Von der Würde des Amtes

by f.luebberding on 30. Dezember 2011

Für das kommende Jahr wünschen wir unseren Lesern und Leserinnen alles Gute. Vielleicht wird sich dann auch bei uns folgende Rechtsauffassung durchsetzen, die Slavoj Žižek in einem Gespräch mit Dietmar Dath und Daniel Cohn-Bendit in der FAZ von morgen so skizziert:

“Der englische Autor Richard McGregor hat in seinem Buch „The Party“ wunderbar beschrieben, wie es in China läuft: Auf der einen Seite sind da der Staat, die Kommunen, das Rechtssystem, und auf der anderen hat man die Kommunistische Partei, auf der das alles fußt, die aber offiziell gar nicht existiert. Vor zehn Jahren hat nämlich ein mutiger chinesischer Dissident eine Klage gegen die Kommunistische Partei wegen des Massakers von 1989 auf dem Platz des Himmlischen Friedens eingereicht, aber das Gericht hat sie nicht angenommen, weil es keine Organisation in China gäbe, die Kommunistische Partei heißt. Das hätte sich Carl Schmitt nicht schöner ausdenken können.”

Damit hätte sich auch das Problem des § 90 StGB gelöst. Etwas, was nicht existiert, kann bekanntlich nicht beleidigt werden. Ein Facebook Blogger wird nämlich mit dem Straftatbestand namens “Verunglimpfung des Bundespräsidenten”  am 11. Januar kommenden Jahres in Dresden Bekanntschaft machen. Was ich davon halte, liest man hier. Von Beleidigungen bitten wir in den Kommentaren Abstand zu nehmen. Aber das ist nun wirklich nichts Neues.

{ 77 comments… read them below or add one }

snozin Dezember 30, 2011 um 18:21

Angeregt von diesem, das Jahr 2011 zum Hinterausgang begleitenden Beitrag, überlege ich, bei welchen Anlässen ich mich NICHT beleidigt fühlen soll. Sie sind selten genug. Vielleicht gelingt es mir und möglichst vielen beim letzten und ersten Rutsch. Viel Gluck.

Und Glück!

A. G. Dezember 30, 2011 um 18:21

Ein Würdenträger sollte des hohen Amtes würdig sein.

Guten Rutsch!

A. G. Dezember 30, 2011 um 18:29
Reinhard Dezember 30, 2011 um 19:34

Von Beleidigungen bitten wir in den Kommentaren Abstand zu nehmen.

Genau. Sagt wenigstens “Sie Arschloch!” :)

holger Dezember 30, 2011 um 20:17

Lübberding mach einfach noch ein paar Tage Pause

Der Bundespräsident winkt, während seine Gattin scheinbar den linken Arm zum sogenannten „deutschen Gruß“ erhoben hat.

hier das Foto: (ich hab kein anderes) http://www.dasgelbeforum.de.org/board_entry.php?id=244762

Lübberding… es könnte sowohl der rechte und auch der linke Arm sein. Der zum GröfaZ Gruß irgendwohin geht, je nachdem wie man zum Körper steht. Könnte aber auch sein, “Ave Caesar”

Johannes P. Dezember 30, 2011 um 21:12

“Es ist dabei unklar, ob das Foto vom Autor entsprechend manipuliert worden ist oder ob es sich um einen zufälligen Schnappschuss handelt. Das erscheint aber als kaum relevant. Niemand kann ernsthaft davon ausgehen, dass sich die Frau des Bundespräsidenten in entsprechender Weise artikulieren könnte.”

Natürlich ist es relevant, ob sie sich in entsprechender Weise artikuliert hat, solange hier Gesetze wie §86a StGB gelten, deren Regelungsgegenstand das bloße Zeichen ist, nicht die dahinterstehende Verwendungsabsicht.

Hans Hütt Dezember 30, 2011 um 21:29

Der amtierende Bundespräsident hat durch den zeitlichen Ablauf seiner Kreditgeschäfte ohne weiteres Zutun Dritter zum Ausdruck gebracht, für wen er durch ihm eingeräumte Vorteile Gefahren erwachsen sah. Für sich selbst. Die Würde des Amtes hat er verfehlt. Zum Verständnis dieses Sachverhalts braucht er sie auch nicht.

holger Dezember 30, 2011 um 21:53

Schon die alten Römer waren Neo Nazis (NSU) aber mehr wie zwei Leute.

http://img.fotocommunity.com/photos/3424262.jpg

Adolf H. war Vege-t(arier) hat gepopelt und rechtsradikal auf der Toilette das Glückssymbol der Inder abgemalt. Malen nach Zahlen.

holger Dezember 30, 2011 um 21:58
wowy Dezember 30, 2011 um 23:02

Da ich den Facebookeintrag nicht kenne hier ein m ö g l i c h e r Gedankengang.
Zwischen §90 StGB, der durch den Begriff der Verunglimpfung auf die §§ 185 – 187 StGB verweist, und Art. 5 Abs. 1 GG besteht ein Konkurrenzverhältnis.
Die Meinungsfreiheit darf nach Art. 5 Abs. 2 Grundgesetz nur eingeschränkt werden, wenn es sich um die Verletzung der p e r s ö n l i c h e n Ehre handelt. Die Ehre eines Amtes ist hier nicht genannt. Das ist folgerichtig, denn Art.1 Abs. 1 Satz 1 GG bezeichnet die Menschenwürde als das höchste Gut des Grundgesetzes.
Ist § 90 StGB also ein Anachronismus, ist er vielleicht sogar verfassungswidrig? Das hätte das BVerfG im Zweifel zu entscheiden.
In jedem Fall muss er sich an der Meinungsfreiheit messen lassen, denn sonst steht Art. 18 GG entgegen.

Hans Hütt Dezember 30, 2011 um 23:51

Manchmal muss man Anlass und Vorwand unterscheiden. Dabei hilft nicht das StGB.

Das Gespräch zwischen Zizek (sorry for bad spelling!), Cohn-Bendit und Dath hat einen eigenen Beitrag beyond our despised caricature of a Landesvater verdient.
Ich komme darauf morgen zurück.

Stephan Dezember 31, 2011 um 00:01

Gähn! Crony Capitalism reicht nicht mehr als Vorwurf. Jetzt wird auch noch die Nazi-Keule ausgepackt. Halt so dass niemand einem wirklich einen Strick daraus drehen kann. SOOO hab ich das nicht gesagt und geschrieben! Ein ganz Böser wer da einen schlimmen Vorwurf liest.

wowy Dezember 31, 2011 um 00:10

Der Antrag wurde im Dezember 2010 gestellt. Da war von Wulffs Verfehlungen noch nicht die Rede. Aber Frau Wulff wurde am 1. Dezember zur Schirmherrin UNICEF Deutschland berufen. Vielleicht lag darin das Motiv des Antrags?

Stephan Dezember 31, 2011 um 00:10

Und der liebe Hans ist ganz aufgeregt und moralisch entrüstet. Gestern war ein Heuschrecken-Gourmet wie Reaktionär Tyler Cowen mein Spezi und heute leg ich mich lieber mit dem Über-Marxisten Slavoj Žižek ins Bett. Mein Prinzip ist Prinzipienlosigkeit.

wowy Dezember 31, 2011 um 02:58

@Stephan
Nicht noch im alten Jahr aufregen ;-)
Jetzt haben wir doch alle hinreichend Erfahrung mit Hans Hütt sammeln können. Er ist ein sehr kluger Kopf, mit großem historischen Wissen, auch rhetorisch sicher mit guten Anlagen….
Aber er ist eben auch ein Spieler, das behaupte ich jetzt mal.
Ein Spieler deshalb, weil er gerne komplizierteste und verschwurbelste Dinge in den Ring wirft und dann schaut, was passiert. Dabei, das hatte Q. kürzlich sehr treffend bemerkt, passiert es des Öfteren, dass er am Anfang einen Standpunkt vertritt, den er im Laufe der Diskussion auch gerne flexibel erweitert, um es freundlich auszudrücken.
Ich habe auch schon mehrfach, auch an meinen Kommentaren, beobachtet, dass er Argumenten total entgegentritt, sie geradezu als Unfug abqualifiziert, um sie in seinem nächsten Posting als eigene, schon immer gewusste Meinung zu präsentieren ;-)
Und was die Rhetorik betrifft, so möchte ich für meinen Teil sagen, dass ich wirklich rhetorisch gut Joachim Fest fand. Dessen Meinung habe ich inhaltlich oft nicht geteilt, aber er brachte das ganze Wissen mit und hatte die unglaubliche Fähigkeit sich trotzdem kurz und präzies auszudrücken , und dabei sein Wissen, ohne angeberisch oder überheblich zu sein, wirklich vermitteln zu können, auch im direkten Frage-Antwort Dialog.
Jobst Siedler könnte man noch nennen, oder in der modernen Literatur Ferdinand von Schirach, nur als ein Beispiel.

Das Widersinnige ist ja hier öfters im Blog, dass die Beitragsschreiber sich über Umstände eschofieren, die sie selbst betreiben.

In diesem Sinne @all ein humorvolles 2012 :-)

h.huett Dezember 31, 2011 um 08:14

wowy

Was für ein Missverständnis des Formats. Wie würde Joachim C. Fest bloggen? Wie wäre der Historikerstreit unter den Bedingungen des Internets über die Bühne gegangen? Der Charme des Formats liegt für mich im Unterschied zu der anderen Versuchsanordnung eines Essays. Durch Einwände, Kritik und Diskussion kommt eine auf die Probe gestellte These manchmal erst in den Blick oder fällt um oder nimmt eine Kurve. Die Prozesshaftigkeit und die Prüfung des eigenen Denkens durch ein bissfreudiges Kommentariat gewinnen eine andere für das Publikum fast in Echtzeit zu beobachtende Anschaulichkeit.

Wer diesen Prozess wie eine Gewinn- und Verlustrechnung betrachtet oder beleidigte Leberwurst spielt, hat die Chancen und das heißt auch die Herausforderungen und Zumutungen nicht verstanden, spielt nur wie in einer Blase verpackt mit. Das führt mitunter zu schrillen Tönen, solange sie aber die kommunikative Anschlussfähigkeit nicht kappen, tragen auch sie ihren Teil dazu bei, eine These zu prüfen.

In dem Sinne à poursuivre!

Keynesianer Dezember 31, 2011 um 08:16

Ah – schaut – ein FAZ-Marxist und Weltrevolutionär:

“Beginnend mit Berichten von den 68. Filmfestspielen von Venedig im September 2011, schreibt Dath wieder als Feuilletonredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Dath ist Kommunist.[4] In Alexander Kluges Karl-Marx-Film tritt Dath als Experte auf. Im Januar 2009 diskutierte er mit Philipp Oehmke im Spiegel über die „Zukunft des Marxismus“[5] und antwortete auf die Frage, ob er für die „Beseitigung des kapitalistischen Systems“ sei, mit: „Absolut. …”
http://de.wikipedia.org/wiki/Dietmar_Dath

Was für ein Affentheater! Da fehlen einem doch die Worte. ;-)

Keynesianer Dezember 31, 2011 um 08:26

Mit Dietmar Dath, Slavoj Žižek und Daniel Cohn-Bendit waren die richtigen drei beisammen, da passt ja einer zum andern wie die sprichwörtliche Faust auf das Auge des Betrachters.

Darum merkt Euch gut: Auch in unseren Tagen ist der Marxismus eine Inszenierung des Kapitals (von FAZ bis CIA) mit Hilfe übelster Gestalten.

Noch Fragen zu meinen Thesen oder Zweifel? Fehlen jemandem noch Beweise? :-)

Nanuk Dezember 31, 2011 um 08:32

Es kommt auf die Persönlichkeit des Täters an?

Wohl eher auf die Persönlichkeit des Opfers oder…
http://www.youtube.com/watch?v=-OYgede9JM0

Nanuk Dezember 31, 2011 um 08:35

“Dietmar Dath, Slavoj Žižek und Daniel Cohn-Bendit ”

Du auch Opfer? Nur weil dich die Grünen unter Naturschutz gestellt haben heist das noch lange nicht das das gut für dich ist…

h.huett Dezember 31, 2011 um 08:47

Keynesianer

Es wäre gut, wenn die Worte nicht so fehlten …

wowy

Wenn diese hübsche Grafik weitergedreht würde, dann befänden wir uns mit der Frage, warum, wie und mit welcher für die Weiterentwicklung des eigenen Denkens und Schreibens nützlichen Selbstorganisation des Bloggens und Kommentierens am zweiten Tag, sagen wir, high noon. Rick Santorum führt gerade am lunatischen Rand der Republikaner vor, was das heißt, dh er paradiert ständig mit einem Gewehr durch die Gegend.

Nanuk Dezember 31, 2011 um 08:49

Herrlich wie sich ein Staatsoberhaupt zum Opfer macht das genau das hätte auch Carlo Schmitt einfallen können…

Nachruf Dezember 31, 2011 um 08:54

@ HH

Dann gibt es ja Hoffnung, dass wir noch etwas dazu lernen ;-)
Auch und gerade für 2012.
Drehen wir weiter !

http://www.youtube.com/watch?v=AthRv__R_Lw&feature=related

cool story about a tape of music

Nanuk Dezember 31, 2011 um 09:11

Rick Santorum

Ein Katholik im Weissen Haus das kann den USA nur helfen im moment… man kann jemanden auch absichtlich falsch verstehen.

h.huett Dezember 31, 2011 um 09:13

Nanuk

Meinst Du Carlo Schmid oder Carl Schmitt? Oder siehst Du zwischen den beiden keinen Unterschied?

h.huett Dezember 31, 2011 um 09:15

all

In Frankreich befindet man sich an der Schwelle zu den Präsidentschaftswahlen etwa im deutschen Jahr 2002 und der Ankündigung einer Kommission. Als Vorbereitung dienten kürzlich die Pariser Gerhard Schröder Festwochen. Jetzt folgt der Gipfel der Willigen im Elysée-Palast. Sarkozy will hartzen.

Nanuk Dezember 31, 2011 um 09:19

Da ist im grossen und ganzen kein unterschied…

Nanuk Dezember 31, 2011 um 09:24

Zu Carlo Schmid während des Nationalsozialismus

“Nach der Machtübernahme durch die NSDAP gründete er mit Kollegen und Studierenden in Münsingen einen Freiwilligen-Arbeitsdienst, in welchem arbeitslose Jugendliche zusammen mit Studenten in einem Steinbruch arbeiteten. Hintergrund war die Hoffnung Schmids, durch persönlichen Einsatz die Jugendlichen vor der radikalen Massenbewegung des Nationalsozialismus zu bewahren.”

Super idee oder?

Linus Dezember 31, 2011 um 09:28

@Nanuk:
“Super idee oder?”. Ja, das hat was von 1-Euro-Jobs und Ich-AG.

Nanuk Dezember 31, 2011 um 09:30

Wir Harzen alle im Steinbruch und werden beschäftigt und dann werden wir keine Nazis…

Hagenbuch und die Leibeserziehung

http://www.myvideo.de/watch/6771559/Hanns_Dieter_Huesch_Hagenbuch_und_die_Leibeserziehung

Linus Dezember 31, 2011 um 09:39

@huett:
“Was für ein Missverständnis des Formats. …”

Da hast du schon einerseits schon recht, erst die Auseinandersetzung, die Diskussion macht das Leben bunt. Andererseits läuft man ständig Gefahr, nicht mehr durchzublicken (gilt besonders auch für dich ;-)). Siehe dazu auch meinen Knochen-Post
http://www.wiesaussieht.de/2011/12/24/frohe-weihnachten/#comment-12092

Schönes Neues!

h.huett Dezember 31, 2011 um 09:44

Nanuk

Du verkennst den Zeitpunkt und die Intention der damaligen Initiative. Sie setzte Projekte der Reformpädagogik fort, die schon in den 20er Jahren mit dem Ziel begonnen wurden, Kinder und Jugendliche aus allen sozialen Schichten und aus konkurrierenden politischen Lagern zusammenzubringen und ihnen die Möglichkeit zu bieten, aus dem Drahtverhau einer republikfeindlichen politischen Kultur herauszukommen.

Wie in vielen anderen Feldern auch (keynesianische Wirtschatfspolitik zB) bedienten sich die Nazis nach 1933 dieser Ansätze und formierten den Reichsarbeitsdienst. Daraus den Schluss zu ziehen, das eine sei wie das andere und alles Scheiße, verwechselt zu viel und erklärt nichts.

h.huett Dezember 31, 2011 um 09:46

Linus

Völlig d´accord, so dunkel war das übrigens nicht ;-)

Nanuk Dezember 31, 2011 um 09:53

“Reformpädagogik”

Trillerpfeife… hat ja wunderbar funktioniert… Brücken bauen sollen wir die von der anderen seite abgerissen werden? Sado Maso?
http://www.zeit.de/2011/52/DOS-Maria-und-Josef?commentstart=17#comments

Nanuk Dezember 31, 2011 um 09:56

Das hat die SPD bis heute nicht verstanden das sie die Brücke gebaut haben über die die Nazis dann gelaufen sind…

Nanuk Dezember 31, 2011 um 09:58

Das ist wie Steinbrück der von Aristokraten des Gemeinwohls faselt… das geht nicht.

llse Dezember 31, 2011 um 10:00

Žižek: “Das Problem sind aber nicht Banker*, die sich schlecht benehmen, es ist das System, das sie dazu zwingt, sich schlecht zu benehmen. Was wir wirklich brauchen, ist ein vereinigtes Europa, das sein geistiges Erbe hochhält.”

*Bupräs, etc.

Nanuk Dezember 31, 2011 um 10:00

Man muss Arschlöcher Arschlöcher nennen dürfen… das muss eine Republik aushalten sonst ist sie keine.

Nanuk Dezember 31, 2011 um 10:03

Das ist wie Fischer als “Arschloch” gestartet und als Bettvorleger gelandet.So macht man die Republik kaput genau so…

Keynesianer Dezember 31, 2011 um 10:19

@h.huett

“Sarkozy will hartzen.”

Die Operation Sarkozy von Thierry Meyssan :
http://www.voltairenet.org/article157870.html

Jetzt wird überall in den Eurostaaten mit Sparpolitik, Lohnkürzung und Sozialabbau die Binnenkonjunktur kaputtgemacht, dann darf Europa für die USA und GB produzieren und die Ausbeuter können ihre Profite an der Wallstreet oder der City of London anlegen.

Bald geht es auch in Deutschland mit Peer Steinbrück um die Agenda 2020. Europa soll lateinamerikanisiert werden. Begleitend dazu dürfen in der FAZ Figuren wie Zizek und Cohn-Bendit mit Dath über Marx und die Welt diskutieren.

Das schadet dem Kapital nicht und klingt furchtbar fortschrittlich und links. ;-)

Horst Schmidt Dezember 31, 2011 um 10:25

@ Nanuk

Fischer im Oberhaus der Weisen?

Wie glaubte die “Welt” uns empfehlen zu dürfen?

“In Wahrheit existiert dieses Oberhaus längst in der politischen Parallelwelt von Zeitungen, Zeitschriften und Talkshows. Im virtuellen Oberhaus sitzen Helmut Schmidt, Heiner Geißler, Joachim Gauck, Joschka Fischer, Edmund Stoiber oder Hildegard Hamm-Brücher und liefern lebenskluge Ansichten, die man zwar nicht immer teilen muss, die vom taktischen politischen Geschäft aber kaum belastet sind. Diese Alten verbindet ein Credo: Es geht ihnen nicht in erster Linie ums Rechthaben, sonder ums Besserwerden. Die genannten Namen könnte man in konzentrischen Kreisen erweitern, sie müssten gar nicht auf den politischen Raum beschränkt bleiben.”

http://www.welt.de/print/wams/vermischtes/article13783131/Deutschland-braucht-ein-Oberhaus-der-Weisen.html

In diesem Sinne in ein Neues Jahr gerutscht!

Linus Dezember 31, 2011 um 10:30

@huett:
NB: Der große Irrtum der Aufklärung war es zu glauben, daß die Menschen, die Welt logisch funktionieren (könnten). Das stimmt nicht, die Welt funktioniert “heuristisch” im eigentlichen Sinne des Wortes. Dieses “aufgeklärte” Denken hat uns bis in die 70-er Jahre, ja bis zum Ende des kalten Krieges bestimmt.

Ich halte das, was Goodnight immer als Moderne bezeichnet, für die Wiederentdeckung des heuristischen Prinzips, also nicht für ein Hinzukommen eines neuen Paradigmas, sondern für ein Wegfallen, Relativieren des logischen Paradigmas. Das eröffnet idT völlig neue Möglichkeiten, birgt aber auch die Gefahr des Verlustes der inneren Kohärenz, des Auseinderfallens des Individuums, des Herausfallens aus der Welt.

Ich freue mich z.B. außerordentlich an Nanuks Argumentations- und Assoziations-Girlanden. Absolut zielsicher springt er von Stein zu Stein, balanciert ein wenig und ist schon wieder auf dem nächsten. Trotzdem frage ich mich, ob er jemals über den Fluß kommt. Oder will er das vielleicht gar nicht?

Die Frage unserer Zeit wird nicht so sehr sein, was das Individuum ist, sondern wo es anfängt und wo es aufhört.

Nanuk Dezember 31, 2011 um 10:32

Einen Anachronismus als Fortschritt zu feiern hat schon was… 90 Jährige die besser werden wollen na dann. Am ende werden die schlechten Katholisch.

enrico Dezember 31, 2011 um 10:43

“Würde des Amtes” Hmmpfuahahaha

Aus britischer Sicht:
Das Bild ist witzig. Der Präsident nicht.
Bisschen wie die Mohammed-Karrikaturen in den Jyllands Posten.

Seit 1945 gibt es ein Menschenrecht, das jedem Erdenbürger erlaubt sich über deutsche Führer und deren Gatten lustig zu machen. Das ist ein Grundrecht. Das gilt genauso für deutsche wie auch für luebberdinger Bürger. Dieses Grundrecht lassen wir uns nicht nehmen! Gell, Mohammed?

All we wish for 2012:
Frank Lübberding for President or Präsident!

Guten Rutsch!

Hans Hütt Dezember 31, 2011 um 10:43

Nanuk
“Am ende werden die schlechten Katholisch.”

Erzkatholik, der Du bist, liegt es nicht in Deiner Hand, Dich darüber zu beschweren. Sei froh über jeden reumütigen Sünder, auch wenn es die falschen Sünden sein mögen, die bereut – und die richtigen, die fortgesetzt werden.

Nanuk Dezember 31, 2011 um 10:44

@Linus
Das würde Bieri dazu sagen… und genau darauf muss die Politik eine antwort finden.

„Was unterscheidet Einfluss, den wir als Manipulation empfinden, von Einfluss, der die Selbstbestimmung nicht bedroht, sondern fördert? Ich halte das für die tiefste und schwierigste politische Frage, die man aufwerfen kann.“

Horst Schmidt Dezember 31, 2011 um 11:03

Ach ja, wie wird ein Beitrag von Joschka Fischer in der “SZ” übertitelt:
“Ein Lob den Märkten”

und endet wie folgt:

” Ach ja, und wem verdanken wir all diese europäischen Fortschritte? Der Weisheit unserer Staats- und Regierungschefs und ganz besonders von Merkozy? Leider Fehlanzeige. Es war fast ausschließlich der Druck der viel geschmähten Märkte! Es war nicht die Politik, die Berlusconi gestürzt hat, sondern die Märkte. Und es war auch nicht die Politik, welche die Tür zur Fiskal- und danach zur politischen Union geöffnet hat, sondern ebenfalls die Märkte. Dass dies so ist, fällt ausschließlich in die Schuld der Politik. Ihr fehlt es an strategischer Weitsicht und Mut in der Krise Europas und auch bei der Regulierung der Märkte.”
http://www.project-syndicate.org/commentary/fischer69/German

Wer war es eigentlich, der 1999 glaubte, nicht gegen die Finanzmärkte regieren zu können? Richtig dieser Weise aus dem “Grünen-Land”!

h.huett Dezember 31, 2011 um 11:15

Horst Schmidt

Die ausgedienten Staatslenker erzählen so viel. Andere erzählen Anderes

Frohes Abheben!

Linus Dezember 31, 2011 um 11:15

@nanuk:
Volltreffer! Das wollte ich auch grad sagen :-D.
Der Witz: Es ist ungleich schwieriger für den Manipulierten als für den Manipulator, die Frage zu beantworten. Daraus ergibt sich ein ganzes Trum Verantwortung, also keine so ideale Lösung.

Die Alten haben als Ausweg aus diesem Dilemma häufig in Parabeln gesprochen. Das gibt dem Opfer wenigstens die Möglichkeit einer eigenständigen Interpretation des Bildes. Trotzdem, die Bildauswahl bleibt beim Täter. Und das Opfer meint noch, selbst darauf gekommen zu sein …

Carlos Manoso Dezember 31, 2011 um 11:51

h.huett Dezember 31, 2011 um 11:15
„Die ausgedienten Staatslenker erzählen so viel.“

Der “ausgediente Staatslenker” Christian Wulff gibt den idealen Totengräber des Amtes des Bundespräsidenten: Die ZEIT (Juni 2011), Interview mit “Staatslenker” Christian Wulff:

“Christian Wulff: Mir macht Politik tatsächlich viel mehr Freude, als dass sie Enttäuschungen bereitet. … all das empfinde ich als Bereicherung, und deswegen habe ich mein politisches Engagement nicht infrage gestellt.
DIE ZEIT: Nie?
Wulff: Es gab eine Ausnahme: Während der Parteispendenaffäre habe ich mich gefragt, ob ich im richtigen Metier, in der richtigen Partei bin, als damals immer mehr Verstrickungen und Rechtswidrigkeiten bekannt wurden. Wenn das beschönigt, als nicht so schwerwiegend oder »kann doch mal vorkommen« verharmlost worden wäre, dann hätte ich nicht weitergemacht. Wo kommen wir hin, wenn die Politik die eigenen Gesetze ignoriert?
DIE ZEIT: Es soll einen zweiten Moment des Selbstzweifels gegeben haben – beim Treffen des »Andenpakts« Pfingsten 2010. Da sollen Sie, so gibt es der Spiegel wieder, gesagt haben: »Entweder es tut sich bald was, oder ich hau in den Sack!«
Wulff: Das kann ich nicht gesagt haben, weil ich so nicht formuliere. Ich habe dort etwas gesagt, was ich heute noch stärker empfinde: dass Parlamente stärker an Entscheidungen teilhaben müssen. Dass heute zu viel in kleinen »Entscheider«-Runden vorgegeben wird, was dann von den Parlamenten abgesegnet werden soll. Darin sehe ich eine Aushöhlung des Parlamentarismus. Damit schwindet die Grundlage für Vertrauen, fehlt die Transparenz und Teilhabe für Bürger und Parlamentarier.
Wulff: …Diese Erkenntnisse dürfen nicht ignoriert werden. Menschen reagieren empfindlich, wenn Fairnessprinzipien verletzt werden. Im schlimmsten Fall bricht Kooperation ganz zusammen. Deswegen muss Unfairness sanktioniert werden. Manchmal hilft auch eine Entschuldigung. Europa ist eine Schicksalsgemeinschaft, deren wichtige Grundlage die Solidarität ist. Wenn jeder an sich selber denkt, ist eben noch nicht an alle gedacht. Es geht darum zu geben, aber auch zu fordern. Das muss kommuniziert werden….
DIE ZEIT: Wann empfinden Sie die Kritik in den Medien als wohlfeil?
Wulff: … Trotzdem: Im internationalen Vergleich hat Deutschland eine gute Medienlandschaft. … Das Amt ist nicht so angelegt, dass alles und jedes in der Tagespolitik kommentiert wird. Ein Quäntchen Enttäuschung gerade bei Journalisten ist damit schon dem Amt in die Wiege gelegt. … Zum Thema Finanzwelt, Bankenwelt, auch zur notwendigen Haftung privater Gläubiger habe ich beim Bankentag gegenüber den Verantwortlichen deutlich Position bezogen und die Notwendigkeit ausgesprochen, dass es zu einer umfassenden Mitverantwortung der Eliten kommen muss. Das heißt eben auch Mithaftung. Die Banken müssen Verantwortung übernehmen: zum Beispiel Kredite strecken, Zinsen verändern….
DIE ZEIT: Das hat Ihr Amtsvorgänger Köhler auch schon gesagt.
Wulff: Wir sollten uns freuen, dass richtige Dinge zuvor schon einmal ausgesprochen wurden, bedauern, dass sich immer noch viel zu wenig ändert. … Ich bin froh, dass viele Menschen meine Arbeit unterstützen und ich jetzt darauf aufbauen kann. Im ersten Amtsjahr habe ich quasi das Fundament erarbeitet für meine Anliegen und Vorstöße in den nächsten vier Jahren. Vertrauen schwindet schnell, aber entsteht langsam. Das hat man nicht automatisch, wenn man in ein Amt gewählt wird. …“
http://www.zeit.de/2011/27/Interview-Wulff

gelegentlich Dezember 31, 2011 um 11:54

,, Und es war auch nicht die Politik, welche die Tür zur Fiskal- und danach zur politischen Union geöffnet hat, sondern ebenfalls die Märkte. Dass dies so ist, fällt ausschließlich in die Schuld der Politik. Ihr fehlt es an strategischer Weitsicht und Mut in der Krise Europas und auch bei der Regulierung der Märkte.”

Was habt Ihr denn? Als Beschreibung ist es natürlich in dieser Allgemeinheit richtig. Und tatsächlich fehlt der Mut bei der Regulierung der Märkte. Muss denn Jeder immer gleich die ganze Wahrheit sagen?

Carlos Manoso Dezember 31, 2011 um 12:17

@ gelegentlich Dezember 31, 2011 um 11:54
„Und es war auch nicht die Politik, welche die Tür zur Fiskal- und danach zur politischen Union geöffnet hat, sondern ebenfalls die Märkte. Dass dies so ist, fällt ausschließlich in die Schuld der Politik. Ihr fehlt es an strategischer Weitsicht und Mut in der Krise Europas und auch bei der Regulierung der Märkte.”

Um Frank-Walter Steinmeier mit der ganzen Wahrheit zu zitieren: „Wer nach der Schuld fragt, liegt falsch.“

Bekanntlich handelt sich nur um Systemkriminalität durch Inkompetenz, die bekanntlich ohne Strafbarkeitsrisiko ist. Die verantwortlichen Akteure auf den Finanzmärkten, in Finanzinstituten und Parlamenten tragen auf den ersten Blick keine persönliche Schuld, siehe Robert Musils Roman „Eigenschaften ohne Mann“. Strafrechtliche Sanktionierungen sind für die Bewältigung historischer Umbrüche bekanntlich völlig ungeeignet.

holger Dezember 31, 2011 um 12:22

So… mein letzter Kommentar in diesem denkwürdigen Jahr 2011, hier in diesem jetzt sozialistisch geführten Einheits-Blog. Als WGN ging, ging auch der Flair. Das gewisse etwas. Eine neue demagogische Macht aus Delphi übernahm das Ruder. Diese Schatulle mit irgendetwas zu füllen missfällt mir immer mehr.

—>>> Nanuk „Du verkennst den Zeitpunkt „

Nope… Nanuk wird gar nix verkennen. Alte archaisch abgedroschene lunatisch ummantelte Phrasen verkennen den Zeitpunkt, der Zeitenwende. Nahrung beziehen sie aus längst versteinerten Fossilien der Synapsen. Nicht fähig sich dem Future VII anzupassen. Alte Denkstrukturen, gebügelte Kniestrümpfe, Strapse, das ist ihre Welt. 2°C mehr nicht, darf sich das Hirn erwärmen. Gefangen in ihrem Käfig zwitschern die Vögelchen laut und heftig. Ein wenig Futter hier und ein wenig Futter da. Und so werden sie in 2012 mit blass fahlen Gesicht auf die eigene Lebens-Geschichte schauen müssen. Der Fährmann rückt unbarmherzlich näher. Hohl über…

Ich wünsche allen, ohne Ausnahme, ein richtig geiles 2012.

—>>>Wer diesen Prozess wie eine Gewinn- und Verlustrechnung betrachtet oder beleidigte Leberwurst spielt, hat die Chancen und das heißt auch die Herausforderungen und Zumutungen nicht verstanden, spielt nur wie in einer Blase verpackt mit „

Verkennen und nicht verstanden. Yep… es gibt eben nur einen, der es drauf hat, der Rest der 7 Milliarden sitzt in einer Blase. Waise Worte im Raum und nicht vernommen, sondern in der Rubrik besonderer Schwachfug abgelegt.

So long

Horst Schmidt Dezember 31, 2011 um 12:27

noch einmal.
“….die Schuld der Politik. Ihr fehlt es an strategischer Weitsicht und Mut in der Krise Europas und auch bei der Regulierung der Märkte.”

Ist denn hier jemand der glaubt, Joschka Fischer habe auch seine eigene Mutlosigkeit darstellen wollen? Von seiner strategischen Weitsicht ganz abgesehen. :-)

Nachruf Dezember 31, 2011 um 12:28

@ holger

http://www.youtube.com/watch?v=T5w6Q-El4Ck&feature=related

zuletzt kommen wir alle wieder auf den Boden der Tatsachen zurück

gruß
no way

A. G. Dezember 31, 2011 um 12:29

Zizek: “Was wir wirklich brauchen, ist ein vereinigtes Europa, das sein geistiges Erbe hochhält. Sonst bekommen wir solche Idioten wie Anders Breivik, den norwegischen Attentäter.”

Zizek hat wohl noch nie was von den Breivik-Gutachten gehört. 

Auf Hütt’s Posting bin ich gespannt.

Goodnight Dezember 31, 2011 um 12:32

@Linus

“Ich halte das, was Goodnight immer als Moderne bezeichnet, für die Wiederentdeckung des heuristischen Prinzips, also nicht für ein Hinzukommen eines neuen Paradigmas, sondern für ein Wegfallen, Relativieren des logischen Paradigmas”

Die Phänomelogie bzw. der wie auch immer radikalisierte Konstruktivismus sind Phoenix aus der Asche der Philosophie.

Will man sie verstehen, so muss man erst den Untergang der Philosophie, d.h. der Metaphysik nachvollziehen. Das was Du Wegfallen des logischen Paradigmas nennst.

Es ist im weitesten Sinne Heuristik. Aber eine Heuristik nicht als Alternative zu einer Logik. Sondern als einzige mögliche Logik als Alternative zu einer entzauberten Metaphysik.
D.h. Das 19. Jhd. hat uns transzendental zurück ins schwarze Dunkel geworfen, die Welt hat sich real im 20. Jhd. hinterhergeworfen.

Husserl hat versucht Bodenhaftung zu gewinnen.
Luhmann ist auf dieser Grundlage losgelaufen.
Auf Grundlage einer selbstgezogenen Linie als Differenz von Boden und Nicht-Boden.

Wenn man daran anschließt, yep, dann stellt sich nicht mehr die Frage was ein Individuum ist, sondern nur noch, wie es sich abgrenzt, d.h. wo es anfängt und wo es aufhört.

Der Witz ist nur, dass dies nur das Individuum selbst vollziehen kann, es sich als Individuum aber nur abgrenzt, weil dies die Umwelt von ihm erwartet.
Und damit sind wir bei dem Günther…..d.h. bei der Polykontexturalität….und dann wird es wieder spannend ;-)

Das ist dann das, was bei den Texten von Herrn Joschka Fischer beobachtet werden kann:
Ein Individuum, welches als Individuum für das System nicht mehr das Individuum darstellt, welches es mal meinte zu sein, nun aber jede Möglichkeit nutzt um seine Beobachtung seines “Individuum” mittels Dekonstuktion der aktuellen Individuen des System zu re-aktualisieren.
Ohne das Konstrukt des Individuums könnte man das nicht beobachten. Und Herr Fischer würde nicht solch schlechte Texte schreiben ;-)

Whatever, gutes Wechseln in der Einheit der Differenz von 2011/2012.

“In this world, a man, himself, is nothing. And there ain’t no world but this one. ”
Edward (the thin red line)

Nachruf Dezember 31, 2011 um 12:36
Linus Dezember 31, 2011 um 12:38

@gelegentlich:
“Ach ja, und wem verdanken wir all diese europäischen Fortschritte?”

Sind das wirklich Fortschritte? Genau diese großen “Europa-Betreiber” haben über Jahrzehnte erfolgreich den Plan verfolgt, die mühselige politische Konsensfindung durch vom Markt geschaffene Tatsachen platt zu walzen. Das wurde sogar völlig offen propagiert.

Ein Gutmeinender könnte ihnen ja gute Absichten bei ihrer Agenda unterstellen. Doch haben sie nach dem Motto ‘der Zweck heiligt die Mittel’ gehandelt und damit die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Wenn Herr Fischer sich nun hinstellt und das Versagen der Politik beklagt, dann unterstreicht er damit nur nochmal, was er für ein Lump ist.

f.luebberding f.luebberding Dezember 31, 2011 um 12:54

Nur zu Goodnights Thema Bodenhaftung. Eckart Lohse fasst für die FAS noch einmal den derzeitigen Sachstand zu Wulff zusammen. So berichtet er auch von einem Monolog des Herrn Wulff auf die Mailbox von Kai Diekmann:

“Allerdings wusste Wulff, dass eine Veröffentlichung drohte. Am Montag, dem 12. Dezember, versuchte er vom Persischen Golf aus den „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann zu erreichen. Da das nicht gelang, sprach er ihm auf die Mobilbox seines Telefons. Er klagte, dass ein „Bild“-Journalist seit Monaten eine „unglaubliche“ Geschichte plane, die am nächsten Tag veröffentlicht werden solle. Wulff kündigte für diesen Fall den „endgültigen Bruch“ mit dem „Springer“-Verlag an. Der Präsident bat um eine Unterredung, in der man über alles sprechen könne. Er sprach aber auch vom „Kriegführen“. Für ihn und seine Frau sei der „Rubikon“ überschritten.”

topi Dezember 31, 2011 um 13:19

Kompromittierter hinterlässt Kompromat auf AB des Kompromanden.

Nach Keynesianers “Logik” kann niemand so blöd sein, also was ist der Plan? :roll:

h.huett Dezember 31, 2011 um 13:25

topi

Der amtierende Bundespräsident erklärt den Privatkrieg. Das scheint sein Plan.

Er vergisst darüber, wer in Deutschland dazu berechtigt ist, den Verteidigungsfall festzustellen. Das ist nach Artik 115a allein der Deutsche Bundestag.

gelegentlich Dezember 31, 2011 um 13:26

@Linus
Natürlich sind das keine Fortschritte. Zur Demokratie gehört als Essenz doch wohl, dass vor jeder wichtigen Entscheidung der Souverän, das Volk, sich eine Meinung bildet.
In der EU wird das ja explizit via Kommission ausgehebelt. Die einzelnen Souveräne in den Ländern sind daher immer Opfer, Objekte. Kein Wunder dass man so keine Legitimation erhält – das Objekt fühlt sich nicht verantwortlich. Daher kommt es, dass viele ,,glühende Europäer” die Einigung wollen, aber eben nicht diese. Und wenn jetzt selbst diese Kommission von ,,den Märkten” kommandiert wird, also die Demokratie ,,marktkonform” sein soll, wird Niemand am Leben mehr sein, der diese verhurte Sprache öffentlich betrauern kann.

Dass ein Fischer so und nicht anders auftritt ist ,,normal”. Machen doch Alle so…
,,Žižek: Keinen fixen Plan für ein Gespräch zu haben ist ein Fehler. Ich habe unlängst mit einem Altkommunisten, einem echten Stalinisten gesprochen und ihn gefragt: „Was haltet ihr von freier, spontaner Debatte?“ Und er sagte: „Wir Kommunisten lieben das, man hört die Stimme des Volkes. Aber freie Debatten, spontane Ereignisse müssen ganz besonders gut vorbereitet sein, um feindliche Provokationen zu verhüten.“
Der Mann bringt es wirklich auf den Punkt. Man ergänze nur ,,Kommunisten” durch unser Personal aus Berufspolitikern/Milliardärsmedien/Politikberatern – die sind wirklich gut vorbereitet. Immer.
Die Frage ist ja: welche der 4 Möglichkeiten von Streeck werden wann wie umgesetzt?

holger Dezember 31, 2011 um 13:45

Einen muss ich leider noch.

Ihr… die Sessel-Furzer-Basher genannt auch Sozialisten, steht auf und zieht zu Berlin zu Wuff… hängt den Wuff nebst Gattin und Kindern am Schweinehaken auf. Schaut ihnen dabei in die Augen. Wie sie verrecken.

… SE>Holger: mal nachdenken … Diese ganzen Nazi-Vergleiche sind neben der Spur.

Es geschieht dem Wuff recht, dass er so behandelt wird. Nur seine Kinder tun mir Leid. Sie werden mit dem Makel leben müssen. Kein Wunder das Gutti abgehauen ist. In einem solchem Land wie der BRD, wo solche sozialistischen Drecksäcke walte und schalten dürfen, muss man abhauen. Und Morgen bekommen die Schreiberlinge wieder eine Überweisung. Sosiehtsaus Wiesaussieht.

Linus Dezember 31, 2011 um 14:01

@Goodnight:
Das Konzept des Individuums der Aufklärung ist in vieler Hinsicht ein feudalistischer Gedanke: Der Geist herrscht über den Körper, der Homo oeconomicus, der Technikglaube, der Machbarkeitswahn, lauter unbewegte Beweger. An letzterem erkennt man, wie alt und tief in der westlichen Welt verwurzelt der Gedanke ist.

Er hat die Menschen in schlimmste Widersprüche gestürzt, so die Frage nach dem freien Willen (an der nicht nur Nietzsche zerbrochen ist), in Fragen der Moral, in ein verkorkstes Herr / Knecht-Verhältnis (s.o.) etc.

Die Aufgabe dieses Konzeptes ist gefährlich, da sie zunächst zu einem ‘anything goes’ zu führt. Und das beobachten wir ja auch gerade. Doch wird sich auf Dauer die Einsicht vermeiden lassen: Wer das Individuum ‘dekonstruiert’, der kann nicht mehr mit ‘persönlichem’ Nutzen argumentieren. Es droht also eine komplette Revision des Begriffes Nützlichkeit.

Im Übrigen: Ich bin ein glühender Verfechter der Logik. Ich bin keineswegs der Meinung, daß man sie aufgeben müßte. Sie ist der Heuristik inhärent – auch die Differenz braucht eine logische Kohärenz -, aber oft sehr schwer und nur im Nachhinein zu erkennen. Die Knochen halt, man sieht sie nicht, oder erst hinterher. Unser Blick auf die Vergangenheit ist ein Blick auf Fossilien. Sie geben bestenfalls eine Ahnung auf die Zusammenhänge. Im Grunde bleiben sie Knochen, geheimnisvolle Ornamente aus einer anderen Welt.

“Interaction to be
Evolution
Signed to be a woman and a man
In a world of wheels
Good old days, Nature is coming
Misty fever

Motor working
Counting many days
Action taking place of action
Taking place
Rebuilding tail pieces
Covering the ornaments
Left by evolution

Interaction to be
Evolution
Signed to be a factory and time
In a world’s world mind
Days of glory, Nature is coming
Misty fever

Motor working
Counting many days
Action taking place of action
Taking place
Rebuilding tail pieces
Covering the ornaments
Left by evolution

Interaction to be
Evolution
Signed to be a sign, Shine on it”

gelegentlich Dezember 31, 2011 um 14:07

@holger
Das ist Alles ein wenig, hmmh, allgemein. Haben die ,,sozialistischen Drecksäcke” denn nicht auch Namen? Und was qualifziert sie dafür sich ,,sozialistisch” zu nennen? Ich meine: was genau machen sie was Dir sozialistisch erscheint?
So, wie der Post hier steht, sieht man nur, dass Jemand => irgendwie schimpfen will. Entlastung durch eine Übersprungshandlung?

f.luebberding f.luebberding Dezember 31, 2011 um 14:09

Holger

Guten Rutsch übrigens … .

holger Dezember 31, 2011 um 14:23

@ gelegentlich

nein… ich mag nicht, das Menschen in eine Form gepresst werden, die sie nicht ausfüllen können. Das macht der Sozialismus. Wir sind eben nicht gleich. Namen? sind für mich nix… beliebig austauschbar. mal holger mal hirnlos mal horst mal hotte.

@ f.luebberding

dir auch einen guten Rutsch. Im Grunde bist Du ein herzensguter Mensch. Wie wir alle.

gelegentlich Dezember 31, 2011 um 14:47

@holger
Na, wenigstens hast Du in Deinem Umgang mit selbst gewählten Begriffen eine Form finden können: die der Sphinx, oder, viel moderner halt,Radio Eriwan.

Wollen wir hoffen dass 2012 herzensgut zu uns Allen sein wird!

holger Dezember 31, 2011 um 14:56

@ gelegentlich

—>>>Na, wenigstens hast Du in Deinem Umgang mit selbst gewählten Begriffen eine Form finden können”

Ich bin Legastheniker. Heute nennt man das Lese und Schreibschwäche oder so. Und ich habe schreiben gehasst. Bilder malen. Kunst, war mein Thema. In eine Welt voller Gedanken tauchen zu dürfen. In den tiefesten Punkt zu sehen, den es vielleicht geben mag. Das ist ein Leben. Voller Idiotien, vollgespickt mit dummen Ansätzen. Aber gewiss nicht langweilig.

Q. Dezember 31, 2011 um 15:27

Er klagte, dass ein „Bild“-Journalist seit Monaten eine „unglaubliche“ Geschichte plane, die am nächsten Tag veröffentlicht werden solle. Wulff kündigte für diesen Fall den „endgültigen Bruch“ mit dem „Springer“-Verlag an. Der Präsident bat um eine Unterredung, in der man über alles sprechen könne. Er sprach aber auch vom „Kriegführen“. Für ihn und seine Frau sei der „Rubikon“ überschritten.”
Man sollte dabei *nicht* vergessen, daß dabei wohl auch die per Gerüchte verbreitete Drohung mit “First Lady Porn” im Raume steht …..
Das ist für mich immer noch der größere Skandal.
Und überaus perfide, da W. kaum wissen kann, was da eventuell dran ist ….. Erpressungspotential, hola!?

* * *

Anyway, … ich möchte daran erinnern, daß mit dem Neuen Jahr ja nun endlich der Verleubnungstatbestand der “Verunglimpfung der Blogherren” (§ 47b Anti-Troll-Verordnung) in Kraft tritt. Als Strafe droht mehrtägiges Niederquasseln, Ignorieren aller Argumente bis hin zu kunstgerechter Dekonstruktion ……

Sehen wir uns also vor :-)

Ich wünsche allen einen guten Rutsch!

Stephan Dezember 31, 2011 um 15:34

@Q
>Anyway, … ich möchte daran erinnern, daß mit dem Neuen Jahr ja nun endlich der Verleugnungstatbestand der “Verunglimpfung der Blogherren” (§ 47b Anti-Troll-Verordnung) in Kraft tritt. Als Strafe droht mehrtägiges Niederquasseln, Ignorieren aller Argumente bis hin zu kunstgerechter Dekonstruktion …

Endlich! Nur noch einmal schlafen. Von meinem 150-teiligen Raketenset (Danke Baumarkt!) widme ich den “Red Star” der neuen Anti-Troll-Verordnung. Die Uhr macht Tick Tack Tick Tack …

Keynesianer Dezember 31, 2011 um 16:02

@topi

“Nach Keynesianers “Logik” kann niemand so blöd sein, also was ist der Plan? ”

Mit Logik lässt sich nur in wesentlichen Zusammenhängen argumentieren. Erwähne mich doch bitte nicht im Zusammenhang mit diesem künstlich geschürten Wulff-Drama. Mit sowas befasst sich Logik gar nicht erst. ;-)

Wünsche allen einen guten Rutsch und viel Glück und Erfolg 2012.

wowy Dezember 31, 2011 um 16:28

@Hans Hütt 08:14
“Was für ein Missverständnis des Formats. Wie würde Joachim C. Fest bloggen? ”
Antwort: klar und präzise
Mit dem Format hat das nichts zu tun. Mit dem Historikerstreit auch nichts. Es ging um die rhetorischen Fähigkeiten.

wowy Dezember 31, 2011 um 16:55

@Q Dezember 31, 2011 um 15:27
Ach, das ist bisher völlig ohne Rechtsgrundlage geschehen? :-D

Linus Dezember 31, 2011 um 17:19

–>>”Er klagte, dass ein „Bild“-Journalist seit Monaten eine „unglaubliche“ Geschichte plane, die am nächsten Tag veröffentlicht werden solle. Wulff kündigte für diesen Fall den „endgültigen Bruch“ mit dem „Springer“-Verlag an. Der Präsident bat um eine Unterredung, in der man über alles sprechen könne. Er sprach aber auch vom „Kriegführen“. Für ihn und seine Frau sei der „Rubikon“ überschritten”

Schon wieder nur Andeutungen. Was veranlaßt Herrn Diekmann, sowas in die Welt zu setzen und noch nicht mal seinen Namen drunterzuschreiben? Wenn Wulffs Klagen berechtigt wären, dann wäre das Ausstreuen dieser Nachricht eine Sauerei, wenn nicht, dann sollte die unglaubliche Geschichte auf den Tisch. Den gleichen Vorwurf kann man übrigens der FAZ machen.

Lustig, daß gerade die MSM von Würde und Verantwortung für das Amt schwafeln. Was Würdeloseres und Käuflicheres als die MSM ist kaum vorstellbar, hier offen zu besichtigen.

Mag sein, daß Wulffs Verhalten nicht zum BP taugt. Ich sehe im Verhalten der Medien jedoch die weit größere Gefahr. Sie befördern nicht Aufklärung, sondern Lüge und Rufmord. Welch ungeheurer Größenwahn reitet eigentlich diese Sch*ße-Verwerter?

Carlos Manoso Dezember 31, 2011 um 17:35

@ Linus Dezember 31, 2011 um 14:01
„Er hat die Menschen in schlimmste Widersprüche gestürzt, so die Frage nach dem freien Willen (an der nicht nur Nietzsche zerbrochen ist), in Fragen der Moral, in ein verkorkstes Herr / Knecht-Verhältnis (s.o.) etc….. Doch wird sich auf Dauer die Einsicht (nicht ?) vermeiden lassen: Wer das Individuum ‘dekonstruiert’, der kann nicht mehr mit ‘persönlichem’ Nutzen argumentieren. Es droht also eine komplette Revision des Begriffes Nützlichkeit.“

Schon Goebbels wusste, dass in regelmäßigen Abständen systemerhaltende Skandälchen durchs Dorf getrieben werden sollten, dass Propaganda am besten als “indirekte Propaganda” wirkt. Man markiert z.B. etwas am Tun der Dienstklasse der „Elite“ als Skandal. Dadurch wird der Skandal zugleich als Ausnahme markiert. Je schmutziger der Skandal sich entwickelt, desto sauberer lässt er dann das System aussehen, innerhalb dessen der Skandal stattfindet.

Eine Lüge einer Marionette zu skandalisieren, ist im Kontext eines Systems der institutionalisierten Lüge natürlich in sich bereits eine Lüge. Die Lüge wird aber um so unsichtbarer, je verächtlicher die ganze sichtbaren Marionettenclique darsteht als erbärmlicher Haufen von Psychopathen, Nieten und Stümpern. Auf diese Weise stellt er eine elende Entschuldigung für die wirkliche globale Führungselite dar, die bisher immer dieselbe blieben konnte und der jeweiligen Marionettenclique die Control-Befehle über auf einmal immer mehr Unnütze und Überflüssige erteilen konnte.

„Namely in earlier times it was easier to control an million people literally it was easier to control an million people than physically, to kill a million people. Today it is infinitely easier to kill a million people, than to control a million people. It is easier to kill than to control (Brzezinski breaths-sniffs true is nose inside; sniffffff)“
http://www.scribd.com/doc/12764606/Zbigniew-Brzezinski-Chatham-House-Speech-November-2008-

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