Welche Rolle hat Christian Wulff?

by f.luebberding on 16. Januar 2012

Harald Welzer hat heute einen interessanten Artikel in der FAZ. Es geht um ein Thema, auch in diesem Blog: Funktionale Differenzierung. Welzer formuliert eine ähnliche These wie Goodnight. Es geht nicht um die Frage, welcher Mensch Christian Wulff ist, sondern welches Rollenverständnis er als Bundespräsident in dieser Affäre zum Ausdruck bringt. Welzer diagnostiziert einen Verlust der Rollendistanz. Er macht das an konkreten Beispielen deutlich.

“Er verwechselt sich stets selbst mit der Rolle, die er einzunehmen hat. Als Ministerpräsident glaubt er, seine private Person sei gemeint, wenn er in die Ferien eingeladen wird, und als Bundespräsident adressiert er eine private Entschuldigung an die Öffentlichkeit und reklamiert auch noch, dass er sich in einem Lernprozess befinde. Die Rolle des Bundespräsidenten aber „lernt“ man nicht; sie ist von der Verfassung festgelegt, und deren Anforderungen hat man zu erfüllen. Man kann sich als private Person furchtbar unsicher sein, ob man dem allen gewachsen ist, aber das kann man als Ehemann seiner Frau offenbaren oder als Freund einem Freund. Ganz sicher sieht die Rolle des Bundespräsidenten öffentliche Eingeständnisse von Privatem nicht vor. Ich jedenfalls brauche als Bürger keinen Bundespräsidenten, der sich bei mir dafür entschuldigt, dass er die Pressefreiheit verletzt hat. Ich sehe auch keinen Anlass für eine Entschuldigung, wenn er einen Immobilienkredit in Anspruch nimmt, den kein normaler Angestellter oder Beamter jemals offeriert bekäme. In beiden Fällen handelt es sich um prüf- und bewertbare Handlungen, bei denen mich nur interessiert, ob sie mit der Rolle des Bundespräsidenten vereinbar sind oder nicht. Sind sie es nicht, hilft auch keine Entschuldigung, sind sie es, ist sie überflüssig.”

Der Text weist übrigens durchaus über die Causa Wulff hinaus. So ist es etwa kaum zu erwarten, dass man dem Kapitän Francesco Schettino eine ähnliche Argumentation wie bei Wulff durchgehen ließe. Niemand interessiert sein Mensch-sein, wenn es um die Beurteilung seiner Handlungen als Kapitän eines Kreuzfahrtschiffes geht. Oder doch? In gleicher Weise diskutiert man in diesen Tagen über die Meinungsäußerung der Ratingagentur Standard&Poors zur Kreditwürdigkeit von Staaten in der Eurozone. Auch hier geht es um deren eigenes Rollenverständnis und die Rolle, die ihr Politik und Medien zuweisen. Der Artikel von Harald Welzer gibt also genügend Stoff, um einmal grundsätzlich über dieses Thema nachzudenken.

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holger Januar 25, 2012 um 21:24

Und da kommen so ein paar Europäische insbesondere Deutsche Klopshirne und wollen denen was verzählen? Wenn die Asiaten mit den Afrikanern auf unserem industriellen Niveau sind, wäre es besser für jede Klopsbirne nen Stempel (Visa) im Reisepass zu haben. Dann haben wir nämlich nix mehr zu fressen. Dann machen die den Rohstoffmarkt leer.

Und wo ist eigentlich der Unterschied mit 13 schon zu Aaaaabeiten oder mit 70 immer noch?

abcdekadka Januar 25, 2012 um 21:27

Wenn Du mit 13 schon arbeitest, dann arbeitest du mit 70 nicht mehr, weil du schon vorher den Löffel abgeben hast in irgendeinme Kohleberg-Wasser-Fall-rein-an-die-Sicherheit-haben-wir-nicht-gedacht-weil-kein-Geld Werg gefallen bist.

holger Januar 25, 2012 um 21:30

Ihr Popelhubers ihr.

Ich habs schon mal gesagt, was interessiert die Welt, ob 80 Millionen Deutsche ne Biege Machen. Allein in China laufen dann noch mindestens 1,2 Milliarden rum. Wenn in China auch 80 Millionen durch die KP gemeuchelt werden. Aber wichtige Reden über Humanismus pinseln. Die haben ganz andere Probleme. Und vermehren sich dennoch. Kann sich hier ein humanistischer Einzeller das überhaupt vorstellen? Diese Dimension?

holger Januar 25, 2012 um 21:32

abc

du musst es ja wissen. Erklär mir die Grafik weiter oben. Kannste nicht vermutlich. Warum ficken Asiaten und Afrikaner überdurchschnittlich gut und mehr? Und bekommen durch diesen Akt auch noch Kinder?

abcdekadka Januar 25, 2012 um 21:33

Hallo lieber Holger,

wieviel Einzeller leben in Deinem Körper? Wie oft wird bis zu Deiner letzten Stunde eine Zellteilung in Dir stattgefunden haben?

Gruss,

holger Januar 25, 2012 um 21:38

abc

nun mal ne Erklärung bitte :D nicht abweichen. Warum stagniert Europa und warum geht es anders Bergauf? Mit dem Nachschub?

Nachruf Januar 25, 2012 um 21:41

http://www.dradio.de/download/157348/

Links und Rechts
Bergauf bergab

snozin Januar 25, 2012 um 21:49

@ Holger

Du gehörst ja zu Zeichnungen an den Wänden, wegen derer ich mit meiner Lampe (noch) ziemlich oft im Schacht “Wiesaussieht” unterwegs bin. Deine Vielseitigkeit ist geradezu phantastisch.

Aber manchmal wird sie (im Wortsinn) auch etwas unbegreiflich.

Wenn überhaupt einer, dann wirst du es sein, der das Geldphänomen erklärt. Jedenfalls ist es das mindeste, das ich langfristig oder schon eher (vor Sonnenaufgang) von dir erwarte. (:-)

Wat. Januar 25, 2012 um 21:58

@Nachruf: Es scheint mir doch ein Widerspruch in sich, den Kapitalismus demokratisieren zu wollen und den zentralverwalteten “Sozialimus” zu ersehen (siehe Dein Link – Occupy)

Wat. Januar 25, 2012 um 21:59

ersehen – ersetze: ersehnen.

HAM Januar 25, 2012 um 22:03

@abcdekadka Januar 25, 2012 um 18:38
Und zweitens, das finde ich aus meiner Sicht sehr wichtig, geht es hier um einen gedanklichen Austausch. Wenn immer zuviel Emotion hineinkommt stoßen wir in diesem Blog auf die Grenzen dieses Mediums und frustrieren uns nur selber.

Man kann seine Meinung äußern und begründen.

Es geht nicht darum den anderen zu überzeugen. Das ist ohnehin nicht möglich.

Welchen Sinn soll dann eine Diskussion haben?

Wenn ich mit einem Fachkollegen über einen Weg zum Ziel – z. B. eine effektive Behandlung einer Krankheit – diskutiere, dann lasse ich mich selbstverständlich von besseren Argumenten überzeugen, Das ist doch der Sinn der Diskussion, nämlich die eigenen Gedanken zur Diskussion zu stellen, ob sie richtig sind, ob darin ein Fehler enthalten ist oder ob es einen besseren Weg zum Ziel gibt.

Politische Diskussionen in antagonistischen Gesellschaften und im „bellum omnium contra omnes“ haben jedoch eine völlig andere Logik. Das sind Win-Lose-Konstellationen.
Da geht es um die Durchsetzung von Interessen.

Das kann man bei jeder Diskussion zwischen Vertretern unterschiedlicher Parteien bzw. Interessenorganisationen beobachten.

Da gibt es nur Kampf um die Durchsetzung von eigenen Interessen, der Lernprozess besteht allerhöchstens darin, wie man die eigenen Interessen besser durchsetzen kann und die Gegner besser bekämpfen kann.

Ist geklärt, dass antagonistische Interessen vorliegen, ist jede weitere Diskussion nur (Schau)Kampf und meist Zeitverschwendung.

Fruchtbare Diskussionen erfordern als Basis einen gemeinsamen Werte- und Zielkonsens.

abcdekadka Januar 25, 2012 um 22:03

@holger

Hier eine Grafik von Eurostats:
http://epp.eurostat.ec.europa.eu/statistics_explained/images/c/c3/Fertility_and_mortality%2C_1990_and_2008_%281%29.png

Wenn in Deinem Haushalt Deine beiden Kinder 1 m gross sind und Du und Deine Frau seid 1,80 m, dann seid ihr im Durchschnitt 1,40 m gross.

holger Januar 25, 2012 um 22:12

@ snozin

—>>>Deine Vielseitigkeit ist geradezu phantastisch.”

Macht aber auch Gaga in der Birne. :D

@ abc

ich habe nicht nach einer weiteren Grafik gefragt, Sondern warum in “Gottes” Namen die Population trotz inhumanster Umstände KP und Hunger und ewig verseuchtem Wasser anwächst.

aifran Januar 25, 2012 um 22:27

Hallo Holger – ist doch alles ganz einfach

früher dachten die Menschen die Welt sei eine Scheibe – da sind natürlich massig Leute runter gefallen ….
heute denken die Menschen die Welt sei eine Kugel – da fällt eben keiner mehr runter …

ICH DENKE also bin ICH …. also IST auch was ICH DENKE – Scheiben, Kugeln, Geld und Wirtschaftswissenschaften als Herrschaftstechnik :-)
Alles Klar?

Good Night, and Good Luck

holger Januar 25, 2012 um 22:39

Hi Thermonaut

mein Bett ist ja auch nicht rechteckig, sondern besteht nur aus vielen Dreiecken. Gut Nacht ;-)

abcdekadka Januar 25, 2012 um 22:42

@HAM

Was das Internet anbelangt, war ich nie euphorisch. Auf der einen Seite bietet dieses Medium viel neue, vormals nicht vorhandene Möglichkeiten, Informationen einzuholen und sich mit fremden Menschen auszutauschen, aber andererseits ist für mich darin auch bereits die Begrenzung. Betonung auf fremd.

Für mich ist das Internet eine Art Buch, dem ich Fragen stellen kann und über das ich neue Ideen erhalte. Ich finde es interessant, dass ich mit mit den Autoren unterhalten kann und ich selber bin auch bereit, etwas von mir offenzulegen. Im Internet haben wir zusammen die Möglichkeit Empfänger und Sender gleichzeitig zu sein. Wir lesen und der Preis für unseren Konsum ist, dass wir den anderen Menschen selbst etwas für den ‘Konsum’ zur Verfügung stellen. Nicht Geld ist das Tauschmedium hier, sondern unser gemeinsames Interesse an der Gesellschaft.

Bis später mal wieder. ;-)

abcdekadka Januar 25, 2012 um 22:52

@hol

Was kann ich dafür, wenn du keine Statistik lesen kann. Verseuchtes Wasser und KP ist China, dort ist die Fertilität 1,6, also ungefähr so hoch wie bei uns in der EU. In Indien ist die Fertilität 2,7, aber da gibt es auch keine Sozialversicherung. Die Verhältnisse sind erbärmlich. Der einzige Reichtum sind die Kinder. Was lernen wir daraus? Gibt den Menschen eine Chance an unserer westlichen Wohlstands-Gesellschaft teilzunehmen und sie wollen keine Kinder mehr, weil sie im Berufsstress stehen. In den Städten Chinas ist der Nachschub Ersognis erregend gering. Trotz hohem Einkommen klagen die Menschen über hohe Kosten, langen Arbeitsweg, etc., aber auf dem Land und in der Armut da herrschen andere Gesetze.

Nachruf Januar 26, 2012 um 00:53

@ Wat.

Widerspruch in zeitlicher Hinsicht – der eine existiert, der andere soll ersteren ablösen.
Oder ist das eigene Verhalten Opportunismus im vorherrschenden System, solange mitzumachen bis dessen Unpraktikabilität nicht mehr heilbar, reformierbar ist, um erst dann wieder neu mitzulaufen?
Aber was ist tatsächlich persönlich zumutbar?
Oder kann auch ein kleiner Schritt verändern?

Wenn es geschafft wird keine Schulden aufzunehmen privat und öffentlich, ist die Macht des Kreditgebers beendet.
Nur, bis dahin ist es ein ausgabenorentierter Weg, Verzicht, der durch Kreditangebote der Gläubiger zusätzlich torpediert wird ;-)
Und erreiche ich den Vorzeichenwechsel mutiere ich zum Gläubiger, Überschussverwalter mit identischen Zielen oder lasse ich die Pappe einfach liegen? bzw. bin beides Forderungs- und Schuldenverwalter …
Würde die Gespaltenheit erklären …

Nanuk Januar 26, 2012 um 07:32

@abcdekadka
“Ist mir doch egal”

Haste dich schon auf das Amt des Bundespräsidenten beworben.Dann glaubste auch wenn du den neusten BMW hast biste der König von Deutschland. Dann muste dich noch mit ein paar Schwachmaten umgeben dann denkste Europa sei dein Kontinent… Europa gibt es jetzt bei Ebay!

Morph Januar 26, 2012 um 12:12

@HAM

“Neoliberale Apologeten attestieren den Politikern sogar Ohnmacht und betonen, dass am Ende „es doch überpersönliche Organisations- und Netzwerkstrukturen“ sind, die das Handeln bestimmen. Deine affirmative Position hast Du explizit im FAZ-Gespräch dargelegt.”

Ich habe mich in diesem Gespräch weder zum ‘Neoliberalismus’ noch zum ‘Kapitalismus’ bekannt (solche Bekenntnisse sind so schwachsinnig wie das ‘kritische’ Gegenbekenntnis, dass der ‘Kapitalismus’ oder was man dafür hält des Teufels sei), sonderndas Interesse verfolgt, systematische Unklarheiten und Ungeklärtheiten des offiziell kommunizierten Politikmodells und des europäischen Projekts zur Sprache zu bringen, m.E. das einzig Sinnvolle, was man in einer solchen Situation tun kann.

Für Dich ist alles ‘neoliberalistische Apologie’ (und also Handlangertum des Bösen, Sadistischen, Faschistischen, Lügnerischen), was nicht Deinen Vorstellungen christlich-humanistisch inspirierter Kapitalismuskritik entspricht.

Simpler und dümmer geht es nicht!

HAM Januar 26, 2012 um 12:56

@wivo Januar 25, 2012 um 17:33
“Es geht eben nicht um Personalisierung, sondern um gesellschaftliche Entwicklung.”
Falsch. Würde das stimmen, hättest Du den Namen weggelassen. Deine Argumentation hat dadurch kein Jota gewonnen. Die eigentliche Agenda des ganzen leeren Begriffsgeklingels ist die Diffamierung M.=Faschist.

Das ist Deine Projektion. So habe ich dies nirgendwo geschrieben.

Nicht jeder, der in seinem Denken nationalsozialistisches Gedankengut aufwies und Hitler wählte, war ein Faschist.

Unsere Kanzlerin und Ex-FDJ-Sekretärin für Agitation und Propaganda hat sicherlich systemkonform (sowjet)kommunistisches Gedankengut vertreten, als (Ex)Kommunistin würde ich sie nicht bezeichnen.

Die SED bestand zu 90% aus Opportunisten und Mitläufern, die nach der Wende auch sofort die Partei verließen.

Je totalitärer Systeme sind, umso schwieriger ist es für das Individuum, zum System offen in Opposition zu gehen. Offene Opposition im deutschen Faschismus bedeutete Folter, KZ und häufig den Tod. Schon allein der Satz „Wir haben den Krieg verloren“ oder das Abhören von Feindsendern konnte Anlass sein, von den Nazis ermordet zu werden.

Wie Hannah Arendt sagt, war allein das Mitwissertum für Menschen, die diesem Nazi-Verbrechertum ablehnend gegenüberstanden, ungeheuer psychisch belastend und konnte Anlass für Verzweifelungstaten oder Suizide sein.

Umso übler ist jene Argumentation, wie Hannah Arendt ausführt, die aus der Mitwisserschaft eine Komplizenschaft konstruiert.
http://www.youtube.com/watch?v=Dc6ZEa_8scM

Weil eben zwischen dem Mitwissen und der Tatausführung ein Abgrund liegt, den der Täter überschritten hat. Selbstverständlich ist ein Apologet nicht nur Mitwisser und einfacher Mitläufer, sondern Mittäter in einem Verbrechersystem, wenn er verschleiert und so das Verbrechersystem affirmiert. Häufig hat Apologetik den Charakter der Anstiftung, beispielsweise bei einer Kriegsbefürwortung.

Diese Grenzziehung, die Hannah Arendt vornimmt, ist ungeheuer wichtig.

Wenn jenen Menschen, die nicht in Opposition gehen, weil sie Folter, KZ oder Tod vermeiden wollen, „Komplizenschaft“ vorgehalten wird, so ist dies ein Versuch der (Mit)Täter im Verbrechersystem, sich selbst zu exkulpieren, wenn sie alle Menschen in diesem System zu Mittätern deklariert werden.

Genau so verläuft das reaktionäre Argumentationsmuster, welches aus der einfachen Teilnahme an der kapitalistischen Ökonomie im Arbeits- oder Konsumprozess eine Komplizenschaft behauptet.

Das ist die Verwischung einer entscheidenden Grenze. Denn alle müssen am System teilnehmen, um zu überleben, aber niemand ist gezwungen, sich zum Apologeten eines verbrecherischen Systems oder zu einem Kriegsbefürworter zu machen.

wivo Januar 26, 2012 um 13:50

@HAM
“So habe ich dies nirgendwo geschrieben.”

Stimmt genau. Deswegen habe ich es ja auch geschrieben: Damit Dein Verfahren klar benannt ist. Ich habe das auch begründet. Darauf weißt Du nichts zu sagen?

HAM Januar 26, 2012 um 13:55

@wivo Januar 26, 2012 um 13:50
Darauf weißt Du nichts zu sagen?

Doch.

Wer so argumentiert, wie Du, der begreift es nicht oder will es nicht begreifen.

Im Gegensatz beispielsweise zu Linus, der sich oben dazu klar geäußert hat.

wivo Januar 26, 2012 um 14:01

@HAM
“Denn alle müssen am System teilnehmen, um zu überleben”

Du Ärmster …

HAM Januar 26, 2012 um 14:10

Es gibt in Deutschland eine Traditionslinie des Umgangs mit systemoppositionellen Intellektuellen, welche deren existentielle Vernichtung akzeptiert, von 1918 bis 1945 sogar deren Ermordung.

Schon Ludwig Feuerbach beschreibt im „Das Wesen des Christentums“ die damaligen deutschen Verhältnisse so:

Wahrheit ist aber in unsrer Zeit nicht nur Unsittlichkeit, Wahrheit ist auch Unwissenschaftlichkeit – Wahrheit ist die Grenze der Wissenschaft. In dem selben Sinne, als sich die Freiheit der deutschen Rheinschifffahrt jusqu’a la mer, erstreckt sich die Freiheit der deutschen Wissenschaft jusqu’a la verite. Wo die Wissenschaft zur Wahrheit kommt, Wahrheit wird, da hört sie auf, Wissenschaft zu sein, da wird sie ein Objekt der Polizei die Polizei ist die Grenze zwischen der Wahrheit und Wissenschaft.

Aber ein Gelehrter von unbestechlichem Wahrheitssinne, von entschiedenem Charakter, der eben deswegen den Nagel mit einem Schlage auf den Kopf trifft, der das Übel bei der Wurzel packt, den Punkt der Krisis, der Entscheidung, unaufhaltsam herbeiführet – ein solcher Gelehrter ist kein Gelehrter mehr – Gott bewahre! – er ist ein »Herostat« – also flugs mit ihm an den Galgen oder doch wenigstens an den Pranger! ja, nur an den Pranger; denn der Tod am Galgen ist den ausdrücklichen Grundsätzen des heutigen »christlichen Staatsrechts« zufolge ein unpolitischer und »unchristlicher«, weil offen ausgesprochner, unleugbarer Tod, aber der Tod am Pranger, der bürgerliche Tod, ist ein höchst politischer und christlicher, weil hinterlistiger, heuchlerischer Tod – Tod, aber ein Tod, der nicht scheint Tod zu sein. Und Schein, purer Schein ist das Wesen der Zeit in allen nur einigermaßen kitzligen Punkten.

Die Blutspur der Ermordung begann 1919 mit der Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht – unter sozialdemokratischer Regierungsverantwortung. Sie endete erst mit der Besatzung Deutschlands 1945.

Die Existenzvernichtung von systemoppositionellen Wissenschaftlern durch Exklusion aus dem öffentlichen Dienst – Feuerbach spricht vom „bürgerlichen Tod“ – wurde mit dem Radikalenerlass von 1972 erneut exekutiert , und wieder unter sozialdemokratischer Regierungsverantwortung.

Immerhin ging es den Systemoppositionellen in Westdeutschland dennoch besser als in Ostdeutschland unter Herrschaft der SED.

Das Pendant zu dieser deutschen Traditionslinie des Umgangs mit wahrheitsorientierten Wissenschaftlern ist das opportunistische und feige Verhalten von Wissenschaftlern, die Karriere machen wollen, so das weitverbreitete ekelhafte Verhalten eines „vorauseilenden Gehorsam“.
Brechreizerzeugend allein der Gedanke, wie dieses Verhalten nach 1972 immer stärker wurde und heute zur Normalität geworden ist.

Doktor D Januar 26, 2012 um 14:23

@HAM: Du merkst es echt nicht, oder? Immer wenn ich denke, narzistischer kann es eigentlich nicht mehr werden, setzt du einen drauf. Und in Sachen Projektion: Einfach mal in den Spiegel gucken.

HAM Januar 26, 2012 um 14:36

Richard Albrecht hat eine „Erinnerung an die Willy-Willy-Politik der Berufsverbote 1972“ geschrieben.
http://duckhome.de/tb/archives/9761-BERUFSVERBOTEPOLITIK-1972.html

HAM Januar 26, 2012 um 14:43

@Dr. Hirnlos

Typisch diese argumentfreien Angriffe ad personam.

Die Schlagseite nach rechts in diesem Blog wird immer stärker.

Balken Januar 26, 2012 um 14:53

@ HAM
Solche überhaupt nicht ad personam gemünzten Hinweise auf geschichtlich kaum Bestreitbares, in denen sich mehr oder eben weniger wiederzuerkennen jedem für sich gleichwohl nicht schwerfallen dürfte, sind halt schwer zu ertragen – da kann man, scheint es, nur gereizt unter der Gürtellinie parieren (z.B. “Narzissmus” vorwerfen, Doktor D, oder “simpler und dümmer geht es nicht”, wie ein anderer affirmativer Konfirmand der “natürlichen”, gottgegebenen Verhältnisse schimpft), wenn anders einem doch nichts weiter übrig bliebe, als wenigstens “ja, aber” zu sagen. Das kriegt mancher halt nicht auf die Reihe. Da ist dann Angriff die beste Verteidigung, vermeintlich. Oder ganz beliebt: Die Bewältigung fremder Vergangenheiten. Deshalb wird bei uns mit solcher Inbrunst das Thema Stasi aufgearbeitet. Eine ganz wunderbare Ersatzbeschäftigung.

wivo Januar 26, 2012 um 14:58

@HAM
Erzähl doch mal: Wie oft wurdest du eingesperrt, gefoltert, ins KZ verbracht, mit Berufsverbot belegt und was hamwa nich sonst noch alles? Klar, im übertragenen Sinne hier von den Faschisten in diesem rechtslastigen Blog, das schon! Aber so im richtigen Leben? Erzähl doch mal!
Ich sag jetzt nicht, was ich brechreizerregend finde, aber wenn jemand vermutet, Deine selbstmitleidige Opferpose gehört dazu, werde ich nicht widersprechen.

wivo Januar 26, 2012 um 15:01

@Balken
“Solche überhaupt nicht ad personam gemünzten Hinweise auf geschichtlich kaum Bestreitbares”

Das meinst Du doch hoffentlich ironisch?

Doktor D Januar 26, 2012 um 15:03

@HAM: Gerne – und es war mir ein Vergnügen!

Balken Januar 26, 2012 um 15:07

Auch in diesem Blog tauchen immer wieder mal Leute auf, die einen Schimpf- und Beleidigungsstil ohne Sachargumentation fahren. In andern Blogs kennt man das zur Genüge. Man vertut als Leser unnütze Zeit, weil auch das Übersehen solcher Einalssungen eine Sekunde kostet. Im Großen und Ganzen sind aus diesem Blog solche Typen immer schnell wieder verschwunden. Vielleicht, weil sie selbst merken, dass das Herumpöbeln zwischen respektablen Diskussionsniveaus einfach dumm aussieht. Zu hoffen, es bleibt dabei.

wivo Januar 26, 2012 um 15:17

Ach, Balken, wir sollten da nicht zu optimistisch sein. Diese Typen tauchen, oft unter anderem Namen, immer wieder auf …

Wat. Januar 26, 2012 um 15:27

@Nachruf

Ich hatte geschrieben: “Es scheint mir doch ein Widerspruch in sich, den Kapitalismus demokratisieren zu wollen und den zentralverwalteten “Soziali[s]mus” zu erseh[n]en (siehe Dein Link – Occupy)”

Darauf Du: “Widerspruch in zeitlicher Hinsicht – der eine existiert, der andere soll ersteren ablösen.”

Wenn Du meinst…

Ich denke aber, dass sich niemand mehr die persönlichen Freiheitsrechte, die er sich einmal erkämpft oder ‘erworben’ hat, dauerhaft wieder ‘abnehmen’ lässt. Wer ‘hier’ für Mitsprache und Entscheidungsrecht bei kommunalen oder gar zentralen Entscheidungen auf die Straße gegangen ist, der wird sich später kaum damit abfinden, wenn ihm irgendwer sagt, wie er was ‘zu finden’ hat.
Wer ‘hier’, wenn auch mit wenig Geld, immer noch wenigstens etwas die freie Entscheidung darüber hat, was er damit anstellt – der lässt sich später kaum diktieren, welche Bedürfnisse er zu haben hat und befriedigen ‘darf’.
Und das ist gut so! ;-)

Soz. mein eindeutiges: JA.
Aber bitte ohne Zentralverwaltungsstelle und ohne Lohnarbeit. Ist sonst nämlich (noch) keiner und wird auch ‘von alleine’ keiner, wie man in der Geschichte sehen kann, wenn man will…

carlos manoso Januar 26, 2012 um 15:33

@ Morph Januar 26, 2012 um 12:12
„Für Dich ist alles ‘neoliberalistische Apologie’ (und also Handlangertum des Bösen, Sadistischen, Faschistischen, Lügnerischen), was nicht Deinen Vorstellungen christlich-humanistisch inspirierter Kapitalismuskritik entspricht.
Simpler und dümmer geht es nicht!“

Dass du Jesus von Nazareth NICHT zu deinen „Lieblingsphilosophen“ zählt, hattest du ja schon erwähnt.

Gerade im aktuellen Stadium wird die „Bergpredigt“ deines NICHT“-Lieblingsphilosphen“ für jedermann nachvollziehbarer und somit geschichtsmächtiger denn je. Die Bergpredigt heißt ja nicht von ungefähr „Bergpredigt“. Sie führt hoch auf einen Berg, der hoch über allem „Humanismus“, über allem „Christentum“ liegt, hoch über einem Berg „Sinai“. Das macht den Berg zu einem Zeichen der Revolution der Welt.

Ein Kernsatz deines NICHT-„Lieblingsphilosphen“ lautet: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“ (Mt 19,19). Nächstenliebe lehrt Selbstliebe, Selbstannahme. Selbstliebe, Selbstannahme lehrt die Nächstenliebe. Im Anderen aber Gott sehen, ihn als heilig sehen, nicht über ihn zu richten, das wäre die wirkliche Revolution, die Drehung um 180 Grad, die wirkliche Freiheit.

Frankie Bernankie Januar 26, 2012 um 16:01

@holger

“Erklär mir die Grafik weiter oben. Kannste nicht vermutlich. Warum ficken Asiaten und Afrikaner überdurchschnittlich gut und mehr?”

Fehlende anderweitige Zersteuung. Da gibts nicht so viele Wirtschaftsblogs und so.

holger Januar 26, 2012 um 17:17

@ Frankie

mich regt es auf, wenn man über Ökonomie redet und das Wachsdumm (Vermehrung) der Menschheit dabei vergisst. Noch ist der meiste weltweite Handel in USD geprägt. Also blieb dem USD auch nix anderes übrig, als sich zu vermehren. Das hat man wohl auch im Jahre des Herrn 1971 erkannt und den Goldstandard in die Wüste gejagt.

Nur so konnte der USD das werden, was er jetzt ist. Nun kommen aber die einstmals dritten Länder in Schwung ohne Rücksicht auf Verluste. Nicht nur Qualität sondern über die Quantität Mensch. Dann wird die besten Auslese einfacher. Das hätte alles das britische Pfund nicht bringen können, was der USD veranstaltet hat (hauptsächlich militärisch). Und nun steht der USD gegen ca. 3,5 Milliarden Menschen im Außenverhältnis.

Die Parallelität USD (Quantität) zu Menschen (Quantität) kommt doch nicht von Ungefähr. Die Masche der USA ist doch seit dem WK I immer die gleiche… Erobere 13 Länder deiner Wahl und stülpe ihnen Schulden und damit den USD über. Dann haben US Firmen die notwendigen Maschinen und Material geschickt, gegen Ölfelder. Und somit kamen diese Länder in einen gewissen Wohlstand. Afrika hat sich ja nicht überall vermehrt. Da laufen die Kinder nicht alle mit dicken Bäuchen rum. Kinder bedeuten da Wohlstand. Welchen wir uns ja nur noch als Single erlauben können.

In Asien genau das Gleiche. Bloß eben China nicht. Ein Kind Politik. Hätten die USA auch China okkupiert, wären das wohl jetzt 4 Milliarden. Und nun starten die BRIC durch. Sie sind nun stark genug, auf eigenen Füßen zu stehen. Der USD ist mE auch an dem Wachstum der Menschheit beteiligt. Aber erst nachdem es militärisch okkupiert worden ist oder sich freiwillig unterworfen hat.

Und da diese Völker wissen, im Gegensatz zu uns, dass nur Kinder den Wohlstand erhalten können, wird die Familie als höchstes Gut betrachtet, was wir ständig in den Arsch treten. Wir ach so modernen in der Moderne.

Nachruf Januar 26, 2012 um 17:57
keiner Juli 4, 2013 um 10:23

Wende dich mal an das griechische Finanzministerium, du Spamwhore

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