Sind deutsche Econ Blogger Sissies?

by Stephan on 1. Februar 2012

Sissies, Substantiv Plural: Weicheier, Weichlinge, Memmen, Jammerlappen. Wie vielleicht manche Leser gelesen haben, hat der nette Gerald Braunberger aus der FAZ Wirtschaftsredaktion die deutsche Econ Blogger Szene mit zwei Kommentaren auf Kantoos Economics erschüttert. Der Autor des Beitrages Henry Kaspar beschwert sich über Kraftausdrücke. Nun ist der erste Kommentar von Gerald Braunberger meiner Meinung nach deftig, aggressiv und ein bisschen arrogant (So what?) aber Kraftausdrücke finde ich in dem Kommentar nicht.

Vielleicht braucht Henry Kaspar ein aktuelles Beispiel für Kraftausdrücke in einer Debatte unter Bloggern? Der New Monetarist Stephan Williamson hat einen Beitrag „ Brad DeLong: B.S. Artist“ geschrieben. In den hitzigen Kommentaren antwortet Mark Thoma unter anderem „ You’ve prove yourself to be an ass again and again.“ Und Brad DeLong antwortet mit einem eigenen Beitrag „ Stephen Williamson Makes His Play for the Second Stupidest Man Alive Crown“. Das lieber Henry Kaspar sind Kraftausdrücke. Schaden ein paar Kraftausdrücke in einer Blogger Debatte? Meiner Meinung nach NEIN. Sie sind das Salz in der Suppe.

In dem zweiten Kommentar von Gerald Braunberger geht es um pseudonyme Blogger. Der Wirtschaftsphilosoph empfindet diesen Kommentar sogar als Drohung. Als ob Deutschland nur darauf wartet wie Kantoos oder Henry Kaspar wirklich heißen. Grundsätzlich ist es mir egal ob jemand unter seinem Namen oder mit Pseudonym schreibt. Aber die Argumentation vom Wirtschaftsphilosoph ist ein bisschen scheinheilig. Er schreibt: „Schließlich muss ich allein mit meinen Argumenten überzeugen, ohne Namen und Titel.” Alles schön und gut. Da stellt sich mir allerdings die Frage warum der Wirtschaftsphilosoph dann regelmäßig in Beiträgen und Kommentaren verlautbart: Hallo. Ich bin Professor.

Das ist ein ganz alter Trick, der in Deutschland besonders gut funktioniert. Kennt man auch als Appeal To Authority. In dem Sinne habe ich auch den Kommentar von Gerald Braunberger verstanden. Henry Kaspar winkt mit seinen ökonomischen akademischen Lorbeeren, aber niemand weiß Genaues. Mit anderen Worten: Der Wirtschaftsphilosoph hat recht. Wer unter Pseudonym schreibt muss nur mit seinen Argumenten überzeugen und auf Selbstbeweihräucherung a’la Appeal To Authority verzichten.

Und um zu meiner Eingangsfrage zurückzukommen: Yep.

{ 543 comments… read them below or add one }

neuling Februar 6, 2012 um 23:51

Welche Krise diskutiert ihr hier eigentlich? Staatshaushalte?

Produktionswert 2007 BRD = 4,45 Billionen Euro (Umsatz)
BIP = 2,42 Billionen (Produktionswert – Vorkosten?)
Steueraufkommen gesamt = 0,538 Billionen
Steuerquote zum BIP = 22,2 % (theoretisch 23,7%)

20 % Umsatzsteuer (für Kopfrechner) = 0,890 Billionen Steueraufkommen!

Hartz IV Kosten 2007 = 0,034 Billionen mit 20% Zuschlag abfedern = 0,0068 Billionen Zusatzkosten

@Goodnight
Ist dies, 20% Umsatzsteuer über alles real einzutreiben und damit 350 Mrd. mehr Steueraufkommen flatmäßig zu generieren, politisch durchsetzbar?

Und wenn nicht, wer wird dies zu verhindern wissen?

Oder habe ich das Wesen der Umsatzsteuer nicht verstanden?

Zahlen aus 2007, wegen habe keine anderen, da gefühlte 90% aller Zahlen nur prozentuale Angaben der Veränderung zum Vorjahr sind. Schande dem, der da Absicht vermutet.

Natalius Februar 7, 2012 um 00:15

Ich habe in diesem Thread viel gelernt und bin den Beitragenden dankbar! Die Frage “Sind wir alle Sissies” stellt sich für mich nicht, da ich Sissy (cf. anonymous, pseudonymous) nicht als Schimpfwort ansehe. Die damit beabsichtigte “Aufrüttelung” oder gar implizite Beleidigung zielt daher – zumindestens aus meiner bescheidenen Sicht – ins Leere. Ich kann mir im Übrigen auch nicht vorstellen, daß die physikalische (oder sogar nur gefühlte) Härte der eigenen Gonaden – oder gar der Grösse des eigenen Hirnvolumens – irgendeine Bedeutung für den Informationswert des eigenen Beitrages hätte – wer sowas glaubt, ist intellektuell (sorry) ein Kannibale.

Natalius Februar 7, 2012 um 00:54

PS: Ich sehe es also so, wie Hans Hütt es viel, viel früher gesehn hat. Stephan: Es war also wichtig, den Thread nicht nur zu initiieren sondern auch ihn nicht zu früh “abzuwürgen” – Danke! Womit ich bei einem Problem von Blogs dieses Typs ankomme. Es wird unglaublich viel geschrieben, vieles ist wichtiges “Herzblut”, das unbedingt konserviert werden sollte, aber manches schreibt man auch, weil man einfach nur “Mensch” ist. (Sind wir nicht alle ein bissel Wulff). Web 2.0 hat noch keine “technische” Lösung zu diesem Problem – die semantische Ebene erschliesst sich einem Computer nicht – aber wir müssen dran arbeiten: Eine Approximation von kategorativer Semantik ist besser als garnix.

neuling Februar 7, 2012 um 01:19

Steuervereinfachung nach Zahlen in 2007:

Arbeitnehmereinkommen = 1181
Gewinn = 644
Abschreibungen = 345

Einkommen total = 2170 Mrd. Euro

Keine Umsatzsteuer, einfach keine andere Steuer, außer 25% auf jedes Einkommen ohne jegliche Ausnahme.

Macht ein Steueraufkommen von 542 Mrd. Euro. 4 Mrd. Euro mehr als in 2007 tatsächlich erhoben worden sind.

Wer hätte darunter gelitten? Die Preise hätten um 19% gesenkt werden können, ohne die Gewinne zu schmälern.

Bloggerkeule Februar 7, 2012 um 05:23

@ Natalius

Approximation von kategorativer Semantik + Abschweifung => Phantasie

Nanuk Februar 7, 2012 um 07:49

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/essay-ein-vereinigtes-europa-der-narren-11635336.html

anbei mein Ariernachweiss

Und jetzt stellen Sie sich doch mal meine Ahnenreihe vor – seit Christi Geburt. Da war ein römischer Feldhauptmann, ein schwarzer Kerl, braun wie ne reife Olive, der hat einem blonden Mädchen Latein beigebracht. Und dann kam ein jüdischer Gewürzhändler in die Familie, das war ein ernster Mensch, der ist noch vor der Heirat Christ geworden und hat die katholische Haustradition begründet. Und dann kam ein griechischer Arzt dazu, oder ein keltischer Legionär, ein Graubündner Landsknecht, ein schwedischer Reiter, ein Soldat Napoleons, ein desertierter Kosak, ein Schwarzwälder Flözer, ein wandernder Müllerbursch vom Elsaß, ein dicker Schiffer aus Holland, ein Magyar, ein Pandur, ein Offizier aus Wien, ein französischer Schauspieler, ein böhmischer Musikant – das hat alles am Rhein gelebt, gerauft, gesoffen und gesungen und Kinder gezeugt – und – und der der Goethe, der kam aus demselben Topf, und der Beethoven und der Gutenberg, und der Matthias Grünewald und – ach was, schau im Lexikon nach.Es waren die Besten, mein Lieber! Die Besten der Welt! Und warum? Weil sich die Völker dort vermischt haben. Vermischt – wie die Wasser aus Quellen und Bächen und Flüssen, damit sie zu einem großen, lebendigen Strom zusammenrinnen. Vom Rhein – das heißt: vom Abendland. Das ist natürlicher Adel. Das ist Rasse. Seien Sie stolz darauf, Weede – und hängen Sie die Papiere Ihrer Großmutter in den Abtritt. Prost.”

Nanuk Februar 7, 2012 um 07:56

Erich Weede Professor für dem Aufstieg und Niedergang von Nationen?

Der Neue Pauly
Enzyklopädie der Antike
11611 Seiten gegen den Untergang des Abendlandes!

Nanuk Februar 7, 2012 um 08:29
Linus Februar 7, 2012 um 09:08

@Nanuk 7:49:
Gruselig, dein Link auf die FAZ. Die Kommentare dazu leider ebenso. Eigentlich sollte man sowas auseinander nehmen.

Nanuk Februar 7, 2012 um 09:39

@Linus
Hatten wir nicht auch das Thema “Pseudowissenschaft” und das “die Wissenschaft” selbst auf dem besten wege ist zur Pseudowissenschaft zu verkommen.
Das ist Pseudowissenschaft at its best!

btw

Ein emeritierter Hochschullehrer (Emeritus bzw. Emerita, Abk.: em.) befindet sich in einer Art Teil-Ruhestand; er hat sich das lebenslange Recht erworben, sich von den Alltagspflichten zurückzuziehen. Er muss sich, sofern er vorher Institutsvorstand war, nicht mehr um die Verwaltung des Instituts kümmern und verliert gegebenenfalls seinen Sitz im Senat oder Fakultätskonvent. Er braucht keine Lehrveranstaltungen mehr zu halten, kann dies jedoch noch weiter tun. Eventuell kann er noch ein Dienstzimmer benutzen, um Forschungsarbeiten weiterzubetreiben oder neue aufzunehmen. Außerdem darf ein Emeritus kraft seines Amtes beispielsweise Magisterkandidaten, Diplomanden und Doktoranden betreuen, Mitglied akademischer (nicht aber staatlicher) Prüfungskommissionen, Berufungskommissionen und anderer Kommissionen sein. Er kann zudem, wie ein pensionierter Professor, Gutachten erstellen, etwa für Gerichte oder Staatsanwaltschaften.

und hetzt gegen den Sozialstaat… eine Witzfigur ein Narr der über die Narren schimpft…

Nanuk Februar 7, 2012 um 09:41

Ein Selbstgerechtes Arschloch!

Nanuk Februar 7, 2012 um 10:01
Linus Februar 7, 2012 um 10:09

@Nanuk:
“Ein Selbstgerechtes Arschloch!”
Nicht doch! Ein würdiges Mitglied der Mont Pelerin society …

Degnaphta Februar 7, 2012 um 14:57

@ Stephan
Als bekennender HG-Fan finde ich es echt schade, daß du ihn konkret in die Verbannung schickst. Seine Analysen und Ansätze sind tausendmal erhellender und zielführender als beispielsweise die Ergüsse über “Journalistischen Ethos” von @fl oder “Die Moderne”-Fanfare von @morph. Und auch die sind auf ihre Art eine Bereicherung des Spektrums. Irgendwer muß sich schließlich auch drum kümmern, wie es nicht funktioniert.

@ holger
Erst Lego Creator und nun “Keine Sau”. Was machst du nur mit mir, @holger? Aber dennoch, mich interessiert sowas durchaus. Und bange bin ich auch nicht. Nur weil mal Reizbegriffe wie “eso-” oder “VT” durch den Gesprächsraum schwirren, ziehe ich micht nicht in den sicheren Bunker hinter der Denksperre zurück. Das ist dann eher was für die Sissie-Abteilung.

@wepoc
Kapitalismus ist wenn…
Freiheit war in den Historienbetrachtungen der 60er&70er das stärkste dem Menschen bekannte Movens. Alle möglichen Umwälzungen wurden immer mit dem Freiheitsdrang des Menschen erklärt. Auch Erfindungen, heute als sogenannte Innovationen allseits beliebt&geschätzt, wurden durch den Wunsch, endlich frei zu sein von einer mühseligen Plackerei, hervorgerufen dargestellt.
Die zeitgenössischen Produktionen hingegen führen alle Bemühungen auf “Kohle machen” zurück, als wenn das der einzige Antrieb des Menschen sei. Die freiheit findet nur noch in der Ausübung der Kaufentscheidung statt. In diese ist nach modernen Gesichtspunkten sogar die demokratische Einflußnahme gebettet. Wenn Alle das Umweltfreundlichste kaufen, wird es sich schon “am Markt durchsetzen”, lautet die zugehörige Verheißung. OK, wer an “die Märkte”, “Angebot&Nachfrage” oder “Checks&Balances” glaubt, der mag seine Hoffnungen darauf setzen. Hoffnungen auf einen tollen Audi, HugoBoss-Kutte und coffee2go everywhere haben sogar gewisse Realisierungschancen. Hoffnungen auf ein Ende des jährlichen Hungertodes von 6 (SECHS!) M I L L I O N E N Kindern oder auf eine Umkehrung der Desertifizierung oder die Beseitigung des plastikstrudels im Pazifik bestehen leider nicht. Das Gegenteil ist der Fall.
Wenn Kapitalismus, wie wir ihn aktuell kennen und betreiben, etwas nicht zu liefern in der Lage ist, dann ist das Freiheit. Mit Regulierung ließe sich das ändern. Also auch vor dem Kampfbegriff “Kapitalismus” habe ich keine Angst. Wenn denn eine ‘Neuordnung’ als Kapitalismus-X.Y bezeichnet werden soll, dann wäre mir das auch egal. Mir ist verdammt wichtig, daß wir in etwa unsere Grundwerte/regeln nicht radikal über Bord werfen. Mit dem GG ließe sich durchaus ein Land der Freien&Gleichen realisieren. es gehört allerdings ne gute Portion FSK beim Individuum dazu, was nur über entsprechende Erziehung zu realisieren wäre.
Profit-&Wachstumszwang hat der Kapitalismus mit im Gepäck. Damit übertrumpft man jedoch die nichtmonetären Werte, von denen auch der erstaunliche Sedlacek erzählt. Freundschaft, Treue oder Liebe sind Phänomene der Wirklichkeit, aber sie finden in keiner Kalkulation Platz.
dennoch können Kalkulationen in Freundschaft, Treue und Liebe hineinwirken. Als von der Antisozialbehörde zielgerichtet ausgehungerter Armutsrentner kann ich mir Gastfreundschaft, Hilfsbereitschaft oder auch aushäusige Geselligkeit nicht leisten. Seit die in der Bluthundabteilung Ernst machen, kann ich mir eigentlich nicht einmal meine zwei noch bei mir ‘lebenden’ Söhne leisten. Die müßte ich Hänsel-und-Gretel-mäßig irgendwo aussetzen, oder was sieht der Kapitalismus da für Lösungen vor?

Auch deine Vorstellungen von Freiwilligkeit bei Kreditaufnahmen, solltest du nochmals überdenken, @wepoc. Die Firmengründungen, die ich in meinem Umfeld recht nahe miterleben konnte, erzählen allesamt vom Gegenteil. Die gewährte Kreditsumme war jedesmal höher, als es der Neuunternehmer zunächst kalkuliert hatte. 70 statt 50k “Sie brauchen doch zu Geschäfteinführung ein angemessenes Werbebudget…” oder 40 statt 15k “Sie benötigen doch ein größeren Hänger nebst entsprechender Zugmaschine…” Die Zahlen werden dann mit irgendeiner Statistik belegt, die halt die Dimension der Kredithöhe für die entsprechende Branchen hergeben. Wer sich davon nicht überzeugen läßt, kann es bei der nächsten Bank versuchen. Statt Freiwilligkeit sehe ich hier Trickserei und Zwang wesentlich stärker involviert.
Und zur so gehypten Rationalität fällt mir nur ein Interview mit Bazon Brock ein, das unlängst im TV lief. Dort wurde er zum 100jährigen Geburtstag des Dada befragt. Die Vernunft könne einzig und allein dazu dienen, mit den Folgen der Unvernuft klarzukommen. diese wiederum sei unverzichtbar, weil sie uns erst zum Menschen mache. Und deswegen werden wir uns immer mit den Folgen von Unvernunft plagen müssen.
Auch empfiehlt er, sich nicht der Illusion der Problemlösung allzu hoffnungsfroh und mit überzogenen Erwartungen hinzugeben. Es gäbe keine echte problemlösung sondern immer nur einen anderen/neuen weg, der andere Vor- und nachteilsmischungen bereit hielte. Die Vorteilsseite bezeichnen wir leichtfertig als “Problemlösung” und blenden die Nachteilsseite solange aus, bis sich die aufgeschaukelten nachteile als benennbares Problem meldet, welches wir dann wieder lösen müssen.
Würden wir hingegn den Ansatz dahingehend ändern, daß wir uns bewußt machen, daß wir es lernen müssen, mit unlösbaren Problemen zu leben, dann könnten wir auch zu anderen Ergebnissen an nachhaltigkeit kommen und auch niochtmonetäre Werte leichter in unsere Überlegungen einfließen lassen.
So in etwa hatte ich ihn jedefalls verstanden, und das fand ich verdammt weise und anschlußfähig.

@ natalius
Du möchtest also ein paar wohlausgesuchte Moleküle zusammenbraten, um ihnen dann Leben einzuhauchen. Respektive dieses mögen sie sich bitte selbst einhauchen, der elegantere Weg des Faulenzers ;-)
Dein erfrischender Optimismus, mit dem du hier auftritts, versucht mich sogar, dir zu glauben, daß es jeden Moment so weit sein könnte. Bitte bitte, mache das hinter verammt wahnsinnig fest verschlossenen Türen, damit dein Geschöpf sich nicht auch noch an der Verwurstung des Planeten beteiligt.
Wir sehen ja an zwangsdeportierten Brüdern&Schwestern aus Tier-&Pflanzenwelt, was das für einen Kuddelmuddel anrichtet. Und wer hat den Mungo in die Karibik gebracht? Ein optimistischer NaWi und irgendein early adopter seiner Zeit, der diese wirtschaftlich günstige und innovative Methode risikofreudig, wie es sich für Unternehmer nun einmal gehört, zur Anwendung brachte. Über den Nilhecht im Viktoria-See ließe sich das auch sagen. Über verdammt viele Spezies in Australien auch.
Und aktuell heißt es, daß täglich 70 Tier- und Pflanzenarten durch internationale Schiffahrt in fremde Biotope verbracht werden. Ob und wie man das stoppen, ändern, lindern oder gar beheben will/kann, steht in den Sternen.
Wenn ich jetzt an die ganzen bereits ausgesetzen Neutiere und -pflanzen aus den Regalen der kommerziellen Genmanipulatoren denke, dann wird mir ganz schlecht. Wie soll sich das nur integrieren/assimilieren? Der ultimativen Power der Evolution traue ich ja allerhand zu, aber alles hat bekanntlich sein Grenzen… oder diesmal nicht?
@nanuks Vorschlag mit dem Kanalbau ist fruchtbar. Einfach, sodaß ihn Jeder begreifen kann und dazu noch durchführbar. Da sollten wir anknüpfen.

Stephan Februar 7, 2012 um 15:22

@Degnaphta
Wie gesagt. Ich hab nichts dagegen wenn das Kommentariat im Laufe der Diskussion einen Privatthread aufmacht und dann über das neue Steckenpferd munter weiter diskutiert. Aber wenn HG glaubt, dass praktisch jedes Thema eine Einladung ist über seinen Sozi-Nazi-Unfug zu schwadronieren dann ist das ein Irrtum.

Nanuk Februar 7, 2012 um 15:26

@Degnaphta
Das geht sogar in einem halbwegs überschaubaren Zeitraum bist 2060 sollte sich das komplett fertigstellen lassen…

Nanuk Februar 7, 2012 um 15:47

und billiger als ne Autobahn ist ein Kanal auch noch…

FaNcLuB Hg Februar 7, 2012 um 18:32

Wo bist du hin
es ergibt jetzt
keinen Sinn
fortzugehen!

Degnaphta Februar 7, 2012 um 19:27

@ stephan
So hat halt ein Jeder sein Steckenpferd. Bei mir ist es diese verdammte Apartheid. Das wird so konsequent ignoriert auf der anderen Seite des Zauns. Das geht auf keine Kuhhaut. Dabei ist das ja gar kein Pillepalle, wie ich finde. Behörden begehen auf vielfältige Weise Rechtsbruch und gegen den Souverän, den Bürger gerichtet, zumindest eine Untermenge ist es auch noch. Dabei wird munter auf nahezu sämtlichen Grundwerten herumgetrampelt, und “keine Sau”, also nur ich, interessiert sich dafür. 100 Jahre Dada ;-)

Zu @HG nochmal. Wenn ich es recht entsinne, Stamm von ihm die Beschreibung einer Würfel-Demokratie bei weissgarnix. Und auch ein interessantes Statement zum spread von Einkommen. Beide Ansätze wären bestimmt interessant für @natalius. Schade, daß das weissgarnix-Universum so spurlos getilgt wurde :-(

Bloggerkeule Februar 7, 2012 um 20:15
Wat. Februar 7, 2012 um 20:17
Bloggerkeule Februar 7, 2012 um 20:19

@ Natalius

zu Soddy II

“The totality of the policy suggestions that Soddy puts forward, based on the above analysis, is the following:
1.The issue and withdrawal of money should be restored to the nation for the general good, and should entirely cease from providing a source of livelihood to private corporations. Money should not bear interest because of its existence, but only when it is genuinely lent by an owner who gives it up to the borrower.
“The real evil is that we now have a concertina instead of a currency.” (21)
2.The value of money should not depend on the quantity of a single commodity, such as gold. The index number of the general price level, or its reciprocal, the purchasing power of money, should be maintained constant by regulating the total quantity of money in circulation, volume being varied in order to maintain the price level constant.
3.The issue of money should be regulated by its purchasing power, so as to maintain its purchasing power constant.
4.A very substantial part of the National Debt should be cancelled and the same sum of National Money issued to replace the credit created by the Banks.
5.Banks must be compelled to keep reserves of ‘National Money’ dollar for dollar for each dollar on deposit with them, except for deposits that are genuinely ‘invested’, and not available to be used as money,
6.The taxation system must be used to prevent the permanent accumulation of debts to individuals as a result of their capital investments. These should be amortized so as to prevent the creating of a permanent and unrepayable debt burden on the community.

Soddy suggests as a means of achieving this, a tax free return being allowed on investments that will be fully amortized over a limited period, whereas those of indefinite length will be taxed, the proceeds of the tax being used to buy up on the open market and discharge such debts as are not self liquidating. In such a way, the financial accounting for investment in capital will be brought into line with the physical reality that capital has a finite life, and depreciates.”

aus :

http://nationaleconomy.net/doctrine-virtual-wealth/comment-page-1/#comment-42794

Bloggerkeule Februar 7, 2012 um 23:08

Soddy zum III.
vor Fischer
und Binswanger sowie Ackermann scheinen keinen blassen Schimmer von den Argumenten und Lösungen Soddy haben zu wollen.
http://www.csls.ca/misc/aniel.pdf
ist ja auch klar warum – denn dann ist das Geschäftsmodell der privaten Banken reduziert und Zinseinkünfte verteilungsgerechter zugeschrieben.
Eine Erkenntnis und Umsetzung die Selbstmord gleich käme.
Schöne J-Kurven ;-) im Papier.
Wird die Physikerin die physikalischen Grundlagen erkennen, die durch Mathematik virtualisiert werden?
Aber sicher muss ihr nur mal deutlich gemacht werden ;-)

here we are …

wepoc Februar 7, 2012 um 23:29

@Degnaphta 14:57

Nenn mich verkopft und sturr, aber für mich ist und bleibt der Kapitalismus ein Wirtschaftssystem. Die Wirtschaft sagt uns, wie unsere Lebensmittel in der gegebenen Wirtschaft- und Gesellschaftsstruktur effizient verteilt werden können. Ob dabei Kinder verhungern, ist der Effizienz egal. Daher dürfen die Effizienzentscheidungen des Wirtschaftssystem niemals als alternativlos dargestellt werden, sondern müssen immer um politische, gesellschaftliche und ethische Aspekte erweitert werden und das Wirtschaftssystem muss sich diesen unterordnen bzw. anpassen. Aber versuche das einmal einem dauerindoktrinierten Prekarianer zu erklären – das geht nicht.

Wie ist es zur dieser akzeptierten Alternativlosigkeit gekommen? Es wurde zugelassen, dass die wirtschaftlichen Machtkonzentrationen in privater Hand die wirtschaftliche Machtfülle der Nationalstaaten um einige Potenzen übertreffen konnten. Auch hier möchte ich den Kapitalismus in Schutz nehmen. Akkumulierung von Macht ist kein alleiniger Wesenszug des Kapitalismus, das ist allen Geld- und Herrschaftssystemen eigen. Verliert jemand plötzlich an Macht, dann erleben wir kein anarchisches Paradies, sondern die simple Tatsache, dass jemand anderes das Machtvakuum füllt.

Seit ich mich intensiver mit dem “Feind” auseinander gesetzt habe, lernte ich seine Vorzüge kennen: ich kenne nichts demokratischeres und freiheitlicheres als den Markt, das alte Bargeldsystem ist die Dezentralität in Perfektion.
Wie sieht eine Ressourcenverteilung ohne Markt aus? Wir können einer Machtinstanz diese Aufgabe übertragen, wir können blutige Verteilungskämpfe führen oder auf ein Wunder hoffen, dass alle zu Gutmenschen werden und jeder seine Gaben allen zur Verfügung stellt. Meiner Meinung nach ist der realistischste Weg, den freien Markt wieder her zu stellen. Seit dem beschäftige ich mich mit der Frage, an welchen stellen er pervertiert wird.

Wat. Februar 7, 2012 um 23:59

@wepoc

An welcher Stelle der freie Markt pervertiert wird?
An der, daß jemand sein privates Eigentum als Kapital einsetzen kann. Er also dadurch zu einem leistungslosen Einkommen aus genau diesem kommt.
Btw. Da ist nichts mit Gemüsemarkt. ^^

Morph Februar 8, 2012 um 00:02

@degnaphta

“Als bekennender HG-Fan finde ich es echt schade, daß du ihn konkret in die Verbannung schickst. Seine Analysen und Ansätze sind tausendmal erhellender und zielführender als beispielsweise die Ergüsse über “Journalistischen Ethos” von @fl oder “Die Moderne”-Fanfare von @morph.”

Ich finde HGs Perspektive/Position auch inspirierend (wobei es inhaltlich dann irgendwann erschöpft ist, wie bei allen von uns, die irgendetwas umtreibt, das sie zur Geltung bringen wollen). HGs rhetorische Kanonaden sind interessant, weil sie sich aus einem sozialdemokratischen Motiv speisen und gegen die institutionalisierte Sozialdemokratie feuern.

Wäre das sozialdemokratische Zeitalter ein Autor, würde es exakt so reden wie @HG: ein Jahrhundert lang hat es sich zusammengerissen und den Personen den Ausgleich zwischen Geld und Person vorgebetet; jetzt ist es erschöpft und tut, was alle tun, die sich zusammengerissen haben und erschöpft sind: es dekompensiert.

Was die ‘Fanfare’ angeht, die ich nach Deiner Wahrnehmung intoniere: Die heutige Gesellschaft hat die Moderne, so wie Lebewesen an Krebs erkranken; und mich interessiert das Jammern des Patienten ebensowenig wie der moralisierende Hinweis auf den riskanten Lebenswandel, der sich der Patientenbiographie entnehmen lässt; mich interessiert die Onkologie.

Wenn das für Dich Fanfare ist – sei’s drum.

Natalius Februar 8, 2012 um 00:53

@ Bloggerkeule 20:15 Feb. 7

Klasse Artikel, danke! Kannte ich noch nicht – sei an alle hier Mitlesenden weiterzuempfehlen!

Da die Wannseekonferenz vor kurzem Thema in diesem Blog war: Es ist es entsetzlich und zugleich entsetzlich authentisch gespielt, welch gnadenlos mörderischer Schwachsinn ablaufen kann, wenn Deutsche unter faschistischen Rahmenbedingungen EHRGEIZ entwickeln.

Und trotzdem gibt es dieses Hoch und Tief der gesellschaftlichen Akzeptanz von “usury” in der christlichen Religionsgeschichte und seine Kopplung an Aufstieg und Fall jüdischer Familien, die im Bankwesen tätig waren/sind. Faszinierend, was allein Wikipedia über die Geschichte einer Deutschen Familie zusammengetragen hat, die in Frankfurt a.M. lebte: Die Familie Rothschild. Um 1750 herum geht es los: Mayer Amschel Rothschild lernt Gutele Schnapper kennen – die beiden heiraten und haben im Laufe der Jahrzehnte 20 (!) Kinder – 10 kommen durch – 5 Jungs und 5 Mädels. Die 5 Jungs gründen Filialen des väterlichen Geschäfts in Wien, Neapel, Paris und London – wie Vater Rothschild, der dem hessischen Kurfürsten “Liquiditätsengpässe” abnahm – erwirbt die Familie innerhalb einer Generation bei den gekrönten Häuptern Europas großen Einfluß. Natürlich auch bedingt durch die Haltung europäischer Aristokraten, immer mehr, besser, grösser zu sein als der Vetter, Schwager, Cousin aus whatsoever. Natürlich haben die Rothschilds an Kriegen verdient – und natürlich wussten sie, wie die Exponentialdynamik des Zinseszins funktioniert. Aber es gibt eben auch die Familie Rothschild, die als Kunstmäzen tätig wird und als keineswegs unsozial galt. So findet man auf frühen Karten der Stadt Frankfurt (Anfang des 19 Jht) die Rothschild’schen Gärten – so im Nordwesten vom heutigen Bahnhof – die waren m.W. fürs “Volk” eingerichtet.

@Degnaphta: Es muss etwas ZWISCHEN völliger Ablehnung und völliger Akzeptanz von usury/Zins (wucher) geben, etwas ZWISCHEN Soddy und Rothschild. Etwas, mit dem man ein Globalsystem in eine ökonomische Homeostasis hineinfahren kann, ohne daß es wegen “mangelnder Anreize” (die Mystik der unsichtbaren Hand betreffend) oder wegen “Überreizung” crasht.

JA ES GIBT EIN WACHTUM AUSSERHALB DER EXPONENTIALITÄT.

Natalius Februar 8, 2012 um 01:17

@Bloggerkeule, später am Abend (oops – schon nach 1:00 am)
Wir sollten uns mal austauschen – ich würde Ihnen/Dir gerne mal ein Manuskript zur kritischen Einsichtnahme zukommen lassen – die Blog-Einrichter kennen unsere Emails. Danke für die weiteren hints!

wepoc Februar 8, 2012 um 01:36

@Wat.

Ich habe nichts gegen leistungsloses Einkommen. Nein, nein, nicht aus egoistischen Gründen ;-) Unsere Wirtschaft ist produktiv genug, besser gesagt, es gibt ja ohnehin zu wenig Arbeit . Wir ackern ja schon für ganz Europa, wenn wir nur noch für good old Germany produzieren müssten – dann gute Nacht!
Wenn immer Eigentum hinter den Krediten stünde, gäbe es keine Krise. Das Problem sind ja die unbesicherten oder nicht mehr vollständig besicherten Schulden, die einen neuen, solventen Schuldner “suchen”. Das kann ganz schön krass werden.

Natalius Februar 8, 2012 um 02:13

@Degnaphta:

Molekülbraterei – Philip Ball (früher mal Editor of Nature, heute freelancer) hat mal geschrieben:
“They call it global ecophagy – that’s eating the earth to you and me”.
Das war 2003 – 50 years of DNA. Jubiläumsjahr. New Scientist – Jubiläumsausgabe mit coverpage “Gänsehautzukunft”. Prince Charles hatte Oangscht vor einer neuen Bedrohung durch Nanorobots. Ein Jahr zuvor: Crichton’s Prey – super drooper stuff for getting a cheap thrill.
Also – ich/wir können Sie beruhigen: Wir brauchen kein Sicherheitslaboratorium – es ist schwer genug “es” am Leben zu erhalten. Wie gerne wäre ich/wir Faulenzer!!!!
Aber was man aus diesen Spielchen lernen kann (und was man dann in der “natürlichen Natur wiederentdeckt”) ist, daß es MEHR als EXPONENTIALITÄT gibt.

Und dann fragt man sich “Muß Wachstum auf Exponentialität festgenagelt sein – von Malthus zu Moore?” Welche Konsequenzen hat es für unser primitives Molekülbratereispiel – könnte dasselbe auch für Komplexes gelten – und schwups landet man aus der Chemie kommend in der Ökonomie und dem “Finanzwesen”. Und dann fragt man sich, ob man bei diesem Schwups alleine ist und schon landet man bei Sir Frederick (für einen NaWi ist der NP so eine Art Trauma: Man hätte ihn gern – aber man will ihn nicht). So geht es dann weiter – man liest und liest und liest und versucht zu verstehen, wie die Erkenntnisse aus der Molekülbraterei mit “Grösserem” und “Höherem” zusammenhängen könnten. Man entdeckt das Problem der HuWis, erinnert sich an seine schönste Zeit und beginnt zu verstehen, warum die Zukunft eine Synthese aus NaWi- und HuWi-Denke sein MUSS.

Wie wir unser baby nennen werden, ist doch völlig egal! Hauptsache es gibt eins. Und dieses baby wird stark sein – stärker als seine Eltern und dieser “cleft”, der z.Zt. nur Situativkommunikation ermöglicht.

Bloggerkeule Februar 8, 2012 um 05:04

@ Natalius und die Blogherren

“Signal transmitted
Message received
Reaction making impact
Invisibly

Elemental telepathy
Exchange of energy
Reaction making contact
Mysteriously

Eye to I
Reaction burning hotter
Two to one
Reflection on the water
H to O
No flow without the other
Oh but how
Do they make contact
With one another?

Electricity? Biology?
Seems to me it’s Chemistry

Emotion transmitted
Emotion received
Music in the abstract
Positively

Elemental empathy
A change of synergy
Music making contact
Naturally

One, two, three
Add without subtraction
Sound on sound
Multiplied reaction
H to O
No flow without the other
Oh, but how
Do we make contact
With one another?”

RUSH : Signals Album

sehr Gerne

Wo das Wachstum liegt zeigt Jeremy Rifkin sehr deutlich in Kenntnis der Verbindung Natur- und Sozial-, (Wirtschafts)wissenschaften.

Thermodynamik, Entropie – die Sonne hat Halbzeit und scheint 24 Stunden für uns .

Zeit für einen Pausenkaffee ;-)

mp Februar 8, 2012 um 06:26

@morph

Dekompensation beschreipt den Zustannd:” wenn der Körper (hier Staat/SPD/) die Fehlfunktion eines Organsystems (“Strukturen”) nicht mehr ausgleichen (kompensieren) kann, so dass die Symptome der Organstörung (soziale Verwerfungen etc) offen zu Tage treten.”(def. angelehnt an wiki)

“…HGs rhetorische Kanonaden sind interessant, weil sie sich aus einem sozialdemokratischen Motiv speisen und gegen die institutionalisierte Sozialdemokratie feuern. ”

Sehe ich auch so, bezogen auf die Dekompensation, kann es sein das der Körper wenn er dekompensiert dann versucht irgendwie bestimmte andere teile des System zu “retten” bzw sich auf sie fokussiert).
bei Hg Entwicklung des Syrienkonfliktes?

Bloggerkeule Februar 8, 2012 um 06:36

@ Degnaphta

“Ob und wie man das stoppen, ändern, lindern oder gar beheben will/kann, steht in den Sternen.”

http://www.clipfish.de/musikvideos/video/1566259/die-sterne-die-interessanten/

Bloggerkeule Februar 8, 2012 um 07:11

Merkel im Museum zu Europa – dlradio-Beitrag
Ackermann in Athen zur EURORettung – ftd-Artikel

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/josef-ackermann-und-hans-christoph-binswanger-es-fehlt-das-geld-nun-gut-so-schaff-es-denn-1811056.html

und wir hier im www …

Bloggerkeule Februar 8, 2012 um 07:21

Das Ende der Risikodiversifzierung durch zusammengemischte “Junkbonds” hat seit drei Jahren nicht stattgefunden. Wo ist eine geregelte Staatsinsolvenzordnung?

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/1671370/

Es wird Zeit für Lösungen – no way out – um aus einer Sackgasse herauszukommen geht es nur zurück – oder eine neue Trasse bauen?

Carlos Manoso Februar 8, 2012 um 11:59

@ Morph Februar 8, 2012 um 00:02
„Wäre das sozialdemokratische Zeitalter ein Autor, würde es exakt so reden wie @HG: ein Jahrhundert lang hat es sich zusammengerissen und den Personen den Ausgleich zwischen Geld und Person vorgebetet; jetzt ist es erschöpft und tut, was alle tun, die sich zusammengerissen haben und erschöpft sind: es dekompensiert.“

Das sozialdemokratische Zeitalter“ hat sich 100 Jahre lang„zusammengerissen“ und „jetzt ist es im wahrsten Sinne „erschöpft“. Das alte Paradigma vom Gegensatz zwischen „Kapital und Arbeit“ , „Klasse gegen Klasse“, hat sich vollends erschöpft. In der aufbrechenden Systemkrise des Kapitals wird dieses alte Paradigma vollends ad Absurdum geführt. „Arbeit“ –es sollte richtig heißen-, „kapitalistische Arbeit“, ist nichts anderes als die Substanz des Kapitals, und diese „Arbeitssubstanz des Kapitals“ löst sich gerade exponentiell auf. Nur aus einer längst ad Absurdum geführten exoterischen, immanenten Sicht scheinen „Arbeit“ und Kapital Gegensätze zu sein.

Der „sozialdemokratische“ Glaube glaubte 100 Jahre lang „systemimmanent“ an die „Aussöhnung“ des „Gegensatzes von Kapital und Arbeit“, d.h. er akzeptierte prinzipiell den kategorialen Rahmen des Kapitalismus, er bremste die Gewalt des Kapitalismus ab, stabilisierte, „milderte“. Der Verfall des „sozialdemokratischen“ Glaubens ist so gesehen heute nur das notwendige Schleifen eines Hindernisses für das Kapital, sodaß das Kapital als „Weltkapital“ heute ungebremst zur zerstörerischen Entfaltung kommen kann, die finale Systemkrise des Kapitalismus sich ungehindert entfalten kann.

Im Unterschied zu dieser Art Glaube glaubte der „arbeiterbewegungsmarxistische„ Glaube „systemüberwindend“ an die an die „Aufhebung“ des „Gegensatzes von Kapital und Arbeit“ in einem „Arbeiterstaat“. Das heißt, dieser Glaube akzeptierte ebenfalls prinzipiell den kategorialen Rahmen des Kapitalismus, aber in einem einzigen „Arbeiterstaat“, er bremste die Gewalt des Kapitalismus im Weltmaßstab ab, stabilisierte ihn, „milderte“ ihn („Kalter Krieg“), verschärfte aber im „Arbeiterstaat“ selbst die Gewalt des Kapitalismus bis in das stalinistische Extrem. Der Verfall des „arbeiterbewegungsmarxistischen“ Staatsglaubens war so gesehen nur das notwendige Schleifen eines Hindernisses, sodaß das Kapital als „Weltkapital“ jetzt ungebremst zur zerstörerischen Entfaltung, die finale Systemkrise des Kapitalismus sich ungehindert entfalten kann.

Kurzum: das Kapital als vollendetes „Weltkapital“ zerstört nach dem globalen Schleifen aller kapitalistischen „Nationalstaaten“ seine eigenen kapitalistischen Verwertungsbedingungen global und stellt die Menschheit am Ende vor die offene geschichtliche Alternative: Sozialismus oder Barbarei, Sein oder Nicht sein.

Linus Februar 8, 2012 um 12:13

@wepco:
“Wenn immer Eigentum hinter den Krediten stünde, gäbe es keine Krise.”

Zwei Probleme:
- Woher kommt das erste Geld? Irgendwer muß es doch schöpfen?
Nun sagst du: “Aber nur gegen Sicherheit”. Ich habe aber keine, obwohl mein Projekt DER Bringer ist, z.B. Verbindung aller europäischen Hauptstädte mit Eisenbahnen.
- Akkumulation würde trotzdem stattfinden

Sicherlich würde schneller deutlich, was ein schlechtes Geschäft ist. Und damit würde ein solches nicht stattfinden.
Ist die Akkumulation jedoch weit genug fortgeschritten, dann sind alle Geschäfte schlecht, also findet kein Geschäft mehr statt. Das ist die Stagnation, die der Kapitalismus fürchtet wie der Teufel das Weihwasser. Wir brauchen Wachstum, damit das Pyramidenspiel weiterlaufen kann.
Das war der wesentliche Grund, warum das FIAT-Money eingeführt wurde. Weil es Geld ohne Ende, auch schlechtes Geld erlaubt. Trotzdem war es ein Glücksfall, denn er hat das Geld auf das reduziert, was es (neben seiner Tauschfunktion) eigentlich ist. Ein Stück Vertrag.

Was für ein Vertrag eigentlich? Jeder Vertrag muß geschützt werden, und das wird er in dem Fall auch – durch die Gesellschaft. Im weitesten Sinne kann man Geld also als ein Stück des Vertrages zwischen Gesellschaft und Individuum auffassen. Die Gesellschaft gibt dir dies – und du verpflichtest dich im Gegenzug, der Gesellschaft jenes zu geben. Damit wird Einiges sofort klar:
- daß das nur solange gut geht, wie beide Seiten davon profitieren
–> Schutz des Privateigentums nur im Verhältnis zum Gemeinwohl
- daß der eine Vertragspartner letztendlich die Gesellschaft sein muß, da sie ihn schützt
–> Geld-Schöpfung(!) nur durch öffentliche Hände
- daß es nur um Tausch geht
–> Geld-Rückholung durch Nutzungs-Abgabe (Steuer = unspezifische Nutzungsabgabe, z.B. für Verwaltung)
- daß der Vertrag sich an den Notwendigkeiten des Tausches orientiert
–> Keine öffentliche Notwendigkeit, dann kein Kredit
- je größer die Notwendigkeiten, desto größer sind auch die Leistungen, die im Vertrag festgehalten sind
–> Geldschöpfung/Kreditvergabe nach der Größe der öffentlichen(!) Notwendigkeiten

Das entspricht iW dem Tax-Money Ansatz.

Ein Beispiel: Eine Gemeinde braucht ein neues Zeughaus. Sie fordert alle Bürger auf, daran mitzubauen. Jeder bekommt für seine Dienstleistung eine Bescheinigung. Will nun ein Bürger das fertiggestellte Zeughaus nutzen, so gibt er einen Teil seiner Bescheinigung dafür.
Die Bescheinigungen sind Stücke des Vertrages ‘Zeughaus gegen Nutzung’. Erster Teil der Transaktion ist der Bau des Zeughauses, zweiter Teil ist seine Nutzung.
Braucht man zwei Zeughäuser, so wird der Vertrag entsprechend vergrößert, braucht man außerdem noch eine Schule, dito. Das Ding ist beliebig skalierbar. Man kann die Bescheinigungen/Nutzungsrechte auch komplett auf alle öffentlichen Einrichtungen verallgemeinern. Dann hat man Geld.

Noch ein paar Anmerkungen:
- Es braucht keine Auslandsverschuldung. Die Gesellschaft schöpft ihr Geld selbst. Das garantiert finanzielle Autarkie!
- Zinsen auf geschöpftes(!) Geld erübrigen sich. Was sollte der Staat damit, wo er es sich sein Geld selbst drucken kann?
- privater Geldverleih (auch mit Zinsen) kann weiterhin stattfinden, aber eben nur als Vollgeld

Noch ist das Problem der Akkumulation von Privateigentum/ Geld/Produktionsmitteln nicht gelöst. Hier sollte obiger Grundsatz gelten: Schutz des Privateigentums etc. nur im Verhältnis zum Gemeinwohl (plakativ: Großverdiener kommen für Arbeitslose auf) .

Damit das alles funktioniert, müssen Zu- und Abflüsse des Systems geregelt sein. Also nur kontrollierter Geldtransfer über Fiskalgrenzen hinweg (DAS EU-Problem). Nur so kann sichergestellt werden, daß das Geld seine Tauschfunktion zwischen Individuum und Gesellschaft erfüllt.

Nun könnte man sich überlegen, wo denn diese Fiskalgrenzen verlaufen sollten. Am besten doch an Grenzen mit unterschiedlichem ‘Wirtschaftspotential’. Transfers könnten trotzdem stattfinden, aber eben nur auf staatlicher Ebene. Gewinne müßten vor Ort versteuert werden. Damit wäre gewährleistet, daß eine Gesellschaft sich nicht zu viel ‘auf Pump’ besorgt, sondern gerade soviel, wie sie durch Steueraufkommen begleichen kann.

Dies riecht nach Protektionismus, Zollgrenzen etc., und da ist auch was dran. Allerdings würde der Aufbau des öffentlichen(!) Wohlstandes eben über die öffentliche(!) Kreditvergabe gesteuert. Das Geld für öffentliche Belange/Projekte wäre damit erheblich billiger und damit im Vorteil gegenüber dem hochverzinsten privaten Vollgeld. Damit könnte tatsächlich eine breite und gesunde Wirtschaftsbasis geschaffen werden. Engpässe würden also nicht aus Geldmangel entstehen, sondern aus Mangel an Sach-Ressourcen. Das wäre aber auch ein stimmiges Abbild der Realität.

Wat. Februar 8, 2012 um 13:16

@wepoc

Warum sollte ich was dagegen haben, daß Menschen auch ohne Leistung ‘Einkommen’ haben.

Ich habe was dagegen, daß die einen ohne eigene Leistung quasi im Schlaraffenland leben können und die anderen ohne eigene Leistung den Kitt aus den Fenster fr… müssen.

Erstere haben dazu ihr privates Eigentum, welches sie als Kapital einsetzen, letztere haben nur sich und ihre Arbeitskraft, die aber kapitalistisch nicht (mehr) verwertbar ist.

Das Problem ist, daß einige wenige dauerhaft zu lasten der anderen leben. Allein wegen ihrer eingesetzten Eigentumstitel. Für diese arbeiten alle anderen, so lange sie dafür wenigstens noch ‘gebraucht’ werden.
… und müssen sich dafür mit den Krümeln zufrieden geben, die vom Tisch der Eigentümer fallen. Werden die Krümel weniger, sollen dann noch die Überflüssigen praktischerweise gleich aus dem Leben verschwinden.

Du magst damit kein Problem haben – trotzdem – das ist das Problem.

neuling Februar 8, 2012 um 13:17

@Linus
Warum unbedingt Grenzen einziehen? Könnte man Deine geldpolitischen Vorstellungen nicht durch einfachste Steuergesetzgebung, aber weltweit vereinbart realisieren? Weltweit ein Geld und ein Steuersatz, der “Rest” bleibt in lokalen Händen. Deshalb hatte ich an Beispielzahlen mal ausschließlich 20% Umsatzsteuer auf “Alles” durchgerechnet.

Linus Februar 8, 2012 um 15:01

@neuling:
“Warum unbedingt Grenzen einziehen? Könnte man Deine geldpolitischen Vorstellungen nicht durch einfachste Steuergesetzgebung, aber weltweit vereinbart realisieren? Weltweit ein Geld und ein Steuersatz, der “Rest” bleibt in lokalen Händen. Deshalb hatte ich an Beispielzahlen mal ausschließlich 20% Umsatzsteuer auf “Alles” durchgerechnet.”

Ich glaube, daß die notwendigen öffentlichen Investitionen weltweit sehr unterschiedlich sind. Eine Einheitssteuer ist daher kaum vermittelbar. Natürlich könnte man Transferzahlungen einführen. Aber bis zu welchem Grad sind die erwünscht? Soll Grönland Kartoffeln exportieren? Die Grönländer mögen das vielleicht so sehen, der Rest der Welt eher nicht. Also sollen sich die Grönländer bitte selbst drum kümmern, wenn sie sich das einbilden.

Es geht ja wesentlich darum, durch Aufbau lokaler Strukturen eine den Standortbedingungen angemessene Nutzung zu erreichen. Nur dann ist sowas wie Selbstbestimmung für die Bewohner möglich. Geldtransfers über Wirtschafts-/Fiskalregionen hinweg wirken da häufig kontraproduktiv (insbesondere wenn sie mit Gewinntransfers einhergehen), eben weil sie den realen, physischen Gestehungs-Aufwand für Waren etc. verzerren (Schuhe aus China!?).

Natürlich wird man Waren gegen Waren tauschen (das geht auch virtuell mit Geld), aber man wird eben nicht tauschen, wenn der andere nichts zum Tauschen hat. In dem Fall ist es besser, ihm Waren oder Investitionen zu schenken, aus Solidarität, aber durchaus auch mit Blick auf späteren Nutzen für beide Seiten.

Damit fördert man die Autonomie der einzelnen Wirtschafts-Regionen. Abhängigkeit also nur soweit als sie sich nicht vermeiden läßt oder diese explizit gewünscht ist. Natürlich ist das immer wieder eine Gratwanderung, aber das ist die sinnvolle Bewirtschaftung von Ackerland auch. Das ist das Wesen der Ökonomie.

Für den Einzelnen mag es angehen, sich an Tagespreisen zu orientieren (was will er anderes machen). Für eine Gesellschaft dagegen kann der freie Markt kein nachhaltiges Prinzip sein. Denn gesellschaftliche “Kosten” lassen sich nicht in Geld umrechnen, sie fallen zwangsläufig auf die Gesellschaft zurück und sind immer nur durch die Gesellschaft selbst tragbar (s. Nonsens kapitalgedeckte Rente). Auf gesellschaftlicher Ebene ist daher ‘Planwirtschaft’ unumgänglich.

Beides – gesellschaftliche vs. partikulare Interessen – muß also ins Gleichgewicht gebracht werden. Im Moment sind wir weit davon entfernt.

wepoc Februar 8, 2012 um 17:01

@Linus

Unsere Meinungen sind nicht weit auseinander, ich gehe mit dir größtenteils konform. Die Worte “Aber nur gegen Sicherheit” sagte ich nicht und meinte ich nicht.

Die Akkumulation ist ein generelles Problem bei Geld- und Herrschaftssystemen, das nur durch Umverteilung begrenzbar ist.

Geld basiert auf einem Vetrag, der gesetzlichen Fixierung als Zahlungsmittel. Aber, und das finde ich entscheidend, die Eigenschaften des Geldes werden nicht durch den Vertrag definiert, denn er legt nicht z.B. die Inflationsraten fest, sondern werden durch die Eigenschaft als Tauschmittel bestimmt, diese Eigenschaften legen inflationäre, deflationäre oder krisenhafte Phasen fest. Aus diesen Grund halte ich den vertraglichen Aspekt für weniger wichtig.

Es besteht zwischen der “unabhängig öffentlichen” Geldschöpfung und der privaten Giralgeldschöpfung einen zusammenhang, diesen aber als kausal anzusehen, halte ich für falsch. Die Zentralbanken können eben nicht die Kreditentwicklung steuern und sind somit auch nicht der Ursprung. Vielmehr ist es so, dass die Zentralbanken über Zinsänderungen Signale an die Banken gesendet hat und in krisenfreien Zeiten haben diese erwartungskonform gehandelt. Mit der Krise ist diese lose Bindung zerbrochen und die Zentralbanken wurden ihrer Steuerungsfähigkeit beraubt.
Die Mindesreserve zeigt ja sehr schön das Verhältnis zwischen Zentralban und Privatwirtschaft.

Damit das alles funktioniert, müssen Zu- und Abflüsse des Systems geregelt sein. Also nur kontrollierter Geldtransfer über Fiskalgrenzen hinweg (DAS EU-Problem). Nur so kann sichergestellt werden, daß das Geld seine Tauschfunktion zwischen Individuum und Gesellschaft erfüllt.

Absolut d’accord

Nun könnte man sich überlegen, wo denn diese Fiskalgrenzen verlaufen sollten. Am besten doch an Grenzen mit unterschiedlichem ‘Wirtschaftspotential’.

Mein Vorschlag: die Nationalstaaten geben ein öffentliches Vollgeldsystem heraus und nennen das hier D-Mark und z.B. in Griechenland Drachme. Die EZB wird privat und – voilà – das war’s.

@Wat.

Es gibt nicht das Problem des Geld- oder Wirtschaftssystems. Es muss ein Ziel definiert werden, wohin man will und dann müssen die entsprechenden Mittel eingesetzt werden, um es zu erreichen.
Die meisten möchten ihr vorhandenes, wenn auch weniges Eigentum behalten. Das ist exakt der Grund, weshalb das Eigentum kein Problem ist.

Wat. Februar 8, 2012 um 20:18

@wepoc: Du verstehst immer noch nicht, ich habe auch mit Eigentum nicht das leiseste Problem.
Wohl aber damit, es in den Verwertungsprozeß einzubringen und damit dann durch die Arbeit ausschließlich anderer a) dieses Eigentum erhalten und vermehren zu lassen und b) dadurch andere dauerhaft von ihren Arbeitsergebnissen fern zu halten.

Morph Februar 8, 2012 um 21:10

@mp

“bezogen auf die Dekompensation, kann es sein das der Körper wenn er dekompensiert dann versucht irgendwie bestimmte andere teile des System zu “retten” bzw sich auf sie fokussiert).
bei Hg Entwicklung des Syrienkonfliktes?”

Ich weiß es nicht. Ich nehme vor allem eine leerlaufendes Projektemachermotiv, angespitzt durch rhetorische ‘Tabubrüche’ + das Bewusstsein himmelschreiender Unsäglichkeiten (der Fall Murat Kurnaz) wahr. Die Situation ist objektiv zum Verrücktwerden. Nur ist mit dem Verrücktwerden eben nichts gewonnen.

@Carlos Manoso

“das Kapital als vollendetes „Weltkapital“ zerstört nach dem globalen Schleifen aller kapitalistischen „Nationalstaaten“ seine eigenen kapitalistischen Verwertungsbedingungen global und stellt die Menschheit am Ende vor die offene geschichtliche Alternative: Sozialismus oder Barbarei, Sein oder Nicht sein.”

Ich glaube nicht, dass es diese Alternative wirklich gibt. Ich glaube, es läuft auf einen Sozialismus für wenige und Barbarei für die Mehrheit hinaus (also business as usual).

Ich glaube, dass sich die Situation gesellschaftskritischen Denkens und Diskutierens geändert hat: Es gibt keinen unschuldigen Ort mehr. Wer sich heute überhaupt verständlich artikulieren kann (sowohl was die Beherrschung von Sprache und etablierten Denkfiguren, als auch was die Beherrschung der Online-Kanäle angeht), ist objektiv ein Profiteur der geldwirtschaftlichen Ordnung.

Wir können nicht von der Position unentfremdeten Gutseins argumentieren. Letzte Woche habe ich von Dietrich Diederichsen in diesem Zusammenhang das Wort “Entfremdungsgewinne” gelernt. Fand ich ganz gut.

Linus Februar 8, 2012 um 21:39

@Morph:
“Wir können nicht von der Position unentfremdeten Gutseins argumentieren.”

Ich spitze mal zu:
Kann/muß der Mensch andere Menschen moralisch als seinesgleichen akzeptieren? Oder dürfen wir uns andere Menschen untertan machen?

Mir geht es nicht wirklich um eine “moralische” Bewertung, sondern um die “inneren” Konsequenzen einer solchen “inneren” Haltung.

Ich komme darauf, da uns unsere eigene Entfremdung allerorten als Zivilisation und Kultur begegnet. Wir sitzen halt nicht mehr auf den Bäumen. Aber Entfremdung von den Mitmenschen, von der eigenen Spezies also, hat noch mal eine andere Qualität.

Natürlich hätte es Folgen für die Gesellschaft. Noch mehr interessieren mich aber die Folgen, die sich, ungeachtet der gesellschaftlichen Umwälzungen, für einen persönlich ergäben. Könnte jemand, der sich von seinen Artgenossen entfremdet hat, glücklich sein?

Die Perspektive dieser Frage ist das Gegenteil von Systemsicht. Sie ist der Blick des Individuums auf die Welt.

Linus Februar 8, 2012 um 22:35

@wepoc:
“Die Worte “Aber nur gegen Sicherheit” sagte ich nicht und meinte ich nicht.”

Mal abgesehen von den häßlichen Geschäftsmöglichkeiten, die sich für die Banken ergeben, sollte sauber besichertes Geld genauso sicher sein wie Vollgeld. Ich sehe Vollgeld eher als zweite Brandschutzmauer denn als qualitativen Unterschied.

Ich meine aber noch etwas anderes mit meinen Eisenbahnen. Neues Beispiel: Das Apollo-Programm und die Mondlandung wären sicherlich nicht über Kredite finanzierbar gewesen. Keine Bank auf der Welt hätte da in absehbarer Zeit ein Geschäftsmodell gesehen, das ein Kreditvergabe gerechtfertigt hätte.
Trotzdem war es gesellschaftlich “sinnvoll”. Und so wurde es eben gesellschaftlich organisiert, vom Staat eben. Der Staat braucht sich im Endeffekt nicht um Geld zu kümmern. Er kann es nach Belieben drucken. Er muß aber dennoch mit seinen Resourcen wirtschaften, als da wären Rohstoffe, Arbeitskraft, Zeitaufwand, Liegenlassen anderer wichtiger Dinge etc..
Es gibt also Situationen, wo es nicht darum geht, daß alles gedeckt und gesichert ist, sondern darum, sich gemeinsam als Gesellschaft was vorzunehmen. Die Realisierung solcher Projekte geschieht über gesellschaftliche Übereinkunft. Geld spielt dabei eine untergeordnete Rolle, “reale” Ressourcen dagegen eine sehr wichtige. Das banalste Beispiel hierfür sind Kriege.

“die Eigenschaften des Geldes werden nicht durch den Vertrag definiert, denn er legt nicht z.B. die Inflationsraten fest, sondern werden durch die Eigenschaft als Tauschmittel bestimmt, diese Eigenschaften legen inflationäre, deflationäre oder krisenhafte Phasen fest. Aus diesen Grund halte ich den vertraglichen Aspekt für weniger wichtig.”

Das ist mE nur halb richtig. Die krisenhaften Entwicklungen entstehen aus der besonderen Besicherung, Knappheit und damit Werthaltigkeit des Geldes. Der besondere Anreiz für die Akkumulation von Geld – dies ist der eigentliche Krisenfaktor – liegt in diesen Eigenschaften, die nahezu einzigartig sind. Und die sind eben genau eine Folge des Vertrages. Bestünde unsere Währung aus Kokosnüssen, so würde es wohl niemand einfallen, ein Lager für die nächsten 10 Jahre damit anzulegen. Damit würden die Krisen ausfallen.
Sicherlich kommt die allgemeine Akzeptanz als Tauschmittel hinzu, aber auch die ist Folge von Besicherung und Werthaltigkeit.

“Mein Vorschlag: die Nationalstaaten geben ein öffentliches Vollgeldsystem heraus”.
Verstehe ich nicht ganz. Öffentlich heißt doch: Geldschöpfung in öffentlicher Hand. Dann ist aber alles private Geldverleihen automatisch Vollgeld, da eben nicht privat geschöpft werden darf.

enrico Februar 8, 2012 um 23:13

@wepoc
besser gesagt, es gibt ja ohnehin zu wenig Arbeit .
Die Gallier fürchteten sich immer davor, der Himmel könne ihnen auf den Kopf fallen. Und die Teutonen fürchten sich heute immer noch vor nichts mehr, als dass es nichts mehr zu tun gibt. …Mais il sont fous ces allemands…
Dabei haben nach römischer Jurisprudentia , die Sklaven ein Recht auf Arbeit. Also reicht eine Klage am römischen Gerichtshof ein und ihr dürft alle wieder arbeiten. Cretini!

Wir ackern ja schon für ganz Europa, wenn wir nur noch für good old Germany produzieren müssten – dann gute Nacht!

das war jetzt ironisch gemeint, oder?

Wenn immer Eigentum hinter den Krediten stünde, gäbe es keine Krise. Das Problem sind ja die unbesicherten oder nicht mehr vollständig besicherten Schulden, die einen neuen, solventen Schuldner “suchen”. Das kann ganz schön krass werden.

Wenn Kredite nur dafür da wären um gemeinsames Zusammenarbeiten effektiver zu machen, dann müsste nichts besichert werden. Wenn aber Kredite, in autistischer Weise, nur dafür eingesetzt werden um Reichtum an stelle von Wohlstand zu schaffen, dann geht es nicht ohne Pfandnahme.

Wer meint, die Welt wäre schlecht, erlebt es so.

wepoc Februar 9, 2012 um 00:41

@Wat.

Okay, jetzt verstehe ich. Klar finden im Verwertungsprozess Akkumulationsprozesse statt wie in anderen Bereichen des Finanzsystems auch und tragen somit zur Verschärfung der Krise bei. Ich sehe das aber weder als ursächlich für die Krise, noch als dramatisch oder als nicht beherrschbar an.

@Linus

Zum Kredit kein Widerspruch, zur Rolle des Vertrages schon. Geld als Tauschmittel überbrückt die Zeit von Leistungserbringung bis zur Gegenleistung. Im Gegensatz zu einem echten Tausch erhalte ich Geld, das mir keinen direkten Nutzen und keine Bedürfnisbefriedigung bringt. Ich tausche es zu einem späteren Zeitpunkt gegen eine gewünschte Marktressource ein. Das heißt, jedes Tauschmittel kann den Wert einer Markttransaktion über die Zeit konservieren, d.h. Akkumulation und Hortung sind Eigenschaften des Geldes als Tauschmittel, die es bereits vor Abschluss des Vertrags inne hat. Wären Kokosnüsse das gesetzliche Tauschmittel, dann behaupte ich, dass Kokosbäume streng bewacht oder abgeholzt würden (die Knappheit des Geldes muss durch Kontrolle der Geldschöpfung bewahrt werden), dass sich die Kokosnüsse bei gewissen Personen akkumulieren würden (Ressourcenverteilungssysteme bilden Strukturen aus, die immer akkumulieren) und dass in Krisenzeiten die Marktteilnehmer die Kokosnüsse nicht mehr tauschen, sondern horten würden (leicht verständlicher psychologischer Reflex zur individuellen Krisenvermeidung, der den Markt zum Kollabieren bringt).
Die gesetzliche Festlegung des Tauschmittels fügt ihm keine zusätzlichen Eigenschaften hinzu, die die Ressourcenverteilung maßgeblich ändert.

Ergänzung zu meinem Vorschlag: ich meinte zwei unabhängige Geldsysteme, eines Vollgeld (Nationalwährungen), eines privat (Euro), die gegeneinander konkurrieren. Die Idee ist zu verrückt, um ernst gemeint zu sein ;-)

wepoc Februar 9, 2012 um 00:52

@enrico

Wir ackern ja schon für ganz Europa, wenn wir nur noch für good old Germany produzieren müssten – dann gute Nacht!

das war jetzt ironisch gemeint, oder?

Ganz und gar nicht.

Wenn Kredite nur dafür da wären um gemeinsames Zusammenarbeiten effektiver zu machen, dann müsste nichts besichert werden. Wenn aber Kredite, in autistischer Weise, nur dafür eingesetzt werden um Reichtum an stelle von Wohlstand zu schaffen, dann geht es nicht ohne Pfandnahme.

Wenn die Rückzahlung des Kredits nicht mit einer Sanktion (Zugriff auf das Vermögen des Schuldners) belegt ist, weshalb sollte der Schuldner sie dann tilgen? Es würde sich für ihn nicht mehr lohnen. Wenn die Kredite nur noch geschöpft, aber nicht mehr zurück gezahlt werden, sind sie sinnlos und verlieren ihre Fähigkeit zur effektiven Ressourcenallokation.

a. Februar 9, 2012 um 04:49

@wepoc

Ich bin mir sicher, dass Du es so nicht gemeint hast, aber in vielen armen Laendern ist eine Geldwirtschaft mit zwei Waehrungen Realitaet. Ersparnisse (Wertaufbewahrungsfunktion) auf Konten in der Schweiz (neuerdings Singapur), lokale Waehrung als Tauschmittel, Zahlungen in Dollar sind aber auch moeglich. Denkbar waere auch, dass wir die gesellschaftlich gebundenen Zahlungen (Sozialversicherung etc.) in Euro weiterhin durchfuehren werden und dass paralell dazu eine neue internationale Waehrung entstehen wird. Diese neue Waehrung haette Triple A Status, waehrend der Euro auf Ramsch Nievau absinken koennte ohne das es der Volkswirtschaft schaden muesste. Internationale Unternehmen wuerden in der neuen sicheren internationalen Waehrung bilanzieren, waehrend der Staat die Chance bekaeme seine Altlasten in der Alt-Waehrung zu veramschen? Warum koennte diese System trotzdem funktionieren? In der Ramsch Waehrung (im Beispiel der Euro) wuerden die Preise fuer Luxus-Artikel explodieren aber die Preise der Gueter des taeglichen Bedarfs koennten stabil bleiben. (Unter der Voraussetzung, dass sie auf im europaeischen Markt unter Ramsch Konditionen erstellt wurden.) Ab einem gewissen Volumen wuerdest Du natuerlich Deine Sparnisse in der neuen internationalen Waehrung anlegen wollen, denn nur diese Waehrung waere sicher. Aber da verhaelt es sich wie mit dem Produkten fuer das wealth management gewisser Investment Banker, die stehen ja auch jetzt schon nicht jedem Menschen offen.

@Stephan
Danke fuer die Freigabe aus dem Spam. ;-)

Bloggerkeule Februar 9, 2012 um 07:26

http://178.21.22.238/00270000/thumbs/00267589.JPG

“Well, long time ago came a man on a track …”

Morph Februar 9, 2012 um 09:06

@Linus

“Die Perspektive dieser Frage ist das Gegenteil von Systemsicht. Sie ist der Blick des Individuums auf die Welt.”

Ich denke, dass der ‘Blick des Individuums’ (genauer: die Wahrnehmung des Individuums, die Evidenz seiner selbst in einer aktuell gesehenen, gehörten, ertasteten, geschmeckten usw. Umwelt) und die ‘Systemsicht’ (genauer: die artifiziellen Bilder, Klänge und Texte, die den wahrnehmbaren Gegenhalt der Gesellschaft ausmachen) in unserem gelebten Alltag unentwirrbare Mischungen eingehen, so dass man außerhalb sehr aufwendiger, skrupulöser und exemplarischer Analysen diese beiden Gesichtspunkte nicht wirklich scharf auseinanderhalten kann. Im Alltagsgefächt des Meinungsstreits geht das wild durcheinander (da nehme ich mich nicht aus).

“Kann/muß der Mensch andere Menschen moralisch als seinesgleichen akzeptieren?”

Ich denke, insofern Menschen überhaupt ihre moralischen Intuitionen reflektieren, also sich um eine durchdachte moralische Position bemühen, MÜSSEN sie andere Menschen als ihresgleichen akzeptieren.

“Oder dürfen wir uns andere Menschen untertan machen?”

Wir dürfen, weil wir MÜSSEN. Ohne ungleich verteilte Weisungsbefugnisse, d.h. ohne Machtasymmetrie, ist Gesellschaft als vorteilhaftes Zusammenleben nicht möglich. Gleichwohl ist die Vorteilhaftigkeit einer besonderen gesellschaftlichen Kooperationsweise natürlich auch eine Perspektivenfrage: Des einen Vorteil kann des anderen Nachteil sein. – Die Utopie besteht bekanntlich in einem allgemein vorteilhaftem Zusammenleben. M.E. ist eine solche Utopie aber lediglich abstrakt denkbar, denn es wird immer Leute geben, die sich aus welchen Gründen auch immer für unterprivilegiert halten und die gesellschaftliche Gerechtigkeit in Zweifel ziehen werden. Ich jedenfalls kann mir eine unumstrittene Gesellschaft nicht vorstellen.

“Könnte jemand, der sich von seinen Artgenossen entfremdet hat, glücklich sein?”

Sicher nicht dauerhaft. Und das charakterisiert ja auch unsere Lage. Insofern ist das Glücksstreben kein besonders vernünftiges Programm individueller Lebensgestaltung (wie schon Kant festgestellt hat). Weniges führt derart zuverlässig ins Unglück wie das Streben nach Glück, Glanz und Ruhm um ihrer selbst willen. – Und das schwingt ja auch in der Semantik des Wortes ‘Glück’ mit, dass es dem Glücklichen zufällt.

Ich frage mich oft, wo die Fröhlichkeitsressourcen einer verfallenden Gesellschaft liegen könnten. Die bürgerlichen Pathosformeln von der Anständigkeit, der Gemeinwohlverpflichtung, des technisch-wissenschaftlichen Fortschritts, überzeugen nicht mehr. Ebensowenig die antibürgerlichen Pathosformeln sozialer, völkischer, religiöser Revolutionen (hoffentlich). – Also, was tun, wenn kollektive Sinnformeln ausfallen?

Ich glaube, dass in dieser Hinsicht eine Phänomenologie des Alters helfen könnte. An alten Menschen, die ihre ‘beste’ Zeit hinter sich haben, die keine Lebensprojekte mehr in Angriff nehmen können, die wissen, dass es aufs Sterben zugeht, lässt sich ja beobachten, dass es einerseits bittere und jammernder Alte, andererseits heitere und wie von aller Konventionalität befreit wirkende Alte gibt. Von diesen gälte es in den untergehenden Kernländern der alten Moderne (Europa, USA) zu lernen.

enrico Februar 9, 2012 um 09:14

@wepoc

Wir ackern ja schon für ganz Europa, wenn wir nur noch für good old Germany produzieren müssten – dann gute Nacht!

Deutschland ohne Exportüberschüsse? Unvorstellbar?
Vorstellbar! Auch Deutschland könnte einmal zivilisiert werden und eine ausgeglichene HaBi zustande bringen. Wo ist da ein Problem?

Wenn die Rückzahlung des Kredits nicht mit einer Sanktion (Zugriff auf das Vermögen des Schuldners) belegt ist, weshalb sollte der Schuldner sie dann tilgen? Es würde sich für ihn nicht mehr lohnen. Wenn die Kredite nur noch geschöpft, aber nicht mehr zurück gezahlt werden, sind sie sinnlos und verlieren ihre Fähigkeit zur effektiven Ressourcenallokation.

Natürlich kann das auf Kredit Erworbene, den Abschreibungsschritten entsprechend, solange Eigentum der Gläubiger bleiben, bis der Kredit vollständig getilgt wurde. Darüber hinaus bedarf es aber keines weiteren Pfandes. Warum werden Kredite getilgt? Weil es nicht das letzte mal gewesen sein sollte!
Warum sollte ich als (Ex-)Kreditschuldner meine Kreditwürdigkeit aufs Spiel setzten?
Und wenn das den Banken und Sparern nicht reicht, sollen sie es eben bleiben lassen. Dann machen wir es halt via Kreditgenossenschaften: Kredite auf Gegenseitigkeit.

enrico Februar 9, 2012 um 09:26

@wepoc

Ergänzung zu meinem Vorschlag: ich meinte zwei unabhängige Geldsysteme, eines Vollgeld (Nationalwährungen), eines privat (Euro), die gegeneinander konkurrieren. Die Idee ist zu verrückt, um ernst gemeint zu sein

Die Idee ist sehr wohl vernünftig! Alles, was wir dazu benötigen, ist ein (nationales) öffentliches Giralsystem, von welchem keine Überweisungen nach außen getätigt werden können. Überweisungen an andere Girosysteme sind also nicht möglich.
Trotzdem gelten die Buchungen dieses öffentlichen Systems als “gesetzliches Zahlungsmittel”, welches auch zur Tilgung von Kreditschulden angenommen werden muss. Jede Bank im Inland muss also ein Konto beim öffentlichen Giralsystems haben.

Das bestehende System kann so weiter wursteln wie bisher. Bankenrettung auf kosten der Steuerzahler gibt es dann allerdings nicht mehr.

Die Idee ist nicht verrückt, sie ist gefährlich. Gefährlich für unsere Finanzparasiten. Und die werden es mit allen Mitteln versuchen zu verhindern.

Bloggerkeule Februar 9, 2012 um 10:26
Carlos Manoso Februar 9, 2012 um 11:40

@ Morph Februar 8, 2012 um 21:10
“das Kapital als vollendetes „Weltkapital“ zerstört nach dem globalen Schleifen aller kapitalistischen „Nationalstaaten“ seine eigenen kapitalistischen Verwertungsbedingungen global und stellt die Menschheit am Ende vor die offene geschichtliche Alternative: Sozialismus oder Barbarei, Sein oder Nicht sein.”
Ich glaube nicht, dass es diese Alternative wirklich gibt. Ich glaube, es läuft auf einen Sozialismus für wenige und Barbarei für die Mehrheit hinaus (also business as usual).

Niemand kann die Zukunft wissen. Die Griechen wollten von der Vernunft aus die Zukunft erobern. Das Judentum fand die Botschaft vom kommenden „Reich Gottes“, das -wie die Zukunft- in seiner Ungewißheit auf jeden Inhalt bauen, ebenso jeden Inhalt wieder abbauen kann.

„Ich glaube, dass sich die Situation gesellschaftskritischen Denkens und Diskutierens geändert hat: Es gibt keinen unschuldigen Ort mehr. … Wir können nicht von der Position unentfremdeten Gutseins argumentieren. Letzte Woche habe ich von Dietrich Diederichsen in diesem Zusammenhang das Wort “Entfremdungsgewinne” gelernt. Fand ich ganz gut.“

Gewiß können in der totalitär werdenden Welt der kapitalistischen Marktwirtschaft keine „unschuldigen Orte“ mehr existieren. Wie schon Walter Benjamin 1921 beschrieb, ist der Kapitalismus ein verschuldender pseudoreligiöser Kultus, der keine Kulte der „Entsühnung“, der „Entschuldung“, mehr kennt, sondern die ganze Welt in den Zustand der Verschuldung treibt. Das Geld war zuerst eine Form der Humanisierung menschlichen Zusammenlebens, weil es an die Stelle von blutigen Menschen- und Tieropfern trat. Der Kapitalismus rückte das Geld in das Zentrum seines Verschuldungskultus, weil es sich als von allen Grenzen der Natur losgelöstes Objekt eine leere, gleichgültige, distanzierte, leidenschaftslose Form der Konkurrenz zwischen Menschen ermöglicht, je mehr es ins vollkommen leere Zentrum allen menschlichen Begehrens rückt.

Die Befreiung vom Kapitalismus wäre ein völlig unerwartetbarer „göttlicher Eingriff“ in die Geschichte.

Carlos Manoso Februar 9, 2012 um 11:45

@ wepoc Februar 9, 2012 um 00:41
„Klar finden im Verwertungsprozess Akkumulationsprozesse statt wie in anderen Bereichen des Finanzsystems auch und tragen somit zur Verschärfung der Krise bei. Ich sehe das aber weder als ursächlich für die Krise, noch als dramatisch oder als nicht beherrschbar an.“

Hmm, der „Verwertungsprozess“ umfasst „reale“ Akkumulationsprozesse etwa in der industriellen Produktion und „virtuelle“ Akkumulationsprozesse etwa in der Finanzsphäre.

Der wirkliche Punkt ist nun, dass die „realen“ Akkumulationsprozesse schon vor dem Beginn der neoliberalen Ära Anfang der 1980er Jahre nicht mehr „befriedigende“ Renditen bringen konnten und gerade deshalb die „virtuellen“ Akkumulationsprozesse in der Finanzsphäre sich zu Finanzblasen exponentiell aufblasen mussten. Aus diesem Grunde musste die Finanzsphäre „liberalisiert“ werden und da sich parallel die Mikroelektronik sich technologisch exponentiell entwickelte (Telekommunikations-, Internet-, Mess-, Steuer- und Regel-Technologien), konnte sich die liberalisierte Finanzsphäre in wenigen Jahren „globalisieren“ und zum alles dominierenden Zentrum des Kapitalismus werden. Denn die Revolution der Mikroelektronik beschleunigte in den (Produktions)sphären der „realen“ Akkumulationsprozesse den Zerfall der schon seit langem nicht mehr „befriedigenden“ Renditen, indem sie im globalen Maßstab „lebendige Arbeitskraft“ massenhaft aus der „realen“ Akkumulation „befreite“ und und im globalen Maßstab massenhaft „überflüssige“ Menschen schafft.

Kurzum, das „Weltkapital“ ist heute „real“ und die „virtuelle“ Akkumulationssphäre in der ortslosen Finanzsphäre ist heute das wahre Zentrum des Kapitalismus und die „reale“ Akkumulationsphäre etwa der industriellen Produktion ist heute nur noch ein lästiges Anhängsel mit potentiell Milliarden „überflüssigen“ Menschen. Es ist also mehr als sonnenklar, dass sich die kapitalistische „Geldform“ unter keinen denkbaren Umständen mehr in den mittels der mikroelektronischen Revolution erreichten Stand der Produktivkräfteentwicklung pressen lässt. Auch mit zerstörerischen Weltkriegen und gesellschaftszerstörenden Gewaltexzessen wird die Zukunft nur eine gewisse Zeitlang zurückgestaut werden können.

Irgendwann werden die potentiell „Überflüssigen“ möglicherweise global richtig hellwach.

Bloggerkeule Februar 9, 2012 um 15:42

@ cm

“Die Befreiung vom Kapitalismus wäre ein völlig unerwartetbarer „göttlicher Eingriff“ in die Geschichte.”

Der neue drei Jahrestender der EZB in ungeahnter Höhe, der den Geschäftsbanken höhere Zinseinnahmen erlaubt zu Lasten der Staaten ist nichts “Göttliches” sondern nur die menschliche Aneignung dieser Machtposition und Ausschöpfung der damit möglichen eigenen Interessen.
Das können wir aufklären und stoppen.
Ruhig, sachlich und mit freundlichem Humor.
Nichts ist so ernüchternt wie die Wahrheit.

http://g-ecx.images-amazon.com/images/G/01/ciu/82/91/816b431378a0017c83038110.L.jpg

“Telegraph Road was so deep and so wide .”

wepoc Februar 9, 2012 um 19:11

@ a.

Soweit habe ich gar nicht gedacht :) Aber ja, so in etwa wäre meine Vorstellung. Der Reiz dabei ist, dass es sich nicht um eine Konkurrenz von Währungen, sondern unterschiedlicher Geldsysteme handelt. Der Unterschied ist, zugegeben, eher theoretischer als praktischer Natur. Denn die Unterschiede zwischen Währungen sind wahrscheinlich größer als zwischen unterschiedlichen Geldsystemen.

@enrico

Das “gute Nacht” bezieht sich darauf, dass wir ohne unsere Exporte in unserem eigenen Land nicht mehr deutsch sprechen würden.
Schön, mit jemand außerhalb der Alternativlosigkeit diskutieren zu können :)

@Carlos Manoso

Das Finanzsystem ist ein Schuldendienstleister für andere Systeme, von denen die Wirtschaft (das Verwertungssystem) nur eines ist. Die anderen sind das Tributsystem (Steuern), oder eben die tollen Finanz-”Dienstleistungen”. Die Privatisierung der Altervorsorge führte dazu, dass Verschuldungsprozesse über die Lebensspanne, die bisher in einem bürokratischen Verfahren verwaltet wurden, im Finanzsystem abgebildet werden müssen. Das ist nicht nur Wahnsinn, das hat auch alle anderen Systeme auf Grund des ungeheuren Volumens verdrängt.
Kurz: die Wirtschaft ist aus Sicht der Finanzwirtschaft zu einem unbedeutenden Subsystem degeneriert. Deren Probleme sind bedeutungslos und daher für die Krise nicht relevant.

Degnaphta Februar 10, 2012 um 14:07

@ what.
Danke für den Hinweis. Das hatte meine eher müde Suche nicht hervorgebracht.

@ morph
Wir dürfen, weil wir MÜSSEN. Ohne ungleich verteilte Weisungsbefugnisse, d.h. ohne Machtasymmetrie, ist Gesellschaft als vorteilhaftes Zusammenleben nicht möglich.
Was meinst du denn damit nun wieder? Bezogen auf Unter/Überstellung innerhalb hochspezialisierter Arbeitsteilung kann ich das nachvollziehen.
Aber der Grundgedanke der Republik baut darauf, daß wir alle Alphas sind und uns auf Augenhöhe bewegen. War die Republik etwa ein großer Irrtum?
Vor wem beugst du dich üblicherweise? So im richtigen Leben… unter normalen Menschen? Wer beugt sich vor dir?


Ich jedenfalls kann mir eine unumstrittene Gesellschaft nicht vorstellen.

Aber ist das ein guter Grund, in Sack zu hauen und zum proaktiven Dunkelpriester zu degenerieren? “Es hat sowieso keinen Zweck…” ist ne Scheißparole. Hört sich für mich nach dem punk-Zeitalter der 80er an “no future!” lautete der Kernspruch damals. Sowas führt vermutlich in einen Lebensherbst in Bitternis. Willst du das wirklich?

Ich frage mich oft, wo die Fröhlichkeitsressourcen einer verfallenden Gesellschaft liegen könnten. Die bürgerlichen Pathosformeln von der Anständigkeit, der Gemeinwohlverpflichtung, des technisch-wissenschaftlichen Fortschritts, überzeugen nicht mehr. Ebensowenig die antibürgerlichen Pathosformeln sozialer, völkischer, religiöser Revolutionen (hoffentlich). – Also, was tun, wenn kollektive Sinnformeln ausfallen?
Wie wär’s mit ner echt simplen Methode? Sowas, was nahezu jeder draufhaben müßte, nämlich die Sinnformeln mit Leben zu füllen.
Wir haben doch alles, was dafür nötig ist. Die Grundwerte als Bezugsrahmenn geben doch genug her. “Würde für Alle!” ist nicht nur ne tolle Sache, sondern ermöglich zusätzlich, daß wir den Artikel 1 GG endlich mal anwenden könnten, nämlich dieser Würde die Unantastbarkeit zuteil werden zu lassen.
Oder Artikel 2 GG, in dem Diskriminierungsverbote aller Art gepredigt werden. Muß da tatsächlich erst explizit drin aufgeführt werden, daß man Leute ohne Geschäftsmodell dieses Makels wegen nicht diskriminieren darf?
Oder Artikel 6GG oder oder oder… es gibt massenhaft Gemeinschaftsziele, deren Erlangung auch über die Verpflichtung dazu verläuft.
Ich weiß gar nicht, woher die deinen geballten Defätismus nimmst. Ich argwöhne ja, daß du im Luhmann-Sumpf versackt bist.
Und was den Anstand angeht, halte ich es für trivial zu erkennen, daß sich unter Anständigen wesentlich chilliger und angenehmer leben läßt als unter Rabauken. Weshalb also die Moderne dem Anstand eine Absage erteilt, ist nicht nachvollziehbar.

@ wepoc
“Knappheit”, “Alternativlosigkeit”, “Kapitalismus bringt Laune…” usw… du klingst wie die TV-Talkrunden des Grauens… schon richtig erwachsen. Weißt du überhaupt, was Knappheit ist? Realweltliche Knappheit meine ich.
Weißt du was Leistung ist? Oder die inzwischen so vielbeschworene Gegenleistung?
Ist es eine Leistung von mir, mit 500€ Armutsrente nicht zu krepieren? Ist es eine Leistung von mir, mit Ulcus und Necrose auf des Todes schippe Skat zu spielen, anstatt mich in die wellness-umgebung der Maximalmedizin zurückzuziehen? Ist es eine Leistung trotz beständiger Fehlschläge meinen Söhnen Depression&Desorientierung (altbacken: Taugenichts&Tunichtgut oder Hänsel&Greter) Humanismus, Pflichtgefühl, Optimismus und Anstand aufzudrängen?
Und was Leistungmessung betrifft, habe ich damit nur die Erfahrung gemacht, daß dabei die Luschen aufgestöbert werden sollen, um sie anschließend sozialdarwinistisch wegzuoptimieren. Da liegt kein Segen drauf. Diese Erfahrung habe ich übrigens als professioneller Leistungsmesser gemacht.
Mit hirnlosem Gutmenschenbashing wieder Nazi-Sprech zu reaktivieren, geht mir auch gegen den humanistischen Strich. Nix gegen einen zünftigen Nazi-Vergleich “Mönsch Herr Degnaphta, sie sehen ja aus wie aus dem KZ. Sie müssen unbedingt mehr essen.” witzelte mein Pfleger unlängst. Da nervt mich nur der doofe Ratschlag. Als ich superdepressiv war, kam als häufigster Tipp zur Behebung “Sei doch mal fröhlich.” Naja, aus eFlations Thread über den Paradigmenwechsel wissen wir ja, daß der Mensch fehlerbehaftet&irrational handelt. Da müssen wir wohl alternativlos durch ;-)

Nimm doch mal das Phänomen “Generation Praktikum”, welches dich möglicherweise sogar persönlich betrifft. Da machen dann junge Leute, deren Hoffnungen&Optimismus gegen sie instrumentalisiert wird, die Arbeit für weitestgehend lau, die eigentlich Familien ernähren können sollte.
Aber am altersmäßig anderen Ende des Produktionsprozesses sitzen @fl und @hhuett und sehen ihren Fellen nach, die in ungünstiger Richtung davondümpeln. Da geht die Hatz nach einem anschlußfähigen Geschäftsmodell los und treibt so seltsame Blüten wie diesen Blog. FAZ-Zuarbeiterblog, dachte ich spontan, nachdem ich hier einige Tage mitgelesen hatte. Wenn ich jetzt allerdings mitbekomme, daß der arme @fl sich nächtens Anne Maischbritt oder das sonntägliche GJauchespritzen antun muß, um bis morgens irgendein geschwafel darüber fertig zu haben, das dann in der ‘echten’ FAZ gedruckt wird, wofür es dann ‘echte’ bit-Änderungen am Kontostand gibt, dann frage ich mich schon, ob er das tatsächlich verdient hat. OK, als Soze gehört er mit zu den Architekten der Apartheid, und als journalist zählt er zu den medialen Einpeitschern, die den schmonz als alternativlos verkauft haben, befindet sich also in doppelter Mittäterschaft, aber als echter Fan von Läuterung wäre es mir lieber, ihn von seinem Holzweg zu holen, damit er einen Lebensherbst in Heiterkeit genießen möge (und das im Kreise seiner Lieben. So konservativ bin ich… und das volle Pulle reflektiert :-) ).

@ Linus
Hier mein Lob und meinen Kniefall vor Bewunderung! Du hast den Soddy ziemlich gut ins Hier&Jetzt geholt. Sauber gemacht!
Die eigentliche Leistung, vor der ich mich hiermit nochmals verbeuge, sehe ich allerdings in dem Mut, die eigentlich verbrannten Begriffe Planwirtschaft und auch Protektionismus aus dem Abseits der Mißachtung geholt zu haben. Das ist so zielführend wie fruchtbar. Bombastisch!

@ Heiterkeit vs Verbitterung
Um der Bitternis ein Licht der Freude entgegenzusetzen, möchte ich an dieser Stelle zu praktischer Arbeit anregen&aufrufen.
Hedonismus olé… aber ohne rücksichtslosen Egoismus! Der Sedlacek sieht beide Phänomene als Einheit. Nach meiner Ansicht handelt es sich jedoch um zwei zu differenzierende Erscheinungen. Hedonismus kümmert sich um Lebensfreude&Sinneslüste. Und rücksichtsloser Egoismus ist Oberscheiße, genauso wie rücksichtsloser Altruismus. Das macht’s nur anstrengend für Alle.
Jetzt mein praktischer Tipp:
200g Vanille-Pudding oder -soße, 60 g Sahne, 40g Öl, 20g Zucker u 50g Apfelmus
Alles mit dem Schneebesen verrühren und fertig ist ein schmackhaftes hochkalorisches Leckerlie (900 kcal), welches man allein oder mit mehreren genießen kann.
Da bei üblichen Puddingpulvern immer 500g gemacht werden, kann der Rest mit Roter Grütze gereicht werden.
Hier die Rode Grütt:
500ml Saft, 50g Speisestärke, Zucker nach Belieben
Saft zum Kochen bringen, Speisestärke mit etwas Saft glattgerührt dazu geben, umrühren, in eine Schüssel füllen und erkalten lassen (Das Schwerste am Ganzen)

haut rein, Leute :-)

snozin Februar 10, 2012 um 15:51

@ Degnaphta

Deine Draufsichten: allesamt anschlussfähig zu den eigenen Bildern.

Danke fürs Mutmachenwollen. Wie für die Rezepte.

Übrigens: @Morph kann Brot!

Backen meine ich. Er hat`s bei Weißgarnix mal recht appetitanregend beschrieben. (Soll als Lichtblick zur Aufhellung der Düsternis rund um dein Morphporträt dienen.) Aber richtig ist: ohne sein Brot ist der Mann (mindestens) eine Sphinx. Ich möchte wissen, wie viele Revolutionen @Morph schon ausgerufen, aber lange vorher schon wieder abgasagt hat. (:–)=

Morph Februar 10, 2012 um 18:09

@snozin

Hast Du zwei unbehandelte Zitronen übrig? Dann kauf noch einen nichtmisshandelten Hahn dazu, Salz und Pfeffer hast Du ohnehin im Haus. Löchere die Zitronen, mit einer Stricknadel, sagen wir eine jede fünfundreißig Mal! Dann salze und pfeffre das Tier, innen und außen! Sodann schiebe die gelöcherten Zitronen in die Bauchhöle des toten Flugtiers! (Anekdote: Mich beobachtete mal eine Dame bei dieser Zubereitung, die eine Hälfte des Paars, bei dem ich eingeladen war, und sagte: Boah, ist das geil! – Ich persönlich find’s eher ekelig, rein morphologisch räsoniert das ja eher mit Horrorfilmen als mit erotica, aber verstehe einer die Frauen!).

Verschließe den Hahn (mit einem Schaschlickspieß, hin und her, oder mit Nadel und Küchengarn, auch hin und her)!

Das Ganze bei, sagen wir: 179° Celsius, in den Ofen, zunächst auf dem Bauch bzw. auf den Brüsten liegend – eine halbe Stunde. Dann wenden und auf dem Rücken noch einmal eine halbe Stunde.

(Obwohl, die Zeitangaben beziehen sich auf ein Hähnchen, nicht auf einen Hahn. Ein satisfaktionsfähiges Tier müsste länger in die Hitze).

Wie auch immer: Köstlicher kann man man so ein Tier nicht zubereiten, einfacher auch nicht. Was wieder einmal beweist: Der Witz besteht in der Schwierigkeit, so einfach wie nur irgend möglich zu leben, zu denken, zu kochen.

Bloggerkeule Februar 10, 2012 um 18:31

@ Morph

als bekennender Gänsepurist läuft einem bei Deiner Zubereitungsbeschreibung allein schon das Wasser im Mund zusammen…
morgen gibt es Hahnchen ;-)

http://www.gerdwirz.de/e6711/e6829/e6831/Haehnchen_01.jpg

Carlos Manoso Februar 10, 2012 um 18:55

@Morph Februar 10, 2012 um 18:09
“…erotica, aber verstehe einer die Frauen!).”

Bevor ein Mann ein Tier in eine Röhre schiebt, sollte er sich erstmal mit dem Thema Kartoffelkochen befasst haben. Beispielsweise schält er dieKartoffeln, füllt eine Bratpfanne 3/4voll mit Wasser (ohne Salz) , schneidet die rohen Kartoffeln in dünne Scheiben, erhitzt das Wasser in der Pfanne mitsamt den Kartoffelscheiben, bis es ca. 2Min.aufkocht. Dann schöpft der den Schaum (die weiße Stärke) ab und gießt das Wasser in ein Sieb, trocknet die Kartoffeln mit Küchenpaper und erhitzt kalt gepresstes Olivenöl in der Pfanne.Wenn das Öl richtig heiß ist, gibt er die getrockenten Kartofffelscheiben dazu und deckt die Pfanne mit einem Deckel ab. Daskondensierte Wasser unter dem Deckel wird dann jeweils im Abstand von 2 Min.mit Papier weggenommen und gleichzeitig werdendie Kartoffeln mit Pfefferund Salz gewürzt, gewendet und mit abnehmender Hitze langsam durchgebraten.

Der Hahn sollte dann schon fast durch sein, wenn die Kartoffeln richtig durch sind.

Bloggerkeule Februar 10, 2012 um 19:08

»Kom (2011) 595«
http://www.zeit.de/2012/07/Finanzmarkt-Steuer
So standhaft stehen Sieger!

Und eure Menuerezepte – das wird ein Traumtag morgen –
Danke @ alle

FINANZTRANSAKTIONSTEUER – no way out

Linus Februar 10, 2012 um 20:02

@Morph:
Hey, das kannte ich schon, hab ICH SELBST ERFUNDEN!
Du kannst noch ein paar Minzeblätter mit dazulegen (innen, sonst brennen sie an), aber nicht zuviel. Dazu Reis und Salat.
Na gut, einfache und gute Dinge werden öfters erfunden. So genial wie naheliegend.

“Der Witz besteht in der Schwierigkeit, so einfach wie nur irgend möglich zu leben, zu denken, zu kochen.”

Das schreib ich auf mein Grab …

Linus Februar 10, 2012 um 20:10

Mit ‘naheliegend’ meinte ich natürlich: Du siehst ein Huhn. Was paßt da rein?

Linus Februar 10, 2012 um 20:13

@Carlos: Wieviel Öl soll in die Pfanne? Schnell!

snozin Februar 10, 2012 um 20:13

@Morph

„die gelöcherten Zitronen in die Bauchhöle des toten Flugtiers!“

Wieso ist der jetzt tot? Ich habe ihn ausdrücklich unmisshandelt gekauft.

Und es geht weiter: „Verschließe den Hahn (mit einem Schaschlickspieß, hin und her, oder mit Nadel und Küchengarn, auch hin und her)!“

Hin oder her: Nie und nimmer ist dies ein nicht misshandelter Hahn.

Ich schrob oben: Der Mann @Morph ist (mindestens) eine Sphinx. Und habe mich damit vertan. Es muss lauten: Der Mann ist (mindestens eine) Sphinx. Ich werde mich nun mit meinen Stricknadeln @Degnaphtas Pudding zuwenden.

Morph Februar 10, 2012 um 20:47

@snozin

“Wieso ist der jetzt tot? Ich habe ihn ausdrücklich unmisshandelt gekauft.”

Ich sag ja, ich find’s auch eher unsexy. Aber ohne Schlachtung kein Braten.

Es kommt, wie überall, auf die feinen Unterschiede an:

http://tinyurl.com/3poqa55

Andreas Kreuz Februar 10, 2012 um 20:50

Ich sammle Kochbücher.
Und habe sie alle gelesen.
Wie Romane. ;-)

Kann ich helfen?

Degnaphta Februar 11, 2012 um 15:01

Und da sage noch einer leichtfertig, die Teutonen wüßten nichts von der Ars vivendi :-)

Wie sähen denn die Speisetipps aus, wenn das zur Verfügung stehende Budget 4,5€ unterschreitet? Das ist in etwa der Betrag, der vor bereits drei Dekaden an Zivis ausgezahlt wurde, wenn da Essensgeld für nicht verzehrte Speisung abgerechnet wurde.
Mein persönliches Budget unterschreitet sogar 3,5€, was nicht bequemlicherweise als Konsequenz meiner persönlichen Unzulänglichkeit individualisiert werden sollte, sondern -Medienkompetenz volle Kraft voraus- als ein Beispiel von Vielen dienlich ist.

die oben erwähnten ca 500€ Armutsrente mindern sich um verschiedene Ausgaben für Internet, medizinische Hilfsmittel, die es nicht mehr als Kassenleistung gibt, Strom, Pipapo und aller möglicher krams, den mein Betreuer ins Leben gerufen hat, indem er die losen Fäden bei den Gerichtsvollziehern der Umgebung wieder in ‘geordnete Bahnen’ gebracht hat, wie es seinem Aufgabenkanon entspricht.
Es stehen ungefähr knapp 300€ zum Leben (Essen, Wohnen, Mobilität… halt das volle Programm) zur Verfügung. Pi mal Daumen landen dann ca 50€/Woche im Kühlschrank und 50 an der Tanke. Das wären zwar rechnerisch bummelig 7€/Tag fürn Kühlschrank, aber ich bin ja nicht alleine. Da ist ja noch mein Jüngster, der fest mit in Sippenhaft genommen wird, und mein Ältester, der inzwischen komplett desorientiert, sein Heil in totaler Realitätsflucht sucht. Der ist zwar nicht jeden Tag an Bord, aber wenn dann hat er sein Mädel im Schlepptau, sodaß wir zu viert Klimmzüge am Brotkasten machen können.
Auch das läßt sich trefflich individualisieren. Hätte ich die Brut besser erzogen, wäre alles in Butter, so aus den Kreisen der Grundwerteverletzer&Menschenverächter. Doch wie man ohne Zuckerbrot&Peitsche Kinder erziehen soll, das wird nicht verraten. Und die Agenda2010 ist der gezielte Entzug sämtlicher über biologische Erhaltung hinausgehenden Mittel. Der Spruch “Der Mensch lebt nicht von Brot allein.” macht deutlich, wie entmenschlichend die Entwicklung des neoliberalen Zeitalters tatsächlich ist.
“Zum Kinder Erziehen braucht man ein ganzes Dorf” wird heute noch an der lokalen Erzieherschule gelehrt. Soll jetzt der hirnrissige Ruf nach “mehr Betreuung” dieses Dorf ersetzen?
Es ist doch nicht zu übersehen, daß im gleichen Ausmaß, in dem das Wirtschaftssystem sich als kollabierend erweist -@carlos manoso beschreibt es ja in nachvollziehbarer Weise- das einfache Leben selbst zur Unmöglichkeit gerät und das für immer mehr Betroffene.

Der Begriff Apartheid rankt sich primär um rassische Trennung, wie die wiki-Artikel aufzeigen. Allerdings ist die modernere Interpretation des Wortes inzwischen über diese thematische Fixierung hinausgewachsen.
Zitat: Dafür soll das Völkerstrafgesetzbuch sorgen, in dessen § 7 Abs. 1 Nr. 10 es heißt, dass sich strafbar macht, wer „im Rahmen eines ausgedehnten oder systematischen Angriffs gegen eine Zivilbevölkerung“ eine „identifizierbare Gruppe oder Gemeinschaft verfolgt, indem er ihr aus politischen, rassischen, nationalen, ethnischen, kulturellen oder religiösen Gründen, aus Gründen des Geschlechts oder aus anderen nach den allgemeinen Regeln des Völkerrechts als unzulässig anerkannten Gründen grundlegende Menschenrechte entzieht oder diese wesentlich einschränkt“.
Unsere heimische Apartheid findet über die Zugehörigkeit zum Erwerbsleben bei gleichzeitiger Überschreitung einer gewissen Einkommenshöhe statt. Wer also in Arbeit ist und davon leben kann, wird zum Vollbürger mit deutlich besserer Anbindung an die Grundwerte und -rechte. Wer nicht so aufgestellt ist, beispielsweise weil ihm das Geschäftsmodell fehlt aus welchen Gründen auch immer, der ist dann Bürger 2ter Klasse, Überflüssiger, Untermensch, unwertes Leben, Abschaum, solche Leute (Lieblingsformulierung von GJauch) oder wie auch immer man hier sprachlich zuschlagen mag. Diese klar identifizierbare Gruppe ist weitestgehend von den Grundrechten abgeschnitten. ‘Offiziell’ (d.h. bei den medialen Dreckschleuderern) wird Prekariat verwendet, was jedoch auch nur die orwellianische Sprachvergewaltigung belegt und keineswegs den Kern trifft.
@Goodnight hatte unlängst seine Version der zeitgenössischen Drei-Stände-Ordnung hier berschrieben.
Der Herrschaftsstand, die Leistungsträger, mühen sich um ihre Leistungsbelohnung… und sind’s dabei zufrieden.
Der mittlere Stand, die ausführenden Arbeitsameisen, sind froh, noch nicht gänzlich abgesackt zu sein.
Der untere Stand träumt den beglückenden Traum, vom ‘Hochrutschen’ in die oberen Stände… und sind’s dabei zufrieden.
Ist doch alles supergut, nä? Alle sind zufrieden.
Als ich das las, habe ich ihm -so hier bei mir- die Dr-Mengele-Medaille am Goldkettchen verliehen, aber wie jedes Modell irgendwie irgendwo seine Richtigkeit hat, trifft auch dieses leider leider zu. Der darin enthaltene Zynismus ist eigentlich auch noch einen Preis wert.
Doch zeigt dieses Modell halt auch, daß das eigentliche Prekariat sich im mittleren Stand befindet. Den Mindermenschen des unteren Standes bleibt nur die Allmachtsphantasie des Depressiven, was eigentlich als Krankheitssymptom einzustufen ist.

Diese Mindermenschen dürfen keine Kredite aufnehmen. Sie dürfen keinen Grundbesitz haben. Sie sollen nicht an Volksfesten teilnehmen. Sie sollen ihre Behausungen nicht verlassen. Sie sollen keine Kulturgüter erlangen. Sie dürfen nichts vererben. Sie leben in strikter Sippenhaft. Und so fort.
Würde mein Ältester seine Desorientirung überwinden und eine Lehre machen, dann würde er im Gegensatz zu den Kindern von Vollbürgern einen Großteil seines Lehrlingslohnes bei mir abliefern M Ü S S E N, da mir entsprechende Abzüge bei den Transferleistungen entstünden, die ich nicht anders kompensieren könnte, als es bei meinem Söhnchen einzufordern. Jaja, Leistung soll belohnt werden.
Sich dem zu entziehen, indem er dem Elternhaus den Rücken kehrt, ist ihm auf Grund eines entsprechenden Gesetzes, demzufolge unter 25jährige Mindermenschenabkömmlinge nicht mehr vom Staat entsprechend unterstützt werden, schlichtweg verwehrt.

Auch wenn es im Unterschied zu südafrikanischen Negern in der oben beschrieben Konstellation theoretische Möglichkeiten des ‘Aufstiegs’ gibt, bekannt&beliebt als soziale Mobilität, halte ich das ganze Konstrukt für ‘entwickelte’ Apartheid.

Zurück zu meinen ‘Budgetschwulitäten’, jetzt geht’s erst richtig los.
Mein desorientierter Ältester hat mit Sprüchen wie “Einmal hartz, immer hartz” verweigert, sich bei der Behörde anzumelden. Inzwischen macht er seit einem Jahr ‘Ferien’ in seinem persönlichen Kosmos (Allmachtstraum des Depressiven?) und benimmt sich dabei haargenau so zeckenhaft, wie die mediale Schelte es dem parasitären Abschaum unterstellt. Meine Bitten/Ratschläge, er möge sich mal professionelle Hilfe suchen, verweigert er mit den denkwürdigen Worten “Ich bin doch nicht verrückt.”, obwohl sein Lebensstil haargenau den Rückschluß nahelegt.
Mittlerweile hat seine Desorientierung zu bummelig 3 bis 4 k€ Mindereinnahmen im familiären Geldbeutel geführt. Bitter bei einem Grundjahreseinkommen von 6k€. Dann wäre ich auch nicht mehr mit dem Konto am Anschlag meines Dispos, was ebenfalls marginale Erleichterung brächte.
Bei meinem Jüngsten sieht es nun so aus, daß er ebenfall Sozialgeld bekommen müßte, so wie ich auch bummelig 200€ Aufstockung auf meine Rente erhalten müßte. Warum nun der Konjunktiv? Was geht da schief?
Ich bin halt ein anstrengendes, ätzendes, unsympathisches Arschloch und habe es verdient. Eine Schande für den Genpool der Menschheit und unbedingt wegzuoptimieren. Wir müssen schließlich sparen.
Ach wenn es nur so einfach wäre, aber ich finde nirgends in den Grundregeln einen Hinweis darauf, daß sie für Unsympathen keine Gültigkeit hätten. Sondern da steht das Gegenteil. Behinderte sollen explizit nicht diskriminiert werden. Oder der ausdrückliche Familienschutz in Artikel 6GG. Das muß man sich mal auf der humanistischen Zunge zergehen lassen, sofern man über diese verfügt.
Die gelebte Praxis weist leider auf das Gegenteil dessen hin, was in den Grundregeln festgeschrieben steht. Die Ossis müßten das aus leidvoller Erfahrung kennen. Der Staat selbst hat sich gegen den Souverän verschworen. Unter medialem Anfeuern igeln sich sämtliche Stellen festungsmäßig ein. Unter Hinweis auf das ‘Subsidiaritätsprinzip’ (einer der genialsten Schachzüge der Herrenmenschen) ist niemand mehr zuständig. Da müßte man dann erst per Klage feststellen lassen, aber das voll verfillbingerte Funktionssystem Recht ist so verhurt, daß Mindermenschen keine adäquaten Anwälte mehr finden. (Vielleicht liegt es aber auch nur an mir, daß ich keinen gefunden habe. Das möge jede mitlesende Letztinstanz für sich befinden.)
Also die Antisozialbehörden vor Ort sind inzwischen so erfinderisch im Knete Verweigern, daß mir kein einziger Abhängiger bekannt ist, der volle Bezüge erhielte. Da verschwinden ständig Schriftstücke. Da werden Bescheide nicht ausgestellt, sodaß keine Widerspruchsmöglichkeiten bestehen. Es werden Phantasiebeträge ‘angeboten’ als Leistung (einem Bekannten, jenseits der 60 aber noch kein Rentner, boten sie 6€ Heizkosten an, was er entrüstet ablehnte. Jetzt bekommt er garnix). Und so spart die ‘Optionskommune’ im Wettbewerb mit den Argen, was das Zeug hält.
“Deutschland geht es gut.”, “hartz4 war richtig” “Hosianna!”

OK, viel Gejammer&Gemecker bis hier, der schwarze Peter ist noch in meiner Hand und die normale Reaktion eines desinformierten Vollbürgers lautet “kann doch gar nicht angehen. Der ist doch verrückt.” Nope, nur halbverrückt, und darauf habe ich Brief&Siegel aus Richterhand. Also etwas Schnallung verbleibt mir noch auf meiner Reise gen Alzheim.
Mein Betreuer dachte auch in normalen Bahnen, nickte meine Beschwerden freundlich ab (Jaja, immer diese tüdeligen Senioren…) und ließ sich gleichzeitig von den Ämtern mit hohlen Sprüchen verarschen. Nach (leider leider) über einem halben Jahr Genörgel meinerseits machte er sich dann mal auf, seinerseits genauer hinzuschauen. Ich hatte ihn ausdrücklich darauf hingewiesen, sich mal gedankenspielmäßig mit der Option zu beschäftigen, daß ein Formular, auf dem der Name Degnaphta stünde, leichter hinter den Aktenschrank rutschen könne, als es üblicherweise statistisch der Fall wäre. Immerhin hätte ich nahezu jeden, der mit der Antisozialbehörde zu schaffen hätte, im Verlauf von fernmündlich, schriftlich oder persönlich ausgetragenen Disputen mal als Scherge, Apparatschik, Schreibtischtäter oder ähnliches bezeichnet… mehr oder minder deutlich&freundlich.
Da machte er sich denn mal auf, um genauer hinzuschauen und kam wirklich niedergeschlagen und zerknirscht wieder bei mir an. Das hätte er ja nicht erwartet. Ich hätte ja Recht gehabt, mein Antrag auf Aufstockung (vom letzten März) sei irgendwie verschwunden. Und bei der Familienkasse sähe es mit dem Kindergeld leider auch nicht gut aus. Das täte ihm fürchterlich Leid, und er würde sich in aller Form bei mir entschuldigen.
Immerhin etwas, so bin ich wohl rehabilitiert, was immerhin er und ich wissen, was jedoch mein inzwischen völlig aufgelöstes ‘privates Netzwerk’, wie man einen Freundeskreis in der Moderne wohl nennt, wenig interessiert. denen ist das Alles viel zu schrecklich und zu kompliziert.

Jetzt kommen aus Einnahmeausfälle wahrscheinlich noch ein paar Jahre Kindergeld und die Sozialbeträge für meinen Jüngsten dazu. Das dürfte in der Summe ein Jahresgrundgehalt bei Weitem übersteigen. Was mache ich jetzt mit meinem Betreuer? Als unfähig vom Hof jagen? Um mich vom Nachfolger erst mal wieder ne Zeit lang für voll verrückt halten zu lassen? Wird mein Betreuer den Fehlbetrag aus eigener Tasche entrichten? Kann er das überhaupt? Falls er es abstottern möchte, könnte das jedoch nur in 100€-Beträgen geschehen, da jeder darüber hinausgehende Euro auf 20Cent geschrumpft würde, weil ja die h4-Gesetzgebung nun einmal ist, wie sie ist.
Hoffentlich baumelt der arme Kerl sich nicht noch auf, wenn ihm klar wird, in welche Situation er sich gebracht hat.

Leute, wenn man eine Gesetzgebung, die dergleichen hervorbringt, nicht als Apartheidsgesetze korrekt bezeichnet, dann weiß ich nicht, was überhaupt ein Rechtsstaat ist, was sich hinter dem Begriff verbergen soll. (Hey, @fl, bist du eigentlich stolz auf das Werk von dir und deinen Genossen?)
Und um das klarzustellen. Es geht nicht nur um das ‘Reformpaket’ h4, sondern auch um Gesundheits-, Schul-, Verwaltungs- und sonstige Reformen seit den 80ern. Der Beitrag oben von @systemfrage, der in dem häufiger die (fast schmeichelnde) Wendung “dreiste Lüge” vorkommt, stellt eine saubere, sehr kurze Analyse dar. Ebenfalls ist der Hinweis von @carlos manoso wichtig&richtig, daß bereits vorher erheblich Sand im Getriebe störte.
Auch wenn in den 60ern und 70ern eine Art humanistischer Höhepunkt den Westen erfaßte, indem Sozialsysteme etabliert und/oder ausgebaut wurden, indem die Schwulen entkriminalisiert wurden, indem die Frau vom schwachen Geschlecht zum richtigen Menschen erhoben wurde, indem man die Behinderten aus ihren Pferchen&Verstecken holte, indem Alleinerziehung entstigmatisiert wurde, und was sonst noch so veranstaltet wurde, so ist man an allerhand sich bietenden Ecken falsch abgebogen… zumeist nach rechts. Und in den 80ern wurde das Steuer noch ein Stück weiter rumgerissen und ordentlich Gas gegeben.

Mit endlosen Debatten über unseren aktuellen Versager-Präsi dürfte niemandem geholfen sein, nicht einmal den Debattanten… außer vielleicht den Spätpraktikanten an der Eingangstür zum Redaktionsraum.

“Wir sind das Volk” war ne coole Parole mit grandioser Wirkung. Eine Dekade entwürdigende Ossi-Witze sollten davon nicht ablenken.

Natalius Februar 11, 2012 um 18:23

@ Degnaphta, Feb. 11, 15:01
Eine Beschreibung von Armuts-Wirklichkeit, die unter die Haut geht!
Unter Prekariat versteht jemand wie ich, dem es noch relativ gut geht, eben NICHT den talentierten Intellektuellen, den der Sog nach unten erfasste. Unbedingt anonym weiter schreiben – und als “Biographie eines Sissies” o.ä. veröffentlichen – z.B. im FAZ Feulleton – gegen Honorierung natürlich.
Lübberding und Huett: Es hört sich zynisch an – ist aber nicht so gemeint. Viele, die Feulleton lesen und den Sog nach unten erahnen, wollen nämlich wissen, wie sich das anfühlt, wenn man selbst..

Stephan Februar 11, 2012 um 18:56

@Degnaphta
Hmmm … das klingt gar nicht gut. Hilft auch nicht wenn ich jetzt über die intellektuelle Katastrophe H4 schreibe. Mein Rat: vergessen sie die Typen “mein Berater”. Was sie brauchen ist ein Anwalt. Es gibt in den meisten deutschen Städten ein paar Rechtsverdreher die auch Pro Bono arbeiten. Ein Freund von mir in Köln macht das zum Beispiel. Es gibt nichts grauslicheres für das Amt als wenn so ein Paragraphen Dobermann auftaucht.

Natalius Februar 11, 2012 um 20:17

@ Stephan, Feb. 11, 18:56

Unsinn!!! Die eigene Authentizität auch noch an parasitäre “Rechtsberater” zu verkaufen. Zugegeben: Es gibt gute Anwälte! Gottseidank! Aber: Kittel- und Titelberufe verlangen Geld für Authentizität (und geben keins!) Degnaphta: Lieber Hero als Opfer!
Stephan, Huett, Luebberding: Empfehlen Sie nicht irgend ein Scheixx, sondern drücken Sie’s bei der FAZ durch! Da ist ein Markt! Die Leute (WIR) wollen wissen, warum sowas passiert. Und ich persönlich will, dass Degnaphta dafür Kohle sieht und nicht irgendein diffuses Hilfsversprechen!!!!!

Scheixx Sozialdemokraten!

Degnaphta Februar 11, 2012 um 22:21

@ stephan
Bin schon länger jenseits von gut&böse, was selbstperformte Behördenkontakte betrifft. Dafür ist jetzt mein Betreuer zuständig. Die ‘Reform’ des Betreuungsgesetzes ist übrigens auch ziemlich schäbig gegen das Volk verlaufen, was jedoch auch nur “keine Sau” interessiert oder gar stört. Ebenso der Bereich gemeinnütziger Tätigkeiten. alles in die Grütze geritten.
Meine Front verläuft inzwischen auf engsten Raum begrenzt gegen den Niedergang meiner noch hier wohnenden Kinder, die voll in den väterlichen Abwärtsstrudel geraten sind. So desorientiert, wie sich mein Ältester (22) gebärdet, ist mein Jüngster (16) leider auch. Allerdings fehlen ihm die Möglichkeiten seines großen Bruders, sodaß er meinen Hausarrest teilt und dabei depressiv wird, was ich ihm nicht einmal übelnehmen kann. Würde er durch die widrigen Umstände nicht verrückt, wäre er nicht normal :-)
Ich lebe hier im baumlosen Hinterwald friesischer Marschen. hier ist die Auswahl an was auch immer relativ klein. In der lokalen Metropole, einem 10k-Einwohner-Ort, gibt es ca 12 Anwaltsbüros. Jetzt hat mir der Tratsch zugetragen, daß es einen neuen jungen anwalt gäbe, der auch den Armen hilft. Das muß jedoch mein Betreuer regeln, wenn er denn erstmal die Notwendigkeit erkannt haben wird, worauf ich ziemlich fest baue.
Ansonsten ringe ich mit einer schmerz bereitenden chronischen Krankheit, mit der ich theoretisch noch ein oder gar mehrere Dekaden leben könnte, wenn mich nicht so profane Geschichten wie Hunger oder Frost tödlich bedrohten. Das geht nun schon den dritten Winter so. Und jedesmal bin ich ein Stück näher am Ende.
Weihnachten erwischte mich ein Erkältung oder ein grippaler Infekt oder sowas in der Art. Mit BMI 15 haut das allerdings mächtig rein. Vier Wochen in Todesnähe inklusive offener Stellen und dem ganzen alte-Leute-Scheiß, von dem keiner was hören will, weil jeder einstmals betroffen sein könnte. Ging mir früher nicht anders, wobei ich es niemals so verdrängt habe, wie es heute sogar von Altersgenossen (babyboomer, die im anderen thread zum Hungertod verdonnert werden) betrieben wird.
Was ich allerdings nach Kräften verdrängt habe, solange es möglich war, ist meine chronische Krankheit. Das hat mir bis zu einem bestimmten Punkt, an dem radikales Siechtum begann, ein radikal geiles Leben beschert… und das im Großen&Ganzen ohne rücksichtslosen Egoismus ;-)
Dann kam das zweite große eheliche Tief, das mit einem schrecklichen Rosenkrieg endete und mich zum alleinerziehenden Vater machte. OK, Tod&Wiedergeburt ist ja sone Superkraft des Menschen, also weiter im Takt. Es konnte nur aufwärts gehen.
Bis h4 kam. Da ging es dann massiv nach hinten los. Obwohl ich mich als gewieften Mangelverweser kannte, der Bescheidenheit&Bedarfsgerechtigkeit zu wirksamen Werzeugen machen konnte, war ich mit meinem Latein am Ende. Auf Kulanzbasis versuchte ich der Antisozialbehörde zu vermitteln, daß es für die sparwütige Gemeinschaft doch wesentlich günstiger sei, mir 500€ Mietersatzleistung zukommen zu lassen, als mich erbsenzählerisch gesetzestreu aus meiner Burg zu vertreiben, um dann wesentlich mehr an Miete für mich und die meinen zu entrichten. Puha, Betonköpfe halt wie in jedem anderen Unrechtsstaat auch. Echt bitter.
Der ganze Papierkram gelang mir nicht fehlerfrei, sodaß ich niemals die volle Höhe der theoretisch möglichen Leistungen erhielt. Wegen meiner Fehler war der Weg über Gerichte leider auch versperrt. Denselben Film erlebt jetzt mein Beträuer. Eigentlich müßten die Jungs eine extra lagerhalle mit meinen Unterlagen haben, aber nun wollen sie zum tausendsten Mal meinen Behindertenaausweis sehen, der leider inzwischen so verblaßt ist, daß man Teile nicht mehr lesen kann. Das Versorgungsamt, bei dem es die Dinger gibt, reagiert auch seit nahezu einem Jahr nicht, danei sollte eigentlich meine Behinderungsstufe hochgesetzt werden, wie der Mann vom Sozialpsychologischen Dienst des Gesundheitamtes mir erklärte. Dann würde ich Autosteuern sparen, hieß es damals. Eigentlich kann ich mir ein auto gar nicht leisten. Einen Hund auch nicht. meine langsam verfallende Kate auch nicht. Dennoch mache ich einen auf gallisches Dorf, da es die einzige Möglichkeit ist, im Kreise meiner Kinder Weihnachten zu feiern.
Wäre ich mit dem Jüngsten in eine kleine Wohnung in die Metropole gezogen, was von den Elendsverwesern aus der Bluthundtruppe favorisiert wird, dann könnten wir Weihnachten oder gemeinsame Ferien vergessen, und zwar auf ewig.
Damit diese weihnachten möglich wurde, haben sich meine Töchter knete von ihrem BAFöG abgeknapst, um mit 200l Heizöl mehr las zwei Räume bewohnbar zu machen. Das bescherte mir des erste Vollbad nach über einem jahr des leeren Öltanks. Ansonsten wasche ich mich in einer billigen Plastikschüssel und überdusche mich aus Getränkeflaschen. Das mache ich im Sommer, wenn es schön warm ist auch gerne draußen. dann ist das Gulag-Feeling authentischer ;-) Nee, war ein Scherz. Ist halt ein tolles Gefühl nackedei in der Sonne, nur war der letzte Sommer nicht geeignet.
Der davor gefiel mir deutlich besser. Meine Söhne hassen es, wenn wir kein Öl haben, aber es ist die einzige Möglichkeit zu sparen. Selbst wenn wir Heizkosten erstattet bekommen, reichen die Gelder nicht für das ganze Jahr. Immerhin ist die Berechnungsgrundlage von 1992, und damals kostete ein Liter ca 40 bis 50 Cent.
Leider ist in den letzten Jahren aus Teilen des Heizsystems ne Sprinkleranlage geworden, weil der Frost und leerer Tank sich in ungünstiger Weise trafen, was auch dieses Jahr wieder geschah. Nach vier Wochen ätzenden Krankseins endlich der switch auf Rekonvaleszenz und gleichzeitig ist der Tank wieder leer und Frost beginnt. Als hätte ich Vater&Mutter erschlagen oder KiPo gedealt oder sowas Schreckliches.
Naja, mein heldenhafter Betreuer hat auf meinen Hilferuf reagiert, indem er mir 500l besorgt und die Rechnung ans Sozialamt geschickt hat. Mit Pech für ihn lassen sie ihn drauf sitzen. Bin mal gespannt.
Mein BMI ist jetzt bei 14 und ich bin immer noch so schwach, daß ich den größten Teil des Tages auf dem sofa verbringe, wo ich eigentlich schon mehrere Jahre lebe. Eigentlich sind bei meinem Pflegedienst schon die roten Warnlichter am Blinken, weil eigentlich Infusionsernährung angezeigt wäre, aber wenn ich ins Krankenhaus käme, führte das zu Umsatzausfall, den das kleine relativ neue unternehmen nicht verknusen könnte, und mir würde es auch nicht in den Kram passen. Ich bin der einzige mit Führerschein und Zugang zu einem -wenn auch eingeschränkt- knetehaltigen Konto. Wer versorgt den Hund? Wer fährt einkaufen? Wer hindert die selbstzerstörerischen Blagen daran, daß Essensgeld zu verkiffen? da ist dann mein Punkt, an dem ich heroische Pflichterfüllung an den Tag lege, die auf ihre spezielle Weise einer 8000er-Besteigung oder einem 100m-lauf unter 10 Sekunden ähnelt. Und wieder andere bewältigen einen 20Std-Arbeitstag. So hat jeder seins.
Tipps zur ‘Verbesserung’ meiner Situation nehme ich mittlerweile ungern bis gar nicht entgegen. Diese ganzen “ich würde ja…” und “du mütest…” sind sicherlich lieb&nett gemeint, aber meisten kommen die Reizworte “einfach” und “nur” in ihnen vor, gerne auch kombiniert. Aber zumeist bezeugen sie lediglich, daß der Tippgeber ganz schlicht von sich auf Andere schließt und es dabei versäumt, die Nachteilssituation tatsächlich zu verinnerlichen.

Ich verdeutliche das mal an einer Schlagzeile aus der BLÖD-Zeitung.
“Rentner neben Rollator erfroren” hieß es unlängst.
Was treibt einen Rollator-user bei -18 Grad nach draußen? Gezielte Suizidabsichten? Auf dem Dachboden im Gebälk rumklettern, um dort einen Strick zu befestigen kann er ja nicht mehr. Warum hat ihn niemand aufgehalten? Ist er allein und mußte zur Tafel, um nicht verhungern?
Zufällig hatte ich mal seltenen Erwachsenenbesuch, mit dem ich das Thema so smalltakmäßig anschnitt. Der konnte sich nicht ohne meinen Anstoß vorstellen, daß Rollator-user üblicherweise nicht die Option haben, sich durch Beeilen gegen die Kälte zu wehren. der gehört zu der Sorte, die trotz gehobenen Bruchs auf Bitte des Chefs die OP noch ein Quartal aufschieben bis zur auftragsschwachen Zeit. Und das als vercyberter mit künstlichen Bandscheiben. Sobald dem was passiert, was ihn aus dem Kreis der Geschäftsmodellinhaber kickt, wird man ihm verantwortungslosen Umgang mit sich selbst vorwerfen. Und als Endfünfziger sollte er eigentlich so vernünftig sein… finde ich jedenfalls.
So und ähnlich sind meine Erfahrungen mit zeitgenössischem Einfühlungsvermögen. Scheint sich reziprok zur Geldmenge zu entwickeln.

Ach Mist, ich hör’ lieber auf. Wenn es mich drängelt, mache ich mal weiter. Der Aspekt “wie fühlt sich das an” ist auch wahnsinnig interessant aber eben auch umfangreich.
Jetzt will ich die vorgeladene letzte Folge der 2ten Staffel von Babylon 5 anschauen. ist zwar obertrashig, aber ich glaube die Milleniers sind mit dem Mist in Abgeschiedenheit ihrer überfrachteten Kinderzimmer so ethisch verbogen worden. Das nehme ich gerade analytisch näher unter die Lupe.
Seit Sturmtief Yoda meine Schüssel vom Sockel holte, schaue ich kein TV mehr. Ist sowieso in Ermangelung eines geeigneten Empfangsgeräts demnächst vorbei mit der Glotze. Viel schlimmer ist, daß dann auch mein alter Golf2 zum TÜV muß. Das macht mir schon schwerer Sorge.

Schönen Samsatag Abend allerseits :-)

Degnaphta Februar 11, 2012 um 22:29

@ natalius
Danke für die Solidarätsbekundung. Echt selten sowas heutzutage.
Ich jammere auch gar nicht primär für selbst, denn das würde sich als Nebenprodukt, sozusagen das Gegenteil vom Kollateralschaden, mit jeglicher Linderung, die auf die Kinder abzielte, von selbst einstellen. Nee, ich jammere auch für dich und deine Kinder und für meine Enkelin und ihre Freundin und alle Kinder dieser Welt. Denn auch die Kinder in vermeintlich nichtprekären Verhältnissen bekommen durch ‘die Moderne’ ätzend viel Kinderuntaugliches um die Ohren, was sich wirklich geschmeidiger regeln ließe.

Wilma Februar 11, 2012 um 23:26

Der Realität, wie sich Gesetze auswirken, können sich viele nicht vorstellen.
Vor allem, wie sich das auf Kinder auswirkt.
Genau so wie Sie das beschreiben, was das mit Ihren Kindern macht, kenne ich.
Wir wissen nicht, wie wir dem Jungen helfen können. Er rutscht in die Depression.
Die Harmonie zwischen Eltern und Kindern geht so flöten.

Natalius Februar 11, 2012 um 23:59

@ Degnaphta, Feb. 11, 22:29

Nehme ich Ihnen ab! Ich sehe auch, dass die “Wut” steigt. Das, was uns mit Gr. verbindet. Die Frage ist : “What’s next?” Etwa ein per facebook oder Twitter organisierter “bank run” gegenüber Banken, die uns besonders verarschen. Z.B. 19:5x jeden Tag: 2% Zinsen – Deutsche Bank. Die haben es echt verdient, ernstgenommen zu werden. Die blosse Nachricht “Bank run” auf Deutsche Bank – DB-Bankautomaten geben kein Geld mehr – wird die Nachrichtenlage verändern – WIR sind mächtig genug!!!

Lasst UNS drüber nachdenken, und lasst uns es so tun, dass möglichst geringe Kollateralschäden entstehen. Die Spannung muss stufenweise abgebaut werden.

Morph Februar 12, 2012 um 09:07

@Degnaphta

“Wie sähen denn die Speisetipps aus, wenn das zur Verfügung stehende Budget 4,5€ unterschreitet?”

150 g Grünkern in 500 ml Wasser mit einem Brühwürfel cenovis klare Gemüsebrühe, 1 Knoblauchzehe und 5 getrockneten, in Öl eingelegten Tomaten 40 Min. köcheln lassen, danach 40 weitere Minuten ausquellen lassen. Voilá. Sehr köstlich (auch viele Tage hintereinander wird einem das nicht über, wenn man denn mediterrane Küche schätzt), sehr gesund, sehr billig.

Deine Situation ist beschissen und so, wie Du sie schilderst, kann es nur noch beschissener werden. Woran liegt das? Von guten Ratschlägen hast Du die Nase voll. Es geht nicht “einfach nur”, sagst Du. Und lässt Ausweispapiere vergilben.

Aber Dein Sohn soll sich “einfach nur” mal eben Hilfe holen, ja?

Es könnte sein, dass er seinem Vater aus Liebe beweisen möchte, dass die Welt in der Tat so beschissen ist, wie sein Vater sagt, und alles daran setzt, dass sich seine und seines Vaters Lage auch nicht einen Millimeter aus der permanenten Katastrophe herausbewegt. Kinder tun so etwas. Aus Liebe.

holger Februar 12, 2012 um 09:48

Morph

ich weiß ja nicht, wer dir ständig ins Hirn pisst… soll wohl so sein. Da ruft ein Mensch um Hilfe, und das Einzige was du tun kannst, ist urinieren. Solltest du tatsächlich 1969 geboren sein, muss ich mich ja schon wieder schämen. Warum auch nicht. Wer so ein Interview mit Peer Arschloch bringt, dem ist eh nicht zu helfen. Ich wünsche ja keinem was schlechtes. Aber solche Menschen wie du, müssen sich nicht wundern, wenn ihnen eines Tages, in der U-Bahn, die Keule in die Fresse gerammt wird, die Knie zertrümmert werden, um dann im Rollstuhl zu versiechen. Der Tod wäre für diese verkrüppelte Seelen nur die Erlösung.

Sollte ich was falsch verstanden haben, was ich nicht glaube, bitte ich per RA um Milde. Bei der Bestrafung. Deine geistige Armut kotzt mich an.

—>>>Kinder tun so etwas. Aus Liebe.”

Warum auch nicht? Du Arschkrampe!

h.huett Februar 12, 2012 um 09:51

alle

Degnaphta braucht einen Anwalt, eine medizinische Behandlung, die ihn aus der Auszehrung holt – und einen erfahrenen Autor, der dazu beitragen kann, die Schreckensgeschichte nicht in einer Zeitungsveröffentlichung untergehen zu lassen. Darum kümmere ich mich.

Es ist nicht so, was natürlich zahllose Apologeten sofort behaupten werden, dass Degnaphta ein “Einzelfall” wäre. Auch das Verhalten seines ältesten Sohns kenne ich aus einigen Beispielen. Nanuk hat kürzlich hier Ähnliches berichtet. Ich maße mir nicht an, die Gefühle und Motive des Sohns zu beschreiben, an deren Ende seine Idee der selbst gewählten Autonomie steht.

Damit hier kein Missverständnis entsteht: Es geht hier nicht um die Idee, Almosen zu sammeln und einen Ausgleich zu ermöglichen, da die rechtliche Situation eine Spendensammlung zunichte machen könnte.

Es geht um die Frage, wie die Situation Degnaphtas Grundrechte konterkariert – und wie es dazu kommen kann, dass sogenannte Regelleistungen zu einer robusten Blindheit in der sozialstaatlichen Konstruktion führen. Auch das ist Aufgabe eines guten Anwalts, der die zuständigen Damen und Herren in der Sozialverwaltung bearbeitet.

Stephan Februar 12, 2012 um 10:02

@Holger
Geht es auch ein bisschen weniger deftig? Danke.

f.luebberding f.luebberding Februar 12, 2012 um 11:02

Holger

Man muss sich auch helfen lassen wollen. Das hat Morph zum Ausdruck gebracht. Nichts anderes.

holger Februar 12, 2012 um 11:26

Na endlich ist hier mal wieder Leben :D

f.luebberding

—>>>Man muss sich auch helfen lassen wollen.”

Das Problem ist, dass das eben manchmal nicht mehr so mit Beamten geht. Und auch nicht nach Vorschrift. Das ist ja das, was ich bemängele, man muss Perspektiven bieten können. Die jenseits von Vorschriften existieren. Meine Halswirbel 6&7 sind auch hin. Dienstunfall während des Deutschland verteidigens. Meinste ich bekomme eine müde Krume Geld dafür? Verklag mal den Staat. Ich habe nur das Glück, dass ich gelernt habe, aufstehen zu können. Und? Ich war mit Ende 28 im tiefsten Loch überhaupt. 1,83 / 65 Kg. meinste das ist Lustig? Und was gibts da für Hilfen? Von Idioten Ratschläge, die so ein Ereignis gar nicht nachvollziehen können. Geschwalle von häßlichen Vögeln. Wir werden in naher Zukunft eine Selbsthilfe-Gruppe aufmachen können. Und Perspektiven anbieten können. Wo es nicht heißt Aaaaabeit Aaaaaabeit über alles. Das ist mein bescheidenes Ziel. Jenseits von Sozialistischen Unfug. Und das wird mein Lebenswerk werden.

wepoc Februar 12, 2012 um 12:24

@fl & @morph

Man muss sich auch helfen lassen wollen.

@Holger hat euch nur eine Situation an den Hals gewünscht, in der man sich auch nur helfen lassen wollen muss – und das vollkommen zu recht.

f.luebberding f.luebberding Februar 12, 2012 um 12:39

wepoc

Dann gilt das Gleiche.

Natalius Februar 12, 2012 um 13:53

@ Degnaphta
Aus dem Sissy-thread ist ein outing thread entstanden – er wird die bald die 500er Marke durchbrechen…
Egal auf welchem Wege es stattfinden wird, Sie haben Leser!
Es ist dieser spezielle Stil, eine sich dem Lesenden bildhaft herausschälende prekäre Lage mit dem Humor zu beschreiben, der hier als Vitalfunktion nötig ist und nicht komisch wirkt. Es ist die “Komik der Lage” – Wie konnte es in einem Land, das mal Sozialstandards HATTE dazu kommen, daß Menschen gezwungen sind, sich mit Flaschen zu duschen? Manche Szenen erinnern an Zustände, die man sich für ein Kriegsende oder bei Obdachlosigkeit vorstellt. Es entsteht auch Spannung aus Fragen, die man sich als Leser automatisch stellt. Z.B.: Wie und warum kommt bei Jemandem, der sich authentisch vermitteln kann, ein Betreuer/Sozialpädagoge(?) in Spiel? Bedienen Sie diese Spannung bitte nicht im hier gebloggten Vorabdruck. Danke an Hans Huett.

Andreas Kreuz Februar 12, 2012 um 15:08

Dann aber beeilen,
mit dem Hilfe holen.

http://www.mdr.de/thueringen/beratungsstellen100.html

Ansonsten alle bei fl und hh melden,
die wissen , was zu tun ist.

Natalius Februar 12, 2012 um 15:13

@ Holger 11:26
Dieser Thread ist bereits eine Art Selbsthilfe. Ich lese Ihre Beiträge ebenfalls gerne! Und ich teile die “Wut”, die manchmal zu surrealen Äusserungen verleitet. Erkenne aber auch, daß ich oft zu deutsch denke und daß der Staat, der die Probleme “für uns” löst, ein Obrigkeitsstaat wäre. In der Dueck-Typologie fühlt sich die Mitte darin wohl, die Mitte der auf Ausführungsbestimmungen wartenden und nach Sicherheit suchenden Menschen. Ich will keine Ausführungsbestimmungen, sondern Gedankenfreiheit und Freiheit über meine Lebenszeit! (“Druide statt Androide” war mal ein Leitmotto, als ich jung war – “O need mO tOme” heute [O = Ei]). Bin dafür dann heute Sissy, WOchO, und das ist alles andere als effizient. Wut entsteht, weil sich Ich-Menschen (Körpermenschen) die Freiheit nehmen, den Mut haben, es zu tun – und zwar für sich selbst. Biologisch gesehen ist das sogar gesund – “es nützt” ihnen selbst und Selbstorganisation funktioniert ja in der Natur. Selbstorganisation wird von Ich-Menschen allerdings allzu wörtlich verstanden – und weil es Ichmenschen und die Mitte gibt, brauchen wir Gesetze. “Gutmenschen/WOchOs/Sissies” bräuchten eigentlich keine, weil die so wie so nix (d.h. zu wenig) tun – also auch nix Böses. Holger: Der Markt und der Krieg sind Einrichtungen für Ichmenschen – die fühlen sich wohl, wenn die Kurse so richtig zucken, richtig viel Blut spritzt und für einen Riesenschwanz im Koppe ist auch keine Summe zu hoch und kein Gegner zu groß. Ichmenschen sind Götter in sich selbst, die nur durch schlimme und traumatische Erfahrungen lernen.
Die Zukunft sieht daher wieder WOchOs an den Schalthebeln der Macht – Ichmenschen sind dann wieder Tiermenschen. Und nach 20-50 Jahren WOchO-Sozialismus ist zu wenig passiert und die ganze Chose beginnt von vorn.

enrico Februar 12, 2012 um 16:21

Vergessen wir es niemals:
Die entwürdigende Situation von @Degnaphta ist eindeutig eine Folge zynischer, verlogener und eben verräterische SPD-Schergen, die sich gleichzeitig bereichert haben!
Und das SPD Fußvolk, wie auch viele “Journalisten” war sehr fleißig, ihre “Führer” untertänigst dabei zu unterstützen.

Das wird niemals vergessen! Laterne, Laterne, Sonnenmond und Morgensterne…

Bloggerkeule Februar 12, 2012 um 16:47

@ enrico

Dann hör, lies mal das Interview mit dem designierten MP des Saarlandes

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/idw_dlf/1674925/

“Maas: Weil ich finde, dass die Schuldenbremse den Haushaltssituationen in den einzelnen Bundesländern nicht gerecht wird in dem Sinne. Sie legt den gleichen Maßstab an, an alle Länder, völlig unabhängig davon, wie die Ausgangslage ist. Ich hätte mir da etwas mehr Flexibilität erwünscht, es ist aber nicht so. Sie ist im Grundgesetz nun einmal so verankert, wie sie ist. Das akzeptieren wir im Ergebnis und sagen auch, die SPD in der Regierung wird die Vorgaben der Schuldenbremse einhalten. Das tut die Linkspartei nicht. Das macht sie nach meiner Auffassung nicht nur nicht regierungsfähig, sondern das ist ein Hinweis darauf, dass sie eigentlich gar nicht regieren will, weil es nämlich unangenehm wird.”

Der wird der erste sein sich auf den Ausnahmetatbestand zu berufen … no comment.

oder dies

“Maas: Die höchste ist es nicht, die höchste Pro-Kopf-Verschuldung haben die Bremer. Aber das macht es auch nicht viel besser. Das ist eine schwierige Situation, wir haben immer darauf hingewiesen, dass das Land natürlich eigene Sparbemühungen realisieren muss, aber dass wir bei über zwölf Milliarden Schulden, also einer Zinslast von etwa einer halbe Milliarde Euro pro Jahr bei einem Gesamtetat von 3,5 Milliarden Euro pro Jahr, es am Schluss nicht gehen wird, ohne dass wir irgendwann eine Lösung für die Altschulden haben. Es ist immer mal wieder über einen Altschuldenfonds auf Bundesebene geredet worden, weil auch andere Bundesländer große Probleme haben. Die ostdeutschen Bundesländer werden finanziell nach Auslaufen des Solidarpaktes auch nicht handlungsfähig sein. Ich gehe davon aus, dass in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts es noch einmal eine Föderalismuskommission geben wird, in der auch die Finanzbeziehung zwischen den Ländern und dem Bund und den Ländern noch einmal neu geregelt wird, weil auch der Länderfinanzausgleich 2019 ausläuft.

Meurer: Und was wird dann am Ende stehen? Dass das Saarland sagt: Wir möchten bitte weiterhin Ausgleichszahlungen, damit’s bei uns langt?

Maas: Nein, bis dahin, bis diese Arbeit beginnt in einer neuen Föderalismuskommission, muss das Saarland nachgewiesen haben, dass es auf einem Sanierungsweg ist und in der Lage ist, zumindest einen nicht unerheblichen Teil der Sanierungsauflagen zu erfüllen. Dafür werden die nächsten vier Jahre sehr wichtig sein. Und das ist der Weg, den wir auch für richtig halten.”

Sozialisierung in einen Altschuldenfonds … alles klar.

holger Februar 12, 2012 um 16:48

@ Natalius

ertstmal sind wir alle Ich-Menschen. Geht es den Ich-Menschen gut, können sie erst teilen. Was auch immer. Der Spruch: “Die Kette ist nur so “stark”, wie ihr schwächstes Glied” trifft schon zu. Ich bin kein Gut-Mensch. Beim besten Willen nicht. Das beruht sich auf Gegenseitigkeit. Und manchmal wähle ich bewusst radikale Worte und vergesse dabei auch bewusst die Nettigkeit. Weil mit lauter hattatei kommt ja auch nicht gut durch. Was ich aber nicht ab kann, ist, wenn Leute, die noch alle 10 Finger haben, anderen erklären wollen, wie man die Gabel mit 8 Fingern halten zu hat. Ob du es mir glaubst oder nicht, zu mir “kommen” ganz viele Leute mit diesem und jenen Seelischen Wehwehchen. Die letzte war unlängst meine Schwägerin, die einen Suizidanfall hinter sich gebracht hatte, und von der Intensiv mich angerufen hatte, mit der Bitte ihr da raus zu helfen. Einen Tag später nach etlichen Telefonaten auch seitens meiner Frau (deren Schwester) hockt sie wieder bei dem Spasten (Schwippsschwager, “Drogen”?) rum. Meinste die hätte sich noch mal gemeldet? Weder bei ihrer Schwester noch bei mir. Das nächste mal, wird sie bei uns nicht mehr um Hilfe anrufen können. Der Friedhofswärter, wäre da der bessere Gesprächspartner. Mit dem kann sie dann diskutieren, wie tief das Loch denn sein möge. Wir haben schon mehrfach unsere Hilfe angeboten. Sie kann sie nicht annehmen, weil sie nicht will mit Knapp 48 Lenzen. Und beim nächsten Versuch, wäre ich der letzte, der sie davon abhalten würde.

Und jetzt zur Hilfe, ich wurde als 21 jähriger nach dem Unfall als Simulant abgestempelt, was ich denn wohl hätte. Na klar, im normalen Röntgen Apparatus sieht man meine Scheixxe an den Wirbeln auch nicht. Ich bin von Ponzius zu P. gelaufen. Taube Arme ab und zu, taube Beine ab und zu. Bis ich dann gnädiger Weise nach Drängen in die Röhre gekommen bin, Schichtaufnahmen. Und dann, bin ich auf alle meine Berufe “Tot” geschrieben worden. Lapidar hat die Frau Wixxerrin von der Kassenmedizin ja zu mir gesagt: Ich könne ja Pförtner werden. Gaaaaaanz große Klaaaasssssse. Als Ich-Mensch, kann die heute noch froh sein, dass ich mich unter Kontrolle hatte, sonst wäre ihr Unterkiefer leider zu Bruch gegangen. Was ich damit sagen will, ich habe die Scheixxe von diesem Staat BRD zu spüren bekommen. Was es heißt Hilfe zu rufen. Ich Scheixxe auf diesen Staat. Und das ist, was ich jedem sagen möchte, hilf dir selbst dann hilft dir Gott. Aber frage nie diese sozialistischen Arschlöcher, die mit voll gefressenen Wannst dir Hilfe anbieten wollen. Schneide ihnen zwei Finger ab, dann können sie evtl. mitreden.

Stephan Februar 12, 2012 um 17:12

Liebe Freunde,

für weitere Ausführungen zu tragischen und ungerechten persönlichen Familiendramen empfehle ich die Website Facebook.de. Diese Website lebt davon und ist genau zu dem Zweck programmiert worden andere Internetnutzer (Freunde!) an den dramatischen Entwicklungen im Privatleben des Facebook-Nutzers unmittelbar teilnehmen zu lassen. Eine Mitgliedschaft ist kostenlos und der Link kann hier auf wiesaussieht.de via Kommentar publiziert werden.

holger Februar 12, 2012 um 17:32

Lieber Stephan

sind wir schon bei 500+X ? Diese ganzen kleinen Weh Wehchen gehören ebenfalls zum Makro. Wie dies und jenes. Weil aus diesen ganz kleinen Baustellen ergibt sich erst das Große und Ganze. Aus all diesen kleinen Missgeschicken wird erst ein großes Rad. Und wenn ich die Ökonomie verstehen möchte, dann muss ich erstmal das ausführende Organ dahinter, den Menschen verstehen. Das ist nämlich das, was den Technokraten abgeht. Hier einfach auf FB (da bin ich nicht) zu verweisen, lieber Stephan, geht ein wenig fehl. Auch wenn hier einige Diskussionen Rabiat geführt werden, und auch wenn Mäandert wird, zeigt das mehr Menschlichkeit, und mehr Impulsivität, als zB bei stringent geführten Meinungsaustauschen mit Nettigkeit. Und glaube es mir, im echten Leben bin ich genau so. Passt nicht jedem, das ist mir aber klar und bewusst. Kannste @ froZ dazu fragen. Auch wenn ich nicht seiner Meinung bin, würde ich immer wieder mit ihm, das Glas Rotwein anstossen. Ob er mit mir, weiß ich nicht. Vermutlich eher nicht. :D Zu einer ordentlichen Streitkultur, gehören auch derbe Worte und Anekdoten aus dem Leben. Dass das wohlbehütete Zöglinge nicht hören wollen, ist mir klar. Man könnte ja an der Realität verzweifeln und zu Facebook wechseln.

Stephan Februar 12, 2012 um 17:53

@Holger
Alles schön und gut. Ich hab auch nichts gegen ein paar persönliche Anekdoten und Geschichten. Was du scheinbar nicht ganz verstehst ist, dass das hier nicht dein Privatblog ist wo du dich auskotzen kannst wie du lustig bist. Mich interessiert auch nicht wie du so im wirklichen Leben bist. Mich interessiert die Meinung von Kommentatoren zu den Beiträgen die hier geschrieben werden. Und die können auch gerne sehr derb sein. Aber deine Beiträge haben die Tendenz um deine Person und dein Befinden herum zu mäandern. Mit diesen Beiträgen bist du besser bei Facebook aufgehoben.

holger Februar 12, 2012 um 18:12

@ Stephan

—>>>Mich interessiert die Meinung von Kommentatoren zu den Beiträgen die hier geschrieben werden.”

—>>>Stephan Februar 1, 2012 um 22:47
Oops … viele interessante Kommentare. Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll? Na vielleicht mit dem netten Herrn Braunberger?”

—>>>Stephan Februar 5, 2012 um 13:21
Normalerweise kommentiere ich ab Kommentar >200 nicht mehr ;~) Spätestens dann haben unsere Kommentatoren ein neues Thema gefunden und diskutieren mit Leidenschaft über ihr neues Steckenpferd. ”

—>>>Stephan Februar 6, 2012 um 21:59
@Holger
Big surprise! Es gibt auch gute Ökonomen. Na ja. Ich arbeite gerade an meinem nächsten Beitrag”

Noch Fragen?

Stephan Februar 12, 2012 um 18:16

@Holger
Noch Fragen? Ja. Was genau willst du mir mitteilen? Außer dass es deiner Schwägerin schlecht geht und ihr euch zerstritten habt?

Nanuk Februar 12, 2012 um 18:30

@fl & @morph

“Man muss sich auch helfen lassen wollen.”

Das ist eine Grundgesetzwidrige Rechtsauffassung Herr Lübberding der Staat hat eine Bringschuld nicht der Bedürftige eine Holschuld sonst könnte man zb Behindertengerechtes bauen in Öffentlichen Gebäuden gar nicht verlangen usw…

Das Grundgesetz ist nicht auf dem Parteitag der Marxistischen Internationalen entstanden.So frei nach dem Motto
Es rettet uns kein höh’res Wesen,
kein Gott, kein Kaiser noch Tribun
Uns aus dem Elend zu erlösen
können wir nur selber tun!

holger Februar 12, 2012 um 18:37

@ Stephan

es geht ganz einfach darum, dass ich versuche, die Menschen verstehen zu wollen, die hinter diesem Ganzen stecken. Und mir geht es darum, ihnen zu schreiben: “Hey, du bist nicht der Einzige, der in der Merde steckt”. Und das es immer Wege und Möglichkeiten gibt daraus zu kommen. Und wenn @ Degnaphta (wenn es denn so ist, wie Degnaphta das schreibt) eigentlich HILFE ruft, dann reagiere ich darauf.

Das ist eben nun mal so. Habe ich mal gelernt, einem Verunfallten im Schock nicht zu erzählen, dass das Bein ab ist. Das kommt dann später. Habt ihr in Austria keine erste Hilfe Kurse? Und dann kann man schauen, was man aus der Situation macht. Und hier versagen die Ökonomen. Die holen ihr Handbuch raus und sabbeln I=S. Schulden=Guthaben. Laut Handbuch ist das Bein gar nicht ab. Geht gar nicht.

P.S. meine Schwägerin, hat ihre Schwester und mich verarscht. Wir sind nicht zerstritten, sie ist mit ihrer Aktion, für uns Gestorben. Entweder geht man einen Weg Konsequent oder lässt es sein. Was meinste, warum die uns angerufen hatte und ihr Männe durfte die Intensiv nicht betreten?, bestimmt nicht, weil wir zerstritten waren. Nun heißt es wieder, 2 Pullen Bacardi oder Vodka und ein wenig Pillen oben drauf. Bis zum nächsten Mal.

Nanuk Februar 12, 2012 um 18:38

Es gibt da auch den schönen § 323c
Unterlassene Hilfeleistung

Wer bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr oder Not nicht Hilfe leistet, obwohl dies erforderlich und ihm den Umständen nach zuzumuten, insbesondere ohne erhebliche eigene Gefahr und ohne Verletzung anderer wichtiger Pflichten möglich ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.

Nanuk Februar 12, 2012 um 18:41

Das gilt erstmal für jeden das man beim Staat höhere Maßstäbe anlegen sollte hat Lübberding ja des öfteren in der Kausa Wulf bekundet….

Nanuk Februar 12, 2012 um 18:49

Wie möchte denn der Herr Lübberding zb Rechtfertigen was gängige Praxis bei der Polizeiarbeit ist
Um mal ein beispiel zu nennen Frauen die von ihren Männern geschlagen werden. Wenn der Nachbar Anruft muss die Polizei rausfahren und kontrollieren.Die wartet dann nicht bis die Frau sich meldet und röchelt am Telefon hängt oder ähnliches.

Natalius Februar 12, 2012 um 19:22

@Stephan,

warum freuen Sie sich nicht einfach darüber, daß Wiessaussieht NACH WGXN eine Erfolgsstory geworden ist?
Und dass wir heute die 500er Grenze bei einem einzigen Thread gesprengt haben! Zu jeder Erfolgsstory gehört Authentizität, die eben auch auf individuellen Lebenserfahrungen fusst. Ökonomie ist in erster Linie eine Humanwissenschaft und das Sein hat schon immer das Bewusstsein bestimmt, da braucht’s weder Marx noch Murx, um das zu erkennen. Ich finde es gut, dass der Freistil a la Holger nicht abgebloggt wird auf FB – ich brauche keine Fotos um humane Wirklichkeiten zu erkennen – eine talentierte Beschreibung reicht aus. Und wenn die “praktische Hilfe” von Hans Huett zu einem Buch oder auch nur zu einem FAZ-Beitrag von Degnaphta führt, dann ist das wieder ein Beispiel dafür, wie Menschen in schlimmen Zeiten voneinander lernen können. Große Veränderungen setzen viele kleine Schritte in die richtige Richtung voraus…

Also Stephan: Cheers and try to see >500 as a compliment by your readership!

Wilma Februar 12, 2012 um 22:18

@ holger
Bei uns sagt man, Pack schlägt sich, Pach verträgt sich.

Bei uns in Duisburg wurde heute OB Sauerland abgewählt.
Damit haben auch die Optimisten nicht gerechnet.
Der Stadtdirektor war der Meinung, hier in Duisburg gibt es keine Bürgerlichen mehr und erst recht kein Bildungsbürgertum.
So war man der Meinung, der Pöbel würde schon nichts ändern können.
P.S. Herr Greulich (Grüne) Unterstützer von OB Sauerland.

Thor Februar 12, 2012 um 23:27

Obs dem Strobl wohl noch manchmal in den Fingern juckt hier zu kommentieren?
Ich wette ja….

Bloggerkeule Februar 12, 2012 um 23:28

@ enrico

nochmal zum Saarland und der Finanzierung im Förderalismus :

http://blog.zeit.de/zweitstimme/2012/01/17/grose-koalition-an-der-saar-oder-was-nun/comment-page-2/#comments

weil doch dort als nächstes gewählt wird ;-)

was ist mit Kretsche +Kraft?
würden die eine richtige Finanzmarktregulierung hinkriegen?

Bloggerkeule Februar 12, 2012 um 23:31

@ Thor

genau das wollte ich gestern auch schon fragen ;-)

ist noch einiges zu klären – so ökonomisch betrachtet…oder?

Thor Februar 12, 2012 um 23:39

@Bloggerkeule

Nö, ökonomisch eigentlich nicht, deswegen hat er ja aufgegeben. Nur so rein menschlich. Das war ja das eigentlich Hauptthema, auch wenn Stephan sich jetzt beschwert….

MfG

Degnaphta Februar 13, 2012 um 01:58

@ morph
… Und lässt Ausweispapiere vergilben.
Was schlägst du vor? Todesstrafe durch Hunger? Alles klar, ist in Arbeit ;-)
Die selbst-Schuld-Keule trifft immer. Deshalb ist sie als Werkzeug mit Bedacht zu verwenden. Daß man dir sowas erklären muß, irritiert mich doch etwas.
Die analytische Retrospektive zur Fehlererkennung und -beseitigung kann ja nur dann fruchten, wenn man von der aktuellen Problemlage bis dahin zurückkehrt auf dem Zeitstrahl, wo in etwa eine ähnliche Problemlage herrschte. War die damals verfolgte Strategie tatsächlich gut&richtig? Oder war sie nur eigentlich gut aber im Ergebnis falsch? Und wie sind die Rahmenbedingungen damals und heute?
Gehe ich zu weit zurück, wird es garantiert nutzlos. “Hätte ich nur damals Abitur gemacht, anschließend studiert und mich dann auf meine Karriere konzentriert.” Völlig sinnlose Überlegung kann ich doch die Zeit nicht zurückdrehen. “Hätte ich bloß auf meine innerlichen Alarmglocken gehört, als meine Ex diese Heiratsidee auf den Tisch warf.” Ja, um der evolution willen, dann hätte ich meine Kinder nicht, und die sehe ich nach wie vor als den größten Segen und üppigste Gabe, die mir das Universum machen konnte. Da schnalle ich heute noch nicht, womit ich diesen Reichtum verdient habe. Scheiß auf “Kinder sind ein Armutsrisiko” Diese beschämende Tatsache unserer gesellschaftlichen Aufstellung gilt mindestens seit den 80ern als belegt, und hätte locker als Problemstellung entschärft werden können, wenn man es denn gewollt hätte.
Der Blick kann also nicht allzu weit in die Vergangenheit reichen, wenn es um die aktuelle Problematik geht. Die ist im Unterschied zu ihrem Beginn in eskaliertem Zustand, aber noch dieselbe. Ich bin jedoch ein anderer geworden. Meine Kompetenzen und Kapazitäten haben sich verändert. Meine Handlungsreichweite ist eine andere geworden.

Eventuell hast du mich total falsch verstanden. Sowas passiert ja immer wieder mal.
Aber Dein Sohn soll sich “einfach nur” mal eben Hilfe holen, ja?
Wenn das tatsächlich kern meiner Ansicht wäre, dann bräuchte ich mich doch nicht vor Sorge verzehren. Dann wäre es doch “einfach nur” und es gäbe keinen Grund zum Jammern.
Mein Sohn hat sich so eingemauert, daß er die Erkenntnis verweigert, hilfsbedürftig zu sein. Und wenn ich ihm im Gespräch zumindest das Lippenbekenntnis abringe, daß er tief in der Tinte stecke und dringender Handlungsbedarf bestünde, dann steigt er an dem Punkt aus, an dem es um die Erwägung der nächsten konkreten Schritte geht. Und “Hilfe Suchen” wäre ein solcher Schritt. Wo dann welche Hilfe gesucht wird, ist dann der eigentliche Folgeschritt. Dadurch, daß wir konkrete Leitlinien auf Grund der Gesetzeslage haben, ist die Anzahl der Optionen beschränkt.
Wenn er seine Prioritäten darin liegen sieht, daß er aus meinem Dunstkreis verschwindet, muß er die entsprechenden Rahmenbedingungen berücksichtigen. Um hier in der Nähe zu bleiben und nicht bei mir zu wohnen, muß unser irreparabel zerrüttetes Verhältnis aktenkundig gemacht werden. Das kann entweder geschehen, indem wir uns beuteln. Also er knüppelt mich nieder, oder ich ihn. Dann wäre allerdings einer von uns Straftäter. Vor meiner Verrentung, dem Erhalt des Halbverrücktheitsstatus und dem ganzen Kram hätte ich dieses Opfer für ihn gebracht. Meine Statistik ist so im Arsch, da käme es auch auf nen Eintrag als Schläger nicht mehr an. Doch jetzt würde ich wahrscheinlich -schwups- für vollverrückt erklärt und irgendwo weggesperrt. Das geht mir denn doch zu weit an Selbstaufgabe. Auch wenn ich früher oder später irgend sowas erleben sollte, möchte ich es nicht vorschnell herbeiführen.
Der andere ‘offizielle Weg’ ist der über ein ärztliches Attest, welches jedoch nicht vom Hausarzt stammen darf. Da wäre eine psychologische Beratungsstelle oder eine entsprechende Klinik der richtige Ort. Doch auch dieser Weg wäre für mich eine Art Opferung, müßte ich doch die irreversible Zerrütung von meiner seite bestätigen, was ganz klar eine Lüge wäre. Und ich lüge üblicherweise nicht gerne.
Und jetzt gezwungen zu sein, mich mit Lug&Trug durchtricksen zu müssen, nur weil sich eine gezielt verhedderte Gesetzeslage als Druckmittel aufbaut, erachte ich als systematische Entwürdigung durch den Unrechtsstaat.
Alleine, daß ich darüber nachdenken muß, ob ich nicht vielleicht ein kriminelles Geschäftsmodell performen könnte, finde ich entwürdigend. Wo sind wir denn hier?
Es könnte sein, dass er seinem Vater aus Liebe beweisen möchte, dass die Welt in der Tat so beschissen ist, wie sein Vater sagt, und alles daran setzt, dass sich seine und seines Vaters Lage auch nicht einen Millimeter aus der permanenten Katastrophe herausbewegt. Kinder tun so etwas. Aus Liebe.
Und? Welche Konsequenzen ergeben sich daraus?
Also wirklich morph, das ist grannatenmäßig, was du hier abläßt.
Falls es dich tröstet, kann ich dir versichern, daß wir uns lieb haben und sogar darüber kommunizieren können.
Teil der Problematik ist sicherlich der Punkt der Alleinerziehung. Der junge hat einen heftigen Groll gegen seine Mutter, die ihn erst schmählich im Stich gelassen hat und dann zu sich ‘gelockt’ hat, als er der Vorhölle hier zu entfliehen versuchte, um ihm dann zu zeigen, daß es auch eine Hölle gibt. Die Mutterschaft ihm gegenüber hat sie aufgekündigt von ihrer Seite.
Jetzt hat er als möglichen Hauklotz nur mich. Ähnlich sieht es für den kleinen Bruder aus. Wenn er seinen Frust irgendwo rauslassen will, dann komme ausschließlich ich in Frage. Dem bin ich mal gewachsen und mal nicht. Doch daß solche stinknormalen Schwulitäten des familiären Miteinanders sich dermaßen zu Problembergen aufschaukeln, hat selbstverständlich auch mit den rahmenbedingungen zu tun.
Meine These ist da recht simpel gestrickt. Ohne die Agenda2010 hätten wir wahrscheinlich ähnliche familiäre Probleme, aber diese wären nicht in dem Maße verfahren und es gäbe mehr und fruchtbarere Ansätze.
Wahrscheinlich wäre ich nicht so extrem krank. Wahrscheinlich wäre unser Freundeskreis nicht so zerfallen. Wahrscheinlich hätten die Leute auf den Parkplätzen oder an den Ladenkassen nicht so verhärmte Muffelfressen.

holger Februar 13, 2012 um 09:08

Neulich bei Stephan

http://www.youtube.com/watch?v=sZNyXlH_Zf4&feature=related

Jehova Jehova Jehova :D

Degnaphta Februar 13, 2012 um 09:20

Hat die Rekordlänge des threads die Maschine überfordert?

mein letzter Beitragsversuch ist im Status “awaiting moderation” stecken geblieben. Dafür ist der thread in kursiver Schrift bis zu dem Punkt “Systemfrager Februar 2, 2012 um 10:33″ als Wiederholung mit eingebaut.
Dahinter ist noch ein weiterer aber ‘richtiger’ Beitrag von @holger.
Da ist wohl was kaputt.

Degnaphta Februar 13, 2012 um 09:23

wohl doch nicht ganz kaputt. Ein weiterer browser-refresh hat den kursiven Teil getilgt aber die Moderationserwartung noch übrig gelassen. na denn…

enrico Februar 13, 2012 um 10:11

@Bloggerkeule

würden die eine richtige Finanzmarktregulierung hinkriegen?
Nein.
Im Übrigen braucht niemand einen “Finanzmarkt”, wenn er davon nicht abhängig ist. Insofern muss man den “Finanzmarkt” auch nicht regulieren, eher abschaffen und die bisher dort Beschäftigten als Erntehelfer in der Landwirtschaft Zentralafrikas einsetzten. D.h. der Staat, das Land usw. kann ohne weiteres auch ohne Finanzmarkt und Finanzaffen finanziert werden. (-> öffentliches Giralsystem, Monetative. Alles bekannt).

Das übersteigt allerdings den Denkhorizont der SPD-CDU-Grünschleim-Politiker. Die plappern lieber das nach, was ihnen vorgesagt wird. Tautologie der unzitierbaren Finanzortlosen.

Wozu Transfers?
Das Wort “Transfer” ist irreführend! Es suggeriert, dass da ein Land, ein Staat, eine Region nicht in der Lage wäre, den eigenen Bedarf zu decken und nun auf Hilfe von außen angewiesen ist. Dem ist aber nicht so. Es geht um die asymmetrische Handelsbilanz. Wenn die Saarländer mehr aus dem Nicht-Saarland kaufen als die Nicht-Saarländer bei den Saarländern kaufen, dann müssen die unausgeglichenen Handelsbilanzen eben auf anderem Wege wieder ausgeglichen werden. Dann muss das Nicht-Saarland halt Steuern an den Bund zahlen, die zu Gunsten der Saarländer gehen.
Selber schuld, sie hätten ja etwas aus dem Saarland kaufen können.

So ist das auch mit Griechenland und Deutschland: Es kann nicht sein, dass die Deutschen laufend mehr nach Griechenland verkaufen als sie dort einkaufen. Das ist nicht nur asozial sondern auch noch reichlich dumm.
Aber genau dieses wurde und wird nach wie vor von den SPD-CDU-Grünschleimparteien empfohlen.

Mein Gott, was kann man da schon tun? Blödheit hat halt die Obermacht in D.

holger Februar 13, 2012 um 11:06

Schön so etwas zu lesen :D

Erstmals rutschten beide Parteien laut der Umfrage unter die 500.000-Marke, wobei die SPD ihren Mitgliederstand zum Jahresende noch nicht beziffern konnte. Vor 20 Jahren hatte die SPD noch fast eine Million Mitglieder.

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,814888,00.html

Nein, die ESpädä (Partei der sozialistischen Aaaaabeiter Front Glück Auf und Ab) weiß zum 31.12.2011 nicht, wer das Rot-Front Kämpfer Buch samt Banner in der Hand hält. :D Ja…melden die die Daten nicht ordnungsgemäß zum 10ten über Elster an? Einigkeit und Recht auf Blödheit, sind des Glückes Unterpfand.

Das Michael Sommer Lied.

kassberg Februar 13, 2012 um 11:15

Enrico

Du siehst das aus Deiner Sicht und da ist die Analyse richtig.
Aus der Sicht der Exportindustrie ist das aber keinesfalls dumm, im Gegenteil , dieses Geschäftsmodell soll unbedingt aufrecht erhalten werden. Was schert das die Asozialen, wenn Dritte die Geschäfte finanzieren oder dafür bürgen ?

Natürlich werden die Dritten, zu deren Lasten die Geschäfte gemacht werden, sich das nicht ewig anschauen wollen. Deshalb dringen die Asozialen ja seit Jahren darauf , die Dritten möglichst lückenlos zu überwachen und die Bundeswehr bei Bedarf in Inneren einzusetzen.

Blöd sind sie nicht, die Asozialen.

f.luebberding f.luebberding Februar 13, 2012 um 11:29

Degnaphta

Es ist nichts in der Moideration.

enrico Februar 13, 2012 um 12:05

@Kassberg
Blöd sind sie nicht, die Asozialen.
Da hast Du natürlich recht. Blöd sind sie nicht die Macht-Asozialen.
Nur sind sie kurzsichtig. Wenn sie Reichtum erstrebenswerter ansehen als Wohlstand, dann werden ihre Nachkommen dafür büßen müssen.

Natürlich werden die Dritten, zu deren Lasten die Geschäfte gemacht werden, sich das nicht ewig anschauen wollen. Deshalb dringen die Asozialen ja seit Jahren darauf , die Dritten möglichst lückenlos zu überwachen und die Bundeswehr bei Bedarf in Inneren einzusetzen.

So ist es. Und die SPD-CDU-”Grünen” werden die Macht-Asozialen dabei weiterhin unterwürfigst unterstützen.
Mit “Blödheit hat die Obermacht in D” meinte ich das Fußvolk, das diesen Betrug, zum eigenen Nachteil, auch noch unterstützt.
Und zu diesen verblödeten Vasallen gehört eindeutig auch die Zunft der sogenannten “Journalisten”, sowie auch die der pro-stituierten “Wirtschaftsexperten”.

Die Exportindustrie, ihre Machthaber und vor allem ihre Dödel-Vasallen ist der größte Feind im eigenen Land!

Morph Februar 13, 2012 um 12:26

@Degnaphta

“Die selbst-Schuld-Keule trifft immer.”

Wenn’s nach mir ginge, träfe die nie, denn Schuldzuweisungen sind immer vordergründige Entlastungsversuche mit begrenzter Wirksamkeit, und das gilt sowohl für Selbstbezichtigungen, als auch für Fremdbezichtigungen. Wirklich lösen lässt sich ein Problem nicht dadurch, dass man die Schuldfrage klärt (oder zu klären glaubt).

Mir ist an Deiner Beschreibung Deiner Lage aufgefallen, dass Du sie als ausweglos schilderst. Du erwartest aber offensichtlich, dass Deine Jungs für sich einen Ausweg finden. Das können sie aber nach Lage der Dinge nur, indem sie die Weltbeschreibung ihres Vaters ablehnen. Zugleich bezeichnest Du aber Euren Zusammenhalt als größten Segen und üppigste Gabe.

Ich kenne Deine/Eure Verhältnisse natürlich nicht näher. Aber aus dem was Du schreibst, habe ich den Eindruck, dass Deine Söhne in einem Widerspruch gefangen sind. Entweder sie halten zu Dir und bestätigen Deine Weltsicht, dass der Zug abgefahren ist und alles nur noch schlimmer werden kann (und bereiten Dir damit unerträgliche Sorgen, dass sie ihr Leben nicht auf die Reihe bringen). Oder sie raffen sich auf und gehen ihr Leben mit dem Optimismus an, dass sie es packen können, wenn sie sich Hilfe holen und sich anstrengen (dann aber widersprechen sie Deinem Weltbild, dass die Agenda-2010-Verbrecher die Verhältnisse mutwillig so eingerichtet haben, dass Leute wie Du in Elend und Tod getrieben werden).

Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass man in eine Ausweglosigkeitserstarrung geraten kann und dass man sich fatalerweise gerade in einer solidarischen Gruppe (Freundschaft, Familie, Arbeitsteam) in eine selbstverstärkende Erstarrungsdynamik hineinleben kann. Man wird einander gegenseitig zum Handicap, zum ‘ehrenwerten Hindernis’.

Wenn da was dran ist, dann kommt ihr da nur zusammen raus. Nicht Dein Sohnemann brauch professionelle Hilfe, nicht Du brauchst professionelle Hilfe – Ihr ZUSAMMEN braucht professionelle Hilfe.

enrico Februar 13, 2012 um 13:04

@Degnaphta

Und jetzt gezwungen zu sein, mich mit Lug&Trug durchtricksen zu müssen, nur weil sich eine gezielt verhedderte Gesetzeslage als Druckmittel aufbaut, erachte ich als systematische Entwürdigung durch den Unrechtsstaat.
Alleine, daß ich darüber nachdenken muß, ob ich nicht vielleicht ein kriminelles Geschäftsmodell performen könnte, finde ich entwürdigend. Wo sind wir denn hier?

Ob Unrechtsstaat oder nicht, Tatsache ist doch, dass es nicht dein Staat sondern ein Staat anderer ist. Sozusagen eine Besatzungsmacht. Wenn man das so sieht, dann verliert sich das Gefühl der Entwürdigung und die eigene Phantasie lebt wieder auf. Und unter dem Regime einer Besatzungsmacht ist das, was Du als “Lug&Trug” bezeichnest, lediglich notwendiges Tarnen und Täuschen. Partisanentechnik.
Schreibe zwei Listen: Alle deine Freunde – Alle deine Feinde.
Finde neue Freunde und entferne dich von alten Feinden. Meide neue Feindschaften.
Verstehe deine Feinde und täusche sie, so dass durch ihre übelgesinnten Machenschaften selbst Schaden nehmen.
Verstehe deine Freunde und unterstütze sie.

Nanuk Februar 13, 2012 um 13:08

@Degnaphta
Btw du solltest deine Normopathie schnellstens behandeln lassen… ;)

“Mein Sohn hat sich so eingemauert, daß er die Erkenntnis verweigert, hilfsbedürftig zu sein.”

Früher nannte man das seinen Stolz bewahren… die Pathologisierer sind immer ganz schnell dabei.

holger Februar 13, 2012 um 13:11

@ Morph

—>>>Wenn da was dran ist, dann kommt ihr da nur zusammen raus. Nicht Dein Sohnemann brauch professionelle Hilfe, nicht Du brauchst professionelle Hilfe – Ihr ZUSAMMEN braucht professionelle Hilfe.”

Diesen Bull Shit kann ich nicht mehr lesen, was Menschen brauchen, ist eine professionelle “Perspektive”. Und nicht Hilfe. Und diese Perspektive, sollte man den Menschen aufzeigen können. Ansonsten ist “Hilfe” nur ein weiteres vegetieren. Ein vorgaukeln falscher Tatsachen. Bestes Beispiel = Umschulung und trotzdem Nutzlos. Nicht Gesellschaftsfähig. Exkludiert. Warum auch immer. Das Bein ist ab. Obwohl der Fuß noch juckt. Phantomjucken. Und nun kann man sich selber beweinen, oder man versucht, es selbst für sich zu regeln. Und dann kommt es darauf an, was mache ich aus meiner “Frei”-Zeit. Heule ich nur rum, oder suche mir etwas anderes. Da kommt natürlich hinzu, dass manche Gegenden in der EUDSSR eben nun mal Entleerungszonen sind. Und Anstatt irgendwelche Beamte und Jobtrainer sich dem annehmen, wäre im Fall Familie Degnaphta eine Bahncard 100 angebracht. Damit die mal mobil aus dem Bereich rauskommen, wo sie gefesselt sind. Und wenn HIV noch dazu kommt, dürfen die ihre Wohnhaft nicht einfach so verlassen. Sie müssen sich bei ihrem Lagerverwalter ordnungsgemäß abmelden, sonst können ihnen vom Kommandanten SS Agentur für Aaaaabeit macht Frei, die Flocken gestrichen werden. Heil Schröder. Heil SPDÄÄÄÄ.

Nanuk Februar 13, 2012 um 13:18

Ebenso wie bei Ärger, Furcht, Traurigkeit, Überraschung und Freude handelt es sich beim Stolz um eine elementare Emotion, die angeboren und nicht anerzogen ist.

Nanuk Februar 13, 2012 um 13:45

Man muss eigendlich diejenigen behandeln die in den Arbeitsämtern sitzen und Menschen die Einkünfte streichen und anschliessen zufrieden nach Hause gehen weil deren empathische Fähigkeiten gegen 0 tendieren und ja so etwas ist wirklich Pathologisch…

Viele depressive leiden einfach mit und sind sehr gefühlvolle Menschen
um mal zu Sarrazinen ein Mangel an Spiegelneuronen ist Genetisch… ;)

Natalius Februar 13, 2012 um 14:01

@ Morph

“Ihr ZUSAMMEN braucht professionelle Hilfe.”
Ihre Empfehlung entspringt einer Zeit, die längst vergangen ist. Das soll kein Vorwurf sein. Ich selbst habe bis vor wenigen Jahren noch angenommen, daß Situationen, wie sie von Degnaphta und Holger oben beschrieben sind, in jedem Fall durch staatliche Hilfe gelöst werden können (sollen, müssen). Vielleicht gibt es ja auch noch Städte und Regionen, in denen solch professionelle Hilfe gewährt wird. Ich selbst lebe in einem bevölkerungsreichen und zugleich strukturschwachen Bundesland mit hoch verschuldeten Städten. Vor drei oder vier Jahren lernte ich – nennen wir ihn hier – LR kennen, der mich darüber aufklärte, wie die Praxis des Sozialwesens in einer benachbarten Großstadt aussieht. Ich kannte noch nicht den Spruch “Eure Armut kotzt mich an”. Aber so in etwa sieht das aus, wenn ein professioneller Helfer tagtäglich mit Problemen konfrontiert wird, die er lösen WILL, aber nicht mehr lösen KANN, einfach weil das Geld nicht ausreicht. Da wird SYSTEMATISCH mit juristischer Desinformation/Fehlberatung, Aufschub, Verzögerung, Abwarten operiert, weil es finanziell nicht mehr anders geht; alles noch gerade im Rahmen der Vorschriften, versteht sich. LR machte mich auch darauf aufmerksam, daß ein Großteil dieser Probleme heute hausgemacht sind, weil man über Jahrzehnte eine Immigrationspolitik betrieben hat, die heute nicht mehr aufgeht. Das war noch vor Sarrazin – Insider wussten es, haben darüber aber nie öffentlich gesprochen. Wenn man drüber nachdenkt, das Asylantenproblem ist ja auch kein primäres. Das primäre Problem ist die Entstehung einer Lorenz-Kurve, die nicht mehr zu rechtfertigen ist. Die Ursachen sind – ganz einfach – (1) the law of compound interest in combination with fractional reserve banking – (2) the emergence of harvestable and thus self-amplifying volatility on the financial markets (as a consequence of high speed trading).
Für (2) hat sich Herr Tobin eine Lösung ausgedacht. Für (1) haben wir uns etwas überlegt, das wir monetary growth order nennen.

Ich würde das gerne noch mal erläutern…

holger Februar 13, 2012 um 14:44

Hach was für ein herrlicher Tag: „Tue jeden Tag etwas gutes“

Nun hat mich heute Morgen ne Dame aus dem Callcenter der Deutschen Delle Komm angerufen. Ob ich denn nicht noch 50 Minuten in alle Netze dazu buchen wollte, für mein Ei-Phone. 5 Euronen kostet das Update. Ich fragte sie, ob sie denn das dürfte, und was Mehdorn dazu zu sagen hätte. Und mit wem ich denn nun die 50 Minuten quatschen sollte. Hört mir ja eh keiner zu. Doch… die Rechnungstelle, meinte, dass ich immer so im Grenzbereich liegen würde, und das das Telefonieren, dann doch 29 Cent /Minute kosten würde und nicht die von ihr aversierten 10 Cent. (Ob sie denn ihren Lohn drücken wollte) Aber Mehdorn, das wusste die Agentin, ist ja nun bei Air Berlin und nicht mehr bei der bahn. Oha. Ich fragte nach 9 eleven, und ob das denn nun auch hier passieren täte. Wegen dem Mehdorn. Und ob ich nicht doch den Wuff Tarif buchen könnte. Was ist der Wuff Tarif? Ja… ich sachte zu ihr: naja, eine Flat mit Bobby Car Norderney auf Sylt und Flugmeilen von Mehdorn. 6 Monate mit Glaeseker gültig. Nun fing sie echt an, ich sollte bei ihren Freunden in der Marketing Abteilung anfangen. Sie kannte natürlich ihre Freunde aus der Rechnungsabteilung ein Raum daneben natürlich nicht. Was ich dementierte und fragte, ob sie nicht ein Bobby Car hätte. Ich weiß nicht, warum sie nur gelacht hat. Nun musste ich ja auch noch den Auftrag mit Aufnahme bestätigen. Sie sagte mir: Das Band startet jetzt. Welches Band? Fragte ich. Ist das nen Walkman aus alten Zeiten? Nee, alles High Tech… 908 Sekunden waren da schon vorbei, und im Hintergrund waren alle amused… Lautsprecher etwa? Was solls, sie hat sich bedankt und ist nicht mehr aus dem Lachen rausgekommen. So etwas wäre ihr noch nicht untergekommen, und wird wieder anrufen. So alle drei Monate. Und vielleicht gibt’s ja dann tatsächlich den Wuff-Tarif. Wer weiß das schon.

Natalius Februar 13, 2012 um 15:29

Prekäres aus den Deutschen Mittelstandsnachrichten
(Über Börsen-Makler im Deutschland-Trikot und den freien Morphium-Zugang für alle Arzt-Gattinnen)
Mann, bin ich blöd:
http://www.bild.de/news/inland/mord/erstach-arzt-gattin-liebhaber-mit-kaesemesser-22610854.bild.html

Morph Februar 13, 2012 um 15:44

@Holger

“Diesen Bull Shit kann ich nicht mehr lesen, was Menschen brauchen, ist eine professionelle “Perspektive”. Und nicht Hilfe.”

@Degnaphta hat von professioneller Hilfe für seinen Sohn gesprochen. Mein Argument ist, dass die Situation, in der er und seine Söhne leben, vermutlich nur gemeinsam zu verändern ist.

@Holger & @Natalius (auch @Wilma und @wepoc)

@Degnaphtas Beschreibungen seiner Situation als Belegbeispiel für Eure privaten ‘Grundübel’-Diagnosen zu nehmen, ist schon recht, äh, speziell ;-) Soll ich versuchen, Euch zu erklären, WIE verkorkst, psychoausbeuterisch und komplettbescheuert Euer Mitleidsgehampel ist? Ach was, hat ja eh keinen Zweck.

und noch mal speziell für Dich, @Holger

Du findest Dich ganz wunderbar, stimmt’s? So ganz lebendig und gerade heraus. Ein Pfundskerl, was? Ja, das bist Du auch, ganz bestimmt!

Und? Holzöfchen schön warm? Feinfein. – Hmja, und so ein I-Phone: Super Spielzeug, ne? Tjajaja. – Und? Urlaub auf Sizilien? Auch schon wieder gebucht? Na, dann ist ja alles in Butter.

Höchstens bisschen langweilig, oder? Naja, Du weißt Dir schon zu helfen. Einfach mal ein paar Lehrer des formidablen Besserwissersohns zusammenscheißen, hihi, da kommt Leben in die Bude!

Jau, jau. Und wenn die Schwägerin doch noch anruft, was machste dann? Schon einen Text zurechtgelegt, von wegen: Du blöde xxx, wer hat Dir in’s Hirn ge-xxx, dass Du jetzt erst anrufst? Das nächste Mal sieh’ zu dass Du hin bist, Du scheiß xxx!!! Wenn Holger hilft, dann will er ein DANKESCHÖN!!! Aber SUBITO!!!! So oder ähnlich? – Na super!

Bist wirklich ein Prachtmensch!

holger Februar 13, 2012 um 16:18

@ Morph

Danke schön :D

—>>>Du findest Dich ganz wunderbar, stimmt’s?”

Ja, warum denn auch nicht? Du dich nicht?

—>>>Und? Holzöfchen schön warm? Feinfein. – Hmja, und so ein I-Phone: Super Spielzeug, ne? Tjajaja. – Und? Urlaub auf Sizilien? Auch schon wieder gebucht? Na, dann ist ja alles in Butter.

Na klar. Warum sollte es auch nicht in Butter sein? Du hast die LTD in Hong-Kong vergessen.

—>>>Jau, jau. Und wenn die Schwägerin doch noch anruft, was machste dann? ”

Dann scheixxe ich ihr einen vor den Koffer. Und sie kann sehen wo sie bleibt.

—>>>Höchstens bisschen langweilig, oder? Naja, Du weißt Dir schon zu helfen. Einfach mal ein paar Lehrer des formidablen Besserwissersohns zusammenscheißen, hihi, da kommt Leben in die Bude!”

Natürlich. Mir hat das Leben mehr Narben gebracht, als du dir denken kannst. Du schwätzt mit einem Zombie. Einem Untoten. Der immer Recht hat. Der in die tiefsten Abgründe schauen durfte samt Tod. Der nie etwas “lernen” brauchte (Studium Autodidakt) sondern ihm ist es immer in das Hirn geflogen. Warum auch immer. Einem Besserwisser in Persona non Grata. Einem Arschloch. Damit kann ich Leben. :D Ein Wixxer eben. Dem man keine Angst mehr einjagt oder einjagen kann. Wenn hin, dann hin. Wenn das Leben überhaupt einen Sinn hat, dann ist es das Sterben. Mit USD in der Kralle oder ohne. Kommst du aber auch noch drauf. Spätestens dann, wenn dich der Fährmann abholt.

Carlos Manoso Februar 13, 2012 um 16:56

@ Nanuk Februar 13, 2012 um 13:45
„Man muss eigendlich diejenigen behandeln die in den Arbeitsämtern sitzen und Menschen die Einkünfte streichen und anschliessen zufrieden nach Hause gehen weil deren empathische Fähigkeiten gegen 0 tendieren und ja so etwas ist wirklich Pathologisch…“

Also eine ausnehmend schöne Cousine von mir arbeitet im Arbeitsamt, Abteilung „Arbeitslosengeld II”.

Beim ersten (und letzten) Besuch klagte sie über dauernde Bauchschmerzen. Ich analysierte spontan, wenn ihr Stuhlgang von immer härterer Beschaffenheit und teilweise bereits schmerzhaft sei, dann sei die Diagnose ziemlich einfach:

Vermutlich identifiziere sie sich 100%lig mit „Vater Staat“ und horte quasi dessen Geld (= „ihr Geld“). Folglich glaube sie, durch zusammenpressen des Schließmuskels die Kontrolle über die Ausscheidungen von „Vater Staat“ zu gewinnen. Daher die große Härte und zunehmende Zurückhaltung beim „Stuhlgang“.

In Frankreich vermute die Volksweisheit in solchen Fällen, dass eine verstopfte Frau offenbar schon längere Zeit nicht mehr richtig durchgefegt worden sei. Der Schornsteinfeger müsse den Kamin eben regelmäßg mal richtig gut durchfegen, damit der Rauch wieder gut durchziehen könne. Kurzum, sie brauche einen Schornsteinfeger.

Soweit ich weiß, dass das der erste und letzte Besuch der Cousine.

Natalius Februar 13, 2012 um 16:57

@Morph,

na ja, ein bissel Wut rauslassen muss mal sein – ist OK.

Aber Ökonomie bleibt eine Humanwissenschaft: Das wirtschaftliche Schicksal des Einzelnen hängt unmittelbar damit zusammen, wie systemische Prozesse ausser Kontrolle geraten und wieder in die Kontrollzone gebracht werden (hoffentlich).
Degnaphta hat sich nicht geoutet, damit er von uns Ratschläge erhält oder gar falsches Mitleid. Wenn überhaupt, kann ein Forum wie dieses dazu beitragen, dass Praktisches passiert. So wie das Angebot von Hans Huett zum Beispiel. Oder ich hab mir überlegt, ich könnte doch – wenn Degnaphta mitmacht – 5 Exemplare seiner Biographie im Vorab gegen einen Vorzugspreis von 20 Euro das Stück erwerben – ich lasse den Hunni heute rüberkommen und bekomme einen Zettel, den ich in ein paar Jahren einlöse, wenn die Biographie erschienen ist (wüsste auch schon, wem ich es weiterverschenken würde). Mein Risiko ist dabei im Angebot einkalkuliert: Wenn statt Buch ein FAZ-Artikel entsteht, auch gut. Diese Art von Direktökonomie werden wir in den nächsten Jahren noch viel häufiger brauchen, befürchte ich. Natürlich muss Degnaphta mitmachen – meine Email kriegt er über HH oder fl – und wenn er mich anschreibt, weiss ich was zu tun ist.
Kein grosses Ding, da fühlt sich keiner besser bei, weder Degnaphta noch ich selbst. Ich will eigentlich nur wissen, wie es einem intelligenten Menschen passieren kann, dass plötzlich ein Betreuer da ist. Vor so etwas fürchte ich mich nämlich selbst. Und Degnaphta schreibt super!

(Hans oder fl: Bitte Email Natalius für Degnaphta freigeben, wenn er sie haben will)

Morph Februar 13, 2012 um 18:11

@Natalius

“Wenn überhaupt, kann ein Forum wie dieses dazu beitragen, dass Praktisches passiert.”

Okay, ich seh’s ein, es ist komplett aussichtslos. (Obwohl, einen Versuch starte ich noch. Google mal: The long tail of the internet. – Und wenn Du schon nicht glaubst, dass Du ein komplett irrelevantes Staubkorn im Universum bist, dann informier Dich über die formierenden Medien der modernen Gesellschaft. Die FAZ, zumal das Feuilleton, ist das luxurierende Schaumkrönchen für die lustige Kleinstcommunity der unterausgelasteten Großbirnen der Gesellschaft. Aber egal. Mach mal!).

“Und Degnaphta schreibt super!”

Nein, @Degnaphta schreibt okay. Man versteht, was er sagen will und es ist interessant. Aber @Degnaphta ist nicht der exemplarische Fall des unter der Knute des Kapitalismus darbenden humanums, als den Du ihn in Deiner kitschigen Phantasie stilisierst.

Get real!

Bloggerkeule Februar 13, 2012 um 19:22

@ enrico

Du hast genau die zwei Zauberbegriffe verwandt :
Bund und Steuern – da mit gibt es alle Lösungen .
Und könnte der Kretsche das nicht doch hinkriegen – so als Wunderheiler von Unten…
Und irgendwer muss Gesetze ja entwerfen.

Natalius Februar 13, 2012 um 20:29

@Morph

Sieh mal, mir ist Wired-C.A. (und freeconomy) seit dem Start von Diydrones bekannt (CellRC gab es schon zu Zeiten von GoYellow, d.h. noch vor GoogleMaps/GoogleEarth und lange vor Jordi’s ArduPilot). So viele Nataliusse gibts ja nicht auf dem Web. Du brauchst einem praktizierenden OSler wirklich nichts vom Long Tail zu erzählen – da HAST DU NÄMLICH KEINE AHNUNG VON.

Der long tail existiert – er ist aber nicht nur ein tail des “market for one” – sondern auch ein tail of traits&traces. Ich gönne Chris seinen Erfolg (neue company mit Jordi Munoz in San Diego (hab da selbst mal für knapp 2 Jahre gelebt)) aber ich weiss, daß er es als Plagiator übertreibt – und ich habe als OSler dazugelernt!

Ich glaube ernsthaft, daß es heute für manche Akteure ein Privileg wäre, ein komplett irrelevantes Staubkorn im Universum zu sein (oder noch mal werden zu können).

Get genuine!

Bloggerkeule Februar 13, 2012 um 20:51

@ Morph + Natalius

Ein Staubkorn kann die ganze Entwicklung auf der Welt beeinflussen, wollt ihr hier und jetzt eins ins Meer der Erde geworfen haben?

Morph Februar 13, 2012 um 22:38

@Natalius

“Du brauchst einem praktizierenden OSler wirklich nichts vom Long Tail zu erzählen – da HAST DU NÄMLICH KEINE AHNUNG VON.”

Ja, schöner roter Kamm. Danke für die peinliche Beweisführung. Hab’s mir gedacht, aber SO genau wollte ich es nicht wissen… ;-)

Linus Februar 13, 2012 um 22:59

@Degnaphta:
Gestern schon geschrieben, dann verworfen, weil zu nah und u.U. völlig verfehlt. Jetzt bring ich´s doch:

“Degnaphta sitzt im Trichter. Seit über zehn Jahren schon. Eine solch lange Zeit reißt Wille allein nicht mehr raus.

Soziale Kontakte eher weniger. Die Kate liegt auf dem platten Land, der Bewohner hat einen schwierigen Charakter, und ist über die Jahre und die Not noch schrulliger und unzugänglicher geworden. Viele Gedanken darüber, wie es ist, und wie es hätte sein können.

So mümmelt er sich ein gegen die unabwendbare Kälte, arrangiert sich mit ihr, soweit er kann, lebt auf dem Sofa, die Welt da draußen um ihn rum wie schwarze Watte. Gedanken, Analysen, wie diese schwarze Watte ‘tickt’. Neben ihm seine beiden Jungs. Die können von der Weisheit ihres Vaters nicht runterbeißen.

Er versucht sich anzupassen. Da die Welt nicht zu verändern ist, gestaltet, entwickelt er Strategien für und gegen sich selbst, Verkleinerung des Lebensraumes, Kochrezepte, Rituale wie Duschen unter freiem Himmel …

Suche nach ‘was kann ich?’, ‘wer bin ich?’, Resumee der Möglichkeiten und ‘Geschäftsmodelle’. Da ist der heiße Draht ins Internet, wie in den Schnee geschmolzen. Denken kann ich, Schreiben kann ich, notgedrungene Spezialisierung, mein Gemurmel als Selbsttherapie, als eingedampftes Ich. Und vielleicht hat es ja noch irgendeinen Effekt, müßte noch nicht mal für mich sein. Schaden tut es jedenfals nicht.”

Degnaphta schreibt gut. Im Unterschied zu allen anderen hier kann er beschreiben, was ein Apfel ist. Es geht nicht um die Agenda 2010, es geht um den Apfel, um Degnaphtas persönlichen Apfel.
So kommt er auch für sich selbst in Anbetracht der immer knapper werdenden Möglichkeiten nicht umhin, alles auf diese eine seine Karte des Schreibens zu setzen.

Wo sind seine Freunde, seine Mitmenschen, seine Connections? Hier im Internet. Der Hütt, Hut ab, hat es schon angeboten: HartzIV-Chronologie aus über Jahre gesammelten Blog-Kommentaren. Mit ein bißchen Sortieren könnte das funktionieren.

Deine Schilderungen deute ich als sozial induzierte Depression. Gewisse andere ‘Vorbelastungen’ wie Narzissmus (den höre ich gelegentlich durch) mögen zu deinem Fall beigetragen haben, aber die flächendeckende ursächliche Ursache ist HartzIV.

Chancen: Vielleicht geht was mit Schreiben. Das könnte idT ein unverhoffter Lichtblick sein. Im Allgemeinen läßt sich aber ein solches Tief nicht allein(!) überwinden. Wäre normal auch nicht so tragisch, dafür gibt’s die anderen, die Freunde, die Nachbarm, das ‘soziale Netz’, die helfen einem raus. Das Perfide an der aktuellen Situation ist, daß genau dies verkümmert (wird).

Deine Jungs: Die brauchen Perspektiven und Selbstvertrauen, also das Gegenteil von dem, was du ihnen bieten kannst. Vielleicht findet sich was über Blog-Bekanntschaften, ein Praktikum, ein Auslandaufenthalt …

Alles in Allem liegst du mE also ziemlich richtig.

Disclaimer: Dies ist mein Eindruck, und ich mag da völlig falsch liegen. Es liegt mir fern, dir irgendwelche Ratschläge geben zu wollen oder dir in irgendeiner Form zu nahe zu treten. Aber in jedem Fall gehört mE so ein (dein) Zustand auf den Tisch, und deshalb hab ich mich auch zu solchen ‘Tabu-Brüchen’ überwunden. Sei dir also meines Respekts versichert. Alles anderen natürlich auch.

Nanuk Februar 14, 2012 um 07:17

@Morph 22:38
Treffer versenkt!

Gay Panda Fan-Community Februar 14, 2012 um 07:40

“Die FAZ, zumal das Feuilleton, ist das luxurierende Schaumkrönchen für die lustige Kleinstcommunity der unterausgelasteten Großbirnen der Gesellschaft”

Herrlich! Dafür lieben wir Ihn!

Nanuk Februar 14, 2012 um 08:08

@Gay Panda Fan-Community
Boot to head :)
http://www.youtube.com/watch?v=FdS4ANOEXO0

Natalius Februar 14, 2012 um 12:47

@ Nanuk, Morph

Noch nicht – aber bald ;-)
Danke für das Kompliment zum roten Kamm – lange nicht mehr gehört.
Heute Nacht hatte ich einen irren Traum, dessen Bedeutung sich mir nicht erschließt – aber ich glaube, es hat etwas mit Ökonomie zu tun und ist daher nicht ganz OT.

Ich komme in ein kleines Restaurant, das als einziges Gericht “Hase” anbietet. Ein kleiner dunkler Raum, vier Tische mit vier Stühlen, relativ einfach und rustikal. Könnte irgendwo in Bayern sein. Der Wirt sitzt der Eingangstür zugewandt an einem der vorderen Tische und trägt eine Kochjacke, fränkischer Zweireiher a la Plasbeck. Von der Eingangstür führt ein Weg zu einem hinteren Raum, dessen Tür verschlossen ist. Licht dringt durch den unteren Türschlitz ein. Der Hase liegt in gefrorener Form auf einem Tablett, er trägt noch sein Fell.

“Ich möchte den Hasen.”

Der Wirt ergreift den Eishasen, setzt sich wieder an den Tisch und versucht mit einem kleinen Küchenmesser, das Fell vom Kopf her einzuschneiden. Es gelingt nicht. Der Wirt brummelt “das macht er immer” und urplötzlich springt der Hase auf, rast mehrere Kreise durch den kleinen Raum und legt sich schließlich zitternd auf den Rücken. Direkt vor den Türschlitz, aus dem Licht eindringt. Eine Art Unterwerfungsstellung mit dem Unterschied, daß der Hase die Vorderpfoten aneinanderschlägt, als ob er um sein Leben bettelt.

“Gibt es eine Alternative?”

Danach wache ich auf.

Natalius Februar 15, 2012 um 01:27

“Absturz und Wiederaufstieg von Leistungsträgern”
Menschen bei Maischberger, 14.02.2012

Den Gipfel des Zynismus zu unserem Sissy-Thema konnte man heute bei Maischberger-Menschen mitverfolgen. Mit in der Runde:

Christian Anders, ehemaliger Schnulzenkönig – in Spitzenzeiten 25 Mionär mit vergoldetem Rolls Royce, Wiederaufstieg per Ösi-TV-Burg (“Adel versus Pöbel”) – händchenhaltend mit Birgit Diehm, der Liebe seines Lebens, Existenzretterin, Finanzdame, nicht mehr an der Spitze ihrer Attraktivität,

Ramona Leiß, ehemalige Fernsehmoderatorin, heute Malerin, für den Wiederaufstieg hat sie im Dschungel-Camp o.ä. trainiert,

Petra van Laak, Kunsthistorikeren und Buchautorin von “0 Euro, 4 Kinder…”, scheiterte an der Seite ihres leistungstragenden Ehemanns,

Carsten Voss, ehemaliger Top-Manager in der Modebranche, scheiterte an der “Jugendaffinität” seiner Branche “burnout vorprogrammiert”, jetzt wieder im pure gold = just shit business tätig, mit 50 dank eines Retters zurück in die Werbeszene,

Jürgen Hesse, Mitkommentator/moderator als Psychohelfer – “Die nackte Wahrheit kommt in der Regel nicht gut an”.

Alle (ausser Hesse) haben “kein Haus, kein Boot, kein Pferd” mehr. Aber alle wieder Ratten im Laufrad. Alle – ich behaupte alle – sind “high energy Körpermenschen” in der Omnisophie-Typologie von Gunter Dueck.

Kein einziges Beispiel für einen “low energy”-Denkmenschen, der es wieder geschafft hat.

Degnaphta: Sie gehören zu ca. 15% der humanen Population, die in diesem System BISHER nicht vorkommen – historisch sind Sie aber genau so wichtig wie die 25% der leistungstragenden Körpermenschen vom high energy Typ. SCHREIBEN SIE!!!!

Degnaphta Februar 18, 2012 um 18:28

Wie ich feststelle, besteht doch noch Klärungsbedarf, was die Differenzierung des meine Person betreffenden Teils als Individuum und der beispielhaften Komponente.
Daß ich mich nach ‘kurzer Auszeit’ melde, liegt an einem ‘kleinen Zwischentief’, in dem ich ‘unpäßlich’ war. Würde ich das jetzt realweltlich in einer face2face-Situation kommunizieren, wären meine Worte von Gestik&Mimik begleitet, die andeutet, daß ich darüber auch nicht weiter sprechen möchte. Tatsächlich ging es mir mal wieder teilweise grandios beschissen, worüber ich tatsächlich nicht mit jedem sprechen möchte aus verschiedenen Gründen. Die Verniedlichung dabei soll meinen Gesprächspartner davor schützen, sich meinetwegen zuviel Sorgen machen zu müssen. Mich bewahrt es davor, immer nur als Jämmerling wahrgenommen zu werden, denn ich habe nicht so viele ‘tolle Geschichten’ zu erzählen.

Dennoch ist die Annahme, ich hielte meine Lage für ‘aussichtslos’ oder würde ‘meine Welt vorsätzlich verkleinern’ ziemlich daneben. Wäre es an dem, dann würde ich mich mit Suizidplänen herumschlagen, was ich auch schon mal gemacht habe, aber es dann unterließ, weil ich mich dabei beobachtete, daß mir die Frage, wer mich wohl wie finden würde, ziemlich wichtig war. Und solange mir das noch als Teilproblem erschient, sei ich wohl noch zu gut drauf, war mein Rückschluß. Nach meinen -vielleicht auch etwas klischeemäßigen- Vorstellungen von persönlicher Endzeitstimmung müßte mir halt alles egal sein, was danach passiert. Deswegen habe ich die ganze Suizidgeschichte thematisch wieder weggepackt. Jetzt darf ich nicht einmal mal mehr locker darüber theoretisieren, wenn die falschen Ohren in der Nähe sind. Das ist auch irgendwie schrill.

Ebenfalls geht die Annahme daneben, ich sei in Voragendazeiten bereits auf dem absteigenden Ast gewesen. Klar war ich das, da ich weder gesünder noch jünger werde, aber damals konnte ich noch ganz andere Geschichten beregeln körperlich. Die meisten Aufgaben eines Hausmanns waren noch zu wuppen. Und ohne die Xanthippe an Bord war hier die Stimmung so gut, daß ich sogar wieder auf die Balz ging “Kinder, ich such euch mal ne neue Mutti. Schaunmermal, was das Inet so ausspuckt.”
Vorlauter Zuversicht habe ich nicht einmal sofort überblickt, wie tief&vergiftet der hartz4-Sumpf tatsächlich ist. Die entsprechenden Aussagen meiner Leistungsberechnerin habe ich immer nur kopfschüttelnd abgetan mit “Das geht doch gar nicht.” Das ist doch unmöglich.” “Das machen die nicht.” So ähnlich stelle ich mir vor, daß mein Betreuer meine Ausführungen für unmöglich hielt, was dann die aktuelle Eskalation vorantrieb.

Bei den Ämtern so auf Granit zu beißen, von allen übergeordneten Stellen ebenfalls abgewiesen zu werden, hat mich total niedergeschmettert, was ich jedoch so um setzte, wie es die Leute machen, die arbeitslos werden und dennoch tagtäglich von zu hause losfahren. Ich habe mein schwindendes Potential dafür eingesetzt, meinen Niedergang zu verschleiern. Vor meinem gesamten Umfeld. Jetzt könnte man wieder das lauf-zum-Experten-Lied singen, aber das hatte ich bereits versucht. Da gab es keine echte Hilfe, eher das Gegenteil. Die Hechte hier im lokalen Karpfenteich mögen kleiner als anderswo sein, was mich selbstverständlich mit einschließt :-)

Auch möchte ich dem hier noch gar nicht aufgetischten Klischee entgegenwirken, ich sei ein Fall für Peter Zwegert oder sowas. Meine Schuldenstände haben sich zu keinem Zeitpunkt seit h4 auch nur in die Nähe von 2kE/Kopf bewegt. Das Opa-Geld der Kinder, das ich selbstverständlich den Greifern verschwiegen hatte, ich h4-Betrüger, hätte uns sogar noch ins Plus erhoben. Und mein aktuelles Dauerparken am Rande des Dispos wäre bei Gegenrechnung des fehlenden Aufstockungs- und Kindergeldes auch zum ‘Geldbad in den Guten’ gewandelt. Nö, schlichter Liquiditätsmangel wegen fehlenden cash-flows. Leidet da nicht der gesamte Okzident drunter?
Auch was das Hinfallen und wieder Aufstehen betrifft, habe ich keine außergewöhnlichen Ausfälle im Lebenslauf. Beruflich wie privat teilweise echt krasse nackenschläge eingesteckt, aber irgendwie geht ja immer weiter. Mit Unterstützung natürlich leichter als ohne.
Doch jetzt ist es anders. Deshalb nenne ich es ja auch Apartheid. Jetzt bekommt man einen Stiefel in den nacken gestellt, wenn man auf die Schnauze geht. Das war doch auch erklärte Absicht hinter der Gesetzgebung. “Keiner soll sich in Armut einnisten können.” lautete eine der perversen Parolen. OK, das ist gelungen. Doch für diejenigen, die das als einziges Geschäftsmodell haben, sieht es nun so verdammt düster aus, daß nicht einmal mehr die Grundwerte in der Dunkelheit wahrnehmbar sind.
Dazu muß man auch nicht erst einen juristen befragen. Das GG ist so simpel formuliert, damit es auch der kleine Mann von der Straße erfassen kann. So hat man es mich jedenfalls in der Schule gelehrt. Und da ich ja nicht für die Schule sonder für das Leben gelernt habe, wende ich dieses Wissen nun an. Könnte theoretisch eigentlich jeder machen ;-)

Und so kommen wir zum nächsten Standardirrtum, dem Geschäftsmodell. nein, @linus, auch wenn es sicherlich lieb gemeint ist, aber als Autor tauge ich nicht so viel, als daß sich daraus etwas machen ließe. Selbst wenn einen Zielgruppenanalyse ergäbe, daß der Literaturmarkt eine für mich passende Nische hergäbe, ist da immer noch meine Untauglichkeit, irgendwelche Termine garantieren zu können. da meine Ausfallzeiten nicht planbar sind, kann ich selbstverständlich keinerlei Garantien für irgendwas abgeben.
Du mußt mir schlichtweg glauben, daß ich meine Situation bereits gründlich in alle Richtungen abgeklopft habe, wobei ich verschiedenste sehr bittere Versagenserlebnisse hatte, die mir aufgezeigt haben, wo das Ende meiner Handlungsreichweite bezogen auf Risikoabwägungen tatsächlich liegt.

Wer auf Schulmedizin steht, der befindet mich für zu schulmedizinkritisch, weil ich nicht nach jedem Strohhalm greife, der sich bietet. Denselben Satz kann ich jetzt für die Spökenkiekerei und Gesundbeterecke formulieren.
Freunde präventiven Gesundheitsschutzes finden allerdings, daß ich gesünder leben sollte “Was du rauchst?”, oder sie sehen Vitaminpräparate&Co und sonstigen Kokolores als unumgängliches Pflichtprogramm. Die gewohnheitsmäßigen Selbstkasteier erwarten von mir mehr Biß&Durchhaltevermögen. “Der soll sich mal ein bischen zusammenreißen…”. Wegen der Ausgrenzung seitens der Behörden wird vermutet, ich sei einfach nicht devot genug. Und so weiter und so fort…
Da hat jeder seinen persönlichen Grund, mit dem ich in die selbst-Schuld-Ecke befördert werden kann.
Leider sind meine Freunde auch nur Menschen, und dauerhaftes Mitleid hält keine Freundschaft aus, weswegen die lieber Abstand halten, was ich ihnen nicht richtig übel nehmen kann, halte ich es selber doch auch manchmal nur unter Mühen mit mir aus.
Die haben alle eine panische Angst, daß sie auch mal so kümmerlich zusitzen wie ich. Immerhin grassieren Ausfallerscheinungen auch im mittleren Stand. Einem Laden hier in der Nähe brach unlängst das versammelte Fußvolk weg. Burnout, Bandscheibenvorfall und Flimmerkiste (im Gegensatz zum Herzkasper eine softere Form einer Herzinsuffizienz), dabei hatte ich meinem Söhnchen unlängst erläutert, daß der Laden einen so erheblichen Energiebedarf hätte und die ganzen Anlagen und die Labortechnik wahrscheinlich derartige kapitalkosten erzeuge, daß sich die Angestellten um ihren Beruf keine Sorgen machen müßten. möglicherweise bekämen die sogar relevante Lohnerhöhungen, mutmaßte ich so blauäugig vor mich hin. Tja, keiner ist frei von Irrtümern, nicht einmal Besserwisser mit relativ grandioser Statistik. Die Jungs da wurden auf Doppelschicht gehalten, um dem Sparwahn zu frönen. Darauf wäre ich nicht gekommen. Zumal die Ersparnis sicherlich verhältnismäßig nur marginal ausgefallen sein dürfte, denn die haben da Riesenanlagen am Start, und es stehen immer nur wenige Autos auf dem Parkplatz.
Der Schock des plötzlichen Totalausfalls soll bei der Betriebsleitung zum Paradigmenwechsel geführt haben, trug mir der Küchentratsch zu. Schaunmermal…

Die Einschätzung, daß selbsttherapeutische Aspekte eine rolle spielen, trifft dann wiederum ins Schwarze. Allerdings ist der aspekt sowohl bei weissgarnix als auch hier eher hintergründig. Das habe ich in einem gamer-Forum betrieben, indem ich dort dem verstrahlten Nachwuchs die humanistische Stirn geboten habe, was mich dort dann in die Trollecke treiben ließ. Die armen Kinder argumentieren ähnlich wie @morph. Die Individualisierung einer fremden Notlage befreit halt prächtig von Mitverantwortung. Um meine Gedanken zu sortieren, war es allerdings sehr hilfreich.
Hier und bei wgn habe ich eher diverse upgrades meiner Kenntnisse über ökonomische Zusammenhänge sowie deren Zusammenspiel mit dem richtigen Leben bezogen. Und eben auch allerlei konstruktive Ansätze, die ich für verfolgenswert halte vorgefunden. Der therapeutische Effekt ist da allerdings mehr darin zu sehen, daß ich den blog nebst Kommentariat als eine Art Lieblingskneipe ansehe. Das ersetzt mir das fehlende Erwachsenengespräch.
Womit wir beim nächsten großen Irrtum wären, der gerne durch die Medien und auch durch die Köpfe der Menschen geistert. Soziale Netzwerke können echte realweltliche Begegnungen nicht ersetzen! Wer das als Hoffnung in sich trägt, der möge in sich gehen, um das nochmal gründlichst zu überdenken. Es ist nur eine erbärmliche Krücke, die keinesfalls als echte neue Norm etabliert werden sollte. Wenn ich mir den leibhaftigen Nachwuchs so anschaue, also die jungen Leute, die kritiklos oder gar optimistisch mit dieser Krücke leben, dann bemerke ich zu meinem Bedauern, daß die sich realweltlich das Leben genauso schwer machen wie das Leben in der Matrix. Kaum bis keinerlei Mitgefühl oder gar Mitverantwortung. Primatenhaftes Brusttrommeln zur Ermittlung der Alpha>Omega-Beziehungen sowie einen Planungshorizont, der nicht über den Abend hinausgeht. Dabei zeigen sie durchaus Momente, in denen ihnen Höflichkeit gelingt. Mir gegenüber benehmen sie sich so, daß ich keinen Grund zur konkreten Klage haben kann. Sie grüßen höflich, beantworten Fragen nach der Befindlichkeit der Eltern, sofern ich solche Themen anschneide, und rasten auch nicht so aus, daß es zu Sachschäden kommt.
Aber wenn ich mir vorstelle, die sollen mal die Rente ihrer Altvorderen erwirtschaften, dann stehen berechtigte Zweifel im Raum. Und diese Zweifel betreffen weniger das Können als das Wollen. Immerhin wird ihnen von Geburt an eingetrichtert, sie bräuchten sich nur um sich selbst zu kümmern, den Rest würde schon der tolle Kapitalismus mit seinen freien Märkten und dem immer die beste Lösung erzeugenden Wettbewerb erledigt. So ein Quark aber auch!
“Ja wenn ich eine Rolex, eine Brioni-Kutte und einen Ferrari hätte, dann wollt ich wohl tugendhaft sein.” sagen die zeitgenössischen Woyzeks. Sind wir schon wieder so weit in die Vergangenheit zurück gerast?

In der Abteilung zwanzig Jahre jünger, also den aktuellen Kindergartenkindern, sieht es noch düsterer aus. Das sind die, die mal eure hintern abwischen sollen, wenn ihr dereinst tüdelig sein werdet, werte Mitleser.

So, und nun zu dir @morph!
Du meinst also, daß es an meinem Weltbild liegt, daß alles so Scheiße läuft? Oder was auch immer du mit der Verwendugn der Vokabel Weltbild andeuten möchtest. Doch auch damit kannst du den Apartheidsvorwurf nicht relativieren. Es mag zu meinem Weltbild gehören, daß wir von Nutzmenschenhaltern übelst ausgepresst werden. “Alles Einbildung” wäre da ein wenig passender aber vorstellbarer Einwand. Oder mein Eindruck, daß wir uns auf der Reise in die Vergangenheit immer weiter von den Grundwerten entfernen, kann bei oberflächlicher Betrachtung als Irrglaube diskreditiert werden “alles Einbildung” eben.
Aber die h4-regeln bilde ich mir nicht ein, @morph, auch wenn es dir noch so in deine luhmannoid verdrehte Gedankenwelt passt. die Zuverdienstregeln sind so, wie sie sind! der Regelsatz ist so, wie er ist. Solltest du eine menschenwürdige Budgetierung damit bewerkstelligen können, dann packe sie bitte auf den Tisch. Da warten nämlich Millionen drauf. Der Enteignungseffekt der Abschaffung des Lastenzuschusses ist Realität und kein Hirngespinst. Die eklatante Verschlechterung der medizinischen Versorgung passiert(e). Der Sippenhafteffekt für die Kinder der Betroffenen besteht. Das Kreditverbot oder das Erbverbot existiert ebenfalls. Alles völlig unabhängig von irgendwelchen Weltbildern, oh sphinxhafter morph, auch wenn es dein Weltbild stören mag.
Dein Rezeptvorschlag zeigt doch, daß du auch anders kannst. Warum nur trötest du dein “Der Modernen entkommt keiner. Wir werden alle sterben.” in die Gegend? Wären echte konstruktive Ansätze nicht wesentlich fruchtbarer? @holger, der authentische, ist zwar manchmal anstrengend, aber dafür auch manchmal auf wirklich voran führenden Spuren. Der Vorschlag mit der Bahn-card zB geht in die richtige Richtung. In meinem speziellen Falle würde das zwar nix ändern, aber das kann man auch nur einschätzen, wenn man die Verhältnisse hier kennt. Ohne Auto geht es hier nicht. So einfach ist das.

Und an alle Reflexdenker, die mir jetzt raten wollen “Dann zieh doch endlich in die Stadt!”, möchte ich den Hinweis richten, daß ich davon auch nicht plötzlich wieder gehen kann. gibt es in der Stadt Taxi-Geld zum Einkaufen? Nee, also müßte meine Wohnung in einem Ärztehaus mit Einkaufmöglichkeiten für meinen geldbeutel sein, damit ich den Mobilitätsnachteil kompensieren könnte. Zudem müßte ein garten in erreichbarer Nähe sein. Und die Wohnung sollte so groß sein, daß ich mit meiner Familie Weihnachten und Ferienzeiten genießen könnte. So eine Wohnung gibt es wahrscheinlich nirgends auf dem Planeten. Dieses Weihnachten waren wir zu neunt. Wegen der teilweise defekten Heizung fielen zwei Räume aus. Mal kurz kann das angehen, aber als längere Normalität erachte ich es als nicht akzeptabel für einen Sozialstaat.

@ natalius
Die Typologie des Dr Dueck finde ich zwar sehr aufschlußreich und sehe sie als interessante Bereicherung des Spektrums an, aber sie trifft nicht so ins Schwarze, als daß ich mich in ihr wiederfinden könnte. Der Denker, der Dueck’sche wahre Mensch, soll sich ja zurückziehen, weil er nicht mit seiner “Wahrheit” durchdringen kann. Das gab es ja schon in den 70ern, als die Spirituellen sich zur Meditation auf die Gebetsmatte zurückzogen, die Aussteiger ihr biodynamisches Getreide selber schroteten oder Opfer der midlife-crisis aus dem Managment zum Kioskbesitzer oder Schäfer wurden.
“hey, ihr Realitätsflüchtlinge, entzieht euch nicht!” rief man ihnen nach in den MSM. Das muß doch anders gehen, dachte ich mir.
Deswegen habe ich versucht, denkender Macher zu werden. Dabei stellte ich fest, daß ich dabei allerlei Spießertum der Normalos in meinem Leben unterbrachte, was eigentlich gar nicht meine Absicht war. Spießer waren ätzend und bestanden auf feste Essenszeiten, hielten Uncle Sam für den Befreier, gingen früh zu Bett, um frisch zur Arbeit gehen zu können, hatten eine Lebensversicherung und Angst vor Kratzern im Lack. Die ließen denken&leben, indem sie sich den MSM hingaben. Auf die Frage: “brainwashed oder mindfucked, wie hätten Sie’s denn gern?” gab der Spießer zur Antwort “Beides, aber im Turbogang bitte.”
naja, und wer immer konsequent unspießig zu sein versucht, ist letztendlich genauso ferngesteuert wie ein stinknormaler Meinungszombie. Denn einen Vorteil hat so ein Spießerleben ja. Es erzeugt Kontinuität, die ein unverzichtbarer Bestandteil ist, um für Kinder adäquate Geborgenheit zu schaffen. Deswegen habe ich tatsächlich versucht alle Dueck’schen Typen gleichzeitig zu performen, was mir mal besser mal schlechter gelang.
Cool finde ich den Ansatz von Dueck deswegen, weil er sowas wie die Maslow-Pyramide aufbricht und an verschiedenen Stellen neue Denkmöglichkeiten schafft.
btw ist das ‘Sie’ in meiner Richtung überflüssig. Wir sind doch hier ‘unter uns’ in einer ‘virtuellen Kneipe’ (in der ich sogar rauchen darf ;-) )
@ nanuk
Das mit dem Stolz ist mir neu. Deswegen fühlt er sich wohl so gut an. Man lernt halt nie aus :-)
Inwieweit mir das mit meinem Filius weiterhelfen wird, sehe ich noch nicht, aber daß ich ihn ausschließlich so einschätze, wie die von dir monierte und zitierte Stelle es darlegt, ist allerdings auch nicht der Fall. Üblicherweise versuche ich so viele Ebenen zu betrachten, wie es mir möglich ist. Daß ich dabei durch blinde Flecken gehindert bin, ist mir auch bewußt. und daß plötzlich allerhand völlig anders sein kann, als es sich anfangs darstellte, erlebe ich, seit ich mich erinnere. das hält wohl niemals auf, was Trost&Seufzer gleichzeitig ist :-)

Wem das Alles nun zu narzistisch ist, der möge bedenken, daß ich mich manchmal auch unendlich beschissen finde, weshalb eine knackige Portion Narzismus als Gegengewicht wahrscheinlich nötig ist, damit ich einigermaßen im Lot bleibe.
Ausblenden mit Medienkompetenz und nur das Apartheids-Phänomen Betreffende beachten, wäre da mein Tip.

@hhuett
über deinen Vorschlag habe ich viel gegrübelt. Nochmals Dankeschön.
Diesbezüglich werde ich mich an dich per mail wenden, was bei meiner entschleunigten Lebensweise durchaus nicht sofort sein wird.

Alvin Scott März 10, 2015 um 23:12

Ben je in alle soorten van financiële moeilijkheden? Heeft u een lening voor nodig
consolidatie van schulden, bouw, onroerend goed lening, herfinancieren, persoonlijke
zakelijke doeleinden of in noodsituaties geld? Bent u een zakelijke man of
vrouwen die van plan zijn om zijn of haar bedrijf uit te breiden, bieden wij lening van alle soorten. Indien u interesse hebt contact met ons vandaag nog via alvinscott12@outlook.com met de onderstaande informatie.

VOLLEDIGE NAAM:
LAND:
LENING bedrag dat nodig is:
LENING DUUR:
Maandelijks Inkomen:
TELEFOONNUMMER:
dank,

De heer Alvin

Leave a Comment

{ 5 trackbacks }

Previous post:

Next post: