Wo war Hintze?

by h.huett on 20. Februar 2012

Einer fehlte gestern nicht wirklich. Ich glaube sogar, er fehlte bloß sich selbst: Peter Hintze. Er ist sich – vorübergehend – abhanden gekommen. Wir können, wie damals bei Harald Schmidt, ein Kalenderli ins Fenster stellen, mit einem Kreuz für jeden Fernsehtag ohne Hintze. Lübberding wieder auf Frühkritikschicht, gestern mit Doppelschlag Illner und Jauch.

Tatsächlich markiert das Fehlen Hintzes eine parteipolitische Schlappe sondergleichen. Der Retter gab dem strauchelnden Freund den Stoß zum Fall. Dass Hintze als erfahrener Parteisoldat schon immer die Grenze zwischen Heuchelei und Wahrheit sehr eigenmächtig zog: Plötzlich schien das kein Thema mehr, weil nun genauso plötzlich alle anderen Parteisoldaten die neue Linie zu verteidigen hatten, weil die so plötzlich so alte wegen der nicht ganz so eisernen Kanzlerin nicht mehr zu halten war.

Deshalb gehören beide Talkshows in die politischen Archive des simultanen Funktionsversagens und genauso simultanen Wiederaufstehens von Pappkameraden. Der einzige in den beiden Runden, Klaus von Dohnanyi, der als elder statesman Kälte, Verständnis und witzige Bosheit zugleich ins Spiel brachte, betrachtete den neben ihm sitzenden Salonjournalisten Hajo Schumacher wie einst Ernst Jünger ein besonders schillerndes Mistkäferexemplar. Was ist mir denn da für einer an die Seite gesetzt worden, schoss es dem ausgeschlafenen Greis durchs distanziert amüsierte Haupt.

Schaut Euch die Wiederholungen an. Nehmt sie auf. Archiviert sie. Zwei Beispiele für politische Wendehalschoreographie.

Bloß die Kanzlerin, die hat, was Frau Nahles nie verstehen wird, gestern ein weiteres Mal ihre Souveränität bewiesen. Auf brüchigem Eis in allerhöchstem Tempo eine Kehrtwende gefräst und vollzogen, die nicht einmal ihrem gesundgeschrumpftem Koalitionspartner den Triumph gönnt, den Wandel erzwungen zu haben.

Der Interviewauftritt mit dem FDP-Vorsitzenden zuvor geht ebenfalls in die Mediengeschichte ein. Der Mann, der sonst zwanzigsilbige Wörter in einer Silbe aussprechen kann, zog zackig gedehnt wie ein kleiner Assistent vor dem Oberstarzt seine Meldung durch. Die Kanzlerin macht sodann die Tür weit auf, durch die das Reh ins Abseits flog.

Tschüss, FDP!

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h.huett Februar 21, 2012 um 11:58

Morph

Danke für die Reflektion, auch den Clip.

“Wir werden, denke ich, lernen, den zu antizipieren und mit einer mentalen Rauschunterdrückungstaste abzuschatten.”

Indifferenz nte order auf der einen Seite. Chance für Irritierbarkeit auf der anderen. Was meinst Du wohl, warum weder Frank noch ich den hg hier rauskicken oder rauschunterdrücken? Weil wir ihn so klasse finden? Oder das Gegenteil? Das hat Stephan noch nicht verstanden. Seis drum.

h.huett Februar 21, 2012 um 12:01

Horst Schmidt

Danke für den link. Die nächsten Empfänge für Gäste etwa aus Usbekistan und China werden spannend, auch ohne Dombrowski.

Doktor D Februar 21, 2012 um 12:14

Hier versucht sich Joachim Dreykluft an einer Exegese der Dynamik des Wochenendes – und an der Rhetorik, Semantik und Inszenierung der Pressekonferenz, von der Horst Schmidt soviel ableitet: http://bit.ly/wOdg6v

Horst Schmidt Februar 21, 2012 um 12:25

@ Doktor D

Genau das sind die Schreiberlinge, die aus jeder Niederlage einen Sieg herbeischreiben wollen.
Erinnert man sich an die gestrigen Leitartikel der “ftd” und nicht namentlichen Kommentare dieser Zeitung, entsteht ein ganz anderes Bild der dortigen Redaktionsmeinung.

Doktor D Februar 21, 2012 um 12:38

@ Horst Schmidt:
Und damit, wenn es nur genug sind, wahrscheinlich auch zu einem Sieg machen. Wenn ich die Presseschauen von Deutschlandfunk aus den letzten zwei Tagen richtig im Ohr habe, scheint sich die Kommentatoren-Mehrheits-Meinung auf “Das schadet Merkel nicht, wird aber die anderen noch in den Popo beißen” zu verfestigen.
Ich denke, die Lage (und deren Interpretation) wäre anders, wenn ein Brutus oder sogar der nächste Augustus in der Kulisse stünde. Aber da ist niemand.

Horst Schmidt Februar 21, 2012 um 12:44

Kurzer Nachtrag:
Bezugnahme auf den Artikel von Fuhr aus der “Welt” und oben!
Leider verhält es sich mit der Pfarrestochter auch nicht viel anders.

Sie wurde nur nicht ins Amt geschrieben, sondern wird dort im Amt durch schreiben, verschweigen und verdrehen gehalten.
Geradezu beispielhaft dieser “ftd” – Beitrag.

Keinem Vorgänger, keinem Kanzler ließ man solch “Charakterlosigkeit, Prinzipienlosigkeit” etc. durchgehen. Er stand sofort am Pranger.
Nur war es damals sogar manchmal andersherum. Siege, Erfolge wurden in Niederlagen umgeschrieben. Erinnert sich niemand mehr an Schröder, der heute so gefeierte und hofierte Reformer? Was geschah denn mit ihm? Er wurde schlicht weggeschrieben.

Selbst sein angeblicher “suboptimaler Auftritt” fand keine Würdigung! :-)

Geradezu beispielhaft dieser “ftd” – Beitrag.

Linus Februar 21, 2012 um 12:53

@Morph:
Du schriebst:
“Ein ehernes Gesetz aller Kommunikation lautet: Sinn provoziert Gegensinn; jeder öffentlich bekundete Glaube, dass etwas so-und-so sei, provoziert die ebenso öffentliche Kundgabe von Zweifeln und Widerspruch.”

H. Schmidt zitierte oben aus der Springerpresse:
“Neu ist etwas anderes: Joachim Gauck ist der erste Medien-Bundespräsident der Bundesrepublik. Seine Legitimation ist ihm im Wortsinne zugeschrieben.”

Ob sich die Springer-Presse hier selbst auf die Schulter klopft? Sie bzw. Gauck wird in jedem Fall mit Widerspruch zu rechnen haben. Denn der wird sich im Internet formieren. Diese neue 5. Gewalt hatte die 4.Gewalt noch nicht auf der Rechnung. Und das wars dann auch schon wieder mit der neuen Macht der MSM. Gauck wird nur überleben, wenn ihn das Internet goutiert. Andernfalls wird er gnadenlos zerlegt werden. Besser also, wenn die Journaille nicht allzu öffentlich in Triumphgeheul ausbricht.

Hinter den Massenmedien steht ein neues Medium, das Internet. Und man wird ihm nach dem Munde schreiben müssen, wenn man etwas durchsetzen will. So wie die Politiker nicht gegen die Medien, sondern nur mit den Medien können, so werden die Medien nicht gegen das Internet können.

h.huett Februar 21, 2012 um 13:03

Linus

“Ob sich die Springer-Presse hier selbst auf die Schulter klopft? Sie bzw. Gauck wird in jedem Fall mit Widerspruch zu rechnen haben. Denn der wird sich im Internet formieren. Diese neue 5. Gewalt hatte die 4.Gewalt noch nicht auf der Rechnung. Und das wars dann auch schon wieder mit der neuen Macht der MSM. Gauck wird nur überleben, wenn ihn das Internet goutiert. Andernfalls wird er gnadenlos zerlegt werden. Besser also, wenn die Journaille nicht allzu öffentlich in Triumphgeheul ausbricht.”

Nicht so voreilig. Erstens hat sich der sogenannte Widerstand bereits formiert. Zweitens liefert er einen Kübel Jauche, ohne Sinn und Verstand. Lobo hat dazu heute Erhellendes geschrieben. Wer in dieser neuen Art von Hetzmeute einen Fortschritt zu erkennen glaubt, ist schief gewickelt.

Drittens mag die Konstitution dessen, was man eine kritische Öffentlichkeit nennen könnte, inzwischen aus vielen Gründen fragil geworden sein. Aber noch nicht so fragil, dass man nicht Scheiße als Scheiße erkennen könnte.

Gibts irgendeinen Grund für Siegesfanfaren? Die Straßen frei usw? Was ist das für ein Medusa-Mund, nach dem geschrieben werden muss? Größenwahn vergeht. Entspann Dich.

Horst Schmidt Februar 21, 2012 um 13:04

Noch ein Beispiel im “Cicero” von Petra Sorge:

“Merkels Präsident”
Auch, wenn Merkels Zaudern ihr noch als Schwäche ausgelegt wird, so wird sie von der Nominierung Gaucks zum Bundespräsidenten langfristig profitieren. Doch die Entscheidung für Gauck ist eine Entscheidung gegen den demokratischen Wettbewerb

“Merkel als Präsidentenmacherin. Merkel als Retterin der Koalition. Obendrein kann sie ihr Einlenken noch als Klugheit verkaufen. Wenn die Bürger ihren neuen Bundespräsidenten aber erst einmal lieben gelernt haben, werden sie den schwarz-gelben Streit schon bald vergessen haben. Dann werden nur noch Historiker und kritische Journalisten Merkel das anfängliche Zaudern nachtragen. Man wird sich letztlich nur noch daran erinnern: Merkel hat den Gauck gemacht. Denn hätte sie den Daumen gesenkt (und den Koalitionspartner auflaufen lassen), wäre es nie zu dieser Personalie gekommen.

Doch während Merkel mit ihrer Entscheidung Schaden vom Amt des Bundespräsidenten abwenden wollte, hat sie zugleich dem demokratischen Wettbewerb einen erheblichen Schaden zugefügt.

Und dieser Schaden richtet sich zunächst gegen ein Verfassungsorgan: die Bundesversammlung, die am 18. März zusammentritt. 1.240 Wahlleute werden es sein, die im Wesentlichen nur eine Aufgabe haben werden: Joachim Gauck durchzuwinken. Eine Wahl steht an, doch der Kandidat steht schon fest. Wann hat es so etwas schon einmal gegeben?”
http://www.cicero.de/berliner-republik/merkels-praesident/48370

Genau das wäre der Auftrag der Presse diesem drohenden Eindruck der entstehen soll, mit aller Macht entgegen zu wirken. Seit Amtsantritt fügt sie dieser demokratischen Verfasstheit des Landes schwersten Schaden zu. Nicht erst jetzt.
Doch sie, die Presse, kommt nicht dem Auftrag nach, ums Verrecken nicht nach.

Carlos Manoso Februar 21, 2012 um 13:07

@ Morph Februar 21, 2012 um 10:49
„Aber eines werden wir nicht ignorieren können: Dass in dieser Dynamik das Zentrum bürgerlicher Ideologie, das seiner selbst bewusste und für sich verantwortliche Individuum, verschwindet.
Und weil das so ist, kann auch die staatspolitische Repräsentation dieses zentralen Ideologems, die Person des Staatsoberhaupts, nicht mehr plausibel kontinuiert werden. Es ist vollkommen egal, wer diese Rolle übernimmt: Das Scheitern ist vorprogrammiert. Gehen wir in der Reihe der BuPräs zurück. Seit wann genau sind die Amtsträger unplausibel? Genau: Seit Johannes Rau, bzw. medienhistorisch gewendet: Seit das persönliche Dasein in der Gesellschaft durch das Online-Sein zur Geltung gebracht wird. (…)
(Das ist keine Parodie, das ist keine Kritik, das ist dezentrierender Pop, ohne Sinn und Verstand, aber mit Effekt: totale Vergleichgültigung).

Hmm, bei Johannes Rau, evangelischer Theologe (West) und Joachim Gauck, evangelischer Theologe (Ost) stoßen zweierlei Erfahrungen aufeinander. Goethe sagte in Faust I: „Gewöhnlich glaubt der Mensch, wenn er nur Worte hört, es müsse sich dabei doch auch was denken lassen.“

Joachim Gauck hat Jahrzehnte Fegefeuer mit der Bewältigung des allerschlimmsten Feindes hinter sich gebracht, den die DDR und ihr extremer Staatskapitalismus hervorgebracht hat. Gauck musste als Person eisenhart und wachsweich zugleich werden und nicht auf „Kirchen“ bequem vertrauen.

Deine Vermutung, dass es „vollkommen egal (ist), wer diese Rolle übernimmt“, würde stimmen, wenn sich Strukturen nicht diskontinuierlich ändern könnten. Können sie aber und werden sie auch, denn das ist das Leben.

sk8erBLN Februar 21, 2012 um 13:08

## Gauck ist Merkels Meisterwerk

[Geschichte kann köstlich sein, meint Malte Lehming. Aktiv unterstützt von SPD und Grünen wird mit Joachim Gauck bald der konservativste Bundespräsident gewählt, den Deutschland je hatte. Denn: Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.](http://www.tagesspiegel.de/meinung/kontrapunkt-gauck-ist-merkels-meisterwerk/6230092.html)

Vortrefflich analysiert auf 2 Seiten von Lehming.

#gauck #präsident #notmypresident #piraten #grüne #politik #cdu #csu #fdp #vergauckt

h.huett Februar 21, 2012 um 13:11

Carlos Manoso

Rau war kein Theologe. Er war gelernter Verlagsbuchhändler.

topi Februar 21, 2012 um 13:14

@ Hans Hütt

Ein Link auf Lobo, auch noch im Spiegel, das wars ja wohl mit dem Blog. :roll:

Die ganzen Zitatsverhackstückezerhacker können sich ja mal der substantiellen Kritik an Gaucks Positionen zuwenden.

Programm Nationalstiftung, “wunderbar” umgesetzt im Niedriglohnsozialdumpingexportweltmeisterland.

Und Gaucks Äußerungen fügen sich bestens in diese Programmatik ein. Natürlich immer abwägend, der Mann hat Kultur, klassische Bildung, und jede Menge Charisma dazu.

Nur: wird es für die Schafe besser, wenn der Wolf sich einen Weißpelz überzieht?

Aber auf den Strohmann, die Zitatverhackstückler als Kritkgegenpart, drischt es sich natürlich viel besser. :roll:

topi Februar 21, 2012 um 13:16

@ Horst Schmidt

In der Bundesversammlung wird ein Abnickpräsi nach herrschendem Parlamentsproporz scheingewählt.

Was soll da irgendwie auffällig sein, dass diese Versammlung selber eine Abnickveranstaltung wird?

topi Februar 21, 2012 um 13:17

” Aktiv unterstützt von SPD und Grünen wird mit Joachim Gauck bald der konservativste Bundespräsident gewählt, den Deutschland je hatte.”

Man ist der Lehming langsam; das wussten die Durchblicker auch schon, als viele Freunde der Machtpolitischen Signale noch von einem Supercoup sprachen. :whistle:

Carlos Manoso Februar 21, 2012 um 13:18

h.huett Februar 21, 2012 um 13:11
“Rau war kein Theologe. Er war gelernter Verlagsbuchhändler.”

Für mich ist das bei manchen Leuten das Gleiche, denn ich schätze, Buchhändler Rau hat theologische Bücher erst gelesen, dann das Geld kassiert und erst dann verkauft und immer so weiter. Und so wurde Rau erst zum studierteren Theologen, dann zum studierten SPD-Politiker und dann zum studierten SPD-Bundespräsidenten, gell.

Jens Februar 21, 2012 um 13:22

Gaucks Ehe besteht ja nur noch auf dem Papier. Die Eheleute wohnen vermutlich schon seit Jahren getrennt.
Hoffentlich wurde das bei der Steuererklärung berücksichtigt…

Doktor D Februar 21, 2012 um 13:27

@HSchmidt: Kritik an Merkel gibt es doch in rauen Mengen, zumindest in der Presse und online. (Ich habe kein Fernsehen, deswegen kann ich nix dazu sagen.) Du zitierst doch selbst ständig welche, zum Beispiel den Cicero-Artikel. Das Medienbild zu Merkel ist doch überhaupt nicht einheitlich. Ständig weißt irgendjemand auf die zahlreichen Verfassungsprobleme im Rahmen der Euro-„Rettung“ hin. An jeder Print- und Online-Ecke krakelt irgendein Ökonomie-Prof deswegen herum. Selbst BuBa-Präsidenten ringen öffentlichkeitswirksam die Hände. Chefredakteure jammern über den mangelnden Werte-Kompass unserer Kanzlerin. Aber das ist alles egal, so lange das niemand in politisches Kapital ummünzen kann. Und danach sieht es einfach nicht aus: Es fehlt die richtige Person, die den Wechsel glaubwürdig und attraktiv verkörpert, und offensichtlich finden sehr viele Menschen, dass Frau Merkel unter den gegebenen Umständen einen ganz guten Job macht. Und noch scheinen das auch ihre eigenen Schäfchen in Fraktion und Partei zu denken.

Kohl wurde ständig nieder geschrieben, zumindest in meiner Erinnerung, sogar bevor er Kanzler wurde. Erst als jemand als ganz attraktives anderes Angebot zur Wahl stand, hat er diese Wahl dann auch verloren. Und dass Schröder, trotz der größten Spin Doctoring-Kampagne der INSM / Bertelsmann / Springer-Mafia, die ich erleben durfte, Merkel noch auf den letzten Metern den Sieg vermasselt hat, hat Frau Merkel ganz sicher nicht vergessen. Unter anderem daraus wurde doch die Demobilisierungs-Strategie entwickelt und ihre Umsicht, potentielle Brutus schnell abzuräumen oder denen, die sich dafür halten, ein Schwert in die Hand zu geben, damit sie aus Blödheit, Raffgier und / oder Eitelkeit selbst hineinfallen.

@Linus: Das Internet, das gibt es doch gar nicht. Noch viel weniger als die Medien. Und solange die Menschen, die am treuesten zur Wahl gehen, sich kaum über das Internet, geschweige über Social Media informieren, kann eigentlich jeder mit etwas Geschick gegen dieses ominöse Internet regieren. Vor allem wenn die ganzen jungen, coolen, hippen Netzgemeindler nicht wählen gehen. Was sich gerade bei Volksentscheiden und Kommunalwahlen aufs Schönste zeigt. Ich neige ja auch zu diesem Größenwahn in Bezug auf „das Internet“ als neues politisches Medium, aber ich glaube, es ist genau das: Größenwahn.

Linus Februar 21, 2012 um 13:34

@Huett:
Nicht so voreilig. Noch hat sich das Internet nicht entschieden. Das bißchen Widerstand ist nicht zitierfähig. Aber wehe, wenn tatsächlich was halbwegs Belastbares ausgegraben wird. Bei Gutti waren die vom Internet gelieferten Recherchen tragfähig. Bei Wuff waren sie nicht ganz so tragfähig (und wurden zugegebenermaßen von der Presse geliefert, hätte aber wohl auch das Internet sein können). Wenn das Internet sich mal einig wird, wenn da sowas wie ein Kristallisationskeim entsteht, dann entfaltet es gewaltiges politisches Potential. Jüngstes Beispiel ist ACTA.

Carlos Manoso Februar 21, 2012 um 13:34

@ topi Februar 21, 2012 um 13:17
„” Aktiv unterstützt von SPD und Grünen wird mit Joachim Gauck bald der konservativste Bundespräsident gewählt, den Deutschland je hatte.”
Man ist der Lehming langsam; das wussten die Durchblicker auch schon, als viele Freunde der Machtpolitischen Signale noch von einem Supercoup sprachen. :whistle:“

Naja, alle Bundespräsidenten, die Deutschland je hatte, waren mehr oder minder gut geölte Produkte der alten Bundesrepublik. Das Etikett „konservativ“ ist ein Etikett der alten Bundesrepublik. Mit Joachim Gauck als Bundespräsidenten ist Deutschland nicht mehr die alte Bundesrepublik, der Kreis von 1989 schließt sich. Das Etikett „konservativ“ passt daher überhaupt nicht mehr.

Gauck ist von einem untergegangenen Staat der absoluten Wahrheit zu Hartem stahl zusammengeschmiedet worden und die „konservativen“ Reste der alten Bundesrepublik wird ein Bundespräsident Gauck schneller abräumen, als viele sich träumen lassen.

Linus Februar 21, 2012 um 14:07

@Doktor D:
“Größenwahn”

Du verstehst mich da falsch. Wer angesichts der Möglichkeiten des Internets in Größenwahn verfällt, der ist insgeheim dem Wunsch verfallen, es vor seinen eigenen Karren zu spannen, es also (zumindest ansatzweise) kontrollieren zu können. Und das geht mE so nicht. Das Internet bietet idT große Möglichkeiten, eine Lenkung ist aber äußerst schwierig. Trotzdem oder gerade deswegen entwickelt es sich zu einer ständigen und latenten Bedrohung für die Regelmacher.

Normalerweise ist das Internet vielstimmig, und gegensätzliche Meinungen neutralisieren einander. Übrig bleibt ein unbestimmtes Rauschen. Manchmal jedoch, wie im Fall Guttenplag, kommt es zur Bildung eines Attraktors, einer Keimzelle, die sich zu einer gerichteten Bewegung auswächst. Und da wird es dann brandgefährlich.

Ich gestehe dir sogar zu: Allzuviel hat das Internet noch nicht ausgerichtet. Guttenplag, ACTA, Wikileaks, Wikipedia, Google, YouTube, FB, etc. …
Das ist noch nicht sooo viel, aber das neue Medium wird sich Stück für Stück seiner Wirkung bewußt. Ein Ende ist da noch nicht abzusehen.

Jackle Februar 21, 2012 um 14:37
topi Februar 21, 2012 um 14:41

@ Linus

” Nicht so voreilig. Noch hat sich das Internet nicht entschieden. Das bißchen Widerstand ist nicht zitierfähig. Aber wehe, wenn tatsächlich was halbwegs Belastbares ausgegraben wird”

Was soll denn das sein das “halbwegs Belastbare”?

Schlimmstenfalls wird Gauck als dümmlicher Neoliberaler “enttarnt”, der Freiheitsbedrohung nur aus einer einizgen Richtung wahrnimmt, die ökonomischen Zusammenhänge zwischen Einkommenskonzentration und Finanzkrise nicht ansatzweise verstehen will, dazu noch ein wenig deutschtümelnd daherkommt.

So what?

Große potenzielle Wählerschichten von Rot/Grün und auch zunehmende Teile in den Parteien sehen sich endgültig wieder mal gelinkt von ihren Seeheimern und co, und sonst?

Carlos Manoso Februar 21, 2012 um 15:11

@ topi Februar 21, 2012 um 14:41
„Schlimmstenfalls wird Gauck als dümmlicher Neoliberaler “enttarnt”, der Freiheitsbedrohung nur aus einer einizgen Richtung wahrnimmt, die ökonomischen Zusammenhänge zwischen Einkommenskonzentration und Finanzkrise nicht ansatzweise verstehen will, dazu noch ein wenig deutschtümelnd daherkommt.“

Das ist Stasi-Denke und ganz gewiß wird Joachim Gauck der „Stasi-Denke“ in vielen „westdeutschen“ Hirnen noch viele Gelegenheiten bieten, sich als Stasi-Denke selbst zu „enttarnen“.

Wie auch immer. Joachim Gauck wird nicht für irgendwelche „westdeutschen“ Parteien wie CDU, CSU, SPD oder Grüne stehen. Politisches Dauerfeuer macht ihn nur stärker erkennbar. Joachim Gauck wird für Joachim Gauck stehen.

Jens Februar 21, 2012 um 16:28

Wie man die Würde eines Amtes wiederherstellt:

1. Einen wiederverheirateten Jetsetter solange stützen, bis ein Staatsanwalt eingreift

2. Bis zur Neuwahl das Amt einem katholischen Ehebrecher übertragen

3. Dann den Posten einem in wilder Ehe lebenden evangelischen Theologen andienen

4. Den Neuen mit SED-Prozentzahlen wählen

5. Und dann: Werte predigen. Immer wieder Werte. Freiheit, Demokratie, das ganze Zeugs.

http://www.titanic-magazin.de/news.html?&tx_ttnews%5Btt_news%5D=4777&cHash=5447cdc06869272b38e1e82084fc1332

Horst Schmidt Februar 21, 2012 um 17:41

Und weiter wird gestrickt, analysiert, spekuliert und doch alles geht in eine Richtung. Merkel gut für trallalla und pipapo.

http://www.tagesspiegel.de/meinung/kontrapunkt-was-die-kanzlerin-gegen-gauck-gehabt-haben-mag/6236706.html

Alles ist möglich, nur das Naheliegendste wird nicht in Erwägung gezogen. Diese Perle ist ein M………!

Horst Schmidt Februar 21, 2012 um 18:15

Wieder ein bemerkenswerter Kommentar und man möchte glücklich zustimmen. Doch dann fällt sofeort wieder ein Satz, eine Kernaussage ins Gewicht, die alles auf den Kopf stellt.

http://www.fr-online.de/meinung/leitartikel-zu-joachim-gauck-respektlose-koalition,1472602,11681448.html

Mitten im Text sieht sich die Autorin genötigt folgenden Absatz einzuflechten, der alles ad absurdum führt.

“Natürlich wäre es nicht gut gewesen, wenn während der europäischen Schuldenkrise in Deutschland die Regierung auseinanderbricht. Wenn die Unsicherheit mitten in den heiklen Verhandlungen über Griechenlandrettung noch durch eine weitere Komplikation erschwert worden wäre. So gesehen hat Merkel natürlich verantwortungsbewusst gehandelt.”

Genau hier wieder kommt diese absurde Vorstellung zum Tragen, alles Mist, alles Kacke, aber wenn es “angeblich” verantwortungsvoll ist, dann ist gut.
Welch bestechende Logik!

Griechenland in der Krise, Frankreich im Wahlk(r)ampf, Spanien war im Wahlkampf usw. usf.

Nur bei uns, in diesem Deutschland, diesem Land der Klugscheißer, angeblichen Musterdemokraten ist Ruhe, “Kontinuität” die erste Bürgerpflicht.

Bloggerkeule Februar 21, 2012 um 18:47

@ Horst Schmidt

Zeigt doch nur die Unfähigkeit und Unwilligkeit der Sozenopposition Macht und Verantwortung zu erkämpfen.
Besitzstandswahrer und Umverteilungsgutheisser.

Horst Schmidt Februar 21, 2012 um 19:33

@ Bloggerkeule

Teil 1 ihrer Aussage volle Zustimmung!
Teil 2 kann ich nichts mit anfangen. Mehr möchte ich zu diesem Vokabular nicht sagen.

anonymous.brddr Februar 21, 2012 um 21:02

@Bloggerkeulechen

da kömmen wir uns doch langsam näher!

Was meinsten warum ich immer “Sozial”-”Demokraten” schreibe? hä?

na weil die Soz’n allet mögliche sind nur eines das nett:

1. sozial und
2. demokratisch

zu 1.) schau dir an, wie die sozn vernichtungskrieg gegen die deutse müttelschüscht gemacht haben die letzten 10 Jahres

zu 2.) frag doch ma den hanshütt, was er von eschte demokratie jetzt hält! der wird dir was husten! von wegen du bist ein “RADIKALDEMOKRAT”! Nein, die sozn sind KEINE Demokraten! die soz’n sind … knüppelharte DEMOKRATIEWULFFER !!!

alla hopp @bloggerkeulchen husch husch sofort die beitrittsurkunde bei den PIRATEN eingereicht! wir brauchen bis zur buta-wahl 1,2 Mio eingetragene Piraten +X ! das sind dann mehr als in der ganzen linkspopolustisch-radikalplutokratischen SPDCDUGRÜNEFDP-EInheitspartei ZUSAMMEN!

… dann klappts auch mit der machtergreifung und der einführung der DEMOKRATIE in deutsenschland!

Bloggerkeule Februar 21, 2012 um 23:12

@ halbgöttchen

http://www.youtube.com/watch?v=HTqhfJSaomg&feature=related

Seids ihr salonfähig ? ;-)

Du denkst doch nicht dass ich alleine kommen werde?
Und, wenn wie Kapitän Sparrow …

Bloggerkeule Februar 22, 2012 um 00:12

@ halbgöttchen

Habe mit Omas und Opas , die 1925 durch deutsche Lande zogen um zu arbeiten und zu leben – Ostpreussen, Pommern, Schlesiem – bereits über soziale Demokratie diskutiert, da wurde Dir der Schnulli noch mit der Kneifzange eingeführt ;-)

http://www.google.de/ig?hl=de&source=iglk#m_9

Bloggerkeule Februar 22, 2012 um 00:19

II. Versuch der NeoCons hat dann ja geklappt …

http://www.youtube.com/watch?v=-pDpJ1dV3js&feature=related

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