wir müssen vor allem zwei Punkte auseinanderhalten. Zum einen der Umgang mit der aktuellen Krise. Zum anderen die zukünftige Architektur des Euroraumes. Damit ein gemeinsamer Währungsraum funktionieren kann, muss man nicht einen europäischen Bundesstaat schaffen”
Ich glaube die derzeitige Situation zeigt sehr deutlich, dass wir beides brauchen. Die bestehenden Regelungen (e.g. No Bailout) funktionieren nicht, weil sie nicht kontrolliert und durchgesetzt werden.
Für mich stellt sich nur die Frage wie lange man die Notsituation aufrechterhält (Dauerpanik), um eine Schnellösung zu erreichen.
Über den ESM soll jetzt Anfang 2012 abgestimmt werden. Wir können gerne gemeinsam zählen, wieviel Untergangsszenarien bis dahin heraufbeschworen werden. Die Frage ist einzig, was ist gewollt.

Stephan Ewald Oktober 3, 2011 um 14:01

@AG
Alles richtig. Deswegen diskutieren wir ja hier. Ich bin halt eher der Geld-Technokrat und Lübberding der Politikexperte. Wenn ich sage “technisch ist das möglich” dann sagt Lübberding vielleicht “ja, aber politisch ist das unmöglich”. Da ich an den Primat der Politik glaube (glaubt noch jemand anderer daran?) bin in dem Fall ich der Lehrling und muss mir eine neue Technik ausdenken.

A. G. Oktober 3, 2011 um 14:23

@Stefan Ewald
Ein ‚geld-technisches Optimum‘ hat sich nicht nur an der Politik auszurichten, sondern auch an den Medien.

Damit wird nach den heutigen Gegebenheiten ein Optimum schon unmöglich gemacht. Jetzt gibt es nach ihren Ausführungen nur zwei (!) Lösungswege. Etwas dazwischen wäre keine Lösung, kein Optimum, letztendlich die Anpassung an Politik und Medien. Einer der beiden Lösungswege kann nur dann funktionieren, wenn sich die Medien in ihrer Berichterstattung ändern. Solche Postings, Diskussionen sind ein Anfang. Bei Ihrem Posting gefällt mir besonders, das keine Meinung dem Leser aufgedrückt wird, jeder für sich entscheiden kann, welcher Weg befürwortet werden kann. Die Leitmedien hinken da nach.

Andreas Kreuz Oktober 3, 2011 um 14:31

@wowy

Die Frage ist einzig, was ist gewollt.

Das liegt doch auf der Hand:

Herauspressen, was heraus zu pressen ist.
So lange wie möglich.

Dann zieht die Karavane weiter.

Alles andere sind Illusionen.

A. G. Oktober 3, 2011 um 14:51

(Alles was derzeit von der Politik zur Krisenbewältigung unternommen wird, orientiert sich nicht am technischen Optimum, sondern ist ein Kompromiss zwischen einflussreichen, untereinander verflochtenen Gruppen (Politik, Medien, Wirtschaft). Einzel- und Gruppeninteressen stehen im Widerspruch zum Gemein(schafts)wohl. Jetzt wird ein Optimum, ein gangbarer Weg, benötigt. )

Stephan Ewald Oktober 3, 2011 um 15:05

Passt zum Thema. Wenn ich das richtige lese geht Lucas Zeise vom Herdentrieb die Herrschaft der Zentralbanker schön langsam auch richtig auf den Senkel:

Demokratielehrstunden

matt_us Oktober 3, 2011 um 16:05

@Stephan
“Wenn ich das richtige lese geht Lucas Zeise vom Herdentrieb die Herrschaft der Zentralbanker schön langsam auch richtig auf den Senkel”

Also mal ganz kurz zu den Zentralbankern, die sich hier anmassen Italien zu erzaehlen welche Politik es zu verfolgen hat. Das kann man einerseits verstehen, denn genau so einen neoliberalen Senf erwartet man ja von denen. Und vielleicht wollte Draghi nur mal zeigen, dass er als Italiener auch unabhaengig sein kann.

Aber andererseits sollten die sich Zentralbanker mal an die eigenen Nasen fassen. Obwohl mehr oder weniger gemacht wird seit ueber einem Jahr was die vorschlagen (“Sparen”), hat es ueberhaupt nicht geholfen, die Maerkte zu beruhigen. Die Maerkte kaufen keine Anleihen der Problemstaaten, oder wenn schon dann nur mit ueberhohen, unbezahlbaren Renditen.

Deshalb kann man davon ausgehen, dass der Markt hier gescheitert ist – die Maerkte hatten ihre Chance und die haben sie verpasst, und damit ist natuerlich auch EZB Strategie (“Sparen beruhigt die Maerkte”) gescheitert.

Wenn die EZB nicht die Renditen von Italien und Spanien deckeln wuerde, durch Stuetzungskaeufe, waeren die bald auch unbezahlbar. Das heisst der Markt funktioniert nicht, wie das eigentlich sein sollte. Deshalb sollte man den Markt mal kurzfristig (vielleicht fuer ein Jahr) ignorieren. Die Staatschulden sollen meinetwegen gerne zurueckgefahren werden in den Laendern durch Einkommensteuer auf hohe Einkommen und Vermoegensteuern. Das hilft jetzt naemlich.

Aber wie immer fehlen die Politker die sowas mit Tatendrang und Ueberzeugung umsetzen. Das ist ein Trauerspiel was da ablaeuft (diese relevanten Fragen fast ueberhaupt nicht diskutiert!). Die Politker sollten der EZB genau sagen welche Anleihen zu welchen Preisen gekauft werden. Die Demokratie macht die Preise fuer Anleihen also – fuer ein Jahr, z.B.

Griechenland sollte vom Markt genommen werden, indem die EZB alles aufkauft was es gibt, zu guenstigen jetzigen Kursen. Dann hat man auch da Ruhe.

Und dann kann man mal ein Jahr lang ueberlegen, ob das mit dem Euro eine gute Idee war oder nicht, und wie man es besser machen sollte, wenn man mit dem Euro weitermachen will. Also die Frage beantworten: “Your choice: no Euro or the Euro real thing?”

(Und vielleicht sollte dann die EZB mal Rundschreiben an die Regierungschefts machen und “Vermoegensteuer” zum Staatsschuldenabbau fordern, anstatt “Sparen”!)

no way Oktober 3, 2011 um 18:09

Gehen auch Ansprachen ?:

http://www.youtube.com/watch?v=2TF8L2DWhpw

Der Europäische Herbst nimmt Fahrt auf.

enrico Oktober 3, 2011 um 20:46

Pardon, diese Message ist sehr off topic

vor einiger Zeit habe ich –auf Empfehlung von @professore eine yahoo-group erstellt und dies noch auf dem Rethorik-Blog bekannt gegeben. Der Name dieser group heißt “wissenwoller” . Wie mir @holger heute mitgeteilt hat, hat er dies nicht mitbekommen. Sicher ging es vielen anderen auch so. Zur Zeit ist @professore, @kynesianer und meine Wenigkeit dort eingetragen.

Hier noch einmal die Anmeldeadresse. Mitglied bei yahoo muss man deswegen nicht unbedingt sein. Einfach die subscribe Adresse anmailen.
………………………
Group Mail-Adressen
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([ät] = @)

Es ist nicht unsere Absicht hier Leute abspenstig zu machen sondern nur einen weniger öffentlichen Rahmen zur Verfügung zu stellen, wo man auch längerfristig an einem Thema bleiben und daran arbeiten kann. Brainstorming eben.
Gruß, enrico

Wirtschaftswurm Oktober 3, 2011 um 21:22

“Krasser Keynesianismus” im Sinne von “Gelddrucken heilt alle (makroökonomischen) Übel” war tatsächlich bereits in den 90ern out und ist heute erst recht mausetot. Gerade die Finanzkrise seit 2009 zeigte die Grenzen der Geldpolitik auf. Insofern war es weise, die Rolle der EZB auf die Inflationsbekämpfung zu beschränken und es wäre weise gewesen, wenn sich die EZB daran gehalten hätte. Dann allerdings (wenn z.B. die EZB nicht die Anforderungen an die zu hinterlegenden Sicherheiten unverantwortlich gesenkt hätte) wären Griechenland, Irland und Portugal längst raus aus der Eurozone. Dann allerdings wäre das Europroblem schon längst gelöst.
Es stimmt ja, es gibt nur zwei Wege: entweder Fiskalunion oder Rückbau der Eurozone. Die deutsche Wiedervereinigung zeigt, dass eine Fiskalunion ein extrem teurer und langwieriger Weg ist. So etwas kann sich Deutschland nicht noch ein zweites Mal leisten, ohne bankrott zu gehen.

14 Oktober 3, 2011 um 21:33

Wir haben ein „Euro-Problem“ und nicht ein Problem mit „Euro-Sündern“

“nicht ein” heißt auf deutsch “kein” Problem mit “Euro-Sündern”?
Ach, tatsächlich?

Es bleibt dabei, den nach wie vor schmierig-gierig-großmäulig auftretenden Las Vegasbanken mit ihrer gescheiterten Neoliberal-Idiotologie ™ sind (wie Nanuk schon vor Jahren treffend schrieb) endlich die Eier (bei ihrem Gotteswerk) abzuschneiden. É Basta!
(vor langer Zeit in Griechenland entsprang bei einem ähnlichen Vorgang bekanntlich Aphrodite)

Also nix mehr mit Boni, dafür wieder Ärmelschoner und total ungeile/uncoole Buchhalterbrille. Sie haben für die Volkswirtschaft(en) eine rein (€-liten)dienende Funktion. (außer natürlich für USA und Engelland, gelle..)

[Auszug aus: Wenn das (deutsche) Inkassobüro morgens um fünf dreimal schellt...und die Badbanken, Griechenland, Irrland, Portugal, Spar-nie-n, Ithakalien einfach die Klingel abgestellt haben......ja, dann muß halt der deutsche Steuerzahler in der Nachbarschaft ran...H IV-X, geriesterte Rente mit neunzig, kranken/gesundheitsKasse nur noch auf Rezept usw..]

14 Oktober 3, 2011 um 21:51
Systemfrager Oktober 3, 2011 um 21:56

@ Wirtschaftswurm
Für einen Stein gilt, dass er nach einem kurzen erfolgreichen Flug auf den Boden prallt, für die freie Marktwirtschaft gilt, dass sie nach einer Periode des Wachstums zusammenbricht … Die freie (laissez-faire) Marktwirtschaft ist eine defekte Konstruktion. (Marktversagen ist so harmlos formuliert, dass es fast falsch ist.)

Der Zusammenbruch der EU hat – wie eben der Titel es schon sagt – nichts mit mit den „Euro-Sündern“ zu tun. Das sind nur Symptome (die schwächsten Stellen). Das Reich der freien Marktwirtschaft, die USA, hatte keine “Sünder”, und die Apokalypse begann gerade dort. Natürlich wird man lieber die Häuslebauer oder noch besser die „Euro-Sündern“ (EZB usw.) auf den Pranger stellen, um das Monster freie Marktwirtschaft freizusprechen

topi Oktober 4, 2011 um 03:16

@ Stephan Ewald

Meine obige Bemerkung ging nicht an euch Autoren, sondern an die Blogherrn, Primat der Politik angesichts ökonomischer Rahmenbedingungen und so.

Die Politik hat sich ja in diese unlösbar scheinende Situation manövriert, indem sie ihre politische Idee, die ökonomischen Einigung (Konvergenz) mit der Einheitswährung zu beschleunigen, umsetzten, ohne auf den klügeren Teil der Ökonomen zu hören.

Wie sagte Merkel: der eine sagt das, der andere dies, danach kann ich doch mein Handeln nicht ausrichten. Da hat sie wohl sogar recht.

Aber ein intelligenter Mensch wäre in der Lage gewesen, die Funktionsbedingungen einer Währungsunion nachzuvollziehen. Und die Konvergenzkriterien sind ja lachhaft. Selbst wenn ein Land über 15 Jahre nur 3 Prozent Preissteigerung hat, und ein anderes daneben ein Prozent, kracht das ganze, ganz im Rahmen der Kriterien, völlig auseinander.

Offenbar hatte niemand solche krassen und dauerhaften Überschüsse, wie sie D mit Steuerschenkung und nachfolgender Agenda etc. produziert hat, auf dem Schirm; die sind ja auch nur in Währungsunionen (oder anderen kranken Verkettungen, siehe Chimerika), möglich.
In dem Zusammenhang ein ausdrückliches Lob, dass ihr gegenüber dem Nichteuroausland den WK-Mechanismus erwähnt, dieses “Wettbewerb mit Indien”-Gequatsche ist doch ziemlich nervend.

Aber wie gesagt, ich sehe durchaus einen “dritten Weg” zwischen Abwicklung der EWU und Schaffung der USE.
Selbst die neoliberal durchgestylte Politik mit Strafzahlungen für Defizitsünder und dem ganzen Insturmentenkasten der schwäbischen Hausfrauen bietet Möglichkeiten: so kann man vom Gebot des Wachstums der Öff Ausgaben unter dem BSP Abweichen, wenn man nur für genug Einnahmen sorgt.

Man kann also mit Vermögens- und Spitzeneinkommenssteuern den ganzen Zauber aushebeln; man braucht nur mal anständige Kampagnen, dass die Wahldödel nich tständig eine Politik für die oberen 10 Prozent bejubeln.

Auch im Makrobereich kommen die Hinweise für Überschußländer dazu.
Wenn es in Frankreich erst wieder eine richtige Regierung gibt, kann da ganz schnell ganz gewaltiger Druck auf den Niedriglohnmoloch erwachsen.

Eine richtige Lösung wird es nicht geben können, solange die private Rentenkuh auf dem Eis tanzt; aber ich halte mal noch meine “Pendel-Theorie” aufrecht: das wird wieder zurückkommen, vielleicht schon in FR 2012 (was dann auch für D2013 gelten könnte, der Raketenhafte Aufstieg der Piraten auf 7% in bundesweiten Umfragen zeigt die Unzufriedenheit mit den etablierten “linken” Parteien).

Und gehebelte Rettungsschirme bieten ja auch die optimale Finanzierungsmöglichkeit, so freut sich auch das Rentier. :roll:

Nanuk Oktober 4, 2011 um 07:44

“Wie sagte Merkel: der eine sagt das, der andere dies, danach kann ich doch mein Handeln nicht ausrichten. Da hat sie wohl sogar recht.”

Ja da muss man sich halt entscheiden… es kann nicht so bleiben.Ergo entweder eine Koalition mit der Linkspartei oder den Kaputalismus abstürzen lassen mit Schäfler.

f.luebberding f.luebberding Oktober 4, 2011 um 07:59

“Dann allerdings wäre das Europroblem schon längst gelöst.”

Nur ein Vergleich, keine Gleichsetzung: Das Problem mit der Reichsmark war am 21. Juni 1948 auch gelöst. Mit Ökonomen ist es wie mit Klempnern. Man muss wissen, wozu sie gut sind. Besonders putzig ist dieser Satz:

“So etwas kann sich Deutschland nicht noch ein zweites Mal leisten, ohne bankrott zu gehen.”

Was sich wohl Deutschland noch leisten kann, wenn die anderen bankrott gehen? Was wohl passiert wäre, wenn man 1990 gemeint hätte, dass wir uns die DDR nicht hätten leisten können, ohne bankrott zu gehen? Zum Glück hat man damals nicht auf die Expertise von Klempnern vertraut.

Nanuk Oktober 4, 2011 um 08:07

@fl
“Was wohl passiert wäre, wenn man 1990 gemeint hätte, dass wir uns die DDR nicht hätten leisten können, ohne bankrott zu gehen? ”

In der Stunde seine grösten Triumpfes wird es ihn hinweg fegen..
http://www.youtube.com/watch?v=q8d0Gow1fhw

Nanuk Oktober 4, 2011 um 08:17

Wie sagte Voßkuhle?
Es ist nicht einfach ein Land von der Mitte aus zu Regieren oder so ähnlich? Ja vor allem dann wenn es keine Mitte mehr gibt… und entscheidungen anstehen.

Systemfrager Oktober 4, 2011 um 08:25

>>> Zum Glück hat man damals nicht auf die Expertise von Klempnern vertraut. | f.luebberding

Die ganze Geschichte des Kapitalismus seit 2 Jh ist ein ständiger Wechsel dieser zwei sozi-politischen Zustände:
1: Zuerst werden die Politiker – von den Reichen und Kapitalbesitzern – abserviert, die sollten nämlich zu dumm und zu korrupt sein, der kluge Markt löst alles
2: Nun bricht der Markt zusammen, dann müssen gerade die „dummen und korrupten“ Politiker mit Brechstangen die Gesellschaft retten

Hat das keine Logik?
- Nein! Wenn man die Funktionsweise der Marktwirtschaft auf der Grundlage des newtonschen partikel-mechanischen Modells der Dampflokingenieure Walras & Pareto erklärt. Dort ist das Marktversagen unmöglich und ausgeschlossen.
- Aber natürlich hat es eine Logik! Wenn man für die Erklärung der Funktionsweise der Marktwirtschaft bzw. ihrer Zyklen das Kreislaufmodell benutzt.

Nanuk Oktober 4, 2011 um 08:30

@Systemfrager
“Nein! Wenn man die Funktionsweise der Marktwirtschaft auf der Grundlage des newtonschen partikel-mechanischen Modells der Dampflokingenieure Walras & Pareto erklärt. Dort ist das
Marktversagen unmöglich und ausgeschlossen.”

Ha Wittgenstein hätte das auch gefixt auf Basis des Dampflok Models…

Der verzweifelte Werkmeister hatte schon alles probiert – aber sie wollte einfach nicht mehr, die Dampfmaschine in der Textilfabrik von Trattenbach. Da erinnerte man sich an den als verschroben geltenden Volksschullehrer namens Ludwig Wittgenstein – der hatte doch auch einmal Maschinenbau studiert. Der Herr Lehrer sah sich die Sache an, ließ vier Arbeiter in bestimmtem Rhythmus auf bestimmte Stellen hämmern, und – die Maschine lief wieder an. Den Werkmeister soll die Peinlichkeit sein Lebtag lang geärgert haben…

Nanuk Oktober 4, 2011 um 08:33
Systemfrager Oktober 4, 2011 um 08:38

@ Nanuk
Verdammt. Du hast Recht:
Wiki: Am 28. Oktober 1906 immatrikulierte er [Ludwig Wittgenstein] sich an der Technischen Hochschule Charlottenburg.

Mein Gott!!!!!!!!!!!!
Wann werden WiWi, Philosophie, Sozailwissenschaften … die Welt der Dampfloks und der Postkutsche verlassen

enrico Oktober 4, 2011 um 08:51

@F.Luebberding

Mit Ökonomen ist es wie mit Klempnern. Man muss wissen, wozu sie gut sind.

Mit Ökonomen ist es wie mit Amokläufern. Man muss damit rechnen, das es nicht gut geht.

Wenn es um Ökonomie geht, wären Klempner sicher die besseren Fachleute, einfach schon einmal deshalb, weil sie täglich ihren gesunden Menschenverstand trainieren können. Was bei “Ökonomen” in ihren Elfenbeintürmen anscheinend kaum der Fall sein dürfte.

Umso weniger empfiehlt es sich deshalb, umgekehrt, einen Ökonomen zu rufen, wenn es Probleme mit Gas/Wasser/Schei?e gibt. Da verstehen die nämlich meist auch nix von.

Ökonomen – man muss wissen, dass sie meist zu nichts gut sind!

Sucram Oktober 4, 2011 um 10:06

Wie blöd muss man eigentlich als Machtelite sein, sich so eine einmalige Chance von der neoliberalen Finanzchimäre versauen zu lassen.

Zweiter Weg leider vertan. Game over.

Wirtschaftswurm Oktober 4, 2011 um 10:27

@f.luebberding,
danke für den Vergleich mit der Währungsreform 1948. So etwas braucht Griechenland heute dringend.
“Was sich wohl Deutschland noch leisten kann, wenn die anderen bankrott gehen?” – Ok, ich stelle fest, dass du auf die Panikmache reingefallen bist. Griechenland steht übrigens auf Platz 33 der deutschen Ausfuhrländer. Argentinien, dessen Pleite 2001 man in D überhaupt nicht wahrgenommen hat, übrigens auf Platz 46.

f.luebberding f.luebberding Oktober 4, 2011 um 10:32

Wirtschaftswurm

Geht es um Griechenland?

topi Oktober 4, 2011 um 14:25

@ sucram

” Wie blöd muss man eigentlich als Machtelite sein, sich so eine einmalige Chance von der neoliberalen Finanzchimäre versauen zu lassen.”

Dort steht die Machtelite, da steht die Finanzchimäre?

Oder stehen und liegen die alle kreuz und quer durcheinander?

Sucram Oktober 4, 2011 um 16:00

@topi

beim Gruppensex wahrscheinlich inein- und übereinander. Zum Schluss weiss man gar nicht mehr wer da eigentlich wen und wie vögelt.

topi Oktober 4, 2011 um 16:06

@ sucram
“Zum Schluss weiss man gar nicht mehr wer da eigentlich wen und wie vögelt.”

Naja; bisher war doch ganz klar die Finanzmafia, die die Nichtfinanzmafia mächtig gefickt hat. ;-)

no way Oktober 4, 2011 um 19:59

Die sich gegenseitig die lukrativen Jobs zuchancen

Asmussen, Hoyer, Weidmann …
Fortsetzungen folgen

topi Oktober 4, 2011 um 23:38

@F.Luebberding

“Mit Ökonomen ist es wie mit Klempnern. Man muss wissen, wozu sie gut sind.”

Handwerk hat ja bekanntlich angeblich goldenen Boden.
Da gibt es den seriösen Meister aus der Nachbarschaft mit langfristig zufriedenen Kunden über Generationen, und den Abzocknotdienst, der mit drei Wochenendeinsätzen den Monatsgewinn einfährt.

Wenn der Auftraggeberjedoch keine Ahnung , aber ein großes Budget zu vergeben hat, wird er sicher auch Angebote kriegen, die ihm erklären, dass seine unsinnigen Ideen durchaus machbar sind.

Und dann kriegt man einen Euro, der nur asymmetrische Stabilisierungskriterien, die noch dazu lächerlich ausgestaltet sind, beinhaltet.

Entweder, man war so blöde, oder man wusste ganz genau, dass man damit kurzfristige Anreize für fette Partys, mittelfristig aber Anreize für abwärtsspiralige Dumpingstrategien setzt.

Stephan Oktober 5, 2011 um 16:03

Ich glaube John Quiggin und Henry Farrell teilen unsere Auffassung. Bleibt die Frage: wer sagt es der Bundesregierung?

Can Europe Be Saved?

Sio_x Oktober 6, 2011 um 16:42

Wieso wird hier der Fehler nur in der Politik gesucht. Die Banken, Versicherungen, die gerade eben jetzt mächtig am zocken mit den Pleiten sind, werden nicht mal am Rand erwähnt. Die CDS Versicherungen und die Ratingagenturen werden außen vor gelassen. Jetzt ist mir auch klar wieso die Regierungen keine real funktionierende Lösung finden.

Wenn man solch theatralische Worte jeden Tag um die Ohren bekommt, dann wird einem nie die Lösung einfallen.

Punkt ist: Hier haben sämtliche Banken und Versicherungen richtig gezockt und sind einfach 2007 auf die Schnauze gefallen. Die Staaten haben falsche Hilfe geleistet. Nun revanchiert sich die Finanz indem sie die Länder in den Ruin treibt. Ich bin für ein Verbot von Spekulationen mit den Geldern anderer. Denn hier ist richtig Geld investiert, mit realen Werten lassen sich ja die geforderten Zinsen nicht mehr erwirtschaften. Oder die irrationalen alias Ackerman (25%).

Aber man merke, der Author: “… hat jahrelange Erfahrung als Hedgefondsmanager..”

Stephan Ewald Oktober 6, 2011 um 17:42

@Sio_x
Guter Punkt.

Unser Motto ist: “The financial sector is a lot more trouble than it’s worth.” Aber in dem Beitrag beschränken wir uns auf die Design-Fehler im Setup der Währungsunion. Was den Finanzsektor an und für betrifft würden wir diesen drastisch zurückfahren. Die meisten (spekulativen) Transaktionen sind im guten Fall unnötig und im schlechten Fall parasitär. Unseren Standpunkt dazu kannst du gerne hier in Englisch nachlesen:

What is Wall Street for?

Zitat: “I hope the American establishment has the courage to ask one fundamental question; what is Wall Street for? What are they supposed to do?” The answer to those questions are in order: not much that is worth anything; and not what it was created to do.

Dipfele Oktober 8, 2011 um 19:07

@Stephan

Hoffen soll man ja immer, aber da sind verdammt “lange eigene Schatten, über die die Zentralbanker springen müssten” – um Friederike Spiecker, Die Geldpolitik am Scheideweg, zu zitieren:
Sie müssten eingestehen, dass sie “mit ihrem unerschütterlichen Glauben an die Segnungen des freien Kapitalverkehrs falsch gelegen und im Zuge der Liberalisierung der Finanzmärkte die Verteidigung des Geldmonopols vernachlässigt haben”.
http://www.nachdenkseiten.de/?p=10905
Haben sie doch offen die “Disziplinierung der nationalen Wirtschaftspolitiken durch die Kapitalmärkte” betrieben. Zitat:
“… Darüber hinaus wurden alle Kapitalverkehrskontrollen aufgehoben, um den Weg für eine wirksamere Disziplinierung der nationalen Wirtschaftspolitiken durch die Kapitalmärkte freizumachen.”
http://www.bundesbank.de/download/bildung/geld_sec2/geld2_gesamt.pdf

Stephan Oktober 8, 2011 um 20:22

@Dipfele
Yep. Aber die Bürokraten/Technokraten springen über lange Schatten wenn es um ihren Glaspalast in Frankfurt geht. Nicht jeder kann so bequem das Handtuch werfen wie unsere BuBa Weicheier. Nebenbei bemerkt sollte DE mal nachdenken ob es solche “Diener” im öffentlichen Dienst wirklich will. Aber ich kannte den Tietmeyer Spruch 1995 aus Davos auch nicht: “Meine Herren, sie alle sind nun der Kontrolle der internationalen Finanzmärkte unterworfen”. Das sollte für einen Demokraten völlig unakzeptabel sein! Unglaublich.

Heute habe ich einen Kommentar von einem der Hausherrn hier Frank Lübberding auf dem Herdentrieb von Schieritz gelesen. (BTW: Bei Schieritz kommentieren ist Zeitverschwendung. Der hat noch nie geantwortet. Auch so eine Unsitte.) Dort verteidigt er das Primat der Politik gegen die Ökonomie-Technokraten bei Kantoos, die mit ihren absurden Ideen alles nur noch schlimmer machen. Natürlich hat Frank recht damit. Das Problem bedarf einer politischen Lösung. Dann findet sich auch die ökonomische Idee.

Wobei Schieritz auch ein Problem ist. Die progressiven Ökonomen sind manchmal schlimmer als die konservativen. Bei denen weiss man wenigstens warum sie Unfug quasseln. Schieritz: “Wer solvente Länder umschuldet, der schafft ein Problem, das nicht existieren würde, wenn es gelänge, die Märkte endlich wieder von der Solvenz zu überzeugen, so dass sie diese Staaten weiter finanzieren.”

Auf welcher Steintafel genau steht, dass Märkte Staaten finanzieren müssen? Und zwar mit dem Geld dass die Zentralbank dieser Staat kostenlos produziert. Die Staaten verkaufen Schuldinstrumente damit die Zentralbank Zinspolitik machen kann. Nicht mehr und nicht weniger. Mein Problem ist: wie kriegt man die Geschichte rüber. Geld ist eine digitale Verrechnungseinheit und kein knappes Gut. Knapp sind Fabriken, Bauernhöfe, Zeit für irgendwas, usw. Manchmal ist es zum Verzweifeln ;~)

sk8erBLN Oktober 8, 2011 um 20:43

@ Sio_x
“Wieso wird hier der Fehler nur in der Politik gesucht.”

Weil die Politik es in der Hand hatte aus der Krise von 2008 die richtigen Schlüsse zu ziehen und es nicht getan hat. Es wäre naiv von einem Raubtier zu erwarten über Nacht zum Veganer zu werden.

Die Politik hat bei der Reform des Finanzsystems erneut 3 Jahre lang kläglich versagt. Was plapperte der Hosenanzug aus der Uckermark damals doch? “Keine Bank darf mehr so groß sein, dass sie wieder Staaten erpressen kann. Das ist der wichtigste Punkt“, gelobte auch Angela Merkel.

Und? Hat sie dafür gesorgt Investmentbanking von wirklich benötigten Finanzdienstleistungen zu trennen? Weshalb gibt es bis heute Banken die Anlagevolumina von einer Halben Billionen und mehr herum jonglieren? Warum sind die nicht zwangsweise in kleine Einheiten zerlegt worden die- den Gesetzen der Marktwirtschaft folgend- dann eben auch auf eigenes Risiko pleite gehen ohne “systemrelevant” zu sein? Sie sind im Gegenteil heute größer und mächtiger denn je!

aus: Max Otte, Stoppt das Euro-Destaster, S. 16
“Und die sind eindeutig: Heute stehen die großen und mächtigen Investmentbanken – in den USA an erster Stelle Goldman Sachs, in Deutschland die Deutsche Bank – an der Spitze der Nahrungskette. Sie agieren am schnellsten, haben die begabtesten Finanzingenieure und außerdem beste Verbindungen in Regierungskreise. Mitarbeiter von Goldman Sachs stellen in den Vereinigten Staaten regelmäßig Finanzminister und weitere wichtige Kabinettsmitglieder. Auch Mario Draghi, der neue Präsident der Europäischen Zentralbank, stand früher in Diensten von Goldman Sachs. Den mächtigen Akteuren arbeiten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, willfährige Regierungen und Regulierungsbehörden als Erfüllungsgehilfen zu.

Schon so gesehen ist es kein Wunder, dass die Akteuer der Finanzoligarchie weitgehend tun und lassen können, was sie wollen und was ihnen nutzt.

Inzwischen haben Investmentbanken und spekulative Investmentgesellschaften nach und nach den Geschäftsbankensektor und die Realwirtschaft überwuchert und sich gefügig gemacht. Ganze Märkte und Staaten tanzen heute nach der Pfeife der Finanzmärkte. Und anstatt die Spekulation einzudämmen wird diese durch die heutige Gesetzeslage und Finanzmarktregulierung sogar noch gefördert.”

aifran Oktober 8, 2011 um 22:27

Dipfele Oktober 8, 2011 um 19:07

„Deutsche Bundesbank Geld und Geldpolitik“ Interessantes Büchlein – gerade die Versionsunterschiede – DISZIPLINIERUNG (der Demokratie/Politik)
Ausgabe 2008 Seite 90

Stufenplan
Bereits am 1. Juli 1990 begann die erste Stufe der WWU. Hier ging
es vor allem darum, die nationale Geld- und Fiskalpolitik stärker
auf die Erfordernisse der Preisstabilität und Haushaltsdisziplin auszurichten.
Dazu sollten auch Maßnahmen beitragen, die die Unabhängigkeit
der Notenbanken von den Regierungen stärkten. Darüber
hinaus wurden alle Kapitalverkehrskontrollen aufgehoben, um
den Weg für eine wirksamere Disziplinierung der nationalen Wirtschaftspolitiken
durch die Kapitalmärkte freizumachen.
Zu Beginn der zweiten Stufe am 1. Januar 1994 wurde das Europäische
Währungsinstitut (EWI) als Vorgänger-Institut der EZB mit Sitz
in Frankfurt am Main ………

Ausgabe 2009 Seite 126 – Bereinigt/Entschärft!!!

http://www.bundesbank.de/download/bildung/geld_sec2/geld2_gesamt.pdf

5.4.3 Stufenplan zur Errichtung der Wirtschafts und
Währungsunion
Die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union hatten sich Ende 1989 darauf geeinigt, mit der ersten Stufe der WWU bereits am 1. Juli 1990 zu beginnen. In dieser Phase ging es darum, die nationale Geld- und Fiskalpolitik stärker auf die Erfordernisse der Preisstabilität und Haushaltsdisziplin auszurichten. Dazu sollten auch Maßnahmen beitragen, die die Unabhängigkeit der Zentralbanken von den Regierungen stärkten. Darüber hinaus hoben die teilnehmenden Staaten alle Kapitalverkehrskontrollen auf, um einen uneingeschränkten Kapitalverkehr
zu gewährleisten. ………

„Darüber hinaus wurden alle Kapitalverkehrskontrollen aufgehoben, um den Weg für eine wirksamere Disziplinierung der nationalen Wirtschaftspolitiken durch die Kapitalmärkte freizumachen.“ (Also so eine Formulierung geht keinesfalls – würde ja jeder „Nutzmensch“ sofort mitbekommen wo „Gott“ wohnt – also raus damit ….. damit die Fürsten und Regelmacher lächeln …..

schöne Tage

Gekis Oktober 12, 2011 um 02:58

.. die neoliberale geistige Umnachtung hat einen neuen Höhepunkt erreicht, aus lauter Angst vor dem frühen Tod, begeben sich jetzt die Anhänger der Gier, zum kollektiven Selbstmord …har, har, har!

http://www.zeit.de/wirtschaft/2011-10/slowakei-efsf-abstimmung

Nanuk Oktober 12, 2011 um 08:23

@Gekis
Der Schuldenschnitt kommt jetzt…
http://www.youtube.com/watch?v=44QB-HicmXM

Nanuk Oktober 12, 2011 um 08:30

Die Konsequenzen sind auch klar die langfrisigen Zinsen steigen und die Preise purzeln…. Deathtrap für die Unternehmer.

Maus November 3, 2011 um 20:03

Mir scheint nicht der Euro, oder die Griechen sind das Problem. Es ist die völlige Inkompetenz unserer Politiker, Entscheider und sogenannter “Elite”.
Es geht schon damit los, dass man in den verschiedensten Diskussionen im TV und Radio, aber auch gedruckt in den Medien, Beschreibungen zur Lösung und Erklärung der Krise liest, die Vergleiche mit “der schwäbischen Hausfrau” ziehen.
Wie schwachsinnig ist das denn?
Die “schwäbische Hausfrau” agiert Betriebswirtschaftlich. Ein Staat jedoch MUSS Volkswirtschaftlich agieren. Wer das nicht auseinander hält, hat doch ganz offensichtlich keinen blassen Schimmer, wovon er, oder sie spricht.
Der Staat “produziert” ja das Geld und muss dessen Menge insoweit immer anpassen, daß die Geldmenge mit dem allgemeinen Wirtschaftswachstum Schritt hält und nicht ausufert. Zuviel Geld=Inflation, zu wenig=Deflation.
Problematisch ist nun aber, dass die virtuelle Geldmenge (nicht das gedruckte Geld) durch “Finanzinnovationen” und “Finanzprodukte” ungeplant aufgebläht wurde. Dabei haben sich private Unternehmen und Anleger leistungslos die Taschen voll gestopft und nun werden die Schulden der Allgemeinheit (=dem Staat) in die Schuhe geschoben und dessen Akteure (=Politiker) merken es noch nicht einmal.

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