Verrat – oder zur Rhetorik des Bürgerkriegs

by h.huett on 9. Mai 2012

Die Töne werden schriller. Die Nerven liegen blank. Die Krise flammt erneut auf. Eine gute Gelegenheit, die Urteilskraft einer besonders schrillen Stimme zu prüfen. Die Stimme von Dorothea Siems.

Frau Siems ist eine erstaunliche Giftmischerin. Ich versuche mir vorzustellen, welche Rolle sie im Lehrkörper der Zauberschule Hogwarts hätte bekleiden können. Die Cousine von Prof. Snape wahrscheinlich, mit fernen Fäden zu Lord Voldemort. Expertin für Giftmischungen, die keine Spuren hinterlassen.

Ihren rant gegen die sogenannte Verräterpartei beginnt sie unter einer getarnten antikommunistischen Hasskappe. Das Originalzitat lautet: “Von der Sowjetunion lernen heißt siegen lernen.”, ein Slogan der seligen “Gesellschaft für deutsch-sowjetische Freundschaft” aus dem Jahr 1951. Mit 61 Jahren reif für den politischen Vorruhestand, führt die Giftmischerin das Zitat einer neuen Verwendung zu, indem sie die Sowjetunion durch den braven Monsieur Hollande ersetzt.  Noch aber ist Hollande nicht verloren.

Denn Professor Doktor potion Siems zielt auf die deutschen Sozialdemokraten.

Erst aber betreibt sie retrograde Wahlfälschung. Sie erklärt den Sieg des braven Monsieur Hollande damit, dass er versprochen habe, sich Madame Merkels Spardiktat zu widersetzen. Frau Siems könnte, statt heiße Luft zu verbreiten, einmal ihren Herausgeber Thomas Schmid danach fragen, wie politische Wahlergebnisse zustande kommen, welche Macht in der Chance liegt, jemanden abzuwählen. Immerhin sehen wir in dem Detail auch eine klitzekleine Trickdiebnummer. Denn ehe Prof. Dr. potion Siems zur großen Keule greift, scheint sie sich die Perspektive der Linkswähler zu eigen zu machen und verwandelt den Fiskalpakt, immerhin einen Regierungsvertrag, der hierzulande eine Änderung des Grundgesetzes erfordert, in ein “Spardiktat”.

Der Trickdiebstahl verfolgt das Ziel, die französischen Linkswähler mit den deutschen Sozialdemokraten gleichzusetzen. Ein- und dasselbe Pack – so insinuiert es die Giftmischerin auf der Meinungsseite der Welt, ohne das so aussprechen zu müssen. Denn in ihrer Hand liege es, ob die für die Änderung des Grundgesetzes erforderliche Zweidrittelmehrheit zustande kommt.

Frau Siems gehört wahrscheinlich zu den Doppelknotenfetischisten. Nichts ist gesichert, ehe nicht der Doppelknoten fest gezogen ist. Dass wir mit der Schuldenbremse schon eine in Verfassungsrang erhobene Dummheit haben, ist den Lesern dieses Blogs durch Stephan Ewald erschöpfend vorgerechnet wurden. Siems doppelmoppelt. Schielt auf Nummer sicher. Erklärt ihre Spezialdemokraten zum Unsicherheitsfaktor: zur GEFAHR, zum Verantwortlichen der nächsten Dolchstoßlegende, die der im europäischen Feld unbesiegten Kanzlerin Brünnhilde aus der Uckermark meuchlings in den Rücken falle und die deutsche Verhandlungsposition in Europa untergrabe.

Hier ist ein Punkt gekommen, wo Frau Prof. Dr. potion Siems ein weiteres Mal Nachhilfeunterricht bekommen müsste, weil sie verkennt, in welcher Logik europäische Verträge ausgehandelt werden und zustande kommen. Das Stichwort heißt Interessensausgleich, erfordert, dass der Elephant in der Mitte des Kontinents der Maus den Weg über den Fluss bahnt. Aber nein, Frau Siems trägt ihre Pickelhaube tief über die Augen gezogen, setzt zum Sturm auf die Feier an der Place de Bastille an.

Sie greift erneut in die Trickkiste und erzählt ihren Lesern (die Augen schreckgeweitet), was für ein welsches Gift die deutschen Sozialdemokraten den Deutschen  in die Suppe brocken wollen: höherer Spitzensteuersatz, Vermögensteuer und Finanztransaktionssteuer.

Am Ende werden alle zahlen müssen.

Das bleibt für die Zwecke dieses leistungsschutzrechtsfreien Beitrags der einzige Originalton aus Siemsscher Giftküche. Sie dreht uns den Kopf in den Nacken. Verdreht so die Tatsachen. Dass bisher fast alle dafür zahlen mussten, von denen abgesehen, die darüber schadlos gehalten wurden, dass sie die Suppe durch tolle Geschäfte eingebrockt haben.

Es folgt ein Zwischenspiel, in dem Frau Siems dem famosen Herrn Röttgen zur Seite springt und die NRW-Wahlen in eine Entscheidung für Merkels Euro-Politik umbiegt. Polit-Origami. Falten bis es knirscht und nix mehr geht.

Dann endlich geht Siems auf große Fahrt. Nach Frankreich gehts. Wachstum könne man nicht kaufen, raunt sie. Anlass dafür, dass sie einmal bei Herrn Weidmann Nachilfe darüber erhält, was hinter den Target2-Forderungen der Bundesbank für schöne Geschichten gekauften Wachstums stecken. Kulleraugen!!!

Die Reise nach Frankreich zielt auf das Herz der Sozialdemokratie. Ihr Lob ist potion pur. Erst hätten sie Schröders Agenda durchgesetzt. Jetzt wollten sie davon nix mehr wissen, schon gar nicht in Frankreich, wo dort doch so eine Reform not täte.

Wer jetzt, wie die deutschen Sozialdemokraten, auf der Zielgeraden zur Durchsetzung des Fiskalpakts, erneut in den Geldtopf greifen wollte, versündigte sich am deutschen Vaterland, statt auf finanzielle Solidität zu pochen.

Ich weiß nicht, was in Frau Siems pocht. Ich ahn es nur. Hauffs Märchen ist schrecklich genug, um dran zu erinnern.

Frau Siems trägt mit dem Vorwurf des Vaterlandsverrats den Bürgerkrieg zurück in die deutsche Politik.

{ 41 comments }

Balken Mai 9, 2012 um 12:31

Die deutschen Sozialdemokraten als Vaterlandsverräter? Darüber mag Frau Siems sich beruhigen. Die waren seit jeher darauf bedacht, nicht als “vaterlandslose Gesellen” zu gelten. Sie werden tun, was “man” von ihnen erwartet, einer muss ja den Bluthund machen. Im Übrigen gilt: Solange die Springerpresse für ihre Hugenbergereien Finanziers und “Leser” findet, darf man singen: Lieb Patenland darfst ruhig sein. Fest steht und treu die Wachat am Rhein.

h.huett Mai 9, 2012 um 12:38

Balken

Solche Kommentare schreiben sich wie von selbst, gell? Écriture automatique.

Nanuk Mai 9, 2012 um 12:41

Das es Journalisten gibt die sich nicht zu schade sind Zinnsoldaten für Milliardäre zu spielen gegen so viel Armut soll man eine Revolution starten?
Da hab ich nur noch Mitleid für übrig!

Macht doch einfach den Deckel drauf der Letzte macht das Licht aus.

f.luebberding f.luebberding Mai 9, 2012 um 12:51

Balken

Deine historische Analogie – es war ja kein Vergleich … – führt in die Irre. Mit dem Fiskalpakt wird der Euro nicht funktionieren können. Ohne den Fiskalpakt wird er laut Frau Siems zu einem Ausbluten des deutschen Steuerzahlers führen. Im ersten Fall tritt Deutschland aus, weil andere den Fiskalpakt in der Form nicht ratifizieren. Im anderen Fall tritt Deutschland auch aus, weil der Euro dann den deutschen Interessen widerspräche. Der Vaterlandsverrat besteht also darin, dass Deutschland ohne die Ratifizierung im Bundestag keinen Grund findet, die Eurozone zu verlassen. Aus einer politischen Kontroverse über die richtige Organisation eines gemeinsamen Europas wird dann also mit der Ratifizierung ein Konflikt zwischen europäischen Nationen. Wenn man schon eine historische Parallele finden will: Es wäre eher der Hinweis auf die Burgfriedenspoltik nach 1914 angebracht. Tatsächlich aber ist der Terminus nichts anderes als Versuch, Röttgen zu helfen. Er hat ja versucht den Fiskalpakt und Hollande zum Thema einer Volksabstimmung am kommenden Sonntag in NRW zu machen. Bei einer Niederlage Röttgens wäre das damit auch eine Niederlage von Merkels Europapolitik. Um aber überhaupt damit durchzukommen, muss sie diesen Begriff des Vaterlandsverrats wählen. Das klassische Instrument zur Polarisierung.

Murke Mai 9, 2012 um 13:28

“Bluthund”, in den meisten Diskussionen hat die Erwähnung des Genossen Noske etwas Godwinhaftes.

_O_ Mai 9, 2012 um 13:45

Neoliberale Hasspropaganda vom feinsten. Noch ekelhafter sind die Kommentare unter dem besprochenen Artikel. Ich hoffe ja immer, dass das die letzten Panikattacken des Neoliberalismus vor seinem Ende sind.

keiner Mai 9, 2012 um 14:00

@Lübbi
“Im ersten Fall tritt Deutschland aus, weil andere den Fiskalpakt in der Form nicht ratifizieren. Im anderen Fall tritt Deutschland auch aus, weil der Euro dann den deutschen Interessen widerspräche. ”

Schrob ich schon vor Jahr und Tag, es geht nur noch um die Kriegsschuld, für den kommenden europ. Bürgerkrieg….

h.huett Mai 9, 2012 um 14:06

Um es noch etwas schärfer als im Beitrag zu formulieren kommt mir gerade der Schlusssatz aus einem Artikel im Small Wars Journal unter die Augen:
“COIN is a war more of words than bullets. In this kind of warfare, achievement (not victory) comes through “firing” more right words instead of few terrible ones.”

Frau Siems räumt mit ihrem Leitartikel das Schussfeld frei.

Hannes66 Mai 9, 2012 um 14:13

Als beim letzten Mal die SPD Politiker öffentlich als Landesverräter gebrandmarkt wurden, wurde wenig später die SPD verboten! Sind wir schon wieder so weit?

Frankie Bernankie Mai 9, 2012 um 14:14

@hhuett

Ich glaube ja immer mehr , dass unser Problem hier in Deutschland mit den Schulden ( eigene oder die anderer ) ein etymologisches ist.

Wir haben im Deutschen halt nur ein Wort für Schuld, sei es die finanzielle oder die moralische resp. juristische. Da ist halt jeder , der Schulden hat, auch schuldig, wofür auch immer.

Im Angelsächsischen sind sie da auch semantisch pragmatischer: da gibts debts für die ökonomische Schuld, und guilt bzw. blame für die Moral. Da ist halt jemand der Finanzschulden hat nicht auch gleich moralisch versaut.

Treidelstein Mai 9, 2012 um 14:43

Um @wowys berechtigte Anmerkung aus dem Parallelthread mal zu übertragen: Eigentlich geht es um den ESM, gelle?

O.K., kann man es vielleicht so sehen? Der Fiskalpakt ist nur ein Annex zum ESM, der es den ordoliberalen Dissentern in der deutschen Regierungsmehrheit (und ihrer wissenschaftlich-medialen Unterstützerszene) ermöglichen soll, ohne allzu großen Gesichtsverlust den ESM mitzutragen. Hinter der Forderung an die SPD, den Fiskalpakt mitzutragen, steckt eigentlich eine indirekte Forderung, die Staatsräson des Euroinkasso nicht dadurch zu gefährden, daß man den ordoliberalen Dissentern einen Grund zur Aufkündigung des “Eurorettungs”-Elitenkonsens gibt. Wenn das so ist, wäre schon aus einer Ablehnung des ESM heraus auch jede Attacke gegen den Fiskalpakt zu begrüßen. Mal abgesehen davon, daß beide den gleichen undemokratischen Geist atmen.

Vielleicht ist alles aber auch zum Teil Inszenierung und Arbeitsteilung? Die Sozis verhindern die Ratifizierung des Fiskalpakts und geben den Schwarzen damit die Möglichkeit, im letzten Moment aus dem ESM auszusteigen? Oder ist da der Wunsch der Vater des Gedankens? – M.E. sollte ja derzeit nach Möglichkeit buchstäblich alles blockiert werden, was die Handlungsfähigkeit auf der einzelstaatlichen Ebene vertraglich einschränkt.

topi Mai 9, 2012 um 14:48

Oh ja.
Die Welt wieder mal als CDU-Zentralorgan unterwegs.

Siems:”Statt Hollande darin zu bestärken, dass hohe Löhne und noch mehr staatliche Nachfrage das Gebot der Stunde seien, sollten die SPD-Granden für eine französische Kopie der Agenda 2010 werben….
Noch nie wurden in Deutschland mehr neue Jobs geschaffen als in den Folgejahren. Der Umbau des Sozialstaates, eine Deregulierung des Arbeitsmarktes und Steuerentlastungen haben Deutschland fit gemacht.

Dieses Modell ist zweifelsohne erfolgreicher als die südeuropäische Variante. Und so ist es geradezu absurd, dass die SPD für Euroland französische Rezepte für besser erachtet als das bewährte deutsche.”

Genau.
Deutschland hat Exportüberschüsse von knapp 6 Prozent des BSP, das müssen doch nur alle Länder haben, und schon wird alles gut.

Ich erkläre mich ausdrücklich bereit, die Überschüsse aufzunehmen, erkläre mich sozusagen für außereuropäisch; vielleicht schaffe ich davon ein paar Inseln an, sollen ja welche zum Verkauf stehen.

Ihr seid dann alle eingeladen, die arbeitsplatzschaffenden Superüberschüsse der vereinigten Agendaer mitaufzunehmen. Da brauchen wir doch nicht bis zum Mars. :roll:

topi Mai 9, 2012 um 14:53

Zur Verrats-Rhetorik.

Keine Überraschung. Die Wahlergebnisse machen halt nervös.

Ob die SPD auf die “bewährte” Lösung (@ Balken) zusteuert, weiss man noch nicht.

Aber das Wahlergebnis in Griechenland ist Weg weisend. Wer braucht eine Partei, die nicht im Interesse ihrer vorgeblichen Wählerklientel handelt?

Nun versucht man eben, mit ein wenig Krawallrhetorik Druck auszuüben.

topi Mai 9, 2012 um 14:55

@ Frankie

Wie zitierte “unser” (Gruß an HG) Währungspolitikprof so gerne eine deutsche Grundhaltung: ” Wer Schulden macht, ist auch sonst ein Lump.”

topi Mai 9, 2012 um 15:00

@ fl

“Deine historische Analogie – es war ja kein Vergleich … – führt in die Irre. Mit dem Fiskalpakt wird der Euro nicht funktionieren können”

Nein.

Für das Funktionierenkönnen des Euro ist der Fiskalpakt nicht so wichtig!

Der Weg der Haushaltskonsolidierung stellt das Problem dar, um wieder zu einer tragfähigen Räumung des Sozialproduktes zu kommen. Natürlich helfen ein paar kleine Prozente Staatsverschuldung bei der Räumung, aber das Problem liegt viel tiefer und ist größer; 8% Neuverschuldung sind schlicht undenkbar, auflängere Zeit.

Und solange die Inflationsdifferenzenaufsummierungen mit erheblichen Wettbewerbsfähigkeitsungleichgewichten nicht mal gestoppt sind, sondern immer nich weiter gehen, kann der Euro nicht funktionieren; Fiskalpakt hin, Eurobonds her (es sein denn, Stephan und Friends übernehmen und mahcne ganz unverkrampft Geldpolitik, damit ist das Überschußland einfach gelackmeiert; scheint mir aber unwahrscheinlich).

keiner Mai 9, 2012 um 15:01

Tsjaaaa, meine Damen und Herren topi und Bernankie, damit sind wir bei meiner Lieblingsdeutung der Kampflinie in diesem Kriege: Calvinismus (mit seinem Lieblingskind, dem Finanzkapitalismus) im finalen Kampf gegen Katholizismus. Keine Beichte hilft mehr dem Süden, die Schuld wird nicht vergeben! Amen…

someone Mai 9, 2012 um 15:04

Nee, erstmal ist bis nächsten Sonntag eh’ kein normales Statement mehr drin. Und zweitens muss man mit dem ESM auf die Stichwahl in Griechenland warten. Das waren ja nur Vorwahlen.

Nanuk Mai 9, 2012 um 15:05

@keiner
Nen Whiskey dazu…
http://www.youtube.com/watch?v=TaHMG_SvUkw

keiner Mai 9, 2012 um 15:05

btw: Hollande ist… na?… katholisch sozialisiert…

Carlos Manoso Mai 9, 2012 um 15:27

@ h.huett Mai 8, 2012 um 20:01
„, wenn sich die Rechte in Frankreich zerlegt, dann heißt das tatsächlich, dass angesichts der vorhersehbaren Turbulenzen die Rechten sich auf den Versuch vorbereiten, für das folgende Desaster die Linken in Haftung zu nehmen.
Wir laufen auf eine Politik des unerklärten Ausnahmezustands zu.“

Huett, daß wir „auf eine Politik des unerklärten Ausnahmezustands“ zulaufen, sollte spätestens schon der 11. September 2001 ins „westliche“ Bewusstsein gerückt haben. Das „Zentrum des Zentrums“ wurde live getroffen und somit live klar, dass niemand mehr in den „demokratischen Zentren“ vor den barbarischen Konsequenzen des globalen Krisenkapitalismus sicher sein kann. Daß große Menschenopfer nicht weiter immer nur an der Peripherie stattfinden. Deshalb verfällt das „westliche“ Bewusstsein so irrational in Raserei, sobald die „gute Stube“ des „Westens“ ein paar Blutspritzer abbekommt, während Millionen Leichen von verhungerten und verbrannten Lazarussen des totalitären Weltmarkt-Systems niemanden jucken. Soviel zur Theologie der „demokratischen“ Empörung.

Natürlich verwies der 11. September 2001 einzig und allein auf die Unhaltbarkeit der kapitalistischen Logik des totalitären Weltmarkt-Systems, daß der negative Universalismus des mit ökonomischen Terror längst aus dem Ruder gelaufenen totalitären Systems am Ende ist.

Daß es keine Zukunft von Herrschaft in veränderter Form unter einem neuen Nomos kapitalistischer Objektivierung mehr geben kann, zeigt sich allein schon in den laufenden Zerfallsprozessen der Souveränität in der Peripherie: anomische Gewalt, ziellose Destruktion.

Kurzum: Im Prozess der betriebswirtschaftlichen Globalisierung des Kapitals (= “Sparexzesse der kapitalistischen Staaten global”) verliert die Politik als solche zusammen mit ihrer zerfallenden alten nationalstaatlichen Grundlage auch in den “westlichen” Zentren jegliche Bedeutung als zusammenfassende Kraft der Gesellschaften.

Kapitalismus geht eben nicht ohne „Souveränität“ und der Kapitalismus zerstört die Souveränität irreversibel. Die unheilbare Krise der Ökonomie führt zur unheilbaren Krise der Politik und diese schlägt wieder auf die Ökonomie zurück usw. usw. in immer schnelleren Kreisläufen. Exit.

Doktor D Mai 9, 2012 um 15:52

Ich hoffe, dass nach diesem Artikel jeder Sozialdemokrat den Raum verlässt, wenn ein WELT-Autor ihn betritt. Bundepressekonferenz inklusive.

konradi Mai 9, 2012 um 15:58

Nur mal so zum Spaß und zur Verteidigung der “Giftmischerin” Dorothea Siems – ich weiß ja, das Leute, die sich rechts von Sahra Wagenknecht positionieren in diesem Blog in summa gnadenlos gemobbt werden – ein Link zu einem Kommentar von Roland Tichy. Man beachte insbesondere den letzten Abschnitt !! ;-)

http://blog.wiwo.de/chefsache/2012/05/05/den-euro-abwahlen/

Aber vermutlich ist auch die Urteilskraft von Tichy nur Ausgeburt einer verwirrten “schrillen Stimme” – nicht wahr, lieber Wirtschaftsexperte Hütt ? ;-)
.

Nanuk Mai 9, 2012 um 16:07

@konradi
Dann laufen die Steuerzahler davon?
http://www.youtube.com/watch?v=7LgWlAUnW9w

h.huett Mai 9, 2012 um 16:08

Lange Zeit diesen speziellen Troll nicht mehr gesehen….

Hier sind bekanntlich alle willkommen, so lange sie Widerspruch aushalten. Daran schien mir in dem Fall des Herrn “konradi” besonders erkennbar Mangel zu herrschen. Sind die Wunden der unerbetenen Analyse geheilt? Muss ich wieder beißen? Oder daran erinnern, wann Sie zuletzt unter Hassgesang das Weite suchten?

Ach was. Egal. Nur weiter so. Es fehlen noch Proskriptionslisten (schauen Sie mal in die römische Geschichte). Irgendeiner muss sie ja zusammenstellen. Fangen Sie schon mal damit an.

konradi Mai 9, 2012 um 16:09

@ Nanuk – wart´s ab …;-)

konradi Mai 9, 2012 um 16:11

Tut Narzissmus und krankhafte Eitelkeit eigentlich weh, lieber Hans Hütt ? ;-)

Blo"gg"erkeule Mai 9, 2012 um 16:16

@ topi

zu den 8% nur
Zins-Wachstumsdifferential und Langfristigkeit, sowie 93% Schuldenquote vom BIP – aber jetzt europäisch gerechnet

insofern grundlegend :
http://www.bundesbank.de/download/volkswirtschaft/mba/2010/201004mba_verschuldung.pdf

Blo"gg"erkeule Mai 9, 2012 um 16:21

@ konradi und alle ferrarifahrerflüchter

schon das zauberwort gelesen

http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/internationale-kapitalverkehrskontrollen.html

Blo"gg"erkeule Mai 9, 2012 um 16:25

übrigens das hoppen in den Graphiken bei Gabler ist genial – Suchtgefahr !!!

h.huett Mai 9, 2012 um 16:35

konradi

Diese Frage müssen Sie sich schon selbst beantworten (und darüber nachdenken, wo wir uns zuletzt begegnet sind). Immerhin respektiere ich die Anonymität

Carlos Manoso Mai 9, 2012 um 17:40

@konradi Mai 9, 2012 um 15:58
„Nur mal so zum Spaß und zur Verteidigung der “Giftmischerin” Dorothea Siems – ich weiß ja, das Leute, die sich rechts von Sahra Wagenknecht positionieren in diesem Blog in summa gnadenlos gemobbt werden – ein Link zu einem Kommentar von Roland Tichy. Man beachte insbesondere den letzten Abschnitt !!“

Tichy argumentiert, dass die gemeinsame Währung Euro den „Schleier erbarmungslos weg“reißt, während die nationale Währung ein „Schleier“ ist, „hinter dem sich verbirgt, was nicht wirklich funktioniert.“ Tichy: „Die Euro-Preise legen gnadenlos offen, wer von Lissabon bis Lubice, von Aarhus bis Athen zum billigsten Preis anbieten kann.“

Richtig, die Eurozone ist nichts anderes als ein Schlachtfeld des totalen Konkurrenzkampfs um Profit- und Marktanteile. Das Einzelkapital wird durch die Konkurrenz gezwungen, Lohnkosten zu reduzieren, durch Lohnkürzungen, Entlassungen und Automatisierung der Produktion. Der Konkurrenzkampf entscheidet darüber, ob und welche Einzelkapitale Mehrprofite realisieren können. Das Problem ist nur, dass der „Erfolg“ der Einzelkapitals beim Absenken der Lohnkosten zum Problem beim Warenabsatz wird. Historisch war es so, dass das System aufgrund dieses Widerspruchs periodisch Kollapsanfälle bekam, wenn es zu weit in Richtung steigender Profite auf Kosten der Lohnkosten drehte.

Also, die Sparorgien des Kapitals bei den Lohnkosten müssen flankiert werden mit Sparorgien bei den Konsumausgaben der Privaten, den Ausgaben der Staaten usw., was einerseits folgerichtig ist, andererseits den Widerspruch auf eine unlösbare Spitze treiben könnte, die mit zivilisierten Methoden nicht mehr zu lösen ist.

Entscheidend ist aber, dass die Eurozone das Schlachtfeld des TOTALEN Konkurrenzkampfs ist. Wie gesagt wird der Konkurrenzkampf ausgetragen durch „Lohnkürzungen, Entlassungen und AUTOMATISIERUNG der Produktion“, d.h. wir haben eine neue, totale Qualität des Konkurrenzkampfs vor allem dadurch, dass wir eine enorm beschleunigte Automatisierung, eine mikroelektronische Revolution in der Produktion sehen. Marx analysierte, die „wahre Schranke des Kapitals ist das Kapital selbst“, womit er das Vorhandensein einer absoluten Grenze der kapitalistischen Produktionsverhältnisses andeutete.

Schätze mal, die mikroelektronische Revolution in hunderttausenden Produktionen in der Eurozone baut gerade genau diese absolute Grenze des kapitalistischen Produktionsverhältnisses irreversibel auf.

Fichy: „Sigmar Gabriel glaubt an einen vierten Weg: die Abschaffung der Finanzmärkte und höhere Steuern für alles Mögliche. Dann laufen die Steuerzahler davon. Die Finanzmärkte brauchen Herrn Gabriel weniger als er sie. Und vielleicht könnte es sein, dass dann selbst der bislang brave Deutsche den Euro abwählen will.“

Einem Tichy bleibt nur noch übrig, sich in seiner “Wirtschaftswoche” als ignoranten Idioten zu outen.

snozin Mai 9, 2012 um 18:25

@ Treidelstein Mai 8, 2012 um 14:22

Bei der Nachlese habe ich doch tatsächlich noch deine Frage aufgefischt, ob der @snozin das Ausscheiden von Real Madrid nicht verkraftet hat. Ich habe es verkraftet, wenn auch bis heute nicht ganz verstanden. Ungleich schwerer verkraftbar, dass dem FC Barcelona die Luft ausgegangen ist, denn an dieser Truppe fasziniert mich, wie sie in der Abfolge weniger Sekunden immer neue, erstaunliche Geometrieaufgaben herzuzaubert, für die sie mitunter ganz verblüffende Lösungen parat hat. Wie man das nennt …dass manche dazu „Fußball“ sagen …dass es, wie du sicher richtig vermutest, Target-2-finanziert ist …geschenkt.

Zum Blog:

Das Berufsbild der Türsteher besagt, dass sie Sinn für Satire oder einen Sketch nicht zu erkennen vorgeben oder gleich gar nicht aufbringen können. Ein bevollmächtigter Türsteher im Gelegenheitsjob hat mir um die Mitte April zu verstehen gegeben, dass ich bei Wiesaussieht nichts mehr zu suchen habe. Für Anregungen immer offen, habe ich herausgefunden, dass ihm zumindest teilweise, vielleicht auch in sehr weiten Teilen Recht zu geben ist…

Natürlich tummle ich mich weiter als Geist in den Kellergewölben und Balustraden des Versammlungshauses. Ein hoch interessanter Beobachtungspunkt, den ich gefunden habe, ist eine Art Hohlspiegel, der alles, auch die Personen (hier gemünzt auf den Türsteher), verkehrt herum zeigt. Es geht aber vorrangig um die Taten, die Richtungen, die Empfehlungen einschließlich aller Details …und es tut sich …auch dabei …eine verblüffende Geometrie auf: das Gegenteilige ist oft mit hoher Präzision der richtige Pfad hin zur Lösung.

P.S.: Sagt ihm, er kann sich jetzt wieder richtig hinstellen.

Blo"gg"erkeule Mai 9, 2012 um 19:27

@ snozin + Treidelstein

“…wie sie in der Abfolge weniger Sekunden immer neue, erstaunliche Geometrieaufgaben herzuzaubert, für die sie mitunter ganz verblüffende Lösungen parat hat.”

Führt zu der Erkenntnis des Fascinosums beim Hallenfußball und der unschlagbaren Begeisterung jede frei Sekunde in der Halle dafür einzusetzten. Und wenn Du dann die Flugbahn des Balles inklusive Torpfosten Verformungen erahnst – boh ey !!!
Das inner Formel festgehalten?

Viel Spaß nachher mit den Athleten ;-)

Blo"gg"erkeule Mai 9, 2012 um 19:41

@ snozin

Es ist auch wichtig mal zu gewinnen oder ein Unentschieden stehen zu lassen. Aber das schönste war aufzuholen, weiterzuspielen, kämpfen mit- und gegeneinander in Respekt – zu zweit oder dritt in Kombination, blindlings, rückwärts, per Hacke, mit der Brust, dem Kopf … im Sprung, Flug, Sitzen, Liegen oder aus dem Stand !

Richtig – es gab nur einen Gerd Müller .

Balken Mai 9, 2012 um 19:49

Dr. D: “Ich hoffe, dass nach diesem Artikel jeder Sozialdemokrat den Raum verlässt, wenn ein WELT-Autor ihn betritt. Bundepressekonferenz inklusive.”

Nein, der Sozialdemokrat schiebt sich vor, um vom Zentralorgan für die Arbeiterklasse interviewt zu werden, und am nächsten Morgen schlägt er wie immer als erstes zitternd die Bildzeitung auf.

.

Frankie Bernankie Mai 9, 2012 um 23:00

Es ist nicht alles schlecht was die Mainstream – medien schreiben.
Noch gibts den wackeren Münchau, die Stimme der vernunft.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/euro-krise-sparpolitik-verstaerkt-die-schuldenkrise-in-griechenland-a-832034.html

Folkher Braun Mai 9, 2012 um 23:02

@Balken:

… oder die ADAC- Motorwelt.

Sozialdemokraten gegen den Fiskalpakt Mai 10, 2012 um 08:45

Ich hab auch schlucken müssen, als ich das gelesen hab. Diese Journalisten ist vollkommen durchgeknallt. Es ist aber nicht das erste Mal, dass die WELT so völlig danebenliegt. Jüngst sprach da ein anderer Kollege von der drohenden “Machtergreifung (!!!) des Sozialisten Hollande”. Das war der Redaktion dann wohl doch zu peinlich, so dass sie den Satz leicht umgewandelt haben. Das Internet aber vergisst nie ;-) http://www.politik-pur.de/2012/03/21/wahl-in-frankreich-die-grosse-angst-der-investoren-vor-hollande-die-welt/

egal Mai 10, 2012 um 11:20

@Folkher Braun
Klar, die ADAC-Motorwelt. Siehe aktuelle Ausgabe Seite 22, Graphik so gefräßig ist der Staat.
http://www.nachdenkseiten.de/?p=12893

Balken Mai 11, 2012 um 11:13

“Die Nerven liegen blank. Die Töne werden schriller.”
Wenn die Wiedergängerin Brünings bis zum Sommer durchsteht (und das ohne, wie schon beim Ausstieg vom Atomausstieg, die nächste Kehrtwende zu vollführen) werden wir solche Töne
http://www.wiesaussieht.de/2012/05/02/entmythologisierung-des-fiskalpakts-frau-merkel/#comment-28228 unserer seriösen Medien auch gegenüber Frankreich vernehmen. Frau Siems war dann nur ein Vorgeschmack.
Ist das denkbar? Nein. Also wer weicht zurück, Merkel, Hollande?

landbewohner Mai 11, 2012 um 17:20

Dorothea Siems???????????ßß
sag ich da: ach nein oder weia oder gar nix?
auf jeden fall habe ich von der frau noch nicht einen vernünftigen satz gelesen.

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