Griechenland gut – alles gut?

by eFlation on 21. Februar 2012

Nach zähem Ringen in den vergangenen Wochen und weiteren 13 Stunden der erbitterten Verhandlung, haben sich die EU Finanzminister mit Griechenland auf folgendes Paket geeinigt

  • Hilfsgelder in der Höhe von 130Mrd EUR werden bis 2014 ausgezahlt
  • PSI: 53.5% Haircut - ich erwarte die Ausarbeitung von potentiellen Collective Action Clauses (CAC) in den kommenden Tagen, die einen CDS-Event Triggern würden, was aber aufgrund des verabschiedeten Paketes zu verschmerzen wäre.
  • OSI (Official Sector Involvement): Gewinne auf griechische Anleihen werden von der EZB an nationale Zentralbanken ausgezahlt, die diese dann an Regierungen zur weiteren Schuldentilgung Griechenlands weiterleiten werden. Alle Mitgliedsstaaten stimmten einer rückwirkenden Reduzierung der Zinsen für die Greek Loan Facility zu (Finanzierungskosten reduzieren sich somit um ca. 1.4 Mrd EUR über die Laufzeit des Programms).
  • Coupons auf neue Bonds gestaffelt: 2% bis 2015; 3% bis 2020; 4.3% nach 2020 – somit ein durchschnittlicher Coupon von 3.65% über die nächsten 30 Jahre.
  • Angestrebtes Verschuldungsniveau bis 2020 von 120% auf 120.5% angehoben.
  • Einrichtung eines Sperrkontos außerhalb der Verfügungsgewalt Griechenlands zur Auszahlung von Zinsen und Tilgung.
  • Paket an strenge Auflagen gebunden: Renten und Mindestlöhne müssen gekürzt werden, Steuersystem muss Reformiert werden, Märkte müssen geöffnet werden.
  • Ständige Überwachung: Expertengremium aus EU-Kommission, IWF und EZB werden auf Quartalsbasis Einhaltung überwachen.

 

Ein kurzfristiger Default ist abgewendet – langfristig bleibt allerdings das hohe Verschuldungsniveau ein Problem - kurzfristig sollte die Einigung allerdings positiv gewertet werden.

 

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rainer Februar 21, 2012 um 09:42

…lach….und nun soll das ganze Palaver beendet sein?…..das glauben doch nur Blöde……..

kurms Februar 21, 2012 um 09:43

Und was ist mit dem griechischen Wirtschaftswachstum?

topi Februar 21, 2012 um 09:51

Griechenland gut???

Vielleicht springen die Börsen, wenn die Händler mal wieder eine begründung brauchen. Ansonsten gar nix gut.

Um preislich soweit wettbewerbsfähig zu werden, dass zumnindest die deutsche Milch aus dem griechischen Regal verschwindet, braucht es eine deutliche Senkung der griechischen Preise, um den Inflationsunterschied seit 98 auszugleichen.

Mindestlohn-/Rentensenkungen etc. bewirken keineswegs zwingend Preissenkungen; in den letzten Jahren der Rezession war die Inflation weiterhin erheblich höher als in D!!

Damit entfällt schon die Möglichkeit, sich durch eine reale Abwertung zu retten, und die Troikaner tun nichts in diese Richtung.

Aus die Maus, dann eben später, wenn man noch mal hunderte Milliarden reinwerfen will.

Systemfrager Februar 21, 2012 um 10:47

>>> Ein kurzfristiger Default ist abgewendet
Man hat die Folgen beseitig.
Die Ursachen sind die gleichen geblieben!
:(

causb Februar 21, 2012 um 11:29

Ich las heute erfreuliches über Island …

E. Bonse Februar 21, 2012 um 11:54

Was ist denn daran gut? Kurzfristig warten wir erstmal auf den Schuldenschnitt, denn der ist noch längst nicht gesichert. Und langfristig warten wir weiter auf die Pleite. Denn das ist die zweite bittere Lektion dieser heillosen „Rettung“. Zu einem nachhaltigen Abbau der Schulden trägt sie nicht bei, wie aus einem geleakten Memorandum der Troika hervorgeht. Im schlimmsten Fall wird der Schuldenstand 2020 genauso hoch sein wie heute – Griechenland bleibt ein hoffnungsloser Fall.
http://lostineurope.posterous.com/wir-retten-die-falschen

Linus Februar 21, 2012 um 12:32

Das politische Timing paßte noch immer nicht – also nochmal 130 Milliarden. Wie lang wollen die die Griechen eigentlich noch weich kochen? Inzwischen kann man die doch schon durchs Sieb streichen, die Kohle sowieso.

Die Kohle kostet politisch offensichtlich nix, sonst wäre das Thema schon lange durch. Wenn sie aber nix kostet, was bezweckt dann die Politik? Wo will sie hin?

Jackle Februar 21, 2012 um 13:06

“Angestrebtes Verschuldungsniveau bis 2020 von 120% auf 120.5% angehoben.”

HAHAHA, großartig. Wer kommt auf so etwas? Wer verzählt das auch noch öffentlich? Das kann doch hoffentlich nur als Scherz gemeint sein.

Naja, ein einziges Trauerspiel das Ganze. Griechenlands Bürger, also die 98%, die fortwährend komplett verarscht werden, sollten anfangen gemeinsam ihre Mistgabeln hervor zu holen um ihre kleptokratische Elite zu meucheln. Allen voran den fetten Finanzminister.
Den Isländer in sich entdecken!

Sucram Februar 21, 2012 um 13:14

Höre gerade, dass die griechische Verfassung dahingehend geändert wird, dass der Schuldendienst an die Banken und Investoren Vorrang vor allen anderen Zahlungsverbindlichkeiten erhält.

Was ist da Gutes dran? Ahh, um die Boni zu sichern. Na dann: Börse heil!

Systemfrager Februar 21, 2012 um 13:27

>>> Angestrebtes Verschuldungsniveau bis 2020 von 120% auf 120.5% angehoben.

Das ist eine gigantische Leistung. Hut ab! Ein Beweis, dass da Expreten am Werk waren. Richtige Genies! Und sie haben es in weniger als 3 Jahren geschafft. Einfach gigantisch! Eine Leistung, die nicht die größten Optimisen für möglich halten konnten.

PS
Ende 2008 hatte Griechenland gemäß offiziellen Daten der EU-Kommission ein BIP von 233 Milliarden Euro bei 263 Milliarden Euro Schulden, 2009 begann Papandreou mit dem IWF zu verhandeln und nun sehen wir Ende 2011 ein auf 218 Milliarden Euro gesunkenes BIP, aber auf 355 Milliarden Euro angestiegene Schulden. Statt einer Verschuldungsquote von 113 Prozent war Griechenland am Ende 2011 bereits bei 163 Prozent. Na, bravo!

Doktor D Februar 21, 2012 um 13:33

@sucram: Gibt’s dazu einen Link?
@Linus: Frau Merkel will bis 2013 den Haltern von Lebensversicherungen und anderen, in den letzten Jahren als einzig wahre Bürgerpflicht angepriesenen Finanzprodukten den Arsch retten, schätze ich.

Sucram Februar 21, 2012 um 13:40
Doktor D Februar 21, 2012 um 13:48

Super! Ganz herzlichen Dank!

testbildtester Februar 21, 2012 um 13:50

…ist doch ohnehin nur ein Default-Aufschub, bis der ESM mit Juni/Juli in Kraft tritt.

Joerg Buschbeck Februar 21, 2012 um 13:58

@SF

“Statt einer Verschuldungsquote von 113 Prozent war Griechenland am Ende 2011 bereits bei 163 Prozent. Na, bravo!”

2008 war ja auch vor den Sparversuchen,

Tja, da haben die Ignoranten der Globalsätze nicht bedacht, dass Staatsschulden steigen, wenn der Staat durch Sparversuche die Privatverschuldung ohne “Guthabenbremse” abwürgt.

Krise und Wahn
2009 bewegte sich die griechische Staatsverschuldung bei rund 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, inzwischen ist die Staatsschuld Athens auf rund 160 Prozent des BIP angeschwollen und soll dank des – inzwischen wieder infrage gestellten – Schuldenschnitts auf rund 120 Prozent des BIP in 2020 absinken. Das jüngste “billionenschwere Hilfspaket” der sogenannten “Euro-Retter” Merkel und Sarkozy würde somit den Schuldenberg in Griechenland auf ein Niveau absenken, das Athen vor Beginn der “Sparmaßnahmen” aufwies

http://www.heise.de/tp/artikel/35/35813/1.html

Bloggerkeule Februar 21, 2012 um 18:10

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