Die Tyrannei der Arithmetik

by Stephan on 25. Mai 2012

Dirk Elsner hat auf dem Blick Log einen Beitrag verfasst, warum ihn die Austeritäts-Debatte nervt. Die Debatte ist tatsächlich nervend, aber aus völlig anderen Gründen. Natürlich würden wir uns alle viel lieber Sorgen darüber machen, ob die Facebook-Aktie unter- oder überbewertet ist. Aber leider haben wegen der Austeritäts-Politik andere Menschen andere Sorgen und lösen ihre Probleme, indem sie vom Dach ihres Hauses springen. Dieses ganze Austeritäts-Elend ist absolut unnötig und deshalb ist eine Austeritäts-Debatte nötig, auch wenn sie Dirk nervt. Meine Kritik an seinem Beitrag habe ich auf Twitter zusammenfasst mit: Dirk ist jemand, der mit seiner Mikrobrille in der Makrowelt im Dunkeln tappt.

Gestern hat der Wirtschaftsphilosoph einen Beitrag “Ist die Austeritätsdebatte unnötig bis schädlich?” zu dem Thema verfasst und dabei nicht nur Dirks Beitrag, sondern auch Paul Krugman und mich kritisiert. (Ich finde es ein bisserl übertrieben neben PK in Klammern erwähnt zu werden :~) Die Austeritäts-Gegner erläutern ihre Thesen schlecht, wiederholen immer nur ihr Anti-Austeritäts-Mantra und wer danach noch immer nicht überzeugt ist, ist halt ein Volldepp. Wobei Krugman eigentlich nicht von Volldeppen spricht, sondern von VSP aka “Very Serious People”. Ist das so? Ich weiß es nicht. Aber ich reite gerne eine neue Attacke gegen das Glaubenssystem der Austeritäts-Befürworter.

Ich habe sogar ein gewisses Verständnis dafür, dass Dirk & Kollegen genervt auf Paul Krugmans Predigten reagieren. Soweit ich mich erinnern kann hat der sehr vermisste Thomas Strobl auch einmal angemerkt, dass ihm Krugman auf die Nerven geht, weil man viele seiner Beiträge mit einem Satz zusammenfassen kann: “I told you so”. Und Krugman sehr gerne ex-post Betrachtungen publiziert und sich dann auf die Schulter klopft. Daher im Folgenden mal keine Argumente von akademischen Hokus Pokus Ökonomen wie Krugman oder Stiglitz, sondern von einem Kollegen vom Bankier Dirk Elsner. 2010 hat der damalige Managing Director von PIMCO Paul McCulley einen Aufsatz “Global Central Bank Focus: Facts on the Ground” (PDF) veröffentlicht. Er startet mit:

…but first the punch line: front-loaded austerity in countries with their own fiat currencies is unwarranted and is likely to have deleterious, deflationary effects on the global economy. How so? Let’s start with a simple tautology for any individual country: Household Financial Balance + Business Financial Balance + Government Financial Balance + Foreign Financial Balance = 0

Again, double-entry bookkeeping: the only way one of the four sectors can run a deficit or surplus is for one or more of the other three sectors to run the opposite. This assertion doesn’t, of course, tell us anything about causation. Nor does it tell us about the composition or the sustainability of the starting positions for global stocks of debt and assets. It’s simply the tyranny of arithmetic for the flows of funds.

Auf die Qualifizierung “mit eigener FIAT Währung” komme ich später zu sprechen. Die obige Gleichung ist eine schlichte Buchhaltungs-Identität und muss per definitionem gelten. Wie Paul McCulley sagt, hilft sie uns nur dann weiter, wenn wir die Dynamik in den verschiedenen Sektoren betrachten. Er macht das an dem Beispiel USA. Der Privatsektor (Haushalte und Firmen) produziert Überschüsse. Die US Haushalte müssen ihre Rekordverschuldung reduzieren. Die US Firmen horten ihre Rekordprofite. Der Auslandssektor – Schwellenländer wie Deutschland – arbeitet hart, um US$ Überschüsse zu erwirtschaften. Die Kehrseite der Medaille ist das Defizit des US Staatssektor, wie diese Grafik zeigt.

Was passiert, wenn der Staatssektor diese Dynamik in den beiden anderen Sektoren ignoriert bzw. negiert? Er also auch geringere Defizite oder sogar Überschüsse erzielen will. Das Resultat dieser Wirtschaftspolitik kann man in Spanien besichtigen. Die spanische Ausgangslage war ein bisschen anders als in den USA. Der Privatsektor hochverschuldet und der Auslandssektor erzielte Überschüsse von bis zu 10% des spanischen BIP. Aber der spanische Staatssektor produzierte Überschüsse. In Ermangelung einer eigenen Währung konnte der Staatssektor auf den Kollaps nicht a’la USA reagieren und Spanien stolperte von der Großen Rezession in die Große Depression.

Was sind denn nun die Gegenargumente der Austeritäts-Befürworter? Im Prinzip lauert mehr oder weniger versteckt hinter jedem Gegenargument die Theorie von der Ricardian Equivalence. Erfunden von einem Robert Barro in Harvard kann man diese Theorie sehr schön mit einem Satz von David Graeber beschreiben: “What I’m arguing … is that economics is a field that largely creates the reality it describes and then naturalizes it, and by doing so, they’re doing us all a world of harm.” Wie schaut also diese frei erfundene “Realität” von Robert Barro aus? Verkürzt gesagt: wenn der Staatssektor das Defizit per Mehrausgaben erhöht, nutzt das gar nichts. Denn der Privatsektor antizipiert die zukünftigen höheren Steuern und fängt gleich mal zum Sparen an, um diese Steuern bezahlen zu können.

Wie Paul McCulley schön argumentiert, nutzen die Austeritäts-Befürworter eine Inverse Ricardian Equivalence Logik. Wenn der Staatssektor spart und sein Defizit reduziert, dann verschwindet die Angst des Privatsektors vor zukünftigen höheren Steuern. Das Vertrauen kehrt zurück. Konsumenten konsumieren wieder. Unternehmen investieren wieder. Kredit werden wieder nachgefragt. Die aggregierte Nachfrage des Privatsektors explodiert. In Europa ist vor allem Jean-Claude Trichet als fast religiöser Anhänger dieser Theorie aufgefallen. In jedem Luxus-Resort hat er über die Segnungen durch das neu gewonnene Vertrauen des Privatsektors gepredigt. Und auch in Dirks Beitrag findet sich das “Vertrauen” verdächtig häufig.

Das einzige Problem: die Realität will nicht so wie die Theorie. Wenn die Haushalte sowieso überschuldet sind und wegen steigender Arbeitslosigkeit auch noch Angst haben, warum sollen sie dann mehr konsumieren? Und wer gibt ihnen – wenn gewünscht – Kredit? Die Haushalte sind eher damit beschäftigt, ihre Finanzen in Ordnung zu bringen. Und die Unternehmen? Warum sollen die plötzlich ihre Animal Spirits entdecken, wenn die Haushalte nicht viel ausgeben und der Staatssektor auch nicht? Ausgaben sind Einnahmen. Unternehmen differenzieren nicht, ob das Geld vom Privat- oder Staatssektor kommt. Tatsächliche und antizipierte Einnahmen schaffen Vertrauen und wecken die Animal Spirits. Dann wird investiert und Arbeitsplätze geschaffen. Das letzte Wort dazu hat Paul McCulley:

Thus, front-loaded fiscal austerity makes absolutely no sense, unless you believe Ricardo was right and that the private sector in the developed world has no balance sheet problem, only fears of future taxes. And that the moon is made of green cheese.

Jetzt müsste ich noch eine Jeremiade über den Euro schreiben, wegen der Qualifizierung von Paul McCulley “mit eigener FIAT Währung”. Aber der Beitrag ist sowieso schon so lang. Da reiche ich den Stab an den Wirtschaftsphilosophen weiter, in der Hoffnung auf einen Beitrag von ihm. Vielleicht noch eine Schlussbemerkung: Viele Kommentatoren hier führen gerne eine Systemdebatte. Zum Beispiel Carlos mit seinen Hinweisen, dass der Kapitalismus ganz von alleine an die Wand fährt. Ich habe nichts gegen Systemdebatten und finde persönlich das System des Finanzkapitalismus auch suboptimal, um es milde zu formulieren. Trotzdem sollte man meiner Meinung nach unterscheiden. Man kann eine Debatte über Probleme wie Austerität JA oder NEIN im Rahmen der Systemlogik führen. Das habe ich hier versucht. Und man kann eine Meta-Debatte über die Systemlogik als solche führen. Das ist aber eben eine andere Debatte.

{ 73 comments }

Schatten Mai 25, 2012 um 20:50

Ja gut, möchte man meinen – also? Staatsausgaben hoch?

Ist das Problem nicht, dass staatliche Mehrausgaben, Mehrverschuldung, sich über die Märkte nicht finanzieren lässt?

Also eine Gelddruckaktion der EZB?

Inflation ist ja auch so eine Sache: Wer Schuldner sein will und muss, beschädigt doch nicht seine Glaubwürdigkeit durch Geldverschlechterung, oder?

Zumal dadurch die Periode der Austerität nur nach hinten verschoben wird – ein Volcker wird kommen müssen, irgendwann.

Bleiben ja dann eigentlich nur noch höhere Steuern. Aber wie besteuert man globale Vermögen mit nationalstaatlichen Mitteln… – Eben!

topi Mai 25, 2012 um 20:51

@ Stephan

Tapfer bleiben! ;-)

Was fehlt, in dem eh schon zu langem Beitrag: es gibt auch theoretisch keine Möglichkeit des Deleveraging?

topi Mai 25, 2012 um 20:56

Ach Schatten.

Das Sozialprodukt wird jährlich geräumt (oder wird zur “Lagerinvestition”). Auch Vermögenssteuern im moderaten Ausmaß dienen nur dazu, Teile des laufenden EInkommens umzuverteilen.

Etwas anderes wären gröbere Vermögensabgaben, die könnten zu wirklichem Schulden- aka Geldvermögensabbau führen.

topi Mai 25, 2012 um 21:07

@ Stephan
Inverse Ricardian Equivalence Logik

Da glauben die doch selbst nicht dran, oder glaubst du das?

Es gibt allerdings Erfahrungswerte, dass harte Kürzungsprogramme mit Lohnsenkungen etc. tatsächlich “wirken” können; gut, sehr hohe Wachstumsraten nach genügend großem Einbruch kann man distanzierter sehen, aber in der Folge kann es ja anschließend zu erheblichem Kapitalzufluss mit Aufschwung führen. (wer davon direkt profitiert, ist klar)

Aber was halten die Austeritätsfreunde eigentlich von der Empirie konzertierter AUsterität?

Die ist doch wirklich eindrucksvoll. :roll:

BB Mai 25, 2012 um 21:28

“… only fears of future taxes …”

Jo, sehr schön das primäre handlungsleitende Motiv der gegenwärtigen Politik modell-theoretisch auf den Punkt gebracht.

Eagon Mai 25, 2012 um 21:33

Die Frage die mich beschäftigt, warum haben Dirk Elsner und die anderen mit ihrer Argumentation so grossen Erfolg bei Politikern?

Ist hier nicht statt Argumentation eher Siegmund Freud gefragt?

Hinterher wußte Kennedy auch, dass die Schweinebucht-Geschichte eine ziemlich dumme Idee war?

Keine Angst vor Fehlinvestitionen.

Siehe aktuell Thyssen Krupp.

Auch sie beleben die Wirtschaft.

Die Investitionskosten für viele neue Produktionsanlagen sind mittlerweile so hoch, dass stemmen immer weniger Firmen, es gibt nicht mehr den grossen Wettbewerb.

Intel hat gar keine Wettbewerber mehr , es sei denn China beschliesst mindestens 500 Milliarden US_Dollar in die nächste Generation der Chip-Fertigung zu investieren.

Eigentlich hat jetzt schon überall der Staat seine Finger drin.

Die Investitionskosten sind gigantisch.

Austerität bedeutet also seine Wirtschaft nicht mehr in notwendiger Weise unterstützen zu können.

Um wieviel wird also unsere Wirtschaft wachsen streicht der Staat den Unternehmen alle Subventionen?

Was bedeutet das für die Output-Qualität?

holger Mai 25, 2012 um 21:36

—>>>Das einzige Problem: die Realität will nicht so wie die Theorie. Wenn die Haushalte sowieso überschuldet sind und wegen steigender Arbeitslosigkeit auch noch Angst haben, warum sollen sie dann mehr konsumieren? Und wer gibt ihnen – wenn gewünscht – Kredit?”

Wer stellt seit etlichen Monden diese Fragen? :D Wer? Und wieder der gleiche Denkfehler: Wer ist noch Kredit WÜRDIG?

Nicht, Wer gibt den Kredit!

Sondern, wer ist noch in der Lage Kredit empfangen zu dürfen. Hosianna.

http://www.youtube.com/watch?v=vnRLfY2mzUs

Stephan Mai 25, 2012 um 21:53

@Topi
Das “Deleveraging” nicht funktioniert wenn es alle Sektoren und alle Nationen machen wissen wir beide. Hat sich noch nicht zu Frau Merkel, Herrn Schäuble und Herrn Weidmann herumgesprochen.

Natürlich kann das mit der Austerität klappen im Einzel-/Sonderfall. Also wenn Deutschland die neue Agenda 2015 ausruft und der Rest der Welt boomt und dann total gierig DE Produkte aufsaugt. Weil so “billig”.

topi Mai 25, 2012 um 21:59

Sag ich ja. Und der Austeritätsfan schließt einfach mal auf die Allgemeinheit.

Dabei ist doch doch die Empirie konzertierter Austerität so eindeutig.
:roll:

Stephan Mai 25, 2012 um 22:08

@Topi
Also die Empirie hat den Herrn Barro noch nie interessiert. Seit er sein Thema gefunden hat taucht er mit erstaunlicher Pünktlichkeit immer im Wall Street Journal auf wenn die US Regierung oder irgendeine andere Regierung über höhere Ausgaben nachdenkt und erklärt mit beständiger Hartnäckigkeit: Das hilft gar nicht! Wenn dann der Privatsektor doch nicht aus Panik vor zukünftigen Steuererhöhungen zu Sparen beginnt schreibt er einfach kein Op-Ed. So einfach ist das.

Eagon Mai 25, 2012 um 22:50

Barro ist nur die notwendige Gegentheorie.

http://de.wikipedia.org/wiki/Haavelmo-Theorem

Mich wundert, dass Arbeitnehmer die seit 30 Jahren auf reale Lohnerhöhungen verzichten mußten, anscheinend keine Motivationsprobleme bekommen.

Aber wenn Reiche statt real 20% 50% Steuern bezahlen müssen, dann bricht die Wirtschaft wegen den Effizienzverlusten zusammen.

Ein zweites Roosevelt darf und soll es nicht geben.

Im Notfall läßt man zunächst Deutschlands größten Redeflussphilosophen jeden intellektuellen Widerstand zerbrechen.

Selbst ein Grass der etwas über die soziale Lage sagen möchte hat keine Chance mehr in den käuflichen und in den öffentlichen Medien zitiert zu werden.

Nur wenn es absurd genug ist und ökonomischen Belangen ungefährlich wird Pseudokanonendonner zu hören sein.

Liquid Democracy.

Fröstelt es euch nicht von unwissenden, nicht am verstehen interessierten, ferngesteuerten Medienzombies parlamentarische Gesetze zu bekommen?

Keynesianer Mai 26, 2012 um 00:05

@Stephan

“Man kann eine Debatte über Probleme wie Austerität JA oder NEIN im Rahmen der Systemlogik führen. Das habe ich hier versucht. Und man kann eine Meta-Debatte über die Systemlogik als solche führen. ”

Die richtige Debatte wäre weder die ständig wiederholte Widerlegung des Blödsinns von Angebots- und Austeritätspolitik, noch natürlich die Debatte über den unvermeidlichen Untergang des Kapitalismus (weswegen wir dann fröhlich dem Forttreiben des entsetzlichen Geschehens zusehen sollen, statt etwas dagegen zu unternehmen (was der eigentliche Zweck des ganzen Marxismus ist)).

Weil ich doch davon ausgehe, dass auch die Vertreter der Austeritätspolitik nicht so dumm sind, an ihre ökonomischen Theorien auch nur eine Millisekunde selber zu glauben, geht es eigentlich nur um die Frage, was die Kreise damit wirklich vorhaben.

Das wäre das richtige Thema. Und dann, wie der Widerstand dagegen zu organisieren ist.

Auch Krugman geht einem damit auf den Keks, ständig nur zu beweisen, wie recht er doch hat und wie unbezweifelbar seine ökonomischen Argumente sind, statt endlich zu dem Thema zu kommen, was die herrschenden Interessen denn nun eigentlich vorhaben.

Welchem Ziel also die ständige Verschärfung der Krisen gesellschaftspolitisch dienen soll und wie wir das verhindern.

Joerg Buschbeck Mai 26, 2012 um 07:40

@Stephan

Gratulation zum Krugman Vize, frei nach einem alten Karat Hit:

“über diese Antlantik-Brücken sollst Du gehen….” :-)

>>>Verkürzt gesagt: wenn der Staatssektor das Defizit per Mehrausgaben erhöht, nutzt das gar nichts. Denn der Privatsektor antizipiert die zukünftigen höheren Steuern und fängt gleich mal zum Sparen an, um diese Steuern bezahlen zu können.

Ist denn keine HORTER-SCHUTZBEHAUPTUNG zu kurios um ernsthaft postuliert zu werden?

Noch peinlicher finde ich die “crowding out Lüge”. Diese ist in Käufermärkten durch deren schiere Existenz widerlegt….

Und @Keynesianer …..da kannst Du noch so viele finstre Mächte vermuten….wenn nicht fast alle bei diesen peinlichen Horterschutzbehauptungen mitspielen würden, könnte der Wahnsinn nicht funktionieren.

Die Horter-Kaiser sind nackt, aber IHR müsst Sie auch mal weglachen….

http://www.youtube.com/watch?v=1XBEqyu5Mck

Joerg Buschbeck Mai 26, 2012 um 07:51

Die Dynamik des Zusammenbruchs kommt aus den Kredittilgungen. Das Problem muss endlich auch mal QUANTITATIV diskutiert und bewertet werden….

Wenn KEINER! seit Jahresanfang auf meinen google Nr.1. Beitrag (Suchwort Kredittilgungen) dazu klickt…kann dies bisher nicht der Fall sein.

http://www.global-change-2009.com/blog/die-kredittilgungen-und-das-wirtschaftliche-gleichgewicht-2/2012/01/

@Stephan
Wenn Du der deutsche Krugman bist, bin ich der deutsche Koo :-)

Eagon Mai 26, 2012 um 08:22

@Buschbeck

Jetzt haben ‘kluge’ Menschen berechnet 90% Staatsverschuldung danach brechen alle Dämme und das BIP schrumpft wegen Staatsversagen nicht wegen Marktversagen.

Kannst DU berechnen wann das Marktversagen, die Verteilung der Einkommen, zu ernsthaften Problemen in wirtschaftlichen Entwicklung führt?

Von alle Einkommen sind gleich verteilt, und alle sind im gleichen Maße Schuldner des anderen, bis eine kleine Gruppe ist Gläubiger aller anderen und konzentriert das meiste Einkommen auf sich.

Ist dann die Verschuldung das ursächliche Problem oder die Verteilung der Einkommen?

(Abgesehen von anderen Größen Wachstumsrate, Zinssatz, …)

Eine Frage an den KOO.

Wie sind in Japan die Einkommen verteilt?

Wachsen dort die Einkommen real im Gleichschritt mit der Zunahme der Arbeitsproduktivität?

Ist das vielleicht das Problem, die Verteilung der Einkommenszuwächse?

Joerg Buschbeck Mai 26, 2012 um 08:36

@Eagon

Ich kann nur immer wieder mein Lied singen – es gibt Sie, es gibt Sie wirklich….die Weltformel der Ökonomie mit Geld, auf der man wie beim 1mal1 aufbauen sollte:

“Ein wirtschaftliches Gleichgewicht besteht in einer Periode, wenn die Pläne, Geldvermögen aufzubauen, mit den Plänen, Geldvermögen abzubauen, übereinstimmen.”

Auch extrem ungleiche Einkommen können darin zu ökonomischen Gleichgewicht führen, auch ohne Staatsverschuldung. Ist eine reine Frage der Präferenzen bei Geldhaltung versus Sachwerthaltung.
Dass aus vielen anderen Gründen diese extremen Einkommensspreizungen nicht gut sind, ist aber keine Frage.

Joerg Buschbeck Mai 26, 2012 um 09:18

Koo zum japanischen Problem der Präferenzen der Geldhaltung:

Koo: Und in Japan kommt dazu, dass das Geld in den Haushalten von den Ehefrauen kontrolliert wird. Die Männer haben in finanziellen Dingen überhaupt nichts zu sagen. Der Ehemann kommt nach Hause, liefert sein Geld bei der Frau ab und bekommt ein bisschen Taschengeld. Was mit dem Rest geschieht, das entscheiden die Frauen – und japanische Hausfrauen sind sehr konservativ. Deshalb versuchen sie immer, einen bestimmten Anteil ihres Einkommens zu sparen.

http://www.welt.de/wirtschaft/article7810585/Oekonom-preist-japanische-Schulden-als-vorbildlich.html

Keynesianer Mai 26, 2012 um 10:05

@Joerg

Deine Argumente finde ich ja sehr wichtig, das muss auch jemand machen und vermutlich könnte es niemand besser. Nur wirst Du damit nicht wirklich bei den Massen durchkommen, weil das die Massenmedien verhindern. Die propagieren jeden Tag das Sparen und wie wichtig doch die Geldwertstabilität sei von BILD bis RTL4 und Du kannst dann versuchen, stundenlang ´ne Oma vom Gegenteil zu überzeugen. ;)

Das Sparen beendet man mit Inflationierung durch steigende Löhne. Das haben die auch in Japan versäumt. Wenn die Hausfrauen dann trotz Geldentwertung weiter sparen, ist das auch kein Problem. Das Problem ist die Stabilitätspolitik seit über dreißig Jahren.

Bei den dafür Verantwortlichen muss man ansetzen.

Dann gibt es auch noch so zehn Prozent der Bevölkerung, die wirklich von der Krise profitiert haben seit drei Jahrzehnten und die das genau wissen, auch wenn sie sich blöder stellen als eine schwäbische Hausfrau. Bei Amazon haben die sich gleich gegen das neue Buch von Krugman verwehrt:

“Herr Krugman ist die Sorte von Menschen, die man gemeinhin als Schreibtischtäter bezeichnet. Er will die fleißigen Menschen um ihr Erspartes bringen und es via Inflation den faulen Menschen geben.”

“Als Sofortmaßnahme mag sich manches von Krugmans Vorschlägen möglicherweise eignen. Würde sich sein Ansatz allerdings dauerhaft etablieren, wäre dies ein Schritt hin zu noch mehr Verantwortungslosigkeit. Eine Inflationsrate von 4% wäre bald nicht mehr ausreichend, die Büchse der Pandora wäre geöffnet. Krugmans Strategie würde zudem ausgerechnet die Redlichsten bestrafen – wer Schulden hat, wen Kreditlasten drücken, den mag eine Inflation entlasten; die Reichen könnten mit ihr leben.”

Diese kleinen Krauter und schwäbischen Hausfrauen wird man auch in 100 Jahren mit Argumenten nicht überzeugen. Aber eine nette VT gegen die obersten 1 Prozent, die uns 99 Prozent mutwillig in Not und Elend treiben, die könnte es bringen. :)

Joerg Buschbeck Mai 26, 2012 um 10:21

ach so Keynesianer, jetzt habe ich Deine “nette strategische VT” verstanden :-)

Und klar werde ICH keine Massen überzeugen, weil ich auch kein WER bin. Aber ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass “WER’s” bei mir “klauen”.

Systemfrager Mai 26, 2012 um 12:22

>>> Aber ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben

Solange Jörg und Stephan die Hoffnung nicht aufgegeben haben, fühle ich mich auch gut
Nicht aufgeben!

Systemfrager Mai 26, 2012 um 12:47

Europas Schande
Günter Grass

Rechtloses Land, dem der Rechthaber Macht
den Gürtel enger und enger schnallt.

Sauf endlich, sauf! schreien der Kommissare Claqueure,
doch zornig gibt Sokrates Dir den Becher randvoll zurück.

Keynesianer Mai 26, 2012 um 13:43

@Jörg

“Und klar werde ICH keine Massen überzeugen, weil ich auch kein WER bin.”

Die WERs werden in diesem System ganz gezielt gemacht und zwar genau zu dem Zweck, dass sie den herrschenden Unsinn verzapfen. Sonst müssten die auch Dir inzwischen für deine Verdienste um das Ökonomieverständnis den Nobelpreis für Ökonomie verleihen. Wollen sie aber nicht, den kriegt bestimmt wieder jemand, der die Makroökonomie mikroökonomisch fundieren will. ;)

Verdient hättest Du den jedenfalls mehr als Friedman. :)

Joerg Buschbeck Mai 26, 2012 um 14:35

danke @keynesianer und @Systemfrager

weil @stephan dies oben auch hatte…

Man kann und muss Makroökonomie mikroökonomisch fundieren, man muss es nur richtig machen….mit Größenmechanik statt Partialsatz.

siehe die Mikroökonomie des Herrn Schulz…..

So besteht zwischen der Wirtschaftstätigkeit des Herrn Schulze und der Tätigkeit aller übrigen Mitglieder der Weltwirtschaft außer zahllosen anderen Beziehungen auch noch der primitive Zusammenhang, dass stets, sooft Herr Schulze mehr verkauft und einnimmt als er selbst kauft und ausgibt, die „übrige Weltwirtschaft“ im gleichen Zeitraum einen gleichgroßen Überschuss Ihrer Käufe über Ihre gleichzeitigen Verkäufe haben wird, da offensichtlich jeder Verkaufsakt für den Partner einen Kaufakt darstellt.

http://www.global-change-2009.com/blog/2-2-4wirtschaftsweiser-wolfgang-stutzel-hat-es-lange-vor-global-change-erkannt/2010/05/

Nur was ihr meint, ist natürlich etwas anderes, der Dauerfehler Partialsatz-Zusammenhänge auf Größenmechanik Fragen anzuwenden…

Partialsatz:
Je geringer die Ausgaben, desto größer der Einnahmeüberschuss.
„Sparen“(„Konsumverzicht“) im Sinne der Einschränkung der Ausgaben und „Sparen“(„Konsumverzicht“) im Sinne der Bildung eines Einnahmüberschusses sind also positiv korreliert.

Größenmechanik:
Es besteht keinerlei Korrelation zwischen Sparen im Sinne eines Ausgaberückgangs und Sparen im Sinne eines Einnahmeüberschusses.

Vielmehr führt ein Ausgaberückgang einer Gruppe nur dann zu einem Einnahmeüberschuss, wenn die Komplementärgruppe einen Ausgabeüberschuss vor- oder hinnimmt. Anderseits kommt es bei jeder Gruppe auch ohne Ausgaberückgang stets zu einem Einnahmeüberschuss, wenn die Komplementärgruppe einen solchen Ausgabeüberschuss vornimmt.

Globalsatz:
Ein Ausgaberückgang führt stets zu einem Einnahmerückgang und nie zu einem Einnahmeüberschuss.

Blo"gg"erkeule Mai 26, 2012 um 15:36

@ Buschi

es kommt nicht nur auf die komplementärgruppen an sondern auch auf das medium der ströme und bestände, wie holger jetzt einwänden würde …

Blo"gg"erkeule Mai 26, 2012 um 15:37

@ Buschi

egal wieviel dimensionen mitwirken

holger Mai 26, 2012 um 16:36

@Blo”gg”erkeule Mai 26, 2012 um 15:36

ich hatte einen Wettbewerb ausgerufen. Es ging um die Summe von 3.000 Millionen. Firmengründung. Mit der zahl kann Buschi nix anfangen. Da muss er streiken. :D Mal sehen ob @topi was kann oder luebberding oder huett oder wer auch immer. Ich will einen Businesplan. Wenigstens über 5 Jahre. Egal wie viel Dimensionen. Everything Counts ;-)

Stefan Enzinger Mai 27, 2012 um 02:18

The fact is that people’s lives are being destroyed on an enormous scale through unemployment alone. Meanwhile, everywhere you turn you find work that these people would be delighted to do if they had a chance. Work that would be highly beneficial both for them and their communities. But here you have to be a little careful. It would be beneficial to people, but it would be harmful to the economy, in the technical sense. And that’s a very important distinction to learn. All of this is a brief way of saying that the economic system is a catastrophic failure. There’s a huge amount of needed work. There’s an enormous number of idle hands of suffering people, but the economic system is simply incapable of bringing them together.
Noam Chomsky (1994)

Blo"gg"erkeule Mai 27, 2012 um 07:00

Das Wirtschaftssystem besteht aus handelnden Menschen, deren Gedanken und Taten können die edlen Hände zur vorteilhaften Beschäftigung für sich und die Gemeinschaft lenken.
Das zu bewirken dürfen wir versuchen – was für ein Privileg .
Und das wird niemals aufhören – never ending story – daher ist die Bildung der Aufwachsenden grundlegend und unsere persönliche Verantwortung sowie Leistung an der gemessen wird.
Jugendarbeitslosigkeit ist der Spiegel in den die selbsternannte Elite blickt.
2012 wird der Zeitpunkt zum lösen der Aufgaben, freuen wir uns zusammenzuarbeiten – Jung und Alt, erfahren und erfrischend.

Keynesianer Mai 27, 2012 um 07:27

@Stefan Enzinger

Noam Chomsky muss hier widersprochen werden:

Das ökonomische System wäre sehr leicht in der Lage, das Problem von Absatzkrisen und Arbeitslosigkeit zu beenden. Das bräuchte man nur den Keynesianern zu überlassen.

Allerdings ist die absichtlich mit restriktiver Geldpolitik herbeigeführte Massenarbeitslosigkeit halt ein Mittel, um die lohnabhängigen Arbeiter zu disziplinieren und härter zum Vorteil der besitzenden Klassen auszubeuten.

Bei Vollbeschäftigung würde man für viele Arbeiten einen sehr viel höheren Lohn (real!) zahlen müssen. Wer also billige und gehorsame Lohnsklaven und willige Dienstmädchen möchte, braucht dafür die Massenarbeitslosigkeit, die sich ganz einfach durch “Inflationsbekämpfung”, also mit hohen Zinsen, herbeiführen lässt.

Und danach mus man nur noch sparen, sparen, sparen… ;)

Chomsky weiß das alles sicher auch. Aber so weit wollte er wohl in seinen Ausführungen nicht gehen. Wir müssen das jetzt aber dem Publikum endlich erklären, sonst hören die reichen Ausbeuter mit dem Spiel nämlich nie mehr auf.

holger Mai 27, 2012 um 08:48

Moin,

ich hatte extra mal das Beispiel mit der Firmengründung gebracht. Weil es ebenso die ganze Problematik aufzeigt, die ein verzinstes „Sparen“ bewirkt. Und nun schauen wir uns die Politik an, die die Troika in Griechenland betreibt. Kaufkraft überall runter gefahren. Wenn ich jetzt Investor wäre, würde ich nicht in Griechenland investieren wollen. Ganz einfacher Grund, der potentielle Absatz im Binnenmarkt ist verringert worden. Das heißt meine Gewinnerwartung ist gesunken. Es sei denn, ich lasse in GR produzieren und habe meine kaufkräftigen Abnehmer im Export. So sollte eigentlich jeder Anleger oder Investor oder Vermögensverwalter denken.

Hinzu kommt nun noch, dass durch Steuererhöhungen noch mehr Kaufkraft dem Markt entzogen wird. Ich bin aber auf Kunden angewiesen, die sich meine Produkte leisten können. Jede Sparanstrengungen seitens des Staates beim Volk, vergraulen aus wirtschaftlichen Gründen (Gewinnerwartung) Investoren. Genau das beobachten auch die Banken. Wie sieht es denn zB mit der Refinanzierung der Banken aus? Werden die nun Projekte mit finanzieren, wo man genau weiß, dass keine Refinanzierung möglich ist? Nein, werden diese garantiert nicht machen.

Das erstaunlich was nun ist, ist, dass es mit Griechenland nun ein traditionsreiches Europäisches Land handelt, was vom IWF unter die Knute genommen worden ist. Man lese nur die letzten Aussagen von Lagarde. Griechenland ist zur dritten Welt gestoßen worden. Es gehört jetzt auch zu schwarz Afrika.

Durch das Maßnahmen Programm der Troika, geht natürlich Vertrauen in Griechenland verloren. Nicht nur der Investoren, sondern auch in der Bevölkerung gegenüber ihrer Regierung. Die Menschen spüren das. Man kann mit der Politik des Sparens nichts gewinnen, und wird auch nichts gewinnen können. Nicht mit Gürtel enger und auch nicht mit über die Verhältnisse gelebt. Haushalten, bedeutet das Haus zu erhalten, und nicht zu zerstören. Aber genau das machen die Austerität Befürworter.

Um das zu erkennen, brauche ich auch keine Weltformel. Denn mein Baugefühl steckt dort nicht drin. Letzten-Endes entscheiden bei Investitionen immer noch die Menschen die dahinter stecken. Und dabei nicht nach dem Gütigkeitsprinzip der Nächstenliebe. Sondern nach nackten Kennzahlen die dann zu AAA oder CCC werden.

Jetzt aber den schwachen Ländern, noch ein Diktat des Sparens aufzuerlegen zeugt nur so von Dummheit. Oder es ist gewollt um billig an Inseln zu kommen.

Im Allgemein gilt, jegliches Sparen zum „Vermögensaufbau“ bedarf immer einer Investitionsmöglichkeit aus der die dementsprechende Rendite sprudelt. Jegliches Sparen des Staates so wie die Erhöhung der Einnahmen durch Steuern oder Gehaltskürzungen, entzieht der betroffenen Region die Investmöglichkeiten der Investoren.

Das müssten gerade die Leute wissen, die im Finanzwesen beruflich tätig sind. Und die, die die Sicherheiten der Griechen, Spanier und Italiener und und und in den Büchern stehen haben. Dh für mich, dass sämtliche Entscheidungen auch politischer Art, nur darauf abzielen, ein Land durch diese Sparpolitik zu enteignen. Und wer auch immer diese Sparpolitk befürwortet, sollte sich über die Konsequenzen im Klaren sein.

Andreas Kreuz Mai 27, 2012 um 09:52

@Holger

>>Im Allgemein gilt, jegliches Sparen zum „Vermögensaufbau“ bedarf immer einer Investitionsmöglichkeit aus der die dementsprechende Rendite sprudelt. <<

Ich kann es nur immer wiederholen:

Das Denkmuster muss geändert werden.

Solange unter 'Vermögen' materieller Besitz und unter 'Rendite' eine Spalte in einem SAP-Report verstanden wird, ist der Laden am Ende. Aber vollständig!

holger Mai 27, 2012 um 10:14

@ Andreas Kreuz

—>>>Solange unter ‘Vermögen’ materieller Besitz und unter ‘Rendite’ eine Spalte in einem SAP-Report verstanden wird, ist der Laden am Ende. Aber vollständig!”

Was willste denn machen? Ich höre halt immer nur, Investitionen Investitionen. Also bin ich jetzt mal Investor. Und auf was treffe ich? Auf Kundschaft den die Kaufkraft fehlt. Oder entzogen wird. Dann Investiere ich eben nicht mehr. Sollte ich das etwa machen? Jeder Vermögensverwalter wird dafür verprügelt und geteert und gefedert, wenn er so handelt. Also wandert die Kohle eben dahin, wo man sich eben Gewinn erwartet und zwar mehr, als die Bank mir an Zinsen zahlt. Und wenn ich nun Investor und Bank oder Institution in einem bin, aber keine Investmöglichkeiten sehe, kann ich mir die Zinsen gleich selbst auszahlen oder buchen.

Man muss gar nicht mit abstrusen Gleichungen operieren, man sollte sich nur mal in die Situation eines Investors eindenken können. Frag nach bei den “Lebensversicherern”. Mittlerweile sind se ja schon soweit, Staatsanleihen zu akzeptieren, wo se noch Geld dafür bezahlen. Oder parken die Kröten bei der EZB. Das ist Verzweiflung pur.

Andreas Kreuz Mai 27, 2012 um 10:50

Das kann ja auch nicht anders sein,
wenn der Erlös nichts mehr mit Wertschöpfung zu tun hat.

holger Mai 27, 2012 um 11:16

@Andreas Kreuz Mai 27, 2012 um 10:50
Das kann ja auch nicht anders sein,
wenn der Erlös nichts mehr mit Wertschöpfung zu tun hat.”

Ja… und das komische ist, man kann keine neuen Wege gestalten. Irgenwie sind wir momentan in einer Starre. Nichts geht “vorwärts” sondern alle Augen sind auf “rückwärts” gerichtet.

Es ist fürchterlich. Ich wüsste, was ich mit den 3.000 Millionen anfangen würde. Nur, ich hab diese leider nicht und werde die auch nicht bekommen. Denn als erstes würde ich ne Banklizenz beantragen :D

Andreas Kreuz Mai 27, 2012 um 11:26
André Kühnlenz Mai 27, 2012 um 13:00

@Stephan

Hier zur theoretischen Untermauerung Deiner Argumente, einfach die ersten beiden Kapital in dem neuen Buch von Anton Brender:

Anton Brender, Florence Pisani, Emile Gagna:
“The sovereign debt crisis: Placing a curb on growth”

https://www.dexia-am.com/NR/exeres/8151933C-EA80-4B79-A181-21A155526B65.htm

gelegentlich Mai 27, 2012 um 15:32

@holger
,,Im Allgemein gilt, jegliches Sparen zum „Vermögensaufbau“ bedarf immer einer Investitionsmöglichkeit aus der die dementsprechende Rendite sprudelt. Jegliches Sparen des Staates so wie die Erhöhung der Einnahmen durch Steuern oder Gehaltskürzungen, entzieht der betroffenen Region die Investmöglichkeiten der Investoren.”
Außer natürlich Vermögens- und Erbschaftssteuern. Die bringen die Gelder, die dem Markt entzogen sind, wieder in den Kreislauf, falls der Staat etwas damit macht. Wir haben doch wohl, wie
Du darstellst, das Problem dass Niemand, der viel Geld hat, das in die Realwirtschaft investieren möchte, weil er dort nicht die erhoffte Rendite sieht. Also trägt er sein Geld ins Spielcasino – und erwartet, dass wir Alle ihm seine möglichen Verluste ersetzen. Und das passiert doch gerade.

holger Mai 27, 2012 um 16:25

@gelegentlich

man sollte sich nun mal entscheiden, wer nun der mögliche Investor ist! a) Staat oder b) Privat. Beides zusammen geht nicht. Siehe Statuten IWF. “Privatisierung”. Dem gegenüber stehen zB Ausschreibungen vom Staat. Ich kenne nur noch wenige, die sich an Ausschreibungen beteiligen. Weil der Staat es salopp gesagt nicht kann. Der Staat ist kein Unternehmen. Deswegen sagt der Staat ja auch, der billigste bekommt den Zuschlag.

Der Staat kann meinetwegen investieren. zB Infrastruktur Energie Straße etc.pp. aber er soll keine Gewinnabsicht dabei haben.

—>>>Außer natürlich Vermögens- und Erbschaftssteuern. Die bringen die Gelder, die dem Markt entzogen sind, wieder in den Kreislauf, falls der Staat etwas damit macht”

Damit macht er eben die Ausschreibungen wie oben beschrieben. Er ist sekundär für das Lohndumping mit verantwortlich. Und hat dabei noch eine schlechte Zahlungsmoral. Zahlungsziel 1/2 Jahr nicht ungewöhnlich.

—>>>Du darstellst, das Problem dass Niemand, der viel Geld hat, das in die Realwirtschaft investieren möchte, weil er dort nicht die erhoffte Rendite sieht”

Genau. Die Solarindustrie wäre nicht entstanden, wenn der Staat diese über die Allgemeinheit nicht subventionieren würde. Nun kommen zB die Kinesen mit gleichwertigen aber billigeren PV Modulen auf den Markt und was Passiert?

—>>> Also trägt er sein Geld ins Spielcasino – und erwartet, dass wir Alle ihm seine möglichen Verluste ersetzen.”

Nein, weil ein “richtiger” Investor denkt anders. Die Verwalter haben bloß keine oder wenige Möglichkeiten mehr, ihren Auftraggeber zu befriedigen. Sie können nur noch ins Casino.

holger Mai 27, 2012 um 16:38

Anders gesagt,

ca. 90% der zu investierenden Gelder, gehen in “alt bewährtes”. Und nur ca. 10% gehen wirklich ein “Risiko” ein. Dh der sogenannte “Risikoaufschlag” Zins, ist kein Risiko mehr. Weil ein Benz ist ein Benz ist ein Benz. Ist doch auch logisch, wenn die Anleger “Sicherheit” verlangen. Wie gesagt, ich wüsste wie man 3.000 Millionen investieren könnte. In der realen Wirtschaft. Nur ist das eben, mit gewissen Fragezeichen behaftet.

Blo"gg"erkeule Mai 27, 2012 um 16:52

@ Kühnlenz / Fricke

schön, dass Sie hier mitlesen und wenn die Kanzlerin so weiter Politik praktizisiert geht es unter 30%, weil in der Wahrnehmung die Ernsthaftigkeit einer zersetzenden Verhöhnung weicht – ganz besonders bei den jüngeren Generationen !
Schnell noch die eigene Klientel versorgen ist längst durchschaut – einfach nur Pfründe sichern lässt alles verlieren ;-)

holger Mai 27, 2012 um 17:33

@ gelegentlich (Nachtrag)

—>>>Wir haben doch wohl, wie
Du darstellst, das Problem dass Niemand, der viel Geld hat, das in die Realwirtschaft investieren möchte, weil er dort nicht die erhoffte Rendite sieht.”

Es fehlen die Möglichkeiten zum Investieren. Genau aus diesem Grunde habe ich das Beispiel gebracht: “Bitte mal selber machen”. Man redet immer so leicht darüber. Hört sich ja auch alles immer so easy an. Aber wenn es dann hart auf hart kommt, dann trennt sich Spreu von Dings Bumms. Ich möchte echt auch mal damit sagen, es ist nicht leicht für die Leute, die Gelder verwalten. Das sind nicht alles Gangster. Deswegen ja auch die Summe von 3.000 Millionen. Die bräuchte ich. Mehr nicht. Aber 300 Millionen wären einfach zu wenig. Für manche scheint das viel zu sein. Selbst mit 3 Millionen wären se noch überfordert. Wenn du aber mehrere Angebote schon im 50M Bereich getippselt und ausgearbeitet hast, und die den Entscheidern vor legst, dann bekommt man den Einblick in gewisse Sachen. Das können sich doch die wenigsten vorstellen, was da abgeht. Was sind 50M ? lächerlich. Und ich “war” in der Investgüterschiene (Energieversorgung/Notstrom) das Herz der Industrie. Ich hatte damals beim “Marktführers Tochter” einen Angebotsbestand erarbeitet, von etwas über 1B. Kunden wie Siemens oder 3M oder NATO oder E-ON oder RWE oder Vattenfall wie se alle heißen. Ich brauche mir nur die Ausschreibungen anzuschauen, und ich weiß was los ist. Und wo und wie wann wohin Investiert wird.

Blo"gg"erkeule Mai 27, 2012 um 17:50

@ Holger

Dabei ist jetzt die Zeit der Energiewende :

“den Entscheidern” wie können einzelne 3.000 Millionen ausdifferenzieren ?
Komplexität und Netzwerkstrukturen müssen koordiniert und in Finanzplänen mit Zahlen bestückt werden …
zum Gesamtergebnis
Wer leitet die Organisationsstruktur ?

Peter Altmaier für die Netze !!!
oder die Gemeinden vor Ort ???

holger Mai 27, 2012 um 18:22

@Blo”gg”erkeule Mai 27, 2012 um 17:50

Wer leitet die Organisationsstruktur ?

Peter Altmaier für die Netze !!!
oder die Gemeinden vor Ort ???<<<

Wer leitet was? Hier… hier im Blog sind ganz viele die das machen könnten. Machen doch jeden Tag tolle Vorschläge. Schulden=Guthaben I=S… Steuern rauf, enteignet die Reichen etc pp. Schwerter zu Pflugscharen. Sollen se doch mal Verantwortung übernehmen. Ich würde die das machen lassen. Ich wüsste einige, denen ich die Aufgabe geben würde, das alles am Laufen zu erhalten. Sollen se mal zeigen, was sie drauf haben. Ich werde mich dann aber verpissen. Das wird dann ausdiffrenziert bis zum geht nicht mehr, und Berlin wartet noch 50 Jahre auf einen neuen Flughafen. :D

Peter Altmaier? Die Netze sind schon verscheuert. Die ISET (Uni Kassel) hat schon alles ausgearbeitet Club of Rome auch. Die Gemeinden? Ohje.

gelegentlich Mai 27, 2012 um 19:09

@holger
Natürlich halte ich Vermögensverwalter nicht für Gangster. Ich habe auch keinen Überblick darüber, zu wieviel Prozent Gelder noch in die Realwirtschaft fließen. Ok, aber woher kommen die gewaltigen Geldmengen, die die Blasen aufpumpen? Die bei Hedgefonds angelegt werden?
Beispiel Solarindustrie: wenn wir in Deutschland mal zurückdenken wird man schnell sehen, dass schon beim Bau der Eisenbahnen, später bei der Elektrifizierung (von Rüstungsausgaben eh abgesehen) es der Staat war, der die Investitionen praktisch garantiert hat. Wenn ich ein neues Produkt habe, nicht investiere weil ich das Risiko des Verkaufs nicht abschätzen kann – und dann kommt der Staat und garantiert mir das: dann lange ich zu. Aber in Wirklichkeit habe ich dann kein Risiko. Und damit auch nicht die politische Legitimation für meine Profite. Ich riskiere ja praktisch nichts. Wenn ich klug bin, nach Bismarck war man klug, gebe ich vo n der Beute an ,,die da unten” ein wenig ab, nicht ohne gleichzeitig alle Register der Spaltung der Mehrheit zu ziehen. Mit Ausnahme der Entstehung der chemischen Industrie bis ca. 1900 und in Ausnahmesituationen (1950-1966) hat überwiegend der Staat die großen technischen Innovationen gestemmt. Da wo riskiert werden müßte (Magnetschwebebahn z.B.) kam nichts voran, solange und weil der Staat keine märchenhaften Garantien gegeben hat.
Nur haben wir im Moment wohl den Fall dass keine neuen Produkte da sind, die die alten vorhandenen entwerten und renditeträchtige neue Anlagechancen bieten könnten. Ob das jetzt der tendenzielle Fall der Profitrate ist oder ob es andere Gründe hat weiß ich nicht.
Nur ist Eines klar: wenn in einem Land keine Kaufkraft da ist kann man für diesen Markt nicht produzieren. Wenn man in der EU die Anderen niederkonkurriert hat und die keine kreditfreie Kaufkraft mehr haben ebenfalls nicht. Ob und dass die BRIC-Staaten die EU-Länder als Absatzmärkte schnell genug (!) ersetzen bezweifle ich.
In der Situation hilft wohl nur das gemeinsame europäische Haus intakt zu halten, stabil aufzubauen – und das heißt glaubwürdig auf Dominanz gegenüber Anderen zu verzichten. Deshalb halte ich dieLuft an, wenn ich die Aufrüstung der Drohgebärden gegenüber Griechenland sehe und die einseitige, tolldreist dumme Argumentation mit den faulen Südländern bestaune.

Blo"gg"erkeule Mai 27, 2012 um 19:25

@ Holger
kurze Dancepause
http://www.youtube.com/watch?v=MtMHBXO_n48

Blo"gg"erkeule Mai 27, 2012 um 19:31

Wir können froh sein, dass die Airbussubventionen nicht ganz in Frankreich als RoI landen sondern auch etwas bei Hamburg produziert wird.

Die Vergabe des Berliner Flughafens muß als Lehrbeispiel für die Ausbildung zu Papier gebracht werden!!!

Eagon Mai 27, 2012 um 20:22

@Buschbeck

“Man kann und muss Makroökonomie mikroökonomisch fundieren, man muss es nur richtig machen….mit Größenmechanik statt Partialsatz. ”

Ich habe da eine Frage zu Mikrofundierungen:

Kann ein Übermaß an Wettbewerb zu einer Störung der Nachfrage führen?

Gibt es Firmen, die mit sinkenden Grenzkosten produzieren und die beim Erobern von Marktanteilen Überkapazitäten schaffen (z.B. Autoindustrie) ?

Ist Lohnverzicht für eine Volkswirtschaft eine kurzfristig oder eine langfristig wirksame Droge?

Führen höhere Löhne zu einer höheren Nachfrage und einem höheren Sozialprodukt?

Weil ja gilt, je knapper die Arbeitskräfte und je höher der Lohn, desto mehr werden sich die Arbeitgeber bemühen, ihre Arbeitskräfte EFFIZIENTER einzusetzen.
(Empirisch läßt sich die Entwicklung in den USA in den Neunzigerjahren nur so deuten).

Der Sachverständigenrat behauptet dagegen, dass die Produktivität mit steigender Beschäftigung sinke.

Welche Mikrofundierung ist denn die Richtige?????

holger Mai 27, 2012 um 20:31

@ gelegentlich 19:09

ist alles gut und schön. Nur wollte ich Stephans Anliegen mal nicht verhunzen

—>>>Ich habe nichts gegen Systemdebatten und finde persönlich das System des Finanzkapitalismus auch suboptimal, um es milde zu formulieren. Trotzdem sollte man meiner Meinung nach unterscheiden. Man kann eine Debatte über Probleme wie Austerität JA oder NEIN im Rahmen der Systemlogik führen. Das habe ich hier versucht”

Und ich habe es mal versucht, aus der Sicht eines Investors zu beschreiben, wie er seine Entscheidungen zu fällen hat. Es kommt doch noch ein anderer Punkt hinzu: Nach der Investition ist vor der Investition. Wir können uns ja alles denken, oder wünschen. Und ja, der Staat bürgt für so vieles. zB Rüstungsindustrie bevor Privatnutzung. Die Frage ist die, wo will man hin? Und da sind eben den Investoren oder den Verwaltern von “Vermögen” auch gesetzlich die Hände gebunden.

—>>>Ok, aber woher kommen die gewaltigen Geldmengen, die die Blasen aufpumpen? Die bei Hedgefonds angelegt werden?”

Das glaubt doch eh keiner, wenn ich das hier hin tippsele. Die kommen alle gleich mit ihren dämlichen T-Konten. Die Buschbecks usw. Oder Topistanisten. Die glauben daran, was sie schreiben. Obwohl es den Leverage gibt. Den blenden die einfach aus. Der ist einfach in ihrem Gemüsebeet nicht da. Die wissen nicht, wie man aus 3B — 60B machen kann. Ist denen vollkommen wurscht. Die sind immer noch bei: Ich geb dir Apfel, und du gibts mir Birne.

holger Mai 27, 2012 um 21:02

Was meinen wohl die, wo das herkommt?

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/eb/DJIA_historical_graph_to_jan09_%28log%29.svg

Apfel und Birne oder wie? Seit 1986 dreht sich das Rad anders. Bekommt bloß keiner mit. Weil die VWL immer noch aus der Zeit von Smith stammt. Alan Greenspan war der Mann des Zauberstabes. Ist aber zu vielen zu hoch. In diesen Dimensionen zu denken. Make Money make more Money. Man könnte es auch “Schwarzgeld” nennen ohne Background. Ohne Assets. Und das Rad läuft. Ohne T-Konten. Nur das raffen eben viele nicht.

Andreas Kreuz Mai 27, 2012 um 21:31

Hier ist einmal ein anderer Zugang zum Prozess der Wertschöpfung zu sehen:

http://www.ad-hoc-news.de/kaum-noch-pfaendungen-in-thueringen–/de/News/23499567

;-)

holger Mai 27, 2012 um 21:36

@ Andreas Kreuz

sehr schöner Link… :D sehr sehr schön schöner Link… :D

Keynesianer Mai 27, 2012 um 21:41

@Eagon

“Weil ja gilt, je knapper die Arbeitskräfte und je höher der Lohn, desto mehr werden sich die Arbeitgeber bemühen, ihre Arbeitskräfte EFFIZIENTER einzusetzen.
(Empirisch läßt sich die Entwicklung in den USA in den Neunzigerjahren nur so deuten).

Der Sachverständigenrat behauptet dagegen, dass die Produktivität mit steigender Beschäftigung sinke.

Welche Mikrofundierung ist denn die Richtige?????”

Wenn man schon eine Mikrofundierung machen will, dann ist diese aus der Untersuchung der Historie zu gewinnen. Die Geschichte zeigt uns, dass Vollbeschäftigung zu einem effizienteren Einsatz von Arbeit führt. Ist ja auch logisch.

Nur wenn man die Thesen wie der Sachverständigenrat aus konstruierten Modellen ableitet, dann erhält man genau das den Annahmen des Modells entsprechende Ergebnis. ;)

Blo"gg"erkeule Mai 27, 2012 um 21:48

@ Eagon

Übermaß –> führt beim Nachfrager zur Frustration .
Überkapazitäten –> Puffer und Variabilität
Lohnverzicht ist ewig, weil auch künftige Steigerungen geringer sind
Sozialprodukterhöhung ja Multiplikator und Umlaufgeschwindigkeit – es sei denn Geldverbichtung tritt ein Kredittilgung

Das waren jetzt vier Fragen zu Mikro und Makro ;-)

Produktivität kann auch bei steigender Beschäftigung steigen gelle technischer Fortschritt …

Degnaphta Mai 28, 2012 um 08:07

Der Begriff Produktivität hat sehr verschleiernde Aspekte. Output pro Zeiteinheit, pro Kopf, pro eingesetzter Mittel, da ist kein Ende in Sicht.
Da allerdings bei jeder Betrachtungsweise irgendwas unberücksichtigt bleibt, kann niemals eine tatsächlich umfassende Erkenntnis abgeleitet werden.
Deswegen scheint es nur noch sinnvoll, mit der Vokabel Produktivität auf Erwartungshaltung basierende Klischees zu bedienen.

Beispielsweise sind die Produktivitätssteigerungen in der Landwirtschaft keineswegs deswegen passiert, weil die Bauern so scharf auf Effizienzoptimierung waren. Nö, das haben sie im Bauernblatt gelesen, das sowas möglich ist. Allerdings ist diese einzige Informationsquelle für die Branche seit Generationen von der zuständigen Industrie unterwandert, sodaß nachvollziehbar wird, wieso die Zerstörung der Ackerflächen als unumgängliche Modernisierung hingestellt werden kann, und die Bauernschaft sich zu Brunnenvergiftern wandelt.
Der Aufwand für die Renaturierung desertifizierter Gebiete -hierbei handelt es sich offenbar um einen Kollateralschaden durch die Hochindustrialisierung- ist niemals in den Betrachtungen bezüglich der “gesteigerten Produktivität” enthalten.

Ebenfalls ist die Produktivitätssteigerung im Bereich der Massenfertigung keineswegs inklusive der forcierten Resourcenverschwendung durch Obsolenzproduktion in angemessener Gesamtbetrachtung. Leider verhindert die mediale Schaumschlägerei, daß diese Baustelle zur Kenntnis eines jeden Souveräns gelangt.

Keynesianer Mai 28, 2012 um 08:44

@Degnaphta

“Der Begriff Produktivität hat sehr verschleiernde Aspekte.”

Das ist eine ganz wichtige Baustelle. Das Kapital würde die Produktivität gerne durch verschärfte Ausbeutung steigern, während für die betroffenen Menschen die Produktivität durch Minimierung der Plackerei bei Steigerung des Wohlbefindens das enscheidende Ziel ist.

Gesellschaftlich und makroökonomisch betrachtet steigert sich die Produktivität durch Minimierung der Reibungsverluste in der Ökonomie, die durch Korruption und Kriminalität und irrationale Repression verursacht sind.

In armen Ländern wird jede Straße und jedes Dorf durch kriminelle Banden beherrscht. Die neoliberale Globalisierung macht sich diese Strukturen zur Grundlage der Billigproduktion und der Ausbeutung der Ressourcen. Die “Produktivität” im Kongo oder in den Sweat-Shops von Bangladesh und China ist also so gesehen sehr hoch.

Die betroffenen Menschen haben allerdings sehr wenig davon.

Generell steigt die Produktivität nicht durch höheren Kapitaleinsatz, sondern durch die Überwindung von Korruption und Kriminalität und Unterdrückung.

Das war der Weg des Rheinischen Kapitalismus und der Keynesianer und dies stand völlig im Gegensatz zum britischen “Liberalismus”, wo Generation für Generation die eigene Bevölkerung in den Fabriken und Bergwerken für den Export auf dem Weltmarkt von Kindesbeinen an für Hungerlohn zu Tode geschunden wurde.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts schien der Weg des Rheinischen Kapitalismus erfolgreich…

keiner Mai 28, 2012 um 13:06

“Man kann eine Debatte über Probleme wie Austerität JA oder NEIN im Rahmen der Systemlogik führen. Das habe ich hier versucht. Und man kann eine Meta-Debatte über die Systemlogik als solche führen. ”

Aber ich vernehme doch auch hier im Blog zunehmend kapitalismus-/systemkritische Töne von den Herren im Haus. @Lübbi: Gibt es schon eine antikapitalistische Plattform in der SPD und wer außer dir ist da vertreten? Vielleicht würde ich beitreten…

Aber obwohl: Die SPD hat uns in den letzten 50 Jahren den “Familiennachzug für türkische Gastarbeiter” und den ungezügelten Finanzkapitalismus in’s Haus geholt. Da sollte man vielleicht nicht ZU viel erwarten…

holger Mai 28, 2012 um 13:59

@ keiner

aus wiki:

„capitalis“ („den Kopf“ oder „das Leben betreffend“) ab, dieses selbst geht auf „caput“ ? „Kopf“ zurück. Ab dem 16. Jahrhundert[1] findet sich das italienische Lehnwort „capitale“ ? „Vermögen“ im Sinne der Kopfzahl eines Viehbestandes, als Gegensatz zu den frisch geworfenen Tieren als „Zinsen“.

Wir können keinen Anti-Kapitalismus. Das einzige Kapital was wir haben ist zwischen den Ohren mal mehr, mal weniger. Daraufhin hat man sich dem Vieh angenommen auf Englisch “FEE” was so was ist, wie “Gebühr oder Provision”

Und nun kannst du dreimal überlegen, warum sich das so entwickelt hat. Du bist VIEH oder FEE. Den Kapitalismus zu überwinden, bedeutet, den Begriff zu überwinden.

keiner Mai 28, 2012 um 14:19

Ach Holgi, was soll ich sagen, ist warm draußen, eine Menge Arbeit liegt hier:

Kommen wir zur Sache!

keiner Mai 28, 2012 um 14:29

Was du sagen willst: Intelligenz ist nicht gleich- sondern log-normalverteilt. Das erleben wir jeden Tag und immer wieder:

http://www.tagesspiegel.de/berlin/polizei-justiz/21-jaehriger-stirbt-am-schlesischen-tor-aus-spass-gegen-u-bahn-gesprungen-tot/6681632.html

…traurig aber wahr.

holger Mai 28, 2012 um 17:38

@keiner Mai 28, 2012 um 14:29
Was du sagen willst: Intelligenz ist nicht gleich- sondern log-normalverteilt. Das erleben wir jeden Tag und immer wieder:”

Ja, genau das möchte ich sagen. Und mir geht es auch nicht darum, diesen “Kapitalismus” zu überwinden oder gar ab zu schaffen. Sondern ich würde ihn in seiner Struktur eben gerne verändert sehen. Dazu gehört eben die Abschaffung des jetzigen Steuer und Abgaben Systems, die ewige Quatscherei um die Schuld ja oder nein. Und es geht mir darum ein Fundament ohne Verzinsung mit Liquidität zu versorgen. Was darüber hinaus passiert, ist mir schnuppe. Da kann der Kapitalismus machen was er will. Turbo oder wie auch immer.

Ich schreibe das jetzt auch aus der Sicht eines Investors oder eben Reichen. Ich bin auf eine gesunde intakte Infrastruktur angewiesen. Wo ich auf Human Kapital treffe, welches ich auch nutzen kann. Deswegen nutz mir auch nicht das ganze Geschwätz “Enteignet die Reichen” etc.pp. Manche nennen es wohl auch Sozialismus. Ich will Kapitalismus für Jedermann. Und wenn ich ganz ehrlich bin, bin ich froh, dass das Prekariat nichts zu sagen hat. Ich bin ein faules Schwein. Was gerne nicht in einer Höhle leben will. Jeden Arbeitsplatz den ich vernichten kann, beruhigt mich. Der Mensch muss nicht den Kapitalismus überwinden, sondern die monotone Arbeit. Die kreative Arbeit schadet gar keinem. Und wenn der Mensch dann nicht weiß was er tun soll, dann springt er halt vor die S-Bahn vor lauter Fun. Soll ja einen gegeben haben, der mit silbernen Latschen in einen Vulkan gesprungen ist. Kommt dann eben vor.

Joerg Buschbeck Mai 28, 2012 um 18:12

@eagon

absolut gültige ökonomische Aussagen gibt es nur bei Zusammenhängen, welche NICHT von menschlichem Verhalten abhängen.

Dies sind aber recht triviale Dinge, wie schon Wolle Stützel anmerkte, weshalb ich mir auch als “interessierter Laie” zutraue, darüber vorzutragen.

Es sind die Identitäten, die durch ihre Unabhängigkeit von menschlichen Handlungsoptionen glänzen. Auf diesen absoluten gültigen Zusammenhängen sollte ökonomisches Denken aufbauen, es ist quasi die Logik und auch Mikrofundierung der Ökonomie, gegen die ökonomische Postulate nicht verstoßen sollten, was aber auch insbesondere deutsche “Experten” regelmäßig tun.

Und wir scheitern gerade an den trivialen Zusammenhängen, ruinieren ganze Volkswirtschaften in penetranter Ignoranz trivialarithmetischer Zusammenhänge, weshalb ich mit ebensolcher Penetranz immer wieder dazu vortrage.

Damit will ich keineswegs aussagen, dass es nicht eben auch die anderen hochkomplexen Zusammenhänge gibt, welche durch die menschlichen Handlungsoptionen große Komplexität erreichen.

Deine Rückfragen implizieren menschliche Handlungsoptionen, weshalb ich darauf keine einfachen Antworten habe.

Die Frage bleibt aber für mich, in wie weit komplexe volkswirtschaftliche Überlegungen mit menschlichen Handlungsoptionen mit Gewinn zu generalisierenden Aussagen taugen, wenn die fundamentalen Grundlagen mit “Tauschwirtschaft”, “von der Zentralbank in Umlauf gebrachten Geldding” und eben der Ignoranz trivialarithmetischer Zusammenhänge auf Sand gebaut sind.

Ich bin mir vielmehr recht sicher, dass aus der VWL erst dann eine ernst zu nehmende Wissenschaft wird, wenn Sie auf ein Fundament der Logik/Saldenmechanik und der Wahrnehmung der real existierenden Vorfinanzierungswirtschaft sowie Geld als Forderung aufbaut.

holger Mai 28, 2012 um 18:30

@ Buschi

—>>>Ich bin mir vielmehr recht sicher, dass aus der VWL erst dann eine ernst zu nehmende Wissenschaft wird, wenn Sie auf ein Fundament der Logik/Saldenmechanik und der Wahrnehmung der real existierenden Vorfinanzierungswirtschaft sowie Geld als Forderung aufbaut.”

Nein, erstmal kommt die Logik der menschlichen Existenz und das Tun. Danach kommt die BWL und dann erst die VWL. Und da kannste dir die Salden abschminken. In Punto Uno… die menschliche Existenz DAS KAPITAL. Das kennt keine Salden. Dumm ist ungleich Schlau. Und das wirkt sich bis in alle Lebensbereiche rein. Das wäre dann aber schon wieder mal zu hoch oder?

Anthropologie oder die höhere Stufe die Anthroposophen sind dir fremd. Ist das richtig?

Joerg Buschbeck Mai 28, 2012 um 18:34

@Holgi

ZUERST kommt das “sichere Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit.”

Gelaber, Rabulistik, blabla, Narzissmus

Andreas Kreuz Mai 28, 2012 um 18:49
Andreas Kreuz Mai 28, 2012 um 18:53
holger Mai 28, 2012 um 19:26

@Joerg Buschbeck Mai 28, 2012 um 18:34
@Holgi

ZUERST kommt das “sichere Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit.”

Gelaber, Rabulistik, blabla, Narzissmus”

Ja, das müssen die im “Gelben” wohl auch erkannt haben

Degnaphta Mai 28, 2012 um 21:50

@ keynesianer
Generell steigt die Produktivität nicht durch höheren Kapitaleinsatz, sondern durch die Überwindung von Korruption und Kriminalität und Unterdrückung.
Erstmal sei angemerkt, daß auch KKU (Korruption, Kriminalität & Unterdrückung) schwer emotional belastete Kampfbegriffe sind, wie es auch bei der erwähnten Produktivität der Fall ist. Man stochert eigentlich nur im Nebel, wenn man es auf diese Weise versucht mit der Klärung des Wusels.
Was ist Korruption eigentlich? Bei griechischen Verhältnissen scheint es leicht zu beantworten. Der unquittierte Obolos beim Führerscheinantrag ist schnell ausgemacht&angeprangert. Aber daß die Uni Göttingen sich damit brüstet, zu den 10 korruptesten Unis im Land zu zählen, ist dann plötzlich Geschäftssinn oder wie? Die Freiheit von Forschung&Lehre vertickt sich an den Meistbietenden. Das ist doch so saudoof wie Sportsponsoring.
In armen Ländern wird jede Straße und jedes Dorf durch kriminelle Banden beherrscht.

Und hier nicht? Wovon leben eigentlich die Hells Angels so? verkaufen die Origami aus eigener Herstellung?
Wie schützt man Straßen&Dörfer? Durch Polizei sowie eine Infrastruktur, die Rechtsstattlichkeit verheißt. Wer bezahlt das Ganze? Im Idealfall nach offizieller Doktrin die Kostenverursacher respektive die Nutzenabschöpfer. Wenn der Unternehmer als Nutzenabschöpfer die -straße, auf der die Kundschaft kommen soll, selber sichert, dann wird er diese Kosten mit im preis für die Produkte unterbringen. Deswegen ist Produktivitätssteigerung tatsächlich auch immer mit mehr Kapitaleinsatz verbandelt.
Solange man von einem Gemeinwesen ausgehen kann, sollten eigentlich alle einen Beitrag leisten, sodaß der einzelne Unternehmer diesen Kapitaleinsatz nicht mehr direkt entrichten muß, sondern in entsprechende Kassen einzahlt. Hier wird er seinen Beitrag allerdings auch per Produktpreis von der Kundschaft mittragen lassen, weshalb es nicht ganz einfach ist, hier zu ansprechenden Lösungen zu kommen.
Dieses Gemeinwesen wurde nun schwer gestört durch die Monetarisierung des individuellen Furzens, worunter ich den Vorgang verstehe, daß eine Einzelperson möglichst nur noch direkt zurechenbare Kosten zu tragen bereit ist, um sich vor dem Mitzahlen für andere zu schützen. Das Ganze bitte in möglichst unfair und rücksichtslos ausgetragenem Wettbewerb, weil der angeblich die beste Lösung erzeugen würde.
Also den ganzen Scheiß kann man in die Tonne treten. Das funktioniert nicht, wie wir erleben dürfen. Und deine “Vorschläge” haben aus meiner Sicht wenig Potential, tatsächlich Auswege aus der Schieflage zu bieten, @Keynesianer. Daß der CoR eine aufrüttelnde Wirkung hatte, ist sicherlich nicht abzustreiten. Daß sich Aufrüttelndes dem Empfindsamen als bedrohlich darstellt, halte ich ebenfalls für üblich. Dies zu nutzen, um mit gezielter Verunsicherung der Leute bestimmte Ziele zu erreichen, die einer Minderheit einen Riesenvorteil verschaffen, was gleichzeitig zum Riesennachteil für den gesamten Rest wird, das ist ne üble Sauerei gegen die ich mich empöre.

Und als kleines Schmankerl noch ein Quäntchen Bilderberger-Romantik in meine Apartheids-Klagen. Hier ist es ja ziemlich übersichtlich auf dem Lande. Da gibt es nicht viele Golf-Clubs oder ähnliche “Oberschichtvergnügungen”. Weder Rotary noch Lions Clubs oder auch nur Tennisvereine sind in großer Zahl vorhanden, weshalb sich Herr Betreuungsrichter, Herr GAU-Leiter vom Antisozialzentrum noch der Herr Schuldirektor vor einem Aufeinandertreffen in privater Umgebung schützen könnten ;-)
Selbstverständlich schweigen so an solchen Orten pflichtgemäß bezüglich ihrer beruflichen Belange. Geschummelt wird schließlich nur in Griechenland :-)

Keynesianer Mai 29, 2012 um 00:13

@Degnaphta

“Aber daß die Uni Göttingen sich damit brüstet, zu den 10 korruptesten Unis im Land zu zählen, ist dann plötzlich Geschäftssinn oder wie? Die Freiheit von Forschung&Lehre vertickt sich an den Meistbietenden. ”

Das ist ein gutes Beispiel für die Folgen von Korruption. Die Ergebnisse davon kennen wir ja, von der “Klimaforschung”, die uns noch Milliarden für das CO2-Sparen kosten wird, bis hin zur VWL, deren käuflichen Unsinn wir hier seit Jahren in den Blogs widerlegen. Allerdings ohne großen Erfolg, weil halt nur Bargeld und Karriere bei den Professoren wirklich zählt, also die INSM und der Maschmeyer mit seinem Prof. Dr. Rürup, dem ganz Wirtschaftsweisen.

Wenn es noch etwas schlimmer wird, haben wir auch hier bald Dritte Welt in Politik und Wissenschaft, mit allen Folgen für den Wohlstand der Bevölkerung.

“Und hier nicht? Wovon leben eigentlich die Hells Angels so? verkaufen die Origami aus eigener Herstellung?”

Klar, das ist woanders nur noch deutlicher zu sehen, aber bei uns nicht grundsätzlich überwunden. Auch hierzulande arrangiert sich die Staatsmacht mit der OK.

TheRealSlimShady Juni 1, 2012 um 09:38

Hätte ich nicht besser schreiben können.

Stephan Juni 1, 2012 um 16:45

@TheRealSlimShady
Danke. Tja, man hat halt so seine Vorbilder ;~)

Na ja. Am Mittwoch Abend habe ich gelernt, dass das eine “Never Ending Story” ist. Dirk Elsner und FAZ Patrick Bernau: das ist falsch weil … Ich und FTD André Kühnlenz: das ist richtig weil …

Marina August 31, 2012 um 22:19

Hallo Stephan,

ich suche dringend Daten zur Verschuldung des Privatsektors für Europa und die einzelnen Euro-Staaten? Habe Deine Graphik für den US Sektor der privaten Haushalte und Firmen gesehen, vielleicht kannst Du mir sagen woher die Daten kommen und ob es das auch für Europa gibt, denn ich finde bisher nur Daten für private HH und non-profit Organizations (Eurostat,ECB,Bloomberg), aber nicht für Firmen des privaten Sektors?

Vielen Dank im Voraus!
Marina

Linus September 1, 2012 um 00:11

@Stephan:
Kleine Anmerkung:
“Note: Summation may not foot to exact zero balance due to cyclical statistical discrepancies.”
Für 2010 stehen 2 Billionen Miese ca. 0,8 Billionen Guthaben gegenüber. Das ist i.d.T. nicht ganz “exact zero balance”. Ob aber ‘cyclical statistical discrepancies’ ausreichen, um das zu erklären? Das Jahr 2007 ist diesbzgl. besonders interessant. Da haben alle Sektoren negative Bilanzen. Summa summarum fehlen zu Null ca. 0,5 Bill. Guthaben. Wo sind die? Sind das Effekte kreativer Buchhaltung?

Stephan September 1, 2012 um 09:38

Hallo Marina,

eine entsprechende Grafik für die Eurozone findest du hier. Die Daten findest du bei der EZB: Statistik / Euro area accounts. Hoffe das hilft dir weiter. Stephan

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