Frau Schavans dröhnendes Schweigen

by f.luebberding on 15. Oktober 2012

Dissertationen entwickeln sich seit dem bekannten Freiherrn aus Franken zu einem Karriererisiko für Politiker. Lediglich der FDP-Europaabgeordnete Jorgo Chatzimarkakis hat die Aberkennung seines akademischen Titels ohne erkennbaren politischen Kollateralschaden überstanden. Das könnte im Fall der Bundesbildungsministerin Annette Schavan anders sein. Die schwelende Debatte bekommt durch das Gutachten der Universität Düsseldorf eine neue Dynamik. Nun hatte bis vor wenigen Monaten diese Arbeit der Ministerin kein Mensch gelesen (hoffentlich aber ihre damaligen Gutachter). Allerdings – und das ist jetzt Frau Schavans Problem – hatte sie im Gegensatz zu Chatzimarkakis ihre Reputation als Politikerin unter anderem auf ihren Promotionstitel aufgebaut. Ihr konkretes Nachdenken über den Begriff des Gewissens spielte dafür keine Rolle. Aber gerade wegen ihrer Funktion als Bundesbildungsministerin könnte die Kritik an ihrer Promotion eine interessante Debatte auslösen.

In der im Gegensatz zum Düsseldorfer Gutachten bekannten Wiki-Untersuchung der Dissertation gibt es ein zentrales Argument für den Plagiatsvorwurf. Schavan verletze systematisch die Zitierregeln in ihrer Arbeit. Sie ersetze die Primärquellen durch Sekundärliteratur und schreibt Passagen aus anderen Quellen ab. Beides werde von ihr nicht kenntlich gemacht. So bekommt man etwa in den Passagen über Freud tatsächlich den Eindruck, dass sie die Originalliteratur gar nicht gelesen, sondern ihre Kenntnisse lediglich aus der Sekundärliteratur bezogen hatte. Ansonsten muss man wohl kaum die Zitierung dieser Sekundärliteratur mit einem gewissen Aufwand vor dem Leser verbergen. Man kann übrigens auch Freud lesen, ohne gleich darüber zu promovieren. Aber kann man auch über ihn promovieren, ohne ihn im Original gelesen zu haben?

Guttenberg hatte bekanntlich das Nachdenken durch “Copy and Paste” ersetzt. Bei Frau Schavan kann davon nicht die Rede sein. Sie musste im Jahr 1980 noch jedes Zitat mühsam abtippen – und konnte wegen der fehlenden technischen Voraussetzungen nicht bloß per Klick kopieren. Ohne jede Ironie: Gerade das erzwingt eine intellektuelle Auseinandersetzung mit dem Zitat. Frau Schavan wurde also wegen der technologischen Unzulänglichkeit ihrer Zeit vor jenem Schaden geschützt, den Guttenberg erlitten hatte: Eine Dissertation nur noch als bloßes Blendwerk betrachten zu können. Selbst wenn sie Freud nicht im Original gelesen haben sollte, wird sie damit über Freud mehr gelernt haben als es einem Guttenberg jemals möglich gewesen wäre. Er hätte sich für Freud noch nicht einmal mehr interessieren müssen.

Insofern ist die heutige Rezeption von Schavans Arbeit ein Ausdruck für das Problem, das bei Schavan skandalisiert wird. Bisher habe ich keinen einzigen Satz gelesen, der sich mit den Inhalten von Schavans Promotion beschäftigt. Es geht lediglich um die Aufklärung der Scheinheiligkeit jener intellektuellen Schaumschlägerei, wo die inflationäre Ausweitung der scheinbar rezpierten Literatur schon längst jeden eigenen Gedanken ersetzt hat. Diese Entwicklung hat sich seit der Abgabe von Schavans Dissertation im Jahr 1980 radikal beschleunigt. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass Frau Schavan diese universitäre Tonnenideologie jemals in Frage gestellt hat. Vielmehr hat sie sie selbst durch ihre Politik in erheblichem Maße promoviert. Frau Schavan ist die Vertreterin einer Bildungspolitik, die über den Weg der Vermarktlichung die Geisteswissenschaften endgültig ruinieren wird. Auf ihren Bildungsmärkten ist die Schaumschlägerei nämlich die einzige Währung, die noch zählt. Mit Martin Lindner kann man das in einem historischen Kontext setzen.

“zugleich ist dieser geistige lebensstrom versiegt. damals gab es ja wirklich enge zirkel, die Freud und Rahner und Jaspers und Luhmann leidenschaftlich diskutierten. das war gleichsam das konzentrat, dessen zunehmend homöopathische verdünnung die “bürgerliche kultur” war, die streber wie #schavan  überallhin verteilten. … . der fall #schavan  ist nur deshalb interessant, weil damit diese epoche der “Bildung” zu ende geht. zu recht und gottseidank. wir werden uns eine neue erfinden müssen.”

Darüber sollte Frau Schavan reden – und zwar gerade in ihrer heutigen Funktion als Bildungsministerin. Wen interessiert dann noch, ob sie Freud im Original gelesen hat oder nicht? Oder Frau Dr. Schavan nur Frau Schavan ist? Aber wahrscheinlich werden wir dazu nur ihr dröhnendes Schweigen hören.

{ 141 comments }

holger Oktober 15, 2012 um 10:41

—>>> Bei Frau Schavan kann davon nicht die Rede sein. Sie musste im Jahr 1980 noch jedes Zitat mühsam abtippen – und konnte wegen der fehlenden technischen Voraussetzungen nicht bloß per Klick kopieren. Ohne jede Ironie: Gerade das erzwingt eine intellektuelle Auseinandersetzung mit dem Zitat.”

Gut beschrieben… ist wie mit dem selbst geschrieben “Spiekzettel” man kann auch sagen, Frau Schavan hat eine Analoge Dissertation abgegeben und keine Digitale.

Sven Oktober 15, 2012 um 10:59

Können wir das “Prof.” oder das “Dr.” nicht generell aus der Anrede streichen, insbesondere zu Wahlzwecken? Erstens würde das den marketingtechnischen Missbrauch dieser Titel zur Wählerbeeindruckung eindämmen (sowie die Jagd nach diesen) und zweitens macht das Büffeln von Thema X den Titelinhaber nicht mal automatisch zum besseren Abgeordneten.

christian füller Oktober 15, 2012 um 11:02

ich gebe martin lindner zu oft recht. hier widerspreche ich euch beiden, partiell jedenfalls.
1. solltet ihr annette schavan nicht die ernsthaftigkeit abstreiten, sich mit ihrem thema auseinandergesetzt zu haben. dazu gehört unbedingt die rezeption von sekundärliteratur, aber selbstverständlich nicht nur. ich habe sie kennengelernt als eine strenge (zu strenge) ja, denkerin. ich befürchte genau das wird sie daran hindern, jetzt das einzige richtige zu tun und zurück zu treten.
2. ist gerade dein blog-post ausdruck dessen, was martin voreilig als bürgerliche bildungskultur verdammt. man denkt nach, macht sich notizen, räsonniert sodann schreibend und denkend über ein thema, macht idealerweise deutlich, woher man welchen gedanken nimmt – und dabei entsteht, genau: etwas neues.
denn, das alles (von den quellen abgesehen ;-)) machst du ja in deinem blogbeitrag.
ich war lange ein fan von martin. inzwischen weiss ich, dass er ein rosaroter ist. und dass er fanatisch bereit ist, in die kreischende crowd einzustimmen, und sei sie noch so dumm. er übernimmt allzuschnell das vermeintliche neue paradigma des rosaroten tollen netzes. das ist die hergabe des skeptizismus, des zweifels und der kritik (auch am neuen) – und dies alles brauchen wir gerade dann, wenn die dummheit sich noch schneller ausbreiten kann als die gute idee. is ja immer so.

f.luebberding f.luebberding Oktober 15, 2012 um 12:02

Sie scheint wohl lieber schweigen zu wollen.

egal Oktober 15, 2012 um 12:13

Schavan ist schon ganz große Literatur. Sie hat ja nicht einfach ein System befördert, das sie zum Schwafeln/Plagiieren gezwungen hat. Sie hat es befördert, obwohl sie ein christlicher Geisteselitestudent war. Wenn aber nicht mal die selbsternannte katholische Verantworungselite genügend Reflektionsvermögen besitzt, um solche Widersprüche zu erkennen und gemäß der eigenen Einsicht zu handeln, desavouiert das alle Bildungsideologie nicht vollkommen?
Wenn Schavan nicht schleunigst als Heuchlerin abgestempelt wird, können wir den gesamten Bildungsüberbau in die Tonne kloppen.

Schatten Oktober 15, 2012 um 12:15

Na ja, aus solchen Kopierereien entsteht doch leicht der Generalverdacht, dass ein Täuschen bei der Dr.-Arbeit nur der Höhepunkt eines entsprechenden Studiums war.

Und die neue Bildung, die im Zeitalter von copy & paste?

War das Problem der sogenannten Bildung nicht immer, dass es ein auf Linie bringen war, ein Kanalisieren der Jugend?

Vielleicht geht es heute gar nicht um Bildung, sondern um Kreativität? Der Bildungskanon steht jedem via Internet offen. Was macht man damit? Und da besteht Schavans Debakel nicht in der unzureichend ausgewiesenen Verwendung von Sekundärliteratur, sondern im Fehlen eigener Gedanken.

snozin Oktober 15, 2012 um 12:22

Dröhnendes Schweigen und Papperlapapp

Auf dem Höhepunkt (welchem?) der Causa Bundespräsi/Bobbycar, als ganze Wagenladungen von Hirtenbriefen in das Blog hereinschwemmten, hätte ich um ein Haar eine Prognose abgegeben, derer ich mich heute ob des Nichteintreffens nicht eben rühmen könnte. Sie hätte in Anlehnung an einen berühmt-berüchtigten Ausspruch im Vorgängerblog gelautet: Im September ist Schluss.

Stattdessen: Es ist Oktober, und das Blog „Wiesaussieht“ lebt!

Statt zu den markt- und machtverursachten Verkrüppelungen im Bildungswesen zur Proporzministerin Schavan und ihrem Doktor- oder Plagiatortitel. Das ist so relevant wie Guttenberg heute in Afghanistan relevant ist.

Ein neues Bild im Haeder zeigt symbolisch ein paar Rollen verpresstes Stroh im Herbst.

Das Blog lebt? Voll Treffsicherheit im Aufspüren von Nebensachen hinkt es als Begleitung sinnfreier Talks vor sich hin, angepasst an die Peinlichkeit der üblichen Umfrage- und Presseamtsverpressung landauf, landab. Das Blog ist so zur Satire auf seinen Vorgänger geworden, auf seinen angemeldeten Anspruch sowieso. In seinem Gehabe, der Themenauswahl und Kommentarbegleitung ein ignorantes „Weißallesbesser“.

Man wird das Wägelchen konsequent bis zum Achsenbruch weiter mit Scheinaktualität beladen. Der Leser spürt, mehr und mehr resigniert, dass er die dargereichten Blogartikel mit Ernsthaftigkeit nicht begleiten, geschweige denn einer Sache Vortrieb, Auftrieb geben kann. Wer eben mal Lust hat, findet ein Fehdeangebot und balgt sich ein bisschen herum.

Weshalb ich solch böses Urteil abgebe? Weil ich mir sicher bin, dass dem Frank Lübberding und seinem Co-Autor Hans Hütt das alles bewusst ist. Und in der Absicht, nun tatsächlich eine Prognose einzustellen, die da lautet: Von vielen guten und bösen Geistern bereits verlassen, wird die Gespensterfahrt „Sosollsaussehn“ ein weiteres Jahr kaum überdauern.

Anton aus Tirol Oktober 15, 2012 um 12:30

Meine Prognose – hier ist Schluß am Jahresende.
Die Autoren haben nichts zu sagen. Sie kopieren die Yellow-Press und fühlen sich großartig.
Der Leser merkt sich so etwas.

f.luebberding f.luebberding Oktober 15, 2012 um 12:40

Snozin

Das Schöne an solchen Kommentaren ist deren Inhaltslosigkeit, die sie so beredt beklagt. Was hindert Dich daran, etwas zur Bildungspolitik zu schreiben?

egal Oktober 15, 2012 um 12:45

@Snozin, du sagst hier wäre alles nur Wind. Ich frage dich, was gibt es wirklich Neues unter der Sonne.

Themen, über die alle reden, sind relevant, weil alle drüber reden. Entscheidend ist, wie drüber geredet wird. Schvan ist dritte Reihe in der Union, Familien, Frauen und Gedöns. Aber die Organisation der Universität? Die Legitimation der Geistenswissenschaften? Die Bedingungen die nötig wären, damit Menschen reflektiert und verantworitungsbewußt handeln?

Und meine Meinung zur Wulffaffäre habe ich hier entwickelt und in der Auseinandersetzung mit anderen gefestigt. Gerade weil FL so bescheuerte Hirtenbriefe geschrieben hat.

Das Niveau des Ausgangsartikels beeinflußt das Niveau der Diskussion. Ich würde sagen, wir haben eine solide Basis.

geldlose Wirtschaft Oktober 15, 2012 um 13:40

@Anton

dann kannst Du ja nächstes Jahr bei Welt online weiterkommentieren. Da merkst Du den Unterschied ;-)

Ein Zitat zum Thema “Bildung”:
“…Ein Zeichen der Bildung, das nahezu allen Bildungstheorien gemein ist, lässt sich umschreiben als das reflektierte Verhältnis zu sich, zu anderen und zur Welt.” wikipedia

Fritz Oktober 15, 2012 um 13:54

Kommentarkollege “Schatten” trifft es vermutlich gut, wenn er daraufhinweist, dass das eigentliche Desaster dieser und ähnlicher Doktorarbeiten vor allem in dem “Fehlen eigener Gedanken” läge, ja – wie es scheint, wenn man sich einmal vergnügungshalber in die Ziatet einliest, an der Unfähigkeit, überhaupt irgendwelche Gedanken verstandesmäßig zu filtern und halbwegs vernünftig zusammenzusetzen. Schavan zu lesen, das ist ja wie eine Parodie auf gesalbtes geisteswissenschaftes Bla-bla: “Zum In-sein gelangt der Mensch nicht erst durch das Erkennen, im Gegenteil: nur weil ihm das Seiende bekannt ist, er darüber verfügt und damit vertraut ist in den verschiedensten Weisen des Besorgens, kann er sich auf das Erkennen einlassen. Erkennen setzt also immer schon den
Bezug zur Welt voraus.” Martin Lindner hat ganz Recht: Da ist der Lebensstrom der bürgerliche Aufklärungskultur auf den Hund des akademischen Betriebs gekommen, und damit müsste mal Schluss gemacht werden. Ja, es gibt Doktorarbeiten die was taugen und ein wichtiges oder wenigstens interessantes Thema haben. Aber schaffen wir doch um Himmelswillen diese Trotteldoktoren ab. Da liegt die Verantwortung übrigens bei den Professoren.

Anton aus Tirol Oktober 15, 2012 um 14:43

@geldloser

Ich lese diesen Schmutz nicht. Egal welche Käseblätter Du noch so kennst. Ich schaue auch nicht Maisberger und son Siff.

Nächstes Jahr wird vieles anders sein. Laß den Kopf nicht hängen Bübchen.

Doktor D Oktober 15, 2012 um 15:17

Mir scheint Frau Schavans Doktorarbeit eher emblematisch für einen Typ Doktorarbeit, den es schon ein paar Jahre später in den meisten geisteswissenschaftlichen Fächern garnicht mehr geben konnte: Viel zu groß dimensioniert – da musste jedem Betreuer klar sein, dass wird Geschwafel oder eben die Bewerbungsschrift auf führende Positionen im konservativ-katholischen Bildungspolitikestablishment. Die richtigen Schibboleths bringt sie ja vor. Und eine Diss als erster qualifizierender Abschluss, das ist ja gerade wegen solcher tragikomischen Ergebnisse wie bei Schavan in vielen Bundesländern in den 80er abgeschafft worden.
Bosheit am Rande: Während meiner Uni-Zeit in den 90ern wurde das Erziehungs”wissenschaften” geschrieben.

der Herr Karl Oktober 15, 2012 um 15:57

“dröhnendes Schweigen”

“Der Mond ist aufgegangen, die goldnen Sternlein prangen. Am Himmel hell und klar…”
(Matthias Claudius)

topi Oktober 15, 2012 um 18:03

Fritz
“Aber schaffen wir doch um Himmelswillen diese Trotteldoktoren ab. Da liegt die Verantwortung übrigens bei den Professoren.”

Wieviele der letzteren sind eigentlich auch nur erstere, mit einer weiteren verquasten Scheinarbeit? :roll:

Besteht die Hoffnung, dass der Bachelor der Massenabschluß wird und der “Trottelmaster” dann als Signal für echte Trotteligkeit durchgeht? Eher nicht.

Also muss weiterhin eine Arbeit mit fraglichem Wert in unfraglich sinnloser Fragestellung produziert werden, als Eintrittskarte für wasauchimmer.

Hier ist durchaus eine Veränderung durch copy und paste eingetreten.
Die Produktion des SIgnals war mit Kosten (vor allem viel Zeit) verbunden. Je fähiger, desto weniger. Weshalb der Mikro-Ökonom gleich eine Theorie entwickelte, dass bestimmt nur der Fähige dieses Signal produziert, weil der andere sich (finanziell) besser gleich auf den Arbeitsmarkt wirft.

Wieder ein schönes Beispiel, wieso Mainstreamökonomie scheitert. :roll:

Mit den veränderten technischen und ghostwriterischen Möglichkeiten hat sich selbst das verändert. Der Unfähige muss nicht viel mehr Zeit investieren, sondern entweder viel mehr direkte Kohle, oder einfach mehr Chuzpe, sich eine Diss zusammenzukopieren.

Das Signal Dokort verkommt vollkommen.

Insofern: Ja, Zeit für eine grundlegende Änderung.

Gutachter des Gutachters Oktober 15, 2012 um 18:15

Der Gutachter:
“Eine leitende Täuschungsabsicht ist nicht nur angesichts der allgemeinen Muster des Gesamtbildes, sondern auch aufgrund der spezifischen Merkmale einer signifikanten Mehrzahl von Befundstellen zu konstatieren.”

Der soll erst mal Deutsch lernen, der Gutachter.

14 Oktober 15, 2012 um 21:53

Muß i denn muß i denn zum Städele hinaus…

LÜGENPACK

39 Minuten geballtes Deutsches Schweigen (per Ton und Gewissen von null auf platz 1 in die one hundred charts…)

Eagon Oktober 15, 2012 um 22:03

Die Welt ist aus den Fugen.

Gibt es nichts an den Universitätsreformen zu kritisieren?

Was ist zum Beispiel mit dem Fach Volkswirtschaftslehre und dem Fach Journalistik?

“Die Sparmassnehmen spülen den Unternehmen und den reichen Familien riesige Gewinne in die Kassen, die sie – wiederum wegen den Sparprogrammen – gar nicht im eigenen Land investieren können.”

http://www.blick.ch/news/wirtschaft/vontobel/warum-der-euro-nicht-mehr-zu-retten-ist-id2065656.html

Folkher Braun Oktober 16, 2012 um 01:42

Moin.

Auf Schavanplage habe ich mir ein paar Passagen durchgelesen. Ok.: habe es versucht. Frage: wovon redet die Frau überhaupt? Ich musste mal vor 40 Jahren die Zeitschrift für Evangelisches Kirchenrecht (oder so ähnlich) lesen, und habe davon auch nichts verstanden. Ist das nun ein klerikal- reaktionärer Argumentationsbrei? – So wie Parteitagsreden von Christlichen, Sozis und grünen Oberlehrern? Und wieso bekommt man mit so einen Geplapper einen Doktortitel (zugegeben: Uni Düsseldorf war da schon immer geschmeidig), wo doch dem bisherigen Wissen neues Wissen hinzugefügt wird in einer Doktorarbeit? – Kann das hier jemand mal erklären?

Jackle Oktober 16, 2012 um 02:18

There’s no business like show business!

Morph Oktober 16, 2012 um 06:18

@snozin

“Das Blog ist so zur Satire auf seinen Vorgänger geworden, auf seinen angemeldeten Anspruch sowieso.”

Wenn man die Blog-Beiträge von Weissgarnix und von Wiesaussieht vergleicht, lässt sich keine Veränderung feststellen, die dieses Urteil rechtfertigen würde.

Richtig ist: Strobls typischer Personalstil und seine thematischen Schwerpunkte: Wirtschaftstheorie und Wirtschaftspolitik, fehlen. Das kann man, je nach Geschmack und Interesse, beklagen. Dein Urteil aber ist grotesk, denn Strobls Beiträge waren oft weitaus boulevardesker als Lübberdings und Hütts Beiträge (damals und heute).

Wenn sich etwas signifikant verändert hat, dann sind es die Kommentarthreads. Einige beeindruckende Stimmen, die dem Vorgängerblog sein spezifisches Gepräge gaben, hört man nicht mehr oder nur noch selten. Stattdessen viele inhaltsleere und beleidigende Kommentare, welche die deprimierende Lage in deprimnierenden Diskussionserfahrungen verlängern und verstärken. Auch der große @snozin schrieb im Vorgängerblog irritierender, wegweisender.

Typischer Fall also von blame-shifting.

Keynesianer Oktober 16, 2012 um 09:10

@Eagon

“Gibt es nichts an den Universitätsreformen zu kritisieren?

Was ist zum Beispiel mit dem Fach Volkswirtschaftslehre und dem Fach Journalistik?”

Hatte schon vor zehn Jahren gefordert, derartige Erwerbsformen an den Unis zu verbieten und zum Schutz der Studenten an den Universitäten eine generelle Sperrzone gegen intellektuelle Prostitution zu verordnen.

Hauke Oktober 16, 2012 um 10:16

Frank Lübberding, ich verstehe den Beitrag nicht so ganz. Als Wissenschaftler/Forscher steht man immer auf dem Rücken von Giganten. Man kann auch Giganten auf Giganten türmen, am Ende muss aber eine nach korrekten wissenschaftlichen Standards durchgeführte Arbeit deutlich machen, dass ich selbst nur dieses kleine Licht bin, das auf diesem Gigantenturm steht, zweifelsfrei und für jeden ersichtlich. Dieses Licht – die eigenen Gedanken und Ergebnisse – kann verschwindend klein sein. Das schadet eventuell der Qualität der Arbeit, diskreditiert sie aber nicht. Was eine Arbeit diskreditiert ist, den Anschein zu erwecken, man sei selbst der Gigant. Darauf – und nur darauf – ist die Arbeit von Schavan durch den Prüfungsausschuss zu prüfen. Es wundert mich daher nicht, dass Sie nichts zu den Inhalten der Arbeit gelesen haben. Ich verstehe nicht, wie Sie zu der Einschätzung kommen, es ginge um die “Aufklärung der Scheinheiligkeit jener intellektuellen Schaumschlägerei, wo die inflationäre Ausweitung der scheinbar rezpierten Literatur schon längst jeden eigenen Gedanken ersetzt hat.” Intellektuelle Schaumschlägerei (es sei mal dahingestellt, ob dieser Generalverdacht inn dieser Form zutrifft) mag Zeugnis einer verfehlten Hochschulpolitik, mit dem Fall Schavan hat sie nichts zu tun.

enrico Oktober 16, 2012 um 10:16

Solche umwerfende Nachrichten machen mich immer wieder ganz schavansinnig. Unvorstellbar: Es gibt Politiker, die mogeln. Nein, wirklich!

Wann lesen wir wieder etwas über Heimtierkrankenversicherungen? Oder – weil es jetzt ja auf Weihnachten zu geht: Wie wärs mit einem Artikel über das Basteln von Strohsternen, einem Bericht über die Haute Cuisine des Hochsauerlandkreises? Irgendetwas mit Kartoffeln? Stapelbare Plastikstühle? Etwas über Waschbären in Waschmaschinen?
Wann?

Morph Oktober 16, 2012 um 10:45

@Hauke

“Was eine Arbeit diskreditiert ist, den Anschein zu erwecken, man sei selbst der Gigant. Darauf – und nur darauf – ist die Arbeit von Schavan durch den Prüfungsausschuss zu prüfen.”

Das Problem eines wissenschaftlichen Plagiats liegt nicht darin, den falschen Anschein eigener Größe zu erwecken, sondern eine Verunklarung der Erkenntnisquellen, sei es, dass falsche Daten, sei es, dass Literaturquellen falsch oder unvollständig angegeben werden. Man muss das überhaupt nicht moralisieren. Solche Fehlleistungen, wie immer sie persönlich motiviert sein mögen, machen eine Arbeit wissenschaftlich unbrauchbar, denn die Nachvollziehbarkeit aller Daten- und Quellenangaben ist für das Funktionieren wissenschaftlicher Kommunikation essenziell. Wenn in einer Arbeit Daten gefälscht oder Literaturquellen unzureichend belegt werden, darf die Arbeit nicht als wissenschaftliche Qualifikationsleistung anerkannt werden.

Nun wissen wir alle, wenn wir studiert haben, dass sich in Universitäten, trotz aller Reformen, vormoderne Strukturen erhalten haben wie in kaum einem anderen Organisationstyp der modernen Gesellschaft. Das erklärt die massenhaften Fehlleistungen bei der universitären Anerkennung wissenschaftlicher Leistungen.

Eine sinnvoller Modernisierungsschritt, der die Universitäten von karrieristisch motivierten Promotionsvorhaben entlasten und die Beachtung wissenschaftlicher Standards fördern würde, wäre, die Doktorwürde nicht mehr als Namensbestandteil zu werten und ihre öffentliche Nennung als peinlich zu ächten.

Praktischerweise kann da jeder mithelfen.

f.luebberding f.luebberding Oktober 16, 2012 um 11:17

Hauke

Es gab in der Debatte über Guttenberg eine interessante Anmerkung von Baring. Er hatte das Buch für erstaunlich gut gehalten als er es gelesen hatte – völlig unabhängig von der Tatsache des Zustandekommens. Er gehörte zu den Leuten, die die Aberkennung der Promotion verlangt hatten. Bei Schavan kann es ja nicht nur um die im Wiki (das Gutachten kennen wir nicht) angeführten Passagen gehen, wo sie offenkundig nicht korrekt zitiert hat. Letztlich muss es um die Gesamtbeurteilung der Dissertation gehen, die eines wohl nicht war: Eine bloße Zusammenstellung fremder geistiger Leistungen, die sie als eigene ausgegeben hatte. Genau das war ja das Problem bei Guttenberg, wo nichts mehr als eigene Leistung übrig geblieben war, außer der berühmten Einleitung. Das war auch in den anderen Fällen das entscheidende Kriterium für die Aberkennung gewesen: Das völlige Fehlen der eigenen Leistung. Wie will ich das aber beurteilen, wenn ich das Buch nicht als Ganzes würdige, sondern mich damit begnüge, nach fehlerhaften Zitaten zu suchen? Und was Schavan wohl nicht gemacht hatte, sich selbst als Giganten auszugeben. Die Kritik dreht sich zumeist um jene Passagen, wo sie offenkundig die Originalliteratur durch die Rezeption von Sekundärquellen ersetzte, wobei sich die inhaltlichen Fehler wohl in Grenzen halten. Und der gravierenste Vorwurf betrifft genau diese Verschleierung. Aber rechtfertigt das wirklich das Verdikt, dass hier ansonsten keine eigene Leistung vorliegt? Dass sie etwa die damalige Diskussion über das Thema nicht adäquat wiedergegeben hatte? Wenn ich mir die bisweilen grotesk aufgeblähten Literaturverzeichnisse ansehe, dann weiß ich zumeist sofort, dass diese Autoren diese Literatur unmöglich komplett gelesen haben können, aber gerne den Anschein erwecken. Mir ginge es eher darum, ob sie auch verstehen, was sie dort schreiben. Ich persönlich habe in diesem Blog viel gelernt, etwa über Luhmann, obwohl ich weder Lust, noch Zeit habe, darüber zu promovieren … . Ich fände es schon interessant zu wissen, was Schavan zu ihrer Freud- und Luhmann-Lektüre zu sagen haben wird. Wenn sie einräumt, dass sie beides lediglich aus der Sekundärlitertatur entnommen hat, aber dafür immerhin verstanden hat, würde das mir persönlich reichen, wenn der Kontext der sonstigen Arbeit das Urteil rechtfertigten sollte, dass man es hier mit eigenem Nachdenken zu tun hat. Allerdings erwarte ich dann von der Ministerin endlich eine Aussage über die Frage, ob unsere Universitäten tatsächlich noch der Ort sind, wo das Nachdenken gelehrt wird, oder nicht in Wirklichkeit über die verschärften Zitierregeln etwa lediglich der bloße Anschein. Ich kann alles richtig zitiert – und eben trotzdem nichts verstanden haben. Wenn es darum gehen könnte, wäre das in der Schavan-Debatte ein Fortschritt. Dann geht es nämlich um den Kern des Wissenschaftsbetriebs.

Hauke Oktober 16, 2012 um 11:25

Morph, es geht um beides, die Funktionsfähigkeit des Wissenschaftssystems und die Aufrechterhaltung von förderlichen Anreizen (auf individueller Ebene). Dass es auch um Letzteres geht, zeigt mir Dein letzter Absatz. Wenn problematische Anreize (rein karrieristische Motivation) zu Erscheinungen führen, die die Funktionsfähigkeit des System als Ganzes gefährden, liegt der ‘Fehler’ dann im Anreiz oder im System? Für mich ist die Antwort nicht ganz so klar und der (auf mich etwas hilflos) wirkender Ansatz, “öffentliche Nennung als peinlich zu ächten”, überzeugt mich nicht wirklich.

enrico Oktober 16, 2012 um 11:42

wäre es denn wirklich so schlimm, wenn das Geistesleben frei wäre? Ich meine wirklich frei. Keine Prüfungen keine, weil niemand mehr Prüfungsabschlüsse und Titel ernst nimmt? Freie Lehre, freies Lernen und Erkennen. Schlimm? Keine Patente, kein Urheberrecht. Wenn jeder alles frei verwenden kann und niemand vom Wissen ausgeschlossen wäre? Wäre das wirklich so schlimm? Würden dann wirklich alle verblöden? Würden wir dann wirklich verelenden? Ich glaube nicht.

Wäre es denn tatsächlich so unerträglich, wenn niemand behaupten kann, diese oder jene Idee, diese oder jene Erkenntnis wäre von ihm ganz alleine? Ich glaube nicht.

Was sind denn heute unsere “Universitäten”? Was sollen, könnten sie sein? Was wären sie wohl, wenn wir nicht in einer Klassengesellschaft leben müssten?

Morph Oktober 16, 2012 um 11:47

@fl

Wissenschaftlich wird die Qualität einer Leistung dadurch markiert, dass andere wissenschaftliche Veröffentlichung an sie anschließen und ihre Ergebnisse berücksichtigen und verarbeiten. Meine Vermutung ist, dass Schavans Arbeit (wie 99% aller wissenschaftlichen Veröffentlichungen) eine kommunikative Sackgasse gewesen ist; kaum einer wird sie gelesen haben; vermutlich niemand wird sie zitiert haben.
Insofern ist wissenschaftlich die Sache ohnehin seit Jahrzehnten gegessen bzw. als ungenießbar zurückgewiesen worden. Nach so langer Zeit die Arbeit herauszukramen und erneut zu bewerten, zeigt die erstaunliche Macht der medialen Skandalisierungsgeilheit.

@Hauke

“die die Funktionsfähigkeit des System als Ganzes gefährden”

das denke ich nicht. Solche Erscheinungen bringen den organisatorischen Unterbau der Wissenschaft in Misskredit (und auch dies nur bei Leuten, die eine unrealistische Vorstellung vom organisatorischen Alltagsgeschäft des Unibetriebs haben). Die Wissenschaft selbst hat sich längst darauf eingestellt, dass 99% der wissenschaftlich gemeinten Publikationen belanglos sind. Je höher die Voraussetzungslast eines Produktionsbereichs wird, desto höher der Ausschuss. Das ist nicht anders als in der Reproduktion des Lebens. Eine unerhörte ‘Verschwendung’ im Reproduktionsprozess.

f.luebberding f.luebberding Oktober 16, 2012 um 11:48

enrico

Diese Freiheit gibt es schon längst. Allerdings will ich weiterhin wissen, wer mich mit welcher Qualifikation im Ernstfall operiert. Eine Promotion braucht der Arzt aber nicht.

f.luebberding f.luebberding Oktober 16, 2012 um 11:56

morph

Nur weiß man vorher nicht, welche Arbeit zu den 1 % gehören wird. Insofern spricht das durchaus dafür, auch die anderen 99 % schreiben zu lassen. Damals – wie heute – ist aber nicht unbedingt der wissenschaftliche Diskurs entscheidend, sondern der berufliche Qualifizierungsnachweis, der in der Promotion zu finden ist. Erstaunlicherweise ist nämlich der Zugang – etwa zu einer wissenschaftlicher Karriere – heute für Außenseiter fast unmöglich geworden. Das war vor Jahrzehnten noch anders.

Morph Oktober 16, 2012 um 11:58

@enrico

“wäre es denn wirklich so schlimm, wenn das Geistesleben frei wäre?”

Wissenschaftliches Arbeiten ist nicht als Alleinunternehmen möglich. Es muss organisiert werden. Und Organisationen müssen ihre Mitglieder auswählen. Prüfungen, Gutachten über Publikation, Bewerbungsvorträge, Probeseminare sollen diese Auswahl rationalisieren. Die Alternative dazu wäre persönliches Vertrauen bzw. ein Losverfahren. Das würde die wirklich viel verprechenden Talente (die 1 %) noch weniger zum Zuge kommen lassen als ohnehin zu befürchten ist angesichts der Vermachtung des wissenschaftlichen Arbeitsmarktes.

Morph Oktober 16, 2012 um 11:59

@fl

“Insofern spricht das durchaus dafür, auch die anderen 99 % schreiben zu lassen.”

Klar.

someone Oktober 16, 2012 um 12:05
enrico Oktober 16, 2012 um 12:11

@fl

Diese Freiheit gibt es schon längst.
Ah ja? Wo?

Allerdings will ich weiterhin wissen, wer mich mit welcher Qualifikation im Ernstfall operiert.

Sagt man es Dir dann, wer dich operiert? Und wenn der einst geprüfte Hochqualifizierte geistig abbaut, vielleicht trinkt? Wird da nachgeprüft?

Was ist Dir lieber, ein Mediziner, der Erfahrung hat, aber nicht die notwendige Zulassung oder ein Mediziner, der hervorragende Prüfungsabschlüsse vorweisen kann, aber kaum Erfahrung hat?

Aber es geht auch noch um etwas anderes, nämlich um die Autoritätsfrage. Wer ist berechtigt zu prüfen und zu sagen, welche Lehre die richtige ist? Der Staat? Wer ist das? Da gibt es also eine Freiheit, die es aber deswegen noch lange nicht gibt…;)

Doktor D Oktober 16, 2012 um 12:11

@morph: Naja, für Frau Schavan (und sehr viele andere, bei denen die Diss Teil der Karrierestrategie ist), hat sich die Promotion ja sehr wohl als anschlussfähig erwiesen. Sie hat die richtigen Fähnchen hochgehalten, den entsprechenden Jargon reproduziert und Bereitschaft zur hirnlosen Fleißarbeit gezeigt, um in die angepeilte Seilschaft aufgenommen werden zu können. Das ist ja beim Verfassen einer Diss mindestens genauso wichtig wie der wissenschaftliche Ertrag – auch gerade wenn es um eine Karriere in der Wissenschaft geht. (Und schmälert den wissenschaftlichen Gehalt einer Arbeit übrigens nicht, wenn sie denn einen hat.) Ich habe den Eindruck, dass es deswegen den Wissenschaftsinstutionen so schwer fällt, selbst auf massive Plagiate, Fälschungen etc. konsistent mit der Aberkennung der akademischen Würde zu reagieren. Denn schließlich sind das ja alles, wenn man es eben “richtig” macht, Zugehörigkeitsbeweise.

Morph Oktober 16, 2012 um 12:24

@Doktor D

Sicher, den Job beim Cusanus-Werk hätte sie ohne den Titel nicht bekommen. Und also alle daran anschließenden auch nicht. Aber ob das mit dem Jargon der Arbeit zu tun hat, würde ich bezweifeln. Die Arbeit scheint doch eher nach Schrotflintenart überall und nirgendwohin zu ballern.

Doktor D Oktober 16, 2012 um 12:35

@morph: Die Seiten, die ich von ihrer Arbeit gelesen habe, passen im Ton so 1 A Super zum Ton, der mir aus anderen christlich gestimmten Schriften zum Thema Bildung (Denkschriften EKD und Bischofskonferenz, Akademien etc.) entgegentritt – das fand ich für eine pädagogische Arbeit von Ende der 70er, wo in vielen anderen Päd.-Fachbereichen ein gänzlich anderer Jargon geführt zu sein worden scheint, schon ganz frappant. Aber vielleicht unterschätze ich auch massiv die Verbeitung des christlich-besinnlich-existentialen Tons um 1980 in den Erziehungswissenschaften.

f.luebberding f.luebberding Oktober 16, 2012 um 12:39

enrico

Ich muss mich einfach auf ein Ausbildungssystem verlassen, das nach rationalen Kriterien Qualifikation beurteilt. Anders ginge es auch gar nicht, weil es mir völlig unmöglich ist, “Erfahrung” konkret zu überprüfen. Damit kann man im Einzelfall falsch liegen, aber in den meisten Fällen ist das System bis heute durchaus erfolgreich.

Mit Freiheit meinte ich, dass der Diskurs über die Ergebnisse wissenschaftlichens Arbeitens keineswegs mehr nur auf das Wissenschaftssystem selbst beschränkt ist – oder auf die Medien in ihrer Berichterstattung. Der im Vergleich zu früher relativ leichte Zugang zu den Quellen ermöglicht es heute fast jedem, deren Ergebnisse zu beurteilen. Gerade die Wikis zu den Promotionen sind ja ein Beispiel dafür – und die dortigen Akteure müssen dafür noch nicht einmal aus dem Wissenschaftssystem selbst kommen. Dafür unterliegen sie aber dem Kriterium der Überprüfbarkeit ihrer Ergebnisse. Es ist auch kein Zufall, dass das Wissenschaftssystem versucht, sein Monopol zu erhalten. Etwa wenn man sich das Verfahren im Düsseldorfer Promotionsausschuss ansieht. Es verläuft weitgehend hinter verschlossenen Türen. Sie erkennen die Bedrohung für die eigene Reputation.

Doktor D Oktober 16, 2012 um 12:55

A propos Düsseldorfer Promotionsausschuss: Wer sabotiert da eigentlich wen? Ist das Leaking die Rache Bologna-entnervter Professoren? Oder perfekt, um – was auch immer der Ausschuss entschieden hätte, den Ausschuss komplett zu desavouieren? Welche Rechnungen begleichen die denn da unter einander?

holger Oktober 16, 2012 um 13:04

Das liegt vermutlich daran, dass sich der „Wissenschaftliche“ Standard in Richtung Quantität ausgerichtet hat. Sprich Inflation von „Titeln“. Bekommen ja sogar Waschbären ohne erkenntlich tieferen Sinn, und das, dass es auch dem blöden Mob erlaubt worden ist, das Lesen lernen zu dürfen.

Und dann soll es auch noch Leute geben, die eben mit Scanner und Internet umgehen können, und solche „wissenschaftlichen“ selbst Beweihräucherungen öffentlich machen. Selbst der Trick mit schwallenden Worten zu sabbeln klappt nicht mehr. Wer nicht weiß, was „Volatil“ ist, soll eben nachschauen. Wenn nicht eben nicht. Wer es eben noch nicht mitbekommen hat, wechseln wir vom Analogen Schund in den Digitalen über.

Und somit kann man getrost mit den Worten von Goethe schließen:

Nichts ist schrecklicher als ein Lehrer, der nicht mehr weiß als das, was die Schüler wissen sollen.

f.luebberding f.luebberding Oktober 16, 2012 um 13:12
f.luebberding f.luebberding Oktober 16, 2012 um 13:17
Morph Oktober 16, 2012 um 13:36

@Doktor D.

Jargon der Eigentlichkeit vs. Jargon der Kritik – jau, das waren die Seventies… Aber glaubst Du wirklich, dass Schavans Promotionsschrift noch mal eine Rolle gespielt hat nach dem Rigorosum? Kann ich mir nicht vorstellen. Solche Jargonitis schmiegt sich ja in erster Linie ins Weltbild des Doktorvaters an.

Detlef Bosau Oktober 16, 2012 um 13:39

Wir sollten hier nicht kleckern sondern klotzen.

Bevor wir also einen “Doktorminister” aus dem Kabinett unserer Murksel nach dem nächsten erst zum “Minister” und dann “hinaus” befördern, sollten wir endlich mal Murksels seigenes wissenschaftliches Prachtstück lesen – bei den vielen Bauernopfern, denen sie immer ihr vollstests vertrauenstvollstes Vertrauen vollstens ausdrückt, und zwar uneingeschränktst, die deutsche Sprache ist halt dehnbar, ist das eigene schlechte Gewissen langsam mit Händen zu greifen.

Merkel & Co. haben einfach nur noch fertig.

Linus Oktober 16, 2012 um 14:13

Der Sinn eines Zitats in einer wissenschaftlichen Arbeit: der Verweis auf allgemein zugängliches, nachprüfbares/geprüftes und daher verlässliches Wissen, sodass man sich eine Begründung in der vorliegenden Arbeit sparen kann. Das ist praktisch – andernfalls würden wissenschaftliche Arbeiten ziemlich umfangreich ausfallen.
Der Wert einer wissenschaftlichen Arbeit bemisst sicherlich ohne Ansehen der Person. Der Autor ist gewissermassen ‘unbekannt’, es könnte sogar ein Autorenkollektiv sein. Wenn nun also Aristoteles mitgeschrieben hätte, – so what.

Die angeworfene Diskussion um Ehrlichkeit, Schmücken mit fremden Federn, Urheberrecht, Reputation der Wissenschaft (was ist das eigentlich?) etc. ist also allenfalls für die Medien von Belang.
Die Wissenschaft tut sich keinen Gefallen damit, wenn sie sich in diese alberne Diskussion hineinziehen lässt. Ganz wird es sich wohl nicht vermeiden lassen. Dennoch sollte die Wissenschaft die eigenen Kriterien kommunizieren, statt in gespielter Empörung zu machen.

enrico Oktober 16, 2012 um 14:17

@ Morph

Freies Geistesleben: Was wäre so schlimm daran, wenn sich die Staatsregierung vollkommen aus dem Bildungswesen heraus halten würde? Was wäre zu befürchten, wenn Einrichtungen des Wissens, der Forschung und des Kulturellen überhaupt, selbst darüber entscheiden können, was gelehrt, erforscht oder geprüft werden soll?

Carlos Manoso Oktober 16, 2012 um 14:17

@Morph Oktober 16, 2012 um 13:36
„Jargon der Eigentlichkeit vs. Jargon der Kritik – jau, das waren die Seventies… Aber glaubst Du wirklich, dass Schavans Promotionsschrift noch mal eine Rolle gespielt hat nach dem Rigorosum? Kann ich mir nicht vorstellen. Solche Jargonitis schmiegt sich ja in erster Linie ins Weltbild des Doktorvaters an.“

Jau, die katholisch-sittenstrenge Frau Schavan machte offensichtlich in den „Seventies“, was für sie in der libertinen Wirklichkeit nicht ging, in Form ihrer „Promotionsschrift“ duch: ihre Beine janz breit zu machen.

Sich ihre sittenstrengen fundamentalistischen Fähigkeiten über eine politische Karriere in der katholischen CDU veredeln zu lassen, das war Schavans Ding. Im fundamentalen Unterschied zu Schavan konnten vielen ihrer CDU-KollegInnen. ihre „Taschen“ nicht voll genug bekommen.

Eigentlich ist die Schavan vom Typ her der sittenstrenge Typ Frau, die partout nicht „korrumpierbar“ sein will. Das führte allerdings bei der Schavan zu einer speziellen Art von nonnenhafter Authentizität, die z.B. den korrumpierten CDU-Damen des politischen Betriebs komplett abgeht, was dazu führt, dass Letztere immer nur an der lauwarmen Oberfläche plätschern können und zur Emanzipation des menschlichen Gattungswesens herzlich wenig beizutragen haben.

Also machte Frau Dr. Merkel die blutleere Frau Dr. Schavan zu Merkels „Bildungsministerin“, während die blutjunge Frau Dr. Schröder zu Merkels „Familienministerin“ wurde.

enrico Oktober 16, 2012 um 14:38

@fl

Ich muss mich einfach auf ein Ausbildungssystem verlassen, das nach rationalen Kriterien Qualifikation beurteilt. Anders ginge es auch gar nicht, weil es mir völlig unmöglich ist, “Erfahrung” konkret zu überprüfen. Damit kann man im Einzelfall falsch liegen, aber in den meisten Fällen ist das System bis heute durchaus erfolgreich.

meinetwegen sollst Du dich darauf verlassen können, aber das geht -wie Du bereits selbst geschrieben hast- eben auch ohne staatlich anerkanntem Doktortitel. Und bitte, wer liest denn überhaupt Doktorarbeiten? Wer Freude an Titeln hat, dem soll man diese Freude natürlich nicht verbieten, nur braucht der Staat doch damit nichts zu tun haben. Soll sich doch jeder Doktor nennen dürfen, wenn er meint, dass er dann glücklicher ist.

Im Übrigen kann man Die Erfahrung die jemand hat schon einigermassen abschätzen, wenn man weiss wie lange er bereits in der Praxis (unter Anleitung) tätig war.

Aber vielleicht erledigt sich das mit dem “Doktoratieren” eh von alleine, wenn es sich einmal mehr herausgestellt hat, das hauptsächlich aus Eitelkeit und kaum aus wissenschaftlichem Interesse promoviert wird. Wer will schon als eingebildet oder eitel dastehen? Schavant Dir da was?

f.luebberding f.luebberding Oktober 16, 2012 um 14:41

Linus

“Dennoch sollte die Wissenschaft die eigenen Kriterien kommunizieren, statt in gespielter Empörung zu machen.”

Genau hier liegt aber das Problem. Welche Kriterien gelten überhaupt? In dem blog vom bei Guttenberg bekannt gewordenen Plaigiatsforscher Weber gibt es dazu gute Hinweise, die ich leider jetzt erst gesehen habe.

“Der Leser erhält an allen inkriminierten Stellen den Eindruck, hier würde Schavan – die Werke von Freud, Adler, Piaget und vielen anderen direkt zitierend – diese “Originalstellen” in ihren eigenen Worten interpretieren. Dabei hat sie die Interpretationen von ‘vor Ort’ ungenannten Quellen ab- und umgeschrieben, und oft ist man sich aufgrund ihrer Kürzungen und Umstellungen nicht einmal sicher, ob sie die Interpretationen verstanden hat. Damit wird der Leser (und damit der Begutachter) über die Autorschaft getäuscht. Zu einer solchen Interpretation wiederum muss jeder gelangen, der die Vergleichsstellen vorurteilsfrei genau studiert. Das deutsche Gesetz über die Führung akademischer Grade ist eindeutig: Ein “von einer deutschen staatlichen Hochschule verliehene[r] akademische[r] Grad kann wieder entzogen werden”, “wenn sich nachträglich herausstellt, daß er durch Täuschung erworben worden ist [...]“. Bleibt noch die Frage der Wesentlichkeit der Täuschungen zu klären: Dazu genügt ein Blick auf die rot markierten Seiten in der schavanplag-Dokumentation.”

In seinem Beitrag von heute beschreibt er das Dilemma, indem sich die Hochschulen befinden.

“Entzieht sie Schavan den Doktorgrad, würde sie womöglich Maßstäbe setzen, mit denen man einem oder gar zwei Drittel der Doktoren von damals den Grad wieder wegnehmen müsste. Universitäten müssten in der Folge wohl ganze Rechtsabteilungen zum Bearbeiten der alten Fälle einrichten. Eine verzwickte Situation, aber wir dürfen nie vergessen, wer den Universitäten das alles eingebrockt hat: jene Leute, die die Universitäten selbst berufen haben, die zu faul, zu ungenau oder zu unwissend waren und sind, um sich mit Abschlussarbeiten korrekt auseinanderzusetzen und diese einwandfrei zu beurteilen. Sie waren es, die damals die Textsimulanten hervorgebracht haben. Ihnen zahlt der Staat heute eine fette Rente.”

Doktor D Oktober 16, 2012 um 15:09

Aber glaubst Du wirklich, dass Schavans Promotionsschrift noch mal eine Rolle gespielt hat nach dem Rigorosum? Kann ich mir nicht vorstellen.

In der Wissenschaft sicher nicht, aber zum Fortkommen in der katholischen, sich als wissenschaftsnah verstehenden Bildungsmanagements-Organisationen schon noch, vermute ich jedenfalls. Einerseits philosophische Ambitionen auf Tiefsinn demonstrierend, anderseits Praxisnähe, neumodischer Krams (Luhmann), aber aus dem richtigen, weil technokratisch markierten Stall. Das kann man alles schon aus dem Inhaltsverzeichnis herauslesen, mehr braucht’s ja nicht. So ähnlich sind jedenfalls Stellenbesetzungen in evangelischen Bildungsmanagementsorganisationen, an denen ich mehr oder weniger stark involviert teilgenommen habe gelaufen. (Wobei natürlich die Wahl des richtigen Doktorvaters der grundlegendere Schritt war.)

enrico Oktober 16, 2012 um 15:10

@fl
Es ist auch kein Zufall, dass das Wissenschaftssystem versucht, sein Monopol zu erhalten.

Das witzige wird wohl daran sein, dass das Wissenschaftssystem sein Monopol verliert, gerade weil es versucht es zu halten.

Gut, das hat jetzt nicht viel mit Schavan zu tun, da geht es nur darum, dass das Politiker-Sein hauptsächlich auf gegenseitigem Entwenden und Aneignen von Macht beruht. Und da sind charakterlose Doktorarbeiten, die mangels eigenem Denken zwangsläufig immer als so etwas wie eine Kopie herauskommen, anscheinend eine gute Möglichkeit dem Fressfeind ein auszuwischen. Ginge es um einen männlichen Schavan, könnte es dann vielleicht auch eine versuchte Vergewaltigung in den Siebziger-Jahren sein.

Linus Oktober 16, 2012 um 15:28

@fl: “Welche Kriterien gelten überhaupt?”
Wie ich oben schon schrieb: Für die Wissenschaft hat das Zitieren erstmal nur den Zweck, auf gesichertes Wissen zu verweisen. Ein Plagiat ist unter diesem Aspekt nicht tragisch. Wichtig ist nur, dass die Argumentation schlüssig ist.

Nun ist eine Hochschule nicht nur Wissenschaft, sondern hat auch eine gesellschaftliche Funktion. Unter anderem vergibt sie Nachweise einer berufliche Qualifikation in Form von Abschlusszeugnissen.

Die Frage nach ‘Plagiat oder nicht’ hat wissenschaftlich keine Konsequenzen, wohl aber bzgl. der Rechtmässigkeit des Abschlusszeugnisses. Leider läuft man damit Gefahr, dass rechtliche/moralische Kriterien auf einmal in die Beurteilung der ‘Wissenschaftlichkeit’ einer Arbeit mit hineinspielen. Das kann’s nicht sein.

Eine Promotion sollte daher mE eine reine Angelegenheit der Wissenschaft sein und nicht als Bildungsabschluss gewertet werden. So wird es wohl auch in den meisten Fällen gehandhabt. Zu Zeiten Schavans war das wohl anders.

Wie schon Morph schrieb: Man sollte diese akademischen Grade abschaffen. Die sind zu nichts anderem nütze als für Pappnasen. Ein Relikt aus der Zeit, wo sich Fürsten ihre Handlanger an Universitäten schmieden und zurechtbiegen liessen. Im Gegenzug dafür gab’s Geld für die Wissenschaft.

Morph Oktober 16, 2012 um 15:33

@Linus

Da Du es wiederholst:

“Wie ich oben schon schrieb: Für die Wissenschaft hat das Zitieren erstmal nur den Zweck, auf gesichertes Wissen zu verweisen.”

Es geht bei Zitaten nicht um gesichertes Wissen, sondern um gesicherte Quellen. ‘Gesichertes Wissen’ ist eine problematische Formulieren, denn in der Wissenschaft geht es vor allem darum, was wir nicht wissen. In der Wissenschaft kommt man in unsicheres Gelände. Eigentlich gibt es nur gesichertes Unwissen.

Linus Oktober 16, 2012 um 15:36

@Morph: OK! Danke :-)

Wilma Oktober 16, 2012 um 16:04

Mein erster Gedanke:
Der Guttenberg lacht sich ins Fäustchen.

14 Oktober 16, 2012 um 16:21

Unabweisbar drängt sich die Frage auf, ob heute in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft vor allem die rücksichtslosen Durchsetzer, die Blender und Betrüger in Spitzenpositionen kommen..

Die Frage drängt sich nicht nur auf..ums mit Blogherrns Worten zu sagen: Das ist Fakt.
Wie anders kann es sein, daß Ronald Berger & Stiftungs-GmbH & CoKg heute das Feintuning von Para-Graf 1 Menschenwürde (und nicht nur das) für das offizielle Agenda-Deutschland übernommen haben?
Wo bleibt bei all dem der AUFSCHREI der (sattgefressen-schmerbäuchigen?) “Buildungs-Anstalten”?
Antwort: Die haben alle Schiß, daß ihnen für ein falsches Wort noch mehr Gelder von obigen Comicfiguren gestrichen werden.
Und der katholisch-gewissenstudierten, Pofressor Immer-Noch-Bildungsminister(in) Schavan wurde die neoliberale Heuchelei quasi in die Wiege gelegt, um nicht zu sagen, implementiert..

http://www.youtube.com/watch?v=_1oJuwkXr0E

chabis Oktober 16, 2012 um 16:50

@morph

Danke für die klasse Klärung

nur als Add-on
“Science probes; it does not prove.”G. Bateson in “mind and nature”
- gehts kürzer, einprägsamer ? Treidelstein ?
Wurde ins Deutsche mit “Wissenschaft sondiert; sie beweist nicht” übertragen. Taugt mir auch so noch zum Merkspruch.

Morph Oktober 16, 2012 um 18:29

@chabis

Dank zurück und Gruß!

14 Oktober 16, 2012 um 19:33

“Wir leben in einer Welt, in der wir nur so gut sind wie unser letztes Rennen und in der das nächste Rennen Priorität hat.”

“Wir sind einem Schweige-Code gefolgt, der eine ungesunde Kultur protegierte. Fahrer, Angestellte und Offizielle sollten nun die Wahrheit auszusprechen nicht scheuen. Wenn sie es tun, werden die wirklichen Reformen kommen.”

aus:We are the Champignons

Dipfele Oktober 16, 2012 um 19:43

@Morph

Und die gelehrte Unwissenheit ist schon seit 1440 bekannt.
De docta ignorantia ;-)

Avangard? Oktober 16, 2012 um 20:04

@ enrico

hier der Stefan Zahradnik Beitrag
mit der prima Übersicht
Doppik Kameralistik
“Einnahmen” und “Ausgaben” im kommunalen Haushaltsrecht
in: Verwaltungsrundschau, Köln: Verlag W. Kohlhammer, 41. Jg., 1995, S. 161-165 (in Heft 5)

Avangard? Oktober 16, 2012 um 20:09

@ 14

Zeiten der Offenbarung sind unvermeidbar.

Andreas Kreuz Oktober 16, 2012 um 20:14

Auf einer Arbeitsfläche im Hörsaal fand ich schon vor vielen Jahren:

Vom Wert einer Promotion:
Kaiser, König, Edelmann,
Bürger, Bauer, Bettelmann,
Bäcker, Fleischer, Leineweber,
Schuster, Doktor, Totengräber…

schnaff Oktober 16, 2012 um 20:35

Ich zitiere, schlotternd vor Angst, in Sachen Urheberrecht belangt zu werden, nicht wörtlich, aber zu 100% sinngemäß, aus meinem regionalen Presseorgan:

“…es arbeiten 70 (!) ehrenamtliche Demokratietrainer in Sachsen…”

Aus dem gleichen Presseorgan am selben Tag eine Übersicht, welche Unternehmen in Sachsen Preisvergünstigungen beim Strom
erhalten:

Nochten
Vattenvall
Braunkohlentagebau

Avangard? Oktober 16, 2012 um 20:45

Oh Dolores musiziere der Schavan die Grütze aus dem Head
http://www.youtube.com/watch?v=CT_PBM57RUg&feature=related

14 Oktober 16, 2012 um 20:46

Zeiten der Offenbarung sind unvermeidbar.

Dr. Avangard?, deshalb bedeutet Pro-Motion eben immer auch Be-Förderung…

(hier noch wie das christlich-asozial-verlogene G-Wissen in dieser Zeit “arbeitet”…Professor Schummelschavan hat fertig…es fehlt nur noch die Rücktritts-SMS…)

Avangard? Oktober 16, 2012 um 20:53
14 Oktober 16, 2012 um 21:04

ohne wirklichen Berufs..äh…Job-Abschluß wird sie sich wohl in der HIV-Schlange ganz hinten anstellen müssen, wenn kathnet, der BDI, die Transatlantiker oder die Euro-Glühbirnen-Kommission keinen (politischen) Raumpfleger-Posten für sie frei haben…das ist schon traurig für dieses Land..

14 Oktober 16, 2012 um 21:23

und über allem thront die von allen Seiten bejubelte Export-Erika, die neoliberale Handlangerin aus der Ostzone, die Frau von der Käsetheke, im Hintergrund die schwarzrotgoldene Deutschlandfahne, wir schreiben das Jahr 2012…UNENDLICHE WELTEN…

Avangard? Oktober 16, 2012 um 22:05

http://www.youtube.com/watch?v=awH9FvLZUCo

unendlicheWeiten Jahr 2200
hoffentlich geht die Energie aus …

guang Oktober 16, 2012 um 22:20

@Andreas Kreuz

aus einem Forum:

Das ist eine der zahlreichen Varianten; andere sind z. B.

Kaiser, König, Kurfürst, Graf, Edelmann, Bettelmann, Bocksoldat, erster Bauer, zweiter Bauer …

Kaiser, König, Edelmann, Ritter, Kaufmann, Bürger, Bauer, Tagelöhner, Bettelmann …

Kaiser, König, Edelmann, Bürger, Bauer, Bettelmann, Schuster, Schneider, Leinwandweber, Kaufmann, Doktor, Totengräber …

Quelle: http://www.wer-weiss-was.de/theme143/article6498379.html

14 Oktober 16, 2012 um 23:26

„Untersuchung des Mechanismus von Zerfallsreaktionen mit einfachem Bindungsbruch und Berechnung ihrer Geschwindigkeitskonstanten auf der Grundlage quantenchemischer und statistischer Methoden“

Scheitert der €uro, scheitert…..Schätze, das wird in €uroland genauestens durchdekliniert werden. Wir können gespannt sein, welche Geschwindigkeitskonstanten die neunmalkluge, wendehalsige Frau Doktor M. ganz marxistisch-leninistisch für uns ausgerechnet hat..

14 Oktober 16, 2012 um 23:47

Was also folgere ich aus dem bislang in diesem Beitrag Aufgereihten? Die Strukturprobleme werden Spanien, Italien und Frankreich, eines nach dem anderen, an die Wand drücken. Sie werden, wahrscheinlich in dieser Reihenfolge, Hilfe erbitten müssen. Frau Merkel mit ihren blinden Terrakottasoldaten im Gefolge nicht nur aus ihrer Partei wird sie so lange gewähren lassen, bis Deutschland selbst am Ende sein wird. Und welche andere Rettungsstation bliebe uns dann wohl noch außer China?

Doch gemach! So weit wird es nicht kommen. Noch bevor es eine Rettungsaktion für Italien gibt, werden wir einen gewaltigen Knall, so etwas wie einen währungspolitischen Urknall erleben, mit dem das Eurokartenhaus in sich zusammenfällt. Doch zur großen Verwunderung aller wird sich bei der Sichtung der Reste ergeben, dass die im Tresor gelagerten Werte und Substanzen erhalten sind und dass sich aus ihnen gesundes Neues gestalten lässt…
( Ludwig Poullain, 92, Ex-West-LB-Vorstand)

Jetzt schon mal auf ein gesundes Neues…
(ohne Frau Dr. M + S und andere Betrüger allerdings..)

egal Oktober 17, 2012 um 00:06

Es ist so ekelerregend.

Die MSM haben das Düsseldorfer Gutachten und lassen es von verschiedenen Parteien kommentieren. Warum bitte veröffentlichen sie es nicht, so dass sich jeder selbst ein Urteil bilden kann? Hier geht Deutungsmacht vor Transparenz.

Nur Organisationinteresse? Nein, bestimmt auch persönliches. (Groß)journalisten haben bekanntlich selten was Anständiges gelernt und leben vom Labern und Erkennen der Windrichtung. Ein Rücktritt Schavans würde Standarts setzten, die sie selbst bedrohen.

Die Spitzenforschungsinstitutionen, deren Funktionäre Schavan jetzt auf völlig lächerliche Weise verteidigen, werden belohnt werden. Die Mittelkonzentration auf DFG, Helmholtz etc. zu lasten der Breite ist ja durchaus sachlich nicht unumstritten, wird aber aus Macht- und nicht aus Sachkriterien ausgebaut werden. Denn kein Bundesbilgungsminister – ob Schavan oder eine Nachfolgerin – steht über so einem Kniefall.

Die Uni D zeigt nicht Schavan an, sondern den Unbekannten, der das Gutachten lanciert hat. Offensichtlich ist sie verärgert, nicht einfach unbemerkt ein Gegengutachten erstellen zu können. Denn hinter ihrem Gutachter steht sie nicht.

CDU-Politiker fordern ein zweites Gutachten, obwohl sie das erste gar nicht gelesen haben können, wenn selbst Schavan es noch nicht hat. Begründung: das Gutachten sei parteipolitisch motiviert. Ein Eindruck, der durchaus entstehen kann, weil Claudia Roth und Kollegen den Erregungsstatementgenerator angeworfen haben.

Meine Hoffnung: alle Beteiligten wirken öffentlich so ekelerregend, wie sie sind, und desavouieren sich so wie Schavan das Gerede über Bildung und Gewissen.

someone Oktober 17, 2012 um 00:53

Also ich fand die Auszüge jetzt nicht so schlimm, der Kohl promovierte auch über CDU in der Pfalz. Dass Politiker und Wirtschaftsmänägerdissertationen nicht wirklich flashen ist ja jetzt nicht so nicht die Neuigkeit. Der Guttenberg hätte, wenn er nur die Diss gedisst hätte, auch bleiben können. Aber ein MASSAKER decken und es dan auf Zuarbeiter abschieben zu wollen…
DAS WAR EIN SKANDAL!

Tyler Durden Volland Oktober 17, 2012 um 01:15

Lustig……

“…eine interessante Debatte auslösen.”

Ob eine interessante Debatte ausgelöst wird, das entscheiden immer noch die gleichgeschalteten, manipulierenden und meingsmachenden Mainstreammedien, die fest in Konzernhänden, bzw. zum Grossteil denen von Friede Springer, Liz Mohn & Co sind.
Da die “Leidtragenden” einer solchen Debatte ja eindeutig auf deren Seite zu finden sind, muss man keine Geistesgrösse sein um das Offensichtliche zu sehen, nämlich dass “eine interessante Debatte” nur in dem Rahmen stattfinden wird, den jenes Damenkränzchen vorgibt.
Der Bürger/Wähler/Steuerzahler wirds wie üblich widerstandslos akzeptieren.

Diese in Blogs weit verbreitete alberne Ansicht über “das Volk” und gegen was es sich in naher Zukunft alles wenden werde ist völlig lächerlich. “Das Volk” wird in grosser Mehrheit bei der nächsten Wahl wieder dieselben Politiker Darsteller wählen wie immer. (So unsinnig Wählen auch ist, wenn man keine Wahl hat, auch die Nicht Wähler tragen zum Ergebnis bei, wenn auch auf weniger dämliche Art.)

Solange der “grosse Widerstand” gegen die bestehenden Machtverhältnisse, in vorderster Front bei den Medien, lediglich in solch lustigen Artikeln stattfindet kann man mit absoluter Sicherheit vorhersagen, dass “eine interessante Debatte” nicht stattfinden wird, der derzeitige Status Quo hingegen ungehindert weiter bestehen!

Es wäre gut wenn all ihr schlauen Blogger einschliessen der stets staatstragenden. linker Spiesser NDS euch mal endlich mit der eigentlicheen, allem zu Grunde liegendem Ursache all dieser Probleme auseinandersetzen würdet:
Herrn Mustermann, dem braven deutschen Bürger, ohne den dies alles nicht möglich wäre. Und ohne den es keine “interessante Debatte” geben wird, DIE AUCH FOLGEN HÄTTE.

Wie gedenkt ihr den normalo Deustchen zu ändern? Oder reicht es sowieso, euch vor dem Spiegel stehend auf die eigene Schulter zu klopfen und wie es schon in der Bibel steht zu sagen: “Herr ich danke dir, dass ich nicht so bin wie jene!”

Morph Oktober 17, 2012 um 01:27

@Dipfele

“Und die gelehrte Unwissenheit ist schon seit 1440 bekannt.
De docta ignorantia”

Kannste sogar noch eineinhalb Jahrtausende draufpacken, wenn’s langt. Dass es um die Bestimmung des Nichtwissens geht, wussten schon die Alten. Nur ist diese Erkenntnis gerade wegen ihrer Robustheit lediglich ein stabiler Startpunkt (den es gleichwohl immer wieder zu aktualisieren gilt). Dabei kann man nicht gut stehen bleiben. Das Nichtwissen motiviert seine immer differenziertere Bestimmung. Wir bestimmen immer genauer, was wir in welcher Hinsicht nicht wissen.

chabis Oktober 17, 2012 um 01:41

In den nächsten Tagen steht für Schavan (&Co) nicht nur der Doktortitel auf dem Spiel
http://www.kontextwochenzeitung.de/newsartikel/2012/10/einstuerzende-altbauten/

Avangard? Oktober 17, 2012 um 07:38

Ja ist denn schon wieder Zeit für virtuelle Doktortitel ?
So ein einheitlicher MasterDoktor ala Schavanese ohne den Anspruch auf Wissenschaftlichkeit für Mainstreamer by Mediasgnaden.
Eine “Art- Dekodoktor -” … für Anschlüsse in weitere Richtungen !
Kurz :
“Dd.”

Morph Oktober 17, 2012 um 10:17

@Tyler Durden

“Ob eine interessante Debatte ausgelöst wird, das entscheiden immer noch die gleichgeschalteten, manipulierenden und meingsmachenden Mainstreammedien, die fest in Konzernhänden, bzw. zum Grossteil denen von Friede Springer, Liz Mohn & Co sind.”

Ist das so? Wie stellst Du Dir das operativ vor. Dass Friede und Liz morgens telefonieren und überlegen ob und mit welchem Tenor eher der Steinbrück oder eher die Schavan thematisiert werden, ob eher der Afghanistan-Einsatz oder eher die Stammzellenforschung Thema sein soll? Ob man mal gegen das Regietheater polemisieren sollte oder doch eher die inspirationslose Popkultur der Nuller Jahre?

Das ist doch abwegig. Diese oberflächliche Vorstellung von den gleichgeschalteten Massenmedien ist denkfaules, unkritisches, selbstzufriedenes Gerede, mit einem Wort: Spießerdenke.

“Wie gedenkt ihr den normalo Deustchen zu ändern?”

‘Wir’, die Avantgarde? Was für ein Unsinn! Wir (Dich eingeschlossen) sind die ‘normalo Deutschen’, so spießig, verpeilt, bereichsblind und bereichsgenial wie so ein bunter Haufen halt ist. Da gibt es nichts Besonderes zu ‘ändern’, allenfalls wäre es schön, endlich mal diese dummen diktatorischen Fantasien von der großen ‘Änderung’ einzustellen. Das wird nach über zweihundert Jahren Änderungswut doch langsam etwas albern und alngweilig.

Anders gedagt: Wenn Dir der Sinn so nach Änderung steht, dann fang mal bei Dir an! Wer weiß, vielleicht wird aus Dir einmal ein interessant zu lesender Mitkommentator… ;-)

f.luebberding f.luebberding Oktober 17, 2012 um 10:42

morph

Eine faire Würdigung der Dissertation.

holger Oktober 17, 2012 um 11:11

http://static.twoday.net/apriori/images/gauss.png

noch eine faire Würdigung. Ist so, bleibt so…

holger Oktober 17, 2012 um 11:22

Einfach gesagt, das Leben findet zwischen 85 und 115 statt. Links fällt weg, und Rechts fällt weg. Passt auch zur Wahlbeteiligung. Und auch zur Aussagekraft von Dissertationen. Da verhält sich die Kurve genau so.

14 Oktober 17, 2012 um 12:55

Die Ministerin beteuert, “sehr genau gearbeitet” zu haben – und will die Vorwürfe aufklären.

aus dem Mai 2012. Man kann auch in der Täuschung sehr genau gearbeitet haben. Das hat sie damals wohl gemeint.

Und rasch, noch bevor entsprechende Forderungen laut werden konnten, bat sie die Universität Düsseldorf, die Vorwürfe zu prüfen. Das soll in der kommenden Woche geschehen. Im Übrigen wies Schavan die Vorwürfe zurück. Sie habe, sagte sie, ihre Arbeit „nach bestem [Täuschungs?]Wissen und Gewissen“ angefertigt.

Nun 5 Monate später ist das Ergebnis der Prüfung durchgesickert (wer da mit welcher Absicht die Öffentlichkeit “vorinformiert” hat, wissen wir nicht) und siehe da wen wunderts der Frau ["Professor" "Doktor" "Bildungsminister"] Schavan paßt schweigenddröhnend der ausgestellte blaue Brief nicht.

14 Oktober 17, 2012 um 13:02

Was eint all die neoliberalen (falschen) Doktoren und Radfahrer?

„Nein, er gefällt mir nicht, der neue Bürgermeister.“ „Nun, da er’s ist, wird er nur täglich dreister“…

14 Oktober 17, 2012 um 13:08

Entscheidend für das Gutachterurteil sei gewesen, dass die Arbeit „Kein wissenschaftlich verantwortliches Handeln” aufweise und der Fall als solches „Vorbildcharakter” besitze. In den Augen des Ausschussmitglieds könne man anhand der Zitierweise, die Schavan in einem großen Teil der Arbeit anwende und beherrsche, davon ausgehen, dass die Verstöße nicht versehentlich, sondern vorsätzlich geschehen seien.

Wärst du doch in Dusseldoof geblieben….
Jetzt müssen für Schavan wahrscheinlich die Assegutachter reaktoriviert werden..

Linus Oktober 17, 2012 um 13:27

@14: Deine Quelle redet von “wissenschaflich verantwortlichem Handeln” und hat noch nicht mal einen Namen?

Jackle Oktober 17, 2012 um 13:35

“Letzte Skepsis – Was sind denn zuletzt die Wahrheiten des Menschen? – Es sind die unwiderlegbaren Irrthümer des Menschen.”

Friedrich N.

14 Oktober 17, 2012 um 14:31

Dr. Linus, wie aus oben hervorgeht ist die Quelle ein “Mitglied des Promotionsausschusses der Düsseldorfer Universität”, der von Schavan extra beauftragt wurde, damit sie ab Mai vor der Öffentlichkeit schweigen………äh…”kämpfen” kann. (weil sie das ja “der Wissenschaft schuldig” ist) Wahrscheinlich wollte das Mit-Glied seinen Namen nicht nennen, damit nicht unnötigerweise in seiner Doktorarbeit gestöbert wird und er möglicherweise seinen schwarzen Hut verliert, gell..

Carlos Manoso Oktober 17, 2012 um 14:36

@f.luebberding Oktober 17, 2012 um 10:42
„Eine faire Würdigung der Dissertation.“

Ja, Philipp Theisohn trifft den wahren Kern des Themas: Zum „sprachliche Nachvollziehen anderer Gedanken (gehört) eben und vor allem auch eigenständiges Denken.“
http://www.cicero.de/berliner-republik/das-ist-das-ende-der-geisteswissenschaft/52228?seite=2

Eigenständiges Denken muß deshalb um so fundamentaler stillgelegt werden, je weiter die kapitalistisch-demokratisch unbewältigbare Weltkrise voranschreitet.

Im Zentrum des in der Weltkrise neu zu erkämpfenden eigenständigen Denkens jenseits von barbarischen Regressionen und postmoderner Scheinkritik, die das Wesen der repressiven und selbstzerstörerischen Ordnung nicht berührt, kann nur der vollständige und klare Bruch mit der kapitalistischen Realmetaphysik stehen, mit dem ökonomistischen Realitätsprinzip und mit dem demokratischen Nomos der Moderne.

Robert Kurz: http://www.exit-online.org/pdf/schwarzbuch.pdf

memoon Oktober 17, 2012 um 14:38

“Ist das so? Wie stellst Du Dir das operativ vor. Dass Friede und Liz morgens telefonieren und überlegen ob und mit welchem Tenor eher der Steinbrück oder eher die Schavan thematisiert werden, ob eher der Afghanistan-Einsatz oder eher die Stammzellenforschung Thema sein soll? Ob man mal gegen das Regietheater polemisieren sollte oder doch eher die inspirationslose Popkultur der Nuller Jahre?”

@morph
Das ist ganz einfach: Wie Dir jeder Redakteur der privaten TV-Sender bestätigen wird, ist die Bild-Zeitung für die Nachrichten das einzige Leitmedium – da wird selten was auf eigene Faust thematisiert. Wie das bei den Printmedien funktioniert, weiß ich nicht ganau. Es dürfte aber nicht zu weit hergeholt sein, anzunehmen, dass es auch da einen Leitwolf gibt, der wiederum nicht weit vom Einflussbereich von Mohn oder Springer entfernt ist.

Was in deutschen Medien auf die Agenda kommt, entscheiden also tatsächlich nur wenige Personen. Springer, Mohn, Diekmann und co müssen garnicht täglich mauscheln oder ihre “Linie” andauernd abgleichen. Die kennen sich bereits intim. Deren Weltanschauung oder Ideologie ist untereinander (und öffentlich) bekannt – wer da abhängig ist, weiß was er zu tun hat.

14 Oktober 17, 2012 um 14:44

Libyending fairwürdigt ja auch Agenda Steinmeier, Steinbrück und Gabriel als seinen asozialen Parteivorstand, da ist das nicht verwunderlich…

Ende der Geisteswissenschaften…..lachhaft….sie fangen nach jahrzehntelangem neoliberalen Koma gerade erst wieder an…

Morph Oktober 17, 2012 um 15:12

@Memoon

“Es dürfte aber nicht zu weit hergeholt sein, anzunehmen, dass es auch da einen Leitwolf gibt, der wiederum nicht weit vom Einflussbereich von Mohn oder Springer entfernt ist.”

Doch, ist zu weit hergeholt. – Natürlich gibt es in jeder Branche, auch in den Medien, den riesengroßen Bereich meinungs-, gesichts- und muloser Me-Too-Strategen. Das heißt aber nicht, dass es ein stabiles Zentrum der Genese von Meimungen und Konsumtrends gibt, am Ende noch im Schädel der Frau Springer? Was für eine kleinmütige, geradezu aberwitzig abwegige Vorstellung! Nein, in den Medien wie überall sonst auch, wird die steile These, das große Versprechen und das solitäre Wagnis belohnt. Allerdings – sonst wäre es kein Wagnis – nicht das eines jeden. Die allermeisten stark Startenden fallen irgendwann auf die Schnauze.
Man kann das aufregend und toll finden, man kann das auch als blindes Schicksal beklagen. Was man aber nicht kann (als redlicher Geist): in den Chor der ressentimentalen Verächter der Prominenz und der Exzellenz einstimmen. Denn das ist nur das Spiegelbild ihrer kritiklosen Bewunderung. Zu deren Naivität kommt auf Seiten der Verächter auch noch die Würdelosigkeit hinzu. Schrecklich!

Wilma Oktober 17, 2012 um 15:20

In der Presse heute:
“Hamburg – Was kostet die Welt ohne Euro? Diese Frage wird seit Ausbruch der Schuldenkrise immer wieder gestellt. Bis zu 17 Billionen Euro, lautet die Antwort einer neuen Studie des Wirtschaftsforschungsunternehmens Prognos AG im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung. Sie untersucht die möglichen Folgen eines Austritts südeuropäischer Länder aus der Währungsunion.”
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/bertelsmann-studie-euro-aus-in-suedeuropa-koennte-17-billionen-kosten-a-861642.html

Der Spiegel, die Zeit, die Welt usw.

Morph Oktober 17, 2012 um 15:22

@Memoon

Ich verstehe wirklich nicht, warum sich so viele Leute nicht die simple Logik einsehen, dass die BILD-Zeitung nicht deshalb von so vielen gelesen wird, weil Springer eine so große Macht hat, sondern Springer hat eine so große Macht, weil die BILD-Zeitung von so vielen gelesen wird. Und das liegt daran, dass BILD den kleinsten gemeinsamen Meinungsnenner der allgemeinen Leserschaft attraktiv zur Geltung bringt. Eine Abweichung davon kann sich BILD nur in sehr engen Grenzen leisten. Man kann BILD das größte Dreckblatt finden. Aber man sollte wissen, was man damit konstatiert: Dass die direkte Demokratie à la @Halbgott beispielsweise zu einer Drecksherrschaft führen würde, der gegenüber die gegenwärtigen Zustände paradiesisch sind.

aifran Oktober 17, 2012 um 15:22

Meinungsmacher Berufsanforderungsprofil

Gibt es schöneres als Voraus-Eilenden-Gehorsam??? Nichts ist Karrierefördender …. nichts Düngt die Mohnblumenfelder besser, nichts gibt ein besseres Bild ab.

Nachrichten/Botschaften damit die Nutzmenschen wissen wonach sie sich zu richten haben
Schöne Tage

egal Oktober 17, 2012 um 15:34

Schavan beweist, dass man mit 24 noch zu jung für substantiiertes akademisches Arbeiten ist – und führte Turboabitur und Früheinschulung in BaWü ein.
Schavan redet zehn Jahre lange von der Bedeutung des christlichen Glaubens in der Ausbildung – und schmiss Muslima mit Kopftuch aus dem Schuldienst.
Sie schummelt bei ihrer Promotion und wird nicht entlassen. Im mittleren Dienst scheint man anders behandelt zu werden.

Er wollte unbedingt Polizist werden, es störte nur noch die blöde Sechs in Latein: Einem Polizeihauptmeister droht die Entlassung, weil er vor mehr als 30 Jahren sein Zeugnis gefälscht hat.
http://www.sueddeutsche.de/muenchen/beamter-faelschte-zeugnis-schummelnde-polizisten-duerfen-im-dienst-bleiben-1.1498577

Die sollen alle gehen.

Carlos Manoso Oktober 17, 2012 um 16:01

@ Morph Oktober 17, 2012 um 15:12
„Natürlich gibt es in jeder Branche, auch in den Medien, den riesengroßen Bereich meinungs-, gesichts- und muloser Me-Too-Strategen. Das heißt aber nicht, dass es ein stabiles Zentrum der Genese von Meimungen und Konsumtrends gibt, am Ende noch im Schädel der Frau Springer? Was für eine kleinmütige, geradezu aberwitzig abwegige Vorstellung! Nein, in den Medien wie überall sonst auch, wird die steile These, das große Versprechen und das solitäre Wagnis belohnt. Allerdings – sonst wäre es kein Wagnis – nicht das eines jeden. Die allermeisten stark Startenden fallen irgendwann auf die Schnauze.“

Friede Springer ist eine ganz normale „Normalo Deutsche“. Na h dem Tode von Axel Springer erbte seine 5. Ehefrau seinen Konzern mit 3,2 Mrd. Umsatz (EBITDA 600 Mio. (16%) und 12.800 Mitarbeitern.

Aus einem Interview Axel Springers mit der “Neuen Revue”
SPRINGER: „In der Rothenbaumchaussee in Hamburg liefen die jungen Männer herum in alten Uniformen, entlassene Soldaten, entlassene KZ-Häftlinge. Unter Hitler war nur Haß gepredigt worden. Nach dem Kriege blühte das Denunziantentum. Und wir sagten einfach: “Seid nett zueinander.”

FRAGE: Und wann haben Sie zum erstenmal Lust verspürt, Einfluß auf die politische Entwicklung in Deutschland zu nehmen?

SPRINGER: Als mir bewußt wurde, daß Deutschland geteilt war und wir anfingen, in Gefahr zu kommen, nichts aus der Geschichte gelernt zu haben. Schon einmal haben wir eine Minderheit — damals die Juden — verraten. Das durfte sich nicht wiederholen. Aber das Wort Einfluß paßt wohl nicht. Publikationen können Meinungen verbreiten; ob sie aber damit Einfluß ausüben, wage ich zu bezweifeln.“
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46135645.html

PS:
„Schon einmal haben wir eine Minderheit — damals die Juden – verraten“.

„Da wäre zum Beispiel (Axel Springers) seine erste Ehe mit Martha Else Meyer, die von der NSDAP als “Halbjüdin” abgestempelt wurde. Nach einer fünfjährigen Ehe ließ sich das Paar 1938 scheiden. Ungeklärt ist, ob dies aufgrund seiner ständigen Seitensprünge oder weil er als Redakteur nicht mit einer “Halbarierin” verheiratet sein durfte, geschah.

Dann gibt es die Zeit, in der er für Nazi-Zeitungen arbeitete. Gleichzeitig war er kein NSDAP-Mitglied. Die von ihm gegründete Bildzeitung setzte sich viel stärker und früher als jede andere Zeitung für die deutsch-jüdische Versöhnung ein. Ihre pro-Israel Artikel wurden aber teilweise von ehemaligen Nazis, z.B. dem einstigen SS-Hauptsturmführer Horst Mahnke, geschrieben. Und im Büro nebenan saß der jüdische Konzentrationslager-Überlebende Ernst Cramer.“
http://www.hr-online.de/website/rubriken/kultur/index.jsp?rubrik=5710&key=standard_document_44260098

Carlos Manoso Oktober 17, 2012 um 16:13

@ Wilma Oktober 17, 2012 um 15:20
„Was kostet die Welt ohne Euro? Diese Frage wird seit Ausbruch der Schuldenkrise immer wieder gestellt. Bis zu 17 Billionen Euro, lautet die Antwort einer neuen Studie des Wirtschaftsforschungsunternehmens Prognos AG im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung.“

Völlig neoliberal verdrehte Frage, „was kostet die Welt ohne Euro“ ?

Die wirkliche Kernfrage lautet, was die Welt mit Kapitalismus die Menschheit kostet und was die Welt ohne Kapitalismus der Menschheit bringen könnte.

14 Oktober 17, 2012 um 16:26
14 Oktober 17, 2012 um 16:38
14 Oktober 17, 2012 um 16:43

(ausgerechnet Nike)

Wilma Oktober 17, 2012 um 16:55

@ cm
Es ging mir um den den Einfluss von Mohn, Springer ..
” Studie des Wirtschaftsforschungsunternehmens Prognos AG im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung. ”

Die Presselandschaft hat die Zahlen mehr oder weniger unkommntiert übernommen.

14 Oktober 17, 2012 um 17:18

13 BILDionen…..wenn die dann weg sind, können wir uns da nicht einfach soviele neue drucken? Ich mein Inflation gibts ja doch nicht. Haben uns die neoliberalen Topfökonomen von einst und jetzt im Medienkombinat in den letzten Krisenjahren doch lang+breit+überzeugend erklärt. Q.E.D….

holger Oktober 17, 2012 um 17:33

BILDung geht auch immer weiter zurück

http://www.bildblog.de/auflage.php

14 Oktober 17, 2012 um 17:46

Regierung beschließt Winter-Notgesetz gegen Stromausfälle

(BILD)… klingt nach Winter 1947. Das wurde auch mal Zeit in unserem reichen, Krise-geschütteltem Land. Die neoliberale Modern(d)e halt, Dr. Morphs para Dies, para Das…

14 Oktober 17, 2012 um 17:53

“Die BILDung wird täglich geringer, weil die Hast (2012 Ratten rennen) größer wird..”

Niet-Che

Wilma Oktober 17, 2012 um 21:11
f.luebberding f.luebberding Oktober 17, 2012 um 22:00

Zur Info: Morgen früh ab 7:05 Uhr in Mosaik auf WDR 3 ein Kommentar von mir zum Thema Fernsehdebatten im US-Präsidentschaftswahlkampf.

14 Oktober 17, 2012 um 22:53

Klosterfrau Schavanengeist

Nach sechs Monaten Schweigepflicht dann also Maulkorb und anwältliche Nachrichtensperre. Das versteht sie also unter “der Wissenschaft schuldig”. Der deutsche Bildungsminister hat sich selbst unter Quarantäne gestellt. Die Frau stinkt ja auch zum Himmel..

Man kann aber wieder sehen, ohne ihre Anwalzkanzleien sind diese neoliberalen Trauergestalten ein Furz im Wind der Weltgeschichte..

und die angeblich zur Klärung beauftragte…..freie, unabhängige, deutsche….(also weisungsgebunden-neoliberale) Wissenschaft schlägt die Hacken zusammen…

hahaha…

Wilma Oktober 17, 2012 um 22:55

Dann hoffe ich mal, dass Frau Schavan die Anwaltskosten aus eigener Tasche bezahlt.

Morph Oktober 17, 2012 um 23:55

@14

“und die angeblich zur Klärung beauftragte…..freie, unabhängige, deutsche….(also weisungsgebunden-neoliberale) Wissenschaft schlägt die Hacken zusammen… hahaha…”

Meine These ist ja die: Das unselige Matthäus-Prinzip der Geldwirtschaft wird solange unbehindert wirksam sein, solange Meinungen wie Deine das massive empirische Widerlager des Drecksjournalismus des Boulevard sind.

Ich bin ein Optimist. Ich möchte nicht glauben, dass der ressentimentale Ungeist, der aus Deinen Kommentaren spricht, das letzte Wort hat.

Morph Oktober 18, 2012 um 00:03

@fl 10:42

Das trifft es unüberbietbar exakt, könnte ich mir vorstellen. Schönes Beispiel übrigens für das, was Literaturwissenschaft ermöglicht: nüchterne Sensibilität.

memoon Oktober 18, 2012 um 00:05

@morph
“Das heißt aber nicht, dass es ein stabiles Zentrum der Genese von Meimungen und Konsumtrends gibt, am Ende noch im Schädel der Frau Springer?”

Nein, das behauptet auch niemand. Das “stabile Zentrum” ist eine Weltanschauungsmatrix, die sehr offen kommuniziert wird. In der Mehrzahl der politischen und wirtschaftlichen Artikel der großen Zeitungen von Welt, über Faz, SD bis FR werden täglich Standpunkte kommuniziert. Diese Standpunkte repräsentieren die ideologischen Eckpunkte der Verantworlichen dieser Medien. Natürlich gibt es einen besonders dichten Cluster, der durch den gehobenen Einfluss von Springer und Mohn erzeugt wird.

Jeder abhängige Journalist MUSS sich an dieser Matrix orientieren. Er wüsste sonst nicht, wie und wo er sich am Markt positionieren sollte, um seine Arbeit zu verkaufen. Dieses Verhalten bildet die erste, sozusagen implizite Stufe des Gatekeeping.

Die zweite Stufe des Gatekeeping pachtet der Entscheidungträger für die Redaktionellen Inhalte. Natürlich hat der es gern, wenn er steile Thesen und große Wagnisse zu seinem Arbeitsalltag zählen kann. Trotzdem wird die Entscheidung der Veröffentlichung an der Matrix ausgerichtet.

“Nein, in den Medien wie überall sonst auch, wird die steile These, das große Versprechen und das solitäre Wagnis belohnt. ”

Fällt Dir ein Beispiel dafür ein, wo solcherart Wagnisse belohnt wurden und die Agenda nachhaltig gestaltet wurde? Außer Schirrmachers “die Linken hatten Recht” Vorstoß, der ihm nach meiner Wahrnehmung eher geschadet hat, fällt mir nichts ein.

Lange Rede, kurzer Sinn: die weltanschauliche Bandbreit unserer führenden Medien ließ bisher keine “Wagnisse” zu, die mich oder @Tyler Durden zufrieden stellen würden (hach, wir sind Durchblicker, die höchstens anerkennend nicken würden).

Die Wahrnehmung von “gleichgeschalteten, manipulierenden und meingsmachenden” Medien ist meiner Meinung nach richtig. Interessant ist die Frage, warum das so ist.

Und schließlich:
“Ich verstehe wirklich nicht, warum sich so viele Leute nicht die simple Logik einsehen, dass die BILD-Zeitung nicht deshalb von so vielen gelesen wird, weil Springer eine so große Macht hat, sondern Springer hat eine so große Macht, weil die BILD-Zeitung von so vielen gelesen wird.”

Du traust Deinen Mitmenschen nicht viel zu? Vielleicht zu viele Schatten geboxt.

Morph Oktober 18, 2012 um 00:20

@14

Du schreibst z.B. so etwas:

“klingt nach Winter 1947″

Ich weiß nicht, ob Du Verwandte hast, die wissen, wofür ‘Winter 1947′ steht. Ich habe solche Verwandte und würde mich schämen, diesen Ausdruck für billig-polemische Zwecke zu verwenden.

Je länger ich hier den Bodensatz der ‘Gesellschaftskritik’ lese (unvergessen: Fukushima-Auschwitz-Vergleich), desto klarer wird mir, dass nicht ‘die da oben’ das Problem sind, sondern der selbstgefällige Ungeist der Ressentimentalen.

bleist Oktober 18, 2012 um 00:20

By the way: die EU hat grade den Friedensnobelpreis bekommen.
Ich hatte erwartet das werde hier zu Wallungen führen.
Stattdessen regt man sich über sonstwas auf.
Was macht eigentlich der Hütt?
Der sollte doch bedenkenschwangere Artikel zum Geschick der Welt und insbesondere der EU in die Tasten hauen!?
Nix mehr los hier.

bleistift Oktober 18, 2012 um 00:21

Der letzte Beitrag wurde verfasst von: Bleistift!

Morph Oktober 18, 2012 um 00:23

@memoon

“Außer Schirrmachers “die Linken hatten Recht” Vorstoß, der ihm nach meiner Wahrnehmung eher geschadet hat, fällt mir nichts ein.”

Na immerhin.

Noch sind solche Momente einzeln und zusammenhangslos. Aber wenn sich die ‘Stimmung’ einmal drehen sollte, dann vermittels solcher Interventionen, nicht auf Grund der Hass- und Hetzreden im Internet.

Morph Oktober 18, 2012 um 00:24

@memoon

“Du traust Deinen Mitmenschen nicht viel zu?”

Ich traue meinen Mitmenschen ALLES zu!

bleistift Oktober 18, 2012 um 00:40

@ Morph

Das tue ich grundsätzlich auch.
Allerdings bist du dann weniger ein Optimist als ein Pessimist.
Ansonsten stimme ich deiner Argumentation (grundsätzlich) zu.
Gedanken sollte man sich weniger wegen der paar Deppen machen die die BILD verfassen.
Sorgen sollte man sich machen wegen der paar Hunderttausend die diesen Schwachsinn lesen.
Das ist der große Irrtum der Linken.
Zu meinen die Unterschicht würde sie unterstützen….!

Morph Oktober 18, 2012 um 01:37

@bleistift

“Allerdings bist du dann weniger ein Optimist als ein Pessimist.”

Kommt drauf an, was man unter ‘alles’ versteht. Ich denke, wenn ‘alles’ wirklich alles sein kann, dann muss man offen lassen, was es bedeutet, von allen zu erwarten, zu allem fähig zu sein.

Aber es ist interessant, im individuellen Fall zu bemerken, ob jemand das als Pessimismus oder als Optimismus versteht. ;-)

Morph Oktober 18, 2012 um 01:40

wobei das ja wechselt. Ich zähl das nicht aus, aber vermutlich bin ich 50:50 des Tages Pessimist und Optimist. Man muss sich da nicht festlegen, finde ich. Das wäre doch unrealistisch.

Wilma Oktober 18, 2012 um 01:58

Morph ist ein Zweckpessimist

[1] Was den Verlauf der Geschichte anbetrifft, so bin ich immer ein Zweckpessimist gewesen, wenn ausnahmsweise doch mal was gutgeht, kann ich mich hinterher doppelt freuen.[2]
http://de.wiktionary.org/wiki/Zweckpessimist

der Herr Karl Oktober 18, 2012 um 10:35

Ich vermute, ich sei ein optimistischer Pessimist.

14 Oktober 18, 2012 um 12:08

…solange Meinungen wie Deine das massive empirische Widerlager des Drecksjournalismus des Boulevard sind.

Ich bin ein Optimist. Ich möchte nicht glauben, dass der ressentimentale Ungeist, der aus Deinen Kommentaren spricht, das letzte Wort hat.

Das letzte Wort hat hier Dr. Morph, das wissen über Jahre die dabei eingeschlafenen Leser schon längst. Aber wieder mal eine schöne Modern(d)e Verknüpfung. Meine These ist ja, wer immer bei den Mächtigen auf der Nadelspitze sitzen will, kann unmöglich die Öse sehen, durch die das Kamel muß, wenn es wieder Löwe und Kind werden will. Das gilt gerade auch für die akademischen Mindfucker und Zerstreuer wie du einer bist.

So hast du dann viele Zeilen und viele Thesen, Dr. Morph, nur auf den Punkt kommst du selten. Wenn du nämlich Optimist bist, dann bin ich Mohammedaner. Deine vielen hundert Bedenkenträger-Kommentare hier haben dich als Optimisten verraten, es trieft förmlich immer nur so heraus..
und deshalb auch dein ständiger Hang zum Schönreden des alten neoliberalen Politküchenpersonals mit den falschen Doktorhüten…(Kritiker geht anders, etwas Besseres als den Tod findet man überall..)

14 Oktober 18, 2012 um 12:16

Ich weiß nicht, ob Du Verwandte hast, die wissen, wofür ‘Winter 1947? steht. Ich habe solche Verwandte und würde mich schämen, diesen Ausdruck für billig-polemische Zwecke zu verwenden.

Kann es sein, daß du hier (bewußt) verdrehst, Dr. Morph? Schämen sollte sich doch wohl eher derjenige, der erstmals seit über sechzig Jahren von “Winter-Notgesetzen” faselt und erst dafür gesorgt hat, daß wir im Lebensstandard so weit runtergefahren werden, daß es jetzt angeblich dazu kommen mußte. Überhaupt “Schämen”, im neoliberalen Land der Schamlosen ist das doch eine Unmöglichkeit geworden, oder? Und falls doch, erzähl das doch bitte Frau Schavan. Nur da kommt vom windelweichen Dr. Morph leider kein Appell. Also nix Neues von Dr. Modernd-dem Alten verharrend-Morph.

Meine Abschlußthese:
Was man aber nicht kann (als redlicher Geist): in den Chor der ressentimentalen Verfechter der Agenda-Prominenz und der Exzellenz einstimmen.

Morph Oktober 18, 2012 um 12:50

@14

“Deine vielen hundert Bedenkenträger-Kommentare”

Hast recht, es ist sinnlos.

“erzähl das doch bitte Frau Schavan. Nur da kommt vom windelweichen Dr. Morph leider kein Appell.”

Aus Blogkommentarthreads Appelle an die Regierenden zu senden halte ich für kindisch. Wie übrigens auch die Pose des knallharten Tacheles-Sprechers an hundertundsoundsovielter Stelle im hinterletzten Winkel des Worldwideweb. Lächerlicher geht es kaum.

Aber mach nur so weiter, wenn’s der Lebenslüge dienlich ist.

gW Oktober 18, 2012 um 12:58

Ich heisse jetzt @gW, weil ich nicht immer als Geldloser angesprochen werden möchte.

zu @menoon
“Das “stabile Zentrum” ist eine Weltanschauungsmatrix, die sehr offen kommuniziert wird. In der Mehrzahl der politischen und wirtschaftlichen Artikel der großen Zeitungen von Welt, über Faz, SD bis FR werden täglich Standpunkte kommuniziert. Diese Standpunkte repräsentieren die ideologischen Eckpunkte der Verantworlichen dieser Medien. Natürlich gibt es einen besonders dichten Cluster, der durch den gehobenen Einfluss von Springer und Mohn erzeugt wird.
Jeder abhängige Journalist MUSS sich an dieser Matrix orientieren. Er wüsste sonst nicht, wie und wo er sich am Markt positionieren sollte, um seine Arbeit zu verkaufen. Dieses Verhalten bildet die erste, sozusagen implizite Stufe des Gatekeeping. ”

darauf hat unser Morph anscheinend nichts zu erwidern, macht ja auch nichts.

Gilt m.E. für die Schule und Uni bzw. Wissenschaft im Allgemeinen genauso. Und diese Ideologie wird nicht hinterfragt, ähnlich wie zur Zeit der Kirchenherrschaft oder im Kommunismus.
Die Wissenschaften dienen auch vor allem der Herrschaftssicherung.

Im Musterland der Demokratie, usa, bestimmen z.B. die Pharmakonzerne die Lehrpläne in der Medizin, wird hier wohl nicht viel anders sein.

Carlos Manoso Oktober 18, 2012 um 13:27

@ Morph Oktober 18, 2012 um 00:24
„Ich traue meinen Mitmenschen ALLES zu!“

Eigenständiges Denken erzeugt Vertrauen in die Fähigkeit anderer Menschen zu eigenständigem, verantwortungsvollem Denken & Handeln.

Vertrauen passiert im „Hier und Jetzt“. Vertrauen fordert und fördert, bringt Neues ins Leben, schafft ein Klima des offenen Lernens, bringt uns alle in ganz neue Dimensionen, überschreitet Grenzen und schafft noch nie da Dagewesenes.

Wenn neoliberaler Wettbewerb zwischen den Menschen totalisiert wird und sich alle Menschen hinter Charaktermasken verstecken müssen, wird das Vertrauen und somit eigenständiges Denken zerstört. Es wird nur noch Misstrauen, Pessimismus, soziale Zerstörung produziert.

memoon Oktober 18, 2012 um 16:20

@gW
“Und diese Ideologie wird nicht hinterfragt, ähnlich wie zur Zeit der Kirchenherrschaft oder im Kommunismus.”

Das stimmt nicht. Diese Ideologie wird von vielen Menschen hinterfragt (ähnlich wie Kirchenherrschaft oder im Kommunismus). Das Problem liegt darin, dass die Menschen zwar erkennen, dass die Medien/Wissenschaften/Schulen sich an der herrschenden Ideologie ausrichten, dann beim rummosern an der Ideologie stehenbleiben. Sie leiden daran, dass die _falsche_ Ideologie herrscht und kritisieren die Medien/Wissenschaften/Schulen für ihr Funktionieren!

Was hinterfragt werden müsste, was aber tatsächlich kaum geschieht, ist der Grund, aus dem Institutionen einer herrschenden Ideologie dienen. Und dieser Grund ist meiner Meinung nach im jeweiligen Inhalt der Ideologie zu finden und ist ein grundlegend anderer im heutigen Kapitalismus als z.b. im r.e.-Sozialismus.

yousun Oktober 18, 2012 um 19:17

@memon

Was hinterfragt werden müsste, was aber tatsächlich kaum geschieht, ist der Grund, aus dem Institutionen einer herrschenden Ideologie dienen.

sowie:
Und dieser Grund ist meiner Meinung nach im jeweiligen Inhalt der Ideologie zu finden und ist ein grundlegend anderer im heutigen Kapitalismus als z.b. im r.e.-Sozialismus.

Welcher Grund war es im r.e.-Soz.? Welcher Grund ist es im Kapitalismus?

Und welcher Grund war es in den anderen Gesellschaften? Feudalismus. Kirchenherrschaft. Sowie in den modernen Diktaruren?

Schon mal am Arbeitsplatz beobachtet, daß die KollegInnen dem Chef in den. A. kriechen? (Nach Luhmann die Leitdifferenz).

memoon Oktober 18, 2012 um 22:52

@yousun
Denkst Du, man kann das materielle Abhängkeitsverhältnis zwischen AG und AN, in Kombination einer Konkurrenzsituation mit der Beziehung zwischen Institution und herrschender Ideologie in ein Gleichnis bringen?

Das Bildungssystem im Kapitalismus hat den öffentlich erklärten Zweck, Menschen zu allgemeingebildeten, selbstbewussten Demokraten zu machen. Sein Produkt sind aber mehr oder minder auf den Arbeitsmarkt oder weitere Marktwertsteigernde Ausbildungen vorbereitete A.lecker. Meine These ist, dass das Bildungssystem so eingerichtet ist, damit genau das passiert. Das die Realität seinen Zweck darstellt. Natürlich ist das jetzt nicht so zu verstehen, dass da jemand einen Plan hatte und im Geheimen umgesetzt hätte.

Die entsprechenden Politiker und Interessengruppen, die am wirken waren und sind, sind sich nicht darüber bewusst, dass ihr primäres Ziel “Allgemeinbildung und Demokratieachtung” immer nur als “nice-to-have” gegenüber dem produktiven Kriecher als “essential” zurückstecken muss. Nicht nur die Realität knapper Staatskassen, sondern auch die subjektive Realität der Handelnden diktieren diese absolute Bedingung.

Was nützt es also, z.b. dem Wissenschaftssystem vorzuwerfen, ideologische Scheuklappen aufzuhaben? Das System, wie es da macht und tut, erfüllt doch seinen Zweck.

Jetzt kommt natürlich das Argument hinterhergeschoben, deshalb müsse man das System optimieren, anpassen, revolutionieren. Witzigerweise, verfangen aber auch die neuen Akteure regelmäßig an den Pollern der Realität, die schon ihre gestalterischen Vorgänger geleitet haben.

“Und welcher Grund war es in den anderen Gesellschaften? Feudalismus. Kirchenherrschaft. Sowie in den modernen Diktaruren?”

Du kannst natürlich, den gemeinsamen Nenner der Akteure bei vermeintlich “natürlichen” Beweggründen wie Angst, Neid oder Opportunismus suchen. Genauso, wie die Annahme, die Motivation der Akteure übersetze sich irgendwie in den Zweck der Institution, halte ich die Annahme einer naturgesetzlichen Motivation für argumentative Sackgassen.

Angst, Neid und Opportunismus haben immer einen Inhalt. Und es ist eben nicht egal, ob jemand Angst vor dem finanziellen, gesellschaftlichen, jenseitigen oder dem gesundheitlichen Ruin hat.

Tyler Durden Volland Oktober 19, 2012 um 10:46

@Morph

Allein deine völlig alberne Vorstellung, dass die Damen Mohn Merkel und Springer sich über etwas austauschen müssten um sich einig zu werden, macht jede Antwort überflüssig.
Dein Weltbild und die real existierende Welt passen ganz wunderbar zusammen, allerdings halt zu deinem Nachteil…

Meine Änderung habe ich übrigens schon hinter mir… Im Gegensatz zu dir und deinen Wunschträumen zur Zukunft, ziehe ich es vor heute schon im Hier und Jetzt, weit weg von all den linken und rechten deutschen Spiessern, mein Leben an den vielen wunderschönen Stränden der Welt zu geniessen.
Ab und zu besuche ich Deutschland und bis dahin erfahre ich auf einem dieser Foren Wege wie man denn so denkt, bzw, was man zZt dort für „Denken“ hält.
Und ein interessanter Mitkommentator wird ich sicher nie, denn ich fang erst da an, wo ihr schon lange aufgehört habt. Für euch ist das Leben das euch im heutigen Deutschland angeboten wird akzeptabel? Bitte ich will euch nicht stören, wenn ihr euch nichts Besseres wünscht oder vorstellen könnt…. Geht Arbeiten, bezahlt Steuern, und am besten wählt auch stets brav mit, legitimiert damit den ganzen Laden und seid brave „nützliche Idioten“.

Also…. Danke.

@Carlos Manoso

Du verschwendest deine Zeit, manchen gefällt es halt nützlicher Idiot zu sein, man merkt es ja nur äusserst selten und weh tut es denen auch nicht.

Avangard? Oktober 19, 2012 um 15:44
Avangard? Oktober 19, 2012 um 15:47

Der Angeber

Wehe, irgendwer wagt es, die Gorilla-Familie zu bedrohen. Dann zeigt der Silberrückenmann sein Angriffsverhalten, um seine Familie zu schützen. Zunächst runzelt er die Stirn, zieht die Augenbrauen zusammen und presst die Lippen aufeinander, was ihm schon einen bedrohlichen Anblick verleiht. Dann gibt er kurze abgehackte Laute von sich und wirft den Kopf in Richtung des Gegners hoch. Schließlich läuft der Gorilla-Mann geradlinigen Schrittes auf den Gegner zu, stoppt dann aber wenige Meter vor ihm ab. Oder er läuft seitlich am Feind vorbei. Dann heißt es “cool bleiben”. Weglaufen wäre jetzt das Dümmste, was der Gegner machen könnte. Dann nämlich rennt der Silberrückenmann hinterher und beißt sogar zu. Besser ist es, sich unterwürfig auf den Boden zu kauern, dann beruhigt er sich wieder.

f.luebberding f.luebberding Oktober 19, 2012 um 16:07

Avangardä

Eine gelungene Beschreibung. Aber ändere mal wieder Deinen Nick. Der ist etwas umständlich … .

Avangard? Oktober 19, 2012 um 16:23

@ fl

bin auf der Suche ;-)

chabis Oktober 20, 2012 um 13:42
richard albrecht Oktober 21, 2012 um 17:35

Zur Sache am 21. Oktober 2012

Der rechtswissenschaftliche Text (2010)[1], auf den Herr Dr. Weber aufmerksam machte und der auf Folgen möglicher Aufhebung des Verleihung des Doktorgrands genannten Verwaltungsakts (mit Dauerwirkung lebenslanger Begünstigung) abhebt, legt unter Verweis auf verschiedene Urteile seit 1980 und besonders ein bayrisches 2007 (-> BayVGH, BayVBI. 2007, 281 f. = juris Rn. 11 f.) nahe:

Frau Schavan wird nächst akademisch vollnackt, also ohne jedes Examen, dastehen werden. Auch ihr (heute hochbetagter) Doktorvater, der für sie öffentlich ein persönlich-positives „Leumundszeugnis“ abgab, tat dies i) auch im eigenen Interesse und argumentierte ii) weder zur Sache, sondern appellierte bloß personal.

Ob die fällige Aberkennung des Dr.phil.-Titels durch die deutsche „Forschungsgemeinschaft“, Wissenschaftler und Kirchenmänner, die (angeblich oder wirklich) ihrer Bundesministerin „zu Seite“ stehn sollen[2], gestoppt / verhindert werden kann – wird sich nach dem Schaunwermal-Syndrom in den nächsten Tagen / Wochen zeigen: the future´s s not ours to see …

[1]
Dr. Daniela Schroeder LL.M., Die Entziehung des Doktorgrades wegen Täuschung in der verwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung; in: Nordrhein-Westfälische Verwaltungsblätter, 2010/5: 176-181
[2]
http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/plagiatsaffaere-schavan-cui-bono-11932751.html

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