Tücken der Technik

by h.huett on 28. Dezember 2011

Sie schmecken wie Krabben. Muzungus denken eher an Erdnüsse. Proteinreich. Leicht zu sammeln. Schnell zubereitet: Ab in die Pfanne (mit gerösteten Zwiebeln) und mit Bier oder Wodka runterspülen. In Kampalas Bars schnellen die Preise in die Höhe.

Jahresendzeitnahrung.

Wären da nicht die Tücken der Technik. Die Heuschrecke lässt sich nicht fangen, wenn das Kraftwerk ausfällt. Ohne Licht kommt sie nicht.

Um genauer zu sein: Du brauchst elektrisches Licht, um die Biester zu ernten. Kaum leuchtet die 250 Wattbirne, kommen sie in Scharen. Es ist natürlich Handarbeit, ihnen die Flügel abzuzupfen, sie in die alten Ölkanister zu stopfen, damit von Bar zu Bar zu ziehen, die Zwiebeln zu rösten, die dazu gehören, eine Kaskade alter Techniken und Traditionen.

Alle leiden sie unter dem Fluch des Fortschritts. Wenn die Regierung die Stromrechnung schuldig bleibt oder zu spät bezahlt, müssen die Liebhaber der Delikatesse Mondpreise zahlen. Inzwischen kostet der kleinste Beutel 34 Cents. Fast unbezahlbar.

Die biblische Plage hat sich durch den Segen der Elektrizität in eine saisonale kulinarische Marktlücke verwandelt. Nicht Strom und Sowjetmacht, sondern das Näschen für die Nische und ein gut entwickelter Geschmackssinn haben in der Erfindung des Heuschreckensnacks zusammengefunden.

Schon fangen die Skeptiker an, von den Grenzen des Wachstums zu raunen, als sie davon hören, dass manche Heuschreckendealer darüber nachdenken, eigene Generatoren zu kaufen. Sie denken fabrikmäßig, in Logistikketten, in antizyklischer Auslastung.

Irgendwann landen die biblischen Biester über Bielefelder Kühlketten frittiert auch bei uns auf dem Tisch.

Erst einmal aber nicht.

Warum ist es die Jahresendzeit, die solche Geschichten um die Welt gehen lässt?

{ 31 comments… read them below or add one }

topi Dezember 28, 2011 um 11:44

Fliegen die auch auf LEDs?
Und weiß Asbeck schon von dem Problem?

h.huett Dezember 28, 2011 um 11:48

topi
Ich vermute, Asbeck denkt an solare Fritiermaschinen und natürlich Speichertechniken. LED, da lachen die Heuschrecken drüber. Sie lieben die Hitze.

gelegentlich Dezember 28, 2011 um 12:02

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen:

- sie schmecken köstlich, ungleich besser als Pommes Frittes
- sind in öffentlichen Einrichtungen hier selbst mit dem Einverständnis aller Teilnehmer nicht konfliktfrei anzubieten
- für jeden Kenner Südostasiens ein uralter Hut

http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,327080,00.html
Viel später hat das bei SPON auch Jemand ausprobiert:
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,666425,00.html

Der Energieaufwand für die Zubereitungsform frittieren ist selbstredend sehr hoch. Nach anderen, nachhaltigeren habe ich noch nicht geforscht (Zeitmangel).

Balken Dezember 28, 2011 um 12:12

Endlich, neuer Stoff! Und auch noch von H.H.! Mir geht es gleich viel besser, danke! Das reicht für den Augenblick, can I have some more?
http://www.wiesaussieht.de/2011/12/24/frohe-weihnachten/#comment-11963

Horst Schmidt Dezember 28, 2011 um 12:19

Was hätte uns Heinrich Lübke intellektuell Wertvolles zu diesem Thema sagen oder zumindest berichten können?

http://www.youtube.com/watch?v=a6bNRU8NOIk

Balken Dezember 28, 2011 um 12:20

@ H.H.
Jauch bei Wer wird Millionär würde jetzt fragen: War’n Sie da schon? Produktplacement, im konkreten Zusammenhang Reisewerbung im allgemeinen und im besonderen, gehört zum Sendeformat. Obwohl, manch einer der schon da war, weiss über wo und wie auch nur etwa soviel: Liegt ca. sechs Flugstunden hiner FFM.
Hier bei wiesaussieht darf man wahrscheinlich auch was wissen ohne dagewesen sein zu müssen?

Nanuk Dezember 28, 2011 um 12:26

Da hast du aber noch keinen Lutefisk gegessen…

gelegentlich Dezember 28, 2011 um 12:49

@h.huett
Warum hängt mein Kommentar bei der Moderation?

h.huett Dezember 28, 2011 um 13:03

Zwei links in einem Kommentar aktivieren den spamfilter.

h.huett Dezember 28, 2011 um 13:07

Balken
Ich war da, wo man Heuschrecken isst. ZB in Malawi. Und ja, in unserer Netzwerkwelt kann man viel wissen, ohne überall gewesen zu sein.

Nanuk Dezember 28, 2011 um 13:18

“Und ja, in unserer Netzwerkwelt kann man viel wissen, ohne überall gewesen zu sein.”

Man kann auch nichts wissen und überall gewesen sein… Reisen ist mehr Wissenserweiterung für die Bereisten als für die Reisenden…

Nanuk Dezember 28, 2011 um 13:32
Nanuk Dezember 28, 2011 um 13:33
h.huett Dezember 28, 2011 um 15:22

Nanuk
Geschlossene Kühlkette von den Heuschreckenplagen zu den Delikatessenläden in New York, Tokio, London, Peking nicht vergessen. 25% Rendite nach Steuern :-D

Balken Dezember 28, 2011 um 15:28

“Warum ist es die Jahresendzeit, die solche Geschichten um die Welt gehen lässt?”
Vielleicht gibt es neben dem Sommerloch doch auch ein Jahresendloch – Gott sei Dank ein paar Tage ohne wirkliche Aufreger(und Mediensüchtige wie ich finden schon noch etwas belangloses um sich zu beschäftigen, statt zu leben, warum nicht fritierte Heuschrecken als Thema) .
Solange wir uns nicht wie Johannes der Täufer von “Heuschrecken und wildem Honig”) ernähren müssenn pur und ohe haute cuisine, sondern uns darüber austauschen, ob gegrillt oder frittiert und in welcher Hülle gebacken oder doch lieber in Schokolade, nach all dem Weihnachtsbraten der ultimative Insektenkick eintritt, gehts uns ja noch gold…

Balken Dezember 28, 2011 um 15:43

Perverser Luxus ist, Sachen zu fressen mit raffinierter Zubereitung, die andere Menschen essen müssen ohne raffinierte Zubereitung.
http://www.einmalige-erlebnisse.de/Gourmet/Insekten-Kochkurs?gclid=CMCsqtn_pK0CFUhrfAodhFdTnQ

h.huett Dezember 28, 2011 um 15:55

Balken

Was soll ich dazu sagen? Da schreibe ich den ultimativen Beitrag zur Dekonstruktion des Kommunismus und keiner merkts :-D

Nanuk Dezember 28, 2011 um 16:07

“Es ist eine Überbrückungshilfe für die Banken”

Noch so ein Brückenbauer… Weidmann du Idiot die sind Insolvent die trauen sich nicht weil sie alle wissen was sie selber in dem Bilanzen haben.

http://de.reuters.com/article/topNews/idDEBEE7BR00T20111228

Nanuk Dezember 28, 2011 um 16:09

“Was soll ich dazu sagen? Da schreibe ich den ultimativen Beitrag zur Dekonstruktion des Kommunismus und keiner merkts ”

Wie du siehst Funktioniert der Kommunismus wunderbar… man muss halt nur Banker sein…

Nanuk Dezember 28, 2011 um 16:19

http://www.faz.net/aktuell/finanzen/rohstoffe-irans-drohungen-halten-den-oelpreis-hoch-11583009.html

und das ist natürlich der Iran Schuld und nicht die neuen Gazilliarden der EZB Was würde die nur ohne den Iran machen…

Nanuk Dezember 28, 2011 um 16:20

Im Deflations Sumpf absaufen…

xefix Dezember 28, 2011 um 16:41

@Hans Huett
wunderschönes Gleichnis!

Die letzten Aufrechten Amazonen
im Kampf gegen die Monokultur,
landen in den Fritteusen
der Zivilisation.
Na dann ;)

Polyphem, nach dem Intermezzo mit Ulysses,
brüllte auch, daß NIEMAND (outis)
ihm das Augenlicht raubte.
Somit gab es keinen Anlass einzugreifen.
Für die vielen seiner Monokel tragenden
Verwandschaft. Trotz Telemaos,
dem Fernseher ;)

nixfürungut

flummi Dezember 28, 2011 um 22:10

5. Sustainable development seeks to eradicate poverty in order to live well, not generate wealthy people who live at the expense of the poor. The goal is the satisfaction of basic human needs in order to allow for the development of human capabilities and human happiness, strengthening community among human beings and with Mother Earth.
quelle

grüße aus der Gummizelle

wowy Dezember 28, 2011 um 22:52

“Die Tradition aller toten Geschlechter lastet wie ein Alp auf dem Gehirne der Lebenden. Und wenn sie eben damit beschäftigt scheinen, sich und die Dinge umzuwälzen, noch nicht Dagewesenes zu schaffen, gerade in solchen Epochen revolutionärer Krise beschwören sie ängstlich die Geister der Vergangenheit zu ihrem Dienste herauf, entlehnen ihnen Namen, Schlachtparole, Kostüm, um in dieser altehrwürdigen Verkleidung und mit dieser erborgten Sprache die neuen Weltgeschichtsszene aufzuführen.”

ntrop Dezember 29, 2011 um 07:14

Und da sage noch mal wer, die Zufriedenheit mit sich selber würde hier nicht den Verfall beschleunigen.

Gestern nicht den Wulff verstanden, heute andere “Luxussorgen”, resp. Peinlichkeiten so dahin stellen, als gäbe es da irgendetwas nicht zu verstehen.

Schalten Sie auch morgen wieder ein, wenn es wieder heisst:
Verraten und Verkauft.
Warum Sie hier keinen Stich mehr machen (©Focus).

Lina Dezember 29, 2011 um 12:10

Auf die Entomophagie folgt dann die Anthropophagie.

h.huett Dezember 30, 2011 um 07:44

Lina

Die Logik, wer Heuschrecken isst, bei dem landen am Ende auch Menschen im Kochtopf, erschließt sich mir nicht. Ich gebe zu, dass der missverständliche Gebrauch des Wortes Heuschrecke in der politischen Ökonomie zu einer solchen Logik führen könnte, aber auch dann wüsste ich nicht, wer auf die Idee käme, so jemanden wie Guy Hands als Braten zu betrachten. Mit Hunger, Not oder gar Appetit kann das nichts zu tun haben.

Bei allem Respekt vor Occupy ist mir in ihrem Umfeld noch kein Kannibalismus aufgefallen. Nicht mal als Programm.

Worauf stützt sich Deine Behauptung?

Nanuk Dezember 30, 2011 um 09:12

@hütt
Du weist doch manche haben so viel Geld wenn man ihnen das Geld nimmt lösen die sich in Luft auf…

gelegentlich Dezember 30, 2011 um 12:19

@alle
Ihr seid weder Entomo- noch Antropophagen, ich selber bin gelegentlich ein Entomophage. Warum gelüstet es Euch überhaupt darüber zu schreiben?
Es gibt ja nicht mal praktische Handreichungen zu wenigstens einem von Beiden.

Lina Dezember 30, 2011 um 16:04

Nimm’s locker Hans ;)

Ich bin auf keiner Seite. Ich beobachte nur.
Und manchmal assoziere auch ich. :D

Bild 1
Der polnische Präsident hatte Letztens gesagt, dass manche Länder in der EU die Esser am Tisch und andere Länder die Nahrung darstellen. Und er will nicht, dass sein Land als Nahrung auf dem Esstisch landet. (Finde den Link nicht)

Bild 2
Menschen stecken hinter Heuschrecken. Sie züchten sie. Dann grillen sie sie und fressen sie. Bis keine mehr übrig ist. Und dann? Uaaaaaaaaahhhhh! LOL!

Ich weiß…..Du wolltest etwas GANZ anderes ausdrücken, das ich sehr gut verstehe. Aber ich spiele halt gerne ;)

Einen guten Rutsch ins neue Jahr wünsche ich Euch allen.

P.S.:
Menschliche Herausforderung:
Sich selbst nicht so ernst zu nehmen und seine eigene Verrücktheit, Schwäche und Endlichkeit ertragen können.

Leseratte Januar 1, 2012 um 23:29

Langeweile gebiert schon mal absonderliche Blüten.

Leave a Comment

{ 1 trackback }

Previous post:

Next post: