Marktkonforme Streiks

by f.luebberding on 28. August 2012

Die deutschen Arbeitsbeziehungen galten noch vor wenigen Jahren als der Mühlstein der deutschen Ökonomie. Es gibt bis heute kaum einen Ökonomen, der nicht die Flexibilisierung und Deregulierung des deutschen Arbeitsmarktes als Ursache für den deutschen Aufschwung nach 2005 deklariert. Das bedeutete unter anderem die Tariffähigkeit der Gewerkschaften zu schwächen, um die Lohnhöhe gemäß der neoklassischen Arbeitsmarkt-Theorie an der sogenannten Grenzproduktivität des einzelnen Beschäftigten zu orientieren. Dazu kam die weitgehende Öffnung der Arbeitsmärkte außerhalb der Flächentarifverträge früherer Zeiten. Menschen, die zur Eigenverantwortung gezwungen werden, reagieren Marktkonform, auch wenn sie von den Konsequenzen irritiert sein sollten, wie bei manchen Volkswirten in dem letzten link. Eine Folge dieser Entwicklung: Die Arbeitnehmer nahmen diese Aufforderung ernst – und orientierten sich in zunehmenden Maße an der Maximierung ihres individuellen Nutzens. Ob Ärzte, Fluglotsen, Zugführer oder Piloten: Der Ausstieg aus kollektiven Lohnfindungsstrukturen war eine der zentralen Entwicklungen der vergangenen 25 Jahre. Das wird jetzt im Handelsblatt bejammert.

Oliver Stock nennt den heutigen Streik der Flugbegleiter bei der Lufthansa “unsolidarisch”. Es ist absurd. Wie kann jemand ernsthaft von Solidarität reden, wenn die Arbeitsmarktordnung die Durchsetzung individueller Interessen zum alleinigen Maßstab gemacht hat? Wo findet in diesen Strukturen “Solidarität” einen institutionellen Niederschlag? Die Solidarität der Flugbegleiter wäre in diesen Strukturen nichts anderes als die Subventionierung konkurrierender Interessen. Ein Ausgleich ist nicht vorgesehen, sondern lediglich die Nutzenmaximierung aller beteiligten Akteure – von den Aktionären, den Banken, dem Management bis zu einzelnen Mitarbeitergruppen. Das Unternehmen ist nur noch als die Summe konkurrierender Interessen zu betrachten. Seine Zukunft kann den Mitarbeitern daher gleichgültig sein, weil Arbeitsplatzsicherheit und Planbarkeit der eigenen Zukunft nicht zu deregulierten Arbeitsmärkten passen. Mitarbeiter müssen einzig darauf achten, dass sie ihren individuellen Schaden bei einem Arbeitsplatzverlust begrenzen. Das bedeutet möglichst lange hohe Einkommen zu generieren. Die Zukunft des Unternehmens ist nicht ihre Zukunft. Es vergeht kaum ein Tag, wo den Menschen dieses neoklassische Credo nicht um die Ohren gehauen wird.

Jetzt verhalten sich die Menschen entsprechend. Hört auf zu jammern! Ihr habt nämlich die Arbeitsmarktordnung bekommen, die ihr arbeitsmarktpolitisch gewollt habt. Wer von Solidarität redet, soll an diesen unsolidarischen Strukturen etwas ändern. Es gibt für die Flugbegleiter der Lufthansa ansonsten keinen Grund auf dieses Gerede zu hören.

Ihr Streik ist Marktkonform.

{ 103 comments }

Andy August 28, 2012 um 13:31

Eigentlich ein schönes Beispiel dafür, dass sich nicht irgendwelche (göttliche? naturgesetzliche?) Gleichgewichte einstellen. Es geht um Macht, seine Interessen durchzusetzen. Und nun schließen sich mal wieder welche, die lt. Plan (göttlich? naturgestzlich?) keine Macht haben sollen sollen, zusammen und gewinnen dadurch an Macht. Das ist echt unsoldiarisch der (göttlichen? naturgesetzlichen?) Ordnung gegenüber, man sollte sofort eingreifen!

Jackle August 28, 2012 um 13:39

Ich bin geschockt! Ich hätte den Thomas Mayer nicht für soooo naiv gehalten. Hab richtig Mitgefühl mit ihm, dem Armen, dass er seine schmale Rente gegen die ganzen “Umfairteiler” verteidigen muss.
Wahrscheinlich fällt ihm bei all seiner Naivität nicht ein, dass er das mit einer Schusswaffe wird machen müssen!

Schatten des Bail Out August 28, 2012 um 14:07

Na ja, es gab ja mal diesen solidarischen Korporatismus in Deutschland: Unter Helmut Schmidt gab es so Vorschläge für die Lohnsteigerung von der Regierung, die von den Gewerkschaften regelmäßig übertroffen wurden – das waren dann im Endeffekt zweistellige Steigerungen des Nominallohnes.

Mit den jetzigen Arbeitsmarktstrukturen scheint mir das alles also nichts zu tun zu haben.

Vielleicht ist es auch eher so: Wenn Lufthansa in Schieflage kommt, kriegen sie einen bail out – da können Stewardessen ebenso drauf spekulieren, wie Bankster.

f.luebberding f.luebberding August 28, 2012 um 14:12

Schatten

Was die Lohnentwicklung betrifft: Das ist empirisch falsch, wenn auch Kluncker in bleibender Erinnerung ist. Die Lufthansa ist nur ein Beispiel dafür, was schief gelaufen ist. Es geht nicht um ihre Vergangenheit als Staatsunternehmen.

Hardy August 28, 2012 um 14:17

Richtig so, und von mir schon seit Jahren vorhergesagt. Ich warte ja darauf, dass 100 Sicherheitsingenieure das ganze Land lahmlegen: Bahn, Flugzeug, Kraftwerke – einfach alles steht. Mit der gleichen Begründung, mit der der Kapitalvernichter Ackermann seine x Millionen im Jahr begründet, werden dann entsprechende Saläre dort fällig. Die Arbeitgeber wollen kürzere Kündigungsfristen? Kein Problem, ich habe in 4 Wochen einen neuen Job. Ob das die AG wirklich froh macht?

rainer August 28, 2012 um 14:19

…es wird Zeit, dass die Bevölkerung mal zum Generalstreik antritt….

Hardy August 28, 2012 um 14:20

@schatten
Ausgerechnet der Weltökonom Schmidt! Der hat doch mit dem ganzen Mist angefangen, Stichwort Flächentarifvertrag/Flächenbäckervertrag!

“Altbundeskanzler Helmut Schmidt fordert die
Abschaffung des Flächentarifvertrags. Ein Ende des “ökonomische
Unfugs” sei “wünschenswert”, schreibt Schmidt in der neuen Ausgabe der Wochenzeitung DIE ZEIT”

Diesen Typen kann ich nicht mehr sehen.

f.luebberding f.luebberding August 28, 2012 um 14:53

Nur als Hinweis die Mitteilung der Lufthansa. Verbesserte Produktivitäten.

Shining Raven August 28, 2012 um 14:56

Ich verstehe die Argumentation in der verlinkten Kolumne von Thomas Mayer nicht: er scheint davon auszugehen, dass es eine Inflation von 3 % geben kann, ohne dass die Zinsen nennenswert über 0% steigen – ist das wirklich realistisch? Bei einer Inflation von 1%punkt über der Zielinflationsrate der EZB würde doch sicherlich der Leitzins angehoben?

Klar: wenn man der Argumentation folgt, dass für die Rettung des Euros und den Abbau des Leistungsbilanzüberschusses von Deutschland über lange Jahre eine Inflation von 4 % in Deutschland notwendig ist, dann könnte so ein Szenario eintreten, dass trotz hoher (gewollter) Inflation die Zinsen nicht steigen – aber sieht das jemand kommen?

Shining Raven August 28, 2012 um 14:58

ARgh, erster Kommentar hier und gleich zum Start ein Tippfehler im Namen – ich bin natürlich ein Raven, kein Ravem…

f.luebberding f.luebberding August 28, 2012 um 14:59

Habe ich korrigiert.

topi August 28, 2012 um 15:15

Fehlt nur noch Maggie Thatcher, die löst schon das Problem, dass sich Arbeiter auch nich organisieren können.
Die Mutti wird ja gelegentlich mit der Eisernen gleichgesetzt; hat natürlich so ihre eigenen Wege. :roll:

Musterbeispiel “Energiewende”: mit den ganzen Regelungen zur Offshore-Wind-Einspeisevergütung und Leistungskostenbeteiligung und Ausfallabsicherungen etc. haben die Atommonopolisten nun ein viel besseres Monopol in die Hand gekriegt. Die Armen, müssen trotzdem noch klagen. :roll:

FL

Ist das sowas wie “reverse Psychology”?

Carlos Manoso August 28, 2012 um 15:21

@ f.luebberding on 28. August 2012
„Eine Folge dieser Entwicklung: Die Arbeitnehmer nahmen diese Aufforderung ernst – und orientierten sich in zunehmenden Maße an der Maximierung ihres individuellen Nutzens.“

In totalitären Gesellschaften ist es total folgerichtig., daß „Menschen“ sich selbst nur noch als „Arbeitskräfte„ , als „Subjekte“ der Konkurrenz auf anonymen Märkten denken und fühlen müssen. Auf diese Weise leben immer mehr von ihnen in einer „Benthamsche“ Falle.
http://de.wikipedia.org/wiki/Jeremy_Bentham

Lübberding, je totalitärer eine Gesellschaft wird, desto totaler wird die Alternative. In der totalitären Falle gefangen wird früher oder später immer mehr Gefangenen klar, daß es kein Entrinnen aus der Falle mehr gibt, solange nicht – vorerst abstrakt gesprochen- die „gesellschaftlichen Axiome“ , auf denen die Konstruktion der Falle beruht, zerbrochen werden. Aber aktuell ist ja nicht mal die Existenz dieser „gesellschaftlichen Axiome“ Gegenstand des „demokratischen Diskurses“ .

Wenn nun die „Krise“ sich bis zum Kern des Kapitals vorfrisst, wird für die Gefangenen immer alternativloser, mit diesen „gesellschaftlichen Axiomen“ der Religion des Kapitals, zB. daß der „Arbeitsmarkt“ ein Markt wie jeder andere Warenmarkt ist, total zu brechen.

Dem Handelsblatt bleibt dabei nur noch die Alternative, an der Vorbereitung dieses Totalbruchs der „gesellschaftlichen Axiome“ nur mitzuarbeiten:

„Wenn jetzt das Kabinenpersonal streikt, ist das gegenüber all denen, die Opfer bringen müssen, unsolidarisch. Der Corpsgeist, der dieses Unternehmen einst auszeichnete, ist Abteilungs-Egoismen gewichen. Mal sind es die Piloten, mal die Techniker, mal eben die Flugbegleiter, die ihre Interessen ganz nach vorne stellen.

Wo kein Geld zum Verteilen da ist, sucht der Konzern nach Alternativen: Sie heißen zum Beispiel Leiharbeit. Oder Ausgliederung des Personals in Tochterfirmen, die mit billigeren Verträgen arbeiten. Alles Maßnahmen jedenfalls, die das Lächeln der Stewardess endgültig gefrieren lassen. Dies kann auch ein Streik nicht abwenden.“
http://www.handelsblatt.com/meinung/kommentare/lufthansa-streik-unsolidarisch/7063882.html

topi August 28, 2012 um 15:22

Zu Streiks; bei Caterpillar könnte sich etwas zusammenbrauen.

Firmenstrategie: flächendeckend 13 Dollar Stundenlohn, und niedriger, und wenn es 50-prozentige Kürzungen bedeutet.

Caterpillar war schon wegweisend bzgl. Streiks.

f.luebberding f.luebberding August 28, 2012 um 15:31

carlos

Natürlich geht es makroökonomisch nicht darum, den bisherigen Status der Lufthansa aufrecht zu erhalten. Es müssen die Markteintrittsbedingungen geregelt werden und zugleich die Folgen des Wettbewerbs, etwas was die Beschäftigten betrifft. Wenn ich auf die Regulierung verzichte, bleibt mir tatsächlich nichts anderes übrig als den Wettbewerb als Grundprinzip auf alle Handlungsebenen anzuwenden. Mit der Folge des Kampfes “Jeder gegen Jeden”. Das erleben wir jetzt bei der Lufthansa.

f.luebberding f.luebberding August 28, 2012 um 15:34

topi

Die amerikanische Arbeitsbeziehungen beruhen auf reine Betriebsvereinbarungen. Muss man wissen. Insofern ist Caterpillar durchaus typisch für die USA.

SoziologeX August 28, 2012 um 15:37

Der „bellum omnium contra omnes“ ist längst keine Metapher mehr, sondern gesellschaftliche Realität.

Die Gesellschaft befindet sich im Bürgerkrieg, wenngleich – sieht man von Einzelfällen von Amokläufern und Terroristen ab – (noch) nicht in einem heißen und blutigen Bürgerkrieg.

Selbst in den NDS – jener linkssozialdemokratischen Website – findet sich neuerdings die Rede vom „Klassenkrieg von oben“, was zuvor in der sozialpartnerschaftlich-korporatistischen Welt der Sozialdemokratie – einschließlich der linken Sozialdemokraten – ein Tabu war.

Der „kalte Bürgerkrieg“ findet sich überall. Brutal wird er im Wirtschafsleben ausgetragen. Gesunde Firmen werden von Investmentgesellschaften aufgekauft, in Stücke zerschlagen, die mit Profit verkauft werden. Rücksichtslos werden Entlassungen gehandhabt, Menschen werden kalt berechnend in Arbeitslosigkeit, in Armut und Billiglohnverhältnisse getrieben.

Mobbing ist zum Alltagsphänomen in den Betrieben geworden.

Die Menschen müssen damit rechnen, überall beschissen zu werden.

Angst, Misstrauen, Aggressivität und Feindseligkeit kennzeichnen die Beziehungen der Menschen.

In den Massenmedien – auch den öffentlich-rechtlichen – wird ständig gegen Bevölkerungsgruppen gehetzt: Ausländer, Sozialhilfeempfänger, Ärzte, Beamte, Alte etc.

Hier manifestiert sich der „Terror der Ökonomie“, der „Terror des Kapitalismus”.

Immer weniger Menschen haben Freude an ihrer Arbeit, gerade bei den sog. sozialen Berufen im Bildungs-, Gesundheits-, Sozialsystem, bei der Polizei, der Verwaltung etc.
Da wird dann das eigene Engagement minimiert, meist auf Kosten der Kollegen und/oder der „Kunden“ (Schüler, Studenten, Kranke, hilfebedürftige Bürger etc.).

Das ist nur markgerecht, denn wo es geht, wird die Arbeitsqualität und -leistung minimiert, was deren relativen Preis erhöht. So wie die Qualitätsminderung einer Ware bei gleichem Preis eine versteckte Preiserhöhung darstellt.
Für weniger Reallohn gibt es eben weniger Arbeitsengagement. Für die Ware Arbeitskraft gilt eben auch, dass gute Ware ihren Preis hat.

Vor fast genau 7 Jahren gab Tom Schimmeck „Arschlochalarm!“ und schrieb: „ Aber eine Zeit lang hatte ich wirklich geglaubt, dass eine Hauptstadt Berlin den deutschen Köpfen gut tun, ihnen mehr Farbe und Gedankentiefe bescheren würde. Aber die Macher der Mitte, Journalisten in erster Linie, sind seit langem auf dem Marsch in die Merkel-Republik.“
http://www.taz.de/1/archiv/archiv/?dig=2005/09/17/a0015

Bekanntlich ist mein Eindruck, dass Deutschland insgesamt sich im soziokulturellen Niedergang befindet, immer mehr zur „Arschloch-Gesellschaft“ geworden ist.

Man mag mir wieder eine „Früher war alles besser“-Position vorhalten, obwohl ich nie behauptet habe, dass früher ALLES besser war.

Was meinen Erfahrungskontext betrifft, so gehörte in meiner Kindheit, meiner Jugend und in den Anfangsjahren meiner Berufstätigkeit beispielweise zur Normalität:

• Für das Wohl ihrer Kinder verantwortungsvoll engagierte und verzichtsbereite Eltern

• Lehrer, die sich darum bemühten, dass aus ihren Schülern „etwas wurde“.

• Engagierte, korruptionsresistente Professoren, welche ihre gesellschaftlichen Verantwortung, die Verpflichtung zur wissenschaftlichen Wahrheit und ihre Lehre noch ernst nahmen.

• Vorgesetzte und Führungspersonen, die mit ihrem gesellschaftlichen Auftrag und mit ihren Untergebenen verantwortungsvoll umgingen.

In diesem Kontext hätte jemand mit einem Satz, wie: „If you’re so smart, how come that you ain’t rich?”, sich sozial disqualifiziert.
Weil man wusste, dass man mit ehrlicher Arbeit nicht reich werden kann und mit prosozialer Arbeit schon gar nicht.
Und mit kriminellen Machenschaften reich zu werden, galt damals für die Mehrheit der Bevölkerung noch als a-moralisch und fiel der gesellschaftlichen Ächtung anheim.

Aber damals waren es andere Zeiten, damals wurde in der Gesellschaft ein Mensch wie Albert Schweitzer noch als Vorbild propagiert.

Der käufliche, korrupte und verantwortungslose Mensch galt als menschlich minderwertig.
Heute wird jener Mensch als „smart“ angesehen, der sich gut verkaufen kann. Parvenüs werden bewundert, auch wenn sie menschlich Arschlöcher sind.

Wenn ich heute an die letzten Jahrzehnte meines Berufslebens zurückdenke, so fanden sich in den Führungs- und Leitungsfunktionen fast nur Arschlöcher.

Meist mittelmäßige, narzisstische und verantwortungslose Figuren, aber die das „Foulplay“ des Aufstiegs gut beherrschten und skrupellos praktizierten.

Kalter Bürgerkrieg.

topi August 28, 2012 um 15:42

“Klar: wenn man der Argumentation folgt, dass für die Rettung des Euros und den Abbau des Leistungsbilanzüberschusses von Deutschland über lange Jahre eine Inflation von 4 % in Deutschland notwendig ist, dann könnte so ein Szenario eintreten, dass trotz hoher (gewollter) Inflation die Zinsen nicht steigen – aber sieht das jemand kommen?”

Steigende Zinsen?

Sense, subito, sag ich mal.
Da müssten vorher aber diverse Schuldenberge abgetragen oder mit Rettungsfallschirmen versehen werden.

Was der Mayer schreibt, ist einerseits Bullshit ersten Ranges, weil er die “Enteignung” durch drei Prozent Inflation mit der Nichtenteignung bei 0 % vergleicht. Gibt es die in FAZkenhausen, oder wo?

Andererseits ist es dümmliches Beamtenbashing; ich armer Geknechteter leide, aber die bösen Beamten zocken ab. Klar ist die Beamtenbesoldung in das System einer richtigen Umlagerente zu integrieren. Aber keineswegs, damit sich der Mayer besser stellt.

Vom Grundunverständnis, was denn seine “Geldvermögen” bedeuten, fangen wir mal gar nicht erst an. :roll:

egal August 28, 2012 um 15:42

Vorstandsvergütung Lufthansa 2009 6,4 Mio.
Vorstandsvergütung Lufthansa 2010 10,8 Mio.

Und jetzt wollen die geringqualifizierten flugbegleitenden Minderleister auch mehr Geld?

Dabei wurden die Vorstandbezüge seit 2010 nicht erhöht. Sie liegen nach wie vor bei 10, 8 Mio. So sieht Solidarität und Verantwortung für das Unternehmen aus! Die 5%-Forderung der Flugbegleiter ist einfach nur maßlos. Vermutlich spekulieren sie in unverantwortlicher Weise, einfach bei einem anderen Unternehmen unterzukommen, sollte die Lufthansa abstürzen.

Ich könnte kotzen, wenn ich sowas höre. Loyalität, Demut und Verantwortungsbewußtsein scheinen keinem Arbeitnehmer noch etwas zu bedeuten, stattdessen achten sie alle nur noch gierig aufs Geld. Oh Zeiten, oh Sitten.

http://berichte.lufthansa.com/2010/gb/konzernanhang/sonstigeerlaeuterungen/aufsichtsratundvorstand/verguetungsberichtvorstand.html

Wilma August 28, 2012 um 15:43

“Jeder gegen Jeden”
Das stimmt. Ich erinnere mich an die Diskussionen in der Kantine, als verschiedene andere Gewerkschaften wie Ufo als Verhandlungspartner akzeptiert wurden. Man wollte wohl Verdi
(ÖTV) zerschlagen.
Das ist nach hinten losgegangen.
Natürlich haben auch die Piloten eine starke Vertretung.
Corporate identity steht nur auf dem Papier.
Viele Fehlkäufe belasten die Bilanz. Ich denke da z.B. als LSG-SKYChefs in den USA übernommen wurde. Mit Gebäuden, Küchen etc. Da war schon längst absehbar, dass es bald nur noch Sandwiches geben würde. Die Mitarbeiter sollten in die schlechteren Tarifverträge von NahrungGenuss gedrängt werden.

Carlos Manoso August 28, 2012 um 15:47

@ f.luebberding August 28, 2012 um 15:31
„Natürlich geht es makroökonomisch nicht darum, den bisherigen Status der Lufthansa aufrecht zu erhalten. Es müssen die Markteintrittsbedingungen geregelt werden und zugleich die Folgen des Wettbewerbs, etwas was die Beschäftigten betrifft. Wenn ich auf die Regulierung verzichte, bleibt mir tatsächlich nichts anderes übrig als den Wettbewerb als Grundprinzip auf alle Handlungsebenen anzuwenden. Mit der Folge des Kampfes “Jeder gegen Jeden”. Das erleben wir jetzt bei der Lufthansa.“

Lübberding, es ist logisch, daß die Konkurrenz transnationaler Betriebswirtschaften wie der Lufthansa immer kannibalistischer wird. Wenn man berücksichtigt, daß große Teile der Lufthansa-Mitarbeiter global unterwegs sind, dann ist es logisch, daß sich eine transnationale Betriebswirtschaften wie die Lufthansa in der nächsten Stufe der Konkurrenz zum Beispiel an der Seefahrt orientieren wird.

Zum Beispiel könnte die Lufthansa im nächsten Stadium einen Airbus steuerfrei in Malta registrieren lassen und die Stewardessen z.B, in Thailand zusammenstellen und die Mitarbeiter global nach dem Prinzip „Jeder gegen Jeden“ antreten lassen. Die Deutsche Lufthansa könnte sich also ohne weiteres selbst auflösen.

Arbo August 28, 2012 um 15:55

Naja, die Streiks von heute sind aber zum großen Teil ein Witz. Zumindest im Alltag, den ich erlebe, ist “Arbeitskampf” nur noch ein putziges Ritual, bei dem nicht alle mitmachen (Betrieb bei großen Handelsketten läuft weiter, während am Eingang/ Ausgang B ein Grüppchen von ver.di steht …) und das im Bereich Verkehr auch vorher angekündigt wird, damit sich auch ja niemand beschwert.

Und ja, Herr Lübberding: Die Solidarität spielt heute wirklich keine Rolle mehr. Sonst hätten sich den Flugbegleitern/ Flugbegleiterinnen sicher noch andere Berufsgruppen angeschlossen, die ebenfalls mit Flügen bzw. Flughäfen zu tun haben.

topi August 28, 2012 um 15:55

Wilma

” Das stimmt. Ich erinnere mich an die Diskussionen in der Kantine, als verschiedene andere Gewerkschaften wie Ufo als Verhandlungspartner akzeptiert wurden. Man wollte wohl Verdi
(ÖTV) zerschlagen.
Das ist nach hinten losgegangen.”

Ist es das?
Die Kleingewerkschaften haben punkutell große Macht, richtig. Aber sie haben auch kaum finanzielle Basis.

Noch ein paar schnuckelige Gesetze, und schon dürfen solche “rücksichtslosen Partikularinteressen” nicht mehr artikuliert werden. Dann wäre Sense mit Gewerkschaftsgegenmacht, die Löhne weiter im freien Fall.

Kann man ja gerecht oder ungerecht finden.

Saldenmechanisch ist klar, was das bedeutet, wenn Betreibswirtschaftler meinen, Kostensenkung für alle führt zu höherer Wertschöpfung. :roll:

topi August 28, 2012 um 16:03

@ Carlos

Iss ja richtig.

Aber nur so lange, wie Klein Erna und Michel mitspielen.

Dann sollen sie sich doch verpissen, die transnationalen Konzerne, die so super flexibel sind. Wer hier Geschäfte machen will, wird dann anständig behandelt: Wertschöpfung im Inland in Höhe so und so, oder Steuern etc. in Höhe soundso.

Sagt der MArxist jetzt wieder unmöglich, wegen Gesetzmäßigkeit?
Sag ich Käse, die Gesetzmäßigkeit hätte genau so gegolten, als die Machtverhältnisse zugunsten der Arbeiter verschoben wurden.

egal August 28, 2012 um 16:17

@ CM
Kein unwahrscheinliches Szenario. Aber, zu den Seeleuten gibt es ein Gegenmodell, die Hafenarbeiter, die ja auch in internationaler Konkurrenz stehen (z. B. Rotterdam – Hamburg) und sich international organisiert haben. Es gibt daher keinen Determinismus, theoretisch sind auch globale Stewardessenarbeitskämpfe möglich.
http://www.arbeitermacht.de/ni/ni94/hafen.htm

Das auch @arbo. Es gibt schon ab und zu erfolgreiche Arbeitskämpfe, die aber medial kaum Beachtung finden. Nachhaltige Wirkung wird zunehmend dann erzielt, wenn sie politisch sind, also etwa auf Arbeitsmarktregulierung zielen, wie bei den Putzfrauen vor ein paar Jahren, die sich in Deutschland den Gebäudereinigermindestlohn erstreikt haben.

@topi
Finanzschwach ja, aber auch demokratischer und weniger verfilzt. Mit dem BAG-Urteil zur Tariffähigkeit der FAU (Kleinstgewerkschaft) scheint es erstmal Rechtssicherheit zu geben.
Die Gefahr einer noch gewerkschaftsfeindlicheren Politik unter dem Vorwand der Eurokrise wie in Südeuropa ist natürlich real, aber ich sehe, ohne mich wirklich gut auszukennen, nicht, warum Großgewerkschaften in diesem Falle einen Vorteil hätten.

Systemfrager August 28, 2012 um 16:48

SWR2 FEATURE
DER ÖKONOMISCHE PUTSCH
ODER WAS HINTER DEN FINANZKRISEN STECKT
VON ROMAN HERZOG

http://www.wdr5.de/fileadmin/user_upload/Sendungen/Dok5_das_Feature/2012/August/Manuskripte/08_26_Der_oekonomische_Putsch.pdf

Carlos Manoso August 28, 2012 um 16:49

@ egal August 28, 2012 um 16:17
„ Kein unwahrscheinliches Szenario. Aber, zu den Seeleuten gibt es ein Gegenmodell, die Hafenarbeiter, die ja auch in internationaler Konkurrenz stehen (z. B. Rotterdam – Hamburg) und sich international organisiert haben. Es gibt daher keinen Determinismus, theoretisch sind auch globale Stewardessenarbeitskämpfe möglich.“

Die deutsche Lufthansa und die Air France/KLM zählen bereits heute m.W. zu den weltgrößten Fluggesellschaften. Es ist absehbar, daß es in einigen Jahren nur noch eine einzige europäische Fluggesellschaft geben wird. So gesehen will heute jede noch „nationale“ Gesellschaft den Unternehmenswert der eigenen Gesellschaft im Interesse der eigenen Aktionäre steigern. „Globale Stewardessenarbeitskämpfe“ wird es daher nicht nur in der vernetzten Welt nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch geben.

Ohne globale Massenkämpfe ist eine neue, von Solidarität und sozialer Gleichheit bestimmte Grundlage des gesellschaftlichen Lebens undenkbar. Die kapitalistische Weltkrise selbst wird solche globalen Massenkämpfe erzeugen. Schlussendlich werden die Menschen global erkennen, dass die Verteidigung ihrer Rechte und Interessen nicht mit der Existenz des Kapitalismus vereinbar ist.

f.luebberding f.luebberding August 28, 2012 um 17:06

Systemfrager

Das WDR Feature ist übrigens zu empfehlen.

aifran August 28, 2012 um 17:40

Es gibt keinen Arbeitsmarkt! Markt ist ein Ort/Platz an dem ich meine, nicht für den Eigenbedarf benötigten Waren an andere verkaufen kann.

Wenn ich jedoch’ Arbeitskraft verkaufen MUSS um zu Überleben haben wir es mit Sklaven zu tun die bitten und betteln in Onkel Toms Hütte der Nutzmenschehalter aufgenommen zu werden. Die Bewohner von Onkel Toms Hütte arbeiten für Brot und I.Pad für ihre Nutzmenschenhalter.

Der Begriff “Arbeitsmarkt” ist nicht mehr als Propagandistisch reingewaschener “Sklaven Markt”. …..

Die Fürsten und Regelmacher lieben es die Regeln und Definitionen ihren Bedürfnissen entsprechend festlegen zu können – Konditionierung ist toll – sich selbst konditionierende Pawlowsche Nutzmenschen die Perfektionierung der Konditionierung

Bis ein andermal

Balken August 28, 2012 um 18:12

@ Soziologe X und @aifran

Danke, auch wenn es hier offenbar nicht gern gesehen ist, wie ihr immer wieder reingrätscht in das uferlose Fachgesimpel, das hier stattfindet: Es muss immer wieder gesagt werden. Auch wenn das Gequake der Frösche im Teich nur kurz verstummt, wenn ihr eure Steine hineinwerft, und dann munter weitergeht, als wäre nichts gewesen.
Fachsimpelei ist eben doch – Simpelei. Der Blick auf das Ganze ist nicht vorhanden, jeder schwört auf sein kleines Stellschräubchen, das er kennt. Es braucht aber den Blick auf das, was insgesamt und als Ganzes gespielt wird. Man sagt uns, dass Stück, das gerade aufgeführt wird, heiße Demokratie. Eine seltsame Veranstaltung, solange gilt, dass der überwiegende Teil aller Menschen (obwohl jeder von diesen auch nur ein Leben hat) Zinssklave ist bei dem kleinen Rest (der sein eines Leben als freier Mensch führen darf) . Man ist Zinssklave (für sehr viele trifft mehreres zu) unmittelbar direkt als Schuldner, und/oder als Mietzins-Zahler, auf jeden Fall als Zinszahler in den Preisen aller Waren, da in jede Ware Zinszahlungen eingepreist sind, man ist es sogar als Steuerzahler, da der Staat einen Großteil seiner Einnahmen nicht zur Erledigung seiner Gemeinwohlaufgaben, sondern zur Bedienung von Zinsforderungen verwenden “muss”. Erst, wer gegen eine halbe Million Vermögen sein eigen nennt, dass in irgendeiner form Zins trägt, hebt den Kopf aus der Schuldenschlinge nennenswert heraus, und ihm fließt mehr zu, als er an andere löhnt. Das sind nicht viele. Demokratie? Ridiculous. Noch muss man in den Keller gehen, um zu lachen. Vielleicht nicht mehr lange. Es ist ja nicht gesagt, dass die Revolution der wenigen gegen die vielen noch lange erfolgreich weitergeht. Argentinien, neuerdings Island, sind gut beschwiegene Beispiele dafür, dass es auch andersherum gehen kann.

Balken August 28, 2012 um 18:19

@Lübberding
Das WDR-Feature ist auch dann zu empfehlen, wenn @Systemfrager es empfiehlt, es braucht dazu nicht das nihli obstat des Generalvikars.
Dass solche Feature im Öffentlich Rechtlichen gesendet werden, widerlegt nicht meine Rede vom “bestbeschweigen”. Solche Sendungen sind bestenfalls Feigenblätter. Aufgedrängt werden der Masse andere Weisheiten. Das ist maßgeblich zur Beurteilung des Zustands der Veröffentlichen Meinung in der freien ™ Presse.

Carlos Manoso August 28, 2012 um 18:23

@ f.luebberding August 28, 2012 um 17:06
„Das WDR Feature ist übrigens zu empfehlen.

Ja, sehr zu empfehlen:
„Der Neoliberalismus, den Foucault so früh als grundlegend weltverändernd erkannte und dessen Geburtsort er in Westdeutschland nach 1945 ausmachte, hat ab den 80er Jahren in fast allen Ländern der Welt seinen Siegeszug angetreten. Ronald Reagan in den USA, Margaret Thatcher in Großbritannien und Helmut Kohl in der Bundesrepublik haben mit ihrer antisozialen Politik nachhaltig die Gesellschaften verändert und Hunger und Armut verursacht, nicht nur in der Dritten Welt. Ihre sozialdemokratischen Nachfolger Tony Bliar und Gerhard Schröder haben das Modell weiter vertieft und insbesondere den Finanzmarkt dereguliert. Den nutzen die neoliberalen Akteure heute, um ihre Politik durchzusetzen. (…)

Und deswegen benötigt natürlich der Neoliberalismus den Staat, um nur dieser rein wirtschaftlichen Freiheit zur Durchsetzung zu verhelfen, notfalls mit Gewalt. (…) Man darf sich Freiheit nicht als Universalie vorstellen. Die Regierungspraxis, die sich
entwickelt, begnügt sich nicht damit, diese oder jene Freiheit zu respektieren oder zu garantieren. In einem tieferen Sinne schafft sie die Freiheit, insofern sie nur in dem Maße möglich ist, in dem es gewisse Arten von Freiheit gibt: Freiheit des Marktes, Freiheit des Verkäufers und Käufers, freie Ausübung des Eigentumsrechts, Diskussionsfreiheit und eventuell Meinungsfreiheit. (… ) Freiheit, die sehr gekoppelt ist an die permanente Anreizung, Produktion von Angst. Also die neoliberale Gesellschaft lebt nur darüber, dass sie einen permanenten Angstzustand erzeugt, indem sozusagen das Erreichte immer wieder gefährdet, zur Disposition gestellt wird. (…)

Das äußere Erscheinungsbild ist typisch mafiös. Also ich gründe ausländische Briefkastengesellschaften und sogar als deutsche Landesbank gründe ich ausländische Briefkastengesellschaften, um die Sache quasi aus der Bankenkontrolle herauszuholen, um die Eigenkapitalgarantien zu unterlaufen. Das sind an sich ja also klassische Fälle von organisierter Wirtschaftskriminalität.(…) wenn man es ganz scharf formulieren will, würde man an (…) moralisches Verrücktsein denken. In der Tat glaube ich, die Usancen, nach denen in den so genannten Finanzmärkten oder in der Finanzwelt heutzutage Geld verdient wird, sind eine Form von moralischem Irrsein. Skrupellosigkeit könnte man auch sagen. (…)

Verschärfung des neoliberalen Modells, zu denken, dass das hier in Kerneuropa nicht mehr möglich wäre, ist, glaube ich, ein großer Fehler. Man muss natürlich berücksichtigen, dass wir hier mit unserem sozialen System, im globalen Maßstab leben wir hier immer noch in einem ziemlichen Schlaraffenland. Also es sind ganz andere Szenarien denkbar, dass ein radikaler, konsequent durchgeführter Neoliberalismus zu einer Verelendung eines größeren Teils der Bevölkerung führen könnte. Dann würde da nicht mal Hartz IV um 50 Euro gekürzt, sondern da wäre nur noch überhaupt für einen kleinen Teil überhaupt so eine Sozialsicherung zugänglich. Und da könnten noch ganz andere einschneidende Maßnahmen folgen, wenn man das Modell konsequent umsetzen würde.(…)

Ich meine, Griechenland wird auch nicht vom Erdboden verschwinden. Man hat schon begriffen, dass man bei Fall zu Fall von einzelnen Ländern Wege gehen musste, die früher sakrosankt waren. Früher hieß es immer, Schulden sind zu bedienen, und wer nicht bedient, muss Pleite gehen. Aber nicht alle Länder haben diese Stärke, die Argentinien damals hatte (…)

Es wurde auch gedroht, da haben natürlich die privaten Gläubiger den Staat Argentinien mit Klagen weltweit überzogen, dass argentinisches Eigentum, wie Militärschiffe, das Präsidentenflugzeug, Botschaftseigentum usw., alles gepfändet
wird. Also, da ist es durchaus zur Sache gegangen. Und Argentinien war dann, als dann auch das Moratorium deklariert war, auch nicht zimperlich mit seinen Gläubigern, das kann man durchaus auch sagen, und hat die lange hingehalten und sehr, sehr harte Verhandlungen geführt, so nach dem Motto, ist der Ruf einmal
ruiniert, dann lebt es sich auch ziemlich ungeniert.

Siebzehn Monate nach den Protesten vom Dezember 2001 kam der neu gewählte Präsident Nestor Kirchner an die Macht und leitete eine Abkehr von der neoliberalen Politik ein, mit Staatsinvestitionen und einer Steigerung der Sozialausgaben, um die immense Armut aufzufangen und die Produktivität anzukurbeln.(…) und bot den Banken einen Schuldenschnitt von 75 %. Mehr als zwei Jahre zierten sich die Banken und akzeptierten schließlich im Januar 2005, 50 % der Schulden des Landes zu streichen.(…)

Der Preis, den die argentinische Bevölkerung bezahlt hat war hoch. Die offizielle
Arbeitslosigkeit lag bei fast 30 %, aber über 60 % rutschten unter die Armutsgrenze. Allein tausende Neugeborene starben in diesen Jahren an Unterernährung in den ersten Lebenswochen. Die Bevölkerung baute in Eigeninitiative Selbstversorgungs-einrichtungen auf, die den fehlenden Sozialstaat ersetzten. Doch nach und nach schuf Präsident Kirchner neue Arbeitsplätze, verstaatlichte zuvor
privatisierte Unternehmen, etwa der Erdölbranche, und baute den Sozialstaat wieder auf, den die Neoliberalen abgebaut hatten. Vor allem leitete Kirchner durch die Abkehr vom Neoliberalismus aber eine geistige und kulturelle Wiederbelebung des Landes ein. Kein Politiker seit Juan Perón war in Argentinien je so beliebt wie Nestor Kirchner und seine Frau Cristina Fernández, die nach dem plötzlichen Tod des Staatschefs die Amtgeschäfte übernahm, und im Oktober 2011 mit 55 % der Wählerstimmen wieder gewählt wurde. Niemand hätte sich vorgestellt, dass das Land derart boomen und sich aus eigenen Kräften neuschaffen würde. (…)

Man kann daraus zumindest diese Hoffnung ableiten, dass eben der Versuch des Neoliberalismus, sich als alternativlos darzustellen, was für eine gewisse Zeit erfolgreich war, dass das eben nicht auf Dauer immer so sein muss, sondern dass das auch durchbrochen werden kann.”

Denn sehet die Vöglein... August 28, 2012 um 18:57

Aifran, irgendwas wirste immer arbeiten müssen, um zu überleben. Oder ein Anderer für dich. Wie man das nennt, Arbeits- oder Sklavenmarkt ist doch wurscht. Es bleibt die Tatsache, dass es lästig ist.

SoziologeX August 28, 2012 um 19:44

Die Behauptung, Arbeitnehmer handelten unsolidarisch, wenn sie streiken, ist so ein verlogenes Arschloch-Argument, typisch für die neoliberale Ära.

Welche Mittel haben sie denn noch, wenn das Management in den Verhandlungen es ablehnt, sie am wirtschaftlichen Erfolg zu beteiligen?

Denn politisch erhalten sie für ihr Anliegen keinerlei Unterstützung.

Das Grundproblem der arbeitenden Bevölkerung in Deutschland ist, dass sie keine Partei mehr hat, welche politisch ihre Interessen vertritt.

Die SPD hat sich von sozialdemokratischer Politik verabschiedet und die Seiten gewechselt. Sie betreibt mit den anderen Parteien „Klassenkrieg von oben“.

Andreas Kreuz August 28, 2012 um 19:58

@Soziologe X August 28, 2012 um 19:44

Lass’ das nicht @fl und @hh lesen!
Die arme SPD konte nur nicht anders und wartet im Untergrund auf ihre große Stunde.

…oder war’s die letzte… ?

Na, egal.

Systemfrager August 28, 2012 um 20:17

Unsere Machteliten, unser Verhängnis
Gott, verzeihe ihnen nicht, denn sie wissen was sie tun!

Sie sind über alle Maßen zerstörerisch: unsere „Eliten“. Mit ihren Reformen zerschlagen sie gewachsene Strukturen, ohne zu wissen, wo es hingehen soll. Nacheinander werden der Sozialstaat, unsere Moral, unsere Werte, die Sicherheit der Menschen und die Demokratie zur Disposition gestellt. Und sie arbeiten auf eigene Rechnung – unsere „Eliten“. Früher waren wir wirtschaftlich und sozial stark, doch die Dummheit unserer Führungskräfte aus Politik und Publizistik, aus Wissenschaft und Wirtschaft berauben das Land seiner Kraft. Ein Netzwerk raffgieriger und mittelmäßiger „Eliten“ droht uns zu Grunde zu richten. Es sind diejenigen, die uns seit Jahr und Tag einreden, dieses Land sei am Ende, nur damit sie ihr Ideal einer Raubtierwirtschaft besser durchpeitschen können. Es sind dieselben, die lauthals die Zustände beklagen, die sie selbst verursacht haben. Und sie tragen prominente Namen: Schröder, Merz, Ackermann, Hundt, Miegel, Berger, Sinn, Köhler, …

Die medialen Strategien der Machteliten und wie sie verschleiert werden
Die Geschichten über die „Wissensgesellschaft“ und das „lebenslange Lernen“
weiter >>>

aifran August 28, 2012 um 20:36

ausnahmsweise heute ein zweites …. (warum nicht auch mal bereits gepostetes wiederverwerten …. :-)

Geschnatter über Symptome – lasst uns über Ursachen sprechen …

Kreditgeldsystem – Geld ist Kredit – ohne Schulden kein Geld –(die über den Köpfen schwingende Peitsche …)
Ein guter Arzt wird nicht nur die Symptome sondern auch die Krankheitsursachen bekämpfen. Ein Staat der das Privileg der Geldschöpfung – Giral/Buchgeld – an Private abgibt gibt damit auch seine Politische Handlungshoheit an diese ab – Die Demokratie/Wirtschaft/Politik unterwirft sich den vom Kredit-Geldsystem ausgehenden Sachzwängen. Wachstumszwängen!
Folge: “Demokratie – eine Java-Applikation für das Volk, ohne Zugriff auf das Betriebssystem der Welt.” Demokratie verdient/braucht ein Geldsystem welches ihr erlaubt Demokratie zu sein (F. Aigner)

http://www.monetative.de

“Würden die Menschen verstehen, wie unser Geldsystem funktioniert, hätten wir eine Revolution – und zwar schon morgen früh.” (Henry Ford)

… Würde heute Niccolò Machiavelli wieder auf Erden erscheinen, hier wandeln – er würde ob des zu sehenden, all diesen neuen Fähigkeiten der “Fürsten” im Umgang mit den Leibeigenen ein begeistertes “Hurrraaaa” in die Welt hinausschreien.

Aber Angesichts des von den “Fürsten” Initiierten Systems der “Kapitalistischen Marktwirtschaft” zum Zwecke einer “Selbstorganisation” von Unterwerfung und Tributleistung würde er in Ekstasen, Verzückungen, des Glücks aufgehend zurück in den Himmel der glücklichen Götter entschweben ……… vielleicht noch, mit lächelndem Mund, ein letztes, leise in die Welt hinausgehauchtes “Hurrraaa … es ist vollbracht” (F.Aigner) :-)

Balken August 28, 2012 um 20:47

Argh, selbst beim Nachlesen meines letzten posts lese ich andauernd “nihil”, sehe jetzt erst, dass dort “nihli” steht. Buchstabendreher :-(

Balken August 28, 2012 um 21:06

@Denn sehet die Vöglein
zwitschern munter
ihre Liedchen rauf und runter.
Und wie die Alten sungen,
so zwitschern noch die Jungen.

Also lautet der Beschluss,
dass der Mensch arbeiten muss.
Aifran und das Vöglein:
Leben fordert fleißig sein.

Vielleicht auch muss man unterscheiden,
Wer ist’s, der da muss, von beiden?
Vöglein säen und ernten nicht –
aifran, du, der arme Wicht!

Gekis August 28, 2012 um 21:10
Lazarus09 August 28, 2012 um 21:22

rainer August 28, 2012 um 14:19
…es wird Zeit, dass die Bevölkerung mal zum Generalstreik antritt….

Du weist aber schon das dass nicht .. ich sag mal “erwünscht” ist ;-)

Balken August 28, 2012 um 21:23

@gekis

Jo, man sieht sofort, dass das aus demselben Stall kommt wie BILD.
Es ist Primitivität auf höherem Niveau. Soll ich das jetzt im Einzelnen begründen, weil ja in diesem erlauchten Blog nur argumentativ gepostet werden soll? Ach komm! Dazu würden höchstens so sarkastische Kommentare passen, wie sie Hannes Hütt in einem Nachbarthread zu diversen außerfriesischen Einlassungen gefunden hat.
Denn auch die “Welt” ist da (mal wieder) außerirdisch unterirdisch. Dahinter steckt ein kluger Kopf? Dahinter schon, einer, der gerissene Demagogie studiert hat. Davor nicht. Wer davor steckt, um sich solche Lektüre anzutun …

Wilma August 28, 2012 um 21:37

Und Bosch-Supan bearbeitet Österreich
http://diepresse.com/home/wirtschaft/economist/1283971/Oekonom_Oesterreich-ist-eher-wie-Italien?_vl_backlink=/home/index.do
“Der deutsche Ökonom Axel Börsch-Supan sieht im Interview mit der “Presse” den heimischen Sozialstaat in kritischem Zustand: „Österreich gibt zu viel für Alte aus und spart bei Kindern und Gesundheit.”

Gekis August 28, 2012 um 21:42

@Balken
… denn selbst wenn sie verreckt sind, belästigen sie uns noch übermorgen – frei nach dem Motto – wenn schon über die Klippe,
dann aber mit Vollgas.

http://www.youtube.com/watch?v=BM3vXIapcjQ

topi August 28, 2012 um 22:46

Phoenix-Runde

Na immerhin haben sie nicht mehr die Sitzgelegenheiten, bei denen schon beim Zuschauen der Rücken schlimmstens zwickt. :roll:

Die Vorstellung von Horn jenseitsjeglicher Neutralität.

Die tagesspiegel-Tussi (mit verlaub, natürlich): “wir alle sind überfordert von der Krise, emotional und mental; was sind die ursachen, wer wird dafür bezahlen,…”

Nee, du bist überfordert, weil du einfach nicht kapierst, dass Guthaben Schulden gegenüberstehen müssen. Und wer Politik befürwortet, die Guthaben befördert, weil die EInkommensverteilung sich straff von den Ausgabewünschen entfernt, ruft natürlich die Schuldenkrisen hervor.
Und wer die Vermögen retten will, verlängert die Krise, stupid.

Wer bezahlt ist allerdings die richtige Frage.
Am Ende natürlich der Geldvermögensbesitzer, weil seine Scheinguthaben verschwinden müssen. Aber wie hart es Kostas und Erna treffen wird, hängt davon ab, wie lange die Dummbeutel die Krisenlösung verschleppen helfen. In Talkshows beispielsweise. :roll:

Jackle August 28, 2012 um 22:51

topi, jetzt aber nicht zynisch werden. Das übernimmt Frau Merkel schon! Ihr “blutet das Herz”, wenn sie sieht, was mit den griechischen Rentnern geschieht.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/merkel-aeussert-mitgefuehl-gegenueber-griechenland-a-852625.html

Das ist so widerwärtig und ekelhaft, ich glaube, dass die Merkel das nur ernst meinen kann!

SoziologeX August 28, 2012 um 23:00

Der Streik des Kabinenpersonals weist Paradoxien auf.

Zum einen schädigt der Streik – sofern er überhaupt realisiert wird – vor allem die Passagiere, also die Geschäftsleute und Urlauber. Entsprechend verärgerte Kommentare sind zu lesen.

Kunden zu verärgern oder gar zu verlieren richtet sich jedoch gegen die eigenen Interessen, denn von der Nachfrage dieser Kunden lebt das Kabinenpersonal.

Zudem ist das festangestellte Kabinenpersonal der Lufthansa im Vergleich zum Personal anderer Airlines höher oder hochbezahlt, im Vergleich zu anderen Gastronomieberufen sowieso.

Das Entscheidende an diesem Streik ist jedoch, dass er – auch wenn er erfolgreich ausgehen sollte – ein Pyrrhus-Sieg sein wird.

In Zeiten, wo das Kapital ständig teure Arbeitskräfte freisetzt und durch billigere ersetzt, führt die Arbeitsverweigerung im Streik nur zur Beschleunigung dieses Prozesses.

Wahrscheinlich wird man überlegen, ob man aus dem großen Reservoire der ALG II-Bezieher Menschen zu Flugpersonal umschult und so eine „Reserve“ an arbeitswilligen Billigarbeitskräften schafft. Bei einer nur zwölfwöchigen Ausbildung ist dies kein Problem, zumal wenn Kosten von der Arbeitsagentur, also vom ALV-Beitrags- sowie vom Steuerzahler, übernommen werden.

So wird in der Endphase des Systems von Kapital und Lohnarbeit auch der betriebs- oder branchenbezogene Streik zum Anachronismus.

Denn systemimmanent dreht sich die Abwärtsspirale für die arbeitende Bevölkerung immer weiter.

Wilma August 28, 2012 um 23:02

“Renten niedriger als im Jahr 2000″

http://www.tagesschau.de/inland/senioren-arbeit100.html

Wilma August 28, 2012 um 23:06

“Denn systemimmanent dreht sich die Abwärtsspirale für die arbeitende Bevölkerung immer weiter.”

Natürlich hat die Lufhansa schon überlegt, Zeitarbeitsfirmen einzusetzen.
“Zeitarbeit erobert die Lüfte: Lufthansa-Betriebsrat klagt”
http://www.nordbayern.de/ressorts/schlagzeilenseite/zeitarbeit-erobert-die-lufte-lufthansa-betriebsrat-klagt-1.1840581

topi August 28, 2012 um 23:09

@ Carlos Manoso

“Ohne globale Massenkämpfe ist eine neue, von Solidarität und sozialer Gleichheit bestimmte Grundlage des gesellschaftlichen Lebens undenkbar.”

Richtig. Wobei Kampf durchaus auch die Androhung mit dem richtigen Kreuz sein kann, mal sehen, was Holland weiter liefert, was demnächst in Holland passiert.

” Die kapitalistische Weltkrise selbst wird solche globalen Massenkämpfe erzeugen.”

Richtig. Wobei es vor allemdie Krisenbekämpfung ist.

” Schlussendlich werden die Menschen global erkennen, dass die Verteidigung ihrer Rechte und Interessen nicht mit der Existenz des Kapitalismus vereinbar ist.”

Nee, da iss er wieder, der Kurz-Schluss. ;-)
Der Kapitalismus hat zumindest bisher gezeigt, dass er, wenns sein muss, auch Rechte und Interessen der Menschen anerkennen, sich in attributgeschwängerte Marktwirtschaft umbenennen kann.

Und dem gemeinen Menschen war es zumindest bisher wumpe, welcher -ismus ihm seine Brötchen brachte, wenn es nur genug waren.

Wenn das Geldkapital weitgehend eingedampft wird, brauchts weit weniger Gesamtrendite (in absoluten Zahlen), und das Sachkapital kann sich auch mit geringeren Renditen begnügen, wenn der Rahmen nichts anderes hergibt.
Iss ja auch besser als nüscht.

Erst wenn sich praktisch zeigt, dass man mit weniger Markt in der Wirtschaft ein besseres Leben für die Menschen nicht nur theoretisch möglich sondern auch praktisch umgesetzt wird,ist Sense. (und dafür gibt es einige Bedingungen, Ressourcenknappheit, ständig wachsende Produktivität, immer größere Anteile negativen Sozialprodukts, unter denen dies begünstigt ist.)

Wilma August 28, 2012 um 23:11

Die Lufthansamitarbeiter werden bald in Mitarbeiter “economy” oder “first” unterteilt.
Ältere, mit den besseren Verträgen, werden gnadenlos rausgemobbt werden. Das geht auf unterschiedlichste Weise.
Man kann dies z.B. tun über Schichtpläne etc.

SoziologeX August 28, 2012 um 23:16

Die wirtschaftliche Entwicklung richtet sich zudem auch immer mehr gegen die Mittelschichten.
http://dierotenschuhe.blogspot.ch/2012/08/wie-butter-in-der-sonne.html

topi August 28, 2012 um 23:18

WIlma

Aus deinem Link

“Das Arbeitsministerium wies dem Bericht zufolge zudem darauf hin, dass sinkende Renten nicht gleichbedeutend seien “mit einer rückläufigen Entwicklung des Wohlstands” im Alter. Vielmehr hätten andere Einkommensarten wie Mieten, Kapitaleinkünfte oder Betriebsrenten für die Rentner an Bedeutung gewonnen.”

Siehste!

Weil der Rechtsanwalt und der Radiologe und der Manger noch diverse Häuser und sich verzinsende Geldvermögen haben, wird doch der drastische Rentenrückgang (von 1021 auf 953, wer rechnet noch schnell die Inflation raus?) voll kompensiert!

Im Schnitt.

Selbst Schuld, wenn du nicht “Verantwortung übernimmst”, und die Superfreiheit nicht nutzt, dir ein paar Mietshäuser zuzulegen. :kotz:

Thor August 28, 2012 um 23:20

@SX
“Wahrscheinlich wird man überlegen, ob man aus dem großen Reservoire der ALG II-Bezieher Menschen zu Flugpersonal umschult und so eine „Reserve“ an arbeitswilligen Billigarbeitskräften schafft. Bei einer nur zwölfwöchigen Ausbildung ist dies kein Problem, zumal wenn Kosten von der Arbeitsagentur, also vom ALV-Beitrags- sowie vom Steuerzahler, übernommen werden.”

Ich bin mir sicher dass mit einer zwölfwöchigen Ausbildung so ziemlich jeder Job, zumindest die die Geld bringen, also keine Realwirtschaftler, zu bewerkstelligen ist. Vielleicht bedarf es ein wenig rhetorischer Ausbildung von Hans Hütt, oder Dr. Postel…

@HH bitte keine weiteren Drogentips mehr….hier lesen auch Kinder mit….

MfG

Anmerkung HH

Hat die medikamentöse Muskelentspannung nicht gegriffen? Muss jetzt noch der Angstlöser in den Cocktail? Solange die Leber das aushält, bleibt Hoffnung.

SoziologeX August 28, 2012 um 23:24

Man lese das Gejammer des Ex- Chefvolkswirts der Deutschen Bank und die Kommentare darauf.
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/mayers-weltwirtschaft/mayers-weltwirtschaft-finanzkrise-privat-11867808.html

Wilma August 28, 2012 um 23:31

topi

Ja, genau. Als Renter hat man die Goldklumpen unter der Matratze und Investitionen in Bahlsen-Keks für schlechte Zeiten im Kämmerchen.
Und deshalb arbeiten die Rentner in 400-Euro-Jobs, weil sie so viel andere Nebeneinkünfte haben.
Kotz

Thor August 29, 2012 um 01:19

Ich mein, kann doch nicht so schwer sein. Ich beteure dass ich den Euro liebe, das alle Lösungsverschläge die anders lauten missbillige, die EZB Gelddrucken solle usw. Damit kann ich doch in jeder Vorstandsetage anheuern.

Das bisschen wirkliche Entscheidungen kann ich doch locker delegieren…

Thor August 29, 2012 um 01:46

Vielleicht sollten wir für unsere H4-Empfänger die neuen Ausbildungskurse: Bundespräsident, Deutsche Bank Chef, EZB-Präsident usw. einführen. Damit endlich mal Konkurrenz auf diesem Arbeitsmarkt herrscht.

"gg" August 29, 2012 um 03:16

@ Wilma

Kekse im Kämmerchen …
Bahlsen und Albrecht – was sagen uns die?
http://www.kas.de/wf/de/71.8396/
http://de.wikipedia.org/wiki/Bahlsen
und unsere RentenUschi nicht vergessen!
Die hat am Wochenende mal kurz die Patin gelesen und ihre Kinderchen vernachlässigt?

h.huett August 29, 2012 um 05:59

Thor

Ich entnehme dem famosen Vorschlag das Verlangen danach, Arbeitsvermittler bei der Bundesagentur für Arbeit zu werden? Wer hätte das gedacht!

Nun wissen Sie selbst, dass Sie für diesen Job mit diesen Profil rastlos arbeiten müssen. Die späte Uhrzeit, unter Sie Ihr Verlangen bekunden, veranlasst mich dazu, Sie weiterzuempfehlen.

Der Termin bei Ihren Kollegen in München Hasenbergl ist am nächsten Freitag um 8:15. Ihre Arbeitsprobe besteht darin, einen Vermittlungsplan für Dr. Jens Weidmann vorzustellen.

Ich hätte nicht eine so atemberaubende Wende in Ihrer Karriere zu erhoffen gewagt. Nun denn: Glückauf und alles Gute!

PS: Kneifen gilt nicht. Ist Ihnen das klar? Na dann!

Systemfrager August 29, 2012 um 06:56

@topi
>>> Der Kapitalismus hat zumindest bisher gezeigt, dass er, wenns sein muss, auch Rechte und Interessen der Menschen anerkennen, sich in attributgeschwängerte Marktwirtschaft umbenennen kann.

Ach so: “wenns sein muss”. Dann formulieren wir es besser.
Der Kapitalismus hat zumindest bisher gezeigt, dass er, wenn ihm der Kommunismus im Nacken sitzt, auch Rechte und Interessen der Menschen anerkennen, sich in attributgeschwängerte Marktwirtschaft umbenennen kann.
Tja, aber jetzt haben wir keinen Kommunismus mehr und der Kapitalismus ließ seine Maske fallen.

PS
Wenn man Kommentare in den exkommunistischen Ländern ließt, kommt immer wieder die Aussage, dass “wir, im Kommunismus” für die funktionierende Demokratie und Wohlstand “im Westen gesorgt haben”, keine ihre ach so tolle institutionelle und politische Lösungen.

h.huett August 29, 2012 um 08:08

Hier gibt es einige Empfehlungen, die ich so gut finde, dass wir sie bei wiesaussieht mit sofortiger Wirkung adaptieren könnten:

Stell echte Fragen, nicht nur rhetorische. Du magst noch so viel zum Thema wissen — alles weißt Du nicht.
Im Gegenzug: Beantworte echte Fragen. Je überflüssiger Dir eine Frage vorkommt, um so einfacher solltest Du sie beantworten können. Kannst Du es nicht, war die Frage wohl nicht so dumm.
Lies, bevor Du schreibst. Im Zweifel hat schon jemand Deinen Punkt gemacht und Du kannst bei ihm noch einen Fakt beitragen.
Du kannst nur mit Leuten diskutieren, denen Du Respekt entgegenbringst. Wenn Du das nicht kannst, diskutiere nicht. Selbst wenn Du in der Sache noch so recht haben magst, mit Beleidigungen setzt Du dich nur selbst ins Unrecht.
Sei nicht faul. Viele Fragen lassen sich in Minuten klären, Links zu Deinen Faktenbehauptungen sind im Internet kein Luxus.
Deine Meinung ist Deine Meinung, schreib das auch ruhig dazu. “Ich bin der Überzeugung, dass”, “Ich glaube”, “IMO” und so viele andere Formulierungen helfen Dir dabei und können Missverständnisse vermeiden.
Konzentriere Dich nicht alleine auf die Fehler anderer. Wenn jemand einen langen Beitrag mit Richtigem geschrieben hat, rede nicht alleine über den einen Fehler, den Du siehst.
Ein gereizter Tonfall gebiert weitere gereizte Tonfälle. Geht eine Runde um den Block, sieh Dir einen guten Film an, rede mit Freunden. Die Diskussion rennt nicht weg. Und wenn doch — was soll’s?
Meta ist Schmeta. Halte Diskussionen über Art und Form der Diskussion auf einem Minimum.
Wenn Du Dich zuerst fragst, welchem Lager Du einen Mitdiskutanten zuordnen musst, tritt einen Schritt zurück. Jemand kann ein Argument haben und dennoch zu einer anderen Grundüberzeugung als Du gekommen sein.
Beachte das Umfeld. Ironie und Analogien sind nicht unbegrenzt übertragbar. Erst recht nicht, wenn man Dich nicht kennt.
Vergiss den Spaß nicht. Ein Forum ist kein Doktoranden-Seminar. Und wer austeilt, sollte auch einstecken können.
Es gibt einen richtigen Zeitpunkt, um eine Diskussion zu verlassen. Es ist meist nicht der, wenn Du das letzte Wort hast.

Ach – und noch was: Wenn ein Kommentar nur mit dem Ziel gepostet wird, zu einer Doublette in der Grotte des Systemfragers umzuleiten, dann ist das vermeidbarer Aufwand.

keiner August 29, 2012 um 08:12

Na, HüttenHans, für dich ist ja auch was dabei:

“Halte Diskussionen über Art und Form der Diskussion auf einem Minimum.”

h.huett August 29, 2012 um 08:14

keiner
Die guten Tips gelten natürlich für alle.

Systemfrager August 29, 2012 um 08:56

@hh
>>> Die guten Tips gelten natürlich für alle.

Und für hh gilt insbesondere: Zeigefinger in eine Richtung, die anderen in die Richtung … ja, natürlich, hh

Anmerkung HH
Der greise Systemfrager hopst wie ein Kleinkind vorm Kasperle. Ja, ich kann tatsächlich meine Rolle in diesem Blog reflektieren. Warum sonst hätte ich diese Regeln verlinkt? Deshalb diskutieren wir nun auch nicht mehr über die Paraphernalia, sondern halten uns an die Regeln.

Carlos Manoso August 29, 2012 um 12:06

@ topi August 28, 2012 um 23:09
” Schlussendlich werden die Menschen global erkennen, dass die Verteidigung ihrer Rechte und Interessen nicht mit der Existenz des Kapitalismus vereinbar ist.”
Nee, da iss er wieder, der Kurz-Schluss.
Der Kapitalismus hat zumindest bisher gezeigt, dass er, wenns sein muss, auch Rechte und Interessen der Menschen anerkennen, sich in attributgeschwängerte Marktwirtschaft umbenennen kann.
Und dem gemeinen Menschen war es zumindest bisher wumpe, welcher -ismus ihm seine Brötchen brachte, wenn es nur genug waren.“

Richtig, die neoliberale Gegenrevolution wurde nach Hitlers WWII zuerst in (West)Deutschland als „herrschende Meinung“ umgesetzt. Ludwig Erhard gab dieser neoliberalen Gegenrevolution das fast schon totalitäre deutsche Logo: „Soziale Marktwirtschaft“. Angela Merkel modifiziete dieses Logo zum Bundestagswahlkampf 2005 in
“Neue Soziale Marktwirtschaft” (INSM).
http://www.insm.de/insm/ueber-die-insm.html

Angela Merkel nahm dergestalt die neoliberale SPD-Spitze mit ins Boot machte sich bei „dem gemeinen Menschen“ erfolgreich zur besseren sozialdemokratischen Kanzlerin.
http://www.nachdenkseiten.de/?p=1791

„Wenn das Geldkapital weitgehend eingedampft wird, brauchts weit weniger Gesamtrendite (in absoluten Zahlen), und das Sachkapital kann sich auch mit geringeren Renditen begnügen, wenn der Rahmen nichts anderes hergibt. Erst wenn sich praktisch zeigt, dass man mit weniger Markt in der Wirtschaft ein besseres Leben für die Menschen nicht nur theoretisch möglich sondern auch praktisch umgesetzt wird,ist Sense.“

Topi, wenn du das Buch von Lohoff/Trenkle liest, dann siehst du vielleicht etwas klarer.
http://www.heise.de/tp/artikel/37/37366/1.html
http://www.heise.de/tp/artikel/37/37365/1.html
http://www.heise.de/tp/artikel/37/37367/1.html
http://www.krisis.org/thema/krisentheorie-und-krisenanalyse/navi/norbert-trenkle

Dipfele August 29, 2012 um 13:32

@topi

Als Brötchenlieferant empfiehlt sich aktuell FDP-Chef in statu nascendi Christian Lindner, der sich um die Erwirtschaftung des Wohlstands sorgt und Umverteilungsripper im Stile eine “pubertierenden Schulhofschlägers” bekämpfen will: Die FDP, so Lindner, werde gebraucht, den “gesunden Menschenverstand in der Finanzpolitik gerade im Interesse der Mitte unseres Landes zu verteidigen”.

Faszinierendes Bild: Lindner auf dem Gipfel der Erkenntnis, i.e. Rossapfel thronend, mit “Entsiedenheit in der Sache” zu Pillen gedrehte Wurfgeschosse schwenkend, ohne die “Rhetorik eines Bulldozers” sich dem anrollenden Sigi entgegenwirft: Benutz’ den gesunden Menschenverstang und erkenne, dass immer etwas abfällt, wenn man die Pferde zum Saufen bringt. Dabei hat der Piezo-Kämpfer mit remanenter Polarisierung das doch längst internalisiert.

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/lindner-fdp-nennt-gabriel-spd-pubertierenden-schulhofschlaeger-a-852668.html

Carlos Manoso August 29, 2012 um 14:34

@ Dipfele August 29, 2012 um 13:32
„Als Brötchenlieferant empfiehlt sich aktuell FDP-Chef in statu nascendi Christian Lindner, der sich um die Erwirtschaftung des Wohlstands sorgt und Umverteilungsripper im Stile eine “pubertierenden Schulhofschlägers” bekämpfen will: Die FDP, so Lindner, werde gebraucht, den “gesunden Menschenverstand in der Finanzpolitik gerade im Interesse der Mitte unseres Landes zu verteidigen”

Dem Christian Lindner sollte die SPD dafür sehr danken sein und rücksichtslos den Tip aufnehmen, daß Lindner den entscheidenden Punkt herausgearbeitet hat, daß es nämlich im Kapitalismus überhaupt nicht um die Verteilung, sondern ausschließlich und ganz konkret nur um die Art und Weise der Erwirtschaftung des Wohlstands geht:

„FDP-Chef Christian Lindner wettert in scharfem Ton gegen SPD und Grüne. “Rot-Grün sorgt sich nur noch um die Verteilung und nicht mehr um die Erwirtschaftung des Wohlstands”, sagte Lindner dem “Handelsblatt”. Im Sommer hätten sich beide Parteien “endgültig von der Agenda 2010 abgewendet”.
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/lindner-fdp-nennt-gabriel-spd-pubertierenden-schulhofschlaeger-a-852668.html

topi August 29, 2012 um 15:25

@ Carlos Manoso

“Topi, wenn du das Buch von Lohoff/Trenkle liest, dann siehst du vielleicht etwas klarer.”

Ich hab mir den Radiobeitrag zurm fiktiven Kapital angehört, Mikroelektronische Revultion und Hedonistik und so.

Klarer sehe ich die Argumentation von Lohoff/Trenkle; die Krisenerklärun gwird dadurch aber nicht klarer. ;-)

Wie oft gesagt: sie gehen von marxistischen Grundannahmen aus, die logisch zu ihrer Erklärung führen. Das macht aber die Annahmen nicht richtiger, mein Lieber!

Das Dienstleistungen per se nicht kapitalverwertungsfähig seien, lassen wir mal dahingestellt; dies gilt für öffentliche Ausgaben, aber dazu mal später.

Eine ist sehr interessant.
“Die Volkswirtschaftslehre, egal welcher Schule, kann die Krise schon deshalb nicht verstehen, weil sie den grundlegenden Unterschied zwischen den beiden Reichtumsformen, stofflicher Reichtum und abstrakter Reichtum, auslöscht. In den Eingangskapitalen der VWL-Bücher heißt es immer, der Zweck des Wirtschaftens sei die Bedürfnisbefriedigung und die optimale Versorgung der Menschen mit Gütern, und dies könne unter den Bedingungen entwickelter Arbeitsteilung nur die Marktwirtschaft leisten.”

Da hat er vollkommen Recht. Die saubere Analyse von Realgüterseite UND Geldseite un dihren Wechselwirkungen kommt in der gängigen VWL der meisten Schulen zu kurz.

Aber nicht bei mir, bester Carlos! ;-)

Also los, sag nmir, was an meinen Annahmen nicht stimmen soll, oder an meiner Herleitung.

Mit zwei simplen Gleichungen kann man zeugen, wie ein Auseinanderfallen von Einkommen (Geldseite) und Ausgabewünschen (Reaögüterseite) uwingend Schulden zur Räumung des Sozialproduktes benötigt. Diese Summieren sich zwangsläufig auf, bis zur Nichtmehrtragfähigkeit.

Und nun du, ohne link bitte.

SoziologeX August 29, 2012 um 17:17

So wiesaussieht, wird Romney nächster US-Präsident. Er ist der Favorit von Banken, Versicherungen, Pharma etc. und erhält entsprechende Unterstützung. Man muss sich nur die Spendenlisten anschauen.

Das wird nach der Wahl einen „New Deal“ geben, aber in ganz andere Richtung als bei Roosevelt.
http://www.heise.de/tp/artikel/37/37505/1.html

In Deutschland wird voraussichtlich ein ähnlicher Kurs gefahren werden.
So gehen die Vorankündigungen für eine „Agenda 2020“ in die gleiche Richtung.
Es wäre nicht überraschend, wenn es nach der BT-Wahl eine Neuauflage der GroKo von „Schwarz-Rot“ gibt, die dann eine „Agenda 2020“ umsetzt.

Carlos Manoso schreibt:
Schlussendlich werden die Menschen global erkennen, dass die Verteidigung ihrer Rechte und Interessen nicht mit der Existenz des Kapitalismus vereinbar ist.”

Inwieweit sie dies begreifen, ist allerdings die Frage.

Selbstverständlich merken die Menschen, dass sich ihre existentielle Situation verschlechtert. Aber sie führen es auf eine „falsche Politik“ zurück und wollen deshalb eine andere Politik IM System. Eine Rückkehr zur „sozialen Marktwirtschaft“, einen „New DeaI“ a la Roosevelt etc.

Das Hauptproblem in den USA und in Europa ist, dass noch nicht einmal die derzeitige sog. „Intelligenz“ diesen Zusammenhang begriffen hat.

Waren die sog. Intelligenzschichten in der 68-er-Zeit links und anti-kapitalistisch orientiert, so sind sie seit Mitte der 70-er pro-kapitalistisch, pragmatisch-opportunistisch und sozialdarwinistisch ausgerichtet.

Vermutlich würde die These: „dass die Verteidigung ihrer Rechte und Interessen nicht mit der Existenz des Kapitalismus vereinbar ist“ auch in diesem Blog nur bei der Minderheit der Kommentaren und Leser auf Zustimmung stoßen. So sind die Blogmacher bekennende Liebhaber des Kapitalismus. Strobl hat immer wieder betont.

Kennzeichnend für diesen Blog ist die sozialdemokratische Illusion einer Steuerbarkeit des Kapitalismus.

Dafür wurden ganz tolle Vorschlage entwickelt und diskutiert: Banken verkleinern, neues Steuersystem, Löhne erhöhen, Sozialhilfe erhöhen, Binnenmarkt entwickeln etc.
Man träumte vom „Gulasch-Kapitalismus“.
„Echte Demokratie“ ist auch so ein Traum – und dies IM Kapitalismus.

Jetzt ist der Ausgleich der Salden der große Renner.

Dabei ist doch das Ungleichgewicht der Salden genau der Zweck, weshalb dieses kapitalistische System aufrechterhalten wird, nämlich die Allokation des gesellschaftlichen Reichtums bei einer Oligarchie.

Bislang sehe ich daher nicht, dass die Erkenntnis, „dass die Verteidigung ihrer Rechte und Interessen nicht mit der Existenz des Kapitalismus vereinbar ist“ außer bei einer kleinen Minderheit ins Bewusstsein gelangt ist.

SoziologeX August 29, 2012 um 19:35

Ernst Lohoff:
Das führt uns zur Anfangsfrage im ersten Teil des Interviews zurück. Die Volkswirtschaftslehre, egal welcher Schule, kann die Krise schon deshalb nicht verstehen, weil sie den grundlegenden Unterschied zwischen den beiden Reichtumsformen, stofflicher Reichtum und abstrakter Reichtum, auslöscht .

Norbert Trenkle:
Nun zunächst einmal folgt daraus eine ganz grundsätzliche Ablehnung jeder Sparpolitik. Es ist einfach völliger Irrwitz, dass angesichts des ungeheuer hohen Produktivitätsniveaus behauptet wird, wir hätten über unsere Verhältnisse gelebt und müssten nun den Gürtel enger schnallen. Das Gegenteil ist doch der Fall. Würden die Möglichkeiten ausgeschöpft, die in den modernen Produktivkraftpotentialen enthalten sind, könnten längst alle Menschen auf der Welt gut leben und müssten nur einen Bruchteil ihrer Lebenszeit für die Produktion der materiellen Güter aufwenden.
Das geschieht nur deshalb nicht, weil die Gesellschaft sich wie selbstverständlich den Zwängen der abstrakten Reichtumsproduktion unterwirft, weil sie also daran festhält, dass stofflicher Reichtum nur anerkannt wird, soweit er “Wert”, darstellt. Dabei handelt es sich aber nicht einfach nur um eine Art verpasster Gelegenheit, eine nicht wahrgenommene Möglichkeit. Vielmehr bedeutet das Festhalten an der Logik der Wertproduktion auf dem erreichten Stand der Produktivität schlicht eine Katastrophe, denn es führt dazu, dass massenhaft Menschen als “überflüssig” ausgeschlossen und auf dem Altar des Systemimperativs geopfert werden, den Fluss fiktiven Kapitals aus der Zukunft in die Gegenwart aufrechtzuerhalten.
Lösen wir uns aber von der scheinbaren Selbstverständlichkeit, dass Güter nur als Waren produziert werden können, eröffnen sich ganz neue Perspektiven. Dann nämlich können wir fragen, wie und in welcher Form die vorhandenen Potentiale sinnvoll und zum allgemeinen Wohlergehen genutzt werden können ohne über “Finanzierbarkeit”, “Marktfähigkeit” und “Rentabilität” nachdenken zu müssen. Stattdessen wäre der Standpunkt des stofflichen Reichtums und der konkreten Bedürfnisse geltend zu machen.
(Hervorh. durch mich)
http://www.heise.de/tp/artikel/37/37367/1.html

Der Witz an der Sache ist, WIE in der marktwirtschaftlichen Ökonomie die „Wertbildung“ der Waren (-> Tauschwerte) erfolgt. Nämlich im Marktgeschehen, und zwar unter Abstraktion vom stofflichen Wert.

So ändert die gleiche Flasche Cola ihren Wert, wenn z.B. am Flughafen die Grenze zum Security-Bereich überschritten ist. „Draußen“ kostet sie am Automaten 1 €, „drinnen“ dann 4 €.

Von der stofflichen Seite her gesehen, ist dies nicht nachzuvollziehen. Für einen Menschen, der im marktwirtschaftlichen System sozialisiert wurde, erscheint die jedoch als völlig normal und „rational“, für jeden anderen Menschen als idiotisch.

So idiotisch ist die gesamte marktwirtschaftliche Ökonomie.

In der marktwirtschaftlichen Ökonomie gibt es keine mathematische Beziehung zwischen abstrakten „Wert“ (= Tauschwert) und stofflicher Beschaffenheit. Daher auch die Irrationalität des Ganzen.

Konkret äußert sich die marktwirtschaftliche Idiotie dann beispielsweise darin, dass Lebensmittel vernichtet werden, obwohl andere Menschen hungern. Oder dass die Qualität von Produkten künstlich herabgesetzt wird, weil aus marktwirtschaftlicher Logik ein künstlicher Verschleiß eingebaut wird.

Noch offensichtlicher wird die antihumane Idiotie der Marktwirtschaft, wenn Millionen von arbeitsfähigen und arbeitswilligen Menschen zu „wertlosen“ und damit überflüssigen Menschen gemacht werden und diese in die Arbeitslosigkeit und Armut getrieben und ins Prekariat exkludiert werden, während andere Menschen sich kaputtarbeiten.

Das ist nicht nur eine Idiotie, sondern man nimmt den Menschen ihre Würde als vernunftbegabte Wesen.

Das ist eine ganz andere Kritik an Marktwirtschaft und Kapitalismus als jene des Arbeiter-Marxismus, bei dem die Ausbeutung und fehlende Verteilungsgerechtigkeit im Vordergrund stand.

Wobei dieser Marxismus seine Ursache in der falschen Revolutionstheorie von Marx und Engels seine Ursache hat. Deren Annahme bestand ja darin, dass die Arbeiter den Verblendungszusammenhang des Kapitalismus erkennen können und auf Basis einer rational-materialistischen Interessenvertretung das kapitalistische System überwinden. Was sich dann historisch als falsche Annahme erwies.

So war die Kapitalismuskritik der 68-er bereits post-marxistisch, sieht man von den kommunistischen Retros in den ML-Gruppen ab.

Es ging um die Befreiung des Menschen aus gesellschaftlichen Verhältnissen, in denen der Mensch ein geknechtetes, beleidigtes und unvernünftiges (= idiotisches) Wesen ist, weil er sich und andere zu einem Objekt einer pseudo-rationalen Marktwirtschaft macht.

Keynesianer August 29, 2012 um 20:13

@SoziologeX

Die Möglichkeit einer Befreiung des Menschen aus mit Zwang gestalteten gesellschaftlichen Verhältnissen, also eine freiwillige und effiziente Kooperation von Menschen, kann bis heute noch nicht einmal bei Kleingruppen jedweder Art vorgeführt werden.

Selbstverständlich führen die Zwangsverhältnisse kapitalistischer Produktion zu empörenden Begleiterscheinungen. Wie etwa der zum Zweck der Disziplinierung und härteren Ausbeutung der Arbeiter absichtlich herbeigeführten Krisen mit allen Konsequenzen, bis hin zur Vernichtung von Gebrauchsgütern, die niemand für Geld kauft.

Die Aufhebung dieser kapitalistischen Verhältnisse ist aber nur einer sehr gut freiheitlich und effizient organisierten Klasse von Menschen möglich, die ich nirgendwo sehen kann, noch nicht einmal in ihren ersten Anfängen. Bleibt also die Parteidiktatur und Autokratenherrschaft als die historische Alternative zum Kapitalismus. Das will aus guten Gründen niemand oder fast niemand.

Und es bleibt halt der Reformismus und Keynesianismus, also das schrittweise Verbessern der Verhältnisse. Marx und die Werttheorie helfen uns da ganz sicher nicht weiter, helfen aber der Gegenseite, wenn sie gegen die schrittweisen Verbesserungen der Verhältnisse eingesetzt werden im Dienst der herrschenden Kräfte.

Carlos Manoso August 29, 2012 um 20:55

@ topi August 29, 2012 um 15:25
„Klarer sehe ich die Argumentation von Lohoff/Trenkle; die Krisenerklärun gwird dadurch aber nicht klarer.
Wie oft gesagt: sie gehen von marxistischen Grundannahmen aus, die logisch zu ihrer Erklärung führen. Das macht aber die Annahmen nicht richtiger, mein Lieber! (…)
Aber nicht bei mir, bester Carlos!
Also los, sag nmir, was an meinen Annahmen nicht stimmen soll, oder an meiner Herleitung.
Mit zwei simplen Gleichungen kann man zeugen, wie ein Auseinanderfallen von Einkommen (Geldseite) und Ausgabewünschen (Reaögüterseite) uwingend Schulden zur Räumung des Sozialproduktes benötigt. Diese Summieren sich zwangsläufig auf, bis zur Nichtmehrtragfähigkeit.
Und nun du, ohne link bitte.“

Mmmmm, wenn dein Gegenargumentchen zu den Argumenten von Trenkle/Lohoff lediglich sein soll:
„Wie oft gesagt: sie gehen von marxistischen Grundannahmen aus, die logisch zu ihrer Erklärung führen. Das macht aber die Annahmen nicht richtiger, mein Lieber!“,

dann wäre mein Gegenargument zu deinem simplen Argumentchen: „Mit zwei simplen Gleichungen kann man zeugen, wie ein Auseinanderfallen von Einkommen (Geldseite) und Ausgabewünschen (Reaögüterseite) uwingend Schulden zur Räumung des Sozialproduktes benötigt“ uwingend, du “gehen von simplen kapitalistischen Grundannahmen aus, die logisch zu ihrer Erklärung führen. Das macht aber die Annahmen nicht richtiger, mein Lieber!“.

topi August 29, 2012 um 22:56

Komm Carlos, das ist sehr schwach; und deiner wirklich nicht angemessen.

Bei mir findest du keine “kapitalistischen Grundannahmen”, sondern einen einfachen Zusammenhang, der sich auch in beispielsweise einer sozialistischen Buchhaltung finden MUSS.

Ganz einfache Grundschul- Mathematik.

Und kein marxistisches Gedankengebäude von X Bänden, in XX Bänden kritisiert, und fortentwickelt.

Wenn ich zu den zig Annahmen des grundmodells noch etliche weitere einführe, kann ich natürlich auch alle weiteren Entwicklungen “gesetzmäßig” erklären.

Dagegen musst du für die Gültigkeit saldenmechanischer Binsenweisheiten lediglich 100= 100 akzeptieren.
Das wird doch drin sein, oder? :roll:

Thor August 30, 2012 um 01:03

@HH

Ne, ich bleib beim biologisch angebauten THC und Psilocybin, so als Kapitalismusfeind will man ja, wenn man glaubwürdig bleiben will, nicht die Pharmamafia unterstützen.

Ich hab halt keine Lust auf den faustischen Pakt, um noch einen hoch zu kriegen.

Im Übrigen ist es doch ein Witz, wenn LB von Logik, im Zusammenhang von Politik und Wirtschaft spricht. Ein Widerspruch in sich.

Mal noch eine Frage an HH, der ja in diesem Blog, laut eigener Aussage, nur 1% von seinem überlegenen ökonomischen Wissen preisgibt. Dass er daher hat, dass er andere, ökonomisch überlegene, Autoren interpretiert.

Also hier die Frage. Ein Hauptargument gegen die Wiedereinführung der DM ist ja, dass diese massiv aufwerten würde. Warum würde sie aufwerten? Weil De ein positive Leistungsbilanz hat. Nix die Spekulanten….
Also wenn die PFIIGS es schaffen ihre Defizite abzubauen, wem gegenüber eigentlich? Dann würde auch der Euro aufwerten. Ach, ist doch alles nur ein riesiger Witz……

MfG

Thor August 30, 2012 um 01:29

Ach ja, der obligatorische YT-Linkt fehlt noch.
http://www.youtube.com/watch?v=JZAs9LjJAHU

topi August 30, 2012 um 01:54

@ SoziologeX

“So war die Kapitalismuskritik der 68-er bereits post-marxistisch, sieht man von den kommunistischen Retros in den ML-Gruppen ab.

Es ging um die Befreiung des Menschen aus gesellschaftlichen Verhältnissen, in denen der Mensch ein geknechtetes, beleidigtes und unvernünftiges (= idiotisches) Wesen ist, weil er sich und andere zu einem Objekt einer pseudo-rationalen Marktwirtschaft macht.”

Ist ja richtig, auch antihuman etc.

Aber deine Begründung

“In der marktwirtschaftlichen Ökonomie gibt es keine mathematische Beziehung zwischen abstrakten „Wert“ (= Tauschwert) und stofflicher Beschaffenheit. Daher auch die Irrationalität des Ganzen.”

bleibt auf marxistischem Ansatz, und sie trifft völlig daneben.
Wenn du morgen EInheitspreise für alle Güter einführen könntest, juckte das den Kapitalismus nur ein wenig.

Klar gibt es Verzerrungen durch verschiedene Preise für gleiche Güter, aber die gibt es auch durch EInheitspreise; denn es ist nicht per se “idiotisch”, identischen Gütern auch verschiedenen Wert beizumessen, wie jeder in einer Wüste versteht.

Aber das geht völlig am Kern vorbei. Die Stofflichkeit + Arbeit (und da wird es schon unlösbar, wenn das gleiche Produkt in verschiedenen Fabriken hergestellt wird) allein kann den Wert nicht abbilden. Ein Blick in das DDR-Kaufhaus war lehrreich.

Bei vielen Gütern ist Stofflichkeit auch gar kein sinnvoller Maßstab mehr. Wovon hängt denn bspw. eine gute Bildung statt verschmalspurender Ausbildung ab, von stofflicher Veränderung?

topi August 30, 2012 um 02:25

Kapitalismus vs. Alternativen

Ökonomisch könnte man sich der Frage annähern, wie sich der Wohlstand für alle Menschen maximieren lässt. Dies ist dann sehr stark definitionsabhängig. In Bhutan sieht man das ja bekanntlich heute schon anders. ;-)

Wenn man sich ersatzweise auf die stoffliche Seite beschränkt, müsste man auch die ganzen negativen Aspekte, die derzeit nicht erfasst bzw. sogar sozialproduktmehrend ausgewiesen werden, berücksichtigen. DIe Ansätze dafür sind da, aber noch dürftig.

Betrachtet man die reine Stofflichkeit, sieht man bei Betrachtung der zunehmenden Kurzlebigkeit/Nichtreparaturfähigkeit von Gütern, der oft noch sehr unzureichenden Berücksichtigung von Umweltzerstörung oder Ressourcenverbrauch (im Sinne von Nichtrecyclefähigkeit), dass es erhebliche Reserven zum effizientern Mitteleinsatz gibt, die in der aktuellen Marktwirtschaftsvariante nicht erreicht werden.

Der Schluss, dass sich deshalb der Kapitalismus insgesamt überlebt hat, ist allerdings falsch.

Wenn es jetzt straffe Regulierungen (und Kontrollen) gäbe, um Produkte ressourceneffizienter, also langlebiger und giftfreier und recyclingfähiger, zu machen, sänken mögliche Extraprofite durch besonders skrupellose Produzenten, aber nicht die Gesamtmöglichkeiten zur Profiterzielung.
Der Kapitalist würde sich einfach anpassen an den Rahmen.

Auch im Bereich der Arbeitsbedingungen von Ottonaromal un dseiner Erna gibt es keinen Automatismus nach Prekarien (zumal dies volkswirtschaftlich nicht funkitonieren kann, wenn nicht wieder Schlösser mit massenhaft Bediensteten in Mode kommen).

Zur WIderlegung der These reicht das Gegenbeispiel, die Jahrzehnte beständeiger Verbesserungen der Arbeits- und Lebensbedingungen von Erna.

Und wie die Kapitalismus-Alternative mit Ena umgeht, ist zwar theoretisch schön aufschreibbar, aber Erna hat halt praktische Ausprägungen vor Augen.

Nein, die Kapitalismus-Kritik ist auf einer Ebene sehr greifbar: der Rückgang der hergestellten Güter, nicht wegen der Knappheit an Ressourcen oder Arbeitskräften, sondern wegen “Leben über den Verhältnissen”.

Wenn dieser Rückgang so stark wird, bzw. der noch moderate Rückgang verschärfte wird durch Verteilung, dass Otto und Erna brutal getroffen werden, verliert der Kapitalismus das Hauptargument für seine “Systemüberlegenheit”: effizientere Allokation und damit mehr Güter als denkbare ALternativen.
Dies wird sofort hinfällig, wenn die Hälfte der Fabriken schließt, siehe WWK I.

Und das Scheinargument Kapitalismus = Demokratie, oder gar Kapitalismus = Freiheit, ist ja schon aktuell kaum haltbar.

SoziologeX August 30, 2012 um 02:35

@topiAugust 30, 2012 um 01:54
Aber deine Begründung
“In der marktwirtschaftlichen Ökonomie gibt es keine mathematische Beziehung zwischen abstrakten „Wert“ (= Tauschwert) und stofflicher Beschaffenheit. Daher auch die Irrationalität des Ganzen.”
bleibt auf marxistischem Ansatz, und sie trifft völlig daneben.
Wenn du morgen EInheitspreise für alle Güter einführen könntest, juckte das den Kapitalismus nur ein wenig.

Im Gegenteil.
Denn da stellt sich sofort die Frage, WER diesen Einheitspreis nach welchen Kriterien bestimmen soll/darf?

Der Staat? Eine Kommission? Eine demokratische Entscheidung?

Und dies betrifft die Eigentumsordnung. Denn der Privateigentümer entscheidet, zu welchem Preis er die Ware, die sich in seinem Privateigentum befindet, verkauft oder nicht verkauft.

Klar gibt es Verzerrungen durch verschiedene Preise für gleiche Güter, aber die gibt es auch durch EInheitspreise; denn es ist nicht per se “idiotisch”, identischen Gütern auch verschiedenen Wert beizumessen, wie jeder in einer Wüste versteht.

Klar, aber das betrifft nicht mein Beispiel.

Aber das geht völlig am Kern vorbei. Die Stofflichkeit + Arbeit (und da wird es schon unlösbar, wenn das gleiche Produkt in verschiedenen Fabriken hergestellt wird) allein kann den Wert nicht abbilden. Ein Blick in das DDR-Kaufhaus war lehrreich.

Völlige Zustimmung. Die Idee einer objektiven Preisbestimmung halte ich für Nonsense. Die stoffliche Zusammensetzung und die durchschnittlich aufgewendete Arbeitszeit bei einem Produktes bieten Anhaltspunkte für eine Preisbestimmung. Mehr nicht. Die Idee der objektiven Preisbestimmung eines Produktes ist marxistischer Blödsinn.

Bei vielen Gütern ist Stofflichkeit auch gar kein sinnvoller Maßstab mehr. Wovon hängt denn bspw. eine gute Bildung statt verschmalspurender Ausbildung ab, von stofflicher Veränderung?

So ist es.
Aber der “Markt” taugt dafür auch nicht.
Das muss schon nach vernünftigen gesellschaftlichen Kriterien erfolgen.

"gg" August 30, 2012 um 03:47

@ topi

ergänze mit “verbesserte sowie neue ”

“Systemüberlegenheit”: effizientere Allokation und damit mehr, verbesserte sowie neue Güter als denkbare ALternativen.

statt :

“Wenn dieser Rückgang so stark wird, bzw. der noch moderate Rückgang verschärfte wird durch Verteilung, dass Otto und Erna brutal getroffen werden, verliert der Kapitalismus das Hauptargument für seine “Systemüberlegenheit”: effizientere Allokation und damit mehr Güter als denkbare ALternativen.
Dies wird sofort hinfällig, wenn die Hälfte der Fabriken schließt, siehe WWK I.”

Es besteht ein Quantensprung in nachhaltige Entwicklungen und Produktionen im Sinne von Frederick Soddy bevor.
Real not virtual …
Kein Grund zum Lamentieren sondern zur Begeisterung und Umsetzung – niemals gab es soviel gut ausgebildete Menschen .
Sie werden gebraucht für sinvolle, menschliche Arbeiten.

SoziologeX August 30, 2012 um 10:38

@KeynesianerAugust 29, 2012 um 20:13
Die Aufhebung dieser kapitalistischen Verhältnisse ist aber nur einer sehr gut freiheitlich und effizient organisierten Klasse von Menschen möglich, die ich nirgendwo sehen kann, noch nicht einmal in ihren ersten Anfängen.

Nirgendwo? Selbst in den kapitalistischen Gesellschaften gibt es große nicht-kapitalistische Bereiche.

Bleibt also die Parteidiktatur und Autokratenherrschaft als die historische Alternative zum Kapitalismus. Das will aus guten Gründen niemand oder fast niemand.

Sicherlich wird auch eine nach-kapitalistische Gesellschaft nicht herrschaftsfrei sein.
Das kapitalistische System jedoch führt aus eigener Gesetzmäßigkeit zur Verbrecherherrschaft und Barbarei.

Wer Kapitalismus will, muss eben „Ja!“ zu Verbrecherherrschaft und Barbarei sagen.
Genau dies Können/wollen die „Markt-Schizos“ nicht begreifen. Die haben ein realitätsfernes Ideal von Marktwirtschaft im Kopf und erklären die schlechte Realität unter kapitalistischen Verhältnissen mit Verschwörungstheorien.

Dies bezeichne ich als „Markt-Idiotie“.

Dass eine Marktwirtschaft in industriell unterentwickelten Gesellschaften eine Überlegenheit hinsichtlich der Beschleunigung der technologischen Entwicklung aufweist, wird kein intelligenter Mensch bestreiten. Konkurrenz, rücksichtsloser Egoismus, Geldgier sowie hohe – und vor allem: freiwillige – Selbstausbeutungsbereitschaft auf Seiten der Arbeitenden sind hinsichtlich der Entwicklungsbeschleunigung und dem damit verbundenen Massenkonsum anderen Systemen mit hierarchisch organisiertem Arbeitszwang, wie beispielsweise wie im sog. „Realen Sozialismus“, überlegen. (Was die KPChina veranlasste, eine „Mixed Economy“ mit großen marktwirtschaftlichen Bereichen einzuführen.)

Aber technisch hochentwickelte kapitalistische Marktwirtschaften stoßen zwangsläufig auf Akkumulationsschranken . Daher gibt es dann die Phänomene wie Obsolenzproduktion, Konsummanipulation, psychische Verelendung und Verblödung, imperialistische Kriege, Faschismen, Massenarbeitslosigkeit, künstliche Zwangsarbeitssysteme aka „Armutsökonomie“ und eben Verbrecherherrschaft.

Das können/wollen „Marktwirtschaftsidealisten“ nicht begreifen. Da soll dann ein autoritärer Staat eingreifen mit „Sozialstaat“, „Herstellung von sozialer Gerechtigkeit“, „Zerschlagung von Oligopolen und Monopolen“, „Beseitigung von Vermögenskonzentrationen und Saldenungleichgewichten“ etc. So die ordo-liberalen und sozialdemokratischen Träumereien.

Genau dies funktioniert aber nicht (mehr) aufgrund der entstandenen oligarchischen Vermögens- und daraus resultierenden Machtkonzentration. Die Plutokratie lässt sich nicht freiwillig enteignen und den anderen fehlt die Macht dazu.

Und es bleibt halt der Reformismus und Keynesianismus, also das schrittweise Verbessern der Verhältnisse.

Nein, eben nicht. Das funktioniert dann nicht mehr. Um dies zu belegen, muss man sich nur die kapitalistische Realität anschauen.

Die heutige Realität ist das Resultat des Wirkens marktwirtschaftlich-kapitalistischer Gesetzmäßigkeiten. Und dies geht genau so weiter: Mehr Terror der Ökonomie, weniger Freiheit, mehr Arbeit, weniger Freiheit sowie Wohlstandsverluste und zunehmende wirtschaftliche Sicherheit für die Mehrheit und mehr Reichtum für eine kleine Klasse von Privateigentümern sowie deren Managern und Vermögensverwaltern. Zudem wächst das Heer der – aus Perspektive der Kapitalverwertung – überflüssigen und damit „wertlosen“ Menschen, also der Exkludierten und Prekarisierten.

Wie bereits gesagt, dies alles wollen/können die „Marktwirtschaftsidealisten“ nicht begreifen und erklären die schlechten Zustände mit irrationalen Verschwörungstheorien.

Historisch relativ neu ist das Phänomen des Ersatzes von menschlicher Arbeit durch Automatisierung und Roboterisierung. Was potentiell eine kontinuierliche Befreiung von einfacher, repetitiver Arbeit und zugleich wachsender persönlicher Freiheit und Wohlstand ermöglichen würde, schlägt unter den Bedingungen von kapitalistischer Marktwirtschaft für die Mehrheit der Bevölkerung ins Gegenteil um.

It´s the system, stupid.

Systemfrager August 30, 2012 um 10:46

@SoziologeX
>>> Aber technisch hochentwickelte kapitalistische Marktwirtschaften stoßen zwangsläufig auf Akkumulationsschranken .

Es gibt keine “Akkumulationsschranke””. Das ist ein Marx’ Irrtum, der auf seinen mangelnden mathematischen Kenntnisen beruht. Was gibt ist das Nachfrageproblem.

SoziologeX August 30, 2012 um 11:03

@SystemfragerAugust 30, 2012 um 10:46
Es gibt keine “Akkumulationsschranke””. Das ist ein Marx’ Irrtum, der auf seinen mangelnden mathematischen Kenntnisen beruht. Was gibt ist das Nachfrageproblem.

Wenn die zahlungsfähige(!!!) Nachfrage fehlt, dann gibt es – bezogen auf die kapitalistischen Marktverhältnisse – „Überproduktion“ und damit eine „Akkumulationsschranke”, d.h. Kapital kann sich nicht mehr profitabel verwerten und wird zum Teil entwertet.

Dennoch ist in der Regel „Nachfrage“ im Sinne von Bedarf vorhanden. Das führt z. B. zu dem Phänomen, dass unverkäufliche Nahrungsmittel vernichtet werden, während Menschen hungern.

Systemfrager August 30, 2012 um 11:20

@SoziologeX
alles korrekt!
;-)

Keynesianer August 30, 2012 um 12:10

@SoziologeX

“Wer Kapitalismus will, muss eben „Ja!“ zu Verbrecherherrschaft und Barbarei sagen.”

Du argumentierst gerade, als ob wir uns den Kapitalismus wegwünschen könnten und als ob es ihn nur deswegen noch gäbe, weil wir ihn wollen würden.

Es ist aber unübersehbar so, dass die Beseitigung des Kapitalismus um einiges mehr ein Wunschtraum bleiben dürfte, als die gezielte Einschränkung der Verbrecherherrschaft im Kapitalismus. Weil der Kommunismus ja noch den Huberbauern mit seinem Hof und die Omi mit ihrem Häuschen zu seinen erbitterten Feinden hat.

Wer von der Weltrevolution oder meinetwegen dem Zusammenbruch des Kapitalismus und dergleichen träumt, hilft bei der Aufrechterhaltung unbeschränkter Verbrecherherrschaft, weil deren Einschränkung ja nur “Systemstabilisierung” wäre, weshalb die Marxisten dann lieber die “Wertform analysieren”, anstatt die Verbrecherherrschaft der Finanzoligarchen mit ihren Kriegen und inszenierten Krisen überhaupt zu thematisieren.

Deshalb fördern die Plutokraten und Autokraten ihre “Marxisten” seit den Zeiten des Schwagers des preußischen Innenministers. Die proletarische Weltrevolution brauchten die Herrschenden in ihren schlimmsten Träumen nicht zu fürchten, während sie doch ein praktisches Argument schon zur Hinderung der Organisation der Arbeiter für bessere Löhne und Lebensbedingungen im 19. Jahrhundert war.

Engels hat ja anfangs sogar den 10-Stundentag für Frauen und Kinder abgelehnt, weil das doch die Entfaltung des Kapitalismus als Voraussetzung der Weltrevolution hemmen würde. ;)

"gg" August 30, 2012 um 14:10

@ Keynesianer

“Die proletarische Weltrevolution brauchten die Herrschenden in ihren schlimmsten Träumen nicht zu fürchten, während sie doch ein praktisches Argument schon zur Hinderung der Organisation der Arbeiter für bessere Löhne und Lebensbedingungen im 19. Jahrhundert war.”

Die intelligente Lokalrebellion der Einwohner vor Ort mit Eigenkapital aus der Gemeindekasse und garantierter 9%iger Stromverzinsung absolut ;-)

Etwas Benchmarking nach T. Sarrazin :

http://www.ftd.de/politik/deutschland/:energiewende-so-viel-oekostrom-produzieren-die-laender/70082358.html

RePowering bitte nicht den Oligopolisten überlassen !
aus Wikipedia:

“Repowering bezeichnet das Ersetzen alter Anlagen zur Stromerzeugung durch neue Anlagen, beispielsweise mit höherem Wirkungsgrad. Der Begriff wird vor allem im Zusammenhang mit Windkraftanlagen verwendet; bei anderen Elektrizitätswerken wird oft von “Kraftwerksneubau” gesprochen, obwohl Teile vorhandener Anlagen und die Infrastruktur weiterverwendet werden. Repowering kann auch den Kraftwerkstyp ändern: beispielsweise kann ein altes Kohlekraftwerk durch ein neueres GuD-Kraftwerk ersetzt werden. Ein konkretes Beispiel für das Repowering und Umwandlung in eine GuD-Anlage ist Block 1/2 des Kraftwerks Simmering.

Der Vorteil des Repowering, gegenüber einer neuen Anlage, liegt in der vorhandenen Genehmigung und der höheren Akzeptanz der Anwohner. Neue Genehmigungen sind häufig Auslöser von Bürgerprotesten.”

http://www.ndr.de/info/programm/sendungen/redezeit/strompreise131.html

Bürger nehmt die Infrastrukturen in eure eigenen Hände und Kapitalien .
The Next Generation is beautiful.

SoziologeX August 30, 2012 um 14:15

@KeynesianerAugust 30, 2012 um 12:10
Du argumentierst gerade, als ob wir uns den Kapitalismus wegwünschen könnten und als ob es ihn nur deswegen noch gäbe, weil wir ihn wollen würden.

In gewisser Hinsicht stimmt dies.

Denn solange wir glauben, dass es keine bessere Alternative zum Kapitalismus gibt, solange sind wir im TINA-Denken gefangen.

Wenn der Wunsch nach einer besseren Gesellschaft das Motiv danach ist, zu fragen und zu forschen, wie diese Gesellschaft denn konkret aussehen könnte, dann kann man sich mit der Entwicklung von Ideen und Plänen für eine neue Gesellschaft aus diesem TINA-Denken befreien.

Karl Marx hat einmal gesagt, dass im Unterschied zur Biene der Mensch den Plan zum Bau seiner Wohnung zuvor im Kopf haben muss.

Ohne diesen Plan kann niemand ein neues Haus oder eine neue Maschine bauen. Das Wissen um diese Voraussetzung ist eine Selbstverständlichkeit für alle Menschen, die etwas Neues erfinden und konstruieren wollen.

Den Feinden des gesellschaftlichen Fortschritts geht es doch gerade darum, in den Köpfen der Menschen das TINA-Denken zu verankern. Für die ist der Kapitalismus das höchste Stadium menschlicher Entwicklung. Als Beweis zeigen sie auf das Scheitern des sog. „Realen Sozialismus“.

Tatsächlich hat aber noch nie eine sozialistische Transformation in technisch hochentwickelten Gesellschaften stattgefunden, also in „Überflussgesellschaften“, sondern nur in unterentwickelten „Mangelgesellschaften“, wobei die sozialistische Revolution zwangsläufig Entwicklungsdiktaturen parteibürokratischen Typs hervorbrachte.

Die kapitalistische Marktwirtschaft ist eine historische Formation, die sich im Niedergang befindet. Sie hat einerseits die Entwicklung von Wissenschaft und Produktivkräften vorangetrieben, aber andererseits auch Anti-Wissenschaft und Destruktivität. Insbesondere hat sie die Menschen in typischer Weise deformiert.

Der historische Fortschritt der kapitalistischen Marktwirtschaft war und ist janusköpfig.

Selbstverständlich können wir den Kapitalismus nicht durch „Wegwünschen“ oder durch voluntaristischen Aktionismus überwinden. Das plutokratische Herrschaftssystem ist derzeit sehr stabil.

Wenn die derzeitige Weltentwicklung so weiter voranschreitet, sieht dies in 10 Jahren möglichweise ganz anders aus. Und zwar aus zwei Gründen. Zum einen betrifft es die systemimmanenten Entwicklungen im Kapitalismus, zum anderen die Entwicklung konkurrierender Gesellschaftssysteme.

Die Einschätzung von Michael Hudson: „Wir befinden uns in einer vorrevolutionären Situation.“ teile ich nicht.

So zeigt der gegenwärtige politische Kurs in eine entgegengesetzte Richtung.
Die Menschen sind noch voll im TINA-Denken gefangen und damit beschäftigt, über die Runden zu kommen und irgendwie ihren eigenen Arsch zu retten.
Die Systemfrage besitzt daher keine Aktualität im Denken und den Diskussionen der Menschen.

Es ist aber unübersehbar so, dass die Beseitigung des Kapitalismus um einiges mehr ein Wunschtraum bleiben dürfte, als die gezielte Einschränkung der Verbrecherherrschaft im Kapitalismus. Weil der Kommunismus ja noch den Huberbauern mit seinem Hof und die Omi mit ihrem Häuschen zu seinen erbitterten Feinden hat.

Schaun wir ´mal, was der Kapitalismus in 10 Jahren dem Otto Normalo so an Einkommen, Ersparnissen und Rente übriggelassen hat.

Systemfrager August 30, 2012 um 14:38

>>> Schaun wir ´mal, was der Kapitalismus in 10 Jahren dem Otto Normalo so an Einkommen, Ersparnissen und Rente übriggelassen hat. | SoziologeX

So ist es. Der Gedanke, das 20. Jh wäre das letzte Jh der (übrigens “unzähligen”) Revolutionen, ist äußerst dumm. Die Herrschenden konnten nie begreifen, sie werden es auch in der Zukunft nicht begreifen können, dass ihre Untertanen so verzweifelt sind, dass irgendwann ein Funke ausreicht, damit alles in die Luft fliegt. Übrigens, die Untertanen selbst glauben nie daran. Aber die Geschichte schert sich nicht darum, was die Herrschenden – und ihre Untertanen – denken und glauben.

Übrigens, ich weiß ganz genau, wie die Felder in diesem Jahr aussehen, wir haben eine katastrophale Dürre. Ich betone: eine katastrophale. Ob unsere verbrecherische kapitalistische Ordnung dies so bequem noch 10 Jahre überlebt … du bist SX ein bisschen optimistisch

Treidelstein August 30, 2012 um 15:51

Naja, vielleicht muß man von dem ~mus etwas wegkommen…

Wir haben gesellschaftliche Bereiche, die kapitalisiert sind, und solche, die dies nicht sind. Insofern ist jede zeitgenössische Wirtschaftsordnung sowas wie eine Mischwirtschaft. Etliche der aktuellen Entwicklungen lassen sich als ein Versuch deuten, bisher nicht kapitalisierte gesellschaftliche Bereiche zu kapitalisieren und damit einer Logik von Gewinnerwartungen zu unterwerfen. Siehe die systematische finanzielle Ausblutung der Kommunen. Auch der Schuldenbremse dürfte das Motiv zugrunde liegen, die Kommunen zu zwingen, ihre Dienstleistungen zu privatisieren und damit privatwirtschaftlicher Gewinnerzielung zugänglich zu machen. Um das zu erklären, brauche ich keine theoretisch konstruierten systemischen Zwänge, da reicht die reale Verhandlungsmacht einschlägiger Akteure der Kapitalseite wie etwa Bertelsmann, der ja kommunale Dienstleistungen als Geschäftsfeld entdeckt hat…

@ Keynesianer hat m.E. völlig recht damit, daß eine wirkungsvolle gesellschaftliche Gegenmacht gegen die aktuelle Oligarchie auf einer dezidiert antikapitalistischen Basis gar nicht denkbar ist. Aber selbst für ausgewiesene Kapitalismuskritiker sollte es doch – jenseits aller möglichen theoretischen Scharmützel – eine anschlußfähige Position sein, zunächst zum einen die Privatisierung, Kapitalisierung und/oder Deregulierung derjenigen gesellschaftlichen Bereiche zurückzudrängen, die – um scharfe gesellschaftliche Segregation zu vermeiden – besser als öffentliche Güter organisiert wären: Gesundheit, Pflege, Bildung, Wohnen, Stadtentwicklung, soziale Sicherung etc. – Und auf der anderen Seite die Ziele demokratischer prokapitalistischer Kräfte zu teilen, die im Bereich der produzierenden Wirtschaft eine transparente Marktordnung gegen den oligarchischen, vermachteten Günstlingskapitalismus durchsetzen wollen.

Der “common sense” der aktuellen Funktionseliten scheint mir doch sehr robust zu sein und auch einen mittleren Kladderadatsch modifiziert überstehen zu können. Da kann ich einige hier immer mal wieder aufscheinenden Hoffnungen auf krisenbedingten Systemwechsel gar nicht teilen. Wenn man sich überhaupt so etwas wie eine gesellschaftliche Gegenmacht vorstellen will, die die aktuelle “Eliten”-Agenda aus der Spur wirft, dann müßte diese Gegenmacht m.E. breit aufgestellt sein, von prokapitalistischen Radikaldemokraten über die letzten “echten” Sozialdemokraten bis hin zu Leuten, die etwa vor einem konkreten kommunalpolitischen Hintergrund zu nicht-privatwirtschaftlicher und nicht-gewinnorientierter Organisation des Gemeinwesens neigen.

Von einem wie auch immer gearteten theoretischen Hochsitz aus die Agenda und die Prämissen der gesellschaftlichen Gegenmacht festlegen zu wollen, führt m.E. nur zu Isolation, Sektierertum und Salonrevoluzzertum. Und auf die ultimative Krise zu warten, damit alles besser wird… also Peter Licht hat so eine Haltung mal in seinem Lied vom “bösen Mann” karikiert: “Der böse Mann, der böse Mann/ soll tot sein, dann/ werden wir wieder glücklich sein, dann/ werden wir wissen, wer wir sind…”

@ SX

Ja, die Leute denken immer daran, ihren Arsch zu retten. Ist ja auch richtig so. Wie willst Du eine andere politische Agenda herbeiführen, wenn Du das allzumenschliche Motiv des Arschrettenwollens nicht aufgreifst, sondern vom Hochsitz aus diskreditierst?

Das Problem besteht ja wohl eher darin, daß die Eliten dem Michel suggestiv vertickern, der Elitenarsch sei der Arsch des Michels selber…

Daß der Kapitalismus den Menschen nun über ein historisches Maß hinaus besonders deformiert hat, mag ich nicht so recht glauben. Der Mensch ist eh ein ziemlich prekäres Wesen, und es gibt auch in der vorkapitalistischen Geschichte überreichliche Beispiele für menschliches Handeln, das vom humanistischen Standpunkt als unverständlich böse oder krank erscheinen muß.

Und was meinst Du mit der “Entwicklung konkurrierender Gesellschaftssysteme”?

Bolivien z.B.? Den Versuch dort finde ich wirklich bemerkenswert, aber ich halte es für unwahrscheinlich, daß dies für Europa bedeutsam wird… die Peripherie wird nicht mit einem der Zentren wedeln können.

Rußland und China? Sind nur andere Modelle eines vermachteten Kapitalismus. Rußland ist Rohstoffgroßmacht, China ist über “Chimerica” eine der Achsen des weltwirtschaftlichen Ungleichgewichts. Man sollte sich m.E. dagegen wenden, wenn diese Staaten hierzulande einseitig dämonisiert werden, um die eigene, europäisch/nordatlantische Oligarchie umso besser und progressiver aussehen zu lassen. Aber daß von dort ein Impuls für eine progressive Umgestaltung in Europa ausgehen wird, halte ich doch für sehr unwahrscheinlich.

Eine gesellschaftliche Gegenmacht hierzulande wird sich schon auf die eigenen Ressourcen besinnen müssen, auch die eigenen europäischen moralischen Ressourcen. Auf die Ausstrahlungskraft anderer Modelle zu hoffen, scheint mir ähnlich sinnlos wie das Hoffen auf die große bereinigende systemimmanente Krise.

"gg" August 30, 2012 um 17:32

@ Treidelstein

“Wenn man sich überhaupt so etwas wie eine gesellschaftliche Gegenmacht vorstellen will, die die aktuelle “Eliten”-Agenda aus der Spur wirft, dann müßte diese Gegenmacht m.E. breit aufgestellt sein, von prokapitalistischen Radikaldemokraten über die letzten “echten” Sozialdemokraten bis hin zu Leuten, die etwa vor einem konkreten kommunalpolitischen Hintergrund zu nicht-privatwirtschaftlicher und nicht-gewinnorientierter Organisation des Gemeinwesens neigen.”

Ist voll im Gange vom Finanzministerium bis zur Bürgerfragstunde der Gemeinde ;-) mit Jugendgruppe deren Anregungen aufgegriffen werden und die das mit Dank zurückgeben – gemeindewirtschaftlichen Handeln.
Und das erstaunliche – es tritt “universell” gegen die AbgehalftertenAgendaAuguren ein und auf.
Jeder wird seine Stärken versuchen einzubringen und der Umgang miteinander bereitet Freude.
Da kann auch mal gebrüllt werden, aber wenn das Mikro in der Hand ist kommt es auf Inhalte an ;-)

SoziologeX August 30, 2012 um 19:50

@TreidelsteinAugust 30, 2012 um 15:51
Keynesianer hat m.E. völlig recht damit, daß eine wirkungsvolle gesellschaftliche Gegenmacht gegen die aktuelle Oligarchie auf einer dezidiert antikapitalistischen Basis gar nicht denkbar ist.

Gegenwärtig nicht. Was nicht bedeutet, dass sich so etwas überhaupt nicht entwickeln kann.

Aber selbst für ausgewiesene Kapitalismuskritiker sollte es doch – jenseits aller möglichen theoretischen Scharmützel – eine anschlußfähige Position sein, zunächst zum einen die Privatisierung, Kapitalisierung und/oder Deregulierung derjenigen gesellschaftlichen Bereiche zurückzudrängen …

Schöne Worte. Woher soll denn eine machtvolle Opposition kommen, die dazu in der Lage ist? In Deutschland sehe ich da nichts. Von der Parteien, den Gewerkschaften, den Kirchen, den Intelligenzschichten kommt da nichts, so wie in den vergangenen 20 Jahren von denen kein Widerstand gekommen ist. Und der politische Kurs in den USA, GB, D etc. geht in die andere Richtung. Und wenn Romney US-Präsident wird …

Der “common sense” der aktuellen Funktionseliten scheint mir doch sehr robust zu sein und auch einen mittleren Kladderadatsch modifiziert überstehen zu können. Da kann ich einige hier immer mal wieder aufscheinenden Hoffnungen auf krisenbedingten Systemwechsel gar nicht teilen.

Nicht heute, nicht morgen.
Aber wie wird das politische Verhalten der Mittelschichten in 5 oder 10 Jahren aussehen?

Ja, die Leute denken immer daran, ihren Arsch zu retten. Ist ja auch richtig so. Wie willst Du eine andere politische Agenda herbeiführen, wenn Du das allzumenschliche Motiv des Arschrettenwollens nicht aufgreifst, sondern vom Hochsitz aus diskreditierst?

Ich diskreditiere dies doch gar nicht, sondern beobachte und beschreibe dies lediglich.

Das Problem besteht ja wohl eher darin, daß die Eliten dem Michel suggestiv vertickern, der Elitenarsch sei der Arsch des Michels selber…

Wenn sich der Michel verarschen lässt, muss er eben die Konsequenzen tragen.

Daß der Kapitalismus den Menschen nun über ein historisches Maß hinaus besonders deformiert hat, mag ich nicht so recht glauben. Der Mensch ist eh ein ziemlich prekäres Wesen, und es gibt auch in der vorkapitalistischen Geschichte überreichliche Beispiele für menschliches Handeln, das vom humanistischen Standpunkt als unverständlich böse oder krank erscheinen muß.

Das besagt doch nur, dass das Menschheitsprojekt von Aufklärung und Humanismus im Kapitalismus zum Scheitern verurteilt ist.

Und was meinst Du mit der “Entwicklung konkurrierender Gesellschaftssysteme”?

Allgemein gesagt meine ich damit Gesellschaftssysteme, die eine andere Entwicklung als das kapitalistische „Empire“ nehmen. Z. B. mit wachsendem allgemeinem Wohlstand.

Eine gesellschaftliche Gegenmacht hierzulande wird sich schon auf die eigenen Ressourcen besinnen müssen, auch die eigenen europäischen moralischen Ressourcen.

Es scheint nicht mehr viel übrig geblieben zu sein von den „europäischen moralischen Ressourcen“, die Europa zur Zeit der Aufklärung und des Humanismus einmal entwickelt hatte.
Ohne den Sieg der Roten Armee würde in Deutschland wahrscheinlich noch heute die Nazi-Barbarei herrschen.

Auf die Ausstrahlungskraft anderer Modelle zu hoffen, scheint mir ähnlich sinnlos wie das Hoffen auf die große bereinigende systemimmanente Krise.

Man wird sehen. Es kann durchaus sein, dass Europa ein schlimmes soziokulturelles und ökonomisches Niedergangsszenario erlebt.

Systemfrager August 30, 2012 um 23:26

@SoziologeX !!!
Ich kenne persönlich sehr (!!!) gut mehrere Söhne der Menschen, die damals mehrere Jahre ihr Leben dem Kampf für “eine andere Welt” gewidmet haben. Ich meine es buchstäblich: Sie waren mehrere Jahre mit einem Fuß im Grab – von der Kälte und Hunger ganz zu schweigen. Und ihre Söhne?
Ich debatiere mit ihnen über viele interesanten Sachen aus Technik, Kultur, Kunst, Politik … aber … für diese Söhne ist die Weltanschauung ihrer Väter etwas, wie aus einer anderen Galaxie. Eigentlich wollen sie davon nichts wissen … Sie sind 100% Opportunisten, 100% Konformisten, 100% Zyniker … (obwohl sie persönlich “arme Schweine” sind)
Wie erklärt man das? Biologisch (Gene) ganz bestimmt nicht!
Ich nehme an, unter bestimmten Umständen wird ein Mensch auf einmal (gestalt-switch) ein anderer.

Es ist nicht das Bewusstsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewusstsein bestimmt.

Karlchen

SoziologeX August 31, 2012 um 19:42

Noch ein eine Anmerkung zum Thema Reformen versus Systemkritik.

Die Positionen der Marxisten in der frühen Sozialdemokratie hat Rosa Luxemburg in „Sozialreform oder Revolution?“ 1899 formuliert, nämlich „Ja“ zur Sozialreform, wenn diese dem gesellschaftlichen Fortschritt dient.

Was @Keynesianer jedoch behauptet, nämlich dass Marxisten gegen Reformen seien, war und ist eine alte und gängige Behauptung von Rechten, nämlich die Unterstellung, Marxisten betrieben mit Reformverhinderung eine „Verelendungsstrategie“, aber dies ist eine zur fixen Idee gewordene Fiktion und widerspricht den historischen Tatsachen.

Nun macht das Engagement bzw. der Kampf für Reformen nur einen Sinn unter zwei Bedingungen, nämlich

1. dass diese einen tatsächlichen gesellschaftlichen Fortschritt darstellen
und
2. dass eine realistische Chance besteht, diese Reformen zu erreichen.

Dass setzt voraus, dass es starke Reformkräfte gibt und auf Seiten der Herrschenden die Bereitschaft existiert, „Klassenkompromisse“ zu schließen.

Diese Konstellation ist längst nicht mehr gegeben. Sozialdemokratie und korrupte Gewerkschaftsführungen haben die Seiten gewechselt, die herrschende Klasse ist nicht mehr „Klassenkompromissen“ bereit, sondern führt im Gegenteil einen regelrechten „Klassenkrieg von oben“.

Dass sich so starke Gegenkräfte entwickeln, dass in Zukunft Klassenkompromisse erzwungen werden können, ist nicht zu erwarten. Das ist eben anders als zu Bismarckszeiten, wo der Sozialstaat von oben(!!!) als Angebot eines Klassenkompromisses zur Lösung der „sozialen Frage“ eingeführt wurde, eben weil es eine starke Bewegung mit Ziel einer sozialistischen Gesellschaftsveränderung gab.

Wenn sich jedoch in Zukunft starke Gegenkräfte entwickeln sollten, dann wäre doch eine Restauration des „alten Kapitalismus“ geradezu idiotisch.

Denn warum sollten die kapitalistische Marktwirtschaft und damit die Kapitalistenherrschaft erhalten bleiben, wenn sich so starke Gegenkräfte herausbilden, dass dieses menschenfeindliche System mittels Strukturrevolutionen überwunden werden kann?

Das macht von der Logik her kein Sinn.

Wenn „Reformer“ wie topi, Treidelstein, Keynesianer et al. das kapitalistische System erhalten wollen, dann sollen sie ihre Gründe dafür offenlegen.

Denn politisch-praktisch läuft das Konzept der „Reform-Linken“ nur auf Systemerhalt hinaus. „Breite Bündnisse“, wo dann Regierungsmitglieder der Sozialdemokraten und der Grünen mitdemonstrieren, das hatten wir doch alles in den vergangenen drei Jahrzehnten. Dass dies objektiv ein Konzept der Verhinderung von gesellschaftlichen Strukturrevolutionen ist, muss man gar nicht (mehr) theoretisch ableiten, das belegt allein die Erfahrung.

Wer für die Transformation des Kapitalismus in ein menschenfreundliches System ist, muss daher Konzepte für die Transformation des alten Systems entwickeln. Gerade dies machen diese „Reform-Linken“ jedoch nicht, sondern verhindern dies mit ihrer Orientierung auf Systemrestauration mittels Reformen.

h.huett August 31, 2012 um 19:52

Sx

Schnarrt aus dem Hotel Lux gegen die Abweichler und rüstet den Keller auf, um sie auf Linie zu bringen?

Keynesianer August 31, 2012 um 20:46

@SoziologeX

“Wenn „Reformer“ wie topi, Treidelstein, Keynesianer et al. das kapitalistische System erhalten wollen, dann sollen sie ihre Gründe dafür offenlegen.”

Zunächst einmal sind die makroökonomischen Krisenerklärungen, wie sie von @Jörg oder @topi hier oft genug ausgeführt wurden, einfach logisch. Da frage ich mich dann, warum der Beifall aus den Kreisen der Weltrevolution ausbleibt. Zumindest für die Logik der Erklärung der makroökonomischen Zusammenhänge, auch wenn man mehr will, also den völligen Umsturz der Verhältnisse, könnte man ja die Logik des Keynesianismus einmal anerkennen.

Stattdessen der Quark mit der Werttheorie, dass die Kapitalisten nicht mehr genug “lebendige Arbeit” in Profite verwursten könnten und deswegen der Kapitalismus sich demnächst selber auflösen würde. Das hat mir schon als Jugendlichem nicht einleuchten wollen.

Was @Keynesianer jedoch behauptet, nämlich dass Marxisten gegen Reformen seien, war und ist eine alte und gängige Behauptung von Rechten, nämlich die Unterstellung, Marxisten betrieben mit Reformverhinderung eine „Verelendungsstrategie“, aber dies ist eine zur fixen Idee gewordene Fiktion und widerspricht den historischen Tatsachen.

Meine Behauptungist ja eine andere, dass Marx und seine Anhänger bis heute ganz einfach Agenten des Systems waren. Für jeden, der jetzt nicht Psycho- oder Soziologe ist, sondern etwas Erfahrung mit den fünften Kolonnen hat, ist das eh auf den ersten Blick in die Biografien schon klar.

So läuft das halt in der Praxis der Politik. Das “Konzept für die Transformation des alten Systems” müsste ja damit beginnen, dass die eigenen Leute erst einmal einen Blick dafür bekämen, wer wirklich auf welcher Seite steht und woran man das professionell erkennt. Sonst brauchen wir mit Umsturzplänen gar nicht anzufangen.

Profis der Revolution würde man also erst einmal daran erkennen, dass sie auf keinen Fall und für keine Millisekunde auf den guten Charlie in London reinfallen. ;)

wivo August 31, 2012 um 21:03

@Keynesianer
Nun ja, das “Konzept für die Transformation des alten Systems” bei sX besteht ja in der Praxis, so weit man sehen kann, darin, dass er auf seinen “Hochsitz des Soziologen” klettert und von dort den Rest der Welt als Idioten und Doofe beschimpft. Den Kapitalismus, wenn er denn zuhört, wird das nicht groß stören.

SoziologeX August 31, 2012 um 21:27

@h.huettAugust 31, 2012 um 19:52
Schnarrt aus dem Hotel Lux gegen die Abweichler und rüstet den Keller auf, um sie auf Linie zu bringen?

Schon wieder ein Versuch der Diffamierung.

Offensichtlich soll der Hinweis auf das „Hotel Lux“ und das Gerede „gegen die Abweichler“ mich assoziativ in die Nähe der Stalinisten und des stalinistischen Terrors bringen.

Gelingt aber nicht. Denn wer meine Beiträge gelesen hat, weiß, dass ich dem „Marxismus“ kritisch gegenüberstehe, den „Marxismus-Leninismus“ ablehne und die Charakterisierung des Stalinismus als „rotes Terrorregime“ teile.

Tatsächlich erinnert Ihre eigene Vorgehensweise der Diffamierung Andersdenkender sowie nicht-systemkonformer Meinungen an die Praxis von Meinungswächtern in autoritären Regimes.

Insofern liegt es nahe, die Erwähnung des „Hotel Lux“ aus Ausdruck realitätsverleugnender Prozesse anzusehen, welche die Psychoanalyse als narzisstische Selbstidealisierung und projektive Gegenidentifikation bezeichnet.

SoziologeX August 31, 2012 um 21:46

@wivoAugust 31, 2012 um 21:03
Nun ja, das “Konzept für die Transformation des alten Systems” bei sX besteht ja in der Praxis, so weit man sehen kann, darin, dass er auf seinen “Hochsitz des Soziologen” klettert und von dort den Rest der Welt als Idioten und Doofe beschimpft. Den Kapitalismus, wenn er denn zuhört, wird das nicht groß stören.

Nicht den „Rest der Welt“, sondern jene, die irrational oder dumm gegen ihre Interessen handeln.

So wie „Hans-im-Glück“.

Oder jene „Grubengräber“, die nicht begreifen, dass sie es selbst sind, die früher oder später in die Grube fallen.

Die Bumerangwerfer, die später vom eigenen Bumerang erwischt werden.

So wie die deutschen Gartenzwerge, die sich für überlegene Herrenmenschen hielten.

Den Kapitalismus, wenn er denn zuhört, wird das nicht groß stören.

Zumindest solange nicht, wie er genügend Idioten und Doofe findet, sich ausbeuten und betrügen lassen.

Andreas Kreuz August 31, 2012 um 22:18

Wenn man den Untergang der DDR vor und hinter den Kulissen aus nächster Nähe erlebt hat, dann ist es schon erstaunlich, wie sich viele Bilder, Reaktionen, verkleisterte Augen, Bretter vor’m Kopf und fauchend vorgetragene Beschimpungen ähneln… ;-)

Es verleiht aber auch die Möglichkeit, sich gelassen zurücklehnen zu können, gemäß dem alten Kriegsrat am Ufer wartend, bis die Leichen der Feinde vorbeitreiben. ( *sfg*)

"gg" August 31, 2012 um 22:22

Samstag 1. September 2012
Monat des Farbebekennens
Rekapitalisierung nicht mehr real begründeter Vermögen = Schulden wird durch Märkte und Normalsteuerzahler erkannt, verworfen und zwingt zu anderen Lösungen .
Die Übervermögendumverteilten können ihre Bestände nur durch geringer erträgliche Finanzierungen langfristig sinnvoll nutzbarer Realinvestitionen nachhaltig sichern – freiwillig durch Einsicht.
Ansonsten Haircut, Aufzehrung/Verbrauch und Inflationierung ohne Ersatz/Wiederbeschaffung. Schuldenerlasse.
Weiterhin hat die Manipulation des Zins- und Handelssystems die eigene Existensberechtigung negiert. Folge wird die Nirwahnisierung sein. Europäische Badbanker sind die Reziprozität notwendigen Privatbankentums auf Vertrauensbasis. Aber wer die Selbstkontrolle verloren hat ist nicht mehr zurechnungsfähig verantwortbarer Geschäftsführer.
Das Interesse und die Selbstorganisation von Gesellschaften wird sich der Gescheiterten entledigen eine unwiderkehrbare Entfernung schöpfen.
Was gibt es offensichtlicheres als den vermeintlich Heilsbringenden Betrüger an der Spitze der Geldschöpfungsquelle als Sinnbild .

h.huett August 31, 2012 um 23:33

Sx

Was heißt hier Versuch? Die “Geradlinigkeit” dieses pensionierten Beckmessers wird nur noch übertroffen durch den Wiederholungszwang, durch den er hier uns vergeblich Einsicht in seine steile historische Kauzigkeit aufzwingen will, eine Figur der finstersten nur denkbaren Isolation. Ich frage mich, wie wenig der vorgeblich psychoanalytischen Praxis diesen Goldküstenrentner je erreicht hat, wenn es um die Frage der Übertragung, der Abwehr und der Projektion gegangen sein mag.

Oder ich könnte danach fragen, mit welchem Hohn ein Theo Pinkus auf dieses Fragezeichen in der Camouflage eines priapistischen Ausrufezeichens reagiert hätte. Oder wie Richard Dindo über den emigrierten Piefke spotten würde.

Unentschieden für mich, ob ich dem Spott oder dem Bedauern über seine Lächerlichkeit Oberhand gewähre.

SoziologeX September 1, 2012 um 14:05

@Andreas KreuzAugust 31, 2012 um 22:18
Wenn man den Untergang der DDR vor und hinter den Kulissen aus nächster Nähe erlebt hat, dann ist es schon erstaunlich, wie sich viele Bilder, Reaktionen, verkleisterte Augen, Bretter vor’m Kopf und fauchend vorgetragene Beschimpungen ähneln…

An die „DDR“ erinnert hier insbesondere der systemkonforme Meinungswächter, der Andersdenkende und Kritiker diffamiert und zensuriert.

So sind sie eben die Kleinbürger, die sich – egal in welchem System – in der Erwartung persönlicher Vorteile oder Vermeidung befürchteter Nachteile ihren Herren „andienen“. Nicht selten mit „vorauseilendem Gehorsam“.

Freier Bürger mit selbstbestimmter Meinung kann man eben nur sein, wenn man über existentielle Souveränität verfügt, charakterlich und ökonomisch.

Wer – wie der Kleinbürger – sich in existentieller Abhängigkeit befindet, der passt sich an, auch in seiner Meinung, weil er befürchtet, ansonsten die Gunst seiner Arbeitgeber oder Auftraggeber zu verlieren. Das gilt insbesondere für die Dienstleister im ideologischen Bereich.

Weil die meisten Kleinbürger das Selbstideal eines autonomen Bürgers besitzen, können sie es sich selbst gegenüber jedoch nicht eingestehen, dass sie als abhängiger Kleinbürger genau dessen Gegenteil eines freien Bürgers darstellen. Als ich-schwache Individuen können sie die narzisstische Kränkung nicht aushalten und reagieren unbewusst mit Realitätsverleugnung.

Dieser Selbstbetrug führt dann zum Phänomen der kognitiven Dissonanz. Sie plappern die Meinung ihrer „Herren“ nach, aber beharren darauf, dass dies ihre eigene selbstbestimmte Meinung ist.

Wechselt die Meinung ihrer Herren oder wechseln die Herren, dann wechselt auch ihre Meinung. Ganz selbstbestimmt.

Spatzelchen
Andersdenkende? Achte ich, wenn sie denken, egal ob anders als ich oder als andere. Diese verewigte Wiederholungstaste darüber, was mit “den Menschen” geschieht, fällt nicht unter die Rubrik des “Denkens”, auch nicht des “Andersdenkens” oder gar des “Selberdenkens”, was als Tarnadresse ein toller Pleonasmus ist. Dieser Herr ist nicht einmal im eigenen Oberstübchen Herr seiner selbst. Wer hier wen diffamiert, das brauchen wir nicht weiter zu erörtern. Der Abgang ist erfolgreich erprobt. Ich bitte um Wiederholung.

HH

SoziologeX September 1, 2012 um 16:10

@HH
Andersdenkende? Achte ich, wenn sie denken, egal ob anders als ich oder als andere. Diese verewigte Wiederholungstaste darüber, was mit “den Menschen” geschieht, fällt nicht unter die Rubrik des “Denkens”, auch nicht des “Andersdenkens” oder gar des “Selberdenkens”, was als Tarnadresse ein toller Pleonasmus ist. Dieser Herr ist nicht einmal im eigenen Oberstübchen Herr seiner selbst.

Diffamiert und zensiert wird von Hütt also nicht das Andersdenken, welches angeblich von ihm sogar geachtet wird, sondern Meinungen und Positionen, die nicht unter die Rubrik des „Denkens“ fallen.

Ja, nach so einem Schema wurde in der DDR argumentiert, so wie in anderen totalitären Systemen auch. Das war dann in der DDR „anti-sozialistisches“, bei den Nazis „undeutsches“ Denken.

Dieser Herr ist nicht einmal im eigenen Oberstübchen Herr seiner selbst.

Auch das kennen wir aus totalitären Systemen, nämlich Dissidenten zu psychiatrischen Fällen zu erklären.

Hütt versucht hier – ganz argumentfrei -zu bestimmen, wer aufgrund seiner Meinungsäußerung „im eigenen Oberstübchen Herr seiner selbst“ ist oder nicht.
Vermutlich, weil er in der gesellschaftlichen Realität nichts Relevantes zu bestimmen hat, versucht er hier im Blog seine Größenphantasien auszuleben.

Wilhelm Reich hat sich in „Hör zu, kleiner Mann“ mit der Psyche der „kleinen Männer“ befasst.

Aber ehrlich gesagt, Hütts Motive und seine Psyche interessieren mich nicht. Und eine Fortsetzung dieser Art von Kommunikation auch nicht.

Schon erstaunlich, zu welchen Zwecken sich ein vorgeblicher Psychoanalytiker auf Wilhelm Reich beruft. Pathologisiert erst die ganze Welt (außer Mutti und sich selbst) und wundert sich über das Echo. Sorry, guy, falsch verbunden.

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