Wulff, der Usurpator

by f.luebberding on 2. Januar 2012

Schon im ersten Artikel zum Skandal namens Bundespräsident Wulff ist in diesem Blog deutlich gemacht worden, dass die Bild in dieser Affäre einen guten journalistischen Job gemacht hat. Sie hat fair berichtet und dem Bundespräsidenten – wie auch die anderen Leitmedien in diesem Land – genügend Möglichkeiten gegeben, die Widersprüche und die Ungereimtheiten in seinem bisherigen Handeln als einer der führenden deutschen Politiker aufzuklären. Die seltsame Finanzierung seines Eigenheimes ist dabei nur einer der zu klärenden Punkte. Im Handeln von Wulff gab es nämlich offenkundig eine Kontinuität: seine Verantwortung als Politiker unauflöslich mit seinen privaten Interessen zu verschmelzen. Er hat diese Verantwortung schlicht verkauft. Das muss man heute in dieser Deutlichkeit sagen. Seine wüsten Drohungen gegen Kai Diekmann noch vor der ersten Veröffentlichung in der Bild waren dabei nur ein Ausdruck für Wulffs charakterlichen Defizite. Er ist würdelos, nicht nur für einen Bundespräsidenten.

Dabei hat Wulff eines genau gewusst: dass niemand eine solche Geschichte über den höchsten Repräsentanten des deutschen Staates leichtfertig bringen wird. Im Gegensatz zur Person namens Wulff ist man sich der journalistischen Verantwortung bewusst. Nur hat Wulff seit Monaten offenkundig nur eine Linie erkennen lassen: sein Handeln zu verschleiern. Man muss sich das einmal vorstellen. Während Wulff bei Kai Diekmann anruft, hat er gleichzeitig dafür zu sorgen versucht, dass seine Hausfinanzierung den Anschein der Seriösität erzeugt. Glaubt Herr Wulff ernsthaft, dass ihm heute noch jemand ein Wort glaubt? Seine Erzählungen nichts anderes sind als eine Legende, um den tatsächlichen Ablauf zu verschleiern? Von seiner ersten Erklärung bis zu seiner Stellungnahme vom 22. Dezember hat er nichts von dem eingehalten, was er so laut fomuliert:

“Ich weiß und finde es richtig, dass die Presse- und Informationsfreiheit ein hohes Gut ist in unserer freiheitlichen Gesellschaft. Das bedeutet gerade für Amtsträger, jederzeit die Wahrnehmung ihrer Aufgaben vor der Öffentlichkeit zu erläutern und gerade auch im Grenzbereich zwischen Dienstlichem und Privatem, zwischen Amt und privat, die erforderliche Transparenz herzustellen. Das ist, wie viele von Ihnen auch wissen, nicht immer leicht, gerade, wenn man an den Schutz betroffener Familienangehöriger und Freunde denkt. Aber es ist eben notwendig, denn es geht um Vertrauen in mich und meine Amtsführung. Mir ist klar geworden, wie irritierend die private Finanzierung unseres Einfamilienhauses in der Öffentlichkeit gewirkt hat. Das hätte ich vermeiden können und müssen. Ich hätte auch den Privatkredit dem niedersächsischen Landtag damalig offenlegen sollen. Das war nicht gradlinig, und das tut mir leid. Ich sehe ein, nicht alles, was juristisch rechtens ist, ist auch richtig. Ich sage aber auch deutlich, zu keinem Zeitpunkt habe ich in einem meiner öffentlichen Ämter jemandem einen unberechtigten Vorteil gewährt. Persönliche Freundschaften sind mir, gerade auch menschlich, wichtig. Sie haben aber meine Amtsführung nicht beeinflusst. Dafür stehe ich.”

Wulff steht tatsächlich nur für das, was er in dem Anruf bei Kai Diekmann zum Ausdruck gebracht hat. Sich selbst zum alleinigen Maßstab für das politische Selbstverständnis in diesem Land zu machen. Wulff erlaubt sich alles. Er ist der Staat. Es soll sogar Leute geben, die meinen, mit Wulff die Demokratie gegen die Medien zu verteidigen. Jeder Politiker, der jetzt noch Wulff im Amt halten will, muss wissen, was er tut.

Er zerstört damit die politische Kultur in diesem Land.

Eine politische Kultur, die nur funktionieren kann, wenn die schon längst brüchig gewordenen Begriffe wie Glaubwürdigkeit oder Verantwortung nicht völlig sinnlos werden. Christian Wulff hat den letzten Rest an Legitimität verloren. Er ist seit dem Überschreiten des Rubikon als ein Usurpator im Amt des Bundespräsidenten zu betrachten.

Das ist eine Staatskrise.

Entweder er tritt selbst zurück oder er ist gemäß Art. 61 GG aus dem Amt zu entfernen.

update

Stellungnahme des Bundespräsidialamtes:

Berlin (dpa) – Bundespräsident Christian Wulff hat auf Kritik an seinem Umgang mit den Medien den Wert der Pressefreiheit unterstrichen. Das Bundespräsidialamt teilte mit, die Presse- und Rundfunkfreiheit sei für den Bundespräsidenten ein hohes Gut. Er habe deshalb zu den Krediten für sein Eigenheim und zu Urlaubsaufenthalten Transparenz hergestellt. Über Vieraugengespräche und Telefonate gebe er aber grundsätzlich keine Auskunft. Das Präsidialamt reagierte damit auf Berichte, Wulff habe bei «Bild»-Chefredakteur Kai Diekmann die erste Veröffentlichung über seinen umstrittenen Privatkredit zu verhindern versucht.

Interessante These: er habe Transparenz hergestellt.

15:40 Uhr: Stellungnahme der Bild Chefredaktion.

“Zwei Tage nach der ersten BILD-Veröffentlichung zu dem Hauskredit (Dienstag, 13.12. 2011) suchte der Bundespräsident erneut den Kontakt zum BILD-Chefredakteur und bat in einem Telefonat persönlich um Entschuldigung für Ton und Inhalt seiner Äußerungen auf der Handy-Mailbox. ?Deshalb hat die BILD-Zeitung nach breiter redaktioneller Debatte davon abgesehen, eigens über den Vorfall zu berichten.? Dieser Verzicht hatte und hat jedoch keinerlei Auswirkungen auf die weiteren Recherchen in allen offenen Fragen, die sich u.a. im Zusammenhang mit dem Hauskredit stellten oder noch stellen könnten.”?

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Morph Januar 4, 2012 um 13:51

@konrad

“Ich finde so ein Einzelergebniss ziemlich irrelevant.”

Sicher. Nur ist es eben auch ziemlich irrelvant, was Du oder ich so findet. Entscheidend ist – gesellschaftlich gesehen – die massenmediale Beschreibung der Welt. Und die hat über Wulff den Daumen unwiderruflich gesenkt.

Noch spiegelt sich das nicht nachdrücklich genug im Meinungsbild der Parlamentarier wider. Die sind angesichts der Tatsache wie in Schockstarre. Bei zu Guttenberg hat die Übersetzung schneller geklappt. Verständlicherweise. Der Rücktritt eines Verteidigungsministers ist ja fast eine Routineübung in der BRD. Aber wenn sich die Schockstarre löst, werden sich keine Partei und kein Parlamentarier mehr der massenmediale Beschreinung der Amtsuntauglichkeit Christian Wulffs entziehen.

holger Januar 4, 2012 um 13:53

Wuff der Urinator soll um 20:15 MEZ auf des öffentlich rechtlichen Bildschirmen erscheinen. Ja ist denn schon Weihnachten???

Morph Januar 4, 2012 um 13:56

@linus

“Wenn die Wahl eines BP davon abhängt, daß er der Bildzeitung genehm ist – andernfalls wäre er nicht BP geworden -, dann sehe ich hier eine gewichtige politische Einflußnahme.”

Das ist eine These, die Du erstmal begründen solltest. Dass Wulff BP geworden ist hat m.E. am wenigsten mit der BILD zu tun, sondern vor allem damit, dass Merkel ihn mit ihrem üblichen machtpolitischen Geschick gegen die übergroße Mehrheit der Bevölkerung und dem alkgemeinen massenmedialen Stimmungsbild durchgedrückt hat.

gelegentlich Januar 4, 2012 um 13:57

Ich habe mal nachgesehen bei Kompa.
,, ,,Auch § 201 StGB – Vertraulichkeit des gesprochenen Worts – dürfte nicht verletzt sein. Eine unbefugte Aufnahme liegt schon nicht vor, denn die hatte Herr Wulff ja selbst produziert. Derartige Entäußerungen werdenAuch § 201 StGB – Vertraulichkeit des gesprochenen Worts – dürfte nicht verletzt sein. Eine unbefugte Aufnahme liegt schon nicht vor, denn die hatte Herr Wulff ja selbst produziert. Derartige Entäußerungen werden wie schriftliche Äußerungen behandelt. Damit trägt der Absender das Risiko, dass die freiwillig manifestierte Äußerung in Umlauf gerät, vgl. Schünemann: Leipziger Kommentar, Strafgesetzbuch, 12. Auflage 2008, § 201; Satzger/Schmitt/Widmaier: StGB Strafgesetzbuch Kommentar, 1. Auflage 2009 § 201. ”
Kann ich nicht beurteilen. Aber darum geht es ja gar nicht: hier ist ja nicht irgendein Schreiben versehentlich auf der Straße gelandet und vom Finder veröffentlicht worden. Sondern der Adressat der Mitteilung hat sich sehr viel später (!) dafür entscheiden, einseitig, ohne Rücksprache oder Genehmigung, den Inhalt dieser widerlichen Kommunikation zu veröffentlichen. Wie das rechtlich aussieht ist nicht meine Sache. Sie zeigt mir aber, dass die Behauptung falsch ist, Springer/Dieckmann ginge es hier zuallererst um Aufklärung/Werte/Ansehen des Amtes usw.
Weshalb hat man denn diese Sache, die zeitlich zuerst kam, nicht als erste auch veröffentlicht? Und später dann die Fundstücke zum Kreditproblem? Nur die Betrachtung des Ablaufes deutet doch darauf hin, dass es um eine Kampagne handelt um diesen Mann jetzt abzuschießen. Als der erste Pfeil nicht traf hat man einen weiteren abgeschossen.
Von der Person Wulff halte ich nach wie vor wenig. Aber der Milliardärspresse mißgönne ich die Betätigung der Schalter am Aufzug.

Doktor D Januar 4, 2012 um 14:02

@Linus: Mit der Beschreibung von Lautstärke und Massivität wollte ich keine Wahr oder Falsch-Bewertung abgegeben, denn darum geht es in meinem speziellen Argument nicht. Ich meine, gerade dass die Medien so hochdrehen, scheint für mich eher für morphs / goodnights Beschreibung des Verhältnis Medien – Politik zu sprechen: Die Einflussnahme geht eben nicht so direkt über ein paar Leitartikel und Geklungel im Hinterzimmer vom Borchardts, sondern durch ‘indirekte Reizung’. Total unterkomplex könnte man das vielleicht so beschreiben: Die Wallungen im System Medien sind für Politik nur dann anschließbar, wenn sie dort als Macht-”Frage” formuliert werden können und müssen. Das schöne Bild “Aussitzen” bringt es ja super auf den Punkt.
Zu BILD als Präsidentenmacher: Soweit ich mich erinnern kann, war die BILD eher pro Gauck. Merkel hat Wulff ja – um in deinem Beschreibungsmodell zu bleiben – gegen die großen Print-Medien (und zahllose Umfragen) durchgesetzt. Ob das ein Fehler war, dass herauszufinden nimmt sich Frau Merkel gerade die Zeit.

Nanuk Januar 4, 2012 um 14:03

Wenn Wulf im Amt bleibt ist das Positive was man daraus ziehen kann das die Kampagnenfähigkeit der Blöd Zeitung ein Stückchen weiter Richtung Bedeutungslosigkeit gerutscht ist…

Linus Januar 4, 2012 um 14:05

@Morph:
“Das ist eine These, die Du erstmal begründen solltest.”
Stimmt. Du übrigens die deine.

Nichtsdestoweniger – und deshalb habe ich diese These angeführt – scheint mir, daß man heute als Politiker an der Bild-Zeitung nicht mehr vorbeikommt. Sämtliche Kanzler-Kandidaten und die, die es noch werden wollen, dienen sich da ja nicht von ungefähr an.

Morph Januar 4, 2012 um 14:06

@Linus

“Das ist Wortklauberei.”

Sorry, aber da muss ich doch drastisch werden: Das ist Logik, mein Lieber! Wenn Du nicht mehr zwischen Akteuren, Handlungsmitteln und Handlungszwecken kategorial unterscheiden kannst, dann erübrigt sich die Diskussion über gesellschaftliche Tatbestände.

“Richtig. In der “Telefon-Affäre” sieht das etwas anders aus. Da verstehe ich nicht, warum die Medien einmütig darüber schreiben, während der Kronzeuge Diekmann sich dazu ausschweigt.”

Es wäre das Einfachste für Wulff, sofort ein Dementi veröffentlichen zu lassen, wenn die kolportierten Inhalte der Telefonate falsch dargestellt worden wären. Und natürlich wäre ein solches Dementi subito erfolgt (eine Routineübung eines Pressereferats). BILD hätte sich mit der Streuung eines falschen Gerüchts in DIESER Sache für alle Zeiten unmöglich gemacht. Alle Beteigten der BILD-Redaktion wissen, dass sie sich in DIESER Sache nicht den KLEINSTEN handwerklichen Fehler leisten dürfen.

Dass es zu keinem Dementi gekommen ist, BEWEIST, dass das, was wir über die Telefonate wissen, den Tatsachen entspricht.

Dipfele Januar 4, 2012 um 14:06

@holger

>Es gibt kein „Cui bono“

Aber es gibt ein “Tu quoque”, wie schon Carl Schmitt wusste:
“Elite sind diejenigen, die sich das tu quoque verbitten dürfen.”

Das Tu-quoque-Argumunt (lat.: Du auch) hat bei der sog. Elite zwei Bedeutungen: zum einen – im Sinne des kategorischen Imperativs verstanden – verbittet sie es sich als Selbstanwendungszumutung, zum anderen – im Sinne des Argumentum ad hominem – benutzt sie es als Rechtfertigungsargument für eigene Maßlosigkeit, um unbeirrt ‘Maß halten’ predigen zu können.

Für Wulff ist es ein Rohrkrepierer, ist halt keine Elite.

konrad Januar 4, 2012 um 14:07

Um es mit Holgers Worte zu sagen:

Ich möchte nicht in einem Land leben, wo ein paar Zeitungsartikel entscheiden wie etwas abzulaufen hat!
Ohne demokratische Entscheidung, ohne Mitspracherecht! Es schlägt die Stunde der Moralisten (gab es schon sowas ehnliches?)!
Wird nach einem Rücktritt juristisch etwas passieren? Werden Seilschaften offengelegt? Werden die Nutznießer auch belangt? Oder wird man denen nichts nachweisen können? Was weißt man dann jetzt nach, wenn es später keine Rolle mehr spielt?

gelegentlich Januar 4, 2012 um 14:08

@nanuk
Und dieses Ergebnis wäre nach meiner Ansicht für dieses Land ein wenig besser als die Alternative, die man auch nur widerwillig knurrend schlucken kann.
Wenn überhaupt würde ich mir wünschen, dass die zuständigen Institutionen den Mann aus dem Amt entfernen. Anlässse dafür hat er ja geliefert.

Doktor D Januar 4, 2012 um 14:13

@Nanuk: Nö, das zeigt vor allem mal, das die Kampagnenfähigkeit der BILD gegenüber Mächtigen aller Art massiv überschätzt wird. Und dass das Gerede von der BILD-Macht auch eine prima Entschuldigung für eitle, strategisch unterbegabte Leute auf dem Weg nach oben ist, vor deren Anrufen und Betteleien um Aufmerksamkeit man sich in der Redaktion nicht retten kann. Man muss sich mit der BILD nicht dermaßen ins Bett legen wie Wulff.

Nanuk Januar 4, 2012 um 14:25

@Doktor D
Das ist das Geschäftsmodell der Bild… die Leben von ihrer eigenen Überschätzung und jedes mal wenn die was anzetteln und das geht in die Hose verlieren die ein Stückchen davon.

holger Januar 4, 2012 um 14:26

Momentan wird ja jedes Amt gefährdet

Ex-Industrieminister Christian Estrosi erklärte Hollandes Verhalten für “eines Präsidentschaftskandidaten unwürdig”. Es sei “auf persönlicher Ebene niederträchtig, aber auf politischer Ebene auch gefährlich”, weil das Amt des Präsidenten herabgewürdigt werde.

http://www.n-tv.de/politik/Hollande-spottet-ueber-Sarkozy-article5131386.html

es scheint ein rein Politisches Problem zu sein… 2011 setz sich in 2012 fort. Rücktritt nach Rücktritt, Ein Amt nach dem nächsten beschädigt. Ich glaub ich gucke Fernsehen.

Doktor D Januar 4, 2012 um 14:26

Hoffen wir’s mal!

Nanuk Januar 4, 2012 um 14:31

@Doktor D
“Zur Verteidigung der Frühpatrouille kann man anmerken das Rommel es so zumindest geschaft hat den Anschein von Gefährlichkeit zu wecken immer im Kreis um den Häuserblock… wo wir doch schon den Rubikon überschritten haben.”

;)

carlos manoso Januar 4, 2012 um 14:37

@ Linus Januar 4, 2012 um 13:41
„Richtig. In der “Telefon-Affäre” sieht das etwas anders aus. Da verstehe ich nicht, warum die Medien einmütig darüber schreiben, während der Kronzeuge Diekmann sich dazu ausschweigt.“

Ehrlich gesagt is es jetzt auch schon wurscht, ob Britta Wulff vorher mal anschaffen war. Deshalb muß ein deutscher Staatspräsidente doch nicht gleich den „Rubicon“ auf Diekmanns AB überqueren und sich ins Kabarett verirren.

Hier nun der Anrufbeantworter von BILD-Diekmann mit Wulffs Wut-Anruf zum Abhören:
http://soundcloud.com/malotki/dieckmanns-ab

„Als BILD die erste Veröffentlichung plante, erfuhr Christian Wulff – auf Staatsreise unterwegs im arabischen Raum – von dem journalistischen Scoop und bellte dem Chefredakteur Kai Diekmann eine Art Kriegserklärung auf die Mail-Box. Es war nicht der einzige Versuch des Bundespräsidenten, der „Vierten Macht“ das Handwerk zu legen. Der nächste Anruf galt dem Vorstandsvorsitzenden des Axel-Springer Verlags, Mathias Döpfner. Seine lautstarken Vorhaltungen aus der Ferne verhallten frucht- und sinnlos. Ein dritter Anruf, diesmal bei der Mehrheitsaktionärin Friede Springer, so heißt es, soll mit ihrer kühlen Auskunft geendet haben, dass die Witwe des Verlagsgründers keinen Einfluss auf ihre Chefredakteure zu nehmen pflege.“
http://www.cicero.de/berliner-republik/klempner-im-schloss-bellevue-christian-wulff-bild-diekmann/47849

Linus Januar 4, 2012 um 14:38

@Doktor D:
“Ich meine, gerade dass die Medien so hochdrehen, scheint für mich eher für morphs / goodnights Beschreibung des Verhältnis Medien – Politik zu sprechen: Die Einflussnahme geht eben nicht so direkt über ein paar Leitartikel und Geklungel im Hinterzimmer vom Borchardts, sondern durch ‘indirekte Reizung’.”

Volle Zustimmung. Das ist auch eine Art Kommunikationskanal. Daß man darüber einen Druck ausüben kann, obwohl es eigentlich in unserem Staatssystem nicht vorgesehen ist, daß man sich auf beiden Seiten über die Bedeutung der kommunizierten Zeichen einig ist, ja daß sich darüber eine Art stille ‘Sprache’ entwickeln konnte, deutet auf eine unheilige Verquickung von Medien und Politik, also ein Unterlaufen des eigentlich angestrebten Prinzips der Gewaltenteilung.

Und gut möglich, daß du Recht hast: daß man Politik letztendlich nur durch Aussprechen des Wortes ‘Macht’ zum Zuhören bewegen kann.

Morph hat oben nur solche als Akteure in der Politik gelten lassen, “denen alles, was sie tun, als nicht weiter hintergehbare Entscheidung zuzuschreiben ist.” Souveräne, unbewegte Beweger also!? Diese Definition mag als Modellannahme für Systemiker taugen, in unserem Universum ist sie aber nicht anzutreffen. Also entwickeln sich zwangsläufig Kommunikationskanäle, auch unvorhergesehene.

Das ist solang nicht schlimm, als die Bindung nicht zu eng ist, also das Gleichgewicht zwischen den Gewalten halbwegs gewahrt ist. Es läßt sich aber per definitionem nicht regeln, sonst nähme die regelnde Gewalt, also z.B. das Recht (oder auch die Presse)überhand. Es bleibt nur, an die Verantwortlichkeit aller Beteiligten zu appellieren.

Könnten die daran interessiert sein? Ja, im Sinne der Aufrechterhaltung des Gesellschaftsvertrages. Es hilft nichts, wir dürfen das große Ganze nicht aus den Augen verlieren. Spezialisierung ist dem natürlich entgegengesetzt.

h.huett Januar 4, 2012 um 14:40

Nanuk
“Wenn Wulf im Amt bleibt ist das Positive was man daraus ziehen kann das die Kampagnenfähigkeit der Blöd Zeitung ein Stückchen weiter Richtung Bedeutungslosigkeit gerutscht ist…”

Träume weiter. Du übersiehst die Kehrseite dieses Ausgangs. Dann heißt es ungebremst anything goes. Und nicht nur das. Der jetzt ausgetragene Machtkampf würde die Balance der Mächte da draußen, so prekär und so unerfreulich sie im Detail auch aussehen mag, zerstören. Die Idee der Vierten Gewalt wäre mausetot.

Nanuk Januar 4, 2012 um 14:40

In Afrika angekommen, täuschte er ersteinmal die brit. Spione über seine tatsächliche Truppenstärke, in dem er seine Panzer mehrmals im Kreis vorbei fahren ließ.

Wenn man Mittwochs schon sehen kann, wer Sonntag zu Besuch kommt, hat man genug Zeit einen Kuchen zu backen.

;)

h.huett Januar 4, 2012 um 14:43

Linus
Frag Herrn Diekmann.

Nanuk Januar 4, 2012 um 14:43

“Die Idee der Vierten Gewalt wäre mausetot.”

So ist das mir Ideen… wenn man sich für PR hat einspannen lassen.Ab morgen gibt es dann wieder die Volksrente von der Alianz im Hause Springer…

Linus Januar 4, 2012 um 14:46

@Morph:
Zur Logik siehe meinen Post an Doktor D. Seit Newton gilt:
Actio = Reactio ;-)

“Es wäre das Einfachste für Wulff, sofort ein Dementi veröffentlichen zu lassen, wenn die kolportierten Inhalte der Telefonate falsch dargestellt worden wären. ”

Wulff hat angerufen, weil die seine Bettina durch den Kakao ziehen wollten. Und jetzt hat ihm seine Bettina gestanden, daß da was dran ist. Blödsinn? Vielleicht. Aber damit ist dein Beweis keiner mehr.

Doktor D Januar 4, 2012 um 15:00

Linus, das war jetzt echt schwach! morph mangelnde Beweise vorzuwerfen und dafür ein Gerücht bigotter Blogger/Journalistenkreise anzuführen. Die Bettina-Story ist nichts als der feuchte Traum sozial inferiorer Männchen, die ihren Autoritätskomplex ausleben, weil sie sich keine Domina leisten können. Also bitte!

Nanuk Januar 4, 2012 um 15:00

http://www.freitag.de/wissen/1139-geld-oder-wissen

Das Geschäftsmodel zu zertrampeln da hätte ich mehr Freude dran aber man nimmt was man kriegen kann… ;)

gelegentlich Januar 4, 2012 um 15:04

@h.huett
,,Träume weiter. Du übersiehst die Kehrseite dieses Ausgangs. Dann heißt es ungebremst anything goes. Und nicht nur das. Der jetzt ausgetragene Machtkampf würde die Balance der Mächte da draußen, so prekär und so unerfreulich sie im Detail auch aussehen mag, zerstören. Die Idee der Vierten Gewalt wäre mausetot.”
Das Problem ist doch dass ,,anything goes” längst da ist und dass diese Leute diese Vierte Gewalt nicht sind/sein können.
Wer keine direkte Macht hat braucht z.B. Glaubwürdigkeit. Man sehe sich, um nur ein Beispiel von vielen anzusehen, das Verhalten von BILD/Dieckmann gegenüber Sibel Kekilli an. Und denen soll man jetzt abnehmen, dass es um Werte pipapo geht in diesem Fall?
Eine Zumutung.
Wenn die Staatsanwaltschaft kein öffentliches Interesse annimmt und Guttenberg laufen läßt: anything goes!
Nochmal: möge man ihn ,,abschießen”. Aber das sollen dann bitte die jeweiligen Institutionen tun – und nicht eine Springer-Kampagne unbekannten Motivs.

Linus Januar 4, 2012 um 15:05

Doktor D:
Also bitte! Das ist nicht MEIN Punkt. Ich wollte nur darauf hinweisen, daß Morph auch keinen hat. Und damit bin ich auch schon still.

Morph Januar 4, 2012 um 15:11

@Linus

“Morph hat oben nur solche als Akteure in der Politik gelten lassen, “denen alles, was sie tun, als nicht weiter hintergehbare Entscheidung zuzuschreiben ist.” Souveräne, unbewegte Beweger also!? Diese Definition mag als Modellannahme für Systemiker taugen, in unserem Universum ist sie aber nicht anzutreffen. Also entwickeln sich zwangsläufig Kommunikationskanäle, auch unvorhergesehene.”

Mit Verlaub, nicht @Morph lässt irgendetwas gelten, sndern politisch gilt, was eben politisch gilt. Schau Dir die Verfahren an.

Damit ist nicht bestritten, dass es nichtpolitische Personen und Organisationen mit unterschiedlich starkem Einfluss auf politische Entscheidungen gibt. Finanzstarke Lobbies und gut vernetzte Journalisten haben mehr Einfluss auf die Politik als Du oder ich. Und es ist völlig klar, dass die finanzstärkste Lobby (also die Finanzwirtschaft, aka ‘das’ Kapital) und die reichweitenstärksten Journalisten (also die Chefredakteure der großen Boulevardmedien, aka ‘die öffentliche Meinung) den größten Einfluss auf die Politik haben.

Gleichwohl: Wenn ein Ministerium sich ‘Fachverstand’ ins Haus holt, um Gesetzestexte zu verfassen, wenn ein Staatsoberhaupt seine Privatverhältnisse breit covern lässt, dann ist das die Entscheidung des Ministeriums und des Staatsoberhaupts. Keine Bank der Welt kann aus eigener Entscheidung irgendein Gesetz bestimmen, kein Boulevardblatt der Welt kann über die Intimbeziehungen eines Staatsoberhaupts berichten, wenn nicht die verantwortlichen Personen dies zulassen.

Linus Januar 4, 2012 um 15:16

@Morph:
“Wenn ein Ministerium sich ‘Fachverstand’ ins Haus holt, um Gesetzestexte zu verfassen, wenn ein Staatsoberhaupt seine Privatverhältnisse breit covern lässt, dann ist das die Entscheidung des Ministeriums und des Staatsoberhaupts. ”

Warum entscheiden die so? Egal – ich glaube, wir haben uns schon wieder getroffen :-D

Morph Januar 4, 2012 um 15:18

@Linus

“Ich wollte nur darauf hinweisen, daß Morph auch keinen hat. Und damit bin ich auch schon still.”

Ja, und dieser Hinweis erreicht einfach sein Ziel nicht. Schon mal drüber nachgedacht, dass Kommuikation nicht mit Newton’scher Physik beschrieben werden kann? Dann wird’s aber mal Zeit!

Morph Januar 4, 2012 um 15:25

@Linus

“Warum entscheiden die so? Egal”

Nein, nicht egal. Sie entscheiden so, weil sie so entscheiden KÖNNEN, weil diese Entscheidung im Spektrum der legitimen Entscheidungen liegt.

Und Sie MÜSSEN dies auch tun, weil kaum ein normaler Abgeordneter über den Fachverstand verfügt, die nötig ist, um die komplizierten Regelungsnotwendigkeiten der Moderne zu beherrschen.

Allerdings sollten Minister und Abgeordnete heute SYSTEMATISCH kontroversen Fachverstand konsultieren und dann nach Intuition entscheiden, welche Ordnungsmaßgabe ihnen plausibler erscheint. In dieser Hinsicht gibt es einen großen Sensibilisierungsbedarf für die neuen Umstände des technokratischen Zeitalters.

Linus Januar 4, 2012 um 15:48

@Morph:
“Und Sie MÜSSEN dies auch tun, weil kaum ein normaler Abgeordneter über den Fachverstand verfügt, die nötig ist, um die komplizierten Regelungsnotwendigkeiten der Moderne zu beherrschen.
Allerdings sollten Minister und Abgeordnete heute SYSTEMATISCH kontroversen Fachverstand konsultieren und dann nach Intuition entscheiden, welche Ordnungsmaßgabe ihnen plausibler erscheint.”

Das heißt doch: Was ihnen als Akteurspotential verbleibt, ist ihre Intuition: “Huhu, Angela, huhu, das geblümte Kostüm, nein, nein, nicht das rote, das geblümte natürlich!”

Doktor D Januar 4, 2012 um 15:54

@Nö: Da wären auch noch Erfahrung und ein gesundes Misstrauen gegen Leute, die ganz genau wissen, was richtig ist. Außerdem ist Intuition eine der komplexesten psychisch-kognitiven Prozesse überhaupt, zusammen mit guter Beobachtungsgabe kann man damit ordnetlich weit kommen.
Und so langsam misstraue ich deinem Wahrnehmungs- und Urteilsvermögen nun wirklich, Linus: Ist dir denn im Ernst noch nie aufgefallen, dass Frau Merkel NIE in der Öffentlichkeit Geblümtes trägt, außer in gang seltenen Fällen als Accessoire?! So lange wir unsere eigene Vorurteile über politische Protagonisten für Kritik halten, haben die nicht viel zu befürchten von uns.

h.huett Januar 4, 2012 um 15:55

Linus

Ich weiß nichts über Deine politischen Kenntnisse der Normen und Pragmatiken, aber kann Dir versichern, dass solche albernen Kamerastatements zu EFSF-Finanzierung einen irreführenden Eindruck über die fachliche Expertise von Gesetzgebern verbreiten. Das Parlament hat Ausschüsse, in die jede Fraktion auf die herausgehobenen Positionen die fürs Themengebiet verlässlichen Experten entsendet. Hintersassen, altgediente ministerielle Arbeitspferde und Newbies können sich in neue Themen einarbeiten. In Malawi traf ich 2007 den großen Entwicklungspolitiker Walter Riester, der der Norm gefolgt ist, nicht in den Fachausschuss seines alten Ressorts zu gehen.

In den Ausschüssen und den federführenden Referaten der Bundesministerien werden Experten der unterschiedlichsten Herkunft systematisch gegrillt. Am bestem entwickelt war diese Praxis in der Mainzer Staatskanzlei, wo unter der Planungsverantwortung von Gerd Mielke Expertengrills zu großen Themen der 90er Jahre durchgeführt wurden. Mancher Grillwurst ist das gut, anderen nicht gut bekommen.

Doktor D Januar 4, 2012 um 15:56

Zur Anschauung: http://bit.ly/zp524R

h.huett Januar 4, 2012 um 16:01

Morph

Die Physik bringt (selten) gewitzte Politiker hervor. Die Physiker sind politisch, wie manche Nachbardisziplinen von Mathematik bis Informatik, manchmal erstaunlich weltfremd- Wenn sie aber erst einmal, wie Herr Lafontaine und Frau Merkel, in die Spitzenpolitik gefunden haben, kehren sie zurück zu den wirksamen Kraftbestimmungen politischer Mechanik.

holger Januar 4, 2012 um 16:12

Hey Doktor

—>>> Ist dir denn im Ernst noch nie aufgefallen, dass Frau Merkel NIE in der Öffentlichkeit Geblümtes trägt”

Für mich der Satz 2012… :D jetzt schon.

Linus Januar 4, 2012 um 16:26

@Doktor D:
Ich seh´s ein: Für das geblümte Kostüm läßt sich hier kein Strauß gewinnen. Mir hätts gefallen.

@Huett:
“dass solche albernen Kamerastatements zu EFSF-Finanzierung einen irreführenden Eindruck über die fachliche Expertise von Gesetzgebern verbreiten”.

Du hast mal ein Video über eine Fachtagung der CDU zur Finanzkrise eingestellt. Da waren u.a. als Redner versammelt Merkel, Schäuble, Ackermann, Weidmann … Frau Merkel hat damals einen denkbar sympathischen und aufgeweckten Eindruck bei mir hinterlassen, vermutlich weil der Rahmen nicht gar so öffentlich war.

Dennoch hat sie durchaus nicht so gewirkt, als ob sie das Thema in seiner Wichtigkeit und Tragweite wirklich verstünde. Herr Ackermann hat den ermüdenden Technokraten gegeben, der erklärt, welch große Regulierung die Banken schon von sich aus auf den Weg gebracht haben. Herrn Weidmann habe ich vergessen.

Merkels Wissenstand wirkte auf mich wie das Halbwissen von Managern, die mit vielen, augenscheinlich gleich wichtigen Themen zu Rande kommen müssen und nicht die Zeit haben, sich reinzudenken. Mit Schäuble war das ähnlich.
Und da saßen sie und haben ihren “Experten” eine Plattform gegeben.

Das muß sicherlich nicht die Regel sein, aber in puncto Finanzkrise scheint es mir symptomatisch.

Doktor D Januar 4, 2012 um 16:37

@Holger: ;-)
Geblümtes ist für Gattinnen reserviert.
Genaues beobachten und wahrnehmen hilft schon, die eigenen Vorurteile bisschen unter Kontrolle zu behalten.

holger Januar 4, 2012 um 16:46

Hey Doktor

—>>>Genaues beobachten und wahrnehmen hilft schon, die eigenen Vorurteile bisschen unter Kontrolle zu behalten.”

Du bringst mich echt auf eine Idee. Merci… :D Ich muss mir doch die Farbenlehre vom Altmeister Goethe wieder rauskramen.

h.huett Januar 4, 2012 um 16:53

Linus
Expertengrills sind nicht öffentlich. Das Video war politische PR, als solche für Analysen nur sehr begrenzt tauglich. Bei Expertengrills werden die bissigsten Piranhas mit Themenkompetenz systematisch scharf gemacht, sie sollen die fiesen unbequemen Fragen stellen.

In der politischen PR ist nach wie vor die größte Fehlbesetzung der Außenminister, der von seinen fachreferenten immer nur sehr schmale soundbytes vorbereitet bekommt, über die hinaus er gar nicht sprechfähig ist. Soviel Fremdschämen gabs im AA zuletzt unter Klaus Kinkel, aber da vergleichsweise selten.

Doktor D Januar 4, 2012 um 16:53

Einschlägig für politisch Geblümtes: http://www.chbeck.de/productview.aspx?product=24339&toc=3324
Nur leider kommt der Hosenanzug nicht vor.

+++Kurzticker+++Kurzticker+++ Januar 4, 2012 um 16:57

Hab gerade auf meinem iPhone eine SMS von Münti erhalten. Die SPD ist bemüht H.Schmidt zu einem Auftritt im Fernsehen zu bewegen, in dem er erklärt, weshalb wir an Wulff festhalten müssen. Geht jetzt wohl nur noch um die Auswahl der richtigen Talkshow für diesen Auftritt.

holger Januar 4, 2012 um 17:47

Warum Bettina Schausten?

Doktor D Januar 4, 2012 um 17:50

Warum Ulrich Deppendorf?

holger Januar 4, 2012 um 17:51

Und warum Seehofer?

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,807156,00.html

Seehofer spricht Wulff das Vertrauen aus

Seehofer?

Doktor D Januar 4, 2012 um 17:54

Jetzt mach’ ich mir langsam Sorgen um Wulff…

mp Januar 4, 2012 um 18:00

ja weil der horsti sein gutti wieder will, so.

holger Januar 4, 2012 um 18:03

Wo sind RTL und Sat Uno geblieben?

Nanuk Januar 4, 2012 um 18:11

@Holger
Also wirklich die machen denen die Quote kaput der Bachelor oder Wulf… we love to entertain you…

Doktor D Januar 4, 2012 um 18:11

@Holger: Na, wer glaubt, mit einem Anruf bei Chefs die entsprechende Berichterstattung verhindern zu können, der sieht auch den Charme eines solchen Aktuelle Kameras-Arrangements. Und es soll wohl spezial staatstragend werden, schätze ich mal.

topi Januar 4, 2012 um 18:17

morph
“Nein, nicht egal. Sie entscheiden so, weil sie so entscheiden KÖNNEN, weil diese Entscheidung im Spektrum der legitimen Entscheidungen liegt.

Und Sie MÜSSEN dies auch tun, weil kaum ein normaler Abgeordneter über den Fachverstand verfügt, die nötig ist, um die komplizierten Regelungsnotwendigkeiten der Moderne zu beherrschen.”

So kann man”Legitimität” definieren; muss man aber nicht.
Die Pharmamafia diktiert Gesetze zur Pharmamafiaregulierung, und weil man es ja nicht so genau weiß, und sich”Experten”für die dümmste These finden, ist das dann legitim.

Wer den Sumpf trockenlegen will, sollte nicht ausschließlich die Frösche fragen; da kann sich kein Parlamentarier mit seiner Unbedarftheit herausreden.

topi Januar 4, 2012 um 18:20

Hans
“Expertengrill”

Nunwar ich nie bei einem deiner Grillfeste.

Allerdings sehe ich die Ergebnbisse in Gesetzesform.

Da lässt sich nun in aller Regel leicht erkennen, dass da, falls gegrillt worden sein sollte, dies ergebnislos geblieben ist.

Wollen wir die Steuergesetzgebung der letzten 15 Jahre durchgehen?

Biathlonfän Januar 4, 2012 um 18:21

Eh jetzt reichts, WULFF!!!!!

holger Januar 4, 2012 um 18:25

@ Nanuk @ Doktor

warum nur die ÖR… na, jetzt kapiere ich das erst mit der GEZ. Die ÖR müssen jede Katastrophe übermitteln. Lt. Staatsrund-funksvertrag. Werbefrei… nagut, haben ja Pilawa und Mainzelmänner. Bei den Privaten müssten se ja wieder Werbung von AWD bringen. Oder VW oder Porschie…

holger Januar 4, 2012 um 18:29

Vielleicht kann uns ja der WDR Mann Luebberding mal aufklären.

Attentenzioni!!! Luebberding, warum fehlen RTL und Sat Uno bei diesem Interwuff?

Linus Januar 4, 2012 um 18:29

@topi:
Auf topi ist Verlaß! Jetzt sag bloß, daß du auf Blümchenkostüme stehst! :-D

f.luebberding f.luebberding Januar 4, 2012 um 18:44

Holger

Das fragen sich die Privaten auch. Sie hätten dabei sein müssen – oder der Typ geht in die Bundespressekonferenz. ARD und ZDF haben sich damit degradiert.

Doktor D Januar 4, 2012 um 18:46

Wie gesagt: Aktuelle Kamera – das liegt doch jemandem, der den Bettvorlerger-Putin gibt, näher wie eine Live-Pressekonferenz, bei dem Leute anfangen unkordiniert und nicht gebriefte Fragen zu stellen.

f.luebberding f.luebberding Januar 4, 2012 um 18:49

Hier ist das komplette Interview zu hören.

holger Januar 4, 2012 um 19:00

Doktor D.

habe schon verstanden.

@ Frank Luebberding…

wie siehts denn nun mit der Pressefreiheit aus? Wenn man die “Privaten” nicht zulässt?

f.luebberding f.luebberding Januar 4, 2012 um 19:02

Holger

Frage es Wulff. Das kam vom Bundespräsidialamt.

Horst Schmidt Januar 4, 2012 um 19:04

Also der Mann hält Wort. Er führt Krieg gegen Friede Springer und Liz Mohn. Sat1 und RTL sind weg vom Fenster. :-O

Die Rache des kleinen Mannes. Es lebe die Seriosität, die Hofberichterstattung oder so ähnlich.

holger Januar 4, 2012 um 19:07

@ f.luebberding Januar 4, 2012 um 19:02
Holger

Frage es Wulff. Das kam vom Bundespräsidialamt.”

Wenn mir der Thomas Oppermann, obwohl zugesagt, noch nicht mal ne Audienz gibt, warum soll ich da meinen Ex-Post-Chef Fragen? Und wenn es um die Medien geht, und Pressefreiheit, im högschten Amte der Welt, dann werden sich wohl einige Lücken auftun. Weil nun kommt was kommen wird, ÖR gegen Privat.

Hans Hütt Januar 4, 2012 um 19:26

Peinigend

snozin Januar 4, 2012 um 19:27

Wuff (ich lehne mich hier mal an Holgers breite Schultern) Wuff also… …was wollte ich eigentlich sagen?

Ich habe hier im Blog inseriert, wer etwas beitragen könnte (Kostüme, Bühnenbilder, Demenzis) zur Aufführung des Sketches “Wulf tritt nicht nach hinten”, und es ist ja auch ein Herr Ullff sofort nach vorn getreten. Soweit so prächtig. Nur habe ich versäumt, mir die Rechte zu sichern.

Schüchterne, lasst Gemurmel erschallen!

Es gilt nun, die Differenz tritt, tritt nicht, zu einer neuen Einheit zusammen zu schmieden. Backen wir´s an! Wir sind es uns wert!

topi Januar 4, 2012 um 19:29

ARD Und ZDF, ist doch gut.

Die warten bis 20:15, da kommt die Bloggergemeinde zu ungeahnten Exklusivitätsminuten. :roll:

A. G. Januar 4, 2012 um 19:30

Wenn ich mir vorstelle, dass dieses heutige Volksverdummungstheater wir GEZ-Zahler/Bürger noch für unseren reumütigen Bundespräsidenten sponsern, … Nein, ich schreib’s nicht. So “verkaufen” sich Wirtschaftsverbrecher. Manche glauben an das, was sie sagen – ohne Bezug zur Realität.

A. G. Januar 4, 2012 um 19:32

@topi gestern, ich leide jetzt, wenn ich mir diesen Mist anhöre. ;-)

+++Kurzticker+++Kurzticker+++ Januar 4, 2012 um 19:43

Drei Komplexe. Wulff lässt sich von einem Freund aus dem Schmuddel-Milleu einen Kredit gewähren. Zweiter Punkt, er verhält sich wie ein Politiker und erzählt nicht gleich immer die Wahrheit (Steinmeier-Diplomatie). Drittens, auf dumme Weise versucht er es mit der freien Presse per Handy noch einmal einzurenken.

Was zeigt uns das?

Dem Herrn Bundespräsidenten fehlt es an einem Team zur Umsetzung seiner Lobby-Arbeit.

Wie oft hat Akkermann in den letzten Monaten erfolgreich intervenieren lassen und wir die Clowns vor unseren Bildschirmen/Zeitungen haben es nicht mitbekommen? Der Unterschied ist, dass die Privaten im Unterschied zu den Öffentlichen über mehr finanzielle Mittel und damit korrelierend über erfahrerenes Personal verfügen. Der Weg ist aber für beide, die Privaten wie die Öffentlich-Staatlichen derselben. Durchsetzung von Macht-Interessen unter Ausschaltung der Öffentlichkeit mittels propagandistischer Mittel. Die Frage ist doch, wieso bei Wulff die Sache jetzt in den Medien hochgespielt wird? Was war hier der Stein des Anstosses? Keine Verschwörungstheorien? Oder irgendwelche Ideen?

wowy Januar 4, 2012 um 20:08

Die Rede hat 3 Botschaften.
“Ich bin ein Mensch, der auch Fehler macht” Das ist für die Bürgerinnen und Bürger.
“Ich habe gegen kein Gesetz verstoßen” Das ist für die Presse, die es ihm beweisen soll.
Die Gerüchte zu seiner Frau, die “im Internet” kursieren, hat er als kompletten Unfug zurückgewiesen. Auch das ging indirekt an die Presse.

Die Exklusivität von ARD und ZDF war ein klares Zeichen an Springer und Bertelsmann.

Jetzt kann die Presse weiter feuern und Gefahr laufen, dass die Bürgerinnen und Bürger das Zeug irgendwann nicht mehr lesen wollen. Den Zeitpunkt seriös in a l l e Richtungen zu beobachten, hat die Presse zunächst verpasst.
Realistisch: 1:0 für Wulff

@morph
Nein, ich halte Herrn Wulff nicht für einen guten Bundespräsidenten und ich habe seiner Weglobung von Anfang an kritisch gegenüber gestanden.
Eine Presse, die angeblich aufklären will, aber völlig einseitig eine Vernichtungsmaschinerie anwirft, weil sie bestimmen will, wer Bundespräsident ist und wer nicht, die sich um eine echte Aufklärung aber nicht bemüht und in meinen Augen auch kein Interesse daran hat, finde ich verlogen, heuschlerisch, bigott und besorgniserregend.
Die 20 Strafanzeigen sind übrigens total alt. Die waren schon allesamt abgelehnt. Nach neuen Erkenntnissen zur BW Bank sind keine neuen gestellt worden. Zumindest ist mir davon nichts bekannt.

@Hans Hütt
Ich verlinke zum Fernmeldegeheimnis nur eine Quelle. Der beste Medienanwalt der Welt ;-), der Kai Dieckmann ja schon mal vertreten hat, vertritt eine mögliche Auffassung. Ich würde der Auffassung allerdings aus mehreren Gründen wiedersprechen. Das würde hier aber den Rahmen sprengen:
http://books.google.de/books?id=pB2B8PQwIVcC&pg=PA420&dq=Nachricht+auf+Anrufbeantworter+Art.+10+GG&hl=de&sa=X&ei=OKMET7bFCsXItAbh_JHiDw&ved=0CEIQ6AEwAQ#v=onepage&q=Nachricht%20auf%20Anrufbeantworter%20Art.%2010%20GG&f=false

holger Januar 4, 2012 um 20:13

Ich hab in China schon T-Shirts bestellt… (c) “sind wir nicht alle ein bisschen Wuff?” Und Kaffeetassen. :D Mindestens 500% Marge. ;-)

BananenOssi Januar 4, 2012 um 20:17

Wuffi benimmt sich nur so, wie alle Wessis hier im Osten seit 22 Jahren. Das ist doch i.O.
Was habt ihr bloß gegen den?

enrico Januar 4, 2012 um 20:46

Aus Ideal-Architektonischer Sicht, folgt Form immer Funktion. Die Funktion sei also die Ursache, nach der sich die Form zu richten hat.

Das gleiche Prinzip gilt auch für die Klasse der weltgebildeteren Eliten: Statussymbole müssen sich nach der jeweiligen Persönlichkeit richten, niemals umgekehrt. Die Persönlichkeit bestimme hier die angewandten Statussysmbole.

Wulff dagegen versuchte auf kindliche Art und Weise Statussymbole anzuwenden um eine Elite-Persönlichkeit darzustellen, die er auch bei bestem Willen einfach nie werden kann. Denn, er will nicht so sein, wie er in Wirklichkeit ist. Das degradierte ihn zu einem Beta-Männchen und provozierte damit natürlich den Beissreflex der mainstream-Medien.

Es sind die verborgenen Spielregeln, die Grammatik der oberen Rangordnungsbildung die er nicht beherrscht. Diese ist aber eben etwas komplexer als diejenige, welche man gewöhnlich in der Gesellschaft von Schrotthändlern und tätowierten Frauen vorfindet. Das ist der Grund der Volksempörung, und nicht etwa irgendwelche Mauscheleien.

enrico Januar 4, 2012 um 20:54

@BananenOssi,

Wuffi benimmt sich nur so, wie alle Wessis hier im Osten seit 22 Jahren. Das ist doch i.O.
Was habt ihr bloß gegen den?

Umgekehrt, er benimmt sich so, wie ein einstiger Mitläufer-Ossi hier im Westen. Hinterhältig, kleingeistig und feige.

A. G. Januar 4, 2012 um 20:55

Viel zu seichte Fragen beim Interview. Jeder pfiffige Volljurist hätte Wulff ein solches Podium nicht geboten. Die Öffentlich-rechtlichen sollten für solche Interviews nach gewieften, charmanten Persoenlichkeiten suchen, die sich solche salbungsvollen Antworten nicht bieten lassen…

enrico Januar 4, 2012 um 21:05

Treten wir einen Schritt voraus! Dann hat es wenigstens den Anschein als ob C.W. zurückgetreten wäre.

Hans Hütt Januar 4, 2012 um 21:10

A.G.
In der Tat. Das wäre eine Steilvorlage für ein Kreuzverhör gewesen. Nach drei Wochen detaillierter Berichte kein präparierter Vorhalt zur causa des Zinsvorteils, keine Nachfrage zur Verhandlungsführung durch Freund Geerkens, keine Nachfrage zu dessen Vermittlung zum Hausverkauf, die Vielzahl weiterer Hilfen, die sich in Summe zu einer faktischen Geschäftsbeziehung entwickelt haben…

Das war ein Tiefpunkt ör Fernsehens

A. G. Januar 4, 2012 um 21:12

Absolut, @Hans Huett. Beim nächsten Mal stellen wir die Fragen. ;-)

topi Januar 4, 2012 um 21:16

Es gibt keinen Zinsvorteil, das Darlehen war als privates Darlehen durchaus angemessen verzinst.
Unter dem Vertrag steht Frau gerken, kein Ferengi kämeauf die Idee, er hat einen Vertrag mit der Frau des Unterzeichners.
Anruf bei der BW-Bank, mein Gott, ein Freund ruft für einen Freund an.

Juristisch ist das gar nichts.

Ob er den Landtag belogen hat wäre eine Frage; die hat aber die SPD-Fraktion in Hannover schon beantwortet, lieber Hans.
Und sie wissen genau, warum.

f.luebberding f.luebberding Januar 4, 2012 um 21:20

Hütt, A.G.

Das war vor allem eine Frage des Formats. In 20 Minuten ist nichts anderes möglich. Genau hier muss die Kritik ansetzen: sich darauf einzulassen.

A. G. Januar 4, 2012 um 21:27

20 Minuten sind in der Tat kurz, @Frank Luebberding. Aber das war echt wenig… Die Reisen Geerkens, Wulff hatte sich übernommen; Luxusurlaub, der erst später bezahlt wurde etc.

Wie ungeschickt auch von Schausten zu sagen, dass sie selbst bei Freunden für den Urlaub zahlt.

h.huett Januar 4, 2012 um 21:32

wowy
Der beste Medienanwalt in unserem Land ist natürlich Johannes Eisenberg. Aber der würde nicht Herrn Diekmann vertreten.

f.luebberding f.luebberding Januar 4, 2012 um 21:51

A.G.

Das war nicht ungeschickt … . Das war spontan. Es zeigte eigentlich bloß, wie irrsinnig diese Mensch Debatte des Wulff ist. Niemand hat was dagegen, wenn er bei Freunden übernachtet. Aber das waren eben nicht alles alte Schulfreunde. Es waren sog. Freunde, die der Wulff nach eigenen Angaben wie beim Talanx AR sogar gesiezt hat. Wenn Putin mit seinen Oligarchen zusammensitzt, sind das mit Sicherheit auch alles Freunde. Die Nicht-Freunde landen bei ihm im Knast. Es ist in dieser Logik von Wulff nicht mehr möglich, zwischen Putins Russland und Wulffs Deutschland zu unterscheiden. Es geht nicht um Freunde, sondern darum, was ein führender deutscher Politiker in seinen Ämtern für ein Rollenverständnis hat. Schausten hat das nicht sogleich kapiert: das war ihr Problem. Man darf sich auf diese Logik erst gar nicht einlassen. Aber genau das ist von Anfnag an nicht begriffen worden: dass einem Wulffs Freunde völlig egal sind. Er hat sich nicht aushalten zu lassen. Schluss der Debatte. Das hätten ihm Schausten und Deppendorf sagen müssen.

topi Januar 4, 2012 um 22:00

Frank
“Schausten hat das nicht sogleich kapiert: das war ihr Problem.”

Vielleicht liest sie ja FAZ-Feuilleton, vor allem Medienkritik.
Dann hätte sie ja besser gebrieft sein können. ;-)

f.luebberding f.luebberding Januar 4, 2012 um 22:03
wowy Januar 4, 2012 um 22:12

@fl
Broder ist in dem Text, wie so oft in letzter Zeit, einfach nur populistisch. Er tut so, als würde er zur working class gehören. Tut er das? Nein, tut er nicht!

gelegentlich Januar 4, 2012 um 22:20

@f.luebberding
,,Broder ist in diesem Text große Klasse”.
Dem kann man nur zustimmen.
,,Ja, Christian Wulff gehört zu Deutschland, zu dem Deutschland der Partygänger und Schnäppchenjäger, dem Deutschland der Eventmanager und Spesenritter, dem Deutschland der Aufsteiger, die voller Bewunderung zu Aufsteigern hinauf schauen, die es noch weiter gebracht haben.”
Er gehört also zu den Leuten, für die Broder schreibt. Das hätte er vielleicht noch dazu sagen können.

f.luebberding f.luebberding Januar 4, 2012 um 22:26

wowy

Zu Broder: das ist schlicht kleinkariert.

gelegentlich

Ehrlich gesagt: das ist mir völlig egal, wer bei Springer auf Partys geht. Die sind nicht Bundespräsident.

f.luebberding f.luebberding Januar 4, 2012 um 22:28
wowy Januar 4, 2012 um 22:32

@fl
Das ist schlicht wahr.

f.luebberding f.luebberding Januar 4, 2012 um 22:36

Wowy

Broder behauptet nicht zur Arbeiterklasse zu gehören. Man sollte die Kirche im Dorf lassen … .

Michael Michaelis Januar 4, 2012 um 22:39

Christian Wulff zieht sich (im Interview im ZDF) gar nicht schlecht aus der Affäre.

Zitat Wulff: „Wem es in der Küche zu heiß ist, der darf nicht Koch werden wollen, wie es Harry S. Truman gesagt hat, und deshalb muß man offenkundig auch durch solche Bewährungsproben hindurch.”

Das ist natürlich eine Überhöhung der eigenen Person, die einem Bundespräsidenten eigentlich nicht ansteht. Trotzdem habe ich mittlerweile die Vermutung, daß Wulff das Opfer einer sehr clever eingefädelten Kampagne der BILD-Zeitung sein könnte. Hinter Kai Diekmanns gegeltem Outfit verbirgt sich sicherlich mehr, als man auf dem ersten Blick vermuten würde. Wenn er nur die Karikatur wäre, die er vorgibt zu sein, hätte er im Springer-Umfeld nicht so lange überlebt.

Der Kommentar von Goodnight ist wohl nur halbwegs ironisch gemeint (und ich stimme dem – unter Wegnahme auch der halben Ironie – zu).

llse Januar 4, 2012 um 22:52

“Der Kommentar von Goodnight ist wohl nur halbwegs ironisch gemeint (und ich stimme dem – unter Wegnahme auch der halben Ironie – zu).”

meine lieblingsauflösung!

snozin Januar 4, 2012 um 22:52

Gut. Ich (mein Zeitgefühl) lag, was das Timing betrifft, daneben. Gebt mir eine zweite Schangs.

Ich gehe jetzt auf die zweite Februarwoche und prophezeihe, dass jemand in den letzten Kommentar den Gesang eines Verstorbenen einfließen lässt:

“Hossa!”

Nun aber erstmal: Der nächste bitte.

topi Januar 4, 2012 um 22:53

Jaja, Broder der Kämpfer für die Müllkutscher und Supermarktkassiererinnen.

Wie sind denn so seine sonstigen politischen Ansichten, bspw.zu Steuern und Sozialsystem?

Wenn er da konsistent wäre,dann wäre es ein guter Beitrag.

So geht es ihm offenbar nur darum, dass man doch als Politiker den Schein zu wahren, statt zu nehmen, hat.
Der Rest muss halt so sein, wie er ist, die “Moderne” halt.

erna_marzahn_berlin Januar 4, 2012 um 23:01

Is er nu rückjetretn oder ja?

worüber sülzt mann hir!

f.luebberding f.luebberding Januar 4, 2012 um 23:07

topi

Was sonst seine Ansichten sind? Werden seine Worte deshalb falsch? Es geht nicht um die Höhe des Spitzensteuersatzes. Ansonsten dieser Kommentar im Stern:

http://www.stern.de/politik/deutschland/wulff-tv-ich-bin-ein-anfaenger-lasst-mich-da-drin-1769847.html

gelegentlich Januar 4, 2012 um 23:11

@luebberding

,,Broder behauptet nicht zur Arbeiterklasse zu gehören. Man sollte die Kirche im Dorf lassen … ”

Nein, er behauptet das nicht. Er schmeißt sich nur an die ran. Zur Qualität eines Komnentars zählt unter Umständen auch die Glaubwürdigkeit des Kommentierenden – Werktätigenlyrik nimmt man diesem hier einfach nicht ab. Ich räume ein: wäre nicht dieses Haar in der Suppe hätte er als schöner Text durchgehen können.

Keynesianer Januar 4, 2012 um 23:21

@f.luebberding

“Übrigens ist die Regionalpresse an Deutlichkeit kaum zu überbieten:”

Die schreiben doch seit jeher auf Kommando. Und sogar der Broder muss sich mit dem künstlich dramatisierten Schmarren noch zum Affen machen. Die Journalisten schaden mit der Kampagne ihrem Ansehen tagtäglich mehr als der Wulff dem Präsidentenamt.

Das Präsidentenamt besteht ja eigentlich darin, dass jemand irgendeinen durchgeknallten Massenmörder, der es in Afrika oder in den USA oder sonstwo zu einem hohen Amt gebracht hat, mit Pomp und hohen Ehren empfängt. Dem muss der Präsident auch dann die Freundschaft Deutschlands versichern, wenn wie einst im Fall Gaddafi schon längst der Sturz und die Ermordung geplant sind: Prösterchen.

Ein Ehrenmann könnte dieses Amt seiner Frau und Familie gar nicht zumuten.

topi Januar 4, 2012 um 23:47

Frank
“Werden seine Worte deshalb falsch?”

Nein; aber natürlich ist der Kontext wichtig.

Goodnight fordert W.s Rücktritt, Begründung: das gebietet die Funktionslogik.
Was für eine begründung.Undwenn er imAMtbleibt,bricht dann “die Moderne”zusammen?
Oder stellt sich seine Beschreibung einfach als (zumindest teilweise) falsch heraus?
Das erklärt zumindest das aus dieser Position heraus wirklich kindische moralisieren; Menno!

Broders Logik ist ähnlich.
Nichts gegen schmutzige Geschäfte, aber wenn du Politiker bist, dürfen sie nicht rauskommen; was soll denn der arme Müllmann sonst denken!

uschi blas Januar 4, 2012 um 23:47

ich finde der herr wulff sah mal richtig gut aus. also in dem interview heute abend. er hat toll gesprochen und so. der lübberding ist doch nur neidisch, dass er nicht bundespräsident ist.

Die moralische Instanz Januar 4, 2012 um 23:59

Es meldet sich der Richtige, die moralische Instanz

http://www.aachener-nachrichten.de/artikel/1948671

http://www.aachener-nachrichten.de/artikel/1948671

mit freundlichen Grüßen

egal Januar 5, 2012 um 00:02

Broder über Guttenberg:

Es wird den Deutschen immer nachgesagt, sie seien eine “verspätete Nation”. Das mag so sein, ganz sicher sind sie verspätete Moralisten. Das fängt beim Bundespräsidenten an und hört bei Arno Widmann noch lange nicht auf.

Letzte Woche fand im Bundestag eine “Aktuelle Stunde” statt. Tatsächlich war es ein Tribunal, bei dem über Verteidigungsminister Guttenberg gerichtet wurde. Der verteidigte sich so ungeschickt wie ein Gymnasiast, der im Deutschunterricht bei der Lektüre von Fanny Hill erwischt wurde. Und je kleiner er wurde, umso mehr wuchsen seine Ankläger über sich selbst hinaus.

Es war ein peinliches, würdeloses Schauspiel, bei dem ein Redner sich besonders hervortat: Dietmar Bartsch, der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linkspartei. Am Ende seines sechs Minuten langen Statements, in dem er Guttenberg mit einem ertappten “Ladendieb” verglich, der seine Beute zurückgeben muss, und die CDU der “Doppelmoral” beschuldigte, rief Bartsch aus: “Ich appelliere an Ihre Ehre: Früher wusste der Adel, was an so einer Stelle zu tun ist!”

Die Aufforderung, Guttenberg sollte Selbstmord begehen, wurde von den Parteifreunden des Abgeordneten mit Beifall und Gelächter belohnt. Sechs Tage später gab Guttenberg dem Druck der öffentlichen Meinung nach und trat von seinem Amt zurück – eine Art Selbstmord light. “Wer sich für die Politik entscheidet, der darf kein Mitleid erwarten”, sagte er in seiner ersten Stellungnahme als Ex-Minister, er wolle kein “Selbstverteidigungsminister” sein. Und: “Ich war immer bereit zu kämpfen, aber ich habe die Grenzen meiner Kraft erreicht.”

Es war das Ende der längsten Treibjagd in der neueren deutschen Geschichten aus einem Anlass, der kaum nichtiger sein konnte. Zuletzt gaben 23.000 promovierte Akademiker und Doktoranden eine Petition gegen Guttenberg im Bundeskanzleramt ab. Obwohl bis zuletzt eine Mehrheit der Deutschen der Ansicht war, Guttenberg habe sich zwar dumm und falsch verhalten, sollte aber dennoch nicht zurücktreten, sagt die Causa Guttenberg viel über die Moral der Nation Guttenberg aus. Man kann mit Despoten Geschäfte machen, solange sie fest im Sattel sitzen. Straucheln sie, erklärt man sie rückwirkend zu Psychopathen. Schreibt aber einer seine Doktorarbeit ab, gibt es keine mildernden Umstände. Denn ehrlich währt am längsten, Lügen haben kurze Beine, und das Glück gleicht dem Balle, es steigt zum Falle.

Noch Fragen?

f.luebberding f.luebberding Januar 5, 2012 um 00:04

Nein, das ist er wirklich nicht, eine moralische Instanz. Er ist auch nicht als Bundespräsident im Gespräch, so hoffe ich doch, oder Henryk? Ansonsten werden wir morgen den Herrn Wulff der Lüge überführen.

f.luebberding f.luebberding Januar 5, 2012 um 00:07

Broder über Guttenberg? Nun lag er in dem Fall daneben. Das passiert ihm übrigens öfter. Er sollte immer erst die FAZ lesen bevor er sich äußert … .

egal Januar 5, 2012 um 00:11

Wo Wulff gehasst wird:

PI-News

Wulff will mehr Migranten in Spitzenämtern

Kommentaren:

#11 Masho (29. Jan 2010 18:25)
Sie sind von allen guten Geistern verlassen! Die bösen Geister des Islam haben offenbar gesiegt. Da gibt es nichts mehr zu beschönigen. Das dies so einfach geht hätten sich die Wüstensöhne Allahs bei ihrem Eroberungsritt durch Europa wohl nicht gedacht. Wir sind so gut wie verloren es gibt keine Hilfe wir sind auf dem Weg zurück in die Steinzeit. Unsere Kinder werden verzweifeln und zerbrechen daran. Danke ihr schwulen Dhimmis was anderes gebührt euch ja gar nicht! Wer so kampflos sein Land aufgibt ist nichts wert.

#12 Hauptmann (29. Jan 2010 18:26)
20% Behinderte
20% Frauen
20% Muslime
20% Polen und Russen
19% Aliens

1% Fachkräfte.

So wirds was mit ´schlands Aufschwung.

#13 Wienerblut (29. Jan 2010 18:27)
In letzter Zeit liegt mir im Zusammenhang mit euren CDU Politikern immer öfter das Vokabel “Verräter” auf der Zunge

Klar, dass Broder den auch nicht mag.

Die moralische Instanz Januar 5, 2012 um 00:12
Die moralische Instanz Januar 5, 2012 um 00:30

HMB for President … hetzen erlaubt ! Na ja spannend wirds dann allemal.
Sollte man mehr auf Kohle stehen Ackermann einbürgern, der ist momentan ohne Job
„Der gute Wille ist allein durch das Wollen gut.“

mit freundlichen Grüßen

Linus Januar 5, 2012 um 06:54

Frage: Hat der BP versucht, die Veröffentlichung der Recherchen zu seinem umstrittenen, privaten Hauskredit zu verhindern?

Aus der Stellungnahme der Bild-Zeitung:
“Der Bundespräsident zeigte sich darin empört über die Recherchen zu dem Hauskredit und drohte u.a. mit strafrechtlichen Konsequenzen für den verantwortlichen BILD-Redakteur. ”

Der DJV (gemäß SZ):
“Empört reagiert der Deutsche Journalistenverband (DJV) auf die Einschüchterungsversuche des Staatsoberhauptes. “Herr Wulffs Anruf ist der klare Versuch, Einflussnahme auf die Berichterstattung auszuüben”, sagt DJV-Sprecher Hendrik Zörner der SZ. Wulff seien offenbar die Nerven durchgegangen.”

Herr Wulff dazu sinngemäß!:
“Ich habe um einen Tag Aufschub gebeten”

Aufschub ist noch nicht Verhinderung. Wenn das stimmen sollte, was Herr Wulff da sagt, dann wirft das kein gutes Licht auf die Journaille.

Hans Hütt Januar 5, 2012 um 07:19

Linus

Es sieht schon mehr nach einem Bias in Deiner Wahrnehmung aus, denn Herr Blome, der den Wortlaut der Nachricht kennt, hat im dlf eindeutig gesagt, dass der BP den Bericht unterbinden und nicht verschieben wollte. Die Drohung mit Strafanträgen dürfte Blomes Position stärken, denn wer will mit einem Strafantrag einen Bericht nur verschieben?

Linus Januar 5, 2012 um 07:38

@huett:
Schon so persönlich so früh am morgen? Ich schrieb: “Wenn das stimmen sollte …”
Es fehlt die Erdung in dieser Sache, sprich das Tonband.

Keynesianer Januar 5, 2012 um 07:45

Der wirkliche Skandal ist die Gleichschaltung der Massenmedien in diesem Land. Und wie die Journalisten alle mit Feuereifer dabei mitmachen, geht es doch um Job und Karriere.

Morgen gibt es dann wieder eine Kampagne für weiteren Sozialabbau und Lohnkürzungen in Europa, für die Rente erst ab 70, für Steuergeschenke an die Reichen und das Kapital, oder man (er)findet wieder einen Florida-Rolf und deutschlands frechsten Arbeitslosen, um gegen die unschuldigen Opfer der absichtlich inszenierten Krisen zu hetzen.

Eine völlig gleichgeschaltete Medienwelt, deren Mitwirkende uns ganz sicher nichts über Moral und Anstand zu erzählen haben, sonst müssten sie alle erst mal ihre Jobs als Auftragsschreiber hinwerfen. Aber wenigstens wird bei der künstlichen Aufregung um den Wulff der wahre Charakter der Soldfedern für jeden erkennbar.

Die machen wirklich alles, was ihnen gerade angewiesen wird, zu ihrer allertiefsten Herzensangelegenheit. Da gibt es keine Reste von Scham und Anstand. Die wissen vermutlich gar nicht, was das sein könnte.

h.huett Januar 5, 2012 um 07:45

Linus

Du kannst davon ausgehen, dass im Moment genau die Schritte unternommen werden, die eine rechtssichere Veröffentlichng dieser Aufnahme oder wesentlicher Teile der Aufnahme ermöglichen.

f.luebberding f.luebberding Januar 5, 2012 um 08:13

Linus

Nur zum Anruf: man kann vom Aufschub reden, um den Bericht zu unterbinden. Aber Wulff lernt ja jeden Tag dazu. Dabei ist das gar nicht nötig gewesen. Er war noch nie anders gewesen.

Linus Januar 5, 2012 um 08:32

@huett:
Bisher sah es danach aus, als wollten beide Seiten genau dies vermeiden. Ob sie jetzt noch drumrum kommen? Frau Merkel ist bestimmt ‘not amused’. Das wird sie ihrer Freundin mitteilen :-D.
Oder lieber doch nicht :roll:

Nanuk Januar 5, 2012 um 08:35

@Hütt
Wer ist Glaubwürdiger die Politik oder der Blome?
Dann können demnächst die nicht gewählten Redakteure der Bild regieren.
Was ihr alle für ein Demokratie verständniss habt.
I am amused…

http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=HbAtjhTWGoU

Nanuk Januar 5, 2012 um 08:36

Wer ist Glaubwürdiger die Politik oder der Blome?

h.huett Januar 5, 2012 um 08:41

Nanuk
Die verfassungsrechtliche Rolle der Politik und der Medien ist eindeutig. Die einen werden gewählt. Die anderen gekauft. Das ändert nichts daran, dass beide ihre eigenen Glaubwürdigkeitsgesetze haben. Ob sie die immer befolgen, daran gibt es aktuell vor allem Zweifel bei dem politischen Personal, während die Medien ihre Rolle korrekt wahrnehmen.

holger Januar 5, 2012 um 08:49

h.huett

—>>>während die Medien ihre Rolle korrekt wahrnehmen.”

Ja? na… nun wissen wir ja wenigsten was Frau Schausten ihren geladenen Gästen und Freunden abluchst, Im Hause Schausten wird eine Freundschaftsgebühr in Höhe von ca. 150 Euro verrechnet. Ob sie die versteuert da konnte Bundeswuff nicht mehr nachhaken.

holger Januar 5, 2012 um 08:53

Für ein mögliches weiteres Interwuff schlage ich Salesch und Hold vor.

wowy Januar 5, 2012 um 09:02

@h.hütt
“…während die Medien ihre Rolle korrekt wahrnehmen.”
Netter Scherz am Morgen :-)

h.huett Januar 5, 2012 um 09:10

wowy

Mir ist nicht nach Scherzen zumute. Man kann sogar so weit gehen zu sagen, dass die Medien an der korrekten Wahrnehmung ihrer Rolle durch das taktische Verhalten des Bundespräsidenten gehindert werden. So verstehe ich jedenfalls die bisherige Reaktion des Deutschen Presserats auf die Nachricht des Bundespräsidenten auf dem Anrufbeantworter Herrn Diekmanns.

h.huett Januar 5, 2012 um 09:16

holger
“Im Hause Schausten wird eine Freundschaftsgebühr in Höhe von ca. 150 Euro verrechnet.”

Das hat mit ihrer Spesenklasse zu tun. Das Bundesreisekostengesetz sieht bei steuerlich absetzbaren Ausgaben für private Übernachtungen weniger als ein Siebtel des Betrages vor, den Frau Schausten genannt hat,

wowy Januar 5, 2012 um 09:17

@h.hütt
Mir kommen gleich Tränen der Rührung… :-)
Frag mal Herrn Diekmann nach dem Fernmeldegeheimnis, dann wird er dir Arien von Pressefreiheit erzählen. Wie passt da die Aussage: Der Fall sei mit der Entschuldigung für ihn erledigt?
Die Lügen alle, deshalb finde ich es so lächerlich, dass ausgerechnet BILD dem BP Lüge vorwirft.

h.huett Januar 5, 2012 um 09:19

wowy

Deine Tränen trüben Deinen Blick mehr, als es der nüchternen Wahrnehmung dienlich wäre. Aber mach nur so weiter. :-D

wowy Januar 5, 2012 um 09:20

@h.hütt
Einfach mal auf ein Argument eingehen #Vorsätze fürs neue Jahr

holger Januar 5, 2012 um 09:20

Ich möchte nur mal kurz auf diesen Fall verweisen…

http://de.wikipedia.org/wiki/Nikolaus_Brender

Frankie Bernankie Januar 5, 2012 um 09:23

@Nanuk

“Dann können demnächst die nicht gewählten Redakteure der Bild regieren.”

Was heisst hier “demnächst”?

Nanuk Januar 5, 2012 um 09:25

„Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. ”

Herr Diekmann machen sie endlich ihren AB allgemein zugänglich!
So weit zum Thema Verfassung!

f.luebberding f.luebberding Januar 5, 2012 um 09:29

Frankie

Es ging tatsächlich auch um Distanzverlust. Ich kann nur noch einmal auf meine Beckmann Besprechung hinweisen, die ich gestern verlinkt habe. Genau das war nämlich seit Beginn dieser Affäre das Entscheidende: keine Kumpanei mehr.

h.huett Januar 5, 2012 um 09:30

wowy

Der getrübte Blick ist kein Argument. Aber lies doch mal zur Entspannung und gegen die Tränen Hans-Christian Ströbele. Nicht gerade bekannt als ein Freund des Hauses Springer oder der Bild-Redaktion, aber als Anwalt gut vertraut mit den Instrumenten der Strafprozessordnung und des Presserechts.

Morph Januar 5, 2012 um 09:35

@Linus & Nanuk

Die Massenmedien haben ihrer aufmerksamkeitsökonomischen Logik und gesellschaftlichen Funktion entsprechend keine staatspolitische Verantwortung, d.h. Journalisten, Rundfunksender, Presseverlage etc. agieren prinzipiell gewissenlos (was immer sie auch Gegenteiliges behaupten und als Lebenslüge pflegen mögen). Ihr alleiniges Interesse, das sie motiviert wie die Fährte den Bluthund, ist INFORMATION und UNTERHALTUNG. Daru geht es und um nichts anderes. Es muss NEU sein und es muss INTERESSANT sein. Dazu gehört, und das macht die Medien nolens volens zu einer Kraft, die politische Willkür einhegt: Tatsachenbehauptungen müssen stimmen! Denn erfundene Neuigkeiten sind keine.

Also: Die Medien sind eine gewissenlose Meute. Die Politik ist ein machtversessener Sauhaufen. Minus mal Minus gibt bekanntlich Plus (speziell für Dich, @Linus, alter Logiker). Also known as checks & balances.

Dass die Medien Wulff zur Strecke bringen wollen, ergibt sich aus der Logik der Massenmedien. Dass Wulff sich an sein Amt klammert, ergibt sich aus der Logik der Politik.

Wie wir als einzelne Beobachter die Lage bewerten, hängt mit unseren mindsets zusammen. – Was mich z.B. irritiert, ist der symptomatische Charakter der Angelegenheit: Die Funktionseliten haben heute ganz offenkundig Reproduktionsprobleme; dass sich für das Buprä-Amt kein honoriger, konsensfähiger, intellektuell satisfaktionsfähiger Altpolitiker fand, ist doch sehr erstaunlich. Dass sich heute keine überzeugende Führungsmannschaft für eine liberale Partei finden lässt, ist doch sehr erstaunlich (Patrick Lindner ist ein so offensichtlicher Pflegefall, dass es einem den Atem raubt).

Die Finanzkrise hat gezeigt, dass Bankenvorstände ihre Läden nicht im Griff haben. In Wissenschaft, Literatur und den übrigen Künsten werden die großen Integrations- und Identifikationsfiguren immer seltener.

Kurzum: Alles deutet darauf hin, dass die Gesellschaft so komplex und dynamisch geworden ist, dass die Figur des repräsentativen Spitzenvertreters praktisch nicht mehr offensiv bespielt werden kann. Wir müssen uns von dieser Figur verabschieden und überlegen, was ihr funktionales Äquivalent unter aktuellen Umständen sein könnte.

Ich glaube, dass eine low-key-Lösung des Problems anschlussfähig wäre, nämlich nach einem rein formellen Verfahren den jeweiligen Amtsinhaber festzulegen, z.B. dass der Präsident des BVerfG nach Ausscheiden aus dem Amt automatisch das Amt des Bundespräsidenten antritt.

Nanuk Januar 5, 2012 um 09:38

Die Massenmedien haben ihrer aufmerksamkeitsökonomischen Logik und gesellschaftlichen Funktion entsprechend keine staatspolitische Verantwortung, d.h. Journalisten, Rundfunksender, Presseverlage etc. agieren prinzipiell gewissenlos (was immer sie auch Gegenteiliges behaupten und als Lebenslüge pflegen mögen).

@Mörphchen

Freiheit ohne gewissen Funktioniert aber nicht!

h.huett Januar 5, 2012 um 09:39

Morphs rant of the day: “Patrick Lindner ist ein so offensichtlicher Pflegefall, dass es einem den Atem raubt”

h.huett Januar 5, 2012 um 09:43

Nanuk

Bitte bau keine katholischen Vorbehalte in die mediale Gewissenlosigkeit ein. Neu und interessant reicht. So ist das auch mit dem Beichten. Oder beichtest Du olle Kamellen, für die schon Absolution erteilt wurde? Weils so schön war?

Linus Januar 5, 2012 um 09:46

@Morph:
“Also: Die Medien sind eine gewissenlose Meute. Die Politik ist ein machtversessener Sauhaufen. Minus mal Minus gibt bekanntlich Plus (speziell für Dich, @Linus, alter Logiker). Also known as checks & balances.”

Zwischen Politik und Medien mag es unentschieden stehen. Für Otto Normalverbraucher ergibt sich dagegen in Summe der Eindruck, daß er von beiden Seiten nach Strich und Faden belogen wird.

Nicht nur die Politik verliert zusehends an Ansehen, auch die Medien.

topi Januar 5, 2012 um 09:47

Bei den ganzen Lindners kann man schon durcheinanderkommen.;-)

topi Januar 5, 2012 um 09:48

Oder wollte uns morph etwas über seinen Musikgeschmack mitteilen?

:88:

Morph Januar 5, 2012 um 09:51

@Linus

“Für Otto Normalverbraucher ergibt sich dagegen in Summe der Eindruck, daß er von beiden Seiten nach Strich und Faden belogen wird.”

Absolut, und das ist ein Problem für die Aufklärung 2.0: Nämlich dass Wahrheit nicht das Basis-Kriterium der Massenmedien und der Politik ist. Massenmedien und Politik sind nur so wahr wie nötig, um nicht straffällig zu werden. Wahrheit als Basis-Kriterium gibt’s nur in der Wissenschaft.

Die Utopie wäre, dass Otto Normalverbraucher mit diesen gesellschaftlichen Tatsachen unressentimental umzugehen lernen könnte.

Horst Schmidt Januar 5, 2012 um 09:52

Becker und Blome weisen in die Zukunft:

1.”Die Persönlichkeit des Amtsinhabers prägt zwangsläufig die Amtsführung in besonderem Maße’, heißt es auf der Internet-Homepage des Bundespräsidenten. Christian Wulff hat das Amt in den letzten Wochen tatsächlich geprägt. Aber das Amt wird Jahre brauchen, bis es sich davon erholt.”

2.”Kaum vorstellbar, wie er auf einen Schlag in allen Fragen reinen Tisch machen kann. Was er aber so dringend müsste.

Nein. Alles, was Christian Wulff ganz praktisch-politisch im Amt hält, ist der Respekt – den wohlgemerkt sein AMT genießt, nicht mehr seine PERSON.

Heißt: Christian Wulff verschanzt sich hinter dem Titel des Bundespräsidenten. Er missbraucht das Amt, um im Amt zu bleiben. Das geht nicht.”

Da es so bei “Bild”, also auch im Hause Springer so gesehen wird, ist das Ende absehbar. Sollte dieses Angela Merkel nicht schon bemerkt haben, dann wird es höchste Zeit. Denn so wie sie gestrickt ist, wird sie das Feuer nicht offen auf sich lenken wollen und wohl oder übel die Reißleine ziehen müssen. Sollte sie – was leider nicht anzunehmen ist – mit hinuntergerissen werden, hätte diese “Affäre” einen Nebeneffekt, einen “positiven Kollateralschaden” erzeugt, der einem reinigendem Gewitter gleich käme. :-)

Morph Januar 5, 2012 um 09:53

@topi

:-)

Siehste, so umnachtet bin ich schon von diesem unglublichen Herrn Döring, dass es mir die Synapsen verknotet.

topi Januar 5, 2012 um 09:53

morph

” Ihr alleiniges Interesse, das sie motiviert wie die Fährte den Bluthund, ist INFORMATION und UNTERHALTUNG.”

Ach was.

Der Maschsumpf wäre so ergiebig an Informationen, wieso gibt es dazu keine selbstverstärkende Rückkopplungsberichterstattung?

Will das Publikum von anderen Politikern keine Enthüllungsstories lesen? Das passt doch hinten und vorn nicht.

h.huett Januar 5, 2012 um 09:54

Linus

Die Zumutung der Aufklärung, dass sich jeder seines eigenen Verstandes bedienen möge, wird im Lauf der Zeit nicht leichter. Deine Kategorie des Ansehens hat mit Geltung und Wahrheitsansprüchen allenfalls mittelbar zu tun. Desillusionierung, ebenso wie die im Blut dieser Affäre erneuerten Distanzgebote, ist ein erfreulicher Preis des Fortschritts

h.huett Januar 5, 2012 um 09:58

Horst Schmidt

Eine Wette: Frau Merkel wird reingrätschen, wenn ruchbar wird, dass der volle O-Ton der Mailboxnachricht ungeschnitten veröffentlicht wird. Fast sehe ich schon Schlagzeilen wie bei der Spiegelaffäre und Reden im Deutschen Bundestag “Ein Abgrund an Anstandsverrat!”

wowy, schreib mal eine schöne juristische Standpauke, die uns vor der Wahrheit bewahrt.

Morph Januar 5, 2012 um 10:03

Apropos Pflegefall: Habt Ihr eigentlich Philipp Rösslers ‘Witzchen’ über Sahra Wagenknechts Aussehen mitbekommen?

http://www.youtube.com/watch?v=9u-FX00lpn8

Nochmal meine These: Die hirnerweichende Idiotie des derzeitigen politischen Führungspersonals ist ein Symptom dafür, dass die bestehenden Organisationsstrukturen (jedenfalls der Politik, aber m.E. auch anderer Funktionssysteme) nicht mehr zur Gesellschaft passen und daher nur noch Trottel die überkommenen Rollenmuster bespielen.

Denn die Bevölkerung wird ja nicht dümmer. Eher im Gegenteil: Das Denkvermögen scheint im Zivilisationsprozess tendenziell zuzunehmen.

Linus Januar 5, 2012 um 10:06

“Die Utopie wäre, dass Otto Normalverbraucher mit diesen gesellschaftlichen Tatsachen unressentimental umzugehen lernen könnte.”

Es fällt zunehmend schwerer, den Auswüchsen dieser Funktionssysteme eine gesellschaftliche Daseinsberechtigung zuzuerkennen. Leider reicht ein Ignorieren als unressentimentaler Umgang nicht, da man ihnen damit den eigenen Lebensraum überließe. Was also tun? Aus Notwehr alle aufknüpfen?

Du schreibst, Funktionssysteme agieren prinzipiell gewissenlos. Richtig! Gewissen ist keine Kategorie, die sie kennen würden/könnten. Wenn aber wir alle nur Teile von Funktionssystemen sind, was sollen wir dann mit unserem Gewissen? Ist das vielleicht nur ein Atavismus wie der Blinddarm?

Horst Schmidt Januar 5, 2012 um 10:12

@ H.Huett

Wer um alles in der Welt, sprich Bundestag, sollte sich befähigt, berufen fühlen, einen solchen donnernden Ausruf zu tätigen?

Etwa die “Respektzoller”? :-)

h.huett Januar 5, 2012 um 10:13

Morph

OMG, das Video ist mir bisher nicht aufgefallen. Ganz kleine Augen!

Der Befund eines mismatch ist evident (also auch mit gewisser Vorsicht zu betrachten, weil außer betracht bleibt, wie die Linienorganisationen hinter den Spitzenfiguren funktionieren: Sie arbeiten effizienter, als man es in der daran uninteressierten Öffentlichkeit glaubt oder zu wissen glaubt). Es gibt infolge des mismatch zwischen Spitzenfiguren und ihnen zugeschriebenen Funktionen eine erodierende Loyalitätsbereitschaft in den Organisationen, am schönsten beobachtbar am Auswärtigen Amt unter Westerwelle, zuvor im Bundespräsidialamt unter Köhler, die Leute sind scharenweise geflohen.

In früheren Zeiten wäre das als Symptom für eine in die Startlöcher gehende revolutionäre Situation gewesen (“wenn die oben nicht mehr können, wie sie wollen”).

Meine These ist deshalb, dass die Emergenz der Piraten, trotz ihrer eigenen Handicaps, eine neue Stufe künftiger Selbstorganisationsprozesse des Politischen einläutet. Als Fünfte gewalt werden künftig Lecks und Whistleblower unter rechtlichen Schutz gestellt, weil infolge der Komplexität nur der reinigende Verrat die Durchsetzung der Normen gewährleistet.

Morph Januar 5, 2012 um 10:13

@topi

“Der Maschsumpf wäre so ergiebig an Informationen, wieso gibt es dazu keine selbstverstärkende Rückkopplungsberichterstattung? Will das Publikum von anderen Politikern keine Enthüllungsstories lesen? Das passt doch hinten und vorn nicht.”

Das Publikum will gar nichts, das Publikum ist eine operative Fiktion von Politik und Massenmedien, so wie der Markt eine operative Fiktion der Wirtschaft ist.

Ich sprach von checks & balances: Die sind keine Einbahnstraße. Natürlich berichten Massenmedien nicht alles Berichtenswerte. Dagegen sprechen schon die Begrenzungen der Medienformate. Hast Du Dich z.B. noch nie gefragt, warum wundersamerweise auf der Welt jeden Tag genau so viel passiert, wie in eine Tagesschausendung, in eine FAZ-Ausgabe oder in eine Ortszeit-Sendung passt?

Die Medien wählen natürlich aus, was sie berichten (und was sie an Berichtenswertem in der Hinterhand behalten). Und die Politiker ziehen Medienleute ins Vertrauen bzw. lassen sie kollektiv auflaufen, um ihre Zwecke zu erreichen.

Und wie immer hat das dickste Portemonnaie den größten Einfluss. Trotzdem: Checks & Balances funktionieren einigermaßen, besser jedenfalls als in Italien, woe die wichtigsten Medienorganisationen regelrechtes Eigentum eines bekannten Spitzenpolitikers sind.

Immer wieder schön:

http://www.youtube.com/watch?v=k25wI_TiYuU

topi Januar 5, 2012 um 10:15

Das Witzchen Röslers ging doch auf eigen Kosten.
Ich erwarte eine zwerchfellerschütternde Büttenrede Röslers, zur FDP-Rettung.

Tja, wer hätte gedacht, dass nur noch der Westerwelle den laden zusammenhält. :roll:

h.huett Januar 5, 2012 um 10:20

topi
Westerwelle putscht sich zurück in den Parteivorsitz.

holger Januar 5, 2012 um 10:21

@ Morph

—>>>Nochmal meine These: Die hirnerweichende Idiotie des derzeitigen politischen Führungspersonals ist ein Symptom dafür, dass die bestehenden Organisationsstrukturen (jedenfalls der Politik, aber m.E. auch anderer Funktionssysteme) nicht mehr zur Gesellschaft passen und daher nur noch Trottel die überkommenen Rollenmuster bespielen.”

Das ist das Problem, dass “junge” Menschen archaische Angewohnheiten nachäffen um in der Riege der “elder” anerkannt zu werden. Schau doch mal, wer von der prägenden Politikerzunft demnächst auf natürlich Art und Weise das Zeitige segnen wird, ein Staatsbegräbnis nach dem zweiten. Noch sind es die Kriegsgenerationen oder kurz danach, die auf der Stradivari spielen/wollen. Das wird sich in den nächsten 10-20 Jahren komplett ändern.

Linus Januar 5, 2012 um 10:25

@Morph:
“Die hirnerweichende Idiotie des derzeitigen politischen Führungspersonals ist ein Symptom dafür, dass die bestehenden Organisationsstrukturen (jedenfalls der Politik, aber m.E. auch anderer Funktionssysteme) nicht mehr zur Gesellschaft passen und daher nur noch Trottel die überkommenen Rollenmuster bespielen.”

Stimmt wohl. Ich hatte da als Kind ein Initiationserlebnis mit “Asterix bei den Schweizern”. Käse zieht Fäden, wenn er kalt wird.

holger Januar 5, 2012 um 10:34

@ Morph

und das Gleiche siehste auch in den Medien. Gerade in den NACH-richten. Wenn ich die Sprecher schon sehe, habe ich das Gefühl, die haben doch einen an der Waffel. Bator zB. Da frag ich mich ob der schon mal gelebt hat. Das muss doch ne Qual sein, Scheixxe in den Äther schicken zu müssen. Jeden Tag… Kein Wunder das die auf den Nach-richten Sendern, nach 8 Schleifen fix und fertig sind.

topi Januar 5, 2012 um 10:41

@ Morph
“Nochmal meine These: Die hirnerweichende Idiotie des derzeitigen politischen Führungspersonals ist ein Symptom dafür, dass die bestehenden Organisationsstrukturen (jedenfalls der Politik, aber m.E. auch anderer Funktionssysteme) nicht mehr zur Gesellschaft passen und daher nur noch Trottel die überkommenen Rollenmuster bespielen.”

Was passt denn zur Gesellschaft?
Und: wer will das eigentlich, wie sich die Gesellschaft entwickelt hat?

‘Eure’ These, dass das alles so ist, weil es so sein muss, und dass die Menschen das so wollen, weil sie alle damit glücklich sind, könnte ja auch falsch sein.

2012. Zeit für Veränderungen.

Keynesianer Januar 5, 2012 um 10:49

@Morph

“Wahrheit als Basis-Kriterium gibt’s nur in der Wissenschaft.”

Es darf gelacht werden: Grippe-Pandemie, Waldsterben, Klimakatastrophe, Geschichtswissenschaft, Volkswirtschaftslehre … .

Im Gegensatz zu Politikern und Medienleuten, die inzwischen wissen, dass die Bürger sie für Halunken halten, glauben die “Professoren” wie Maschmeyers Rürup allerdings, es habe sie noch niemand durchschaut.

Jetzt dürft Ihr wieder weitermachen mit dem wichtigen Thema Wulff. ;-)

holger Januar 5, 2012 um 10:52

@ topi

—>>>Was passt denn zur Gesellschaft?
Und: wer will das eigentlich, wie sich die Gesellschaft entwickelt hat?”

Letzte Frage ist nicht klärbar. Erst nachdem der Fährmann vorbei geschaut hat, kommt die Offenbarung. :D Du, wirst es erleben ;-) Wirst aber vermutlich nicht davon Bericht erstatten können. :D jedenfalls nicht hier. Es fehlet dir die physische Eigenschaft zu tippseln. Nicht die Geistige… die bleibt vorhanden.

h.huett Januar 5, 2012 um 11:07

Morph
Zum Schimmerlosvideo geht mir in später Nachfolge zu Kracauer der Titel durch den Kopf “Freundschaft als Funktion”. Das gibts noch nicht. Nicht mal in Ansätzen. Auch nicht kodifziert als Menschenrecht.

Dipfele Januar 5, 2012 um 11:22

>Was also tun? Aus Notwehr alle aufknüpfen?

Erst mal Böll lesen:

“Sie müssen sich verständlich machen, so artikulieren, dass die Gesellschaft, die sie verändern wollen, zum Gespräch gezwungen wird. Wenn Bauern aufmarschieren, symbolisch Minister an Galgen hängen und mit massiven Slogans für ihre Interessen demonstrieren, ist es noch nie zu Zusammenstößen mit der Polizei gekommen. Analysieren Sie bitte die unterschiedliche Reaktion auf Studenten- und Bauerndemonstrationen in Presse, Öffentlichkeit und Parlament, dann kommen Sie dieser Gesellschaft auf die Spur.”

!Heinrich Böll!1
Widerstand ist ein Freiheitsrecht. Schriften und Reden zu Literatur, Politik und Zeitgeschichte.ISBN: 978-3-462-04371-6
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/andruck/1642198/

Thelonious Januar 5, 2012 um 11:24

@linus: Herr Dieckmann hat vor ein paar Jahren in einem Interview eingeräumt, sein Job sei es, content zu liefern. Nix Journalismus, er sorgt dafür, dass der Platz zwischen den Anzeigen gefüllt wird. Dass dies auch mal mit journalistischen Mitteln geschehen kann wie in diesem Falle, ist unerheblich. Es gibt keine Verschwörung, Herr Dieckmann und seine Redaktion haben lediglich professionell ihren Job erledigt. Eine interessante Geschichte, die zum Selbstläufer wird, sorgt für ein hervorragendes Umfeld der Werbung – ihnen ist es dabei egal, ob es sich dabei um eine Homestory aus dem Hause Wulff oder dessen Finanzierung handelt.. Das bringt nicht unmittelbar mehr Geld in die Anzeigenabteilung, sorgt aber dafür dass die Kunden wiederkommen. C’est tout.

Dass andere Medien und Zeitungen auf diese Geschichte anspringen ist wohl durchaus verständlich. Dass sie ein anderes Ziel verfolgen, ergibt sich aus ihrem Selbstverständnis. Wenn auch die Journalisten der sogenannten Leitmedien nur innerhalb eines vordefinierten Raumes agieren können, so bleiben sie doch Journalisten, die sich neben der guten Story auch der Aufklärung von Vorgängen verschrieben haben.

Noch kurz zu Herrn Wulff: Dieser erledigt seinen Job erstaunlich unprofessionell. Trotzdem, so bin ich nach wie vor überzeugt, wird er uns erhalten bleiben. Obwohl er gestern keine gute Figur abgab und vermutlich ein weiteresMal log. Das liegt schlicht und einfach daran, dass es der Politik, insbesondere der Regierung, an einer Alternative mangelt. Also spielen Wulff und Kollegen auf Zeit. Sie warten nur darauf, dass die nächste Sau durchs Dorf getrieben wird und die causa Wulff in den Hintergrund rückt. Und eines ist sicher, das Schwein ist bereits an der Leine.

h.huett Januar 5, 2012 um 11:32

Dipfele

Danke für das Böll-Zitat, das mich zurück zum Montagabend dieser Woche bringt, als ich eine gähnend langweilige Danton-Inszenierung Claus Peymanns sah. Eine Puderquastenschote aus dem Fundus abgelegter Kostüme.

Irgendwann erinnerte ich mich an das Heiner-Müller Zitat: “Ein Revolutionär gibt keine Almosen”. Er lindert nicht das Leiden, sondern macht es bewusst. Man kann auch Zynismus produktiv wenden. Nicht aber so etwas schmierschreiben wie heute Poschardt in der Welt, dessen rant möglicherweise freiwillig einen Blick auf Motive hinter der Kulisse öffnet.

Feine Unterschiede, unfeine Methoden. Frau Merkel kann in der Templiner Bäckerblume inserieren: Mir ist mein Bundespräsident abhanden gekommen. Wer ihn findet, darf ihn behalten.

Kindergeburtstag Januar 5, 2012 um 11:38

Küppersbusch:
“Es regen sich jetzt Journalisten auf, die alle beim Autokauf ihren Journalistenrabatt wollen, die alle beim Gratisflug mit der Kanzlerin vorne sitzen wollen, die also alle schon mal auch gerne einen Vorteil mitnehmen. Und im Mittelalter – oder ich glaube, sogar noch in der Neuzeit – hat man Jungs kastriert nach der Geburt, damit sie ein Leben lang im Kirchenchor mitsingen können. Da ist der Weg von Kastration zu Katastrophe nicht so wirklich weit. Wollen wir solche Leute?”
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/1643569/

Linus Januar 5, 2012 um 11:49

@Thelonious:
“Herr Dieckmann hat vor ein paar Jahren in einem Interview eingeräumt, sein Job sei es, content zu liefern. Nix Journalismus, er sorgt dafür, dass der Platz zwischen den Anzeigen gefüllt wird.”

Und nochmal das Mantra unsrer Zeit: Wer Geld braucht, der gehe auf den Strich! verständlich – Selbstverständnis – unverständlich

llse Januar 5, 2012 um 11:54

küppersbusch: “Also, wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um, wer sich in “BILD”-Zeitung und vergleichbare Medien begibt, kommt auch darin um. Und wahrscheinlich war sich Wulff dessen zu sicher, dass er da mal seine alten Buddys anruft, und dann spuren die. Das ist aber nicht verboten, und off the Records, hinter den Bühnen, passiert das jeden Tag 20-mal.”

vor allem der letzte satz.
klingt ziemlich gegenteilig zu den allseitigen entrüstungsbekundungen.

gelegentlich Januar 5, 2012 um 11:57

@Morph
Kir Royal ist zwar immer wieder toll, aber diese Sequenz trifft die Causa Wulff meiner Ansicht nach nicht. Denn dieser Klobürstenfabrikant hatte sein Geld schon woanders verdient und wollte nur ein wenig Großstadtflair/-publicity mitkriegen, um zu adeln, was schon da war.
Die ,,Freundschaften” Wulffs (vielleicht mit Ausnahme Geerkens, das wissen wir wohl nicht) aber dienten dem Aufstieg, waren zweckhaft, und korrumpieren damit. @luebberding hat das m.E. schön auf den Punkt gebracht: das sind eben keine privaten Freundschaften, sondern (symbiotisch-korrupte) Bündnisse: Maschmeyer, Dieckmann – Küppersbusch hat das ja in seiner launigen Art an einem harmlosen Beispiel vorgeführt.

carlos manoso Januar 5, 2012 um 12:18

@ Morph Januar 5, 2012 um 09:35
„Also: Die Medien sind eine gewissenlose Meute. Die Politik ist ein machtversessener Sauhaufen. Minus mal Minus gibt bekanntlich Plus … Also known as checks & balances.“

„Die Form „Demokratie“ ist ja idealtypisch als Dauerbelästigung für die Machtinhaber konzipiert, die jeden gleichermaßen angeht, den sozial an den Rand gedrängten Bürger gleichrangig neben der höchsten Elite. Allerdings war tatsächlich die Macht von Beginn an immer bereits in den Händen besonderer Interessengruppen. Das in der Form „Demokratie“ gespielte zynische Spiel war, dass nicht gewählte besondere private Interessen sich die Macht demokratisch langsam und stetig, d.h. legal angeeignen konnten. Auf diese Weise wurde in der „Demokratie“ immer egaler, wer in diesem zynischen demokratischen Spiel gewählt wird, denn die auf diese „demokratische“ Weise gewählte politische Macht war ja von Beginn an immer bereits den besonderen Interessen untergeordnet.

Die gute Nachricht ist, dass Diejenigen, die wirkliche Demokratie in die Tat umsetzen wollen, auf diese organisierte, geheime, nicht gewählte Macht stoßen und so möglicherweise ihre eigene wiedererlangen könnten.

„Was mich z.B. irritiert, ist der symptomatische Charakter der Angelegenheit: Die Funktionseliten haben heute ganz offenkundig Reproduktionsprobleme; „

Die sich an allen Stellen zeigenden Reproduktionsprobleme „des globalen Systems“ zeigen sich natürlich zwangsläufig irgendwann auch an den Funktionseliten.

„Ich glaube, dass eine low-key-Lösung des Problems anschlussfähig wäre, nämlich nach einem rein formellen Verfahren den jeweiligen Amtsinhaber festzulegen, z.B. dass der Präsident des BVerfG nach Ausscheiden aus dem Amt automatisch das Amt des Bundespräsidenten antritt.“

Eine der schon 1mal erprobten Lösungen des Problems war, nach dem Abgang des Amtsinhabers automatisch das höchste Amt auf den schon amtierenden Reichskanzler zu übertragen. Das wäre allerdings nach dem Verdampfen der überflüssigen Fiktion des Nationalstaats – der Aufteilung der Welt in 194 Einzelteile – nur ein nostalgischer Anachronismus und allenfalls eine flüchtige Übergangserscheinung.

Die 194 Teile sind eh nur aus Krieg und Ausbeutung entsprungen, in ständig wechselnden gegenseitigen Spannungen verkeilt mit ihren leicht ausgebeutbaren „wir gegen sie“-Identitäten und fiktionalen Grenzen. Natürlich ist das jetzt kein Appell, die nationale „Demokratie“ auf einmal zum Schmelzen zu bringen, sondern nur ein Appell an einen noch nie dagewesenen Geist der Offenheit.

topi Januar 5, 2012 um 12:42

gelegentlich

“@luebberding hat das m.E. schön auf den Punkt gebracht: das sind eben keine privaten Freundschaften, sondern (symbiotisch-korrupte) Bündnisse: Maschmeyer, Dieckmann”

Wie auch immer.
Selbst wenn es echte Freundschaften geben sollte (was ist das schoninder Liga): der Focus wirdfalsch gesetzt.

Schausten mit ihrer 150er-Nummer (mitder sie ja nicht alleine steht) hat das doch wunderbar vorgeführt.

Und wenn der Politiker X. zu jedem Urlaub Rechnungen vorweist (die er ja mit Gegeneinladungen wieder reinholt, Erlebnisurlaub in Klinkerhausen :roll: ), dann macht das die Sache keineswegs besser.

Es ginge um die Offenlegung der Verbindungen, nicht, ob da Zweifuffzig geflossen sind.

Der Innenminister treibt Iriserkennung und neuen Ausweis voran und setzt sich dann in die Aufsichtsräte der entsprechenden Firmen.
“Gasprom-Gerd”, “Finanzanlagen-Riester, Zeitarbeits-Clement.

Welche Firmen vertreten die zahlreichen Anwälte imParlament, in welchem Ausmaß und welcher Angelegenheit?

Etc.pp.

topi Januar 5, 2012 um 12:51

Und das gilt natürlich für alle Bereiche.
Der pharmamultigeschmierte Arzt hätte das an seine Praxistür zu schreiben, bspw.

@ Lina (aus dem Parllelfaden)

“Wir brauchen keine neuen Regeln. Was wir brauchen ist:
1. Gesunder Menschenverstand
2. Neue Medien, die nicht profitabhängig sind und NIEMANDEN gehören.”

Ehe wir auf 2. warten, dann doch lieber klare Regeln. ;-)

Jedenfalls fällt es auch den neuenMedien leichter, Regelverstöße zu thematisieren (die dann auch an Sanktionen verschiedenrer Art gekoppelt wären), als alle Menschen davon zu überzeugen,dass ihr Verstand der gesündeste ist.

Morph Januar 5, 2012 um 12:57

@gelegentlich

“diese Sequenz trifft die Causa Wulff meiner Ansicht nach nicht.”

Stimmt schon. Mir ging es auch nicht so sehr um die perfekte Analogie als um die formal ziemlich stimmige Darstellung der Verquickung von Liebesbedürftigkeit, Aggressivität, Zartgefühl und Geld, die auf den Hinterbühnen des gesellschaftlichen Lebens regiert.

Und ich glaube, dass das Geld da das entscheidende Ingredienz ist. Geldbesitz ist ja Verfügungsgewalt über die Leistungsbereitschaft anderer Personen. So eine Art prothetische Potenz. Und je mehr Geld im Spiel ist, desto weiter läuft der Widerspruch zwischen Prothese (Signum der Unselbständigkeit) und Potenz (Handlungsmacht) auseinander. Je mehr Geld im Spiel ist, desto absurder die Verquickungen von Liebesbedürftigkeit (Ich will doch nur Dein Freund sein!), Aggressivität (Und dann habe ich Dich, dann gehörst Du mir, dann bist Du mein Knecht!) Zartgefühl (Und jetzt sag Heini zu mir!) und Geld (Ich scheiß Dich zu mit meinem Geld). Nach meinem Empfinden sind alle persönlichen und organisierten Akteure in der Causa Wulff ein bisschen Schimmerlos und ein bisschen Haffenloher zugleich.

In der Kommentierung der Causa Wulff durch die Presse geht das unter. Da wird nur Vorderbühnentheatralik inszeniert (Würde des Amtes, Pressefreiheit etc.). Und ich finde, man sollte jetzt doch auch langsam mal in den Blick nehmen, dass wir, die Zuschauer der Vorderbühnentheatralik, von Anfang an auch die Kulissenschieberei gesehen haben.

Von Staatskrise zu reden ist m.E. so abwegig wie nach dem ersten Akt eines Kriminalstück “Haltet den Dieb!” zu rufen. Eher hätte man (wie Karl Kraus es von einem “sachverständigen Dr Kastan” berichtet, “der in Berliner Premieren beim Aufgehen des Vorhangs “Schon faul!« auf die Szene rief und sich sodann entfernte”), schon nach der Bundespräsidentenwahl diese Staatsoberhauptbesetzung mit amtszeitlanger Nichtachtung strafen sollen. – Ich weiß, dass das illusorisch ist, aber man sollte eher darüber nachdenken, warum es illusorisch ist, als der Vorderbühnenschmiere auch noch mit Staatskrisen-Geunke zu assistieren.

KL Januar 5, 2012 um 12:58

@luebberding
Im verlinkten “Stern”-Artikel steht ein Satz, der sehr schön deutlich macht, daß die Qualität von Wulff vielleicht das geringste unserer staatsbügerlichen Probleme sein sollte: ” … die Schöpferin dieses Präsidenten … Bundeskanzlerin Angela Merkel …”
Das Amt des Bundespräsidenten eine Spielmarke für die Tricks über Bande. Und doch nicht erst seit heute.

@Morph
“dass die bestehenden Organisationsstrukturen … nicht mehr zur Gesellschaft passen und daher nur noch Trottel die überkommenen Rollenmuster bespielen.”
Chapeau !

KL Januar 5, 2012 um 13:26

@Kindergeburtstag 11:38

Küppersbusch in Hochform. Sein Vorschlag, den Parlamentspräsidenten zum Staatsoberhaupt zu machen, ist die beste Antwort, die mir seit meiner Frage nach dem Sinn des Präsidentenamts (3. Jan, 11:21) untergekommen ist.
Wir würden ein Parlament wählen:
- dessen Präsident die gesammelte Staatsbürgerschaft repräsentiert
- das je Legislaturperiode einen Exekutivausschuß namens “Regierung” wählt, der weitreichende Vollmachten hat, aber rechenschaftspflichtig und ständig abwählbar ist
(- das evtl. Vetorecht bei der Besetzung des Verfassungsgerichts hat).
Damit wäre mit einem Schlage der Schleier vor der scheinbaren Machtteilung Präsident/Regierung – die dadurch unecht ist, daß die Regierungsfraktionen den Kandidaten aussuchen und durchbringen – überflüssig.
Aber vor allem: wir bewiesen uns und der Welt, daß in unserer parlamentarischen Republik das Parlament das höchste Organ ist.

Über das Maß an Reife, das in unserer Kultur systematisch erzeugt werden müßte, damit diese Skizze ein funktionierendes institutionelles Arrangement ergibt, will ich aber jetzt lieber nicht nachdenken.

egal Januar 5, 2012 um 13:36

Röslers Witz über Wagenknechts Aussehen war doch selbstironisch und witzig (“Sie hat total kleine Augen – damit kenne ich mich aus”). Auch gut:

http://www.youtube.com/watch?v=uPOnP_vZ7zk&feature=related

Woran es Rösler noch mangelt, ist Vortragskunst. Er wirkt zu aufgeregt, spricht vor der Pointe zu langsam, und kriegt so keine spannungssteigernde Pause hin – sprich, er muss noch am Timing arbeiten. Seine Witze (Inhalt und Vortrag) sind aber um Klassen besser als die routiniert abgearbeiteten Gegnerschmähungen, die man sonst an Dreikönigstreffen und Aschermittwoch von überbuchten Rednern geboten kriegt.

@Reproduktionsproblem
Hinterzimmer und Ochsentour begünstigen Kandidaten, die für den medialen Politaimentbetrieb völlig ungeeignet sind. Statt Interessen zu moderieren, ist dort polarisieren gefragt. Statt Loyalität Bühnenpräsenz und Dominanz. Statt Zuverlässigkeit Überraschung, statt repräsentativer Durchschnittlichkeit Originalität.
Neben dem, was das Fernsehen sonst so bietet, sind Politiker völlig lächerliche, weil rausfallende Figuren.
Sarrazin z. B. hätte die Politainmentanforderungen prinzipiell gut bedienen können, seine Rants als Finanzsenator hatten schriftlich eine gewisse Qualität (den sozialdarwinistischen und eugenischen Inhalt ignoriere ich mal komplett). Aber im Fernsehen wirkte er hölzern, fast schon sozial behindert.

Bewährte Honoratioren aus der Wirtschaft laufen im Regelfall erschreckt davon. Leute aus dem Showgeschäft werden nicht ernstgenommen (s. Beispiele aus dem Mittelmeerraum). Personen aus der Zivilgeselschaft (S21) werden als Konkurrenten der Parteienherrschaft bekämpft.

Aber was solls. Die Macht ist eh woanders.

egal Januar 5, 2012 um 13:41

Der Bundespräsident steht in der Kritik, weil er durch den Geerkenskredit 20 000 Euro Zinsvorteil kassiert haben soll.
Der aktuelle Bundestagspräsident kriegt 20 000 Euro pro Jahr von RWE. Der Gewinn von RWE hängt fast nur an politischen Entscheidungen (nicht nur bei der Atomkraft).

Den Bundespräsidenten nicht mehr zu wählen lößt genau 0 Probleme.

Morph Januar 5, 2012 um 13:55

@egal

“Röslers Witz über Wagenknechts Aussehen war doch selbstironisch und witzig (“Sie hat total kleine Augen – damit kenne ich mich aus”).”

Also ich persönlich fands nicht wirklich lustig, sondern nur peinlich.

Wenn sich Politiker (und wir reden von einem Parteovorsitzenden und Vizekanzler) als schlechte Comedians aufführen, dann ist das ein unmissverständliches Zeichen für die progrediente Vertrottelung des politischen Führungspersonals.

Unsere Lage ist die, dass ein politischer Kabarettist wie Schramm als Respektsperson wirken kann, während die Witzfigur Lengsfeld die Witzfigur Wull eine Witzfigur nennt, während einem zu den sich nach Kräften demontierenden Fuzzis von der FDP gar nichts merh einfällt.

Was ist los in diesem Land?

Doktor D Januar 5, 2012 um 14:14

@morph: Vermutlich ist an den Maya-Prophezeiungen doch was dran ;-)
Was mich trotzdem ganz positiv stimmt, sind meine Erfahrungen, die ich im Rahmen der Stuttgarter Infrastruktur-Wirrnisse mit vielen engagierten Bürgern (auf beiden Seiten) gemacht habe. Da ist genug Kompetenz, Fantasie, Intelligenz, Disziplin und Humor, um den Laden zu schmeißen, wenn’s nötig wird. Passend zu deiner Beschreibung waren aber gerade die parteipolitischen Akteure ab einer gewissen Ebene (und die fing doch erstaunlich weit unten an) ziemlich häufig die politik- und diskussionsunfähigsten.

KL Januar 5, 2012 um 14:15

“Was ist los in diesem Land?”

Das: “dass die bestehenden Organisationsstrukturen … nicht mehr zur Gesellschaft passen und daher nur noch Trottel die überkommenen Rollenmuster bespielen.”

Was man als Soziologe treffend diagnostiziert, muß man als vernünftiger Mensch noch lange nicht fassen können. Wenigstens käme mir das bekannt vor – von mir selbst.

carlos manoso Januar 5, 2012 um 14:42

@ h.huett Januar 5, 2012 um 10:13
„In früheren Zeiten wäre das als Symptom für eine in die Startlöcher gehende revolutionäre Situation gewesen (“wenn die oben nicht mehr können, wie sie wollen”).

Natürlich ist offensichtlich, dass eine „revolutionäre Situation“ da ist, aber ganz anders als gedacht, weil das globalisierte Kapital sich nicht auf gewohnte Weise selbst reproduzieren kann, in den Peripherien schon seit Jahrzehnten und jetzt vordringend in die kapitalistischen Zentren. In seinem höchsten Reifezustand zerstört das Kapital sich selbst in einer mehr oder minder langen Übergangszeit und mit sich auch die Institutionen der kapitalistischen „Arbeit“ und die politischen Institutionen der „Souveränität“. In dieser Übergangszeit vermischen sich alte Gegensätze, bisherige Maßstäbe werden relativ und sorgsam getrennte Sphären fließen wild ineinander. Alles völlig normal in systemischen Transformationsprozessen.

„Meine These ist deshalb, dass die Emergenz der Piraten, trotz ihrer eigenen Handicaps, eine neue Stufe künftiger Selbstorganisationsprozesse des Politischen einläutet. Als Fünfte gewalt werden künftig Lecks und Whistleblower unter rechtlichen Schutz gestellt, weil infolge der Komplexität nur der reinigende Verrat die Durchsetzung der Normen gewährleistet.“

Daß eine „fünfte Gewalt“ entsteht und „künftig Lecks und Whistleblower unter rechtlichen Schutz gestellt“ werden könnten, sind natürlich nur Reste des gewohnten quasireligiösen Glaubens. Während manche noch diesen Glauben glauben, entsteht bereits in den USA ein Recht des Ausnahmezustands und steht der Wistleblower Bradley Manning vor einem US-Militärtribunal mit 22 Anklagepunkten, darunter auch „Hilfe für den Feind“ durch Veröffentlichung des Videos „Collateral Murder“ in Wikileaks. Das Video dokumentiert das wahllose Hinschlachten von irakischen Zivilisten durch die Besatzung eines US-Kampfhubschraubers, deren Besatzung nicht zur Rechenschaft gezogen wurde, während Manning lebenslängliche Haft droht (aber nicht die Todesstrafe, wie der US-Präsident vorsorglich beteuert).
http://www.youtube.com/watch?v=5rXPrfnU3G0&feature=player_embedded

Kurzum, eine „neue Stufe künftiger Selbstorganisationsprozesse des Politischen“ wird zwangsläufig ganz von selbst sich selbstorganisierend und an vielen Stellen global entstehen, da die Souveränität und ihre Institutionen sukzessive bereits ins Nichts verdampfen.

topi Januar 5, 2012 um 14:58

@ KL

Auch an dich die Frage: wie ist denn die Gesellschaft?

Nanuk Januar 5, 2012 um 15:06

@Doktor D.
“Stuttgarter Infrastruktur-Wirrnisse”

Der neuste Streich mit den Fledermäusen ich bin vor lachen vom Stuhl gefallen…
http://www.youtube.com/watch?v=HirmJAq7USA

egal Januar 5, 2012 um 15:14

@ morph
Sorry für die Nachfrage, aber du hast schon verstanden, dass der Witz auf Kosten seiner Schlitzaugen ging.
Rösler kommt aus der Provinz und aus männerdominierten Großorganisationen (FDP, Bundeswehr). Bestimmt war er früher auch noch im Fußballverein. Die Homogenität dort verlangt, dass kleinste Bedonderheiten wie Schlitzaugen herausgestellt werden. Rösler nimmt seine Besonderheit selbstironisch an. Finde ich bemerkenswert. Westerwelle, andere Herkunft, macht keine Schwulenwitze.

Vielleicht stört es dich, dass Rösler überhaupt Wagenknechts Aussehen thematisiert. Aber da ist er nicht der Einzige. Von Spiegel bis Springer war sie jahrelang die schöne Kommunistin. Außerdem glänzen die Bierzeltreden generell nicht durch Geistreichtum. Selbstironie wie in meinem Favoriten sind die Ausnahme: “Wählt CDU, dann wird das Bier billiger und die Frauen williger.”

Doktor D Januar 5, 2012 um 15:14
1000Pixel Januar 5, 2012 um 16:13

Warum lassen sich Leute von einem Revolverblatt so manipulieren?
Die SPD hatte zu Ihrer Zeit noch viel mehr dreck am Stecken, aber da
ist nur berichtet worden, aber nicht zerlegt.
Ich finde man muß erst hinter die Kulissen sehen, dann kann man sich
besser ein Bild machen.

1000Pixel Januar 5, 2012 um 16:50

hat jemand schon mal daran gedacht, was zwei Bundespräsidenten uns Kosten verursachen? Sagen wir mal drei, weil der nächste steht ja noch aus. Wulff könnte zum Beispiel schon mal auf die Kosten von dem Revolverblatt landen. Ich sehe nicht ein, dass die Leute verbraten, die dann auch noch von uns bezahlt werden.

A. G. Januar 5, 2012 um 19:34
KL Januar 5, 2012 um 21:05

@topi

Ich mußte noch mal zur Antwort auf @Morph von 10:41 zurückblättern, um zu verstehen, worauf die Frage hinauswill. Dort lese ich:”‘Eure’ These, dass das alles so ist, weil es so sein muss, und dass die Menschen das so wollen, weil sie alle damit glücklich sind, könnte ja auch falsch sein.”

Daß “alles so ist”, wie die Menschen (Bürger?) es wollen, ist nicht meine Vermutung. Sicher, wenn es ist, wie es ist, hat es auch viel mit einem halben Willen zu tun, dem Dulden, das die Haltung Deutscher in Deutschland noch immer so oft bestimmt. (Mittlerweile verschwimmen hier die Linien, gewiß. Ich bin in den letzten Wochen Spaniern, Portugiesen und Italienern begegnet, die durchaus nicht ohne politische Reflexion argumentierten, wenn sie auch keine professionellen Analytiker des Politischen waren. Und sie haben mich verblüfft mit ihrer nicht sehr selbstbewußten Vermutung, daß in Europa heute die Deutschen diejenigen seien, die wirtschaftlich und politisch etwas richtig zu machen verstünden. Die Lähmung breitet sich also vielleicht aus.)

Ich stimme dem für mich entscheidenden Gedanken @Morphs, die Lächerlichkeit so vieler Amtsinhaber sei Ausdruck eines Verfalls der Institutionen, auch darum vorbehaltlos zu, weil ich das Phänomen der “Negativauslese” der politischen Akteure beim Niedergang einer Verfassungsordnung nicht zum ersten Mal erlebe (oder durchlebe; ich darf mich dabei selbstironisch einschließen). Er drückt das sehr schön plastisch aus mit den “Trotteln” in “überkommenen Rollenmustern”. Wer begabter ist oder einfach nur etwas gesunden Sinn hat, verwickelt sich nicht in endlose Grabenkämpfe, wenn man dem Krieg anmerkt, daß er verlorengeht. Nur intellektuell Blinde und Fanatiker (und Naive) melden sich zwei Stunden vor der Kapitulationserklärung als Freiwillige an die Front (oder machen weiter in der Hoffnung auf Beförderung).

“Die Gesellschaft” nun tritt eben in der Stunde der Krise in deutliche Distanz zu “ihren Institutionen” (aus denen sie doch besteht – woran die Frage ja sicher erinnern sollte). Plötzlich wird sichtbar, daß hier das Abstoßen eines eben noch tragenden Teils beginnt, eine ‘Häutung’ setzt ein. Was eben noch ganz selbstverständlich Teil, Element, Funktionsglied eines Organismus war, beginnt abzusterben und als nicht mehr zugehörig abgeschieden zu werden. Das ist die Stunde, da die Institutionen nicht mehr zur Gesellschaft passen – weil sie nämlich von Institutionen zu überholten Institutionen werden – und neue sich zu bilden beginnen. (Wer weiß, was noch aus #occupy hervorgehen wird ?)

Ich vermute, daß hier Methoden nötig sind, die zwingen/erlauben, die Doppeltheit zu denken, daß etwas, das tragendes Moment eines funktionierenden ‘Systems’ ist, zugleich nicht identisch mit ihm ist, damit man verstehen kann, wie es ein Eigenleben (oder besser ‘Eigensterben’) bekommen kann. Auf formallogischer Widerspruchsfreiheit der Gedankenführung sollte man hier nicht unreflektiert beharren. (Eine Nervenkrankheit kann dazu führen, daß z. B. mein Arm ein ‘Eigenleben’ zu führen beginnt – dabei bin doch ich es, der hier lebt, samt Armen und Beinen. In diese Richtung geht meine Überlegung.)

Nachruf Januar 5, 2012 um 21:45

@ enrico

schöne Verwandlungen bei der Lektüre ;-)

http://www.literaturwissenschaft-online.uni-kiel.de/veranstaltungen/vorlesungen/literatur20/letztewelt.pdf

wann ist die letzte welt …

topi Januar 6, 2012 um 01:35

@KL

Meine Frage zielte auch auf die Richtung.
Am aktuellen Beispiel: warum passt ein wirklich integeres Staatsoberhaupt generell nicht mehr zur Gesellschaft, wird zur Institution in Abstoßung?

Weil eh alles so korrupt ist, dass man konsequenterweise einen Berlusconi wählt?

Oder sehen wir, wie die Durchökonomisierung immer mehr gesellschaftlicher Bereiche, auch bedingtdurch immer engere Verflechtungen von Politik undWirtschaft sich als Fehlentwicklung herausstellt; dann wäre es aber fatal, bei weißer Präsidentensalbe stehen zu bleiben.

KL Januar 6, 2012 um 07:17

Damit kommen wir von allgemeinen Erörterungen zu überholten Institutionen natürlich zur ungemütlich konkreten Gegenwart zurück. Aber doch mit zwei verschiedenen Fragen, a) ob man neben Bundestag und Regierung einen Bundespräsidenten braucht – die von der Erfahrung mehrerer Fehlbesetzungen des Amtes nur angeregt ist – und b) ob reine Repräsentationsämter in Zeiten allgegenwärtiger Korruption überholt sind.

Zur ersten Frage folge ich ja dem Vorschlag Küppersbuschs, weil es auch für die Deutschen an der Zeit scheint, die Angst vor sich selbst abzulegen und endlich jemanden zum Wiedererkennen/Repräsentieren zu wählen der explizit mit Macht ausgestattet wird (was bis jetzt nur auf zweideutige Weise geschieht – es ist schon seltsam, daß man nicht alltäglich präsent hat, daß das Parlament das höchste Organ ist; wir denken an das Parlament allzuoft als Schwatzbude, sehen tagein, tagaus auf die Premierministerin und werden ab und zu damit vertraut gemacht, daß da noch ein Präsident über dieser steht; ein rechter Wirrwarr, der durch gelegentliche Anrufung der Würde des Dies oder Das nicht angenehmer wird).

Eine bejahende Antwort auf die zweite Frage aber wäre ein vernichtendes Urteil über die zivilisierte Gesellschaftsfähigkeit unserer selbst. Doch wenn wir uns eingestehen müßten, daß alles und jeder mit Korruption durchseucht ist, entstünde dann nicht zuerst einmal nur eine andere Rangfolge der Fragen ? Wäre dann nicht zuerst zu fragen, ob universelle Korruption tatsächlich anthropologisch verankert ist, oder ob es ein Zeitsyndrom ist und wir nur jetzt nicht mehr wissen, welche Lebensbedingungen garantiert sein müßten, damit die Allmendegüter und die Macht zur Verwaltung öffentlicher Angelegenheiten nicht mehr schamlos für private Zwecke ausgebeutet werden ? Vielleicht sind wir gezwungen, zu entdecken, daß unsere Gesellschaften inzwischen zu kompliziert und die wechselseitigen Abhängigkeiten zu dicht geworden sind, als daß wir uns weiterhin auf die Organsisation der sozialen Beziehungen als Haifischbecken verlassen dürften ? (Denn Korruption nicht moralisch oder gar anthropologisch, sondern soziologisch zu betrachten, hieße, sie als Symptom zu lesen: wo sie endemisch wird, ist die Krise der Institutionen so weit vorangeschritten, daß die Akteure nicht mehr im institutionenkonformen Handeln ihren sicheren Vorteil finden können, sondern nur in einer Rette-sich-wer-kann-Mentalität – die Begleiterscheinung des Schiffbruchs. Ich glaube daran, daß Menschen moralisch handeln können – nur nicht unter allen Umständen. Heldentum ist nicht Zeichen von Moral, sondern von Ausnahmezustand. Aber warum sollten wir verurteilt sein, darin zu leben ?)

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