Merkels Kerneuropa, ökonomisch betrachtet

by f.luebberding on 10. November 2011

Es pfeifen die Spatzen vom Dach. Es gibt in Berlin eine Debatte über die Frage, ob eine Reduzierung der Eurozone ein Ausweg aus dem selbst angerichteten Desaster sein könnte. In Deutschland gibt es dabei eine Überzeugung: die Krise in der Eurozone sei das Ergebnis einer unverantwortlichen Verschuldungspolitik der vergangenen Jahrzehnten gewesen. Es sei Zeit, das endlich zu ändern. Dort sieht man auch das moralische Argument gegen eine Garantie der europäischen Staatsschulden durch die EZB. Es wäre eine Fortsetzung der Politik, die Europa an den Rand des Abgrunds geführt habe. Daher will man das Vertrauen der Märkte durch eine deflationäre Anpassungsstrategie im Süden Europas sicherstellen. In der Perspektive ist die Refompolitik in Südeuropa die Voraussetzung zur Rettung des Euros.

Warum soll aber eine Rentenreform in Italien ab dem Jahr 2017 heute einen Anleger beruhigen? Denen ist das Jahr 2017 und das italienische Rentensystem völlig egal. Sie wissen ja noch nicht einmal, ob der Euro den kommenden Monat erreichen wird. Aus dem Grund wird jeder Ínvestor versuchen, einen sicheren Hafen zu erreichen. Wenn die Eigentümer italienischer Staatsanleihen deren Umstellung auf Lira erwarten, werden sie sich auf dieses Szenario einstellen. Wer investiert mit dieser Erwartung noch in auf Euro laufende italienische Bonds? Noch nicht einmal ein Italiener, wenn er noch bei Sinnen sein sollte. Es ist eine skurrile deutsche Debatte über die Funktionsweise von Märkten, wenn sie tatsächlich in der italienischen Wirtschaftspolitik die Lösung für die Eurokrise vermuten sollten. Die von den Deutschen mit dem Abgang Berlusconis erwartete – und bisher Reformpolitik genannte – Deflationspolitik wird Italien umstandslos in die Rezession stürzen. Damit sinken wie in Griechenland die Steuereinnahmen und es steigen die krisenbedingten Sozialausgaben. Am Ende wird die Erwartung auf den Märkten bestätigt werden, dass sich die Italiener keineswegs am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen können. Also wird die Staatspleite wahrscheinlicher werden und damit als Indikator die Zinsen steigen.

Reformpolitik deutschen Typs für Südeuropa wäre damit nichts anderes als die Erwartung des kommenden Konkurses. Eine Anpassung der dortigen Wirtschaftsstruktur an neue Bedingungen könnte nämlich nur unter zwei Bedingungen funktionieren: wenn in den Überschussländern im Euroraum eine expansive Politik gemacht wird und wenn die EZB diese Politik monetär absicherte.

Der Widerstand gegen diese Politik in Deutschland ist bekannt.

Dafür gibt es vor allem einen Grund. Die Deutschen haben bis heute nicht begriffen, wie sehr ihr eigenes Wirtschaftsmodell von der Währungsunion verändert worden ist. Sie haben mit ihrer Standortpolitik seit 1999 die klassische Exportorientierung nicht etwa reduziert, sondern sie hat Dimensionen angenommen, die ohne den Euro nicht denkbar gewesen wäre. Mit einer langen Zeitreihe seit 1910 machte das der BDA in einer Broschüre über die Chancen der Globalisierung schon im Jahr 201o deutlich.

Seit 2000 ist die deutsche Exportquote um mehr als 10 Prozent gestiegen und zwar auf ein historisch einzigartiges Niveau von über 45 % des BIP.

Das wäre ohne den Euro unmöglich gewesen. Allein der Wechselkurs der DM hätte das verhindert. Eine “Reformpolitik deutschen Typs” für Südeuropa wird für unser eigenes Wirtschaftsmodell nicht folgenlos bleiben. Es ist auch eine groteske Vorstellung, dass die Südeuropäer in den ökonomischen Abgrund rasen und gleichzeitig die Deutschen meinen, weiterhin den Nutzen aus diesem gemeinsamen Währungsraum ziehen zu können. Oder hat dieser Anstieg unserer Exportquote etwa nichts mit dem Euro zu tun gehabt? Frau Merkel scheint dieser Meinung zu sein.

Nun ist am 8. November unter dem Titel Die verborgene Zahlungsbilanzkrise der Eurozone ein Papier des Chefvolkswirtes der Deuschen Bank, Thomas Mayer, erschienen. Er macht die europäischen Leistungsbilanzungleichgewichte zum Thema und stellt damit die alte Debatte über die Target 2 Salden im EZB System in den richtigen Kontext:

“Vor Beginn der Finanzkrise im Jahr 2007 wurden die deutschen Leistungsbilanzüberschüsse gegenüber anderen EWU-Staaten durch Kapitalströme des privaten Sektors finanziert, so dass die Intra-EWU-Zahlungsbilanz Deutschlands in etwa ausgeglichen war. Als sich jedoch die Finanzkrise zu einer Euro-Krise entwickelte, entstand aufgrund der Leistungs- und Kapitalbilanzüberschüsse ein Zahlungsbilanzüberschuss für Deutschland. Der kumulierte Zahlungsbilanzüberschuss Deutschlands der Jahre 2009 und 2010 belief sich auf ca. EUR 200 Mrd.; hiervon entfielen EUR 156 Mrd. auf den Leistungsbilanzüberschuss und der Rest auf den Kapitalbilanzüberschuss. Dies bedeutet, dass die Bundesbank nicht nur den deutschen Leistungsbilanzüberschuss finanzierte, und so frühere private Kapitalströme ersetzte, sondern auch die Nettokapitalimporte nach Deutschland – die in weiten Teilen
auch die Repatriierung von deutschen Investitionen im Ausland umfassen. Zusammen mit dieser Veränderung des üblichen Kreditvergabeverhaltens erfolgte auch ein umfangreicher Kreditrisikotransfer vom privaten Bankensektor an die Bundesbank.”

Die Spannungen im EZB System sind also die Folge der Ungleichgewichte und keineswegs eines verantwortungslosen Handelns der Südeuropäer. Nur wird diese Krücke auf Dauer nicht helfen, so Mayer, er sieht dafür keine politische Legitimation. Welche Schlussfolgerungen zieht er aus dieser Erkenntnis?

“Im vorliegenden Beitrag haben wir ausgeführt, dass sich hinter der Schulden- und Bankenkrise in der Eurozone eine durch ein Misalignment der internen realen Wechselkurse bedingte Zahlungsbilanzkrise verbirgt. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt generiert das Eurosystem reale Ressourcentransfers von Gläubiger- an Schuldnerstaaten; dieses Arrangement dürfte jedoch nicht von Dauer sein, da die Transfers politisch nicht autorisiert sind und somit den Bestand des Eurosystems gefährden, wenn sie auf unbestimmte Zeit fortgesetzt werden. Da direkte Budgettransfers von Gläubiger- an Schuldnerstaaten unwahrscheinlich sind und Letztere vermutlich kaum eine interne reale Währungsabwertung auf dem Wege der Deflation bei Gütern, Dienstleistungen und Vermögenspreisen herbeiführen können, scheint der Weg des geringsten Widerstands eine Aufwertung in den Gläubigerstaaten durch höhere Inflation zu sein. Da die Vertreter der Schuldnerstaaten im EZB-Rat im Besitz der Stimmenmehrheit sind, erscheint eine Politik des leichten Geldes und der Währungsabwertung, die in den Gläubigerländern zu einer konjunkturellen Überhitzung führt, als wahrscheinlichste Entwicklung. Allerdings stellt sich die Frage, ob die Wahlbevölkerung der Gläubigerstaaten eine solche Entwicklung akzeptieren oder auf einen Ausstieg aus der EWU drängen wird. Wie bereits in einem anderen Beitrag beschrieben, könnten die Regierungen der Gläubigerländer ihre Bevölkerungen vor den Auswirkungen von Inflation und Weichwährungspolitik schützen, indem sie inflationsgeschützte Anleihen anbieten, die auf eine neue Währung umgestellt werden könnten, sollten sich die Regierungen letztlich dazu entschließen, den Euro aufzugeben. Alternativ könnten die Regierungen eine Kombination aus Transferzahlungen innerhalb der EWU, Deflation in den Schuldnerstaaten sowie Inflation in den Gläubigerstaaten anstreben, um so die wirtschaftlichen Belastungen gleichmäßig zu verteilen und zu vermeiden, dass ein Leidensniveau erreicht wird, das zu einem Auseinanderbrechen der Währungsunion führen könnte.”

Eine Kombination aus Transferzahlungen innerhalb der EWU, Deflation in den Schuldnerstaaten sowie Inflation in den Gläubigerstaaten ist tatsächlich das richtige Rezept, um die Eurokrise ökonomisch in den Griff zu bekommen. Gleichzeitig wäre das eine Art politischer Minimalkonsens und könnte damit eine gewisse Legitimation in den Mitgliedsstaaten herstellen. Wer aber dieses Konzept für nicht durchsetzbar hält und meint, mit einer Reduzierung des Euroraumes auf ein Kerneuropa die Anpassung des vom Euro geprägten Wirtschaftsmodells Deutschlands vermeiden zu können, wird sich täuschen.

Es würde zusammen mit den Südeuropäern zusammenbrechen.

update

Die CDU zündelt. Wer hat einen Feuerlöscher?

Darauf hat ein Kommentator im Herdentrieb hingewiesen. Ausgerechnet der Präsident des Bundesverbandes deutscher Exporteure Börner kann plötzlich auch mit einem reduzierten Euroraum leben. So ist das mit klaren Aussagen:

“Was möchten Sie hören?

Börner: Wir müssen aufhören, scheibchenweise Rettungsfonds zu erhöhen. Ich will die Aussage der Politik: „Wir werden den Euro unter allen Umständen und mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln retten.“

Opportunisten unterwegs. Hier will jemand den Anschluss nicht verpassen. Schönen Gruss an Goodnight.

Krugman in seinem blog.

“The answer lies in the concept of original sin. Not the Pope’s kind, but the economics kind — the long-standing notion that developing countries were especially vulnerable to financial crises because they borrowed in foreign currency. (Yes, the linked paper actually raises some distinctions between currency mismatch and original sin; never mind for now). The key point is that by joining the euro, Italy took a bite of the apple — it converted its advanced-country status, as a nation issuing debt in its own currency, into original sin, with debts in someone else’s currency (Europe’s in principle, Germany’s in practice). That is the root of its new vulnerability.”

Merkel: “Deutschland hat nur ein einziges Ziel – den Euroraum in seiner jetzigen Form zu stabilisieren” (msg)

Ziele brauchen Mittel, um sie zu erreichen. Denkt sich Roubini heute morgen in der FT.

“Only if the ECB became an unlimited lender of last resort and cut policy rates to zero, combined with a fall in the value of the euro to parity with the dollar, plus a fiscal stimulus in Germany and the eurozone core while the periphery implements austerity, could we perhaps stop the upcoming disaster.”

Seltsamerweise ist er von diesem Zusammenhang bei der Bundeskanzlerin nicht überzeugt: “Why Italy’s days in the eurozone may be numbered” lautet die Überschrift seines Artikels.

Ich hatte zwar seit längerem die Vemutung, dass selbst die kumulierten Effekte einer Rentenreform in Verbindung mit einem Verzicht auf Bunga Bunga Partys die Eurokrise nicht lösen werden; selbst wenn der Regierungschef sich in herausragender Weise um die Bekämpfung der in Italien als Menetekel zu betrachtenden demografischen Krise bemühte, also aus bunga-bunga der Ruf bambini-bambini erschallte, dass also selbst unter dieser Voraussetzung die Analyse der strukturellen Defizite der italienischen Volkswirtschaft nicht den Absturz der italienischen bonds erklären könnte. Soviel zu meinen Zweifeln, unter Berücksichtigung des Materials, was das Handelsblatt in den vergangenen Tagen so publizierte. Doch jetzt hat das Handelsblatt eine neue Schlagzeile: Letzte Rettung EZB. Bunga-Bunga Partys stehen aber in Frankfurt nicht auf dem Programm. Somit ist Sitte und Moral gewährleistet.

{ 56 comments }

Goodnight November 10, 2011 um 13:01

Yep.

Aber wieso sollte die Politik nicht die Situation nutzen um Europa auf Deutschlandkurs zu bringen ;-)

D.h. wer hat wirklich Interesse die Schuldenfrage zu beantworten?

“I’ll have grounds
More relative than this—the play’s the thing
Wherein I’ll catch the conscience of the King.”
Hamlet Act 2, scene 2, 603–605

eFlation eFlation November 10, 2011 um 13:02

Wird ja auch endlich Zeit, dass über sowas disskutiert wird.
Was die Spatzen auch von den Dächern pfeifen, dass die EZB eine umfassende Garatieleistung für Italien abgeben wird um nicht mehr jeden Tag ein Bonds zu Unterstützung kaufen muss.

Stephan November 10, 2011 um 14:32

Die deutschen Ideen werden immer absurder.

Nehmen wir mal an die Eurozone schrumpft und Frankreich gehört NOCH dazu. Da die FR Volkswirtschaft der Italiens ähnelt würde das Drama dann in Frankreich stattfinden. Und wenn dann dieselben Rettungsmaßnahmen in Frankreich initiiert werden gehen statt ein paar Tausend Griechen ein paar Millionen Franzosen auf die Barrikaden. Das wird sicher sehr spannend.

Anton Börner hat natürlich recht. Was passiert wenn Italien und Spanien austreten und ihre neuen Währungen massiv abwerten? Dann werden europaweit aufgestellte Exporteure nicht mehr Waren sondern Arbeitsplätze in diese Länder exportieren. Und ihre Waren dann aus Italien und Spanien nach Deutschland exportieren.

Doktor D November 10, 2011 um 14:33

Sieht doch alles danach aus, als wird der EURO die neue DMark.

Stephan November 10, 2011 um 14:39

@Doktor D
Der Spruch ist gut. Wenn es so weiter geht JA.

f.luebberding f.luebberding November 10, 2011 um 14:39

Stephan

Das ist ein wichtiger Punkt. Bei einem Kerneuropa mit Frankreich hätte Frau Merkel das gleiche Problem mit Frankreich, wie jetzt mit der gesamten Eurozone. Nur wäre das unter Umständen politisch besser vermittelbar. Außer natürlich bei Hans-Olaf Henkel.

Was Börner betrifft: Gell, die Effekte sind immer die Gleichen. Am Ende stellt sich immer die Frage, wie die Lasten verteilt werden. In der Beziehung würde ich nicht zwangsläufig auf die Expertise von Thomas Mayer setzen … .

Q. November 10, 2011 um 15:08

FL
auch wenn ich Deiner allgemeinen Diagnose weitgehend zustimme, denke ich doch, daß Du das zu einseitig siehst.
Auch Du willst aus den Zirkularitäten einen Schuldigen herausbrechen, um zu sagen: der isses, und hier ist die Lösung.

Dein Schuldiger heißt eben Deutschland, Stabilitätspolitik, Fiskaldisziplin.
Dabei übersiehst Du, daß das Problem doch darin liegt, daß in allen Ländern die massiven Folgen einer Währungsunion unterschätzt wurden. Aber wie sollte es auch anders sein? Jeder wirtschaftet und wurschtelt so weiter, wie er es gewohnt ist. Wie könnte er auch anders?

Die Spannungen im EZB System sind also die Folge der Ungleichgewichte und keineswegs eines verantwortungslosen Handelns der Südeuropäer.
Dieser Satz hier ist ein gutes Beispiel, wie Du auf einen systemischen Zustand verweist, dabei “Verantwortung” den Südländern explizit absprichst, — und zugleich implizit der deutschen Politik aufbürdest.

Und ich verstehe den (rationalen) Sinn dieses (unter Merkel-Kritikern verbreiteten) Deutschland-Bashing nicht!
Wenn Europa gelingen soll, selbst wenn nur im wirtschaftlichen/wirtschaftspolitischen Sinn, dann nur über den Weg der Annäherung: der Norden wird “südländischer”, der Süden “nordländischer”.
Wenn man dabei aber den Kern der deutschen “Stabilitätskultur” – auf dem das wirtschaftliche Europa nun eben mal beruht – über Bord wirft (anstatt vorsichtig anzupassen), dann bricht man sich das eigene Fundament weg.

Und mir scheint, daß die künftige Angela I. diesen Weg vorsichtiger Anpassung zu gehen versucht. Man sieht doch die Abstimmung mit Sarkozy, z.B. daß gerade jetzt Mindestlohn, kleine Steuersenkung kommen, ist doch nicht zufällig.

Lieber Frank, ich sage Dir voraus: wenn Du ernsthaft europäische Integration willst, wirst Du einmal zum Merkelianer werden. :-) ;-)

f.luebberding f.luebberding November 10, 2011 um 15:13

Q

Interessante Hinweise. Nur sind die Südeuropäer schon längst mitten in der Restrukturierung. Dafür brauchen die uns gar nicht. Das hat bei uns nur niemand mitbekommen. Dieser Satz ist aber besonders nett:

“Lieber Frank, ich sage Dir voraus: wenn Du ernsthaft europäische Integration willst, wirst Du einmal zum Merkelianer werden.”

Kein Problem, die Frage ist nur, ob Du auch vorausehen kannst; inwieweit die Bundeskanzlerin mir entgegenkommen wird … .

Stephan November 10, 2011 um 15:28

@FL
Mich überzeugt der Ansatz von Thomas Mayer nur bedingt. Er schaut nur auf die Zahlungsbilanz. Und empfiehlt dann Deflation in den Schuldnernationen. Das wäre aber eine mittlere Katastrophe für den Privatsektor wenn dieser hoch verschuldet ist. Ein Beispiel: Spanien

Q. November 10, 2011 um 15:57

Nur sind die Südeuropäer schon längst mitten in der Restrukturierung. Dafür brauchen die uns gar nicht.
Nun, Anstöße brauchen sie dafür ja schon. Ob von “uns” oder vom Markt ….. und “wir” haben da auch nur formuliert, was der Markt sagt …
Das Beispiel Berlusconi zeigt ja überdeutlich, daß es da große Harthörigkeit gibt. Ohne Sarkos Arschtritt und Kuratel vom IWF läuft da nichts. Und was die politische Führungsfähigkeit (GR und I) betrifft, bin ich äußerst skeptisch. So sehr ich das Finanzdiktat ablehne … wenn man den Laden zusammenhalten will, ist das TINA.

ob Du auch vorausehen kannst; inwieweit die Bundeskanzlerin mir entgegenkommen wird …
:-) Nur noch mal zur Verdeutlichung: ich verstehe Merkel so, daß sie in Richtung “Integration” geht, sich langsam vorwärts balanciert — unter Berücksichtigung des relativ engen Handlungsspielraums, den selbst eine deutsche Bundesregierung nun mal hat. (Den ein Blogger oder Kommentator natürlich so wunderschön elegant-ignorant überspringen kann.)

Wobei ich bei Merkel auch nicht ausschließen würde, daß sie umschwenkt, sobald sie erkennt, daß es partout nicht weiter geht (also in einem Euro-Katastrophenszenario).

Nanuk November 10, 2011 um 16:12

@Q
Ich glaube das Merkel einfach nur Populismus von der schlimmsten sorte betreibt…

Q. November 10, 2011 um 16:21

Nanuk
na, da könnte sie es sich aber viel einfacher machen.

Ich wiederhole mich: die meisten Männer unterschätzen ihre Intelligenz und ihren Gestaltungswillen.

topi November 10, 2011 um 16:28

@ f.luebberding

Da ist ja vieles richtig.
Es kann keine Lösung geben, solange die dt. Inflationsraten unter den südländischen sind, und erst recht nicht, wenn die deutschen Reallohnsteigerungen lächerlich ausfallen, in Zeiten der Hochkonjunktur, und vor allem nicht, wenn das die Verantwortlichen nicht kapieren.

Der dt Zusammenbruch ist übrigens auch nur die logische Konsequenz des südländischen Abbruchs, wenn man so weiter macht wie bisher.
Man kann ja die 156 Milliarden LB-Überschuss auch im Inland verbasteln, da kannste überall Gräben aufschütten, Autobahnen und Schienen und Breitbandnetze und Stromleitungen und Biogasleitungen reinschmeißen, und wieder zuschütten. Ich hör es schon brummen. ;–)

topi November 10, 2011 um 16:30

zu Frankreich.

Natürlich Frankreich.
Ich weise mal darauf hin, dass mancher ganz zu Anfang nicht von PIGS, sondern von PFIBIGS sprach. :roll:

Frankreich gehört nicht in eine Hartwährungsunion ohne Transfers, also den Talerraum; schon in eigenem Interesse, sollen sie doch die Deutschen und ihre Brüder im Geiste die Pobacken zukneifen lassen und lieber leben.

Andreas Kreuz November 10, 2011 um 16:32

Na, die letzten werden es auch noch merkeln,
dass schon lange die Nieten durch die Bremsbeläge gucken.

Ja, ja, ich weiß,
die werden nicht mehr genietet, sondern geklebt.

Womit ? Mit Henkel – trocken?

Was – bitte – soll denn an diesem maroden Ausbeutersystem,
an dem der Teufel Sekunde für Sekunde auf den größten Haufen scheiXt,
so erhaltenswert sein?

topi November 10, 2011 um 16:36

Aber nochmal der eindringliche Hinweis: die Italiener könnten statt abstruser Austeritätspläne ganz locker 5 Prozent GDP mit höheren Spitzen-,Kapitaleinkommen- und Vermögenssteuern reinholen, ohne irgendwie exorbitante Bereiche zu erreichen.

Alsosollen sie doch 2,5 Prozent nehmen, davon 1 Prozent in den Neuverschuldungsabbau, und der Rest in Konjunkturpakete, am besten intern abwertend (Lohnnebenkosten senkend bspw.)

Dann sind die spätestens 2013 Neuverschuldungsfrei bei satten Wachstumszahlen!

Wenn “die Märkte” meinen, noch irgendwelche “Risikoaufschläge” phantasieren zu müssen, dann sollen sie halt lieber springen, über eine Klippe oder so.

Eagon November 10, 2011 um 16:43

“In Deutschland sanken die Lohnstückkosten in nationaler Währung zwischen 2002 und 2008 um 12,5 Prozent. In den USA reduzierten sich die Lohnstückkosten im selben Zeitraum um lediglich 3,6 Prozent. Bei einem Vergleich der Lohnstückkosten auf US-Dollar Basis hat sich die Wettbewerbsposition Deutschlands – trotz steigender Arbeitsproduktivität und Lohnzurückhaltung – gegenüber den USA verschlechtert. Der Grund dafür ist die Aufwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar im gleichen Zeitraum. Aus Sicht der USA bzw. auf US-Dollar Basis haben sich die Lohnstückkosten in Deutschland zwischen 2002 und 2008 nicht reduziert, sondern sie sind um gut 36 Prozent gestiegen.”

http://www.bpb.de/wissen/BGJEMT

Warum haben die USA ihre Chance nicht genutzt und Deutschland auf vielen Märkten verdrängt?

Was legt die USA in Ketten?

Warum braucht man einen starken Staat um Wettbewerbsvorteile ausnutzen zu können?

Die Rente mit 67 ist ein Schmarn.

Italien sollte schaun , dass es seine Industrie genauso fördert wie Deutschland.

Nanuk November 10, 2011 um 16:44

betrachten wir das mal Ökonomisch…

Die Erhaltung der Norm der Vollbeschäftigung tendiert grundsätzlich dahin, die auf der Leistungsethik beruhenden Herrschaftsbeziehungen zu erhalten.
Diese Politik, die ideologischen Grundlagen des Herrschaftsverhältnisses zu bewahren, hat hohe gesellschaftliche Kosten. Sie führt notwendig zu einer Zweiteilung der erwerbstätigen Bevölkerung: auf der einen Seite steht eine Elite von geschützten und ständig vollbeschäftigten Arbeitern, die die traditionellen Werte des Industrialismus wahren und an ihrer Arbeit wie ihrem sozialen Status hängen; auf der anderen Seite eine Masse von Arbeitslosen und unqualifizierten Arbeitern ohne Status, die unregelmäßig und ungeschützt zur Verrichtung wechselnder, aber immer uninteressanter Arbeiten herangezogen werden.
André Gorz

und das will das Merkel exportieren in die Peripherie …

carlos manoso November 10, 2011 um 16:45

@ f.luebberding on 10. November 2011
„Eine Kombination aus Transferzahlungen innerhalb der EWU, Deflation in den Schuldnerstaaten sowie Inflation in den Gläubigerstaaten ist tatsächlich das richtige Rezept, um die Eurokrise ökonomisch in den Griff zu bekommen. Gleichzeitig wäre das eine Art politischer Minimalkonsens und könnte damit eine gewisse Legitimation in den Mitgliedsstaaten herstellen. Wer aber dieses Konzept für nicht durchsetzbar hält und meint, mit einer Reduzierung des Euroraumes auf ein Kerneuropa die Anpassung des vom Euro geprägten Wirtschaftsmodells Deutschlands vermeiden zu können, wird sich täuschen.
Es würde zusammen mit den Südeuropäern zusammenbrechen.“

Lübberding, diese Punkte sind doch längst abgehakt: Es läuft alles auf eine Transferunion & Fiskalunion Vereinigte Staaten von Europa hinaus. Für Angela Merkel etwa ist nur noch die politisch-handwerkliche Umsetzung entscheidend.

Der Weg ist das Ziel und der Weg dahin ist bekanntlich krumm und mit allerlei Finessen, Ablenkungssprüchen, Falltüren, blinden Gängen und dergleichen gepflastert. Beispielsweise dürfte Angela Merkel ganz genau wissen, warum sich die G20-Staaten aus Gründen der Ablenkung hauptsächlich mit dem Euro beschäftigten und der alles entscheidenden Thema auswichen, dass die alles entscheidende Zukunftsfrage nun mal der amerikanische Dollar ist.

Hoffentlich werden noch bemerken, dass Angela Merkel professioneller vorgeht als etwa ihr Vor-Vor-Vor –… Gänger Adolf Hitler vorging. Hitlers Willensschwäche zeigte sich etwa bekanntlich in seinem langen Zögern und vielen Zweifeln, sobald er einen nicht alternativlosen Beschluß fassen musste. Aus Schwäche ließ Hitler einfach die Ereignisse so lange an sich herankommen, bis er sich sparen konnte, eine Entscheidung zu treffen, da dieselbe ihm von den Ereignisssen alternativlos aufgezwungen wurde. Hitlers Methode : Einfach das Feuer imer heißer schüren und sich einen Ausweg nach dem andern versperren, die Situation zielgerichtet in Richtung auf den Siedepunkt zu führen, an dem bekanntlich nur eine einzige aufgezwungene alternativlose Entscheidung zu treffen ist. Was der Führer dann als „übermenschliche Vorsehung“ verkaufen konnte.

Nanuk November 10, 2011 um 16:46

Die “Linke” will auch nur den Status besorgen für die die unregelmäßig und ungeschützt zur Verrichtung wechselnder, aber immer uninteressanter Arbeiten herangezogen werden.

f.luebberding f.luebberding November 10, 2011 um 16:49

Q.

Immerhin elegant, wenn auch ignorant … . Dass mit ihren Schwenks ist eine gute Beobachtung. Ich kenne Leute, die nicht mehr mitkommen. Die fehlende Eleganz war aber nicht deren Problem … .

f.luebberding f.luebberding November 10, 2011 um 16:51

Stephan

Immerhin empfiehlt er aber nicht Deflation für die gesamte Eurozone. In Italien haben wir übrigens diesen hochverschuldeten Privatsektor nicht. Dort ist also durchaus Luft vorhanden.

f.luebberding f.luebberding November 10, 2011 um 16:56

Carlos Manosos

Interessanter Kommentar. Den Gröfaz hast Du übrigens gut charakterisiert. Du machst nur einen Fehler, den Gleichen wie Goodnight: es gibt keinen Determinismus.

Andreas Kreuz November 10, 2011 um 17:01

@fl

So ähnlich sieht jemand aus,
der in Bangkok am Deich entlang die helferlein einteilt:

Hier unten auf das Loch kommen Sandsäcke mit grobem, dunklen Sand.
Da oben auf den Riß kommen Sandsäcken mit hellem, feinen Sand.
Und da hinten werft alles drauf, was euch in die Hände fällt.

holger November 10, 2011 um 17:30

f.luebberding

—>>> Du machst nur einen Fehler, den Gleichen wie Goodnight: es gibt keinen Determinismus.”

Jesus… was ist Heute bloß los? Ahhh. Vollmond… ;-) So lange Wasserstoff ständig die Erde verlässt, und durch die Sonne wieder ersetzt wird, gibt es kein abgeschlossenes System. Und f.luebberding… ja, es gibt keinen Determinismus. Jedenfalls nicht, was ich darunter verstehe. Was ich högscht persönlich in einem physikalischen Experiment bewiesen habe. :D Welches auch reproduzierbar ist. Aber… ohh Wunder, interessiert keine Sau. Sonst müssten ja Bücher umgetippselt werden. :D

Nanuk November 10, 2011 um 17:39

@holger und fl
Nichts anderes als die Kosten für den Machterhalt exportieren macht das Merkel…

Nanuk November 10, 2011 um 17:44

Soziale Marktwirtschaft zb. ist doch längst eine hohle Floskel dank der INSM.Denen ist der gesamte Ideologische Unterbau weg gebrochen…

:)

f.luebberding f.luebberding November 10, 2011 um 17:57

“Im politischen Berlin kursiert ohnehin schon länger die verzweifelte Frage, wann denn die Märkte endlich Ruhe geben. “Manchmal fragt man sich, was die Märkte denn noch wollen?”, sagt ein Regierungsvertreter.

http://www.zeit.de/wirtschaft/2011-11/italien-staatsanleihen-zinsen/komplettansicht

Was wollen die wohl? Eine Antwort.

carlos manoso November 10, 2011 um 18:08

@ f.luebberding November 10, 2011 um 16:56
Carlos Manosos … Den Gröfaz hast Du übrigens gut charakterisiert. Du machst nur einen Fehler, den Gleichen wie Goodnight: es gibt keinen Determinismus. Du machst nur einen Fehler, den Gleichen wie Goodnight: es gibt keinen Determinismus.”

Lübberdings, wenn du was vom Agieren des Politikers “Gröfaz” lernen kannst, dann ist es genau dies: es gibt keinen Determinismus

wowy November 10, 2011 um 18:13
A. G. November 10, 2011 um 18:25

“Seltsamerweise ist er von diesem Zusammenhang bei der Bundeskanzlerin nicht überzeugt” Dann soll sie bitte diesen guten Beitrag hier lesen. Das muss die Bundeskanzlerin doch kapieren können!

no way November 10, 2011 um 18:39

http://www.youtube.com/watch?v=bEJrgf0JArs&feature=related

wie wäre es hiermit …für die walküre

f.luebberding f.luebberding November 10, 2011 um 18:43

A.G.

Siehe den letzten Beitrag im update. Es ist der Versuch der Skizzierung von Alternativlosigkeit.

Eagon November 10, 2011 um 19:14

Jede Bank hat ihren Propagandaminister genannt Chefvolkswirt.

Wenn die wirklich wissen würden, wie man viel Geld verdient wären die keine angestellten Marketingexperten für die Interessen der Bankangestellten und dann der Aktionäre.

Lösungsbeiträge sind von diesen nicht zu erwarten.

Allenfalls Umverteilungsvorschläge.

Soviel zum Vertrauen der Bürger.

Q. November 10, 2011 um 19:31

Was wollen die wohl? Eine Antwort.
Die Märkte wollen gar nichts. Die reagieren einfach, mal kopflos, mal wie erwartet, mal gar nicht …. Es gibt nicht “die Antwort”. Ein Trend dauert so lange bis er bricht. Die Finanzströme gehen jetzt vorwiegend in eine Richtung, weil man fälschlich (mit der Politik) annahm, daß eine Währungsunion “ewig” ist. Die Erkenntnis, daß dem nicht so ist, ist jetzt da, und daran werden tausend “Antworten” nichts ändern.
Der Trend könnte sich verlangsamen, wenn “plötzlich” andere Faktoren ins Spiel kommen, ein Blubb an der Wall Street, ein Hickup in China …. wer weiß?

Bunga-Bunga Partys stehen aber in Frankfurt nicht auf dem Programm. Somit ist Sitte und Moral gewährleistet.
Notfalls wird das einfach aus Berlin verordnet.
Wenn das Sonderkommando am Bankturm anklopft, werden die Herren schon freiwillig-gezwungen die Hemden aufknöpfen … :-)

Turingmachine November 10, 2011 um 22:49

@ Stephan “Anton Börner hat natürlich recht. Was passiert wenn Italien und Spanien austreten und ihre neuen Währungen massiv abwerten? Dann werden europaweit aufgestellte Exporteure nicht mehr Waren sondern Arbeitsplätze in diese Länder exportieren. Und ihre Waren dann aus Italien und Spanien nach Deutschland exportieren.”

Stimmt nicht! Warum haben die Exporteure dann nicht massenhaft Arbeitsplätze nach GB (z. B. Pfund sank seit 2002 von 1,6 Euro auf 1,17 Euro) oder in die USA (von 0,8 Dollar je Euro auf 1,36 Euro aktuell) verlagert? Weil die Exporteure genau wissen, was sie am streikunwilligen Arbeitnehmer in D haben! Auch wenn die neue Lire oder Pesete im Verhältnis zum Euro um 30% sinkt, werden meiner Ansicht nach nur wenige der vorhandenen Arbeitsplätze z. B. im Maschinenbau oder der Kfz-Industrie nach I oder ESP verschwinden.

Turingmachine November 10, 2011 um 22:59

@Topi “Man kann ja die 156 Milliarden LB-Überschuss auch im Inland verbasteln, da kannste überall Gräben aufschütten, Autobahnen und Schienen und Breitbandnetze und Stromleitungen und Biogasleitungen reinschmeißen, und wieder zuschütten. ”

Stimme voll zu, wohne im Randbezirk einer niedersächsischen Großstadt und habe nur DSL1000 :-((. Vor 3 Jahren hieß es noch Breitband für alle. Jetzt ist kein Geld mehr dafür da. Und für die Schulen angeblich auch nicht. Hier muss der Elternverein sogar die Lautsprecheranlage für die Schule finanzieren. Und die Strassen und Fahrradwege sehen teilweise aus wie in Kinshasa.

Sucram November 11, 2011 um 10:13

Italien ist doch nur die nächste Ablenkung. GR hat nicht gezogen.
UK…auch Spanien..darauf sollte man achten!

Überigens:
Die EZB scheint aber ebenfalls auf Deutschlandkurs eingeschossen worden zu sein. Sie hat offensichtlich kein Interesse an der Rolle des Lender-of-last-Resort.

In der FT hiess es gestern:
“Neither Germany not the ECB wants to fire the silver bullet. That represents powerful opposition – even if they are wrong.”

Sucram November 11, 2011 um 10:16

FL, Alternativlosigkeit? Von wegen! Europa hat sich für die Alternative des schnelleren Endes entschieden.

holger November 11, 2011 um 10:22

Turingmachine

—>>>Stimme voll zu, wohne im Randbezirk einer niedersächsischen Großstadt und habe nur DSL1000″

Ich wohne in einem kleinen Dorf im südlichen Teil, und habe weit über 16.000 :D Mit Fernsehen Mucke und allen drum und dran.

jk November 11, 2011 um 10:30

was die Märkte denn noch wollen?”

-> Geld.
(mehr bestimmt nicht)

Goodnight November 11, 2011 um 10:39

@Lübberding

“Du machst nur einen Fehler, den Gleichen wie Goodnight: es gibt keinen Determinismus.”

99,9999 Prozent aller Dinge zwischen Himmel und Hölle sind:
Determinismus.

Und selbst das andere, die Bifurkation (vulgo: Revolution) kündigt sich an.

Wenn wir aber schon mal dabei sind:
Dein Fehler ist der Glaube an das Konstrukt “Individuum” incl. freier Wille, Entscheidungsmacht etc.
Den wirst Du nie ablegen, aber vielleicht solltest Du anerkennen, dass alle “freien Entscheidungen” immer nur auf den Zug der Zeit aufspringen, d.h. falls hier das Ende des Kapitalismus entschieden wird, dann nur, weil der Kapitalismus de facto am Ende sein wird. Vorher wird keiner gegen den Kapitalismus entscheiden können. Das ist der Witz … und er ist deterministisch ;-)

“I am even. The natural fool of fortune.”
King Lear Act 4, scene 6, 190–191

topi November 11, 2011 um 10:41

>>>was die Märkte denn noch wollen?”

-> Geld.
(mehr bestimmt nicht)>>>

Nee.
Die wollen, ach was, die betteln formlich darum, so richtig einen in die Fresse zu bekommen. :roll:

chabis November 11, 2011 um 11:03

@Turinmaschine
“Auch wenn die neue Lire oder Pesete im Verhältnis zum Euro um 30% sinkt, werden meiner Ansicht nach nur wenige der vorhandenen Arbeitsplätze z. B. im Maschinenbau oder der Kfz-Industrie nach I oder ESP verschwinden.”

Sie täuschen sich. Beispiel: vor 2 Jahren sprach ich im Tessin mit einem Schweizer, der italienischen Käse En gros importiert, portioniert, verpackt und an Grossverteiler liefert. Da aus dem deutschen Packaging Valley stammend, fragte ich, welche Verpackungsmaschinen er kauft. Italienische aus dem Raum Bologna, war seine Antwort, die deutschen (u.a. von Bosch) seien vielleicht etwas solider, aber zu teuer, der italienische Service gut und schnell. Weltweit seien in diesem Bereich seit Jahren diese 2 Herstellungzentren/cluster die einzigen ernsthaft in Frage kommenden Lieferanten von solchen Spezialmaschinen.

jk November 11, 2011 um 11:09

ja was sollen die Märkte denn auch sonst wollen außer Geld.

topi November 11, 2011 um 11:39

goodnight
“Den wirst Du nie ablegen, aber vielleicht solltest Du anerkennen, dass alle “freien Entscheidungen” immer nur auf den Zug der Zeit aufspringen, d.h. falls hier das Ende des Kapitalismus entschieden wird, dann nur, weil der Kapitalismus de facto am Ende sein wird. Vorher wird keiner gegen den Kapitalismus entscheiden können”

Und wann wird “der Kapitalismus de facto am Ende” sein?
Wenn ausreichend Menschen das glauben und etwas anderes machen wollen.

Und was bleibt dann noch von deiner Konstruktion?
Ein einfaches großes BLUBB; oder wie auch imner man das mit schönen Worten beschreiben kann.

Der Witz ist alerdings, dass du es schaffst, zu negieren, dass es unter dem Begriff “Kapitalismus” vielfältige Ausprägungen gab und gibt und wahrscheinlich geben wird, manche in Abgrenzungswillen mit einem Begriff “Marktwirtschaft” oder auch “Soziale Marktwirtschaft” bezeichnet.

Jeweils determiniert?
Es gibt sicher auch Gegebenheiten, Einflüsse von außen, logische Prozesse. Aber entscheidend sind natürlich die Menschen, was wollen sie, bzw. was lassen sie sich aufdrücken ohne aufzumucken.

topi November 11, 2011 um 11:43

@ chabis

Das Beispiel zeigt nur, dass noch nicht alle anderen Industrieproduzenten von deutschen Firmen niederkonkurriert wurden, durch Niedriglöhne, interner Abwertung und anderen Währungsmanipulationen (zum Nicht-EU-Ausland, das entfällt bei I natürlich).

Ein Produkt, dem bessere Qualität zugeschrieben wird (was auf Dauer bei Investitionsgütern wohl auch mit der Qualität korrelieren sollte), kann teurer sein; wenn es durch Lohndumping etc. auch noch billiger wird, und WK-Reaktionen ausgeschlossen/reduziert sind, dann explodiert der Exportüberschuss quasi. Wie wir sehen können.

flatter November 11, 2011 um 13:13

Witzig, dass Mayer noch politisch denkt, wo Merkozy und andere Darsteller ‘Ökonom’ spielen:

Allerdings stellt sich die Frage, ob die Wahlbevölkerung der Gläubigerstaaten eine solche Entwicklung akzeptieren oder auf einen Ausstieg aus der EWU drängen wird.
- was wiederum naiv ist. Nicht nur, dass die Wahlbevölkerung nicht die Richtlinien bestimmt, es werden ja ruckzuck die Regierungen mit Austeritätsexperten besetzt, dass Brüning feuchte Augen kriegt. Den Rest erledigt das Timing. S&P hat wohl mal angedacht, was Italien von Frankreich übrig lässt, oops! Ob wir wohl noch von Tagen sprechen?
Noch wer Popcorn?

Dipfele November 11, 2011 um 13:32

@fl

>Letzte Rettung EZB.

Stefan Homburger im DLF:

Ich bin kein Hellseher, aber dass der Euro zum Erfolg zurückgeführt wird, das ist nach menschlichem Ermessen ausgeschlossen.

Ich hab’ nur seine Begründung zum Bazooka-Rohrkrepierer EZB – letztlich wohl die dann unmittelbar drohende Inflation – nicht verstanden.

Dipfele November 11, 2011 um 13:33
f.luebberding f.luebberding November 11, 2011 um 13:48

Dipfele

Habe gerade ein Interview im DLF mit Hellmeyer gehört. Muss man als Gegenargument lesen, ist aber noch nicht online. Er argumentiert fundamental mit den auch hier oder im WGNX Blog schon zu lesenden Argumenten bzgl. Italien. Homburger argumentiert politisch, nicht ökonomisch. Insofern liegt er näher an der heutigen Realität.

holger November 11, 2011 um 14:30

OT

73108

Eine PLZ von Gammelshausen (kein Scherz ca. 1.500 Seelen) Radio FFN “Morgenfettsack” Franky (sorry dafür) ruft dazu auf, nur diese PLZ beim Einkauf anzugeben, wenn man danach gefragt wird. Occupy Gammelshausen.

Dipfele November 11, 2011 um 19:53
Q. November 11, 2011 um 21:01

goodnight
99,9999 Prozent aller Dinge zwischen Himmel und Hölle sind:
Determinismus.

bist Du Dir da ganz sicher?
oder sind es nur 99,9998 %?

Determinismus, das ist alles oder nichts!
Wenn Du auch nur das geringste Fünkchen Zufall zuläßt ……

Aber ich habe mittlerweile eh den Verdacht, daß Du nur zu 99,9999 % ein Lulumannianer bist ;-)

PS: ich kuck gerade Fußball!
Willst Du mir erklären, daß der Ausgang der Partie zu 100% feststeht?
Hmmmm???

no way November 11, 2011 um 22:47

QE from ECB you don`t break my heart again
http://www.youtube.com/watch?v=9OQTiKyjgOg&feature=related
like you did before
but …

xefix November 11, 2011 um 22:51

@Q
“PS: ich kuck gerade Fußball!
Willst Du mir erklären, daß der Ausgang der Partie zu 100% feststeht?
Hmmmm???”

Ja.
1. Einer gewinnt.
2. Unentschieden.
3. Abbruch.
4. Weltuntergang.

nixfürungut ;)

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