Geschichte wird gemacht

by f.luebberding on 1. November 2011

Demokratie ist Ramsch. Das bleibt nicht ohne Folgen:

“Man muss nicht alle Beziehungen des Witzes zum Unterbewussten kennen, um zu verstehen, wie massiv gerade moralische Übereinkünfte der Nachkriegszeit im Namen einer höheren, einer finanzökonomischen Vernunft zerstört werden. Solche Prozesse laufen schleichend ab, sie tun ihr Werk im Halbbewussten, manchmal über Jahrzehnte, bis aus ihnen eine neue Ideologie entstanden ist. So war es immer in den Inkubationsphasen der großen autoritären Krisen des zwanzigsten Jahrhunderts.”

Frank Schirrmacher in der FAZ.

update

Nur als Kontrastprogramm. Papandreou als Spieler.

“Denn man darf sich keine Illusionen darüber machen, was ein Nein der Griechen zu dem mühsam ausgehandelten Schuldenschnitt bedeuten würde: Die sichere Konsequenz wäre ein unkontrollierter Staatsbankrott. Griechenlands Ausscheiden aus der Währungsunion und der EU würden damit unvermeidbar.”

Es wäre übrigens kein Problem, einen unkontrollierten Staatsbankrott zu verhindern. Die Eurostaaten müssten lediglich deutlich machen, dass sie gemeinschaftlich für die europäischen Staatsschulden haften werden. Das würde an der Konsolidierungspolitik und der Nowendigkeit zur Reform des Staates in Griechenland nichts ändern. Man könnte beides aber dann so gestalten, dass auch die Griechen einen Sinn darin erkennen könnten. Aber das ist offenkundig jenseits des Horizonts europäischer Politik.

Gerade im Herdentrieb

Ökonomische Erklärungen zu dem Thema findet man bei Wermuth im Herdentrieb.

{ 216 comments… read them below or add one }

Nanuk November 3, 2011 um 22:00

@altenheim
Mors Mors

Pisa November 3, 2011 um 22:12

Warum ist Morph denn nicht mehr an Bord?

spinne November 3, 2011 um 22:19

@ pisa
morph fehlt u. ich fühl mich total scheiße weil das hier neulich alles so eskaliert ist
@ morph
please come back!

hab hier zwar nix zu melden aber das musste ich doch noch los werden

spinne November 3, 2011 um 22:22

wirkt hier total unterbevölkert ohne morph

lieber morph, du hinterlässt hier sicher nicht nur bei mir ein ätzendes loch im magen.

Aids Kampagne im Altersheim November 3, 2011 um 22:35

@nanuk

Ja, ja, mors,mors, moin, moin, woolte mich mal wieder melden.

Freut mich, dass Du durchgehalten hast und hier immer noch bist. :-)

Off-topic. Das Dumme an dieser Krise ist, dass es die Falschen trifft. Fällt mri gerade ein, LiuXiaobo – vor einem Jahr noch Aufrufe in aller Landen in freizulassen….jetzt sitzen sich alle lächelnd wieder gegenüber und beraten wie sich Chinesen am Euro beteiligen können. Dumm, wer glaubte dass es je etwas anderes ausser Geld zwischen der EU und China zu beraten gab. Ich glaube, LiuXiaobo wird in irgendeinem dunklen Loch verrecken und keiner wird es bemerken. Der ganze Rummel um den Nobelpreis vor einem Jahr, das war alles nur eine Posse. Die Leitdifferenz bei uns heißt Opportunismus. Demokratie sind die Puma-Sportschuhe für die Querschnittgelähmten.

http://de.wikipedia.org/wiki/Liu_Xiaobo

Viele Grüsse! Bis später einmal wieder :-)

Aids Kampagne im Altersheim November 3, 2011 um 22:40

@nanuk

P.p.s.
hier noch ein paar Fotos dazu:
http://saveliuxiaobo.wordpress.com/

ceterum censeo.2011 November 3, 2011 um 23:38

@Aids Kampagne im Altersheim
LiuXiaobo – vor einem Jahr noch Aufrufe in aller Landen in freizulassen….jetzt sitzen sich alle lächelnd wieder gegenüber und beraten wie sich Chinesen am Euro beteiligen können. Dumm, wer glaubte dass es je etwas anderes ausser Geld zwischen der EU und China zu beraten gab.

Liu Xiaobo ist eine tragische Persönlichkeit. In China wird er zum Dissidenten, vom Westen wird er instrumentalisiert.

Letztlich gab es eine China-Diskussion auf einem anderen Blog:
http://le-bohemien.net/2011/10/12/vorbild-china/

Wäre schön gewesen, wenn Du mitdiskutiert hättest. Wenn Du dazu Lust hast, kannst Du noch einen Kommentar mit Deiner Meinung dort hineinstellen.
Es würde mich freuen.

Neuling November 3, 2011 um 23:48

Was hinter den verschöossenen Türen abgelaufen ist werden wir nie erfahren. Auch wenn Papandreou es mit dem Referendum aufrichtig gemeint haben sollte, werden die Helfer ihn nicht ohne entsprechend vorformulierte Erklärung zurück gepfiffen haben. Es war ein gescheiterte Fluchtversuch – nicht mehr und nicht weniger.

Aids Kampagne im Altersheim November 4, 2011 um 00:27

@ceterum censeo.2011

Vielen Dank für den Link.

Ich habe einen Kommentar geschrieben.

Bin erstmal wieder Off-Line… :-)

Bis zum nächsten Mal.

Viele liebe Grüsse

ceterum censeo.2011 November 4, 2011 um 06:58

@no way November 3, 2011 um 06:23
“…reale Lösungen haben sie (nicht) anzubieten”
vergessen?
Game over !

„Game over!“ bedeutet NICHT: keine Lösung,
sondern „Mehr-Desselben“ ist keine Lösung.

Selbstverständlich gibt es Lösungsmöglichkeiten.

Das macht doch gerade die Bedenken von Rechten wie Schirrmacher aus.

Der Lösungsweg der Herrschenden ist totalitäre Herrschaft mit Zerstörung der freiheitlich-demokratischen Zivilisation, also ein neuer Typ von „Faschismus“.

Und einige Rechte wie Schirrmacher stehen dieser Zukunft ambivalent gegenüber …

h.huett November 4, 2011 um 08:08

Neuling
Warum so voreilig? Es reicht doch, die verdrehte Headline des ehemaligen Nachrichtenmagazins zur Kenntnis zu nehmen, um eine Idee von der diskreditierenden Dramaturgie zu gewinnen: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,795800,00.html

Der Tag der Wahrheit, die Sekunde, in der sie tatsächlich weggefegt wird, ist die Perfidie, mit welcher das einstige Sturmgeschütz entsichert. Ryszard Kapu?ci?ski hat in einem wunderbaren Buch das Ende Haile Selassis beschrieben. Es gab ein Hofprotokoll, das es erforderte, dass die Bittsteller (zu denen a priori auch ausländische Diplomaten gerechnet wurden), sich in voller Länge auf den Boden warfen. Wenn der Zeremonienmeister mit dem Stock den Takt des Vorwärtsrobbens angab, wurde der Thron, je näher die Petenten robbten, in die Höhe geliftet.

Heute morgen hat ein weiterer Protagonist der nea Demokratia im Deutschlandfunk geschwafelt, ein opportunistisches Theater, das der Spiegel durch seine Headline bereitwillig mit munitioniert. Wer auch nur das Wort der Demokratie in den Mund nimmt (das reicht offenbar), muss ins Gras beißen – oder zumindest jeden Rest an Selbstachtung verlieren.

Neuling November 4, 2011 um 10:58

Mein Kommentar sollte eben nicht voreilig die verschlungene Motivation Papandreous bewerten.

Er entstand nach dem Interview mit Frank Lübberding gestern Abend in 3Sat, indem er sagte:” Offenkundig ist dieser Volksentscheid, den ich für absolut richtig gehalten habe, nur aus taktischen Beweggründen gemacht worden. Es war ein reines Machtkalkül zwischen Brüssel, Berlin, Paris und Athen. Und es ging niemals um die Beteiligung der Menschen in Griechenland.”

Das Interview fand ich klasse, aber diese Aussage oben, wenn sie zutrifft, würde mich in meiner Meinung bestärken, dass die heutigen Politiker nur interne Spielchen treiben und nicht bemerken, was sie dabei anrichten.

alpe November 4, 2011 um 11:35

@h.huett (November 3, 2011 um 17:40)

Guter Kommentar! Ich denke, wenn man die fehlende monetäre Absicherungsverpflichtung des CDS auf Anbieterseite (sprich, dass der Versicherer im Eintrittsfall auch in der Lage ist zu bezahlen) als Hauptproblem benennt, kommt man dem Kern der Sache schon sehr nahe. AIG ist beispielsweise dadurch auf die Nase gefallen.

Es ist stellenweise schon sehr erstaunlich, welch kreative Konzepte das menschliche Gehirn zu entwickeln in der Lage ist, wenn man ihm nur genug Zeit, Anreiz (die Aussicht auf Geld, viel Geld) und Aktionsspielraum (die US-amerikanische “no regulation” Mentalität) gibt. Zum Beleg kann ich nur jedem Leser hier empfehlen, sich einmal die ersten 40 Minuten dieses podcasts anzuhören (http://www.thisamericanlife.org/radio-archives/episode/405/inside-job). Die Story von Magnetar Capital. Faszinierend.

h.huett November 4, 2011 um 11:42

alpe
Nebenbei ist die Magnetar-Story Thema eines Konflikts zwischen Yves Smith, die die story in ihrem Buch ECONned zuerst aufgedeckt hatte, und Pro Publica, die sehr viel später die Recherchen draufsetzten,

h.huett November 5, 2011 um 06:44

Die Berichterstattung des ehemaligen Nachrichtenmagazins bleibt auf der demagogischen Linie. Heute Morgen ist aus dem “Einknickpremier” http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,795800,00.html ein Wiederauferstandener geworden, schlimmer noch: ein wiederauferstandener Totgesagter: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,796024,00.html

So finden symbolischer Todeswunsch und “Befund” trefflich zusammen.

no way November 5, 2011 um 07:39

Zombies der dritten Generation ;-)

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