Romneys Verrat an der amerikanischen Verfassung

by f.luebberding on 18. September 2012

Wahlkämpfe haben in den USA ihre eigenen Gesetze. So gilt bis heute der Kandidat der Demokraten von 1988, Michael Dukakis, als der klassische Wahlkampf-Versager. Er wurde im Verlauf der Kampagne den Verdacht der Konservativen, ein Schwächling zu sein, nicht mehr los – und verlor in demütigender Weise gegen den älteren Bush. Jetzt ist ein Video über Mitt Romney aufgetaucht. Er äußerte sich dort über jene Amerikaner, die ihn nicht wählen werden, weil sie vom Staat nichts anderes erwarteten als für sie die Verantwortung zu übernehmen. Nun lassen wir einmal den Hinweis auf den notorischen Steuerreduzierer Romney. Oder seine Funktion als Gallionsfigur der amerikanischen Superreichen. Unter Wahlkampfgesichtspunkten hat er nämlich recht: Es ist sinnlos, den Anhängern seines politischen Gegners hinterherzulaufen. Mittlerweile ist es sogar fraglich, ob man überhaupt noch von Gegnerschaft reden kann – oder es sich hier nicht um Feinde in einer hoch polarisierten Gesellschaft handelt. Aber wo es jetzt das Problem Romneys?

Das findet man in einem einzigen Satz:

“Mein Job ist es nicht, mich um diese Leute zu kümmern”

Damit hat Romney sein politisches Todesurteil unterschrieben. Im Präsidenten verkörpert sich die amerikanische Nation als Ganzes.

“Schon im 19. Jahrhundert wurde durch die faktische Demokratisierung des Wahlmodus der Präsident zum “Volkstribun” hochstilisiert, der Wahlvorgang selbst zum populären, aufregenden “Pferderennen”, an dem das gesamte Wahlvolk teilnahm. Als einziger von einem bundesweiten Elektorat gewählter Amtsinhaber wurde der Präsident in seinem eigenen  Selbstverständnis wie wohl auch dem Verständnis der Bevölkerung der Vertreter der Nation als Ganzes, gegenüber den partiellen, vielfältigen lokalen und regionalen Interessen, die im Kongreß vertreten sind. In dem Maße, indem die die Vereinigten Staaten  ein genuin nationales Bewusstsein entwickelten, die Bindung an den Einzelstaat nicht mehr die primäre war, wurde der Präsident Symbolfigur dieser nationalen Einheit.” (Kurt L. Shell)

Mitt Romney erweckt in dem Video noch nicht einmal den Anschein, dass er diese Rolle als Symbolfigur der nationalen Einheit ernst nehmen könnte. Er hat sich selbst entblößt – als bl0ßer Interessenvertreter. Seine Entlarvung kann man sich in Zukunft schenken. Romney hat die amerikanische Verfassung in ihren Grundfesten erschüttert. Er sollte die Gettysburg Botschaft von Abraham Lincoln lesen, wenn er wissen will, warum das so ist. Selbst mitten im Bürgerkrieg hat Lincoln anders geredet als Romney im Jahr 2012.

Es ist die Aufgabe jedes Präsidenten, sich um alle Amerikaner zu kümmern.

Man kann nur um den Weg streiten, wie das am Besten zu geschehen hat.

Romney hat nicht einfach einen Fehler gemacht. Kein US-Präsident, und mochte es ein Halunke wie Richard Nixon oder ein Versager wie der jüngere Bush sein, vermochte bisher die Aura des Amts zu zerstören. Mitt Romney betrachtet es dagegen als bloßes Geschäft – und formuliert es auch noch so. Immerhin braucht Romney jetzt niemand mehr Verlogenheit vorwerfen. Er ist schonungslos ehrlich. Und allein aus dem Grund wird Romney die Wahlen krachend verlieren. Soviel Ehrlichkeit eines geistlosen Geschäftsmannes verträgt die amerikanische Verfassung nicht.

Das sollte heute deutlich geworden sein. Obama wird sich bedanken.

{ 148 comments }

Doktor D September 18, 2012 um 12:19

Live und exklusiv (und total geheim gefilmt): Heute morgen im Obama Team Meeting: http://www.youtube.com/watch?v=OQybajU2GNk&feature=related

Doktor D September 18, 2012 um 12:26

Auch unter Wahlkampfgesichtspunkten ist seine “Analyse” sch…xxe: Unter den 47 Prozent befinden sich der Großteil der weißen Rentner und Pensionäre, die das Rückgrat der Tea Party bilden, genauso wie die viele weiße männliche Amerikaner ohne höheren Abschluss, die auch typisches GOP-Publikum sind. Außerdem: die meisten Militärangehörigen. Da schreiben sich die Obama Campaign-Videos und -Anzeigen ja quasi von selbst.
Und was man so hört vom Mother Jones-Umfeld, gibt es da noch ein paar andere schöne Aussagen mit Video dokumentiert. Ich setze Geld, dass da auch ein super rassistischer Witz von Romney dabei ist.
Auch Herr Romey scheint zu wissen, dass es eigentlich vorbei ist. Seine Not-Pressekonferenz zeigt ihn ganz und gar nicht sein usual robotic smirking self: http://www.youtube.com/watch?v=UwptutZ4jPA&feature=player_embedded

Ludwig Büchner September 18, 2012 um 12:30

Zum 25. Jubiläum kann man das ja noch mal für alle zitieren:
“I think we’ve been through a period where too many people have been given to understand that if they have a problem, it’s the government’s job to cope with it. ‘I have a problem, I’ll get a grant.’ ‘I’m homeless, the government must house me.’ They’re casting their problem on society. And, you know, there is no such thing as society. There are individual men and women, and there are families. And no government can do anything except through people, and people must look to themselves first. It’s our duty to look after ourselves and then, also to look after our neighbour. People have got the entitlements too much in mind, without the obligations. There’s no such thing as entitlement, unless someone has first met an obligation.”
Frau Thatcher hat das damals so gemeint und so wird es heute immer noch verstanden. Nur, natürlich nicht laut gesagt.

f.luebberding f.luebberding September 18, 2012 um 12:35

Doktor D

Guter Hinweis auf die Zusammensetzung des GOP-Publikums. Werde ich im Text verlinken.

Lazarus09 September 18, 2012 um 12:39

Romney..Romney..Romney… ist das nicht der Romney der die ehemalige Alaska Gov. Sarah Palin zum Vorbild hat, die Sarah Palin deren IQ knapp über der durchschnittlichen Tagestemperatur ihres Bundesstaates im Winter liegt ? :-D

Doktor D September 18, 2012 um 12:39

@fl: Hier fummelt Derek Thompson vom Atlantic die 47 Prozent mit der Hilfe von einigen anderen Analysten auseinander: http://www.theatlantic.com/business/archive/2012/09/the-47-who-they-are-where-they-live-how-they-vote-and-why-they-matter/262506/

kurms September 18, 2012 um 12:44

Bin gespannt wie lange es dauert bis Clint Eastwood sein “I think it’s time for a businessman” zurückzieht.

Lazarus09 September 18, 2012 um 12:46

In politics stupidity is not a handicap. !!! Always remember this !!

f.luebberding f.luebberding September 18, 2012 um 12:51

kurms

Eastwood wird sich schämen.

h.huett September 18, 2012 um 12:55

kurms

Eastwood hat, was viele hier nicht verstehen, einen guten Eindruck bei denen gemacht, auf die Romney mit seiner Bemerkung zielt. Hintergrund dafür ist der Streit zwischen ihm und Obama zum Thema “You haven´t build that”, also der Frage, welche Voraussetzungen die Infrastruktur usw für die Verwirklichung des individuellen amerikanischen Traums bereitstellt.

Der Sozialdarwinismus Romneys zielt auf diejenigen unabhängigen Wähler, die dieser These anhängen. Und Doktor D: der Hinweis auf die Food Stamps und Medicare für die Alten übersieht die kognitive Dissonanz genau bei dieser konservativen Klientel. So leid mirs tut: Dieses Rennen ist noch lange nicht entschieden.

topi September 18, 2012 um 13:00

Aber Frank, du sieht das völlig falsch!

Er kümmert sich doch, besonders liebevoll. Da muss man den Schäfchen schon mal die Hängematte wegnehmen, in die sie sich so bequem gelegt haben!

Dir reicht die Kohle nicht, na dann such dir einen Vierten Job!

Deine Kinder sind 14, warum müssen sie soviel in der Schule rumhängen?

kommt dann nächstes Mal, wenn die Teebeutel komplett übernommen haben, weil ja so ein moderater Schlaffi wie Romney verloren hat. :roll:

Doktor D September 18, 2012 um 13:03

@hh: So optimistisch bin ich auch nicht, dass damit alles geklärt ist (wobei die PK schon sehr schlimm war für Romney). Aber Romneys Wahlkampf muss sich ja an die Independents richten, GOP Die Hards allein werden ihn nicht zum Präsidenten machen. Und die kann Obama mit dieser Steilvorlage jetzt super angehen.

topi September 18, 2012 um 13:03

“Dieses Rennen ist noch lange nicht entschieden.”

Richtig.
Jeder, der sich bei den reichsten 2 Prozent wähnt, weiß nun, wen er wählen muss.

Nun könnte man denken, dass ist nur eine sehr kleine Zielgruppe, aber wir kennen ja unseren Joe Sixpack. :roll:

Und die Hardcore-Fraktion wählt ohnehin keinen schwarzen unamerikanischen Kommunisten, egal, wer was warum sagt.

f.luebberding f.luebberding September 18, 2012 um 13:08

Hütt

Wir werden erst im November das Ergebnis kennen. Aber der Drops ist gelutscht. Romney muss noch drei Debatten mit Obama bestehen. Und jenseits der ökonomischen Lage wird er nicht mehr erläutern können, warum er der Präsident aller Amerikaner sein könnte. Obamas Fehler in der ersten Amtszeit war sein Vertrauen auf die überparteiliche Zusammenarbeit im Kongress. Das gab es noch vor 30 Jahren, aber heute angesichts der Polarisierung und der Rechtswende der GOP nicht mehr. Nur wollen die Amerikaner in ihrer Mehrheit keinen Präsidenten, der nicht mehr die Nation repräsentiert. Der junge Bush konnte noch mit dem Schlagwort vom “mitfühlenden Konservativismus” punkten. Auch zu seiner Zeit gab es von ihm Äußerungen zugunsten der fat cats auf solchen Spenderveranstaltungen. Aber das war alles vor dem Desaster seiner zweiten Amtszeit. Und mittlerweile werden viele Amerikaner der Polarisierung überdrüssig sein – und sie wissen, was ihre Verfassung bedeutet. Romneys Chance – und das bringt er durchaus zum Ausdruck – war die schlechte Wirtschaftslage. Aber damit wird er jetzt nicht mehr punkten können.

kurms September 18, 2012 um 13:09

@topi

Naja, Joe Sixpack hält sich vielleicht eher für die gehobene Mittelschicht. Und hat jetzt vermutlich weniger Lust wählen zu gehen.

Lazarus09 September 18, 2012 um 13:10

h.huett

Die Leute wollen glauben, also belogen sein . Wenn ein Politiker “ehrlich” sagt fuer wen er eigentlich arbeitet welche Seilschaften und Goenner zu bedienen sind ,ist er untendurch.
Das Bild eines Presidenten , Kanzler oder Regierung als dem Waehlerauftrag verpflichtet nur das beste fuer’s Volk wollend will der Buerger haben, weil nicht sein kann ,was nicht sein darf. Obwohl es jeder sehen kann, wie die Realitaet aussieht .

Illusion .. Freiheit , Gleichheit, Chancengleichheit , Demokratie etc.

Gregor Keuschnig September 18, 2012 um 13:21

Ich stimmt Hans Hütt zu, dass das Rennen noch nicht entschieden ist. Romney spricht in einer Mischung aus Dummheit und Ehrlichkeit womöglich nur das aus, was seine Klientel längst denkt. Und diese Klientel besteht – für mich immer wieder überraschend – aus den schätzungsweise anderen 47 oder 48%. Freilich wäre schon für Obama einiges gewonnen, wenn potentielle Konvertiten einfach zu Hause bleiben würden, wenn sie denn, wie f.lübberding meint, der Polarisierung überdrüssig sind. (Ich will nicht das Fass aufmachen, dass man sich im Obama-Lager womöglich zu früh auf den Überdruss der potentiellen Romney-Wähler freut…)

Interessant ist die Frage, wieviele Amerikaner tatsächlich diesen “Verrat” an der Verfassung bemerken und diese Situation nicht längst als Status quo verinnerlicht haben.

Lazarus09 September 18, 2012 um 13:29

Gregor Keuschnig

Interessant ist die Frage, wieviele Amerikaner tatsächlich diesen “Verrat” an der Verfassung bemerken

Genausoviele ,wie Michels den Verrat der sPD . Da wird sich eventuell auch wieder entbloedet am Wahltag. Nur wenn der Kandidat es laut ausposaunt sieht der Fall anders aus. Wer waehlt z.B. Steinbrueck wenn der auch noch sagen wuerde das ihm die H4′ler und kleinen Leute an der Hose vorbeigehen ?

..zurueck zum Ami, belogen wird der wie gewohnt eh von jedem, nur will er nicht noch mit der Nase draufgedrueckt werden, so pervers wird er nicht sein ;-) Romney hat’s schwer ..

f.luebberding f.luebberding September 18, 2012 um 13:41

Keuschnig

Das hatte man übrigens auf der Linken immer Obama zum Vorwurf gemacht. Dieser Versuch der überparteilichen Regierung. Sein Einknicken vor der Rechten. Obamas größtes Problem war seit Beginn des Wahlkampfes, dass er sein eigenes Lager nicht mobilisieren könnte. Der Frust über ihn zu groß ist: Jetzt unabhängig von der Frage, ob das nun begründet ist oder nicht. Romney musste deshalb versuchen, die programmatischen Differenzen nicht eskalieren zu lassen, etwa durch Tea Party Parolen. Seine Äußerungen haben das jetzt zerstört. Und unter Umständen kann das auch eine Wende in der US-Politik einleiten. Wie gesagt: Unter Umständen … . Letztlich muss aber jeder Präsident den Abstieg von der Hybris der alles dominierenden Hegemoialmacht organisieren. Aber das ist ein anderes Thema.

h.huett September 18, 2012 um 14:38

Ein O-Ton von meinem Lieblings-Limericker Dr. Goose

Unguarded remarks are the bane
Of many a White House campaign;
It’s hard to promote
The popular vote
From people you clearly disdain.

For example said Governor Romney,
The Republicans’ President nom’nee:
“47%
Will never consent
To pull their weight in our econ’my.”

While confiding in generous friends,
Mr. Romney ineptly offends,
Since half of the tax-free
Are elderly, actually,
On whom his election depends.

Carlos Manoso September 18, 2012 um 15:38

@ f.luebberding September 18, 2012 um 13:41
„Romney musste deshalb versuchen, die programmatischen Differenzen nicht eskalieren zu lassen, etwa durch Tea Party Parolen. Seine Äußerungen haben das jetzt zerstört. Und unter Umständen kann das auch eine Wende in der US-Politik einleiten. Wie gesagt: Unter Umständen … . Letztlich muss aber jeder Präsident den Abstieg von der Hybris der alles dominierenden Hegemoialmacht organisieren.“

Lübberding, der Privatkonsum macht in den USA eine seit Jahrzehnten stetig ansteigende Quote von rd. 70% des BIP aus, während die Konsumquote in Europa seit Jahrzehnten stabil bei rd. 57% liegt.
http://www.macroanalyst.de/us-2-konsum.htm

Der Saldo der Leistungsbilanz der USA weist seit 1980 im Durchschnitt minus 2,7% des BIP aus. Die USA müssen also seit Jahrzehnten ununterbrochen Kapital in Höhe von hunderten Milliarden US-Dollar importieren. Offiziell ausgewiesen werden seit 2006 die US-Kapitalimporte mit über 800 Mrd. Dollar jährlich; die USA absorbieren also mehr als 75% der „Kapitalersparnisse“ der gesamten Welt. Aktuell absorbiert das System der USA jährlich 3,1% zusätzliches Geldkapital von außerhalb der USA.

In der Eurozone weist dagegen der Saldo der Leistungsbilanz derzeit nur 0,6% des BIP aus. Die Eurozone ist daher auf Kapitalimporte von nur ca. 60 Mrd. EUR pro Jahr angewiesen

Im Mai 2012 waren bereits 23,3 Millionen US-Haushalte auf Essensmarken angewiesen, das sind statistisch 46,5 Millionen Amerikaner.

Romney bezeichnet 47% der US-Wähler als „Looser“, weil diese glauben, dass „die Regierung verpflichtet ist, sich um sie zu kümmern, dass sie Anspruch haben auf eine Gesundheitsfürsorge, auf Lebensmittel, Wohnung, was auch immer“. (Romney). Romney verspricht im US-Wahlkampf 12 Mio. neue Jobs. Diese 12 Mio. neue Jobs können die „free enterprises“ lt. Romney schaffen, wenn die US-Löhne lt. liberaler Ideologie dramatisch abgesenkt werden.

Im Kern werden die USA ihre steigenden Kapitalimporte immer weniger beschaffen können, weil das das einzige weltweite Erpressungsinstrument der USA, ihre Militärmaschine, in wenigen Jahren nur noch ein Schatten seiner heutigen Übergröße sein wird und definitiv kollabiert, wenn der Dollar kollabiert. Der brutale Druck auf die US-Konsumquote muss zwangsläufig zu breiten Aufständen in den Zusammenbruchszonen der USA führen, die von der Militärmaschine der USA niedergeschlagen werden.

Wenn Romney über die 47% der US-Wähler sagt: “Ich werde sie nie überzeugen, dass sie Verantwortung übernehmen und sich um ihr eigenes Leben kümmern müssen,” liest sich das wie ein Todesurteil über Millionen Amerikaner.

Verglichen mit der negativen Lage der Amerikaner haben die Europäer noch eine faire Chance, wenn sie solidarisch die Eurozone mit allen Mitteln zusammenhalten.

wowbagger September 18, 2012 um 15:58

moin @all,

… in diesem zusammenhang gibt auch noch ein schönes statement von r. santorum; gefunden bei fefe:

” Rick Santorium mag die intellektuelle Kapazität eines Knäckebrots haben, aber eine Sache hat er verstanden: “We will never have the elite, smart people on our side”.

Stattdessen geht es bei den “Konservativen” dort unten am Bodensatz des Genpools um zwei Dinge, sagt er. Kirche und Familie. Alle Vorurteile bestätigt. ”

http://blog.fefe.de/

Doktor D September 18, 2012 um 16:03

Noch schöner als das von CM zitierte Statement:
“who believe that they are victims, who believe the government has a responsibility to care for them, who believe that they are entitled to health care, to food, to housing, to you-name-it. That that’s an entitlement. ”
Schick. Es wird auch echt langsam Zeit, dass die USian, die arm, alt und krank sind, sich zügig in die ewigen Jagdgründe selbst deportieren. Stört ja schließlich das Stadtbild und ruiniert die Immobilienpreise!

Dr. Goose September 18, 2012 um 16:13

Ich bedanke mich beim Herrn Hütt, und stimme auch mit Herrn Luebberding überein. Auch am Tag danach, die Tatsache, dass Herr Romney fast die Hälfte unseres Landes als hoffnungslos verantwortungslos sieht, finde ich atemberaubend.

sol1 September 18, 2012 um 16:19

In den Videos finden sich noch viel mehr interessante Sachen.

Z. B. wer tatsächlich die Kampagne für Romney erarbeitet:

I have a very good team of extraordinarily experienced, highly successful consultants, a couple of people in particular who have done races around the world. I didn’t realize it. These guys in the US—the Karl Rove equivalents—they do races all over the world: in Armenia, in Africa, in Israel. I mean, they work for Bibi Netanyahu in his race. So they do these races and they see which ads work, and which processes work best, and we have ideas about what we do over the course of the campaign. I’d tell them to you, but I’d have to shoot you.

Oder wie er sich eine wirtschaftliche Erholung nach seinr Wahl vorstellt:

They’ll probably be looking at what the polls are saying. If it looks like I’m going to win, the markets will be happy. If it looks like the president’s going to win, the markets should not be terribly happy. It depends of course which markets you’re talking about, which types of commodities and so forth, but my own view is that if we win on November 6th, there will be a great deal of optimism about the future of this country. We’ll see capital come back and we’ll see—without actually doing anything—we’ll actually get a boost in the economy.

http://www.motherjones.com/politics/2012/09/secret-video-romney-private-fundraiser

sol1 September 18, 2012 um 16:33

Die nächste Video-Lieferung:

(…)

During the freewheeling conversation, a donor asked Romney how the “Palestinian problem” can be solved. Romney immediately launched into a detailed reply, asserting that the Palestinians have “no interest whatsoever in establishing peace, and that the pathway to peace is almost unthinkable to accomplish.”

Romney spoke of “the Palestinians” as a united bloc of one mindset, and he said: “I look at the Palestinians not wanting to see peace anyway, for political purposes, committed to the destruction and elimination of Israel, and these thorny issues, and I say there’s just no way.”

Romney was indicating he did not believe in the peace process and, as president, would aim to postpone significant action: “[S]o what you do is, you say, you move things along the best way you can. You hope for some degree of stability, but you recognize that this is going to remain an unsolved problem…and we kick the ball down the field and hope that ultimately, somehow, something will happen and resolve it.”

Romney did note there was another perspective on this knotty matter. He informed his donors that a former secretary of state—he would not say who—had told him there was “a prospect for a settlement between the Palestinians and the Israelis.” Romney recalled that he had replied, “Really?” Then he added that he had not asked this ex-secretary of state for further explanation.

(…)

http://www.motherjones.com/politics/2012/09/romney-secret-video-israeli-palestinian-middle-east-peace

f.luebberding f.luebberding September 18, 2012 um 16:47

Romney bekommt jetzt von allen Seiten Prügel. Zwar wird die weltpolitische Stellung der USA in Asien entschieden, aber welche Antwort wohl Obama hat?

sol1 September 18, 2012 um 16:47

Übrigens hat Romneys Gastgeber einen Hang zur spätrömischen Dekadenz:

http://www.motherjones.com/mojo/2012/09/romney-secret-video-marc-leder-sex-parties

Carlos Manoso September 18, 2012 um 17:08

@f.luebberding September 18, 2012 um 16:47
„Romney bekommt jetzt von allen Seiten Prügel. Zwar wird die weltpolitische Stellung der USA in Asien entschieden, aber welche Antwort wohl Obama hat?“

Lübberding, die „weltpolitische Stellung der USA“ wird letztlich in der Eurozone entschieden. Der Zerfall der Eurozone –wie du sie hier dauernd halluzinierst- würde die Dominanz der Dollarzone incl ihrer diversen „Romneys“ natürlich noch um einige wenige Jahre verlängern..

f.luebberding f.luebberding September 18, 2012 um 18:11

Denke Obama hat den wunden Punkt erkannt … .

topi September 18, 2012 um 18:50

@ Carlos Manoso

Vorsicht bei der makroökonomischen Kompetenz deiner verlinkten Quelle!

Wer so tut, dass es der amerikanischen Volkswirtschaft so schlecht geht, weil die sparfaulen Amis alles verfressen, den nenne ich erstmal irgendwie nicht ganz dicht; er soll doch mal zeigen, welche konkrete Investition in den USA unterbleiben musste, weil Joe soviel konsumiert.

Und wenn man sich die Gesamtinvestitionsquoten im Vergleich ansieht, ist der Unterschied USA/EU eher gering.
Das ist der entscheidende Punkt, ob eine Gesellschaft “über ihre Verhältnisse” lebt.

In der heutigen Zeit ist aber der ganze Ansatz mehr als fragwürdig.
Es gibt keine Knappheit an Realgütern, die nicht in kurzer Zeit überwunden werden könnte.

Dann wird nicht wegen realen Mangels zu wenig investiert, sondern aus anderen Gründen. Vielleicht ist ja schlicht kein weiterer Bedarf an Produktionssteigerung, bei der vorhandenen Einkommensverteilung.
Oder weiterer Bedarf besteht an (teils)öffentlichen Gütern, die privat nicht entstehen/weniger entstehen, und die Staatsquoten sollen sinken.

Die realen Leistungsbilanzsalden sind schon imposant.

http://www.konicz.info/wp-content/uploads/2011/09/12-Leistungsbilanz-welt.jpg

Es gibt ja Leute, die sagen, die Kapitalbilanz dominiert die Handelsbilanz. Das ist zwar in der Schlichtheit sicher zu schlicht, vor allem die “Begründungen” warum dies so sei (“das wusste schon Böhm-Bawerk”; “Deutschland war so krank, dass das ganze Kapital Anfang der Nuller weglaufen musste”) etwas kurz gegriffen, aber richtig dürfte sein: der Zusammenhang geht in beide Richtungen.

Solange die Amis das Kapital ansaugen, kommen auch die Realgüter. Für die interessierten Kreise doch kein Grund, mehr im Lande zu produzieren, reißt sich das Finanzwesen doch bis zu 40% der Unternehmensgewinne aus dem Kuchen.

Wenn der Kapitalstrom abrisse, sähe das anders aus.
Sogar in Portugal verbessert sich die Leistungsbilanz; wieso sollte das in den USAnicht möglich sein, bei der Unterauslastung, und der FED?

Ich sehe auch nicht, wieso die USA ihren Importsaldo mit FLugzeugträgern generieren. Wer schickt denn seine Kohle dahin, die er hier durch Lohnkürzungen verdient hat?
Weil der Flugzeugträger lauert?

Und real: also selbst der Iran würde sein Öl dahin verkloppen. :roll:
Natürlich, wenn der Dollar nochmal erheblich abwertete, müssten sie dafür mehr liefern. Aber das könnten sie, siehe oben, wenn sie müssten.

topi September 18, 2012 um 20:10

Aber wo wir gerade bei Leistungsbilanzsalden und damit bei China sind: hat jemand eine Theorie, wer da “das Volk” demonstrieren lässt, gegen den lieben Nachbarn?

Kleine Reminiszenz an Maos Glanzzeiten, als Teil des Machtpokers im Nachfolgekampf?

f.luebberding f.luebberding September 18, 2012 um 20:12

Marian T. Wirth hat auf Twitter einen interessanten Punkt zur Debatte gestellt. Es geht um die Interpretation von Romneys Aussage auf dem Spender-Dinner.

“@luebberding Ich denke, Romneys Äußerungen sind auslegungsbedürftig und auslegungsfähig. Ich sehe mindestens zwei Auslegungen – eine sinnvole und wahrscheinliche und eine unwahrscheinliche, die keinen Sinn ergibt. Sowohl in deutschen wie in amerikanischen Medien ist mir bis jetzt ausschließlich die unwahrscheinliche Auslegungen untergekommen, während die wahrscheinliche komplett ignoriert wird.

Meine Interpretation lautet: “Von den ‘likely voters’ wünschen sich 47% einen sozialdemokratischen Präsidenten. Diese Leute fühlen sich als Opfer unseres Systems und werden sowieso für Obama stimmen. Die kann ich mit meiner Kampagnenbotschaft nicht erreichen. Um die brauche ich mich im Wahlkampf also nicht zu kümmern. Deshalb will ich mich auf die ‘undecided’ und die ‘Independents’ konzentrieren.”

Was ich in den Medien (auch den amerikanischen) lese: ROMNEY BESCHIMPFT DIE HÄLFTE DER AMERIKANER ALS ABZOCKER UND OPFER, UM DIE ER SICH ALS PRÄSIDENT NICHT KÜMMERN WILL.

Und das soll keine Verzerrung sein? Ich bitte um Verständnis, dass ich von Journalisten, die für sich in Anspruch nehmen, dem Qualitätsjournalismus verpflichtet zu sein, erwarte, dass sie im vorliegenden Fall die Auslegung, die ich für die wahrscheinlichere halte, wenigstens erwähnen.”

Nun habe ich in meinem Ausgangsbeitrag auf diesen Punkt hingewiesen: Dass es unter Wahlkampfgesichtspunkten unsinnig ist, sich um die Anhänger des politischen Gegners zu kümmern. Nur welche Wahrscheinlichkeit hat die Interpretation von Wirth, dass es Romney tatsächlich nur um den Wahlkampf gegangen sein könnte? Er hat nämlich seine Aussagen in einen sozialpolitischen und ökonomischen Kontext gestellt, der gar nicht falsch zu verstehen ist. Die Aussage ist ein Reflex auf eine gesellschaftspolitische Vorstellung, die seit Reagan in der GOP dominant geworden ist: Helfe Dir selbst, dann ist allen geholfen. Der Staat als bloßer Nachtwächterstaat. Schon Barbara Ehrenreich hat die verteilungspolitische Schieflage und den Kampf gegen die Mittelschicht in den 80er Jahren thematisiert. Mit großen publizistischen – und geringen politischen Erfolg. Romneys Hinweise auf Menschen, die Ansprüche auf Essen oder Krankenversicherung stellen, ist der nackte Zynismus, wenn man die Realitäten in den USA kennt. Und das hat nichts mit deren fehlender Bereitschaft zu tun, Verantwortung zu übernehmen, sondern mit der Ausplünderung der US-Volkswirtschaft zu Gunsten der fat cats. Genau das hat Romney ungeschminkt gegenüber den Leuten formuliert, die 50.000 $ für ein Dinner bezahlen können. Und allein deswegen kann Romney jetzt nicht mehr behaupten, er sei der Präsident aller Amerikaner. Es glaubt ihm keiner mehr. Und was den Qualitätsjournalismus betrifft? Der hat nun in den vergangenen Jahrzehnten alles gemacht: Aber eines nur selten. Sich als übermässig kritisch und zu wenig wohlwollend gegenüber den fat cats zu erweisen.

Ansonsten sollte man natürlich mit Romney fair umgehen.

Morph September 18, 2012 um 20:47

@Hans Hütt

“Dieses Rennen ist noch lange nicht entschieden.”

Ist ja auch eigentlich egal, oder? Obama hat es in seiner ersten Amtszeit nicht geschafft, die Spaltung der USA (= das Auseinanderbrechen der Mittelklasse) zu stoppen. Das darf man ihm allerdings nicht vorwerfen, sondern muss dies als historischen Indikator lesen. Wenn selbst ein Mann wie Obama, gebildet, cool, passionate, schwarz, bürgerlich und eine rhetorische Ausnahmeerscheinung, es nicht schafft, den sozioökonomischen Trend zu drehen oder dessen Drehungsbedürftigkeit auch nur zur mehrheitlich geteilten Überzeugung zu machen, dann zeigt das den gesellschaftlichen Impact des politischen Systems in dieser Weltgegend: Close to Zero. Anderes als QE 1 – n ist offenbar nicht mehr im Programm operativer Politik. Und dass das nur Zeit kauft, solange Zeit gekauft werden kann, steht ja außer Frage.

Wie die Wahl ausgeht, ist daher unerheblich. Erheblich ist dagegen, dass die alten Konfliktherde ungemütlich heiß zu werden scheinen und sich neue entzünden, die man über die Jahrzehnte fast vergessen hatte (Japan/China). Wir beginnen wieder zu begreifen, welche Rolle nichtige Anlässe nicht nur in unserem Leben, sondern auch im Leben von Großkollektiven spielen können. Karikaturen und Amateurvideos sind zu hinreichenden Bedingungen mörderischer Kampagnen geworden. Das politisch-diplomatische Immunsystem gegen Gewalt zeigt sich in einer desolaten Verfassung.

Leute wie @Carlos Manoso deuten dies ja als Zeichen einer welthistorischen Zäsur, möglicherweise zum Besseren. Für meine etwas diesseitigeren, oder meinethalben: beschränkteren, Begriffe ist diese Hoffnung schon halb ein Moment der Eskalationsbewegung und mir drängt sich mal wieder die erschreckend pessimistische Mittelfristprognose ins Bewusstsein, die z.B. Eric Hobsbawm im Schlusswort seiner Geschichte des 20. Jahrhunderts formuliert hat.

h.huett September 18, 2012 um 20:49

Morph

Den Pessimismus teile ich mehr und mehr.

h.huett September 18, 2012 um 21:03

Morph

Ich empfehle übrigens zwei Bücher von William S. Lederer, damals zum Vietnamkrieg und seiner Vorgeschichte: The Ugly American und A Nation of Sheep. Die “Proteste” gegen den Mohammed-Film folgen dem Muster des Verbrennens amerikanischer Flaggen in Südostasien in den 50er und frühen 60er Jahren, in gewissen Gegenden ist das Anfertigen der Flaggen (mit lang dauernder Brennbarkeit) ein eigenes Geschäftsmodell geworden (ich habe das hier irgendwann mal verlinkt)

Systemfrager September 18, 2012 um 21:30

@topi
>>> Dann wird nicht wegen realen Mangels zu wenig investiert, sondern aus anderen Gründen.
Eben!

Andreas Kreuz September 18, 2012 um 21:40

@morph u.a.

Ja – was habt Ihr denn gedacht,
wie die himmelschreienden ‘Differenzen’ gelöst werden?

Durch das Werfen von Gummibärchen – oder Silizium-Chips?
Unter Abgesang ‘humanistischen’ Liedgutes?

Doktor D September 18, 2012 um 22:10

Na, für einige meiner USamerikanischen Freunde macht es einen ganz existentiellen UNterschied, ob Obama oder Romney am Ruder ist. Ohne Obamas Gesundheitsreform werden sie oder nahe Verwandte in nicht allzu kurzer Zeit tot sein. Ganz zu schweigen von den Menschen, die auf den einigermaßen freien Zugang zu Verhütungsmitteln, Krebsvorsorge oder medizinisch durchgeführter ABtreibung angewiesen sind.

michaelremke.com September 18, 2012 um 22:29

Das Video ist ein Desaster für Romney und das Ende seines Wahlkampfes. (http://michaelremke.com/2012/09/18/mitt-romney-ein-politischer-nachruf/). Wem will Romney jetzt noch erklären, dass er für die Mittelklasse kämpft?

topi September 18, 2012 um 22:45

Morph

“Ist ja auch eigentlich egal, oder? Obama hat es in seiner ersten Amtszeit nicht geschafft, die Spaltung der USA (= das Auseinanderbrechen der Mittelklasse) zu stoppen.”

Das schreibt sich so schnell dahin.
Wie DocD schon anmerkte: es macht natürlich einen Unterschied.

General Motors oder nicht, große Konjunkturprogramme mit realer Produktionsanregung oder nochmal Steuersenkung für fat cats, etc.pp.

Wir sehen die Medaille nur von der einen Seite. Acht Jahre Teebeutel nach Bush, und Carlos Abgesang wäre nah.

So ziehts sich. :roll:

Balken September 18, 2012 um 22:49

“Es ist die Aufgabe jedes Präsidenten, sich um alle Amerikaner zu kümmern.”

Gott bewahre “alle Amerikaner” davor, dass sich der Präsident der USA um sie kümmert.

Morph September 18, 2012 um 22:54

@Doktor D

Ich kenne Deine US-Freunde und deren Verwandte nicht; zunächst mal klingt das in meinen Ohren etwas schrill. Der Kampf um die Gesundheitsreform wirkte und wirkt aus europäischer Sicht ja ohnehin wie ein Glaubenskrieg, in dem nicht lediglich Fragen der systemischen Effizienz verhandelt wurden.

Übrigens wird nach meinen Informationen das Problem der Unversicherten mit der Obama-Reform zwar massiv angegangen, aber nicht vollständig gelöst, so dass es auch mit der Obama-Reform noch irgendeines Eurpäers Freunde und deren Verwandte geben mag, die wegen medizinischer Unterversorgung sterben.

Schatten September 18, 2012 um 23:01

Ja gut, Romney, ein echter Idiot und ein A-hole.

Ob Obama sich auch mal verspricht? Unvergessen noch sein “bitter and cling to their guns”, womit er nicht die Ghetto-Gangstas meinte.

topi September 18, 2012 um 23:02

Morph, es klingt schrill, weil es schrill ist.

Solle wir Beispiele diskutieren?
Welchen FInger sollen wir annähen, Mittelfinger für 60.000 oder den Ringfinger für 12.000?
Ausgekugelte Schulter? Kein Notfall, wird nicht behandelt. Schießt sich aus Verzweiflung in die Schulter. Ok, Schuss wird behandelt, aber mit fetter Rechnung wegen Absicht (da Pleite erstmal egal); Schulter nicht eingekugelt.

Oder wollen wir mal eine Vorerkrankungsliste , mit Vrsicherungsablehnung, suchen?

Inzwischen ist ja auch Romney von seinem Trip herunter, dies kippen zu wollen.
Mit Palin (oder wie hieß der Strohmann) hätts das natürlich nicht gegeben, sondern straffen Kurs Richtung Früchte des Zorns.

Doktor D September 18, 2012 um 23:05

Naja, für jemanden, der sich seine Behandlung nicht leisten kann und nur immer dann in die Klinik aufgenommen werden konnte, wenn Lebensgefahr droht (so funktioniert das nämlich, wenn du nicht versichert bist und manchmal sogar, wenn du versichert, aber nicht fully covered bist), ändert sich das Leben schon ganz grundsätzlich, wenn du jetzt einfach deine Medikamente bekommst. Ist aber natürlich im Vergleich zu unserer europäischen Enttäuschung, dass Obama auch nur ein wheeling-dealing Politiker ist, zu vernachlässigen. Seh’ ich ein.

Morph September 18, 2012 um 23:16

@topi

Dass das alte Gesundheitssystem eines der ineffizientesten der Welt war, ist bekannt. Der Grund lag in der mangelnden Konsequenz: So sozialdarwinistisch, wie das Land of the Free sich ideologisch selbst versteht, sollte es eben doch nicht zugehen, und daher gab es mit Medicaid, Medicare und der Unabweisbarkeit von Notfällen aberwitzige Fehlsteuerungen.
Obamacare bringt die Prinzipien zivilisierten ZUsammenlebens und den Geschmack von Freiheit und Abenteuer wieder etwas näher zusammen. Aber wir werden erst noch sehen, ob die Steuererhöhungen, die für die Finanzierung von Obamacare notwendig sind, durchgesetzt werden können.

topi September 18, 2012 um 23:57

Oh Morph, die Ineffizienz kommt nicht durch Midcaid, -care und dem Notdienst.

Wie ich mehrmals ausführlich dargelegt habe: MARKT im Gesundheitswesen IST ineffizient.

Und es gilt: je mehr Markt, also je unregulierte, desto ineffizienter.

Und das ist rein auf ökonomischer Ebene argumentiert, die sieht abbe Arme nur in Kosten/Nutzen.

Auf einer anderen Ebene könnte man von einer “Effizienz” sprechen: Gesundheitsprogramme nur für die, die noch arbeitsfähig sind. (wobei auch das ausblendet, dass Gesundheits”kosten” natürlich Einnahmen der Leistungserbringer sind).

Ab auf den Marktplatz damit. :-D
Und immer an die Zielgruppe denken. :roll:

” ob die Steuererhöhungen, die für die Finanzierung von Obamacare notwendig sind”

Also die Steuererhöhungen bräuchte es, um die Staatsverschuldung wieder einzufangen, und um die Gesamtverschuldung zu reduzieren.
Aber doch nicht, um eine Ausgabe zu finanzieren. ;-D

topi September 19, 2012 um 00:06

Was ist blos
mit meiner
Tastatur
los.

Aber nochmal zu den Früchten des Zorn.

Man kann sehen, wie lange sich die WWK I hinzog, in den USA, ohne harten Schnitt, ohne Rettungsschirm für die Realwirtschaft.
Glass Steagall, klar, aber ungebremstes Bauernlegen erlaubt.

Ab welcher Grenze lässt sich Ottonormal den realen Abschwung nicht mehr gefallen?

Morph September 19, 2012 um 00:21

@topi

“Ab welcher Grenze lässt sich Ottonormal den realen Abschwung nicht mehr gefallen?”

Ich glaube nicht, dass das eine Frage der Grenze ist, sondern eine des Drohpotenzials. Wann immer eine Wir-fähige Gruppe ihre Reproduktionsbedingungen in Frage gestellt sieht UND durch ein gruppenspezifisches Drohpotenzial allgemeine Sorgen triggern kann, konstituiert sich eine So-nicht-weiter-Grenze.

Traditionell haben Industriearbeiter sich drohend zur Geltung gebracht. Aber auch Fluglotsen und Ärzte können das. Zuletzt haben in bemerkenswerter Weise die Banker ihre Drohpotenziale scharf gemacht.

Otto Normalverbraucher hat kein Drohpotenzial.

Folkher Braun September 19, 2012 um 00:40

@Morph: Wieso habe ich kein Drohpotential? – Soll ich mal mit Bagger, Planierraupe, Kettensäge und Trennschleifer in Berlin nach dem Rechten sehen? Boels verhurt bijna alles.

Morph September 19, 2012 um 01:15

@Folkher

“Soll ich mal mit Bagger, Planierraupe, Kettensäge und Trennschleifer in Berlin nach dem Rechten sehen?”

Ja, mach mal ;-)

Als derzeit erfolgreiche Gruppen mit Drohpotenzial habe ich Ärzte und Fluglotsen genannt. Bedeutend in der Hinsicht natürlich auch die Muslime.

Aber, wie gesagt, Otto Normalverbraucher, kein Gedanke. Denn das sind wir ja alle. In der linken Gesellschaftskritik hat sich die Skepsis gegen Uns_alle als träge Masse seit jeher unbewusst artikuliert in der Abscheu gegen das sogenannte Kleinbürgertum. Soziologisch ist das aber eine Verlegenheitskategorie.

Man sollte mal eine Theorie der Verlegenheitskategorie entwickeln.

topi September 19, 2012 um 01:40

Morph,

der Ottonormalverbraucher hätte ja wohl das optimale Drohpotenzial. :roll:

Das wird ein wichtiger Teil der Lösung; wenn Realunternehmer merkt, dass Lohndrücken für die Finanzer am Ende doch nicht so doll ist.

Bis er das merkt, geht allerdings noch viel Exportüberschuss über die Wupper.

Ich sprach aber vom Ottonormal, ohne Verbraucher; um mal nicht den Michel und den Kostas zu bemühen. :roll:
Wenn demnächst der Abschwung einsetzt, wird ersterer wieder Lohnsenkungen zur Arbeitsplatzsicherung präsentiert bekommen. Und schlucken, absehbar.

Wie lange aber “rechts” mit den Verdummungsthesen der leeren Kassen, welches dann die Realgüterproduktion senkt, durchkommt, wird sich zeigen.

In der Phoenix-Runde wurde tatsächlich das Stabilitätsgesetz bemüht, na sowas.
Und von der anderen Seite schnell betont, wie Pleite doch Deutschland ist, und mehr als die Hälfte des Haushalts in Soziales geht, und da dringend umgesteuert werden muss. Damit man noch viel viel mehr exportieren kann, wahrscheinlich.

Aber hier ist ja ein “Romney”* nicht zu erwarten. Mal schauen, wieviel Glitter noch bis zur Wahl zusammenkommt.

* Romney, der; sagen, was man denkt, und was das spezielle Publikum hören will, auch wenn es taktisch ETWAS unklug ist, dass bekannt wird, so etwas gesagt zu haben.
siehe auch –> verbale Inkontinenz

Folkher Braun September 19, 2012 um 01:43

@Morph: Nach meinem Dafürhalten ein falscher Ansatz. Wir dürfen uns nicht den Durchschnitts- Otto zum Vorbild nehmen, der in den 70ern eben noch schnell in den Öffentlichen Dienst gerutscht ist und jetzt als Oberregierungsrat seiner Pensionierung entgegenfiebert. Da ich Anfang der 70er ein paar Sylvester Prollitologie in der Reichshauptstadt absolviert habe, weiß ich, wo die großen Schreihälse von dunnemals alle gelandet sind: als Duckmäuser mit Pensionsberechtigung.
Der relevante Otto kommt aus der Produktion und muss feststellen, dass seine Kinder mit dem gleichen Gesellen- oder Meisterbrief nicht mehr das an Wohlstand erreichen können wie er selbst das schaffte. Wenn Ottos Kinder mal das Maul aufmachen, wie bei GDL und Lusthansa, geht für diverse Masters of Business Administration das Licht aus. Mit dem permanent Grüne- wählenden Oberlehrer mit Iveco- Wohnmobil vor dem Haus brauchst Du das nicht diskutieren.

Lockez September 19, 2012 um 04:51

Ich bin der Meinung das es volle Absicht war von Romney solch ein politischen Selbstmord zubegehen, denn wer schießt sich gerne selbst aus dem rennen um den Marionetten-Posten !

Andreas Kreuz September 19, 2012 um 05:56

Der normale Otto hat jede Menge Drohpotential.
Er müsste nur ein paar Tage mit ALLEN ANDEREN zu Hause bleiben.
Aber das weiß er nicht mehr, weil jede noch so kleine Differenz durch Gehirnwäsche virtuell über Jahre derart vergrößert wurde, dass er denken muss, er ist der einzige seiner Art.

Systemfrager September 19, 2012 um 06:21

@Folkher Braun

Wenn Ottos Kinder mal das Maul aufmachen, wie bei GDL und Lufthansa, geht für diverse Masters of Business Administration das Licht aus.

Das meine ich auch. Diese Kinder werden einmal erwachen. Ich betrachte meine Kinder. Die sind politisch-ökonomisch totale Idioten – Null-Bock -, aber irgendwann stirbt Oma, die iPod und PC kauft usw, und dann schauen sie in die Röhre

Und wie verwöhnt (und dreißt) die sind – der Kapitalismus konnte überleben auch deshalb, weil er Ehe und Familie zerstört, Kinder gegen Eltern (im Namen der Freiheit) hettzt, also böse Instinkte bedient -, ich kann mir gut vorstellen dass diese Kinder zu einem extremen Aggressionpotential aufschwingen werden

Nein, Romney ist kein Phänomen eines “typisch dummen” konservativen Politikers, wie die meisten Kommentatoren als selbstverständlich annehmen. Es geht um eine Ideologie, einen Glauben, der schon meint, sich nicht vestecken zu müssen, weil er der einzig “wahre” ist, gottgegeben … und dann wird der Otto-Normal aufwachenn. Das System stößt auf seine letzte Grenze. Wie der Kommunismus, auch der neoliberale Kapitalismus wird dann in sich zusammenfallen, also dann, als die Situation aufgetretten ist, dass er keine innere und äußere Feinde mehr hat und befürchten muss.

Insoweit hat Morph Recht, Romney hat nichts GANZ FALSCH gemacht, er hat nur zu leger eine verbreitete konservative Meinung ausgesprochen.

Morph September 19, 2012 um 08:26

@AK

“Der normale Otto hat jede Menge Drohpotential.”

Der Leiharbeiter Otto I. hat mit dem Filialleiter Otto II. und dem H4-Otto III. ungefähr soviel Ähnlichkeit wie der idelle Gesamt-Otto mit, äh, Kostas, João oder Li.

Der ‘kleine’ Mann von Welt, der bloß künstlich vereinzelt sei und wegen seiner objektiven Interessengleichheit mit allen anderen ‘kleinen’ Männern ein überwältigendes Kollektiv in Wartestellung darstellt, ist eine Illusion.

Dirk September 19, 2012 um 08:56

@Morph:
Der ‘kleine’ Mann von Welt, der bloß künstlich vereinzelt sei und wegen seiner objektiven Interessengleichheit mit allen anderen ‘kleinen’ Männern ein überwältigendes Kollektiv in Wartestellung darstellt, ist eine Illusion.

Stimmt. Machen wir’s also wie Romney: Sprechen wir von ‘Nicht-Einkommensteuer-Bezahler’ aka Geringverdiener aka Minderleister. Irgend sowas Sinus-Milieu-Kartoffelmäßiges wird sich doch finden lassen.

Apropos kleiner Mann: Österreich hat ihn schon gefunden:
http://www.youtube.com/watch?v=a1ctg95PxeU

h.huett September 19, 2012 um 08:59

Morph

Für den plausiblen Befund gibt es einige belastbare Kategorien, die dem weit verbreiteten wishful thinking nicht immer vertraut sind: Organisationsfähigkeit (aufgrund gleich gelagerter Interessen), Konfliktfähigkeit (mit der Drohung der Leistungsverweigerung, vulgo Streik) – und wir müssen unter den Bedingungen der heutigen Zeit etwas hinzudenken, das die politischen Soziologen noch nicht hinreichend zu einer Kategorie verdichtet haben, wenn wir von Wilhelm Heitmeyers wutgetränkter Apathie absehen: die Ambivalenz von Wut und Ohnmacht in einer atomisierten fragmentierten Partikularität, die Kostas von João oder Li oder Otto mehr trennt, als dass sie sie verbände.

Das führt in den politischen Parteien zu einer irren Praxis, man könnte es auch paradoxe Intervention nennen, dass sie nämlich vorgeben, Interessen zu repräsentieren, für die bei den Trägern der Interessen längst die Geschäftsgrundlagen entfallen sind. Die Idee der Repräsentativität muss deshalb politisch neu gedacht werden, sonst ist es mit der politischen Legitimität bald rettungslos vorbei.

keiner September 19, 2012 um 09:06

Ich finde Krugmans Analyse wesentlich subtiler, da sie ohne dieses Verfassungspathos auskommt. Das wirkt doch recht schwülstig im Zusammenhang mit diesem Romney….

http://krugman.blogs.nytimes.com/2012/09/18/when-the-inner-party-believes-the-prolefeed/

h.huett September 19, 2012 um 09:20

keiner

Zugegeben. Aber der “American Dream” hat nichts mit Verfassungspathos zu tun. Das gilt übrigens genauso für den Gedanken der Repräsentativität und der vertrackten Gewaltenteilung im amerikanischen politischen System. Der Präsident repräsentiert das ganze Land. Wie Lübberding schon erwähnt hat, ist Obamas Versprechen einer Überwindung der politischen Spaltung des Landes gescheitert, nicht weil es ihm am Entgegenkommen gemangelt hätte (nach Ansicht der Linken und einiger Parteifreunde gabs davon viel zu viel), sondern weil die politische Strategie der Republikaner auf einen Halbsatz zusammengeschnurrt ist: alles nur Erdenkliche gegen eine zweite Amtszeit Obamas zu tun. Romneys inkriminiertes Zitat illustriert bis ins Detail das ökonomische und sozialpolitische Denken seiner Partei, hat soweit das Lsger gefestigt. Obamas Auftritt bei Letterman hat trotzdem Romney massiv geschadet. Denn auch der Kandidat muss im Wahlkampf zeigen, dass “er Präsident kann”. Das Publikum hat an dem jüngsten Beispiel, zuvor am beispiel seiner reaktionen auf die Botschaftstoten gesehen, dass er es nicht kann. Trotzdem ist ein Sieg Obamas noch nicht sicher, unter anderem auch deshalb, weil die Republikaner in den umkämpften Bundesstaaten durch gerrymandering die Wahlkreise neu zu ihrem Vorteil umgeschnitten haben. Es kann zu einem showdown der Anwälte wie bei Bush2 kommen.

Keynesianer September 19, 2012 um 09:35

Was soll jetzt eigentlich der Unterschied sein zwischen einem Mitt Romney, der erklärt ““Mein Job ist es nicht, mich um diese Leute zu kümmern”, und einer SPD, die Steinmeier und Steinbrück zu Führungsfiguren macht?

Dirk September 19, 2012 um 09:38

@Huett:

Nur das ‘paradoxe Interventionen’ z.B. in der Psychologie eher lösungsorientiert angewendet werden.
Sie sprachen etwas früher von ‘kognitiver Dissonanz’ bei den Wählern. Das trifft es glaube ich ganz gut.
Images of small men usually arise and persist widely only be-
cause big men find good use for them.
C. Wright Mills

h.huett September 19, 2012 um 09:39

Keynesianer

Was der Unterschied sein “soll”? Vielleicht unternehmen Sie den Versuch, ihn zu beschreiben? Oder fügen Sie sich der Anordnung? Bloß welcher? Und von wem?

jens September 19, 2012 um 10:12

@ keiner
finde ich auch. Am lustigsten wirds, wenn Romney als Erzliberaler
dargestellt wird, dabei leben er und seine Bankerfreunde seit 2007 im Prinzip von Staatshilfen.

f.luebberding f.luebberding September 19, 2012 um 10:17

Zweifel von Stefan, ob die Arbeiterschaft tatsächlich diese Sichtweise auf die Rolle des Präsidenten teilt. Der Kulturkampf der Rechten gegen den liberalen mainstream (Hollywood) war in den vergangenen Jahrzehnten die Garantie für die Dominanz der GOP. Todestrafe, Waffenbesitz, Homosexualität, Abtreibung. Bei den Männern führt Romney.

keiner September 19, 2012 um 10:44

Bei WEISSEN Mittelklassemännern mit Haus und 2 Autos vielleicht?

f.luebberding f.luebberding September 19, 2012 um 10:51

keiner

Bei denen ganz sicher … . Wenn ich das jetzt richtig in Erinnerung habe, gilt das aber insgesamt, also für alle ethnischen Gruppen.

Marian Wirth September 19, 2012 um 10:52

@f. luebberding

I finde das von sol1 angeführte Zitat super:

“We’ll see capital come back and we’ll see—without actually doing anything—we’ll actually get a boost in the economy.”

Geht daraus nicht hervor, dass ein PRÄSIDENT Romney sich *weder* um die 47%, *noch* um die restlichen 53% kümmern würde, weil eh alles von den Märkten ins Lot gebracht wird?

Für mich hat Romney seine Inkompetenz unwiderlegbar dadurch unter Beweis gestellt, dass er es versäumt hat, auf seiner Schadensbegrenzungspressekonferenz seinen Zitaten den genialen Spin zu geben, den ich ihnen verliehen habe ;)

Ich glaube nicht, dass der video leak der entscheidende Sargnagel für Romney wird; Schaubilder vom Atlantic gehen ja dann doch eher am prime time – Publikum vorbei.

Allerdings trägt dieses Ereignis mit dazu bei, vor allem bei denjenigen, die ihn (medial) (unter)stützen müssten, den Eindruck zu verfestigen, dass Romney, sein running mate und sein ach so überragendes Beraterteam völlig unfähig sind, auf Krisen und dramatische Entwicklungen (hier: ein geleaktes Video taucht auf) angemessen zu reagieren.

Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern, dass ein vorheriger GOP-Kandidat so flächendeckend auf Forbes, FOXNEWS und WSJ so viel Dresche bekommen hat – und zwar nicht für seine (zynische) Botschaft, sondern für (campaign) management- und leadership-Versagen.

Smolli September 19, 2012 um 11:24

Wenn zwei sich streiten, gibt es in diesem Fall keinen dritten der sich freut – der dritte (das amerikanische Volk) ist der gearschte.
Wie furchtbar aktuell ist da doch der spontane Verbalrülpser vom Blogger und Journalismusprofessor Jeff Jarvis vor gut einem Jahr: “Fuck you Washington”. Das hatte mich seinerzeit zu einem Cartoon inspiriert.
http://www.w3filter.de/2011/07/1465/fuckyouwashington/

Man nur hoffen, dass den Falken beiderseits bald die Federn gerupft werden.

f.luebberding f.luebberding September 19, 2012 um 12:03

Marian Wirth

Erfolgreiche wie gescheiterte Kampagnen bündeln sich zumeist in einem Satz, manchmal ist es auch der Slogan. Viele wissen heute noch, wer und wann von “Keine Experimente” oder “Willy wählen” gesprochen hat. Selbst “Rote Socken” sind nicht nur in den Schubladen zu finden. Bisher hatte Obama Schwierigkeiten, die Enttäuschung nach der Euphorie von 2008 zu verarbeiten. Sein “Vorwärts” war ein müder Begriff, der eher die Ambivalenz bei vielen seiner Wähler über seine erste Amtszeit verkörperte. Mit “Mein Job ist es nicht, mich um diese Leute zu kümmern” hat Romney ungewollt die Antithese zu Obamas Politik geliefert – und ihm damit auch bzgl. der Wahrnehmung seiner ersten Amtszeit geholfen. Wie wir hier an Morph sehen, wird die Differenz zwischen Obama und Cain erst sichtbar, wenn man sich vorstellt, was Cain umgesetzt hätte. Topi hat das formuliert. Obamas Leistung besteht darin, dass er den Absturz der USA bisher weitgehend vermieden hatte. Allerdings gibt es kein Paralelluniversum, wo wir die USA ohne Obama erleben dürfen. Romney hat aber jetzt einen Blick ermöglicht, was das heißt, wenn er Präsident werden sollte. Dass er wahrscheinlich wesentlich pragmatischer operieren würde, steht auf einem anderen Blatt. Romneys Problem ist, dass niemand weiß, was ein Romney in Wirklichkeit denkt. Das ist kein Problem, wenn man sich wie sein Team in erster Linie am negative campaigning orientiert, also an Obamas Bilanz und der Enttäuschung über ihn. Das ist jetzt vorbei: Selbst wenn Romney seine Äußerungen offensiv verteidigt, muss er sich ideologisch positionieren – und dann wird der Ryan hinter Romney sichtbar. Ansonsten verliert er die Unterstützung im eigenen Lager. Und damit wird der Unterschied zu Obama deutlich. Aber die ideologische Unschärfe, der Verdacht des wahren Romney als Pragmatiker, machte ihn erst mehrheitsfähig, weil dann enttäuschte Obama-Wähler von 2008 zu Hause geblieben wären. Obama wird das jetzt genüßlich transportieren – bis es auch der letzte Farmer in Montana mitbekommen hat, auch wenn er ihn nicht wählen wird.

Und deshalb wird dieses Video später als die entscheidende Marke zur Wiederwahl Obamas betrachtet werden.

sol1 September 19, 2012 um 12:10

Romneys inkriminiertes Zitat illustriert bis ins Detail das ökonomische und sozialpolitische Denken seiner Partei…

Wohl wahr, wenn diesen Bericht von jemandem liest, der dem republikanischen Paralleluniversum entronnen ist:

http://www.tomdispatch.com/blog/175590/tomgram%3A_jeremiah_goulka%2C_confessions_of_a_former_republican

Keynesianer September 19, 2012 um 13:06

@Marian Wirth

“Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern, dass ein vorheriger GOP-Kandidat so flächendeckend auf Forbes, FOXNEWS und WSJ so viel Dresche bekommen hat – und zwar nicht für seine (zynische) Botschaft, sondern für (campaign) management- und leadership-Versagen.”

Ein abgekartetes Spiel. Der Wahlkampf der Republikaner zielt seit der tea party darauf, derart reaktionäre Positionen zu vertreten, dass Obama als effektiver Präsident der Kapitalinteressen in diesem Licht schon wieder wie ein Linker wirkt und alle Politik für das Kapital fortsetzen kann, ohne dass seine Anhänger an ihm irre werden.

Doktor D September 19, 2012 um 13:25

Ach, Keynesianer, dann hätten sie doch einen von den anderen Flachpfeifen aufgestellt, die in den Primaries im Rennen waren. Dann wäre der Drops doch jetzt schon gelutscht.

egal September 19, 2012 um 13:30

Nochmal zum Verfassungspathos.
“Ökonomen sind schon drollig” schrieb Frank Lübberding vor Kurzem. “Erwarten, dass sich die ganze Welt nach ihren Modellen richtet”. Nun, die Journalisten und Staatsrechtler sind nicht weniger drollig. Der Präsident als Symbolfigur der nationalen Einheit ist polittheologische Dogmatik, und ich habe erhebliche Zweifel, dass mehr als ein paar Millionen Amerikaner das Konzept überhaupt kennen. Lediglich für eine Handvoll Inaugrierter wird es wahlentscheidend sein.
Der Präsidenten als Symbolfigur der nationalen Einheit formuliert für Nationalstaat und Nationalismus einen Mythus des Staates, ein Konzept der körperlichen Repräsentation von transzendierter Herrschaft, das, wählen wir mal ein abseitiges Beispiel, Eusebius, der Hoftheologe Konstantins, für den christianisierten Kaiserkult der Antike als “ein Gott, ein Kaiser” formulierte. Der Kaiser als Symbolfigur der Einheit von weltlicher und göttlicher Herrschaft.

Beide Konzepte sind mir intuitiv ähnlich eingängig.

(Ich wollte jetzt nicht, ein Volk, ein Reich ein Führer schreiben, und ein prägnanteres Beispiel ist mir spontan nicht eingefallen.

Wir hatten doch im Zusammenhang mit Wulff darüber gesprochen, dass Repräsentationskonzepte sich neue Tranzendezreserven erschließen müssten, weil die aus dem 19. Jahrhundert ziemlich lächerlich geworden seien (will man einen Mythus des Staates überhaupt weiter aufrechterhalten).

Das Konzept der einigen und unteilbaren Nation jedenfalls liegt zu recht auf dem Müllhaufen der Geschichte und muss nicht mehr repräsentiert werden. Dafür, dass wir alle Individuen sind, muss man nicht Thatcher anführen, Monty Pythons Brian würd reichen.
Indiviualismus, Demokratie, Toleranz, das sind die Konzepte, die die Staatstheologen irgendwie verwursten müssten. Wie das gehen soll, weiß ich auch nicht (interessiert mich auch nicht).
Aber, warum nicht mal ein Neger?

Doktor D September 19, 2012 um 13:32

So, Freunde der Verschwörungstheorien, ist das nämlich gelaufen auf der GOP Convention: http://gaw.kr/UkLtMl

h.huett September 19, 2012 um 14:05

egal

Es gibt keinen “polittheologischen Mythos”, sondern ein fein austariertes System von checks & balances zwischen verschiedenen Teilen der Exekutive. Ignoranz ist natürlich ein probates Mittel, dieser Komplesxität aus dem Weg zu gehen. Übrigens haben die Wahlforscher für Jahrzehnte dokumentiert, in welcher Feinfühligkeit die an den Wahlen teilnehmenden Amerikaner dem Muster der checks & balances folgen, um einer Machtballung entgegenzuwirken.

f.luebberding f.luebberding September 19, 2012 um 14:19

egal

Etwas Theologisches hat das Ganze schon – und ein Mythos ist es ganz bestimnmt. Da würde ich egal recht geben. Die Frage ist also, ob dieser Mythos, der mit dem Amt des Präsidenten verbunden ist, noch wirkt. Jeder neue Präsident symbolisiert auch immer einen Neuanfang – und stellt sich gleichzeitig in die Kontinuität seiner Amtsvorgänger. Eine Reaktion Romneys war ja zu sehen: Dass er nach der Wahl selbstverständlich der Präsident aller Amerikaner sein wolle. Allerdings scheint er mit dieser Botschaft nicht durchzukommen.

egal September 19, 2012 um 15:07

Es gibt lauter polittheologische Mythen. Was Carl Schmitt für das Staatsrecht formulierte, dass alle prägnanten Begriffe der Staatslehre säkularisierte theologische Begriffe seien, ist auf den nichtjuristischen Bereich der Staatslehre zumindest um das Repräsentationskonzept zu erweitern.

In Wahlkämpfen wird polarisiert, aber kaum im Amt soll der Präsident über dem Streit der Parteien, Klassen und Interessensgruppen stehen und Widersprüche in seiner Person zur Einheit der Nation auflösen? So wie die wiedersprüchlichen Eigenschaften Gottes lediglich Hypostasen sind, die sich zur trinitarischen Einheit auflösen? Agamben zeichnet aktuell einige Genealogien nach.

Ist aber ziemlich irrelevant. Ich beobachte, dass ich nach meinen Interessen wähle, die ich kenne. Ich habe aber noch nie jemanden außerhalb der politischen Kaste getroffen, der weiß, wie die Interessen der Nation aussehen.

Dipfele September 19, 2012 um 15:33

@fl

RY COODER sieht das in KOOL AID ein wenig anders. Er beschreibt den Romney -Wähler so:

Ich stelle mir so jemanden in dem Lied “Kool-Aid” vor. Diese Person hat genau getan, was man ihr gesagt hat. Sie hat sich ein Gewehr besorgt und von Stand Your Ground – also vom Gesetz beschützt, hat sie jemanden erschossen. Ich habe Leute so gehasst, wie ihr es von mir wolltet, sagt diese Person. Und gegen meine Interessen habe ich euch auch gewählt. Was habe ich dafür bekommen? Eine gesicherte Zukunft? Einen Job? Weder noch. Ich habe meine Arbeit verloren und jetzt nimmt man mir auch noch mein Haus weg. Ich habe Kool-Aid getrunken. Ich habe eure Botschaft für bare Münze genommen und an euch geglaubt. Es ist ein verzweifelter Song. Alle diese Leute werden untergehen und trotzdem Romney wählen. Warum? Rassismus ist einer der Hebel, den sie ansetzen. Stand Your Ground spielt eine Rolle. Und auch die in mehreren Bundesstaaten erlassenen fürchterlichen Gesetze, die das Wahlrecht de facto einschränken.

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/corso/1852390/

Morph September 19, 2012 um 15:37

@fl

“Wie wir hier an Morph sehen, wird die Differenz zwischen Obama und Cain erst sichtbar, wenn man sich vorstellt, was Cain umgesetzt hätte. Topi hat das formuliert. Obamas Leistung besteht darin, dass er den Absturz der USA bisher weitgehend vermieden hatte. Allerdings gibt es kein Paralelluniversum, wo wir die USA ohne Obama erleben dürfen.”

Wir können uns die USA ja relativ entspannt aus der Ferne ansehen. Wir müssen uns in dem Für und Wider der Kandidaten nicht positionieren, denke ich.

Und es gibt in der Tat für uns kein Paralleluniversum, mit dem wir vergleichen könnten. Insofern ist Dein Urteil, dass Obama den Absturz der USA verhindert hat, eben ziemlich fraglich. Die QE-Strategie ist, was den Absturz verzögert; in den USA genauso wie in Japan und Europa. Schwer zu glauben, dass ein republikanischer Präsident sich gegen dieses Mittel gewehrt hätte. Wie auch immer. Mindestens kann man feststellen, dass es das traurigste ‘Erfolgs’-Narrativ einer Regierung wäre, zu sagen, ohne uns wären wir wahrscheinlich alle verhungert und hätten uns gegenseitig abgeschlachtet. Wir sind besser als Armageddon!

Nein, eine ausgebliebene Katastrophe ist kein überzeugendes Argument für politische Gestaltungskraft, Frank.

hagvtr September 19, 2012 um 15:37

@Joe Sixpack and the Fat Cats>
http://www.youtube.com/watch?v=aTafZRecy2k

@Morph
‘Leute wie @Carlos Manoso deuten dies ja als Zeichen einer welthistorischen Zäsur, möglicherweise zum Besseren. Für meine etwas diesseitigeren, oder meinethalben: beschränkteren, Begriffe ist diese Hoffnung schon halb ein Moment der Eskalationsbewegung und mir drängt sich mal wieder die erschreckend pessimistische Mittelfristprognose ins Bewusstsein, die z.B. Eric Hobsbawm im Schlusswort seiner Geschichte des 20. Jahrhunderts formuliert hat.’

eine Katharsis zum Besseren? Wird wohl so wie in der Wirtschaft funktionieren…

Morph September 19, 2012 um 15:39

@Dipfele

grandiose Platte übrigens. Ein Kollateralerfolg dieses unnützen Politspektakels.

h.huett September 19, 2012 um 15:56

Morph

Bei allem Respekt schlägt in dem letzten Satz wieder eine Sehnsuchtsangst nach bzw vor der Katastrophe durch, die ganz einfach auf die Probe gestellt werden kann: vergleiche mal das Handling mehrerer Naturkatastrophen der letzten sagen wir wg Helmut Schmidt 52 Jahre. Also Hamburg mit Katrina. Zu den empirisch belastbaren Aussagen jedes Amtseides gehört es, Schaden abzuwehren. In der Bewertung von Bush 2 war Katrina der Sargnagel für den Nachfolgekandidaten seiner Partei.

Carlos Manoso September 19, 2012 um 15:57

@ f.luebberding September 19, 2012 um 14:19
„Eine Reaktion Romneys war ja zu sehen: Dass er nach der Wahl selbstverständlich der Präsident aller Amerikaner sein wolle. Allerdings scheint er mit dieser Botschaft nicht durchzukommen.“

Das Kernproblem ist, dass die USA heute längst nicht mehr ein kapitalistischer Nationalstaat sein können, sondern sich zu einer Weltmacht „neuen Typs“ entwickelt wurden. Die USA sind seit WWII gewissermaßen zur weltweiten „Schutzmacht“ des Kapitals überhaupt entwickelt worden.

Der Preis des US-Sieges im Kalten Krieg war der Rückgang des nationalen Weltmarktanteils der USA, das relative Zurückfallen der industriellen Produktivität, die exorbitante Innen- und Außenverschuldung und die über Jahrzehnte wachsende unproduktive Last des politisch-militärischen „Weltmachtkonsums“.

Romney kann in der aktuellen Lage DEFINITIV NICHT der „Präsident aller Amerikaner“ sein. Er MUSS nicht nur der Präsidentschaftskandidat der Superreichen des amerikanischen Kapitals sein. Er MUSS der Präsidentschaftskandidat der Superreichen des globalen Kapitals sein.

Ein Romney an der Macht würde DEFINITIV KRIEG bedeuten!

Morph September 19, 2012 um 16:16

@Hans Hütt

Man kennt das doch von Suchtkranken. Die müssen meistens derbe auf die Klappe fliegen, damit sie zur Vernunft kommen. Ich meine, man kann das auch auf Großkollektive übertragen.

Wünscht man dem Suchtkranken deshalb den Absturz? Vielleicht hat man als Familienangehöriger manchmal so schwarze Gedanken. Als Außenstehender ist es einem relativ gleichgültig. Man ruft sich nur den Psychomechanismus in Erinnerung um nicht zum x-ten Mal sich vom Elend erschüttern zu lassen und folgenlos an die ‘besseren’ Einsichten des Kranken zu appellieren.

Übetragen auf Großkollektive: Es kommt der Punkt, da kann man nur noch abwarten und hoffen, dass man selbst beim Auf-die-Klappe-fallen nicht zufällig die Nasenspitze des Kollektivs bildet…

Ry Cooder, der in Sachen politisches Bewusstsein sicher unverdächtig ist, ‘Systemapologet’ zu sein, sagt:

“Und wenn du fragst, ob es zu spät ist, das Rad noch umzudrehen? Ja, es ist zu spät. Diese Leute sind übrigens Dummköpfe. Die Leute an der Wall Street sind nicht klug. Am Ende scheitern sie alle. Klar, sie verdienen Milliarden von Dollar. Aber wer hat etwas davon? Nein, keiner. Es höhlt alles nur aus – wie eine Flutwelle. Und dann kommen die Hyänen aus ihren Löchern und ihre Problemlösung lautet: Privatisierung von Gefängnissen, Schulen und Krankenhäusern. Vergesst die soziale Verantwortung der Regierung. Alles wird an den Höchstbietenden verscherbelt. Ach. Das zu beobachten, ist qualvoll. Aber genau das passiert jetzt in der Wahlkampfzeit. Das macht mir Angst. Ich sage Ihnen ganz ehrlich, was ich mache. Ich sitze mit meiner Mandoline und meiner Gitarre im Haus und warte auf eine gute Idee. Wenn ich dann ein paar gute Songs habe, rufe ich Joachim, um sie vielleicht aufzunehmen. Was sonst kannst du denn machen.”

Aus @Dipfeles Link

topi September 19, 2012 um 16:24

morph

” Insofern ist Dein Urteil, dass Obama den Absturz der USA verhindert hat, eben ziemlich fraglich. Die QE-Strategie ist, was den Absturz verzögert; in den USA genauso wie in Japan und Europa. Schwer zu glauben, dass ein republikanischer Präsident sich gegen dieses Mittel gewehrt hätte. Wie auch immer. Mindestens kann man feststellen, dass es das traurigste ‘Erfolgs’-Narrativ einer Regierung wäre, zu sagen, ohne uns wären wir wahrscheinlich alle verhungert und hätten uns gegenseitig abgeschlachtet. Wir sind besser als Armageddon!”

QE verhindert den sofortigen Zusammenbruch, richtig.
Aber das ist nur die Geldseite, mein Lieber, es gibt eben auch die Realseite.

Die dranhängenden Banken kann man mit QE retten, Bernankie dürfte hinreichend kreativ sein; aber:
General Motors ist General Motors.

Wir können uns das leicht ausmalen, was unter Palin (Cain mit Herzinfarkt, brauchen ja eine klare Kante :roll: ) gelaufen wäre, welche Politikfelder die Agenda bestimmt hätten.

Das Defizit wäre wegen Steuersenkungen nocht erheblich höher, etliche realwirtschaftliche Stimuli wären unterblieben, dafür könnte man in jedem Naturschutzgebiet Öltürme setzen; und vielleicht hätten die “Staatsreduzierer” die seit Reagan gängige keynesianische Nachfragepolitik weiter betrieben: Militärausbau auf Pump. Aber schwierig, bei der Augangsbasis.

Wir kennen die WWK I; die Mechanismen sind klar.
Ohne Goldstandard und mit QE wirkt das nicht so brutal wie mit, aber es ist anhand der Gesamtverschuldungsquoten klar ersichtlich, dass da keine spontane Neuverschuldung zur Sozialproduktsräumung auf höherem Niveau mehr anspringt, jeder weggesparte Arbeitsplatz ist weg, mit weiteren EInkommensverlusten.

QE hat ja auch nur einen Sinn, wenn jemand auf der anderen Seite steht; denn Palin hätte kaum Stephan und Friends in die FED beordert.

Wir können ja mal die Parallelen zwischen Politikempfehlungen der Teebeutel und Troikaner herausarbeiten, und dann den Blick nach Griechenland und Spanien wenden.

Morph September 19, 2012 um 16:25

Ich meine, im Ernst, was kann in diesen Verhältnissen eine vernünftige Haltung sein? Mir scheint, dass uns kaum etwas anderes zu tun bleibt, als die abwegigen geistigen Verführungen unserer Zeit unschädlich zu machen, nämlich: Vertrauen in die Rationalität der Geldwirtschaft, Vertrauen in die Rationalität politischer Führung, Glaube an ein ‘besseres’ Geldsystem, Glaube an die ‘böse’ Weltherrschaft (aka VT). Mehr kann unsereins nicht tun und für sich und andere besorgen. Es wird sich in zehn, zwanzig Jahren schon irgendwie wieder zurecht ruckeln…

Carlos Manoso September 19, 2012 um 16:46

@ Morph September 19, 2012 um 16:16
„Man kennt das doch von Suchtkranken. Die müssen meistens derbe auf die Klappe fliegen, damit sie zur Vernunft kommen. Ich meine, man kann das auch auf Großkollektive übertragen.“

Die Stimmen der Vernunft der Menschen sind immer schwach anwesend, aber in Krisen wird man sie um vieles lauter durch den gemachten Lärm hindurch hören. Auch Großkollektive erkennen dann plötzlich den Wald, den sie vor lauter Bäumen bisher nicht sehen wollten oder konnten.

Gewiß wird die Welt des Kapitals –und ganz besonders das Zentrum USA – in der nächsten Zeit in ein Schwarzes Loch gezogen und in den nächsten Wochen in einen globalen Sturm der Krisen und Konflikte in einem bisher nicht bekannten Ausmaß geraten. Aber gleichzeitig sehen wir, dass der Wald an vielen Stellen immer heller wird. Beispielsweise sehen wir einen völligen Neuanfang von Euroland, wir sehen bisher unvorstellbare Sprünge bei der Integration Europas zu den „Vereinigten Staaten von Europa“.

Praktisch sehen wir aktuell „ eine Befreiung des europäischen Kontinents vom amerikanischen Einfluss.“
http://www.leap2020.eu/GEAB-N-67-is-angekommen-Okt-2012-Die-Weltwirtschaft-wird-von-einem-Schwarzen-Loch-geschluckt-und-die-internationalen_a12220.html

Morph September 19, 2012 um 16:55

@Dipfele

hier noch ein Interview mit dem trotz der deprimierenden Botschaft sehr trostreichen Ry Cooder:

http://video.pbs.org/video/2275868718/

f.luebberding f.luebberding September 19, 2012 um 17:02

Morph

Bush hat nach 2007 natürlich auch nicht gemäß der eigenen Programamtik gehandelt. Der Aufstieg der Tea Party ist ja auch mit der Empörung über die “Wall Street” zu erklären. Aber es hätte weder das erste Konjunkturprogramm mit Cain gegeben, noch die Gesundheitsreform. Und die GOP hätte drastische Kürzungen im Sozialbereich durchgesetzt. Das scheint mir ein plausibles Szenario zu sein. Nur sind Wahlen immer mit Zukunftserwartungen verbunden. Das beste Beispiel war Churchills Abwahl 1945 – trotz seiner Verdienste.

keiner September 19, 2012 um 17:02

Wir leben in einer ach-so-augeklärten Welt, ohne Hokuspokus, aber

- das Finanzsystem und alles Geld funktioniert nur, wenn man dran glaubt

- das politische System ist auf theologische Begrifflichkeiten und Werte oder noch schlimmer -MYTHEN- angewiesen.

Dann weiß ich doch lieber woran ich glaube. Jedenfalls nicht an die Sorte Menschen, die sowas als den letzten Schrei des denkenden Menschseins verkaufen wollen.

Carlos Manoso September 19, 2012 um 17:19

@ f.luebberding September 19, 2012 um 17:02
“Bush hat nach 2007 natürlich auch nicht gemäß der eigenen Programamtik gehandelt. Der Aufstieg der Tea Party ist ja auch mit der Empörung über die “Wall Street” zu erklären. Aber es hätte weder das erste Konjunkturprogramm mit Cain gegeben, noch die Gesundheitsreform. Und die GOP hätte drastische Kürzungen im Sozialbereich durchgesetzt. Das scheint mir ein plausibles Szenario zu sein. Nur sind Wahlen immer mit Zukunftserwartungen verbunden. Das beste Beispiel war Churchills Abwahl 1945 – trotz seiner Verdienste.“

Lübberding, wenn man so will, bestand der Unterschied zwischen McCain und Obama darin, dass McCain ungewollt die Axt an den absterbenden Baum des Kapitals legen wollte, während Obama den absterbenden Baum des Kapitals mit großen Eimern QE-Wasser zum Blühen bringen wollte.

Das Einzige, was Obama letztlich bleibt, sind mehr QEs, also mehr Geldschöpfung durch die FED. Mehr QE heißt aber in der Lage der USA nichts anderes, als dass die instabile Situation immer instabiler wird, je offensichtlicher die Notenbank FED zur Mega-Bad-Bank mutiert.

keiner September 19, 2012 um 17:24

…weshalb ja auch die EZB zuerst zum Kollaps gebracht werden MUSS.

f.luebberding f.luebberding September 19, 2012 um 17:35

Carlos

Der Kongress ist wegen der Mehrheitsverhältnisse blockiert. Vor allem aus dem Grund interveniert die FED, weil Fskalpolitik praktisch unmöglich geworden ist. Und das erste Programm von Obama war soweit klassische keynesianisch – lassen wir jetzt einmal die Kritik von Leuten wie Krugman weg. Nur wird die FED mit QE tatsächlich wenig erreichen. Der Wirkungsmechanismus ist schlicht zu kompliziert. Sie können ja nur indirekt den Konsum und damit die Investitionen beeinflussen.

Carlos Manoso September 19, 2012 um 17:44

@keiner September 19, 2012 um 17:24
„…weshalb ja auch die EZB zuerst zum Kollaps gebracht werden MUSS.“

Die reale Wirtschaft des Kapitals wird momentan noch von Blasen entwerteter Eigentumstitel gezogen, für die die „Finanzinvestoren“ an den „Finanzmärkten“ als private Käufer immer mehr ausfallen. Um das System noch am Laufen zu halten, muss die EZB diese entwerteten Eigentumstitel mangels privater Finanzinvestoren kaufen. Damit verwandelt sich die EZBselbst schleichend in eine Bad-Bank.

Die wahre Dimension der Transformation der EZB zur Bad-Bank besteht darin, dass das Kapital selbst das Medium Geld des Kapitals selbst entwertet. Quasi zerstört das Kapital sich selbst, führt selbsttätig den finalen Kollaps herbei. FED dito.

Carlos Manoso September 19, 2012 um 18:05

@f.luebberding September 19, 2012 um 17:35
„Der Kongress ist wegen der Mehrheitsverhältnisse blockiert. Vor allem aus dem Grund interveniert die FED, weil Fskalpolitik praktisch unmöglich geworden ist. Und das erste Programm von Obama war soweit klassische keynesianisch – lassen wir jetzt einmal die Kritik von Leuten wie Krugman weg. Nur wird die FED mit QE tatsächlich wenig erreichen. Der Wirkungsmechanismus ist schlicht zu kompliziert. Sie können ja nur indirekt den Konsum und damit die Investitionen beeinflussen.“

Lübberding, dass Obama wegen der Mehrheitsverhältnisse im Kongress blockiert ist, ist nur teilweise richtig. Sicher hat Obama Irak und Afghanistan perspektivisch beendet Obama hätte zusammen mit dem Kongress das unter Bush maßlos aufgeblasene Militärbudget sehr drastisch herunterfahren können. Obama weitete die weltweiten Kriege aus (Drohnen), denn die USA brauchen das reale militärische Drohpotential, um z.B. die OPEC zum Festhalten an der Fakturierung des Öls in Dollars zwingen zu können. Beispielsweise berichtet die NYT, dass die amerikanischen Ölimporte aus Saudi-Arabien und den Golfstaaten seit Jahresanfang 2012 drastisch herausgefahren wurden. Für die Kapitalimporte in die USA ist das überlebenswichtig. Wenn auch noch der Defizitkreislauf mit China stocken sollte, wären die USA in wenigen Monaten geliefert.

Kurzum, was Obama erwartet, ist ein Höllenjob, den er definitiv nicht überleben kann. Ich denke, das Homeland des Kapitals wird im Wahlnovember dafür sorgen, dass Obama mit Erdrutsch gewinnt und der Konkress ein QE nach dem anderen bis zum Exitus durchwinkt.

Andreas Kreuz September 19, 2012 um 18:26

@Morph September 19, 2012 um 08:26

Der Leiharbeiter Otto I. hat mit dem Filialleiter Otto II. und dem H4-Otto III. ungefähr soviel Ähnlichkeit wie der idelle Gesamt-Otto mit, äh, Kostas, João oder Li.

Der ‘kleine’ Mann von Welt, der bloß künstlich vereinzelt sei und wegen seiner objektiven Interessengleichheit mit allen anderen ‘kleinen’ Männern ein überwältigendes Kollektiv in Wartestellung darstellt, ist eine Illusion.

Der Unsinn wird nicht wahrer durch x-malige Wiederholung.
Genau solche ‘morphs’ sind die ‘Differenzierer’.

Der Otto muss sich ernähren, kleiden, ein Dach über dem Kopf haben und dann ein bißchen leben.
Zu mehr reicht es bei den meisten sowieso nicht.
Ob nun mit blauer Mütze oder grüner.
Mit oder ohne iphone.

Oder wie willst Du Deine Aussage begründen?
Heraus damit, wenn’s so klar ist:

Systemfrager September 19, 2012 um 18:40

OT
Russland schmeißt US-Helfer raus
http://www.n-tv.de/politik/Russland-schmeisst-US-Helfer-raus-article7265121.html
Die Araber haben von dem Westen genung, die Russen auch …
Gott sei dank
Hoffentlich ist der Rest der Welt stark genung, so dass den westlichen rrr-Eliten nicht wieder einmal einfällt, den Michel wider einmal den Rest der Welt zu versklaven
Die Araber und die Russen retten den Michel

Systemfrager September 19, 2012 um 18:41

also
… den Michel wieder einmal zu bewafnen um …

keiner September 19, 2012 um 18:52

@CM

Jooo, schon klar, es geht nur um die REIHENFOLGE des Kollapses, dabei MUSS die EZB VOR der FED/BoE etc. Wegen KRIEGSSCHULD und Reparationen! ;-)

Morph September 19, 2012 um 19:02

@AK

“Zu mehr reicht es bei den meisten sowieso nicht.”

Bitte? Mach mal die Augen auf!

“Oder wie willst Du Deine Aussage begründen?”

Eben damit, dass wir hier alle, vom H4-Empfänger bis zum Vorstandsvorsitzenden, in einer materiellen Opulenz leben, die schlicht atemberaubend und menschheitsgeschichtlich beispiellos ist. Der Mindestbemittelte heute (Drogensüchtige und schwer Persönlichkeitsgestörte nicht eingerechnet) lebt komfortabler als die materiell Bestgestellten bis vor 250 Jahren.

Es gibt viele Gründe, die soziale Ungleichheit problematisch zu finden. Aber wenn hier und anderswo Leute sich im Hass- und Neidmodus zu Wort melden, die zugleich durchblicken lassen, auf Sizilien oder in Thailand Urlaub zu machen, dann muss ich wirklich lachen. Und so etwas erlebt man häufig!

Systemfrager September 19, 2012 um 20:21

>>> dann muss ich wirklich lachen
Ja, so sind die Zyniker und Menschenverachter, die Assozialen, die Sozialdarwinisten und der restliche moralische Abfall der Evolution, sie haben noch nie einen sehen können, dem nicht so gut ginge, dass man ihm noch etwas nehmen sollte – und dem armen Reichen geben könnte
Ale ein amerikanischer Soldat im WK2 Luhmann die Armbanduhr nahm, war dieser über die Barbarei der Amerinknischen entsetzt, er konnte es einfach nicht fassen … dass er der blutrünstigsten und verbrecherischsten Horde gehört hat, die es im 20 Jh gab, das könnte diesem Vollidioten nie in den Sinn kommen

Andreas Kreuz September 19, 2012 um 22:01

@morph

Der Mindestbemittelte heute… lebt komfortabler als die materiell Bestgestellten bis vor 250 Jahren.

Das möchte ja wohl sein, nach 250 Jahren Produktivitätssteigerung!

Geht’s noch?

Andreas Kreuz September 19, 2012 um 22:16

@morph

Neid-Debatte?

Geh’ doch mal in eines der Unternehmen, die zur Zeit 4-5stellige Anzahlen an Arbeitskräften frei setzen.

Ich bin täglich da…

Morph September 19, 2012 um 22:36

@AK

“Geht’s noch?”

Sicher. Setze die 250 Jahre gegen allermindestens 50000 Jahre Menschheitsgeschichte. Willst Du sagen, dass die Menschen 49740 Jahre kulturellen Kollektivdaseins menschenunwürdig gelebt haben? Dass erst Kühlschrank und PKW dem Menschen gezeigt haben, was Freiheit ist? Dass erst, wenn alle einen Privatjet nutzen können, das Humanum aus den Fesseln der Natur und der sozialen Unterdrückung befreit sein wird?

Die ‘emanzipatorische’, partizipatorische’, ‘gesellschaftskritische’, ‘humanistische’ Orientierung an den Produktivitätsfortschritten führt in eine Sackgasse. Wir müssen lernen, dass es diese Produktivitätsfortschritte nie gegeben hat. Bzw. dass auf ihrer Rückseite immer Destruktivitätsfortschritte mitgeführt wurden. Wer vom Ford Model T reden will, sollte über den Gaskrieg nicht schweigen.

Unsere Vorstellungen davon, was zu einem guten Leben gehört, sind nicht kontinuierbar (und immer schon falsch gewesen).

Andreas Kreuz September 19, 2012 um 22:53

@morph

Was willst Du mir da unterjubeln?
Solche Versuche sind lächerlich.

Schau einfach jetzt bei Anne Will, welche Angst die ‘Mittelschicht’ vor dem Abstieg hat und lies dazu das:

http://ad-sinistram.blogspot.de/2012/09/ein-pladoyer-auf-den-klassenkampf.html

Aber nach all Deinen Beiträgen hier habe ich nur wenig Hoffnung, dass es etwas hilft…

Morph September 19, 2012 um 23:16

@AK

“Was willst Du mir da unterjubeln? Solche Versuche sind lächerlich.”

Bleib locker! Ich will Dir nichts ‘unterjubeln’. Meinethalben kannst Du gern an die Renaissance des Arbeiterkampfs glauben. Manche glauben an das jüngste Gericht, manche an die proletarische Revolution. Solche Glaubenssysteme sind ja sehr robust und lassen sich durch Empirie nicht erschüttern. Und dass diese Glaubenssysteme immer weniger Parteigänger finden, stärkt nur das Bewusstsein der Unentwegten. In diesem Sinne: Schönen Sonntag!

Stephan September 19, 2012 um 23:16

Ich bin echt dankbar, dass gerade der @Morph mich ein bisserl gestupst hat bei wiesaussieht aufzuhören. Seine Logik ist so was von verquer, da fragt man sich was haben solche Typen an Universitäten eigentlich verloren?

Andreas Kreuz September 19, 2012 um 23:25

@Stephan

Vielleicht Ausdruck eines fast ausdifferenzierten Pluralismus bis hin zur Beliebigkeit? ;-)

Morph September 19, 2012 um 23:29

@Stephan

Hi! Nenn’ das Problem, dann kann ich reagieren. Wenn Du es aber dabei belässt, nur mal zu hupen, dann ist es eben das. Spießer im Gedankenverkehrsstau.

topi September 19, 2012 um 23:32

Morph

” Der Mindestbemittelte heute () lebt komfortabler als die materiell Bestgestellten bis vor 250 Jahren.”

Ach.
Na wenn ich materiell entscheiden müsste, ob Maharadscha damals oder Grieche ohne Anspruch auf Sozialleistung heute, na ich weiß nicht, wie weit deine These trägt. :roll:

Deine Betrachtung ist Unsinn. Du klingst wie Hüther. Wer den kennt, weiß, was das bedeutet. :roll:

Der Kuchen wächst und wächst, Produktivitätsentwicklung.

Und weil die Menschen früher alle in Höhlen lebten, sollen die Massen nicht mehr den STandard ihrer Eltern erreichen können?

Es ist doch nicht so, dass nicht genügend da ist. Die Argumente, der Wohlstand früherer Jahrzehnte beruhte auf der Ausbeutung des Südens, und heute kommt der Chinese und der Inder, ist völliger Käse.
Die Rohstoffarme Volkswirtschaft (weißt schon ;~) muss Rohstoffe importieren; ein Bruchteil der Wertschöpfung.

Der Rest versickert in der Verteilung der Primäreinkommen, die dann auch nicht entsprechend sekundär umverteilt werden.

Das beruht auf politischem Handeln.

Also hüthere* doch hier nicht so rum.

* hüthern: halbwahrheiten, fastlügen, faktenverdrehen, und wenn es keiner merkt, auch mal ganz direkt zu lügen

Treidelstein September 19, 2012 um 23:44

@ CM – “Gewiß wird die Welt des Kapitals –und ganz besonders das Zentrum USA – in der nächsten Zeit in ein Schwarzes Loch gezogen und in den nächsten Wochen in einen globalen Sturm der Krisen und Konflikte in einem bisher nicht bekannten Ausmaß geraten. Aber gleichzeitig sehen wir, dass der Wald an vielen Stellen immer heller wird. Beispielsweise sehen wir einen völligen Neuanfang von Euroland, wir sehen bisher unvorstellbare Sprünge bei der Integration Europas zu den „Vereinigten Staaten von Europa“.”

Ja, so schreibt sich das dann, wenn man völlig auf den teleologischen Hund gekommen ist. Alles wird unvorstellbar und bisher nicht bekannt… außer der Prophet, der weiß das Unvorstellbare und Nichtbekannte natürlich schon vorher… und da müssen dann schon ein Haufen Landschafts- und Wettermetaphern dran glauben. Das Lustige ist, daß ausgerechnet Du mit Deiner überspannten wetterleuchtenden Prosa den anderen andauernd “Halluzinieren” vorwirfst. Ich muß da gelegentlich an Karl Mannheims “Ideologie und Utopie” denken, v.a. an die Herleitung politischer Ideologien aus religiösen Endzeitvorstellungen.

@ Morph

Und Du willst hier offenbar jetzt den tiefschwarzen Reaktionär geben, passenderweise nimmst Du ja gleich die Steinzeit zum Maßstab. Das ist doch mal konsequent; während @CM in seiner Disziplin doch immer hinter dem guten Kalupner zurückbleibt, versuchst Du in der Deinen gar den Leo Naphta zu übertreffen. Nur hast Du keine so schöne Geschichte zu erzählen wie letzterer, das mußt Du einsehen, und da hilft Dir die abstrakte Zahl 50.000 auch nicht weiter…

Klar doch, auch der elende landlose Tagelöhner oder Vagabund des Mittelalters und der Armenhäusler der Frühen Neuzeit waren eigentlich noch gut dran gegenüber dem Steinzeitmenschen, der immerfort unters Mammut zu geraten drohte. Insofern waren die Bauernkriege, die Französische Revolution und die Arbeiterbewegung furchtbare historische Irrtümer, nicht wahr?

Aber anders als @AK habe ich noch Hoffnung; irgendwie ist das bei Dir ja immer nur eine austauschbare Pose zur Provokation des Publikums. Bevor Du anfängst, sowas wirklich zu glauben, hilft vielleicht das hier:

http://www.berliner-zeitung.de/archiv/der-soziologe-richard-wilkinson-und-die-medizinerin-kate-pickett-belegen–dass-gerechtere-gesellschaften-fuer-alle-gut-sind-mehr-gleichheit-macht-gluecklich,10810590,10704284.html

topi September 19, 2012 um 23:46

Und Neid, geh doch weg!

Es geht doch nicht darum, ob man nach Thailand fahren kann oder könnte.
Es geht um die Durchökonomisierung der gesamten Gesellschaft, zur Kapitalverwertung der fat cats. Der Reichtumsbericht spricht ja von den oberen 10 Prozent, das obere Promille wäre sehr erhellend.

Du siehst es doch an der Uni, prekäre Jobs für Akademiker.
Du kennst die Niedriglohnbranchen, und du kennst die Möglichkeiten, legal oder nicht verfolgt, diese noch zu unterbieten.

Unsicherheit für viele Menschen, Abstiegsängste bei sehr vielen, ohne anständige Sicherungssysteme.

Mir doch wurscht, ob ich ein neues Ei-Krempel-Ding habe, oder mein Flat die halbe Wand einnimmt (kommt mir persönlich eh nicht ins Haus).
Ich will aber nicht in einem Land leben, in dem öffentliche Schulen verrotten, und 33 Schüler in einer Klasse hocken.
Die gesetzliche Rente nicht mehr den Lebensstandard sichert.
In der Pflegefall menschenunwürdiges Leben heißen kann.
usw.usf.

topi September 19, 2012 um 23:48

Oh, Sahra hat Hüther beim hüthern erwischt. :roll:

Ein Klassiker: es gibt den Befund, Mittelschicht schrumpft erheblich, und es wird eine Randbedingung thematisiert, bei der sich ein scheinpositives Bild ergibt, und der eigentliche Befund weggehüthert werden soll.

Balken September 19, 2012 um 23:48

@Hannes Hütt
“…um einer Machtballung entgegenzuwirken.”

Der war jetzt echt gut! Schenkelklopf! :-P

topi September 20, 2012 um 00:06

hHuett
“Übrigens haben die Wahlforscher für Jahrzehnte dokumentiert, in welcher Feinfühligkeit die an den Wahlen teilnehmenden Amerikaner dem Muster der checks & balances folgen, um einer Machtballung entgegenzuwirken.”

Wie haben sie denn das herausbekommen?
“Sind sie gegen eine Machtballung, und haben deshalb dem Präsidenten einen Denkzettel verpasst?”

Oder wie wäre es mit einer der vielen denkbaren anderen Erklärungen, bspw. dass die Oppositionspartei ihre Position wieder schärfer vertreten kann, während man der Regierungspartei ansieht, dass sie auch nur Mist baut, im großen und ganzen?

Nach der Totalblockade müsste ja jetzt ein Erdrutschsieg erfolgen, egal für wen, da checks und balances offenbar nicht funktionieren, zumindest zur Zeit.

Morph September 20, 2012 um 00:08

@topi

“Ich will aber nicht in einem Land leben, in dem öffentliche Schulen verrotten, und 33 Schüler in einer Klasse hocken.”

Geht mir genauso. Allerdings frage ich mich, so peinlich das auch sein mag, was dahinter steckt, dass es so ist. Und die Standardthese aller Wohlmeinenden ist, dass daran der Gruppenegosimus der Bessergestellten schuld ist. Mein Verdacht ist, dass das auch mit der deptimierenden Zufriedenheit der Schlechtergestellten zu tun hat. Und da machen eben die absoluten materiellen Möglichkeiten schon einen Unterschied.

Man kann den Gedankengang natürlich so lesen, als würde ich sagen wollen, soziale Ungleichheit wäre ein Scheinproblem. Das ist aber nicht mein Punkt. Mich interessiert, warum trotz der offen sichtbaren Irrationalität der geldwirtschaftlichen Trends, die gerade allen traditionellen Vorstellungen vom Zusammenhang zwischen Risiko und Haftung spotten, sich keine gesellschaftliche Gegenmacht konstituiert.

Und da scheint mir auf den ersten Blick plausibel zu sein, dass in Zeiten von fließend Warm- und Kaltwasser, Sizilien- und Thailandaufenthalten wohl die relative soziale Ungleichheit keine kollektivierende Kraft mehr hat.

Wer mag, kann gegen diese These Einwände formulieren.

Treidelstein September 20, 2012 um 00:09

@ topi, OT

Übrigens, weil Du neulich fragtest: Also ein satirisches Gesetz zur Setzung von Randbedingungen mit dem Ziel, eine bestimmte Aussage zu gewinnen, kenne ich nicht. Es müßte ja so eine ähnliche Sache sein wie das “Peter-Prinzip” oder die “Anleitung zum Unglücklichsein”.

In bezug auf neoklassische Gleichgewichtstheorien gibt es eine kurze Darstellung in Norbert Härings “Markt und Macht” ab S. 216ff, da wird dieses Phänomen auch berührt. Der hat darüber hinaus auch noch eine große Anzahl von kommentierten Literaturhinweisen zu explizit mainstreamökonomiekritischen Texten.

Morph September 20, 2012 um 00:16

@topi

“Und Neid, geh doch weg!”

Wäre ich auch dafür. ;-) Nützt aber nichts, den zu negieren. Schau Dir die Erfolgsformate der Massenmedien an. Die Sehnsucht nach Upperclass und die ressentimentale Schadenfreude gegenüber dem Scheitern vermeintlich Privilegierter ist der cantus firmus der Mediengesellschaft.

Jackle September 20, 2012 um 01:16

Ohne Blut, Chaos, Leid, Menschenleben, Wut, Hass und Rache aber auch alledem, was sich davon entschieden unterscheidet, wird es wohl nicht ablaufen können. Was dabei heraus kommt? Egal. Wann es passiert? Egal. Wird es noch eine politische, gesamtgesellschaftliche “Lösung” geben? Sicher nicht. Es wird zündeln, hier und dort und dann kommt halt mal ein Knall. Hoch und schnell oder tief und lang. Wer weiß.
Mein Vorschlag: Vorher nochmal schnell nach Thailand fliegen, sofern man noch nicht da war!

Treidelstein September 20, 2012 um 01:36

@ Morph – “Mich interessiert, warum trotz der offen sichtbaren Irrationalität der geldwirtschaftlichen Trends, die gerade allen traditionellen Vorstellungen vom Zusammenhang zwischen Risiko und Haftung spotten, sich keine gesellschaftliche Gegenmacht konstituiert./ Und da scheint mir auf den ersten Blick plausibel zu sein, dass in Zeiten von fließend Warm- und Kaltwasser, Sizilien- und Thailandaufenthalten wohl die relative soziale Ungleichheit keine kollektivierende Kraft mehr hat. Wer mag, kann gegen diese These Einwände formulieren.”

Na, später vielleicht mehr… zuerst nur der Einwand: Du gehst von einem zu kurzen Zeitrahmen aus. 4 Jahre seit dem offenen Sichtbarwerden der Funktionsstörungen des Geldsystems für die Allgemeinheit sind in historischer Perspektive gar nicht viel. Daß es in Südeuropa auf der Realseite richtig einschlägt, ist noch weniger lange her. Die USA mit ihrer spezifischen Sozialgeschichte sind für die Entwicklung in europäischen Ländern m.E. ohnehin kein Maßstab.

Freilich gibt es Faktoren, die das Entstehen einer sozialen Gegenmacht erschweren. Das fließende Wasser würde ich jetzt aber nicht dazuzählen… eher die zunehmende Heterogenität von Arbeits- und Lebensorganisation und die Fragmentierung in kulturell divergente Milieus. Sagen wir so: Daß die studierte großstädtische Prekarierin in den neuen Dienstleistungsbranchen und der Leiharbeiter in den alten Industrien einander mit Empathie begegnen und eine gemeinsame politische Perspektive entwickeln, ergibt sich nicht automatisch daraus, daß beide vom Produktivitätsfortschritt abgekoppelt werden. Es ist aber trotzdem nicht unmöglich.

Es ist natürlich dann auch die Frage, ob ein eher bürgerlicher radikaldemokratischer Anspruch und ein sozialer Teilhabeanspruch auf einer Seite der Barrikade stehen können. Und eine andere Frage ist, wie groß Kohäsion und/oder Fragmentierung auf der Seite der “Eliten” des ancien regime sein werden. Wie gesagt, ich halte das für grundsätzlich offen, ich glaube nicht an den deterministischen Teufel.

Systemfrager September 20, 2012 um 06:20

>>> Wer vom Ford Modell T reden will, sollte über den Gaskrieg nicht schweigen. | Morph
Das eine ist ein Erfolg der Naturwissenschaften, das andere ist das Versagen der geistigen Wissenschaften. Und wen wundert es. ZB Kant als Moraölphilosoph war ein vormordernes Arschloch, Luhmann ist ein Vollidiot … Und es wunert nicht, dass gerade DE die Scham und das Versagen der Moderne wurde … die größten deutschen Philsophen waren psychisch kranken Menschen, Nietzsche war vielleicht nur der gesunderste unter ihnen

@Stephan
Sagt mir nicht, dass Morph etwa ein Assistent an einer UNI ist, von Professor will ich nicht einmal ausgehen … allerdings das würde die unendliche Dummheit der geistigen Wissenschaften wunderbar erklären … es sind logik- und realitätsferne Lufblasenerzeuger … und unendlich korumpierbar … Stichwort: Heidegger und Hitler, heute Habermas, über Sloterdijk nicht einmal zu denken … unglaublich gerissene und moralisch verkommene Menschen

Dieser Mensch hat noch nie was sinnvolles gesagt … wie die Schamanen wiederholt er gebetsmühlenartig irgedwelche Verse irgendwelcher Meisterdenker-Idioten

Die Deutschen sind ein gemeingefährliches Volk: Sie ziehen unerwartet ein Gedicht aus der Tasche und beginnen ein Gespräch über Philosophie.

HeinrichHeine, Dichter und Polemiker (1797 – 1856)

Das ist schön bei den Deutschen: Keiner ist so verrückt, dass er nicht einen noch Verrückteren fände, der ihn versteht.

Heinrich Heine, Die Harzreise

Die Deutschen die merkwürdige Gewohnheit haben, daß sie bei allem, was sie tun, sich auch etwas denken.

Heinrich Heine, Die Harzreise

h.huett September 20, 2012 um 06:41

topi

Ein erdrutschsieg incl kommoder Mehrheiten in beiden Häusern ist möglicher geworden, und dieses Mal ohne blaue Hunde Demokraten, die vor zwei Jahren verloren.

keiner September 20, 2012 um 08:08

Krugman hat nochmal drüber geschlafen und auch rausgefunden:

Die Reps kämpfen eigentlich gegen 99% der Bevölkerung!

http://krugman.blogs.nytimes.com/2012/09/19/nation-of-takers/

Morph September 20, 2012 um 08:11

@Treidelstein

“Freilich gibt es Faktoren, die das Entstehen einer sozialen Gegenmacht erschweren. Das fließende Wasser würde ich jetzt aber nicht dazuzählen… eher die zunehmende Heterogenität von Arbeits- und Lebensorganisation und die Fragmentierung in kulturell divergente Milieus.”

Ich verstehe ja gut, dass diejenigen, die die soziale Ungleichheit skandalisieren, nicht so gern über das leibkörperlich erlebbare, faktische materielle Wohlstandsniveau der Leute reden mögen. Denn unter dieser Perspektive zeigt sich, dass die wachsende relative Armut in den Industrieländern sich auf einem Wohlstandsniveau abspielt, auf dem das Wort Verelendung zur kühnen Metapher geworden ist.

Das Demütigende moderner Armutserfahrungen ist nahezu ausschließlich statusmäßig bedingt.Zentral ist die Entwertungserfahrung, nicht die materielle Not. Und umgekehrt: Die Erfahrung von sozialem Status kompensiert heute mangelnde Lebenssicherheiten und Einkommensgerechtigkeit, wie man an der Generation Praktikum vorgeführt bekommt.

Nochmal zur Erinnerung, @Andreas Kreuz hatte geschrieben: “Der Otto muss sich ernähren, kleiden, ein Dach über dem Kopf haben und dann ein bißchen leben. Zu mehr reicht es bei den meisten sowieso nicht.” Ich finde diese Beschreibung ungenau und ich frage mich, wer das von was etwas beansprucht, damit es zu ‘mehr’ reichen würde, und was wäre dieses ‘Mehr’ genau? Und auf wessen Kosten sollte dieses ‘Mehr’ an Lebensqualität realisiert werden? Mir fällt da einfach nur ein, dass da offenbar das untere Drittel der deutschen Bevölkerung (‘Normal-Otto’) gern an den lebensstilistischen Bequemlichkeiten des oberen Drittels teilhätte. Das ist subjektiv verständlich, aber global gesehen ein derart randständiges Problem, dass sich daraus kein gesellschaftliches Projekt ergeben wird.

Über die Demütigung und Entwertuzngserfahrung von Exklusionsprozessen udn über den Stress der Exklusionsdrohung lohnt es sich zu reden. Über ‘Armut’ nicht.

Morph September 20, 2012 um 08:28

@Systemfrager

gut, dass Du @stephan applaudierst. Das gibt seinem Kommentar den angemessenen Anhänger.

Systemfrager September 20, 2012 um 08:51

>>> Denn unter dieser Perspektive zeigt sich, dass die wachsende relative Armut in den Industrieländern sich auf einem Wohlstandsniveau abspielt, auf dem das Wort Verelendung zur kühnen Metapher geworden ist.

Wie zynisch und verlogen, was für ein A*** ein Mensch sein kann. Aber das ist zumidnest nichts neues in der Geschichte. Schlißlich, wieHegel: Die gEschichte ist ein Schlachthof. Und zwar weil es solche asoziale A*** gibt.

Nebenbei bemerkt: Noch A Smith hat gesagt, Armut sein, wenn sich ein Mensch schämen muss, unter die Leute zu kommen. Und die neuen postmodernen asozialen A** laberndarüber, wie es den Armen noch gut gehen müsste, die würden angeblich noch vor Hunger und Kälte noch nicht krepieren. Dass sie nicht heiraten und Kinder zeugen, weil dann wäre es so weit, das wollen die postmodernen asozialen A*** nicht wahrnehmen.

Morph September 20, 2012 um 08:59

@Systemfrager

okay, nach dieser Definition ist arm, wer gezwungen ist, seinen Ferrari zu verkaufen, und sich nun schämt, im Audi TT der Gattin gesehen zu werden.

Du bist ein Bettina-Wulff-Versteher, was? ;-)

kurms September 20, 2012 um 08:59

Morph: “Über die Demütigung und Entwertuzngserfahrung von Exklusionsprozessen udn über den Stress der Exklusionsdrohung lohnt es sich zu reden.”

Richtig, und man sollte dies nicht nur in Bezug auf die Armutserfahrungen an sich machen sondern auch daran denken daß Leute, die versuchen dies zu thematisieren, selber schon den Exklusionsprozessen ausgesetzt sind (z.B. die Linkspartei). Womit man zum “Gruppenegosimus der Bessergestellten” (oder derjenigen die sich dafür halten) zurückkommt.

Systemfrager September 20, 2012 um 09:10

Wie wir feststellen, schreibt auch Sir William Temple den Fleiß der Niederländer ausschließlich der Notwendigkeit zu, die aus ihren natürlichen Nachteilen erwächst. Er belegt seine Lehre durch einen beeindruckenden Vergleich mit Irland, »wo«, wie er sagt, »aufgrund der Größe und Fruchtbarkeit des Bodens und der geringen Bevölkerung alle Lebensnotwendigkeiten so billig sind, daß ein arbeitsamer Mann mit zwei Tagwerken genug verdienen kann, um sich für den Rest der Woche ernähren zu können.

David Hume, Politische und ökonomische Essays

Zu Beginn des 18-ten Jahrhunderts bestand das Arbeitsjahr in den österreichischen Alpengebieten aus 161 Tagen, die übrigen 204 Tage waren Feiertage.

Cipolla, C. und Borchardt, K., Hrsg.: Europäische Wirtschaftsgeschichte

Heute arbeitet man 12 Stunden pro Tag Minijobs, noch muss bei Sozialamt um Hilfe betteln, und trotzdem gibt es in unserem Land noch solche Archlöcher, die nicht wissen können, wie es den Armen nicht klar sein könnte, wei großartig ihnen ginge.

PS
Tja, irgendwo stecken die Gene derjenigen, die damals Million von Menschen in den GAskammern gergrillt hatten, die sind nicht verschwunden

Anmerkung HH

Das ist mal wieder ein Beispiel für die Ressentimentalität dieses sogenannten Systemfragers, das ich stehen lasse, weil es zeigt, was passiert, wenn einem der Verstand abhanden kommt und die Wut übernimmt. Die Gene sinds also? Systemfrager müssten wir demnach nicht als unseren Haustroll, sondern als verkappten Nazi einordnen. Das Irre an diesem Mann ist, dass er buchstäblich nicht weiß, was ihm da aus der Tastatur spritzt.

Systemfrager September 20, 2012 um 09:20

Sehr geehrter und hochgeschätzter Herr HH
Das wird man doch wohl noch sagen dürfen.
:)

topi September 20, 2012 um 09:20

Morph,

du vergisst, dass hier noch die Insel der glücksseeligen Exportüberschussweltmeister ist.
Denen stehen naturgemäß Unterschussweltmeister gegenüber, und entsprechende Schuldenberge, die platzen müssen.
Dann reden wir nochmal.

Frah Kostas und Josè, wenn sie nicht aus einer Großfamilie vom Lande stammen, nach Ablauf ihrer Ansprüche.

Meines Erachtens ist materielle Armut, oder auch “Armut”, nicht auf neue Waschmaschinen, Autos und Ei-Krempel zu beschränken.

Das Problem ist die Durchökonomisierung. Wenn die soziaken Sicherungssysteme sicher wären, Wohnung (mit Wasser, Strom und Heizung) bezahlbar ist, also entweder Einkommen entsprechend oder die Preise reguliert, dazu sehr gute Kinderbetreuung und Schulen und Hochschulen, Zugang zu Musik und Sport und Kunst nicht von “Marktpreisen” abhängig, öffentlicher Nahverkehr und Medien.

Möglich, dass dann immer noch der “Neid” auf das Ei-Ding da wäre. Möglich aber auch, dass die Menschen sich anderen Dingen widmen würden, mit ihrer Aufmerksamkeit.

Die Tendenzen sind alle in die falsche Richtung zu sehen. Bezahlbar wohnen in der Stadt? Warum, die Assis sollen sich doch am Stadtrand im Ghetto sammeln. (O-Ton Wowereit zur letzten Wahl, meine Übersetzung).
Rentenversicherung, solidarisch? Ach was, die Frisörin, der Gärtner und der Paketfahrer sind doch selbst Schuld, wenn sie nicht “vorsorgen”.

Schulen? Jaja, wir würdne ja gerne, Bildung ist ja das wichtigste; aber leider gibt es kein Geld, niergends.
Da muss man auch mal Eigeninitiative entwickeln! Gibt doch Privatschulen. (wir sollen jetzt den Schrank für den Flur mieten. Ja gehts denn noch, nächstes Jahr die Schulbank, oder was?

Pflegenotstand? Ach, alles nur Einzelfälle, gegen das Gestz, wir gehen gegen alles mit vollster Kraft vor! Und wenn der Missstand gesetztlich tusätzlich ist, na dann halt mal das Maul, das Gesetz ist toll, es funktioniert doch sonst immer bestens.

Die Produktivität hat ein Niveau, womit die wirklichen Grundbedürfnisse (die man dem Menschen als soziales Wesen in seiner entwickelten Gesellschaft zuordnen kann) für alle leicht zur Verfügung gestellt werden könnten.

Danach kann sich das ausdifferenzieren, meinetwegen auch wie heute. Aber erst danach, nicht davor.

topi September 20, 2012 um 09:30

Wir sprachen kürzlich über “effiziente” Krankenversicherungssysteme, die nur die gesund halten, die noch wertschöpfen können.

Scheint so, als ob da große Schritte unternommen werden.
Nein, nich tauf KV-Ebene.

Aber unser aller Freund Mosanto, Kämpfer für die bessere Welternährung, ist offenbar auf dem besten Weg!

Neue Studie über die gesamte Lebenszeit von Ratten, zu ihrem GenMais und dem StandardHerbizid.

Ganz tolle Frühverreckungsraten, das saniert die Rentenkassen!

Sehr schön die “Einwände” der “Experten”(also aller bezahlten Genlobby-”Forscher”).

Wenn denn die Ergebnisse wirklich so wären, dann müsste se doch schon jemand bemerkt haben. Allerdings gingen bisherige Studien nur bis 90 Tage, also einem Achtel der Lebenserwartung der Ratten.

Und, besonders gut: Dann müssten ja schon massenhaft Menschen sterben, aber die Lebenserwartung steigt!

Was für ein Selbsttor. Den gibt es etwa seit 10 Jahren, also entsprechend den 90 Tagen der Ratten.

Außerdem werden Menschen i.A. behandelt, mit Tumoren, un ddie Tumorzahlen steigen ja deutlich an über die Zeit,.

Und schließlich: kein Medikament wäre zulassungsfähig, bei dem Ratten massenhaft wegsterben.
Aber für den Drecksgenscheiß soll das nicht gelten, solange nich tbewiesen ist, dass auch die Menschenerkranken könnten. Was für ein “Argument”.

Morph September 20, 2012 um 09:50

@topi

In der Zielvorstellung sind wir uns, glaube ich, einig: Steiler werdende Einkommengefälle und die Erosion der Sozialsysteme bilden zwei Seiten einer Medaille, und wenn man Interesse an einem niedrigen sozialen Stressniveau hat, sollte man Interesse an einem ebeneren Einkommensgefälle haben. Ich meine nur, dass man den logischen Zusammenhang nicht verdrehen sollte. Verteilungsgerechtigkeit ist kein Selbstzweck. Und dass jeder gern mehr vom Kuchen abhaben will, ist eine Trivialität. Auf der Ebene ist kein politisches Projekt zu begründen.

Die Einkommenverteilung sollte nicht allzu ungleich sein um des sozialen Friedens willen! Das ist der Bezugspunkt des ganzen. Und in diesem Bezugspunkt lassen sich auch kollektive Interessen bündeln. Nicht über die Frage, ob man individuell das materielle Wohlstandsniveau der Elterngeneration erreicht oder nicht.

kurms September 20, 2012 um 10:12

Morph: “Die Einkommenverteilung sollte nicht allzu ungleich sein um des sozialen Friedens willen! Das ist der Bezugspunkt des ganzen. Und in diesem Bezugspunkt lassen sich auch kollektive Interessen bündeln.”

Tja, nur gibt es durchaus noch andere Vorstellungen darüber wie sich sozialer Friede sichern läßt, ohne die Einkommensverteilung anzugleichen. Da muß man also noch weitere Gemeinsamkeiten zwischen den Menschen hinzuziehen um über diese Bezugspunkte kollektive Interessen zu bündeln. Sozialer Friede alleine reicht nicht.

keiner September 20, 2012 um 10:14

Um diese Argument zur Geltung zu bringen, müssten aber die Unter- und Mittelschicht mal aufhören zum Billigdicounter zu rennen und mit Ryanair rumzujetten und stattdessen etwas Randale veranstalten.

Sonst ist das nämlich nicht soooo glaubwürdig mit dem bedrohten sozialen Frieden. DAS ist doch der Punkt bei dem ganzen, der die FDP recht ruhig schlafen lässt bei dem ganzen Dumpfsülz, den die absondern.

Systemfrager September 20, 2012 um 10:15

Hier gleich unterschreiben!
Die deutschen Studenten währen sich gegen ihre Professoren-Vollidioten und geistigen Huren der Reichen:
http://www.plurale-oekonomik.de/?page_id=4

Nebenbei gesagt:
Die sozialen Unterschiede sind antiökonomisch, sie verhindern das Produtkititätswachstum der Marktwirtschaft
Pars-pro-Toto als eine primitive und längst überholte Denkweise:
Das Reswitching: Der Sargnagel für die neoliberale Produktionstheorie
weiter >>>

Keynesianer September 20, 2012 um 10:16

@Morph

“Das Demütigende moderner Armutserfahrungen ist nahezu ausschließlich statusmäßig bedingt.Zentral ist die Entwertungserfahrung, nicht die materielle Not. Und umgekehrt: Die Erfahrung von sozialem Status kompensiert heute mangelnde Lebenssicherheiten und Einkommensgerechtigkeit, wie man an der Generation Praktikum vorgeführt bekommt.”

Du übersiehst die Realität der Arbeitsbedingungen, die sich da seit 30 Jahren unter der geldpolitisch verursachten Massenarbeitslosigkeit entwickelt haben. Putzfrauen leisten heute Akkordarbeit in der Putzkolonne und können sich davon kaum ihr Leben leisten. Oder schau Dir mal die Akkordkassiererin beim Aldi an, die müssen extra schnell und hurtig die Ware über den Scanner reißen, gesund ist der Stress nicht, die machen sich durch Arbeit kaputt.

Dann kommt noch die ideologische Seite hinzu: Die gesamte Gesellschaft befindet sich seit über dreißig Jahren unter einer pausenlosen dreckigen Ausbeuterpropaganda, mit einer besonders dreckigen Hetze gegen alle “Verlierer”, also die Opfer des Systems. Das muss der Mensch hier ohne Ende ertragen. Leute wie ich haben inzwischen Fernsehen, Radio und Zeitungslesen aufgegeben, um sich der kapitalistischen Dauerpropaganda zu entziehen.

Aber den Kollegen und Bekannten auf der Straße entgeht man nicht, die das pausenlos wieder über einen auskotzen, was ihnen die Massenmedien täglich in die Birne hämmern. Dem entgeht man nicht.

An den Universitäten und in den Medien dann noch solche Typen wie Du, die sich ihre Karriere durch die Sabotage jeden Widerstands gegen die herrschenden Verhältnisse erhoffen und brav ihren Luhmann und ihr “selber schuld” und “die Leute wollen es doch gar nicht anders” und “uns geht es doch gut” herumplärren.

Systemfrager September 20, 2012 um 10:33

Am Anfang der Moderne musste man die Geistlichen – Kirchen und Religionen – als Bösewichte bekämpfen …
Heute sind die Bösen die Schamanen von den Unis, wo sich die moralisch verkommensten Menschen geistig bei den Reichen und Mächtigen prostituieren und den moralischen und kulturellen Frotschritt, den die Produktivitätssteigerung möglich macht, mit ihren idiotischen Theorien torpedieren

Morph September 20, 2012 um 10:46

@Keynesianer

Sicher, mit Individualschicksalen erreicht man die Tränendrüsen. Das ist diese peinliche Günter-Wallraff-Linke, die sich im Vollgefühl ihrer Empörung suhlt. Widerlich!

Wer die soziale Frage auf individuelle Lebensumstände reduziert, hat deren Inhalt und Umfang nicht begriffen und sollte nicht von ‘Widerstand gegen herrschende Verhältnisse’ reden, denn er versteht offenkundig weder etwas von Herrschaft noch von Verhältnissen.

Mit konkretistischem und moralisierendem Gerede kann man ‘Betroffenheit’ signalisieren, mehr aber auch nicht. Die letzten vierzig Jahre öffentlich gesellschaftskritischer Diskussion waren ein einziger Exzess der ‘Betroffenheit’. Was hat’s gebracht?

topi September 20, 2012 um 10:50

Morph

“Steiler werdende Einkommengefälle und die Erosion der Sozialsysteme bilden zwei Seiten einer Medaille, und wenn man Interesse an einem niedrigen sozialen Stressniveau hat, sollte man Interesse an einem ebeneren Einkommensgefälle haben.”

Könnte man vermuten und aus Untersuchungen ableiten.
Man muss allerdings unterscheiden: reden wir von Primäreinkommen, oder Sekundäreinkommen, und wie sind die Sozialsysteme strukturiert.

Topistanische Renten-Kranken-Pflegeversicherungen greifen in die Primärverteilung keinen Pups ein. (also auf den realen Märkten in der ersten Runde; sie schaden natürlich den FInanzern und stützen durch die höheren Sekundäreinkommen bei der Masse die Realwirtschaft in den weiteren Runden).

Dein Zusammenhang besteht nur, wenn da in der Mitte der Hüther sitzt, der die Menschen vollhüthert, dass die armen armen Reichen ja so viel ihres EInkommens abgeben.

In vielen anderen Bereichen geht es um die Kontrolle von Monopolen. Gas Strom Wasser, entweder klar reguliet, oder gleich genossenschaftlich in Bürgerhand. Der eigentlich richtige Einwand, man darf das nicht raffgierigen Politikern ausliefern, weil das zu Misswirtschaft führt, wird in der Privatisierung ja jeweils nochmal auf den Kopf gestellt entpuppt sich Kapitalverwetungsvorwand.

Anständiges Wohnen für alle braucht klare Politikentscheidungen, nicht so sehr EInkommensverteilungsänderungen.

Nahverkehr, GEZ, unabhängige statt Milliardärsmedien, kommunale “Gebühren”, das wäre alles nicht sehr teuer, im volkswirtschaftlichen Sinn.

Also die Primäreinkommen könnten bei richtiger Ausgestaltung der Sozialsysteme und etwas höherer Steuern oben quasi wie heute bleiben, und wir lebten in einer besseren Gesellschaft.

“Nicht über die Frage, ob man individuell das materielle Wohlstandsniveau der Elterngeneration erreicht oder nicht.”

Die Frage richte man zuerst an die Erben. :roll:
90% Erbschaftssteuer ab X, dann können wir darüber reden, ob die verwöhnten Kinder von Otto und Erna absurde Ansprüche haben.

Systemfrager September 20, 2012 um 10:52

>>> Mit konkretistischem und moralisierendem Gerede
Wer spricht da von “moralisierendem Gerede”!? Die Rede ist von einem planetaren erbrechen, die reichen Unmenschen udn Schurken, gestützt durch die sich bei ihnen moralisch prosituierten Akademikern und Professoren, plündern die ganze Menschheit und den Planeten für ihre unsinnige “Bedürfnisse” und pathologischen Machtgelüste
Deshalb sind die Diner der Reichen so moralisch eckelhaft und degeneriert

Systemfrager September 20, 2012 um 10:55

Es muß in der Tat zugegeben werden, daß die Natur der Menschheit gegenüber so freigebig ist, daß dann, wenn alle ihre Gaben gleichmäßig verteilt und durch Geschicklichkeit und Fleiß vervollkommnet würden, jeder einzelne alle Notwendigkeiten und sogar die meisten Annehmlichkeiten des Gebens genießen könnte; auch würde der Mensch niemals anderen Leiden unterworfen sein als denjenigen, die sich gelegentlich aus der kränklichen Anlage und der Konstitution seines Körpers ergeben. Ebenso muß zugestanden werden, daß immer dort, wo von dieser Gleichheit abgegangen wird, wir den Armen mehr an Bedürfnisbefriedigung rauben, als wir den Reichen hinzufügen, und daß der törichte Genuß einer frivolen Eitelkeit eines einzigen Individuums häufig mehr kostet als das Brot vieler Familien, ja ganzer Landstriche.

David Hume

Keynesianer September 20, 2012 um 11:26

@Morph

Wo war bei mir jetzt von “Individualschicksalen” die Rede. Wir müssen in dieser Gesellschaft alle und überall die Dauerpropaganda der Ausbeuterinteressen auf unsere Köpfe aushalten. Wir müssen überall mit ansehen, wie Leute wie Du mit genau dem, was Du zur Stützung der herrschenden Verhältnisse unternimmst, auch noch belohnt werden und Karriere an der Uni, in der Politik und in den gesellschaftlichen Organisationen und der Wirtschaft machen.

Ein reines Dreckssystem!

Jackle September 20, 2012 um 11:51

Mein Gott, wie peinlich. Hier stand die Aufforderung zu einer Straftat, die ich gelöscht habe. HH
Morphs Einwürfe mögen euren alten, festgefahrenen Weltbildern wohl nicht schmecken. Wenn ihr aber nur im Ansatz euren Ansprüchen genügen wollt, würdet ihr die Kritik etwas sportlicher nehmen. Sich quasi an Morph in dem Punkt ein Beispiel nehmen. Uhh, sorry, das muss weh tuen. :(

keiner September 20, 2012 um 16:19

Eieiei, zerstört der Hütten-Zensolator den ganzen Zusammenhang und die schöne soziale Aufwallung! Ob er dereinst auch dem Mob vor seiner Haustüre mit seinen Administratorrechten drohen wird (“Ich wer euch alle sperren!”)? Wir dürfen gespannt sein…

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