Biedermeier 2.0

by h.huett on 20. Dezember 2011

Jedes Thema in der Medienwelt erzeugt Blasen und Metastasen. So auch, kein Wunder, die Debatte über Vorwürfe, auf die der amtierende Bundespräsident seine Anwälte antworten lässt.

Wolfgang Michal, Wolfgang Lieb und Tom Strohschneider erliegen einem erstaunlichen Irrtum.

Liebs Einwand, der Rechercheaufwand in der causa Wulff sollte doch in mindestens gleicher Intensität Fragen existenzielleren Zuschnitts gewidmet werden. Lieb hält es für zweckmäßig, die Fragen nicht den Leuten, nicht den Bürgern, auch nicht den Benachteiligten in den Mund zu legen. Er geht weiter zurück, in die Anthropologie, reklamiert existenzielle Fragen der Menschen – beyond any politics.  Größer hamses nicht?

Strohschneider lässt irgendwie offen, ob er mit dem Sprachspiel der Würde oder politischer Opportunität argumentiert. Das “hätte sollte würde” wäre ja ganz unterhaltsam, gelangte  Strohschneider nicht schließlich zu einer Betrachtung, die die politische Relevanz des Amtes unabhängig von seinem Inhaber insgesamt für zweifelhaft erklärt.

Die weiteren Bemerkungen zum zweifelhaften Zuschnitt und der noch zweifelhafteren Legitimität stellt Michal besser und beantwortet sie schlechter. Denn seine medienordnungspolitische Reflektion über Hetzmeuten, Chefs, Ursachen und Wirkungen unterliegt zwei Schönheitsfehlern. Er stellt einen Zusammenhang her zwischen vorgeblichen Anwürfen gegen die Gattin des Präsidenten und einer bloggenden Hetzgefolgschaft der Leitmedien.

Seine Sorgenfurchen vertiefen sich mit der Frage, ob die Holzpresse auf der Suche nach einem Überlebensrezept ausgerechnet die schlechtesten Eigenschaften der bloggenden Hetzmeute adaptieren muss. Dass Michal es für zweckmäßig hält, zum Auftakt seines blogstaatsmännischen Einwurfs einen link zu einer ganz besonders widerlichen Seite zu setzen, finde ich grenzwertig. Welches Diskreditin-Ziel verfolgt er damit?

Die drei Kollegen unterscheiden nicht zwischen primären und sekundären Sachverhalten. Ihnen ist die Verfassung des politischen Systems, die Integrität der politischen Akteure, die Frage persönlicher Verantwortung irrelevant geworden. Nicht dass sie Gründe dafür schuldig bleiben. Sie sind in zwei Worte zusammenzufassen:

So what? Dahinter schlummert das altbekannte “alles egal”.

Ihre Beiträge betrachte ich als Bausteine für eine Kultur des Biedermeier 2.0. Nicht die Behaglichkeit, sondern kommode Unbehaglichkeit polstert ihre Lauben. Sie verlieren aus dem Auge, was in demokratisch verfassten Gesellschaften immer erste Aufgabe einer demokratischen Linken gewesen ist: die Normen und die Substanz der politischen Verfassung gegen Verstöße, Zweckentfremdung und Entkernung zu verteidigen.

Vor 80 Jahren hieß es, was die Linken getan hätten, sei richtig gewesen, was sie nicht gemacht hätten falsch.

Auch das steht nun vor der Wiederaufnahme. Aus dem dritten Rang höre ich gerade den Zuruf, dass die Opposition keine Lust auf eine Kampagne vor Weihnachten und zwischen den Jahren habe. Die anderen Krisen hätten sie genug gefordert.

Biedermeier 2.0. Sein Hauptmerkmal: Es ist alles scheißegal, solange die Ungemütlichkeit erhalten bleibt, mit der man sich irgendwie arrangiert hat.

Frohe Weihnachten!

{ 423 comments… read them below or add one }

hacedeca Dezember 20, 2011 um 21:20

Biedermeier? Ok! Nur eben ein Biedermeier, der mit den ganz großen Fragen konfrontiert wird: Europa-Euro als die vordringlichste.

Die gute, alte BRD ist spätestens jetzt Geschichte.

Und zu recht stellt sich die Frage, ob Biedermeier und Maschmeyer da so noch funktionieren.

Und der Druck wird noch zunehmen, da muss man kein Prophet sein, denn von D wird nicht mehr erwartet, dass es sich arrangiert, sondern dass es Arrangements auf den Weg bringt.

snozin Dezember 20, 2011 um 21:23

…beyond any politics. Größer hamses nicht?

Hams bedacht, Maestro, dass diese Skala auch an der anderen Seite kein Ende hat?

matt_us Dezember 20, 2011 um 21:25

@h.huett
“Frohe Weihnachten!”

Gleichfalls, wirklich schon der letzte Artikel zu Wulff bevor Weihnachten?

“…solange die Ungemütlichkeit erhalten bleibt, mit der man sich irgendwie arrangiert hat.”

Du machst den Fehler, dass wir uns hier gar nicht mit irgendwas arrangieren, nur weil wir sagen der Wulff muss bleiben, solange ihm gesetzlich nichts vorgeworfen werden kann.

Wir finden uns nicht mit irgendetwas ab. Wenn hier nicht aufgeklaert wird, oder ein schaerferer Verhaltenskodex aus dieser Affaere entsteht, ist das nur ein weiteres Zeichen, dass die Sache von oben bis unten stinkt!

Und wenn die Presse das nicht fordert, volle Aufklaerung, oder bessere Regeln, stinkt dass nur noch mehr.

Wenn es der Presse daran laege, hier reinen Tisch zu schaffen koennte sie ja ueber den Aeltestenrat herziehen, der alle Verantwortung (mit CDU Mehrheit) von sich gewiesen hat. Die Presse koennte auch die weihnachtsgestresste und krisengeschuettelte Opposition verantwortlich machen. Aber nichts geschieht.

Der Presse ist nicht auf besserere und transparenterere Demokratie aus, sie hat nur Interesse an der gelegentlichen Hetze auf individuelle Politiker.

h.huett Dezember 20, 2011 um 21:29

hacedeca

Exakt. Was war die politische Ökonomie des Biedermeiers? Was die sozialpolitische Basis der alten Bundesrepublik?

Das Biedermeier folgte unter politischen Restauration ein einziges Ziel: Bereichert euch auf Teufel komm raus. Jedes politische Amt in Großkleindeutschland und in Frankreich war eine Pfründe. Maschmeyer ist politisch gedüngtes Neobiedermeier pur. Man hat ihm das Futter frei Haus geliefert. Seine Anzeigenkampagnen eine good will Geste einer Dankbarkeit, die allein dazu ausreichen könnte, die Sozialdemokratie zu einer Kurskorrektur zu veranlassen.

Die alte Bundesrepublik hatte eine politische Praxis des sozialen Ausgleichs verfolgt, mal mehr, mal weniger sichtbar. Warum ist heute Heiner Geißler bei attac? Weil er auf die alten Tage als Drachenflieger über den richtigen Vulkan gesegelt ist? Oder weil er auch vor dreißig Jahren eine weitsichtigere Sozialpolitik denken konnte?

Man lese mal nach, was Michaela Wiegel über Gerhard Schröder und Sarkozy schreibt. Auch ein Seitenaspekt deutscher Exportpolitik.

wowy Dezember 20, 2011 um 21:34
wowy Dezember 20, 2011 um 21:35
h.huett Dezember 20, 2011 um 21:35

snozin

Danke der Nachfrage, das ist mir durchaus bewusst. Seit Sloterdijks Menschenzoo und seit Frau Merkel in ihrer Rhetorik aufgehört hat, von Bürgern zu reden, und statt dessen in die Biologie wechselt, betrachte ich das als vordemokratische Attitüde. Restauration pur. Neobiedermeier. Lieb würde ich sonst immer good will und politischen Verstand attestieren, in der Frage vollzieht er eine Ausweichbewegung und relativiert einen Sachverhalt, als ob die damit verbundene Haltung des “der Staat gehört uns” je akzeptabel sein könnte, egal welches politische Lager dieses Lied anstimmt.

wowy Dezember 20, 2011 um 21:43


http://www.dielinke-nds.de/

Aktuelle Sitzverteilung:
CDU 69 Sitze
SPD 47 Sitze
FDP 13 Sitze
GRÜNE 12 Sitze
LINKE 10 Sitze
fraktionlos 1 Sitz

152:5=30,4=31 Abgeordnete

Die SPD-Stärke allein würde reichen für einen Untersuchungsausschuss

Andreas Kreuz Dezember 20, 2011 um 22:03

@wowy

Die werden sich hüten.

Nanuk Dezember 20, 2011 um 22:08

Verfassungsorgane haben keine Lust auf eine Kampagne vor Weihnachten und zwischen den Jahren.Man reiche mir einen Eimer ich muss mich übergeben.

wowy Dezember 20, 2011 um 22:14

@Andreas Kreuz
Das glaube ich auch, deshalb sagte ich im anderen Fred, dass es besser wäre, die Staatsanwaltschaft würde direkt ermitteln.
Und da sieht man schön, was der ganze Zirkus wert ist.
Den Medien geht es nicht um Aufdeckung, der Opposition nicht um Recht. Es geht darum Leute, die unliebsam sind zu entsorgen und ansonsten alles beim Alten zu lassen. Deshalb muss man manchmal den klaren Weg des Rechts verfolgen (Rücktritt dann, wenn ein ordentliches Verfahren durchgeführt wurde), um genau diese Missstände aufzuzeigen.
Wulff wird im Amt bleiben und das System wird so weiter gehen, meine unbedeutende Prognose. Er fällt dann, wenn er den richtig Großen auf die Füße tritt. Das entscheidet sich aber erst nächstes Jahr.

Nanuk Dezember 20, 2011 um 22:15

Die Altenpflege hat keine Lust die Krankenschwester nicht und die Polizei auch nicht…

dazu ein Kommentar von Ronny Schäfer
http://www.youtube.com/watch?v=e9cm9m6WIro

spinne Dezember 20, 2011 um 22:35

@ nanuk

langsam schwant mir ietwas, möglicherweise bin icg nicht die einzige die hier spinnt ,-)

wowy Dezember 20, 2011 um 22:47

Also es liegen 4 Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft vor, die derzeit überprüft werden. Die Staatsanwaltschaft guckt jetzt, ob ein Anfangsverdacht gegeben ist.
http://www.focus.de/politik/deutschland/bundespraesident-staatsanwaltschaft-ueberprueft-anzeigen-gegen-wulff_aid_696053.html

Degnaphta Dezember 20, 2011 um 22:47

Im Morgenmagazin fokussieren sie nur noch die |Rechtmaessigkeit| des “Kredits”. Wenn die Vertraege nicht irgendeine Schummelei offenbaren, dann sei alles in Ordnung, wird dort suggeriert.
Was mich jedoch eher beunruhigt, ist die lahme Auskunft bei der Befragung durch das Landesparlament. Waere der Kredit OK gewesen, haette er doch ein klares Jain offenbaren koennen “Nein, keine Gesch’ftsbeziehung zum Mann und seinen Firmen. Ja, ein private Geschaeftsverbindung in Form einer finanziellen Nothilfe ueber die Gattin.” Waere das so unmoeglich gewesen?

Dass jetzt noch die Reiserei und der Maschmeyerkram mit aufgeruehrt werden, macht den Ruecktritt noch dringlicher. Leider ist das Morgenmagazin ein ziemlich guter indikator fuer solche Entwicklungen. Wenn die die Absolution erteilen, dann wird veryiehen und der kram dann mit Nichtbeachtung geadelt.

Wie war das eigentlich mit oezdemir und seinen anzuegen?

h.huett Dezember 20, 2011 um 22:54

Degnaphta

Du verwechselst was. Die Anzüge waren Thema eines Verteidigungsministers, der sich beim Kauf helfen ließ. Özdemir hatte Bonusmeilen privat genutzt und ein Darlehen erhalten. Das liegt lange zurück und er hat länger gebüßt als der vorerst Gescheitertste

Degnaphta Dezember 20, 2011 um 23:05

@hh
Hunzingers geschäftliche Tätigkeit und sein öffentlicher Ruf gründen sich auf der Kontaktvermittlung zwischen Interessengruppen, Politikern und der deutschen Wirtschaft. Einer breiten Öffentlichkeit wurde er durch seine umstrittene Beratungstätigkeit für den damaligen Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping sowie die Vergabe eines günstigen Privatkredits an den damaligen Bundestagsabgeordneten Cem Özdemir bekannt, die sogenannte Hunzinger-Affäre.
Das sagt das Orakel… ganz debil bin ich zum Glueck noch nicht ;-)

Der aufstrebende Cem hatte sich damals das Image zu schnell richten lassen. Vermutlich sind untadelige Parlamentarier heutzutage so selten wie Edelweiss oder Gaensegeier.

Keynesianer Dezember 21, 2011 um 00:04

h.huett

“Ihnen ist die Verfassung des politischen Systems, die Integrität der politischen Akteure, die Frage persönlicher Verantwortung irrelevant geworden. ”

Im Gegenteil, wir wissen, wie korrupt und verbrecherisch dieses System ist, dass seine Akteure über keinerlei Integrität verfügen und kein Politiker eine persönliche Verantwortung für die Räubereien und Machenschaften empfindet, die ihm seine Karriere ermöglichten. In dem System gelingt niemandem eine Karriere, der sich nicht für völlig korrupte und kriminelle Machenschaften einspannen lässt.

Ab und zu lässt man dann vor dem Publikum mal eine der Figuren fallen, besonders jemanden, der sich nicht genug für die aktuellen Agendas engagiert hat. Das scheint gerade der Wulff zu sein.

Aber sein Rücktritt würde das System eben nicht bessern, sondern womöglich eine neue Regierung mit Steinbrück und als neuen Bundespräsidenten den neoliberalen Freiheitskämpfer Gauck an die Spitze der anstehenden Agenda mörderischer Sparpolitik und menschenverachtenden Sozialabbaus in Europa setzen.

Gibt es zur Zeit eigentlich eine Sonderprämie für Artikel zum Thema Wulff? ;-)

PS: Beim Aufruf des Blogs kommt immer die Meldung:

“Diese Präsenz ist leider nicht verfügbar.”

Wollt Ihr Eure potenziellen Leser abschütteln?

Michael Michaelis Dezember 21, 2011 um 00:10

Wolfgang Lieb hätte hier ja nicht unrecht – ginge es denn um das Fehlverhalten eines Gewerkschaftsbosses, eines Firmeninhabers, oder selbst um das des amtierenden Bundeskanzlers. Wir sprechen hier aber über eine Institution, die qua Verfassung über den Institutionen steht; die nicht in das Alltagsgeschäft aus „Checks and Balances“ eingegliedert ist, und eben kein Rädchen im Getriebe der Gewaltenteilung ist. Die Rolle des Bundespräsidenten ist es, das Getriebe gewissermaßen von oben zu betrachten und zu kommentieren – eben deshalb ist mit dem Amt auch keine echte Macht verbunden, und eben deshalb macht es Sinn, ihn eben nicht durch allgemeine Wahlen zu bestätigen, sondern von den Repräsentanten der repräsentativen Demokratie, von der Bundesversammlung.

Das ist ein sehr abstraktes Konzept, und es trifft momentan auf Vorwürfe an einen ganz konkreten Menschen.

Man kann sich jetzt natürlich hinstellen und sagen: was interessiert mich der ganze Quatsch an Verfassung und Gewaltenteilung, usf.: Wulff hat das getan, was jeder an seiner Stelle auch getan hätte – und er hat nicht einmal geltendes Recht verletzt (naja: ein wenig gebogen, aber wer tut das nicht, zB. wenn es um die letzte Steuererklärung geht).

Das verkennt das grundlegende Problem. Jeder tut und vertritt nur das, was für ihn selbst und seine Entourage hilfreich ist. Auf dieser Einsicht beruht das gesamte politische System unserer Tage, das die Lehre aus dieser sehr einfachen Einsicht gezogen hat. Der, der die Gesetze schreibt, muß sie durch ein System aus unabhängigen Richtern filtern, und besorgt auch ihre Umsetzung nicht selber, sondern überläßt dies der Polizei.

Das ist langweilig (und das System öffnet Mißbrauch an allen möglichen Stellen Tür und Tor). Trotzdem ist es eine Idiotie, sich eine Zeit zu ersehen, wo diese Kontrollmechanismen komplett ausgehebelt sind. Was danach kommt, kann man sich in den „Failed Cities“ rund um den Globus ansehen.

Ein Bundespräsident, dem nachgewiesen wurde, daß er aus Amtsgeschäften Vorteile gezogen hat, ist für seine durch die Verfassung definierten Auftrag untragbar, und muß zurücktreten. Das ist der Kern der Debatte. Man kann dann noch sagen: was schert mich die Verfassung, wenn man ihn verteidigen will.

topi Dezember 21, 2011 um 00:18

Schön gesagt, snozin.

Sag mal Hans, du musst doch schon mitten imWald stehen, bei soviel Holz auf deinem Weg. ;-)

Wer also nicht bei der Exklusion eines Vorteilsnehmers stehen bleiben, sondern Aufmerksamkeit auf das weit verbreitete Vorteilsnahmesystem lenken möchte, wird von dir aus der “demokratischenLinken” exkludiert und in denBiedermeier abgeschoben.

Mensch, da dachte ich goodnights Weltbild sei in seiner selbstgezimmerten Konsistenz nicht zu übertreffen.:roll:

topi Dezember 21, 2011 um 00:21

“Man kann dann noch sagen: was schert mich die Verfassung, wenn man ihn verteidigen will.”

Konsequenter Standpunkt.
Nur verkennt er die Tatsache, dass die Umdeutung einer Einordnung des wulffschen Geschehens in das allgemeine Korruptionsumfeld in eineVerteidigung nur eine Projektion ist.

Thelonious Dezember 21, 2011 um 00:23

Dieses “so what” ist in meinen Augen nur zu verständlich und hat mit Biedermeier nur in so fern etwas zu tun, wenn Resignation auch als Biedermeier bezeichnet wird. “Empört euch” ist gut und schön, jedoch stellt sich auch die Frage: “Lohnt es sich?”

Wulff mit seinen privat-geschäftlichen Verstrickungen war, moralisch gesehen, nicht besser oder schlechter als jeder andere MP in diesem unserem Lande. Das war absehbar und deswegen ist die Empörung in meinen Augen aufgesetzt. Moral und Politik, das wissen wir nicht erst seit dem ollen Niccolò, sind zwei verschiedene Kategorien. Die systemtheoretischen Dichter weisen uns zudem tagtäglich darauf hin.

Was wäre also gewonnen, würde Wulff morgen zurücktreten? Nichts, denn der Nachfolger wäre kaum integerer. Also, “so what”.

Decay, der Niedergang, beschreibt auch lautmalerisch und musikalisch den Zustand der Gesellschaft. Eine große Terz hier, eine verminderte Quinte da, ein ordentliches Arrangement und schon haben wir daraus einen Hit gemacht, der sich massenhaft verkauft.

Arrangieren, so lautet doch das Motto des täglichen Überlebens. Ich arrangiere mich also darf ich sein. Gut, ich kann mir ein T-shirt kaufen, auf dem steht “Ich bin mit der Gesamtsituation unzufrieden”, ich kann in Blogs oder am Stammtisch (und sind wir ehrlich, wir befinden uns an einem virtuellen Stammtisch) darüber räsonieren, was alles verändert werden möge. Alleine, wir finden nicht aus unserer täglichen Umgebung. Wir bewegen uns in den Koordinaten, die uns vorgegeben sind und das frustriert. Fundamentale Opposition führt in persönliches Elend und wer will schon Märtyrer sein?

Oh, den theoretischen Hintergrund von Unzufriedenheit können wir liefern. Kein Problem. Es gibt diejenigen, die ihren Marx auswendig aufsagen können, ihren Keynes rezitieren oder in Luhmann ihren Trost finden. Trotzdem bewegen wir uns auf der vorgegebenen Ebene. Die Realität passt sich eben nicht unseren Gedanken an, sondern wir uns der Realität. Also irrt Herr Hegel.

Das wissen wir auch. Und je nach persönlicher Disposition stellen wir uns auf den Leck-mich-am Arsch-Standpunkt, werden Fatalisten oder erarbeiten uns in mühseliger Arbeit ein Gedankenkonstrukt von einer besseren Welt und Gesellschaftsstruktur wohlwissend, dass diese zu unseren Lebzeiten nicht eintreffen wird.

Wie Sisyphos fluchen wir jeden Tag der Götter und schauen zu, wie der Stein rollt, ohne ihn aufhalten zu können.

Ich für meinen Teil habe das Fluchen aufgegeben.

http://www.youtube.com/watch?v=356fYt3PCKc&feature=related

Eine schöne Frau singt ein herrliches Lied. Manchmal erreicht man damit den Himmel und denkt sich in der Causa Wulff: So what.

xefix Dezember 21, 2011 um 00:24

@M. Michaelis
“Wenn man sich vor ein Klavier setzt, hat man keine Probleme mit der Intonation, und wenn man eine Taste drückt, erklingt sofort ein Ton. Auf einer Geige hingegen erzeugt ein Anfänger zunächst kläglich kratzende Geräusche, die an einen musikalischen Ton allenfalls erinnern,”

http://www.michael-michaelis.de/htdocs/handwerker-und-genies

Gib ihm die Chance das Geigen zu lernen. Er übt ja schon fleissig.
Den Job bekam er als Klavierspieler mit Vorlieben zur Pan-Flöte (El Condor pasa;) und nicht als erste Geige ;)

nixfürungut ;)

topi Dezember 21, 2011 um 00:27

Nochmal zur Motivation der Opposition.

Weihnachten,was weiß ich.

Sicher ist, dass die Linke heute noch weniger Gauck ist als damals.
Wahrscheinlich, dass Gauck nicht mal die rotgrünen Stimmen bekäme.

Und große Teile der “Nichtbürgerlichen” auch keinen Bock drauf hätten, wenn Gauck mit Abweichlern gewählt würde.

Andererseits fiele es sehr schwer, Gauck nicht zu nominieren.
(und ob sie seinenKompromatekoffer von Bild geliefert bekommen, kann bezweifelt werden :roll: )

Das ist das naheliegende Problem der Opposition; welches sich auch bis Ostern nicht ändert.
Das ist der naheliegende

Michael Michaelis Dezember 21, 2011 um 00:28

@xefix, 00:24
Reiß das Zitat mal bitte nicht aus dem Zusammenhang, ok?
:-)

wowy Dezember 21, 2011 um 00:32

@topi
Wieso? Gesine Schwan hat doch in der FAZ das Nachfolger/innen Schaulaufen eröffnet.
Vielleicht (ich halte das sogar für wahrscheinlich) steht Gauck gar nicht mehr zur Verfügung?

xefix Dezember 21, 2011 um 00:35

@Thelonius

Bewegende Musik!

Manchmal kann auch fluchen befreien.
Hier ein spätes “la paloma”

https://www.youtube.com/watch?v=rseGPY848hk

xefix Dezember 21, 2011 um 00:36

@Michaelis
mea culpa!
Aber es war so anwendbar ;)

topi Dezember 21, 2011 um 00:38

Thelonious

“Und je nach persönlicher Disposition stellen wir uns auf den Leck-mich-am Arsch-Standpunkt, werden Fatalisten oder erarbeiten uns in mühseliger Arbeit ein Gedankenkonstrukt von einer besseren Welt und Gesellschaftsstruktur wohlwissend, dass diese zu unseren Lebzeiten nicht eintreffen wird.”

Bessere Welt und Gesellschaftsstruktur?

Wir sind im Endkampf des Schuldzyklus’. Das könnte man mit einem Reset ohne gröbere Verwerfungen lösen (was stören den Milliardär gestrichene Nullen), auch dafür gibt es historischeVorbilder.
Oder es gibt vor dem letztlich unvermeidbaren Zerreißen der Schuldscheine eine Versklavung weiter Teile der Bevölkerung in einer Schulddiktatur, oder zur Ablenkung einen kleinen Weltkrieg.

Da gibt es keinen festen Pfad.
Resignation ggü. der Vorstellung, wir haben übermorgen eine bessere Welt,ok.
Aber die Bahauptung, es ist jetzt aktuell egal, was die Menschen tun, stimmt einfach nicht.

xefix Dezember 21, 2011 um 00:42

@Thelonius
sorry falscher link.
Hier nochmal live!

https://www.youtube.com/watch?v=SYqeJ9mWR_Y&feature=related

topi Dezember 21, 2011 um 00:42

@wowy

Gesine zum dritten?
Na mein lieber Schwan. ;-)

Dagegen steht ein ungeschriebenes Gesetz: Frauen dürfen nur, wenn sie chancenlos sind.

Du meinst Gauck tritt zurück, ohne Kompromatekoffer, wo doch selbst Wulff nicht treten will?

wowy Dezember 21, 2011 um 00:44

@topi
“Dagegen steht ein ungeschriebenes Gesetz: Frauen dürfen nur, wenn sie chancenlos sind.”
Aber nur, wenn der/die Kanzler/in eine Frau bleibt ;-)

wowy Dezember 21, 2011 um 00:46

Supersymbolbild
http://www.faz.net/
Auf der FAZ Seite steht sie direkt unter “Empfehlungen der Redaktion” ;-)

xefix Dezember 21, 2011 um 01:45

Wie wäre es, wenn Der Bundestruthan (truth) zum Adler mutiert und in seinen Klauen festhaltend, die “neoliberale” Schlange mit seinem Schnabel zerreist?

Oder gar zur Taube mutiert?

“Flieg, weisse Taube, und raub einen Stern aus ihrem Banner”
Einmal die Leon:
https://www.youtube.com/watch?v=UnQW5D4A58g

Und einmal Rieu (pathetisch)
https://www.youtube.com/watch?v=0PaBpeOqPSg&feature=related

h.huett Dezember 21, 2011 um 01:46

Thelonious
In Musikfragen sind wir uns fast immer einig. Historisch und politisch nicht so häufig. Was ist denn das andere Merkmal des Biedermeiers und der Restauration? Die Resignation. Ich werfe Lieb, Michal oder Strohmeier ja gar nicht eine Verteidigung Wulffs vor. Sie nehmen den Sachverhalt einfach hin. Und schon wendet man sich wieder der eigenen Datsche oder dem nächsten Möbelstück zu.

Stendhals Romane werden wieder zur Pflichtlektüre. Seine Idee, die Romane seien für ein anderes Zeitalter geschrieben, war weitsichtig. Rot und Schwarz. Lucien Leuwen, um damit anzufangen. Guter Tip für die Zeit zwischen den Jahren.

h.huett Dezember 21, 2011 um 01:46

topi

Nein, nicht Verteidigung, da drehst Du die Schraube eine Umdrehung zu weit. Hinnahme. Indifferenz. Das geht gar nicht.

h.huett Dezember 21, 2011 um 01:53

topi

Schau Dir mal das Biedermeier genauer an, streiche ein paar weitere Nullen weg und Du wirst erstaunliche Parallelen finden. Die demokratische Linke ist ja bei weitem nicht so groß, wie Deine Exklusionsidee andeutet. Die schrägen Vögel, die aus dem Westen unter die PDS-Decke gekrochen sind, werden schon wieder von der Bettkante gekickt.

Bald mutiere ich zu einem Bartsch-Befürworter, um dieses Biedermeier-Duo an der Spitze der sogenannten Linken abzulösen. Alleine die Erinnerung daran, dass Lafontaine der Kanzlerin meldet, dass nach seiner Fraktionssitzung vor dem dritten Wahlgang ihre Mehrheit steht, ist Biedermeier hoch zehn. der kleine steht vor der der kleinen und erhebt sich. Ich erinnere mich an Erzählungen 1,90m großer Interviewer, auf die Lafontaine durch seine Körpersprache herabblickte. Ein kluger Giftzwerg, der seiner Rache politische Alternativen opfert und damit nicht aufhört darüber zu triumphieren, dass er recht hat, ohne je recht zu bekommen.

Morph Dezember 21, 2011 um 06:03

@Hans Hütt

Wolfgang Michals Analyse trifft m.E. den Nagel auf den Kopf.

Du scheibst: “Hinnahme. Indifferenz. Das geht gar nicht.”

Dein dem Jugendjargon entlehntes ‘Das geht gar nicht’ markiert genau das Problem: Natürlich geht das nicht, aber als Erwachsener weiß man auch, dass man bei der Beobachtung skandalöser Tatbestände abwägen muss, und dass man also, obwohl es eigentlich ‘nicht geht’, bestimmte skandalöse Zustände hinnehmen muss und nicht weiter verfolgt. Sich wegen aller Schlechtigkeiten der Welt zu empören, ist naiv; selbstgerechtes Anprangern ein Sport für Zukurzgekommene und Zurückgebliebene.

Du weißt, dass es so ist, und ich könnte Dir Äußerungen von Dir selbst vorhalten, die genau dieses Bewusstsein dokumentieren.

Alle Deine Einlassungen z.B. im Fall DSK haben eine ganz bemerkenswerte ‘Indifferenz’ und ‘Hinnahme’ skandalisierungsfähiger Umstände bewiesen.

Das heißt, die Tatsache, dass Wulff als MP dem Landesparlament nicht ganz und gar aufrichtig geantwortet hat, und dass er winkeladvokatisch den wahren Kreditgeber verschleiert, ERZWINGT nicht qua aufgeklärter und adulter Vernunft, in der laufenden Debatte sich auf die Seite der Skandalisierer zu stellen.

Mir scheint ja, und da bin ich durchaus einer Meinung mit Frank und Dir, dass Wulff wegen seines offenkundigen Verhaltens als MP und als Verteidiger in eigener Sache einerseits und seiner moralischen Ansprüche als BP andererseits ein wandelnder Widerspruch geworden ist. Ein Rücktritt wäre konsequent.

Nur: Man kann eben auch fragen, was die journalistische Skandalmaschine in diesem Fall so laut macht und in anderen Fällen so leise. @matt_us hat ja vollkommen recht, wenn er bemerkt, dass es im journalistischen Mainstream keine derartig konzertiert wirkende Aktion für eine ökonomisch sinnvolle Fiskalpolitik gibt. – Du gefällst Dir seit Tagen darin, diese Denkrichtung argumentfrei zu diskreditieren, um nicht zu sagen: niederzuquatschen. Das überzeugt mich nicht.

Die Skandalmaschine in der causa Wulff operiert, das muss man doch sehen, entweder naiv (was ich nicht glaube), oder aber: Hinter dieser allzu vordergründigen Empörung über Wulffs Privatkredit-Affäre (in der die Täuschungsabsicht bzw. Verirrung des Handelnden WEITAUS geringer ausgeprägt ist als im Fall zu Guttenberg) steht eine hidden agenda.

Dass Ihr diese hidden agenda nicht thematisiert, ist bestenfalls ein blinder Fleck, schlimmstenfalls intellektuell unlauter.

f.luebberding f.luebberding Dezember 21, 2011 um 07:01

morph

Es gibt keine hidden agenda. Wenigstens nicht bei mir. Und wenn es sie geben würde, meinst Du ernsthaft, dass ich sie dann hier formulieren würde … ? Welche Motivation die Bild hat, weiß ich nicht. Frage dort nach. Aufklärung? Das scheint viele nicht zu überzeugen. Aber meinst Du, mir würde die Bild ihre hidden agenda verraten? Oder die Redakteure würden sie kennen? Warum ist das wichtig? Wäre es besser, wenn die Bild jetzt wie bei Guttenberg auf der anderen Seite wäre? Das Problem ist unten formuliert worden: hier hätte Wulff etwas gemacht wie alle anderen Ministerpräsidenten auch. Woher wisst ihr das? Das sind schlichte Behauptungen von Leuten, die ansonsten gar nicht wissen, was Ministerpräsidenten so machen. Und wenn das so sein sollte, was ich mir nicht vorstellen kann, werden wir lustige Monate haben. Da könnt ihr euch sicher sein. Das verspreche ich auch. Michal und Lieb haben offensichtlich ein anderes Verständnis über die Ausübung hoher politischer Ämter in diesem Land als ich. Oder kann Lieb zwischen seinen Erfahrungen mit Rau und den Erkenntnissen über Wulff wirklich keinen Unterschied erkennen? Das wäre ja einmal eine interessante Bemerkung.

f.luebberding f.luebberding Dezember 21, 2011 um 07:18

Und wie mühsam Recherche ist, sieht man hier:

http://www.welt.de/politik/article13777685/Wulff-gibt-Verhandlungen-mit-Egon-Geerkens-zu.html

Aber wen interessieren schon die juristischen Winkelzüge des Bundespräsidenten? Warum hat Wulff das nicht gleich gesagt? In der Erklärung seiner Anwälte hat er das sogar noch bestritten. Und da soll man nicht misstrauisch werden? Oder hält er jetzt Geerkens für einen Lügner?

holger Dezember 21, 2011 um 07:39

@ Morph

—>>> Du gefällst Dir seit Tagen darin, diese Denkrichtung argumentfrei zu diskreditieren, um nicht zu sagen: niederzuquatschen. Das überzeugt mich nicht.“

Wen überzeugt das schon? So etwas nehme selbst ich nicht ernst. Mal durch den Mond geschaut, sind das erste Ausläufer lunatischem Denk-Faschismus. In dem Fall Wuff, wird es ja immer interessanter. Nicht, dass sich nur der Wuff irgendwie blamiert hat, sondern auch die, die seinen Kopf fordern. Mir zeigt es nur auf, in welch desolaten Zustand sich dieses fragile System befindet. Ich sag ja auch, der Wuff taugt nicht. Aber aus anderen Gründen.

Das Bild was ich vor Augen habe ist: Wie ein kleines Kind, dass beim Friseur sitzt und Angst davor hat, die Haare geschnitten zu bekommen, es könnt ja weh tun.

Ich beobachte das auch an meinen Opa. Ab einem gewissen Alter wird der Mensch ein sturer Ochse. Ob er will oder nicht. Ich bin immer mehr zu der Meinung bekommen, dass wir ein Generations-“Problem“ auch in den Diskussionen haben. Ich teile das mittlerweile auf… 7/14/21/28/35/42/49/56/63/70/77/84

12 Abschnitte a. 7 Jahre. Ich geb mich da auch keiner Illusion hin, zu behaupten, man wird knöchern im Hirn. Denk-Faschist eben. Ich will mich gar nicht dabei ausnehmen. Jeder festigt irgendwann sein Weltbild. Aber wird das im Großen und Ganzen etwas ändern? Nein… Ich kann von Huett nix lernen. Er erfüllt seine Vorbildfunktion nicht. Er kann zwar in meinen Augen verquaste Schriften verfassen, aber wen juckt das? Die kann er im Altersheim vortragen und wenn er Glück hat, wird er nicht verprügelt.

Eines habe ich Leben gelernt. Wenn du jemanden erreichen willst, versetz dich in seine Lage, wenn du es möchtest. Dieses Oberlehrerhafte zieht nicht mehr. Das Leben für die Meisten ist eben kein Wunschkonzert. Hans mag seine Kultur zwar mit großen Löffeln gefressen haben. Ist ja auch gut so. Aber wer will denn andauernd sein Violinen Spiel auf Dauer ertragen?

Wann kommt die 800dertste Folge, von: „Der Wuff und die sieben Geißlein“? Was rumpelt und pumpelt in meinem Kopf herum. Huett hat eine bestimmte Klientel die er bedienen kann/muss. Aus auserlesenes Publikum. Außerhalb der Mutter Erde. Macht ja auch nix. Blogs sind eher für den Pöbel da. Ein Asoziales Medium, für Habe und Taugenixe. Huett seine Schriften gehören aber auf bestes Pergament und in Worms niedergelegt. Mit Pomp, Strumpfhosen, Puder und Posaunen.

Systemfrager Dezember 21, 2011 um 07:46

Tja,
warum “funktionierte” das politische System der westlichen “Demokratien” nach dem Krieg so wunderbar? Weil dieses System so gut war? Unsinn!

Es war die Angst vor dem Kommunismus. Es waren die Kommunisten (im Osten), die die wahre Ursache für die Freiheit und den Wohlstand im Westen waren.

Und nun wollen die Kommunisten nicht mehr den nützlichen Idioten spielen. So ein Pech
:(

Morph Dezember 21, 2011 um 07:48

@FL

“Michal und Lieb haben offensichtlich ein anderes Verständnis über die Ausübung hoher politischer Ämter in diesem Land als ich”

- das ist es, was ich mit hidden agenda meine: Es geht Dir – wie auch den anderen Skandalisierern – um ‘hohe’ politische Ämter, während es denen, die das Ganze für eine unerträgliche Medienhysterie halten, um die Selektivität öffentlicher Skandalisierung geht.

Ich für meinen Teil finde das Argument mit den ‘hohen’ politischen Ämtern völlig anachronistisch. Man muss über Wirtschaft und Politik einige historische Verschiebungen in der Moderne vergegenwärtigen:

Das Bezugsproblem des politischen Systems ist die Erarbeitung kollektiv bindender Entscheidungen angesichts von Interessengegensätzen. Die politischen Organisationen (Staaten, Parteien) und die in ihnen arbeitenden Personen orientieren sich dabei an historisch etablierten und veränderlichen Codes und Programmen.

Das Bezugsproblem des wirtschaftlichen Systems ist die vergleichende Feststellung von Knappheit angesichts veränderlicher Verfügbarkeiten. Die wirtschaftlichen Organisationen (Banken und Unternehmen) und die in ihnen arbeitenden Personen ortientieren sich dabei an historisch etablierten und veränderlichen Codes und Programmen.

Soweit, so analog.

Historisch aber ändert sich etwas:

Die organisatorische Relevanz des Staates für alle übrigen Organisationen war bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jh. vollkommen fraglos. Daher maß man Politikern auch den größten persönlichen Einfluss in der Gesellschaft zu. Und in diesem Sinn ist die Sonderbeobachtung der Inhaber ‘hoher’ politischer Ämter, die Du wichtig findest, gerechtfertigt. Inhaber wichtiger Positionen in Wirtschaftsunternehmen, Kunstorganisationen, Wissenschaftseinrichtungen, Kirchen usw. konnte man als nachrangige Aufgabe der Medien betrachten.

Nun hat sich aber im organisatorischen Gefüge der Gesellschaft etwas gedreht: Die Inhaber ‘hoher’ politischer Ämter sind im Vergleich zu den Vorständen von Großkonzernen relativ kleine Fische geworden. Gleichwohl tun die Medien immer noch so, als hinge an den Politikern und ihrer Verantwortlichkeit unser Gemeinwohl. Das ist schlicht abwegig, Frank.

Und dass in den Medien die politische Prominenz als die Führungsebene unserer Gesellschaft verkauft wird, ist eine komplett unpolitische Verschleierung der faktischen Zusammenhänge.

Dass Du den Geerkens-Kredit als so eine große Sache aufbläst, dagegen aber die Machmeyer-Connection als altbekannten Sachverhalt abtust, finde ich, der ich Dich als wachen politischen Beobachter schätze, schlicht atemberaubend naben der Spur!

Systemfrager Dezember 21, 2011 um 07:59

Wer Wulff kritisiert, hat nicht begriffen, dass es nicht Wulff ist, der etwas gemacht hat, sondern: das System funktioniert so und es wird immer so funktionieren.

So wie in dem “System” der Gravitation der Stein auf den Boden fällt. Und das gilt immer noch, auch wenn die Flugzeuge fliegen können. Weil bei ihnen noch zusätzlich ein anderes “System” wirkt.

Keynesianer Dezember 21, 2011 um 08:02

h.huett

“Ich werfe Lieb, Michal oder Strohmeier ja gar nicht eine Verteidigung Wulffs vor. Sie nehmen den Sachverhalt einfach hin. Und schon wendet man sich wieder der eigenen Datsche oder dem nächsten Möbelstück zu.”

Das stimmt einfach nicht. Im Gegenteil, Lieb wendet sich den um einige Dimensionen wichtigeren Problemen zu, während Ihr hier die angeordnete moralische Empörung verkörpernd Euren Tee schlürft und auf den Scheck wartet.

f.luebberding f.luebberding Dezember 21, 2011 um 08:15

morph

“Dass Du den Geerkens-Kredit als so eine große Sache aufbläst, dagegen aber die Machmeyer-Connection als altbekannten Sachverhalt abtust, finde ich, der ich Dich als wachen politischen Beobachter schätze, schlicht atemberaubend naben der Spur!”

Wo habe ich das abgetan? Erst jetzt – mit der Buchfinanzierung – kommt doch etwas Fleisch an die Geschichte. Wen stören eigentlich diese ganzen Besinnungsaufsätze über die Connection? Maschmeyer? Wulff? Schröder? Rürup? Das glaubst Du doch nicht ernsthaft. Das wurde auch schon gefühlte tausend Mal in den Medien thematisiert, etwa von Panorama, aber auch in der FAZ.

Es geht jetzt darum, eine Systematik aufzudecken. Und dafür liefert erst Wulff das Material. Das ist Journalismus. Wie sich in solchen Strukturen Mentalitäten entwickeln. Was “Freundschaft” hier bedeutet. Ich habe das neulich schon einmal gesagt: Alles hat seine Zeit. Manches braucht Zeit. Viele sog. Medienkritiker machen nichts anderes als sich in Selbstbestätigung wiederzufinden. Das sollen sie machen.

Ich denke, wir bekommen gerade interessante Einblicke, die uns bisher verborgen blieben. Aber manche hatten ja schon immer den Durchblick. Ich nicht. Ich bin neugierig geblieben.

Nanuk Dezember 21, 2011 um 08:19

“Man muss über Wirtschaft und Politik einige historische Verschiebungen in der Moderne vergegenwärtigen:”

Ja Herr Biedermeier…
http://www.youtube.com/watch?v=pgZfEQlnQOA

holger Dezember 21, 2011 um 08:23

Wenn ich was ändern möchte, und das meine ich damit, muss ich meine Generation ansprechen (so um die 42) und jünger. Nur die werden etwas verändern können, und wollen. Sie sind nämlich die Arschkrampen, die die Suppe auslöffeln müssen. Nicht die oberlehrerhaften fetten Bimbes Nutznießer. Die hüppen bald in die Frostfreie Zone. Ich werde mir gewiss nichts von 60+ irgendwas noch verzählen lassen, es sei denn, da steckt ein wenig Hirn hinter.

Das was wir jetzt erleben, ist in den 80er Jahren gesät worden. Wir erleben jetzt nicht die Ursache, sondern die Wirkung. Und jeder, der in den 80ern irgendwas nicht gesehen hat, oder nicht wollte, insbesondere die damals herrschende Politik, ist ein Ar—loch. Und diese Dumpfbacken stellen sich dato hin, und schwingen große Reden. Und ich wiederhole mich. Meine Generation evtl. mit Familie, muss den Scheixx ausbügeln. Deswegen würde ich ganz vorsichtig mit denen sein. Denn wenn das so weiter geht, werden nämlich die jetzigen Rentner gehängt. Weil sie ganz einfach nicht mehr finanzierbar sind.

Und nun kommen diese elder wisdom Brüder und erzählen Gürtel enger. Nur um ihren eigenen Wisdom After zu retten. Sosiehtsaus. Und nun kommt die „Jugend“ und hält diesen Pennern ihren eigenen Spiegel vor die hässliche Fratze. Eine Mischlings-Generation, die weiß, was Schwarz Weiß Fernseher und Farbe ist. Und diese Generation wir in spätestens 10 Jahren den alten Säcken den Arsch nicht mehr abputzen. Sondern verprügeln. Diesen Elder Wisdom Brüdern. Weil keiner mehr ihnen das virtuelle Violinenspiel abnimmt.

Nicht einer, wird ihren Worten mehr Gehör schenken. Zu blass ihre Phrasen. Abgelutscht. Keinen Schritt nach vorne denkend. Die Lost-Generation wird Rache üben. Von Griechenland über Italien dann nach Portugal und Spanien selbst in Germanistan wird die Rache groß sein. Man köpft nicht den Adel, sondern die fetten Bäuche, die Moral und Anstand predigen wollen. Weil sie Schiss in der Hose haben ihre Pfründe zu verlieren. Nicht dem Reichen wird es an den Kragen gehen, sondern denen, die nur durch Furzen am System partizipiert haben und ihre Enkelgeneration dadurch verraten und verkauft haben.

Keiner wird ihr Flehen, Bitten und Betteln erhören. Sie hatten ihre Chance. Die, die heute ihren Enkeln erzählen, geht malochen ihr faulen Schweine. Rüülps.

Nanuk Dezember 21, 2011 um 08:35

“Sie sind nämlich die Arschkrampen, die die Suppe auslöffeln müssen. ”

Genau so ist es!

Morph Dezember 21, 2011 um 08:37

@FL

“Es geht jetzt darum, eine Systematik aufzudecken”

Na, da bin ich ja gespannt. Ich sag Dir, wo die Grenze der Aufdeckerei ist, Frank: Exakt dort, wo die ‘hohen’ medialen Amtsträger mit ihrer Aufdeckerei ihre eigene Verbandeltheit thematisieren müssten.

Wenn ich Müller-Vogg bei Beckmann sehe, wie er Aufklärung fordert, muss ich lachen. Aber für Dich war das eine Sternstunde der Fernsehgeschichte. Nun denn…

Was wird maximal passieren? Wulff tritt zurück, alle werfen ihre Stirn in Falten, sehr besorgt um den Zustand unserer Republik, und weiter geht’s im Normalgang der Dinge.

Die mediale Berichterstattung über das Maschmeyer-Netzwerk, auch wenn sie ohne juristische und politisch-organisatorische Folgen bleibt, trägt zur Aufklärung über den Stand der Dinge bei, Wulffs Rücktritt herbeizuschreiben, ist dagegen Antiaufklärung, die sich selbst als mutige Tat missversteht. Absurdes Schauspiel.

@Nanuk

“Ja Herr Biedermeier…” – nach dem, wen Hans Hütt ins Beidermeier rückt, ist das ein Ehrentitel. Der Indifferenz-Das-geht-gar-nicht-Fraktion gehöre ich mit Sicherheit nicht an!

Morph Dezember 21, 2011 um 08:44

@Holger

“Die Lost-Generation wird Rache üben.”

Glaube ich nicht. Die Lost-Generation wird nur die eigene Nachbarschaft verwüsten und sich drogentechnisch selbst ausknipsen.

Und die Widerständigen und Widerstandsfähigen, die sich nicht aufgeben, entfernen sich soweit sie können aus der Lost-Zone.

Systemfrager Dezember 21, 2011 um 08:44

@ fl
>>> Es geht jetzt darum, eine Systematik aufzudecken. Und dafür liefert erst Wulff das Material. … Ich denke, wir bekommen gerade interessante Einblicke, die uns bisher verborgen blieben. Aber manche hatten ja schon immer den Durchblick.

Genau: “Manche hatten ja schon immer den Durchblick”. Vielleicht nicht manche, aber einige waren es schon. Nehmen wir nur 2 Beispiele:
Jean-Jacques Rousseau (1712 – 1778)
Karl Marx (1818 – 1883)
(Um jetzt nich auch noch Hobbes zu bemühen)

Nicht etwa, dass die Kritik an sich nichts taugt. Wenn sie aber nicht zugleich eine Steilvorlage für eine Lösung ist, taugt sie gar nix. Sie ist dann nur eine reine geistige Onanie. Wie es ein “unverbesserlicher” Besserwisser an einer Stelle dreißt geschrieben hat:

Das deformierte Denken unserer „Experten“
Wie viel geistige Prostitution verträgt eine Gesellschaft?

Unsere Naturwissenschaftler sind weltweit bekannt, bewundert und geehrt. Und es sind viele. Versuchen wir erst gar nicht, sie aufzuzählen – es würde lange dauern. Was für eine Ehre für ein Volk! Ganz anders bei den Geisteswissenschaftlern. Alle – Kant eventuell ausgenommen – sind bereits von ihrem Sockel gestoßen worden. Hätten sie sich als Scharlatane oder nur Versager erwiesen, wäre dies schon schlimm genug. Die wichtigste Anklage lautet aber: Sie waren nie emanzipatorisch, sondern großkotzig-elitär, nie demokratisch, sondern brutal-despotisch, nie Freiheitskämpfer, sondern Lakaien und Söldner an den Höfen der Macht. Man würde kaum übertreiben, wenn man sie als geistige Brandstifter und Schreibtischtäter bezeichnet. Das gilt für unsere bekannte Denker der frühen Moderne, die sich der Geschichtsphilosophie verpflichtet haben, und erst recht für die heutigen neoliberal gesinnten Experten, Professoren, Wirtschaftsweisen, Finanzgurus oder wie auch immer sie heißen. Was für eine Schande für ein Volk!

Der Ökonom mit dem Hammer

Nanuk Dezember 21, 2011 um 08:45

@Morph
Ja aber du must doch zugeben das es Aufgabe der Oposition ist daraus einen Vorteil zu ziehen sonst können wir den Laden dicht machen und wenn sie das zur Sprache bringen was du und ich hier kritisieren…

Nanuk Dezember 21, 2011 um 08:47

Das man jetzt auf einmal genauer hinsieht jahrelang geschlafen hat und das das gefälligst zu ändern ist usw…

holger Dezember 21, 2011 um 08:50

Meine Generation wurde als „Null-Bock“ Generation bezeichnet. Alles das, was uns gepredigt und gelehrt wurde/wollte ist für die Katz. Nur Lügen. Wir wurden belogen und betrogen von Morgens bis Abends. Und die, die uns damals schon die Hucke vollgelogen haben, Winseln nun. Nicht in der Lage meinen Kindern eine Perspektive zu bieten, außer Alternativlos.

Wuff ist genau so eine Arschkrampe, aber nicht nur der… soll ich vor diesen Leuten nur ein Fünkchen Respekt haben? Soll ich mich in den Staub werfen und untertänigst bitten und betteln? Meint denn einer die Satanisten Sozialisten sind ein Deut besser? Nee… Respekt habe ich vor denen, die ihren Kindern eine Perspektive bieten können. Die nicht auf der Kanzel stehen, und große Reden schwingen.

Das ist das Problem dieses Systems. Es verliert den Respekt vor sich selbst. Und das ist gut so.

holger Dezember 21, 2011 um 08:53

@ Morph

—>>>Glaube ich nicht. Die Lost-Generation wird nur die eigene Nachbarschaft verwüsten”

Nee… sie dreht sich weg. Sie wird ihren Dozenten nicht mehr zu hören. Ignorieren. Weil es in ihren Augen falsche Propheten sind. Das schlimmste was der herrschenden Klasse passieren kann. Wir haben nix, aber auch garnix zu verlieren, wir können nur noch Gewinnen.

Nanuk Dezember 21, 2011 um 08:53

“Meine Generation wurde als „Null-Bock“ Generation bezeichnet. Alles das, was uns gepredigt und gelehrt wurde/wollte ist für die Katz. Nur Lügen. Wir wurden belogen und betrogen von Morgens bis Abends. Und die, die uns damals schon die Hucke vollgelogen haben, Winseln nun. Nicht in der Lage meinen Kindern eine Perspektive zu bieten, außer Alternativlos.”

Genau so ist es!

Nanuk Dezember 21, 2011 um 08:55

Selbstgerechte Arschlöcher!

Goodnight Dezember 21, 2011 um 09:00

@morph

“Die Inhaber ‘hoher’ politischer Ämter sind im Vergleich zu den Vorständen von Großkonzernen relativ kleine Fische geworden.”

Macht und Geld sind zwei unterschiedliche Bereiche.
Das Du hier ständig beide Bereiche zusammenbringst wie in vormodernen Staaten ist nicht gerade förderlich für die Aufmerksamkeit für Deine Argumentation.

Es existieren nur zwei Argumente pro Wulff:

1. Er ist doch nur ein Mensch. Auch er will nur junge Dinger begatten, ein großes Haus und ein bisschen Spass.

So what? Ist das Amt des Bundespräsidenten jetzt ein Spielplatz für ältere Herren geworden. Müssen wir als Steuerzahler seine Spielchen bezahlen? Sind wir als das Volk noch Souverän oder lassen wir uns von einem Wulff auf der Nase rumtanzen…also selbst da, wo wir defacto entscheiden können. Wer will noch jemals von Euch Moral und Anstand einfordern, wenn er nicht selbst dafür eintritt?

2. Die Welt ist böse und korrupt. Da darf der Bundespräsident doch auch ein kleines bisschen…

So what? Hören wir jetzt auf für Gesetz und Ordnung zu kämpfen, weil das Böse ist immer und überall? O.K. machen wir den Rechtsstaat zu, ist sowieso sinnlos…zu anstrengend….. Yep, kein Problem, wer zu schwach ist, der muss dominiert werden. Danke für Euer Einverständnis.

“Don’t you want to take a leap of faith? Or become an old man, filled with regret, waiting to die alone!”
Saito (inception)

Morph Dezember 21, 2011 um 09:03

@Nanuk

Also ich werde Wulff sicher keine Träne nachweinen. Aber ich habe kein besonders weit reichendes Vertrauen in die parteilförmig etablierte Opposition…
Meine Sorge ist, dass das ‘genauer hinsehen’ eben mit einem Sündenbock-Opfer vermieden wird.
Ich kann mich mittlerweile auch mit dem Gedanken anfreunden, dass Wullf nolens volens als wandelnder Widerspruch, als Personifizierung des Widerspruchs der politischen Organisationen der Spätmoderne, zukunftsweisender sein könnte als jemand, der nach Maßgabe des bestehenden Systems die Rolle konsistenter bespielen würde.

Fadenscheinige Spitzenvertreter haben etwas für sich. Sie zeigen so schön deutlich, dass die Idee der Spitzenvertretung Kokolores ist ;-)

kurms Dezember 21, 2011 um 09:08

FL: “Ich denke, wir bekommen gerade interessante Einblicke, die uns bisher verborgen blieben. Aber manche hatten ja schon immer den Durchblick. Ich nicht. Ich bin neugierig geblieben.”

Ja, wir bekommen Einblicke in mögliche Mechanismen mit denen man gesetzeskonform Politiker schmieren kann. Die Mechanismen sind dabei schon so weit entwickelt daß man sie auch offen legen kann ohne daß rechtliche zu drohen Konsequenzen scheinen. Warum das trotzdem vielen Leuten egal zu sein scheint? Weil sie sowie davon ausgegangen sind daß alle Politiker gekauft sind. Die detaillierten Mechanismen interessieren dann nicht so sehr. Aber die Tatsache, daß die Mechanismen mittlerweile in jeder Zeitung nachzulesen sind finde ich schon spannend. Früher hätte man versucht das zu unterdrücken, um den Schein der Unabhängigkeit wahren zu können, aber das schein heute nicht mehr nötig.

h.huett Dezember 21, 2011 um 09:09

Morph

Die Frage der adulten Kommunikation beschränke bitte auf Deine Kommunikation mit Goodnight, ich kann mich nicht entsinnen, die in diesem Thema bisher selbst verwendet zu haben,

Bei Michal gibt es ja mehrere Ebenen, die ich zweifelhaft finde. Die erste, der medienhygienische Pawlowsche Reflex ist bei einem normativen Wächter programmiert unter der Überschrift diskursive Binnenpluralität. Du kannst mit diesem Halbautomatismus eine Stoppuhr stellen und den Zeitpunkt der Intervention in eine Themenkonjunktur ziemlich genau vorher bestimmen. Ein acte gratuite. Die zweite ist eine Frage des Stils. Ich habe für diese Frage das Schimpfwort des Diskreditin erfunden. Warum? Weil Michael zu Beginn seines Beitrags einen link zu einer wie ich finde besonders widerlichen Webseite setzt, die sich sehr explizit mit Fragen nach den Gattin des amtierenden Bundespräsidenten beschäftigt. Man kennt die Methode. Schlage das falsche Beispiel in Klumpp und insinuiere mit der Fundstelle die moralische Korruption aller anderen, die in das gleiche Spießerhorn blasen. Das Verfahren dokumentiert zweierlei: Michal hat die Instinkte eines Parteiblattredakteurs nicht verloren, schlimmer noch, er setzt sie ungebremst ein.

Deswegen kann ich seine Heuchelei, die dem folgt, trotz Übereinstimmung, die ich bei anderen Themenkonjunkturen zweifelhaftestetn Zuschnitts sofort geben würde, nur so qualifizieren, wie ich es getan habe.

Zu matt_us´ Ehrenrettung muss ich Deine Schlussbemerkung etwas karikieren.

“wenn er bemerkt, dass es im journalistischen Mainstream keine derartig konzertiert wirkende Aktion für eine ökonomisch sinnvolle Fiskalpolitik gibt.”

Kann es sein, dass Du da auf allen drei Augen blind bist? Es gibt auch Anwesenheiten durch Abwesenheit. Erinnere Dich an meine Analyse des Sendeplatzes “Börse im Ersten”. Es gibt eine von wenigen Ausnahmen nur durchbrochene einhellige mediale Kampagne zugunsten des fiakslapolitischen deutschen status quos, als besäße die Deutsche Bundesbank eine brainwashing machine. Indem man diesen Sachverhalt feststellt, weiß man auch, wie die Kehrseite aussieht. Nicht als Gleichschaltung durch die Gegenseite mit 180 Grad Kehrtwende, sondern Dekonstruktion des Bullshits, was für gewisse Themen der politischen Ökonomie in diesem Blog, der seit gestern 100 Beiträge zählt, in 90 Prozent dieser Beiträge geschieht.

Und jetzt wieder zurück in den modus der adulten Stammzellen, auf Augenhöhe :-D

Systemfrager Dezember 21, 2011 um 09:16

@ kurms

Die Mechanismen sind dabei schon so weit entwickelt daß man sie auch offen legen kann ohne daß rechtliche zu drohen Konsequenzen scheinen. Warum das trotzdem vielen Leuten egal zu sein scheint? Weil sie sowie davon ausgegangen sind daß alle Politiker gekauft sind. Die detaillierten Mechanismen interessieren dann nicht so sehr. Aber die Tatsache, daß die Mechanismen mittlerweile in jeder Zeitung nachzulesen sind finde ich schon spannend. Früher hätte man versucht das zu unterdrücken, um den Schein der Unabhängigkeit wahren zu können, aber das schein heute nicht mehr nötig.

Großartig! – natürlich dass der “Pöbel” schon weiter ist als seine “Auklärer”. Deshalb kann man sich die Diskussionen a la Wulff oder a la Luhmann hier sparen. (Aber das ist nur meine ganz private Meinung. Jede Übereinstimmung mit Stephan ist rein zufällig ;~)

f.luebberding f.luebberding Dezember 21, 2011 um 09:17

morph

Nach dieser Geschichte wird es das Netzwerk des Herrn Maschmeyer nicht mehr geben. Es bröckelt schon längst. Und was dieses Zitat betrifft:

“Na, da bin ich ja gespannt. Ich sag Dir, wo die Grenze der Aufdeckerei ist, Frank: Exakt dort, wo die ‘hohen’ medialen Amtsträger mit ihrer Aufdeckerei ihre eigene Verbandeltheit thematisieren müssten.”

Das ist auch eine homogene Gruppe. Die hohen medialen Würdenträger. Ich empfehle das Interview mit Brender von heute Morgen im DLF. Und rein zufällig hatte ich gerade erst den hohen medialen Würdenträger namens DLF Intendanten thematisiert.

h.huett Dezember 21, 2011 um 09:18

Lübberding

Auf die neueste Einlassung des Anwalts habe ich im Beitrag nachträglich verlinkt. Immerhin ist diese Mitteilung Grund genug für die Oppositionsfraktionen in Hannover, eine Entscheidung zu treffen. Denn jetzt geht es um eine vorsätzliche Falschaussage vor dem Parlament,

holger Dezember 21, 2011 um 09:20

Kurms

—>>>Warum das trotzdem vielen Leuten egal zu sein scheint? Weil sie sowie davon ausgegangen sind daß alle Politiker gekauft sind. „

Das ist doch das ver-rückte. Jeder, der am Leben teilnimmt, weiß, dass es diese Welt nicht so gibt, wie man es uns beischlafen will.

Ich kann diese Leute nicht mehr hören Korruption. Was ist Geld? Korruption. Nix anderes. Diese „heile“ Welt gibt es nicht. Das sind Bergpredigten.

Was hat Wuff denn gemacht? Den Blinden wollte er das Geld streichen, und den Schülern, besser den Eltern, hat er die Lernmittelfreiheit gestrichen. Ein Arschloch. Kann auch jeder lesen. Kann mich auch verklagen die Sackratte. Interessiert mich nicht. Auch die fette Kanzlerin in zu engen Hosenanzügen kann mich mal. Respekt? Vor wem? Und warum?

Ich bin kein Nigger, den man mal mit ner Peitsche treiben kann/will. Eher verrecke ich freiwillig. Das passt nämlich gar nicht in das Konzept der Pan-Flöten Spieler.

egal Dezember 21, 2011 um 09:25

Staatsrechtler am Hofe der Tudors formulierten erstmals klar das Konzept der zwei königlichen Körper. Zum einen gäbe es den ewigen, dynastischen, göttlichen, zum anderen den sterblichen, sündigen, irdischen. Mit diesem Konzept wurde nicht nur die dynastische und göttliche Legitimität des Monarchen gestärkt, es nahm die Unterscheidung von Amt und Amtsträger analytisch schon vorweg. Heinrich VIII beging laufend Todsünden. In den Augen vieler Juristen und anderer in die staatsrechtlichen Mysterien eingeweihter konnte das Verhalten des Amtsträgers der Königswürde nichts anhaben. Aber um die politische Bildung damals war es nicht gut bestellt. König und Königswürde blieben verhasst. Als Juristen das Zweikörperkonzept auf dem Kontinent zur Legitimation des Absolutismus, des Gottesgnadentum, ausbauten, betrieb Jakob II zwanzig Jahre Religionspolitik gegen den Willen von Adel, Klerus, Verwaltung und Volk. Volk, Verwaltung, Adel und Klerus gingen ihm von der Fahne.
Die glorreiche Revolution schuf ein neues Machtgleichgewicht zwischen Parlament und König, brachte einige bürgerliche Freiheiten und einen Rationalisierungsschub. Träger der Revolution und – in ihrer fünfzigjährigen Regierungszeit – der Rationalisierung, waren die Whigs. Ihr bekanntester Vertreter Edmund Burke, den zu lesen Frank Luebberding hier mal empfohlen hat. Ich habe auf Luebberding gehört. Frank nicht.

Burke war ein gemeiner, irischer Katholik. Durch die Protektion einer der einflussreichsten Familien, der Rockinghams, machte er politisch Karriere bis zur Kanzlerschaft. Er war intelligent und gebildet. Bedächtig, mit viel Geduld und Geschickt setzte er sich für seine Ziele ein, darunter Demokratisierung, religiöse Gleichberechtigung, Bekämpfung von Korruption und Armut und Abschaffung der Sklaverei. Er erzielte kleine Erfolge. (Große Erfolge erzielte er, wenn es darum ging, eine Machtverschiebung vom Parlament auf den König zu verhindern. Darum ging es den Rockinghams, bei aller Liebe zu den universalistischen Ideen, die gerade in Mode waren, vordringlich.) Eiferer wie der Sozialreformer Richard Price waren ihm zuwider.

Gegen Ende seines Lebens hätte der fleißige Arbeiter im Weinberg des Herrn zufrieden zurückblicken können. Was hatte er nicht alles erreicht? Reformen. Anerkennung. Eine kleine Leibrente. Er starb verbittert. Das Volk war den Whigs von der Fahne gegangen. In Frankreich schlug es dem König den Kopf ab.

Die Französische Revolution schuf ein neues Machtgleichgewicht zwischen den Ständen, brachte einige bürgerliche Freiheiten und einen Rationalisierungsschub. Träger der Revolution war der Liberalismus. Er erreichte in Dekaden mehr Reformen, als die Whigs in einem Jahrhundert.

Burke schrieb Reflections on the Revolution in France. Ich habe noch nie eine so leidenschaftliche Kritik an der Aufklärung, der Moderne und der kapitalistischen Kultur gelesen. Sie ist beeindruckend. Wegen dieser kulturellen Leistung gilt er als Begründer des Konservativismus. Beeindruckend ist auch die politische Argumentation. Ich glaube, nie mehr hat ein politischer Denker von Rang so einen kruden Schwachsinn geschrieben. Manches ist widersprüchlich, vieles schlicht hysterisch und unverständlich, die politisch zentrale Frage wird gar nicht behandelt: was nämlich die Aristokraten zur Pflege der konservativen Agenda prädestiniert. Produktionsmittel müssten Familien anvertraut werden, damit zukünftigen Generationen ihr Erhalt gesichert bliebe. Aber während die Bourgeoisie zu Burkes Zeiten Dynastien aufbauten, verspielten junge Aristokraten das Erbe von Generationen. Im Erhalt der gottgewollten Ungleichheit stand die Bourgeoisie dem Adel zumindest in Nichts nach. Und während der männliche Adel Mätressen hielt, lebte das Bürgertum monogam, war dem Pöbel also viel mehr moralisches Beispiel.

Burkes Ablehnung der Französischen Revolution wirkt heute absurd. Als Reformer kritisierte er Praktiken der Aristokraten, die die Aristokratie hervorbrachte. Aristokratischer Machtmissbrauch etwa war Folge aristokratischer Machtfülle. Den politisch ungebildeten französischen Fischverkäuferinnen gelang der Rückschluss von den verhassten Aristokraten auf die Aristokratie problemlos. Der Ruf nach Abschaffung der Standesprivilegien war der Ruf nach Abschaffung der Stände.

Burke erhielt viel Lob von seinen alten Gegnern. Den Tories. Dem König. Die Reformer wandten sich ab.

Luebberding und Huett erhalten kein Lob. Aber sie loben. Die „Kollegen“ von der BILD, die „offenkundig ein Beispiel für guten Journalismus geliefert“ haben. Oder die versammelte publizistische Elite bei Beckmann, weil sie souverän den Ausnahmezustand ausruft. Endlich keine „Kungelei mit der Politik“ mehr. Mit Nazistaatsrecht für Gewaltenteilung.

Die politischen Argumente sind oft unverständlich, bisweilen hysterisch und widersprüchlich. Korruptionsvorwürfe gegen andere Politiker als Wulff sind „a priori“ oder nicht belegt. Wolfgang Lieb wird aber eine Flugaffäre herbei halluziniert. Christian Wulff soll den Privatkredit vorwerfbar aufgrund seiner Glaubwürdigkeit erhalten haben, die Glaubwürdigkeit Walter Riesters spielt bei dem Verkauf von Riesterverträgen jedoch keine Rolle. Die Medien sollen die Scheinfrage aufklären, ob alle Kreditnehmer gleichbehandelt werden, dabei interessiert das keinen. Gefordert wird vom Kommentariat die Gleichbehandlung aller Korruptionsfälle durch die Medien. Eine Forderung, auf die nie sachlich eingegangen wird. Jemand kommentiert, Wulff müsse nur gehen, weil er der zionistischen Elite im Weg stehe. Im Gegensatz zur sonstigen Praxis wird diese antisemitische Behauptung nicht gelöscht. Weil sie ähnliche Argumente anderer Kommentatoren so gut diskreditiert?

Weil die politischen Argumente nicht überzeugen, kommt das kulturelle. Allein – es passt auch nicht. Nach dreißig Jahren Reaktion weht ein Hauch von Vormärz durch die Republik. Auch die Rockinghams sind aufgeschlossen. Strohschneider und Lieb fordern implizit einschneidende Veränderungen, Michal warnt vor affirmativer Empörung. Das sollen Biedermeier sein? Da doch eher Luebberding und Huett, die die institutionelle Legitimität restaurieren wollen! Weil sich die Radikalen im Unbehagen gemütlich eingerichtet hätten? Strohschneider, der mutmaßlich prekär beschäftigt ist, und Lieb, der unermüdlich gegen Windmühlen kämpft, sollen den wohligen Schauer der Apokalypse entspannt genießen? Mit Wagner und Kaminfeuer auf der Couch? Da doch eher Luebberding und Huett, die die Unbehagen verursachenden Zustände perpetuieren wollen.

Kongress und Obama katapultieren das angelsächsische Recht in einer der wichtigsten Bürgerrechtsfragen in die Zeit der Stuarts zurück. Dazu von Luebberding und Huett kein Wort. Denn sie katapultieren sich ideengeschichtlich selbst in die Zeit der Stuarts zurück. Mit der Scholastik der Tudors. Der sündige Präsident und sein unsterbliches Amt.

Burke war kulturell ein Konservativer. Politisch aber wurde er zum Reaktionär. 1689 hatte das politische System kulturell aus der göttlichen Ordnung gelöst und zur gestalterischen Disposition gestellt. Um 1789 zu ungeschehen zu machen, negierte er auch 1689. Um das politische System des klassizistischen Englands zu retten, entzog er ihm die Grundlage.

Auch Luebberding und Huett wollen die Zeit zurückdrehen. Der Legitimitätsverlust der bundesrepublikanischen Ordnung ist ihr 1789. Davor wollen sie zurück. Deshalb blocken sie alle Kritik, die über die Amtsträger hinaus auf das Amt zielt. Aber nach vor der Krise kommt die Krise. Die Krise des politischen Systems hat das politische System hervorgebracht. Der Nachfolger des Präsidenten wird auch korrupt sein. Liegt am Amt. Das Amt muss weg.
Weil Luebberding und Huett das ahnen, machen sie es wie Burke. Sie befördern Goodnights Kommentare über Systemmonaden, die sich in alle Ewigkeit ausdifferenzieren, zum Artikel. Sie negieren die Grundlage der bundesrepublikanischen Ordnung. Die Gestaltbar der politischen Ordnung. Auch sie drehen die Uhr auf vor 1689. Im Internet kann man die politische Willensbildung live beobachten. Wir erleben gerade die Entstehung von zwei Reaktionären.

Burke wurde zum Reaktionär durch die Korruption seiner Förderer. Bei Luebberding und Huett könnte das anders sein. Prinz Max von Baden musste Ebert die Revolution befehlen. Sozialdemokraten reden viel. Doch wenn sich etwas ändert, kriegen sie Angst. Verständlich. Hobsbawm prognostiziert Ströme von Blut. Der polnische Präsident warnt vor einem neuen Krieg. Rosig wird’s auf keinen Fall. Aber TINA. Der Zukunft entgeht man nicht durch Flucht in die Renaissance.

Morph Dezember 21, 2011 um 09:25

@goodnight

“Macht und Geld sind zwei unterschiedliche Bereiche.
Das Du hier ständig beide Bereiche zusammenbringst wie in vormodernen Staaten ist nicht gerade förderlich für die Aufmerksamkeit für Deine Argumentation.”

Ich bringe nicht die Bereiche zusammen, sondern in den Gegenständen, die wir hier diskutieren: Organisationen und Personen, sind sie ineinander. Kann ich nicht ändern.

Keine Organisation ohne Hierarchie, keine Hierarchie ohne kollektiv bibndende Entscheidung (= Macht) (gilt für ausnahmslos alle Organisationen ausnahmslos aller Funktionssysteme; das Besonderer der Politik und ihrer Organisationen ist lediglich, dass in ihnen die staatliche Macht entschieden wird, was andere Funktionssysteme und deren Organisationen nicht können, aber natürlich kommt Macht in allen Organisationen vor).

Keine Organisation ohne Verbrauch knapper Güter, kein Verbrauch knapper Güter ohne Bezahlung (=Geld). Usw.

Was an Deiner Argumentationsweise mich immer wieder verblüfft: Sobald es interessant wäre, mal ernsthaft mit Luhmann zu analysieren: auf der Ebene der Tagesaktualität organisierter Gesellschaft, bringst Du auf einmal Subjekte ins Spiel und verteilst Noten und wachst über die Einhaltung der modernen Regeln, als wenn Gesellschaft Leistungssport wäre (vermutlich nickst Du jetzt heftig: genau, Leistungssport, so ist die Gesellschaft!!). So ist die Gesellschaft aber keineswegs. Alles, was Leute denken, sagen, ‘entscheiden’, ist Gesellschaft, auch wenn manches davon Dir nicht passt.

Und was immer wir an gesellschaftlichen Tatsachen beobachten, ist Ergebnis einer Auswahl, die anders hätte vollzogen werden können. Und alles, was wir sehen, ist das, was Systeme als ihre Beobachtung für uns in Sinnform gebracht haben, in aller Regel sind das die Massenmedien.

Du kennst Wulff nicht; was Du kennst, ist ein mediales Image. Du meinst beobachten zu können, ob Wulff politisch weiterhin tragbar ist, kannst aber nur beobachten, wie die Massenmedien beobachten, ob Wulff politisch weiterhin tragbar ist. Du schwingst das große Wort über die operativen Zusammenhänge europäischer Politik und ‘Merkels’ Machtübernahme. Das ist alles ganz witzig, aber auf derselben Verbindlichkeitsebene wie das, was @ich, @HG, @Hans Hütt, @Nanuk, @FL, @Holger, @topi usw. schreiben.

Also bitte: piano!

Thelonious Dezember 21, 2011 um 09:32

@ luebberding

Nein, ich kenne nicht alle MP persönlich. Bis auf drei habe ich persönlich noch keine getroffen oder gesprochen. Muss ich auch nicht, denn ich lese Zeitung ;). Wulff ist kein Einzelfall und das weißt du besser als ich. Ein Rüttgers ließ sich für seine Schäferstündchen mit Unternehmern bezahlen, ein Biedenkopf nahm es hin, dass er für seine Villa eine lächerliche Miete bezahlte, ein Mappus schanzte dem Arbeitgeber seines persönlichen Freundes durch den EnBW-Deal das eine oder andere Milliönchen zu, Beck schanzte einem Parteifreund in Bad-Bergzabern ohne die vorgeschriebene Prüfung ein Infrastrukturprojekt zu , Seehofer und seine Staatsregierung übenpolitischen Druck beim Kauf der Hypo Alpe-Adria aus, Wowereit und seine Tempodrom-Affäre – und das sind nur die Fälle, die in meinem unaufgeräumten Gehirn sofort präsent und noch nicht endgültig verjährt sind. Alles bedauerliche Einzelfälle? Sicher haben die Äffären verschiedene Dimensionen, nicht immer profitierte der MP persönlich. Trotzdem zeigt es, dass im Zweifel Regeln oder Gesetze für die Herren nicht viel wert sind.
Es gibt auch integere Politiker, das bezweifelt niemand. Nur ist die Frage berechtigt, ob sie die Ausnahme oder die Regel sind. Wulff reiht sich hier nur in eine lange chronique scandaleuse ein. Für mich stellt sich tatsächlich die Frage, warum jetzt so ein Bohei darum gemacht wird. Und mit der moralischen Unbeflecktheit des Amtes zu kommen ist doch nur ein Scherz. Wer saß denn schon in diesem Sessel? Der SA-Reiter Carstens, Johannes Rau, der auch mit seinen Affärchen zu kämpfen hatte, Heinrich Lübke, der sich während der Nazizeit nun wirklich nicht mit Ruhm bekleckert hatte. Also, was solls.
Eine entscheidendere Frage wäre, ob es ausgerechnet diese Pfeife Wulff hätte sein müssen. Aber, sind wir ehrlich, die Hälfte unserer BP begnügte sich doch mit dem Amt als oberster Grüßaugust und das kann Wulff auch.

@hans
Meine Argumentation war gestern Abend weniger dem politisch-historischen, denn dem Moment geschuldet.

Goodnight Dezember 21, 2011 um 09:33

@holger

“Das ist doch das ver-rückte. Jeder, der am Leben teilnimmt, weiß, dass es diese Welt nicht so gibt, wie man es uns beischlafen will.”

Du stehst auf, jeden morgen, duscht, rasierst Dich. Ziehst eine Krawatte um Deinen Hals steigst in Dein teuer geleastes Auto vor Deinem noch nicht abbezahlten Haus um an jeder roter Ampel zu halten und dich nur knapp über Tempolimit zu einem Arbeitsplatz zu bewegen, an dem Du 8-10 Std. Deinem Chefs und Kollegen in den Allerwertesten kriechst und ab und zu trittst falls Du nicht gerade irgendwelche Texte schreiben musst Die Du weder verstehst noch verstehen willst.
Und Abends im Puff oder vor der Playstation bist Du für 10 Minuten der Mann der Du eigentlich sein willst.
Und das machst Du 40 Jahre Deines Lebens.

Und jetzt kommt Ihr hier und behauptet:
Das System funktioniert nicht. Alles ist Chaos und außer Kontrolle.

Lustig.

Nix ist außer Kontrolle.

Weil wir alle an die Regeln glauben und einige die Einhaltung der Regeln kontrollieren.

Natürlich ist der Wulff ein kleiner Held für uns…für einige Minuten…und dann werden wir ihn schlachten, weil er sich erlaubt, was wir uns nicht trauen. Wegen den Regeln…die es ja gar nicht mehr gibt ;-)

“Look at me, jerking off in the shower… This will be the high point of my day; it’s all downhill from here. ”
Lester (american beauty)

f.luebberding f.luebberding Dezember 21, 2011 um 09:35

egal

Es geht nur um eins: mit dieser Argumentation meint man, dass es völlig egal ist, ob man Wulff thematisiert oder nicht. Nein: man sollte ihn gar nicht thematisieren. Das wäre ja eine bloße Ablenkung. Das Argument war Beckmann und Bild.

Ganz ehrlich: es kracht im Gebälk dieses Staates und ihr seid blind und taub. Ansonsten kann ich nur auf Goodnight verweisen. Wir waren bekanntlich nicht immer einer Meinung.

Horst Schmidt Dezember 21, 2011 um 09:36

Bringen wir es doch einmal auf den Punkt.
Dieser Wulff hat den “Quatsch” noch “quätscher” gemacht. Es ist doch bekannt, dass Politiker fast nie über die angebliche oder tatsächliche Affäre stolpern, sondern über den Umgang mit dieser.

Sven Dezember 21, 2011 um 09:37

Falschaussage oder “nur” Halbwahrheit? Ist das noch wichtig dafür, wie’s weitergeht? An erster Stelle steht, dass CW scheibchenweise die Vorgänge immer etwas mehr modifiziert. Damit ist die wichtigste Solleigenschaft des BP im Locus: die Glaubwürdigkeit. Bei jeder künftigen Rede darf sich dann das Publikum fragen, was er jetzt wohl wieder weggelassen hat. – Der Mann darf zurücktreten. Der ist einfach in der Zukunft für’s System nicht mehr voll einsatzfähig. Der hält im Schloß nur noch den Stuhl warm.

Ich hatte es schon mal angerissen: die Meute sollte den Sprung vom Wulff zur politischen Klasse hinbekommen. Keinerlei Nebeneinkünfte mehr, 2 Jahre Abklingbecken nach dem Amt, alle Kostenerstattungen sind offenzulegen, Kredite ab bestimmter Höhe nur noch von einer staatlichen Bank mit einem Zins mit festem Aufschlag auf den Leitzins. Thema wäre durch. – Wem’s nicht passt, der sollte sich von der höheren Politik eben fernhalten. Angriff ist die beste Verteidigung der “Substanz der politischen Verfassung gegen Verstöße, Zweckentfremdung und Entkernung”. Und nicht das wenig erfolgsversprechende Hinterherharken.

h.huett Dezember 21, 2011 um 09:43

egal

So sehr ich historische Ekurse und namentlich das Nachdenken über Hysterie in Geschichte und Gegenwart schätze, so energisch darf ich einen Sachverhalt in Erinnerung rufen:

Zur Frage der unbefristeten Internierung amerikanischer Staatsbürger durch die Regierung habe ich auf Nachfrage von Spinne den Quellenhinweis aufden Kongressbeschluss und den Senatsbeschluss (90:7) gegeben.

Im übrigen ist das Argument des tu quoque durchgeritten. Du wirst in diesem Blog kein Beispiel für eine Kumpanei der Autoren Lübberding und Hütt mit der Bild-Zeitung finden. Die Unterstellung des gleichen Themas selbst ist ebenso falsch, weil Du damit die Unterschiede ausblendest – und damit zugleich unsere editorische Freiheit, in der kleinstmöglichen Nische dieses Blogs nach Lust und Laune Themen unserer eigenen Wahl aus unserem Blickwinkel zu betrachten.

Die Koinzidenz mi irgendwelchen anderen Agenden übersieht fast alles mit dem erklärten Ziel, uns damit gleichzusetzen. Wenns dem Seelenfrieden dienst, mach das weiter. Ich empfehle als Gegengift mehr Burke zu lesen. Vielleicht noch ein bisschen Golo Mann und Sebastian Haffner.

Morph Dezember 21, 2011 um 09:47

@Hans Hütt

Ja, sehr lustig. Wie immer.

Dass Michal den Link gesetzt hat, markiert praktisch keine operative Differenz in der Öffentlichkeit des verlinkten Materials. Was Du gegen Michal vorbringst, sind keine Argumente, sondern was Du machst ist, wofür nicht ich das Schimpfwort “Niederquatschen” erfunden habe.

Jeder wie er kann…

Goodnight Dezember 21, 2011 um 09:49

@morph

Piano ist mehr dein Art durch leben zu gehen. In der Wissenschaft ist das grundsätzlich richtig, obwohl selbst da: Organisation und damit Hierarchie und damit Macht und damit nicht mehr Piano.
Whatever, es gibt Momente in denen man sich zurücklehnt und beschriebt und Momente in denen man entscheiden muss. Und Entscheidungen folgen halt immer nur Beobachtung erster Ordnung, d.h sie sind recht banal, d.h. schwarz oder weiss.
Man kann den Fall Wulff so wie Du ins große und ganze System einbetten und alle Verknüpfungen und Elemente beleuchten. Yep, viel Spass, wird mindestens ne Doktorarbeit, ca. 3-4 Jahre.
Oder man trifft eine Entscheidung und kommuniziert diese. Damit hängt man sich raus, operiert im Tunnelblick, wird man grob und unreflektiert. Das ist der Preis, anders geht es nicht.
Ich habe einen Standpunkt.
Was hast Du?

“Never compromise. Not even in the face of Armageddon. That’s always been the difference between us.”
Rorschach (watchmen)

Morph Dezember 21, 2011 um 09:52

@Thelonious

Sehr gute Kommentare m.E., volle Zustimmung!

Morph Dezember 21, 2011 um 09:57

@goodnight

“Ich habe einen Standpunkt. Was hast Du?”

Ein Standpunkt ist angesichts der inneren Unruhe der Autopoiese was ziemlich Instabiles. Standpunkte muss man aufgeben und aufheben, wenn man weiter kommen will.

Von Schritt zu Schritt.

;-)

Ansonsten: Hast schon recht mit der Entscheidung und der B1.O.
Aber hier im blog wird nichts entscheiden. Das ist ja gerade das Entspannungsmoment. @Hans Hütt und @Frank Lübberding und @Goodnight operieren, als würde sich @wiesaussieht nicht im long tail des internet befinden, sondern an den Schalthebeln der Macht. Kann man natürlich mal so sehen, spaßeshalber. He he.

f.luebberding f.luebberding Dezember 21, 2011 um 10:00

Goodnght

Nur zum Tunnelblick. Den haben andere auch. Es wird einfach alles als “normal” deklariert:

http://www.netzfundbuero.de/2011/12/20/buchsponsoring-durch-industrielle-ein-insider-packt-aus/

Goodnight Dezember 21, 2011 um 10:04

@Theleonis

“Wulff ist kein Einzelfall und das weißt du besser als ich.”

Soll das Rechtssytem seine Tätigkeit einstellen, weil es eine großen Teil der Verbrechen weder erfassen noch verurteilen kann?
Sollen wir den Wulff das erlauben, weil andere auch schon mal sowas gemacht haben?

Orientieren wir uns an Regeln oder an den Uterus von Menschen?

Dieser unser Staat ist nicht Wulff oder Rau oder ein anderer Sünder.
Dieser Staat ist das Gesetz.
Und das Gesetz ist etwas ganz anderes als Menschen.

Das sollte man begriffen haben.

“Once a man has seen society’s black underbelly, he can never turn his back on it. Never pretend, like you do, that it doesn’t exist. ”
Rorschach (watchmen)

f.luebberding f.luebberding Dezember 21, 2011 um 10:05

morph

An den Schalthebeln der Macht? Du scheinst ernsthaft zu glauben, dass es sie in dieser Affäre noch gibt. Nun ja, nennen wir das so: etwas unterkomplex.

holger Dezember 21, 2011 um 10:07

@ goodnight :D

—>>>Du stehst auf, jeden morgen, duscht, rasierst Dich. Ziehst eine Krawatte um Deinen Hals steigst in Dein teuer geleastes Auto vor Deinem noch nicht abbezahlten Haus um an jeder roter Ampel zu halten und dich nur knapp über Tempolimit zu einem Arbeitsplatz zu bewegen, an dem Du 8-10 Std. Deinem Chefs und Kollegen in den Allerwertesten kriechst und ab und zu trittst falls Du nicht gerade irgendwelche Texte schreiben musst Die Du weder verstehst noch verstehen willst.”

Siehste… und genau das mache ich nicht mehr… und habe es auch noch nie so gemacht. Ich bin sowas von frei, ich kann einfach sagen, leckt mich. Ich habe nix zu befürchten. Ich hab noch nicht mal nen Auto, dafür ne Bahncard. Es ist sowas von entspannend, nicht falsch Parken zu können. Aber wenn die anderen müssen… soll ich sie von ihrem Wahn abhalten wollen? Nöööö mach ich auch nicht mehr. Ich besitze rein rechtlich kein Eigentum mehr, steht beim Amtsgericht geschrieben. Das ist noch entspannender. Jeder, der sich an sein “Eigentum” fesselt, ist ein “Narr”. Mich treibt keiner mehr und ich treibe auch keinen. Ich hatte das Glück mein Hobby zum Beruf zu machen. Ich mache dann etwas, wann es mir passt. Und keiner redet mir rein.

Hans Huett Dezember 21, 2011 um 10:13

Morph

Man schlaegt nicht auf Kleine ein. Schon gar nicht, wenn man sie vorher fuer zu gross erklaert.

War das in Deinem Kindergarten kein Thema?

Thelonious Dezember 21, 2011 um 10:16

@goodnight: Grau mein Freund ist alle Theorie. In der Praxis sieht es doch so aus, dass unser Rechtsstaat ein ziemlich fauler Bengel ist. Natürlich begrüßte ich es, wenn alle Affairen aufgearbeitet und geahndet würden. Werden sie aber nicht.
So bleibt nur zu sagen, dass es schlimmere Vergehen, als die von Wulff gibt. Die Prioritäten stimmen in meinen Augen nicht. Das ist alles.

A. G. Dezember 21, 2011 um 10:16

Die drei oben zitierten Beiträge regen die Diskussion an, alleine das ist ein Gewinn.

Mir stellt sich folgende zentrale Frage:
(1) Schadet die Diskussion über Wulff dem Amt des Bundespräsidenten oder (2) schützt die Diskussion das Amt?

Strohschneider schließt mit dem Satz: „… welche in der von mächtigen Apparaten beherrschten Politik immer nur die Christian Wulffs nach oben bringt, viel zu tun.“

Wenn diese These richtig ist, dann kann das Amt des Bundespräsidenten nur mit angeknacksten Persönlichkeiten besetzt werden. Eine Diskussion über die Person, schadet dem Amt, denn es würde sich nach Strohschneider nie ein integerer Bundespräsident finden.

Die These von Strohschneider bringt in der Tat eine Scheiß-Egal-Mentalität bezogen auf die personelle Besetzung zum Ausdruck, wenngleich er die Lösung in der Änderung des Machtapparates sucht. ‚Ganz große Themen‘ wie Lieb sie auch anspricht, schließen die anderen, die personenbezogenen Themen nicht aus.

Dann habe ich Zweifel an Strohschneiders These. Sie schließt die Frage mit ein, ob die vorherigen Staatsoberhäupter Wulff-ähnlich waren. Diese Frage kann sicher verneint werden. Wulff ist schon in seinem Privatkonsum über „Freunde“, die er zu offiziellen Reisen mitnimmt, einzigartig. Dann stellt sich die Frage, ob es nicht doch geeignete, gewissenhafte Bundespräsidentenkandidaten gibt, die gerade in der heutigen Zeit eine stabilisierende Funktion ausüben dürften?

Personelle Fehlbesetzungen müssen korrigierbar sein, um eine gewissenhafte Amtsführung des Staatsoberhaupts zu ermöglichen. Eine Diskussion um die Person Wulff schützt das Amt des Bundespräsidenten.

Die Scheiß-Egal-Mentalität zu der Wulff-Diskussion kommt damit bei denjenigen zum Ausdruck, die Zweifel an einer guten Besetzung für das Amt des Bundespräsidenten haben. Möglicherweise hat die Opposition diese Zweifel, denn sie verhält sich erstaunlich zurückhaltend.

Zu Michals Beitrag: Michal kritisiert – mitunter etwas überzogen, diskussionsanheizend – die Methodik der Medienberichterstattung und bringt den neuen Gedanken ins Spiel, dass das Netz als Kampagnenverstärker benutzt wird. Da ist durchaus noch mehr Aufklärungsbedarf vorhanden…

Horst Schmidt Dezember 21, 2011 um 10:22

Übrigens ein sehr lesenswerter Beitrag von Jacob Jung.

http://jacobjung.wordpress.com/2011/12/21/die-kaufliche-republik/

“Es sind genau die Journalisten und Blätter, die jetzt direkt oder indirekt den notwendigen Rücktritt des Präsidenten ins Spiel bringen, die ansonsten nicht den geringsten Anstoß an Korruption im deutschen Politikbetrieb nehmen. Die gezielte und direkte Einflussnahme privater Unternehmer, mächtiger Wirtschafts- und Lobbyverbände oder namhafter Institute und Organisationen auf die Politik ist in den deutschen Medien ansonsten kein häufiges Thema. Das ist kein Wunder. Schließlich gehören die meisten Publikationen hierzulande selber einem Konzern an und sind zudem auf Werbeeinnahmen der großen Wirtschaftsunternehmen angewiesen.

Wulff muss den Verantwortlichen bei Springer entweder mächtig auf die Füße getreten sein oder er ist unbeabsichtigt als strategischer Spielball in die Schusslinie geraten. Eines steht jedenfalls fest: Der konkrete Vorwurf gegen den Bundespräsidenten würde bei entsprechendem Willen zur Aufklärung annähernd jeden Politiker in Deutschland treffen.”

und endet:

“Vor dem Hintergrund der ungehemmten Einflussnahme elitärer Minderheiten auf die Politik wirkt die Affäre um Christian Wulff nicht wie eine Ausnahme sondern ist ein modellhaftes Abbild der politischen Wirklichkeit in Deutschland. Warum hat es aber jetzt ausgerechnet ihn getroffen? Vielleicht hat der Bundespräsident einfach keine Lust mehr auf sein Amt, vielleicht will die Presse der Kanzlerin zeigen, zu was man bei Springer fähig ist, wenn man nur will, vielleicht öffnen die Medien durch die Unmöglichmachung der Regierung auch nur den Geburtskanal für eine neue, rechte Partei unter der Führung von Karl-Theodor zu Guttenberg.

Bei den vielen Eventualitäten fällt mir ein, dass ich dem Leser noch meinen Tipp für den Nachfolger Wulffs schulde: Thomas de Maizière wird neuer Bundespräsident. Denken Sie mal darüber nach.”

Hans Huett Dezember 21, 2011 um 10:34

Horst Schmidt

Der Beitrag Jungs ist eine magische Mengenlehreoperation, eine Permutation, die unter Missachtung des auslösenden Themas unter Insinuation einer hidden agenda der Gegenseite die Legitimität öffentlicher Kritik unter Verdacht stellt und damit die bloße Idee der Kritik bereits ohne jeden Beweis delegitimiert.

Das heißt anderswo counterinsurgency und kann sogar als Beruf studiert werden. Ich habe vor zwei Wochen auf das Small Wars Journal verwiesen.

Nanuk Dezember 21, 2011 um 10:38

@fl
“Nur zum Tunnelblick. Den haben andere auch. Es wird einfach alles als “normal” deklariert:”

Ja weil die Fassade Bröckelt… das haben die Jahrelang so gemacht wie ich bereits festgestellt habe… so und nu was folgt daraus welche konsequenzen hat das? Keine!
Bücher sind Investments eine Ware wie Pommes…

http://www.youtube.com/watch?v=X6dl-1cybvU

Nanuk Dezember 21, 2011 um 10:43

Das sind die Ruinen der neuen Bürgerlichkeit der einzige der daran noch glaubt ist der Pöbel…

http://www.youtube.com/watch?v=4QdmjxgWDtI&feature=endscreen&NR=1

matt_us Dezember 21, 2011 um 10:46

@Horst Schmidt
“Bei den vielen Eventualitäten fällt mir ein, dass ich dem Leser noch meinen Tipp für den Nachfolger Wulffs schulde: Thomas de Maizière wird neuer Bundespräsident. Denken Sie mal darüber nach”

Das ist das einzig neue, sonst hat der Jacob Jung genau abgeschrieben, was wie hier auch gesagt haben. Wird er auch Recht haben, vielleicht, 2020, nachdem Wulff 2015 wiedergewaehlt wurde, kommt vielleicht der de Maiziere.

Aber halt:

“…vielleicht öffnen die Medien durch die Unmöglichmachung der Regierung auch nur den Geburtskanal für eine neue, rechte Partei unter der Führung von Karl-Theodor zu Guttenberg.”

Neue rechte Nazi Partei mit Gutti vorne dran, hatten wir sowas nicht schon mal? Das ist genau das was man von Friede Springer, die hier den ganzen Budenzauber inszeniert, erwarten kann.

Ex-Kindermaedchen, die sich trotz (oder gerade wegen) ihrer anscheinenden Altersenilitaet aufspielt, hier den Hindenburg zu machen.

Genau wie der Maschmeyer, denkt die hier “Masters of the Universe” spielen zu wollen.

Genau das ist das Problem. Neureiche, die denken sie wuessten was gut fuer die Republik ist. Denn reich genug sind sie ja, Friede Springer hat Milliarden, Maschmeyer immerhin 500 Mio.

Wie kann man das Problem einschraenken? Denen mal ein bisschen das Vermoegen beschneiden, durch VERMOEGENSSTEUER. Dann koennen die sich ueber was anderes aufregen, naemlich die ungerechten Steuern, die sie immer zahlen muessen, und die ihnen alles wegnehmen.

Dann kommen die nicht auf dumme Gedanken, und werden groessenwahnsinnig, indem sie hier denken, sie koennten deutsche Geschichte beeinflussen, mit ihrer SPRINGER Schmierenpresse Hetzkampagnen, und verdeckter Buecher- und Anzeigenfinanzierung von Bundeskanzlern und Bundespraesidenten.

Also, VERMOEGENSTEUER sofort einfuehren, damit die Millionaere und Milliardaere die die Presse leiten, sich mal ueber was anstaendiges aufregen koennen, anstatt die huechlerische Aufregung ueber Standardfinanzierungen und Standardurlaubsreisen unseres Bundespraesidenten1

gelegentlich Dezember 21, 2011 um 10:48

@f.luebberding
Sie haben hier auf Brender verwiesen. Das finde ich interessant, wegen der ,,Systemlogik” a la @goodnight.
Als Brender abgeschossen wurde hatte irgendein Insider (habe jetzt keine Zeit das rauszusuchen) in einem wenig gelesenen Medium (ein Blog, oder Freitag, oder so…) formuliert:
Brender habe sich sozusagen selbst getötet. Er sei selber über irgendein Patronage-System auf seinen Posten gekommen und habe dann beschlossen, diese üblichen Telefonate, mit deren Hilfe allerlei Politiker hintenherum Druck aufbauen wollen, einfach nicht mehr zu führen und denen stattdessen ausrichten lassen, sie mögen sich doch bitte schriftlich an ihn wenden – was natürlich für die gar nicht gehen kann.
In dieser Zeit habe Merkel in kleinerem Kreise die Bemerkung fallen lassen, Brender sei nicht zu halten, er solle weg, denn er halte sich nicht an die Regeln.
Da muss man schon an ,,Systemlogik” denken, nicht wahr?

Morph Dezember 21, 2011 um 10:48

@Hans Hütt

Indem Du Jungs Artikel so beschreibst, tust Du systematisch nichts anderes als Du Michal vorwirfst: Du fragst nach den Möglichkeitsbedingungen der Medialität des Beitrags von Jung.

Das ist legitim. Ebenso legitim wie bei Michal. Seine Beobachtung, dass sich in der Tonlage der Medien systematisch etwas verändert hat, finde ich ausgesprochen scharfsinnig. Ich würde sagen, dass wir es mit einer ziemlich rapiden Verschiebung der etablierten Unterscheidung von privat/öffentlich zu tun haben.

Und was hidden agendas angeht: Die gibt es immer, nur sind sich nicht immer alle über ihre eigenen hidden agendas oder denen, welchen sie zuarbeiten, bewusst.

Ein Indiz für die Verschiebung, ausgerechnet im Hort der bürgerlichen Öffentlichkeit:

http://www.faz.net/polopoly_fs/1.1573981.1324456105!/image/3390481707.jpg_gen/derivatives/width610x580/3390481707.jpg

Eine preiswürdige Bildidee, ohne Frage. Aber auch selten abgefeimt.

Morph Dezember 21, 2011 um 10:50

Du, @Hans Hütt, als alter Breivik-Experte, was sagst Du zu so ‘nem Bild?

ppp Dezember 21, 2011 um 10:51

@ Horst Schmidt
“Warum hat es aber jetzt ausgerechnet ihn getroffen? Vielleicht hat der Bundespräsident einfach keine Lust mehr auf sein Amt,”

Wie bitte? Wullf will eigentlich zurücktreten und lässt sich daher öffentlich vorführen, zieht vielleicht noch seine Gattin mit hinein?
JJ ist der größte Schwätzer im “linken” Bloglager.

Nanuk Dezember 21, 2011 um 10:52

Komm wir saufen auf den Sieg der Taliban!

matt_us Dezember 21, 2011 um 10:57

@h.huett
“Das heißt anderswo counterinsurgency und kann sogar als Beruf studiert werden.”

Na klar, dass Kommentariat ist voll von Untergrundskaempfern, die alle dem Wulff den Job retten wollen!

Das haben wir alle studiert, in Langley, VA. Der CIA hat uns alle ausgebildet. Wie hiess der Lehrgang noch mal: “How to save the President from a hostile and viscious press!”

Zur Erninnerung.

Thema ist Wulff!

Themen sollten sein:

1) wirtschaftliche Macht der Presse und Industrie (Parteispenden!)
2) schaerfere Regeln zur Korruptionsbekaempfung (wie besseres Parteiengesetz)
3) schaerfere Regeln zu Nebeneinkuenften
4) unlautere Methoden, wie BILD und Berliner Zeitung Information bekommen – wie genau sehen deren Recherchen aus.

Wulff ist egal, TRANSPARENZ von nun an ist wichtig!

Damit Wulffs Geschichten in Zukunft nicht noch mal passieren!

h.huett Dezember 21, 2011 um 10:59

matt_us

Deine Agenda ist mir egal. Du hast Deinen eigenen Blog. Nutz ihn. Viel Glück.

Morph Dezember 21, 2011 um 11:03

@Goodnight

ach, äh, doch, ich habe Standpunkte:

1. Was immer die BILD-Zeitung veranstaltet, ist eine Veranstaltung des korruptesten Drecksblatts der westlichen Welt.

2. In der Politik ist die Person nichts, Taktik ist alles.

3. Für Geld leisten alle Leute alles, was man für Geld leisten kann.

4. Alle Lügner lügen.

5. Die interessantesten Schauspiele enstehen, wenn Lügner Lügner Lügner nennen.

h.huett Dezember 21, 2011 um 11:09

Morph

Was zeigt das Bild? Du insinuierst auf der unsichtbaren Seite einen Schützen.

Morph, ich weiß nicht viel über Dich, ja, eigentlich fast nichts. Aber mit der Frage nach Breivik im Zusammenhang mit diesem Photo scheint mir eins gewiss zu sein: Du hast noch nie ein Gewehr in der Hand gehabt. Selbst das Register der von Dir gesehenen Filme hat keine Erinnerungsspur gelegt.

Du hantierst mit der Operation shooting = shooting. Der Bildausschnit zeigt einen Kamerasucher. Eine andere Art des Tunnelblicks auf das Objekt der Faszination, kontraintuitiv zu Deiner Suggestion unter dem Blaufilter monochrom, wer einer Imagologie der hidden agenda mit dem Bild auf die Spur kommen wollte, muss sich abgesehen vom Objekt im Autofokus mit der Frage auseinander setzen, warum das Objekt der Faszination entfärbt wird, was diese Indifferenz erzählt.

Du musst schon selbst verraten, was Du da zu sehen glaubst.

Ich habe mir Jungs Blog angesehen. Ein schrecklicher suchmaschinenoptimierter Linksmischmasch.

matt_us Dezember 21, 2011 um 11:13

@H.huett
“Deine Agenda ist mir egal. Du hast Deinen eigenen Blog. Nutz ihn. Viel Glück.”

Danke, aber zur Argumentations gegen dumme Ideen schau ich ab und zu mal in anderen Blogs vorbei. ;-)

Es sollte die auch aufgefallen sein, dass das nicht nur mein Anliegen ist, dass die Korruption generell das Thema sein sollte, darauf weisen ja m. E. die meisten Kommentatoren mit erstaunlicher Konsistenz immer wieder hin.

Du kanns ja mal einen Umfragebutton ein Deinen naechsten Beitrag machen.

Ist es wichtiger

(a) Wulff zum Ruecktritt zu bewegen? Oder

(b) das System, das Wulffs Handeln moeglich gemacht hat zu bekaempfen, indem Transparenz Regeln verbessert werden?

Was meinste was da rauskommt, bei so einer Umfrage?

f.luebberding f.luebberding Dezember 21, 2011 um 11:20

Morph

Interessante Bildinterpretation. Im Fadenkreuz oder im Focus? Worin Michal recht hat. Es gibt einen neuen Modus, wie Affären und die politischen Schlussfolgerungen bearbeitet werden. Das ist wie es Brender beschrieben hat: durch die online Kommunikation eine wechselseitige Bezugnahme und Interaktivität, die es sonst nicht geben könnte. Das bedeutet logischerweise auch eine enorme Beschleunigung. Mit positiven und negativen Folgen. Nur was nutzt dieser Metadiskurs mitten im Prozeß? Er tritt an die Stelle der Aufklärung über einen Sachverhalt, in diesem Fall der Rolle des Bundespräsidenten. Was der Unterschied ist: es machen sich viele Leute darüber Gedanken, warum manche etwas machen. Etwa die Bild. Nur sie ignorieren dann, was sie machen. Der Prozeß, der jetzt abläuft, ist von niemandem mehr zu steuern, weil es schlicht zu viele Akteure gibt, die eingreifen und versuchen ihre Sichtweisen einzubringen. Wir wissen nicht, welche Folgen das alles hat. Goodnight nennt das den Tunnelblick.

h.huett Dezember 21, 2011 um 11:24

matt_us

Ich lass mich in dem, was ich hier tue, nicht von dem leiten, was andere für richtig halten mögen, mit dem Risiko, daneben zu liegen, mit der Chance zu treffen.

Das unterscheidet uns.

Du wiederholst Deine Mantras. Ich denke nach. In der Diskussion der vergangenen Woche hast Du Deine eigene Position nicht um einen Millimeter verändert Sticking to your lines, so schwach sie auch sein mögen. Du operierst wie ein Propagandist.

Wenn man Dir erlaubte, Deine Agenda durchzusetzen, wäre ich der erste, der emigriert. Du bist ein Spiegelbild Deiner Gegner und merkst es nicht.

Das macht es zu einem vermeidbaren Aufwand, mit Dir zu streiten. Deshalb stelle ich das auch jetzt ein.

f.luebberding f.luebberding Dezember 21, 2011 um 11:27

Zitat matt_us:

“Wulff ist egal, TRANSPARENZ von nun an ist wichtig!
Damit Wulffs Geschichten in Zukunft nicht noch mal passieren!”

Meiner Meinung nach eine interessante Sichtweise. Man hat sie nicht immer bei ihm gelesen.

holger Dezember 21, 2011 um 11:27

f.luebberding

—>>>Der Prozeß, der jetzt abläuft, ist von niemandem mehr zu steuern, weil es schlicht zu viele Akteure gibt, die eingreifen und versuchen ihre Sichtweisen einzubringen. ”

ich weiß ja nicht, ob du dir bewusst bist, was diese extrem wichtige und richtige Aussage bedeutet? Bring nur noch den temporären Faktor rein. Ad Absurdum.

Morph Dezember 21, 2011 um 11:28

@Hans Hütt

Du widersprichst die Bildlogik, hast sie aber erkannt. Q. e. d.

Man muss da nicht viele Worte machen: Natürlich wird mit diesem Bild ein metaphorisches Abschießen in Szene gesetzt. Eine mediale Form, die, wie Du weißt, erst kürzlich in den USA für Wirbel gesorgt hat.

Es ist ein mythologisch reich belegtes Muster, dass man tötet, was man liebt. Im Namen des bürgerlichen Anstands wird gerade das Institutionengefüge der bürgerlichen Demokratie zerschossen.

Aber ist auch okay: Das Bundespräsidentenamt ist ja nun in der Tat verzichtbar.

Nanuk Dezember 21, 2011 um 11:31

Zur FAZ:
Im Eigenheim die Feuerwehr trümmer deines Lebens… Es ist nicht immer die gewalt von Moslem Jud und Christ in diesem Beispiel reicht es aus das man besoffen war…

h.huett Dezember 21, 2011 um 11:36

Morph
“man tötet, was man liebt.”

Du blendest den weitergehenden Zivilisationsbruch aus. Den kannibalischen. Das Einverleiben. Das Einswerden. Am Ende noch die identifikation mit dem Aggressor. Ich räume ein, dass die blinden Flecken in diesem Feld Furcht erregend sind. Ein Grund unter anderem für meine delirierenden Kommentare vom Sonntag, die an Dich adressiert waren, auf die Du nicht eingegangen bist. Drop it.

Wie Du nach der Reflektion über die schlimmstmögliche Interpretation des Bildes auf die Idee kommst, das Amt des Bundespräsidenten sei verzichtbar, bestürzt mich. Denn da gehst Du genau den einen symbolischen Schritt zu weit: Über die Ininuation des möglichen Abschießens ist der Schuss bereits erfolgt, das Zielobjekt erlegt:

Die Trauer verdrängt. Warum in der Tat? Und durch welche symbolische Operation? Da redest Du allein mit einem Bild als vollendete Gegenwart. Was erzählst Du da?

matt_us Dezember 21, 2011 um 11:39

Aus dem Spiegel:

“Der SPD-Vorsitzende in Schleswig-Holstein, Ralf Stegner, sagte, die Bürger erwarteten von ihrem Bundespräsidenten Orientierung und Autorität. ”

Wo denkt der, in welchem Jahrhundert wir leben? Absolute Monarchie? Und die Fuehrerzeiten sind auch schon lange vorbei.

Der Bundespraesident ist ein Mensch. Der macht was er macht. Sich scheiden laesst, bei Freunden in Urlaub faehrt, attraktive Frau heiratet, sich bei Freunden beraten laesst was fuer Haeuser er kaufen soll und sich von denen Geld pumpt. Alles ganz normal.

Also, ich erwarte, dass er sich ans Gesetz haelt (und ich glaube er macht es), uns sagt dass die Eliten versagen, und dass Reichere mehr zahlen sollen. Genau das macht er. Genau der Praesident den ich mir wuensche! Und der genau deshalb gehen muss.

Man koennte nun die Transparenz verbessern, damit man nicht in Zukunft solche Debatten hat, da bin ich dafuer.

Aber was sagt denn der Geheimkandidat von Jakob Jung fuers Amt, de Maiziere?

“Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) sagte der “Berliner Zeitung”, er habe “volles Vertrauen zu diesem Bundespräsidenten”. Zudem handle es sich bei den Vorwürfen “eher um Stilfragen”.”

LOL, da haben wir es. Der Mr. Integer der CDU! Will er mehr Transparenz? Nein, natuerlich auch nicht. Alles wie gehabt, es geht um “Stilfragen.”

matt_us Dezember 21, 2011 um 11:44

@h. huett
“Wenn man Dir erlaubte, Deine Agenda durchzusetzen, wäre ich der erste, der emigriert.”

Was genau gefaellt Dir nicht, mehr Transparenz oder mehr Vermoegensteuer?

Morph Dezember 21, 2011 um 11:47

@FL

“Im Fadenkreuz oder im Focus?”

Die Nachrichtenlage über Wulff aktualisiert im Bildbetrachter ganz zwanglos den Zielfernrohrblick. Nach allem, was wir über die Entsehung persönlicher Interpretationen von Bildern, Klängen und Texten wissen, ist
1. von gelernten Interpretationskonventionen auszugehen. In diesem Fall: Leser wissen, dass Bilder, die die FAZ an dieser Stelle zeigt, symbolischen Charakter haben (man kennt das von der Seite 1 der FAZ); d.h. der Betrachter disses Bildes, an dieser Stelle, unterstellt eine symbolische Bedeutung, fragt (auch wenn er sich das nicht explizit bewusst macht) welche ‘tiefere Bedeutung’ die FAZ mit diesem Bild veranschaulichen will.
2. davon auszugehen, dass symbolische Interpretationen gerade NICHT das sogenannte Denotat des Zeichenkörpers aktualisieren, (die buchstäbliche Bedeutung), sondern im konnotativen Bedeutungsfeld nach Anknüpfungspunkten suchen. In diesem Fall: Was sieht so aus wie ein Kamerafokus, ist aber kein Kamerafokus? Na?

Daher wussten Hans und Du sofort, was ich meinte, ohne dass ich auch nur die Spur eines Deutungshinweises gegeben habe.

Das ist keine ‘interessante’ Interpretation, Frank, sondern, wenn es nach wissenschaftlichen Maßstäben zuginge, wäre das ein Fall für den Presserat!

h.huett Dezember 21, 2011 um 11:48

Morph

PS

Die amerikanische politische Mythologie lebt von der Idee, dass die Freiheit im Blut der Tyrannen gekräftigt wird. Wer hier die Institutionen verteidigt, hat zwei Optionen: ihre normative Festigung im Kräftespiel der checks & balances und durch Kritik ihrer Verkörperer.

Damit operierst Du ja auch, mit einer impliziten Gleichsetzung des Amts mit seinem derzeitigen Inhaber. Mit der Folge einer Unterstellung, dass wer den Inhaber kritisiert, die Institution sturmreif schießt. Eine Immunisierungsidee gegen Kritik. ich gehe davon aus, dass die Kritik das Amt stärkt und den Unterschied zwischen Norm und Erfüllung verfolgt. Eine Optimierungshoffnung. Eine Korrektur. Eine Änderung.

Die andere Seite behauptet: So bleibt alles gleich. Sie ist damit im posthistoire, meine Position, bei allem Zweifel an der Ortsangabe in der Gegenwart ;-)

f.luebberding f.luebberding Dezember 21, 2011 um 11:50

morph

Na ja, kein Deutungshinweis … . Du hast alleine schon den Kontext des Bildes weggelassen … .

matt_us Dezember 21, 2011 um 11:51

@FL
“Meiner Meinung nach eine interessante Sichtweise. Man hat sie nicht immer bei ihm gelesen.”

Dann schein ich mich unklar ausgedrueckt zu haben. Das genau meine ich. Ich war immer schon hier fuer mehr Transparenz und schaerfere Regeln. Aber Wulff hat sich an die alten Regeln gehalten. Die scheinen nicht streng genug gewesen zu sein, wenn man das eingrenzen will.

holger Dezember 21, 2011 um 11:54

Was aus dieser Runde hervorgeht ist mE folgendes:

Es gibt Menschen die mit Ämtern ihre Existenz sichern. Indem sie über diese Ämter berichten können. Sie könnten auch für das „goldene Blatt“ schreiben. Ihnen ist es egal, die Story zählt. Indem sie möglichst peinlich darüber Bericht erstatten, meinen sie in die Gunst der Reputation zu kommen. Wuff ist für viele ein kleines Sprungbrett hoch intelligent die Bühne betreten zu können. Ob das Sinn macht ist sekundär. Ohne diese Ämter wären viele ganz arme Hunde, die mit ihrem Leben nix anfangen könnten. Sie bestreiten ihren Lebensunterhalt damit, dass regelmäßig ein Fettnäpfchen auftaucht. Die Bluthunde brauchen das. Sie brauchen frische Blutspuren. Dachsköter die in jede Höhle eindringen. Sie ernähren sich vom rohen Fleisch des Amtes.

matt_us schreibt: „Wenn Amt, dann aber richtig“ Ich sage… weg mit dem Amt. Weg mit den Auflagen. Mit den Skandalen. Weg mit der Politik. Das Konzentrat für Brechreize. Millionen verdienen ihr Geld nur damit, weil das System Brechreize belohnt. Nicht einen Anteil haben sie dazu beigetragen, das Leben Lebenswert zu machen. Steuerberater, Advokaten, naive Schreiberlinge… alle verdienen ihr Geld durch Gesetzliches onanieren, zu dumm nen Nagel in die Wand zu kloppen, aber nen dicken Strahl mit spitzer Feder pissen. Normalerweise sollte man ihnen täglich 3 Viagra geben, damit sie ständig an ihre Durchblutungsstörungen im Genitalbereich erinnert werden.

h.huett Dezember 21, 2011 um 11:57

matt_us

Es geht nicht um mein Gefallen. Das ist völlig egal. Es geht um die Praxis der Gleichschaltung, die Du verfolgst, ein bloßer Vorzeichenwechsel.

Transparenz: wunderbar, ein Versprechen, dessen Aporien zur Zeit in der politischen Karriere der Piraten beobachtet werden kann. Vemögenssteuer so ein single issue Begriff, der mehr Fragen aufwirft als beantwortet. Wie bearbeitest Du Erträge aus bereits besteuertem Einkommen? Lies mal die einschlägigen Begründungen des Bundesverfassungsgerichts. Wie sieht die Systematik einer einheitlichen Besteuerung aus? Wie unterscheidest Du Einkommensarten? Wie und mit wecher Legitimation setzt Du Grenzwerte für den Beginn der Besteuerung? Wie gehst Du mit bisherigen Ausweichstrategien und Optimierungsmodellen um? Was weißt Du von sozialen Härten? Wie unterscheidest Du unternehmerisches Vermögen von Rentiers? Welche Privilegien erlaubst Du für gemeinnützig zweckgebundenes Vermögen? In welcher Systematik verhält sich das Lieblingsbaby der Vermögenssteuer zur Erbschaftssteuer?

Merkst Du was? Dein single issue klingt irgendwie handlich. Aber ich habe noch keine einzige Silbe von Dir zu diesen Fragen gelesen. Ihre Beantwortung erfordert mehr als Ideologie.

kassberg Dezember 21, 2011 um 11:59

Holger,
Du musst Dich mal entscheiden zwischen Geld verdienen und “Nagel in die Wand kloppen”.

f.luebberding f.luebberding Dezember 21, 2011 um 12:08

Nur ein Hinweis auf die Debatte in Michals blog. Denke, mein Kommentar könnte auch hier nützlich sein:

Michal

“Um noch einmal das Prinzip klarzumachen: Eine Finanztransaktionssteuer wäre sinnvoller als jeden Tag den Rücktritt irgendeines Ackermanns zu fordern.”

Die werden aber die Medien nicht einführen. Das ist ein politischer Diskurs, wo Argumente eine Rolle spielen und in demokratischen Gesellschaften Mehrheiten. Aber Medien können das Handeln von politischen Akteuren am Beispiel der von ihnen selbst als gültig anerkannten Regeln kritisieren und einfordern. Das ist ihr Job.

Den Unterschied sollte man zur Kenntnis nehmen. und was die Klüngelei von Medien angeht. Es ist nun wirklich nicht so, dass das nie thematisiert worden ist. Viele Blogger leben davon, wenn auch nur intellektuell. Aber was in Gottes Namen hat das jetzt mit dem Bundespräsidenten zu tun? Der Bundespräsident hat eine gewisse verfassungsrechtliche und staatspolitische Stellung. In dieser Affäre geht es nur um diesen Zusammenhang. Er kann sich weder auf einen Ministerpräsidenten oder einen Landrat, noch einen Journalisten oder Schlagersänger beziehen, um sein Verhalten zu legitimieren.

Es ist schon denkwürdig, dass das überhaupt formuliert werden muss. Also kann man nur eine Frage beantworten: ist Wulffs Handeln mit seinem heutigen Amt vereinbar oder nicht. Wenn ja, dann ist das in Zukunft der Maßstab, mit dem wir das Amt betrachten müssen.

Alles andere ist mehr oder weniger irrelevant. Nur dazu muss sich jeder, der sich an der Debatte beteiligt, positionieren.

Morph Dezember 21, 2011 um 12:08

@FL

“Na ja, kein Deutungshinweis”

Stimmt, hätte ich weglassen sollen.

Trotzdem: Die Leute von der FAZ wissen, was sie da tun, welche Bildinterpretation sie mindestens billigend in Kauf nehmen. Presse-ethisch geht das nicht, das weißt Du.

Und Du und Hans wisst, dass das, was hier passiert way beyond klassischer Dienstwagenaffären ist. Euer Festhalten am Gedanken klassischer journalistischer Aufklärungsarbeit ist doch vor allem Trotz, gib’s zu ;-)

Da ist etwas ins Rutschen geraten. Und Wulff hat das Pech, kontingenter Keimherd einer monströsen Welle mimetischer Ansteckung zu sein. Seine kleine Heuchelei macht alle seine Kritiker zu großen Heuchlern.

Der bürgerliche Anstand kollabiert in einer riesigen Verausgabung geheuchelten Anstands, wie ein Baum, der stirbt, noch einmal eine letzte Blüte treibt.

Ein geradezu japanisches Idyll!

holger Dezember 21, 2011 um 12:11

kassberg

Geld verdienen, mit Nägel in die Wand kloppen.

matt_us Dezember 21, 2011 um 12:12

@ H. huett

Wenn alle Medien voll davon sind die neo-liberale Agenda hochzupumpen, wird sich nicht ueber die Gleichschaltung der Medien aufgregt.

Schlaegt man aber mal vor, man solle sich nur mal vorstellen die Medien wuerden mit gleichem Eifer Vermoegensteuer fordern (ein rein theoretischer und voll absurder Gedanke, wenn man sich die Eigentumsverhaeltnisse der Presse anguckt), willst Du auswandern!

Was die Vermoegensteuer angeht, sind die Fragen berechtigt, aber ich sag nur eins. Lastenausgleich. Da hat das auch geklappt, anscheinend. 50% des Privatvermoegens in Deutschland wurde umverteilt ueber einen Zeitraum von 30 Jahren.

Das sollte mal wieder abstauben, was man da gemacht hat. Komischerweise findet man verdammt wenig davon im Internet, wenn man mal googelt!

h.huett Dezember 21, 2011 um 12:18

Morph

Die japanische Kultur lebt von der symbolischen Idee der großen Übereinstimmung. Eine Tiefentradition, die um den Preis eines grässlichen Missverständnisses zu einer politischen Achse geführt hat.

Lies mal (gibts auf Englisch in Auszügen bei Grand Street – Yapoo – und vollständig übersetzt auf Französisch von Shozo Numa Yapou Bétail humain, ein anonym veröffentlichter Roman, mitte der 50er Jahre, erzählt von einer nahen Zukunft, die ihren Ausgang irgendwo in der Nähe zu Wiesbaden nimmt, eine Herrenrasse, der eine Sklavenrasse dient, die über die Fähigkeit vefügt, ihre Körper jedwedem Bedürfnis ihrer Herren völlig anzupassen, sich in jeden nur denkbaren Gegenstand verwandeln zu können, eine pantomorphe (sic!) Adaption, die die Herr-Knecht-Dialektik zu neuen Sumpfblüten bringt.

Ich komme auf Lothar Baiers Denken zurück. An Stelle der tiefen Tradition der Übereinstimmung steht auf unserer Seite ein apriorischer Konformismus, eine unerfüllbare und deshalb symbolisch strafbewehrte Sehnsucht , die zur Zeit seltsamste Blüten treibt, Zum Beispiel das Einverständnis mit Fehlverhalten aus tertiären Gründen.

PS: Lies zB die Japanaufsätze des Kölner Musikwissenschaftlers Hans Mersmann

Morph Dezember 21, 2011 um 12:21

@Hans Hütt

“Damit operierst Du ja auch, mit einer impliziten Gleichsetzung des Amts mit seinem derzeitigen Inhaber. Mit der Folge einer Unterstellung, dass wer den Inhaber kritisiert, die Institution sturmreif schießt. Eine Immunisierungsidee gegen Kritik.”

Nee, ich finde es ja nachvollziehbar, dass das Amt des personifizierten Staatsvolks nicht kontinuiert werden kann, und dass die Messenmedien das zerschießen. Nur man sollte das nicht als bürgerlich motivierte Kritik missverstehen. Was wir erleben, ist die Umstellung der politischen Semantik auf Postdemokratie (ohne dass die Beteiligten das wollen oder auch nur bemerken).

D.h. mein Argument ist nicht: Hört auf mit der Kritik, ihr macht ja das Amt kaputt, sondern: hört auf, Euch in die Tasche zu lügen, ihr Mitarbeiter der Massenmedien, ihr besorgt nolens volens das Geschäft der Postdemokratie, indem ihr an Stelle des schwer verkäuflichen Erklärens von Strukturen heißes Meingsspektakel serviert.

BILD, BamS, Glotze waren in den letzten Jahren Frontrunner der Postdemokratie, nun schließen auch die klassischen Medien auf. DIE ZEIT hat den Anfang gemacht mit ihrem zG-Scoop. Und nun scheint die FAZ auch aufzuschließen.

h.huett Dezember 21, 2011 um 12:23

matt_us
“Wenn alle Medien voll davon sind die neo-liberale Agenda hochzupumpen, wird sich nicht ueber die Gleichschaltung der Medien aufgregt.”

Mein Lieber, von hundert Beiträgen in diesem Blog befassen sich jetzt gerade zehn mit der Causa Wulff. Die anderen sind weit überwiegend Selbstreflektionen zu einer medialen Dekonstruktion der von Dir kritisierten Situation. Warum sonst bist Du hier? Das ist unser usp, um es im Marketingjargon auszudrücken. Wären wir Propagandisten des status quo, wären wir so überflüssig wie ein Kropf.

Also entspann Dich. Werde ein bisschen liberaler. Mit der Transparenz ist ja schon ein Fortschritt sichtbar geworden. Aber man muss schon ziemlich powern, ehe Du Dich einen Millimeter bewegst. :-D

Nanuk Dezember 21, 2011 um 12:24

“mitte der 50er Jahre”

Das Japan gibt es doch garnicht mehr…

Horst Schmidt Dezember 21, 2011 um 12:34

Also das nenne ich einen “echten” Prantl:

Ist Christian Wulff der richtige Bundespräsident? Die Zweifel an ihm sind gewachsen, dennoch wäre sein Rücktritt der falsche Schritt. Er muss seine Glaubwürdigkeit wiederherstellen – und dazu muss Wulff im Amt bleiben. Ein Videokommentar von Heribert Prantl

http://www.sueddeutsche.de/politik/prantls-politik-warum-wulff-nicht-zuruecktreten-darf-1.1238977

Wie stellt man Glaubwürdigkeit her, wenn man diese eigentlich selbst verspielt hat?
Gegen Ende des Kommentars nähert sich Prantl wenigstens ein wenig der “Wahrheit”:” Die Kanzlerin kann es nicht gebrauchen.”

Ach ja, und das Amt des Bundespräsidenten muss geschützt werden, doch wer schützt dieses Amt vor solch Gewählten?

h.huett Dezember 21, 2011 um 12:40

Horst Schmidt

“Ach ja, und das Amt des Bundespräsidenten muss geschützt werden, doch wer schützt dieses Amt vor solch Gewählten?”

ich weiß, dass meine Interpretation schreiend übertreibt. Aber Prantl steht mit seinem Paradox auf eine bstürzende Weise in einer Tradition, die vor etwas weniger als 80 Jahren den Satz hervorgebracht hat: “Der Führer schützt das Recht”

Danke für den link, er bestätigt auf eine mich bestürzende Weise meine Biedermeier 2.0 Idee. Prantl argumentiert implizit mit einem Friedrich Rückert Gedicht:

Der Speer, der meine Wunde schlug,
Wird heilen meine Wunde,
Wohin der Tod mein Leben trug,
O tragt ohn’ Aufschub und Verzug,
O tragt in dieser Stunde
Mich auch dahin im Trauerzug,
Und legt mich hin im Grunde!
Der Speer, der meine Wunde schlug,
Wird heilen meine Wunde.

HAM Dezember 21, 2011 um 12:46

Einer der ganz großen Irrtümer von Karl Marx war die Annahme, dass die Eigengesetzlichkeit des Kapitalismus dazu führe, dass in Zukunft nur noch zwei antagonistische Klassen existieren, nämlich Bourgeoisie und Proletariat.
Der einen Klasse gehört dann alles, die zweite hat nichts zu verlieren als ihre Ketten, aber eine Zukunft zu gewinnen.

Bekanntlich verlief die Entwicklung anders, denn die Herrschenden schufen eine neue Klasse, nämlich eine neue Mittelklasse, lohnabhängig wie die Proletarier, aber privilegiert gegenüber den Proletariern.

Es sind nicht die Feudalherren selbst, welche die Sklaven mit der Peitsche zur Arbeit antreiben, sondern es sind ihre Vorarbeiter und Kapos.

In der kapitalistischen Demokratie wird niemand mit der Peitsche zur Arbeit getrieben. Herrschaft und Ausbeutung erfolgen über das juristische und ökonomische Arrangement von Bedingungen sowie über ideologische und psychologische Manipulation.

Wer nicht arbeiten will, muss es nicht. Niemand zwingt ihn. Er muss halt selbst sehen, wie er am Leben bleibt. So ist das, zumindest in liberalistischen Zeiten.

Im modernen Kapitalismus hält sich die Kapitalistenklasse Dienstklassen, die Herrschaft und Ausbeutung vermitteln, dafür erhalten sie gewisse Privilegien.

Damit kommen wir zur Sozialdemokratie.

Nach 1918 wird die SPD als Regierungspartei zum „Grenzträger“ kapitalistischer Herrschaft, wie Sohn-Rethel es nennt. Die Parteispitzen können in höchste Regierungsämter aufsteigen, zugleich müssen sie kapitalistische Herrschaft und Ausbeutung aufrechterhalten und dabei bereit sein, den Widerstand der Lohnarbeiter gegebenenfalls blutig niederzuschlagen.

Bekanntlich hasste der SPD-Führer Ebert die Revolution wie die Sünde, war an der Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht durch Tun oder Unterlassen beteiligt, und ein Noske machte bereitwillig den „Bluthund“, wie er es selbst nannte.

Bebel und Liebknecht charakterisieren als Personen die SPD vor 1914, Ebert und Noske danach.

Bebel und Liebknecht waren noch Vertreter der Interessen der arbeitenden Bevölkerung, echte Arbeiterführer.

Ebert und Noske hatten hingegen im Klassenkampf die Fronten gewechselt, sie waren ins Establishment aufgestiegen und ihre Funktion war es nun, das kapitalistische Herrschafts- und Ausbeutungssystem aufrechtzuerhalten, vor allem die arbeitende Bevölkerung pazifizieren und gegen revolutionäre Strömungen in der Arbeiterschaft vorzugehen, gegebenenfalls als „Bluthund“.

Um nicht als Arbeiterverräter und Arbeiterbetrüger erkannt zu werden, mussten sie das Image von Reformern bekommen, welche Verbesserungen für die arbeitende Bevölkerung herausholen.

Der herrschenden Klasse war schon lange bewusst, dass es die Aufrechterhaltung ihrer Herrschaft ohne herrschaftssichernde Kompromisse nicht mehr gelingt.
Zu den sozialdemokratischen Lügen gehört, dass die Sozialdemokratie den Sozialstaat erkämpft habe.
Völlig falsch, der Sozialstaat wurde „von oben“ durch die Bismarckschen Sozialreformen ab 1883 eingeführt.

So wie das Gewerkschaftsestablishment in der Wirtschaft den „Co-Manager“ für die Kapitalisten macht. so üben Sozialdemokraten in der Politik Managementfunktionen fürs Kapital aus. Genau so ist die Funktion von Sozialdemokraten in den Medien.

Nun ist es selbstverständlich so, das ALLE etablierten Parteien Managementfunktionen ausüben. Bei der CDU/CSU und bei der FDP war das schon immer klar, man bezeichnete diese früher auch als „Unternehmerparteien“.

Seitdem Schmidt Kanzler wurde, hat sich die SPD-Politik nicht mehr von der Politik der „Unternehmerparteien“ CDU/CSU und FDP unterschieden. Der Kanzler Kohl hat die Schmidtsche Politik weitgehend unverändert weitergeführt.
Unter Schröder hat die SPD ihr früheres Image als „Partei der Arbeit“ offenkundig aufgegeben.

So ist auch die frühere Differenzierung zwischen „rechts“ und „links“ obsolet geworden, alle Parteien, auch sog. „linke“, üben Managementfunktionen fürs Kapital aka „Sachzwang-Politik“ aus, wenn sie an der Regierung sind.

Kommen wir nun zu den Medien. Ihre Funktion ist ideologisches und psychologisches Management im Interesse des Kapitals.
Eine ganz wichtige Funktion ist es, Reformillusionen zu verbreiten. Sie müssen ja so tun, als ob sie die Interessen des Volkes vertreten. Um so mehr, wenn in ihrer Leserschaft das Volk vertreten ist. Da gibt es die Rubrik „BILD kämpft für Sie!“
Aber weil die in Wahrheit die Interessen des Kapitals vertreten, werden alle großen Zeitungen der BILD-Zeitung immer ähnlicher. So wie eine intelligente FAZ-Leserin schreibt:
Vor Jahren hatten die Bürger wenigstens noch die Wahl. Da konnten sie sagen: BILD = Boulevard = unseriös, FAZ, ZEIT, SZ, … = seriös. Heute ist überall der gleiche Nonsense zu lesen.
http://www.wiesaussieht.de/2011/12/19/delegitimation-durch-verfahren/#comment-11145

Damit ist die Rolle von Journalisten beschrieben. Sie wissen, wofür sie bezahlt werden, sogar extrem gut bezahlt werden, wenn sie zu den Chefs und Stars in der Medienbranche gehören.
Sie wissen, was ihre Funktion ist. Genauso wie Ebert und Noske wussten, was ihre Funktion ist. Und genau so funktionieren sie.

Dies macht die Medienkampagne gegen Wulff sehr deutlich.

Horst Schmidt Dezember 21, 2011 um 12:53

@ h.huett

Für manche mag es eine Petitesse sein , gar Wortglauberei, aber der Prantlsche Rat Wulff müsse sich entschuldigen, dröhnt so in meinen Ohren.
Wenn überhaupt, dann hätte Wulff die Pflicht um Entschuldigung zu bitten!

Übrigens, danke für das Gedicht von Rückert. War mir nicht bekannt.

Sven Dezember 21, 2011 um 12:56

@HAM “Bekanntlich verlief die Entwicklung anders, denn die Herrschenden schufen eine neue Klasse, nämlich eine neue Mittelklasse, lohnabhängig wie die Proletarier, aber privilegiert gegenüber den Proletariern.”
Das ist die Argumentation übers Einkommen. Marx ging es um die Produktionsmittel, also das Eigentum an diesen. Als Unternehmer kannst Du ein prima Nachbar sein, alle Unternehmer zusammen, und hier gibt es wirklich mal die “unsichtbare Hand”, wirken dennoch mit ihren Interessen als Klasse. Unabhängig ob der jeweiligeUnternehmer Multimilliärdär oder Aufstocker ist. Rechnen müssen sie beide.

Sven Dezember 21, 2011 um 13:04

@HH

Kann es sein, dass Dein gesellschaftlicher Biedermeier 2.0 das Pendant zur datenschutztechnischen Spackeria ist? Der Bürger resigniert vor einer als unwiderruflich verkommen wahrgenommenen Politik ebenso, wie die Spackeria die Unkontrollierbarkeit des Zugriffs auf persönliche Daten als “gesetzt” nimmt. Das heisst, die um sich greifende Resignation des Bürgers beschränkt sich nicht auf die Politik alleine.

http://blog.koehntopp.de/archives/3073-Von-der-Spackeria,-von-Aluhueten-und-vom-Kontrollverlust.html

h.huett Dezember 21, 2011 um 13:26

Sven

Spackeria ist eine andere Baustelle. Man kann natürlich – sehr spekulativ – eine Verbindungslinie von biedermeierlicher Introspektion, staatlicher Repression/Zensur zu einer neuen Form der Schamlosigkeit ziehen. wodurch dann auch irgendwann alles egal zu sein scheint (nebenbei ein Leid-Motiv der alten Stasi, die trotz zahlloser IMs an die Grenzen der Informationsverarbeitung gekommen ist. Mielkes “Ich liebe doch alle, ich setze mich doch dafür ein” ist eine Kapitulation.

Die Spackeria verstehe ich nicht als Resignation, sie ist eher eine Neuauflage der Situationisten. fefe ein systemischer Insassenbeobachter des laufenden Versagens in den Maschinenräumen, mit einer gewissen höhnischen Genugtuung unterwegs, die Orwell als einen Optimisten erscheinen lässt

Q. Dezember 21, 2011 um 13:28

…. und die große Diskussionswelle setzt sich fort: Aufklärer klären auf, Tugendwächter setzen sich ins Format ……

Bez. der Wulff-Diskussion hat m.E. morph mal wieder ins Schwarze getroffen:
Da ist etwas ins Rutschen geraten. Und Wulff hat das Pech, kontingenter Keimherd einer monströsen Welle mimetischer Ansteckung zu sein. Seine kleine Heuchelei macht alle seine Kritiker zu großen Heuchlern.

Zu verstehen ist das wohl nur vor dem Hintergrund einer großen Anpsannung. Wir suchen Entlastung, nachdem wir wochenlang mit den Märkten gebibbert haben ….

Und dabei geschehen Dinge. Z.B. dies:
Riesenkredit gegen die Krise. EZB pumpt Banken halbe Billion Euro
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,805096,00.html
(bereits die stotternde Titelzeile ….. :roll: )

Und was heißt das?
offenbar (wie man ahnen konnte, war ja angekündigt), daß der Weihnachtscrash ausfällt!
Indem die EZB nun endgültig in eine Bad Bank umfunktioniert wird.
Banken haben nun wohl freie Wahl, was sie als collateral geben (gerüchteweise hört man, sie seien besonders “liquide” an naßgemachten Pampers ….. ).

Lustig ist das alles weniger. Eine verdeckte Übung in der Hauptdisziplin der letzten Jahre: wie sozialisiere ich Verluste?

Aber wen interessiert das noch? Wir haben ja so viel wichtigere Themen. Die Würde des Amtes steht auf dem Spiel! Hach!

Ich formuliere es mal als Arbeitshypothese: der Kollaps der MF Global war bereits unsere neue Lehman Brothers.
Hat nur noch niemand gemerkt, weil die Geschichte geschickt variiert, wenn sie sich wiederholen will …..

Frohe Weihnachten!
Diesem Wunsch schließe ich mich an!

h.huett Dezember 21, 2011 um 13:39

Q.

Das habe ich hier vor zwei Wochen geschrieben: Die Parallelaktion sieht so aus: Die Regierungschefs beraten über das Überwachen und Strafen. Die Zentralbanker zwinkern mit beiden Augen und belohnen diejenigen, die am schlitzohrigsten volle Windeln an der EZB-Pforte als Sicherheit für üppige dreijährige Kreditlinien abgeben.

Q. Dezember 21, 2011 um 13:50

@HH
na toll!
Aber warum ist das Thema so an den Rand gerutscht?

Wenn ich mir hier (und anderswo) den 23. Wulff-Thread angucke, wie voller Leidenschaft um die grundlegendsten Dinge gestritten wird, dann ziehe ich den Schluß: die vollgemachten Windeln sind das Verbindende ….. :-)
Das war mein Punkt.

Wolfgang Michal Dezember 21, 2011 um 14:13

Lieber Hans,
sorry, ich habe deinen Beitrag jetzt erst entdeckt. Ich habe die dunkle Ahnung, dass es dir hier gar nicht so sehr um die Verteidigung der Verfassung geht, sondern um so ein Schmuckbildchen vom Präsidenten, das man zuhause auf der Kommode stehen hat. Allerdings stammt deine Kommode wohl nicht aus dem Biedermeier, sondern entspricht mehr so dem Altdeutschen Stil unter Kaiser Wilhelm.

Das Amt des Bundespräsidenten war eine Folge der Erfahrungen mit der Weimarer Verfassung. Der Schlusspunkt dieser Aufarbeitung war die berühmte Rede Richard von Weizsäckers zum 8. Mai 1945. Damit hatte das Amt seinen Zweck erfüllt. Ende der Nachkriegszeit. Danach kam nichts mehr.

Im Zuge der EU-Vertiefung und der “Durchgriffsrechte” brauchen wir doch eh bald eine neue Verfassung. Da könnte man – wie wir im Norden sagen – gleich beim Bundespräsidentenamt mal mit beigehen.

holger Dezember 21, 2011 um 14:14

@ Q 13:50 MEZ oder so

damit hast du Recht. Es gibt eben Menschen die zwei Bäume sehen und daraus einen Wald machen.

Das Problem ist:

Es gibt eine Generation die eben Oberlehrerhaft auftritt. Sie meint, wenn man genügend Spielfilme geschaut hat, und genügend englische oder französische Lektüre sich angetan hat, diese 1:1 adaptieren zu können. Dabei merkt diese Spezies gar nicht, dass sie genau das Gegenteil damit erreicht, was sie eigentlich wollte. Ablehnung. Da nutzt es auch nicht, über ganz ganz schlaue Wortspielchen zu verfügen. Das geht nur noch Links rein und Rechts raus. Durchzug eben.

Wie geistig Arm diese Generation ist, wird sich zeigen. Spätestens dann, wenn sie alt und verrunzelt um Brei betteln muss und keiner sich das Geschwafel ind Stöhnen an tuen möchte. Anstatt sich um ein Miteinander zu bemühen, scheißen sie ihren eigenen Nachwuchs auf den Kopf und wundern sich dann ins betreute Wohnen abgeschoben zu werden. Mitleid? Warum sollte ich mit diesen Säcken Mitleid haben?

Wer seine Kinder schlägt, schlägt sich früher oder später selber.

topi Dezember 21, 2011 um 14:19

@ Hans
||Nein, nicht Verteidigung, da drehst Du die Schraube eine Umdrehung zu weit. Hinnahme. Indifferenz. Das geht gar nicht.||

Klar zu weit gedreht, aber doch nicht von mir!
Du hast die Figur `wrigth or wrong ? — my wulffi`eingefuehrt.

Und zwar undifferenziert bzgl. der tatsaechlichen Positionen, die du nur auf denkbare Schwachpunkte abgeklopft hast, um ‘herauszufinden’, warum derjenige jetzt Wulff beispringt.

Aber du hast dich partiell bewegt, immerhin.

h.huett Dezember 21, 2011 um 14:24

Q.

Es ist der zehnte Thread, und nein, hier wird nichts ausgeblendet. Morphs Idee der mimetischen Kettenreaktion hat, wenn man mal ohne Eifer sich die bisherige Debattenentwicklung hier anschaut, uns von anfang an vorangebracht, allerdings nicht mit dem irrwitzigen Versuch, das eine Thema als Erklärung für alle anderen zu missbrauchen, sondern mit dem Ziel, der Koinzidenz instiutionellen und persönlichen Versagens nachzugehen. In dieser Anordnung gehen wir nicht so weit wie andere, die am Ende einer langen Kette zu dem Befund “alles scheißegal” kommen, sondern wundern uns, zB mit Goodnight, darüber, in welcher – d´accord, Morph! – postdemokratischen Robustheit über multiples Organversagen hinweggegangen wird.

Frau Merkels Einlassungen zur Euro-Politik sind eine kaum camouflierte Weigerung, ihre Politik, die Folgen ihrer Politik so zu erklären, dass sie auch tatsächlich verstanden werden könnten. Wäre das so, wäre der FDP-Mitgliederentscheid anders ausgegangen.

Die biedermeierliche Opposition, die keine Lust darauf hat, die Auswechslung der Regierung vor Ablauf der Legislatur zu erproben, tut ein weiteres dazu, ebenso wie ihre fast vorbehaltlose Zustimmung zu den bisherigen Teilschritten der Eurorettung. Aus der Ferne winkt Barzels “so nicht” Haltung zur Brandtschen Ostpolitik mit Enthaltung usw. Die Figur alternativloser Politik hat tatsächlich im persönlichen Verhalten vieler Politiker wie im Institutionsverhalten eine Schneise der Verwüstung ausgelöst mit der Folge, dass wir – wie nach der Explosion einer Neutronenbombe – vor scheinbar intakten Fassaden stehen, hinter denen kein politisches Leben mehr funktioniert.

Leute, die Katastrophe liegt hinter uns, und was auf der Bühne passiert, ist das Spielen auf Zeit, um das Durchdringen dieser Botschaft aufzuschieben, bis die nächste Etappe anbricht. Mit den jetzt ausgereichten 500 mrd. soll das in spätestens drei Jahren der Fall sein.

Das glaube ich nicht. Und vermute eher, dass die Kohäsion hinter Wulff tatsächlich eine Sollbruchstelle am Punkt ihrer am wenigsten kalkulierbaren Haltbarkeit verteidigt. No way, das geht schief.

topi Dezember 21, 2011 um 14:26

Und natuerlich ist vieles deiner Kritikauch yu teilen.

Jetzt wo er hier ist, die Frage an Wolfgang Michal.

Was sollte denn der Ausflug in die schmutzigen Untiefen;
Mitteilung der eigenen umfangreichen Recherchearbeit?

h.huett Dezember 21, 2011 um 14:32

Michal

Danke der Nachfrage. Und nein, nicht die blinde Verteidigung der Verfassung treibt mich, sondern der robuste Umgang mit sukzessiv bekannt werdenden Tatsachen persönlichen Fehlverhaltens. Wo sind wir denn, wenn die Linke es als banale Routine abtut, wenn ein Regierungschef im Landtag auf eine Anfrage vorsätzlich unwahr antwortet?

Den Rest kannst Du in den weihnachtlichen Rumtopf packen, am Ende der Gärung gibts nur einen Brummschädel.

Ich betreibe keine Regentenverehrung, allerdings auch keine Normverachtung. Auch Notare haben ihren Nutzen, zumal dann, wenn ihre Schriftrollen eines Tages als Beweismittel auf dem Tisch eines Gerichts oder eines Untersuchungsausschusses landen.

Wolfgang Michal Dezember 21, 2011 um 14:35

Ich muss mal eben einen Weihnachtsbaum besorgen, danach bin ich wieder dabei :-)

topi Dezember 21, 2011 um 14:41

@ Frank
|Michal und Lieb haben offensichtlich ein anderes Verständnis über die Ausübung hoher politischer Ämter in diesem Land als ich. Oder kann Lieb zwischen seinen Erfahrungen mit Rau und den Erkenntnissen über Wulff wirklich keinen Unterschied erkennen? Das wäre ja einmal eine interessante Bemerkung.|

Ja natuerlich.Wir kennen doch etliche Affaeren, bei denen sich diverse Amtstraeger mit dem Tornado zum Kaffekraenzchen haben fliegen lassen, weil sie es sonst vielleicht nicht mehr geschafft haetten, vom hochoffiziellem Auftritt in balearischer Sonne.

Die Regeln wurden geaendert, auch der Umgang damit.
Besser wurde dadurch allerdings gar nichts. Ein bisschen Stueckwerk hier, ein paar Placebos da, und die tatsaechlichen Verquickungen, die deutsche Form der Korruption, konnten ungebremst zunehmen.

Du sagst, Maschmeiers Netzwerk hat sich jetzt erledigt.
Na immerhin. Dann muesstest du allerdings Wulff loben, so lange im Amt geblieben zu sein.

Aber es geht doch nicht nur um Maschmeier, sondern das Prinzip der Netzwerke, die auch geltende Regeln bspw. der Parteienfinanzierung einfach umgehen, insgesamt.

Q. Dezember 21, 2011 um 14:46

HH
Die biedermeierliche Opposition, die keine Lust darauf hat, die Auswechslung der Regierung vor Ablauf der Legislatur zu erproben, tut ein weiteres dazu, ebenso wie ihre fast vorbehaltlose Zustimmung zu den bisherigen Teilschritten der Eurorettung.
Ähemm, ähem …… und warum betreiben die beiden Blogherren (Stephan hat sich ja deutlichst davon distanziert) genau diese Linie?

Alles ziemlich absurd, das …

Leute, die Katastrophe liegt hinter uns, und was auf der Bühne passiert, ist das Spielen auf Zeit, um das Durchdringen dieser Botschaft aufzuschieben,
und das unterscheidet sich genau wie von der von Dir als biedermeierlich kritisierten Haltung?

Hans, als Kompromatliebhaber solltest Du nun beherzt den nächsten Schritt machen und untersuchen, ob Bettinas Arbeitsname “Lady Viktoria” war ……. :roll:
hat übrigens auch was mit Pressemacht und Erpreßbarkeit von Amtsträgern zu tun.

h.huett Dezember 21, 2011 um 14:48

Q.

Wie kommst Du auf die aberwitzige Idee, dass Frank und ich die aktuelle Europolitik betreiben? Wir beschreiben sie als Fiasko.

f.luebberding f.luebberding Dezember 21, 2011 um 14:49

Q.

Könnte auch Deine Frage beantworten. Meine Antwort auf Michal:

Erkläre immer gerne … . Nur was machen eigentlich Müller und Lieb auf den Nachdenkseiten? Die Rolle der Medien kritisieren? Damit haben sie es auch in den mainstream geschafft. Was erwarten Sie? Dass hier jetzt Döpfner auftaucht und sein Versagen schluchzend gesteht? Er Diekmann rausschmeisst und Müller zum Chefredakteur macht? Wäre es Ihnen lieber gewesen, wenn die Bild jetzt jeden Tag eine Geschichte wie bei Guttenberg in das Blatt nimmt?

Man kann es wirklich übertreiben.

Mein Argument ist leider nicht widerlegt worden. Es gibt eine Handlungsebene für Medien, die genau so funktionieren wie oben beschrieben. Das System der Politik an seine eigenen Ansprüche und sein Rollenverständnis zu erinnern. Natürlich wird dann auch bisweilen mit harten Bandagen gekämpft. Das wird nun niemanden überraschen. Aber Sie sagen eben nicht, dass Sie das Handeln Wulffs für in Ordnung halten. Sie drucksen herum: die Medien würden das Thema aufblasen. Echt? Wissen Sie schon heute, was in diesem Luftballon namens Wulff noch alles zu finden ist? Sie sind Journalist und nehmen alles hin, was er über seine Anwälte verlauten lässt? Und kommen mir dann mit Richling und Hindenburg? Bei Ihnen werden alle Katzen grau.

Und zur Eurokrise. Ich habe noch ein Argument. Weil die Banken 500 Milliarden bekommen, wen interessieren dann die 500.000 für Wulff? Und Sie dürfen gerne alles in Frage stellen. Hat das jemand verboten? Nur Wulff interessiert es nicht, ob jemand jetzt philosophische Betrachtungen über das Amt des Bundespräsidenten anstellt. Ihn interessiert es aber schon, dass er jeden Tag mit konkreten Fragen konfrontiert wird – und seine Geschichte zusehens auseinanderfällt, die er erzählt hat. Aber er wäre sicher begeistert, wenn man ihm endlich konstatieren würde, dass sei alles “normal”, was er so gemacht hat. Das versucht er seit Tagen deutlich zu machen. Aber normal ohne Anführungsstriche.

Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass die Bild tatsächlich kritischer sein kann als Sie. Die versuchen bisweilen auch, Dinge als “normal” zu beschreiben, die nicht normal sind. Zuletzt bei Guttenberg. Nur bei Wulff eben nicht. Aus welchen Gründen auch immer. Nur das weiß ich ganz selten: aus welchen Gründen jemand etwas macht. Aber ich weiß, was er macht. Das kann nämlich sehen, lesen und hören.

Nanuk Dezember 21, 2011 um 14:53

@f.luebberding
Zu Bender was kritisiert der denn das der Bundespräsident ne miese Marke ist hat doch gesagt die Märkte sind geöffnet in die Feiertage retten geht nicht… um dann Schitzo wie ein Biedermeir auf die Verfassung zu verweisen… auf Märkten wird gelogen was das Zeugs hält…

Das ist genau so ein lächerlicher Vogel!

h.huett Dezember 21, 2011 um 14:55

Mathias Greffrath heute in der taz:

Die Gegenansage steht in den Artikeln 38 (1), 56 sowie 14 (2) unserer Verfassung. In Berlin trugen zehn Intellektuelle mit AAA-Rating, von Franziska Augstein bis Roger Willemsen, Interventionen gegen den “Angriff auf die Demokratie” vor.

Nanuk Dezember 21, 2011 um 14:56

um was geht es jetzt hier um die Verfassung oder um Marktschreierei?

h.huett Dezember 21, 2011 um 14:58

Eine denkbar einfache Frage an die Runde: Seit wann ist die Forderung danach, geltendes Recht zu wahren, eine moralische? Was sagt das über den Begriff der Moral?

Nanuk Dezember 21, 2011 um 15:03

“Seit wann ist die Forderung danach, geltendes Recht zu wahren, eine moralische? ”

Seit es Recht gib!

gelegentlich Dezember 21, 2011 um 15:06

@alle
Zwischen der Haltung, ein Verhalten für normal zu halten (als normal akzeptieren) und der, zu konstatieren ,,ich habe nicht die Macht das zu ändern” gibt es doch wohl einen Unterschied.
Natürlich müßte Einer gehen, der vorsätzlich den Landtag angelogen hat – in vormodernen Zeiten.

Nanuk Dezember 21, 2011 um 15:06

“Was sagt das über den Begriff der Moral?”

Das er bis ins absurde dehnbar und daher immer mit einem Fragezeichen versehen werden muss…

carlos manoso Dezember 21, 2011 um 15:08

@ h.huett Dezember 21, 2011 um 14:58
„Eine denkbar einfache Frage an die Runde: Seit wann ist die Forderung danach, geltendes Recht zu wahren, eine moralische? Was sagt das über den Begriff der Moral?“

Allein in Deutschland stehen einem Nettovermögen der „Bürger“ von 5 Bio. € Schulden des „Staates“ von 2 Bio. € gegenüber. Das „System“ kommt jetzt in eine so fundamentale Systemkrise, dass sein integriertes Subsystem Staat systemimmanent keine andere Wahl mehr hat, als seine Schuldenlast von den kaum noch melkbaren Schwachen auf die (noch) etwas Stärkeren zu verlagern, den Modus des Vermögenstransfers von den „Bürgern“ zum „Staat“ dergestalt etwas zu modifizieren und beispielsweise entschlossen negative Realrenditen anzustreben, um den Systemkollaps weiter nach hinten zu verschieben.

Beispielsweise müssen höhere Steuern, Vermögenssteuern, geldpolitische Zinsmanipulationen etc. schon recht bald dafür sorgen, dass die Zinsen für die Bundesanleihen unter der Inflationsrate liegen, damit das Subsystem „Staat“ nicht kollabiert. Ein „weiter so“ wie bisher würde bei weiter fortgesetzter Veranstaltung von „freien Wahlen“ den „Systemparteien“ spätestens 2013 den Boden unter den Füßen wegziehen. Somit müsste gezwungenermaßen ein „anderer“ Modus mit der Brechstange installiert werden, denn der Ausnahmezusstand, der sich bisher als „Normalzustand“ der „Moderne“ verfestigt hatte, verflüssigt sich bereits an zu vielen Stellen.

Alternativ zum schnellen Systemkollaps könnte die EZB in dem von ihr kontrollierten Währungsraum neue und umzuschuldende Staatsanleihen von Banken aufkaufen und dann gegenüber den Staaten auf die Rückzahlung der Staatsanleihen und den Zinsendienst verzichten.

Die Notenbanken des Euroraums wären zwar dadurch bilanziell gigantisch überschuldet, aber durch Einfügen eines neuen Paragrafen wären solche Problemchen des geltenden Rechts auch moralisch megaleicht gelöst.

Q. Dezember 21, 2011 um 15:13

HH
die aberwitzige Idee, dass Frank und ich die aktuelle Europolitik betreiben?
gegen Merkels (unentschlossene?) Zurückhaltung gegeifert und (zumindest FL) für eine Eurorettung, koste es was wolle = Bankenrettung plädiert.
Aber vielleicht wißt Ihr gar nicht mehr, wofür oder wogegen Stellung bezogen wird.

FL lobt den kritischen Geist der Bild-Zeitung, hohoho …..
Über die “Bedeutung” der W.-Sache will ich nicht weiter streiten, alles schon mehrfach gesagt ….
Nur ein Ratschlag: statt weiter der Beißwut nachzugeben vielleicht die Frage stellen: was ist die Medienstrategie dabei? Warum wird mit Kompromaten gedroht?
Ist das noch normal?

wowy Dezember 21, 2011 um 15:13

@Hans Hütt
Der Blick durch den Sucher weckt sofort Assoziationen, die, wenn auch nicht direkt beabsichtigt, zumindest in Kauf genommen werden. Ich finde das Bild mehr als grenzwertig!

h.huett Dezember 21, 2011 um 15:14

carlos manoso

Und was sagt die freundliche Antwort über den Unterschied zwischen Recht und Moral?

wowy Dezember 21, 2011 um 15:16

…und siehe da, es ist verschwunden

matt_us Dezember 21, 2011 um 15:18

@Q
“Wenn ich mir hier (und anderswo) den 23. Wulff-Thread angucke, wie voller Leidenschaft um die grundlegendsten Dinge gestritten wird, dann ziehe ich den Schluß: die vollgemachten Windeln sind das Verbindende …..”

Hat doch wunderbar geklappt, das Ablenkungsmanoever.

JEDER regt sich auf ueber den SOLVENTEN Bundespraesidenten dem mal gerade 500.000 Euro gepumpt werden. Obwohl uns das alles eigentlich gar nichts angeht. Ist ja nicht unser Geld.

KEINER regt sich auf ueber die vielleicht INSOLVENTEN Banken, denen gerade mal 500.000.000.000 gepumpt wurde. (Also eine Million mal so viel!) Von der EZB, die sich das Geld bei uns Steuerzahlern wieder abholt, sollte alles den Bach runter gehen! Das koennte uns so rund 1.500 Euro pro Person kosten. Das ist uns egal!

Wie die Hunde haben wir uns auf die Stoeckchen gestuerzt, die uns die Blogherren hier vorgeworfen haben. Alles wie immer, also!

System scheint noch zu funktionieren, Goodnight!

gelegentlich Dezember 21, 2011 um 15:20

@wowy
Die sind halt lernfähig. Übrigens hieß das Bild ja nicht: erschießt ihn! Man kann es genauso gut als Beschreibung deuten: es gibt Einige die zielen auf ihn.

matt_us Dezember 21, 2011 um 15:24

@wowy
“…und siehe da, es ist verschwunden”

Jetzt muessen nur noch die Referenzen verschwinden, dass der Bundespraesident seine “Hose runterlassen soll” und alle Referenzen zu Rotlichmilieu (FAZ) und dass die Bild irgendwelche Informationen haben sollte, von einem gewissen Vorleben (Berliner Zeitung), und die Wuerde des Bundespraesidenten ist wieder hergestellt.

Was sagt uns das, die Wuerde war immer da, es ist die Pressemeute, die sie untergraebt, gar nichts mit dem Bundespraesidenten zu tun!

Reinhard Dezember 21, 2011 um 15:30

“Was sagt uns das, die Wuerde war immer da, es ist die Pressemeute, die sie untergraebt, gar nichts mit dem Bundespraesidenten zu tun!”

Deine Logik, seltsam sie ist.

HAM Dezember 21, 2011 um 15:32

@holger

Zur Frage des Generationenverrates

Dazu gibt es in der Geschichte der BRD markante Punkte.

Der eine ist der 2. Juni 1967.

Dass die Ermordung von Benno Ohnesorg so einfach hingenommen und der Mörder nicht bestraft wurde, dass war Generationenverrat.

Genau so hat es diese Generation auch erlebt.

Was meine Kindheit und Jugend anging, also die Zeit bis 1967, so kann ich aus meiner Erfahrung sagen, dass die Generation der Eltern und Großeltern gut für uns gesorgt hat, auch meine Lehrer waren in der Regel wirklich darum bemüht, dass „aus uns etwas wurde“.

Der zweite ist der 28. Januar 1972.

Das war der sog. Radikalenerlass oder Extremistenbeschluss, beschlossen durch den Bundeskanzler Willy Brandt und die Regierungschefs der Bundesländer.

Mit den Berufsverboten hat man einer kritischen Generation die Meinungsfreiheit genommen. Das war Verrat an der freiheitlichen Grundordnung und Zwang zum Konformismus. Nur wer sich diesem Anpassungzwang unterwarf, konnte seitdem Karriere machen. In dieser Beziehung war dies eine Art Faschismus 2.0.

Der dritte war der 11.9.1973.

Da wurde die Demokratie verraten, indem man den Pinochet-Militärputsch und den nachfolgenden Faschismus hingenommen hat.

Die sog. 68-er-Generation ist eine verratene Generation, sie wurde demoralisiert und hat sich anschließend selbst verraten und wurde größtenteils zu einer Arschlochgeneration.

Nach „68“ gab es keinen Generationenkonflikt mehr, nur noch Generationen, die nicht mehr rebellierten, sondern sich nur noch anpassten und damit den Anspruch aufgaben, ihre Zukunft mitzugestalten.

Zuvor gehörten Generationenkonflikte zur Normalität der gesellschaftlichen Entwicklung.

Gesellschaften ohne Generationenkonflikte erstarren.

Goodnight Dezember 21, 2011 um 15:34

F.ck it.

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Guttenberg und Wulff?

Beide haben vorgespielt etwas zu sein, was sie nicht sind. Und beide haben genau DESWEGEN Karriere in unserem Politiksystem gemacht.
Sie haben uns, die Wähler, das Volk, den Souverän getäuscht.

Und deshalb nehmen wir ihnen das, was wir ihnen gegeben haben.

Easy as f.ck. Und gerechter als jeder F.ck.

Warum habt Ihr hier alle beim Sturz Gutti mitgemacht?
Und jetzt nicht?

Wo ist der Unterschied?

Weil es jetzt nicht mehr um Wissenschaft sondern um Fressen und F.cken geht. Weil das eine weit weg von Eurem Leben und das hier jetzt so nah? Weil Fressen und F.cken…das könnt Ihr nachvollziehen?

Ich persönlich wähle keinen der mich behoppst. Und ich versuche Ihn zu stürzen, wenn es geht.

Das ist mein Recht und meine Pflicht als Bürger der Bundesrepublik Deutschland.

Die Argumentation, ein bisschen Bunga Bunga ist doch egal und alles andere müssen Gerichte entscheiden, diese Argumentation hat einem gewissen Herr Berlusconi in Italia jahrelang die Macht gesichert.

Whatever, frohes Fressen und alles andere zum Fest.

Und viel Spass bei der Weihnachtsansprache EURES Bundespräsidenten ;-)

Tom: “Get out, now. Or otherwise…”
Stephen: “Otherwise, I’ll end up like you?”
Tom: “Yeah, you end up being a jaded, cynical asshole, just like me.”
(the ides of march)

matt_us Dezember 21, 2011 um 15:35

@holger
“matt_us schreibt: „Wenn Amt, dann aber richtig“ Ich sage… weg mit dem Amt. ”

holger, man sollte das so machen.

In Berlin gibt es doch genug Hartz4 Empfaenger. Das wird ausgelost unter denen, jede Woche macht es ein anderer, den Gruessaugust, denn irgendeiner muss auf Fuerstenhochzeiten und in kleiner Staaten ab und zu fahren, sonst sind die beleidigt, und Bunte und brisant muessen auch irgendwas schreiben.

Wer sagt das Amt muss immer mit irgendeinem von Oben belegt werden, haben Hartz 4 Empfaenger denn nicht genug Wuerde um sowas zu machen?

Es gibt fuer eine Woche fuer den Hartz 4 Empfaenger 4.000 Euro, Spesen, Chauffeur, und Fuerstenhochzeit, Kinderheim besuchen, oder Weihnachtsansprache, was halt gerade ansteht! So kann jeder dann mal den Gruessaugust spielen!

Morph Dezember 21, 2011 um 15:35

@wowy

“…und siehe da, es ist verschwunden”

gut so.

@matt_us

“Was sagt uns das, die Wuerde war immer da, es ist die Pressemeute, die sie untergraebt, gar nichts mit dem Bundespraesidenten zu tun!”

Nein. Wulff hat sich winkeladvokatisch um eine redliche Antwort gedrückt, zugleich mahnt er andere Eliten zu verantwortlichem Handeln. Ein wandelnder Widerspruch. Eine fortgesetzte Amtsbeschädigung.

In meiner idealen Medienwelt gäbe es Schirrmachers Artikel zu der causa und ein betretenes Schweigen drumherum, eine kollektive Nachrichtensperre zu Wulff. Die Massenmedien hätten getan, was man angesichts der laufenden Schande tut, man blickt betreten zu Boden. Man stelle sich das vor: Kein Bild mehr von ihm in der Presse, kein Journalist erschiene mehr zu den Presseterminen des BuPrä. Bis zum Ende seiner Amtszeit persona non grata.

Aber leider haben die Massenmedien eben KEINEN Anstand, woher auch?

topi Dezember 21, 2011 um 15:36

Die Begruendungen fuer die halbe Milliarde sind ja das “schoene”: jetzt haben die klammen Banken endlich wieder Geld, es den Staaten zu leihen; die natuerlich dafuer haften.

TINA, aber klar doch.

Reinhard Dezember 21, 2011 um 15:38

“Nach „68“ gab es keinen Generationenkonflikt mehr, nur noch Generationen, die nicht mehr rebellierten, sondern sich nur noch anpassten und damit den Anspruch aufgaben, ihre Zukunft mitzugestalten.”

Ja, chlimm diese Jugend von Heute. Nicht einmal OWS können sie richtig, da fliegen ja keine Backsteine und Brandsätze. Alles angepasste Duckmäuser.

Zum Glück bin ich schon ein paar Jährchen älter, somit ein wenig gesetzter, aber wäre ich 20 und würde ich mich in vielen kleinen Gruppen und Aktionen mit der Frage auseinandersetzen, wie ich mir meine Zukunft wiederholen kann, ich würde Dir ein beherztes “Du arroganter alter Sack!” entgegenschleudern.

Hans Hütt Dezember 21, 2011 um 15:41

topi

Mal tausend: halbe Billion, ok?

Hans Hütt Dezember 21, 2011 um 15:43

HAM

Was sagt Dir der 2. Juni 1967? Was sagt Dir der Stasiagent Kurras?

http://www.sueddeutsche.de/politik/karl-heinz-kurras-stasi-agent-toetete-ohnesorg-1.466964

wowy Dezember 21, 2011 um 15:45

@Goodnight
“Wo ist der Unterschied?”
Der Unterschied liegt darin, dass Gutti sein Vergehen -für alle transparent nachzulesen – nachgewiesen wurde.
Easy as f…

HAM Dezember 21, 2011 um 15:48

@Reinhard Dezember 21, 2011 um 15:38
Zum Glück bin ich schon ein paar Jährchen älter, somit ein wenig gesetzter, aber wäre ich 20 und würde ich mich in vielen kleinen Gruppen und Aktionen mit der Frage auseinandersetzen, wie ich mir meine Zukunft wiederholen kann, ich würde Dir ein beherztes “Du arroganter alter Sack!” entgegenschleudern.

Kann ich mir bei Dir gut vorstellen.

So gehen viele mit Kritik um, anstatt sich mit der Kritik inhaltlich auseinanderzusetzen.

Zu mehr langt es eben nicht.

f.luebberding f.luebberding Dezember 21, 2011 um 15:52

morph

“Bis zum Ende seiner Amtszeit persona non grata.”

Nette Idee. Aber wirklich etwas ideal, diese Medienwelt … . Oder ein Alptraum. Denkler hat in der Süddeutschen einen Entwurf für eine Weihnachtsansprache:

http://www.sueddeutsche.de/politik/vorschlag-fuer-wulffs-weihnachtsansprache-ich-bitte-um-entschuldigung-1.1241032-2

Auch ein echtes Ideal … . Nur ein Alptraum für Herrn Wulff.

Vor allem, wenn man nicht weiß, ob die Medien, diese bösen Buben, noch etwas wissen, von dem er nicht weiß, ob die Medien das wissen? Warum sonst die Salamitaktik, nicht wahr Herr Glaeseker? So heißt übrigens der Sprecher des Bundespräsidialamtes, der auch sonst schon einmal versucht, Knallfrösche zu zünden.

wowy Dezember 21, 2011 um 15:55

@fl @Hans Hütt
Ich bitte um Nachsicht, aber als ich die Verteidigungsarien zur Bildauswahl der FAZ gerade gelesen habe und sie mit der Empörung über Wulffs Handlungen verglich, da musste ich doch sehr lachen. Es ist nichts gegen Corporate Identity zu sagen, sie sollte einem aber nicht völlig das Hirn vernebeln.

Reinhard Dezember 21, 2011 um 15:56

HAM, Du kritisierst nicht die jüngeren Generationen, Du stellst Dich in diesem Falle als besserwisserischer, überheblicher Oberlehrer hin, der allen das Recht abspricht “richtige Demonstranten” zu sein, weil sie nach 68 geboren wurden.

Ich finde Deine Beiträge oftmals sehr interessant und erkenne auch den Gedanken dahinter, erkenne dass Du einfach nicht nur so daherschwafelst, aber hier, hier hast Du einen selten dämlichen Bock geschossen. Aber gut, jeder hat einen frei :)

topi Dezember 21, 2011 um 16:01

@ goodnight

Tut weh, oder?

Nehmen wir mal an, wir bewegten uns in einem logischem System.

Die von dir aufgestellten Annahmen ueber die Funktionsweise muessten laengst zu einem Ergebnis gefuehrt haben.

Haben sie nicht.

Und Puff, waere dein System wegen logischer Widersprueche implodiert.

Schoen, dass du noch da bist. ;)

Aber jetzt zu betteln, dass doch alle die moralischen Regeln deines Systems als unumstoesslich akzeptieren sollen, ist einerseits bizarr, andererseits auch sehr erheiternd. :roll:

hacedeca Dezember 21, 2011 um 16:01

@Ham, Reinhard

“Du arroganter alter Sack!”

Ich schätze mal, das Klagen über die schlaffe Jugend gehört zum Standardrepertoire gesetzterer Herrschaften in der Literatur seit der Antike.

Wir waren noch richtige Kerle – da drückt die Prostata gleich weniger…

Alles in Ordnung!

So werden wir alle mal!

Heißt das bei Jung nicht Individuation? Am endgültigen Ende wird man dann altersmilde…

HAM Dezember 21, 2011 um 16:01

@Hans Hütt Dezember 21, 2011 um 15:43
Was sagt Dir der 2. Juni 1967? Was sagt Dir der Stasiagent Kurras?

Bislang gibt es noch keinen Beweis, dass hinter dem Mord die Stasi steckt, aber möglich ist es durchaus.

An der rechtlichen und moralischen Bewertung der Tat ändert es nicht, ein friedlicher und unbewaffneter Student wurde von hinten heimtückisch erschossen.

Es war eine westberliner Gericht, welches Kurras freigesprochen hat, es war die westdeutsche Presse, die das hingenommen hat.

f.luebberding f.luebberding Dezember 21, 2011 um 16:02

wowy

Welche Arien? Von mir sicherlich nicht. Ich habe lediglich bei Morph bzgl. seines Argument nachgefragt. Er hat das dann noch näher begründet.

Q. Dezember 21, 2011 um 16:04

ho! ha! In goodnight erwacht der Moralist! :-)
Grandios, es weihnachtet sehr!

Die Argumentation, ein bisschen Bunga Bunga ist doch egal und alles andere müssen Gerichte entscheiden, diese Argumentation hat einem gewissen Herr Berlusconi in Italia jahrelang die Macht gesichert.
Dann hast Du von Italien wenig Ahnung.
1) Es hat was mit dem Gerichtssystem zu tun ….. Und Versuche der Exekutive, die Gesetze in ihrem Sinn zu verbiegen. Bunga-bunga völlig nebensächlich.
2) Es hat was damit zu tun, daß die Medien ablenkende Säuselmusik geboten haben. Daneben die kritischen (die es auch gibt) sich vielleicht eher auf Nebenschauplätze begeben haben …
3) Opposition ist nicht auf Trab

Sie haben uns, die Wähler, das Volk, den Souverän getäuscht.
zG – W: ziemlich absurde Parallele.
Bei Wulff konnte man wissen, daß er Maschmeyer-”Freund” ist.
Unser Wissen über ihn hat sich im Wesentlichen nicht erweitert.
Es wird nur so getan.

—> Amtsbeschädigung (@morph)
geht eher von den Medien aus, wenn sie dem Amtsträger den Rücktritt schon nahelegen, ohne viel in der Hand zu haben und das bißchen maßlos aufblasen …..

Und deutsches Bunga-bunga: funktioniert wohl eher umgekehrt, wenn mit Kompromaten gedroht wird.
Das stört niemanden?
Da sollten die “Aufklärer” doch mal ansetzen :roll:

topi Dezember 21, 2011 um 16:05

Hans

Wir koennen auch ueber die kurze Leiter gehen, dann ist es schon eine halbe Trillion. ;)

Neben dem klemmenden space hat sich meine Tastatur auch noch auf englisch umgestellt, ich fuerchte, das System schlaegt schon yurueck. :roll:

hacedeca Dezember 21, 2011 um 16:06

@Hans Hütt

“Seit wann ist die Forderung danach, geltendes Recht zu wahren, eine moralische?”

Schon immer, also spätestens seit Moses. Da das Recht sich ja vom göttlichen Willen herleitet, auch in der “christlich-jüdischen Kulturtradition” (Westerwelle). Sogar in der Präambel des Grundgesetzes im Metarecht dieses Landes steht noch was von Gott!

Jackle Dezember 21, 2011 um 16:09

Die jüngere Generation, zu der ich wohl zähle, ist vor allem überhaupt nicht homogen. Ganz große Teile sind entpolitisiert. Dort wird auch direkt über das Piraten-projekt herzlich abgelästert, bevor die überhaupt mal etwas in Gang setzen konnten. Man ist die totale Ich-AG und hat für das abgehängte Prekeriat nicht viel übrig. Alles ist aufgesplittet in seine verschiedenen Genres, sei es Musik und all ihre Facetten, Nerds am PC, Sportler in all ihren Diziplinen oder jene, die mit aller Macht sich die Wirtschaft als Gott auserkoren haben und liberaler sind als alle Neoliberalen. Es wird DER Gesellschaft nicht viel zugetraut, noch wird sich mit ihr wirklich indentifiziert. Wenn die Ich-AG auf weiter See zumindest in Richtung der Wunschinsel steuert, ist soweit alles in Ordnung. Soweit mein persönlicher Eindruck.
Nun ist klar, dass diese ganze Ich-AGs ihre Insel nicht erreichen werden und was dann mit denen passiert, darauf bin ich wirklich gespannt.
Euch alten Säcke werden sie sicherlich nicht durchfüttern wollen, weil man euch für die ganzen Inseln verantwortlich machen wird, auf die all diese Ich-AGs allein auf hoher See zielgerichtet hingesegelt sind. Beim kollektiven Schiffbruch wird aber etwas passieren werden; Bin gespannt was!

matt_us Dezember 21, 2011 um 16:17

@morph
“Nein. Wulff hat sich winkeladvokatisch um eine redliche Antwort gedrückt, zugleich mahnt er andere Eliten zu verantwortlichem Handeln. Ein wandelnder Widerspruch. Eine fortgesetzte Amtsbeschädigung.”

Der Wulff hat Winkeladvokat gelernt, dann verhaelt der sich auch so. Haette er Soziologie studiert, wuerde er es systembezogen erklaeren, waere er Volkswirt, wuerde er sagen er haette seine Grenzkosten minimalisiert, fuer seinen Kredit.

Die Sache ist, man kann sowohl Eliten kritisieren, wenn man dazu gehoert und sich nicht einwandfrei benommen hat. Das macht absolut jeder, andere kritisieren, obwohl er selber nicht einwandfrei agiert. Der Bundespraesident ist nicht ein Heiliger.

Ausserdem stoeren die Eliten soundso nicht, was der Wulff sagt, die machen was sie wollen, dafuer sind sie ja Eliten. Das ist doch nur fuer die Proletarier! Hast Du ja gemerkt an der Lindauer Rede. Dass der da irgendwelche Eliten kritisiert hat, haben die Medien ja gar nicht berichtet. Keiner haette es mitbekommen, haette man jetzt nicht mal seine Rede gegoogelt, um ihm dann daraus einen Strick zu drehen.

Reinhard Dezember 21, 2011 um 16:18

Jackle:

Die “68er”-Jugend war auch nicht homogen. Die meisten jungen Menschen damals haben sich wie die meisten jungen Menschen heute auch nur für ihre jeweilige Gegenwart interessiert. Beziehungen, Sex, Liebe, Partys, Autos, Schule/Ausbildung/Uni, Eltern, doofe alte Säcke usw. usf.

Was auch normal ist, wenn man jung ist. Der sorgenvolle Blick in Zukunft kommt erst mit den Jahren, wenn selbige beginnen in Windeseile an einem vorbeizustreichen und nicht mehr zäh Monat für Monat voranzukriechen.

HAM Dezember 21, 2011 um 16:20

@ Reinhard + hacedeca

Wie wäre es mit sachlich fundierter Argumentation?

Wo gab es nach „68“ typische Generationenkonflikte in Art von Jugendrevolten? Wo die Jugend ihre Gesellschaftsvorstellungen gegen die “alten Generationen” einbrachte?

Die Abwesenheit dieser Art von Generationenkonflikten ist doch nicht die Privatmeinung eines „Alt-68-ers“, sondern dies wird von der soziologischen Forschung konstatiert.

Wie kommt es, dass für diese Generationen die Gesellschaft als TINA erfahren wird?

Ihr beide doch auch TINA-Anhänger. Oder wie sehen Eure Gesellschaftsvorstellungen aus?

Goodnight Dezember 21, 2011 um 16:23

@Topi

“There aint nothin’ over till it’s over.”
Rocky (Rocky Balboa)

wowy Dezember 21, 2011 um 16:25

HAM
Die Grünen sind 1983 das erste Mal in den Bundestag eingezogen.
Zu Umweltfragen gab es in den 70ern hinreichend Konflikte. Greenpeace waren für die Jugend die Helden und für die Älteren langhaarige, ungewaschene Spinner.

h.huett Dezember 21, 2011 um 16:26

Goodnight & topi

Es reicht auch, die von Manfred Bissinger im Vorwort zu dem Buch BESSER DIE WAHRHEIT zitierte Maxime des amtierenden Bundespräsidenten in Erinnerung zu rufen:

“Steig ab, bevor das Pferd tot ist.”

hacedeca Dezember 21, 2011 um 16:31

@Ham

Na ja, wenn die 68er Generation sich mal nicht so gut einpassen würde in die Annäherungspolitik nach der Kuba-Krise… Wenn das “Willy wählen” im Gegensatz zur Hallstein-Doktrin nicht so gut den damaligen Herren gepasst hätte, dann hätten wir hier vielleicht einen Konsens über Deine Annahme, die 68er seien wer gewesen.

Aber um Deine Frage, die auf einer fragwürdigen Annahme beruht, zu beantworten:

Mir fiele Punk ein, der Post-Rock, der mit Techno und House bis heute andauert. Grundsätzlich neu, grundsätzlich anders, grundsätzlich gegen die herrschende Kultur.

Und dann mal materialistisch: Was steht uns denn dafür, dass heute ein Mark Zuckerberg nicht eigenhändig die Welt mehr verändert, als Adorno. Wikipedia finde ich auch großartig.

Das sind, obwohl software-basiert, tatsächlich materialistische Revolutionen, welche die Welt verändern. Sie verändern die Umstände.

Morph Dezember 21, 2011 um 16:32

@Q.

“—> Amtsbeschädigung (@morph)
geht eher von den Medien aus, wenn sie dem Amtsträger den Rücktritt schon nahelegen, ohne viel in der Hand zu haben und das bißchen maßlos aufblasen …..”

Ja, das sagst Du eben so, hatten wir schon vor Tagen. Aber dass seine Rede von Verantwortung durch sein aktuelles Verhalten desavouiert wird, übergehst Dz immer.

Also ich könnte mich mit Deiner Auffassung der Sachlage nur identifizieren, wenn Du für eine Abschaffung des Amtes plädieren würdest. Das fände ich konsistent. Aber sich mit dem Verfassungsorgan BuPrä zu identifizieren und W.s Gebahren nicht amtsbeschädigend zu finden, erschließt sich mir einfach nicht. Das Ganze ist keine moralische sondern eine logische Frage. Wie gesagt; W. ist ein wandelnder Widerspruch. Und Widersprüche sind nur als Veränderungsbegriffe möglich, d.h. so kann das nicht bleiben: Entweder muss W. weg oder das Amt! Solange das nicht so oder so entschieden ist, ist Krise. Staatskrise sogar. So einfach ist das. Und solange W. bleibt, ist virtuell das Amt abgeschafft. Ein Scheinpräsident. Ein Staatsbürger, der sich als solcher ernst nimmt, muss W. und alles, was mit ihm zu tun hat, boykottieren.

and now for something completely different (OT)

http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,805014,00.html

fünf kleine Mutationen sind wir also von der Pandemie entfernt. Darf ich nochmal an Herrn Lovelock erinnern?

http://www.youtube.com/watch?v=dBUvZDSY2D0

Als apokalyptischer Biedermeier empfehle ich hiermit zum Jahresausklang und überhauot: Treibt den Teufel mit dem Beelzebub aus, gewinnt gegenüber der einen Krise Souveränität durch Identifikation mit einer anderen (et vice versa!). Nur so kommen wir weiter!

Frohe Festtage und allen einen guten, äh, Rrrrrrutsch!!!

:-)

HAM Dezember 21, 2011 um 16:34

@wowy Dezember 21, 2011 um 16:25
Die Grünen sind 1983 das erste Mal in den Bundestag eingezogen.
Zu Umweltfragen gab es in den 70ern hinreichend Konflikte. Greenpeace waren für die Jugend die Helden und für die Älteren langhaarige, ungewaschene Spinner.

Die Grünen waren wesentlich ein Produkt der 68-er-Generation.
Leute, die früher in den K-Gruppen oder bei den Spontis waren, die waren dann die führenden PolitikerInnen der grünen Partei.

Die Öko-Frage war kein Generationenkonflikt, genauso wenig wie der Feminismus.

So wie auch S21 ist kein Generationenkonflikt ist.

h.huett Dezember 21, 2011 um 16:36

HAM

Sei bitte zurückhaltender mit unbelegbaren Annahmen.

Ich schaue mich mal um im Umfeld meiner Familie und Freunde und erlebe die Kinder der 68er Generation in einer sehr breiten Vielfalt. Spiegels Fleischhauer ist die fleischgewordene opportunistische Antithese, die zu sich selbst findende Inkarnation des Misslingens, andere haben ein sehr subtiles Repertoire von Signalen und Reaktionsmustern auf die Versuche der Anwendung elterlicher Autorität. Vom sozialen Scheitern als Gegenentwurf zu elterlichen Träumen und Zielen bis hin zu einer beeindruckenden Klugheit, Weltläufigkeit, emotionalem Reichtum.

Morph Dezember 21, 2011 um 16:36

my famous final words in this case are awaiting moderation! :-)

holger Dezember 21, 2011 um 16:36

@ HAM

nun mach mal nicht so einen auf… wir waren es. Genau das ist Blödsinn. ich bin 42 habe jetzt damit umzugehen, wie es ist. Mich interessiert es nicht, was 68 ff war. Da war ich noch nicht mal auf der Welt. Nun bin ich aber Vater von 2 Kindern. (18+14) und ich sehe ihre Sorgen und Nöte. Und wenn ich Drecksäcke höre, (nicht dich) meine Kinder sollten gefälligst nicht über Ihre Verhältnisse leben, dann wird es rauchen. Und dann ist mir der Papst egal, und die verfickte Mutti im Amt die noch nicht mal ein Hengst Bunga Bunga nehmen würde. Nebst den Idioten Wuff. Und wenn ich dann noch so Phrasen Drescher lese, ala Huett erst recht nicht. Und dann werde ich sauer. Aber richtig. Und wenn ich sauer werde, dann sage ich es den Phrasen Wixxern ins Gesicht. das was diese Muschpoken nicht trauen.

@ Reinhard

—>>>Was auch normal ist, wenn man jung ist. Der sorgenvolle Blick in Zukunft kommt erst mit den Jahren, wenn selbige beginnen in Windeseile an einem vorbeizustreichen und nicht mehr zäh Monat für Monat voranzukriechen.”

Das stimmt. :D

h.huett Dezember 21, 2011 um 16:38

hacedeca
Da lobe ich doch die freundliche Unterscheidung Immanuel Kants zwischen inneren und äußeren Zwängen. Sie ist lebensnäher als die mosaische Regelhaftigkeit. Auch freiheitsliebender. Und was die äußeren Zwänge betrifft pragmatischer.

Mit Ausnahme des hier diskutierten Falls.

Reinhard Dezember 21, 2011 um 16:39

“Ihr beide doch auch TINA-Anhänger.”

Jetzt wird es lächerlich …

Ansonsten würde ich die anhaltenden Proteste gegen die Kernkraft noch aufzählen wollen, die große Bürgerrechts-Demo letzten Sommer und OWS und die spanischen Empörten, die anfänglich so sehr von Jugendlichen dominiert wurden, dass diese Proteste von manchen sofort als typischer Generationenkonflikt abgetan wurden.

Der größte und in meinen Augen vielversprechenste Unterschied zu “damals”™ ist die Einbeziehung ALLER Generationen und nicht die nahezu sakrale Ausschliessung aller über 30-40, die damals die 68er-Proteste stark mitgeprägt haben.

h.huett Dezember 21, 2011 um 16:39

topi
Das Keyboard hat einen verklemmten Beckenboden. :-D Lass es tief atmen. Get rid of the block

h.huett Dezember 21, 2011 um 16:45

wowy
“Verteidigungsarien zur Bildauswahl der FAZ”

Wie kommst Du darauf? Hast Du was zum Inhalt meiner Überlegung zu sagen? Das fände ich spannender. Von Verteidigung kann keine Rede sein. Betrifft mich auch nicht. Der Bildausschnitt ist hart am Rand zur Indifferenz auf der einen Seite, einer monochromen Fokussierung auf der anderen Seite. Wahrscheinlich diskursiv insuffizient, je mehr Details und Farben und Töne an die Oberfläche gelangen.

Mich erinnert das an eine déjà-vu Reflektion (Anregung für CW): Es gibt ja das Gefühl, dass man manchmal eine Situation erlebt, die man schon mal in welchem Traumzustand oder in welcher Realität schon gesehen zu haben glaubt. Es gibt auch den umgekehrten Zustand, dass sich die Situation an die in sie eingebundenen Akteure erinnert. Sie schaut zurück. Dich an. Dann heißt es standzuhalten – dem eigenen Bild. Nicht immer leicht.

wowy Dezember 21, 2011 um 16:49

@HAM
Das sehe ich anders.
Atomkraft nein Danke! Wackersdorf, Startbahn West, das waren durchaus Generationenkonflikte.
Zurückgerechnet waren die Eltern der 70er Jugend in den 30er und 40er Jahren geboren. Die hatten ein völlig anderes Wertegerüst.

HAM Dezember 21, 2011 um 16:49

@Jackle Dezember 21, 2011 um 16:09
Euch alten Säcke werden sie sicherlich nicht durchfüttern wollen, weil man euch für die ganzen Inseln verantwortlich machen wird, auf die all diese Ich-AGs allein auf hoher See zielgerichtet hingesegelt sind.

Natürlich werden jene, die auf dem Ego-Trp sind, die „alten Säcke sicherlich nicht durchfüttern wollen“.

Im Gegenteil, häufig lassen sie sich im Erwachsenenalter von den „alten Säcken“ durchfüttern.

Z.B. Hotel Mama – möglichst lange.

Ich kenne in meinem Bekanntenkreis nicht wenige Eltern im Rentenalter, die ihre 40+ Kinder immer noch massiv unterstützen. Immer noch, denn ihre Kinder standen bislang in ihrem Leben wirtschaftlich NOCH NIE auf eigenen Beinen.

Nicht dass sie es finaziell nicht könnten, aber dazu müssten sie ihren Konsum einschränken.

Die werden nie ihre Eltern pflegen, wenn diese einmal pflegebedürftig werden sollten.

wowy Dezember 21, 2011 um 16:50

@Hans Hütt
Ich mache es diesmal kurz: zu viele verschwurbelte Worte für einen ziemlich klaren Sachverhalt.

carlos manoso Dezember 21, 2011 um 16:52

@ h.huett Dezember 21, 2011 um 15:14
„Und was sagt die freundliche Antwort über den Unterschied zwischen Recht und Moral?“

H.Huett, das Recht kann auf eine „rechtliche Gesinnung“ verzichten, wenn es sich bei seiner Durchsetzung auf den äußeren Zwang einer „souveränen“ Macht verlassen kann. Bei einer „moralischen Gesinnung“ ist die „souveräne“ individuelle Entscheidung der Betroffenen gefordert.

Wie du scheibst: „Du überschreitest den Rubikon. Oder nicht. Nach der Entscheidung ist die Welt eine andere“. Die Frage nach dem Wesen des „Normalzustands“ von „Souveränität“ ist unausweichlich, denn es wird immer unmöglicher, sich noch naiv positiv auf die Begriffe von „Demokratie“, „Rechtsstaat“ und „Moral“ zu beziehen, ohne jede kritische und reflexive Potenz einzubüßen.

Die Paradoxie des Ausnahmezustands verweist auf die Paradoxie der Souveränität selbst. Ab einem bestimmten Punkt von Herrschaft verfestigt sich Gewalt in Recht und ab einem bestimmten Punkt von Herrschaft verflüssigt sich dieses Recht wieder in Gewalt. Der Ausnahmezustand wird nur im Inneren des „Normalzustands“ versteckt. Der „Ausnahmezustand“ ist nur die Verdichtung, Verhärtung und akute Verschärfung von Herrschaft über das als zum „Normalzustand“ gewordene Maß hinaus. „Normal“ ist ein gewissermaßen erweitertes Gesellschaftsgefängnis, im „Ausnahmezustand“ wird der „Rechtsstatus“ faktisch ausgesetzt und für die bestimmten Bevölkerungsteile schrumpft der Raum des Gefängnisses bis auf die Haut.
http://epautos.com/2011/11/30/senate-predictably-votes-to-make-us-citizens-subject-to-indefinite-detention/
http://www.shtfplan.com/headline-news/detainment-camps-going-live-fema-seeking-subcontractors-to-provide-temporary-camp-services-in-all-50-states_12072011

matt_us Dezember 21, 2011 um 16:53

@h. Huett
“Es reicht auch, die von Manfred Bissinger im Vorwort zu dem Buch BESSER DIE WAHRHEIT zitierte Maxime …”

Es reicht aus, dass Manfred Bissinger 4 Jahre auf dem Wissen gesessen hat, dass Maschmeyer fuer das Buch ueber 40.000 Werbekosten bezahlt hat, und er es keinem gesagt hat!

4 Jahre wusste er es – man wartete auf einen geeigneten Moment um aus dem Wissen GELD zu machen, um einen anzuschwaerzen, dafuer arbeitet man schliesslich beim Springer Konzern. Hans, was wird der denn fuer so einen Drecksartikel bekommen haben?

Wiegesagt, 4 Jahre wusste er es, und er hat es keinem gesagt hat. Und jetzt nimmt der Friede Springers dreckige Kroeten, schreibt in einem ihrer Drecksblaetter, und macht einen auf Moralapostel.

Die Springer Presse ekelt mich an. Character Assassination nennt man das auf Englisch. Regt Dich das nicht auf, Hans?

Horst Schmidt Dezember 21, 2011 um 16:59

Also nur kurz. Wenn hier ein, das personifizierte Nichts Kurras, in diesem Zusammenhang, Erwähnung findet (warum weiß niemand!), dann darf eine solche Meldung nicht unterschlagen werden.

http://www.welt.de/fernsehen/article13778304/Wer-sollte-Wulff-folgen-Kerkeling-hat-abgesagt.html

“Wer sollte Wulff folgen? Kerkeling hat abgesagt”

neuling Dezember 21, 2011 um 17:09

h.huett Dezember 21, 2011 um 16:26
Das Buch ist schon was älter und der Anspruch heute sicher zu hoch. Es würde schon was helfen, wenn die Elite merken würden, dass sie seit 3 Jahren einen toten Gaul reiten.

Nanuk Dezember 21, 2011 um 17:11

@HAM
Im Gegenteil, häufig lassen sie sich im Erwachsenenalter von den „alten Säcken“ durchfüttern.
Z.B. Hotel Mama – möglichst lange.
Ich kenne in meinem Bekanntenkreis nicht wenige Eltern im Rentenalter, die ihre 40+ Kinder immer noch massiv unterstützen. Immer noch, denn ihre Kinder standen bislang in ihrem Leben wirtschaftlich NOCH NIE auf eigenen Beinen.

Darf ich dich mal aufklären HAM
http://www.youtube.com/watch?v=8B45-wP1cvs

h.huett Dezember 21, 2011 um 17:12

neuling

Deshalb hat Paul Krugman im Frühjahr 2009 von den Zombies gesprochen.

HAM Dezember 21, 2011 um 17:12

@wowy Dezember 21, 2011 um 16:49
Das sehe ich anders.
Atomkraft nein Danke! Wackersdorf, Startbahn West, das waren durchaus Generationenkonflikte.
Zurückgerechnet waren die Eltern der 70er Jugend in den 30er und 40er Jahren geboren. Die hatten ein völlig anderes Wertegerüst.

Wie definierst Du soziologisch Generationenkonflikt?

Das haben doch H.H. et al. nicht verstanden, die verwechseln Elternkonflikte mit Generationenkonflikten.

Die Grünen waren von Anfang an eine Mischbewegung, Junge und Alte, Linke und Rechte, Progressive und Reaktionäre.

Google mal zu Petra Kelly (*1947, Jutta Ditfurth (*1951), Herbert Gruhl (*1921), August Haußleiter (*1905) etc.

Weißt Du, was die AUD war?

Q. Dezember 21, 2011 um 17:13

morph
Ja, das sagst Du eben so, hatten wir schon vor Tagen. Aber dass seine Rede von Verantwortung durch sein aktuelles Verhalten desavouiert wird, übergehst Dz immer.
Nicht daß das nicht kritikwürdig wäre, aber zumindest erwartbar, wenn man einen Maschmeyer-Freund installiert …..

Deswegen hält sich meine Entrüstung sehr in Grenzen.

Und verlischt nahezu ganz, wenn ich wahrnehme, daß hinter der Aufregung in der Presse Absichten stecken. Daß eine übel bekannte Pressegruppe sogar mit Kompromaten droht!

Darüber scheint sich niemand aufzuregen! Hat aber zur Folge, daß ihr nicht merkt, daß ihr hier bespielt werdet, daß eure großartigen staatsbürgerlichen Aufwallungen gezielt für ein übles Spiel instrumentalisiert werden.

…. kann nur noch den Kopf schütteln darüber!

Ok, damit aber genug für heute!

Nanuk Dezember 21, 2011 um 17:18

@Ham
I am here fighting for my future you are fighting for your past!

Keynesianer Dezember 21, 2011 um 17:19

@HAM

“Die sog. 68-er-Generation ist eine verratene Generation, sie wurde demoralisiert und hat sich anschließend selbst verraten und wurde größtenteils zu einer Arschlochgeneration.

Nach „68“ gab es keinen Generationenkonflikt mehr, nur noch Generationen, die nicht mehr rebellierten, sondern sich nur noch anpassten und damit den Anspruch aufgaben, ihre Zukunft mitzugestalten.”

Eine Folge der geldpolitisch verursachten Wirtschaftskrisen und der Massenarbeitslosigkeit. Damit hat man den jungen Leuten seit Beginn der 80er Jahre das Rückgrat gebrochen. Die 68er waren eigentlich nur durch die keynesianische Politik mit Vollbeschäftigung und Jahr um Jahr steigenden Löhnen und besseren Lebensverhältnissen möglich geworden.

Die 68er waren aber ihre eigenen Totengräber, wenn sie es auch nicht geblickt haben. Die Hinwendung zum Marxismus war ja die Voraussetzung für die gesellschaftspolitische Ausschaltung der Keynesianer durch die Neoliberalen. Die Marxisten haben dabei die Rolle gespielt, den keynesianismus mit seinen Erfolgen für die Lage der Arbeiter und die breite Bevölkerung völlig aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit zu verdrängen.

Bis heute, denn die ehemaligen 68er haben es ja immer noch nicht kapiert, dass wir keine Massenarbeitslosigkeit und keinen dadurch erzwungenen Sozialabbau, keine Agendapolitik und keine Privatisierung der Altersvorsorge haben müssten.

Und dann haben sich die 68er nicht nur mit Marx veralbern lassen, sondern auch noch mit der Ökobewegung. Diese diente nämlich dazu, mit der Verteufelung des Konsums den bis heute durchgezogenen Abbau der Einkommen und sozialen Rechte der Lohnabhängigen durchzusetzen. Wenn Konsum schlecht ist, dann ist Massenkonsum ganz schlecht und die Reichen können dann ganz ohne Widerstand den Lebensstandard der Bevölkerung herunterfahren. Ist doch Öko!

Zuerst also Marx, damit man wieder mit restriktiver Geldpolitik Massenarbeitslosigkeit erzeugen konnte wie zuletzt 1929-33. Dann noch genau ab 1980 die Ökobewegung, dass der Mensch mit seinem Konsum die Umwelt zerstöre. Zuletzt dann ehemalige 68er als Grüne und Sozis mit den Hartz-Gesetzen. Na gut, die Figuren wie Fischer, Cohn-Bendit bis Schily waren schon von Anfang an die V-Leute des Systems gewesen. Aber die anderen hätten das ja irgendwann begreifen können.

Die glauben aber bis heute, dass sie nur von den Keynesianern um die Weltrevolution betrogen wurden, weil die nämlich bloß den Kapitalismus retten wollten. ;-)

wowy Dezember 21, 2011 um 17:20

@HAM
Och nö, jetzt nicht auch Du noch wie Hütt. Lies dies mach das.
Wo ich Dir recht gebe, ist beim Begriff Generationenkonflikt. Den scheinen wir in der Tat unterschiedlich zu definieren.

gelegentlich Dezember 21, 2011 um 17:21

@wowy
Jetzt wird es peinlich. Ich greife raus:
Startbahn West.
Informiere Dich mal bei irgendeinem Bekannten, der in der Region wohnt. Dann wirst Du sehen: das war absolut nicht generationenspezifisch, da war Alles dabei, was älter als etwa 14 Jahre alt war.
Wie man von Wulff auf Kurras kommt erschließt sich mir nicht so ganz…

HAM Dezember 21, 2011 um 17:24

@Nanuk Dezember 21, 2011 um 17:18
I am here fighting for my future you are fighting for your past!

Du trennst Zukunft von Geschichte.

Das wird nichts.

Eine Jugend ohne Geschichtsbewusstsein versteht sich und die Welt nicht.

wowy Dezember 21, 2011 um 17:28

@gelegentlich
In den letzten Jahren: ja, am Anfang: nein
Das Projekt dauerte bis zum Abschluss ca. 12 Jahre!

Horst Schmidt Dezember 21, 2011 um 17:30

“Die sog. 68-er-Generation ist eine verratene Generation, sie wurde demoralisiert und hat sich anschließend selbst verraten und wurde größtenteils zu einer Arschlochgeneration.

Nach „68“ gab es keinen Generationenkonflikt mehr, nur noch Generationen, die nicht mehr rebellierten, sondern sich nur noch anpassten und damit den Anspruch aufgaben, ihre Zukunft mitzugestalten.”

“Absolut” richtig. Aber dafür haben sich diese – nicht alle – nachhaltig gerächt. Niemals haben sie es dem deutschen Arbeiter, Arbeitnehmer verziehen, dass er ihren Spinnereien nicht mit Hurrah-Geschrei folgte, sondern am Liebsten wie Börner (Hessen) diese “Idioten” mit der Dachlatte bearbeiten wollte.

“Rot/Grün” hat diese “Rache” unter dem Deckmäntelchen “Reformen” perfekt ausgeübt, vollstreckt. Die positiven “Kollateralschäden” werden heute so hingenommen, als wären es Selbstverständlichkeiten. Mitnichten. Doch darauf sind die so genannten, selbsternannten, ewig überschätzten, verteufelten 68ger aber nicht einmal stolz. Merkwürdig.
Aber Stolz, solch Begriff ist ihnen fremd.

HAM Dezember 21, 2011 um 17:36

@gelegentlich Dezember 21, 2011 um 17:21
Wie man von Wulff auf Kurras kommt erschließt sich mir nicht so ganz…

Es geht um rechtliche und moralische Bewertung von Handlungen.

Und es geht um Verrat. Holger hat das Thema eingebracht.

Verrat ist ein zentrales Thema in der Politik. Da schwören Politiker einen Eid, zum Wohle des ganzen Volkes tätig zu sein, tatsächliche verraten sie die Interessen des Volkes aus eigennützigen Motiven an bestimmte Gruppen, werden rechtsbrüchig etc.

Kurras hätte nie freigesprochen werden dürfen.

Da fühlte sich eine Protestgeneration verraten und bedroht.

gelegentlich Dezember 21, 2011 um 17:43

@wowy
,,In den letzten Jahren: ja, am Anfang: nein”
Widerspruch: klar waren jüngere Leute am Beginn ein wenig aktiver dabei, doch war schon zu Beginn die Teilnahme sehr viel Älterer, die erst mal ihren Widerstand gegen neue Protestformen überwinden mußten, bemerkenswert. Es ist ja auch eine Art regionaler Konflikt gewesen: man hatte das Gefühl eine Region wird quasi entwertet, was bis zu Eigenheimbesitzern ausstrahlte. Auf jeden Fall kann man das nicht unter Generationenkonflikt subsumieren.
Der Rest der Debatte, auch mit @HAM: Gespensterdiskussion, die mit ihrem Beginn kaum noch zu tun hat.
Biedermeier 2.0 – ist ja keine Analyse, sondern eine bildhafte Assoziation. Ich vermute sie trifft einigermaßen zu. Das trifft wohl den vorherrschenden Zeitgeist hier.
Statt der geheimpolizeihaften Repression Metternichs haben wir aber den Zustand, dass man an unwichtigen Plätzen seine Meinung kund tun darf, die aber machen was sie wollen. So sehr, dass eben Viele, ich auch, das Gefühl haben diese Wulff-Nummer sei eine farcenhafte Ablenkung vom Eigentlichen (Vermögenssteuer usw.), das jetzt anstehen müßte.

Wolfgang Michal Dezember 21, 2011 um 17:45

So, der Weihnachtsbaum steht, 30 Euro, kann man nicht meckern, oder? So ein Baum bringt doch gleich was Gemütliches in die Biedermeierstube.

Zurück zur Vaterlandsdebatte: Ich habe mich durch alle Kommentare hier gelesen, und kann Morph nur in allen Punkten zustimmen. (Überhaupt schätze ich die engagierte Debattenkultur hier – sagen wir mal: bis auf diesen unnötigen Parteijournalisteninstinktschlenker, Hans, aber ich bin bereit zu verzeihen :-).

Frank Lübberding schreibt etwas weiter oben: “Es geht jetzt darum, eine Systematik aufzudecken. Und dafür liefert erst Wulff das Material. Das ist Journalismus. Wie sich in solchen Strukturen Mentalitäten entwickeln. Was “Freundschaft” hier bedeutet. Ich habe das neulich schon einmal gesagt: Alles hat seine Zeit. Manches braucht Zeit. Viele sog. Medienkritiker machen nichts anderes als sich in Selbstbestätigung wiederzufinden. Das sollen sie machen.
Ich denke, wir bekommen gerade interessante Einblicke, die uns bisher verborgen blieben.”

Das verblüfft mich nun doch. Seit wann verfolgt Lübberding das politische Geschehen in diesem Land? Seit drei Wochen? Erst durch Wulff würden jetzt die Netzwerke und “Freundschaften” enttarnt? Sind Ihnen die ganzen Affären hiesiger Ministerpräsidenten nicht bekannt? Strauß, Barschel, Koch, Späth, Streibl, Biedenkopf, Schröder, Glogowski, um nur einige zu nennen. Die Bundesminister lasse ich mal ganz außen vor.
Der Fall Wulff ist nun wirklich nichts Besonderes. Sein Verhalten als MP ist ein ziemlich übliches Verhalten von Leuten in diesen Kreisen.

Eine Egal-Haltung habe ich deshalb nicht. Ich heiße das auch nicht gut. Ich finde nur, wir können heutzutage nicht mehr so naiv sein, dass wir sagen MEDIEN = PURE AUFKLÄRUNG. Wir können die eigene Rolle und die der Medienhäuser nicht außen vor lassen.

P.S. Es gab die Frage, warum ich einen bestimmten Link zu Bettina Wulff gesetzt habe? Nun, weil dieses Beispiel besonders fies ist. Es ist ein extremes Beispiel dafür, wie mediale Andeutungen im Netz noch “verstärkt” werden können.

wowy Dezember 21, 2011 um 17:47

@gelegentlich
Ich hatte schon zu HAM gesagt, wir sollten zunächst definieren, was wir unter Generationenkonflikt verstehen.

Nanuk Dezember 21, 2011 um 17:50

@Ham
“Du trennst Zukunft von Geschichte.”

Du kannst dir deine Geschichte dahin stecken wo wir unsere Zukunft hinstecken können wenn das so weiter geht.

Wilma Dezember 21, 2011 um 17:56

Der Staat sind wir
“Die politische Klasse hat sich befreit von der Bindung an Normen, die für alle gelten. Muss dann nicht wenigstens ziviler Ungehorsam erlaubt sein?, fragt Staatsrechtler Hans Herbert von Arnim. Ein Essay.”
http://www.tagesspiegel.de/meinung/der-staat-sind-wir-ueber-den-frust-der-wutbuerger/5971392.html

H.K.Hammersen Dezember 21, 2011 um 18:07

Die causa Wulff scheint mir ein Indiz dafür zu sein, dass sich die Solidarität innerhalb der Elite auflöst.

Und Wulff scheint jemand zu sein, der gar keine echten Freunde hat. Aber das ist auch nicht verwunderlich bei jemandem, der den grössten Teil seines Lebens, und das schon von Jugend an, in politischen Kreisen verbracht hat.

gelegentlich Dezember 21, 2011 um 18:10

@wowy
,,…wir sollten zunächst definieren, was wir unter Generationenkonflikt verstehen.” – Ok, fangen wir an. Mit ,,68″. Das war so einer, der aber keineswegs erst 68 ausbrach.
Schon zu Beginn der 60er hatten eine Minderheit junger Leute das Gefühl in einer lähmenden Stagnation leben zu müssen. Der Alltag war sehr normiert, die Zukunft schien ebenso zu werden, der Konformitätsdruck im Alltag sehr hoch. In der Mittelschicht interessierte man sich nicht für Politik. Dann kam plötzlich die Welle der Beat-Musik, später dann FlowerPower. Allein schon die noch unpolitische Veränderung der Haartracht und der Kleidung rief massive Konflikte hervor. Das Unvermögen der Erwachsenen damit umzugehen erzeugte eine latente Konfliktbereitschaft. Das war ein Generationenkonflikt. Er brach erst aus als es eine Initialzündung gab.
Was dafür nötig ist weiß wohl Niemand, aber die Schüsse in W-Berlin waren eine solche. Blitzschnell kamen die Leute darauf zu formulieren was ihnen ,,auch sonst” gestunken hat. In dem Moment tauchten Ältere auf (die in den 50ern von alten Nazis, u.a. im Verfassungsschutz, kujoniert/gedeckelt worden waren). Die Humanistische Union und ähnliche Organisationen, VVN etwa, waren die ,,Körper”, in denen die so lange überlebt hatten. Aber der Kern war schon ein Generationenkonflikt.
Die panische Hilflosigkeit der konservativen verkörperte wohl Niemand so grandios wie die ,,Aktion Saubere Leinwand”, die man heute wohl kaum noch ,,rüber bringen kann”. Niemand könnte Einem abnehmen dass man ernsthaft berichtet.

Und nun zur heutigen Situation: mein Bauchgefühl sagt mir, dass wir in einer Situation wie, sagen wir, 1965/66 sind. Das Kasperletheater, auch das um den schmierigen Neoliberalen MP Wulff, nehmen die Leute nicht mehr sehr ernst. Man wittert, dass es dahinter um das Eigentliche geht. Aber wir wissen weder was das ist, Niemand weiß, wo der Initialzünder liegt, wir wissen ja noch nicht einmal wer unsere Gegner sein würden (als leibhaftige Personen, meine ich).

holger Dezember 21, 2011 um 18:13

Nanuk

das kapiert er aber nicht. Das ist noch nicht mal böse gemeint (von HAM). Unsere Zukunft wurde von denen, denen es jetzt „Gut“ geht. Vorher gelegt. Die können nix dazu. Das was ich Anklage, ist: Sie sind noch so frech, Scheixxe weiter zu betreiben. Sie sagen: Alternativlos… eine SBZ F*tze sagt Alternativlos… Huett hat nix anders zu tun, Personen hervor zu richten. Wie kleingeistig muss man da sein? Wieviel Hirn steckt denn in solchen Hirnen? 2 gramm oder wieviel?

Ich scheixxe auf Wuff. Mir ist es egal, ob die vollgefurtze Schiesser Feinripp Eingriff Unterhose den Präsi spielt. Huett kann ja meinetwegen rumsäuseln bis der Sabber Gelb ist, und seine Finger an Gicht verrecken. Er wird Alt und wir werden auch Alt und sind auf unsere Kinder angewiesen. Sein dämliches Gesäusel kann er sich sonst wohin stecken. Und ich werde meinen Kindern sagen und beibringen, trefft ihr sowas wie Huett, lasst ihn lunatisch verrecken. Der hat es nicht anders verdient.

Und das waren meine letzten Buchstaben hier. Diesen Rotz von einem eingebildeten Arsch tue ich mir nicht mehr an. Soll er bleiben wo er möchte.

HAM Dezember 21, 2011 um 18:16

@Horst Schmidt Dezember 21, 2011 um 17:30
“Absolut” richtig. Aber dafür haben sich diese – nicht alle – nachhaltig gerächt. Niemals haben sie es dem deutschen Arbeiter, Arbeitnehmer verziehen, dass er ihren Spinnereien nicht mit Hurrah-Geschrei folgte, sondern am Liebsten wie Börner (Hessen) diese “Idioten” mit der Dachlatte bearbeiten wollte.

Ein großer Teil der 68-er-Bewegung stand durch die Berufsverbote unter Exklusionsdrohung, es gab Bespitzelung und Repression.

Da entwickelte sich in dieser Generation so eine Art kollektives Stockholm-Syndrom, als Identifikation mit dem vormaligen Feind, daraus wurden dann die 68-er-Konvertiten.
Die wurden dann zu Liebhabern von Marktwirtschaft, Zivilgesellschaft etc., aus Sozialisten und Kommunisten wurden Sozialdarwinisten.

“Rot/Grün” hat diese “Rache” unter dem Deckmäntelchen “Reformen” perfekt ausgeübt, vollstreckt.

Klar, nach dem Motto: „Ihr wollt den Kapitalismus? Dann bekommt ihr ihn, aber richtig!“

Die „Realos“ waren völlig demoralisiert und zynisch geworden.

Es zeigte sich auch, das nicht wenige der Neonazis der 90-er Jahre aus Ex-68-er- und Grünen-Elternhäuser kamen.

Kein Wunder bei derart identitätsgestörten Eltern.

wowy Dezember 21, 2011 um 18:19

@all
Ich wäre für Hilfe dankbar, wenn mir jemand dieses ominöse “Um das Bankensystem des Euroraums zu stabilisieren…” erläutern könnte.
Kann es sein, dass die Banken von dem Geld Staatsanleihen kaufen, die ihnen die EZB dann wieder abkauft, Sekundärmarkt und so…, und die Banken dabei erneut einen schönen Reibach machen?
http://www.faz.net/aktuell/finanzen/anleihen-zinsen/geldpolitik-ezb-leiht-den-banken-489-milliarden-euro-fuer-drei-jahre-11574639.html
Welcher Normalbürger zahlt eigentlich 1% Zinsen auf einen Kredit mit dreijähriger Laufzeit?

Nanuk Dezember 21, 2011 um 18:23

“Mit Sorge blickt der Paritätische Wohlfahrtsverband auf das Ruhrgebiet. In seinem Armutsbericht nennt er das Revier “die Problemzone Nummer eins” und schließt soziale Unruhen nicht aus: “Wenn dieser Kessel mit fünf Millionen Menschen einmal zu kochen anfängt, dürfte es schwer fallen, ihn wieder abzukühlen.”

Da gebe ich denen mal recht hier wohnt ein anderer Menschenschlag als in Stuttgart oder Berlin…

http://www.sueddeutsche.de/politik/armutsbericht-das-ruhrgebiet-ist-deutschlands-neues-armenhaus-1.1241353

HAM Dezember 21, 2011 um 18:26

@holger Dezember 21, 2011 um 18:13
das kapiert er aber nicht

Doch, Holger. Ich habe mein ganzes Erwachsenenleben gegen die Entsolidarisierungsprozesse gekämpft, gegen neoliberale Politik, gegen die Agenda 2010.

Den Studierenden habe ich erläutert, dass Arbeitslosigkeit künstlich geschaffen wird, weil sie eine Profitmaschine ist, dass die „Agenda 2010“ ein Volksverarmungsprogramm ist. Dass Lohnarbeit dumm und krank macht. Usf.

Die haben mich ungläubig angeschaut. Und lieber geglaubt, dass die „Agenda 2010“ Arbeitsplätze, Wirtschaftswachstum und damit einen wirtschaftlichen Aufschwung schafft.

Ich könnte viele Geschichten erzählen.

h.huett Dezember 21, 2011 um 18:29

wowy

Der Beitrag Kakanische Parallelaktion hatte das grosso modo vor zwei Wochen angesprochen. Die Hoffnung besteht, dass die Banken Staatspapiere kaufen. Tyler Cowen kam auch auf die Idee zu sagen, dass sie, wenn sie nicht wollen, dazu gezuwngen werden könnten, oder die klammen Staaten gar neue potemkinsche Institute etablieren würden. Dem steht gegenüber, dass die Banken, von solchen Fällen wir kürzlich in Spanien abgesehen, keine Lust darauf haben, wegen zweifelhafter Bonität der von ihnen zu kaufenden Staatspapiere bald schon wieder ihr Eigenkapital erhöhen zu müssen und natürlich gibt es keine Bankkunden selbst bester Bonität nicht, die nur ein Prozent Zinsen zahlen, das ist ja der Grund für das Programm, dass sie aus den Erträgen der Zinsdifferenz aus kalamitäten wieder auf die Füße kommen.

Anders ausgedrückt: Die EZB etabliert mit der halben Trillion (auf drei Jahre geliehen) einen Umgehungstatbestand auf dem Weg zum Lender of Last Resort, wenn dieser Versuch scheitert, was ziemlich wahrscheinlich ist. cf Mark Schieritz im Herdentrieb.

h.huett Dezember 21, 2011 um 18:35

Wolfgang Michal
Geht doch :-) Ich kann auch verzeihen.

Selbst lunatische Exzesse machen mir (fast) nichts mehr aus. Die mediale Unschuld haben wir gewiss schon lange verloren, was nicht heißt, dass jede Agenda a priori offensichtlich wird, zumal wenn sie auch noch überlagert wird von so einfachen Sachverhalten wie einer wirtschaftlichen Konkurrenz.

Wer in dieser causa zu Lasten von wem welches Spiel treibt, ist noch lange nicht klar.

holger Dezember 21, 2011 um 18:41

HAM

nur noch mal für Dich… das Du es “gut” meinst, das weiß ich ja nun. Und das Du es auch nicht leicht hattest, denke ich auch. Und was die 68er betrifft, was soll ich da sagen? Ich habe keine Ahnung, von der Zeit. Ich sehe nur jetzt meine Kinder, evtl Enkelkinder. Und ich sehe eine Diskussion um Wuff. Der für mich das mit allergrößte Arschlcoh ist. ich sehe aber auch den Huett… der nur über…. na na na Blech eben ein störischer Esel ist. Ihr nehmt doch gar nicht die Sorgen der “jungen” Menschen wahr. Ihr blendet die jetzige Zeit aus. Warum? Weil ihr noch mit dem kleinen 1×1 nen Doktor Titel erlangen konntet? Mach das, was du gemacht hast mal jetzt!!! Da brauchst du kein Berufsverbot. Du bist Arbeitslos… Kapiert ihr eigentlich nicht, was ihr mit euch selber macht? Ist das so schwer zu verstehen? Fördert und fordert die Jugend. Dann putzen sie auch euren Arsch ab. Bloß Huett seinen nicht. Der darf seinen eigenen Urin trinken. Und das ist gut so.

Wilma Dezember 21, 2011 um 18:47

@ holger
Dafür braucht die Krankenschwester jetzt lt. EU das Abitur.

h.huett Dezember 21, 2011 um 18:57

holger
Was ist los?

holger Dezember 21, 2011 um 19:06

Was los ist?

alles das, was nicht fest ist! Ich hab keinen Bock mehr. Ich bin Pragmatiker. Ich brauch euch nicht! Wenn ich hin bin, bin ich hin. Ich streike per Tod.

Nanuk Dezember 21, 2011 um 19:11

Der Holger der denkt an seine Kinder das macht der…

h.huett Dezember 21, 2011 um 19:26

Nanuk & holger

Das ist aber kein Grund, die die ihm bestätigen, was er selbst weiß, in die Hölle zu wünschen. Oder doch? Warum?

matt_us Dezember 21, 2011 um 19:32

@H. Huett
“Die mediale Unschuld haben wir gewiss schon lange verloren, was nicht heißt, dass jede Agenda a priori offensichtlich wird, …”

Bist Du blind – liest du keine Presse, wa genau ist nicht offensichtlich? Die wollen den Wulff weghaben! Was ist da nicht offensichtlich????

Nur noch mal zur Nachhilfe, 70% der Deutschen finden der Wulff soll nicht gehen, egal was mit ihm oder seiner Frau ist oder war. Und machen die (Er)Presse(r)organe, wo Du auch Deine Broetchen verdienst, zum Teil!

Sie verschaerfen die Artikel, die haben nix neues mehr seit Tagen, aber sie schreiben den alten Senf noch 3 Mal aufgewaermt, brauchen dafuer 2 Presseagenturen und 3 Redakteure!

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,805127,00.html

Habt Ihr sie noch alle beieinander – ihr Vertreter der “freien” Presse???

Ihr wollt die Wuerde des Bundespraesidenten retten, indem ihr ihn mit “Salamitaktiker” beschimpft der “seine Hosen runterlassen soll” – ihr seid total ausgeklinkt!

Thor Dezember 21, 2011 um 19:52

@Holger
Das gefährlichste Buch in Ecos Film, der Name der Rose, war von Aristoteles über die Komödie.
Unsere “Eliten” sollte man einfach nicht mehr ernst nehmen. In dem Sinne
http://www.youtube.com/watch?v=Sgn0dWnfFx4

Gruß

Reinhard Dezember 21, 2011 um 20:03

“Ihr wollt die Wuerde des Bundespraesidenten retten, indem ihr ihn mit “Salamitaktiker” beschimpft der “seine Hosen runterlassen soll” – ihr seid total ausgeklinkt!”

All die vielen Wulff-Threads und matt_us kapiert immer noch nicht, dass die Würde des AMTES gerettet werden soll und nicht die Würde von Wulff. Letzteres kann er nach all dem Gestocher und all den Teilzugaben und all dem “Ach stimmt, es war doch so und nicht so, wie ich es letzte Woche gesagt habe” nur selbst tun.

matt_us Dezember 21, 2011 um 20:04

@ H. Huett

Und nochwas:

Was ihr dabei alles nicht berichtet, ist dass zum Beispiel im Teilen der Republik 25% von Arbeitslosengeld leben, das ist unsere Republik, nicht Spanien oder Griechenland!

4 oder 5% Hartz Empfaenger in BW oder Bayern, 15% bis ueber 20% im Osten. Na, dann ist alles prima! Ist ja alles gerecht verteilt dann!

Das ist ja wohl das allereinfachste das mal auszugleichen, wenn man das mal versucht hat, die Leute in Brot und Arbeit zu bringen, dann kann man auch mal versuchen dass in Griechenland oder SPanien.

Da muss aber vor allem einer mal arbeitslos werden – die dumme Merkel! Die hat bis jetzt sich ueberall eingeschleimt, mit ihren dummen Spruechen, vom Moskauer Unis, FDJ Funktionaeren, CDU Parteivorsitzenden, EU Kommissionen.

LEistung muss sich wieder lohnen, das heisst im Umkehrschluss, Versagen muss Konsequenzen haben. Also weg mit Leuten it Luft zwischen den Ohren, Weg mit dem ganzen Gekluengel was sie uns in Bundesbank und EZB gesetzt hat, die asozialen Schaueble, Weidmann, Asmussen – weg mit den VERSAGERN!

Die Merkel hat ueberhaupt nichts geschnallt bis jetzt, und die ist nur noch im Amt weil die Presse einen “Privatkredit” skandaloes findet , aber offensichtliche Luft zwischen den Ohren nur beklatscht. Und alle gucken zu wie wir hier immer weiter von unten nach oben verteilt wird, alleine 500 Mrd letzte Woche, weil wir uns alle ueber einen “Privatkredit” aufgeregt haben, aber “Staatskredite” an Versagerbanken, die Millionen Gehaelter fuer Bankster und Boni sicherstellen, das ist erlaubt.

Weil die EZB das so will, hat einer ein Kreuzzchen bei EZB gemacht letztes Mal bei der Wahl? Das muss aufhoeren, so ein Stuss.

Dann gibt es einen Lastenausgleich, bis alle im Osten auch mal Arbeit haben, haben die naemlich schon seit 20 Jahren nicht mehr. Die Jungen sind alle abgehauen in den Westen – solch ein Mist wird alles fuer gut befunden, in unserer Bananenrepublik.

Es sagt ja schon der Staatsrechtler von Arnim: Bestimmungen die gegen Korruption in allen Laendern gelten, gelten in unserem Land nicht, dann wird das schon stimmen!

BANANENRPUBLIK – MIT EINER BANANEN PRESSE – UND EINE BANANENKANZLERIN!

Und seit dem letzten Dutszend Beitraegen auch mit einem BANANENBLOG!

Wilma Dezember 21, 2011 um 20:10

Ich sehe das Ganze als Warnschuss an die politische Elite: Wir lassen Euch das nicht mehr durchgehen. Wir schauen genauer hin und vergessen auch nicht mehr so schnell.
Allein wenn das erreicht wird, sehe ich das positiv.
Wolfgang Michal hat einige Beispiele aufgeführt.
Herr Biedenkopf hätte heute keine ruhige Nacht vor Weihnachten, wenn die Presse damals auch so gut recherchiert hätte.
Dagegen sind die Verfehlungen Wulffs pille palle.
Allen da oben soll bewusst gemacht werden, wir lassen das nicht durchgehen. So als Weihnachtswunsch von mir.

matt_us Dezember 21, 2011 um 20:11

@Reinhard

70% der Deutschen scheinen der Meinung zu sein, die Wuerde des Wulff passt genau zur Wuerde des AMTS!

Wie waere es mal, hier sich in der Frage der Mehrheit zu beugen, und zu sagen, es gibt Wichtigeres, packen wir es an?

carlos manoso Dezember 21, 2011 um 20:17

@ matt_us Dezember 21, 2011 um 19:32
„Ihr wollt die Wuerde des Bundespraesidenten retten, indem ihr ihn mit “Salamitaktiker” beschimpft der “seine Hosen runterlassen soll” – ihr seid total ausgeklinkt!“

Matt_us, auch „Journalisten“ sind nur Menschen, Springers Welt ist auch die Anomie Somalias.

Die aktuelle Notaktion der EZB macht doch Jedem schlagartig klar, dass die Banken so süchtig nach der Droge ist, dass der Dealer ihnen alles für 1% geben muß. Der absehbare Entzug wird um so schlimmer werden und dass so was wie die „Lösung der Schuldenkrise“ schon längst nicht mehr reicht, spürt inzwischen längst. jeder Der Wille der Menschen zur „Zerstörung der Staatsschulden-Zeitbombe“ wird sich noch bis zum wahren Wahnsinn anschwellen.

Tröste dich, wenn bald Staaten von der Größe Großbritanniens crashen, ist die Kernschmelze da.

Reinhard Dezember 21, 2011 um 20:19

Die Mehrheit der Deutschen war auch dafür Guttenberg im Amt zu belassen …

Aber abgesehen von Argumenten der Güteklasse “Fresst Scheisse, Milliarden Fliegen können nicht irren!”, ich verstehe Dein bockiges Luftanhalten und Herumtoben nicht. Ja, NATÜRLICH gibt es wichtigere Dinge als die Sache mit Wuffi. Aber soll man ihn deswegen einfach weiterwurschteln lassen, nur weil es Wichtigeres gibt? Warum schliesst das eine automatisch das andere aus? Wieso kommst Du auf den schmalen Pfad man könne sich nicht mehr um wichtigere Dinge kümmern, wenn man Wuffi zum Rücktritt auffordert?

Ernsthaft jetzt, trete doch einfach mal kurz beiseite, vom Schlauch runter, atme tief durch, halte Dich ein paar Tage von diesem Blog fern, feiere Weihnachten. Es ist faszinierend, wie Du Dich mit einem derartigen Feuereifer in ein Problem verrennst, das ja gar nicht besteht :)

Keynesianer Dezember 21, 2011 um 20:20

@h.huett

“Das ist aber kein Grund, die die ihm bestätigen, was er selbst weiß, in die Hölle zu wünschen. Oder doch? Warum?”

Es nervt vermutlich nicht nur mich gewaltig, dass hier im Blog nur noch Käse thematisiert wird, während alle wirklich wichtigen Themen bewusst übergangen werden. Das ist natürlich der Job der Blogbetreiber, den sie andernfalls verlieren. Das war ja schon immer so, aber in den letzten Tagen ist es kaum noch auszuhalten. Vor allem wie dreist das jetzt präsentiert wird.

Früher konnte man noch so tun, als würde man es nicht bemerkt, dass man veralbert wird, seit einigen Tagen geht das nicht mehr. Fast das gesamte Kommentariat möchte endlich wieder über wichtige Themen diskutieren und dann kommt der nächste Artikel über den Wulff.

Nanuk Dezember 21, 2011 um 20:20

@hütt
Wegen dämlicher Fragen…

A. G. Dezember 21, 2011 um 20:23
f.luebberding f.luebberding Dezember 21, 2011 um 20:26

Keynesianer

“Das ist natürlich der Job der Blogbetreiber, den sie andernfalls verlieren.”

Genau. Das hatte ich schon einmal gelöst, das Rätsel: der japanische Geheimdienst.

“Fast das gesamte Kommentariat möchte endlich wieder über wichtige Themen diskutieren und dann kommt der nächste Artikel über den Wulff.”

Schreibe es auf Deinen Wunschzettel und schicke es an den Weihnachtsmann. Der ist nämlich Japaner … .

Reinhard Dezember 21, 2011 um 20:30

@Keynesianer:
In einem Blog hat das Kommentariat nur das Recht zu kommentieren oder zu gehen. Über den Inhalt bestimmen die Blogbetreiber. Und wem der Inhalt nicht passt, der geht einfach woanders hin. Und wenn dann eines Tages keiner mehr vorbei schaut, dann ist das eben so.

Es ist nur ein Blog!

egal Dezember 21, 2011 um 20:32

Cobb: I came here to tell you… something.
[pause]
Cobb: Something that… you once knew to be true.
Saito: [remembering] Impossible…
(Inception)

Ich unterhielt mich vor Kurzem mal mit einem berliner Polizisten beim Objektschutz. Er sagte, man solle die Banken anzünden.
Heute gab es mal wieder einen Politikerkonvoi mit Blaulicht. Die Audis und BMWs sind zur Seite gefahren. Der Rest erstmal nicht.
Ich bin knapp unter dreißig. In meinem Bekanntenkreis fährt kaum jemand mit dem gelaesten Auto zur Arbeit. Weil kaum jemand feste Arbeit hat. Nicht mal Ärzte und Ingenieure. Die politischen Ursachen und Sündenböcke in meinem Bekanntenkreis sind umstritten. Eins eint alle: Hass.

Die Psychiaterin Elisabeth Kübler-Ross interviewte mehr als 200 Sterbende. Ihr fiel auf, dass die Nachricht des bevorstehenden Todes in den meisten Patienten eine Abfolge von fünf Reaktionen auslöst, den fünf Phasen des Sterbens.

Leugnen
Zorn
Verhandeln
Depression
Akzeptanz

Wikipedia: Sie bezog diese Phasen ursprünglich auf jede Art von persönlichem Verlust (z.B. Arbeitsplatz oder auch Freiheit). … Es handelt sich um unbewusste Strategien zur Bewältigung extrem schwieriger Situationen, welche nebeneinander vorhanden sein und verschieden lang andauern können. Es gibt auch keine festgelegte Reihenfolge und keinen Ausschluss der Wiederholung einzelner Phasen nach deren erstmaliger Bewältigung. Es können auch einzelne Phasen ganz ausbleiben.

Die Legitimität der politischen Ordnung der Bundesrepublik ist tot. Sie hat Huett und Luebberding viel bedeutet. Das Kommentariat hat die Todesnachricht vor einer Woche überbracht. Sie sind jetzt in Phase 1. Den Reaktionärsvorwurf habe ich mir gut überlegt. Ich sehe schon Übergänge zum Verhandeln. Vielleicht machen sie den Schritt. Vielleicht auch nicht. Wir haben getan, was wir konnten.

Saito: Don’t you want to take a leap of faith? Or become an old man, filled with regret, waiting to die alone!

wowy Dezember 21, 2011 um 20:34

@fl
Die Antwort bestätigt, dass holger recht hat, wenn ich mich auch den Derbheiten nicht anschließe.
Vielleicht sollten wir alle eine Pause einlegen und uns ein wenig besinnen. Ob nun in Japan oder sonstwo.
Ich schlage eine Kommentariatsabstinenz vor.

Nanuk Dezember 21, 2011 um 20:35

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2011-12/wulff-weihnachtsansprache-kredit

Die Weihnachtsansprache wird sicherlich super… mal sehen ob er was böses sagt über die Eliten in unserem Land.

Nanuk Dezember 21, 2011 um 20:36

Ich war noch nie so gespannt auf ne Weihnachtsansprache wie auf diese…

egal Dezember 21, 2011 um 20:38

@matt_us
Mehr als ein Viertel der 18 bis 64jährigen in Deutschland erhält Sozial- oder Sozialversicherungsleistungen. Link kann ich raussuchen.

gelegentlich Dezember 21, 2011 um 20:49

@Nanuk

Dann hat diese Diskussion doch, unter Schmerzen, ein überraschendes Resultat gehabt. Wer hätte das vorher ahnen können?

HAM Dezember 21, 2011 um 21:10

@matt_us Dezember 21, 2011 um 19:32
Habt Ihr sie noch alle beieinander – ihr Vertreter der “freien” Presse???
… ihr seid total ausgeklinkt!

Matt, die sind nicht „ausgeklinkt“, sondern sie argumentieren gemäss ihren Rollen. Das ist ihr Job, damit verdienen sie Geld und bestreiten ihre Existenz.

Das ein öffentlicher Blog, sie publizieren mit realem Namen, da dürfen die von ihnen vertretenen Positionen nicht ideologisch inkompatibel mit dem Job sein.

Was sollen also die endlosen Diskussionen?

Wer kann sich dies aber heutzutage leisten, seinen Job zu verlieren?

Studierende fragen doch schon vorsichtig an, ob sie eine Meinung äußern dürfen, die von der Meinung des Professors abweicht.

Das ist gesellschaftliche Realität. Und wir sollten mit dieser Realität erwachsen umgehen.

Wenn im heutigen SPIEGEL steht: „Wulff droht die unendliche Affäre“, dann wissen wir, was damit gemeint ist, nämlich dass die Presse dem Wulff androht, aus der Sache eine unendliche Affäre zu machen, wenn er nicht zurücktritt.

Solange wie die Kampagne anhält, werden von Seiten der Blogbetreiber die immergleichen Positionen vertreten werden.

Überhaupt war mein Eindruck, dass die Diskussionen vom Festhalten an parteilichen Positionen geprägt waren. Die Gesellschaft scheint ein Stadium erreicht zu haben, wo mit Argumenten keine Veränderungen mehr möglich sind.

Mich hat vor allem interessiert, was hinter der Causa Wulff steckt. Das hat sich ausreichend geklärt.

Deshalb gehe ich offline und wünsche allen ein Frohes Fest!

Nanuk Dezember 21, 2011 um 21:17

http://www.freitag.de/community/blogs/aredlin/die-kaeufliche-republik

Hier ist nochmal haar klein ausgeführt wie Korruption in Deutschland funktioniert und das ist nicht mehr Kölscher Klüngel… den man weg zwinkern kann.

gelegentlich Dezember 21, 2011 um 21:20

@HAM
,,Studierende fragen doch schon vorsichtig an, ob sie eine Meinung äußern dürfen, die von der Meinung des Professors abweicht.
Das ist gesellschaftliche Realität.”
Ich hatte mir mal in den 80ern den Spaß gemacht in ein interessantes Seminar an der Uni zu gehen, in meiner Freizeit. Was da geschleimt wurde habe ich in meiner ganzen Schülerzeit nie zusammen erlebt. Wortmeldungen, ohne Inhalt, nur um dem Professor zu zeigen, dass man sein Lieblingsbuch gelesen hat.
Hinterher beklagte sich der Professor, in der 68er-Zeit im ,,Bund Freiheit der Wissenschaft”, dass er sich nach dieser Zeit zurück sehne: da wurde im Seminar diskutiert, und wie…!
Es stimmt einfach nicht, dass Druck Anpassung erzeugt – und umgekehrt Umgekehrtes geschieht. Empirisch falsch.

,,Mich hat vor allem interessiert, was hinter der Causa Wulff steckt. Das hat sich ausreichend geklärt.”

Da bin ich jetzt fassungslos, oder einfach nur doof. Für mich hat sich gar nichts geklärt. Ich weiß immer noch nicht warum einige Medien in diesem Fall, so scheint es mir, eine Kampagne fahren.

Nanuk Dezember 21, 2011 um 21:27
Horst Schmidt Dezember 21, 2011 um 21:39

@ nanuk 21.17

Schau mal:
Horst Schmidt Dezember 21, 2011 um 10:22
Übrigens ein sehr lesenswerter Beitrag von Jacob Jung.

http://jacobjung.wordpress.com/2011/12/21/die-kaufliche-republik/

Und der Verriss von h.huett

Hans Huett Dezember 21, 2011 um 10:34
Horst Schmidt

Der Beitrag Jungs ist eine magische Mengenlehreoperation, eine Permutation, die unter Missachtung des auslösenden Themas unter Insinuation einer hidden agenda der Gegenseite die Legitimität öffentlicher Kritik unter Verdacht stellt und damit die bloße Idee der Kritik bereits ohne jeden Beweis delegitimiert.

Das heißt anderswo counterinsurgency und kann sogar als Beruf studiert werden. Ich habe vor zwei Wochen auf das Small Wars Journal verwiesen.”

Nun gut, man kann und will ja nicht alles lesen. :-)

Nanuk Dezember 21, 2011 um 21:44

Ja so sind se halt die Preussen…

“Nach 1815 gehörte Köln zu Preußen, womit die Kölnische Stadtverwaltung unter preußische Aufsicht kam, was manchen Auswüchsen des Klüngels Einhalt gebot. So galt beispielsweise die Regel, dass niemals Vater und Sohn gleichzeitig ein Amt im Rat bekleiden durften. Politische Würdenträger sollten wohlhabend und damit unempfindlich für illegitime Geldeinnahmen im Amt sein.”

Nanuk Dezember 21, 2011 um 21:49
holger Dezember 21, 2011 um 21:51

Fuck your self and fuck for money Huett

http://www.youtube.com/watch?v=jAg49MmfnMU

gelegentlich Dezember 21, 2011 um 21:52

@Nanuk
Dazu paßt ein Name, der für eine sehr in sich widersprüchliche Vita steht:
http://de.wikipedia.org/wiki/Erwin_Scheuch
Wirklich ein Typ, der zu Widerspruch fähig war. Man verfolge nur mal seine Wendung am Ende seines Lebens: vom strammen CDUler zum scharfen Korruptionskritiker. Ein Mensch, den man auch als Gegner respektierte. Für die Figur Wulff hätte er vermutlich eher Verachtung übrig gehabt.
Dennoch: ich habe nicht das Gefühl dass wir zur Zeit wissen was da wirklich los ist. Nur in einer Sache bin ich mir sicher: was ich auf der Oberfläche sehe kann es nicht sein…aber was in der Nase zu haben bedeutet noch nicht den Kadaver lokalisiert zu haben.

HAM Dezember 21, 2011 um 22:00

@gelegentlich Dezember 21, 2011 um 21:20
Was da geschleimt wurde habe ich in meiner ganzen Schülerzeit nie zusammen erlebt. Wortmeldungen, ohne Inhalt, nur um dem Professor zu zeigen, dass man sein Lieblingsbuch gelesen hat.
Hinterher beklagte sich der Professor, in der 68er-Zeit im ,,Bund Freiheit der Wissenschaft”, dass er sich nach dieser Zeit zurück sehne: da wurde im Seminar diskutiert, und wie…!
Es stimmt einfach nicht, dass Druck Anpassung erzeugt – und umgekehrt Umgekehrtes geschieht. Empirisch falsch.

Das Studierverhalten hat sich verändert. Ziel ist, mit möglichst geringem Aufwand eine möglichst gute Note zu erhalten. Inhalte sind interessieren nur dann, wenn diese von Seiten der Studierenden für beruflich relevant gehalten werden oder für die aus irgendwelchen Gründen ein persönliches Interesse besteht.

Es ist die Herangehensweise von Lohnarbeitern.

Der „Druck“ kommt vom Arbeitsmarkt.

Nachruf Dezember 21, 2011 um 22:02

Was hätte Vaclav Havel zu einem Staatsakt mit dem Gast Wulffi gesagt bzw. wie reagiert?
Wahrheit und Liebe statt lieber die Lüge.
Wie?

gelegentlich Dezember 21, 2011 um 22:11

@HAM:

,,Der „Druck“ kommt vom Arbeitsmarkt.”

Mit dem Zusatz: was die subjektiv für die vermeintlichen Anforderungen des Arbeitsmarktes halten. Ich bin wirklich nicht sicher ob das in der Mehrzahl der Fälle wirklich so ist, glaube aber beobachtet zu haben, dass eingebildete internalisierte Zwänge wirksamer sind als reale.

@Michal
Dass Blogs im Sinne einer positiven Rückkoppelung Hysterie anfachen statt diese zu regulieren: dafür scheinen mir die Reaktionen der Blog-Welt im Fall Wulff gerade nicht zu sprechen. Sie beschleunigen höchstens das Tempo der Kommunikation, seitdem auch Medien Inhalte von Blogs sehr schnell aufnehmen.
Und nochmal zum FAZ-Bild: wenn ich das als Aufforderung interpretiere zeigt das nur, wie ich die FAZ einordne. Man kann das genausogut anders herum auffassen.

Nachruf Dezember 21, 2011 um 22:21

Heute war Bescheerung mit den 489 Milliarden € für die ZombieZockerCompanies ZZC.
Wie retten wir die wirklich wahre Wirtschaft wwW vor den Cashsaugern?
Wie wird 2012 die Systemrevolution Steuerzahlersparsam realisiert?
Wird ein heisses Thema hier sein ;-)
@ matt_us : city of london : heart of evil or hope ?
@ Holger : yes : enjoy the silence : live in paris
@ nanuk : gekotzt wird später ;-)

holger Dezember 21, 2011 um 22:23

Und Huett

wir werden euch den Arsch aufreißen, so ist er noch nie nicht aufgerissen worden.

„Enjoy the Silence“

Dave und ich haben was gemeinsam… Wir waren Tod… Und du Arschkrampe nicht. Keine Ahnung hast du. Was es heißt, TOD zu sein… Penner…

Words are trivial meaningless… Komm du kleiner sterblicher… komm!!! Lusche… Was willst du?

matt_us Dezember 21, 2011 um 22:39

@REinhard
“Die Mehrheit der Deutschen war auch dafür Guttenberg im Amt zu belassen … ”

Weiss ich nicht, glaub ich nicht, am Ende waren alle dagegen, weil immer mehr herauskam, wieviel er abgekupfert hatte, und alle verstanden haben, das es nicht ein Kavaliersdelikt war, auch die, die nicht wissen,wie Wissenschaftliche Arbeiten aussehen.

Hier kann ich mir nicht vorstellen, dass noch was anderes herauskommt.

Das Problem hier ist auch,

(1) die BILD hat die Kampagne angefangen, da bin ich jetzt mal aus Prinzip dagegen, denn meistens liegt man dann am Ende richtig! Denn die BILD war ja fuer den Guttenberg.

(2) Das Problem hier ist einfacher zu verstehen, jeder kann sich potenziell in die Lage von Wulff versetzen denn jeder war schon mal geschieden, oder kennt einen der geschieden ist, man weiss, dann ist man ziemlich klamm, und jeder war auch schon mal bei jemand anderem im Urlaub (und wenn es nur bei der Oma war!)

(3) Wulff hat gleich einen Fehler eingeraeumt (was die Presse immer wieder uebersieht) und es bedauert, dass was er gemacht hat.

(4) Die Liste der Verstoesse wurde immer laenger bei Guttenberg, man fand immer mehr Plagiate. Bei Wulff hat sich das jetzt alles gelegt, die Ansspielungen gegenueber seiner Frau sind nicht nur Quatsch, sondern auch auesserst link.

Die Unterschiede sind doch offensichtlich. Deshalb ist Guttenberg schuldig, und Wulff unschuldig, bis ihm ein Gericht das Gegenteil behauptet.

So scheint das Rechtsverstaendnis von 70% der Deutschen zu sein, und das ist auch gut so.

Hier jetzt dem ungewaschenen Proletariat die demokratische Entscheidung abzusprechen, halte ich fuer auesserst problematisch. Wer sind hier die Moralwaechter, dass sie glauben koennen, sie wuessten besser wie der Bundespraeisidentenamt auszusehen hat, als 70% der Deutschen, die denken dass er das gut genug macht?

Andreas Kreuz Dezember 21, 2011 um 22:48

@matt_us

“…dass sie glauben koennen, sie wuessten besser wie der Bundespraeisidentenamt auszusehen hat, als 70% der Deutschen, die denken dass er das gut genug macht?”

Da solltest Du noch einmal drüber nachdenken.

Wenn sich 95% mit einem Virus infiziert haben,
sind auch nicht die 5% ohne den Virus die Kranken… ;-)

HAM Dezember 21, 2011 um 22:55

@gelegentlich Dezember 21, 2011 um 22:11
Mit dem Zusatz: was die subjektiv für die vermeintlichen Anforderungen des Arbeitsmarktes halten. Ich bin wirklich nicht sicher ob das in der Mehrzahl der Fälle wirklich so ist, glaube aber beobachtet zu haben, dass eingebildete internalisierte Zwänge wirksamer sind als reale.

Da niemand genau antizipieren kann, was ihn tatsächlich erwartet, sind nur subjektive Einschätzungen möglich.

Wenn von 100 Bewerbern 90 Bewerber einen Job bekommen, dann müssten objektiv nur 10% Angst haben, aber wahrscheinlich haben 90% Angst und nur 10% nicht.

80% werden unnötig gestresst. Daher auch der große Anteil stressbedingter Krankheiten unter solchen Bedingungen.

Andreas Kreuz Dezember 21, 2011 um 22:57

@HAM

Vermutlich bekommen 600 von 100 Bewerbern einen Job.
Und was für einen….

Oder war’s doch umgekehrt?

matt_us Dezember 21, 2011 um 23:05

@Andreas Kreuz

Hier wird irgendwie das Bundespraesidentenamt in den Himmel gelobt, dass hier fuer Deutsche Moral, Anstand, Integritaet, und Wuerde bedeuten soll.

Das ist totaler Quatsch. Sag mir mal bitte einer was ein Bundespraesident gut gemacht hat, weiss einer auswendig was ein BP Schlaues gesagt hat, was die Bundesrepublik wirklich veraendert hat? Wo die Moral besser war, nach einer Rede, wo er die deutsche Geschichte nachhaltig veraendert hat?

Ich weiss nichts, absolut gar nichts, wo ich jetzt denke, wenn der Bundespraesident nicht gewesen waere, waere irgendwas anders gewesen. Selbst als der Koehler gesagt hat, wir machen Krieg um unsere wirtschaftlichen Interessen zu vertreten, hat das nichts geaendert!

Der Holger hat Recht, das Amt ist ueberfluessig (ausser dass man ab und zu einen braucht um Orden zu verteilen!)

Was regen wir uns hier auf? Wenn wir moralische Fuehrung wollen, gehen wir in die Kirche, oder in die Moschee, oder lesen ein Philosophie Buch, oder gucken, dass wir unseren Kindern die Moral beibringen, die wir fuer wichtig und richtig halten. Ich sag nicht zu meinen Kindern, guckt mal was der Bundespraesident macht, macht es mal genau so.

Reinhard Dezember 21, 2011 um 23:07

@matt: Du drehst die Dinge immer so hin, wie Du es haben möchtest. Du überlegst nicht, was Du sagst, Du rabarberst vor Dich hin. Warum auch immer. Wenn 70% der Deutschen die Euro-Politik von Merkel gut finden würde, würdest Du dann auch sagen: “Lass die Merkel mal machen, die Mehrheit der Deutschen steht hinter ihr!”?

Als Guttenberg zurücktrat war eine Mehrheit der Bürger immer noch dafür, dass er bleibt. Damit (und mit dieser ominösen Facebook-Gruppe) sind noch wochenlang CSU’ler durch Talkshows getingelt und haben für ihren Karl-Theodor geworben. Zudem … dass Wuffi die Unwahrheit gesagt hat, wurde längst bewiesen. Die Liste seiner Fehler und Halbwahrheiten wird immer länger und er gibt immer nur das zu, was er gerade muss. Wie bei Guttenberg. Matt, Du hörst Dich an wie ein Guttenberg-Fanboy. Die selben Relativierungen, die gleichen Ausreden (Hach, ist doch nicht so schlimm, weil DA, schau DA, da ist es NOCH schlimmer!) usw. usf.

Aber gut, es sei Dir Deine Meinung gerne gegönnt. Ich muss Dich ja nicht ums Verrecken von der meinigen überzeugen :)

HAM Dezember 21, 2011 um 23:07

@Andreas Kreuz Dezember 21, 2011 um 22:57

Ich wollte nur an einem Modell aufzeigen, was für einen teuflischen Stress solche Bedingungen machen.

Die psychosozialen Folgeschäden von Arbeitslosigkeit werden regelmäßig ignoriert.

Andreas Kreuz Dezember 21, 2011 um 23:25

@HAM

Ich weiß Bescheid.
Ich war Hartz-IV-Empfänger der ersten Stunde. ;-)

matt_us Dezember 21, 2011 um 23:29

@ Reinhard
“Zudem … dass Wuffi die Unwahrheit gesagt hat, wurde längst bewiesen. ”

Bewiesen? Vor welchem Gericht? Gesetzlich wird man ihm nichts vorwerfen koennen, er wuerde ueberall freigesprochen, ein Staatsanwalt wuerde vielleicht noch nicht mal die Ermittlungen aufnehmen, ein moralisches Gericht gibt es nicht.

So seh ich das, aber ich kann da falsch liegen.

Kalle Del'Haye Dezember 21, 2011 um 23:33

hannelore kraft sass heute abend bei gladbach gegen schalke im stadion. kann mal einer prüfen, ob frau kraft eintritt bezahlt hat?
ich befürchte sie hat sich einladen lassen. vermutlich von “freunden”.
HERR LÜBBERDING ÜBERNEHMEN SIE!

HAM Dezember 21, 2011 um 23:34

@matt_us

Was regt Dich eigentlich an der Geschichte so auf, dass Du nicht loslassen kannst?

matt_us Dezember 21, 2011 um 23:50

@Carlos Manoso
“Matt_us, auch „Journalisten“ sind nur Menschen, Springers Welt ist auch die Anomie Somalias.”

Springers Welt ist auf einmal die Welt von ZEIT, SZ, Spiegel. Was ist los? Wie es Wolfgang Michal gesagt hat, die werden brutaler als die Blogs, die wollen mal ausprobieren ob sie das koennen.

Anomie – das musste ich erst mal nachgucken – aber genau so ist es, es fehlen Normen, Werte, Ordnung.

Die Bananenrepublik ist wie Somalia. Es scheint so als gaebe es einen Aeltestenrat – aber der ist nicht zustaendig. Es scheint so als koennte man einen Untersuchungsausschuss eroeffnen, aber keiner will es, und vor Weihnachten und vor Neujahr soundso nicht. Es scheint als gaebe es ein Parteiengesetz, aber das kann man leicht umgehen, und es oeffnet natuerlich die Tor zum Missbrauch wenn die eine Seite CDU/CSU/FDP 39 grosse Spenden bekommt, und die SPD/Gruenen 5 grosse Spenden. Es scheint als gaebe es Bestimmungen zu Nebeneinkuenften, aber keiner weiss wer wo was verdient, nebenbei, als Parlamentarier.

Es scheint so als gaebe es Oekonomen, die wissen was sie tun. Aber die haben sich auf neo-liberalen Senf spezialisiert, dass sie jetzt gar nicht wissen, was man tun kann, in deer Eurokrise

Die einzigen, wo immer noch Ornung und Normen herrschen, das ist bei der EZB, die mal kurz wenn wir uns hier ueber 5 Groschen aufregen, 500 Mrd an Banken ueberweist, damit die dann auch puenktlich ihre Neujahrsboni zahlen koennen!

Bunga Bunga Land ist da relativ harmlos gegen, und Somalia auch, Das gaebe es da nicht!

H.K.Hammersen Dezember 21, 2011 um 23:51

@matt_us
Dann erzähl den 70% mal was von ZB-Tendern, CDS, etc. und dass das alles Ausbeuterwerkzeuge sind. Die werden Dich ansehen, als seist Du ein Ausserirdischer und glauben, Du hättest nicht mehr alle Tassen im Schrank.

Nachruf Dezember 22, 2011 um 00:12

@ Hammer

Du weisst garnicht wie gut die Erzählungen der Ausserirdischen ankommen.
Mindestlohn gegen QE – 5 ct zu 500 Mrd versteht jeder.

matt_us Dezember 22, 2011 um 00:30

@H.K. Hammerson

Ok, mein Punkt mit Wulff: Immobilienkredit und Luxusurlaub kann jeder nachvollziehen, auch wenn er sich selber das nicht leisten kann.

Aber CDS und Zentralbankfinanzierung auch. Riesenwetten, dass ein Land Pleite geht. Geld fuer lau, oder 1%, wer versteht das nicht?

Es kommt darauf an wie man das erklaert, wie man die Geschichtchen erzaehlt. Wie man eine Loesung anbietet. Vermoegensteuer, die den typischen Bildleser ueberhaupt gar nicht betrifft waere natuerlich sehr leicht zu verkaufen, genauso wie Gratisurlaub in der Peripherie zum Leistungsbilanzausgleich.

Leistungsbilanzausgleich wuerde keiner verstehen, Gratisurlaub schon!

Ausserdem soll man sich hier nicht fuerchten. Man erklaert es so gut es geht, bis es wirklich jeder kapiert hat.

Aber das geht mit unserer Luegenpresse ueberhaupt nicht.

Man sollte nicht machen, was die in Ungarn machen und Pressefreiheit abschaffen. Aber die Presse sollte mal unbezahlten Platz anbieten, vielleicht, 2 Seiten jeden Tag, wo die Regierung dann auch mal ihre Propaganda anbietet, sollte sie mal von der neo-liberalem Quark abweichen.

Jackle Dezember 22, 2011 um 01:54

Angeheiterte Stimmung aber auch. Kommt mir fast so vor, als wenn Bewohner dieser Nation das auf die Welt Kommen des Sohn Gottes in nächster Zeit feiern würden. Man hört der Oberhirte, der über den Dingen schwebende, würde ein paar warme Worte an die Gemeinde richten. Oh du Fröhliche! Stehet auf zum Beten!

Systemfrager Dezember 22, 2011 um 07:00

Mich hat vor allem interessiert, was hinter der Causa Wulff steckt. Das hat sich ausreichend geklärt. | @HAM

Da bin ich jetzt fassungslos, oder einfach nur doof. Für mich hat sich gar nichts geklärt. Ich weiß immer noch nicht warum einige Medien in diesem Fall, so scheint es mir, eine Kampagne fahren. | @gelegentlich

Ich habe auch keine Ahnung, warum Wulff in Ungnade fällt. Ich kann mir nur eins vorstellen:

Die deutschen Plutokraten haben sich über die SPD Gedanken gemacht und (auch) sie haben herausgefunden, dass es keine andere Parteil in der ganzen deutschen Geschichte dermaßen moralisch verdorben und käuflich ist, wie die SPD. Also die detuscehn “Eliten” wollen diesmal nicht die Diktatur einem aus dem rechten Lager schenken, sondern der SPD.

Nanuk Dezember 22, 2011 um 08:59

“Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat Bundespräsident Christian Wulff den Rücktritt nahgelegt, falls die Vorwürfe gegen ihn zutreffen. Wenn ihn als Kirchenmann solche Anschuldigungen zu recht treffen würden, «müsste ich meinen Hirtenstab abgeben, dann müsste ich resignieren», sagte Meisner am Dienstagabend im WDR Fernsehen. ”

Muss halt jeder selbst wissen mit wem er gegen das “unrecht” kämpft…
Komm wir saufen auf den Sieg der Taliban wenn der Wulf zurück tritt…
Btw so schnell fallen Kardinäle von glauben ab?
Meissner soll gleich mit zurück treten…

Systemfrager Dezember 22, 2011 um 09:14

>>> der Kölner Kardinal Joachim Meisner

Typisch Kirche – die katholische vor allem. Absolut jeder Papst in der Geschichte hätta 100x mehr Gründe zurückzutreten als Wulff.

Nanuk Dezember 22, 2011 um 09:17

@Systemfrager
Es gibt in Köln nur einen Protestanten und der ist Kardinal…

Systemfrager Dezember 22, 2011 um 09:24

@ Nanuk
Also der Kardinal ist evangelisch?
Ich habe gegoogelt und was kommt?
>>> Kardinal ist ein religiöser Titel der Römisch-katholischen Kirche und wird von deren Oberhaupt, dem Papst, verliehen. Er berechtigt den Träger zur Papstwahl und verpflichtet ihn zur besonderen Mitverantwortung an der Gesamtleitung seiner Kirche („Senat des Papstes“). Die Verleihung nennt man Kreierung, die kirchen-protokollarische Anrede eines Kardinals lautet „(Eure) Eminenz“. Es gibt Kardinäle, die in der römischen Kurie die Funktionen von „Ministern“ – wie in weltlichen Regierungen – innehaben. Diese werden Kurienkardinäle genannt, zu denen z. B. der Kardinalstaatssekretär, der Kardinalgroßpönitentiar und die Kardinalpräfekten gehören.

Nanuk Dezember 22, 2011 um 09:30

“Also der Kardinal ist evangelisch?”

Ja leider ist der zu Evangelisch das hat der aber selber noch nicht gemerkt… von daher.

Horst Schmidt Dezember 22, 2011 um 09:30

@ Nanuk

Kardinal Meisner ein Luther in der rheinischen Diaspora? Sollte aus seiner Tätigkeit in Berlin doch etwas hängen geblieben sein? :-)

matt_us Dezember 22, 2011 um 09:55

Na, was gibt es neues aus der Bananenrepublik?

Der katholische Kardinal hat auch seinen heuchlerischen Senf dazuzugeben. Aber was vor seiner Haustuer passiert merkt er nicht:

Hier mal wie es im Ruhrgebiet aussieht – mit klaren Handlungsforderungen an die Bundesregierung – Erbschaftssteuer – Reichensteuer – Vermoegensteuer!

http://www.wdr.de/mediathek/html/regional/2011/12/21/aktuelle-stunde-armut-nrw.xml

Und was schreibt der SPIEGEL:

“Beharrlich schweigt Christian Wulff in der Kreditaffäre – auch in seiner Weihnachtsansprache wird er das Thema wohl aussparen. Sehr zum Ärger der Opposition”

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,805244,00.html

Der sagt nichts in seiner Weihnachtsansprache zur Kreditaffaere.

Was fuer ein Skandal. Er zieht auch nicht seine Hose runter, wie das von der BILD gefordert wird, anscheinend, vor laufenden Kameras – na sowas! Das haette ich ihm geraten, um die Wuerde des Praesidenten herzustellen, und der Pressemeute zu zeigen, was er von ihnen haelt!

Warum sagt er uns das nicht in der Weihnachtsansprache. Es scheint wichtigeres zu geben, Und, weil er ja schon alles offengelegt hat. Man kann in seinem Kreditvertrag rumschnueffeln, man kann sehen wo er ueberall Urlaub gemacht hat, er sagt (ueber seinen Anwalt) was jeder soundso weiss, dass er mit Geerkens ueber den Kredit gesprochen hat, was er ja auch nie abgestritten hat.

Kann man das mit irgeneinem sonst in Deutschland, in einem privaten Kreditvertrag rumschnueffeln, oder eine Liste anfordern, wo Leute Privaturlaub gemacht haben? Nein? Der Bundespraesident gibt uns also 10 Mal besser Auskunft ueber seine Privatangelegenheiten als jeder Normalsterbliche?

Aber jeder regt sich weiter auf.

Wollen wir mal hoffen, dass der BP was ueber Vermoegensteuer sagt in der Ansprache, und Reiche zur Verantwortung ziehen, dann ist die Rehabilitation abgeschlossen.

matt_us Dezember 22, 2011 um 10:02

Na, was gibt es neues aus der Bananenrepublik?

Der katholische Kardinal hat auch seinen heuchlerischen Senf dazuzugeben. Aber was vor seiner Haustuer passiert merkt er nicht:

Hier mal wie es im Ruhrgebiet aussieht – mit klaren Handlungsforderungen an die Bundesregierung – Erbschaftssteuer – Reichensteuer – Vermoegensteuer!

http://www.wdr.de/mediathek/html/regional/2011/12/21/aktuelle-stunde-armut-nrw.xml

matt_us Dezember 22, 2011 um 10:03

Und was schreibt der SPIEGEL:

“Beharrlich schweigt Christian Wulff in der Kreditaffäre – auch in seiner Weihnachtsansprache wird er das Thema wohl aussparen. Sehr zum Ärger der Opposition”

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,805244,00.html

Der sagt nichts in seiner Weihnachtsansprache zur Kreditaffaere.

Was fuer ein Skandal. Er zieht auch nicht seine Hose runter, wie das von der BILD gefordert wird, anscheinend, vor laufenden Kameras – na sowas! Das haette ich ihm geraten, um die Wuerde des Praesidenten herzustellen, und der Pressemeute zu zeigen, was er von ihnen haelt!

Warum sagt er uns das nicht in der Weihnachtsansprache. Es scheint wichtigeres zu geben, Und, weil er ja schon alles offengelegt hat. Man kann in seinem Kreditvertrag rumschnueffeln, man kann sehen wo er ueberall Urlaub gemacht hat, er sagt (ueber seinen Anwalt) was jeder soundso weiss, dass er mit Geerkens ueber den Kredit gesprochen hat, was er ja auch nie abgestritten hat.

Kann man das mit irgeneinem sonst in Deutschland, in einem privaten Kreditvertrag rumschnueffeln, oder eine Liste anfordern, wo Leute Privaturlaub gemacht haben? Nein? Der Bundespraesident gibt uns also 10 Mal besser Auskunft ueber seine Privatangelegenheiten als jeder Normalsterbliche?

Aber jeder regt sich weiter auf.

Wollen wir mal hoffen, dass der BP was ueber Vermoegensteuer sagt in der Ansprache, und Reiche zur Verantwortung ziehen, dann ist die Rehabilitation abgeschlossen.

matt_us Dezember 22, 2011 um 10:12

Letzte moralisch einwandfreie Predigt eines Koelner Kardinals:

http://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Frings#Silvesterpredigt

Hans Hütt Dezember 22, 2011 um 10:14

To whom it may concern:

Am 22. Januar 2012 um 11 Uhr redet Josef Joffe im Berliner Ensemble mit Christian Wulff über das Thema:

Typisch deutsch?

Die Karten verfallen ohne weiteres eigenes Zutun.

Ich verabschiede mich für zwei Wochen und wünsche alles Gute!

Horst Schmidt Dezember 22, 2011 um 10:23

Hans Ulrich Joerges möchte nicht mit den Wölfen heulen! Weil er diesmal selbst nicht Leitwolf ist?
Egal wie, auch richtiges lässt sich aus dem Kommentar heraushören!

http://www.radioeins.de/programm/sendungen/der_schoene_morgen/kommentar/hans_ulrich_joerges.html

snozin Dezember 22, 2011 um 10:49

Allen Systemlingen ihre so erfreuliche wie sinnlose Zinsgutschrift.

Tipp: Legt an.

Keynesianer Dezember 22, 2011 um 11:25

@Horst Schmidt

Eine kleine Bitte: Bei Videos und vor allem Audios zum Thema immer einen klaren Inhaltshinweis bringen. Ich bin extrem empfindlich gegen alles Gelabere. Texte kann man ja diagonal lesen, aber diagonal hören geht leider nicht. Vielleicht bin ich nicht der einzige visuell orientierte Leser, aber bei Videos und Audios platzt mir immer nach wenigen Sekunden der Kragen.

@Hans Huett

Schöne Feiertage! :-)

Aber vielleicht könnte der Josef Joffe bis zum 22. Januar in Langley mal anfragen, ob es kein wichtigeres Thema als “Typisch deutsch?” kurz vor einer schweren Rezession des Euroraumes geben könnte. Der macht das ja auch nicht aus eigenem Antrieb.

Auch wir sollten lieber darüber diskutieren, ob die EZB einen Kredit über 500 Milliarden Euro zu 1 Prozent an die Banken vergeben muss, statt selber hochverzinsliche Staatsanleihen am Markt zu Schnäppchenpreisen zu erwerben. Wenigstens könnte man von den Banken dafür verlangen, die Konsumenten bei Überziehungskrediten in einer absoluten Niedrigzinsphase beim Zentralbankgeld nicht mit 12-14 Prozent Sollzins abzuzocken.

Das und dergleichen wären Themen für eine engagierte Diskussion hier. Zum neuen Jahr sollten wir alle den guten Vorsatz fassen, uns mit Kleinkram wie die Verfehlungen des Wulff nicht mehr ablenken zu lassen und uns in alle Zukunft nur noch um wirklich wichtige Themen zu kümmern.

Die besonders Betroffenen sollten mal einen Blick auf ihre Konten, Aktiendepots und Immobilien werfen, ob sie das denn wirklich nötig haben. Medienkampagnen auf Anweisung der Oligarchen bis zum Abwinken sind ja sowas von eklig, vor allem seit wir das mit der Agendapolitik vor zehn Jahren mit allen Konsequenzen erlebt haben. Und schon geht es weiter mit Wulff bei ZEIT-Online:

http://www.zeit.de/2011/52/01-Bundespraesident-Wulff

Die genieren sich nicht und denken nur an ihre Sonderprämien von den Finanzoligarchen, die hier die Massenmedien restlos gleichgeschaltet haben und deren Journalisten antanzen lassen wie entseelte Systemzombies.

Ein Mensch von Ehre macht sowas nicht mit, sondern würde vorher seine Feder ein letztes Mal ins Gift tauchen und sich damit selber entleiben. Aber doch nicht den ferngesteuerten Zombie spielen, der so tut, als wäre ihm der Befehl der die Medien beherrschenden Finanzoligarchen auch noch ein persönliches Herzensanliegen.

Auch fast eine Weihnachtsansprache.

Falls Wulff noch nicht weiß, was er da reden soll, würde ich als Thema den gleichgeschalteten Kampagnenjournalismus im neoliberalen Deutschland empfehlen, wie wir das im Moment alle hilflos und mit Wut im Bauch erleben müssen und wie sich da jeder zu Sand im Getriebe machen kann und sollte. ;-)

HAM Dezember 22, 2011 um 11:26

Der Kommentar von Hans-Ulrich Jörges wird Matt und anderen gefallen.

Der Stern verlässt die Medienmeute.

f.luebberding f.luebberding Dezember 22, 2011 um 11:38

HAM

Aber nicht doch: Herr Jörges sprach schon gleich zu Anfang von einem “Affärchen”. Er wird schon wissen, warum er das Liedchen des Herrn Glaeseker singt. Wulff hätte sich sehr zurückgehalten und Interviews verweigert. Ganz sicher. Das sind auch Verkaufsschlager gewesen, solche Interviews. Darum haben sich alle gerissen. Die einzige Zeitung, die regelmäßig über die Aktivitäten des Bundespräsidenten berichtet hatte, war die Bild. Um Inhalte ging es dabei nicht. Weil, wie Herr Glaeseker (oder war es doch Herr Jörges?) uns gerade ausrichten ließ, er sich dann doch eher zurückgehalten hat.

Nanuk Dezember 22, 2011 um 11:51

@Fl
Ja dann sollte Wulf als zeichen des guten willens doch den Herren Glaeseker rauswerfen… ihr wollte keine Lösungen ihr wollt Blut sehen.

matt_us Dezember 22, 2011 um 11:53

@f.luebberding

Na klar. Der Herr Joerges sagt, was Wulffs Pressesprecher (Glaeseker) ihm sagt. “Er wird schon wissen, warum…”

Warum denn, Frank? Willst Du uns hier sagen, dass der Joerges bestochen wurde, vom Herrn Glaeseker, oder was?

Wenn das so sein sollte, vielleicht bekomm ich auch mal einen Scheck, denn der Joerges sagt ja genau was ich auch sage, zufaellig mal.

Wo kann man sich denn da bewerben – bestimmte Meinungen fuer Geld zu schreiben, ich glaub das koennte ich gut! Hast Du einen Kontakt, bei der FAZ vielleicht?

Nanuk Dezember 22, 2011 um 11:56

Aber das kann so nicht funktionieren weil die Medien am Thema vorbei arbeiten… 6 setzen Thema verfehlt.

Dipfele Dezember 22, 2011 um 12:14

>Der Kommentar von Hans-Ulrich Jörges wird Matt und anderen gefallen.

Ach ja, die Zwischenrufe des Weltgeistes. Der Jörges hat sich auch schon mal in die Bresche geworfen, um zu verhindern, dass “der Kommunismus siegt”, wie der Zwischenrufer aus Berlin, Hans-Ulrich Jörges, brandmarkt: “Hartz IV ist das glatte Gegenteil dessen geworden, was es sein sollte: Ausbau statt Abbau des Sozialstaats. Arbeit wird verhöhnt, Nichtstun belohnt.”
http://www.taz.de/1/archiv/archiv/?dig=2006/05/31/a0144

matt_us Dezember 22, 2011 um 12:17

Aus der Zeit, unter dem di Lorenzo Artikel, schreibt ein Leser:

” Ich darf daran erinnern, daß es während der französischen Revolution Journalisten waren, die als die schlimmsten Guillonisten und Haßprediger auftraten. Gnade uns Gott wenn solchen Hysterikern der Rechtsstaat geopfert wird. Furchtbare Vertreter eines Berufsstandes gab es also schon vor Hochhuth.

Ich kann mich noch anläßlich eines Vortrags über die Pressefreiheit Theodor Eschenburgs an dessen Frage erinnern, “Pressefreit? – wer schützt uns aber vor der Freiheit der Presse?”.

Die Frage ist bis heute unbeantwortet mit der Folge, daß folgenlos Individualrechte mit Füßen getreten werden. Ich habe in meinem Berufsleben nicht einen einzigen Journalisten kennengelernt, der sauber subsumieren kann, nämlich eine Rechtsnorm auf einen Lebenssachverhalt anwenden, stattdessen endloses Schwadronieren.

Diesen selbsternannten Moralaposteln sollte sich keiner beugen!”

http://www.zeit.de/2011/52/01-Bundespraesident-Wulff?commentstart=49#cid-1766149

Genau so ist es!

Horst Schmidt Dezember 22, 2011 um 12:20

“Wenn das so sein sollte, vielleicht bekomm ich auch mal einen Scheck, denn der Joerges sagt ja genau was ich auch sage, zufaellig mal.”

Spricht das nun für oder gegen Jörges? :-)

Vorsicht. Bei Jörges, der, der das Amt des Bundespräsidenten, wie Prantl, schützen möchte, egal vor wem und für wen – kann man sich nie sicher, ob er nicht selbigen Thema am nächsten Tag eine andere Meinung vertritt.

Denn ich bin mir nicht sicher, wenn alle anderen Journalisten – also die Wölfe – gegen einen Rücktritt wären, ob er nicht dann für einen wäre. Mit besten Argumenten, versteht sich.

Trotzdem, mir will nicht den Kopf warum es hier Foristen gibt, die den Wulff so vehement verteidigen

gelegentlich Dezember 22, 2011 um 12:21

@alle
Wir sind wohl im Kino, doch flimmert ein Film auf der Leinwand, für den wir kein Ticket gekauft haben.
Bei Jörges fällt mir immer das Jahr 2005 an, als er den schneidigen neoliberalen Wadenbeißer für Merkel gab. Zu der im Moment ziemlich öligen Figur di Lorenzo muss man nichts sagen, nur daran erinnern, dass er eben erst den nach allen denkbaren Kriterien ins Schwarze Loch gefallen Guttenberg auf dreist-durchsichtige Weise wieder ins Spiel bringen wollte. Wenn es Jemanden gibt der zu dieser, ähm, ,,Frage” den Mund halten sollte dann ist das wohl di Lorenzo.
Was da jetzt hoch kam würde in normalen Zeiten m.E. schon einen Rücktritt begründen. Aber wir sind ja im Biedermeier 2.0 – die Erfahrung politischer Ohnmacht sitzt so tief, dass man der Milliardärspresse erst mal nichts glaubt- und ob sie in diesem Fall die Wahrheit sagen wollte ist egal. 500 Mrd. für die Banken, ohne vorher z.B. die Besteuerung von Boni geändert zu haben, ohne gleichzeitig über Erbschaftssteuer – Reichensteuer – Vermoegensteuer reden zu müssen, da ist tatsächlich Biedermeier.

Reinhard Dezember 22, 2011 um 12:31

@Horst: Wulff wird nicht verteidigt, sondern die Kritik an ihm als Ablenkungsmanöver der Systemmedien interpretiert. Und weil alles, was die Systemmedien tun, ja schlecht ist, wird im Endeffekt Wulf verteidigt. Und über die Verfehlungen von Wulff darf auch nicht berichtet werden, weil natürlich auch das nur ein Ablenkungsmanöver der Systemmedien ist, die Wulff opfern wollen, damit Merkel ungestört weiter am Ende der Welt basteln kann. Oder so ähnlich.

Und es gibt welche, die nicht wollen, dass Wulff zurücktritt, weil es keine Möglichkeit gibt Merkel und Co. zum Rücktritt zu bewegen, weil Merkel und Co. ja schlimmer sind und es mehr verdient haben zurückzutreten. Deswegen darf Wulff nicht gehen, weil er nur ein kleines Licht ist.

Es sind solche vollkommen verschrobenen und verworrenen Gedankengänge, die zB. bei manchen Menschen dazu führen sich geistig soweit nach Links zu bewegen, dass sie zum Schluss ganz Rechts rauskommen, nur um die Geschlossenheit ihres Weltbildes bewahren zu können.

f.luebberding f.luebberding Dezember 22, 2011 um 12:32

matt_us

Es reicht. Entweder Du änderst den Tonfall oder Du fliegst.

Keynesianer Dezember 22, 2011 um 12:33

@matt_us

“Wo kann man sich denn da bewerben – bestimmte Meinungen fuer Geld zu schreiben, ich glaub das koennte ich gut! Hast Du einen Kontakt, bei der FAZ vielleicht?”

Mit Deiner Meinung geht das nicht. Da müsstest Du schon jeden Tag genau die Meinung haben, die Dir von den Oligarchen mit einem kurzen Wink angedeutet wird.

Und schwer von Begriff wegen moralischer Bedenken darfst Du da auch nicht sein: Vorauseilender Gehorsam wird hier verlangt, als Grundlage jeder Karriere als Soldschreiber, und natürlich Begeisterung. Jeder Wink von oben muss Dir eine Herzensangelegenheit sein, auch wenn Millionen dann unter den Folgen zu leiden haben. Das muss immer so aussehen, als tätest Du das aus eigenem Antrieb.

Für so viel Gewissen und Anstand wie bei Dir gibt es keinen Cent.

Horst Schmidt Dezember 22, 2011 um 12:34

Ein weiteres Beispiel für die “Rücktritts- und Entlassungskultur” in diesem Lande.
Da schreibt ein Richter einen Kommentar im “Tagesspiegel”
http://www.tagesspiegel.de/meinung/andere-meinung/gastkommentar-der-fall-braun-bitte-um-entlassung-ist-ein-ruecktritt/5987592.html
Nicht irgendein Richter, nein Percy MacLean, Vorsitzender Richter am Verwaltungsgericht Berlin,
und fordert den Innensenator auf, die Auszahlung zu verweigern und vor Gericht zu ziehen.

Also ein Innensenator der CDU soll dem ehemaligen 11Tage-Justizsenator der CDU das Übergangsgeld verweigern.

Dort die Journalisten, hier die Juristen und mittenmang die Politik.

Wie wird dieser “Streit”, “Skandal” ausgehen? Wer übernimmt die Verteidigung des Herrn Braun?

f.luebberding f.luebberding Dezember 22, 2011 um 12:34

Matt_us

Hier hat keiner von Geld geredet. Nur hat niemand die Interviews mit Herrn Wulff vermisst. Außer vielleicht Herr Glaeseker.

f.luebberding f.luebberding Dezember 22, 2011 um 12:36

“Mit Deiner Meinung geht das nicht. Da müsstest Du schon jeden Tag genau die Meinung haben, die Dir von den Oligarchen mit einem kurzen Wink angedeutet wird.”

Er kann kein Japanisch. Unabdingbar.

Horst Schmidt Dezember 22, 2011 um 12:40

@ Reinhard

Mit Verlaub. Ich kann das EINE machen, ohne das ANDERE zu lassen!

Noch einmal. Wenn wir anfangen über die Pressefreiheit zu diskutieren, verlieren wir schnell den Boden unter den Füßen.
Das Problem der Systemmedien oder besser Pressekonzentration ist ja nun nicht erst seit “Wulff” bekannt. Spätestens 1969 trat es in Erscheinung.

matt_us Dezember 22, 2011 um 12:44

@F.Luebberding
“Er wird schon wissen, warum er das Liedchen des Herrn Glaeseker singt.”

Warum? Welche Gruende koennte es haben, dass Herr Joerges mehr oder weniger hier die gleiche Meinung wie ich vertreten.

Was hast Du Dir dabei gedacht als du den Satz geschrieben hast?

Herr Joerges ist ein aufrichtiger Mann? Er schreibt die Wahrheit?

Reinhard Dezember 22, 2011 um 12:48

@Horst: Ich negiere ja nicht die von Dir angesprochene Problematik. Ist mir wohlbekannt.

Ich versuche nur zu beschreiben, dass hier vor allem matt_us von allen Geistern verlassen, komplett den Faden verloren hat und den Verbleib von Wulff im Amt als seinen persönlichen Widerstand gegen diese Konzentration von Meinungsmacht hochzustilisieren. Ich verstehe nicht, warum man eine Befürwortung eines Wulff-Rücktritts (für die es mittlerweile genug gute Gründe gibt) in eine Befürwortung der sog. Systemmedien uminterpretieren kann.

Für mich ist das “Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn!” und keine verschwurbelte Verschwörung zum Verdecken irgendwelcher Geheimoperationen zur Festigung der Weltherrschaft der Bilderberger. Es ist allenfalls eine Verschwörung mit dem Ziel Merkel zu schädigen.

f.luebberding f.luebberding Dezember 22, 2011 um 12:49

matt_us

Was habe ich geschrieben? Er wird seine Gründe haben. Vielleicht hat ihn Deine Argumentation überzeugt? Das kann ja sein.

Nanuk Dezember 22, 2011 um 12:53

So das ist wirklich mein letzter Kommentar dazu es mag ja Menschen geben die das ( http://www.bild.de ) für Journalismus halten Begriffe sind ja dehnbar ich tue das nicht.

Horst Schmidt Dezember 22, 2011 um 12:58

@ Reinhard

Habe den deinigen Beitrag noch einmal gelesen und ihn jetzt richtig verstanden. :-)
Glaube allerdings nicht an eine “Verschwörung” gegen Angela Merkel, dass sie aber das eigentliche Ziel ist, welches anvisiert werden soll, da bin ich mir sicher.

matt_us Dezember 22, 2011 um 12:59

@F. Luebberding

Ich halte mich in Zukunft zurueck mit Hetze gegen Chefredakteure. Es sind ja schliesslich die, die uns was ueber “Hosen runterlassen” und “Rotlichmilieu” schreiben lassen, im Zusammenhang mit dem BP ! Die Bilder bringen, die den BP im Visier eines Gewehres zeigen!

Ich bin da ganz Deiner Meinung, wir sollten uns hier nicht auf das Niveau der FAZ oder BILD begeben!

Vielleicht ist es erlaubt zu sagen, dass die “Eliten” wie der Herr Blome und der Herr di Lorenzo versagen. Das sind die die den Guttenberg preisen!

“Es gehört in Deutschland zur politischen Kultur, dass Fehlleistungen von Politikern meistens Konsequenzen nach sich ziehen. ”

Das schrieb Lorenzo, und das stimmt nicht, wenn man sich die Fehlleistungen der Regierung ansieht. Das wird ueberhaupt nicht thematisiert.

f.luebberding f.luebberding Dezember 22, 2011 um 13:07

matt_us

Schon besser.

nanuk

Du wirst Dich noch wundern.

Keynesianer Dezember 22, 2011 um 13:22

@Reinhard

“Ich verstehe nicht, warum man eine Befürwortung eines Wulff-Rücktritts (für die es mittlerweile genug gute Gründe gibt) in eine Befürwortung der sog. Systemmedien uminterpretieren kann. ”

Es geht erstens darum, dass wir uns hier nicht für eine Agenda instrumentalisieren lassen, deren Hintergründe nicht klar sind. Da soll also ein Politiker, der mit den vorliegenden Verdachtsgründen auch nicht korrupter ist als alle möglichen Nachfolger, mit einer Medienkampagne aus dem Amt geschrieben werden.

Sollen wir da auch noch jubelnd angelaufen kommen? Mir war übrigens auch Guttis Rücktritt wegen seiner Doktorarbeit kein Thema. Da müssten vorher aller Professoren und Doktoren der VWL wegen dem Unsinn, den sie vertreten haben, ihre Titel abliefern. Verglichen mit den käuflichen Erkenntnissen der VWL ist Plagiat gar nichts.

Wenn von BILD bis SPIEGEL eine Kampagne läuft, dann laufe ich denen nicht hinterher. Ganz grundsätzlich nicht. Wenn es wichtigere Gründe für einen Rücktritt des BP geben würde, dann will ich das erst einmal wissen. Wäre ja möglich, dass Kredite gar keine Kredite sind und nie zurückgezahlt werden sollen. Gibt es oft genug.

Politiker kaufen auf Rechnung – der kluge Geschäftsmann “vergisst” natürlich das Rechnungsschreiben und bekommt dafür einen lukrativen Auftrag oder einen wichtigen Tip für sein Geschäft. Ist alles überall üblich. Oder die Tochter des Politikers ist “Künstlerin” und darf ihre Gemälde und Skulpturen an eine Firma verkaufen für viel Geld, oder sie hält gern Vorträge, kann womöglich singen … .

Wir sollten uns grundsätzlich weigern, Medienkampagnen zu unterstützen. Vor allem dann, wenn wir nicht wissen, um was es wirklich geht. Oder ist hier jemand so naiv zu meinen, dem Lorenzo ginge es um Moral und Anstand? Da müsste er ja zuerst seinen Job bei der ZEIT hinschmeißen.

Wenn die von BILD bis ZEIT was fordern, dann bin ich zuerst einmal dagegen.

Nanuk Dezember 22, 2011 um 13:31

@fl
“Du wirst Dich noch wundern.”

Ich wunder mich über nix mehr angewiedert abwenden werde ich mich höchstens…

matt_us Dezember 22, 2011 um 14:10

FREISPRUCH VOR DEM GESETZ:

Christian Wulff steht in der Kreditaffäre massiv unter Druck – zumindest von der Staatsanwaltschaft muss er jedoch keine Ermittlungen mehr befürchten. Die Vorfälle seien “strafprozessual unverdächtig” hieß es von den zuständigen Behörden in Hannover.

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,805328,00.html

Hier gibt es gesetzlich nichts zu meckern!

Anscheinend alles ok, mit Kredit und Urlauben, und kein Verstoss gegen das Gesetz! Der BP hat sich an Gesetze gehalten in Niedersachsen, mit seinen Erlassen, anders als es der Herr Blome von der BILD vorausgesagt hatte, im Fernsehen mit dem Jauch. Der Blome hat, was ich schon immer vermutete, keine Ahnung!

Sollen wir ihn trotzdem steinigen, den Herrn Wulff?

Oder halten wir uns mal an den Rechtsstaat in Deutschland?

wowy Dezember 22, 2011 um 14:10

Nur zum Abschluss:
Staatsanwaltschaft sieht keinen Anfangsverdacht, nimmt deshalb keine Emittlungen auf
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,805328,00.html

Die SPD-Fraktion im Niedersächsischen Landtag wird keinen Untersuchungsausschuss beantragen. Der übrigen Opposition fehlt die Anzahl der Abgeordneten dazu.
Wulff bleibt im Amt, solange er funktioniert.

q.e.d.

gelegentlich Dezember 22, 2011 um 14:11

@Nanuk
Dann rate ich, um das ohnmächtige Biedermeier-Gefühl mit Inbrunst zu füllen, dazu:
http://whttp://www.heise.de/tp/artikel/36/36130/1.html
Das ist nicht zum abwenden, sondern zum in die Tischkante beißen oder ,,headbangen”…nein, einen Zusammenhang zur Causa Wulff gibt es wohl nicht.
Aber Jakob Augstein trifft das hier von Einigen geäußerte Gefühl:
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,805276,00.html
Und der ist, @Keynesianer, nach meinem Wissen kein Marxist.

Nanuk Dezember 22, 2011 um 14:47

@gelegentlich
Headbangen da kennst du die biedere Straight Edge Bewegung aber nicht gegen die ist das hier Kirmes… auch sehr lustig die Jesus Freaks…
http://www.youtube.com/watch?v=XzZ52Ht96C0

wowy Dezember 22, 2011 um 14:48

..und der Bundespräsident feuert seinen Pressesprecher. Persönliche Erklärung um 15:30 Uhr

Nanuk Dezember 22, 2011 um 14:50

@wowy
na siehste geht doch… können wir uns jetzt wichtigerem zuwenden?

wowy Dezember 22, 2011 um 14:53

@Nanuk
Ich glaube nicht, dass er zurücktritt. M.E. hat er das Ergebnis der Staatsanwaltschaft abgewartet. Schaun mer mal.

f.luebberding f.luebberding Dezember 22, 2011 um 14:54

Ihr müsst genau lesen:

“Berlin – Der Sprecher des Bundespräsidenten, Olaf Glaeseker, ist von seinen dienstlichen Aufgaben entbunden worden. Diese Entscheidung traf der Chef des Bundespräsidialamtes, Lothar Hagebölling, wie das Amt am Donnerstag in Berlin mitteilte. ”

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,805371,00.html

HAM Dezember 22, 2011 um 14:54

Ekelhafte Heuchelei – so erlebe ich das Geschwätz vom Augstein.

Wer Wahrheit möchte, muss Transparenz schaffen und die Unwahrheit sozial ächten und bestrafen.
Denn wenn Unwahrheit persönliche Vorteile bringt, wird getäuscht und gelogen, moralische Appelle allein bringen nichts.

Alle Kinder lügen spontan. Wer will, dass Erwachsene nicht lügen, muss die Kinder zur Wahrhaftigkeit erziehen.

Überall wird im Kapitalismus getäuscht und gelogen. angefangen bei der Werbung.
Der ganze Kapitalismus ist eine (Un)Kultur der Lüge und des Betruges.

Wer keine Korruption will, muss Transparenz schaffen und die Korruption sozial ächten und bestrafen. Der primäre Täter ist immer der, welcher besticht.

Wo ist die soziale Ächtung des Herren M., wer ruft da nach dem Staatsanwalt?

Aber es wird nur geschwätzt und moralisiert, und die Gesellschaft wird weiter in den Sumpf von Lüge und Korruption tiefer einsinken.

Die Medienhetze gegen Wulff ist von vorn bis hinten eine verlogene Kampagne.

Was den Wulff nicht exkulpiert.

wowy Dezember 22, 2011 um 14:57

@fl
Ich habe genau gelesen, aber Herr Hagebölling entlässt den Sprecher nicht, ohne Zustimmung des BP!

Jackle Dezember 22, 2011 um 14:58

Wulff immer noch im Amt:

http://img.pichoster.eu/32281e7fwulff.png

(gephotoshopt!)

f.luebberding f.luebberding Dezember 22, 2011 um 15:06

Wowy

Laut dpa hat Glaeseker um seine Entlassung gebeten: zum Schutz seiner Familie.

wowy Dezember 22, 2011 um 15:14

@fl
Ist das nicht die übliche Formulierung?

Reinhard Dezember 22, 2011 um 15:15

Und Wulff will seine Familie nicht schützen?

f.luebberding f.luebberding Dezember 22, 2011 um 15:16

wowy

Nein.

wowy Dezember 22, 2011 um 15:17

Glaeseker wied entlassen bei Wahrung der Bezüge. That`s it.

wowy Dezember 22, 2011 um 15:18

Er ist das “Bauernopfer” für die Kommunikationsfehler, die Wulff gleich einräumen wird.

Doktor D Dezember 22, 2011 um 15:23

“Zum Schutz seiner Familie”? – also entweder hat da jemand in die falsche Lade des Textbausteinkasten der dpa gegriffen oder der Herr Glaeseker ist echt völlig überfordert von seinem Job.
Glaeseker hat das Krisenmanagement komplett verbockt, da soll er halt einfach zu stehen.

Nanuk Dezember 22, 2011 um 15:24

@gelegentlich
btw bieder ist eine Geistehaltung kann mir nicht passieren ich hab so viel Geist das ich mir ständig selbst wiederspreche… ;)

kassberg Dezember 22, 2011 um 15:27

Doktor D

Wenn Liz´und Friedes Daumen nach unten gehen, ist nix mehr zu managen.

gelegentlich Dezember 22, 2011 um 15:32

@Doktor D
Es gibt Aufgaben, die sind einfach zu groß für einen Pressesprecher/Medienberater: unlösbare…

wowy Dezember 22, 2011 um 15:33

Vielleicht wurde der Druck aber auch auf Glaeseker verlagert, nachdem man bei Wulff nicht weiter kam.
Deppendorf meinte gerade: Alles noch Spekulation

wowy Dezember 22, 2011 um 15:35

Irgendjemand einen Livestream zur Erklärung des BP?

wowy Dezember 22, 2011 um 15:39
Doktor D Dezember 22, 2011 um 15:40

@kassberg: Das ist nur eine lahme Emtschuldigung für wirklich schlechtes Krisenmanagement. Als BP hat man eine ziemlich hohe Kanzel und einen ziemlich großen Lautsprecher (und traditionell Rückhalt in der Bevölkerung, den hat er ja jetzt noch), damit lässt sich in unserer Medienlandschaft richtig was reißen. Mit einem fähigen Berater hätte Wulff schon vor Wochen aus der Nummer raus sein können. Denn wollte niemand stürzen, weil er irgendjemand nicht passt. Der wurde fast gestürzt (ich glaube nicht, dass Wulff zurücktritt), weil es so einfach war, ihn zum Fallen zu bringen.

Dirk Diggler Dezember 22, 2011 um 15:41

Was für ein Geseier.
Und Bauernopfer stimmte.

wowy Dezember 22, 2011 um 15:41

Exakt das habe ich erwartet!

f.luebberding f.luebberding Dezember 22, 2011 um 15:51
wowy Dezember 22, 2011 um 15:54

@fl
Dann muss jetzt die SPD-Fraktion Niedersachsen ran, sollte es wirklich um Aufklärung gehen. :-)

gelegentlich Dezember 22, 2011 um 16:06

@wowy
Die hat doch soeben die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses abgelehnt – und vermutlich Gründe dafür.

wowy Dezember 22, 2011 um 16:13

@gelegentlich
Ja, das hatte ich weiter oben schon angemerkt (14:10).
Es war eher eine kleine Provokation.
Welche G r ü n d e die Fraktion dafür auch immer haben mag ;-)

Jackle Dezember 22, 2011 um 16:18

Ich habe keine Vorurteile!

http://www.youtube.com/watch?v=tAE0Ik5fYcw

wowy Dezember 22, 2011 um 16:19

Und ganz genau den Satz der Bildschlagzeile merken:
http://www.bild.de/
Der wird uns wieder begegnen!!!

snozz ihn Dezember 22, 2011 um 16:20

Letzte Tortenstücke geworfen. Schleck schleck.

Na ja, nach der Silvesternacht böllert es auch vereinzelt noch am Neujahrsmorgen um halb acht.

Friedensschluss zwischen den Schlamm- und den Tortengeneralen.

Doktor D Dezember 22, 2011 um 16:22

Und mit der lahmen Erklärung bittet er doch förmlich darum, zur Strecke gebracht zu werden.
Vielleicht nützt es ihm in gewisser Weise auch: Als ernstzunehmender Faktor in der politischen Diskussion ist er jetzt wirklich durch – da kann er jetzt eine ganz ruhige Kugel schieben, mit seiner Familie durch die Weltegschichte gondeln und von den ständigen Wünschen nach Ruckreden wird jetzt wirklich total verschont. Anders gesagt: Christian Wulff hat das Amt des Bundespräsidenten auf seinen grundgesetzliches Normalmaß zurückgestutzt.

wowy Dezember 22, 2011 um 16:23

Nur zur Dokumentation:
“Es tut mir leid!Nicht alles, was juristisch rechtens ist, ist auch richtig”

wowy Dezember 22, 2011 um 16:27

Für einen “Notar” ist der Satz verheerend.

Doktor D Dezember 22, 2011 um 16:30

@wowy: Warum ist das verheerend? (Ernsthafte Frage, ich hab’ nur sehr schemenhafte Vorstellungen von den Funktionen eines Notars.)

wowy Dezember 22, 2011 um 16:34

@Doktor D
Mit “Notar” meine ich den Bundespräsidenten in seiner Funktion. Er ratifiziert Gesetze.
Das Wort “richtig” bedeutet “wahr”, deshalb verheerend.
Er hätte ein anderes Wort oder einen anderen Halbsatz wählen müssen.

Horst Schmidt Dezember 22, 2011 um 16:39

Nicht dieser Satz allein ist “verheerend.”
Was die Presse aus diesem Satz macht grenzt nicht nur an Manipulation, es ist Manipulation.

Mit keinem Wort hat der BP, Christian Wulff sich entschuldigt. dieses Wort ist nicht gefallen. Er hat auch nicht darum gebeten, er hat lediglich geäußert, das es ihm leid tue, dass …………

Eigentlich bringt er nur zum Ausdruck, das er sich selbst leid tue, weil “das”, nicht er, nicht gradlinig war.

Also wenn ihm diese Erklärung nicht auf die Füße fällt, dann weiß ich nichts mehr und glaube auch an Verschwörungen.

Doktor D Dezember 22, 2011 um 16:48

@wowy: Danke! Und ja, ich glaube, du hast recht. Er hat sich echt total aus dem Spiel genommen – ob ihm das klar ist? Was mich bei dieser Sorte Affäre immer noch erstaunt, ist, wie das überhaupt passieren kann. Der ist umzingelt von hochkarätigen Spin Doctors, so stellt sich das little dr. d jedenfalls vor, und dann kriegt niemand die Bombe entschärft? (Das soll jetzt kein Ausgangspunkt für eine VT sein, mir scheinen psychologisch-habituelle Gründe viel, viel naheliegender).
Und weil das Polit-System von Männern diesen Schlages gesättigt ist, ist Frau Merkel Bundeskanzler – und nicht die Esel aus dem Anden-Pakt.

wowy Dezember 22, 2011 um 16:53

@Doktor D
“Der ist umzingelt von hochkarätigen Spin Doctors, so stellt sich das little dr. d jedenfalls vor, und dann kriegt niemand die Bombe entschärft?”
So stellt sich das little wowy auch vor, aber offensichtlich ist nichts wie es scheint.

wowy Dezember 22, 2011 um 16:54

Ich würde sogar soweit gehen, dass er sich mit diesem Satz erpressbar gemacht hat.

f.luebberding f.luebberding Dezember 22, 2011 um 16:54

Denke das Handelsblatt hat es gut zusammengefasst:

“Nach weiteren Vorwürfen ändert der Bundespräsident die Strategie. Christian Wulff trennt sich vom langjährigen Sprecher und räumt einige taktische Fehler ein. Für einen Rücktritt sieht er jedoch keinen Grund.”

http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/wulff-raeumt-taktische-fehler-ein-bleibt-aber-im-amt/5988832.html

f.luebberding f.luebberding Dezember 22, 2011 um 17:01

Wowy

Nur als Hinweis. Dein Zitat ist übrigens auch der Bild aufgefallen. Sie titeln damit. Wie sie es interpretieren, weiß ich allerdings nicht.

wowy Dezember 22, 2011 um 17:06

@fl
Das habe ich um 16:19 geschrieben.
Im Handelsblatt-Artikel ist die dritte Seite die interessanteste. Da kann man schön zuschauen, wie die SPD zwischen (angeblicher) Aufklärung und Nichtrücktritt rumeiert.
Die wissen genau, dass ein Untersuchungsausschuss in Niedresachsen die SPD mit hinwegfegen würde.

Horst Schmidt Dezember 22, 2011 um 17:08

Dieser Abschnitt seiner Erklärung sollte aber auch zu denken geben.

“Ich sage aber auch deutlich, zu keinem Zeitpunkt habe ich in einem meiner öffentlichen Ämter jemandem einen unberechtigten Vorteil gewährt. Persönliche Freundschaften sind mir, gerade auch menschlich, wichtig. Sie haben aber meine Amtsführung nicht beeinflusst. Dafür stehe ich”.

Na das wäre ja auch noch schöner, aber seit wann man als Person in einem solch Amt – MP-BP – überhaupt einen Vorteil? Denn ein wie auch immer gearteter Vorteil muss einem anderen einen Nachteil zuTeil werden lassen.

http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/dokumentation-die-erklaerung-wulffs-im-wortlaut-11576744.html

HAM Dezember 22, 2011 um 17:16

Richtig oder …?

Das Antonym zu richtig ist falsch.

Die Aussage:

“Es tut mir leid! Nicht alles, was juristisch rechtens ist, ist auch richtig”

bedeutet:

„“Es tut mir leid! Es war falsch, dies zu tun. Nicht alles, was juristisch rechtens ist, ist auch richtig”

Leute, versteht ihr kein Deutsch mehr?

wowy Dezember 22, 2011 um 17:22

@HAM
Um das Antonym geht es nicht. Das hat er nicht gebraucht. Es geht darum, was das Wort richtig, das er benutzt hat, bedeutet.

gelegentlich Dezember 22, 2011 um 17:23

Falsch halt. Schade, richtig wäre schöner gewesen…
@f.luebberding
Danke auch für den Link
http://www.claushesseling.de/netzprotokolle/2011/12/gephi-projekt-wulff-und-die-maschsee-mafia
, aus dem ja klar ersichtlich ist, warum scheinbar alle Beteiligten so glitschig daher kommen. Übrigens finde ich die Sache langsam zur Komödie gewendet, da ich nicht mehr einen irgendwie formulierbaren politischen Kern erkennen oder vermuten kann. Der zurück getretene Glaeseker wird sicherlich dort landen, wo wirklich Niemand sagen kann, er habe mit seiner Punktlandung dort einen unberechtigten Vorteil erlangt. Richtig?

HAM Dezember 22, 2011 um 17:25

@wowy Dezember 22, 2011 um 17:22
Es geht darum, was das Wort richtig, das er benutzt hat, bedeutet.

Eben.

Richtig bedeutet “nicht falsch”.

Reinhard Dezember 22, 2011 um 17:26

@Horst: Genau, der Wullf soll wenigstens nur berechtige Vorteile gewähren!! :)

Ich denke, man sollte diese Rede nicht bis auf die sub-atomare Ebene zerlegen und dann in die Bestandteile alles hineindeuten, was man möchte. Denn es spielt keine Rolle mehr, was Wulff sagt. Er hat den richtigen Zeitpunkt vor Tagen verpasst. Der Rücktritt/Rausschmiß von Glaeseker ist so glasklar ein Bauernopfer, dass Wulff gar nichts mehr sagen muss.

h.huett Dezember 22, 2011 um 17:27

Die Erklärung des amtierenden Bundespräsidenten ist ein Dokument nicht mehr aus der Welt zu schaffender chronischer Befangenheit.

wowy Dezember 22, 2011 um 17:28

@HAM
Jetzt verrennst Du Dich aber. Eben hast Du noch gesagt es bedeutet “falsch”
“nicht falsch” bedeutet übrigens “wahr” und genau das habe ich gesagt ;-)

Horst Schmidt Dezember 22, 2011 um 17:35

@ Reinhard

Doch diese Fragen kommen unweigerlich. Allerdings könnte jetzt etwas eintreten, was vorher nicht abzusehen war. Eine Spaltung der Medien.
Die eine Fraktion wird behaupten, er habe sich entschuldigt und wenn nun nichts Neues dazukommt, ist der Fall erledigt.

Die andere Fraktion wird nun erst recht einhaken und ihn nicht mehr vom Haken lassen. Es macht wenig Sinn darauf hinzuweisen was Gorbi so in Welt hinausblies, aber Wulff hätte daran denken sollen.

carlos manoso Dezember 22, 2011 um 17:36

@ Doktor D Dezember 22, 2011 um 15:23
„Glaeseker hat das Krisenmanagement komplett verbockt, da soll er halt einfach zu stehen.“

Ehrlich gesagt hat Glaeseker das Image Wulffs geknetet wie ein Weltmeister vom Maschsee. Erst knetete Glaeseker aus Wulff einen Muster-Schwiegersohn, dann knetete er aus dem Muster-Schwiegersohn einen Wohlfühl-Landesvater und knetete dann aus dem Wohlfühl-Landesvater plus der bunten Bettina einen Bundespräsidenten.

Nach dieser Rumkneterei mußte dass Glaeseker dem Knetgummi raten, sich persönlich nicht zu den Vorwürfen zu äußern. Als Glaesekers Knetgummi letztendlich doch selbst äußern mußte, mußte das Knetgummi und seine Bettina Glaeseker feuern, was auch immer sie damit uns sagen will.

Horst Schmidt Dezember 22, 2011 um 17:37

@ h.huett

Schön formuliert: Die Erklärung des amtierenden Bundespräsidenten

HAM Dezember 22, 2011 um 17:43

@wowy

Sorry, hast Du in Deutsch Abitur gemacht?

Wenn jemand nicht richtig, angebogen ist, dann ist bedeutet dies nicht, dass er „unwahr“ abgebogen ist.

Wenn jemand nicht richtig gerechnet, dann ist bedeutet dies nicht, dass er „unwahr“ gerechnet hat.

Wenn jemand seinen Hintern nicht richtig abgeputzt hat, dann ist bedeutet dies nicht, dass er ihn „unwahr“ abgeputzt hat.

Etc.

Wenn jemand eine falsche Aussage gemacht hat, dann ist bedeutet dies, dass er eine unwahre Aussage gemacht hat.

Logische Schlussfolgerung:

Die Bedeutung:

1. richtig = unwahr gilt nicht generell

2. richtig = unwahr kann zutreffend sein

3. richtig = nicht falsch gilt immer

Doktor D Dezember 22, 2011 um 17:48

@cm: Eben, bis dahin hat er die Sache doch gut im Griff gehabt, und dann passiert ihm so ein Anfängerfehler. Das ist doch das 101 der Krisen-PR: Tu es gleich und tu es selbst.
Im großen Maschsee-Mafia-Roman müsste das ja irgendwie psychologisch motiviert werden: Absolute Fehleinschätzung der Lage? (Und wie kann einem Profi das passieren?) Provinz-Heinis, die plötzlich im Ernst außerhalb ihrer Liga spielen müssen? Ein super-eitler Chef, dem man den Ernst der Lage nicht klar gemacht bekommt? Ein Pressesprecher, der keine Böcke mehr auf die Glam-Jam-Allüren des Chefs hat und ihn der Meute zum Fraß vorwirft – und zwar so, dass der es noch nicht mal merkt?
Schalten Sie auch das nächste mal wieder ein, wenn es heißt: Christian, hast du das eben im Radio gehört?!

sol1 Dezember 22, 2011 um 17:49

Bundespräsident Christian Wulff hat bei der Finanzierung seines Privathauses bei Hannover von besonders günstigen Konditionen profitiert. Als er Anfang 2010 einen Kredit für sein Haus bei der BW-Bank aufnahm, kam ihm das Geldinstitut sehr weit entgegen. Nach Informationen des SPIEGEL schloss Wulff mit der landeseigenen baden-württembergischen BW-Bank in Stuttgart keinen normalen Immobilienkredit ab, sondern ein komplexes Finanzkonstrukt, um die 500.000 Euro aus dem Hause des Unternehmer-Ehepaars Geerkens zurückzahlen zu können.

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,805228,00.html

Landeseigen? Hatte da womöglich Mappus seine Hände im Spiel?

wowy Dezember 22, 2011 um 17:50

@HAM
Wenn Dir das hilft, dann lies es so:
Es tut mir leid!Nicht alles, was juristisch rechtens ist, ist auch nicht falsch.
Und?

HAM Dezember 22, 2011 um 17:58

@wowy

Es tut mir leid!Nicht alles, was juristisch rechtens ist, ist auch nicht falsch.

Logisch jetzt stimmend, aber es ist durch doppelte Negation schlechtes Deutsch und unverständlich.

Also umformulieren:

“Es tut mir leid! Auch was juristisch rechtens ist, kann manchmal falsch sein.”

carlos manoso Dezember 22, 2011 um 18:05

@ HAM Dezember 22, 2011 um 17:16
Die Aussage:
“Es tut mir leid! Nicht alles, was juristisch rechtens ist, ist auch richtig”
bedeutet:
„“Es tut mir leid! Es war falsch, dies zu tun. Nicht alles, was juristisch rechtens ist, ist auch
Leute, versteht ihr kein Deutsch mehr?“

Juristisch rechtens ist, wenn Wulff mit 2,99 Promille im Blut seine Bettina ins Bett fährt, denn unter 0,3 Promille gilt Wulff als fahrtüchtig. Ob das mit dem Alkohol richtig war, das kann nur Bettina beurteilen. Nicht alles, was juristisch rechtens ist, ist z.B. aus weiblicher Sicht empfehlenswert.

Nanuk Dezember 22, 2011 um 18:14

Nicht alles was korrekt ist ist auch politisch korrekt…

http://www.youtube.com/watch?v=cxAmN4ICyGs

wowy Dezember 22, 2011 um 18:15

Ich drehe es mal um:
Nicht alles, was juristisch unrechtens ist, ist auch falsch.

carlos manoso Dezember 22, 2011 um 18:17

@ Doktor D Dezember 22, 2011 um 17:48
„, bis dahin hat er die Sache doch gut im Griff gehabt, und dann passiert ihm so ein Anfängerfehler. Das ist doch das 101 der Krisen-PR: Tu es gleich und tu es selbst.“

Was soll an dem Rat ein „Anfängerfehler“ sein, dass der oberste Amtsträger im Staat und Volljurist einfach persönlich die Klappe halten und sich persönlich unsichtbar stellen soll , so daß dadurch der Sturm ganz von selbst abflaut ? Hatte das bisher nicht immer geklappt ?

HAM Dezember 22, 2011 um 18:22

@carlos manoso

Zu Kohl schrieb damals Wolfgang Pohrt, das sei die an die Macht gekommene Provinz.

Politiker sind ein Spiegel des Volkes.

Siehe Wulff, Merkel, Rösler, Westerwelle …

Selbst die Vorsitzenden der Linkspartei sind konsequent non-intellektuell.

carlos manoso Dezember 22, 2011 um 18:29

@ wowy Dezember 22, 2011 um 18:15
„Ich drehe es mal um:
Nicht alles, was juristisch unrechtens ist, ist auch falsch.“

Klar, nicht alles was verboten ist, ist automatisch falsch. Manches Verbotene ist auch richtig, aber nicht automatisch richtig, wenngleich juristisch nicht rechtens, automatisch nicht rechtens, wenn man es genau nimmt.

HAM Dezember 22, 2011 um 18:47

Auch ich, Freunde, bin tief empört über diesen “Traum vieler Schwiegermütter” als Bundespräsident, seinen ständigen Urlaubsaufenthalten ausgerechnet in den Villen von Millionären.
Daher weg mit ihm aus dem Amt, sofort her mit Herrn Maschmeyer höchstselbst als Bundespräsident…, und natürlich – auf Lebenszeit!!! :-)

http://feynsinn.org/?p=11703#comment-37280

carlos manoso Dezember 22, 2011 um 18:47

@ HAM Dezember 22, 2011 um 18:22
„Zu Kohl schrieb damals Wolfgang Pohrt, das sei die an die Macht gekommene Provinz.
Politiker sind ein Spiegel des Volkes.
Siehe Wulff, Merkel, Rösler, Westerwelle …
Selbst die Vorsitzenden der Linkspartei sind konsequent non-intellektuell.“

Natürlich müssen „Politiker“ wie „Wulff, Merkel, Rösler, Westerwelle …“ „Spiegel des Volkes“ sein und ihre Imagemaker kneten so lange an der Knetmassee herum, bis „das Volk“ sich in ihrem schillernden Image wiedererkennt.

Bei Kohl waren es Fettwanst & Saumagen, Strickjacke & Hauspantoffeln, Pfälzer Dialekt & provinzielles Gemüt, die zu einem harmlosen SchaftsImage zusammenschmolzen, mit dem sich das „Volk“ beruhigt. Andererseits unterstellt „das Volk“ natürlich und vergewissert sich jeden Tag, dass dahinter tatsächlich auch ein Wolf steckt, der als Leitwolf ein „Volk“ führen will.

neuling Dezember 22, 2011 um 19:02

Nach den ersten Vorwürfen aus der Presse kam nichts mehr. Außer dieser Ansage: http://www.youtube.com/watch?v=LdQyQLs2THM, aber eben nicht an den Journalist, sondern direkt an den BP.

Thelonious Dezember 22, 2011 um 19:07

@wowy: Bist du noch woanders aktiv? Genau den gleichen Satz habe ich gerade in einem gänzlich anderen Forum gelesen. :0

wowy Dezember 22, 2011 um 19:31

@cm
Es ist viel einfacher. Er wollte das Wort moralisch vor richtig nicht setzen und hat damit den Sinn des ganzen Satzes verdreht.

wowy Dezember 22, 2011 um 19:32

@Thelonius
Nein! Welchen Satz meinst Du?

Thelonious Dezember 22, 2011 um 19:35

“Nicht alles, was juristisch unrechtens ist, ist auch falsch.”

Naja, die Schlußfolgerung liegt ja auch nahe :)

wowy Dezember 22, 2011 um 19:37

Ja, die liegt nun wirklich sehr nahe, da können auch mehrere drauf kommen.

gelegentlich Dezember 22, 2011 um 19:42

Ich habe mir gerade die Presse-Berichte angesehen. Mit dem bisher auf den Tisch gelegten Material wird man den Herrn nicht abschießen können, soviel ist wohl klar. Der sitzt das aus. Und ob neue Stipulationen kommen, die ihn in Sorge um seine Familie versetzen werden (der von mir favorisierte mögliche Rücktrittsgrund) ist unklar. So wird in den nächsten Tagen außer Rumgeeiere ohne Schnee nicht viel zu erwarten sein.
Dieses Volk hört einfach nicht auf seine Intellektuellen.

wowy Dezember 22, 2011 um 20:37

So, nun wirklich genug mit Wulff.
Frohes Fest allerseits!

HAM Dezember 22, 2011 um 20:47

@gelegentlich Dezember 22, 2011 um 19:42
Dieses Volk hört einfach nicht auf seine Intellektuellen. #

Wie ist der Satz zu verstehen?

Auf welche Personen sollte denn das Volk hören?

gelegentlich Dezember 22, 2011 um 20:52

@HAM

,,Wie ist der Satz zu verstehen?”

Dem Anlass angemessen – albern! Ein Berg kreißte, ein rachitisches
Mäuslein ward geboren…wenn meine Nase nicht trügt (aber ich habe den Kadaver wohlgemerkt nicht lokalisieren können) wird der ,,Spaß” alsbald irgendwie weitergehen. Gelangweilten Übermut schreibe ich der Springerpresse nicht zu. Selbst wenn sie ihn hätten, er würde ihnen nicht erlaubt.

HAM Dezember 22, 2011 um 22:23

@gelegentlich Dezember 22, 2011 um 20:52

Wie ich es schon früher in einem anderen Thread geschrieben habe, ist meine Erklärung für das Geschehen, dass das Ganze irrational ist.

Leute wie Moore oder Schirrmacher sehen, dass die Politik keine Kontrolle mehr über die Prozesse hat. Das System fährt gegen die Wand, jeder Rettungsaktion macht es noch schlimmer.

Nich, das es unmöglich wäre, das System zumindest mittelfristig zu stabilisieren.
Aber die Politik – an der Spitze Merkel – ist unwillig und/oder unfähig, notwendige Schritte einzuleiten.

Soweit lässt sich dies noch belegen.

Alles Weitere ist (m)eine Hypothese, die aber für mich eine relativ hohe Plausibilität hat, gerade auch auf dem Background meiner Erfahrungen als analytischer und systemischer Psychotherapeut.

Wer die Idee eingebracht hat, weiß ich nicht. Irgendwann kam die Idee in mediennahen Teilen des Establishments auf, dass man einen starken BP brauche, also intellektuell, moralisch und rhetorisch stark. So einen, der konservativ-bürgerliche Werte repräsentiert.
Also ganz anders als der Wulff.

Deutschland hat keine Intellektuellen, welche von der Bevölkerung anerkannt sind und eine geistige und moralische Orientierung geben könnten.
Denn diese ewiggleichen neoliberalen und reaktionären Talkshowschwätzer sind es nicht, auch nicht Lafontaine oder Wagenknecht.

Möglicherweise hätte ein Norbert Blüm als BP im Volk Autorität, aber so einen wollen die Neoliberalen nicht.

Diese Kampagne gegen Wulff war doch von der Argumentation her völlig hysterisch und realitätsfremd. Aber fast alle Medien mit ihrer Meute haben dort mitgemacht, mit Ausnahme einzelner finanziell unabhängiger Journalisten, wie Michael Naumann.

Die Medien funktionieren top-down, obwohl sie formal nicht so strukturiert sind, sondern das funktioniert über finanzielle Abhängigkeiten, ähnlich wie z. B. das angesprochene opportunistische Verhalten von Studenten.

gelegentlich Dezember 22, 2011 um 23:19

Ob das irrational oder nicht ist weiß ich nicht. Wenn es rational wäre muss noch lange nicht gegeben sein dass die ,,Gruppe”, die das gestartet hat, ihre wirklichen Beweggründe auf den Tisch legt. Davon lebt ja Politik auch ein Stück weit.
,,Gott hat dem Menschen die Sprache gegeben, damit er seine Gedanken verbergen kann.” (Talleyrand)
Den Unterschied zwischen dem Gesagten und dem Gemeinten erkennen…
Vielleicht haben hier Leute Beweggründe, die sie nicht öffentlich zeigen möchten und ganz sicher finden die, dass Wulff genügend Anknüpfungspunkte liefert. Tatsächlich kommt doch ein halbseidenes Detail nach dem anderen auf den Tisch, selbst heute, nach seiner Reinwasch-Erklärung, dieser Party-Schmidt. Das wird bei Weitem nicht Alles sein. Vielleicht will man ihn zu Tode hetzen?

Blüm ist ein anderes Kaliber, klar. Ein vormoderner Vollblutpolitiker, viel mehr der letzte Live-Rock’n Roller als Fischer, der ja vom Rockstar zum Schlagersänger geworden ist, um mal sein eigenes Bild aufzunehmen. Solche Leute hätten aber heute, Stichwort Professionalisierung, kaum eine Chance in der Politik.

Nein, ich sehe diese Kampagne (ich bin mir sicher dass es eine ist; da berichten nicht einfach die Medien weil es ihre Pflicht ist) noch längst nicht am Ende. Angefangen hat wohl BILD, das ,,Hosen runter”-Bild kommt ausgerechnet von Wagner, ich lach mich schlapp, schließlich hat der Herr seinen eigenen guten Ruf. Und danach haben andere Medien halt mitgemacht.
Langsam fühle ich wie ich zum Snob werde: was erwartet man eigentlich mit welchen Mitteln ein armer Schlucker unter den rezenten Bedingungen, die diese Leute doch kennen, hochkommen will? Die Ochsentour hat dieser Mann Wulff doch brav und redlich auf sich genommen. Wenn sein neuer Medienfuzzi nicht ganz doof ist gelingt es ihm vielleicht so eine ,,Wir-hier-unten-gegen-die-da-oben”-Stimmung zu erzeugen, dann hätten alle ihr Vergnügen, die ,,Wissenden” und die Desinteressierten.

Nachruf Dezember 22, 2011 um 23:43

@ alle Besserlügner

http://www.youtube.com/watch?v=OQfpTPUYbXc&feature=related

From his 1977 album Peter Gabriel 1 (Car).

Lyrics:

Climbing up on Solsbury Hill
I could see the city light
Wind was blowing, time stood still
Eagle flew out of the night
He was something to observe
Came in close, I heard a voice
Standing stretching every nerve
Had to listen had no choice
I did not believe the information
I just had to trust imagination
My heart going boom boom boom
“Son,” he said “Grab your things,
I’ve come to take you home.”

To keep in silence I resigned
My friends would think I was a nut
Turning water into wine
Open doors would soon be shut
So I went from day to day
Tho’ my life was in a rut
“Till I thought of what I’d say
Which connection I should cut
I was feeling part of the scenery
I walked right out of the machinery
My heart going boom boom boom
“Hey” he said “Grab your things
I’ve come to take you home.”
(Back home.)

When illusion spin her net
I’m never where I want to be
And liberty she pirouette
When I think that I am free
Watched by empty silhouettes
Who close their eyes but still can see
No one taught them etiquette
I will show another me
Today I don’t need a replacement
I’ll tell them what the smile on my face meant
My heart going boom boom boom
“Hey” I said “You can keep my things,
They’ve come to take me home.”

Nachruf Dezember 22, 2011 um 23:54
Nachruf Dezember 23, 2011 um 00:03

They will soon be at their bricky home

http://www.youtube.com/watch?v=GimLuOUVkxg&feature=related

HAM Dezember 23, 2011 um 00:38

@gelegentlich Dezember 22, 2011 um 23:19
Nein, ich sehe diese Kampagne (ich bin mir sicher dass es eine ist; da berichten nicht einfach die Medien weil es ihre Pflicht ist) noch längst nicht am Ende.

Das mag sein.

Aber das läuft bereits jetzt weitgehend selbstreferentiell: Für die Medienkampagne interessieren sich nur noch die Medien und ihr Umfeld.

Die Bevölkerung interessiert es nicht mehr. Und auch bei den Politikern gibt es nur noch wenig Resonanz. In den Blogs ist kaum Interesse dafür, sofern diese nicht von Medienleuten gemacht werden.

Für jeden, der einen Funken Verstand hat, ist doch völlig klar, dass es eine personalisierte Kampagne ist. Es ist keine Kampagne gegen Korruption, sondern eine gegen Wulff.

gelegentlich Dezember 23, 2011 um 07:31

@HAM
,,Das mag sein”
Es ist so. Dieser Artikel von gestern, 18:33 Uhr, zeigt auch auf wie es gehen soll:
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,druck-805351,00.html
Da wird ein Glaubwürdigkeitsproblem behauptet, aber, wir lachen ja schon wieder, nur eines von Wulff. Das Problem der jetzigen Kampagne ist doch, dass sie auch deshabl keinen Erfolg hatte, weil die Auslöser keine durchschlagskräftige Glaubwürdigkeit haben. Ein Fall für den Kommunikationsanalytiker Huett.
,,Was, wenn in den kommenden Tagen noch mehr Belastendes bekannt wird? Kommt dann eine zweite Erklärung des Bundespräsidenten, ein zweites öffentliches Gnadengesuch? Schwer vorstellbar.”
Damit wird der Anker für kommende weitere ,,Details” gelegt. Und: der Begriff ,,Wulffs Gnadengesuch” ist ja eine Behauptung, ein Wunsch, die Öffentlichkeit möge das bitte, bitte so auffassen. Es ist keine Beschreibung – wie, als ob man Tom Schimmecks ,,Arschlochalarm” von 2005 schon wieder bestätigen möchte. Der Spiegel will schon wieder kein Zaungast sein.

Die Bevölkerung kann sich dabei doch gar nicht selbst zu Wort melden, höchstens sehr indirekt über Quoteneinbrüche, sobald es schon wieder um Wulff geht.

H.K.Hammersen Dezember 23, 2011 um 08:08

Das Lohndumping in D kann ja weiter gehen, wenn jetzt massenhaft Griechen und Spanier zu uns kommen. Jetzt können die komparativen Kostenvorteile voll ausgespielt werden. Arbeiten in D und zur Entspannung ans Mittelmeer. Aber nur, wenn mann über die richtigen Freunde verfügt.

gelegentlich Dezember 23, 2011 um 08:59

@H.K.Hammersen
Da ich nicht vermute dass die Komödie ,,Wulff” aufgelegt wurde um von der Realisierung der komparativen Kostenvorteile abzulenken und das es doch hier um ,,Biedermeier 2.0″ gehen soll verweise ich dazu besser auf Konicz ,,Die Krise kurz erklärt” für die sozusagen klassisch marxistische Erklärung:
http://www.heise.de/tp/artikel/36/36123/1.html
In diesem Rahmen sind Wulff, Maschmeyer und Schröder doch Figuren von untergeordnetem Rang. Und die noch untergeordnetere Frage, wie lange es noch dauert, ob wir noch was von unserer Rente (wie lange aber auch?) haben werden – die wird dort auch nicht beantwortet…

Keynesianer Dezember 23, 2011 um 09:30

@gelegentlich

Die Theorie der Krise von Konicz ist mal wieder Unsinn. Er ist eben “Marxist” und kein Keynesianer. Dem entsprechend will er die Krise als unvermeidbar darstellen, als eine Folge der Entwicklung und des Standes der Produkzivkräfte:

“Die avancierten kapitalistischen Gesellschaften gerieten folglich in die Krise der Arbeitsgesellschaft, die mit steigender Arbeitslosigkeit, allgemeiner Prekarisierung und/oder einem stagnierenden Lohnniveau einhergeht. Zugleich steigen mit dem technischen Niveau der Produktion die Aufwendungen für Infrastruktur, Bildung oder Produktionsinvestitionen, was wiederum die Massennachfrage und/oder die Unternehmensgewinne belastet.”

Für solche Theorien sind die Neoliberalen und deren Auftraggeber dankbar, die ja schon die Große Depression 1929-33 mit der Geldpolitik verursacht haben und damals einen ähnlichen Unsinn verbreiten ließen. Vor allem damals durch die ILO in Genf:

Emil Lederer: Technischer Fortschritt und Arbeitslosigkeit, Mohr Tübingen 1931; Technical progress and unemployment. ILO, Genf 1938;

Vladimir Woytinsky: Three sources of unemployment: the combined action of population changes, technical progress and economic development, International Labour Office, 1935;

Dabei hatte der Woytinsky vorher in Deutschland mit dem WTB-Plan noch selber eine expansive Kreditpolitik vertreten. Aber die International Labour Organization (ILO) in Genf stand unter dem Einfluss der britischen Imperialisten der Milner-Gruppe.

Es gilt selbstverständlich immer noch, dass jede Krise durch die richtige Geldpolitik sofort zu beenden ist, wenn das gewollt wird. Da gibt es keine unvermeidbare Krise wegen irgendwelchem Wertblödsinn nach Marx und keine “Krise der Arbeitsgesellschaft” wegen der Erfindung der Dampfmaschine oder des Computers.

Lasst Euch den Blödsinn nicht mehr länger einreden, dann müssen die auch wieder mit ihren inszenierten Krisen aufhören. Mehr wäre eigentlich nicht nötig, als dass jeder weiß, dass es die Krisen nur gibt, weil sie von interessierter Seite inszeniert werden. Schon wäre es ausgestanden, für immer. ;-)

gelegentlich Dezember 23, 2011 um 09:35

@Keynesianer
Sorry, ich wollte geradezu verzweifelt versuchen beim Thema ,,Biedermeier 2.0″ zu bleiben. Ansonsten haben Sie freilich , wenn Sie an sich selbst runterschauen recht, natürlich, aber es nützt nichts: Karl Schiller ist tot.

Doktor D Dezember 23, 2011 um 09:40

@cm: Ob die Klappe zu halten der richtige Rat war, kommt ein bisschen darauf an, was das Ziel von Wulff ist. Für Früstücksdirektorat mit schönen Auslandsreisen ganz gut; wenn Wulff aber noch davon träumt, von irgendjemand ernst genommen zu werden aka politschem Einfluss, dann war das ein schlechter Rat – und das konnte man wissen, als klar war, dass BILD und Spiegel die Fährte aufgenommen hatten. Mit dieser brillanten Taktik ist der Mann jetzt eine Witzfigur (und das war auch absehbar), der froh sein kann, wenn seine Zuhörer mehr Stil haben als er und nicht die Hälfte des Publikums bei großen Worten in seiner Rede in Kichern ausbricht. Das ist für einen eitlen Menschen wie Herrn Wulff bestimmt schwer zu ertragen.

Keynesianer Dezember 23, 2011 um 10:03

@gelegentlich

Wenn Du Dich gerne veralbern lassen willst, hätte ich da noch was für Dich:

“Der Wettlauf mit den Maschinen

Informationstechnik vernichtet Jobs und macht die Reichen immer reicher, behaupten zwei MIT-Forscher. ”
http://www.heise.de/tr/artikel/Der-Wettlauf-mit-den-Maschinen-1370433.html

Nicht die Neoliberalen sind die Schuldigen an Massenarbeitslosigkeit und Umverteilung zu Gunsten der Reichen, sondern die bösen Computer, lernen wir da von den “Wissenschaftlern” des MIT.

Leute, Ihr dürft einfach nicht aufhören, Euch ver*rschen zu lassen! Und vor allem Keynes ist ganz schlecht, der wollte nur den Kapitalismus retten. :-)

gelegentlich Dezember 23, 2011 um 10:21

@Keynesianer
Für dieses hohe Niveau reicht mein kleines Hirn noch (!) nicht. Ich denke da praktisch-empirisch. Schau mal hier:
http://faz-community.faz.net/blogs/deus/archive/2011/12/19/ein-lob-der-lobby.aspx
bei dem Kommentar ,,19. Dezember 2011, 22:46″ von ,,Vroni”. Die ist Person, die offenkundig eine ziemlich lange Erfahrung hat mit dem neuen Zeitalter mit den neuen Maschinen. Und welche Erfahrungen schildert sie damit?
Ob nur die bösen Neoliberalen die an sich guten Maschinen vergiften oder ob ein allgemeineres Problem dahinter steht? Beides hat mit ,,Biedermeier 2.0″, diesem Lehrstück politischer Meinungsumbildung in postmodernen Zeiten, nichts zu tun. Oder sollen wir jetzt Rüdiger Kalupner zu Hilfe rufen?

Keynesianer Dezember 23, 2011 um 11:02

@gelegentlich

“Beides hat mit ,,Biedermeier 2.0″, diesem Lehrstück politischer Meinungsumbildung in postmodernen Zeiten, nichts zu tun.”

Doch, freilich hat es mit der “Meinungsumbildung in postmodernen Zeiten” zu tun. Sehr sogar, weil hier der Unterschied zwischen den für die Menschheit wichtigen und völlig unwichtigen Meinungen sofort sichtbar wird. Willst Du über den Wulff frei meinen oder über die wichtigen Probleme der Menschheit?

gelegentlich Dezember 23, 2011 um 11:18

@Keynesianer

,,Willst Du über den Wulff frei meinen oder über die wichtigen Probleme der Menschheit?”

Mich persönlich interessiert das als ein Stück politischer Willensbildung heute. Was ich sehe ist:
- milliardenschwere Medienbesitzer wollen aus irgendwelchen Gründen Wulff weg haben
- sie können aus Gründen, die ich nicht kenne, ihre wirklichen Motive dafür nicht auf den Tisch legen
- sie schicken deshalb ihre Klopper-Truppe BILD los
- die scheitert bei dem Vorhaben, weil die Schläge noch zu schwach sind und sie selber ein so hohes Glaubwürdigkeitsproblem hat, dass man ihr das Motiv nicht abnimmt

Letzteres ist aber die Voraussetzung für die beabsichtigte Wirkung auf die Meinungsbildung. Mit der Einwirkung auf diese macht man natürlich weiter: im Moment versucht die Hilfstruppe SPIEGEL Online den Eindruck zu erwecken, Wulff hätte um Gnade gebeten und tut so, als ob jetzt aber wirklich nichts mehr dazu kommen darf.
Wohlgemerkt: das ist ja keine Tatsache, das will man erreichen, suggerieren.

Wenn es um ,,die Menschheit” geht sind wir im falschen Thread und am falschen Ort. Vielleicht doch Herr Kalupner?

Michael Michaelis Dezember 24, 2011 um 00:09

Ich verstehe nicht, wie man das Versagen von Gesellschaft mit dem Versagen Einzelner erklären will. Das geht doch nur dann, wenn man selbst alltägliche Erfahrungen – alle empirischen Fakten der eigenen Existenz – komplett ausblendet.

Man ist dann nur um Haaresbreite davon entfernt, alles Unglück den Juden (Negern, Zigeunern..) in die Schuhe zu schieben.

Leave a Comment

{ 1 trackback }

Previous post:

Next post: