Symbolisches Versagen

by h.huett on 4. Juni 2012

Ihre Studie wurde ein Weltbestseller. Interviews mit Sterbenden. Wer hätte das gedacht. Tatsächlich stieß Elisabeth Kübler-Ross Ende der 60er Jahre in eine Marktlücke. Ihr Buch erschien auf dem Scheitelpunkt einer Epoche des Wiederaufbaus. Wenige Jahre später kam der Club of Rome mit den “Grenzen des Wachstums”.

Kübler-Ross unterschied fünf Phasen des Sterbens: das Nichtwahrhabenwollen, Zorn, Verhandeln, Depression, Akzeptanz. Ihre Studie sollte Ärzten und Pflegekräften helfen, in der Kommunikation mit Sterbenden die richtigen Worte zu finden. Bis dahin hatten sie sich eher schlecht als recht damit abgefunden, wenn sie am Ende ihres Lateins angekommen waren.

Natürlich sind die Phasen nicht sortenrein von einander abzugrenzen. Manchmal türmt sich alles über einander. Der Zorn wütet bis zur letzten Sekunde. Oder die Einsicht ist von Anfang an da.

Warum erzähle ich das?

Die Phasen des Sterbens kommen mir aus einer anderen Ecke bekannt vor. Die politischen Debatten der letzten vier Jahre lese ich so, als hätte das Sterben  sich plötzlich vervielfältigt, als sei die Gesellschaft insgesamt mit einer tödlichen Diagnose konfrontiert, als seien die Diskussionen über die Krise ein Symptom für das Wissen um das Ende, das langsam an die Oberfläche tritt.

Das politische Reden hat einen neuen Modus gefunden. Dieser Modus ist so dystopisch, so giftig für das politische Denken, so fatal für den verwaltenden Vollzug der Pfadabhängigkeiten, dass er buchstäblich nicht selbst zur Sprache gelangt. Auf Umwegen gelangt er in den Blick. Als Symptom. Bisher hatte ich als Krücke die Idee der “postdemokratischen Rhetorik” verfolgt. Die Krücke ist überflüssig.

Was wir an politischen Reden in den letzten vier Jahren zu hören und zu lesen bekommen haben, sind Dokumente aus einem Sterbehaus. Sie verstellen den Blick auf den Sachverhalt, über den sie vorgeblich reden.

Patentrezepte gehören ebenso zur Symptomatik wie der Zorn, alles in gut verteilten Rollen, wie ein weltweiter anachronistischer Zug des symbolischen Versagens.

 

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snozin Juni 4, 2012 um 13:24

Die kritische oder die in die Zukunft gerichtete Frage wird nicht gestellt. Die scheinkritische Frage erhält die erwartungskonforme Antwort. Der dabei entstehende Stau wird umgangen. Die Umgehung wiederum erfordert in dem Maß höhere Leistung, in dem der Stau größer wird. Die Erbringung dieser Leistung gilt dann als der Sachlage gerecht werdende Politik.

Ich schreibe das gewissermaßen als Monolog, da ich “den verwaltenden Vollzug der Pfadabhängigkeiten” möglicherweise nicht so ganz verstanden habe.

Peter Juni 4, 2012 um 13:35

Ein viel passenderer Vergleich als die oft bemühte Analogie des “Das tote Pferd reiten“. In welcher Phase sind wir jetzt?

kurms Juni 4, 2012 um 13:56

“Die politischen Debatten der letzten vier Jahre lese ich so, … , als sei die Gesellschaft insgesamt mit einer tödlichen Diagnose konfrontiert, …”

Das liegt vielleicht daran, daß die Besitzstandswahrer den Hauptakteuren der politischen Debatte erfolgreich ihre eigenen (kurzfristigen) Interessen als identisch mit dem Gemeinwohl der gesamten Gesellschaft eingebleut haben. Jenseits der politischen Debatte bleibt die Krise für die meisten Menschen in Deutschland erst einmal virtuell.

h.huett Juni 4, 2012 um 13:56

snozin

Der verwaltende Vollzug der Pfadabhängigkeiten beschreibt den geregelten Gang der gebändigten Interessen und des Verwaltungshandelns: die eine Hand kümmert sich um die Ausgaben, die andere um die Einnahmen. Die eine Polizeieinheit jagt die Bankräuber, während eine höhere Dienststelle im sächsischen Staatsministerium des Inneren mehrmals bei Frau Zschäpe anruft.

14 Juni 4, 2012 um 15:41

Was wir an politischen Reden in den letzten vier Jahren zu hören und zu lesen bekommen haben, sind Dokumente aus einem Sterbehaus.

Gleichzeitig findet eine neue Geburt (neue Geburten) statt. Wer versagt jetzt symbolisch?

gelegentlich Juni 4, 2012 um 15:48

@h.huett
Jetzt bin ich fertig: ,,..während eine höhere Dienststelle im sächsischen Staatsministerium des Inneren mehrmals bei Frau Zschäpe anruft.” Sie im Kreis der VT’ler? Dann kann der Tod nicht mehr weit sein.

Aha! Juni 4, 2012 um 15:55

“Eine dystopische Gesellschaft ist in der Regel charakterisiert durch eine diktatorische Regierungsform bzw. eine Form repressiver sozialer Kontrolle. Typische Charakteristika einer Dystopie: Dem Individuum sind durch mechanisierte Superstaaten jegliche Freiheiten genommen, die Kommunikation der Menschen untereinander ist eingeschränkt oder anderweitig gestört und das Bewusstsein der eigenen Geschichte oder eigener Werte gekappt.”

h.huett Juni 4, 2012 um 15:59

gelegentlich

“Sie im Kreis der VT’ler” Ich nicht.

h.huett Juni 4, 2012 um 16:00

14

Aha.

14 Juni 4, 2012 um 16:07

topi kenn ich, jetzt kenn ich auch dystopi

(vom alten Fremdwörtler Huett..kommt davon, wenn man zu viele Verträge in einer Sprache abgeschlossen hat, die man nicht versteht. Unsere deutschen [Düsseldorfer] Bonibanker können ja ein Lied davon singen..)

Hans Huett, immer behilflich auf dem Erkenntnisprozeß..

gelegentlich Juni 4, 2012 um 16:28

@h.huett

,,“Sie im Kreis der VT’ler” Ich nicht.”

Feigling – nicht mal dazu stehen will er? Warum kam dann dieses Zitat? Um den allgemeinplätzigen Irrsinn von ,,Telepolis” zu entlarven?

Balken Juni 4, 2012 um 16:29

Irgendwie eigenartig, ich kann mich des Gefühls nicht erwehren, dass hier in einigen Beiträgen, in Serie in recht alarmistischer Manier, und mit eindruckmachender hochintellektueller Bildungsbürgersprache, die viel andeutet, um selbst wenig gesagt zuhaben, Schwarzseher und Systemfrager aller Art angelockt werden, um sie anschließend mit der Fliegenklatsche zu erledigen. “Patentrezepte gehören ebenso zur Symptomatik wie der Zorn, alles in gut verteilten Rollen … ” Genau.

h.huett Juni 4, 2012 um 16:31

gelegentlich

nur mit der Ruhe. Wozu soll ich da stehen? Zu dem Sachverhalt? Zum Bericht? Zur Signifikanz? Zur Dreieinigkeit, die Sie insinuieren? Es reicht, wenn einer von uns katholisch ist, oder?

testbildtester Juni 4, 2012 um 16:34

In ihrer Überforderung greifen die Protagonisten in ihrer Kommunikation eben auf dystopische Beschreibungen zurück. Ganz klar die Depression vor der Akzeptanz. Eine Utopie zu formulieren als Gegenpol zur Depression (wie oben erwähnt “Geburten”) ist wohl in diesem Zustand zuviel verlangt.

Selten eine so treffende präzise Analyse/Analogie angetroffen, wie der Text oben. Glückwunsch Herr Hütt.

h.huett Juni 4, 2012 um 16:35

14

In dieser Sprache, die “Aha”-Leser nur fragmentarisch via Wikipedia einspeisen, bin ich tatsächlich zu Hause und nutze sie nach Kräften.

Wenn “Balken” sich darüber biegen, ist das nicht mein Problem

gelegentlich Juni 4, 2012 um 17:08

@h.huett
,,Wozu soll ich da stehen?” Dazu, dass Sie dieses Zitat gebracht haben, weil Sie sich vermutlich etwas dabei gedacht haben. Wenn es nicht gelingt dieses Etwas selbsterklärend darzustellen könnte man verdeutlichen, was man sich dabei gedacht hat.
Ich finde Ihren Text ja nicht falsch. Beim Surfen stieß ich soeben auf folgende Kommentare. Zumindest Frau Gaus ist eine eigentlich eher besonnene Natur.
http://www.taz.de/Debatte-Parlamentarismus/!94551/
Der Sachverhalt ist es nicht.
http://www.taz.de/Debatte-Griechenland/!94545/
Hier geht es um Wiedergeburt – nach dem Tod.

keiner Juni 4, 2012 um 17:19

Kübler-Ross habsch schon vor 30 Jahren mit großem Erkenntnisgewinn gelesen, kann man nur empfehlen. Auch wenn es die Erträglichkeit der Umwelt und ihr steten leugnen von Tatsachen nicht unbedingt erträglicher macht.

Deutschland mäandert derzeit kollektiv zwischen Leugnung, Verhandeln und Depression. Der Zorn kommt noch etwas kurz.

14 Juni 4, 2012 um 17:28

(Zorn)Mitkommentator Hermann Keske drückte dieser Tage das symbolische Versagen wiesaussieht ja so aus:

Abfall vom Glauben?

Soweit ich weiß, regelt sich im neoklassischen System der freien Wettbewerbswirtschaft alles von selbst. Das gilt auch für den Wettbewerb der Nationen – wenn jeder und immer nur an sich selber denkt und seinen Nutzen maximiert, dann ist grundsätzlich allen am besten gedient. Jeder Versuch, in dieses sich selbst regulierende System einzugreifen, bedeutet die Anmassung von Wissen und kann nur schädlich sein. Ist das nicht der Stand der Wissenschaft?

Na also. Griechenland, Portugal, Spanien, Italien etc. und deren Probleme oder ökonomischer Untergang nennt man doch einfach Anpassungsprozeß oder so ähnlich.

Nun haben wir einfach Vertrauen und schauen uns an, wie diese Länder nach der “Anpassung” aussehen werden.

Ich vermute mal, dort wird in Zukunft Zucht und Ordnung herrschen, Disziplin und Fleiß, frühes Aufstehen und harte Arbeit, und das alles begleitet von mindestens anfangs eher spärlichen Konsumgewohnheiten.

Und mal ehrlich: Ist das nicht genau das, was diese Völker sich schon lange wünschen? Jedenfalls die Unternehmer als führende Elite? Na also. Der Rest muß nur noch erst auf Trab gebracht werden.

Diesen Völkern kann doch gar nichts besseres passieren.

Balken Juni 4, 2012 um 18:06

Gegen die Bildungsbürgersprache, bis sich die Balken biegen, ist ja nichts zu sagen. Ich habe ja auch gar nicht den Eindruck, dass da einer blenden, zu Schau stellen, beeindrucken will, sondern dass er in dieser Sprache eben mit Selbstverständlichkeit “zu hause” ist und sie beiläufig, quasi “unbewusst” verwendet. Mit etwas traumwandlerischer Sicherheit gelegentlich übrigens, wass denn auch hier und da bei Kommentatoren (auch solchen, die solchen Sprechens durchaus mächtig sind) zu berechtigten Nachfragen führt: Was, bitte schön, hat er denn jetzt sagen wollen, falls er etwas sagen wollte? Nur insoweit war die Sprache des Artikels (und vieler dieses Autors) mein Punkt: Die assoziationsreiche Wordle-Tapete ist hübsch, läßt aber kein rechtes Muster erkennen. Die Aussage ist nicht deutlicher, als bei einem, der, weniger geistreich, mit einfacheren Worten einem “Bauchgefühl” Ausdruck verleiht. Und nun? Vorhang zu und alle Fragen offen, wie Reich-Ranicki sagen würde.
Deshalb, @ 14, snozin, gelegentlich: Ihr werdet keinen Pudding an die Wand nageln!
Mein Punkt war eher: Dass hier mit einer Sprache, die auch bloß, allerdings mit hochintellektuellem Duktus, Bauchgefühl statt Aussage liefert, Leute im Kommentariat angelockt werden, vermeintlich Meinungen gehört zu haben. Was ihnen dann ganz schnell wieder ausgeredet wird.
Wahrscheinlich darf man nichts falsches erwarten. Wer hier in Meinungen, Ansichten, politischen Richtungen bestärkt werden will, oder wenigstens solche, wenn auch nicht unbedingt mit seinen eigenen übereinstimmende, erwartet, mit denen er sich auseinandersetzen kann, arbeitet sich an nicht gegebenen Voraussetzungen ab. Hier wird Meta-Ebene geboten, Analyse rhetorischer Figuren. Da ist ein empfindlicher Seismograph für politisch-gesellschaftliche Befindlichkeiten, die er präzise beschreibt (wobei man die zittrigen Zeigerausschläge, je empfindlicher, desto unsteter, eines empfindlichebn Seismographen halt ein wenig mitteln muss.) Mehr sehe ich da nicht – aber auch nicht weniger!

egal Juni 4, 2012 um 18:07

Der Witz ist ja: wie starb Kübler-Ross, die so viel über das Sterben wusste? Antwort: gar nicht. Sie hatte nämlich einen Astralleib, der wiedergeboren wird. Hat sie zumindest behauptet als alte Frau.

Leugnen, Zorn, Verhandeln kann man immer nur an anderen beobachten. Das eigene Sterben ist ein blinder Fleck. Deshalb sind die Verweise auf Kübler-Ross häufig und ihre Wirkung gering.

http://www.wiesaussieht.de/2011/12/08/werden-wir-jetzt-alle-liberal/#comment-8464
http://www.wiesaussieht.de/2011/12/20/biedermeier-2-0/#comment-11559

h.huett Juni 4, 2012 um 18:12

egal

… verfehlt die Argumentation, nebenbei überliest er auch noch den Hinweis auf die Zwecke der Kübler-Ross-Studien, das klinische Personal in die Lage zu versetzen, anders mit dem Sterben umzugehen als sie es (nicht) gelernt hatten. Der Vorhalt des blinden Flecks ist insofern der Hinweis eines Blinden auf die schönen Farben.

Worauf beziehe ich mich denn? Auf den Tod der Gesellschaft, deren Teil ich bin ? Oder auf meine Analysen politischer Reden und ihrer Symptomatik? Ein gravierender Unterschied. So etwas wie Erdbebenforschung in vulkanischen Gegenden.

Q. Juni 4, 2012 um 18:27

@HH
gute Beobachtung!

Sinnvoll wäre es, wenn Du diese Phasen an konkreten Diskursen oder Reaktionen etwas ausbuchstabierst. Damit es weniger “bloßer Eindruck” bleibt.

Ich denke übrigens, daß diese Abfolge der Reaktionen eigentlich immer für “Einsicht in das Unabänderliche” typisch sind.
Wir müssen also nicht gleich an Tod und Sterben denken. Dann klingt es, was m.E. zu recht bemängelt wurde, auch nicht immer gleich so “alarmistisch”. ;-)

gelegentlich Juni 4, 2012 um 18:35

@Balken
,,Wer hier in Meinungen, Ansichten, politischen Richtungen bestärkt werden will, oder wenigstens solche, wenn auch nicht unbedingt mit seinen eigenen übereinstimmende, erwartet, mit denen er sich auseinandersetzen kann, arbeitet sich an nicht gegebenen Voraussetzungen ab.”
Ich will ganz schlicht Informationen, Links zu guten Texten, die ich selber noch nicht gefunden habe, gerne zu dem, womit ich nicht übereinstimme. Den Rest finde ich langweilig, kann aber Niemandem vorschreiben, was er mit einem Blog anfangen will. Wenn es ins absurde Selbstgespräch sich schlängelnd verliert wie bei ,,Unter Frau Merkels Sofa” fällt mir ein, dass ich solchen Quatsch ja nicht lesen muss. Ob Einer in Fremdworten wühlt weil er was demonstrieren möchte oder aber nur deshalb, weil er es nicht besser kann ist mir herzlich egal. Relevanz entsteht so nicht.

Sven Juni 4, 2012 um 18:38

Naja, passt für meinen Geschmack nur auf den 1. Blick. Die Gesellschaft ist kein homogener Haufen. Von Sethe bis Hessel werden die Selbstdenker mit 7 bis 20% bezeichnet. Insofern fallen schon einmal 80% heraus: die Mittrotter, die Verfügungsmasse. Die Verlierer akzeptieren auch nicht, sondern werden mit geballter Faust in der Tasche auf “ihre Chance” warten. Wie sollte sich Geschichte sonst wiederholen können?^^

Passender finde ich: „Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.“ (Mahatma Gandhi) – Momentan sollten wir da zwischen Lachen und Bekämpfen liegen. Das mit dem Gewinnen können wir noch eine Weile vertagen, das wird im Rückblick dereinst bei Gandhi schneller gegangen sein.

Carlos Manoso Juni 4, 2012 um 18:56

@ h.huett on 4. Juni 2012
„Kübler-Ross unterschied fünf Phasen des Sterbens: das Nichtwahrhabenwollen, Zorn, Verhandeln, Depression, Akzeptanz. Ihre Studie sollte Ärzten und Pflegekräften helfen, in der Kommunikation mit Sterbenden die richtigen Worte zu finden. Bis dahin hatten sie sich eher schlecht als recht damit abgefunden, wenn sie am Ende ihres Lateins angekommen waren.
(…) Was wir an politischen Reden in den letzten vier Jahren zu hören und zu lesen bekommen haben, sind Dokumente aus einem Sterbehaus. Sie verstellen den Blick auf den Sachverhalt, über den sie vorgeblich reden.“

Ich nehme an, jetzt sollte langsam erkannt werden, dass die Krise das Wirklichkeitsgebildes, das manche „Weltkapitalismus“ nennen, final auflösen wird.

Natürlich wird es dabei an „Schuldigen“ jedweder Art für das kommende „Desaster“ keinerlei Mangel haben. Beispielsweise wird dieses hirnlose Gelalle über den „Euro“ noch gewaltig anschwellen. Gewiß gab es mancherlei fehlerhafte Konstruktionen und ganz besonders Deutschlands Merkel löschte z.B. nach 2008 mit Kerosin, als sie nach dem Lehman-Crash entschied, die virtuelle Garantie für die Banken der „freien Marktwelt“ sollte aus jedem einzelnen Land Europas kommen und nicht etwa durch Sicherheiten (z.B. Eurobonds) der gesamten Eurozone kommen. Es dauerte noch Jahre, bis den „Finanzmärkten“, ihren „Politikern“ und ihr selbst die Implikation von Merkels Diktum dämmerte, nämlich die kombinierte ultimative Staatsschulden- und Bankenkrise und die Aufteilung zwischen Gläubiger- und Schuldnerländern.

Das „Zentrum“ des Kapitalismus (d.h. die Gläubiger) schützt sich normalerweise eigennützig im Krieg selbst, indem es der „Peripherie“ (d.h. den Schuldnerländern) hilft, sich vor Angriffen zu verteidigen. Das „Zentrum“ (Deutschland) ließ aber die ganze Schuld und Last auf die „Peripherie“ fallen und erkannte die Verantwortung des „Zentrums“ für das Desaster nicht an, die Gestaltung eines fehlerhaften Systems, massiv fehlerhafte „Politik“. Die Verantwortung wird nun Deutschland übernehmen müssen und die Kernschmelze des Zentrums wird für das verweichlichte Zentrum unvorstellbar werden.

Letzte Szene aus Wagners Götterdämmerung , wo das Universum der „Rings des Nibelungen“ abbrennt. Heilige Scheiße! Des Zeugs ist wirklich verrückt!
http://www.youtube.com/watch?v=cAtn1DyVfqI&feature=related

holger Juni 4, 2012 um 18:57

@Q

—>>>Wir müssen also nicht gleich an Tod und Sterben denken. ”

Genau, nennen wir es doch einfach “Wandel”. Die Politik oder deren Sprache oder Begrifflichkeiten nutzt sich eben auch mal ab. Wer hört denn noch diesen Darstellern intensiv zu. Sie erreichen doch immer weniger Menschen. Ein Politiker sollte doch wenigstens so sprechen können, dass ihm auch ca. 80% der Masse noch folgen können. Es ist die Sprache die den Verdruss macht. Ich kann tausendmal Piep piep piep senden, und wenn der Empfänger nur ein Rauschen dabei empfindet. Dann ist PPP überflüssig. Es versteht und das unterstelle ich, doch keine Sau mehr, was die überhaupt wollen. Wer will sich denn noch ernsthaft mit dem Gesülze auseinander setzen. Ich nicht mehr. Ich höre immer die gleichen Phrasen immer und immer wieder. Wir müssen Konsolidieren, wir müssen Nachhaltig, wir brauchen ne Reform. Und was hat es gebracht die letzten 20 Jahre. Bla bla bla. Soll ich den neuen Umweltminister ernst nehmen? Er schmeißt sich ja sofort in die Arbeit mit Null Ahnung. Es gibt eben zu viele Heinis, die da “oben” rum eiern. Ist doch kein Wunder, mit denen kannste ja auch alles machen. Wer nimmt die denn noch ernst? Was erwarten wir denn für tolle Reden von denen? Ich habe persönlich nur noch vor einem Respekt und das ist Schäuble. Der sagt es wenigstens so, wie es ist. Wenn man mal genau hin hört. Aber der Rest? Wenn Merkel nicht Schäuble hätte, wäre se schon lange Geschichte. Ich frag mich manchmal wer eigentlich der Kanzler ist.

Aber Hütt hat auch recht:

—>>>Was wir an politischen Reden in den letzten vier Jahren zu hören und zu lesen bekommen haben, sind Dokumente aus einem Sterbehaus. Sie verstellen den Blick auf den Sachverhalt, über den sie vorgeblich reden.”

Vollkommen richtig. Ein Satz, den ich sogar auf Anhieb verstanden habe :D

h.huett Juni 4, 2012 um 19:20

Q.

“Sinnvoll wäre es, wenn Du diese Phasen an konkreten Diskursen oder Reaktionen etwas ausbuchstabierst.”

Die Einsicht ist ein Nebenprodukt meines Buchs, das bald herauskommt. Darin diskutiere ich Details.

Aha! Juni 4, 2012 um 19:28

So wird ein Schuh draus: Man tappst in des Strobls Stapfen!
Wo, wie, wann wird das Meisterwerk erhältlich sein?

h.huett Juni 4, 2012 um 19:38

Aha!

Das ist eine hübsche Volte aktueller Mythenbildung, die bloggende Zeitgeschichte vor und nach Strobl. Wer weiß, vielleicht ersteht er ja schon bald wieder auf, weil ihm da draußen langweilig wird.

egal Juni 4, 2012 um 20:55

Worauf beziehe ich mich denn? Auf den Tod der Gesellschaft, deren Teil ich bin ? Oder auf meine Analysen politischer Reden und ihrer Symptomatik?

Ich nehme an, du beantwortest diese Frage nicht, weil du die Antwort für offensichtlich hälst. Mir fällt sie aber nicht ins Auge. Im Ausgangsartikel geht es noch um die Gesellschaft, deren Teil du bist:

Die politischen Debatten der letzten vier Jahre lese ich so, als hätte das Sterben sich plötzlich vervielfältigt, als sei die Gesellschaft insgesamt mit einer tödlichen Diagnose konfrontiert, als seien die Diskussionen über die Krise ein Symptom für das Wissen um das Ende, das langsam an die Oberfläche tritt.

Sollen jetzt nur die Regierungserklärungsvorleser sterben? Wulff war ein grottenschlechter Amtsschauspieler, aber das Publikum hat doch das ganze Theater nicht verstanden. Manche wackeren Kritiker wirkten wie ein Anachronismus, sie werden mitsterben. Aber die Präsidentennemesis Frank Lübberding leugnet ja bis heute.

Günther Grass. Eine Karikatur.

Talkshows.

Und ich? Blinder Fleck.

Merkur836 Juni 4, 2012 um 21:53

Nebellampen an für die Einbahnstraßen-Rhetorik! Denn wie die Geschichte, vorallem Europas, bisher zeigte, verlief bisher alles stets Einbahnstraßig, und im Prinzip war der Weg Europas bis heute schon mit Napoleon I. vorgezeichnet, oder nicht?

Der einfache Unterschied deiner Analogie vom Individum zur Gesellschaft fehlt: Auch wenn eine Gesellschaft träger in der Bewegung ist als ein Individum, sie hat immer mehr Optionen sich neu auszurichten, und wenn das nicht reicht, dann bleibt mindestens das evolutionäre “Survival of the Fittest”, oder nicht?

Mag sein das das ganze Europa-Gedöns für ältere Generationen nix ist, genauso wie die westliche Freiheit für viele ehemalige DDR-Bürger auch eher beängstigend war als sie dann doch endlich kam, aber ich bleib dabei, DAS ist der normale Abreibungs- und Aussiebungsprozess einer sich neu formierenden Gesellschaft. Die alten reden stets den Tod herbei, und die Jungen fragen sich “Was labern die da?”

Klar, Deutschlands Regierung wirft einen schlechten Schatten auf die europäische Einigung, wohl war, Merkel hat doch nicht mehr schiss davor das Griechenland austritt und dann Europa hinter der “Firewall” abfackelt als das ein Austrittsversuch Griechenlands erfolgreich wird und einige andere der von uns ausgebeuteten EU-Staaten inspieriert, die Fesseln der deutschen Regierung auch abzulegen!
Angst ist die Unterwährung des Euros, je höher die geschürte Angst desto höher der Zusammenhalt vor dem drohenden Untergang. Und Regierungen, die diese Ansgt schüren, sind Regierungen, die genau diese von dir genannten Stadien vorleben. Ist doch ganz einfach, Rettungsschirme vor dem Tod spannen, oder nicht?
Und wer, wenn nicht IHR ALLE HIER schreit am leutesten gegen Merkels TINA-Endzeitszenareien, und dann verflüchtet ihr euch in so einer einfachen Analogie? Kausalitäten betrachten wo es doch vielleicht nur Korrelationen gibt?

Ein ganz kurzer Blick in die Geschichte zeigt doch: Europa hat schon weit aus schlechtere Führungen ertragen, und an scheidewegen sich immer am flexibelsten gezeigt. Also, keine Panik, wir sind hier nicht auf der Titanic ;)

Morph Juni 4, 2012 um 21:59

Interessantes Thema. Das mit dem symbolischen Versagen ist ja eine Frage der Perspektive. Und der Umgangsweise. Auf der einen Seite die Untergangsängste, die dann verzweifelte späte Blüten treiben, auf der anderen Seite die Kunst der Serenität. Europa muss lernen Old Europe zu werden, in Würde. Und das betrifft auch die Aufklärung. Ganz interessant fand ich folgende Doku:
http://www.youtube.com/watch?v=bex21sP-rO4
http://www.youtube.com/watch?v=KfNHGSfkbuU&feature=relmfu
http://www.youtube.com/watch?v=dfGJMORJa8o&feature=relmfu
http://www.youtube.com/watch?v=jv5ANxFn50Y&feature=relmfu
U.a. mit dem überaus beeindruckenden Klaus Theweleit. Für mich derjenige, der ’68 immer noch zu einer unabgegoltenen Diskursformation macht.

Morph Juni 4, 2012 um 22:24

my comment is awaiting moderation…

Treidelstein Juni 4, 2012 um 22:29

Nur wenigen ist es gegeben
auch nach dem Tode noch zu leben
Als Wasch- und Eisbär neugeboren
werden zwei Kommentatoren
Ein dritter braucht nicht grob Gebeine
der kömmet wieder als das Feine
Ein vierter halb nur wird entleibet
zur Hälfte er erhalten bleibet
Wir andern wandern auf dem Pfade
wohl ohne Rückkehr. Das ist schade
Doch auf Zerfall und Agonie
erblüht Kompostdemokratie

h.huett Juni 4, 2012 um 22:30

Treidelstein

Hurra!

Balken Juni 4, 2012 um 22:39

Echt! Das ist die Rettung. Zur Beschämung der Bierernsten.
Was aber bleibet, stiften die Dichter.
Vivat Treidelstein!

Samy Juni 4, 2012 um 22:40

Ja, diese Abläufe nach Kübler Ross findet man oft im Leben, wenn man hilflos ist. Vor den Scherben einerEehe stehend, ein stolzer Unternehmer, der sein Betrieb schliessen muß.

Tja, und was ist nun was und wo stehen wir? Die letzten zornigen Züge der Geldmengenausweitung und Verhandlungen über Rettungsschirme wegen des Nichtwahrhabenwollens? Dann die Rezession endend in der Depression, was zu akzeptiern wäre?

Damals habe ich das Buch gelesen, als meine Mutter ziemlich schwer erkrankte. Zweifach Krebs, beidseitige Lungenembolie wegen einer Chemo usw.. Das letzte Kapitel habe ich bis jetzt nicht lesen müssen, ist halt ein zäher WKII Jahrgang. Die ist dem Tod damals nicht nur von der Schippe gehüpft, die hat Seilchenspringen mit ihm gespielt.
Gut so!

VG

h.huett Juni 4, 2012 um 22:43

Merkur836

Ich vergleiche die Symptome Sterbender mit den Symptomen einer politischen Rhetorik, die ihrerseits allenfalls symptomatisch einen tatsächlichen Blick auf die Lage erlaubt. Wie die amtierende Macht aus einer Attitüde der Ohmacht agiert, dabei den gegenteiligen Eindruck zu erwecken versucht. Biologismus liegt mir fern.

Im übrigen noch ein Querverweis auf Sylvère Lotringers Dekonstruktion des Films LIGHTNING OVER WATER. Ich werde irgendwann nächste Woche auf diese Performance zurückkommen. Es gibt in der Kulturgeschichte der letzten Jahrzehnte wenige Augenblicke, die mit einer vergleichbaren Intensität und Tiefe ein Kunstwerk neu sehen und verstehen halfen. Lotringers Performance am Sonntag im Haus der Kulturen der Welt war so ein Augenblick.

Samy Juni 4, 2012 um 22:43

Kompostdemokratie :-), das gefällt mir.
Alles landet auf dem Komposthaufen der Geschichte.
Und was erwächst aus diesem fruchtbaren Boden? Diktatur?
Zyklische Abläufe verschiedener Gesellschaftformen a la Platon?

Samy Juni 4, 2012 um 22:51

“Also, keine Panik, wir sind hier nicht auf der Titanic … ” sprach der Merkur laut und klar auf der sinkenden Lusitania!

Gute Nacht!

h.huett Juni 4, 2012 um 23:14

Morph
Danke für die links, die auf eine sommerliche Bluesnacht warten

h.huett Juni 4, 2012 um 23:15

egal

… versteht keinen Konjunktiv

14 Juni 4, 2012 um 23:43

Konjunktion aber schon, oder..

heute Vollmond, Mitte der Woche dann D-Day

Symbolisches Versagen auf der Sonnenuhr? Morgens vom Abendstern? Wohl kaum..

merkur836 Juni 5, 2012 um 09:52

@huett

Und ich vergleiche die Symptome sterbender mit der typischen Untergangsrhetorik in einem solchen Blog! In welchem Stadium wären wir hier dann? Zorn über die Politiker ist glaub ich schon durch, aber wir sind immerhin noch ein ganzes Stückchen vor der Akzeptanz.
Zum älter werden gehört ja dazu dass man mit der in sich selbst einkehrenden Ruhe beginnt die Ideologien seiner jungen Jahre aufzugeben, was aber trotzdem nicht zwangsläufig dazu führen muss dass man auch seine Ansichten aufgibt. Aber diese irgendwie schwer zu akzeptierende Diskrepanz zwischen der Aufgabe des ideologischen Änderungsdranges bei gleichbleibender Sichtweise auf die Dinge ist schwer sich selbst gegenüber zu vermitteln, ja lähmend ist sie sogar, und macht einen anfällig für jegliche Untergangsrhetirik – ist ja auch einfacher als etwas glauben zu schenken!

Und so durchsichtig, dilletantisch und einfach diese Untergangsstimmungen zu bedienen sind, so werden sie auch stets von schwachen Politikern mit wenig Programm und ohne ‘Zukunftsglaube’ bedient um genau davon abzulenken. Politik Business as usual. Wer Ängste am besten vermittelt, holt Stimmen, wer Todesängste glaubhaft vermitteln kann, gewinnt Wahlen auch ohne programmatische Perspektiven.

Untergänge beschwören ist zwar einfacher, aber auf dieses Schiff nimmt mich keiner so schnell mit ;)

h.huett Juni 5, 2012 um 10:13

merkur836

Neben der Spur. Ich rede nicht von Untergangsrhetorik, sondern von den Symptomen einer Rhetorik, die den Blick auf das Desaster nicht aushält und durch ihre Sprache auf Umwegen eine Ahnung von der Lage aufkommen lässt.

Die Idee, dass eine Ansicht einen wie ein nicht wegzubekommendes Tattoo durchs Leben begleitet, finde ich bestenfalls naiv, schlimmstenfalls … ach egal.

Merkur836 Juni 5, 2012 um 12:25

“Die Idee, dass eine Ansicht einen wie ein nicht wegzubekommendes Tattoo durchs Leben begleitet, finde ich bestenfalls naiv, schlimmstenfalls … ach egal.”

Wie? Ne Ideologie vertritt man doch definitiv anders als ne Sicht auf die Dinge, und mehr wollt ich an dieser Stelle doch garnicht erklären! Wie du darauf kommst das ne Ansicht nach meiner Meinung ewig bleiben würde, ist mir ein Rätsel….

“Neben der Spur. Ich rede nicht von Untergangsrhetorik, sondern von den Symptomen einer Rhetorik, die den Blick auf das Desaster nicht aushält und durch ihre Sprache auf Umwegen eine Ahnung von der Lage aufkommen lässt.”

OK, anders formuliert: Deutschland hat die Führungsrolle in der Krise übernommen, und das deutsche Klischee, “The German Angst” zieht sich durch die politische Rhetorik, Europaweit, es müssen doch alle an einem Strang ziehen. Zusätzlich sehen wir auch ein bisschen von dieser deutschen Bauarbeitermentalität, also wenn der Bauarbeiter erstmals auf ner Baustelle erscheint und die Gelegenheit bekommt zu erklären, das alles was derjenige der vor ihm hier gebaut hat, nur Mist gemacht hat und er deswegen nicht so arbeiten könne wie er wolle.
Wäre eine südeuropäische Nation in dieser Rolle verwickelt die Deutschland grade innehat, würde die Krisenrhetorik schon ganz anders aussehen. Vermutlich würden einige der Krisensymptome unterm Teppich gekehrt, ein paar “falsche” Tricks angewendet, dabei verschwitzt gelächelt und erklärt dass doch alles nicht so schlimm sei, nur hier ein bisschen was machen, da ein bisschen was machen, und dann geht alles wieder.
Es ist ja nunmal so, auch wenn viele das nicht wahr haben wollen, dass die Politik immernoch aktuelle Themen vorgibt, die überall dann diskutiert werden. Das geschieht zwar inzwischen immer öfter auch anders herum, aber für gewöhnlich wird über das Diskutiert, worüber Politiker diskutieren. Somit verlgeichen wir interssierten stets unsere Sichtweise auf die einzelnen Themen mit denen der einzelnen Akteure der Politk, Ausgangspunkt bleibt aber stets die Haltung der themenvorgebenden Politiker. Jetzt zieht die deutsche Poltikpersönlichkeit europäische Relevanz auf, also geht auch ihre Haltung in die Diskussionen mit ein. Daher wirkt es so wie du es anfangs beschreibst.
Wie sähs denn aus mit dem amerikanischen Weg mit Krisen oder Fehlern umzugehen? Also noch sehenden Auges das Problem immer selbstbewusst wegkaschieren, auch bis zum bitteren Ende, und einfach vorzuleben das man an das glaubt wofür man steht. Das gibt es hier in Europa weit und breit nirgends, und genau das ist es was Europa gegenüber allen so angreifbar macht!

Es ist einfach diese Angstrhetorik Deutschlands, die es nach diesen Symptomen aussehen lässt. Deine Diagnose ziehe ich aber nicht so, denn ich verwette alles was ich habe darauf, dass die europäischen Führungspersönlichkeiten mehr Handlungsspielräume haben, mehr von den Mechanismen dieser Krise verstehen als sie Preisgeben wollen. Und siehe da, auf einmal sind Wachstumsmaßnahmen möglich? Soche, die vor kurzem noch undenkbar, unmöglich, unverantwortlich, ja Teufelswerkzeug, sogar TINA waren!?

Wie schnell sich das Blatt doch wendenkann. Und wieviel dabei doch abhängig ist von einzelnen Persönlichkeiten. Es muss doch nur jemand eine Führungsrolle bekommen, der glaubhaft sein Konzept vertritt, und auf einmal ist schon wieder alles anders.

Europa hat einfach das gleiche Problem wie Deutschland, eine konservative Regierung. Nur Europa ist auf dem Scheideweg und braucht neue Wege. Und dann Frag mal Hayek wie er Konservatismus zum Thema Werte und Zukunftsvisionen sieht, dann verstehst du vielleicht was ich meinen könnte.

Degnaphta Juni 5, 2012 um 18:21

@ Morph
Vielen Dank für diesen TV-Tip. Der erste Teil war von spaßig bis sehr erhellend. Auf die anderen freue ich mich schon richtig. Schaunmermal… :-)

Mich plagen immer Zweifel, inwieweit “die Politiker” überhaupt an echten Klärungen von Sachfragen interessiert sind. Mir scheint, daß sie sich eher im von den Medien vorgegebenen Bahnen zu bewegen versuchen, um ihre Wählbarkeit nicht riskieren. Hier in SH beispielsweise hat der Hauptkommentator des Heimatblattes m.E. mehr Gestaltungskraft als die Landesregierungen, die ich immer nur am Vollziehen sehe, was vorher im Heimatblatt als “Das beste für unsere Schleswig-Holsteiner” beschrieben wurde. Und der Bursche macht den Job bereits seit drei Dekaden… ähnlich wie der Asmussen als Konstante bei der Finanzmarktgestaltung.

Joerg Buschbeck Juni 5, 2012 um 21:28

sehr bildhaft – der Kaputtalismus ist ein Kreditjunkie – und Kredit braucht Vertrauen, deswegen – Vertrauen schaffen oder es sprechen bald die Waffen. :-(

http://www.youtube.com/watch?v=1qoq9jIjpNM

zurück zur Erde Juni 6, 2012 um 10:35

4,2 Mrd Euro für griechischen Bonzen. Weiter so!

http://www.tagesschau.de/wirtschaft/latsis100.html

h.huett Juni 6, 2012 um 11:19

“Wir nähern uns der letzten Schale”
http://www.heise.de/tp/blogs/4/152127

h.huett Juni 6, 2012 um 11:20

“Wie ist es möglich, dass die Menschen, obwohl sie keinerlei Illusionen, keinerlei Hoffnung, möglicherweise keinerlei Sinn mehr in ihrer Geschichte sehen können, und obwohl es keinen strukturierten staatlichen Gewalt-Apparat gibt, der sie dazu zwingen kann, trotzdem genau so weiter machen wie bisher, das heißt: Wider besseren Wissens und ohne physischen Zwang unsinnige Arbeit verrichten, unsinnige Dinge erwerben und ein unsinniges Leben führen?”

http://www.seesslen-blog.de/2012/06/06/kleine-zwischenbilanz/

h.huett Juni 6, 2012 um 11:23

A Dream Within A Dream

Take this kiss upon the brow!
And, in parting from you now,
Thus much let me avow-
You are not wrong, who deem
That my days have been a dream;
Yet if hope has flown away
In a night, or in a day,
In a vision, or in none,
Is it therefore the less gone?
All that we see or seem
Is but a dream within a dream.

I stand amid the roar
Of a surf-tormented shore,
And I hold within my hand
Grains of the golden sand-
How few! yet how they creep
Through my fingers to the deep,
While I weep- while I weep!
O God! can I not grasp
Them with a tighter clasp?
O God! can I not save
One from the pitiless wave?
Is all that we see or seem
But a dream within a dream?

Edgar Allan Poe

Dank an Harald Taglinger tp

14 Juni 6, 2012 um 11:37
Balken Juni 6, 2012 um 12:58

Danke, hh, für den Link.
Wenn auch alles nur Glasperlenspiel, so doch gut zu wissen, und immerhin an der Welt, wie sie ist, zu leiden. Wissenwollen ist manchmal sowas wie Zahnschmerzen: Man kann es nicht lassen, an dem kranken Zahn zu spielen, den Schmerz zu provozieren.

Balken Juni 6, 2012 um 13:03

“Daher achte man darauf, dass die Worte stimmen”.
“Ohne Klarheit in der Sprache ist der Mensch nur ein Gartenzwerg” (letztere chinesische Weisheit nicht von Konfuzius, aber immerhin von Regener).
Fromme Wünsche. Kampf gegen Windmühlenflügel.
Man gehe in sich und mache sich diesen Anspruch wenigstens für sich selbst zu eigen, auch in einem Blog wie diesem, oder schweige für immer (das ist jetzt an mich selbst gerichtet :-) ).

lily Juni 6, 2012 um 18:50

@ hans hütt

finde es etwas merkwürdig von dir, dass du das urposting zum “alienrassenwahn” nicht gelöscht hast, auf das ich mich bezog. mit meinem “symbolischen frauen- versagergedicht”.

h.huett Juni 6, 2012 um 18:54

lily
Erledigt. Die ganze Diskussion war entbehrlich. Das hatte ich übersehen.

lily Juni 6, 2012 um 18:59

o.k, danke. leider ist dieser wahn verbreiteter als der gesunde menschenverstand wahrhaben will

lily Juni 6, 2012 um 19:01

währendem durchgenkallte waffenschieber und mafiosis u. hollywoodregisseure unbehelligt ihrem tage-u. nachtwerk nachgehen dürfen, ohne dass sich da einer vor “genetischen verstümmelungen” fürchtet

"gg" oder Keule ? Juni 6, 2012 um 21:06

@ 14

Bläser Genius Bix vielleicht gefällt es …

http://www.youtube.com/watch?v=BcL6lSHTpWo&feature=related

What a day!
Gibt auch gutes MV – leider endend mit Alkohol ohne Ende…

Europa braucht Träume Juni 6, 2012 um 21:14

Nachrichten
Regierung in Paris beschließt Rente mit 60

Yippieee. Wie kann ich diese Regierung auch für Deutschland wählen?

Für mich ist es unerträglich, dass wir hier von den Spar Polizisten angepeitscht werden….zu mehr Arbeit für weniger Geld bei späterer Rente und weiteren Abgaben und Leistungsverzicht….während in Europa sich längst ein Paradigma Wechsel vollzogen hat. Wann wird die deutsche Regierung den Anschluss an Europa starten und endlich beginnen im Sinne Europa’s eine Politik für die Menschen zu betreiben. Und ja, ich fordere, daß wir Deutschen auch das Recht erhalten bei der nächsten Wahl Hollande wählen zu dürfen.

"gg" oder Keule ? Juni 6, 2012 um 21:18

also zunächst sind die Holländer dran ;-)
die sehen jetzt schon so alt aus …

Europa braucht Träume Juni 6, 2012 um 21:20

Hollande rétablit la retraite à 60 ans pour 110.000 personnes

Quelle: 06/06/05004-20120606ARTFIG00716-hollande-retablit-la-retraite-a-60-ans-pour-110000-personnes.php

Chose promise chose due! Le gouvernement a rendu publiques mercredi les modalités du décret de retour partiel à la retraite à 60 ans qui sera publié «début juillet» après la consultation du Conseil d’État et des caisses de retraite. Grâce à cette réforme, 110.000 personnes «ayant commencé à travailler à 18 ou 19 ans et ayant la durée de cotisation requise» pourront partir en retraite chaque année dès leur soixantième anniversaire fêté. Une avancée qui portera donc à un peu moins de 200.000 par an – soit un retraité sur trois ou quatre, selon les années – le nombre d’assurés non concernés par le report de l’âge légal de départ à 62 ans décrété en 2010

Zur gleichen Zeit wurde in Deutschland die Riester-Pflegeversicherung beschlossen!

Europa braucht Träume Juni 6, 2012 um 21:28

C’était une promesse du candidat François Hollande, ce sera bientôt une réalité. La ministre des affaires sociales Marisol Touraine a annoncé mercredi 6 juin la mise en place d’une réforme partielle des retraites. Censé rentrer en application le 1er novembre, le dispositif doit permettre aux personnes ayant commencé à travailler à 18 ou 19 ans et ayant cotisé 41 ans de partir à la retraite plus tôt, à 60 ans.

http://www.lemonde.fr/politique/video/2012/06/06/reforme-partielle-des-retraites-on-est-fatigues-place-aux-jeunes-maintenant_1713784_823448.html

- Albgott - Juni 6, 2012 um 22:29

@Europa braucht Träume Juni 6, 2012 um 21:14
@Europa braucht Träume

===> Jungchen, Du hast zulange am Klebstoff geschnüffelt!!

“Für mich ist es unerträglich, dass wir hier von den Spar Polizisten angepeitscht werden….zu mehr Arbeit für weniger Geld bei späterer Rente und weiteren Abgaben und Leistungsverzicht….”

===> … schaltest du vielleicht mal das Licht an im Oberstübchen?? … WER … wer … wer hat hier in der BRDDR für ständig mehr Arrrrbeit bei ständig sinkenden Nettorealeinkommen gesorcht??? … und die Rente ab 67 eingeführt?? … richtig Rothschild-Gerd und seine schwerstkorrupte Abrißtruppe von der “SPD” ist’s gewesen!!

http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/bild-734794-161328.html

“während in Europa sich längst ein Paradigma Wechsel vollzogen hat. Wann wird die deutsche Regierung den Anschluss an Europa starten und endlich beginnen im Sinne Europa’s eine Politik für die Menschen zu betreiben. Und ja, ich fordere, daß wir Deutschen auch das Recht erhalten bei der nächsten Wahl Hollande wählen zu dürfen.”

===> … noch nich gerafft, daßß der Franzmann seine Segnungen für’s Franzmann-Volk vom deutsen Exportmichelsklaven gegenfinanzieren läßßt ???

===> … @Träumlere, bistu schon “SPD”-Mitglied ?? … wenn nich, wird es abba höxte Zeit! … die “SPD” lebt schließßlisch von Leute mit deine Intelligenz …

wowy Juni 6, 2012 um 22:32

@hütt
Das ist das ultimative Album dazu (mit Hörproben):
http://www.amazon.de/Tales-Mystery-Imagination-Parsons-Project/dp/B000001FN3

Europa braucht Träume Juni 6, 2012 um 22:38

@Wahnwitziger

Ja, danke. Genau so wie Du es oben noch mal klar (auch) für den Bild/SPON Leser hier im Blog verdeutlicht hast habe ich es auch gemeint. ;-)

Europa braucht Träume Juni 6, 2012 um 22:42

Vielleicht sollte ich zukünftig wieder den Ironie-button an meine Kommentare deutlicher anbringen.

h.huett Juni 7, 2012 um 00:46

wowy

danke für den link

"gg" oder Keule ? Juni 7, 2012 um 02:52

@ hh + wowy

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51FQxoVrNsL._SS500_.jpg

Falls Ihr CD-Kopien, oder Datensätze für einen UsbStick von den drei Fassungen (1976, 1987, 2007) haben wollt – bitte melden.
War 1976 ein echter Renner in den Plattenläden und auch heute noch ganz nett!!! ;-)
Besonders die remasterte mit – Orson Welles .
Eric`s voice “Guide-Medley” absolut einmalig . Na und JM .

http://www.youtube.com/watch?v=R0WhKwiwNSk

"gg" oder Keule ? Juni 7, 2012 um 03:02
wowy Juni 7, 2012 um 10:20

@”gg”
Merci!

Balken Juni 7, 2012 um 11:12

Ewig ist das Dau und ohne Namen –
doch wenn auch gering erscheint das unverdorbene
nichts in der Welt ist so mächtig
es zu knechten.

Wenn nur die Fürsten und Herren das unverdorbene wahrten
willig strömte ihne zu die vielfalt der Dinge
glücklich verbänden sich Himmel und Erde
herabzusenden segenbringenden Tau
zwanglos kehrte zurück das Menschengeschlecht
zur Gleichheit.

Als man aber mit Namen begann zu trennen die Dinge
wurden selbstherrlich die Namen.

Doch gibt es auch solche, die sie zu bannen wissen
wer sie zu bannen weiß, entgeht allen Gefahren.

(Lau Dse)

“Was wir an politischen Reden in den letzten vier Jahren zu hören und zu lesen bekommen haben, sind Dokumente aus einem Sterbehaus. Sie verstellen den Blick auf den Sachverhalt, über den sie vorgeblich reden.”

(Hannes Hütt)

Ewiges Thema, was ist Name, was ist Sachverhalt. Zwischen den chinesischen Weisen und dem weisen Hütt ein paar Zwischenstufen, von Abaelard (Der Name der Rose) über Wilhelm von Ockham (bei Umberto Eco: Wilhelm von Baskerville) bis Ludwig Wittgenstein.

Die ewigen Glasperlenspieler. Systemfrager der dritten Art. Für das Tagesgeschäft eher untauglich (bekommen wahrscheinlich keinen Nagel in die Wand). Aber immer dafür gut, die mit dem Tagesgeschäft (auch dem politischen) Befassten vom hohen Ross ihrer Sicherheiten herunterzuholen auf dem Boden: Wovon sprecht ihr?

“Wenn nur die Fürsten und Herren das unverdorbene wahrten
willig strömte ihne zu die vielfalt der Dinge
glücklich verbänden sich Himmel und Erde
herabzusenden segenbringenden Tau
zwanglos kehrte zurück das Menschengeschlecht
zur Gleichheit.”

wowy Juni 9, 2012 um 15:33

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