Eine Schuldenbremse für Entenhausen

by f.luebberding on 7. März 2012

Dieter Wermuth hat im Herdentrieb einen interessanten Artikel zur Schuldenbremse. Er beruht auf einem Papier von Achim Truger und Henner Will. Wermuth denkt dabei die Schuldenbremse gegen den Strich. Bei ihm wird deutlich, wie aus einem strukturellen Haushaltsdefizit ein struktureller Haushaltsüberschuss werden kann. Man muss halt nur die Kriterien ändern – und eine gesamtwirtschaftliche Betrachtung machen, um die zweifelhafte Plausibilität dieser Schuldenbremse deutlich zu machen. Bekanntlich ist diese Schuldenbremse das Modell für den Fiskalpakt, den die Bundeskanzlerin allen EU Staaten aufgezwungen hat. Am deutschen Wesen soll die EU genesen. Man muss kein Prophet sein, um festzustellen, dass deren Umsetzung für die Zukunft der europäischen Union zentral sein wird. Nun hat sich im Herdentrieb auch Dr. Norbert Leineweber vom IfO Institut in München geäußert. Er ist von Wermuths Modell nicht überzeugt. Das Schöne  an der Geschichte ist nur: Wermuth will überhaupt keine Schuldenbremse in das Grundgesetz installieren. Er will nur die Widersprüche in einem Modell skizzieren, das in Deutschland Verfassungsrang genießt und jetzt auf die EU übertragen werden soll. Das hat Dr. Leineweber wohl nicht verstanden.

Aber nennen wir sein zentrales Argument.

“Wer soll eigentlich die Zinsen für diesen wachsenden Schuldenberg zahlen? Der nächste Jahrgang mit deutlich weniger Erwerbstätigen? Wir leben in einem unglaublichen Ausmaß über unsere Verhältnisse und haben 2,1 Billionen Schulden. Und dann kommt ein Gewerkschafter daher und redet von strukturellen Überschüssen! Als hätte man nach einer jahrzehntelangen Verschuldungsorgie, die bald zum flächendeckenden Staatsbankrott in Europa führt, nichts gelernt, wird ein Defizit von 1% als zu gering angesehen. Da verschlägt es jedem Ökonomen mit Reputation die Sprache. Oder glaubt ein Leser dass der Sachverständigenrat oder Prof. Sinn oder irgend ein Professor mit Reputation einen solchen Unfug verbreiten könnten? Wo sind die Profs vom Verein für Socialpolitik und von CESifo? Haben die keine Stimme?
Der Autor ist Member CESifo / IIPF”

Die Zinsen sind für Dr. Leineweber der Schrecken der Welt. Er sehnt sich nach einer Welt, wo alles harmonisch im Ausgleich ist. Der Kapitalist orientiert sich nicht an dem Grundsatz der Gewinnmaximierung und die Finanzmärkte brauchen wir eigentlich gar nicht. Sie sind völlig überflüssig. Denn dort werden nur die Ersparnisse wie durch ein Wunder in Investitionen verwandelt. Alles im Gleichgewicht – nach einer jahrzehntelangen Verschuldungsorgie des Staates. Nun ist diese Vorstellung von der Verschuldungsorgie schon eine im puritanischen Tonfall vorgetragene Lüge. Truger/Will machen das in ihrem Papier deutlich. Die Höhe der Staatssschulden ist eben auch eine Frage der Verteilung des volkswirtschaftlichen Einkommens. Aber jenseits dessen. Dr. Leineweber verpasst den eigentlichen Plot an der Schuldenbremse. Das habe ich in einem Kommentar formuliert – und könnte auch hier von Interesse sein.

“Sie haben den Text von Truger/Will gelesen? Den Eindruck hat man nicht. Es geht nicht darum, dass man jetzt eine unsinnige Konstruktion namens Schuldenbremse durch eine andere Konstruktion ersetzt, die zwar nicht besser wäre, aber eben genauso plausibel. Wermuth macht doch nur deutlich, dass Deutschland keineswegs über seine Verhältnisse lebt, sondern tatsächlich systematisch unter seinen Möglichkeiten bleibt, weil es sein Produktionspotential eben nicht ausschöpft. Das sollte nicht so schwer zu verstehen sein. Der Hinweis auf Griechenland ist wirklich abenteuerlich. Was Truger/Will eben auch deutlich machen, ist der nur manchen Ökonomen nicht zu vermittelnde Zusammenhang zwischen der Steuerpolitik und der Verschuldungshöhe, bzw. dem wirklich traurige Zustand der staatlichen Investitionen in Deutschland. Selbst Hans-Werner Sinn hat ja mittlerweile begriffen, dass diese Politik nur dazu geführt hat, dass wir unsere Ersparnisse den cleveren Clowns auf den Finanzmärkten zum Versenken anvertraut haben. Offenkundig hat sich das in seinem Institut noch nicht überall herumgesprochen. Aber zurück zur Schuldenbremse. Was ich besonders amüsant finde, ist die Vorstellung in dieser Konstruktion, dass wir de facto den wichtigsten Anleihemarkt der Welt abschaffen können. Zitieren wir einmal aus dem verlinkten Papier:

“Erstens ist schon die zukünftig verfassungsmäßig festgeschriebene Zielvorgabe einer maximalen strukturellen Netto-Neuverschuldung von 0,35% des Bruttoinlandsproduktes (BIP) für den Bund und das Verbot struktureller Netto-Neuverschuldung für die Länder aus ökonomischer Sicht vollkommen willkürlich. Implizit läuft dies bei einemdurchschnittlichen jährlichen Wachstum des nominalen BIP von 3% langfristig auf eine gesamtstaatliche Schuldenstandsquote von 11,7 % hinaus. … . Stattdessen muss befürchtet werden, dass den Kapitalmärkten aufgrund der Schuldenbremse bei dem angestrebten geringen Volumen der bislang sichersten Anlageform ein wichtiger Stabilitätsanker und eine wichtige Orientierungsmarke verloren gehen wird. In welche Anlageform und in welche Länder in Zukunft die traditionell hohe Überschussersparnis des deutschen privaten Sektors und damit unter anderem die private Altersvorsorge fließen soll, ist unklar; die Finanzmärkte dürften langfristig dadurch deutlich instabiler werden.”

Ja, wo geht sie dann wohl hin, unsere Überschussersparnis? Also mein Vorschlag wäre im Rahmen einer Transferunion nach Griechenland, aber davon bin ich auch nicht wirklich überzeugt. Hans-Werner Sinn hat da auch Bedenken, so hat man mir erzählt. Aber ganz sicher wird es in dieser Welt der Leinewebers immer einen Ausgleich zwischen Investition und Ersparnis geben. Wie von Zauberhand und mathematisch genauso plausibel, wie die Überlegungen der Ratingagenturen, warum denn die CDOs ein Triple A verdient hatten. Ja so ist der Kapitalismus, wenn man sich die Wirklichkeit anschaut. Aber bei Leineweber ist das ganz anders. Das wird nie mehr passieren, dass wir dann anstatt in Staatsanleihen in irgendwelche hippen Papiere investieren, die vor 2007 noch nicht einmal Hans-Werner Sinn verstanden hatte. Sie werden nur eine hohe Rendite bringen, aber dafür einen volkswirtschaftlichen Nutzen (Baubooms!!!), und von tausenden Ökonomen als absolut sicher deklariert werden. Ich denke, isländische Banken oder amerikanische Häuslebauer wären eine tolle Sache, damit diese Welt mancher Ökonomen auch tatsächlich funktioniert. So leben wir auch nicht mehr über unsere Verhältnisse – und können uns dafür um 100 € mehr für Erzieherinnen in Kitas streiten.

Aber wir können gerne die Schuldenbremse machen und einen Teil des Kapitalmarktes abschaffen: Also die Steuern erhöhen oder die Investitionen absenken. Und den Erzieherinnen erläutern, warum sie auf die 100 € verzichten müssen. Unsere Überersparnis bunkern wir dann in Onkel Dagoberts Geldspeicher. Irgendwie erinnert mich dieses “Wirtschaftsmodell” mancher Ökonomen immer an den Onkel von Donald Duck. Also, Herr Leineweber, auf nach Entenhausen. Von München sollte das schnell zu erreichen sein.”

update

Ein schöner Kommentar von Eclair zu dem Thema, auf dem er gerade im Herdentrieb hingewiesen hat.

Interessanter Hinweis von Olaf Storbeck auf einen Beitrag von Olaf Sievert zur Target 2 Debatte mit Hans-Werner Sinn.

{ 56 comments… read them below or add one }

Stephan März 7, 2012 um 10:16

Sehr schöner Kommentar. Hut ab!

Erinnert mich an Australien. Die australische Regierung hat jahrelang Haushaltsüberschüsse produziert. Das Resultat? Die Deutsche Bank und andere Institute machten sich Sorgen, dass es bald keine AUS Bonds mehr gibt und belagerten das australische Treasury mit Tagungen und Arbeitspapieren warum mehr Schulden her müssen.

Frankie Bernankie März 7, 2012 um 10:22

Seit es keine Grosskriege mit ordentlich Schulden- und Guthabenvernichtung mehr gibt, wachsen diese beiden Grössen immer weiter an.

Darauf ist die Neoklassik in ihrer Gleichgewichtsmanie weder intellektuell noch methodisch vorbereitet, deshalb diese hysterische Reaktion.

( In D hatten wir letztes Jahr einen kleinen Krieg, der hiess Energiewende; dabei wurden 8 Kernkraftwerke vernichtet, was ein nicht zu unterschätzendes Investitionspotential für erneuerbare Energien birgt.
Immerhin besser wie spanische Trabantenstädte, die keiner braucht, oder andere “Wert”papiere aus der Zirkulationssphäre ).

Horst Schmidt März 7, 2012 um 10:35

Nun seit Ende des Kalten Krieges und der Nichtauszahlung der versprochenen, so genannten Friedensdividende haben die USA eigentlich dieses Problem einer “feindlosen” Welt einigermaßen “erfolgreich” gelöst. Irak stand doch sofort zur Verfügung, Afghanistan kam wie gerufen, nur mit Iran will, wird und kann es nicht klappen.

Doch nun tun sich neue Problem auf. Die Feinde gehen aus und die echten, nachhaltigen Siege stellen sich nicht mehr ein. Man kommt zu schnell außer Atem. Die Besiegten sind nicht mehr so unterwürfig, wie z.b. ,aber lassen wir das. Also die Kosten/Nutzen-Rechnung stimmt nicht mehr.
Also guter Rat wird teuer! Ohne richtigen Krieg geht nichts.

BB März 7, 2012 um 10:54

@Stefan

“Die Deutsche Bank und andere Institute machten sich Sorgen, dass es bald keine AUS Bonds mehr gibt und belagerten das australische Treasury mit Tagungen und Arbeitspapieren warum mehr Schulden her müssen.”

Ist doch gut, wenn sich Deutsche Banke und andere Wegelagerer Sorgen machen müssen. Dann weiß man doch sofort, man ist auf dem richtigen Weg.

http://www.amazon.de/Schuldenfrei-Langenfeld-Amtsschimmeln-Erfolgsformel-st%C3%A4dtischer/dp/3709302269

Schon tragisch, wenn sich die Linke oder die, die sich dafür halten, ausschließlich Gedanken über Schuldenbremsen macht.

Das Programm der Linken muss lauten:

- Steuererhöhung für Reiche und Unternehmen. Schumi soll in der Schweiz Rennen fahren und nur dort, wenn er dort sein Einkommen versteuert”,

- Binnenmarkt statt Export und

- Beteiligung der Arbeitnehmer an der Produktivitätsentwicklung.

Das Thema Schuldenbremse ist ein Looser-Thema und zwar zu Recht, auch wenn es dem eingefleischten Keynesianer das Herz zerreißt.

f.luebberding f.luebberding März 7, 2012 um 11:06

BB

Es geht im Kapitalismus nicht in erster Linie um Umverteilung, sondern um das, was Wermuth gerade in zwei Sätzen formulierte:

“Im Übrigen kann man grundsätzlich nur dann sparen, wenn andere im gleichen Umfang Schulden machen. Man will ja Zinsen bekommen – und das geht nur, wenn geliehenes Geld profitabel investiert wird.”

Die Schuldenbremse ist ein ideologisches Konstrukt zur Umverteilung von Einkommen – und zwar weg vom Staat zu den den privaten Haushalten mit hohen Ersparnissen. Die Investitionen sollen dann über den Markt erfolgen. Das geht in unserem System nur über die Finanzmärkte – und nicht anders. Natürlich sind dann die nächsten Krisen vorprogrammiert, weil die Annahmen dieser Ökonomen nicht von dieser Welt sind. Es muss immer jemand Schulden machen, wenn es nicht der Staat ist, dann jemand anders. Natürlich kann aber der Staat seine Kreditaufnahme durch Steuerpolitik beschränken.

Linus März 7, 2012 um 11:06

@fl:
Da geht es also um die Seriosität einer ominösen Zahl von 0,35% in der Schuldenbremse.
Der folgende Kommentar aus dem Herdentrieb-Thread bringt den Schwachsinn dieser Debatte auf den Punkt:

“20. [...]
Ein Land, das als ganzes Überschüsse erwirtschaftet, kann selbstverständlich mehr ausgeben, nur weil unsere Regierung so doof ist, auf Steuereinnahmen zu verzichten tun wir’s nicht.

It’s that simple.”

DAS ist die passende Antwort zu dieser esotherischen, handwerklich gruseligen und verlogenen Vogelflug-Deutung irgendwelcher “reputierter” Ökonomen.
Zeig den Leuten, was sie sind, nämlich Scharlatane, anstatt immer aufs Neue über ihre Stöckchen zu springen.

Eagon März 7, 2012 um 11:11

“Warum sind aber die Zinsen so niedrig? Weil die Ersparnisse steigen und die Investitionen fallen”

http://acemaxx-analytics-dispinar.blogspot.com/2012/03/sparen-behindert-das-investieren.html

Kann Sparen das Investieren behindern?

Die Deflation kommt!

f.luebberding f.luebberding März 7, 2012 um 11:13

Linus

Siehe BB. Wir sind in keiner Tauschwirtschaft. Es geht volkswirtschaftlich gesehen erst einmal immer um Investitionen – und nichts anderes. Natürlich spielen Verteilungsfragen auch eine Rolle. Das ist hier oft genug deutlich gemacht worden. Truger/Will zeigen ja die desolate Investitionsquote des Staates in den vergangenen Jahren.

Frankie Bernankie März 7, 2012 um 11:16

@Linus

“Ein Land, das als ganzes Überschüsse erwirtschaftet, kann selbstverständlich mehr ausgeben, nur weil unsere Regierung so doof ist, auf Steuereinnahmen zu verzichten tun wir’s nicht.”

Im Prinzip richtig,keine Frage.
Allerdings ist das Gesagte nur halb so griffig , wie es sich zunächst anhört – am Stammtisch ( und im Boulevard ) scheitert man damit kläglich.

Mit der Aussage “Schuldenbremse ist schlecht” allerdings auch.

Wo sind die Wortsetzer, die Begriffsheiligen, die Parolenschmiede, die diesen Sachverhalt ( Bescheuertheit der Schuldenbremse )
plausibel und elegant darstellen können?

f.luebberding f.luebberding März 7, 2012 um 11:23

“Mit der Aussage “Schuldenbremse ist schlecht” allerdings auch.”

Es geht nicht um den Stammtisch, sondern wie sich die Abgeordneten im Deutschen Bundestag entscheiden. Wenn diese allerdings meinen, dass der Stammtisch das zu entscheiden hat, haben wir ein Problem … . Am Ende wird aber vor allem Frau Merkel ein Problem haben, wenn sie in Deutschland ein Modell nicht durchsetzen kann, das sie den Europäer aufgezwungen hat. Das wird auch der Stammtisch registrieren.

Linus März 7, 2012 um 11:25

@fl:
“Wir sind in keiner Tauschwirtschaft.”

Wir sind in einer Volkswirtschaft, und da wirkt die Saldenmechanik zwischen den verschiedenen Sektoren. Punkt!

BB März 7, 2012 um 11:26

Ich will auch noch auf diesen Artikel verweisen, weil der sehr schön zeigt, wie der Langenfelder Bürgemeister Schuldenfreiheit erreicht hat:

http://diepresse.com/home/wirtschaft/international/485192/Eine-Stadt-spart-sich-schuldenfrei

Er hat nämlich nicht privatisiert, wie das vielleicht Bertelsmann vorschlagen würde. Er sagt:

“Das Mantra „Mehr privat, weniger Staat“ stimme eben nicht immer. Seine Rechnung ist einfach: „Wir verrechnen keine Umsatzsteuer und dürfen keine Gewinne machen. In Summe sind das 30 Prozent Aufschlag, die ein privater Anbieter mehr kalkulieren muss. Und mir kann doch keiner einreden, dass meine Leute um 30 Prozent unproduktiver arbeiten.“”

Sehr schöne Einstellung. Will sagen, das Problem “Schulden machen” muss man immer von zwei Seiten sehen:

Die erste Seite ist, dass man vieles vorfinanzieren muss, z.B. Autobahnen. Das rentiert sich dann nach einigen Jahren, z.B. wenn sich wegen der guten Infrastruktur dann Unternehmen ansiedeln und Steuern zahlen. Verzichtet der Staat dann aber auf eine ausreichende Steuer, geht er natürlich pleite. Da hat @Linus recht:

“….nur weil unsere Regierung so doof ist, auf Steuereinnahmen zu verzichten tun wir’s nicht”

Die andere Seite ist, dass halt unglaublich viel verschwendet wird (Korruption, Ineffizienz, … Beispiel Griechenland, aber auch bei uns gibt es viele viele Beispiele). Und wer da mit der abstrakten Argumentation arbeitet, Schulden seien was supi Gutes und Maßnahmen zu ihrer Begrenzung grundsätzlich Teufelszeug, der argumentiert genauso ideologisch, wie er es Sinn et. al. vorwirft.

Eine Schuldenbremse ist halt eine Rahmensetzung, die man pragmatisch einführen kann. Ich denke, innerhalb der Schuldenbremse gibt es immer noch genügend Spielraum für Keynesianische Politik. Ich persönlich würde sie nicht in die Verfassung schreiben aus anderen Gründen, weil sie da systemisch nichts verloren hat. Aber als Rahmensetzung halte ich sie für sinnvoll, wenn man auf der anderen Seite Steuererhöhungen vornimmt.

Letzteres hat der Bürgermeister von Langenfeld auch gemacht, wie in dem Artikel dargestellt ist.

Morph März 7, 2012 um 11:39

Bastarhetorik überzeugt immer nur den Redner selbst, sonst niemanden. @BB hat völlig Recht. Niemand zahlt gern Steuern, alle sehen das bestenfalls als notwendiges Übel. Möglichst wenig Schulden machen, das leuchtet unmittelbar ein.

Das das Ganze nur aus der Individualperspektive stimmt, nicht aber aus der Kollektivperspektive, ist UNGLAUBLICH schwer zu vermitteln, nahezu aussichtslos, würde ich sagen. Die zaghaften Kampagnen für Vermögensabgaben und Reichensteuern (die sogar von den Vermögenden selbst kamen!) sind sang- und klanglos untergegangen. Oder habe ich da was verpasst?

Ich stelle mir vor, dass eine mehrheitliche Überzeugung von den Möglichkeiten, die Einkommensverteilung zum Wohle ALLER besser steuern zu können, nur durch eine große Kollektivüberzeugung vom Sinn des Gemeinwesens getragen weren könnte. Und damit sieht es in Deutschland schlecht und in Europa noch schlechter aus.

Meine Hoffnungen richten sich auf Rohstoffengpässe, auf die für eine Mehrheit unabweisbare Evidenz, dass wir “mit den Beständen rechnen müssen” (G. Benn). Solange cheap energy die Produktion exponenziell anheizt, wird die Einkommensschere immer weiter aufgehen, bin ich fest von überzeugt.

f.luebberding f.luebberding März 7, 2012 um 11:52

BB

Es geht nicht darum, ob es Grenzen für Staatsverschuldung gibt, sondern welche Funktion Schulden in unserem Wirtschaftssystem haben. Bei privaten Investoren messen die sich an der Profitabilität, die die Kreditaufnahme mit den dadurch ausgelösten Investitionen dem Schuldner bringt. Der Staat investiert aber nicht wegen der Profitabilität – welchen Profit bringen Kitas? – , sondern an dem volkswirtschaftlichen Nutzen durch den Ausbau von Infrastruktur. Er muss am Ende natürlich ebenfalls Zinsen für diese Investitionen bezahlen. Der Staat hat natürlich das Privileg, dass er selber die Höhe seiner Einnahmen bestimmen kann. Und selbstredend wird man an Grenzen geraten, wenn der Staat auf Einnahmen verzichtet – und sich stattdessen in die Kreditaufnahme flüchtet. Dann kann man am Ende nur noch darüber nachdenken, wie man denn aus Kitas profitable Investments macht, die private Investoren interessieren können. Das hat man in den vergangenen Jahrzehnten durchaus versucht: Die Erfolge dieser Politik halten sich in Grenzen.

Balken März 7, 2012 um 11:54

Unvoreingenommen lesen (Unvoreingenommenheit ist natürlich schwierig herzustellen, ein jeder “weiß” ja immer schon, was er “weiß”, das ist einfach menschlich): http://www2.alternative-wirtschaftspolitik.de/uploads/memorandum_2011_kurzfassung.pdf
Für mich ist bemerkenswert, dass zu den leidenschaftslos-objektiven Kritikern des “Bereichert euch!”-Befehls der VWL-er der letzten 30 Jahre (die allerdings Volkswirtschaften als wie eine kleine Klempnerfirma – ganz mikroökonomisch – führbar darstellen) ein gaaanz konservativer Jesuit gehört, Friedhelm Hengsbach.

BB März 7, 2012 um 12:01

@fl/7

“Die Schuldenbremse ist ein ideologisches Konstrukt zur Umverteilung von Einkommen – und zwar weg vom Staat zu den den privaten Haushalten mit hohen Ersparnissen”

Für mich sind Schulden, wie sie in den letzten 3 Jahrzehnten von Staaten aufgebaut wurde, auch ein Mechanismus für die Umverteilung von Einkommen. Weil: Mit den Schulden wurden auch Steuersenkungen finanziert und das ist Umverteilung!

@fl/7

“Es geht im Kapitalismus nicht in erster Linie um Umverteilung,”

Das wäre mir jetzt neu!

Linus März 7, 2012 um 12:03

@Morph, @Frankie:
Das stimmt schon. Die größte Klippe in der Geschichte ist immer noch des Menschen eigene Blindheit. Aber das wird man ja mal aussprechen dürfen. Und gerade bei den “Fachleuten”, die sich diese Lügen ausdenken, sollte man es tun. Da sollte man eigentlich erwarten, daß sie auch makroökonomisch denken können.

Was die Verbreitung solcher Einsichten anbetrifft, hat Frankie natürlich recht. Wie formuliert man das, damit es “attraktiv” für die gesellschaftliche Entwicklung wird? Wohlgemerkt: Es geht nicht darum, irgendeine Doktrin in die Welt zu setzen, sondern einen Blödsinn gedanklich vorwegzunehmen und ihn sich damit zu ersparen.

BB März 7, 2012 um 12:03

@fl März 7, 2012 um 11:52

“Es geht nicht darum, ob es Grenzen für Staatsverschuldung gibt, ….”

100% d’accord auch was den Rest des Kommentars betrifft. Worum streiten wir uns jetzt eigentlich? :-)

Nanuk März 7, 2012 um 12:11

unsere Gesellschaft ist so weit nach rechts gerutscht das die Christliche Soziallehre aussieht wie Sozialistische untriebe ;) mehr als das hat die Linke auch nicht im Programm btw…

Jackle März 7, 2012 um 12:12

Die Schuldenaufnahme des Staates ermöglicht der restlichen Gesellschaft doch gerade, dass zum einen die Sparpläne derjenigen, die jede Periode 10-90% ihres Einkommens sparen möchten/können, überhaupt machbar werden und zum anderen, dass ein größerer Anteil der Unternehmen die erwarteten Gewinnen einfahren können.
In Deutschland kommt mit seiner Zahlungsbilanz noch dazu, dass die Schuldenaufnahme des Auslands Deutschland bei der Suche hilft.
Scheidet der Staat als Schuldner aus, wird es für die restlichen Sektoren der Gesellschaft umso schwerer ihre Anlagemöglichkeiten und Gewinne zu finden/erreichen. Das wiederum führt zu höherem Risiko und mehr Pleiten. Ein Mischung, die uns dann die große, wirkliche Krise, den totalen Crash, beschert, welche seit 2007 fortwährend aufgeschoben wird.
Noch besteht theoretisch die Möglichkeit dem entgegenzuwirken. Nur bleibt die Politik in ihren Bildern der Vergangenheit stecken und wird mit ihrem Schutz der Gläubiger und Instituten, die diesen ihre Guthaben garantieren, letztendlich genau dafür sorgen, was sie vorgeben zu verhindern.
Der Unterschied zwischen einer gezielten Problemlösung, also einem New Deal mit hohen Vermögens/Einkommenssteuern, und dem wirklichen Crash der gesamtwirtschaftlichen Guthaben/Schulden Türme ist Chaos. Wo der bürgerliche Stammtisch, der jetzt Schuldenbremsen und Guthabensicherung unterstützt, dann hin marschieren wird, ist nicht vorher zu sehen. Es beschleicht einen aber ein mehr als ungutes Gefühl.

Die Politik der Rettung, Guthabensicherung und Schuldenbremse führt unweigerlich in die Katastrophe, weil man aus ideologischer Verblendung die ursächlichen Probleme nicht angehen möchte! It’s that simple!

Es ist ja durchaus verständlich, dass die Politik und der Stammtisch nicht von heute auf morgen sinnvoll über ihr eigenes Überleben nachzudenken vermag und es scheint völlig illusorisch, dass die noch auf den Trichter kommen. Das Ergebnis dieser Idiotie steht dann aber auch schon fest.

f.luebberding f.luebberding März 7, 2012 um 12:15

“Ich stelle mir vor, dass eine mehrheitliche Überzeugung von den Möglichkeiten, die Einkommensverteilung zum Wohle ALLER besser steuern zu können, nur durch eine große Kollektivüberzeugung vom Sinn des Gemeinwesens getragen weren könnte. Und damit sieht es in Deutschland schlecht und in Europa noch schlechter aus.”

Ein wichtiger Punkt. Man muss einfach beginnen, eine kohärente Geschichte zu erzählen. Genau diese Gelegenheit gibt es jetzt in der absehbaren Debatte um den Fiskalpakt.

Nanuk März 7, 2012 um 12:29

Ich hab vor ein paar Jahren ne Phoenixrunde gesehen da hat so eine Neoliberale Dumpfbacke behauptet Thomas von Aquin sei doch ein Sozialist…

Schatten des Biests März 7, 2012 um 12:54

Staatsverschuldung ist also prinzipiell eine gute Sache, weil sie die “bislang sicherste Anlageform, ein wichtiger Stabilitätsanker und eine wichtige Orientierungsmarke” (@luebberding) ist?

Ja eben nicht! Das ist ja gerade der Punkt!

Politiker, die über die Einnahmen durch Staatsverschuldung verfügen, sind Spezialisten der Macht und des Machterhaltes – und eben nicht der Wirtschaft.

Staatsschulden sind keine “sichere Anlageform”, sondern eine Wette darauf, dass die Hansels in den Parlamenten profitabel wirtschaften, damit die Zinsen irgendwie bezahlt werden können. Nur das ist ja gerade nicht deren Anliegen, sondern sie wollen wiedergewählt werden.

Staatsschulden sind auch kein “wichtiger Stabilitätsanker”, sondern Mittel, die der freien Wirtschaft entzogen werden. Das kann eine gute Sache sein, insbesondere, wenn die Mittel da eingesetzt werden, wo der Markt naturgemäß versagen muss, etwa im Bereich natürlicher Monopole, die insbesondere den Verkehr prägen, Netze überhaupt. Aber ein “Stabilitätsanker” ist ja etwas anderes: Anscheinend sollen Staatsschulden hier als benchmark risikoloser Anlagen herhalten – Die gibt es aber nicht!

Und das Argument, dass der arme Anleger, wenn ihm ihm immer weniger Staatsschulden verbleiben, in dubiose Finanzanlagen ausweichen muss, ist nun völlig hahnebüchen! Auch ohne Lehman-Zertifikate wird es immer noch die Maschmeyers geben. Vielleicht sollte man, wenn man zuviel Geld hat, die Zeitschrift Finanztest abonnieren und sich selbst informieren, ansonsten bleibt immer noch, einen Baum zu pflanzen, ein Haus zu bauen und in eigene Kinder zu investieren.

Horst Schmidt März 7, 2012 um 12:59
f.luebberding f.luebberding März 7, 2012 um 13:07

Auch ohne Lehman-Zertifikate wird es immer noch die Maschmeyers geben.

Genau.

Linus März 7, 2012 um 13:13

@fl:
Nur kurz zur Rekapitulation:
Durch das Sparen wird dem Wirtschaftskreislauf Geld entzogen. Dieses muß reponiert werden, ansonsten droht Deflation. In der aktuellen Situation kommt, einerseits wegen mangelnder lohnender Investitionsmöglichkeiten, andererseits wegen schlichter Mittellosigkeit (da haben wir das Verteilungsproblem), nur der Staat als “Geldgeber” in Betracht. Er MUSS Geld auf den Markt werfen. Dazu hat er zwei Möglichkeiten:
- Steuern
- Schulden
Der Unterschied zwischen beiden liegt in den Zinsen. Wird die Zinslast zu hoch – und das ist wohl fraglos der Fall -, bleiben nur noch Steuern. Der Staat hat NICHT die Freiheit, sich einfach als Geldgeber zurückzuziehen, da sonst Deflation droht.
Soweit in groben Zügen der saldentechnische Zusammenhang.

“Der Staat investiert aber nicht wegen der Profitabilität”
Richtig! Er hat eine andere Metrik. Die kann und muß(!) sich nur an den realen Bedürfnissen und Ressourcen(!) orientieren. Brauchen wir Kitas? Ja! Sind sie ressourcen-technisch durch die Gesellschaft zu stemmen? Ja! Hat der Staat das Geld dazu? Nein! Nein? Dann generiert es, durch Schulden oder Steuern.

Alles in Allem ist diese Realgüter-Ökonomie keine leichte Kunst. Sie muß die real verfügbaren Ressourcen realistisch einschätzen und Güterabwägung betreiben. Das ist weitaus schwieriger, als nur mit “Geld”-Zahlen zu rechnen. Aber nochmal: Es geht nicht um Geld – das läßt sich endlos produzieren -, es geht um real zur Verfügung stehende Ressourcen.

Schaut man sich einerseits den zunehmenden Verfall der öffentlichen Infrastruktur an und gleichzeitig das freistehende Arbeits- und Produktionspotential an, dann ist klar wo die Output-Lücke zu verorten ist. Sie ist schließbar durch staatliche Investitionen, die durch Schulden oder eben Steuern finanziert werden (übrigens nicht durch Zwangsarbeit).

Der ganze Irrsinn resultiert aus dem Dogma, daß ein Staat ‘finanzierbar’ sein müsse. Das ist ein kapitaler Denkfehler. Der Staat steht stößt dort an seine Grenzen, wo er seine realen Ressourcen ausgeschöpft hat, nicht wegen des Geldes. Dieser Sachverhalt erklärt, wie die Staaten die unglaublichen ökonomischen Belastungen des 2.Weltkriegs bewältigen konnten. Hoffentlich sind wir diesmal schlauer und schaffen es, uns diese simple Tatsache ohne Krieg vor Augen zu führen.

Noch eine kleine Richtigstellung. Das Dogma der Finanzierbarkeit ist kein Denkfehler, nein, es ist eine Lüge, um die Besitzstände der Rentiers zu sichern.

Tut mir leid, daß der Post so ‘radikal’ ausfällt.

f.luebberding f.luebberding März 7, 2012 um 13:26
snozin März 7, 2012 um 13:45

@ Frank Lübberding

Nichts liegt doch klarer auf der Hand, als dass mit immer mehr Ersparnissen aus Ersparnissen der Anlagenotstand forciert wird.
(Gelang es mir einigermaßen, das Unwort zu vermeiden?)

Ich zitiere nun aus “Eine Schuldenbremse für Entenhausen”:

“Aber ganz sicher wird es in dieser Welt der Leinewebers immer einen Ausgleich zwischen Investition und Ersparnis geben. Wie von Zauberhand und mathematisch genauso plausibel, wie die Überlegungen der Ratingagenturen, warum denn die CDOs ein Triple A verdient hatten.”

Und frage: Ist es nicht an der Zeit, Auseinandersetzungen mit dem Tümpel, pardon, mit der Welt der Leinewebers als Verschwendung zu sehen?

f.luebberding f.luebberding März 7, 2012 um 14:08

Das ist nicht ganz auszuschließen. Nur sollten Widersprüche schon noch deutlich werden. Das macht gerade Münchau:

“Sinn und Wollmershäuser haben die Entdeckung gemacht, dass Deutschland mittlerweile auf Forderungen von über einer halben Billion Euro sitzt. Wenn der Euroraum im Streit auseinanderbrechen sollte, dann wird es sehr schwer sein, diese Forderungen wieder einzutreiben. Sinn fordert nun, dass man die Finanzierungsmöglichkeiten via Target indirekt eindämmt. Er fordert eine besicherte Anleihe der Euro-Mitgliedsländer, mit der sie für ihre Target-2-Salden gerade stehen sollen. Das hört sich harmloser an, als es ist. Mal angenommen, Spanien würde seine Schulden Immobilien als Sicherheit hinterlegen. Denn käme Deutschland für den Fall, dass die Währungsunion auseinanderbricht, plötzlich in den Genuss eines großen Teils des gesamten spanischen Immobilienmarktes – und müsste diese Immobilien dann weiterverkaufen, um die Target-Schulden einzutreiben.

Mir ist nicht ganz klar, wie das funktionieren soll, weder politisch noch ökonomisch. Der Vorschlag, die Target-2-Salden zu besichern, ist absurd.”

Das gilt in gleicher Weise für die Logik des Fiskalpakts, wie ihn sich die Konservativen um Merkel und Sarkozy vorstellen.

Dipfele März 7, 2012 um 15:01
Stefan Wehmeier März 7, 2012 um 15:35

“Häufig wird die Volkswirtschaft mit einem verschuldeten Einzelhaushalt verglichen, der durch Sparmaßnahmen seine Kredite verringert. Dies ist zwar für Einzelelemente einer Volkswirtschaft möglich, jedoch nicht in der Gesamtbilanz aller Teilnehmer. In der gesamten Volkswirtschaft muss die Summe der Geldvermögen immer gleich groß sein wie die Gesamtverschuldung, da Vermögen auf der einen Seite Schulden auf der anderen Seite bedeuten. In unserem Geldsystem steigen die Geldvermögen durch die Verzinsung an, weshalb die Verschuldung um den gleichen Betrag wachsen muss. Es ist unmöglich, die Verschuldung abzubauen und die Geldvermögen anwachsen zu lassen. Ein Rückgang der Kreditaufnahme würde zu einem fallenden Zinssatz führen, weil sich der Zins aus Angebot und Nachfrage nach Krediten bildet. Fällt nun der Zinssatz unter eine Mindesthöhe (Liquiditätsgrenze), kommt es zu einer Deflation, also einem Rückzug des Geldes, weil niemand bereit wäre, überhaupt noch Kapital ohne Mindestverzinsung zu verleihen. Die Folgen wären Massenarbeitslosigkeit, Verarmung der Bevölkerung, Hunger und Bürgerkrieg. Die Neuverschuldung dient letztlich dazu, den Zinssatz auf genügender Höhe zu halten, um ein Abgleiten der Volkswirtschaft in die Deflation zu verhindern. Aus diesem Grund ist die Gesamtverschuldung, seit Bestehen der Bundesrepublik, noch nie ohne Reduzierung der Geldvermögen zurückgegangen. Wenn sich die Unternehmen nicht ausreichend verschuldeten, musste der Staat eingreifen und die schnell wachsenden Geldvermögen als entsprechende Kredite nehmen. Weder Sparmaßnahmen der Unternehmen und des Staates noch der Wunsch nach Politikern mit Sparsinn können diesen Verschuldungszwang unterbrechen.”

Günter Hannich (“Der Weg in den Dritten Weltkrieg”, 2006)

Das Phänomen, etwas im Grunde so Einfaches wie das Geld bis heute nicht verstanden zu haben, nennt sich Religion:

http://www.deweles.de/willkommen/cancel-program-genesis.html

Eagon März 7, 2012 um 15:44

Münchau behauptet spanische Banken finanzieren weiter PRIVATE Investitionen oder Kosum, von überschuldeten Firmen oder Verbrauchern, über den Umweg der spanischen Zentralbank.

Es gibt keine spanische Bankenaufsicht?

Eigenkapitalvorschriften?

Bewertung von Aktiva?

Entenhausen läßt grüßen.

Wohin sind 62% der deutschen Ersparnisse im 3. Quartal 2011 , meine letzten Zahlen, denn hin?

Gibt es deutsche Firmen mit angeschlossenen Banken?

HAT DA SCHON MAL JEMAND HINGESEHEN?

someone März 7, 2012 um 15:55

Das Problem ist doch wohl eher, dass das Zins-Wachstumsdifferential 30 Jahre lang die Verschuldung (ob nun öffentlich oder privat) anschwellen ließ, dabei die Ausweitung der Einkommensschere unterstützte und den Grenzwert der Sachinvestitionen drückte. Oder warum sitzen sonst die ganzen Unternehmen auf Bergen von Geld, das sie auf den Bermudas und sonstwo horten?

Frankie Bernankie März 7, 2012 um 16:24

@Dipfele

“Wo sind die Wortsetzer …”

Ah, sehr schön. Danke.

Geht doch…der Flassbeck halt, der hats drauf.
Der war doch auch Berater vom Lafontaine, der in seinem kurzem Intermezzo 1998 als Finanzminister als einziger vor der Finanzindustrie warnte…10 Jahre zu früh offensichtlich, mit Schimpf und Schande ist er vom Hof gejagt worden.

Ich bin wirklich kein Freund der Linken ( und vom Oskar schon gar nicht ), aber manchmal würde mich schon interessieren, was er sich denkt, jetzt , wo genau das eingetreten ist, was er ( bzw. Flassbeck ) vorhergesagt hat bez. der Finanzmärkte und deren notwendiger Regulierung.

BB März 7, 2012 um 16:28

Genau auch meine Meinung. Und für die Keynesinaer kann der Zins ja gar nicht niedrig genug sein.

BB März 7, 2012 um 16:36

Und das Problem, dass Anlagen heute nichts mehr abwerfen (Pensionsfonds, Lebensversicherungen, private Krankenkassen, …) jetzt der Schuldenbremse in die Schuhe zu schieben, … abwegig. Die einzige Anlageform, die zur Zeit noch gute Renditen abwirft, sind ?….. Griechenlandanleihen. Wie pervers!

Und ich sagte schon vor Jahren bei Wgnx. Sie werden die Zinsen, nie, nie, nie mehr wieder anheben können. Weil dann viele Staaten sofort pleite gehen. Stock-State. Das System ist am Ende. Finito. Die Frage ist nur, ob der Untergang lang und qualvoll für die meisten sein wird oder plötzlich kommt.

BB März 7, 2012 um 16:41

“Schaut man sich einerseits den zunehmenden Verfall der öffentlichen Infrastruktur an und gleichzeitig das freistehende Arbeits- und Produktionspotential an, dann ist klar wo die Output-Lücke zu verorten ist. ”

Das größte Wachstumspotential liegt in den entwickelten Industriestaaten in kollektiv organisierten solidarischen Systemen, die nach dem Umlagesystem finanziert werden und nicht mit Schuldenaufnahme.

BB März 7, 2012 um 16:45

Keynesianismus ist wie ein Fußballspiel auf einer umgedrehten Untertasse. Ist der Ball einmal ins Aus geschossen, ist das Spiel zu Ende.

someone März 7, 2012 um 16:46

@bb: Wieso so pessimistisch? Man wird jetzt halt einige Jahre/Jahrzehnte den umgekehrten Fall erleben und alles ist eitel Sonnenschein.

Linus März 7, 2012 um 16:55

“Wachstumspotential” und “Umlagesystem”, das beißt sich irgendwie. Wobei keine Frage ist, daß das auf andere Bereiche wachstumsstimulierend wirken kann.

Nanuk März 7, 2012 um 17:34

****Breaking News****

Lübberding gibt sein Parteibuch ab wenn die SPD dem Fiskalpakt zustimmt!

BB März 7, 2012 um 17:45

Mal ganz theoretisch. Das muss sich nicht unbedingt beißen. Allerdings würden viele das wahrscheinlich als Sozialismus bezeichnen. Zur Recht, kann ich auf die schnelle hier nicht beurteilen.

Aber mal angenommen, man könnte die Produktivitätsentwicklung vorausberechnen.

Die beträgt z.Z. bei uns etwa 1,1%. Die ist nicht abhängig von der Konjunktur, sondern vom Erfindergeist, von der kontinuierlichen Verbesserung der Geschäfts- und Produktionsprozesse, etc.

Wenn unsere ökonomischen Schamanen mal ihren Fleiß darin setzen würden, diese Kennzahl zu prognostizieren. Dann bräuchte eine Notenbank nur genau diese Menge Geld zu drucken und in die Umlagesysteme zu pumpen, natürlich ohne Bankem und Zinsen.

Auf diese Weise könnte man dann auch Altenpflege, etc. sinnvoll finanzieren. Denn auch dort gibt es ja so etwas wie Wachstum.

Wie gesagt, nur mal ganz theoretisch.

Eine reale Lösung liegt wahrscheinlich in der Mitte. Steuern sind ja auch nichts anderes als ein Umlagesystem. Die Politik muss halt wieder konsequent die Umlagesysteme fördern, statt Banken zu retten.

f.luebberding f.luebberding März 7, 2012 um 17:48

nanuk

Nur weil Du mich auf Twitter gefragt hast. Die Begründung könnte man gerade bei Hütt lesen:

“Das Dilemma ist nicht mit einem Konjunkturprogramm zweifelhaften Zuschnitts aus der Welt zu schaffen. Denn der Fiskalpakt ist nicht der Schlussstein einer europäischen Fiskalunion. Er ist das ideologische Konstrukt einer konservativen Allianz, die unter dem Deckmantel politischer Alternativlosigkeit ein Regime auf den Weg bringt, das am Ende der Strecke nicht nur die Budgethoheit der nationalen Parlamente aushebelt, sondern die sozialstaatlichen Grundlagen der westeuropäischen Länder insgesamt zur Disposition stellt.”

Carlos Manoso März 7, 2012 um 18:02

@ Stefan Wehmeier März 7, 2012 um 15:35
„Das Phänomen, etwas im Grunde so Einfaches wie das Geld bis heute nicht verstanden zu haben, nennt sich Religion:“

Der marxistische Philosoph Walter Benjamin hat schon 1921 sehr hellsichtig den Kapitalismus als nicht entsühnen könnende Religion von Schuldbewußtsein beschrieben:

„Der Kapitalismus ist vermutlich der erste Fall eines nicht entsühnenden, sondern verschuldenden Kultus. Hierin steht dieses Religionssystem im Sturz einer ungeheuren Bewegung. Ein ungeheures Schuldbewußtsein das sich nicht zu entsühnen weiß, greift zum Kultus, um in ihm diese Schuld nicht zu sühnen, sondern universal zu machen, dem Bewußtsein sie einzuhämmern und endlich und vor allem den Gott selbst in diese Schuld einzubegreifen um endlich ihn selbst an der Entsühnung zu interessieren. Diese ist hier also nicht im Kultus selbst zu erwarten, noch auch in der Reformation dieser Religion, die an etwas Sicheres in ihr sich müßte halten können, noch in der Absage an sie.

Es liegt im Wesen dieser religiösen Bewegung, welche der Kapitalismus ist das Aushalten bis ans Ende bis an die endliche völlige Verschuldung Gottes, den erreichten Weltzustand der Verzweiflung auf die gerade noch gehofft wird. Darin liegt das historisch Unerhörte des Kapitalismus, daß Religion nicht mehr Reform des Seins sondern dessen Zertrümmerung ist.“
http://raumgegenzement.blogsport.de/2009/11/02/walter-benjamin-kapitalismus-als-religion-fragment-1921/

Die Debatten über die „Schuldenbremse“ zeigen, dass das kapitalistische Bewusstsein mittlerweile ernsthaft zu halluzinieren beginnt, dass Menschen über dem Meer wandeln können, wenn sie nur wollen.

Worin besteht der „Wertanker“ des Fiat-Money ? Doch wohl lediglich im halbwegs glaubhaften Versprechen von Nationalstaaten oder Fiskalunionen, auf vorerst halbwegs fiskalisch zivilisierten Wegen genügend Steuereinnahmen aus den Steuerpflichtigen herauspressen zu können, um die Zinsen für die Schulden der Nationalstaaten oder Fiskalunionen gegenüber dem Finanzkapital bedienen zu können.

Daran glaubt das Kapital mittlerweile selbst nicht mehr und das klare Anzeichen für den exponentiell schwindenden Glauben des Kapitals sind diese wirren Diskussionen über Schuldenbremsen und dergleichen. Es ahnt schon dunkel, daß es in in seine Todesspirale eingebogen ist.

Andreas Kreuz März 7, 2012 um 18:50

…manchmal würde mich schon interessieren, was er sich denkt,…

Vermutlich:

“Gegen 95 % Gehirnamputierte kann ich gar nichts machen.”

HAM März 7, 2012 um 19:00

@Carlos Manoso März 7, 2012 um 18:02

Der Kapitalismus ist keine Religion.

Die Parallele zur Religion besteht darin, dass systematisch ein falsches Bewusstsein über die tatsächlichen politischen und ökonomischen Zusammenhänge geschaffen wird.

Kapitalistische Herrschaft, Ausbeutung und Betrug funktionieren nur so lange, wie die Menschen systematisch verdummt werden, und zwar über Massenmedien, über Gemeinschaftskundeunterricht, Internetblogs etc., und zugleich ihnen illusionäre Hoffnungen im politischen System gemacht werden, so als könnten die Massen über Wahl von Parteien und Personen ihre Zukunft positiv beeinflussen: Demokratie als Volksverarschung.

Politiker und Parteien versprechen, wie die SPD 1998 einen „Politikwechsel“, dann werden Lichtgestalten und Retterfiguren, wie z. B. Lafontaine, Obama, der Lügenbaron und jetzt Hollande etc. massenmedial aufgebaut – und blöd wie Leute sind, fallen sie darauf hinein und phantasieren darüber, was sich ändern wird, wenn Hollande gewählt wird.

Würde man diesen Leuten sagen, dass sich nichts ändern, überhaupt nichts, sondern dass es sich nur um demokratisches Politiktheater handelt, würden sie dies nicht glauben.

Die Totalverblödung der Massen hat sich längst gegen Aufklärung immunisiert.

Die totalverblödeten Massen quatschen wie Papageien nur nach, was sie an Informationen bei den Massenmedien, im Gemeinschaftskundeunterricht, in Internetblogs etc. bekommen.

egal März 7, 2012 um 19:06

Kunden, die “Kapitalismus als Religion” gelesen haben, kauften auch:
Franz J. Hinkelammert, Die ideologischen Waffen des Todes – Zur Metaphysik des Kapitalismus

kurms März 7, 2012 um 19:11

****Breaking Rumour****
Nachdem Luebberding die SPD verlassen hat will er den Piraten beitreten.

wepoc März 7, 2012 um 21:40

Er (der Staat) hat eine andere Metrik. Die kann und muß(!) sich nur an den realen Bedürfnissen und Ressourcen(!) orientieren.

Nicht ganz. Die Formel lautet: die Verschuldung ist der Indikator für den Wirtschaftswachstum, die Orientierung an den realen Bedürfnissen und Ressourcen erfolgt allein dadurch. Nur weil dieser Mechanismus ausgefallen ist, wird der Staat zur Intervention gezwungen. Orientiert er sich an den Bedürfnissen, muss er diese über Schulden finanzieren, unterwirft er sich einem dysfunktionalen System, muss er den Gürtel enger schnallen.

Balken März 7, 2012 um 21:57

So wie es kein richtiges Leben im Falschen gibt, so kann es keine Demokratie in einer derart ungleichen Gesellschaft, wie es die unsere ist, geben. Die Ungleichheit lässt sich an den sicherlich nicht übertriebenen Armuts- und Reichtumsberichten der Bundesregierung ablesen. (Wenn ich es micht verschlafen habe, steht übrigens der vierte Bericht, also der der gegenwärtigen Bunderegierung, noch aus!) Die Entpolitisierung (nicht nur einer Unterschicht) ist dem entsprechend weit fortgeschritten. Eine friedliche Umkehr (Rückfahrkarte zum Ahlener Programm?) ist, wenn eine Gesellschaft erst einmal so tief gespalten wurde, nicht mehr denkbar. Sie kann nicht politisch-demokratisch durchgesetzt werden, da ja Demokratie längt nur noch formal vorhanden und die Gesellschaft in Wirklichkeit vollständig vermachtet ist.
Wir brauchen keine Schuldenbremse für Entenhausen, sondern eine Machtbremse.
Umkehr ist in einer solchen Gesellschaft nicht mehr evolutionär, sondern nur noch revolutionär möglich. Der Leidensdruck der Massen muss hoch genug sein. Und der Frust muss sich weit genug “hochgefressen” haben, so dass das machterhaltende Prinzip des Divide et impera außer Kraft gerät. Allerdings kann Revolution auch dann nach dem “Des Kaisers neue Kleider” – Modell ablaufen. So lief sie in der DDR ab – Entmachtung ohne einen Schuss Pulver.

topi März 7, 2012 um 22:22

Was geht denn hier ab?

Da muss man nur mal ein paar Tage weg sein, und schon purzeln die großartigen Beiträge; erst der leider verschüttete Freiheit-Thread, die einzig sinnvolle Art noch über Bundespräsidenten zu bloggen, und jetzt zeigt der gute fl, dass er ein alter Saldenmechaniker ist.

Na wunderbar.

topi März 7, 2012 um 22:41

Linus
“Durch das Sparen wird dem Wirtschaftskreislauf Geld entzogen. Dieses muß reponiert werden, ansonsten droht Deflation. In der aktuellen Situation kommt, einerseits wegen mangelnder lohnender Investitionsmöglichkeiten, andererseits wegen schlichter Mittellosigkeit (da haben wir das Verteilungsproblem), nur der Staat als “Geldgeber” in Betracht.”

Geld gibts aus der dicken Berta, wieviel hättens denn gern?

Das Sozialprodukt besteht aus zwei Seiten, den erstellten Gütern und den erzielten Einkommen.
Offenbar wurde es erzielt, ex post.

Wenn da jetzt einer zwischendrin “spart”, muss ein anderer auf Kredtit kaufen.

Es geht durch “sparen” nicht das Geld aus, siehe Bertha, sondern es steigen die Schulden (und damit sogar die Geldmenge, abhängig von der Abgrenzung).

400% Gesamtverschuldung.

Ninjas kriegen keine Kredite mehr, Geldvermögensbesitzer brauchen keine, Unternehmen schwimmen im Geld und finanzieren sich aus Abschreibungen ohne neue Kredite (Steuerschenkung und Lohndrückung);
Und jetzt dürfen die Staaten auch keine Schulden mehr machen sollen.

Wenn das konsequent umgesetzt würde, gäbe es tatsächlich einen “debitistischen” Zusammenbruch.

Aber die Schuldenbremse liefert ja auch die Lösung.

Es ist kaum denbar, dass man nicht doch in irgendeinem Land auf die Idee kommt, die Geldvermögen heranzuziehen, um die Schuldenbremse einzuhalten. Und natürlich wird sich dieses Land erheblich besser entwickeln als die, die sich mit Verbrauchssteuererhöhung und Staatsbedienstetenentlassung retten wollen.

Und dann ist Sense mit den Großökonomen aus ENtenhausen.

egal März 8, 2012 um 12:59

Nochmal zu Kapitalismus als Religion.

Die Zinsen sind für Dr. Leineweber der Schrecken der Welt. Er sehnt sich nach einer Welt, wo alles harmonisch im Ausgleich ist.

So ist es. Lesen wir parallel:

Das System des öffentlichen Kredits, d.h. der Staatsschulden, dessen Ursprünge wir in Genua und Venedig schon im Mittelalter entdecken, nahm Besitz von ganz Europa während der Manufakturperiode. Das Kolonialsystem mit seinem Seehandel und seinen Handelskriegen diente ihm als Treibhaus. So setzte es sich zuerst in Holland fest. Die Staatsschuld, d.h. die Veräußerung des Staats – ob despotisch, konstitutionell oder republikanisch – drückt der kapitalistischen Ära ihren Stempel auf. Der einzige Teil des sogenannten Nationalreichtums, der wirklich in den Gesamtbesitz der modernen Völker eingeht, ist – ihre Staatsschuld.(243a) Daher ganz konsequent die moderne Doktrin, daß ein Volk um so reicher wird, je tiefer es sich verschuldet. Der öffentliche Kredit wird zum Credo des Kapitals. Und mit dem Entstehen der Staatsverschuldung tritt an die Stelle der Sünde gegen den heiligen Geist, für die keine Verzeihung ist, der Treubruch an der Staatsschuld.

Das Kapital

Die moderne Eiapopeiatheologie kennt keine Erbsünde mehr, keine prinzipielle schuld- und sündhaftigkeit des Menschen. Die gleiche Entwicklung wie das Christentum hat auch die Nationalökonomie durchgemacht. Der asketische Kapitalismus ist tot, und mit ihm die Schuld. Es gibt nur noch Zinsen. Von dieser Gnade, dem Mehrwert, der wie Mana vom Himmel fällt, sollen alle profitieren. Viele VWLer sind Missionare (das, @Natalius, auch das Geheimnis der mönchischen Businessglatze). Kapitalismus ist Religion. Anders wäre die Nichtwahrnehmung der offensichtlichen Widersprüche doch gar nicht zu erklären.

volkswirt März 8, 2012 um 16:57

@ lübberding
der “Fiskalpakt” riecht nach Ermächtigungsgesetz.
Also liebe Sozis: nicht zustimmen!

Blogerkeule März 8, 2012 um 17:40

Die Moral

Wenn heute die individuellen Gläubiger frei entscheiden, wie die Schulden behandelt werden und eine Deckung durch die soziale Gemeinschaft der Steuerzahler (Rettungsschirm) ausfallen sollte, wäre die Macht des Marktes wieder auf das Parkett zurückgekehrt.
Der Mythos eines Moral Hazard für demnächst beendet.

Merkel und Schäuble würden auf einer 2. Pressekonferenz die Verantwortung dieser Volkswirtschaftpolitik übernehmen müssen.

http://www.handelsblatt.com/

Enteignungsuhr !

Erinnern wir uns an die stammelnden Worte der Rettung der Konten, Banken im Herbst 2008 auf der 1. Pressekonferenz Merkel, Steinbrück.

Die Welt wird nicht untergehen – Ehrlichkeit zum Maßstab.

Nächste Spielrunde please – faites vos jeux .

3. Pressekonferenz Merkel, Gabriel? 2014
Schauen wir auf die Schuldenverwaltungen der PI (G) S für die kommenden Jahre und basteln uns einen Finanzplan.

bart März 8, 2012 um 17:42

Das erscheint mir genau der Ansatz des “NGDP targeting”, also das Verwenden eines Ziels für das nominale Inlandsprodukt, das ja in den USA immer mehr Fans gewinnt:

“NGDP equals the price level times real output. In logs, NGDP equals the price level plus real output. The growth rate of NGDP equals the rate of inflation plus the growth rate of real output. In logs, NGDP equals the price level plus employment plus labour productivity. The growth rate of NGDP equals the rate of inflation plus the growth rate in employment plus the growth rate in labour productivity. What more can I say? Any way you look at it, NGDP targeting is halfway between those who want the central bank to look only at inflation and those who want the central bank to look only at output (or employment).”
http://worthwhile.typepad.com/worthwhile_canadian_initi/2011/11/why-isnt-ngdp-targeting-a-lefty-thing.html

Vielleicht könnte ja Stephan was drüber schreiben…

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