Ein Traum von Europa

by h.huett on 21. Oktober 2011

Der Tag hat nicht gebracht, was auf den Plänen stand. Weder eine Regierungserklärung der Bundeskanzlerin noch eine Debatte darüber im Bundestag, dafür endlose Spekulationen darüber, was sollte, hätte, müsste oder dürfte nicht geschehen, also beste Voraussetzungen für hypothetische Übungen. Gesetzt den Fall, Unterabteilungsleiter Sherpa Schieritz liefert den ersten Aufschlag, wie würde ich sein Dokument als ein rhetorisches Dokument redigieren?

Disclosure: Ich wurde gestern Nachmittag von dpa zur Regierungserklärung der Bundeskanzlerin um ein Interview gebeten, also zu einer Spekulation im Quadrat. Ich nehme an, es ist auf die Halde gewandert. Ich bedauere das nicht, denn noch viel mehr als darüber zu spekulieren, warum sie was sagt, interessiert mich, was sie warum nicht sagt.

Nun zu UAL Schieritz´ Text:

Präambeln internationaler Erklärungen stellen an den Anfang nicht die Verkündenden (wir …), sondern die Sache, um die es geht. Was ist die Sache? Die Währung? Die gemeinsame Zukunft? Oder die Zukunft Europas in der Welt? Da wir uns an der Größe der Aufgabe orientieren (statt, wie die Bundeskanzlerin, sie in möglichst viele kleine Schritte zu zerlegen) benutze ich als Blaupause die Präambel des Grundgesetzes:

Im Bewusstsein unserer Verantwortung für die Zukunft Europas

(wir sind säkular, meine Damen und Herren, wir lassen den Gottesbezug ersatzlos fallen)

, getragen von dem Ziel, dem Frieden in der Welt, dem Gedeihen der Völker und ihrer Zusammenarbeit zu dienen, haben die Staats- und Regierungschefs Europas

(bitte schön, nicht noch einmal eine Zone in den Text einer Völkerfreundschaftserklärung aufnehmen!)

folgende Vereinbarungen getroffen.

In der Präambel hat die Währung nichts verloren, weder als Valuta, noch als Bückware noch als Knute auf dem Rücken der sündigen Schuldner. Das Zahlungsmittel ist Mittel zum Zweck, kein Selbstzweck. Entweder zieht sich die Politik die Prärogative an oder sie überlässt ihr Geschäft den Automatismen, den Algorithmen und den Drohjanern, aber bitte nicht den Götzen Mammon über das Maß der ihm zugedachten Funktionen erheben.

Im ersten Punkt wäre ich auf Schieritz´Seite, wäre da nicht der Einwand zur Stelle, warum diese Generalabsolution, und diese nur für Griechenland? Was ist mit den nach wie vor geltenden europäischen Verträgen? Was mit der Ansteckungsgefahr? Was ist mit dem moral hazard? Und warum so schnell in die Details springen? Immerhin geht es um Heilung, um die Behebung fundamentaler Konstruktionsfehler im Gebälk der europäischen Verträge. Wieviel geltungssüchtige Professoren und Henkels oder Schäfflers dieser Welt krähen gleich wieder “Vertragsbruch” usw? Wie müsste also die Prärogative der Politik den ersten Paragraphen prägen? Die amerikanische Verfassung liefert hierzu Hilfstext:

We the People of the United States, in Order to form a more perfect Union establish Justice, insure domestic Tranquility, provide for the common defence,promote the general Welfare, and secure the Blessings of Liberty to ourselves and our Posterity, do ordain and establish this Constitution for the United States of America.

Also Schieritz, so lautet mein redigierter Vorschlag:

1. Wir, die Völker Europas, getragen von der Absicht, unsere Union zu vertiefen, ergänzen die bestehenden Verträge über die Europäische Union und die Europäische Währungsunion mit dem Ziel, zur gedeihlichen Entwicklung des Kontinents für einander einzustehen. Das Füreinanderstehen umfasst eine Garantie für alle staatlichen Zahlungsverpflichtungen der Mitglieder der Europäischen Union in Höhe von bis zu 60 Prozent ihrer nationalen Wertschöpfung. Über diesen Betrag hinausgehende einzelstaatliche Schulden werden für das Jahrhundertwerk der europäischen Einigung unter dem Dach einer Europäischen Bank für Wiederaufbau zusammengeführt und in 99 Jahren getilgt.

2. Das oberste Ziel unseres Handelns ist es, das Vertrauen in die finanzpolitische Verlässlichkeit der Europäischen Union sowie der Europäischen Währungsunion wiederherzustellen. Deshalb verzichten wir auf einen Schuldenschnitt und die Einbeziehung der Gläubiger.

3. Alle Mitglieder der Europäischen Union und der Europäischen Währungsunion sind sich darüber einig, Fehlentwicklungen, die zu der aktuellen Krise geführt haben, dauerhaft entgegenzuwirken durch eine koordinierte Finanz-, Sozial- und Wirtschaftspolitik mit dem langfristigen Ziel einheitlicher Lebensverhältnisse auf unserem Kontinent.

4. Für die Ausarbeitung der erneuerten europäischen Verfassungsverträge berufen wir einen Konvent ein, um die politische Union zu schaffen, ohne die eine Währungsreform nicht funktionieren kann.

5. Den Stabilisierungsfonds EFSF benennen wir um: Er wird seine Funktion als Europäischer Währungsfonds erfüllen. Zur institutionellen Ergänzung etablieren wir eine europäische Rating-Agentur, deren Finanzierung anteilig aus dem Aufkommen einer europaweiten Finanzmarkttransaktionssteuer bestritten wird. Die Europäische Rating-Agentur erhält die Rechtsform einer Europäischen Stiftung, ist unabhängig und keiner politischen Weisung unterworfen.

6. Wir setzen in Europa und zusammen mit unseren Partnern in der Welt auf Ressourcen schonende und auf sozialen Ausgleich setzende Wirtschaftspolitik. Unser Jahrhundertwerk der Europäischen Einheit setzt deshalb auf einen neuen contrat social, für den sich Europa auch in seiner internationalen Politik wirtschaftlicher, ökologischer und sozialer Zusammenarbeit einsetzen wird. Das Jahrhundertwerk erfordert nach zwei Dekaden sozialer Auseinanderentwicklung einen kontinentalen Lastenausgleich. Zu diesem Zweck führen wir ab sofort einen europaweiten Spitzensteuersatz von 60 Prozent ein. Die Wettbewerbsfähigkeit Europas, seine Attraktivität als Ort für Ausbildung, Forschung und Investitionen lebt von der Arbeitskraft der Menschen in Europa. Gute Arbeit ermöglicht langfristig auch ein erfülltes Arbeitsleben, was es uns mit einer Übergangsfrist von zehn Jahren erlaubt, europaweit das Renteneintrittsalter auf 70 Jahre zu erhöhen.

7. Einheit in Vielfalt bleibt auch künftig das Leitmotiv des politischen Handelns in Europa. Unsere Einheit wird der Welt als Vorbild dienen. Sie versetzt unseren Kontinent in die Lage, mit seinen Partnern Frieden und Wohlstand weltweit zu sichern und zu mehren.

So, lieber Mark Schieritz, so sehen staatspolitische Texte aus, die über das Kleinklein der Geburtsfehler der Vergangenheit hinausweisen.

Vielen Dank für die Vorlage!

update 1:

Es versteht sich von selbst – nach der Vorgeschichte und den jüngsten Ausführungen durch den Präsidenten des BVerfGs – dass es hierüber zu einem europaweiten Verfassungsreferendum kommen muss. Die Erzählungen dafür liegen bereit. Es fehlt die politische Klasse, die sie beglaubigt.

Es fehlt erstaunlicherweise ein eigener Punkt zur Regulierung der Finanzmärkte. Frei nach Paul Krugman: Banken sollen wieder langweilig werden. Also Abtrennung der Investmentbanken von den Allgemeinbanken. Und toxische Finanzprodukte wie Credit Default Swaps werden wegen Sittenwidrigkeit aus dem Verkehr gezogen.

update 2:

Obama hat 2009 den Ted Kennedy Act auf den Weg gebracht, ein Riesenprojekt gegen Massenarbeitslosigkeit der Jugend: Vorbild für einen europäischen Zivildienst, länderübergreifend, soweit Interessenten schon längere Zeit arbeitslos sind (zB Spanien) oder keinen Schulabschluss oder keine Berufsausbildung haben mit Ausbildungselementen. Die nächste Generation braucht sich von ihren Großeltern nichts mehr von den Schützengräben erzählen zu lassen. Sie machen ihre eigenen europäischen Erfahrungen.

{ 60 comments }

wowy Oktober 21, 2011 um 21:15

@Hans Hütt Ich habe herzhaft gelacht.

Stephan Oktober 21, 2011 um 21:15

OK. Wenn es jemals eine Volksabstimmung über dieses Pamphlet gibt dann stimme ich dagegen. Rente mit 70 europaweit? Das kann auch nur ein Intellektueller fordern der natürlich mit 70 noch die Stirn runzeln kann.

Balken Oktober 21, 2011 um 21:23

Großer Entwurf mit Hüttscher Sprachgewalt.
” … so sehen staatspolitische Texte aus, die über das Kleinklein der Geburtsfehler der Vergangenheit hinausweisen.” Soviel Selbstbewußtsein muss sein,wenn es doch nun einmal angebracht ist. Ich höre dies in Gedanken vorgetragen von Merkel – und muss schmunzeln. Ein Obama könnte das vortragen, inhaltlich und rhetorisch glaubhaft. Wir sind Provinz. Seit Strauß, Wehner, Brandt, Schmidt keine Redner mehr, denen ein Rhetoriker so etwas aufschreiben und zumuten könnte.
Wie allerdings inhaltlich Ziff. 2 (letzte Zeile) und 3. (letzte Zeile) zusammengehen, erschließt sich mir noch nicht.

h.huett Oktober 21, 2011 um 21:25

Stephan
Das ist gebundener Text mit intrikaten Tiefen (und Untiefen), wo von guter Arbeit die Rede ist, steckt alte Wiener Sozialisten- und Psychoanalysetradition drin: Liebe und Arbeit war einmal eine Grußformel!

h.huett Oktober 21, 2011 um 21:28

Balken
Das bezieht sich auf die auf Europa erweiterte Funktion einer natürlich anders gelagerten Kreditanstalt für Wiederaufbau. Als Muster für die Zahlenströme gibt es als Vergleichsmaßstab deutsche Reparations- bzw. Wiedergutmachungszahlungen.

Nanuk Oktober 21, 2011 um 21:34

Warum 70 so eine Magische Zahl ist weil Statistisch gesehen die meisten zwischen 60 und 70 das zeitliche segnen nett oder… den Schnitt machen nur die wenigen kaput die 90 und Älter werden…

Mark Schieritz Oktober 21, 2011 um 21:35

Hut ab! Wir sollten uns zusammentun :)

Nanuk Oktober 21, 2011 um 21:56

“steckt alte Wiener Sozialisten- und Psychoanalysetradition drin: Liebe und Arbeit war einmal eine Grußformel!”

Dann geh mal dort hin wo du das Arbeiten lernst…

egal Oktober 21, 2011 um 21:58

“Wir SETZEN in Europa und zusammen mit unseren Partnern in der Welt auf Ressourcen schonende und auf sozialen Ausgleich SETZENDE Wirtschaftspolitik. Unser Jahrhundertwerk der Europäischen Einheit SETZT deshalb auf einen neuen contrat social, für den sich Europa auch in seiner internationalen Politik wirtschaftlicher, ökologischer und sozialer Zusammenarbeit einSETZEN wird.”

Nochmal überabeiten müsste mans aber, gell?

14 Oktober 21, 2011 um 22:01

Das oberste Ziel unseres Handelns ist es, das Vertrauen in die finanzpolitische Verlässlichkeit der Europäischen Union sowie der Europäischen Währungsunion wiederherzustellen.

hahaha, das in 40 und mehr Jahren gewachsene Vertrauen ist längst perdu….das hätten sich die neoliberalen dEREGULIERIERpenner und Lohndrückerunternehmen aus cduspfdgrüner Politik und Banken vorher überlegen sollen…auch wächst solch ein Vertrauen nicht jedes Jahr neu auf den Bäumen und kann mit keiner Agenda von oben herab befohlen werden..

Hans Hütt Oktober 21, 2011 um 22:16

egal
This being the 2nd draft so there are n+1 synononyms fuers setzen. Setzen!

keiner Oktober 21, 2011 um 22:29

http://www.youtube.com/watch?v=M5ZlX3U6osw

Oder auch hier:

http://www.youtube.com/watch?v=b_UaiQpRsMc

Vertrauen der Finanzmärkte wieder herstellen! Soll ein großer Lacher im Kasino des Gegners gewesen sein…

Balken Oktober 21, 2011 um 22:29

@14, 22:01

Da war wohl das Vertrauen anderer Leute gemeint, das wiederherzustellen sei: das Vertrauen jener, die gegenwärtig gern kryptisch “die Märkte” genannt werden. Insoweit bleibt der vorgeschlagene Text für eine Vereinbarung im System befangen. Ein Redenschreiber hat nicht die Aufgabe, SEINE Sicht der Dinge darzustellen, sondern dem Auftraggeber eine gut formulierte Rede “auf den Leib” zu schreiben. (Daher auch mein Schmunzeln bei der Vorstellung, Merkel trüge das als Rede vor. An sie kann, meine ich, bei dem Vorschlag unmöglich gedacht sein.) Ob das inhaltlich Meinung des des Redenschreibers ist, kann hier dahinstehen. Inhaltlich könnte man etwa einem Obama eine andere Rede schreiben, mit Ansagen, die sich ein gegenwärtiger SPD-Chef nicht trauen würde. Man nehme die Rede Obamas zum American Jobs Act zum Vergleich. Auch da geht es um economy und competition. Und es geht auch da um Vertrauen – um das Vertrauen von Joe Sixpack. Amerika ist immer noch für Überraschungen gut. Wir haben hier statt dessen geistig-moralische Wenden und dritte Wege in Folge hinter uns, die nur noch Zynimus übrig lassen.

keiner Oktober 21, 2011 um 22:31
14 Oktober 21, 2011 um 22:45

Balken, vom ehemals Goldman Banker Flossbach:

Der Markt hat den Glauben an die Problemlösungskompetenz der Politik verloren, endgültig. Und die Glaubwürdigkeit ist nun mal das höchste Gut eines Politikers .

oder

„Wer rettet die Demokratie vor den Rettern?“

„Die Banken haben das Vertrauen, auf das sie mehr als jede andere Branche angewiesen sind, v e r s p i e l t. Kein Wunder, dass der Kapitalmarkt kaum noch bereit ist, ihnen Geld zu leihen. Aufgeblähte Bilanzen, zu wenig Eigenkapital, falsche Anreizsysteme, komplexe Geschäfte und zunehmende Risiken machen Großbanken zu unkalkulierbaren Risiken für ihre Aktionäre, den Staat und damit die ganze Gesellschaft.“

Sack und Asche (für die Gauner, die sich gegenseitig nicht mehr über die Badbank-Bilanz trauen) ist angesagt..

[wie damit Wirtschaftswaxtum und Schuldenbedienung angekurbelt wird? - Weiß ich auch nicht!.....(aber "unsere" €-Dollar-Schein-Sachzwang-Pragmatiker werden es uns sicher zeigen, gell..).]

snozin Oktober 21, 2011 um 22:45

@ Hans Hütt

Hier, hierdurch oder -mit (damit ist gemeint: hiermit, her damit) bitte ich um Erlaubnis, den oben unter 1 bis 7 veröffentlichten Text seinen Teilen nach (1 bis 7) oder in seiner Gesamtheit zeitlich unbefristet verwenden zu dürfen, und zwar ausschließlich zum Zwecke (dies jeweils kenntlich gemacht) der Verfertigung eines Kommentars allhier, im Blogge WIESAUSSIEHT, wenn es mir danach ist und auch dann, (nein, nicht wenn es mir nicht danach ist) wenn es den Anschein hat, ein Widerwort oder eine ähnlich gelagerte Ungebührlichkeit zu sein.

Über eine auf 99 Jahre beschränkte oder gar geringere Erlaubnisgewährung (dies nur als Hinweis) würde ich grübeln müssen.

Hans Hütt Oktober 21, 2011 um 23:13

snozin
Ihr Antrag erfüllt nicht die Formerfordernis eines bürgerlichen Rechtsanspruchs und gilt deshalb als nicht gestellt. Zurück in den Wartestand!

Hans Hütt Oktober 21, 2011 um 23:36

Mark Schieritz
Gebongt ;-)

Nanuk Oktober 22, 2011 um 07:41

Im übrigen beweist Herr Schieritz das Ideologie bisweilen einen selber in die Wade beist.Denn als Journalist ist er prädestiniert für Herz Kreislauf erkrankungen und hat damit eine Geschätzte mittlere Mortalitäts Rate von 63 Jahren. Er wird also aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mal in die nähe der Rente ab 70 kommen.

Natürlich könnte man für Journalisten eine Aussnahme machen aber ich denke mir mit der Partei die ich dann gründen werde bekomme ich bestimmt 30% der Stimmen wenn ich dezent auf das Wort Sesselfurzer hinweise.

Nanuk Oktober 22, 2011 um 07:42

Natürlich hat er sich dann die alters Armut erspart… kleiner Scherz.

Nanuk Oktober 22, 2011 um 07:50

Also mal so unter uns Mark. Schön joggen gehen dann schaffst du es vieleicht bis 67….

Nanuk Oktober 22, 2011 um 08:10
holger Oktober 22, 2011 um 08:34

Nanuk

bis die Menschen merken, dass die verfügbare Arbeitszeit immer geringer wird (Automatisation), dauert es nicht mehr lange. ca. 500 Jahre vielleicht noch. Milliarden von Arbeitsstunden sind jetzt schon überflüssig und dienen nur der Beschäftigungstherapie. Dafür sorgt schon der Gesetzgeber ausführlich. Schaffen wir das BGE an. Dann sind diese elenden Diskussionen wann wie und wo überhaupt Rente ad acta zu legen.

Nanuk Oktober 22, 2011 um 08:41

ca. 500 Jahre vielleicht

Ja bisweilen dauert das bis die Verdrahtung im Kopf in der Realität ankommt…

h.huett Oktober 22, 2011 um 08:58

Nanuk
Bei der Rentenregel gibts Ausnahmen. Für Dich. Für Dachdecker, Krankenschwestern und Pflegekräfte. Familienarbeit sowieso (also Kinder ohne Ritalin aufziehen, Omas und Opas ohne Madopar pflegen, Volkslieder auf Webseiten posten) also der ganze Nanuk-Kram gibt Punkte ohne Ende. OK?

Nanuk Oktober 22, 2011 um 09:01

Also für alle… da kann man auch bei 65 bleiben.Ohne ein Bürokratiemonster zu erschaffen und das auch noch Europaweit…

Nanuk Oktober 22, 2011 um 09:02

Das ist bescheuert… wenn man keine Rente mehr zahlen will dann sag das doch einfach.

Nanuk Oktober 22, 2011 um 09:18

Wir müssen ja sparen für unseren neuen Gott da braucht es Opfer.Wir schaffen einfach ne Rating Agentur und Raten unsere Anleihen immer mit AAA… wie man an Japan sieht klapt das ganz gut die können die Anleihen auf Junk Raten da zucken die nicht mal… wenn man schon nicht mehr an sich selbst glaubt dann ist das die beste Lösung…

http://www.youtube.com/watch?v=rHD1l1cCFT0

Mark Schieritz Oktober 22, 2011 um 09:27

@Nanuk: No problem with dying in service. Ich sehne mich nicht nach Ruhestand

Nanuk Oktober 22, 2011 um 09:31
holger Oktober 22, 2011 um 09:35

Irgendwie scheint der Mensch darauf fixiert zu sein, möglichst lange, möglichst intensiv, das Leben der Anderen beeinflussen und bestimmen zu müssen. Wenn ich mir diese Gaga Welt anschaue, könnte ich meinen alten Herrn immer einen in die Fresse hauen. Hätte er nicht zu Hause bleiben können? Nein… da poppt der 1968 auf ner Dorfkirmes rum.

Hätte ich gewusst, auf was ich mich hier (auf Terra) einlassen muss, dann hätte ich noch im Geburtskanal den Not-Aus gedrückt. Ist ja nicht mehr normal über was sich der Mensch definiert. Geld und Arbeit/ Arbeit und Geld… Ränte sischer och. Als wenn es nix anderes geben würde. Das mit den Affen und so, das stellen wir mal fein zurück. Als Vorbild diente vermutlich eher das Rindvieh.

Mit welchem Recht bestimmen irgendwelche Leute, wie lange ich zu arbeiten hätte? Ich arbeite so lange, wie es mir passt. Das kann bis 50 sein, das kann aber auch noch mit 80 klappen. Wenn ich schon lese „Gesetzliches Rentenalter“. Und wenn ich das nicht erreiche, bekomme ich dann noch ein Bußgeldbescheid? Für unrechtmäßiges zu frühes Abtreten ohne Genehmigung?

Mein Frau und ich wir lachen uns immer schlapp, was wir in ca. 20-25-30 Jahren (man weiß ja nie) :D an Ränte sischer och zu erwarten haben. Bis dahin haben wir mindestens noch 5 Währungsreformen. 8 mal Griechenland. Und 13 mal Portugal. Wenn bis dahin das Abendland noch nicht untergegangen ist. Mal wieder.

Nanuk Oktober 22, 2011 um 09:49

@holger
Als Vorbild diente vermutlich eher das Rindvieh.

Leider ist das so und durch die Vermarktlichung ist das noch schlimmer geworden.Weil der Markt Herdenverhalten belohnt…

matt_us Oktober 22, 2011 um 10:12

@Hans Huett

Sehr staatsmaennisch! Karlspreis verdaechtig. Fast. (Rhetorikerpreis natuerlich soundso!) Wir garantieren alle Schulden aller Laender ueber 60%. Genau sowas sollte gesagt werden naechste Woche! Oder schon am Sonntag.

Sehr schoen jednefalls, bis die Meckerfritzen aus der Versenkung kommen, die Henkel-Hankel-Hampelmaenner.

Das Problem mit sowas – wo soll das hinfuehren? Wenn Schulden immer weiter gemacht werden? Wer tritt auf die Bremse?

Besser – und so aehnlich. Wir loesen mit Euroanleihen alle jetzigen Schulden aller Laender ueber 60% ab. Wir Europaer zahlen damit u.a. Griechenlands Schulden ab. Dann verpflichten sich die Laender im Gegenzug absolut keine Schulden ueber 60% mehr zu machen. Keine. Das bodenlose Fass hat dann sofort einen Boden, und auch einen Deckel. Sehr gut fuer die Finanzstabilitaet in Europa. (Sehr schlecht fuer arme verantwortliche Staaten wie Estland – 7% Staatsschulden).

Dann, wenn durch ein Defizit die Schulden ueber 60% stiegen, muessen sich die Staaten bei ihrer eigenen reichen Bevoelkerung das Geld holen. Das wird hart fuer die Reichen in Griechenland und GB, denn das sind so um die 5 – 8% des BIPs – also das Defizit naechstes Jahr – das durch Vermoegensteuer eingesammelt werden muesste (60% Einkommensteuer ist zwar ganz nett, aber bei weitem nicht genug!). An Vermoegensteuer/abgabe geht kurzfristig kein Weg vorbei, denn sonst gibt es nirgendwo mehr was zu holen.

Dann koennte man so einen Vorschlag auch als Referendum den Europaern vorlegen, und es wuerde auch akzeptiert. (Aenderung des Lissabon Vertrags.) Denn nur die Finanzmaerkte ruhigstellen – und das wuerde Dein Plan ja machen, ist zwar sehr sehr wichtig, aber langfristig nicht genug.

Das Problem in der Bevoelkerung ist ja nicht moegliche Inflation (wie unsere irischen Freunde glauben), sondern potentielle Haftung fuer Staaten die nicht ihre Haushalte in den Griff bekommen, weil sie keine Steuern erheben wollen. Dagegen ist das Volk.

Balken Oktober 22, 2011 um 10:35

@keiner, 21.10., 22:31

Danke für den Link. Fricke ist in der Tat stets näher an der Wahrheit als andere. Aber eben nur näher dran. Die Wahrheit kann auch er nicht schreiben.
Er erinnert jetzt, da alle von “Staatsschuldenkrise” reden, immerhin daran, was es von Anfang an war und immer noch -gegenwärtig wieder unkaschierbar – ist: Bankenkrise. Aber auch diese Darstellung bleibt im Vagen, die Schlussfolgerung ist, wir müssen den Drachen beschwichtigen, wenn auch ungern, aber es gebe (noch) keine andere Wahl. Der Drache (wer das ist, wird nicht verraten, manche sagen statt Drache auch “Märkte”, aber auch das ist eine mythische Umschreibung) , dem “wir alle” (wer ist das nun wieder?) derzeit Opfer, bringen müssen, wird besser erst später herangezogen werden, meint Fricke.
Wer genaueres wissen will, und wen oder was man jetzt schon heranziehen könnte (außer Mehrwertsteuerzahlern, Zwangsarbeitern, Billiglöhnern, und rüstigen Alten, die früher mal Rentner waren), muss bei den Parias, solchen wie Flassbeck, nachschauen. Aber was ein Falssbeck so meint, ist irgendwie öbszön (also gegen den gesellschaftlichen Geschmack, “das tut man nicht”. Der Drache wird nämlich erst im Jenseits herangezogen. So war es und ist es, in Ewigkeit Amen.

Balken Oktober 22, 2011 um 10:39

… tschuldigung, das nächste Mal korrigiere ich nochmal, bevor ich absende, und setze dabei sogar die Brille auf. Scheint erforderlich…
Wird sonst ‘ne obszöne Zumutung …

ceterum censeo.2011 Oktober 22, 2011 um 10:51

@Mark Schieritz Oktober 22, 2011 um 09:27
No problem with dying in service. Ich sehne mich nicht nach Ruhestand

Wenn ein Selbständiger so etwas sagt, welcher die Möglichkeit zu selbstbestimmter Tätigkeit hat, dann kann ich dies verstehen.

Aber wenn so etwas von einem fremdbestimmten Lohnschreiber kommt, so fällt mir Marie von Ebner-Eschenbach ein:

“Die glücklichen Sklaven sind die erbittertsten Feinde der Freiheit” –
„dying in service“

Balken Oktober 22, 2011 um 10:58

@ matt_us
” … muessen sich die Staaten bei ihrer eigenen reichen Bevoelkerung das Geld holen. Das wird hart fuer die Reichen in Griechenland und GB, denn das sind so um die 5 – 8% des BIPs – also das Defizit naechstes Jahr – das durch Vermoegensteuer eingesammelt werden muesste (60% Einkommensteuer ist zwar ganz nett, aber bei weitem nicht genug!). An Vermoegensteuer/abgabe geht kurzfristig kein Weg vorbei, denn sonst gibt es nirgendwo mehr was zu holen. ”

O.k., es muss nicht Flassbeck sein (war auch nur als Beispiel gemeint), matt_us kann es uns auch sagen. Schreibt aber nicht in der FTD, glaube ich? Da wird der Drache aber vor Wut schnauben, fürchte ich!
Einfach so zu sagen, dass es nicht um “die” Griechen, “die” Franzosen
usw., chauvinistisch weitere Natiuonen hier nach Gusto ad libitum einzusetzen, geht, “die” Banken, “die” Märkte, sondern um Verwerfungen IN den jeweiligen Gesellschaften selbst – nein, das tut man nicht!

holger Oktober 22, 2011 um 11:16

Madoff

hat die Rente auch schon durch

http://www.welt.de/print/die_welt/politik/article13674772/Madoff-fuehlt-sich-pudelwohl.html

Eine Gefängnisstrafe von 150 Jahren könnte bei dem einen oder anderen Menschen doch irgendwie depressive Gefühle auslösen – aber nicht bei Milliardenbetrüger Bernard Madoff. Der Mann, der jahrzehntelang das Geld seiner prominenten Anleger überhaupt nicht anlegte, scheint sein neues Leben hinter Gittern zu genießen. Das Gefängnis in North Carolina, in dem er seine Haftstrafe absitzt, erinnere ihn eher an einen Universitätscampus, er selbst werde mit ebenso viel Respekt behandelt wie ein “Mafiaboss”, schrieb Madoff an seine Schwiegertochter Stéphanie Mack.

Suppi… Wenigstens einer der glücklich ist. :D

Balken Oktober 22, 2011 um 11:49

Kurz auf den Punkt gebracht http://www.egon-w-kreutzer.de/.
Könnte man schon mal vorausschauend for politicians to come (man muss ja nicht an Merkel und Sarkozy dabei denken) eine Hütt’sche Regierungserklärung verfassen auf einem solchen Hintergrund? Wie könnte die aussehen, staatsmännisch-staatstragend formuliert, mit allen mitreißenden captationes benevolentiae versehen, die beispielsweise bei den Reden eines Obama immer diese standing ovations provozieren, wo dauernd diese alten gesetzten Herrschaften im Kongress bipartisan magisch hochgerissen werden, nolens volens … Oder geht das mit diesem Inhalt in diiieeser Welt gar nicht …

Nanuk Oktober 22, 2011 um 12:06

@holger
Du siehst es gibt noch Orte an denen Intelligenz geschätzt wird..

Neuling Oktober 22, 2011 um 12:43

Schöner Text, zusammengefasst:

- Europa wird komplett auf AAA gesetzt (unbankrottbar)
- Bankenbilanzen sind wieder hervorragend

=> Staatsschuldenkrise gelöst
=> Eigenkapitalkrise der Banken gelöst

Aber:

- Casino läuft weiter
- Zinseszins Problem nicht angesprochen
- Staatsfinanzierung subventioniert Banken wieder risikolos mit eine Zinsgewinn zwischen EZB und “Marktzins”

Wer kümmert sich in Zukunft um die Guthabenkrise?

Neuling Oktober 22, 2011 um 13:01

@Hans Hütt 21.22:16

ist heute ein Synonym für setzen in 3 von vier Fällen = Zocken?

snozin Oktober 22, 2011 um 13:02

betr.: Pkt. 4, Konvent

Gewöhrt mir die Bütte,
Schieritz und Hütte,
isch sei der Dritte!

wowy Oktober 22, 2011 um 13:12

@snozin Juchei!!! Endlich einer der eine Bürgschaft verlangt. How about Berlusconi, aber dann nicht rechtzeitig da sein :-D

Eagon Oktober 22, 2011 um 15:51

Leider wird mark Schieritz Recht behalten.

Der jetzt geplante Schuldenschnitt Griechenlands löst nicht das Problem der fehlenden Nachfrage durch eine zu ungleiche Einkommensverteilung.

Nicht nur die griechische Wirtschaft braucht starke Impulse.

Die Krise geht also ungebremst weiter.

Werden wir im Frühjahr 2012 Neuwahlen in Deutschland bekommen?

Eagon Oktober 22, 2011 um 17:11

Euro IQ von Politikern schwankt zwischen dem 50 und 70igsten Lebensjahr um +- 20 Skalenpunkte.

http://www.g-o.de/wissen-aktuell-14014-2011-10-20.html

aaaandreas Kreuz Oktober 22, 2011 um 18:20

@Eagon

>>Werden wir im Frühjahr 2012 Neuwahlen in Deutschland bekommen?<<

Wen willst Du denn wählen?

Pest oder Cholera – oder beides zusammen?

aaaandreas Kreuz Oktober 22, 2011 um 18:20

a prellt ein wenig ;-)
aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa

Balken Oktober 22, 2011 um 20:30

Bankenkrise? Schuldenkrise?

Guthabenkrise! Forderungskrise! (Krise der Forderung, aus Fiatgeld-Luftbuchungen Ansprüche aus der Realwirtschaft ableiten zu wollen)
http://www.vermoegensteuerjetzt.de/js/reichtumsuhr-klein.js

Balken Oktober 22, 2011 um 20:33

Entschuldigung, falscher Link. Zweiter Versuch.
http://www.vermoegensteuerjetzt.de/topic/17.reichtumsuhr.html

Balken Oktober 22, 2011 um 20:53

Nicht, dass unbedingt die üblichen Verdächtigen aus Linkspartei und deren Umfeld zitiert werden müssen, auch ein Friedhelm Hengsbach S.J. und das Nell-Breuning-Institut der Jesuiten in Frankfurt klingt manchmal ähnlich – was wohl kaum an Nähe zur Linkspartei liegt. http://www.sankt-georgen.de/nbi/uploads/media/Europa_und_die_schwaebische_Hausfrau_10_2011.doc.pdf

Hans Hütt Oktober 23, 2011 um 00:38

nichts gegen Herrn Hengsbach, habe ihn mal in einer Jury erlebt, ein kluger engagierter, von denen es zu wenig gibt

no way Oktober 23, 2011 um 10:28

http://images.zeit.de/wirtschaft/2011-10/euro-gipfel-juncker/euro-gipfel-juncker-540×304.jpg

alle … auf einem Bild

etwas Risiko :
dann
Zwischentöne
dlf heute 13:30 Uhr
Musik und Fragen zur Person
der Finanz-Analyst Wieslaw
Jurczenko im Gespräch mit
Joachim Scholl

Eagon Oktober 23, 2011 um 16:27
Andreas Kreuz Oktober 23, 2011 um 21:32
h.huett November 9, 2011 um 20:35

Ganz abwegig scheint meine Idee vom 21. Oktober offenbar nicht zu sein, wenn man hört, was heute die Sachverständigen der Bundesregierung vorschlagen: https://www.taz.de/!81579/

f.luebberding f.luebberding November 9, 2011 um 20:51

Hütt

Sachverständigenrat schlägt jetzt Eurobonds mit einer gemeinsamen Haftung vor? Dann müssen sie wirklich verzweifelt sein.

h.huett November 9, 2011 um 21:05

Lübberding
to put it mildly, yes, now it really gets desperate

h.huett November 9, 2011 um 21:09

Lübberding

nebenbei hat Herr Weidmann Aussicht darauf, als größter Scherzkeks in die Geschichte einzugehen, oder als wichtigster Sidekick. Jedenfalls teilt er der Bundesregierung mit, es sei kein gutes Zeichen, wenn sie jetzt die Steuern senke. So gelacht habe ich schon lange nicht mehr: https://www.ftd.de/politik/deutschland/:appell-an-regierung-weidmann-raet-von-senkung-der-steuern-ab/60126874.html

f.luebberding f.luebberding November 9, 2011 um 21:35

Hütt

Der Kahn ist am Absaufen und er sorgt sich um das Silberbesteck in der Kombüse.

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