Wo liegt der Unterschied zum letzten Mal?

by eFlation on 20. Juni 2012

Die Federal Reserve beschloss heute Abend, die “Operation Twist” bis Ende diesen Jahres zu verlängern, sprich die Senkung langfristiger Zinsen. Mit diesem Eingriff sollen weitere Staatsanleihen im Umfang von 267 Milliarden US-Dollar umgeschichtet werden. Das Versprechen, das Zinsniveau bis mindestens Ende 2014 niedrig zu halten, wurde noch mal bekräftigt. Der Leitzins bleibt damit unverändert von 0 bis 0,25 Prozent.  Das die Notenbank weitere Staatsanleihen kaufen, um das Zinsniveau noch stärker zu drücken, dass sogenannte Quantitative Easing fand keine Mehrheit im FOMC.

Spannender finde ich allerdings, dass man sich nicht sonderlich viel Mühe macht, was die Mitteilungen angeht. Hier mal der Text vom 25. April und von heute in einem dargestellt:

Release Date: April 25June 20, 2012

For immediate release

Information received since the Federal Open Market Committee met in MarchApril suggests that the economy has been expanding moderately. Labor market conditions have improved this year. However, growth in employment has slowed in recent months, and the unemployment rate has declined but remains elevated. Household spending and businessBusiness fixed investment have has continued to advance. Household spending appears to be rising at a somewhat slower pace than earlier in the year. Despite some signs of improvement, the housing sector remains depressed. Inflation has picked up somewhatdeclined, mainly reflecting higherlower prices of crude oil and gasoline. However, , and longer-term inflation expectations have remained stable.

Consistent with its statutory mandate, the Committee seeks to foster maximum employment and price stability. The Committee expects economic growth to remain moderate over coming quarters and then to pick up very gradually. Consequently, the Committee anticipates that the unemployment rate will decline graduallyonly slowly toward levels that it judges to be consistent with its dual mandate.StrainsFurthermore, strains in global financial markets continue to pose significant downside risks to the economic outlook. The increase in oil and gasoline prices earlier this year is expected to affect inflation only temporarily, and the Committee anticipates that subsequently inflationinflation over the medium term will run at or below the rate that it judges most consistent with its dual mandate.

To support a stronger economic recovery and to help ensure that inflation, over time, is at the rate most consistent with its dual mandate, the Committee expects to maintain a highly accommodative stance for monetary policy. In particular, the Committee decided today to keep the target range for the federal funds rate at 0 to 1/4 percent and currently anticipates that economic conditions–including low rates of resource utilization and a subdued outlook for inflation over the medium run–are likely to warrant exceptionally low levels for the federal funds rate at least through late 2014.

The Committee also decided to continue through the end of the year its program to extend the average maturity of its holdings of securities as announced in September.. Specifically, the Committee intends to purchase Treasury securities with remaining maturities of 6 years to 30 years at the current pace and to sell or redeem an equal amount of Treasury securities with remaining maturities of approximately 3 years or less. This continuation of the maturity extension program should put downward pressure on longer-term interest rates and help to make broader financial conditions more accommodative. The Committee is maintaining its existing policies policy of reinvesting principal payments from its holdings of agency debt and agency mortgage-backed securities in agency mortgage-backed securities and of rolling over maturing Treasury securities at auction. The Committee will regularly review the size and composition of its securities holdings and is prepared to adjust those holdings take further action as appropriate to promote a stronger economic recovery and sustained improvement in labor market conditions in a context of price stability.

Voting for the FOMC monetary policy action were: Ben S. Bernanke, Chairman; William C. Dudley, Vice Chairman; Elizabeth A. Duke; Dennis P. Lockhart; Sandra Pianalto; Jerome H. Powell; Sarah Bloom Raskin; Jeremy C. Stein; Daniel K. Tarullo; John C. Williams; and Janet L. Yellen. Voting against the action was Jeffrey M. Lacker, who does not anticipate that economic conditions are likely to warrant exceptionally low levels of the federal funds rate through late 2014Lacker, who opposed continuation of the maturity extension program.


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Lexi Juni 21, 2012 um 16:17

Hab ja mal Vwl und Mathe studiert, wenn auch vieles wieder vergessen, aber Lohnprobleme treten seit den 90er doch deswegen auf, weil u.a. China diesen deflationären Druck auf dem Weltmarkt auslöste. Asien ist ja nun neu, die Lehrbücher aus den 90er Jahren in unseren Kursen hatten China nur als kleine Randnotiz.
Technischer Fortschritt, EDV und China (Indien/Korea) etc. zusammen wirken sich heftig aus, keine Frage, aber keine einfache Antwort.

Und warum sollte es keine Inflation geben? Inflation zeigt sich doch in unterschiedlichen Bereichen. Momentan ist keine zu sehen und vielleicht in nächster Zeit auch nicht, aber warum sollte Hubschrauber-Ben oder der Onkel in Simbabwe das nicht auslösen können?

Meine Briefmarkensammlung vom Opa hat noch ein paar Billionen Reichsmark-Marken.

Deregulierung und Privatisierung sind doch nicht per se immer schlecht. Sicher gibt es an den Rändern große Probleme, sowohl bei den Raffkes als auch bei den armen Schluckern.

Geht mir alles viel zuviel durcheinander, dass hat mich an den Sozialwissenschaften schon immer geärgert, aber so ist es eben.

Systemfrager Juni 21, 2012 um 12:19

@Sven
Du verwechselst zwei Dinge
- mikroökonomische Kosten
- makroökonomische Optimierung

Die Marktwirtschaft optimiert bzw. minimiert nicht die Kosten der VW einfach so – weil sie es gut mit uns meint. Sondern nur unter bestimmten Voraussetzungen.
Stichwort: Reswitching!

Pars-pro-Toto als eine primitive und längst überholte Denkweise:
Das Reswitching: Der Sargnagel für die neoliberale Produktionstheorie
weiter >>>

Die 3 Tatsachen:
1 die Dritte industrielle Revolution
2 kaum ein Produktiviätswachstum bei der Arbeit
3 die Zerstörung der Natur
sind die katastrophalen Folgen der Degegulierung und Privatisierung – der sog. Freiheit. Ohne diese “Freiheit” wäre der Wohlstand heute zumindest doppelt so hoch.

Sven Juni 21, 2012 um 12:06

@Systemfrager

Du machst es Dir zu einfach. Die Kosten beeinflußbar durch Prozeßoptimierungen sinken permanent, aber doch nicht die Kosten allgemein und schon gar nicht modellhaft-gesetzmäßig. Siehe Lohnkosten und deren Anteil für Rente und Gesundheit, siehe Auflagen für Umwelt, siehe Ressourcenknappheit, der nächste Kontratijeff-Schub usw. – da gibt es viele Möglichkeiten, die Deiner Kostensenkung ins Handwerk pfuschen können.

Kannst Du bitte nebenbei mal ein paar künstliche Inflationen aufzählen, welche zu Deiner angesprochenen Kollapsabwendung bewußt vom Zaun gebrochen wurden? Und wie man sich das technisch mit den Mitteln einer Zentralbank vorstellen muß?

Systemfrager Juni 21, 2012 um 10:39

@Frankie Bernankie
“There is no such thing like inflation!”

Genau so ist es. Die Marktwirtschaft, weil sie durch den technischen Fortschritt immer Kosten sinkt, muss ihmmer in einer Deflation enden, wo dann die reale Wirtschaft zusammenbricht. (Im Kreislaufmodell mathematisch-rigoros nachweisbar.)

Die Inflationen sind nur mehr oder weniger misslungene Versuche den totalen Kollaps der Marktwirtschaft zu verhindern. Nämlich, der Staat ist fast nie so stark, die Plünderung der Reichen rückgängig zu machen, dann muss der Staat einen indirekten Weg gehen, durch Gelddrucken.

PS
Die Quantitätstheorie des Geldes ist eine Idiotie: Für “normale” Umstände untauglich, wenn Geldzunami kommt, schon – aber dafür braucht man keine “genaue” mathematische Formel.

Frankie Bernankie Juni 21, 2012 um 10:19

Cooler Job, dort im Fomz.
Bernanke hats einfach drauf. Ich weiss schon warum ich mir meinen Nick ausgesucht habe.

Interessant finde ich auch die Bemerkung zur Inflation. Man fragt sich warum immer das ganze Gedöns mit Statistik, Ökonometrie , Warenkörbe usw.
Kann man sich offensichtlich alles sparen, man muss nur den Ölpreis anschauen.

Und dabei handelt es sich um einen externer Schock.

Ist Inflation dann überhaupt noch von ökonomischer Evidenz, muss man sich da fragen.

Signifikante Lohnerhöhungen gibts sowieso nicht mehr, nirgends , so wies aussieht, die hat der neoliberale mainstream ziemlich ausgemerzt.

Neues Frankie – Theorem:

“There is no such thing like inflation!”

Lexi Juni 21, 2012 um 10:08

Die Wirkungen sind nicht innerhalb eines Jahres erzielbar. Oder?
Auch wenn die Kapitalmärkte ihr übliches “Fliege saust wild umher um den Ausweg aus der Flasche zu finden” spielen.
Die Lösungen sind mir aber nach wie vor auch nicht klar.
Die Systemfrager-Seiten gegen ja einige schöne Anstöße, zugegeben, mir ist aber kein klares Ergebnis vor Augen.
Es bleibt in der Makroökonomie wohl ein “Sowohl-als-auch” übrig,
letztlich muss dann politisch gewertet werden. Kolateralschäden bleiben bei so einem komplexen Thema wohl nicht aus.
Eine einseitige oder alleinige Wirkungserklärung wie z.B. Angebot- oder Nachfrageorientierung hilft dabei auch nicht mehr weiter.
Die Welt hat sich nunmal geändert seit den 90ern und viele Schlachten wurden geschlagen. Ich bin ja ein alter Keynes-Bewunderer, aber z.B. das Drama der Griechen nur nachfrageseitig erklären? Meine Frage wäre ja, welche wesentlichen Veränderungen in welcher Reihenfolge getan werden müssten und wie die wesentlichen Wirkungen zu erwarten wären?

Systemfrager Juni 21, 2012 um 07:42

Vater, vergib ihnen NICHT, denn sie wissen nicht, was sie tun, aber sie tun es trotzdem!
Tja, wie sieht es mit der ganzen Angebotstheorie aus?
Wenn sie stimmte, hätten wir heute einen ökonomischen Boom, wie es ihn in der Geschichte nie gab. Man hat nämlich die Kosten seit drei Jahrzehnten ständig gesenkt:
- Die Löhne sind real niedriger als in den boomenden Jahren nach dem 2WK
- Die Zinsen waren immer auf niedrigem Niveau
- Die “Belastungen” der Unternehmen wurden ständig gesenkt!
UND DAS ERGEBNIS? NICHTS!

Die Idee, das Wachstum in der Marktwirtschaft hätte etwas mit den Kosten (Löhnen, Zinsen, …) zu tun, ist eine der größten Idiotien des Abendlandes.

Was tun wenn die alten Theorien (Paradigmen) versagen?
Die Paradigmen der Wirtschaftswissenschaft: Ein grober Überblick
weiter >>>

Publikum Juni 21, 2012 um 07:37

“Wo liegt der Unterschied zum letzten Mal?” – Und? Was hast Du Dir geantwortet?

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