Unterkomplexes Beschweigen

by h.huett on 4. November 2011

Krisen, die sich ihrem Höhepunkt nähern, provozieren gelegentlich Rettungsvorschläge, die ihren katastrophalen Ausgang noch beschleunigen.

Mit diesen Worten leitet Hermann Lübbe, Emeritus in Zürich, in der FAZ von heute eine erstaunliche Polemik ein. Lübbe hat die Epoche der 50er Jahre mit dem Diktum des “kommunikativen Beschweigens” treffsicher beschrieben. Im Falle der aktuellen europäischen Krise greift der Schweigenskenner zu starken Worten, hält eine Komplexitätsreduktion für zweckmäßig, deren Motive sich erst einer dichteren Lektüre erschließen. Denn er beschweigt sie.

Der einleitende Satz formuliert eine historische Regel im Gewand einer Prophezeiung. Die Krise hat ihren Höhepunkt noch nicht erreicht, das der eine Teil, ihr Ausgang wird katastrophal sein, das der andere. Man fragt sich unwillkürlich, welche andere Krise Lübbe das Anschauungsmaterial liefert, das er da zur Regel verdichtet.

Seinem Auftakt folgt allerdings erst einmal eine andere Art der Gefahrenabwehr, eine implizite Regel aus dem noch ungeschriebenen europäischen Insolvenzrecht, mit welcher Lübbe die Idee einer Ausrufung der “Vereinigten Staaten von Europa” (VSE) in eine Figur der Konkursverschleppung umdeutet. Die Gefahrenabwehr ruft ihn auf den Plan, weil diese Idee selbst von mehreren Mitgliedern der amtierenden Bundesregierung vertreten werde und nicht nur eine Idee “beliebiger Intellektueller” sei, also irgendwelcher daher gelaufenen Kläffer, Pinscher, Nerver, die ihre Beliebtheit nicht verdienen, so sie darüber verfügen, die durch die abschätzige Form der Mehrzahl auf fast untermenschliches Niveau herab gewürdigt werden können. Ohne dass Lübbe den Namen des Heideröschens fallen lassen muss, weiß jeder Nach dieser Einleitung weiß man, was mit dem Vorwurf auf dem Spiel steht. Die Frage ist bloß, welcher juristische Kodex zu seiner Bewertung herangezogen wird: das Wirtschaftsstrafrecht mit dem Tatbestand der Konkursverschleppung oder der Hochverrat.

Die anschließende rhetorische Operation erhärtet den Eindruck einer wutschnaubenden Polemik. Die vermeintliche Plausibilität der VSE-Idee wird mit dem ewigen Ingrimm kurz geschlossen, den notleidende deutsche Stadtstaaten wie die Freie und Hansestadt Bremen und das arme Berlin bei diesem Gesinnungsnachbarn der schwäbischen Hausfrau erregen. Was unter bundesdeutscher Perspektive gerade noch hinnehmbar scheint (der grundgesetzliche Anspruch lässt grüßen), sei für einen europäischen Bundesstaat undenkbar. Warum?

Solidaritätszumutungen, die familiär und schließlich auch staatsbürgerlich akzeptabel sind, setzen Erfahrungen der Zusammengehörigkeit voraus, über die sich politisch nicht autoritär nach Kassenlage disponieren lässt.

Diesen schneidenden Ton des Hohns kennen wir aus der deutschen Geistesgeschichte nur zu gut. Denn was bestreitet Hermann Lübbe? Bestreitet er die Idee der Solidarität? Das nicht. Er verwandelt sie, soweit sie zu einer gesetzlichen Norm verdichtet wird, in eine Zumutung, etwas gerade noch Akzeptables. Die Zumutbarkeitsgrenze sieht er überschritten, wenn zwei Dinge zusammenkommen: fehlende Zusammengehörigkeitserfahrungen (wie vermutlich zwischen den Menschen des Nordens und denen des Südens) und eine bürokratische Verfügungsmacht, die – durch autoritäre Ausgleichsnorm – zusammenbringt, was auseinander gehört. Die Argumentation unterstellt und bestreitet zugleich die Idee der Zusammengehörigkeit wie die sie fundierenden Erfahrungen.

Mögen die Wirtschaftshistoriker unter unseren Lesern doch einmal nachschlagen, wieviel Transferleistungen aus dem Stadtstaat Bremen in den 50er Jahren ins agrarische Bayern geflossen sind. Mögen die ROI-Experten unter unseren Erfindern einmal hochrechnen, wie die Zahlenströme zwischen Süden und Norden aussehen könnten, wenn die Energiewende Platz gegriffen haben wird. Indem ich historische Daten einerseits, Möglichkeitsräume andererseits anspreche, zeigt sich plötzlich, dass Lübbes Argument im Namen fehlender Erfahrungen die Idee der Erfahrung selbst in Misskredit bringt.

Warum? Lübbe bestreitet nichts weniger als den wirtschaftlichen Zusammenhang zwischen Schuldnern und ihren Gläubigern. Die Schulden der einen sind Sünde. Die Guthaben der anderen Verdienst. Two worlds apart. Darüber nach Kassenlage  (wie wird über sie Buch geführt, nach welchen Regeln bilanziert) entscheiden zu lassen, klärt den Blick auf die schiefe Konstruktion des Arguments. Lübbe schießt auf die Idee des Ausgleichs und bestreitet zugleich die tatsächliche Zusammengehörigkeit der beiden Seiten in einer Buchführung. Er führt absurdes Theater vor. Kuriositätenkabinett. Den Kontinent ohne Unterleib.

Kein Wunder, dass Lübbe im folgenden Abschnitt Zweifel am Zustandekommen eines politischen Konsenses zwischen Finnen und Griechen, Slowenen und Portugiesen, Österreichern und Franzosen anmeldet. Als ob er ein Ghostwriter Hans-Olaf Henkels wäre. Stellte Lübbe seine Frage nach Maßgabe von Adam Smith´ Studie über den Wohlstand der Nationen, käme er auf eine Vielzahl von anschaulichen Beispielen für erfüllte Beziehungen zwischen Osten und Westen, zwischen Süden und Norden. Aber das ist ja nicht sein Ziel. Er will auseinander bringen, was seiner politischen Absicht nach auseinander gehört. Seine Analyse ist ein Sprengsatz, nimmt grobe Verunreinigungen im explosiven Stoff billigend in Kauf. Lübbe formuliert eine europäische Apardheitspolitik, plädiert implizit für eine Revision der heute geltenden europäischen Verträge, die nur ein einziges Ziel verfolgt: die Durchsetzung und Behauptung der politischen Macht gemäß der bestehenden ökonomischen Ungleichgewichte auf dem Kontinent.

Sogar in der Vorstellung der Mehrheit der Deutschen geht ein staatlich geeintes Europa nicht über alles.

Das könnte wahr sein, wäre der Satz nicht so vergiftet. Er nimmt seinen Anlauf aus der nicht gesungenen ersten Strophe der Nationalhymne, mithin aus unterdrückten exkommunizierten Traditionen, schließt das politisch nicht Tolerierte kurz mit einer zum Schweigen gebrachten Mehrheit, delegitimiert so – wie durch einen argumentativen Schlieffenzug – den aktuellen status quo und verhöhnt zugleich noch im Echo, das aus diesem Satz ertönt, über was Deutschland zwischen 1939 und 1945 so alles hatte gehen können.

Sodann nimmt der Autor erneut Abstand, um die Idee eines politisch geeinten Europas aus historischer Distanz zu betrachten. Churchills Idee sei noch von einer globalen Machtverteilung ausgegangen, für die 1946 die Geschäftsgrundlage entfallen war. Seither, nach dem späten Beitritt des Vereinigten Königreichs in die EWG, sei Großbritannien der Garant gegen die politischen Flausen eines europäischen Bundesstaats. Hier zeigt sich – ganz nebenbei – ein intellektuelles Defizit, das ich in der Vehemenz des blinden Flecks in Lübbes Betrachtung nicht vermutet hätte. Wirtschaftsgeschichte, Finanzmärkte, Zahlenkenntnis und -analyse scheinen diesem europäischen Großhistoriker inmitten der größten Finanzkrise unserer Zeit nicht zu interessieren. Sein Garant gegen die Flausen könnte schon bald einer der größten Bittsteller an der Pforte für die Mühseligen und Beladenen sein. Aber das nur am Rande. Denn unsere Reise ist noch nicht ans Ziel gelangt. Nicht die Empirie ist ihr Thema.

Lübbes nächster Abschnitt ist mit einer Frage überschrieben:

Wer braucht Großstaaten?

Er resümiert flink die Wiederaufnahme Deutschlands in die große weite Bündniswelt, den Nutzen für Stand und Geltung des Lands in der Welt, kommt sodann auf einen Aspekt, der aus seiner Sicht die eifersüchtige Grandeur der französischen Nation betrifft. Gäbe Frankreich denn je seine Position als Vetomacht im Weltsicherheitsrat zugunsten eines Europäischen Bundesstaats auf?  Die Antwort erübrige sich, meint Lübbe, und begeht einen weiteren Fehler, indem er darauf verzichtet zu analysieren, in welchen Fällen Frankreich denn in den letzten Jahrzehnten Gebrauch von seiner Vetomacht gemacht hat. Ein weiterer blinder Fleck in der Wahrnehmung, der aus einer Tradition rührt, die vor allem die Macht der Verhinderung apostasiert, also die Tücke eines politisch organisierten Gemeinwesens wie die Bundesrepublik, die in ihrer inneren Verfasstheit nach Aussage mancher Beobachter zu viele Vetopositionen verfassungspolitisch verankert hat. Unterschwellig heult hier aus der scheinbaren Genugtuung über die unabänderliche Grandeur der französischen Nation die empörte Ohnmacht über die deutsche “blockierte Gesellschaft”, ein Phantomschmerz mit politischer Genese, Lübbes Dr. Seltsam-Syndroms, hier zuckt er an der falschen Stelle mit dem falschen Bild. Er bändigt den Impuls selbst. Man spürt aber, wie die dritten Zähne dazu knirschen, als er die Folgen der Globalisierung anspricht:

Der Anteil der Lebensvoraussetzungen wächst, für die gilt, dass sie sich entweder einvernehmlich oder gar nicht verschaffen oder sichern lassen.

Indem er diese Einsicht äußert, verstärkt er die Ohmachtsfigur gegen die Idee, dass doch gerade deshalb die Tendenz zu größeren Staatenbünden gehe müsse, mit dem Gegenbeispiel der vielen in Europa und seiner Nachbarschaft im vergangenen Jahrhundert auf den Plan getretenen neuen staatlichen Akteure.  Dass da jemand unter einem Harry Potterschen Unsichtbarkeitsmantel an den Gittern rüttelt, kommt in dieser Passage mit der Ortsangabe der “Pariser Vorortverträge” zum Ausdruck. Ohnmächtige Wut führt Lübbe noch fast hundert Jahre nach Versailles die Feder.

Der Druck im Autor wächst und sucht nach Abfuhr. Die liefert der nächste Abschnitt unter der Überschrift: “Die Deutsche Mark war zu gut.” Ganz beiläufig attestiert der Welthistoriker den vielen neuen staatlichen Akteuren völkerrechtliche Ewigkeitsgarantie, konzediert den regionalen Nationalismen politische Legitimität gegenüber den Mehrheitsnationalismen der Großstaaten, verurteilt bürokratische europäische Großstaatssehnsucht, indem er ihre Legitimität in Zweifel zieht und den historischen Vergleich mit der deutschen und italienischen Vereinigung zurückweist. Der Großvisionär plädiert für die überschaubaren kleinen Räume als regelnde Größen, wehrt den Zugriff einer zentralen Fiskalpolitik auf die kleinen Räume in präventiver Notwehr ab. Wieder wie unter einem Unsichtbarkeitsmantel verborgen nivelliert er unter dem Bild der kleinen Räume die ökonomischen Disparitäten, macht sie durch Fortfall ihrer Betrachtung scheinbar irrelevant, zementiert damit zugleich ihre inhärenten terms of trade.

Damit biegen wir in die Zielgerade ein. Denn nach dem Vorgeplänkel landen wir bei der irreführenden rhetorischen Konfiguration des Euros. Ist er nun Opfer oder Ursache der Verschuldungskrise? Krönung der europäischen Einigung oder erst einmal bloß ihr Motor? Wurde die Zahlungseinheit mit Funktionen überfrachtet, die schnödes Geld nicht haben kann? Gewinnt er seine größte Zerstörungskraft womöglich erst dadurch, dass er zum Friedensgarant erhoben wird?

Mit dieser Frage landen wir wieder bei meiner Eingangsfrage. Welche andere Krise steht in Lübbes Essay Pate?

Die Deutschen leiden jetzt an den Folgen der ökonomisch seltsamen Unternehmung, eine Währung durch eine neue Währung nicht deswegen zu ersetzen, weil sie schlecht war, sondern weil sie vergleichsweise zu gut war.

So lässt Lübbe die Katze aus dem Sack. Das ist für die politische Analyse des Essays, für seine Intervention in das politische Kräftefeld der Krise unserer Zeit die Wiederauflage der Dolchstoßlegende. Im Felde unbesiegt – oder banal kaufmännisch getarnt die grandiose DM als die große Reservewährung neben dem amerikanischen Dollar. Ihr habt sie uns genommen. Wir haben sie unter der von Theo Waigl geschickt durchgesetzten Stabilitätskultur unter der Hand der Verschuldungskrise wieder in Besitz genommen. Das geben wir nicht mehr her.

Was zu Beginn wie der historisch pessimistisch klingende Gedanke einer politischen Abwehr hoch fliegender Pläne klang, hat am Ende des Essays zu einer anderen politischen Grandiositätsfigur gefunden.

Irgendwo da draußen formieren sich die politischen Kräfte, für die  Sarrazin, Henkel und Lübbe arbeitsteilig die ideologischen Versatzstücke liefern.

Lübbe am giftigsten.

 

{ 81 comments… read them below or add one }

Nanuk November 4, 2011 um 16:24

Wer braucht Lübbe das kann ich besser…
http://www.youtube.com/watch?v=YU2j7FsrEek

spinne November 4, 2011 um 16:26

wow. puh. futter für mein hirn.
danke @ hans hütt

weil in meinen leeren magen krieg ich schon länger gar nix mehr rein

Nanuk November 4, 2011 um 16:30

Henkel Sarrazin und konsorten erinnern mich an den Dackel Club Wanne-Eickel der aufgrund einer Überdosis Korn noch einmal in Schlacht ziehen will… ach hätten wir damals nur fällt bei solchen besäufnissendann immer als Fazit…

http://www.youtube.com/watch?v=fjpieIjFVSY&feature=related

matt_us November 4, 2011 um 16:38

Ist da irgendwo ein Zusammenhang, dass die eifrigsten Verfechter und Anhaenger der guten alten DM richtig alte Opas sind, Henkel, Hankel, Starbatty, dieser Uropa hier (*1926) – sollten wir diese Opas nicht mal endlich ignorieren? Die alle mit dem Wirtschaftswunder grossgeworden sind und das wahrscheinlich mit der DM verbinden.

Es geht nicht um denen ihr Europa – es geht um unseres – und das was die uns aufschwaetzen wollen gefaellt mir ueberhaupt nicht!

Und sollten wir nicht auch mal einen neuen und dynamischen Finanzminister haben, der auch etwas Ahnung hat. Unserer (*1942)tappt naemlich genau so im Dunkeln wie dieser Luebbe.

spinne November 4, 2011 um 16:39

@ matt-us

nicht nuuur opas, da gibts auch noch so elsässers etc…

Nanuk November 4, 2011 um 16:42

@spinne
Ach den ambitionierten Nachwuchszüchter nimmt man bei solchen Besäufnissen als Kanonenfutter mit…

spinne November 4, 2011 um 16:47

ich da kürzlich so einen haufen gesehen, so graue herren die sich unter die occupanten gemischt haben – warben auch für direkte demokraie…

ps die sahen allesamt aus, als wären sie aus den “körperwelten” auferstanden

Doktor D November 4, 2011 um 16:58

Der hat ja in der Dreieinigkeit der autoritär-reaktionären culorum noch gefehlt.
Herzlichen Dank auch, Herr Lübbe, dass Sie uns anstelle einer interessanten Idee, wie man denn das Demokratiedefizit auf den lokalen Ebenen von Superstrukturen in den Griff bekommen könnte, einfach den reaktionären Scheiß von Spengler, Möller van den Bruck et al. neu aufbereitet. Wir sollten uns vielleicht doch noch mal in Hoffmannsthal vertiefen, aber eher in das hier: Das Schrifttum als geistiger Raum der Nation

Nanuk November 4, 2011 um 17:00

@spinne
Scheiss Globalisierung und drecks billig Flieger die waren doch alle in Argentinien.

Doktor D November 4, 2011 um 17:05

Falls Holger anwesend ist: Du solltest bei Herrn Lübbe Copyright geltend machen. Der ganze letzte Absatz dieser Krönung des deutschen akademischen Unwesens hat der aus deinen Posts hier zum Hintergrund des Euro (der welsche Fiesling, der Jung-Siegfried versucht durch Tricks zu schwächen) abgeschrieben.

Doktor D November 4, 2011 um 17:06

@alle: Entschuldigt die Typos, ich bin gerade wirklich nicht amüsiert.

bct November 4, 2011 um 17:11

“Irgendwo da draußen formieren sich die politischen Kräfte, für die Sarrazin, Henkel und Lübbe arbeitsteilig die ideologischen Versatzstücke liefern.”
Was Schirrmacher mit dem neuen Nationalismus meinte, der dieses Mal nicht mit rassistischen, sondern mit ökonomischen Argumenten daherkommt. Und als zweifelhafte Chance für eine FDP Schäfflers.

Nanuk November 4, 2011 um 17:14

@Herr Doktor
Nicht das der Holger noch Borreliose bekommt bei so einem Zeckenbiss.

h.huett November 4, 2011 um 17:17

Ach, es gibt immer auch mal unterkomplexe Kommentare. Was nanuk bloß auf die Idee des Herrn Doktor bringt :-D Gender bias, huh?

Nanuk November 4, 2011 um 17:24

@Hütt
Ne heute war Hausbesuch…

Doktor D November 4, 2011 um 17:32

@HH: Oder Species bias? Zecken sind doch ehrenwerte Parasiten. ;)

h.huett November 4, 2011 um 17:41

Doktor D
In Frankfurt hatte ich mal einen Assistenten, der eine Anekdote aus meinem überschaubaren Leben mit dem Satz beantwortete: “Ach, du bist eine Zecke!” Das hätte er besser nicht gesagt :-D

Doktor D November 4, 2011 um 17:52

Mir fällt gerade auf, dass seit der Finanzkrise die Parasiten wieder hoch im diffamierenden Diskurs stehen. Vielleicht wäre unsererseits eine rhetorische Parasitologie à l’ordre du jour? Man sollte den sich für Wirtstiere haltenden nearly dead white males ihre Metaphern einfach im Munde umdrehen.
Wie sagt doch der Klappentext für die US-Neuausgabe für Serres Parasit so schön:
“Influential philosopher Michel Serres’s foundational work uses fable to explore how human relations are identical to that of the parasite to the host body. Among Serres’s arguments is that by being pests, minor groups can become major players in public dialogue—creating diversity and complexity vital to human life and thought.”

holger November 4, 2011 um 18:02

Macht euch man keine sorgen :D Sitze gerade beim Weißbier in Monaco bavaria

h.huett November 4, 2011 um 18:09

voilà. Nous ne sommes que des parasites – oder Para-Sites oder wie auch immer. Nebenbei hier der inzwischen freigeschaltete Habermas-Beitrag aus der FAZ: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/euro-krise-rettet-die-wuerde-der-demokratie-11517735.html Ironie am Rande, dass Lübbe in seinem Aufmacher implizit von Habermas als einem der beliebigen Intellektuellen schreibt.

holger November 4, 2011 um 18:16

Sollte einer auch nur glauben, dass ich malade Ala tete bin, so liegt er richtig :D

Doktor D November 4, 2011 um 18:21

Hier der Link zum Text von Streeck, den Habermas empfiehlt: http://www.newleftreview.org/?page=article&view=2914

@Holger: Uii, gute Besserung! Aber Weißbier? Das macht mir schon Kopfschmerzen nur beim Lesen.

spinne November 4, 2011 um 18:32

manch einer leidet auch an Filzläusen

h.huett November 4, 2011 um 18:33

spinne
Ein guter Grund für Distanz

spinne November 4, 2011 um 18:36

yep

holger November 4, 2011 um 18:40

Huett

Sollte ich eines Tages noch nach Hause kommen dann gibt’s saures :D

h.huett November 4, 2011 um 18:44

holger
ach was!

holger November 4, 2011 um 18:51

Hey… Wer ist denn nun der Prophet? Wo huett noch rätselt , da weiß die filzlaus schon bescheid

no way November 4, 2011 um 19:21

Achtung für die Elfenbeintürmer

http://www.youtube.com/watch?v=DVKsbeayihI

chabis November 4, 2011 um 19:22
Balken November 4, 2011 um 21:59

Grandios. Wenn ich das sagen darf. Wenngleich ich vermute, dass eine wie auch immer geartete Wertung meinerseits dem Autor, und natürlich ganz mir Recht, sonstwo vorbeigehen wird. Sei’s drum.
Eine Sprache schön zu lesen, stimmig wie Musik gesetzt. Essay über einen Essay. Und ganz gratis.
Nur: Bei all der analytischen Brillanz bleibt der Schlussakkord befremdlich vage. “Irgendwo da draußen…” Die Sonate endet mit einem Domonantseptakkord. Unerträglich. Da muss noch was kommen! Irgendwo da draußen? Weiß der Autor nichts Genaueres? Ich vermute, den Schluss sollen wir faulen Leser gefälligst selbst finden.

Balken November 4, 2011 um 22:01

..ganz mit Recht!

Balken November 4, 2011 um 22:02

Dominantseptakkord! Brille!!!

chabis November 4, 2011 um 22:20

Bild auch beim tagesanzeiger inzwischen auf die hinteren Ränge gerutscht

http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-74819-7.html

Hans Hütt November 4, 2011 um 22:33

Nachtrag
Was der Analyse Lübbes entgegen gehalten werden könnte, ist der Rückgriff auf eine historische Konstellation, die durch ihre eigene Logik geprägt war. Den Einwand lasse ich gelten. Das Beispiel dient mir in anderer Hinsicht als Maßstab. Es geht um die Figur des Verrats, ohne die die neue Figur der Treue, um die es da draußen jetzt geht, nicht auskommt. Anklänge davon waren hier und bei wgnx zu lesen. Das erklärt im übrigen auch meine heftige Reaktion auf wowy. Seine sprachliche Naivität brachte ihn ohne eigene Not in Gefahr. Ich hätte darüber hinwegsehen können. Im Rückblick hat die Debatte mit zu dieser Einsicht geführt.

Da bereitet sich an der Leerstelle eines europäischen narratives ein Konkurrenzmodell vor.

wowy November 4, 2011 um 22:45

@Hans Hütt

“Das erklärt im übrigen auch meine heftige Reaktion auf wowy. Seine sprachliche Naivität brachte ihn ohne eigene Not in Gefahr. Ich hätte darüber hinwegsehen können. Im Rückblick hat die Debatte mit zu dieser Einsicht geführt. ”

Kurze Frage, weil ich das gerade lese (lesen werde ich weiterhin) und es sich auf mich bezieht. Lag die sprachliche Naivität darin, dass ich Albion nicht kannte? Ist keine Provokation, ich will es nur verstehen, und was meinst du mit “brachte ihn ohne eigen Not in Gefahr?”

Hans Hütt November 4, 2011 um 22:51

wowy
Nein, es war der naive Gebrauch des Worts perfide. Wenn Du meine erste Reaktion darauf liest, da fragte ich nach dem Treueansprzch, aufgrund dessen Du Verrat kritisiertest. Ich saß sozusagen im Ansitz und Du kamst dazwischen.

wowy November 4, 2011 um 22:54

Ja, das meine ich ja, also doch “perfide” im Sinne von Albion (das ich nicht kannte).
Und nochmal nachgefragt: Was meinst du mit ““brachte ihn ohne eigen Not in Gefahr?”

Hans Hütt November 4, 2011 um 22:58

Weil Du gewiss nicht an der Ideologieproduktion der neuen Rechten beteiligt bist. Albion ist völlig egal, es reichte der oberflächliche Gebrauch des Worts perfide

wowy November 4, 2011 um 23:09

@Hans Hütt
“Weil Du gewiss nicht an der Ideologieproduktion der neuen Rechten beteiligt bist. ”
Richtig, das bin ich ganz gewiss nicht!!!
Deshalb hatte ich ja auch ganz zu Anfang geäußert, dass ich die Vorgehensweise von Papandreou nicht verstehe. Es war ein ehrliches Unverständnis in dem Sinne, dass ich nicht wusste, was er tatsächlich damit beabsichtigt, weil es einfach, was sich inzwischen ja bestätigt hat, zu viele Aspekte gibt, unter denen man das ganze beleuchten muss. ich war dann einfach nur auf den einen Link von dir eingegangen und hatte – aus deiner Sicht – das falsche Wort (mit ganz anderen konsequenzen gewählt, was -aus meiner Sicht- nur diesen einen Link betraf und eine theoretische Konstellation.

Was bei mir heute, nach all den Texten und allen Erwägungen, soweit ich überhaupt in der Lage bin das alles “zusammenzukriegen” zurückbleibt, ist eine gewisse Fahrlässigkeit, mit der Papandreou der griechischen Bevölkerung ein Referendum versprochen hat und es nun nicht einlöst.

Hans Hütt November 4, 2011 um 23:18

Ein weiteres kleines Missverständnis: Ist ein Referendum ein Geschenk oder eine Zumutung? Etwas, das man verspricht oder womit man droht? Und wenn es denn durchgeführt würde, worin läge denn seine besondere Qualität? Dass das Volk sein Einverständnis mit Jahrzehnten des Niedergangs bekundet oder sich statt für den Schrecken ohne Ende für einen anderen Schrecken ohne Ende entschiede?

wowy November 4, 2011 um 23:30

Ich denke, man muss hier aus Sicht der griechischen Bürger denken. Wie ich gerade gestern aus aktueller Quelle von jemandem, der in Griechenland (nicht in Athen) lebt und arbeitet (Deutscher) erfahren habe, ist die Situation in Athen, auch was die Informationen betrifft, eine völlig andere als im übrigen Griechenland. Im übrigen Griechenland empfinden die Menschen nur die baren Konsequenzen (= weniger Lohn, schlechtere Lebensumstände), deshalb hatten sie große Hoffnung in das Referendum gelegt, in dem es ja zunächst um die Austerität gehen sollte. Deshalb hatte ich das, bezüglich der griechischen Verfassung, auch angezweifelt.
Die Ausweitung zur Frage “Wollt Ihr in der EU bleiben” hatte sich erst später ergeben.

spinne November 4, 2011 um 23:48

herr hütt

es gibt menschen die seit vielen Jahren vor diesen neuen Rechten warnen u. über deren Vernetzungen aufklären – die von gut-bürgerlichen Wertekonservativen, über Staatsanwälte, Richter, Psychotherapeuten, bis hin zu Blut-u. Boden Helvetiern und esoterischen Verschwörungsphobikern alles im Gepäck haben. Sie tun das mitunter vorort, nämlich da, wo gerade für Demokratie gekämpft wird und sich diese neun “Rechtsdemokraten” öffentlich aufbauen u. Verwirrung sitften. Einige naive Menschen nehmen sogar in Kauf, von diesen neuen Rechten bedroht zu werden, sie ertragen die wüstesten Flüche u. Beschimpfungen die selbst vor ihren Kindern nicht halt machen. es gibt sogar naive Menschen die komplexe zusammenhänge erfassen können obwohl sie so dumm sind wie Ungeziefer. Aber selbst die naivesten der naiven sind letzlich nur eins: sterblich.

Adieu.

Hans Hütt November 4, 2011 um 23:59

spinne
no doubt. Gute Nacht und gute Besserung!

wowy November 5, 2011 um 00:11
wowy November 5, 2011 um 00:17

Er scheint die graue Eminenz zu sein
http://de.wikipedia.org/wiki/Evangelos_Venizelos

wowy November 5, 2011 um 00:21
Hans Hütt November 5, 2011 um 00:27

Venizelos spielt Brutus in der Verkleidung eines Getreuen

Hans Hütt November 5, 2011 um 00:27

gute Nacht

wowy November 5, 2011 um 00:32

Ja, Gute Nacht

Q. November 5, 2011 um 01:06

Huett am giftigsten.

Ich hatte erst den Huettschen Verriß, danach Lübbes Artikel gelesen.
Eine hoch aufschlußreiche Reihenfolge.
Erwartet hatte ich ein Pamphlet des Dummkonservativismus (für den ein Lübbe in der Tat anfällig ist).
Gefunden habe ich eine mäßig interessante Aufbereitung bekannter Topoi zur Unverzichtbarkeit des Nationalstaats, garniert mit einigen historischen Erinnerungen.

Woher also die ganze Aufregung? Und vor allem: wozu?
Ist es, daß der “aufklärerische” Furor erst dann richtig auf Tour kommt, wenn der vermeintliche ideologische Gegner ganz harmos daherkommt, man ihm also mit enormem rhetorischen Aufwand allererst die Maske vom häßlichen Gesicht ziehen zu müssen meint?

Eine kontroverse Diskussion unter Bürgern sieht jedenfalls anders aus ….

“Unterkomplexes Beschweigen” — vielleicht gibt ja dieser Titel einen Schlüssel zu ……?
Lübbes Hinweis auf “Erfahrungen der Zusammengehörigkeit” ist in der Tat eine (für einen Philosophen) äußerst unterkomplexe Angabe dessen, was für ein Volk, als Souverän eines Staates, konstitutiv ist.
Das Gleiche gilt aber für die Gegenseite! Beschwörungen von Solidarität ersetzen regelmäßig (seitdem ein verordnetes “Zusammenwachsen” nicht mehr so ganz verfängt) das tiefere Nachdenken darüber, was denn auf der europäischen Ebene an die Stelle des Staatsvolks treten sollte. Und warum dies überhaupt in irgendeiner Weise besser, wünschbar, sinnvoll, machbar wäre ……….

Null! Seit 15 Jahren warte ich auf den ernstzunehmenden Versuch einer Beantwortung dieser Grundfrage.

Wenn “Europa” (im politischen Sinne) scheitert, dann deswegen, weil es auf die Zentralfrage keine Antwort gibt, weil die Befürworter und Vorantreiber einer politischen “Einigung” Europas hier nur unterkomplexes Beschweigen betreiben.

Die Leerstelle besetzen dann Brüsseler Kommissare und EZB.
Vor deren Machtzuwachs behüte uns der Souverän!

h.huett November 5, 2011 um 07:03

Q.
Lübbe ist also harmlos? Die Zusammengehörigkeitserfahrung ist ja ökonomisch verkürzt unausweichlich gegeben. Das ist doch das Dilemma, dass Lübbe der Fatalität des Ökonomischen die alte nationale Alternative wieder auftischt, die um so giftiger wirkt, als sie erneut eine ökonomische Vormachtposition legitimieren soll.

Im Gegen-narrative ist Lübbe jedenfalls weitaus geschickter als Habermas. Warum warten Sie auf die Beantwortung Ihrer Grundfrage erst seit 15 Jahren? ;-) Es ist ja nicht so, dass darauf keine Antwort gegeben worden wäre. Oder ist Ihnen die negative Eschatologie Angela Merkels nicht mehr in Erinnerung? “Scheitert der Euro, scheitert Europa” ist ja eine – folgten wir der sprachhistorischen Einordnung des Scheiterns durch die Brüder Grimm – ist ja eine nautische Figur. Sie verwandelt Europa in ein Schiff (alte Zusammengehörigkeitsmetapher als Schicksalsfigur, Shanghaiprinzip inklusive: erst einen Schlag auf den Kopf, nach dem Wiederaufwachen alle an den Rudern) und das Schicksal in eine Klippe. Immerhin versucht sie mti dem schiefen Bild eine Alternative zum alten Topos Krieg oder Frieden zu geben.

Wer redet denn von einem europäischen Staatsvolk? Sie insinuieren eine Figur, deren Schwäche Sie so um so leichter abtun können. Natürlich bleiben die europäischen “Völker” ihrer Herkunft erhalten (auch umgekehrt bleibt es so :-D ) Und es wird auch nicht mit irgendeinem postneoliberalen Gerede von “Schangsen” gelingen, das Defizit eines europäischen narratives zu kompensieren.

Ich versuche es einmal, in aller Nüchternheit die Lage im Vergleich der beiden Texte von Lübbe und Habermas zu charakterisieren. Habermas liefert eine mehr oder weniger pragmatische Idee des guten Willens (frühere Einlassungen zum Thema, etwa sein Berliner Vortrag, waren da schon weiter, da definierte er eine verfassungspolitische Norm des Grundgesetzes als eine europäische Perspektive mit dem Ziel, die ökonomischen Disparitäten durch eine Transferunion auszugleichen. Ganz nebenbei bemerkt ein politisches Ziel in der Tradition eines aufgeklärten Internationalismus, der die Zusammengehörigkeit aus dem Blickwinkel der wirtschaftlich Benachteiligten formuliert.

Lübbe dagegen insinuiert eine nicht hintergehbare Stärke des Nationalstaats, für die er jede Begründung schuldig bleibt, stärkt sie aber zugleich durch einen Treueanspruch und einen Verratsworwurf (die DM war zu gut). So sieht die Lage aus. Die Rechte munitioniert. Die Linke hofft. Deplorabel.

wowy November 5, 2011 um 12:58

“Evangelos Venizelo steht längst bereit, ihn zu beerben als Führer der Partei.”
http://www.sueddeutsche.de/politik/papandreou-uebersteht-vertrauensfrage-abstimmung-gewonnen-vertrauen-zerronnen-1.1181550

Q. November 5, 2011 um 16:01

@HH
>>Warum warten Sie auf die Beantwortung Ihrer Grundfrage erst seit 15 Jahren?
Die Fragestellung: wie sieht´s mit der Souveränität aus, wenn Europa mehr werden soll als ein Staatenbund?
Daher meine “ewige Skepsis” gegenüber den Versuchen, mittels Währungsunion ein solches Mehr zu erzeugen.
Für diese Skepsis wurde man regelmäßig in die äußerst rechte, nationalistische Ecke gestellt, — “indiskutabel”! Wie üblich überdecken Verdächtigung und Beschimpfung einen Mangel an eigenen Gedanken, — wie man es exakt an der obigen schrillen Exekution von Lübbes banalem (aber im Kern richtigen) Text beobachten kann.

>>Wer redet denn von einem europäischen Staatsvolk? Sie insinuieren eine Figur, deren Schwäche Sie so um so leichter abtun können.
Ich insinuiere nicht, sondern benenne das, was notwendigerweise zu setzen wäre, wenn die europäische Integration zu mehr führen soll als einen Staatenbund.
Ich bin selbst erstaunt, mit welcher Präzision meine Skepsis sich bestätigt: die Friktionen des europäischen Projekts führen allesamt zurück auf die unlösbare Souveränitätsfrage.
Nun eben in der Form, daß über eine franko-teutonische Finanzdiktatur (der bekannte “Motor” der europäischen Einigung) die Souveränität von Griechen, Iren, Portugiesen, Spaniern und nun auch Italienern beschnitten wird!
(Es ist eine elementare Verkennung der Logik von Lübbes Grundgedanken, wenn, wie oben explizit geschehen, ihm unterstellt wird, er würde diese “ökonomische Vormachtstellung” legitimieren. Ganz im Gegenteil!)

“Zusammengehörigkeitsgefühl” (Solidarität, Empathie) ist nun, mit Verlaub, das neue Quasselwort, durch welches die Souveränitätsfrage überdeckt wird.
Das kalte Medium des Geldes bindet zwar zusammen, aber — nicht über Gefühle.

Die Alternative ist übrigens einfach zu benennen: Rückbesinnung auf die Idee eines Europas der Vaterländer!
Deswegen finde ich Merkels neues Bekenntnis (Euro –> Europa) so außerordentlich fatal. Die Idee der europäischen Verständigung und Zusammenarbeit ist viel zu wichtig, als daß man sie an die vorhersehbare (und vorhergesehene) Mißgeburt einer Währungsunion fesselt.

>>Lübbe dagegen insinuiert eine nicht hintergehbare Stärke des Nationalstaats, für die er jede Begründung schuldig bleibt,
Lübbe insinuiert nicht, sondern er verweist auf historische Erfahrungen.
Typisch ist aber die klammheimliche Verschiebung der Begründungslast. Trotz einiger katastrophaler Entgleisungen funktioniert der Nationalstaat. In der Beweisschuld sind diejenigen, die meinen, es würde anders besser laufen.

Womit wir wieder bei der Ausgangsfrage wären ;-) ;-)

h.huett November 5, 2011 um 17:24

Ach Q., ist doch ok, wenn Sie Lübbe gut finden – und ich nicht.

Allerdings bin ich alles andere als schrill. Frau Merkel sprach auf ihrer Abschlusspressekonferenz in Cannes von der wirtschaftlchen Verwobenheit. Sie, Q. aber tun so, als seien die systemischen Folgen dieser Interdependenz (ich bevorzuge diesen Begriff) für die nationalstaatlichen Verfassungen und Politik vernachlässigbar. Sind die Disparitäten für Sie ok? Ist es Ihnen klar, welche Folgen ein disorderly default Griechenlands für deutsche Guthaben haben würde? Wie ein Bankensturm aussehen würde? Und das ginge unter dem Dach einer abgeschirmten Bundesrepublik alles easy über die Bühne?

Sie träumen!

Q. November 5, 2011 um 17:47

Es geht gerade nicht um Sortierung “find ich gut — find ich schlecht”.
(Wenn man so etwas hier sagen darf: ich “finde”, Lübbe ist ein Kotzbrocken.)
Sondern um Diskurs, Wägung von Argumenten, Verständigung der Bürger untereinander.
Dies wird insbesondere behindert, wenn man sich gegenseitig in ideologische Ecken stellt (lustigerweise finde ich mich mal nach rechtsaußen, mal nach linksaußen gestellt, das nur nebenbei).

>>>als seien die systemischen Folgen dieser Interdependenz (ich bevorzuge diesen Begriff) für die nationalstaatlichen Verfassungen und Politik vernachlässigbar.
keineswegs! Nur sehe ich keine andere Alternative als die Stärkung der Nationalstaaten. Das sieht man doch an der Dringlichkeit von “Regulierung”, — potentiell verhängnisvolle Interdependenz entsteht vor allem dort, wo der Souverän es dummerweise zugelassen hat, daß die Märkte ihm entschlüpfen.

Balken November 5, 2011 um 21:22

Irgendwo da draußen. Der Autor nennt immerhin Namen, Sarrazin, Henkel, neben Lübbe, den er rezensiert. Denke ich richtig auch an Broder, an Baring, der die Bürger schon einmal auf die Barrikaden schicken wollte? Nehmen wir den Salonblender Sloterdijk noch in die Reihe auf’? Hatte der nicht kürzlich überhauupt den Steuerstaat als solchen, nicht erst einen eventuellen europäischen Großstaat, als Bürger-Beraubungseinrichtung verstehen wollen, der den Bürger nicht dazu kommen lässt, generös zu geben (was und wie und wem er beliebt)?
Ist damit schon benannt, was oder wer das da ist, irgendwo da draußen? Oder sind das nur Stichwortgeber, hinter denen andere stehen, denen diese nach dem Munde reden? Wer sind die Krisengewinnler? Erst im Nachhinein, wenn der geschichtliche Rückblick eine undurchsichtige komplizierte vielschichtige Gegenwart zu ein paar Namen und Handlungsstängen vereinfacht, Hugenberg, Harzburger Front als “nationale Opposition”, wird es übersichtlich. Womit und mit wem haben WIR es zu tun?

Balken November 5, 2011 um 22:00

Ich meine, wir haben es zu tun mit einer Übervorteilungswirtschaft, von der wir, wenn auch in unterschiedlichem Maße und auf unterschiedlichem Niveau, alle profitieren, in Deutschland. Mitgefangen, mitgehangen. Auch das ist ein Vergleich mit der vorhin genannten Epoche. Wir sind Kriegsgewinnler. Mit jedem Handy, und dem darin enthaltenen Coltan, das wir benuten, mit diesem Computer, mit dem ich gerade schreibe. Mit jedem I-phone, nach dem mancher geradezu hechelt, ohne zu fragen nach den Arbeitsbedingungen bei Foxconn. Mit den türkischen Fremdarbeitern, die angeworben wurden, als wegen des Mauerbaus die Ossies nicht mehr kamen. Mit jeder Schwarzarbeits-Haus-und-Pflege-Hilfe aus Polen und der Ukraine gegen Kost und Logis. Mit jedem Guthaben, dass wir anständig bitte schön verzinst haben wollen weil wir es erübrigen konnten von jemandem, der, hätte er nicht wenigstens ein paar Schulden, nichts hätte, und der daher gefälligst unser Geld arbeiten lassen soll. Und erst, wenn das nicht mehr funktionieren will, wenn unser Guthaben nicht mehr ordentlich wachsen will, weil der Schuldner abgemolken ist und sich kein weiteres Aufschuldungsgebiet findet, wie es sich gehört, sehen wir Krise. Besinnen uns auf den Nationalstaat, der unsere Forderungen einzutreiben habe. Wir sind das. Nicht nur “die da oben”.

Hans Hütt November 5, 2011 um 22:01

Balken
Diese Fragen könnten in den kommenden Monaten beantwortet werden. Viel hängt von dem FDP-Mitgliederentscheid ab, manches auch von der wachsenden Spannung zwischen CDU und CSU. Namen zu nennen hielte ich für voreilig. Sloterdijk passt überhaupt nicht dazu. Die drei von mir erwähnten Namen leisten Vorarbeit ohne eigenes Organisationsinteresse

Q. November 5, 2011 um 23:23

—–> … Namen, Sarrazin, Henkel, neben Lübbe,
Broder, Baring, …. Sloterdijk

Mal im Ernst:
soll das jetzt eine Proskriptionsliste werden?

Was verbindet denn diese Namen? Einzig und allein, daß sie in letzter Zeit durch kontroverse Diskussionsbeiträge hervorgetreten sind, die sich gegen gewisse Überzeugungen im sog. “mainstream” richten.

Und nun, so sieht´s aus, legt man darüber ein imaginäres Sortierungssystem, — und im Nu wird die Welt wieder einfach und klar. Rechts – links, Freund – Feind, mit “denen” müssen wir uns nicht inhaltlich, diskursiv auseinandersetzen, denn wir wissen ja wo “die” stehen, da ist verbale Prügel angesagt. Und wenn “die” doch etwas scheinbar Vernünftiges sagen, können wir sicher sein, daß da üble Interessen dahinterstehen. Denn so sind “die” ja,
— laut unserem imaginären Sortierungsschema! ;-)

Apropos Krisengewinnler:
gehört eigentlich auch Ackermann auf die Proskriptionsliste?

Der meldet sich jetzt mit einem Plädoyer für weitere europäische Integration:
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/schuldenkrise-die-eu-muss-sich-der-verfassungsdebatte-stellen-11517871.html

Anders als die Vorgenannten agiert Ackermann nicht als selbst denkender Staatsbürger, sondern als Angestellter eines Unternehmens, das im Zentrum der Finanzkrise steht.
Hier muß man bei seinem Beitrag also keine dubiosen Interessen unterstellen, sondern man weiß, welche es sind.

Herr Hütt, ich bitte dringend um eine rhetorische Analyse!
Besser noch, eine argumentative Analyse, die auch diese Interessenshintergründe etwas beleuchtet!
Enttäuschen Sie uns nicht!

topi November 6, 2011 um 02:44

“Die Deutschen leiden jetzt an den Folgen der ökonomisch seltsamen Unternehmung, eine Währung durch eine neue Währung nicht deswegen zu ersetzen, weil sie schlecht war, sondern weil sie vergleichsweise zu gut war.”

Nun ja, warum wurde denn der Euro eingeführt, die DM als Symbol für deutsche Hartwährungskultur abgeschafft?

Gut oder schlecht als Synonym für hart oder weich ist für Währungen allerdings nicht nur begrenzt sinnvoll. Auch mit Weichwährung lässt sichs gut leben.

Die Zusammenpackung von Hart- und Weichwährungstraditionen in einer Währung ist allerdings grober Unfug; und darunter “leiden” natürlich zuerst die “Weichen”, aber natürlich auch die “Harten”, besonders bei unlösbaren Haftungsverquickungen.

Man muss sich nur die aktuelle griechische Inflation ansehen, immer noch deutlich höher als in D, bei Acht Prozent Wachstumsdifferenz. Das kann nichts werden.

Und da helfen auch keine Transfers.
Wenn man das fortschreibt, kriegt der Grieche irgendwann den doppelten Lohn eines Deutschen, zahlt dafür dreifache Preise.

WTF? Wie soll das gehen?

Balken November 6, 2011 um 11:24

@Q
Zu der Erweiterung der Namenreihe ist zu sagen, dass Baring, Broder, Sloterdijk hier nicht von Hütt aufgebracht wurden, Sloterdijk ihm übrigens hier gleich gar nicht passend schien.
Um Proskriptionslisten geht es nicht. Auch nicht um ein angebliches Links-Rechts-Schema, in das erst einmal eingeordnet, über die Argmente der jeweiligen Protagonisten nicht mehr nachgedacht werden müsse. Wer hat das behauptet? Ihre eigene Herangehensweise – “Was verbindet denn diese Namen? Einzig und allein, daß sie in letzter Zeit durch kontroverse Diskussionsbeiträge hervorgetreten sind, die sich gegen gewisse Überzeugungen im sog. “mainstream” richten” – erscheint mir doch eher selbst recht simpel zu sein. Gegenüber dem Mainstream kontroverse Diskussionsbeiträge – und sonst verbindet die Diskussionsbeiträge dieser Heren nichts? Nichts außer dieser Attitüde “das muss man doch nochmal sagen dürfen”? Oder ähnelt sich in der Ausrichtung nicht doch, was sie sagen? Und was genau war daran “gegen den Mainstream”? Hat nicht ein “Mainstream” einen Sarrazin nach Kräften gepusht, ja geradezu erst gemacht? Hat nicht ein Broder auf seine unnachahmliche Haltet-den-Dieb-Manier zurückgerudert, als nicht nur der Stammtisch, sondern ein Breivik sich auf ihn berief? Ich habe mich nicht von ungefähr an Hugenberg und die Harzburger Front erinnert, weil ich in der Ausrichtung und in der Vernetzung einer neuen nationalen Opposition Parallelen befürchte. Wenn Sie meinen, solche Überlegungen entsprängen rein einem billigen Links-Rechts-Denken oder seien jedenfalls mit einer solchen Einordnung abzutun, hielte ich das für zu einfach. Aber wenn es hilft …

h.huett November 6, 2011 um 11:42

Balken
Baring gehört dort auch nicht rein, in seiner akademischen Karriere ein kluger Kopf, der infolge der häufigen Einladungen in diese Talk Shows einer postemeritalen Selbstradikalisierung des auf eine These festgelegten Sidekicks erlegen ist. Verbösernd kommt bei ihm eine im Alter ins Kraut geschossene Eitelkeit hinzu, ähnlich wie bei Hochhuth. ich sah Baring zuletzt bei Soros´ Vortrag in der Humboldt-Universität, wo er wie verloren durch den Mittelgang des Audimax schritt und sichtlich darunter litt, dass ihn niemand beachtete.

h.huett November 6, 2011 um 11:53

Q.
“Mal im Ernst: soll das jetzt eine Proskriptionsliste werden?”

Ganz sicher. Und es gibt auch eine Abteilung für Qs. Davon abgesehen gehört es zu den etwas verbrauchten Tarnkappenbegriffen, Debattenbeiträge kontrovers zu nennen (etwas Weißschimmlig). Seitt Noelle-Neumanns Schweigespirale gehört es zu den ebenfalls eher abgetragenen Traditionen, die guten alten oder neuen Rechten in eine elitäre seherische Minderheitenposition zu versetzen.

Ihr politisches Dilemma ist anderer Natur. Sie wissen sich zwar in vermeintlichem Einklang mit einer nicht gemessenen Mehrheit, bekommen aber im Falle von regionalen Kandidaturen nicht mal mehr als ein Prozent, wie letztens in Berlin zu besichtigen war. Also nicht ganz so stark auftrumpfen. Die Positionen sind scheinriesenhaft.

Ackermann erregt vermutlich Ihren Zorn, weil er für europäische Verfassungsänderungen eintritt. Der gute ist auf dem Weg in sein Altenteil.

Da ich Sie vermutlich a priori enttäusche, bin ich dieses Mal zuvorkommend – und analysiere Ackermann bis auf weiteres nicht.

Nanuk November 6, 2011 um 12:17

@Balken
Der Schlotter ist einfach nur ein Dampfplauderer…

Q. November 6, 2011 um 13:24

@Balken
ich verstehe Deine Überlegung sehr gut. Aber genau das ist ja das Sortierungsschema, das ich, mit einer gewissen provokativen Absicht, imaginär genannt habe.
Soll auch nicht heißen, daß es unsinnig ist. Aber man kann schon seit einiger Zeit beobachten, daß die herkömmliche Sortierung nicht mehr so recht trägt: der Boden, auf dem wir stehen, ist flüssig geworden, und mit ihm die Begriffe, mit denen wir die politische Lage erfassen wollen.
Darum finde ich das Motto dieses Blogs Momentanismus sehr an der Zeit (und das hat mich inspiriert, hier etwas mitzudiskutieren).

Beispiele für diese Verschiebung gibt es zuhauf.
Vor 10 Jahren wäre es undenkbar gewesen, daß der CCC in der “altehrwürdigen” FAZ schreibt. Heute wird ebendort der Staatstrojaner enttarnt, die CCC-Experten genießen nicht nur fachlichliche Anerkennung, sondern sogar in ihrer juristischen Bewertung mehr Vertrauen als die Innenminister. Und das sogar beim eher staatstragenden Teil des Publikums!

Neulich in einer dieser Quasselshows: eine Kommunistin hat die klarsten Argumente und kriegt den größten Applaus (in der ARD !?!), und sie kennt das Geschäftsmodell der Deutschen Bank bis in die Zahlen hinein besser als deren Ex-Vorstand.

Es ist wirklich an der Zeit, sich verblüfft die Augen zu reiben, und die gedankliche Anstrengung zu unternehmen, zu verstehen, was sich wie wohin bewegt.
Dunkles Geraune über eine neue rechte Gefahr hilft da wirklich nicht weiter.

Q. November 6, 2011 um 13:41

@HH
Ganz sicher. Und es gibt auch eine Abteilung für Qs.
Herr Hütt! Es ist mir selbstverständlich eine Ehre, auf Ihrer Proskriptionsliste zu stehen! ;-)

Allein … Ihr Sortierungsschema müßte vielleicht etwas besser (oder etwas anders) justiert werden, wenn Sie ernsthaft glauben
Ihr politisches Dilemma ist anderer Natur. Sie wissen sich zwar in vermeintlichem Einklang mit einer nicht gemessenen Mehrheit, bekommen aber im Falle von regionalen Kandidaturen nicht mal mehr als ein Prozent, wie letztens in Berlin zu besichtigen war.
Ich habe kein politisches Dilemma. Weil ich parteipolitisch keine starken (und wenn, dann äußerst unterschiedliche) Präferenzen habe. Den Untergang neoliberaler Stupidität sehe ich mit Vergnügen!

Da ich Sie vermutlich a priori enttäusche,
Keineswegs (sonst würde ich mit Ihnen auch nicht diskutieren).

Ich bin eher etwas irritiert: teils starke Zustimmung (z. Bsp. in der Bewertung von Papandreou), bei anderen Beiträgen (wie diesem hier) komme ich aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus.

Bzg. Ackermann:
tja, hab ich befürchtet, daß Sie kneifen.
Nur weil der jetzt für die “gute Sache” eintritt?
Genau das wäre doch zu hinterfragen.
Es wird hier ständig über das Verhältnis von Politik und Ökonomie diskutiert, — und hier haben wir den Fall, daß der (für D) zentrale Akteur des Finanzsystems auf die Bühne tritt und so tut als würde er als Staatsbürger einen Diskussionsbeitrag leisten.

Das müßte doch ein gefundenes Fressen sein.
Wer hier die Augen schließt, entscheidet sich für “unterkomplexes Beschweigen” (eine sehr schöne Wendung, by the way).

h.huett November 6, 2011 um 15:45

Q.

Ackermann erzählt nichts Neues. Ihn zu kritisieren, wäre müßig und beschränkte sich auf Randanmerkungen, was denn unter den Vorzeichen volatilen Wandels unveränderliche Mandate seien. Der Rest ist trivial.

Q. November 6, 2011 um 15:51

@HH
vielleicht ist es trivial.
Aber wenn die europäische Integration ein “Herzensanliegen” des Finanzsystems ist, dann ist das eine Trivialität, die im Gesamtbild an gewichtiger Stelle vorkommen muß.
Man kann doch nicht “links” oder “kapitalismuskritisch” sein und zugleich die europäische Integration für die Lösung aller Übel halten, ohne das zu reflektieren!

Hans Hütt November 6, 2011 um 16:19

Q
sorry my french. Das Herzensanliegen kommt aus der kardiologischen Intensivstation

Q. November 6, 2011 um 16:34

@HH
bingo! :-)

Legst Du Dich dort daneben? oder doch lieber nicht?

no way November 6, 2011 um 16:37

Keine Scheindebatten sondern Steuererhöhungen für die Profiteure der letzten Dekaden in USA, Italien und und und

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/europas-schuldenkrise/oekonom-eichengreen-im-interview-frau-merkel-sollte-aufpassen-was-sie-sagt-11519484.html

Hans Hütt November 6, 2011 um 16:49

Q
Ich spende mein Herz, wenns soweit ist. Solange ich noch lebe, habe ich andere Herzensanliegen. Abwehrprojekte.

Goodnight November 6, 2011 um 16:53

@Q

Ackermann fordert ein zentralisiertes Europa, d.h. bestehende Demokratien müssen aufgelöst werden um eine neue Meta-Demokratie zu bilden.

Wir beobachten die weitere Ausdifferenzierung der Moderne.
Die Politik entledigt sich dem Hilf-konstrukt “Nation”, d.h. die vormodernen Differenzen zwischen Rassen und Kulturen (vulgo: Nationen/Länder) werden aufgelöst in einer neuen Differenz.

Ackermanns Forderung ist somit modern.

“Let Rome in Tiber melt, and the wide arch
Of the rang’d empire fall! Here is my space,
Kingdoms are clay; our dungy earth alike
Feeds beast as man. . . .”
Antony And Cleopatra Act 1, scene 1, 29–36

holger November 6, 2011 um 16:55

Oh war ja eben falscher Fred also…

Huett bei der sonntäglichen Maloche :D

http://www.khalisi.com/comics/asterix/incolae/troub0705f.jpg

holger November 6, 2011 um 16:56

übrigens, er trägt rote Kleidung :D

Hans Hütt November 6, 2011 um 17:00

holger
Zecken tragen grundsätzlich nicht rot. Sie trinken rot.

holger November 6, 2011 um 17:08
Q. November 6, 2011 um 18:08

@goodnight

ja, in diese Richtung scheint´s zu laufen.

Probleme habe ich mit dem Begriff der Ausdifferenzierung.
Wenn (angeblich) vormoderne Differenzen fallengelassen werden, ist das erst mal eine Entdifferenzierung.
Weiterhin scheinst Du davon auszugehen, daß Politik und Wirtschaft weiterhin die Leitdifferenzen sind. Also …. dann tut sich da gar nichts, weder Aus- noch Ent-.

Außer …. wenn der “moderne” Herr Ackermann jetzt Politik macht. Also den Differenzierungsvorgang vorantreibt? Oder die Differenz aufhebt? Steht er dann noch für die eine Seite der Differenz?
Darum finde ich das eine spannende Figur!

Goodnight November 6, 2011 um 19:16

@Q

“Wenn (angeblich) vormoderne Differenzen fallengelassen werden, ist das erst mal eine Entdifferenzierung.”

Yep, deshalb ist ja auch “funktionale Ausdifferenzierung”, d.h. nach Funktionssystemen wie Politik und Wirtschaft und nicht nach Rasse, Kultur oder Nation. Und Leit-Differnenz ist dann nicht mehr, sondern alle sind nebeneinander auf gleicher Augenhöhe.

“But, good my brother,
Do not, as some ungracious pastors do,
Show me the steep and thorny way to heaven,
Whiles, like a puff’ d and reckless libertine,
Himself the primrose path of dalliance treads,
And reaks not his own rede.”
Hamlet Act 1, scene 3, 46–51

Doktor D November 7, 2011 um 18:31

Herr Henkel meldet schon mal die Anwartschaft auf die FDP-Parteiführung an, fest davon ausgehend, dass die Mitgliederbefragung von Herrn Schäffler zu dessen Gunsten ausgeht: http://www.handelsblatt.com/meinung/kolumnen/kurz-und-schmerzhaft/letzte-chance-fuer-die-fdp-/5806442.html

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