Wo war Hintze?

by h.huett on 20. Februar 2012

Einer fehlte gestern nicht wirklich. Ich glaube sogar, er fehlte bloß sich selbst: Peter Hintze. Er ist sich – vorübergehend – abhanden gekommen. Wir können, wie damals bei Harald Schmidt, ein Kalenderli ins Fenster stellen, mit einem Kreuz für jeden Fernsehtag ohne Hintze. Lübberding wieder auf Frühkritikschicht, gestern mit Doppelschlag Illner und Jauch.

Tatsächlich markiert das Fehlen Hintzes eine parteipolitische Schlappe sondergleichen. Der Retter gab dem strauchelnden Freund den Stoß zum Fall. Dass Hintze als erfahrener Parteisoldat schon immer die Grenze zwischen Heuchelei und Wahrheit sehr eigenmächtig zog: Plötzlich schien das kein Thema mehr, weil nun genauso plötzlich alle anderen Parteisoldaten die neue Linie zu verteidigen hatten, weil die so plötzlich so alte wegen der nicht ganz so eisernen Kanzlerin nicht mehr zu halten war.

Deshalb gehören beide Talkshows in die politischen Archive des simultanen Funktionsversagens und genauso simultanen Wiederaufstehens von Pappkameraden. Der einzige in den beiden Runden, Klaus von Dohnanyi, der als elder statesman Kälte, Verständnis und witzige Bosheit zugleich ins Spiel brachte, betrachtete den neben ihm sitzenden Salonjournalisten Hajo Schumacher wie einst Ernst Jünger ein besonders schillerndes Mistkäferexemplar. Was ist mir denn da für einer an die Seite gesetzt worden, schoss es dem ausgeschlafenen Greis durchs distanziert amüsierte Haupt.

Schaut Euch die Wiederholungen an. Nehmt sie auf. Archiviert sie. Zwei Beispiele für politische Wendehalschoreographie.

Bloß die Kanzlerin, die hat, was Frau Nahles nie verstehen wird, gestern ein weiteres Mal ihre Souveränität bewiesen. Auf brüchigem Eis in allerhöchstem Tempo eine Kehrtwende gefräst und vollzogen, die nicht einmal ihrem gesundgeschrumpftem Koalitionspartner den Triumph gönnt, den Wandel erzwungen zu haben.

Der Interviewauftritt mit dem FDP-Vorsitzenden zuvor geht ebenfalls in die Mediengeschichte ein. Der Mann, der sonst zwanzigsilbige Wörter in einer Silbe aussprechen kann, zog zackig gedehnt wie ein kleiner Assistent vor dem Oberstarzt seine Meldung durch. Die Kanzlerin macht sodann die Tür weit auf, durch die das Reh ins Abseits flog.

Tschüss, FDP!

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A. G. Februar 20, 2012 um 09:25

“Bloß die Kanzlerin, die hat, was Frau Nahles nie verstehen wird, gestern ein weiteres Mal ihre Souveränität bewiesen.” Genau. Ihr Inneres hat aber eine gewisse Wut freigelegt, wenn man genau hingeschaut hat: Die Kanzlerin hat ihr Statement neben Gauck, der sich ihrer Zuneigung (!) sicher ist, überdeutlich abgelesen, was sie sonst nicht so macht. 

topi Februar 20, 2012 um 09:37

@ fl
“Taktische Überlegungen spielten bei diesem Plädoyer aber kaum keine Rolle.”

Gefällt mir.

Ich schau mir die Jauche nicht an, nachdem Gauck durchgewunken war; was solls, die Aussagen waren doch klar.

Dass der Günther die Occupy- Aussage des größten Demokraten und Freiheitskämpfers aller Zeiten (darf man ihn GröDuFaZ nennen) brachte, immerhin.

Wo Bartel den wirklichen Gauck- Most fände, hab ich ja gestern Abend schon genannt.

Der Mann steht direkt für A-Sozialität und damit für Finanzkrise; also genau das, worauf die Welt gewartet hat. :roll:

Horst Schmidt Februar 20, 2012 um 09:43

Diese Nominierung, diese Causa Wulff war ein Putsch gegen Merkel. Wulff “zu erlegen” hätte als solches und zu diesem Zeitpunkt für sich allein keinen Sinn gemacht. Die Stoßrichtung war und ist Merkel.
Der Springer-Verlag hat dieser Dame gezeigt, wo ihre schon selbstgeglaubte Allmacht endet.

Die wahren Verlierer sind die Linken, die sind nun völlig außen vor. Sie sind zu nichts mehr zu gebrauchen.
Damals hätte sie im zweiten Wahlgang die Merkel, Schwarz/Gelb aber auch die SPD und Grünen austricksen können. Nur sie leidet an taktischer Dummheit und wollte nicht springen. Vor zwei Jahren hätte sie mit Gauck leben können, nun wird sie mit Gauck leben müssen.

Wenn das kein politischer Erfolg im völligen politischen Abseits ist, dann weiß ich nicht mehr was ein Negativerfolg sein soll.

holger Februar 20, 2012 um 09:49

Nun kann man anfangen die Tage der Mutti zu zählen. Diese Koalition wird dieses Jahr nicht überstehen. Mutti wird auch garantiert nicht auf der Ersatzbank sitzen wollen. Der gestrige Zug der Gelben… die Ansage lautete Schach. Ich habs vermutet, das Helferlein hat sich von dannen gemacht. Keine Strategie kein zuflüstern mehr. Mann… was für ein Spiel. Der Machtkampf der Atlantiker. Live und in Farbe. @ Luebberding ich gebe es zu, in dieser Causa habe ich Dich unterschätzt. Das liegt aber daran, dass ich erst jetzt gelesen habe, welchen Stellenwert die FAZ in Wirklichkeit hat. :D

Der Wuff war ja nur das Vorspiel (ob er das wusste als letzter aus den Anden, ich denke ??? :D ). Ein Bauernopfer mit Abfindung. Und ich habe mich immer gefragt nach dem Warum. Jetzt ist es klar, das Warum. In Europa werden die Würfel neu gerollt. Es war von Anfang an die Operation IM Trulla. Und zwar nachdem der neue Vertrag der 17+X verkündet worden ist. Ende März sollen die Verträge unterzeichnet werden. Wirklich? Spätestens am 18ten des Merz hat Bellegauck einen neuen Bewohner ohne First Lady. Man könnte ja Verfassungsrechtliche bedenken haben. Das geht immer. Unterschrift?

Und in Frankreich die Wahlen, sieht ja nicht gut aus für Sarko, wenn die Ausarbeitungen (Verträge) blockiert werden. Das nenne ich aktive Wahlhilfe für Hollande. Und wenn Sarko nicht mehr ist, wird IM Trulla folgen. Spannende Zeiten der Machtstrategien. Einen Trost gibt’s ja, wirtschaftlich schlimmer kanns in Europa nicht mehr werden.

Bleibt nur noch eines zu bemerken, ich dachte ja an eine GroKO bis gestern Abend. Nun wie @ Hans Huett es ja schon angedeutet hat, und Tschüüüüssss FDP. Dann gibt es eine Neuauflage von Rot-Grün. Sollten es die Liberalen doch evtl. schaffen, dann ne Ampel. Aber der IM Trulla wurde nicht Gestern nur ein Zahn gezogen, die kaut jetzt auf voller Felge.

holger Februar 20, 2012 um 09:52

@ topi

—>>>Der Mann steht direkt für A-Sozialität und damit für Finanzkrise; also genau das, worauf die Welt gewartet hat”

Ähh… ich dachte wir wären mitten drin, in der Finanzkrise.

Jackle Februar 20, 2012 um 09:58

Einen neoliberalen Gockel und Ex-Pfaffe als BP. Weltklasse!

Und wer hat uns verraten?
Die Sozialdemokraten!

topi Februar 20, 2012 um 09:58

Holger

Ja eben! Deshalb braucvhen wir doch einen von scheinbar allen investigativen Massenmedienhelden gottgleich gestellten Gauck, der mit Rezepten antritt (und antrat; die Ziele der “Nationalstiftung” aus den 90ern sind ja alle umgestezt, sogar die “Verhinderung einer weiteren Aufwertung der DM” haben sie durchgesetzt und damit Rekordgewinne für Exporteuere und Finanzer geschaffen), die direkt in die Finanzkrise führen mussten.

Der Weltgeist ist schon ein arger Schelm. :roll:

Horst Schmidt Februar 20, 2012 um 09:59

@ holger

Ob es schon die berühmte Kanzerlinnendämmerung ist, glaube ich noch nicht ganz, aber ihre Allmachtsfantasien haben einen erheblichen Dämpfer erhalten. Und das ist gut so! :-)

holger Februar 20, 2012 um 10:02

@ topi

ja, jetzt habe ich das geschnallt. Was Du meinst.

Doktor D Februar 20, 2012 um 10:05

Meine Herren, Sie täuschen sich, wenn Sie in der Gauckiade eine Niederlage von Angela Merkel sehen und ein Vorbote für Rot-Grün. Das ist ein Triumph der Kanzlerin – und die strategischen Nullnummern von Rot und Grün werden das auch noch begreifen. Die Chancen für Rot-Grün 2013 sind gerade deutlich gesunken. Die nächste große Koalition steht an.

topi Februar 20, 2012 um 10:05

@ Horst Schmidt

Unsinn. (ich hab heute meinen direkten ;-))

Es wäre damals von der Linken dämlich gewesen, einen Kandidaten ins Schloß zu bringen, mit einer Position: für Finanzkapitalismus, gegen Einkommenssteuern und Vemrögenssteuern, für Sozialabbau und Lohnsenkung, für Auflösung der Umlagerente und Fütterung der Maschmeyers mit “Vorsorge”Milliarden, gegen Proteste gegen den Finanzkapitalismus, für die Verfolgung von solch bösen Leuten, die Dokumente leaken, in denen wenigstens einige der gröbsten Verfehlungen aufgedeckt werden.

Dieser Mann, mikrofonverliebt, hätte beständig seinen Senf, von den ach so investigativen Mssenmedien multipliziert, breitgetreten. Die Linke hätte jedes mal kotzen müssen, wenn er dasd auch noch auf ihre Rechnung hätte tun können.

Jetzt könnte man ja annehmen, das der Gauck vielleicht gläutert ist.

topi Februar 20, 2012 um 10:05

:lol:

kurms Februar 20, 2012 um 10:06

holger: “Nun kann man anfangen die Tage der Mutti zu zählen. ”

Ach was. Das war nur ein Warnschuss vor ihren Bug damit sie ja nicht auf die Idee kommt irgendwann mal den neoliberalen Kurs in einer ihrer 180-Grad Wendungen zu ändern. Der Schuss war auch nur nötig weil aus der vormaligen Drohkulisse Guttenberg unvermittelt die Luft gewichen ist. Ohne Guttenplag wäre Wulff noch Präsident.

topi Februar 20, 2012 um 10:08

DocD
” Die Chancen für Rot-Grün 2013 sind gerade deutlich gesunken.”

Sicher. Mich würde mal interessieren, was die werten Diskutanten von “damals” hier heute meinen; steht ihr noch wie Horst Schmidt zum damaligen “großen Schachzug”?

” Die nächste große Koalition steht an.”

Nicht zwingend.

Lass erstmal Frankreich wählen, und erstmal die Sparpakete ihre volle Wirkung entfalten.

wivo Februar 20, 2012 um 10:13

Lasst mal den Hintze. Das ist der Comical Ali der CDU. Der wird noch gebraucht.

Horst Schmidt Februar 20, 2012 um 10:16

@ Topi

Aber zur Beerdigung der Linken gehen Sie doch? Eines hoffe ich, gehen Sie nicht in die Politik. :-)

f.luebberding f.luebberding Februar 20, 2012 um 10:16

Nur zu Merkel: es geht nicht um die Person Gauck. Man kann ihn beurteilen wie man will. Natürlich wird er jetzt versuchen, Menschen einzubinden, die ihn eher kritisch betrachten. Das gehört zur Amtsbeschreibung des Bundespräsidenten. Merkels Problem ist, dass sich die FDP daran erinnern wird, dass Merkel am Ende allein im Kanzleramt sitzt – und sie noch nicht einmal Rössler ihr Handeln diktieren konnte. Und in der eigenen Partei wird man es ihr nicht vergessen, erst wegen Merkels genialer Feldherrenkunst Gauck zugunsten Wulffs abgelehnt zu haben, um ihn jetzt wählen zu müssen. Das ist demütigend für jeden Vertreter der beiden Unionsparteien in der kommenden Bundesversammlung. Merkel konnte bisher immer durchsetzen, was sie wollte, wenn man auch bisweilen nicht wusste, welche Inhalte damit verbunden waren. Es ging aber immer um die Machtsicherung. Ein Regent, der sich eine machtpolitische Blöße gibt, steht nackt vor seinen Untertanen. Und so wird man Frau Merkel jetzt betrachten, egal bei welchem Thema. Man muss nur sagen oder auch denken: Wie damals bei Wulff. Und die Kanzlerin schrumpft auf Röslers Größe.

holger Februar 20, 2012 um 10:20

@ kurms

nee nee… das sehe ich nicht aus der nationalen Brille. Ich habe immer noch den SPD Parteitag vor den Augen. Weil, ich muss nun mal das Europa, wie es jetzt ist akzeptieren. Und da führt an Frankreich kein Weg dran vorbei. Es wird keinen deutschen Sonderweg geben können. Und nun schau dir einfach an, wer in den wichtigen Gremien drin Sitzt, GS und Franzosen auch die Lagarde beim IMF. Da ist die IM Trulla im Weg, da unberechenbar geworden.

kurms Februar 20, 2012 um 10:27

FL “Ein Regent, der sich eine machtpolitische Blöße gibt, steht nackt vor seinen Untertanen.”

Allein, wer wird es laut sagen?

holger Februar 20, 2012 um 10:28

@ f.luebberding

—>>> Ein Regent, der sich eine machtpolitische Blöße gibt, steht nackt vor seinen Untertanen. Und so wird man Frau Merkel jetzt betrachten, egal bei welchem Thema.”

Yep… der Mythos der Allmächtigen wird auf Mikro geschrumpft. das wird sogar Forbes zur Kenntnis nehmen.

Dipfele Februar 20, 2012 um 10:30

Um mit demMythos mal aufzuräumen: Es hätte 2010 auch mit derLinken keine Mehrheit für Gauck gegeben.

kurms Februar 20, 2012 um 10:31

holger: “Und da führt an Frankreich kein Weg dran vorbei.”

Na, den Sarkozy hat sie doch schon in die Tasche gesteckt. Und selbst wenn Hollande gewählt wird, an der jetzigen Euroarchitektur kann er gegen Merkels Willen auch nichts ändern.

Nanuk Februar 20, 2012 um 10:37
ziggi Februar 20, 2012 um 10:38

Dohnanyi, ein “ausgeschlafener Greis”???
Vollständig dement würde ich sagen.
Der Mann ist gefühlte 103 und gehört ins Heim.

h.huett Februar 20, 2012 um 10:39

ziggi

Dummes Zeug.

Horst Schmidt Februar 20, 2012 um 10:40

@ Dipfele

Sachkunde steht immer gegen Behauptung.

Christian Wulff 600 48,2 % 615 49,4 % 625 50,2 %
Joachim Gauck 499 40,1 % 490 39,4 % 494 39,7 %
Luc Jochimsen 126 10,1 % 123 9,9 % Kandidaturen
zurückgezogen
Frank Rennicke 3 0,2 % 3 0,2 %
Enthaltungen 13 1,0 % 7 0,6 % 121 9,7 %
Mögliche Stimmen 1.244 100,0 % 1.244 100,0 % 1.244 100,0 %
davon abgegebene Stimmen 1.242 99,8 % 1.239 99,6 % 1.242 99,8 %
davon gültige Stimmen 1.241 99,8 % 1.238 99,5 % 1.240 99,7 %

Der erste Wahlgang “fett’”

Es ergeben sich bei einem Überraschungscoup 50,2 %

Ob er gelungen wäre, das steht auf einem ganz anderen Papier. Geheimhaltung, Disziplin etc.

holger Februar 20, 2012 um 10:42

@ kurms

—>>> Und selbst wenn Hollande gewählt wird, an der jetzigen Euroarchitektur kann er gegen Merkels Willen auch nichts ändern.”

Darum geht es auch mE gar nicht. Bloß um das Haus Europa Schlüsselfertig zu machen, bedarf es der politischen Einigkeit von Frankreich und Deutschland. So, und nun kommts… Frankreich ist noch Souverän (weil die Franzosen eben Franzosen sind). Aufgrund des Wahlverfahrens dort. Also muss man DE an französische Politik angliedern. Nicht umgedreht. Und die Anbiederung von Sarko an IM Trulla, haben auch ein paar Leutchen mitbekommen. Nun wissen aber auch die Leutchen, dass die Zeit von Sarko gekommen ist. Um das Projekt Europa aber zu Ende zu führen, wäre IM Trulla dann im Weg. Und Stillstand kann nun gar keiner mehr gebrauchen.

h.huett Februar 20, 2012 um 10:43

Lübberding

Unterschätze die Dame nicht. Sie hat tatsächlich so was wie eine Rochade vollzogen. Erst ein machtpolitisches Risiko mit dem Betamännchen Wulff ausgeschaltet, der durchaus noch mit der Idee geliebäugelt haben könnte, aus Bellewuff ins Kanzleramt zu wechseln. Sodann für den absehbaren Notstand (als Folge der eigenen Politik) mit Gauck einen Präsidenten als Vorboten einer geschrumpften Großen Koalition ins Amt zu bringen.

Vergiss nicht, dass Frau Merkel ihre Karriere, jeden einzelnen Schritt, Kollateralschäden der eigenen Partei verdankt. Erst enteiert sie die Herren. Dann dürfen die Eunuchen das Hohelied singen.

Doktor D: das sehe ich genauso. Die Grünen und die FDP haben gestern nicht verstanden, dass sie nur noch Girlanden sind wenn überhaupt.

Horst Schmidt Februar 20, 2012 um 10:48

@ h.huett

Merkwürdig, wie man eine offensichtliche Niederlage der Merkel noch in einen Sieg umdichten will. Ich fasse mir nur noch vor den Kopf.
Die Merkel schlägt sich ob der Dummheit der Deutschen wahrscheinlich jeden Abend vor lachen die Schenkel wund.

James Tobin Februar 20, 2012 um 10:50

Traurig das Ernst Jünger diffamiert wird …

Dipfele Februar 20, 2012 um 10:51

Sachkunde, 1. Wahlgang-Coup? Witzig.

Dipfele Februar 20, 2012 um 10:52
kurms Februar 20, 2012 um 10:53

holger “Also muss man DE an französische Politik angliedern. [...] Nun wissen aber auch die Leutchen, dass die Zeit von Sarko gekommen ist.”

Ist das so zu verstehen daß sich ein deutscher SPD Kanzler dann Hollande unterordnen soll? Nur Hollande scheint doch nicht neoliberal eingenordet zu sein. Das müßte dann ersteinmal nachgeholt werden bevor man IM Trulla abschiesst.

A. G. Februar 20, 2012 um 10:54

„Ein Regent, der sich eine machtpolitische Blöße gibt, steht nackt vor seinen Untertanen.“ @Frank Lübberding, sie wird sich nicht ausziehen oder ausziehen lassen. Gauck schmeichelt ihr, spricht von „Zuneigung“. Sie wird ihn für ihren Machterhalt einspannen können, bekleidet weiterhin in farbigen Blazern mit schwarzer Hose. Es ändert sich nix, vielleicht wird Gelb irgendwann wieder gegen Rot getauscht. Gauck wird seine Redekunst nutzen, um Ruhe ins Volk zu bringen, um die Wogen bei der weiterhin schwachen Politik zu glätten. Was Besseres kann Merkel mit einem Gauck, der von allen demokratischen Parteien (Ausnahme Linkspartei) getragen wird, nicht passieren.

Nanuk Februar 20, 2012 um 10:56

@Horst Schmidt
Es geht Merkel darum die anderen Wähler von den Urnen zu jagen und Merkel wird eh nur von 90 Jährigen grenzdebilen gewählt… die SPD ist so weit nach rechts gerutscht das die Merkel wie ne Erlöserin aussieht… weil die SPD einfach nicht kapieren will das Opposition voran gehen muss egal ob die Merkel im Amt bleibt.Wenn man so seine Ziele durchsetzen kann ist das egal…

Frankie Bernankie Februar 20, 2012 um 11:02

@Horst Schmidt

“Christian Wulff 600 48,2 % 615 49,4 % 625 50,2 %
Joachim Gauck 499 40,1 % 490 39,4 % 494 39,7 %
Luc Jochimsen 126 10,1 % 123 9,9 % Kandidaturen

Es ergeben sich bei einem Überraschungscoup 50,2 %´”

Unrealistischer gehts ja wohl nicht.
Die Linke stellt eine Kandidatin Luc Jochimsen auf, um sie dann allesamt im ersten Wahlgang in einem Überraschungscoup nicht zu wählen, sondern den Gauck, den sie hassen?

Sorry, aber das ist völliger Blödsinn.

holger Februar 20, 2012 um 11:04

@ kurms

—>>>Ist das so zu verstehen daß sich ein deutscher SPD Kanzler dann Hollande unterordnen soll? Nur Hollande scheint doch nicht neoliberal eingenordet zu sein.”

Es geht nicht um unterordnen oder neoliberal (ich kann es eh nicht mehr hören neoliberal ist auch nur so ein Aufhänger andere auszuplündern, machen die anderen auch). Es geht um die Machtverhältnisse in Europa. Und, dass ein SPD Kanzler mit Hollande das Händchen halten wird, ist doch auf dem Parteitag der SPD klar geworden. oder etwa nicht? Also, ob GroKo oder nicht, der erste Ansprechpartener für Hollande wird immer der oberste Soze dann sein. Da brauchts keine Pferdeärsche.

Doktor D Februar 20, 2012 um 11:04

Aber wie so denn “machtpolitische Blöße”? Hat sie sich nicht mit der Akzeptanz von Gauck den eigentlichen Kapitalfehler, die Wulff-Affäre einfach so sich selbst (und der Staatsanwaltschaft zu überlassen) wieder eingehegt? Die große Staatsfrau, die um der größeren Sache willen auf kleinteilige Machtdemonstrationen auch mal verzichten kann? Zumal ja kein Mensch weit und breit zu erkennen ist, der aus der Wulff-Affäre irgendwelche politischen Vorteile ziehen kann.
Merkel wird an der Gedenkfeier für die Opfer der Nazi-Mörderbande und der deutschen politischen Polizei eine schöne präsidial-staatstragende Rede halten – und sich damit endgültig über das dem politischen Getümmel levitieren. Für Gauck wird es in den Popularitätswerten von nun an abwärts gehen – und das wird auf das Konto von Rot und Grün gerechnet werden. Sieht für mich so aus, als hätte Merkel aus einer ziemlich verfahrenen Situation doch noch das Beste gemacht.
(Ich würde mich übrigens nicht wundern, wenn die Wahlkampfauftritte von Frau Merkel in der Présidentielle aus Termingründen abgesagt werden müssen ;-)

Nanuk Februar 20, 2012 um 11:06

@Horst Schmidt
btw das machen die Realos der Linken seit Jahren so…. ist doch egal wer die Blumen kassiert hauptsache die machen was wir wollen aus Angst vor uns…

Doktor D Februar 20, 2012 um 11:08

Im Prinzip kann ich Deutsch, aber ich probiere gerade was neues aus ;-) Also sorry für die syntaktischen Innovationen!

Frankie Bernankie Februar 20, 2012 um 11:18

Ich hab den Eindruck, dass die Bedeutung dieser Bundespräsidentenkür für die weitere politische Machtentwicklung in D hier etwas überinterpretiert wird.

DerBuPrä Gauck wird bundespräsidential werden – d.h. ohne grössere Wirkung im politischen Geschäft.

Auch die 2 Vorgängerwahlen sind bedeutungsmässig aufgeladen worden – und was war dann?
Eigentlich wars doch egal , was die Figuren trieben ( bis auf die jeweiligen Rücktritte ) , und ob durch ihre Wahl irgendwelche politischen Machtverschiebungen oder die Entwicklungen grosser Politiklinien initiiert , determiniert oder auch nur beeinflusst wurden , kann man doch nicht wirklich sagen.

Ab morgen ist wieder Griechenland, dann ist Iran, dazwischen Saarland und Schleswig-Holstein, Sommerolympiade in London, bei der hoffentlich nichts passiert, und Rezession kommt auch.

h.huett Februar 20, 2012 um 11:19

Horst Schmidt & Doktor D

Diejenigen, die die politische Performanz der Dame immer nur nach Tageslage bewerten, mögen von mir aus gerne weiter in der Achterbahn herumschleudern. Es gibt Unterschiede zwischen dem taktischen und dem strategischen Verhalten unabhängig im Übrigen von der Frage irgendwelcher persönlicher Sympathien oder angeblicher Werte. In der politischen Biographie Angela Merkels gibt es eine Konstante. Dem Machterhalt werden alle sogenannten Prinzipien geopfert. Merkel hat aus dem Wertewandel für sich die richtigen Schlussfolgerungen gezogen. Der demobilisierende Wahlkampf 2009 hat davon (nach 2005 und Dresden) ein Beispiel gegeben. Übrigens wird sie an der Seite des kleinen Nic auftreten und für Sachen in die Kampagne ziehen, die es in Deutschland gar nicht mehr gibt.

holger Februar 20, 2012 um 11:22
kurms Februar 20, 2012 um 11:37

Huett: “Dem Machterhalt werden alle sogenannten Prinzipien geopfert.”

Aber Kanzler bleibt man nicht zum Selbstzweck. Sie muß also immer noch von einer ausreichenden Anzahl Unterstützern als nützlich angesehen werden um weitermachen zu können. Ob es auf die Dauer reichen wird die Konkurrenz unattraktiver erscheinen zu lassen (“demobilisierender Wahlkampf”, das muß ich mir merken) ist für mich noch unklar.

holger Februar 20, 2012 um 11:39

Sacht mal… mit wem hat sich der Gauckler eigentlich in Wien getroffen? :D

Nanuk Februar 20, 2012 um 11:41

“Aber Kanzler bleibt man nicht zum Selbstzweck. Sie muß also immer noch von einer ausreichenden Anzahl Unterstützern als nützlich angesehen werden um weitermachen zu können. ”

Das sind die die gerne im Bundestag sitzen bleiben wollen die haben keine Ideen keine Ideale nur Posten.

Dipfele Februar 20, 2012 um 11:41

NB: Hinze ist ein Vertrauter Merkels.

Doktor D Februar 20, 2012 um 11:43

Für Menschen, die die Grünen aufgrund politischer Überlegungen wählen, wirkt deren offizielle Begeisterung für Gauck sehr demobilisierend – wenn ich mir so meine Umgebung und die Social Media Reaktionen anschaue.
Dem Pop-Beauftragten und DJ Dosenpfand wird das Grinsen noch vergehen.

holger Februar 20, 2012 um 11:43

Fett von mich :D

Spät am Abend war es gewesen, als Angela Merkel den Auserwählten am Telefon erreichte. Im Taxis saß Joachim Gauck, der frühere DDR-Bürgerrechtler, soeben aus Wien gelandet . Frau Merkel fragte ihn nach seinen Schilderungen, ob er für eine Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten bereit sei. Er war es – und er war es wohl gerne. Sodann wurde für den späten Abend zu einer Pressekonferenz in das Bundeskanzleramt eingeladen.

http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/die-nachfolger-suche-den-gauck-nicht-vor-dem-abend-loben-11655552.html

alles reiner Zufall. :D Pünktilich auf die Minute ungeduscht.

Nanuk Februar 20, 2012 um 11:48

Was stören einen eitle Narzissen wenn sie wachsen wo und wie ich will…

Nanuk Februar 20, 2012 um 11:57

Wer ist der Gewinner im fall Gauck? CDU SPD Grüne? Nö die Linke!
Denn die haben mit dem Arsch nix zu tun.

und irgendwann werden die Leute schon rausfinden was für ne Birne der Gauck ist…

h.huett Februar 20, 2012 um 11:58

Dipfele

Fein beobachtet.

h.huett Februar 20, 2012 um 11:59

kurms

In der Politik des Machterhalts gibt es einen ehernen Grundsatz: Die erste Reihe interessiert sich nicht für Inhalte. Das hat zB die NRW-Grüne Höhn zum Leidwesen mancher Kollegen nie verstanden.

egal Februar 20, 2012 um 12:10

@ holger
Der Bildredakteur hat ausgewählt, was zum Artikel passt. So what? Realität sieht anders aus.

@ all
Machterhalt als die Methode Merkel. Sicherlich. Das ist, würde goodnight sagen, die Methode des Funktionssystems Politik. Aber genauso gut passt es zu den Fakten, zu behaupten, Merkel hätte ein politisches Programm, das sie beharrlich umsetzt, auch wenn dazu mal ein Schritt zurück notwendig wird. Das Leipziger Programm wurde aus taktischen Gründen gestrichen, aber strategisch weiterverfolgt und wird dort umgesetzt, wo sich gerade die Möglichkeit bietet. Etwa in Südeuropa.
Man darf Taktik nicht mit Stategie, Mittel nicht mit Zwecken verwechseln. Macht ist die Möglichkeit, anderen den eigenen Willen aufzuzwingen. Hätte Merkel keinen eigenen Willen, den sie anderen aufzwingen könnte, wäre sie lediglich mächtig wie tausend Stammtischpolitiker: im Potentialis.

Horst Schmidt Februar 20, 2012 um 12:12

@ nanuk

“Wer ist der Gewinner im fall Gauck? CDU SPD Grüne? Nö die Linke!
Denn die haben mit dem Arsch nix zu tun.
und irgendwann werden die Leute schon rausfinden was für ne Birne der Gauck ist…”

Dolles Ding. So ist es?

Über den Gauck kann man denken was man will und er wird den meisten auf den Sack gehen. Dennoch werden wir uns über diesen Typen nur über politische Dinge, Aussagen, Ansichten streiten. Und das lasse ich gern über mich ergehen, im Gegensatz zur ewigen Schnäppchenjägerei etc.

Also wer die Linke als Sieger sieht, der sollte nun wirklich zu Fielmann gehen. Übrigens, ich würde mir einmal in Erinnerung rufen, wann der stetige Rückgang der Linken in den Umfragen einsetzte.

f.luebberding f.luebberding Februar 20, 2012 um 12:17
holger Februar 20, 2012 um 12:18

@egal Februar 20, 2012 um 12:10
@ holger
Der Bildredakteur hat ausgewählt, was zum Artikel passt. So what?”

Gar nix so what? :D Das Bild ist gut, und der Bildredakteur ebenfalls.

Nanuk Februar 20, 2012 um 12:20

“Also wer die Linke als Sieger sieht, der sollte nun wirklich zu Fielmann gehen. Übrigens, ich würde mir einmal in Erinnerung rufen, wann der stetige Rückgang der Linken in den Umfragen einsetzte.”

Ich glaube keiner Umfrage die ich nicht selbst gefällscht hab.

Horst Schmidt Februar 20, 2012 um 12:24

@ f.luebberding

Das wird hier keiner wahrhaben wollen. Hier wird eine große Strategin gefeiert. Selbst wenn sie neben dem Kessel ein Ei legen würde, glaubten fast alle, dies sei ein genialer Schachzug. :-)

Was Schwennicke schreibt, liegt bei klarer Sicht auf die Dinge noch klarer auf der Hand.

Nanuk Februar 20, 2012 um 12:25

@Horst Schmidt
Mal ne frage meinst du irgend einer der die Linke wählt würde Gauck befürworten ergo ist das uninteresant jetzt haben sie einen Kandidaten der höchstens noch für die FDP Wahlkampf machen kann…

h.huett Februar 20, 2012 um 12:26

Horst Schmidt

Zwischen analysieren und feiern gibt es allerdings noch ein paar Unterschiede, ok?

Doktor D Februar 20, 2012 um 12:27
Horst Schmidt Februar 20, 2012 um 12:32

@ h.huett

Ja, ok! Setze ich nächstes Mal in Anführungszeichen. Aber die Analyse muss nicht richtig sein, ok?

Carlos Manoso Februar 20, 2012 um 12:33

@ h.huett Februar 20, 2012 um 11:19
„Es gibt Unterschiede zwischen dem taktischen und dem strategischen Verhalten unabhängig im Übrigen von der Frage irgendwelcher persönlicher Sympathien oder angeblicher Werte. In der politischen Biographie Angela Merkels gibt es eine Konstante. Dem Machterhalt werden alle sogenannten Prinzipien geopfert.“

Die Nominierung des erzkonservativen liberalen Gauck als Bundespräsident-Kandidat, vorgeschlagen von der toten FDP gegen Angela Merkel, ist eines dieser atemberaubenden Beispiele für Angela Merkels überragende strategische politische Meisterleistungen.

Als konservativer Ex-DDR-Bürger wirft Gauck Kritikern des Kapitalismus mit immanent denkenden Strickmustern wie z.B. Jüngern der Partei „Die Linke“ mit vollstem Recht vor, sie hätten keine „Systemalternative“. Gauck sieht aus einer ultraliberalen Perspektive vollkommen richtig, dass die „sozalistischen Planwirtschaften“ dem „Kapitalismus“ unterliegen mussten, weil er von der falschen erkenntnistheoretischen Annahme ausging, Wirtschaftsprozesse seien zentral planbar durch einen allwissenden Planer. Gauck ist insofern wie seine entsprechende Ost-Generation ein intellektueller Jünger von Hajeks und der Austrian School.

Das ist der Hintergrund für Gaucks Beschwörung der „Freiheit“. Gauck will „Freiheit“ auch in Wirtschaftsprozessen verwirklichen und der „freie Markt“ ist für Gauck der wahre Souverän. Beispielsweise muß „der Staat“ und seine „Politiker“ aus Gaucks Glauben immer schlechter sein als der „freie Markt. Gauck zieht somit aus dem Nicht-Funktionieren der staatlichen „sozalistischen Planwirtschaften“ völlig falsch eine richtige Lehre.

Gauck steckt in einer Endlosschleife von liberalen Denkfehlern. Was er nicht erkennt, im Kapitalismus führt mehr „Freiheit“ zu mehr Schulden und die schaffen erst die Arbeit, die Substanz des Kapitals, und dann den Kapitalismus selbst ab.

Angela Merkel ist da in der Praxis schon längst ein paar Kilometer weiter als Gauck und denkt dialektisch. Mittels seiner horrenden Schuldenkrise degeneriert der Kapitalismus nach dem Untergang der Planwirtschaften in Planwirtschaften und Angela Merkel sieht ihren leider dialektisch notwendigen Job darin, leider die notwendigen Quantenprünge der Eurozone in Richtung Planwirtschaften politisch mitzuorganisieren.

Die Perspektive steht in leap2020:
http://www.leap2020.eu/GEAB-N-62-ist-angekommen-Umfassende-weltweite-Krise-Euroland-2012-bis-2015-Entstehung-einer-neuen-globalen-Macht-wenn_a9198.html

h.huett Februar 20, 2012 um 12:35

Horst Schmidt

claro :-) Aber wiesaussieht muss nicht so sein wiesaussieht. Das ist der Charme unseres Blogs, mit Applomb daneben zu liegen, auch, oder weil, gerade alle in die entgegengesetzte Richtung fahren. Ich bin kein begeisterter Geisterfahrer. Der Hohn auf den Gesichtern, den Holger so interessant findet, lese ich als kurzsichtig.

egal Februar 20, 2012 um 12:48

Der Spiegelartikel ist dümmlicher als ein auspicium.

Rotgrün hat die Mehrheit in der Bundesversammlung (oder?).
Deshalb wird es der rotgrüne Kandidat.

Und das soll die größte Niederlage in der Karriere von Angela Merkel sein??? WTF

Der Vorschlag Gauck kam vom Koalitionspartner. Den hätte Merkel vermutlich auf Linie bringen können. Aber wozu? In der Bundesversammlung wäre sie auf jeden Fall gescheitert.

Merkel hat weder die größte Niederlage ihrer Amtszeit kassiert, noch hat sie sich als geniale Stategin erwiesen. Es ist nichts passiert. Aber Wulff war das Medienereignis der vergangenen zwei Monate. Die Auguren müssen irgendwas Tiefschürfendes sagen.
Aber – sorry – sind wir hier nicht ein aufgeklärtes Publikum.

Horst Schmidt Februar 20, 2012 um 12:49

Diese Überschrift sollte Warnung genug sein.

Gauck wird ein starker Präsident neben Merkel sein
http://www.welt.de/debatte/article13876649/Gauck-wird-ein-starker-Praesident-neben-Merkel-sein.html

Warum mußte denn Merkel die “Schmach” erleiden, wie Schwennicke richtig feststellt? Weil eben niemand anders bereit war UNTER ihr den Präsidenten zu spielen. Mit Gauck wird das eben nicht zu machen sein.

asl Februar 20, 2012 um 12:50

Gauck – ein neoliberaler Sarrazinversteher und Freiheitskämpfer seit 1990 – offensichtlich ist diese Land wieder ‘mal auf dem Weg nach weit rechts

kurms Februar 20, 2012 um 12:53

Huett: “In der Politik des Machterhalts gibt es einen ehernen Grundsatz: Die erste Reihe interessiert sich nicht für Inhalte. ”

Aber ist es für ein vollumfängliches Machtgefühl nicht nötig daß man den Eindruck hat den eigenen Willen anderen aufzuzwingen? Nur die Macht auszuüben ohne deren Inhalt zumindest zum Teil zu bestimmen wird einer machtbesessenen Person wie Frau Merkel glaube ich nicht genügen. Vielleicht ist sie aber einfach geübt genug im doublethink so daß sie mit ihrere Rolle doch zufrieden ist.

holger Februar 20, 2012 um 12:53

h. huett

—>>> Ich bin kein begeisterter Geisterfahrer.

Naja, so weit ich mich erinnern kann, hätte IM Trulla gestern, nach deinen Hühnerknochen, gar keine Grimasse mehr ziehen dürfen. :D

—>>>Der Hohn auf den Gesichtern, den Holger so interessant findet, lese ich als kurzsichtig.”

Das ist eben das Manko eines Rhetorikers. Er achtet eben nicht auf das gesamt Bild. Übrigens auf die Rhetorik von IM Trulla gestern auf der PK, gehst ja nicht ein. Als der Auserwählte aus dem Taxi ungeduscht vorgestellt worden ist von der IM Trulla. Schon da wurde die Trulla am Nasenring vorgeführt. Manege Frei.

Doktor D Februar 20, 2012 um 13:01

@Horst Schmidt:
Schon die Wahl des Wortes “Schmach” im Titel zeigt für mich, dass Herr Schwennicke im falschen Interpretationsrahmen arbeitet.
Für mich sieht es einfach danach aus, als hätte Merkel aus einer sehr bescheidenen Ausgangssituation, die sie sich selbst eingebrockt hat, das bestmögliche gemacht: SPD und Grünen ein schönes Ei ins Nest gelegt, das denen demnächst richtig Ärger machen wird. Im eigenen Lager können sich die Konservativen ein bisserl gebauchpinselt fühlen und sich in der Sonne der angeblichen Niederlage Angela Merkels fühlen. Und den Grünen gehen wieder ein paar jüngere Menschen von der Fahne und zu den Piraten. Man kann sich in einem politischen System, in dem es mit den großen Blöcken und Loyalitäten nicht mehr so klappen will, auch dadurch an der Macht halten, indem man die anderen schneller in die Fragmentierung treibt als man selbst an Wählern verliert. Und auf die Über-60-Jährigen disziplinierten Stammwähler in den ländlichen Gegenden kann sich Merkel und die CDU noch ein paar Jährchen verlassen. So loyale Wähler gibt es, nur halt in viel geringerer Zahl, nur noch bei der Linken. Damit hat Merkel die Option, die stärkste Partei unter lauter schwächeren zu sein, ziemlich sicher. Herr Gauck wird sicherlich einen schönen Beitrag bei der Demobilisierung von SPD- und Grünen-Wählern leisten.

Horst Schmidt Februar 20, 2012 um 13:01

Gauck ist Merkels Meisterwerk>/strong>

http://www.tagesspiegel.de/meinung/kontrapunkt-gauck-ist-merkels-meisterwerk/6230092.html

Mann o mann, möchte ich nur sagen. Darauf muss man erst kommen.
Der einzig richtige Satz: “Denn: Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.”
Das konnte aber nicht kapieren. :-)

h.huett Februar 20, 2012 um 13:02

holger
i wo. Merkel hat in den allermeisten Fällen die Kontrolle über Bilder (“gehnse ma aus der Latüchte!”). Die wenigen Ausnahmen werden immer gern genommen (verzerren die Tatsache der Kontrolle)

Der Rest wird hineingeheimnist

Horst Schmidt Februar 20, 2012 um 13:02

Jetzt aber richtig!

Gauck ist Merkels Meisterwerk

http://www.tagesspiegel.de/meinung/kontrapunkt-gauck-ist-merkels-meisterwerk/6230092.html

Mann o mann, möchte ich nur sagen. Darauf muss man erst kommen.
Der einzig richtige Satz: “Denn: Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.”
Das konnte die Linke aber nicht kapieren.

h.huett Februar 20, 2012 um 13:04

kurms

Macht ist kein Gefühl, sondern eine Tatsache. Man hat sie – oder nicht. Vollumfänglich kann sie ebenso wenig sein wie halbschwanger. Es gibt politische Ziele. Aber auch die haben nur in seltenen Fällen tatsächlich etwas mit “Werten” zu tun, das wird gerne rückwirkend auf sie projiziert, auch um die Basis bei Laune zu halten.

kurms Februar 20, 2012 um 13:14

“Macht ist kein Gefühl, sondern eine Tatsache.”

So eine Macht kann ja keinem Spaß machen. Kein Wunder daß die Merkel immer so sauertöpfisch dreinblickt. ;)

A. G. Februar 20, 2012 um 13:15

Treffend der Tagesspiegel, überinterpretiert der Spiegel.

A. G. Februar 20, 2012 um 13:16

überinterpretierend

topi Februar 20, 2012 um 13:27

@ H.H.
@ F.L.

“In der Politik des Machterhalts gibt es einen ehernen Grundsatz: Die erste Reihe interessiert sich nicht für Inhalte”

Das sowie den Link auf den SPiegelkommentar nehme ich mal als Antwort auf meine obige Frage, ob ihr immer noch meint, die Linke hätte aus Machtpolitischen Gesichtspunkten damals springen müssen.

Ich gebe euch (natürlich auch Horst Schmidt und allen anderen, die es lesen wollen ;-)) nochmal eine Erläuterung, warum ihr auf dem Holzweg seit.

Es verwies sogar JAUCH, der desinvestigativste aller Journalismus-Darsteller (naja, Vorsicht mit SUperlativen, da gibt es nun diverse), in seinem Gaswerk auf Gaucks Occupy-Aussage!

Warum, um dessen Position in Frage zu stellen? Natürlich nicht.
Aber um Nahles zu Ärgern.

N,Man stelle sich vor, die Linke hätte ihn damals mitgewählt. Genüsslich würde die ganz große Koalition darauf verweisen, dass sie doch endlich ihre Verteilungsänderungsphantasien lassen sollen, wenn es doch schon IHR Präsident ihnen vormacht. Diskussion unnötig, Thema beerdigt.

Jeder der andiskutierten Kandidaten, selbst die Ur-Seeheimerin Schwan oder die blassgrüne Neoliberale Göring, steht nicht so weit auf der marktradikalen Seite, noch dazu mit dieser impertinenten Selbstüberhebung als geschichtlich Rechtgekriegthabender “Bürgerrechtler” und Stasiverfolger (siehe Diestel, CDU-Innenminister: “Gauck war Stasibegünstigter”).

Wo gab es in den letzten Jahren wirkliche Machtpolitische Signale gegen schwarz/irgendwas?

Doch nicht, Gauck zu wählen.

Wahl in Thüringen, die SPD macht lieber den Steigbügelhalter, obwphl Ramelow sogar auf den Chefsessel verzichtet hätte.

Wahl im Saarland. Der grüne Panzer (wahrscheinlich bezieht sich der Nick auf seine geistige Flexibilität?) koaliert natürlich lieber mit seinem Geschäftsfreund (oder war es der Arbeitgeber), ein Maschmeier im Saar-Format, als rot-rot-grün zversuchen.

Wahl in Meck-Pomm, Wahl in Sachsen-Anhalt.

Aktueller Wahl”kampf” im Saarland, Hauptanliegen der SPD: Lafontaine eins auswischen, und sich ansonsten wieder als Hündchen andienen und über ein paar Ministerposten plus Anhang freuen.

So siehts aus, MACHTPOLITISCH.

Doktor D Februar 20, 2012 um 13:28

Ganz ähnlich, aber natürlich nicht ganz so offensiv amüsiert wie Lehming im Tagesspiegel Altenbockum in der FAZ: http://www.faz.net/aktuell/politik/wulffs-nachfolger-der-allparteien-gauck-11655359.html

egal Februar 20, 2012 um 13:34

Resumee:

http://b-event.com/images/previews/IMG_20101118_0866.JPG

Wa, Lübberding, jetzt ist wieder alles in Ordnung.

topi Februar 20, 2012 um 13:35

@ egal

“Rotgrün hat die Mehrheit in der Bundesversammlung (oder?).”

Oder. ;-)

Der hannoveraner Staatsanwalt wurde rechtzeitig auf Linie gebracht, damit noch die alten saarländischen Machtverhältnisse in der Bundesversammlung gespiegelt werden.

Also ganz knapp für schwarz/gelb.

Aber natürlich mit jeder Menge unsicherer Kantonisten; deshalb hätte Merkel die FDP eben nicht “auf Linie” bringen können, wenn es zu einer Kampfabstimmung gekommen wäre, wäre das Risiko des Scheiterns groß gewesen.

topi Februar 20, 2012 um 13:37

@ Gesichtsentgleisung

Richtig.
Und zwar ist Merkel sauer, weil sie das persönlich als Niederlage empfindet; sie ist eben nicht die ganz große Strategin, sondern auch ein kleiner Mensch mit Leber und Läusen.

Aber sie wird noch kapieren, welcher Glücksgriff das rüchblickend gewesen sein wird; und zwar viel schneller als die Auguren, die ihr Dummheit etc. andichten. :roll:

Doktor D Februar 20, 2012 um 13:41
h.huett Februar 20, 2012 um 13:43

topi

In der ökonomischen Kompetenz oft für Überraschungen gut, unterliegt Deine politische Bewertung einer sehr statischen richtig-falsch-Repräsentanz, da bleibt die Dynamik völlig auf der Strecke. Das gilt ebenso für die Bewertung eines TV-Unterhaltungsformats. Die Äußerungen Gaucks zu occupy (oder zu Sarrazin) sind differenzierter als die Zitatfragmente, die nur dem Köcheln der einschlägigen Empörungen dienen.

Gauck hat als protestantischer Theologe mehr Fingerspitzengfühl für Repräsentanzansprüche und ihre vermeintliche Geltung als die meisten seiner Kritiker, deren Vorstellungen politischer Macht über die einfache Arithmetik (s.u.) kaum hinausreichen.

Stephan Februar 20, 2012 um 13:48

@HH
Eh klar, dass der Reaktionär Hans Hütt vom Kollegen Reaktionär Joachim Gauck schwer begeistert ist.

topi Februar 20, 2012 um 14:01

Hans Hütt

Der Gauck sitzt im Senat der Nationalstiftung, deren Ziele aus den 90ern man als Blaupause für Steuerschenkung, Sozialsystemaushöhlung, Reallohnsenkung, Finanzkapitalismusanfeuerung, kurz Einkommenskonzentration mit zwingend** folgender Finanzkrise ansehen kann.

Damit liegt er natürlich voll auf Linie großer Teile des rotgrünen Establishments, so what; aber er wird von Hintze und Kunz und auch allen Nicht-Hintzes gelobt für seine große Persönlichkeit, nur weil er sich mit seinem Habitus mal positiv absetzt vom Durchschnittspolitikerantlitz.

Er vertritt keineswegs das, was die eigentliche Wählerklientel der “linken Parteien, was sich auch immer mehr Gehör in Parteitagsbeschlüssen verschafft, wollen, oder auch nur das, was das System nicht krachend zusammenbrechen lässt.

Aber zur einfachen Arithmetik: wie konnte ich nur Berlin vergessen, schwarze statt grüne oder rot/orangene.

EInfache Arithmetik: schwarz und gelb könnte bis auf die Hardcoreschwarzländer Sachsen und Bayern und noch befristet Niedersachsen aus den Regierungssesseln entfernt sein (in Hessen war ja auch mal was, erinnert sich jemand).

Man stelle sich die Bundesratsmehrheit vor, oder auch die Bundesversammlungsmehrheit.

Und das wäre kein MACHTPOLITISCHES SIGNAL????

Das Signal wäre so schallend, das es auch der Massenmedienangestellte nicht überhören KÖNNTE, mein Lieber.
Und auch nicht müsste, es wäre ja auch für den letzten hörbar.

Aber der Gauck-Coup hätte den schwarz-geld-Untergang gebracht; ich bitte Euch!!

Natalius Februar 20, 2012 um 14:01

Im Kabinett der Königin Merk-Ellen gibt es nur eine Hose – das ist sie selbst. Alle anderen tragen Unterhosen und sind es auch. Nun soll ein neuer König gewählt werden, der ihr zur Seite steht und in Zukunft wichtige Dinge Unter-schreibt, die Merk-Ellen in kühner Erwartung unruhiger Zeiten ungern selbst vermerkelt.
Sie schaut aus dem Fenster ihres Palastes und sieht das Folg!, dessen Zuneigung ihr wichtig ist. Das Folg! hat schon längst gesprochen: Wir woll’n den alten Kaiser Gauke wiedersehn – wir woll’n den alten Kaiser Grauke wiedersehn, tra-ri, tra-ra, tra-ri, tra-ra.
Die Unterhosen der Oh!Position? wollen das auch – schon lange. Was Merk-Ellen aber zunächst erschüttert ist der (leib)eigene Koa-Pulationspartner: Dieser freche Asiat, den man mal gehörig auf die Unterhosen klatschen sollte. Am liebsten würde Merk-Ellen dies ja selbst tun. Aber das Folg! – das manchmal dumme Folg! versteht die inverse Erotik der Macht nicht. Merk-Ellen aber weiss, daß Sie selbst auf diese Reizung angewiesen ist…
So ziehen sich die Mundwinkel der Macht für einen Moment noch tiefer in das Gesicht, um dann urplötzlich wieder zu verschwinden. Schnelles Handeln kennzeichnet eine Monarchin, die es fer(n)steht, sich dem Folg! zu offenbaren. Am Sonntag abend ist es soweit. Der neue König soll neben ihr sitzen. Sie ruft. Er erscheint. Und greift mit seiner verbissen-liebenswürdigen Art genau an die Stelle, die das Folg! versteht.

holger Februar 20, 2012 um 14:04

Laut “Bild” steht unserem Gauckler noch das schlimmste bevor. Er soll heiraten. Ein Präsi Grüß August von des Atlantiks Gnaden, kann nicht in wilder Ehe (Wegen dem Amt) in Bellegauck einziehen. Mal sehen wer die Hochzeit sponsort. Sind ja genügend Leut jetzt ohne Job. Vielleicht wird ja noch nen kleiner aus Kamerun adoptiert und man verzichtet auf den Hund. Dann kann auch das Bobby-Car wieder genutzt werden.

topi Februar 20, 2012 um 14:05

noch zu den **

Natürlich kann das System auch mit einer zunehmenden EInkommenskonzentration stabil bleiben, theoretisch.

Die Milliardäre und Multimillionäre müssen ihre Kohle einfach nur raushauen, statt sie in Finanz”anlagen” zu versenken.

Also Schlösser bauen, Diener einstellen, riesige Parties feiern, Yachtgrößenwettbewerbe durchführen, privat zum Mond fleigen, etc.pp.

Dann müsste es nicht zum Schuldenkollaps kommen.

Wer diese Refeudalisierung besser findet, soll es tun. :roll:

Wilma Februar 20, 2012 um 14:10
egal Februar 20, 2012 um 14:11

@topi
Stimmt. Schwarzgelb hat 3 – 6 Stimmen Vorsprung.
http://www.wahlrecht.de/lexikon/bundesversammlung.html

holger Februar 20, 2012 um 14:16

@ topi

—>>>Die Milliardäre und Multimillionäre müssen ihre Kohle einfach nur raushauen, statt sie in Finanz”anlagen” zu versenken.”

Genau, und wenn nicht freiwillig, müssen sie zum Konsum animiert werden. Indem man ihnen sagt, ab einer bestimmten Summe X, kannst du entscheiden… entweder kaufst du was, oder du bekommst keinen Zins mehr.

topi Februar 20, 2012 um 14:27

Noch ein Hinweis zur einfachen Arithmetik.

Im Saarland stehen derzeit CDU und SPD bei jeweils 36%.

Daneben gibt es “rechts” noch 2 Prozent für die FDP, sowie “links” noch 24 Prozent für Linke, Grüne, Piraten (15,5,4).

Es ist ganz klar, mit welchem MACHTPOLITISCHEM Anspruch rotgrün in diese Wahl geht: unbedingt GroKo, gerne auch als Schoßhündchen.

Carlos Manoso Februar 20, 2012 um 14:32

@ h.huett Februar 20, 2012 um 13:43
„Gauck hat als protestantischer Theologe mehr Fingerspitzengfühl für Repräsentanzansprüche und ihre vermeintliche Geltung als die meisten seiner Kritiker, deren Vorstellungen politischer Macht über die einfache Arithmetik (s.u.) kaum hinausreichen.“

Des stimmt. Schon Angela Merkels leiblicher Papa war protestantischer Theologe in der DDR. Dass protestantische Pfarrer erst in der DDR von ihren Gläubigen zu wirklichen Atheisten „umgedreht“ wurden, ist jedem bekannt.

Ex-DDR-Pfarrer Gauck ist das Siegel des Pakts zwischen SPD, CDU/CSU und FDP, dass es in Deutschland 2013 niemals zu Rot-Rot kommen wird. Kurzum, die Linke in Deutschland sich wg Gauck jetzt völlig neu außerhalb der Partei „Die Linke“ erfinden, und das ist auch gut so.

„Frau Merkel war erbost über das Vorgehen der FDP-Führung. Sie sagte deren Abgesandten und auch den eigenen Leuten, sie werde bei ihrer Linie bleiben und Gauck ablehnen. Sie schilderte den Ernst der Lage der Koalition, drohte aber nicht unmittelbar mit deren Ende. In einer zweiten Schaltkonferenz beharrte die FDP Führung darauf, Töpfer und Huber abzulehnen. Ein Präsidiumsmitglied nannte diese Vorschläge der Union eine Provokation. Herrmann Otto Solms nannte den Widerspruch der FDP wiederum einen „Befreiungsschlag“. (…)

Gabriel legte Wert auf den Umstand, den Theologen schon vor zwei Jahren an Christian Wulffs Stelle für das Präsidentenamt vorgeschlagen zu haben. Von der „Idee der Freiheit“, die Gauck verkörpere, sprach Frau Merkel. Sie tat so, als sei sie zufrieden, obwohl sie doch den ganzen Tag über gegen ihn zu wirken versucht hatte – vergeblich, wie sich am Abend dann erwies. „Dieser Mann kann uns Impulse geben“, sagte sie.

Nachdem sämtliche Parteivorsitzende gesprochen hatten, war Gauck an der Reihe. Ein besonderer Tag sei es für ihn. Es sei gut, dass bei allem Streit alle Parteien zueinander gefunden hätten. Doch sprach er auch von der Verwirrung der eigenen Gefühle, und er bat – beinahe wie früher einmal Christian Wulff – darum, ihm seine ersten Fehler „gültig“ zu verzeihen. Nun aber fühle er sich eingeladen, und geehrt, und tief in der Nacht werde er sich dann wohl auch freuen. Und er nannte es wichtig, dass Frau Merkel ihm Vertrauen entgegenbringe. Die Kanzlerin setzte ein fröhliches Lächeln auf.“
http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/die-nachfolger-suche-den-gauck-nicht-vor-dem-abend-loben-11655552.html

h.huett Februar 20, 2012 um 14:33

Stephan

Solange Du so fromm bleibst wie Du bist, bleibt alles im Lot, gell?

Natalius Februar 20, 2012 um 14:38

Holger 14:04

Ein guter Rat! Auch Merk-Ellen ist die Schadt nicht zu fad.

http://www.sueddeutsche.de/bayern/daniela-schadt-und-joachim-gauck-die-kandidatin-an-seiner-seite-1.967323

Natalius Februar 20, 2012 um 14:42
gelegentlich Februar 20, 2012 um 14:52

@h.huett
Differenzieren können bezieht sich auf der Vermögen zu analysieren. Bei der Frage, ob ich Mitglied bei Verein A oder B sein will, dampft alles Differenzierung in dem Momennt ein, wo ich ,,Ja” oder ,,Nein” sage. Undifferenzierter geht es nicht, ist nur noch digital.
Wenn ich ja sage unterstütze ich die Ziele des Vereins. Punkt.
Und damit haben wir es mit einem asozialen atlantischen Springer-Adlatus zu tun. Dass der zur Not schöner, ergreifender, sogar pastoraler reden kann als sein Vorgänger ist zweitrangig.

Doktor D Februar 20, 2012 um 15:19

@Holger: Ich dachte, Gauck ist noch garnicht geschieden. Das gibt ja spannende Fragen für das Protokoll.

f.luebberding f.luebberding Februar 20, 2012 um 15:20

Nur noch zum Artikel von Malte Lehming. Gauck passt natürlich nicht vom inhaltlichen Profil zu rot-grün. Deshalb hätten sie ihn auch nie aufgestellt, wenn sie eine eigene Mehrheit gehabt hätten. Nach dem Rücktritt von Wulff konnten sie aber auch nicht einfach, ihren Kandidaten zurückziehen. Damit hätten sie ihre eigene Argumentation ad absurdum geführt. Nun wird Gauck sicherlich nicht als Polarisierer in die Debatte eingreifen. Er muss wie jeder Präsident Aktzente setzen. Damit macht er sich zwar gleichzeitig zum Thema einer Debatte, aber das muss nicht schlecht sein. Allerdings wird er das erst können, wenn er die Skeptiker von sich überzeugt hat. Ansonsten kann er seiner Rolle nicht gerecht werden. Er wird also etwa kaum seinen ökonomischen Dilettantismus in gleicher Weise bekunden können, wie er das in der Vergangenheit gemacht hat. Das war eine Meinungsäußerung, die nun wirklich niemanden interessierte. Insofern ist die Aufregung über Gaucks Postionen erst einmal überflüssig. Das alles gehört zur Amtsdefinition eines Präsidenten. Lehming liegt meilenweit neben jeder Realität.

Merkels machtpolitische Stellung hängt nicht von ihren Umfragewerten ab – oder wie die Leute die Wahl Gaucks beurteilen. Sie hängt nur an ihrem Verhältnis zu den beiden Regierungsfraktionen – und ihrer Verankerung in der eigenen Partei. Schwäche können sich nur Parteivorsitzende der FDP erlauben, die schon das machtpolitische Vakuum erreicht haben. Dann ist alles egal. Merkel aber hat in dieser Frage nicht nur Schwäche gezeigt, sondern ihr gesamter Politikansatz ist vor die Wand gefahren. Wenn Bosbach heute Morgen scheinbar der FDP erklärt, dass man sich zweimal wiedersehe, dann meint er zugleich die Kanzlerin, die der FDP in dieser Frage erlaubt hat, sich auf unter anderem seine Kosten zu profilieren. Er muss jetzt erklären, was er nicht erklären kann – nämlich für Wulff gestimmt zu haben – und was er nur aus einem Grund getan hat: aus Loyalität zur Kanzlerin und Parteivorsitzenden. Diese hat das jetzt als ein schäbiges parteitaktisches Manöver zugunsten ihrer eigenen Vorstellungen über die Machtarchitektur in ihrem Lager denunziert. Mit Gauck als Person hat das alles nichts zu tun. Ich nehme auch an, dass er ein guter Bundespräsident wird. Das glaubte ich allerdings auch von Christian Wulff. Und ich erwarte jetzt schlicht und einfach von Herrn Gauck, dass er nichts tut, was einen zwingt, diese Erwartung aufgeben zu müssen. Das bedeutet übrigens nicht, dass er nur noch Positionen vertreten darf, die sich im Ungefähren erschöpfen. Aber er sollte schon wissen, dass er der Präsident aller Deutschen werden muss – und nicht nur von den paar Figuren, die ihn gestern auf den Thron gesetzt haben. Dazu gehören auch die Linken im Bundestag. Mehr braucht man jetzt zu Herrn Gauck nicht mehr zu sagen. Er muss reden.

egal Februar 20, 2012 um 15:29

Wenn ich zur GroKo nochmal an Heinrich Lübke erinnern darf:

http://www.wiesaussieht.de/2012/01/04/wulff-mochte-mussen/#comment-12800

@Gauck
Es gerüchtet, dass Gauck seine eigene STASI-Akte allein einsehen durfte? Außerdem soll er wissentlich Ex-Mfsler in der BSTU geduldet haben? Angeblich wurden, der schwerste Vorwurf, in seiner Amtszeit auch zahlreiche Akten manipuliert? Weiß jemand was Seriöses?
Das wäre Kompromat von einem anderen Kaliber als ein Bobbycar. Gauck scheint tief in die Machenschaften von CIA, Bilderbergern und Illuminaten verstrickt. Auch wenn solche Theorien Schwachsinn sind – da wird was kleben bleiben. Denn die öffentliche Figur Gauck besteht z. Z. vor allem aus dem Image des mutigen Bürgerrechtlers, das Springer ihm geschaffen hat. Sehr nachhaltig hält so ein Springerkonstrukt aber nicht – siehe Guttenberg.

@Huett
Alle Gauckzitate sind für sich genommen ja auch gar nicht zu beanstanden. Den Subtext nehmen aber die meisten Menschen wahr:

Ob Sarrazin-Lob, Kritik an der Anti-Atomhysterie, das Bloßstellen von populistischem Banken-Bashing oder seine Befürwortung von Stuttgart 21 – Joachim Gauck könnte durchaus auch für PI antreten.

Natalius Februar 20, 2012 um 15:37

Scherz beiseite: Gauck ist installiert. Mit 73 ändert man sich nicht mehr. Ein in der ehemaligen DDR angebrüteter Freiheitsbegriff muß daher nicht unbedingt auf eine antisoziale Geisteshaltung rückschliessen lassen. Gerade Gauck sollte den Unterschied zwischen Gedankenfreiheit und Ellbogenfreiheit sehr gut kennen. Im Übrigen ist die Empfänglichkeit für Ideologien eben auch nicht zu 100% selbstbestimmt, sondern letztlich eine Abbildung der eigenen Rechts-Linkshirndominanz auf Parteiengebilde. Klar: Man kann den Gauck alleine von der physischen Erscheinung her als Ichmenschen begreifen, aber das Ganze wird ja moderiert durch den Lebenspartner und die Reflektion von Erfordernissen, die über das Amt eingebracht werden. In sofern glaube ich nicht, dass Gauck sich als Katastrophe erweisen wird. Möglicherweise sieht er sogar bestimmte Parallelen zwischen der DDR und der EU viel klarer als wir uns das vorstellen können.

ziggi Februar 20, 2012 um 15:40

@egal:
Gauck hat seine STASi-Akte wohl alleine eingesehen:

Zitat: “So hängt ihm denn nun vor allem die Dummheit an, die Dokumente letzten Sommer ohne Begleitung geprüft zu haben. Sich dafür zu rechtfertigen fällt ihm sichtlich schwer, und der FAZ scheint das zu reichen, ihr Gauck-Bild umzumalen: Es werde “der Ruf lauter”, schreibt das Blatt, “die personenbezogenen Unterlagen des MfS endlich in nicht vorbelastete Hände zu geben”.”

Mehr im Spiegel 1991:
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13489951.html

Wilma Februar 20, 2012 um 15:43

Natalius
” Möglicherweise sieht er sogar bestimmte Parallelen zwischen der DDR und der EU viel klarer als wir uns das vorstellen können.”

Der erste Punkt, der für Gauck sprechen könnte.

f.luebberding f.luebberding Februar 20, 2012 um 15:44

Gauck war nicht von Springer bei der Stasi Unterlagen Behörde installiert worden. Bekanntlich wollte man im Westen diese Akten unter Verschluss halten. Gauck wurde deren Chef, weil er mit dem Ticket von Bündnis 90 auch noch für die Konservativen erträglich schien – und die hatten mit ihren Blogflöten wohl die größte Angst vor den Akten. Ob das richtig war, steht auf einem anderen Blatt. Ansonsten sind Gerüchte halt Gerüchte. Und es gab genügend Leute, die das ganz sicher geprüft haben. So eine Story lässt sich niemand entgehen. Was die Ex Stasis in seiner Behörde betraf: das war richtig. Sie waren die Einzigen, die sich in diesem Dschungel auskannten – und arbeiteten wohl auch loyal im Sinne des Gesetzgebers. Die Debatte darüber ist in jüngster Zeit etwas verlogen, so mein Eindruck.

Doktor D Februar 20, 2012 um 15:47

Also dass Merkels Machtposition (oder die von jemandem anderen) nicht von Umfrageergebnissen beeinflusst wird… widerspricht doch meiner Wahrnehmung der politisch Handelnden. (Was ja aber nichts heißen muss.)
Ohne einen auch nur ansatzweise ernst zu nehmenden Konkurrenten kann Merkel sich “diese Schmach” (seit wann liegen wir denn wieder vor Verdun?) locker leisten – und wahrscheinlich kommt noch was richtig brauchbares für sie dabei heraus. Ich schließe mich jedenfalls Herrn Lehmings Vorfreude an: Das wird noch lustig. Und euer Zutrauen in die stilistische Sattelfestigkeit des neuen Bundespräsident teile ich nach seiner Äußerung über das körperliche Unbehagen, das ihn beim Gang durch Kreuzberg und ähnliche Stadtteile beschleiche eher nicht. (Leider erinnere ich nicht mehr die Quelle. Interview DLF könnte sein.)

- GAUCK mußß weg !!! - Februar 20, 2012 um 15:52
Natalius Februar 20, 2012 um 15:58

Wilma 15:43

Ich meine, er hätte es bereits ziemlich früh gesehen:
http://www.bosch-stiftung.de/content/language1/downloads/Stiftungsvortrag_Gauck.pdf
S. 10

f.luebberding f.luebberding Februar 20, 2012 um 15:58

Doktor D

Kohl hatte immer schlechte Umfrageergebnisse. Er war sechzehn Jahre im Amt und 25 Jahre CDU Vorsitzender. Es hängt nur an der Verankerung im eigenen Lager.

kurms Februar 20, 2012 um 15:59

FL: Was sind denn Blogflöten?

:)

A. G. Februar 20, 2012 um 16:00

So eine peinliche Facebook-Hetze.

hankel4präsident Februar 20, 2012 um 16:02

Hankel sollte der neue Bundespräsident werden

f.luebberding f.luebberding Februar 20, 2012 um 16:03

kurms

Ein interessanter Fehler von mir. Der ist mir gar nicht aufgefallen. Ich lasse ihn hier stehen: als Mahnung an die Nachwelt.

hankel4präsident Februar 20, 2012 um 16:05

… eines mußß man der FERRES laßßen:

===> … schöne grose Augen hat se …

holger Februar 20, 2012 um 16:07

f.luebberding

die Zeit von 89-ca.92 hat mehr Geheimnisse als man…

—>>> Ansonsten sind Gerüchte halt Gerüchte.”

Gut, Herrhausen kann dazu ja nix mehr sagen.

hankel4präsident Februar 20, 2012 um 16:15

@egal

===> … vor allem soll der GAUCK mal verzählen, was in den Stasiakten der Familie KASNER so alles drinne stehen tut!

holger Februar 20, 2012 um 16:16

@ ~hg~

nu geht die Transparenz aber zu weit. :D

Wilma Februar 20, 2012 um 16:17

Heiratet Gauck jetzt seine Daniela, bekommt diese nach seinem Ableben lebenslang auch den Ehrensold ?
Oder wird eventuell ihre gesetzliche Rente mit dem Ehrensold verrechnet.
Ich würde es als Vorteil erachten, wenn er sich angesichts knapper Kassen gegen eine Eheschließung ausspricht.
20 Jahre jünger als er, das kostet dann schon einiges.

14 Februar 20, 2012 um 16:29

Talgshow, Hintze, fdp, Gau… (wer/was ist das?)……Bundes(rotgrünschwarzgeld)kombinatspräsident, nein Danke!

[ Stasilied:
Graue Ostzonenholzmichel Pf(affen) regieren bald die Welt
Banken freuts wegen der ökonomischen Dilettanz
Es geht voran]

Doktor D Februar 20, 2012 um 16:31

Wilma, der Gauck ist garnicht geschieden. Wir haben ein interessantes protokollarisches Problem, falls Herr Gauck die Situation nicht dafür nutzt, das inoffizielle Amt der Bundespräsidentengattin wieder abzuschaffen.

Wilma Februar 20, 2012 um 16:36

Ja, ich weiß, dass er noch nicht geschieden ist.
Wird dann interessant mit dem Versorgungsausgleich.
Billiger für uns wäre es, wenn er sich nicht scheiden lassen würde.

Herr Gauck, denken Sie an die Schuldenbremse.

holger Februar 20, 2012 um 16:37

@ Doc D :D

Gauck lebt seit 1991 getrennt von seiner Frau; die Ehe wurde nicht geschieden.

Na… warum wohl nicht? 1991 ist auch ein komplett durcheinander geratenes Jahr.

hankel4präsident Februar 20, 2012 um 16:37

===> … die PIRATEN sollen KEINEN … isch wiederhole … KEINEN(!) … eignen Kandidaten präsentieren !!!

===> … stattdessen … sollten sie live & in Farbe … am 18. März … während im Deppodrom die Falschen “wählen” …

===> … ein groses, basisdemokratisches Online-Voting starten:

“Deutschland sucht den Bundespräsidenten”

===> … es geht darum, den sheeples zu zeigen WAS “Demokratie” würklisch ist!

===> … “DEMOKRATIE” … ist VOLKSENTSCHEIDE!!! … allet andere is FASCHISMUS !!!

peak Februar 20, 2012 um 16:37

“Da ist die IM Trulla im Weg, da unberechenbar geworden.”

Das Gegeteil könnte auch richtig sein. Beide, Merkel und Gauck, “glauben” als höggschde Repräsentaten des Landes weiterhin an den Kapitalismus, auch in seiner jetzigen Form. Sie geben dafür noch alles. “Westwärts ” hieß ihr Traum, einige Jahrzehnte lang. Bei beiden konnten sich noch nicht mal, da jeweils gut versorgt, die Folgen von “Arbeitskraft als Ware” in die Seelen fräsen. Ideal, um die Fahnen noch einige Zeit staatstragend hochzuhalten.

holger Februar 20, 2012 um 16:40

Die “BILD” fordert zur Hochzeit auf, dabei geht das ja gar nicht. :D Jedenfalls nicht bis zum Einzug, und warum verlässt ein treusorgender Mensch 1991 seine Frau/Familie, mit 4 Kindern? Oder sie ihn, und keine Scheidung?

holger Februar 20, 2012 um 16:44

f.luebberding

—>>> Mit Gauck als Person hat das alles nichts zu tun. Ich nehme auch an, dass er ein guter Bundespräsident wird. Das glaubte ich allerdings auch von Christian Wulff. ”

Ja, nur wird das Netz jetzt dafür sorgen, dass es keine Causa Gauck, nach der Causa Gutti und nach der Causa Wuff, mehr geben wird.

Gauckplag.

ziggi Februar 20, 2012 um 16:48

@holger:
das piratenpad ist doch schon sowas wie ein gauckplag:
https://acta-orga.piratenpad.de/gauck

holger Februar 20, 2012 um 16:48

Lt. Wiki

Christian, Martin und Gesine siedelten in den 1980er Jahren in die Bundesrepublik über.

Uuups… wie konnte denn das geschehen? Freigekauft etwa?

A. G. Februar 20, 2012 um 16:50

“Am Ende kam es zu einer auch für sie beinahe Ideallösung – die sie womöglich sogar von Anfang an im Sinn hatte. Sie hat die Deutschen mal wieder überrascht. Positiv – diesmal.” aus http://www.zeit.de/politik/deutschland/2012-02/gauck-merkel-kommentar/seite-1 .

Carlos Manoso Februar 20, 2012 um 16:50

@ f.luebberding Februar 20, 2012 um 15:44
„Gauck war nicht von Springer bei der Stasi Unterlagen Behörde installiert worden. Bekanntlich wollte man im Westen diese Akten unter Verschluss halten.“

Diese Stasi-Gschichtchen werden gerne von denen aufgewärmt, die die die DDR gerne allein mit der Stasi identifiziert wissen wollen.

Der polnische Politiker Jaroslaw Kaczynski etwa schrieb in einem Bekenntnisbuch vielsagend: “Ich glaube nicht, dass die Übergabe der Kanzlerschaft an Angela Merkel ein reiner Zufall war.“ Das Nachrichtenmagazins Newsweek biss an. Kaczynski orakelte in einem Interview kryptisch: Merkel wisse schon, was er sagen wollte. Darauf Newsweek entrüstet, die Stasi habe Merkel ja wohl nicht auf ihren Posten gebracht. Kaczynski vielsagend: “Lassen wir das”.

Die Art der Nominierung von Gauck war mal wieder nur ein normales parteipolitisches Trauerspiel, bei der die SPD-Rechte, die FDP etc. nur zu gerne ihre drittklassigen spielchen durchzogen.

Für Merkel ist die Sache längst abgehakt, denn jetzt ist klar, wo es langgeht. Für 2013 ist die Große Koalition als einzige Alternative gebongt und die FDP wird jetzt zunehmend intensiv gequält, aber gerade so stark, dass es keine Neuwahlen gibt und die FDP 2013 für ihre Qualen (Merkel!) den Mitleidsbonus buchen kann .

Ansonsten wurde heute die Sache mit Griechenland klargemacht, dann wird Sarkozy 2012 als französischer Staatspräsident entsorgt und es finden 2012 eine Reihe von wichtigen Wahlen in Euroländern statt. Die Führungsleute, mit denen Merkel ab 2012 in der Eurozone zu tun hat, werden sich fundamental von ihren Vorgängern unterscheiden. Sie sind nicht mehr Leute, die von einer Systemkrise ohne Vorbereitung überrascht wurden, es werden Leute sein, für die die Systemkrise der Normalzustand ist. Das wird einen epochalen Quantensprung der Eurozone zur Realisierung der Vereinigten Staaten von Europas auslösen.

Außerdem wird dieser beschleunigte Integrations-Prozess der Eurozone auf Länder wie Griechenland zurückwirken, da die alten verknöcherten politischen Politikkasten und Parteien ersatzlos entsorgt werden, bevor die wirtschaftlichen Oligarchien dran sind.

A. G. Februar 20, 2012 um 16:53
14 Februar 20, 2012 um 17:15
f.luebberding f.luebberding Februar 20, 2012 um 17:15

Carlos Manoso

Die Gauck Nominierung war eine Art Unfall, den Umständen geschuldet. Es war das Ergebnis parteitaktischer Kalküle, die aber – vielleicht mit Ausnahme der verzweifelten FDP – nicht funktioniert haben.

Natürlich ist Gauck konservativ. Aber die Erwartungen an Horst Köhler waren in ideologischer Hinsicht auch sehr hoch – und er konnte sie kaum erfüllen. Je polarisierender Gauck auftritt, um so mehr Gegenreaktionen wird er provozieren. Das wird er sich nicht leisten wollen. Interessant ist der Kommentar von Nonnenmacher zu einem schleichenden Verfassungswandel.

http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/kommentar-nun-doch-gauck-11656340.html

Andreas Kreuz Februar 20, 2012 um 17:28

@h.huett Februar 20, 2012 um 10:43

Ich schrub es schon gestern,
dass Grüne und Gelbe nun völlig überflüssig sind.
Und die Schweine-Siggi-Bande
wird wieder für Mutti die Drecksarbeit machen
– im Arbeits-bzw. Superministerium…

Nun ja, es sind ja auch genug Fässer in der Asse.
Da können viele Lohn und Brot finden – aus o.g. Reihen.

topi Februar 20, 2012 um 17:31

@ natalius
“In sofern glaube ich nicht, dass Gauck sich als Katastrophe erweisen wird. Möglicherweise sieht er sogar bestimmte Parallelen zwischen der DDR und der EU viel klarer als wir uns das vorstellen können.”

Weiß nicht, was du dir vorstellen kannst; aber Gaucks Positiuon ist doch völlig klar, Hayek pur, jeder staatliche Eingriff ist ein übel, Freiheit für die marktkräfte voraus.

Da ist deine beschriebene Parallelität logische Folge.

Das Problem: der Freiheitsbedrohung durch ausufernden Staat kann man durch bürgerschaftlichem Engagement noch irgendwie begegnen, der Freiheitsbedrohung durch ungezügelte Marktkräfte, die der Staat mit GSG und frontex und so weiter durchsetzt, bis es Tote gibt, sieht er aus dieser Perspektive gar nicht.

Geleakte Dokumente sind Diebstahl, sagt der große Freiheitskämpfer.
Na dann. :roll:

14 Februar 20, 2012 um 17:33

Seine Wiederwahl ist so gut wie sicher

ostzonal klerikal hinterwäldlerisch nennt sich heute also konservativ grundiert…TOLL!

(Wurde Kohl schon zum Bundeskanzler gewählt? Bitte zwicken!)

Hans Hütt Februar 20, 2012 um 17:43

Holzmann rettete Schröder = Gauck rettet die FDP?

Achwas! Die ist rettungslos dahin und weiß es noch nicht

egal Februar 20, 2012 um 17:46

Vorwurfsübersicht:

»Ich war nie ein Fundamental-Oppositioneller, aber nicht weil es an Mut mangelte; sondern weil ich es für taktisch unklug hielt«

Heute will der Aktenverwalter seine damals realistische und ihm nicht vorwerfbare Haltung nicht mehr wahrhaben. Er wollte unter den obwaltenden Verhältnissen etwas bewirken, wollte seine Aufgabe als Kirchenmann erfüllen – und musste dazu Kompromisse machen. Nicht anders etwa als Manfred Stolpe, wenngleich auf wesentlich niedrigerem Niveau. Doch während er Stolpes MfS-Kontakte als Kollaboration mit dem Geheimdienst anprangerte, sieht er sich selbst »in erbitterte Kämpfe mit der Stasi verwickelt«. Jene Zivilcourage, die er bei anderen zu Recht lobt, ging ihm -jedenfalls in der rigorosen Konsequenz totaler Verweigerung, die er offenbar allein gelten lässt ab. Er verhielt sich normal und durchaus vernünftig -wie viele andere, denen er das heute vorwirft, weil er besser sein, sich über sie erheben will.

http://www.mfs-insider.de/Presse/EinLebenHinterDerLarve.htm

Auf Wiedersehen, Herr Gauck
http://www.freitag.de/politik/0018-wiedersehen-herr-gauck

Der Inquisitor kandidiert
http://kommunismusblog.wordpress.com/2010/06/11/der-inquisitor-kommt/

14 Februar 20, 2012 um 17:46
topi Februar 20, 2012 um 17:48

FL
“Die Gauck Nominierung war eine Art Unfall, den Umständen geschuldet. Es war das Ergebnis parteitaktischer Kalküle, die aber – vielleicht mit Ausnahme der verzweifelten FDP – nicht funktioniert haben.”

Der Unfall begann 2010; nun steh doch wenigstens du dazu, dass das damals ein Fehler war, und kein machtpolitischer Superschachzug. ;-)

14 Februar 20, 2012 um 17:48

oder war die ganze “Causa” wieder für die Katz?

http://www.titanic-magazin.de/uploads/pics/Merkel-reagiert_01.jpg

Stephan Februar 20, 2012 um 17:52

@Topi
Der Hinweis auf Hayek ist interessant. Mir erscheint Gauck allerdings eher wie ein geschrumpfter Ludwig von Mises. Bei beiden durch ihre persönliche Historie und den geschichtlichen Umständen bedingt der Schlachtruf zum Himmel: Hauptsache Freiheit! Leider hat Gauck ein paar Ausreden weniger als von Mises denn inzwischen gab es auch andere Freiheitskämpfer wie zum Beispiel Martin Luther King, der neben der bürgerlichen Freiheit auch ökonomische Freiheit als ein wichtiges öffentliches Gut erkämpfen wollte. Insofern lebt ein Bundespräsident Gauck gedanklich leider im falschen Jahrhundert.

topi Februar 20, 2012 um 17:55

Hans Hütt

” Die ist rettungslos dahin und weiß es noch nicht”

kann sein, kann aber auch sein , dass Gaucksche Thesen von den Medienfreunden erfreut aufgenommen und multipliziert werden.

Die Rettung bestünde ja schon in einer 5,0.

topi Februar 20, 2012 um 17:58

Für Umfragefreunde: wer sagt, die FDP sei eine 3%- Partei?

:roll:

topi Februar 20, 2012 um 17:58
Carlos Manoso Februar 20, 2012 um 18:16

@ f.luebberding Februar 20, 2012 um 17:15
„Die Gauck Nominierung war eine Art Unfall, den Umständen geschuldet.“

Richtig. Allerdings hat die SPD den ersten falschen Spielzug gemacht. Im Grunde ging es nur um eine Art Vorfestlegung auf die Große Koalition 2013.

Der Dicke von der SPD hätte bei nur etwas politischer Klugheit über den Schatten springen können und z.B. eine Kandidatin wie Frankfurts OB Doris Roth von der CDU vorschlagen können und damit eine Vision der Welt nach 2013 aufzeigen können. Er ist aber nur im engen Mief des parteipolitischen „Denkens“ geblieben und das demonstriert einmal mehr, dass die SPD nur noch alte Welt ist. Mit ihrem Nicht-Handeln hat die SPD diese völlig desaströse FDP ermuntert, sich völlig orientierungslos geworden gegenüben Angela Merkel aufzumanteln. Dafür wird sie bis 2013 von ihr gequält werden und je näher 2013 kommt, umso schmerzhafter.

Wie gesagt befindet sich Gauck noch aus seiner DDR-Oppositionszeit heraus in einer liberalen Irrtumsschleife. Beispielsweise sollte er die Dinge mal nicht aus der Sicht von Hayek, sondern durch den Freiheitsbegriff von Karl Jaspers sehen. Deine Frage, was die SPD und Gauck verbindet, ist einfach zu beantworten: Weil die SPD schon seit längerem in den liberalen Heimathafen eingelaufen ist und das ist nun heute mal der Neoliberalismus. Insofern ist die SPD schon lange scheintot und nur noch ein lebender Leichnam. Genau das beweist die Causa Gauck zur Genüge. Die SPD hat fertig.

f.luebberding f.luebberding Februar 20, 2012 um 18:24

Liberaler Irrtum hin oder her. Administrativ hat er nichts zu sagen. Man sollte ihn nicht nur unter seinen ideologischen Momenten sehen, sondern als Person. Genau darum geht es auch in seinem Amt. Hier ein Versuch:

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/gauck-kandidatur-ein-deutscher-sonntag-11656407.html

Aber wie gesagt: es kommt darauf an, was Gauck aus seiner Rolle macht. Er muss reden, nicht ich.

Stephan Februar 20, 2012 um 18:30

@FL
>Aber wie gesagt: es kommt darauf an, was Gauck aus seiner Rolle macht. Er muss nicht reden, nicht ich.

Er muss nicht reden, nicht ich. Der Satz war gut! Klingt viel versprechend.

Carlos Manoso Februar 20, 2012 um 18:35

@ f.luebberding Februar 20, 2012 um 18:24
„Liberaler Irrtum hin oder her. Administrativ hat er nichts zu sagen. Man sollte ihn nicht nur unter seinen ideologischen Momenten sehen, sondern als Person. Genau darum geht es auch in seinem Amt.“

Lübberding, du siehst das Politische einfach nicht so locker wie die FAZ:

„Die protestantische Atomaussteigerin Angela Merkel hatte ja wieder mal eine politische Volte auf Zehenspitzen vollführt, um die sie manche Ballettschülerin beneiden dürfte. Merkel repräsentiert die Union, aber längst auch alle anderen politischen Kräfte, sie ist irgendwie kein Alleinstellungsmerkmal ihrer Partei. Sie ist unionsuntypisch. (…) Mit Wulffs Rücktritt und der Nominierung Gaucks ist die alte CDU, der machtbewusste Club schmucker Männer mit seltsamen Brillen, ein Objekt im Museum der versunkenen Parteien geworden. (…)Gauck dagegen kommt unerwartet, und er spricht auch so, ein durchdachtes, unverhaspeltes Deutsch. Seine Reden sind Verunsicherungsübungen. Es gibt mit ihm keine gemütlichen Veranstaltungen, bald windet man sich oder will widersprechen, aber so sind die Zeiten, und er weiß, was er tut. (…) der Karneval ist die regulierte Inszenierung von Chaos, der Alltag die chaotische Simulation vor Normalität. (…) Der Kandidat Gauck kommt aus der Revolution und aus dem Karneval, mit ihm, seiner Suche nach unseren besten Potenzen, blitzt grell die Möglichkeit des völlig Unerwarteten auf“
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/gauck-kandidatur-ein-deutscher-sonntag-11656407.html

f.luebberding f.luebberding Februar 20, 2012 um 18:41

Stephan

War eine lange Nacht … .

snozin Februar 20, 2012 um 18:43

Historisches Geschehen.
Kampf der Dschungelhaubitzen.
Mobilisierung aller und allerletzter Heckenmörser.
Dann Sieg.
Nun Freiheit (aus allen Rohren).
Aus allen gebrochenen Dämmen: Gauck. Endlich Gauck.

Aber, dieses verdammte Aber, das immer als letzte Frage im Raum steht: Wo war Hintze?

Doktor D Februar 20, 2012 um 18:47

Das fand ich ja das beste an Wulff: Dass er doch eher nicht geredet hat. Jetzt wieder so ein Ruckredner… Aber wahrscheinlich werden wir alle ganz schnell ganz taub auf der Gauck-Frequenz.

Carlos Manoso Februar 20, 2012 um 18:49

@ f.luebberding Februar 20, 2012 um 18:41
„War eine lange Nacht … .“

Die lange Nacht ist erst vorbei, wenn Gauck gewählt ist. Sie könnte der Anfang vom Ende des deutschen Parteienstaats altgewohnter Prägung werden. Einerseits. Andererseits könnte Gauck den Boden dafür bereiten, dass der nächste Bundespräsident ein ganz anderes Jobprofil bekommt und direkt vom Volke gewählt wird. Das könnte gut sein oder schlecht.

Wie dem auch sei. Je mehr sich Europa zu den vereinigten Staaten von Europa integriert, desto mehr braucht es Stabilität. Und Stabilität kommt nun mal in der Welt des Politischen aus mehr Demokratie.

Kurzum, die Parole wird in der Welt nach 2012 heißen: MEHR DEMOKRATIE WAGEN !

14 Februar 20, 2012 um 18:56

..Ufo Star(r)ökonom Sinn (“Löhne müssen runter”) weiter auf Roadshow:

Die Griechen werden von den Banken und Finanzinstituten von der Wall Street, aus London und Paris als Geisel genommen, damit das Geld aus den Rettungspaketen weiter fließt – nicht nach Griechenland, sondern in ihre eigenen Taschen.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,816291,00.html

Hände hoch, Banküberfall!
(Hintze + fdp+cdu+spd+grüne bei laufendem Motor im Fluchtauto?)

Andreas Kreuz Februar 20, 2012 um 19:09
Andreas Kreuz Februar 20, 2012 um 19:10

Ich kaufe noch ein >>g<<.

Natalius Februar 20, 2012 um 19:16

@Topi

“Da ist deine beschriebene Parallelität logische Folge.”

Das mit der Freiheit ist schon komplex – zumindestens eine Dichotomie. Ich selbst z.B. würde mit einer staatlichen Beschränkung von “Ellbogenfreiheit” sehr wohl leben können, aber mit einer wie auch immer begründeten, möglicherweise “sogar” politisch korrekten Beschränkung meiner “Gedankenfreiheit” hätte ich ernste Probleme. Pressefreiheit verstehe ich als das Recht, auch nichtkonforme Gedanken weiterzugeben. Freiheit der Wissenschaft sehe ich ähnlich. Marktliberalismus und fundamentaler Liberalismus sind für mich nicht dasselbe – und ich kann mir vorstellen, daß Leute wie Gauck da ebenfalls differenzieren, wenngleich er mir vom Typ her auch als “linkshirniger Vollliberaler” erscheint ;-)

Hans Hütt Februar 20, 2012 um 19:27

Möglichkeit des völlig Unerwarteten finde ich eine gute Prognose von Minkmar. Im Unterschied zu dem apriorischen Kübel voller Hass auf jeden Fall angemessener

egal Februar 20, 2012 um 19:31

Mein Kommentar wurde irgendwie nicht freigeschaltet, deshalb nochmal.

Eine wohl treffende Bewertung von Gaucks Verhalten in der DDR und seiner Heuchelei nach 89 liefert (ausgerechnet) ein Verein von Ex-MfS angehörigen:

»Ich war nie ein Fundamental-Oppositioneller, aber nicht weil es an Mut mangelte; sondern weil ich es für taktisch unklug hielt«

Heute will der Aktenverwalter seine damals realistische und ihm nicht vorwerfbare Haltung nicht mehr wahrhaben. Er wollte unter den obwaltenden Verhältnissen etwas bewirken, wollte seine Aufgabe als Kirchenmann erfüllen – und musste dazu Kompromisse machen. Nicht anders etwa als Manfred Stolpe, wenngleich auf wesentlich niedrigerem Niveau. Doch während er Stolpes MfS-Kontakte als Kollaboration mit dem Geheimdienst anprangerte, sieht er sich selbst »in erbitterte Kämpfe mit der Stasi verwickelt«. Jene Zivilcourage, die er bei anderen zu Recht lobt, ging ihm -jedenfalls in der rigorosen Konsequenz totaler Verweigerung, die er offenbar allein gelten lässt ab. Er verhielt sich normal und durchaus vernünftig -wie viele andere, denen er das heute vorwirft, weil er besser sein, sich über sie erheben will.

http://www.mfs-insider.de/Presse/EinLebenHinterDerLarve.htm

egal Februar 20, 2012 um 19:32

Der Artikel von Distel, gegen den Gauck klagte:

http://www.freitag.de/2000/19/00191201.htm

egal Februar 20, 2012 um 19:33

“Klaus Huhn erinnert mit seinem neuen Buch »Der Inquisitor kandidiert« an die für Joachim Gauck angelegte Akte des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der DDR. Diese wird in der Publikation des jW-Autors vollständig wiedergegeben. An dieser Stelle veröffentlichen wir Auszüge aus Buch und Akte”

http://kommunismusblog.wordpress.com/2010/06/11/der-inquisitor-kommt/

egal Februar 20, 2012 um 19:50

Und nochwas zum Ciceroartikel. Cicero hat recht. In Blogs und bei Twitter wird häufig geschludert, sinnenstellend verkürzt und unsachlich diffamiert.
Implizit schwingt aber mit, dass die MSM es besser machten. Und das ist einfach lächerlich. Denn Gauck wird von den MSM schon wieder völlig unsachlich bejubelt.

Ich glaube auch, dass Gauck ein guter Bundespräsident sein wird, wie zuvor schon Wulff. Denn der Bundespräsident repräsentiert nicht den Staat – eine absurde frühabsolutistische Konstruktion, wie in den letzten zwei Monaten deutlich wurde. Er repräsentiert mittlerweile nach Meinung der meisten Bürger die politische Klasse.
Wulff stand für notorische Lüge, Klüngel und geistige Öde. Gauck steht für Selbstherrlichkeit, Selbstgerechtigkeit gepaart mit missionarischem Reformeifer. Im Grunde müssten sie beide zugleich Bundespräsident sein. Zusammen mit Andrea Nahles, der Gremienspinne, Quotenfrau und völligen Beliebigkeit.

Hans Hütt Februar 20, 2012 um 20:05

egal

Das ist ein schmieriges Dokument, dessen Herkunft fast alles sagt und seinen Impuls aus der Zeit bezieht, als Gauck dafür veranwortlich schien, dass alte Kader aus dem öffentlichen Dienst ausscheiden mussten. Dabei wird vergessen, dass die Entscheidung immer bei andern lag.

Wenn das die Kragenweite ernst zu nehmender Kritik sein soll, dann braucht man Lupen für das kleinkarierte Pepita

Natalius Februar 20, 2012 um 20:13

@Egal

Gut. Wenn es so ist, dann muss es weiter herausgearbeitet und vor allem (etwas neutraler) vermittelt werden. Ost-Vergangenheit ist für jemanden aus dem Westen schwer nachvollziehbar – man hat es halt so nicht erlebt.

Natürlich erschliesst sich mir so auch nicht, warum Frau Merkel die Linke nicht eingeladen hat. Sie teilte doch mit der Linken die Auffassung, dass Gauck da nicht hingehört – und wurde offenbar sogar wütend auf Rösler. Warum? Da sind mehrere rätselhafte Dinge miteinander verkettet, die man als Wessi vielleicht noch karnevalistisch aber nicht mehr politisch versteht. Eine/r von uns (aus dem Osten!) sollte das mal (step-by-step please!) aufrollen – wäre jetzt allmählich wichtig!

A. G. Februar 20, 2012 um 20:15

@Egal, der Cicero-Beitrag macht zumindest nachdenklich. Fast jeder tendiert derzeit dazu, seine Meinung an Personen festzumachen. Gauck ist noch nicht einmal gewählt, da prasseln Meinungen (schadet Gauck Merkel oder nicht?) auf die Leser nieder. Soll er nach seiner Wahl einfach anfangen und einen guten Job machen. Die (selbsternannten) Medienmeinungsführer halten sich zurück, äußern sich vielmehr thematisch… Das ist eine Herausforderung! Nicht Hetze, Mutmaßungen, sondern Themen.

holger Februar 20, 2012 um 20:41

Hey @ A.G.

Bei Wuff wussten se alle, was er als Präsi von NDS so getan hatte. gut, Wuff war ein Wessi. Und dann kommt die Keule dann, wenn es dem Ossi passt.

Nun ist der Ostfriesen (jetzt weiß ich auch, was Ost-Friesen sind) Witz Gauck da, und Ossi steht gegen Ossi. Weißte was, als Westler geht mir das am Arsch vorbei. Ich bin Lug und Betrug länger gewohnt, als jeder Ostfriese in meinem Alter. Weil, wir konnten schon in der Jugend über Bananenschalen ausrutschen. Die Ossis oder die Atlantiker sollen tun und lassen, was se nicht lassen können. Geschmierte Ärsche sind se eh. Es ist so wie es ist, und der Ossi ist eh dem Wessi überlegen. In allen Belangen. Der weiß alles, kann alles besser und überhaupt, das er aber auf eine Plastewanne mit Motor warten musste. Da gibts nix zu deuteln. Die Geschichte wollte es so, kann ich nicht ändern. Jeder Ossi ist überstudiert und kennt die VWL aus dem ff. Besonders das Alles. Ich gebe auf.

OSSIS übernehmt bitte alle Gebiete. Ich werde nach Sizilien gehen. das steht für mich fest. Erzählt den restlichen Pack von Wessis, wie es besser geht. Ihr habt eh immer Recht. Und wenn ausnahmsweise nicht, findet ihr eine Weg es zu rechtfertigen. Dann findet ihr im Nü, was anderes. Vielleicht sogar nen Vidschiörekörder. Oder eben auch Glöbal Chänge. Übrigens Looser wird nur mit einem O geschrieben. Wenn man denn den Verlierer meint, Loser kommt von lost.

A. G. Februar 20, 2012 um 20:57

@Holger, hey, nicht aufgeben. :) Sizilien, warm mit großen Familien, bestimmt nicht langweilig… Als Viertel-Wahl-Ossi, ist einfach netter dort, bin ich für ein Wegbrechen der Ossi-Wessi-Kopf-Schranke – alles eine Frage der Zeit, hoffe ich. Und ich bin für eine offene, tolerante, verantwortungsbewusste Gesellschaft. Momentan spaltet unsere Regierung Europa…… Aber heute ist Karneval.

egal Februar 20, 2012 um 21:12

Der Ex-MfSler Verein ist naütlich eine sehr fragwürdige Quelle. Die Einschätzung stimmt aber ziemlich genau mit der überein, die ich 2010 von Gauck gewonnen habe (vorher hatte ich keine Meinung zu Gauck, Anfang der 90 ging ich noch zur Grundschule).

Das Leben in der DDR erforderte – genau wie in unserem Unrechtsstaat – sicherlich sehr viele Kompromisse. Ich persönlich würde niemanden verurteilen, der sich zu sehr auf die STASI eingelassen hat. Ich bin aber auch kein Opfer. Gaucks Rigorismus ist zu respektieren. Fragwürdig ist er, da Gauck selber keine Fundamentalopposition betrieb, sondern kollaborierte. Nicht soweit, dass er Unrecht begangen hätte, aber er hat sich auf eine Zusammenarbeit eingelassen. Einige sind – ohne sich ebenfalls eindeutig generell schuldig zu machen – weiter gegangen. Über die richtete Gauck gnadenlos (und nicht nur die Behörde).

Das Handeln der Behörde war in mehr als Einzelfällen eindeutig verlogen. Dafür ist Gauck zumindest politisch verantwortlich. Und hier bin ich rigoros: dass jemand sich darin gefällt, zum Bürgerrechtler und Freiheitskämpfer stilisiert zu werden, der selber im Umgang mit den Stasiakten Stasiunrecht perpetuierte, ist nicht tolerabel.

Zwei Quellen zum BStU, die nicht irgendwie in Stasiverbindung stehen:

Für die Stasi ein Staatsfeind – für Gauck auch! – Das Lehrstück Dehm

Gauck verwaltet nicht nur gläubig die Überbleibsel, nein – er wird zu­nehmend zum Überbleibsel des Unrechtsstaats.

Im Umgang mit den Stasi-Unterlagen mußte ich dann mehr und mehr den Eindruck gewinnen, daß die Gauckbehörde in ihrem Zusammenspiel mit einigen Medien an Ver­fassungsgrundsätzen vorbeiwirkt.

Diether Dehm, dessen Rücktritt als Frankfurter Magistratsmitglied CDU und FDP gefordert hatten, weil er schon drei Monate vor den Bankskan­dalen mit »Schneider« und »Metallgesellschaft«, die Deutsche Bank öffent­lich »ein Krebsgeschwür für unsere Volkswirtschaft« genannt hatte, sollte zur Strecke gebracht werden. Nach acht rein fiktiven Rufmord-Medien­kampagnen und Zivil- und Strafprozessen gegen Dehm seit seiner ersten Bewerbung für den Bundestag (»Mörder«, »Gebührenveruntreuer«, »Wohn­sitzbetrüger«, »Sozialwohnungsmißbrauch«, »Mietwucher«, »außereheli­cher Sex«) ohne irgendein belastendes Endergebnis, kam heraus, daß die Deutsche Bank über ihre Kulturstiftung einer kleinen sog. Berliner For­schungsgruppe aus Ex-Maoisten und bewährten Antikommunisten (»For­schungsverbund SED-Staat«) einen Mehrere-Hunderttausend-D-Mark-Be­trag hatte zukommen lassen. Aus den Stasi-Aktenbergen wurde von genau dieser Forschungsgruppe schließlich Belastungsmaterial auch und »folge­richtig« gegen den Banken-Gegner Dehm zusammengetragen und veröffentlicht, Entlastendes zurückgehalten.
Im Hessischen Rundfunk erschien dann Gauck höchstpersönlich, um Dehm als IM zu entlarven

Horst Winterstein, Staatsminister a. D., Studium der Rechts- und Staatswissenschaften, Rechtsanwalt, SPD-Mitglied seit 1951, 1967-1980 Geschäftsführer des Deutschen Städtetages, 1976-1991 Mitglied des Hessischen Landtages, 1980-1984 SPD-Fraktionsvorsitzender, 1984-1987 Hessischer Innenminister

Dieter Dehm

Die Behörde war von Anfang an nicht als neutrale wissenschaftliche Einrichtung angelegt, sondern hatte eine politische Zweckbestimmung. Wie der damals zuständige Ministerialdirigent im Bundesinnenministerium erklärte, hatte der Sonderbeauftragte den Sonderauftrag, die DDR zu delegitimieren. Gleichzeitig waren alle geheimdienstlichen Erkenntnisse über die Bundesrepublik streng geheim, sie stehen der kritischen Aufarbeitung nicht zur Verfügung. Damit begann eine auf ostdeutsche Repressionsgeschichte eingeengte, selektive Geschichtsschreibung, die nicht nur Alltagsgeschichte ausblendete, sondern auch Forschungsvorhaben, die nicht die gewünschte Delegitimierung erbrachten, unter den Tisch fallen ließen. (So wird beispielsweise bis heute die Zahl der tatsächlich bespitzelten DDR-Bürger, die Opfer einer “operativen Personenkontrolle” wurden, geheim gehalten, weil mit ihr vermutlich das Bild von den flächendeckend kontrollierten Bürgern nicht aufrecht zu halten wäre.)

Immer wieder hat die Behörde “Personen der Zeitgeschichte” demontiert, die sich dem herrschenden Zeitgeist nicht gebeugt haben, während einstige IM, die sich jetzt opportun äußern, in Ruhe gelassen wurden. Dieser von der Behörde ausgeübte politische Anpassungsdruck lag nicht im Interesse von Demokratie. Laut Auskunft von Joachim Gauck haben 98 Prozent der DDR-Bürger nie für die Staatssicherheit gearbeitet. Dennoch haben nur 2,6 Prozent derselben Bevölkerung volles Vertrauen zu der Behörde, die absolute Mehrheit hat überhaupt kein, sehr wenig oder etwas Vertrauen, wie das Sozialwissenschaftliche Forschungszentrum Berlin-Brandenburg ermittelt hat.

Erklärung des Willy-Brandt-Kreises zum künftigen Umgang mit den Stasiakten

holger Februar 20, 2012 um 21:24

@ A.G:

Mein Entschluss steht für mich fest. Ich habe Sizilien kennen lernen dürfen. Nicht als Tourist. Ich hab jetzt über drei Jahre darüber nachdenken können. Ein Jahr noch hier. Dann ist Schluss. Bei Null fange ich jedenfalls nicht an. Sizilien ist in etwa rechtlich wie Bayern. Wenn es richtig hart wird, steigen die aus der EU aus. Ich habe das Kaspertheater hier so satt, satter gehts nimmer. Ich kann diese teutonische Fratzen ala Gauck und Pferdearsch nicht mehr sehen. Carne vale ist. Genau.

egal Februar 20, 2012 um 21:35

Mein einer Kommentar wartet noch auf Freischaltung. Nochwas anderes, @ A.G.
An dem Ciceroartikel ist ja schon was dran. Aber: Gauck war 2010 der Wunschkandidat von Springer (mit social media astroturfing Kampagne). Auch heute habe ich sehr viel Lobhudelei gelesen.

Wen die MSM hochjubeln, bringt meist nichts Gutes. Daher ist es erstmal plausibel, dass Gauck für VDS, Acta und Internetzensur ist. Warum soll man sich detailiert mit der Meinung von jemandem auseinandersetzen, den Bild hochschreibt? Wenn so jemand nicht für die VDS ist, dann ist er halt für private Altervorsorge oder Lohnzurückhaltung. Mir wirklich scheißegal.

Prinzipiell hat Cicero aber recht.

topi Februar 20, 2012 um 21:43

@ Cicero und so

Nun ja, gibt ja zumindest Ausnahmen, die waren schon damals keine Gauckfans, brauchen sich den Wendehalsvorwurf also nicht anhängen lassen. :roll:

Denen es aber vor allem um den angeblich so genialen Schachzug der “linken” Opposition, die damit Super-Angie vorführen wollte, und den die Linke angeblich versaut hat, ging. Aber das sagte ich vielleicht schon mal. :roll:

Soll er erstmal reden, der Gauck, meinetwegen.

Für seine bisherige Bewertung braucht man allerdings keine Aussagen aus dem Zusammenhang zu nehmen, wie Cicero suggeriert, sondern sich einfach die Themen anschauen, die mit Gauck verbunden sind: böse Stasi, böse DDR, böse Linke, die den Nichtkapitalismus nicht bedingungslos verdammen will.

Aber Freiheit vor staatlicher Gängelung (außer ein paar Daten und so, da muss man schonmal) wie Steuern oder Sozialabgaben, sollen sich doch mal selber bemühen, die faulen Niedriglöhner (steht in den Zielen der Nationalstiftung); sagt der Mann, der immer in ganz sicheren Positionen war.

Andreas Kreuz Februar 20, 2012 um 21:56

Ja, man muss sich Sorgen machen.
In Europa läuft gerade mal noch der einfache Reproduktionsmodus.
Die Großkonzerne zerlegen sich gerade in rasantem Tempo.

http://www.bloomberg.com/quote/BDIY:IND/chart

Wie sehen wohl die Zukunftspläne wirklich aus?

Ich weiß, diesmal lügt der BDIY. :-)

http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/nachrichten/konjunkturbarometer-stuerzt-ab-warum-der-baltic-dry-index-diesmal-luegt/6135760.html

Na ja, auf der Titanic hat die Musik auch bis zum Schluß gespült.

topi Februar 20, 2012 um 22:14

Natalius

“Pressefreiheit verstehe ich als das Recht, auch nichtkonforme Gedanken weiterzugeben. Freiheit der Wissenschaft sehe ich ähnlich.”

Aber was nützt dir denn das “Recht”, wenn du bei bestimmten Themen einfach raus bist, ob als Journalist und zunehmend auch als Wissenschaftler?

Freiheit der Gedanken großartig; und für jemanden mit absolut sicherer Anstellung auch viel leichter als für den gemeinen Hamsterradler.
(Ich hab sie dann in der Praxis, wenn ihre Körper nicht mehr mitmachen, die über die Jahre immer stärker werdenden Daueranspannungen durch Dauerstress und den Zwang zur Emotionsunterdrückung)

Und was sagen uns die “Freiheit”-Freunde?
Das muss so sein, dass heute jeder viel härter arbeiten MUSS als früher, um einen annehmbaren Lebensstandard zu halten. ANgesichts der Produktivitätsfortschritte völliger Unsinn.

Freiheit vor dem menschenunwürdigen Hamsterrad, welches die Freiheit der Gedanken völlig konterkariert!

h.huett Februar 20, 2012 um 22:35

topi

“Und was sagen uns die “Freiheit”-Freunde? Das muss so sein, dass heute jeder viel härter arbeiten MUSS als früher, um einen annehmbaren Lebensstandard zu halten. ANgesichts der Produktivitätsfortschritte völliger Unsinn.”

Ich habe das in den Jahren 1995/96 in London erlebt, wo unter der Thatcherei und später New Labour die früher so klassenkämpferischen englischen Arbeiter radikal desillusioniert den Kampf fürs tägliche Überleben aufnahmen, auf einem Niveau, dem gegenüber selbst die Hartz-Gesetze noch komfortabel wirken.

Es ist nicht so, dass der struggle for life das große Einverstandensein wäre. Aber die Situation ist doch klar, wenn es um das nackte Überleben geht, dass man sich dann nicht greinend in die Ecke setzt und die Verantwortung dafür bei anderen ablädt.

PS: Dass Stephan das in den falschen Hals bekommt, ach nein, er reagiert nicht mehr analytisch, sondern nur mit Schnappatmung. Ist auch eine Haltung.

h.huett Februar 20, 2012 um 22:39

egal

Dehm ist für das Thema ein ganz besonders untauglicher …. errrrr ….. Aufhänger und aus naheliegenden Gründen eine dubiose Quelle.

topi Februar 20, 2012 um 22:46

@ hg
===> … bezüglich Gauck bin ich sogar mal mit @topi … einer Meinung!

Ach komm, wir kommen ja ökonomisch aus der gleichen Schule, und da sind wir oft gar nicht so weit auseinander.

Politisch mag es anders aussehen.
Der Hauptunterschied ist natürlich: ich habe nie SPD gewählt, geschweige denn war ich Mitglied. Da muss ich natürlich viel weniger kompensieren. ;-)

Und meine Enttäuscheng, also Ent – Täuschung, ist demzufolge auch nicht so groß. (wobei ich diese Kehrtwende vom Parteichef Lafontaine zur eichelschen Steuerschenkung+HartzIV natürlich auch nicht erwartet hatte).

Als junger Zoni lag meine Sympathie natürlich bei den Grünen, nicht bei Schmidt, der gerne möglichst viele Atomraketen auf mich richten wollte. Aber soo wichtig war das nicht.

Mit der Sozialdemokratie kam der aufmerksame Ossi aber zur “Wende ” in Kontakt.
Die Frage war ja nicht, ob man denn nun die SDP wählt, oder die AfD, von der CDU-West geschmiedet um möglichst die Blockflöten der CDU-Ost umgehen zu können, was nach der Bekanntwerdung der Stasidurchsetzung (“Ich werde der neue Ministerpräsident, hat mir Kohl versprochen”, schnürte der Mann mit den eiskalten Augen) nicht gelang.

Nein, die Frage war, wählt man die Anschlußparteien, die durch den Hintern (§23) in die BRD hineinkriechen wollen, oder die demokratischenb Kräfte, die nach §146 das verstaubte Grundgesetz durch eine gesamtdeutsche Verfassung, vom Volh diskutiert und entschieden, ersetzen wollten (nicht unerweähnt seien die nicht sehr demokratischen Kräfte, die auch gegen den Anschluß waren).

Die SDP wandt sich zwar, aber für jeden verständigen Menschen konnte klar sein, dass sie den 23 ziehen wird; und für die anderen gab es damals eben die Ent-Täuschung.

Thor Februar 20, 2012 um 23:10

Huett
“Es ist nicht so, dass der struggle for life das große Einverstandensein wäre. Aber die Situation ist doch klar, wenn es um das nackte Überleben geht, dass man sich dann nicht greinend in die Ecke setzt und die Verantwortung dafür als bei anderen ablädt.”

Macht der Prekarisierte ja auch nicht. Der ist ganz Homo Oeconomicus und denkt: Mensch, ich mach hier eigentlich die ganze Arbeit und bekomme so gut wie nichts dafür. Denn instinktiv hat er ja das “Holgersche Ökonomiemodell” verstanden.

Dann wird der Leidensdruck irgendwann größer als die Angst vor Sanktionen und dann hauen wir uns wieder die Köppe ein.

egal Februar 20, 2012 um 23:16

@huett
Quelle ist doch gar nicht Dehm, sondern Horst Winterstein in Jochen Zimmer (Hrsg.): Das Gauck-Lesebuch. Eine Behörde abseits der Verfassung?Eichborn-Verlag, 1999.

Das Kapitel ist online nur bei Dehm zu lesen.

Horst Winterstein, Staatsminister a. D., Studium der Rechts- und Staatswissenschaften, Rechtsanwalt, SPD-Mitglied seit 1951, 1967-1980 Geschäftsführer des Deutschen Städtetages, 1976-1991 Mitglied des Hessischen Landtages, 1980-1984 SPD-Fraktionsvorsitzender, 1984-1987 Hessischer Innenminister

Habe ich aber in dem nicht freigeschalteten Kommentar auch geschrieben.

“Während meiner über Jahrzehnte hin dauernden politischen Tätigkeit – unter anderem als Fraktionsvorsitzender im Hessischen Landtag, als hessischer Innenminister und stellvertretender südhessischer SPD-Vorsit­zender – Ende der 70er und in den 80er Jahren, gehörte ich weder zu ir­gendeinem linken Zirkel, noch habe ich auch nur Kontakte zu einem sol­chen gesucht. In zahlreichen prinzipiellen wie tagespolitischen Fragen vertrat ich ganz andere Positionen als Diether Dehm. ”

Wenn du meinst, dass an der Kritik an Gauck im Fall Dehm irgendwas nicht stimmt, bitte. Freischalten könntest du sie aber trotzdem. Selbst wenn ich hier ostalgische Stasipropaganda verbreiten würde – meinst du nicht, dass du andere Leser ausreichend davor schützt, meiner möglicherweise falschen Meinung auf den Leim zu gehen, wenn du sie kommentierst?

Und der Willy Brandt Arbeitskreis der SPD (!!!!) tauchte zwar in schonmal in irgendeinem Landesverfassungsschutzbericht auf, aber das sagt wohl mehr über den Verfassungsschutz aus.

Ist mir aber auch egal.

topi Februar 20, 2012 um 23:17

@ Hans Hütt

“Es ist nicht so, dass der struggle for life das große Einverstandensein wäre. Aber die Situation ist doch klar, wenn es um das nackte Überleben geht, dass man sich dann nicht greinend in die Ecke setzt und die Verantwortung dafür als bei anderen ablädt.”

Man struggled einfach, so gut es noch geht. Bis es nicht mehr geht.

Aber wo bleibt die Freiheit?

aber was anderes:
Was sagt der Rhetoriker dazu?
http://www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2010/juli/yes-we-gauck

Stephan Februar 20, 2012 um 23:28

Stimmt @HH. Wenn es um das nackte Überleben geht setzt man sich nicht in die Ecke sondern geht Pfand-Flaschen sammeln. Schön das es noch so Pseudo-Rhetoriker wie dich gibt, die diesen gesellschaftlichen Zustand romantisch finden. Du findest dafür sicher ganz tolle Zitate aus dem viktorianischen England? Charles Dickens?

egal Februar 20, 2012 um 23:29

@Huett, nochwas
Wenn, ich weiß die Zahl nicht mehr, 98% (?) aller in den 90ern befragter Ostdeutscher wenig oder kein Vertrauen in die BStU hatten, ist das doch ein eindeutiges Urteil.
Und falls dich meine Meinung zu einigen Stasikollaborateuren stört: Ich (Westberliner) hatte früher eine (nicht reflektierte) andere Meinung zur DDR und ihrer Aufarbeitung. Geändert hat die sich erst, als ich mal ein Semester in Leipzig gewohnt habe. Das Leben in der DDR war grau wie bei uns, nicht schwarz-weiß.

Natalius Februar 20, 2012 um 23:46

@ Topi 22:14

Ich gebe Ihnen/Dir Recht – zu 100% – aber WO fangen WIR an?

Wir bleiben einmal beim Hamsterrad.

Wenn es ums nackte Überleben geht, dann sind WIR nicht gemeint. Es sind Menschen in Afrika, für die die Prekariatsfrage erst später kommt.

Wenn es ums Überleben mit Menschenrechten geht, dann sind WIR schon wieder nicht gemeint. Es sind z.B. Menschen in China, die es begrüssen würden, EINMAL eine Zukunft erleben zu dürfen, in der Kaiser/Staat/Partei/Obrigkeit schiere und einfache Gedankenfreiheit NICHT verbietet.

Wir sind erst gemeint, wenn es um ein menschenwürdiges Überleben geht – auf ziemlich hohem Standard.

Schon wichtig, dass WIR uns das klarmachen.

h.huett Februar 21, 2012 um 00:04

egal

Das Leben war weder bei uns noch sonstwo grau, verwechsel die Fassaden und die Schuhe nicht mit der Wirklichkeit, die kennt noch ein paar andere Schattierungen. Mit Heiner Müller und Johannes Jansen, mit Thomas Langhoff, dem Frank Casdorff in Anklam und was weiß ich, ach ja Nina Hagen und ihre Mama zB

Eben sah ich diesen link und seither frage ich mich, welche koordinierte Aktion hinter dem Kübel Jauche steckt, der seit gestern durchs Netz schwappt.

Die Freunde, die ich aus der DDR kannte – einen habe ich 1987 im alternativen Radio 100 gesendet, habe seine Kassette rübergeschmuggelt, andere lernte ich nach der Wende kennen, ich habe 2003 und 2004 in Leipzig an der Uni einen Lehrauftrag gehabt, vor und nach 1989 konnten die besser unterscheiden und gehörten gewiss nicht zu den angeblichen 90 Prozent.

Manche hasserfüllten verbitterten Kommentatoren hier finde ich grenzwertig.

@Stephan, Du Ausbund der Selbstgerechtigkeit, Du weißt nicht nur nichts. Du gefällst Dir auch noch in der Attitüde. Weiter so.

h.huett Februar 21, 2012 um 00:07

egal

Da ist nichts im spamfilter, also kann ich auch nichts freischalten

h.huett Februar 21, 2012 um 00:16

egal

Ich finde das kein eindeutiges Urteil, schon gar nicht, so lange Du nicht die Quelle belegst, aus der Du so was schöpfst.

Stephan Februar 21, 2012 um 00:19

>@Stephan, Du Ausbund der Selbstgerechtigkeit, Du weißt nicht nur nichts. Du gefällst Dir auch noch in der Attitüde. Weiter so.

Das klingt gut aus dem Mund des selbst-ernannten Rhetorik Weltmeisters. Das intellektuelle Spießer-Prekariat versammelt sich unter der Fahne von Herrn Joachim Gauck. Bin schon sehr gespannt auf eure gedanklichen Kreuzzüge gegen die Hartz IV Proleten Deutschlands.

Thor Februar 21, 2012 um 00:19

@Huett
Du bist wie Troubadix.
http://www.youtube.com/watch?v=U_jaHjtmIus

Natalius Februar 21, 2012 um 00:59

OK Leute, ich nehm das ernst.
Aber stellt euch einfach nur vor, daß es schieren Hunger und schieren Durst gibt – es ist nicht genug da für alle. Hau ich meinen Mitkämpfer tot, damit ich es selbst schaffe? So ungefähr ist Afrika.
Der schiere Hunger und Durst ist befriedigt – es gibt wenig für alle – aber es reicht trotzdem nicht. Zeig ich jetzt meinen unbootmäßigen Nachbarn an, damit ich selbst ein bischen besser leben kann? So ungefähr ist China.
Alle haben sich lieb – jeder kann fressen – und alle dürfen ficken – das ist DDR (in den Augen eines Wessis).
Der nächste Schritt ist sog. Wohlstand: Alle müssen arbeiten (wegen China) aber manche dürfen faul sein (wegen Freiheit (der Gedanken)) ODER wegen “festgestellter Arbeitsunfähigkeit/mangelnder Arbeitsplätze”.
Der nächste Schritt ist “Wer kann (noch?)” Alle degeneriert – faules Pack – scheixx Dland – Linke vs. Nazis.

Man nennt es Evolution.

topi Februar 21, 2012 um 01:43

Koordinierte Aktion?
Alte Stasi-Seilschaften?

Na, da sehe ich doch viel eher den Reflex, dass doch ein Kandidat, der von SchwarzgelbgrünrotSpringerspiegelundco dermaßen hofiert wird und die Freiheit so ausnehmend hochhält, erstmal kritisch beäugt wird.

Und dann läuft das von selbst.

topi Februar 21, 2012 um 02:08

@ Natalius

Du scheinst mir da diverse Male daneben zu liegen.

Die wirklich Hungernden schlagen doch ihren Nachbarn nicht tot, sondern bilden eine Schicksalsgemeinschaft; das kommt erst, wenn es um Rohstoffe (oder sonstigen Mehrwert) geht.

China müsste man x-mal differenzieren, Land, Wanderarbeiter, Aufgestiegene Mittelklasse, Kapitalisten, Parteikader (nochmals differenziert in regional und zentral).
Und mit Denunziation kommst du “dem Chinesen” nun sicher kaum nahe.

Anmerkung zur DDR; es konnte auch jeder ficken! Nix mit oversexed and underfucked. Freiheit für die Beckenböden, sozusagen. (und: es MUSSTE fast jeder arbeiten)

“Wohlstand”. Nun ja, die Masse an angehäuftem Plastik/Elektronikschrott und abgehakten Touristenbunkern als Wohlstand zu bezeichnen, fällt mir etwas schwer.

Aber es geht doch nicht um das “arbeiten müssen”; es geht um das wie, die Intensität, und, natürlich damit zusammenhängend, auch die Verteilung des Erarbeiteten.

Und China hier ist ja wohl hoffentlich ein WItz, oder meinst du das ernst?

h.huett Februar 21, 2012 um 08:32

Thor

Ich lasse mich nicht knebeln und auch nicht fesseln, schon gar nicht, wenns Wildschwein gibt

Natalius Februar 21, 2012 um 08:49

@Topi

“Die wirklich Hungernden schlagen doch ihren Nachbarn nicht tot, sondern bilden eine Schicksalsgemeinschaft; das kommt erst, wenn es um Rohstoffe (oder sonstigen Mehrwert) geht.”
= Stammeskriege in Afrika gibt es nicht.

“China müsste man x-mal differenzieren, Land, Wanderarbeiter, Aufgestiegene Mittelklasse, Kapitalisten, Parteikader (nochmals differenziert in regional und zentral).
Und mit Denunziation kommst du “dem Chinesen” nun sicher kaum nahe.”
= Es gab keine Kulturrevolution/en in China. Es gibt auch keine Partei.

Horst Schmidt Februar 21, 2012 um 09:32

Als er, joachim Gauck diese Worte sprach, so “diplomatisch”, war er wohl noch “froh”, dass der Kelch des Präsidentenamtes an ihm vorbeigegangen ist.

Anders lassen sich solche Äußerungen nicht verstehen. Auf die Wortwahl achten.

http://www.rbb-online.de/abendschau/index.html

Bitte ab min 3:18 anschauen. Viel Spaß bei den nächsten Empfängen. :-)

Horst Schmidt Februar 21, 2012 um 09:45

Hoppla, welch Töne aus dem Hause Springer? Bekommt man jetzt Angst vor sich selbst?
Ein durchaus bemerkenswerter Beitrag:

“Neu ist etwas anderes: Joachim Gauck ist der erste Medien-Bundespräsident der Bundesrepublik. Seine Legitimation ist ihm im Wortsinne zugeschrieben. Die Bundesversammlung kann diese Zuschreibung nur notifizieren, worüber verfassungspolitisch zumindest nachzudenken ist. Gab es in der Geschichte der Bundesrepublik je eine Situation, in der die Medien als sogenannte “vierte Gewalt” sich so explizit als Teil der Staatsgewalt verstanden? Es könnte sein, dass die schon so lange und so oft beschworene Mediendemokratie jetzt erst ihr Vollbild ausgeprägt hat. Ganz im Sinne protestantischer Strenge und Amtsnüchternheit könnte Gauck zunächst seine ein wenig außerplanmäßige Legitimität nun also in Form bringen und das Amt in den Rahmen fügen, den die Verfassung ihm gibt.”

http://www.welt.de/print/die_welt/kultur/article13878703/Ein-feste-Burg-ist-unser-Staat.html

h.huett Februar 21, 2012 um 10:06

Stephan

Du verwechselst eine Situationsbeschreibung mit dem Einverständnis des Beschreibenden. Du willst das j´accuse erzwingen – und siehst es nicht.

h.huett Februar 21, 2012 um 10:36

Horst Schmidt

Fuhrs Kommentar ist weitsichtig.

Noch mal zum Ausgangspunkt zurück, bevor die Kommentarschwelle 200 überschritten wird. Wie sah die Situation der parteipolitischen Lager am Samstagabend aus? Rotgrün blieb (hinter der Kulisse) für den eigenen Kandidaten und ließ über Liberos wie Dohnanyi durchblicken, dass auch andere Optionen denkbar seien. Alle behaupteten, die Entscheidung solle fern von parteipolitischen Ränkeschmiederei stattfinden (größter Bullshit aller Zeiten). Alle Beobachter folgten der antiken Vogelflugdeutung und behaupteten, jeder Kandidat sei ein Vorschein der nächsten Koalition.

In dieser Ausgangslage schien mir eins klar: Die Kanzlerin präferiert aus bekannten Gründen eine große Koalition. Für schwarzgrün wird es nicht reichen oder es wird zu einer einzigen Nerverei. Die gezogenen Namen der ersten Runde (Limbach, Voßkuhle, Huber, Lammert) waren Probeballons ohne Relevanz. Voßkuhle ist genau da, wo er hingehört. Limbach im Austragsstüberl, Huber zu theologisch (mein Vater, auch Pfarrer, hatte die mit Huber verbundene Talartracht als Tropical bezeichnet), Lammert ein selbsternannter ungesalbter Unfehlbarer, die jeden Politiker a priori kotzen lassen (sorr, my French).

Die FDP entschied sich in ihrem Präsidium für Gauck, weil ihr durchgestochen worden war, dass die ränkeschmiedende Herrin des Verfahrens Gauck erst zum Schluss ziehen wollte. Der einzige Grund, den sie dafür geltend machen kann (die FDP) ist die Irritation einer Ampelkonstellation, mit der sich die Untote wieder ins Gespräch gebracht hat, um die politische Symbolik von Gaucks Nominierung als Kandidat der nächsten großen Koalition zu torpedieren.

Der Ärger der CDU/CSU ist sekundärster Natur. Ampeln sind mit dem FDP-Personal von heute und den Grünen auf der anderen Seite ein permanentes Schienbeintreten mit anschließendem Vermittlungsausschuss. Es wird sie nicht geben. Die FDP ist als Untoter ins Spiel getreten und wird nun von ihrem Koalitionspartner als Untoter behandelt.

Das hat sie davon.

Morph Februar 21, 2012 um 10:49

@HH

“Eben sah ich diesen link und seither frage ich mich, welche koordinierte Aktion hinter dem Kübel Jauche steckt, der seit gestern durchs Netz schwappt.”

Das läuft nicht koordiniert, sondern gesetzesmäßig. Ein ehernes Gesetz aller Kommunikation lautet: Sinn provoziert Gegensinn; jeder öffentlich bekundete Glaube, dass etwas so-und-so sei, provoziert die ebenso öffentliche Kundgabe von Zweifeln und Widerspruch.

In der Interaktion unter Anwesenden kann Widerspruch noch durch körperliche Dominanz (Kraft und Sicherheit des Auftretens) des Meiningsführers demotiviert werden.

Schon die schriftliche Kommunikation senkt die Schwelle zu widersprechen erheblich. Aber das Publikationsmonopol erlaubt auch hier, Meinungsführerschaft zu sichern.

Der Buchdruck als das erste Massenmedium macht erstmals in der Menschheitsgeschichte die zentrale Steuerung der Wahrheit unmöglich. Seither erschöpft sich Wahrheit in Wahrheitskritik. Ewige Wahrheiten sind seit dem Zeitalter des Buchdrucks nicht mehr plausibilisierbar (bzw. nur noch zu extrem hohen Kosten).

Gleichwohl gibt es noch Autorschaft. Wer im Zeitalter des Buchdrucks seine Meinung öffentlich äußert, ist als Person im Spiel und muss sich personal bekennen. Anonymität ist die Ausnahme und kaum dauerhaft zu halten (vgl. z.B. Foucaults Versuch, als maskierter Philosoph aufzutreten). Wer dagegen ist, riskiert etwas.

Heute aber, im Zeitalter der Online-Kommunikation, gibt es keine Kommunikationsschwelle des Dissenses mehr. Jedes prominente Dafür-sein zieht einen virtuellen Shitstorm des Dagegen-seins nach sich.

Wir werden, denke ich, lernen, den zu antizipieren und mit einer mentalen Rauschunterdrückungstaste abzuschatten.

Aber eines werden wir nicht ignorieren können: Dass in dieser Dynamik das Zentrum bürgerlicher Ideologie, das seiner selbst bewusste und für sich verantwortliche Individuum, verschwindet.

Und weil das so ist, kann auch die staatspolitische Repräsentation dieses zentralen Ideologems, die Person des Staatsoberhaupts, nicht mehr plausibel kontinuiert werden. Es ist vollkommen egal, wer diese Rolle übernimmt: Das Scheitern ist vorprogrammiert. Gehen wir in der Reihe der BuPräs zurück. Seit wann genau sind die Amtsträger unplausibel? Genau: Seit Johannes Rau, bzw. medienhistorisch gewendet: Seit das persönliche Dasein in der Gesellschaft durch das Online-Sein zur Geltung gebracht wird.

Wie die Erosion der Person im virtuellen Raum in Szene gesetzt wird, lässt sich z.B. an diesem Beispiel sehr schön sehen:

http://www.youtube.com/watch?v=cZzEAt-yxuY

(Das ist keine Parodie, das ist keine Kritik, das ist dezentrierender Pop, ohne Sinn und Verstand, aber mit Effekt: totale Vergleichgültigung).

Horst Schmidt Februar 21, 2012 um 10:53

@ h.huett

Ob die Herrin die Karte Gauck zum Schluß gezogen hätte und die FDP ihr zuvorgekommen ist, glaub ich eigentlich nicht , aber was ist schon glaube, gegen wissen. :-)
Wenn ich dem glaube, was der “Tagesspiegel” kolportiert, dann sieht eher so aus, dass die FDP speziell Rösler einer weiteren Demütigung zuvorkommen wollte und das letzte Mittel wählte, ran an den Sarg und mitgeheult.

Dass die Merkel schwer angeschlagen war, durfte man ihren Augen entnehmen. Merkels Augen können nicht lügen. Die sind das einzig ehrliche an dieser Frau. Nun könnte man auch sagen, sie zeigten nur ein bockiges Mädchen. Nein, hier war die Teflonschicht schwer angekratzt. Was das bedeutet, weiß eigentlich jeder Hobbykoch. :-)

Fuhrs Hinweis auf die verfassungspolitisch bedenkliche Reduzierung der Bundesversammlung als Abnickversammlung sollte schon ernst genommen werden.

Doktor D Februar 21, 2012 um 11:48

@morph:

Aber eines werden wir nicht ignorieren können: Dass in dieser Dynamik das Zentrum bürgerlicher Ideologie, das seiner selbst bewusste und für sich verantwortliche Individuum, verschwindet.

War das nicht sowieso nur noch Effekt einer massenmedialen Kommunikation in den sogenannten Qualitätsmedien der ÖR-Nachrichtenberichterstattung und der sich selbst als bürgerlich deklarierenden Presse, die nicht in der Lage ist, Strukturen zu analysieren und zu kommunizieren und stattdessen Personality-Marketing macht? (Wenn auch etwas polemisch formuliert, ist das eine echte Frage.)
Gerade unter dem Gesichtspunkt der Repräsentation lässt sich Gauck recht einfach als spektakulärer Fehlgriff darstellen: alt, männlich, evangelisch, ostdeutsch – das hat ja mit der Lebenswelt der Mehrheit in Deutschland wenig zu tun. Aber wenn ich mir das jetzt noch mal so durchdenke: eine klassische Verkörperung des “bürgerlichen Individuums”. Schloß Bellevue als subjekt- und politikhistorisches Museum.

h.huett Februar 21, 2012 um 11:58

Morph

Danke für die Reflektion, auch den Clip.

“Wir werden, denke ich, lernen, den zu antizipieren und mit einer mentalen Rauschunterdrückungstaste abzuschatten.”

Indifferenz nte order auf der einen Seite. Chance für Irritierbarkeit auf der anderen. Was meinst Du wohl, warum weder Frank noch ich den hg hier rauskicken oder rauschunterdrücken? Weil wir ihn so klasse finden? Oder das Gegenteil? Das hat Stephan noch nicht verstanden. Seis drum.

h.huett Februar 21, 2012 um 12:01

Horst Schmidt

Danke für den link. Die nächsten Empfänge für Gäste etwa aus Usbekistan und China werden spannend, auch ohne Dombrowski.

Doktor D Februar 21, 2012 um 12:14

Hier versucht sich Joachim Dreykluft an einer Exegese der Dynamik des Wochenendes – und an der Rhetorik, Semantik und Inszenierung der Pressekonferenz, von der Horst Schmidt soviel ableitet: http://bit.ly/wOdg6v

Horst Schmidt Februar 21, 2012 um 12:25

@ Doktor D

Genau das sind die Schreiberlinge, die aus jeder Niederlage einen Sieg herbeischreiben wollen.
Erinnert man sich an die gestrigen Leitartikel der “ftd” und nicht namentlichen Kommentare dieser Zeitung, entsteht ein ganz anderes Bild der dortigen Redaktionsmeinung.

Doktor D Februar 21, 2012 um 12:38

@ Horst Schmidt:
Und damit, wenn es nur genug sind, wahrscheinlich auch zu einem Sieg machen. Wenn ich die Presseschauen von Deutschlandfunk aus den letzten zwei Tagen richtig im Ohr habe, scheint sich die Kommentatoren-Mehrheits-Meinung auf “Das schadet Merkel nicht, wird aber die anderen noch in den Popo beißen” zu verfestigen.
Ich denke, die Lage (und deren Interpretation) wäre anders, wenn ein Brutus oder sogar der nächste Augustus in der Kulisse stünde. Aber da ist niemand.

Horst Schmidt Februar 21, 2012 um 12:44

Kurzer Nachtrag:
Bezugnahme auf den Artikel von Fuhr aus der “Welt” und oben!
Leider verhält es sich mit der Pfarrestochter auch nicht viel anders.

Sie wurde nur nicht ins Amt geschrieben, sondern wird dort im Amt durch schreiben, verschweigen und verdrehen gehalten.
Geradezu beispielhaft dieser “ftd” – Beitrag.

Keinem Vorgänger, keinem Kanzler ließ man solch “Charakterlosigkeit, Prinzipienlosigkeit” etc. durchgehen. Er stand sofort am Pranger.
Nur war es damals sogar manchmal andersherum. Siege, Erfolge wurden in Niederlagen umgeschrieben. Erinnert sich niemand mehr an Schröder, der heute so gefeierte und hofierte Reformer? Was geschah denn mit ihm? Er wurde schlicht weggeschrieben.

Selbst sein angeblicher “suboptimaler Auftritt” fand keine Würdigung! :-)

Geradezu beispielhaft dieser “ftd” – Beitrag.

Linus Februar 21, 2012 um 12:53

@Morph:
Du schriebst:
“Ein ehernes Gesetz aller Kommunikation lautet: Sinn provoziert Gegensinn; jeder öffentlich bekundete Glaube, dass etwas so-und-so sei, provoziert die ebenso öffentliche Kundgabe von Zweifeln und Widerspruch.”

H. Schmidt zitierte oben aus der Springerpresse:
“Neu ist etwas anderes: Joachim Gauck ist der erste Medien-Bundespräsident der Bundesrepublik. Seine Legitimation ist ihm im Wortsinne zugeschrieben.”

Ob sich die Springer-Presse hier selbst auf die Schulter klopft? Sie bzw. Gauck wird in jedem Fall mit Widerspruch zu rechnen haben. Denn der wird sich im Internet formieren. Diese neue 5. Gewalt hatte die 4.Gewalt noch nicht auf der Rechnung. Und das wars dann auch schon wieder mit der neuen Macht der MSM. Gauck wird nur überleben, wenn ihn das Internet goutiert. Andernfalls wird er gnadenlos zerlegt werden. Besser also, wenn die Journaille nicht allzu öffentlich in Triumphgeheul ausbricht.

Hinter den Massenmedien steht ein neues Medium, das Internet. Und man wird ihm nach dem Munde schreiben müssen, wenn man etwas durchsetzen will. So wie die Politiker nicht gegen die Medien, sondern nur mit den Medien können, so werden die Medien nicht gegen das Internet können.

h.huett Februar 21, 2012 um 13:03

Linus

“Ob sich die Springer-Presse hier selbst auf die Schulter klopft? Sie bzw. Gauck wird in jedem Fall mit Widerspruch zu rechnen haben. Denn der wird sich im Internet formieren. Diese neue 5. Gewalt hatte die 4.Gewalt noch nicht auf der Rechnung. Und das wars dann auch schon wieder mit der neuen Macht der MSM. Gauck wird nur überleben, wenn ihn das Internet goutiert. Andernfalls wird er gnadenlos zerlegt werden. Besser also, wenn die Journaille nicht allzu öffentlich in Triumphgeheul ausbricht.”

Nicht so voreilig. Erstens hat sich der sogenannte Widerstand bereits formiert. Zweitens liefert er einen Kübel Jauche, ohne Sinn und Verstand. Lobo hat dazu heute Erhellendes geschrieben. Wer in dieser neuen Art von Hetzmeute einen Fortschritt zu erkennen glaubt, ist schief gewickelt.

Drittens mag die Konstitution dessen, was man eine kritische Öffentlichkeit nennen könnte, inzwischen aus vielen Gründen fragil geworden sein. Aber noch nicht so fragil, dass man nicht Scheiße als Scheiße erkennen könnte.

Gibts irgendeinen Grund für Siegesfanfaren? Die Straßen frei usw? Was ist das für ein Medusa-Mund, nach dem geschrieben werden muss? Größenwahn vergeht. Entspann Dich.

Horst Schmidt Februar 21, 2012 um 13:04

Noch ein Beispiel im “Cicero” von Petra Sorge:

“Merkels Präsident”
Auch, wenn Merkels Zaudern ihr noch als Schwäche ausgelegt wird, so wird sie von der Nominierung Gaucks zum Bundespräsidenten langfristig profitieren. Doch die Entscheidung für Gauck ist eine Entscheidung gegen den demokratischen Wettbewerb

“Merkel als Präsidentenmacherin. Merkel als Retterin der Koalition. Obendrein kann sie ihr Einlenken noch als Klugheit verkaufen. Wenn die Bürger ihren neuen Bundespräsidenten aber erst einmal lieben gelernt haben, werden sie den schwarz-gelben Streit schon bald vergessen haben. Dann werden nur noch Historiker und kritische Journalisten Merkel das anfängliche Zaudern nachtragen. Man wird sich letztlich nur noch daran erinnern: Merkel hat den Gauck gemacht. Denn hätte sie den Daumen gesenkt (und den Koalitionspartner auflaufen lassen), wäre es nie zu dieser Personalie gekommen.

Doch während Merkel mit ihrer Entscheidung Schaden vom Amt des Bundespräsidenten abwenden wollte, hat sie zugleich dem demokratischen Wettbewerb einen erheblichen Schaden zugefügt.

Und dieser Schaden richtet sich zunächst gegen ein Verfassungsorgan: die Bundesversammlung, die am 18. März zusammentritt. 1.240 Wahlleute werden es sein, die im Wesentlichen nur eine Aufgabe haben werden: Joachim Gauck durchzuwinken. Eine Wahl steht an, doch der Kandidat steht schon fest. Wann hat es so etwas schon einmal gegeben?”
http://www.cicero.de/berliner-republik/merkels-praesident/48370

Genau das wäre der Auftrag der Presse diesem drohenden Eindruck der entstehen soll, mit aller Macht entgegen zu wirken. Seit Amtsantritt fügt sie dieser demokratischen Verfasstheit des Landes schwersten Schaden zu. Nicht erst jetzt.
Doch sie, die Presse, kommt nicht dem Auftrag nach, ums Verrecken nicht nach.

Carlos Manoso Februar 21, 2012 um 13:07

@ Morph Februar 21, 2012 um 10:49
„Aber eines werden wir nicht ignorieren können: Dass in dieser Dynamik das Zentrum bürgerlicher Ideologie, das seiner selbst bewusste und für sich verantwortliche Individuum, verschwindet.
Und weil das so ist, kann auch die staatspolitische Repräsentation dieses zentralen Ideologems, die Person des Staatsoberhaupts, nicht mehr plausibel kontinuiert werden. Es ist vollkommen egal, wer diese Rolle übernimmt: Das Scheitern ist vorprogrammiert. Gehen wir in der Reihe der BuPräs zurück. Seit wann genau sind die Amtsträger unplausibel? Genau: Seit Johannes Rau, bzw. medienhistorisch gewendet: Seit das persönliche Dasein in der Gesellschaft durch das Online-Sein zur Geltung gebracht wird. (…)
(Das ist keine Parodie, das ist keine Kritik, das ist dezentrierender Pop, ohne Sinn und Verstand, aber mit Effekt: totale Vergleichgültigung).

Hmm, bei Johannes Rau, evangelischer Theologe (West) und Joachim Gauck, evangelischer Theologe (Ost) stoßen zweierlei Erfahrungen aufeinander. Goethe sagte in Faust I: „Gewöhnlich glaubt der Mensch, wenn er nur Worte hört, es müsse sich dabei doch auch was denken lassen.“

Joachim Gauck hat Jahrzehnte Fegefeuer mit der Bewältigung des allerschlimmsten Feindes hinter sich gebracht, den die DDR und ihr extremer Staatskapitalismus hervorgebracht hat. Gauck musste als Person eisenhart und wachsweich zugleich werden und nicht auf „Kirchen“ bequem vertrauen.

Deine Vermutung, dass es „vollkommen egal (ist), wer diese Rolle übernimmt“, würde stimmen, wenn sich Strukturen nicht diskontinuierlich ändern könnten. Können sie aber und werden sie auch, denn das ist das Leben.

sk8erBLN Februar 21, 2012 um 13:08

## Gauck ist Merkels Meisterwerk

[Geschichte kann köstlich sein, meint Malte Lehming. Aktiv unterstützt von SPD und Grünen wird mit Joachim Gauck bald der konservativste Bundespräsident gewählt, den Deutschland je hatte. Denn: Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.](http://www.tagesspiegel.de/meinung/kontrapunkt-gauck-ist-merkels-meisterwerk/6230092.html)

Vortrefflich analysiert auf 2 Seiten von Lehming.

#gauck #präsident #notmypresident #piraten #grüne #politik #cdu #csu #fdp #vergauckt

h.huett Februar 21, 2012 um 13:11

Carlos Manoso

Rau war kein Theologe. Er war gelernter Verlagsbuchhändler.

topi Februar 21, 2012 um 13:14

@ Hans Hütt

Ein Link auf Lobo, auch noch im Spiegel, das wars ja wohl mit dem Blog. :roll:

Die ganzen Zitatsverhackstückezerhacker können sich ja mal der substantiellen Kritik an Gaucks Positionen zuwenden.

Programm Nationalstiftung, “wunderbar” umgesetzt im Niedriglohnsozialdumpingexportweltmeisterland.

Und Gaucks Äußerungen fügen sich bestens in diese Programmatik ein. Natürlich immer abwägend, der Mann hat Kultur, klassische Bildung, und jede Menge Charisma dazu.

Nur: wird es für die Schafe besser, wenn der Wolf sich einen Weißpelz überzieht?

Aber auf den Strohmann, die Zitatverhackstückler als Kritkgegenpart, drischt es sich natürlich viel besser. :roll:

topi Februar 21, 2012 um 13:16

@ Horst Schmidt

In der Bundesversammlung wird ein Abnickpräsi nach herrschendem Parlamentsproporz scheingewählt.

Was soll da irgendwie auffällig sein, dass diese Versammlung selber eine Abnickveranstaltung wird?

topi Februar 21, 2012 um 13:17

” Aktiv unterstützt von SPD und Grünen wird mit Joachim Gauck bald der konservativste Bundespräsident gewählt, den Deutschland je hatte.”

Man ist der Lehming langsam; das wussten die Durchblicker auch schon, als viele Freunde der Machtpolitischen Signale noch von einem Supercoup sprachen. :whistle:

Carlos Manoso Februar 21, 2012 um 13:18

h.huett Februar 21, 2012 um 13:11
“Rau war kein Theologe. Er war gelernter Verlagsbuchhändler.”

Für mich ist das bei manchen Leuten das Gleiche, denn ich schätze, Buchhändler Rau hat theologische Bücher erst gelesen, dann das Geld kassiert und erst dann verkauft und immer so weiter. Und so wurde Rau erst zum studierteren Theologen, dann zum studierten SPD-Politiker und dann zum studierten SPD-Bundespräsidenten, gell.

Jens Februar 21, 2012 um 13:22

Gaucks Ehe besteht ja nur noch auf dem Papier. Die Eheleute wohnen vermutlich schon seit Jahren getrennt.
Hoffentlich wurde das bei der Steuererklärung berücksichtigt…

Doktor D Februar 21, 2012 um 13:27

@HSchmidt: Kritik an Merkel gibt es doch in rauen Mengen, zumindest in der Presse und online. (Ich habe kein Fernsehen, deswegen kann ich nix dazu sagen.) Du zitierst doch selbst ständig welche, zum Beispiel den Cicero-Artikel. Das Medienbild zu Merkel ist doch überhaupt nicht einheitlich. Ständig weißt irgendjemand auf die zahlreichen Verfassungsprobleme im Rahmen der Euro-„Rettung“ hin. An jeder Print- und Online-Ecke krakelt irgendein Ökonomie-Prof deswegen herum. Selbst BuBa-Präsidenten ringen öffentlichkeitswirksam die Hände. Chefredakteure jammern über den mangelnden Werte-Kompass unserer Kanzlerin. Aber das ist alles egal, so lange das niemand in politisches Kapital ummünzen kann. Und danach sieht es einfach nicht aus: Es fehlt die richtige Person, die den Wechsel glaubwürdig und attraktiv verkörpert, und offensichtlich finden sehr viele Menschen, dass Frau Merkel unter den gegebenen Umständen einen ganz guten Job macht. Und noch scheinen das auch ihre eigenen Schäfchen in Fraktion und Partei zu denken.

Kohl wurde ständig nieder geschrieben, zumindest in meiner Erinnerung, sogar bevor er Kanzler wurde. Erst als jemand als ganz attraktives anderes Angebot zur Wahl stand, hat er diese Wahl dann auch verloren. Und dass Schröder, trotz der größten Spin Doctoring-Kampagne der INSM / Bertelsmann / Springer-Mafia, die ich erleben durfte, Merkel noch auf den letzten Metern den Sieg vermasselt hat, hat Frau Merkel ganz sicher nicht vergessen. Unter anderem daraus wurde doch die Demobilisierungs-Strategie entwickelt und ihre Umsicht, potentielle Brutus schnell abzuräumen oder denen, die sich dafür halten, ein Schwert in die Hand zu geben, damit sie aus Blödheit, Raffgier und / oder Eitelkeit selbst hineinfallen.

@Linus: Das Internet, das gibt es doch gar nicht. Noch viel weniger als die Medien. Und solange die Menschen, die am treuesten zur Wahl gehen, sich kaum über das Internet, geschweige über Social Media informieren, kann eigentlich jeder mit etwas Geschick gegen dieses ominöse Internet regieren. Vor allem wenn die ganzen jungen, coolen, hippen Netzgemeindler nicht wählen gehen. Was sich gerade bei Volksentscheiden und Kommunalwahlen aufs Schönste zeigt. Ich neige ja auch zu diesem Größenwahn in Bezug auf „das Internet“ als neues politisches Medium, aber ich glaube, es ist genau das: Größenwahn.

Linus Februar 21, 2012 um 13:34

@Huett:
Nicht so voreilig. Noch hat sich das Internet nicht entschieden. Das bißchen Widerstand ist nicht zitierfähig. Aber wehe, wenn tatsächlich was halbwegs Belastbares ausgegraben wird. Bei Gutti waren die vom Internet gelieferten Recherchen tragfähig. Bei Wuff waren sie nicht ganz so tragfähig (und wurden zugegebenermaßen von der Presse geliefert, hätte aber wohl auch das Internet sein können). Wenn das Internet sich mal einig wird, wenn da sowas wie ein Kristallisationskeim entsteht, dann entfaltet es gewaltiges politisches Potential. Jüngstes Beispiel ist ACTA.

Carlos Manoso Februar 21, 2012 um 13:34

@ topi Februar 21, 2012 um 13:17
„” Aktiv unterstützt von SPD und Grünen wird mit Joachim Gauck bald der konservativste Bundespräsident gewählt, den Deutschland je hatte.”
Man ist der Lehming langsam; das wussten die Durchblicker auch schon, als viele Freunde der Machtpolitischen Signale noch von einem Supercoup sprachen. :whistle:“

Naja, alle Bundespräsidenten, die Deutschland je hatte, waren mehr oder minder gut geölte Produkte der alten Bundesrepublik. Das Etikett „konservativ“ ist ein Etikett der alten Bundesrepublik. Mit Joachim Gauck als Bundespräsidenten ist Deutschland nicht mehr die alte Bundesrepublik, der Kreis von 1989 schließt sich. Das Etikett „konservativ“ passt daher überhaupt nicht mehr.

Gauck ist von einem untergegangenen Staat der absoluten Wahrheit zu Hartem stahl zusammengeschmiedet worden und die „konservativen“ Reste der alten Bundesrepublik wird ein Bundespräsident Gauck schneller abräumen, als viele sich träumen lassen.

Linus Februar 21, 2012 um 14:07

@Doktor D:
“Größenwahn”

Du verstehst mich da falsch. Wer angesichts der Möglichkeiten des Internets in Größenwahn verfällt, der ist insgeheim dem Wunsch verfallen, es vor seinen eigenen Karren zu spannen, es also (zumindest ansatzweise) kontrollieren zu können. Und das geht mE so nicht. Das Internet bietet idT große Möglichkeiten, eine Lenkung ist aber äußerst schwierig. Trotzdem oder gerade deswegen entwickelt es sich zu einer ständigen und latenten Bedrohung für die Regelmacher.

Normalerweise ist das Internet vielstimmig, und gegensätzliche Meinungen neutralisieren einander. Übrig bleibt ein unbestimmtes Rauschen. Manchmal jedoch, wie im Fall Guttenplag, kommt es zur Bildung eines Attraktors, einer Keimzelle, die sich zu einer gerichteten Bewegung auswächst. Und da wird es dann brandgefährlich.

Ich gestehe dir sogar zu: Allzuviel hat das Internet noch nicht ausgerichtet. Guttenplag, ACTA, Wikileaks, Wikipedia, Google, YouTube, FB, etc. …
Das ist noch nicht sooo viel, aber das neue Medium wird sich Stück für Stück seiner Wirkung bewußt. Ein Ende ist da noch nicht abzusehen.

Jackle Februar 21, 2012 um 14:37
topi Februar 21, 2012 um 14:41

@ Linus

” Nicht so voreilig. Noch hat sich das Internet nicht entschieden. Das bißchen Widerstand ist nicht zitierfähig. Aber wehe, wenn tatsächlich was halbwegs Belastbares ausgegraben wird”

Was soll denn das sein das “halbwegs Belastbare”?

Schlimmstenfalls wird Gauck als dümmlicher Neoliberaler “enttarnt”, der Freiheitsbedrohung nur aus einer einizgen Richtung wahrnimmt, die ökonomischen Zusammenhänge zwischen Einkommenskonzentration und Finanzkrise nicht ansatzweise verstehen will, dazu noch ein wenig deutschtümelnd daherkommt.

So what?

Große potenzielle Wählerschichten von Rot/Grün und auch zunehmende Teile in den Parteien sehen sich endgültig wieder mal gelinkt von ihren Seeheimern und co, und sonst?

Carlos Manoso Februar 21, 2012 um 15:11

@ topi Februar 21, 2012 um 14:41
„Schlimmstenfalls wird Gauck als dümmlicher Neoliberaler “enttarnt”, der Freiheitsbedrohung nur aus einer einizgen Richtung wahrnimmt, die ökonomischen Zusammenhänge zwischen Einkommenskonzentration und Finanzkrise nicht ansatzweise verstehen will, dazu noch ein wenig deutschtümelnd daherkommt.“

Das ist Stasi-Denke und ganz gewiß wird Joachim Gauck der „Stasi-Denke“ in vielen „westdeutschen“ Hirnen noch viele Gelegenheiten bieten, sich als Stasi-Denke selbst zu „enttarnen“.

Wie auch immer. Joachim Gauck wird nicht für irgendwelche „westdeutschen“ Parteien wie CDU, CSU, SPD oder Grüne stehen. Politisches Dauerfeuer macht ihn nur stärker erkennbar. Joachim Gauck wird für Joachim Gauck stehen.

Jens Februar 21, 2012 um 16:28

Wie man die Würde eines Amtes wiederherstellt:

1. Einen wiederverheirateten Jetsetter solange stützen, bis ein Staatsanwalt eingreift

2. Bis zur Neuwahl das Amt einem katholischen Ehebrecher übertragen

3. Dann den Posten einem in wilder Ehe lebenden evangelischen Theologen andienen

4. Den Neuen mit SED-Prozentzahlen wählen

5. Und dann: Werte predigen. Immer wieder Werte. Freiheit, Demokratie, das ganze Zeugs.

http://www.titanic-magazin.de/news.html?&tx_ttnews%5Btt_news%5D=4777&cHash=5447cdc06869272b38e1e82084fc1332

Horst Schmidt Februar 21, 2012 um 17:41

Und weiter wird gestrickt, analysiert, spekuliert und doch alles geht in eine Richtung. Merkel gut für trallalla und pipapo.

http://www.tagesspiegel.de/meinung/kontrapunkt-was-die-kanzlerin-gegen-gauck-gehabt-haben-mag/6236706.html

Alles ist möglich, nur das Naheliegendste wird nicht in Erwägung gezogen. Diese Perle ist ein M………!

Horst Schmidt Februar 21, 2012 um 18:15

Wieder ein bemerkenswerter Kommentar und man möchte glücklich zustimmen. Doch dann fällt sofeort wieder ein Satz, eine Kernaussage ins Gewicht, die alles auf den Kopf stellt.

http://www.fr-online.de/meinung/leitartikel-zu-joachim-gauck-respektlose-koalition,1472602,11681448.html

Mitten im Text sieht sich die Autorin genötigt folgenden Absatz einzuflechten, der alles ad absurdum führt.

“Natürlich wäre es nicht gut gewesen, wenn während der europäischen Schuldenkrise in Deutschland die Regierung auseinanderbricht. Wenn die Unsicherheit mitten in den heiklen Verhandlungen über Griechenlandrettung noch durch eine weitere Komplikation erschwert worden wäre. So gesehen hat Merkel natürlich verantwortungsbewusst gehandelt.”

Genau hier wieder kommt diese absurde Vorstellung zum Tragen, alles Mist, alles Kacke, aber wenn es “angeblich” verantwortungsvoll ist, dann ist gut.
Welch bestechende Logik!

Griechenland in der Krise, Frankreich im Wahlk(r)ampf, Spanien war im Wahlkampf usw. usf.

Nur bei uns, in diesem Deutschland, diesem Land der Klugscheißer, angeblichen Musterdemokraten ist Ruhe, “Kontinuität” die erste Bürgerpflicht.

Bloggerkeule Februar 21, 2012 um 18:47

@ Horst Schmidt

Zeigt doch nur die Unfähigkeit und Unwilligkeit der Sozenopposition Macht und Verantwortung zu erkämpfen.
Besitzstandswahrer und Umverteilungsgutheisser.

Horst Schmidt Februar 21, 2012 um 19:33

@ Bloggerkeule

Teil 1 ihrer Aussage volle Zustimmung!
Teil 2 kann ich nichts mit anfangen. Mehr möchte ich zu diesem Vokabular nicht sagen.

anonymous.brddr Februar 21, 2012 um 21:02

@Bloggerkeulechen

da kömmen wir uns doch langsam näher!

Was meinsten warum ich immer “Sozial”-”Demokraten” schreibe? hä?

na weil die Soz’n allet mögliche sind nur eines das nett:

1. sozial und
2. demokratisch

zu 1.) schau dir an, wie die sozn vernichtungskrieg gegen die deutse müttelschüscht gemacht haben die letzten 10 Jahres

zu 2.) frag doch ma den hanshütt, was er von eschte demokratie jetzt hält! der wird dir was husten! von wegen du bist ein “RADIKALDEMOKRAT”! Nein, die sozn sind KEINE Demokraten! die soz’n sind … knüppelharte DEMOKRATIEWULFFER !!!

alla hopp @bloggerkeulchen husch husch sofort die beitrittsurkunde bei den PIRATEN eingereicht! wir brauchen bis zur buta-wahl 1,2 Mio eingetragene Piraten +X ! das sind dann mehr als in der ganzen linkspopolustisch-radikalplutokratischen SPDCDUGRÜNEFDP-EInheitspartei ZUSAMMEN!

… dann klappts auch mit der machtergreifung und der einführung der DEMOKRATIE in deutsenschland!

Bloggerkeule Februar 21, 2012 um 23:12

@ halbgöttchen

http://www.youtube.com/watch?v=HTqhfJSaomg&feature=related

Seids ihr salonfähig ? ;-)

Du denkst doch nicht dass ich alleine kommen werde?
Und, wenn wie Kapitän Sparrow …

Bloggerkeule Februar 22, 2012 um 00:12

@ halbgöttchen

Habe mit Omas und Opas , die 1925 durch deutsche Lande zogen um zu arbeiten und zu leben – Ostpreussen, Pommern, Schlesiem – bereits über soziale Demokratie diskutiert, da wurde Dir der Schnulli noch mit der Kneifzange eingeführt ;-)

http://www.google.de/ig?hl=de&source=iglk#m_9

Bloggerkeule Februar 22, 2012 um 00:19

II. Versuch der NeoCons hat dann ja geklappt …

http://www.youtube.com/watch?v=-pDpJ1dV3js&feature=related

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