Strafpredigten

by h.huett on 19. März 2012

Man könnte fast den Eindruck gewinnen, die theologische Ausbildung des Bundespräsidenten sei Quelle für die Sehnsucht nach einem deutschen Savonarola. Dieser Bußprediger wurde auf Betreiben eines Papstes getötet und fünfhundert Jahre später durch einen anderen Papst seliggesprochen.

Mir wurde ganz anders zumute, als ich in einer der zahllosen Sendungen gestern die Frage an Joachim Gauck hörte, was ihm denn heilig sei, noch so eine Kategorie der Politiktranszendenz, die Gaucks Beginn im Amt überschattet und überfrachtet. Lübberding, in vorläufig letzter präsidialer Frühkritik-Pflicht, wundert sich über das Levitenlesen, das auch bei Jauch die Frage nach dem Heiligen in der Politik ansprach.

Hier der Originaltext für die Exegeten unter uns (Nanuk: bitte Videolinks zur Illustration, Flagellanten, Buß- und Strafpredigten aus Geschichte und Gegenwart):

Werdet ihr mir aber nicht gehorchen und nicht alle diese Gebote tun und werdet ihr meine Satzungen verachten und meine Rechte verwerfen, dass ihr nicht tut alle meine Gebote, und werdet ihr meinen Bund brechen, so will auch ich euch dieses tun: Ich will euch heimsuchen mit Schrecken, mit Auszehrung und Fieber, dass euch die Augen erlöschen und das Leben hinschwindet. Ihr sollt umsonst euren Samen säen und eure Feinde sollen ihn essen. Und ich will mein Antlitz gegen euch richten und ihr sollt geschlagen werden vor euren Feinden, und die euch hassen, sollen über euch herrschen, und ihr sollt fliehen, ohne dass euch einer jagt. Wenn ihr mir aber auch dann noch nicht gehorcht, so will ich euch noch weiter strafen, siebenfältig, um eurer Sünden willen, dass ich euren Stolz und eure Halsstarrigkeit breche, und will euren Himmel wie Eisen und eure Erde wie Erz machen. Und eure Mühe und Arbeit soll verloren sein, dass euer Land sein Gewächs nicht gebe und die Bäume im Lande ihre Früchte nicht bringen. Und wenn ihr mir zuwiderhandelt und mich nicht hören wollt, so will ich euch noch weiter schlagen, siebenfältig, um eurer Sünden willen. Und ich will wilde Tiere unter euch senden, die sollen eure Kinder fressen und euer Vieh zerreißen und euch vermindern, und eure Straßen sollen verlassen sein. Werdet ihr euch aber damit noch nicht von mir zurechtbringen lassen und mir zuwiderhandeln, so will auch ich euch zuwiderhandeln und will euch siebenfältig mehr schlagen um eurer Sünden willen und will ein Racheschwert über euch bringen, das meinen Bund rächen soll. Und wenn ihr euch auch in eure Städte flüchtet, will ich doch die Pest unter euch senden und will euch in die Hände eurer Feinde geben. Dann will ich euch den Vorrat an Brot verderben; zehn Frauen sollen euer Brot in “einem” Ofen backen und euer Brot soll man euch nach Gewicht zuteilen, und wenn ihr esst, sollt ihr nicht satt werden. Werdet ihr mir aber auch dann noch nicht gehorchen und mir zuwiderhandeln, so will auch ich euch im Grimm zuwiderhandeln und will euch siebenfältig mehr strafen um eurer Sünden willen, dass ihr sollt eurer Söhne und Töchter Fleisch essen.Und ich will eure Opferhöhen vertilgen und eure Rauchopfersäulen ausrotten und will eure Leichname auf die Leichname eurer Götzen werfen und werde an euch Ekel haben. Und ich will eure Städte wüst machen und eure Heiligtümer verheeren und will den lieblichen Geruch eurer Opfer nicht mehr riechen. So will ich das Land wüst machen, dass eure Feinde, die darin wohnen werden, sich davor entsetzen. Euch aber will ich unter die Völker zerstreuen und mit gezücktem Schwert hinter euch her sein, dass euer Land soll wüst sein und eure Städte zerstört. Alsdann wird das Land seine Sabbate nachholen, solange es wüst liegt und ihr in der Feinde Land seid; ja, dann wird das Land ruhen und seine Sabbate nachholen. Solange es wüst liegt, wird es ruhen, weil es nicht ruhen konnte, als ihr es solltet ruhen lassen, während ihr darin wohntet. Und denen, die von euch übrig bleiben, will ich ein feiges Herz machen in ihrer Feinde Land, dass sie ein raschelndes Blatt soll jagen, und sie sollen davor fliehen, als jagte sie ein Schwert, und fallen, wo sie doch niemand jagt. Und einer soll über den andern hinfallen, als wäre das Schwert hinter ihnen, wo sie doch niemand jagt, und ihr sollt nicht bestehen können gegen eure Feinde. Und ihr sollt umkommen unter den Völkern, und eurer Feinde Land soll euch fressen. Die aber von euch übrig bleiben, die sollen in der Feinde Land dahinschwinden wegen ihrer Missetat, aber auch um der Missetat ihrer Väter willen.

Wenn schon, denn schon. Wer darauf setzt, verbreitet ein Bild der politischen Klasse, als hätte sie es nicht anders verdient, gerädert zu werden, ist mit dieser Meinung Symptom einer politischen Situation, kein Aufklärer.

Ins gestrige Bild passt eine Ansprache des scheidenden französischen Staatspräsidenten, der für jede neu verfügte politische Norm in Frankreich wie in Europa zwei alte Normen löschen möchte.

Fangen wir damit an, denen das Gnadenbrot zu gönnen, die sich damit zufrieden geben.

{ 38 comments… read them below or add one }

Nanuk März 19, 2012 um 09:12
Nanuk März 19, 2012 um 09:21

Wer es lieber realistisch mag….
http://www.youtube.com/watch?v=-JFu_8E76rE

topi März 19, 2012 um 09:23

Ah, da ist der Teaser.

Letzte Frühkritik zum Bundespräsidenten?

Naja, vielleicht zu Wahl/Abwahl etc.

Aber die Medienrepublik ist so geil auf äußerungen dieses Gaucks, da wird es bald den nächsten Sturm auf dem Talkshow-Tisch geben. :roll:

Nanuk März 19, 2012 um 09:28

Hier die Mathe Version…
http://www.youtube.com/watch?v=hM1x4RljmnE

Blogerkeule März 19, 2012 um 09:55

there is only one Kitaro
http://www.youtube.com/watch?v=6rzUIgd5Kd0
fragrance of nature continues after human

Morph März 19, 2012 um 09:59

@Nanuk

“technology is hardly a solution to exponential growth…”

Umgekehrt gilt: Die begrenzten Quellen und Senken der Biosphäre werden den galoppierenden technologischen Fortschritt, der die Leute, unter anderem die große Mehrheit der hier Kommentierenden, in Sicherheit wiegt, zum Stehen bringen.

Irgendwann in den nächsten Jahren wird irgendeine Megalopolis quasi aus dem Nichts einen Netzzusammenbruch erleben und in kürzester Zeit implodieren. Dieser Schock wird unsere Lagebeschreibungen so verändern wie das Erdbeben von Lissabon.

Bis dahin werden wir uns noch mit alteuropäischen Themen wie Steuersätzen, dem Erkenntnisgehalt der Saldenmechanik und dem intellektuellen Anforderungsprofil für Staatsoberhäupter unterhalten…

Nanuk März 19, 2012 um 10:06

@Morph
“Irgendwann in den nächsten Jahren wird irgendeine Megalopolis quasi aus dem Nichts einen Netzzusammenbruch erleben und in kürzester Zeit implodieren. ”

Wir sind doch schon mittendrin… schau dir mal die USA an ohne PR.

kurms März 19, 2012 um 10:11

aus dem Artikel: “Mascolo berichtete dem Zuschauer zudem, wie sehr Gauck nach dem Ende seiner Tätigkeit bei der Stasi-Unterlagenbehörde auf eine Einladung in die Politik gehofft habe. Sie kam nicht. ”

Sehr interessant, falls das so stimmt…

Nanuk März 19, 2012 um 10:12

Wie heist es so schön Zivilisationen die glauben ihre Welt ende mit einem Knall haben selber einen…

topi März 19, 2012 um 10:17

Oh, Morph wieder mal als apokalyptischer Reiter unterwegs.

Welches Netz wird denn zusammenbrechen?

Das S-Bahn-Netz in Berlin? Kenn wa schon.
Das Backage Retrival System in Heathrow? Alter Hut.

Stromnetze können zusammenbrechen (vor allem, weil man sie in private Hand gegeben hat, aber das ist ein anderes Thema). Und dann fährt man sie wieder hoch, in zivilisierten Ländern muss das keine Wochen dauern.

Ressourcenknappeit spielt da quasi keine Rolle. Wenn es eng wird, dann wird nach Zahlungsfähigkeit verteilt, also die Metropolen werden nicht als erstes dunkel.

Und wenn es generell nicht mehr zur Beleichtung reicht, dann gibt es eben stündliche Strombegrenzungen; nicht schön, für den gemeinen Großstädter, aber aushaltbar.

“Erdbeben von Lissabon”, also echt.
Da müssten ja schon Twitter und Facebook und Google offline gehen. :roll:

(Das I-Net bricht natürlich, wenn, auchnur temporär zusammen, solange es noch Saft gibt; und den gibt es absehbar, wenn die Sonne scheint gibt es den demnächst fast komplett aus Solarstrom.)

topi März 19, 2012 um 10:20

Morph

Gerade die Ressourcenknappheit wird den technologischen Fortschritt beschleunigen. Darauf kommst du auch selber.

Er wird wohl andere Ausdrucksformen finden: wirkliche Innovationen, statt immer mehr Elektroschrott in immer mehr Plastikmüll zu verbauen.

Nanuk März 19, 2012 um 10:23

Ein Knall ist kein Natürliches Phänomen… Gottes Mühlen mahlen langsam aber sie mahlen.

Er sprach: Ich habe geeifert um den Herrn, den Gott Zebaoth; denn die Kinder Israel haben deinen Bund verlassen und deine Altäre zerbrochen und deine Propheten mit dem Schwert erwürgt, und ich bin allein übriggeblieben, und sie stehen darnach, daß sie mir mein Leben nehmen. Er sprach: Gehe heraus und tritt auf den Berg vor den Herrn! Und siehe, der Herr ging vorüber und ein großer, starker Wind, der die Berge zerriß und die Felsen zerbrach, vor dem Herrn her; der Herr war aber nicht im Winde. Nach dem Winde aber kam ein Erdbeben; aber der Herr war nicht im Erdbeben. Und nach dem Erdbeben kam ein Feuer; aber der Herr war nicht im Feuer. Und nach dem Feuer kam ein stilles, sanftes Sausen.

Könige – Kapitel 19

h.huett März 19, 2012 um 10:26

Wers noch nicht gesehen haben sollte, worauf ich mich mit dem Bibelzitat beziehe: hier ist das Kompromat. Das “Sturmgeschütz der Demokratie” als Hort der Hintersassen

topi März 19, 2012 um 10:32

Morph

Aber zum Lieblingsthema.

“Bis dahin werden wir uns noch mit alteuropäischen Themen wie Steuersätzen, dem Erkenntnisgehalt der Saldenmechanik und dem intellektuellen Anforderungsprofil für Staatsoberhäupter unterhalten…”

Die Staatsoberhäupter schenke ich dir, gerne.

Ansonsten musst du nur mal die Scheuklappen abnehmen, und du siehst die Erkenntnisse, aus den Zusammenhängen.

Die Saldenmechanik sagt uns, dass es bei einer Einkommensverteilung, bei der erzielte EInkommen und reale Ausgabewünsche immer weiter auseinanderfallen, das Sozialprodukt nur mit wachsender Verschuldung geräumt werden kann.

Soll diese Verschuldung begrenzt werden (egal warum, ob wegen objektiv erreichter Grenzen der Verschuldungsfähigkeit des Gesamtsystems oder aus politischen Gründen oder wegen einzelwirtschaftlicher Kriterien zur Kreditvergabe), dann MUSS es zu einem drastischen BSP-Einbruch kommen.

Die Verbreitung dieser Erkenntnis schreitet so langsam voran, immerhin hat Fritsche das kürzlich mal sauber abgeschrieben.( wobei er von einer Wachstumsabschwächung sparch; das ist natürlich Bullshit, Anfang der 30er konnte man die wahren Dimensionen, EInbruch der Industrieproduktion um 50%, sehen).

Das Problem endlicher Ressourcen wird auf dieser Grundlage quasi nur unter ABstieg in Armut für große Teile der Bevölkerung “lösbar” sein.

Dabei sind gerade hier Steuersätze zwingend zu diskutieren, um gegenzusteuern.

topi März 19, 2012 um 10:41

Morph

Du fragtest kürzlich, wieso denn die Menschen bisher offenbar Geldvermögensanhäufung als Plan haben.

Nun ist das angesichts der Mehrheit, die kein oder kaum Vermögen besitzt, schon etwas grotesk.

Ansonsten ist die ANtwort ja einfach: weil es k(aum)einer weiß.

Die Politik würde keine Politik betreiben wollen, die zur Schrumpfung führt.
Und der Normalwähler schon gar nicht, wenn er informiert wäre.

Es sieht ja so aus: Die Saldenmechanik sagt uns, dass unter dem Primat der Schuldenbegrenzung die EInkommen wieder hin zu den realen Ausgabewünschen verteilt wird.

Es wird aber behauptet, dass man doch die Menschen frei entscheiden lassen muss, und wenn sie Geldvermögensanhäufung (statt Sachvermögen, immer bedenken, es geht hier gar nicht um eine Gerechtigkeitsdebatte) bereiben wollen, dann ist das schon richtig.

Wie man sehr leicht sehen kann (auch du schaffst das, los!), führt also ein “freierer” Kapitalismus ZWINGEND (unter der Prämisse der Verschuldungsbegrenzung) hin zu einem sinkendem Sozialprodukt, und die Kosten daraus muss natürlich Schütze Arsch tragen, weil er ja offenbar “über seine Verhältnisse gelebt” hat.

Dann informier einfach mal die Menschen, und dann suche nach Mehrheiten für eine solche Position.

Roberto J. De Lapuente März 19, 2012 um 10:51

Dass man sich da einen Savanarola an die Spitze wünschte, schrieb ich bereits vor einigen Wochen. Es ist gut, dass es die “vorläufig letzte präsidiale Frühkritik” ist, die man liest. Ich habe es gestern genauso gehalten:

http://ad-sinistram.blogspot.de/2012/03/in-eigener-sache.html

Bin mir aber nicht sicher, ob man das durchhält. Der alte Mann und das Mehr – er fordert zu immer mehr Kritik auf mit seiner Art.

h.huett März 19, 2012 um 11:16

Es gibt bessere narrative Optionen

Morph März 19, 2012 um 11:17

@topi

“Gerade die Ressourcenknappheit wird den technologischen Fortschritt beschleunigen. Darauf kommst du auch selber.”

Technologischer Fortschritt ist IMMER ambivalent. Hinter jeder Technologie steht die Möglichkeit technischen Versagens, unbeabsichtigter Nebenwirkungen und beabsichtigter Sabotage.

Wir heben es – nüchtern betrachtet – nicht mit technologischem Fortschritt, sondern mit technologischem Wandel zu tun. Den erstaunlichen Produktivitätsfortschritten stehen eben auch erstaunliche Destruktivitäts’fortschritte’ gegenüber. Und Motive beabsichtigter Sabotage gibt es ja genügend auf der Welt. Auch die nehmen technische Expertise in ihren Dienst…

Seit Mitte des 20. Jahrhunderts läuft die technologische Entwicklung vor allem auf eine immer engere Vernetzung großtechnischer Systeme zu. Das Stichwort hierzu: Critical Infrastructures.

Dass die Gefahr z.B. eines großflächigen, länger andauernden Stromausfalls nicht bestehe, magst Du glauben. Ebenso wie Du glauben magst, dass sich die Geldwirtschaft politisch zügeln lasse. Ich nehme mir die Freiheit, in beiderlei Hinsicht skeptisch zu sein und entsprechende Konsequenzen zu ziehen.

Und was die Apokalyptik angeht: Weltuntergang ist nicht mein Thema, auch nicht der Aufstieg und der Untergang von Imperien (wir leben ja nicht mehr im Zeitalter der Hochkulturen), mich interessiert vielmehr die Fragilität weltumspannender Netze.

holger März 19, 2012 um 11:34

“Neues” vom Daten Scheick, Achmed… :D

http://blogs.taz.de/datenscheich/2011/12/25/zu-weihnachten-114/

topi März 19, 2012 um 12:10

Morph
“Wir heben es – nüchtern betrachtet – nicht mit technologischem Fortschritt, sondern mit technologischem Wandel zu tun. Den erstaunlichen Produktivitätsfortschritten stehen eben auch erstaunliche Destruktivitäts’fortschritte’ gegenüber. Und Motive beabsichtigter Sabotage gibt es ja genügend auf der Welt. Auch die nehmen technische Expertise in ihren Dienst…”

Ok.
Wenn du Definitionen abseits von der allgemeinen verwendest, solltest du das schon kennzeichne, oder?

Und wie kommt nun durch Rohstoffknappheit und Senkenfüllung dein Fortschritt zum Erliegen?

Stromnetze gibt es in Weißrussland, Uganda, Nordkorea, Hintertupfingen.
Und sie funktionieren, halt eben manchmal sehr speziell.

Selbst die Amis haben ihr marodes Netz wieder in Gang gesetzt, und sind nocht nach Lissabon ausgewandert.

Zur Beeinflussbarkeit des Geldsystems: es ist beeinflussbar, dafür reicht ein Beispiel; es gibt viele.

Man kann es auch zusammenbrechen lassen, auch dafür gibt es genug Beispiele.

Aber die Logik, nachdem es zusammenbricht, braucht man nicht anzuzweifeln. Und selbst bei dneen, die sich standhaft gegen elementare Erkenntnisse wehren (wollen), arbeitet etwas im Oberstübchen. ;-)

Dipfele März 19, 2012 um 13:32

Zum Artikel:
Aha, jetzt wissen wir also, was ein “rechter Sozialdemokrat” ist: ein linker, konservativer Liberaler. Das erklärt natürlich vieles.

Und was war dann der Linksliberale Walther Rathenau? Ein Kommunist?

Der wusste schon, dass an der Arbeit, die in unsichtbarer Verkettung alle leisten, alle berechtigt seien. “Eigentum, Verbrauch und Anspruch sind nicht Privatsache.” Wirtschaft sei keine Sache von Privaten. Für Rathenau folgte aus dem kolledktiven und historischen Charakter der gesellschaftlichen Arbeit die Forderung, die verdienstlosen Massenerben zu enteignen. Wenn es nur die Gesellschaft als ganze sei, die den Reichtum einer Nation möglich mache, dann gehörten die Resultate dieser gesllschaftlichen Produktion allen. “Reich im Staat darf nur einer sein: der Staat.” Nich als Eigentümer von Fabriken, sondern als “Agent der gesamtwirtschaftlichen Regulierung” und Umversteilung. Die “Erblichkeit der Kapitalmacht” müsse gebrochen werden – zugunsten des öffentlichen Reichtums an Schulen, Kultureinrichtungen und sozialen Ausgleichsmechanismen. Denn nur auf der Grundlage ähnlicher Lebensumstände könne eine Demokratie existieren. (Zitiert nach dem Radio-Essay “Der Geist der Leitkultur” von Mathias Greffrath, Deutschlandfunk, Essay und Diskurs, 14.04.2006)

Oder wie Greffrath resümiert: : “Wer also von Demokratie redet ohne über die Umverteilung von Ressourcen aller Art reden zu wollen, der meint es nicht ernst. Denn Demokratie setzt Sicherheit voraus. Wer Angst um sein Auskommen, seine Gesundheit, sein Alter haben muss, wer nicht durch Bildung in die Lage versetzt wird, urteilsfähig zu sein, der mag Bewohner eines Landes sein, aber ist im starken Sinne des Wortes noch kein Bürger.” (ebd.)

KL März 19, 2012 um 13:53

@Nanuk März 19, 2012 um 09:12

Göttlich !
Allerbesten Dank !

Natalius März 19, 2012 um 13:57

@Holger, http://www.wiesaussieht.de/2012/03/19/strafpredigten/#comment-22206

From http://en.wikipedia.org/wiki/OPERA_experiment

“In September 2011, OPERA researchers observed muon neutrinos apparently traveling faster than the speed of light. On 22 February 2012, it was reported that sources familiar with the OPERA experiment are now blaming the original result on a loose fibre optic cable connecting a GPS receiver to an electronic card in a computer.[4] On 16 March 2012, a report announced that an independent experiment in the same laboratory, also using the CNGS neutrino beam, but this time the ICARUS detector, found no discernible difference between the speed of a neutrino and the speed of light.[5][6][7]“

topi März 19, 2012 um 14:03

Oh, Utoya (in Kleiner) in Frankreich!?!.

holger März 19, 2012 um 14:21

@ Natalius

jaja, ein lockeres Kabel. Wers glaubt wird seelig. :D Weil zu sowas sag ich erst recht nichts mehr. Ein lockeres Kabel… Man kann keine Überlichtgeschwindigkeit messen. Thats it. Weil es gibt keine Messinstrumente dafür. Weil die Messinstrumente die Überlicht Geschwindigkeit messen könnten, müssten schneller als der Strom auf irden agieren können ob fest oder lose (looser). Das können aber die Messinstrumente nicht. Ein Lineal bleibt ein Lineal und einen Feder eine Feder. Und ein Glasfaser oder Copper Cable une Cable. Its the fucking problem of statik, the other side is dynamik power. And in dynamik power in vortex i find other physical rules. But my notebook isnt fast enough to rechnen.

flummi März 19, 2012 um 14:37

@ holger

eben. und von daher kann auch keine irdische blondine niemals nie nicht von “aliens “entführt und schneller als lichtgeschwindigkeit durchs all geschossen werden. allerhöchstens im traum nicht aber in fleisch und blut. nun gibt es aber tatsächlich massenhaft menschen, die sowat für möglich halten.

andere glauben nur weil sie bspw. auf mars u. venus kein frischleisch zu gesicht bekomemen, wäre das der beweis, dass es keine marsianer u. venuserinnnen geben würde.

wollte ich hier nur mal so angemerkt haben.

Natalius März 19, 2012 um 21:56

Holger:
http://www.wiesaussieht.de/2012/03/19/strafpredigten/#comment-22226

Danke! Dafür, daß ich jetzt seelig bin (dachte schon, ich hätte keine). Seelig ist ja schliesslich das Ticket für heilig – und fürs Heilen hätte man doch gern ne Lizenz, odrr?
So wie Khammas ne Lizenz fürs faschistoide Blödsinnschreiben hat – mal schreibt er über Synergie – mal über Michaela – und mal über die Überlegenheit der Reichsflugscheiben bei Adolfff. Fast immer überrrr rrrrechte Esoterrrik – als Orrrientaale verrrsteht sich. Nett (bis dümmlich) dreinblickend – so wie unser Erfinder des Wilerk-Wassermotors auf Politaia-VT. Ist halt n Kulturproblem, wenn Goethe totaaal bis Steiner zugelassen ist, jewish Einstein aberrr Unkulturrrr ist.

Natalius März 19, 2012 um 22:15

PS: 114%. Holger ich sach ja nix – inzwischen wird sogar von Nature und Science Blödsinn publiziert – mal. (Und grenzwertiges Zeugs leider immer häufiger). Das ist schon erschreckend, in meiner Wahrnehmung gabs das in den NaWi vor etwa 15-20 Jahren noch nicht. Der Dreck in den NaWi-papers steigt exponentiell – geschätzte Verdopplungsrate ca. 5 Jahre. Vor 20 Jahren war vielleicht 1 von 100 papers “seriously flawed”, heute sind’s mindestens 15%. Der Grund ist völlig klar.

Natalius März 20, 2012 um 00:36

Zum Thema:
wohl oder übel werden wir diesen von protestantischem Arbeitseifer durchdrungenen Geistlichen länger ertragen müssen, als es uns gefällt. Wir sind seine Frei-Heiden – unsere Bekehrung soll mit Werten geschehen, die wir für selbstverständlich erachten, die es aber aus seiner Sicht nicht sind. Er hat in gewisser Weise sogar recht: Arm zu sein ist weniger schlimm als unfrei in einem Staatsgefängnis mit “sozialer” Gedankenkontrolle. Bautzen war schlimmer als H4. Verhöre durch Stasi-Offiziere versus Befragung durch Arge-Mitarbeiter: Klar, da ist vermutlich ein qualitativer Unterschied, der Frei-Heiden einfach nicht bewusst ist.
Aber: Gauck (mit diesem spezifisch erfahrungsbasierten und zugleich beschränkten Repertoire) könnte – das vermute ich mal – eine gewisse Sensibilität gegenüber antidemokratischen Strukturen einbringen. Wenn er seine eigene Geschichte ernst nimmt, dann dürfte ein “Europa um jeden Preis” zumindestens zu “seelsorgerischen Warnungen” gegenüber Regierungsvertretern führen. WIE wird Lissabon im Eskalationsfall auf D-Boden umgesetzt? Hier könnte Gauck mal “trotzig” reagieren und wertvolle Zeit durch Verzögerung von Gesetzesratifizierungen entstehen lassen.
Ich bin mir nicht sicher, ob Freiheit im Kopf von Gauck ausschliesslich “neoliberale” Ellbogenfreiheit meint. Wir werden es sehen.

Nanuk März 20, 2012 um 07:55

@Natalius
“Arm zu sein ist weniger schlimm als unfrei in einem Staatsgefängnis mit “sozialer” Gedankenkontrolle. Bautzen war schlimmer als H4. ”

Der Gauck war garnicht in Bauzen da redet ein Blinder von der Farbe oder warst du in Bauzen das du da ein Qualitatives Urteil fällen kannst ist unser Natalius erst in Bauzen gewesen und dann in Harz4 ja solche Karrieren gibt es.

Du bist doch mit bei den ersten der Roma die auf wanderschaft sind in eine Sozialwohnung packen würden Mädel weiste was mit jemandem der nicht Obdachlos ist über die Vorzüge und Nachteile der Freiheit zu Diskutieren ist eine Lachnummer…

Nanuk März 20, 2012 um 08:00

und es gibt genug die zu recht am anfang in Bauzen gesessen haben schlicht und einfach weil sie Nazis waren über die Nürnberger Prozesse regt sich ja auch niemand auf… das gehört auch zur Historischen Wahrheit.

Nanuk März 20, 2012 um 08:07

Wenn man das alles in einen Topf schmeisst wie Natalius tut man denjenigen die zu Unrecht in Bauzen gesessen haben noch grösseres Unrecht an!

llse März 20, 2012 um 08:20

Die Gauck-Rede übersetzt: http://www.taz.de/Kolumne-Besser/!89922/

topi März 20, 2012 um 09:46

Natalius

Wenn man keine Ahnung hat, kann man auch mal etwas zurücktreten; statt rumzutreten.

Frag doch den Achmed einfach mal selber, der ist ein offener und freundlicher Mensch, und hat vielleicht auch für dich ein offenens Ohr.

Natalius März 20, 2012 um 13:50

@topi, 9:49, März 9:46

Ich hab schon ne Ahnung, worauf das hinauslaufen wird…

Sehnsemal, ich kenne diesen Esoterik-Unsinn (konkret den Reich-Schauberger-Makrobiotik-Radiästhesie-Cannabis-KVZ-Komplex) aus eigenen Erfahrungen – das Beste daran war wohl das Cannabis. In den siebziger Jahren gab es im Südviertel Münsters eine Szenekneipe, einen Treffpunkt, den irgendeine/r von uns geerbt hatte. Nennen wir ihn Kranburg, früher Hotel mit Kneipe, später dann Kneipe mit 4 oder 5 großen WGs in den ehemaligen Hoteletagen. In der dritten Etage wohnten u.a. Heinz R und Christof R – zusammen mit Steve, einem Freund aus New-Hampshire, der in den Sechzigern nach Europa getürmt war, um nicht nach Vietnam verfrachtet zu werden. Heinz kam vom Land, war Bauernsohn, blond, Naturkrause, Haare standen ab, als ob er mit einem Van-der-Graf-Generator elektrisiert worden wär. Heinz kannte Reich aus dem FF und hatte zudem “Implosion” (Schauberger) abonniert. Christof war von einer Ärztin/Mutti aufgezogen und hatte ein enormes Ego, das ihm zu selbsterglaubten esoterischen Fähigkeiten verhalf, womit er sich dann als Heiler und Therapeut gebärdete. Beide hatten sackweise Cerealien gehortet und irgendwann ein Mäuseproblem. Alles wurde von Christof erpendelt – von Steve’s Extremitäten (“Das Bein kannste vergessen, würde ich amputieren lassen”) bis hin zu dope und Lebensmitteln. Stets auf einer Skala, die wie eine Kompassrose in Winkelgrade eingeteilt war und den Gehalt an Yin und Yang verriet. Alles ess- trink- und rauchbare in dieser WG war etikettiert und verriet den erpendelten Yin-Gehalt. Zuviel Yin (wie Zucker) war i.a. schlecht für die Gesundheit – aber es gab frisch gepresste Fruchtsäfte, die zwar Zucker enthielten aber trotzdem yang waren – so als ob das Pendel zwischen Saccharose und Fructose unterscheiden könnte. Makrobiotik war eine ermessbare Lebenseinstellung.

Und Energie war ein großes Thema – alternative Energie, gute Energie aber auch böse Energie. Böse Energie (DOR), die nach Reich durch Wechselwirkung von Orgon (guter Energie) mit Radioaktivität zustande kam und sich als atmosphärisch als Cumulus-Wolken manifestierte. Heute wären es Chemtrails. Gute Energie konnte akkumuliert werden – die Kiste, die wie ein Toilettenhäuschen ein kleines Luftloch zum Atmen hatte, war riesig (ca. 2 x 1.5 x 1.5m), stand mitten in einem größeren Raum aber hätte aufgrund ihres Gewichts wohl eher im Keller aufgestellt werden müssen. Innen drin war’s trotz der Aussenabmessungen ziemlich eng, man konnte von Blechen umgeben gerade noch darin sitzen. Aussen Spanplatte. Wände, Boden und Decke waren aus Schichten aufgebaut, Blech, Stahlwolle, Blech, Holzspäne, Blech, Stahlwolle, Blech, Holzspäne, Blech, Stahlwolle, …insgesamt sieben Schichten. Enorm gut isoliert – man wurde von der reflektierten Wärmestrahlung des eigenen Körpers richtig gut eingeheizt. Subjektiv stimmte es: Wenn man nach einer Sitzung rauskam, war die Luft im Zimmer eiseskalt. Versuche, den Temperaturunterschied per Thermometer zu erfassen, blieben allerdings erfolglos (wenn keiner drin saß). Heinz meinte, es müsse an einem Messfehler liegen.

Sein zweites Projekt war der cloud buster – eine Vorrichtung, mit der das Wetter in Münster gemacht werden sollte. Vielleicht war’s im Sommer 75 – vielleicht auch im Jahr davor. Ein regnerischer Tag – wir alle waren trotzdem gut drauf. Ach ja, Toro war auch dabei, der hatte später ne Band und spielt heute Nebenrollen in manchen ARD-Tatort-Produktionen. Zentralstück des Cloud busters war ein Bündel aus sieben Kupferrohren, ca. 2m lang und mit einem Ende an Kupferlitze angelötet, wie man es vom Masseanschluss älterer Autobatterien her kennt. Die Litze – auch etwa 2m lang – führte in einen größeren Blecheimer, der alleine kaum zu heben war, weil mit einem Gemisch aus Holz- und Stahlwolle befüllt. Die ganze Vorrichtung war wie eine Schaukel schwenkbar gelagert und auf einem größeren Bollerwagen montiert. Abends ging es dann damit zum Aasee; für Passanten ein seltsamer Anblick, da das Ganze an ein Maschinengewehr erinnerte. An einem Bootssteg wurde der Eimer versenkt und dann für etwa zwei Stunden gebustert.

Am nächsten Tag schien die Sonne.

HAM März 20, 2012 um 14:05

Diese Reichianer sind gar nichts gegen die Verrückten, die glauben, dass die“ invisible hand“ des Marktes die Wirtschaftsprozesse zum Wohle aller reguliert.

Degnaphta März 22, 2012 um 07:18

@ natalius
deine Erfahrungen mit “Eso-Spinnern” in allen Ehren, aber es gibt ja auch noch die Wechschnacker und Wahrsager und so, die verbürgte Ergebnisse im Schlepptau haben. Von sowas hat dein Pendel-Freund vermutlich immer wunschgeträumt.
Und wie du diesen Eso-Kram mit Braun assoziierst, bleibt rätselhaft. Soll Orgon nicht blau sein? ;-)

vortbeischauer März 23, 2012 um 11:28

.. ich bin wirklich gespannt wie das bei euch in deutschland, vor allem mit gauck, weitergeht. bei protestantischen pastoren (bentham etc.) und deren abkömmlingen (hobbes etc.) kommt bei mir immer gleich die assoziation zum liberalismus. ich stell mal das so in den raum, ohne darüber ein werturteil abzugeben. wenn ich den heutigen spiegel lese, hört sich der code “ermächtigt” für mich eher nach camerons “big society” an (zitat) ” … Der Weg dazu ist nicht der einer paternalistischen Fürsorgepolitik, sondern ein Sozialstaat, der vorsorgt und ermächtigt” http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,823235,00.html )

sein solidaritätsdenken kann er ja dann “beweisen”, wenn er euch eurobonds als alternativlos für das große friedens- und freiheitsprojekt europa verkauft.

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