Die Leiden des Tom Hanks

by f.luebberding on 5. November 2012

Morgen Nacht wird der nächste US-Präsident gewählt. Wenn man den Erfahrungen der Wahlforschung trauen kann, hat Romney keine Chance, die Wahlen noch zu gewinnen. Laut Allensbach würde ein Kandidat Romney in Deutschland lediglich 3 % der Stimmen erhalten. Diese Zahlen sagen aber nichts aus, weil Romney bei uns weitgehend unbekannt ist. Er steht in Deutschland eben nicht zur Wahl – und spätestens mit dem Ende der Amtszeit des älteren Bush 1992 hat sich die GOP kulturell vom europäischen Konservativismus entfremdet. Die Demokraten kann man zwar ideologisch immer noch zwischen sozialliberal und sozialdemokratisch ansiedeln, aber die Republikaner haben in Europa ein mit ihr vergleichbares parteipolitisches Pendant verloren. Der religiöse Fundamentalismus hat im säkularen Europa keine soziologische Basis, außer ironischerweise in einigen muslimischen Einwanderergruppen. Die sind aber für konservative Parteien nicht erreichbar. Solche kulturellen Differenzen sind mittlerweile wichtiger geworden als ökonomische Interessen oder politische Grundsatzerklärungen im Rahmen der “transatlantischen Partnerschaft”.  Wobei die Amerikaner für Europäer wichtiger sind als umgekehrt. Fragen wir einmal Tom Hanks.

Bekanntlich war er am Samstag in der zweiten Ausgabe von Wetten dass mit Markus Lanz zu Gast. Nun kann man zu Lanz eine Meinung haben – und die sogar noch begründen. Aber Wetten dass ist als Unterhaltungsformat an Harmlosigkeit nicht zu überbieten. Das hat natürlich nur einen Grund: Es stammt aus einer Zeit als politische Berichterstattung noch nicht nach den gleichen Gesetzen funktionierte, wie die Unterhaltungssendungen im Fernsehen. Deswegen ist auch das Sackhüpfen in der Sendung am Samstag durchaus nett anzusehen gewesen. Niemand hat dabei den Anspruch, anspruchsvolle Unterhaltung zu sehen, weil Unterhaltung schon ihrem Wesen nach nur einen Anspruch stellt: Nämlich zu unterhalten. Dass ein Unterhaltungsprogramm ohne Professionalität gerade nicht unterhaltsam ist, merkt man übrigens nur an sinkenden Einschaltquoten. Ansonsten ist alles erlaubt, vor allem wenn es so harmlos wie Wetten dass ist. Und aus dem tragischen Unfall von Samuel Koch hat man offensichtlich etwas gelernt.

Erst mit der faktischen Nicht-Unterscheidbarkeit zwischen Information und Unterhaltung wurde es möglich, dass Entertainer wie Lanz umstandslos jeden Tag die Rollen wechseln können. Vom Duett mit Scherzkeksen wie Cindy “Atze” Schröder aus Marzahn zum Interview mit Salman Rusdie dauert es nur wenige Augenblicke. Lanz will auch im Interview mit Rushdie nur unterhalten. Das ist das rhetorische Sackhüpfen im ZDF.

Aber zurück zu den kulturellen Gräben auf beiden Seiten des Atlantiks.

Tom Hanks hatte am Samstag das schwere Schicksal, im Rahmen seiner PR-Tour für einen neuen Film arbeiten zu müssen. Er durfte zu seinem Leidwesen die gesamte Show im ZDF mitmachen – und nicht mehr wie früher nach 15 Minuten den berühmten Flieger ins Nirgendwo erreichen. Hanks hat das nicht gefallen. So hat er sich in diversen Medien über sein Leiden an Wetten dass geäußert. Was machen die deutschen Medien daraus? Eine Debatte über ein Format, das in den USA noch nie funktioniert hatte. Der Witz ist natürlich, dass sich dort kein Mensch für die Kritik eines deutschen Schauspielers an amerikanische Fernsehformate interessierte. Besonders kurios ist allerdings Hanks Forderung nach “qualitativ hochwertigen Unterhaltungsformaten”.

In den USA ist qualitativ hochwertig, was genügend Zuschauer findet. Ihn würde jeder Programmdirektor den ganzen Tag Sackhüpfen lassen, wenn dort nur eine einzige Sendung einen mit Wetten dass vergleichbaren Marktanteil erzielen würde. Und Hanks würde das alles mitmachen. Es ist sein Job. Wer will ihm das auch vorwerfen? Er ist nur ein Schauspieler – und nichts anderes.

In Wirklichkeit hatte Herr Hanks schlicht keine Lust zu arbeiten. Das kann man verstehen. Es ist ein hartes Geschäft, sich Stundenlang auf ein Sofa mit Frau Schöneberger zu setzen. Man könnte vielleicht besser im Hotelzimmer in der Nase bohren. Aber es ist nun wirklich absurd aus dem Leiden des Tom Hanks eine Grundsatzdebatte über Wetten dass zu machen. Das Beste an der Sendung ist nämlich das Sackhüpfen gewesen. Man kann offensichtlich noch mit solchen einfachen Mittel die Menschen in Deutschland unterhalten. Was will man mehr? Dem Fossil ist allein schon aus dem Grund ein langes Leben zu wünschen. Es ist eine Sendung, die man guten Gewissens mit seinen Kindern ansehen kann. Mittlerweile im Gegensatz zu vielen anderen sogenannten Unterhaltungsformaten.

Nur sollte das rhetorische Sackhüpfen in der politischen Berichterstattung im ZDF der Vergangenheit angehören. Und die Deutschen müssen wirklich nicht jedes Leiden des Tom Hanks für bare Münze nehmen. Aber wahrscheinlich bestehen darin die kulturellen Differenzen zwischen den USA und Deutschland: Bei uns nimmt man einen amerikanischen Schauspieler noch ernst. Ansonsten warten wir auf die Wahl zwischen Obama und Romney. Sie wird übrigens in den Medien wie ein Unterhaltungsformat inszeniert werden. Jede Wette.

{ 75 comments }

Jackle November 5, 2012 um 13:44

“In den USA ist qualitativ hochwertig, was genügend Zuschauer findet.”

Blödsinn!

http://www.youtube.com/watch?v=oYj7q_by_2E

topi November 5, 2012 um 13:48

“Morgen Nacht wird der nächste US-Präsident gewählt. Wenn man den Erfahrungen der Wahlforschung trauen kann, hat Romney keine Chance, die Wahlen noch zu gewinnen.”

Na warte mal ab. Die republikanischen Gouverneure und Wahlleiter und Wahlmaschinenhersteller tun ihr bestes, damit es noch spannend wird. :roll:

f.luebberding f.luebberding November 5, 2012 um 13:54

topi

Sprach von den Erfahrungen der Wahlforschung und nicht von der mit der Wahlfälschung.

topi November 5, 2012 um 13:58

Worum geht es eigentlich?
Wechseln zwischen E und U ?

Der Lanz, der kannz
halt nicht anders.

Der Schmidt hätte wahrscheinlich gekonnt, wenn er denn gewollt hätte.

ABer dafür gibt es ja diverse Sportreporter, die zusätzlich zu ihrem E-Fach den Sprung in die U geschafft haben. :roll:

Beim ZDF kann ja auch kaum was anderes rauskommen; wenn der Söder sich ne Standleitung in die Redaktion legen lässt.
Mal sehen, was sie noch so ausplaudern; ist ja bald wieder Nikolaus, da wird mancher sentimental im ZDF; oder gar renitent. :roll:

Gregor Keuschnig November 5, 2012 um 13:59

Es ist ein hartes Geschäft, sich Stundenlang auf ein Sofa mit Frau Schöneberger zu setzen. Man könnte vielleicht besser im Hotelzimmer in der Nase bohren.
Wunderbar.

Morph November 5, 2012 um 14:02

@fl

“In den USA ist qualitativ hochwertig, was genügend Zuschauer findet.”

Auch europäische Fernsehsender produzieren unter der Maßgabe von Quotenzielen. Und die Unterstellung, amerikanische Medienmacher könnten nicht zwischen Klasse und Masse unterscheiden, ist falsch; schließlich sind us-amerikanische Programme in nahezu allen Fernsehgenres qualitativ führend – weltweit. Schau Dir die Dokumentationen auf ‘pbs frontline’ an, einen Polit-Talk wie ‘Bill Moyers’, ‘The Daily Show’ mit Jon Stewart oder Fernsehserien wie ‘Mad Men’ oder ‘The Wire’. DAS ist unpeinliches Fernsehen. Etwas Vergleichbares findest Du kaum in Europa, geschweige denn in anderen Weltgegenden.

Das in den USA die qualitative Spitzenproduktion in einem Meer von deprimierendem Mediendreck versachwindet, steht auf einem anderen Blatt. Aber darin unterscheiden sich die USA nun weiß Gott nicht vom Rest der Welt.

topi November 5, 2012 um 14:05

@ fl

Wer wird denn von Fälschung sprechen, so ein böses Wort. :dudu:

Sagen wir doch lieber: kreative Möglichkeiten finden, die die Wahl so “sicher” und “unfälschbar” machen, dass genügend Schwarze und Latinos und Arme und Kranke sonstwie Benachteiligte davon abgehalten werden, Demokraten zu wählen. :roll:

Klar: da gibt es noch nicht genügend Daten, um dies in den Polls abzubilden.

Obwohl: vielleicht sind die Rasmussen-Umfragen, die systematisch bestimmte Schichten überrepräsentieren, ja gar nicht als Wahlkampfhilfe für die Republikaner gedacht, sondern berücksichtigen einfach die Wahlfä, ähh, kreative Wahlvorschriftsausgestaltung. :roll:

topi November 5, 2012 um 14:14

EIns noch

” Die Demokraten kann man zwar ideologisch immer noch zwischen sozialliberal und sozialdemokratisch ansiedeln”

Echt??
Oder ist das nur, was sozialliberale und sozialdemokratische Europäer sehen wollen, vor allem in Obama persönlich?

Hier wird ja auch die Story aufgetischt, dass es einen allgemeinen “Linksruck” gegeben hat, wenn bspw. der SPitzensteuersatz vonn 42 auf 45 Prozent steigen soll; dabei hatte “rechts” ja vor gar nicht langer Zeit mal 54%.

Klar, 8 Jahre Tee-Party nach Bush, und das Land wäre vor dem Abgrund. Die Frage ist nur wieviele Schritte sie mit Obama wirklich weiter sind. :roll:

f.luebberding f.luebberding November 5, 2012 um 14:16

Morph

Das sind Spartenprogramme. Die finden wir auch bei uns. Hier geht es um den Mainstream. Ich rede von Unterhaltungsprogrammen im ursprünglichen Sinn des Wortes. Harmlose Sendungen wie Wetten dass müssen eben nicht qualitativ hochwertig sein. Sie müssen nur Quote bringen. Das gilt überall. Heute ist aber alles Unterhaltung geworden. Man betrachtet Wetten dass wie jedes andere Format, weil man die Unterschiede nicht mehr kennt. Es ist der zwischen Kunst und Unterhaltung. Kunst muss nicht unterhaltsam sein. Information auch nicht.

Morph November 5, 2012 um 14:29

@fl

“Harmlose Sendungen wie Wetten dass müssen eben nicht qualitativ hochwertig sein.”

Doch. Ich erwarte auch von ‘harmlosen’ Unterhaltungssendungen, dass sie keine groben Gestaltungsfehler haben. Dass in Deutschland für die Unterhaltungskünste keine Qualitätsmaßstäbe gelten, sondern offenbar das Urteilsvermögen von Besoffenen unterstellt wird, ist eine Facette der deutschen Unkultur.

Die deutschen Unterhaltungskünste in den 1920er Jahren hatten einmal Weltgeltung und eine Schärfe, einen Witz und eine Klasse, die in Deutschland nie wieder erreicht worden ist. Es ist ja nicht das kleinste Übel von Diktaturen, dass sie keinen Spaß verstehen.

Treidelstein November 5, 2012 um 14:39

http://www.wettbasis.com/quotenvergleich.html

Runterscrollen und rechts auf “US Presidential Election” klicken.

Die Quoten haben sich in den letzten Tagen ziemlich zugunsten von Obama verschoben. Aktuell für ihn im Schnitt nur noch gut das 1,2-fache des Einsatzes, für Romney aber das 4-fache.

f.luebberding f.luebberding November 5, 2012 um 14:39

Morph

Dann solltest Du den Fernseher bei den Programmen ausmachen, die die meisten Zuschauer haben … . Ob bei uns oder in den USA. Und von welchen “Gestaltungsfehlern” redest Du jetzt bei Wetten dass? Dass sich Hanks gelangweilt hatte? Mein Gott. Er wird nicht eingeladen, damit er sich nicht langweilt, sondern die Zuschauer nicht vor Langeweile in der Nase bohren. Das ist sein Job. Er kann ansonsten ja auch bei Walmart Kisten auspacken. Und Wetten dass mit den Mythen der Weimarer Republik zu vergleichen, ist nun auch nicht sinnvoll. Ich plädieren ja gerade dafür, nicht das gesamte Fernsehprogramm nach den Kriterien des Unterhaltungsformats zu machen. Also wieder Kategorieunterschiede einzuführen. Und glaube es mir: Jedes andere Format wird schlimmer als Wetten dass je gewesen ist.

Carlos Manoso November 5, 2012 um 15:01

@Morph November 5, 2012 um 14:02
“In den USA ist qualitativ hochwertig, was genügend Zuschauer findet.”
Auch europäische Fernsehsender produzieren unter der Maßgabe von Quotenzielen. Und die Unterstellung, amerikanische Medienmacher könnten nicht zwischen Klasse und Masse unterscheiden, ist falsch; schließlich sind us-amerikanische Programme in nahezu allen Fernsehgenres qualitativ führend – weltweit.“

Amerika ist bekanntlich das Land des totalen Kapitalismus. Albert Camus würde es so ausdrücken, dass in Amerika der Mensch nicht in die Welt, sondern in die Scheisse geworfen ist, die der Mensch selber in die Welt geworfen hat.

Verglichen mit diesem Deutschland ist jenes Amerika das Land der allerhöchsten Unterhaltungskunst. Man merkt zum Beispiel nach 10Sekunden Spieldauer, ob ein Film ein deutscher Film ist. Also scheiß Dialoge, scheiß Aussprache, scheiß Plot, scheiß Schauspieler mit fetten, teigig schlaffen Körpern. Amerikanische (& englische) Filme dagegen haben diesen coolen Drive, der locker, entspannt nach vorn schlendert. Im TV dito.: Je lockerer, entspannter, cooler das Leben nach vorn schlendert, desto mehr Quote, desto mehr Money für die Macher.

Manch amerikanische Medienmacher hat schlicht&ergreifend diese moneygetriebenen virtuellen Tools voll drauf, die ihren Konsumenten die Erkenntnis verschaffen, dass Scheiße etwas durch und durch positives ist. Auch wenn real in Amerika immer mehr Menschen in der Scheiße stecken, werden sie sich noch nicht mal virtuell aus der Scheiße befreien wollen.

„Der Untergang des amerikanischen Imperiums hat begonnen. Es kann sein, dass die Amerikaner trotz aller Mühe nicht aufhalten können. Aber sie versuchen es nicht einmal.“
http://www.spiegel.de/politik/ausland/us-wahl-wie-der-kapitalismus-das-land-zerstoert-a-865278.html

Morph November 5, 2012 um 15:07

@fl

“Und Wetten dass mit den Mythen der Weimarer Republik zu vergleichen, ist nun auch nicht sinnvoll.”

Wieso nicht?

“Ich plädieren ja gerade dafür, nicht das gesamte Fernsehprogramm nach den Kriterien des Unterhaltungsformats zu machen.”

Verstehe ich schon; dieses Plädoyer verkennt aber sowohl den Sinn von Unterhaltungs- als auch den Sinn von Informations- und Bildungsprogrammen. Unterhaltung, die nicht den Sinn für Form, Timing und Pointe anspricht und herausfordert, sondern die Leute mit anthropologisch fundierten, zwangsläufig funktionierenden Wahrnehmungsreizen bombadiert, ist eine banale Zudringlichkeit, die nur von denen als ‘Unterhaltung’ wahrgenommen wird, sie komatöse Zustände ihrem Alltag vorziehen.

Und das Problem der Informationsprogramme liegt nicht darin, dass sie zuviel Unterhaltungsanteile haben – was passiert, wenn man ästhetische Kriterien außer Acht lässt bzw. nicht beherrscht, kann man beim Bürgerfunk und manchen Lokalsendern betaunen -, das Problem ist, dass überzeugende Indentifikationsfiguren fehlen. Man traut den Jauchs, Wills, Lanz’ und wie sie alle heißen, nicht zu, persönlich für etwas einzutreten.

Ich verstehe nicht, warum nicht schon längst ein Sender mit einem polarisierenden Polit-Talker an den Start gegangen ist. Die Situation schreit geradezu nach einem Polarisierer. Aber auf mich hört natürlich keiner ;-)

ninjaturkey November 5, 2012 um 15:08

»… Laut Allensbach würde ein Kandidat Romney in Deutschland lediglich 3 % der Stimmen erhalten…«

Was im Gegenzug aber zum Glück nicht bedeutet, dass Herr Rösler in den Staaten Präsident werden kann ;-)

Morph November 5, 2012 um 15:10

@CM

Lass’ es, Du hast erkennbar keine Ahnung! Wann hast Du eigentlich das letzte Mal mit wachem Verstand die Welt beobachtet? Scheint mir eine Ewigkeit her zu sein!

f.luebberding f.luebberding November 5, 2012 um 15:16

Morph

Scheint mir als wenn ich seit Erfindung der Kulturindustrie in komatösen Zuständen lebe. Kulis “Sinn für Form, Timing und Pointe” bei EWG war ja legendär. Vor allem bei den Frauen.

"ruby" November 5, 2012 um 15:17
Carlos Manoso November 5, 2012 um 15:24

@Morph November 5, 2012 um 15:10
„Lass’ es, Du hast erkennbar keine Ahnung! Wann hast Du eigentlich das letzte Mal mit wachem Verstand die Welt beobachtet? Scheint mir eine Ewigkeit her zu sein!“

Mmmm, sag doch schlicht&einfach, dass du „erkennbar“ das Gegenteil von „keine Ahnung“ hast. Daß „Morph“ in jeden seiner wachen Augenblicke panoptisch (wesentliches Ordnungsprinzip des totalen Kapitalismus) „mit wachem Verstand“ die (westlich-liberale) Welt beobachtet.

Gregor Keuschnig November 5, 2012 um 15:29

@f. luebberding
Naja, ich muss dann doch etwas widersprechen. Unterhaltung kann sehr wohl unterschiedliche Standards setzen. Sackhüpfen ist dabei nicht unbedingt das Problem, sondern der Kontext. “Wetten, dass” [WD] ist seit Gottschalk immer mehr zu einer VIP-Show geworden, die gnadenhalber vom Volk angeschaut werden darf. Dafür wird dann reichlich versteckte Werbung gemacht (bei den Privaten geht man da vor den Kadi; beim ZDF übersieht man das). Ich habe nach wenigen Minuten immer das Gefühl zu stören; das, was diese Leute da quatschen, ist nicht für mich bestimmt. Und gleichzeitig ist ja hochgradige Schauspielkunst, die da geboten wird. Die Wetten spielen da nur eine untergeordnete Rolle. WD erinnert mich an Audienzen bei absolutistischen Herrschern, wo es zwischendurch immer Auftritte von Jahrmarktkünstlern gab.

Wie Kindergeburtstagsspiele zur veritablen Unterhaltung werden können zeigt “Schlag den Raab”. Hier wird die Prominentenschiene durchbrochen: es spielt Promi (Raab) gegen “Nobody”. Da wäre dann plötzlich auch Sackhüpfen von Interesse, weil es eine Fallhöhe hat. Aber ob bei WD ein Promi gegen einen anderen Promi das Sackhüpfen gewinnt, hat überhaupt keine Relevanz. Und die “Einsätze” bei verlorenen Wetten sind ja an Lächerlichkeit kaum noch überbieten (Halle Berry sollte Oliver Welke küssen; oje).

topi November 5, 2012 um 15:37

Treidelstein

“Die Quoten haben sich in den letzten Tagen ziemlich zugunsten von Obama verschoben. Aktuell für ihn im Schnitt nur noch gut das 1,2-fache des Einsatzes, für Romney aber das 4-fache.”

Die Probleme der Republikaner werden größer. Man redet gern davon, wer in den Swing-States gewinnt, der gewinnt die Wahl. Das gilt allerdings nicht, sondern: die Republikaner müssen fast alle Swing-States gewinnen, um insgesamt auf die Mehrheit zu kommen.

Und es werden mehr Swing-States. Südstaaten-Billy hatte ja schon im Süden einige Gewissheiten geändert, dass kann aber nur ein neuer Südstaaten-Dem wiederholen. Aber in North Carolina und Virginia, die auch Clinton nicht holen konnte (waren wohl zu weit weg von Arkansas) hat Obama gewonnen letztes mal.

Es reicht also für die Republikaner nicht mehr, Florida mit Manipulation der Wahlzettel zu holen (siehe Bush); auch Ohio dazu (Fefe sammelt da schöne Details) reicht eben nur, wenn man auch Virginia und North Carolina holt.

Kann es sein, dass einiges typisch Ostküstiges sich nach Süden ausdehnt? Dazu natürlich die Mobilisation bei den Schwarzen, da wird man sehen, wie der nächste Demokrat dies bewerkstelligen kann (auch abhängig von den konkreten Ergebnissen nach 8 Jahren Obama).

Wilma November 5, 2012 um 15:37

Fast alle Formate (auch Wetten Das) wurden zu sehr “aufbebauscht”. Die ursprüchliche Idee der Wette ist verloren gegangen.
“Wer wird Milionär” läuft doch immer sehr gut, eben weil da nicht irgendwelche Stars im Vordergrund stehen- ausgenommen der Sondersendungen -.
Die Quizshow lief sogar im Vorabendgrogramm. Nun man aus der Idee eine 3-Stunden-Sendung gemacht.
Das größte Problem ist, das all diese Formate, auch diverse Talkshows, inzwischen outgesourst sind.
Wo bleibt da der Öffentlich-Rechtliche-Auftrag ?
Jeder Moderator, der meint er ist nun bekannt genug, gründet eine eigene Firma und lässt sich das durch die GEZ bezahlen.
Hier muss angesetzt werden. Und in die Aufsichtsräte der Sender gehören nicht nur Parteien und Verbände, sondern ganz normale Gebührenzahler. Von mir aus auch Ausgeloste.

holger November 5, 2012 um 15:52

Macht ja nix, ob Eierlaufen, Topfschlagen oder eben Sackhüpfen. Solange das Publikum im Rhythmus mitklatscht, läuft nix verkehrt. Was mir auf den Sack geht ist das, dass man beim privatisieren die ÖR vergessen hat. Mehr eigentlich nicht.

Nanuk November 5, 2012 um 15:55

Aufgabe und Anliegen und die Geschichte der Gesellschaftsordnung nach Abloesung der Vormachtsstellung des Mannes im Hinblick auf das dt. Volk als unteilbare Nation bei gleichzeitiger Aktivierung der Feuchtbiotope unter Einbeziehung der Frau in den gesellschaftlichen Aufbauprozess….

Nanuk November 5, 2012 um 15:56

http://www.youtube.com/watch?v=f_9tryNP8wo
Das muss Wetten das leisten Jawohl…

Morph November 5, 2012 um 16:01

@CM

Schau Dir einfach mal zwei, drei jüngere Beispiele des us-amerikanischen, des britischen und des deutschen Films an, und wenn Du dann nicht selber merkst, dass das von vorn bis hinten halbe fünf Jahrzehnte alte Klischees sind, die Du für die Wirklichkeit von 2012 ausgibst, dann, ach egal…

Carlos Manoso November 5, 2012 um 16:12

@Morph November 5, 2012 um 16:01
„Schau Dir einfach mal zwei, drei jüngere Beispiele des us-amerikanischen, des britischen und des deutschen Films an, und wenn Du dann nicht selber merkst, dass das von vorn bis hinten halbe fünf Jahrzehnte alte Klischees sind, die Du für die Wirklichkeit von 2012 ausgibst, dann, ach egal…“

Mmmm, „Morph“ will sich tatsächlich über persönlichen Geschmack (Vorlieben / Stilgefühle / ästhetische Empfindungen) streiten ?

Carlos Manoso November 5, 2012 um 16:15

@ topi November 5, 2012 um 15:37
„Die Probleme der Republikaner werden größer. Man redet gern davon, wer in den Swing-States gewinnt, der gewinnt die Wahl. Das gilt allerdings nicht, sondern: die Republikaner müssen fast alle Swing-States gewinnen, um insgesamt auf die Mehrheit zu kommen. Und es werden mehr Swing-States. (…) Es reicht also für die Republikaner nicht mehr, Florida mit Manipulation der Wahlzettel zu holen (siehe Bush); auch Ohio dazu (Fefe sammelt da schöne Details) reicht eben nur, wenn man auch Virginia und North Carolina holt.“

Die US-Wahl ist m.E. für Obama gelaufen.

Die „Süddeutsche“ schreibt: „Und so rechnen Obamas Strategen: Elf Bundesstaaten sind noch mehr oder weniger umkämpft – Nevada, Colorado, Michigan, Iowa, Wisconsin, Florida, North Carolina, Virginia, New Hampshire, Pennsylvania und eben Ohio. In den restlichen 39 Bundesstaaten gilt das Rennen als gelaufen, entweder für Romney oder für Obama. Mit diesen sicheren Staaten kommt Obama im Electoral College auf 201 Stimmen, sein Konkurrent auf 191. In Umfragen liegt Obama zudem in Michigan, Pennsylvania, Nevada, Iowa und Wisconsin vorn (zusammen 58 Wahlleute-Stimmen). Dazu noch die 18 Stimmen von Ohio, wo er Romney ebenfalls in den Umfragen beharrlich aussticht – und er hätte gewonnen. (…)Für Romney sieht die Lage schwieriger aus. Er müsste nicht nur Florida, North Carolina, Virginia und New Hampshire gewinnen. Er müsste eben auch Ohio holen. Dann wäre er bei exakt 270 Wahlleuten – und der nächste US-Präsident. Würde er in Ohio verlieren, müsste er in fast allen restlichen battleground states gewinnen, um doch noch ins Weiße Haus zu kommen. Was mehr als unwahrscheinlich wäre.“
http://www.sueddeutsche.de/politik/us-wahl-ohio-die-wahl-und-die-angst-vor-dem-chaos-1.1513397-2

holger November 5, 2012 um 16:17

Was mir eigentlich bei WDassaufgefallen ist: Immer wenn die in “englisch” sich unterhalten wollten, dann unterbrach Lanz. Dont speak English please speak German.

Und dann diese simultan Übersetzung grauenhaft. Besonders die Übersetzungen der Po-enten von Hanks. LOL.

holger November 5, 2012 um 16:18

CM

die Wahlen entscheiden Rechtsanwälte.

holger November 5, 2012 um 16:19

Sandy und nicht funktionierende Wahlautomaten.

f.luebberding f.luebberding November 5, 2012 um 16:22

Keuschnig

Ich habe nie verstanden, wie man sich ohne Kinder diese Sendung ansehen kann. Die Wetten sind doch so absurd, wie ein Pfänderspiel beim Kindergeburtstag. Macht man aber trotzdem sogar als Erwachsener … . Die internationalen Stars waren schon bei Gottschalk peinlich, weil denen die Langeweile immer anzusehen war. Die Talks leben von den deutschen Gästen – und waren noch nie etwas anderes als die Lückenfüller beim Kindergeburtstag. Das Interessante an dem Format ist, dass es trotzdem bis heute funktioniert hat.

Raab ist kein Kindergeburtstag, sondern die mit dem Grundgesetz vereinbare Version von Menges “Millionenspiel”. Es lebt vom einzigen Star, der Raab heißt und dessen Siegeswille alles dominiert. Hier wird der Instinkt des Pöbels angesprochen, nämlich in der Rauferei den Stärksten siegen zu sehen.

Das will er ja jetzt auch in seiner Politik Talk-Show umsetzen.

"ruby" November 5, 2012 um 16:24

@ Nanuk

Dr. Schnoor
http://de.wikipedia.org/wiki/Hans-G%C3%BCnter_Martens
ist nicht nur als Chef von Za(h)luskowski (Vorsteher Brauer) einsame Spitze.

www.makrointelligenz.blogspot.de November 5, 2012 um 16:31

Obama ist derzeit bei Betfair ein 80 prozentiger Favorit auf den Wahlsieg, beim von Amerikanern bevorzugt genutzten Intrade-Portal steht er allerdings lediglich bei 68%. Als quasi sicher ist der Wahlsieg angesichts dieser Werte meines Erachtens nach nicht, obwohl ich vermute, dass die durch europäische Wetter bestimmten Quoten bei Betfair eher den tatsächlichen Wahrscheinlichkeiten entsprechen. Intrade wird in den USA oft als Informationsquelle zitiert und ist als Zielscheibe für Manipulationen geeignet, denn auch das Wettvolumen ist nicht so hoch, so dass eine Manipulation ggf. eine günstige Wahlkampfunterstützung darstellt. Möglich ist aber auch, dass die Obama Fans in Europa den Markt irrational in seine Richtung bewegt haben: http://makrointelligenz.blogspot.de/2012/10/obama-in-europa-bei-64-in-den-usa-bei-57.html

Wilma November 5, 2012 um 16:34

@ fl
“Ich habe nie verstanden, wie man sich ohne Kinder diese Sendung ansehen kann.”

Zustimmung. So war es wohl auch gedacht- als Familiensendung.
Inwischen langweilen sich sogar Kinder.

Trotzdem ärgert mich das Outsourcing ungemein.
Die Moderatoren werden durch die Öffentlich-Rechtlichen bekannt und dann werden die Formate teuer eingekauft.

f.luebberding f.luebberding November 5, 2012 um 16:35

Nur zu den Wettbüros wegen der US-Wahl. Diese Daten sagen nur eins aus: Die Erwartung der Wetter auf den Wahlausgang. Die benutzen dabei als Basis die in den Massenmedien rezipierten Ergebnisse der Wahlforschung. Wäre jetzt nur an einem Punkt interessant: Wenn in Ostasien alle auf Romney wetten … .

f.luebberding f.luebberding November 5, 2012 um 16:37

Wilma

Meine nicht. Nur der Lütte ist eingepennt. Aber der pennt immer ein. Nur was sagt das jetzt, wenn sogar Kinder diese Sendungen langweilig finden? Worauf warten die? Auf den Auftritt der Löwen im Circus Maximus.

f.luebberding f.luebberding November 5, 2012 um 16:38

Hanks rudert zurück. Polarisierung schadet seinem Image.

holger November 5, 2012 um 16:40

Wilma

—>>>Zustimmung. So war es wohl auch gedacht- als Familiensendung.
Inwischen langweilen sich sogar Kinder.”

Ja, und wer sitzt da noch? die Kinder aus der schönen heilen Welt damals 60/70 evtl noch 80er Jahre. Für die Kids von Heute muss das ne Bestrafung sein.

"ruby" November 5, 2012 um 16:41

Die Hispanics gehen Obama wählen …

http://www.youtube.com/watch?v=f_9tryNP8wo
mit dem Subwoofing kannste die Maulwürfe im Garten zum Klimzug an die Wäschestange swingen ;-)

14 November 5, 2012 um 16:56

Luebberding goes Bildzeitung.
Er und viele andere schauen eindeutig zuviel Troll-TV (das mit der negativen Päda-go-kick)

Wilma hat den Zeigefinger oben schon in die richtige Richtung gehalten. In einer Zeit, wo auch die Eingangsbeiträge hier sich immer häufiger als Anhang und Reichweitenverstärker von privaten Fernsehtalkshow-Medien GmbHs zu erkennen geben, können auch keine wirklich demokratischen Diskussionen entstehen. GmbHs sind nämlich auf Gewinn in Taler und Euro aus und mitnichten auf demokratische Diskussionen (oder etwa für das Publikum “wertvolle” Unterhaltung). Ich jedenfalls habe das zwangsgebührenfinanzierte GmbH-Proporz-Troll-TV von cduspfdgrün für mich nicht fast vollständig abgeschaltet, um es dann hier in anderer Aufmachung in brühwarmer Soße wieder und wieder präsentiert zu bekommen…LANGWEILER BLEIBEN LANGWEILER, so ist das halt!

“Wiesaussieht” gibts aber keine Alternative zur spcdu [die neue SED, wo du hintrittst, wo du hinsiehst, sind sie schon da..] und zum alleinseligmachenden €uro schon gar nicht, gell?

Und, NEIN, ich werde mir den Film von Hanks nicht ansehen! Jetzt erst recht nicht. Wer der nächste Präsident in Gods own Country wird, ist mir auch schnuppe…ein Neoliberaler wirds ja sowieso wieder…dafür sorgt schon die bankrotte Boni-Wallstreet…

StephanEwald (@StephanEwald) November 5, 2012 um 16:57

Also mein Söhnchen und ich haben uns sehr gut unterhalten. Aber wir sind halt auch sehr schlichte Gemüter.

f.luebberding f.luebberding November 5, 2012 um 17:05

14

Du verstehst es nicht. Wilma hat recht, was die Aufsichtsgremien der ÖRs betrifft. Die Talk-Shows wären aber nicht anders gestrickt, wenn man sie noch in den alten Strukturen produzierte. Sie sind das Ergebnis einer Wahrnehmung der Medienlogik als Wettbewerb. Nur müsste man in den alten Redaktionsstrukturen bei einer Absetzung den ganzen Apparat weiter beschäftigen. Das spart man sich durch diese Konstruktion. Das Outsourcing hat hier die gleichen Gründe, wie in anderen Sektoren auch. Den Nutzen haben natürlich die Eigentümer der Produktionsfirmen, also die Moderatoren.

"ruby" November 5, 2012 um 17:12

@ 14

“die bankrotte Boni-Wallstreet…”
noch zwei Tage und sie spürt schon das Gefühl, wenn der Kontoauszug die Wertberichtigung ausweist ;-)

http://www.youtube.com/watch?v=f_9tryNP8wo

Wollen sich über Angelina lustig machen :

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/spanien-legt-sich-quer-neue-schlappe-fuer-eu-staaten-bei-mersch-ernennung-11950549.html

Treidelstein November 5, 2012 um 17:20

@ FL – “Nur zu den Wettbüros wegen der US-Wahl. Diese Daten sagen nur eins aus: Die Erwartung der Wetter auf den Wahlausgang.”

Natürlich. Ist aber vielleicht nicht der schlechteste Indikator. Jemand, der einen Wetteinsatz tätigt, wird – evtl. im Gegensatz zu einem Meinungsforschungsinstitut – keine versteckte Agenda haben. Und bei der großen Anzahl der Wetter wird der mögliche Bias einer einzigen Informationsquelle eher ausgeglichen.

Die Quoten sagen ja nicht aus, daß Obama sicher gewinnt. (Wäre das die allgemeine Einschätzung, dann würden überhaupt keine Quoten mehr berechnet.) Sie drücken Wahrscheinlichkeiten unter Berücksichtigung aller relevanten Informationen aus. Man kann ja auch auf Sachen wetten, die man für unwahrscheinlich hält, aber nicht sooo unwahrscheinlich wie es die Quote ausdrückt.

f.luebberding f.luebberding November 5, 2012 um 17:27

Treidelstein

Das ist richtig. Nur der Irrtum liegt darin, dass man Wahlforschung mit Meinungsforschung identifiziert. Gerade in den USA nutzen einem die Rohdaten wegen des Wahlsystems wenig.

egal November 5, 2012 um 17:39

Ich habe auch an die politische Berichterstattung ästhetische Erwartungen. Wiesausieht z. B. ist sehr unterhaltsam. Politische Fernsehtalkows dagegen sind ähnlich inspirierend wie das Vorabendprogramm. Und: “Der Koalitionsgipfel beschließt… Thomas Oppermann kritisiert…”. Mein Gott, wen soll das interessieren, wenn die Laiendarsteller von fünf neoliberale Parteien um Profil ringen.

Der Berichterstatter, der füher Politiker mit einem gewissen demokratische Ethos geduldig beim Bohren dicker Bretter beobachtet, ist in der Plutokratie nur noch ein Hofberichterstatter der neoliberalen Alternativlosigkeit. Es ist einfach unästhetisch, dummen Menschen beim Speichelecken zuzusehen. Die Ekelgefühle, die z. B. Talkshows bei vielen Menschen auslösen, sind daher glaube ich vor allem ästhetisch, und nicht ehtisch oder politisch motiviert.

Und noch ein Wort zum Fernsehen. In den Zwanzigern lebten die Leute im Betrieb, in der Kneipe und auf der Straße, jedenfalls nicht in den überfüllten Wohnungen. Man war unterwegs und wollte nach der eintönigen und geistlosen Fabrikarbeit was erleben. Das Fernsehen hat einen Kunden, der auf dem Sofa sitzt, nach einem im Regelfall intelektuell fordenden Arbeitstag. Der will nur noch abschalten, also ein Erregungniveau, dass ihn langsam in den Schlaf gleiten läßt. SAT1 hat ja einen – vergleichsweise – intelligenten und hippen Montagabend, den aber niemand sehen will. Also kurz: die Theaterformate der 20er und die Fernsehformate von heute haben völlig unterschiedliche Rezeptionsbedingungen. Äpfel und Birnen.

Ernst November 5, 2012 um 17:46

“Man kann offensichtlich noch mit solchen einfachen Mittel die Menschen in Deutschland unterhalten. Was will man mehr? ”

Nee Lübber – man unterhält damit die BILD-Stammleser.
Nicht die Menschen.

Lazarus09 November 5, 2012 um 18:00

Ich bin immer wieder erstaunt wer sich diesen unterirdisch beschissenen Müll ansieht um sich nachher zu beschweren .
Würde der Muhaha- mündige Bwahahaha Bürger diesen Schrott für geistig Minderbemittelte konsequent abschalten hätte man auf Grund schlechter Einschaltquoten den Intellekt beleidigenden Bullshit als Format schon abgesetzt das selbe gilt übrigens auch für diese hirnzerfetzenden Laberrunden …..

Der Bürger konsumiert eben direkt am Hirn vorbei … Brav..

Treidelstein November 5, 2012 um 18:06

@ FL – “…der Irrtum liegt darin, dass man Wahlforschung mit Meinungsforschung identifiziert. Gerade in den USA nutzen einem die Rohdaten wegen des Wahlsystems wenig.”

Den Einwand versteh ich jetzt nicht. Die Wetter wetten doch nicht darauf, wer landesweit mehr Stimmen kriegt, sondern darauf, wer Präsident wird. Es gibt übrigens auch einige Buchmacher, die Spezialwetten zu ausgewählten “battleground states” anbieten. Auf einen gezielten Link zu einem Beispiel will ich lieber verzichten, muß ja nicht in Werbung ausarten…

Na ja, ist hier sowieso nur ein Seitenstrang der Unterhaltung. Aber immerhin einer, der eine etwas zwingendere Verknüpfung zwischen “Wetten” und “US-Wahl” herstellt, finde ich…

14 November 5, 2012 um 18:08

TV-Glotzer

Wieso fand sich früher höchstens eine einzige (nichtbeachtete) Fernsehkritik auf den hintersten Seiten einer Zeitung? Heute wimmelt es auf den Startseiten der Zeitungsonlineportale nur so von (angeblichen) “Fernsehkritiken”. Dabei geht es immer wieder um die gleichen (Schwätzer)Sendungen. Diese “Fernsehkritiken” (Langweiler A hat zu Langweiler B gesagt, die Namen der Moderatoren werden erwähnt) sind allein dafür da, den Marktwert dieser Sendungen zu pushen.

Von daher will ichs schon lange nicht (mehr) verstehen.

Früher sagte man Schleichwerbung und sie war (aus guten Gründen) verpönt. Heute besteht das TV + angeschlossene (“öffentlich-rechtliche”) Print+ Online-Medien fast nur noch daraus. Diese (zu 99 Prozent neoliberal-infiltrierte Verkaufskanal-)
Glotze bleibt bei mir deshalb

AUS.

www.makrointelligenz.blogspot.de November 5, 2012 um 18:14

f.luebberding: “Nur zu den Wettbüros wegen der US-Wahl. Diese Daten sagen nur eins aus: Die Erwartung der Wetter auf den Wahlausgang. Die benutzen dabei als Basis die in den Massenmedien rezipierten Ergebnisse der Wahlforschung. Wäre jetzt nur an einem Punkt interessant: Wenn in Ostasien alle auf Romney wetten … .”

Ich glaube da unterschätzen sie die Wettmärkte schon ein ganzes Stück. Dort ist ja nicht nur Otto-Normalverbraucher unterwegs, sondern auch ein paar echte Profis, die auch bei besserer Information entsprechend Geld gegen eine Mainstreammeinung setzen würden. Es kann natürlich sein, dass die Kompetenz und Liquidität auf dem Gebiet Politikwetten grundsätzlich eher niedrig ist, weil nur alle 4 Jahre damit nennenswertes Geld zu verdienen ist.

Treidelstein November 5, 2012 um 18:35

@ makrointelligenz

Also wenn man die Anzahl und den Variantenreichtum der Wettangebote und die Volatilität der Quoten zum Maßstab nimmt und daraus auf das Geld zu schließen versucht, das damit umgesetzt wird, dann scheint es bei den allermeisten Politikwetten tatsächlich nicht so viel Einsatz zu geben. Einzige Ausnahme sind immer die US-Präsidentschaftswahlen, damit kann man wohl weltweit was anfangen. Aber nicht daß das jetzt wieder jemand als Beleg für die Existenz einer Weltgesellschaft anführt, daß die Leute in Hongkong Geld auf Obama oder Romney setzen…

Doktor D November 5, 2012 um 18:53

Das ist doch ein Beleg für die große Großkapitalisten-Bilderberger-Mont Pelerin-What have you-Verschwörung… Ts, ts, ts!

BB November 5, 2012 um 19:47

Tzzz, Wetten-Dass, das habe ich zuletzt gesehen, als mal fast wer im Pool ertrunken wäre – lang ist’s her. Aber tendenziell richtig. Unsere Medien sind richtig USA-besoffen.

Vor allem diese Vor-Wahl-Berichterstattung aus den USA. ARD, ZDF, alles der gleiche Senf. Ich mein, ich kenn nicht wirklich viele Amerikaner. Ist das wirklich so? Sagt wirklich jeder Amerikaner, wenn er sich äußert, in jedem zweiten Satz “Das ist der amerikanische Traum” ? In den Interviews entstand jedenfalls der Eindruck.

Jede Menge unterschwellige Botschaften, die unglaubliche Bewunderung der Auslandskorrespondenten zum Ausdruck brachten. Sogar drogensüchtige Prostituierte, die am Wegesrand für ein Interview aufgegabelt wurden, “sehen sich natürlich nicht als Opfer. Sie glauben fest daran, dass sie es mit harter Arbeit,l Fleiß und Disziplin doch noch schaffen können”. “Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, indem Tellerwäscher Millionäre werden”. Und vor allem: “Hier gibt es keinen Neid”. “Man gönnt hier den Reichen ihren Wohlstand”. Und die Reps, die werden immer nur – oder lassen sich nur – bei Charity-Veranstaltungen gefilmt. Denn Krankenkassen sind ja Sozialismus und wenn man genau hinhört, dann denkt eine Tina Hassel genauso.

Natürlich wird der Unterschied zwischen Arm und Reich diskutiert. Ein Doorman wird zitiert, der feststellt, dass es keine Mittelklasse gibt. Aber das ist nicht schlimm! Denn der amerikanische Traum lebt! Und das ist die Hauptsache! Hier klagt keiner. Nicht mal der ehemalige Drogendealer, der jetzt Gurken in einer nach Essig stingenden Fabrik einmacht. Nein auch er sieht sich nicht als Opfer. Mit harter Arbeit bei schlechten Bedingungen mit Fleiß und Disziplin kann er es noch zum Millionär bringen – HartzIV-Empfänger, nehmt euch diese Haltung zum Vorbild.

Schatten November 5, 2012 um 20:09

Ich glaube, @Lazarus09 trifft es. Selber schuld, wenn man sich das anguckt – denn solange wird es gesendet.

Trifft übrigens, um mal den Bogen zu @Luebberdings Erwähnung von Politik im Artikel zu schlagen, auch auf eben jene zu.

Das Parteienkartell ist da wie Fernsehen. Und es ist zu einem gehörigen Teil durch jenes.

Treidelstein November 5, 2012 um 20:35

@ makrointelligenz

Jetzt seh ich, Du hast da ja im eigenen Blog eine ganz interessante Betrachtung zu den Quoten an Wettbörsen und zu der nicht stattfindenden Arbitrage. (Wettbörse Intrade mit Zugang von US bewertet Wahrscheinlichkeit von Obama-Sieg derzeit mit 67%, Wettbörse Betfair ohne Zugang von US derzeit mit 76%).

Hm… wenn Deine Variante 2 zuträfe, dann könnte es doch aber europäische Arbitrageure geben, die bei Intrade das Phänomen der Gegen-ihre-Erwartung-aus-Sympathie-auf-Romney-Wetter ausnutzen würden. Also Variante 2 bräuchte Variante 1 als Zusatzerklärung, oder?

Ich würde ja annehmen, eine Spielart von Variante 1 trifft zu. Es sind ganz überwiegend Leute mit geringen Beträgen engagiert, für die der Aufwand zur Unterhaltung von Konten bei zwei Anbietern den möglichen Arbitragegewinn kaum lohnen würde, siehe auch erwähnte Gebühren und Umtauschverluste. Würde aber wirklich jemand zu Arbitragezwecken einen richtig großen Betrag bei Intrade auf Obama setzen wollen, dann könnte er den zu den aktuellen Quoten nicht unterbringen, sondern immer nur stückchenweise bei fallenden Quoten, und sehr schnell dürften sich die Quoten angleichen.

Aber ein Stück Mysterium bleibt… Immerhin ist Deine ganz und gar kontraintuitive Prognose eingetroffen und die Differenz hat sich noch vergrößert…

bleistift November 5, 2012 um 21:48

Vielleicht hat sich Tom Hanks einfach ein wenig “lost in translation” gefühlt?
Es gibt doch diesen hübschen Film von Sofia Coppola. Und der Hauptdarsteller erinnert (mich – rein äußerlich) stark an Hanks.
Wie würde sich ein deutscher Prominenter fühlen der in eine japanische Show eingeladen wird? “Lost in Translation” gibt da einen Vorgeschmack…!
Auf der anderen Seite nervt mich diese Amerikahudelei auch ziemlich.
Es gibt durchaus gute deutsche und europäische Serien oder Formate. Dass “America” weniger provinziell wirkt liegt meiner Meinung nach eher daran dass “America” eben geil, cool, hip und sonstwas ist. Unter anderen Vorzeichen würden amerikanische Serien möglicherweise degeneriert, pervers oder asozial wirken.
Amerika ist halt immer noch die globale (hippe) Leitkultur. Das dürfte aber kaum bedeuten dass die Verfilmung der Auswirkungen dieser Tatsache weniger interessant wäre oder sein sollte.
Wir sind hier nun mal keine Amerikaner. Und es hilft wenig darauf zu verweisen wie “cool” amerikanische Serien sind. Amerikanische Serien beschäftigen sich bestenfalls mit den Auswirkungen der amerikanischen Idee auf die USA. Europäische Serien sollten vielmehr europäische Realitäten beleuchten. Das wirkt zwangsläufig provinziell.
Gute Serien sollten meiner Meinung nach vor allem anspruchsvoll sein. “The Wire” ist eine hervorragende Serie. Aber wie Flübberding bereits angemerkt hat gibt es auch im deutschen Spartenfernsehen gute bis hervorragende Serien aus Dtl. und Europa.
“Wetten Dass?” ist eine hübsche, harmlose Familiensendung die niemandem weh tut. Es ist tatsächlich erfreulich dass es immer noch genug Menschen in Dtl. gibt die eine solche Sendung sehen wollen anstatt des kaputten Drecks der auf RTL, RTL 2, VOX usw. läuft.

www.makrointelligenz.blogspot.de November 5, 2012 um 22:40

“Würde aber wirklich jemand zu Arbitragezwecken einen richtig großen Betrag bei Intrade auf Obama setzen wollen, dann könnte er den zu den aktuellen Quoten nicht unterbringen, sondern immer nur stückchenweise bei fallenden Quoten, und sehr schnell dürften sich die Quoten angleichen.

Aber ein Stück Mysterium bleibt… Immerhin ist Deine ganz und gar kontraintuitive Prognose eingetroffen und die Differenz hat sich noch vergrößert…”

Ich glaube hier liegen grundsätzlich unterschiedliche Auffassungen über die Gewinnwahrscheinlichkeit auf den beiden Märkten zu Grunde, die aufgrund der Schwierigkeit der Arbitrage nicht geschlossen werden können. Je näher die Wahl rückt, desto höher ist das Bietvolumen und desto mehr Arbitrageure sind erforderlich, um die Lücke zu schließen. Inwiefern die US Quoten dabei mglw. bewusst manipuliert wurden ist natürlich schwer zu sagen, es würde jedenfalls auch bedeuten, dass mehr Arbitrageure gebraucht würde um die Lücke zu schließen.

Wilma November 6, 2012 um 00:07

Vielleicht OT
“Der religiöse Fundamentalismus hat im säkularen Europa keine soziologische Basis, außer ironischerweise in einigen muslimischen Einwanderergruppen. Die sind aber für konservative Parteien nicht erreichbar. Solche kulturellen Differenzen sind mittlerweile wichtiger geworden als ökonomische Interessen …”

Komme gerade von einer kleinen Party. Jemand wohnt in Hochfeld. Er berichtete, dass Türken sich zusätzlich bewaffnen (einige sind es schon) um bei einem weiteren Zuzug von Asylbewerbern aus Bulgarien und Rumänien auf Auseinandersetzungen vorbereitet zu sein. Die türkischen Stadteilbewohner würden sich zusätzlich mit denjenigen Türken streiten, die an Bulgaren und Rumänen vermieten, da einige türkische Mitbürger selbst Hausbesitzer sind und Angst um den Wert ihrer Häuser hätten.

Treidelstein November 6, 2012 um 01:29

@ makrointelligenz – “Ich glaube hier liegen grundsätzlich unterschiedliche Auffassungen über die Gewinnwahrscheinlichkeit auf den beiden Märkten zu Grunde, die aufgrund der Schwierigkeit der Arbitrage nicht geschlossen werden können. Je näher die Wahl rückt, desto höher ist das Bietvolumen und desto mehr Arbitrageure sind erforderlich, um die Lücke zu schließen.”

Erklärt wahrscheinlich einiges. Ergänzend wäre anzumerken, daß dem Sportwettengeschäft, zu Recht oder zu Unrecht, immer noch so was Halbseidenes anhaftet. Bei den renommierten Wettanbietern muß man sich meist darauf einlassen, daß Gerichtsstand Malta ist. Ist zwar EU, aber hey, gibt es diese Insel überhaupt, oder ist das eine große Briefkastenfirma auf dem Meeresgrund? Wer will sich darauf einlassen, in oder auf Malta zu prozessieren, um einen Wettgewinn ausgezahlt zu kriegen? In Ländern Kontinentaleuropas gibt es ständig wechselnde Rechtsgrundlagen… illegal aber geduldet, halblegal, legal…

Also Arbitrage schließt sicher die Lücke auch deshalb nicht, weil es keine wahrgenommene Rechtssicherheit beim Einsatz größerer Beträge gibt.

Schönes oder unschönes Beispiel dafür, wie bei unzureichendem Institutionenrahmen alles am situativen Vertrauen hängt… Häufig wiederholte Transaktionen mit vertrautem Umsatz/Einsatz gehen… alles darüber hinaus nicht… ach die Spieltheorie hat doch schon was für sich…

Gregor Keuschnig November 6, 2012 um 08:44

@f. luebberding
Jein. Im Prinzip war das “Format” WD schon nach Elstner überholt. Wie also weitermachen? Man kam auf die Idee, der Show mit Hollywood-Prominenz und Schicki-Micki-Pöbeln Glanz zu verleihen. Wenn sich schon der deutsche Fernsehzuschauer trotzdem langweilt, dann ist es doch nur logisch, dass auch den Stars die Sendung irgendwann nur noch ein Gähnen entlockt. Also mutete man ihnen nur kurze Schnipsel zu. Sie kamen ja nur, um für sich (Film, Buch, Musik) zu werben.

Gottschalk hat sich niemals für die Gäste interessiert. Sie waren ihm nur Schmuck, damit die Sendung am Laufen blieb. Die Wettkandidaten Vorzuführende, die ein bisschen Improvisation erlaubte. Er behandelte sie zuweilen wie Personal im 19. Jahrhundert.

Dass Raabs Sendung den “Instinkt des Pöbels” anspricht, halte ich für adornohaft übertrieben.

Hardy November 6, 2012 um 08:49

“Wobei die Amerikaner für Europäer wichtiger sind als umgekehrt.”

So so, meint das der Autor? Da frage ich mich doch, wer den ganzen amerikanischen Konsum finanziert und liefert – nicht den Plunderkonsum, sondern alles Höherwertige. (Und bitte, kein dämlicher Hinweis auf Apple, danke!)

“Es ist ein hartes Geschäft, sich Stundenlang auf ein Sofa mit Frau Schöneberger zu setzen.”

Dummfug. So lautet der Satz richtig:

“Es ist ein hartes Geschäft, sich stundenlang auf ein Sofa mit der hochschwangeren Frau Schöneberger zu setzen.”

Und, ja: “stundenlang” schreibt man klein.

Amerika ist ein Lehrstück – nein, eine Lehrstunde: Man kann einem Imperium beim Untergehen zugucken und ein Menschenleben reicht dafür. Früher war – auch das – mal anders.

f.luebberding f.luebberding November 6, 2012 um 09:06

Keuschnig

Es scheinen sich also 10 Millionen Zuschauer zu langweilen? Das mag ja sein: Die Motivation, die Glotze einzuschalten, ist höchst unterschiedlich. Manche bügeln dabei. In der Beziehung sind wirklich nur die Zahlen relevant. Was Raab betrifft: Die Dramaturgie der Sendung ist wie beschrieben. Dann wird sogar Sackhüpfen zur Entscheidungsschlacht.

f.luebberding f.luebberding November 6, 2012 um 09:09

Hardy

Es war nicht Apple gemeint, sondern die kulturelle Dimension. Hanks ist in Deutschland wichtig. Gottschalk interessiert in den USA niemanden. Ansonsten ist das ja richtig: Der Absturz der USA. Wurde hier schon öfter thematisiert.

Hardy November 6, 2012 um 09:29

@f.luebberding:

Auch was die kulturelle Dimension betrifft – Kultur ist übrigens mehr als Fernsehen und Filme – ist es falsch. Bauhaus hat Amerika mehr geprägt als PopArt Europa; Richter ist “wertvoller” als Rizzi; Beatles, Stones, Queen, Collins, Gabriel, Knopfler, Sting, Clapton… sind samt und sonders Engländer. Von klassischer Musik oder Philosophie wollen wir gar nicht erst anfangen. Warum das eigene Flutlicht unter einen Scheffel stellen?
Gottschalk interessiert dort niemanden, richtig. Aber das liegt nicht an Gottschalk sondern an der den Amis gottgegebenen Arroganz. Davon abgesehen: Hanks’ Glanzzeiten (Forrest Gump, Philadelphia) sind rund 10 Jahre vorbei. Vielleicht _musste_ er ausgerechnet deshalb zu “Wetten Dass”?

f.luebberding f.luebberding November 6, 2012 um 09:40

Hardy

Die deutsche Amerika-Rezeption war schon immer sehr ambivalent. Einerseits die These von der kulturellen Flachheit der USA (übrigens auch des Niedergangs), andererseits dass Deutschlands Dynamik schon im 19. Jahrhundert durchaus mit der in den USA verglichen worden ist. Berlin etwa galt als eine Stadt ohne Tradition. Die USA sind aber immer noch das Labor der Moderne: Hier finden gesellschaftliche und kulturelle Entwicklungen zuerst statt. In meinem Beitrag ging es ja um die erstaunliche Tatsache, dass man in den Medien Hanks ernsthaft eine Relevanz für die eigene Debatte um Wetten dass zuwies. Und das hat schon Gründe, denke ich.

f.luebberding f.luebberding November 6, 2012 um 09:45

Lesenswertes zu Hanks … .

Frankie Bernankie November 6, 2012 um 10:42

Herr Lübberding, Ihre Hanks-Schelte ist o.k., Unterhaltungsarbeiter sollen arbeiten für ihr nicht geringes Geld, recht so.
Und doch hab ich ein bisschen den Eindruck, hier wird jemand vom einem Mitglied des Apparats gescholten, weil jener – unerhört! – den Apparat beleidigt hat.
So geht’s ja wohl nicht! Der Hanks: tut nix, und kassiert unsere Gebühren! Und missachtet das zweitwichtigste Flaggschiff der unserer grandiosen Öffentlich-rechtlichen! ( das wichtigste ist Waldi’s –Weissbier – Treff zur WM , das nächste Mal in Brasilien für 130 Mio. ).

Ansonsten kann ich die Fernseh-Kritik hier nicht teilen, das Fernsehen ist besser denn je.
Meine FavoritenListe:

1.Malcolm in the middle ( Pro 7)
2.Oops – die Pannenshow ( Super RTL )
3.Die Tagesschau vor 20 Jahren ( Phoenix )
4.Die heute-show ( ZDF )
5.Big Bang Theory ( Pro 7 )
6.Bob Ross – the Joy of painting ( br-Alpha )

f.luebberding f.luebberding November 6, 2012 um 10:51

Frankie

Aber Nein: Ich halte es wirklich für ein schweres Schicksal drei Stunden lang auf dem Sofa zu sitzen … . Und das Fernsehen war tatsächlich noch nie so gut wie heute. Ich habe nämlich vier der sechs Sendungen noch nie gesehen … .

Frankie Bernankie November 6, 2012 um 10:59

@TV-Glotzer

“Wieso fand sich früher höchstens eine einzige (nichtbeachtete) Fernsehkritik auf den hintersten Seiten einer Zeitung? Heute wimmelt es auf den Startseiten der Zeitungsonlineportale nur so von (angeblichen) “Fernsehkritiken”. ”

Ist doch logisch: Medien propagieren, dass Medien wichtig sind.

Ein nicht ganz vergleichbarer, aber ähnlicher Sachverhalt: warum erscheinen “Perichte von der Pörse” in allen Nachrichtensendungen an prominentester Stelle, wo doch nur 5% aller Deutschen Aktienbesitzer sind?

Das ist auch ein voller Erfolg der neoliberalen Transformation: dass sich die Menschen nicht nur ums Wetter, sondern auch um die Probleme der Reichen ordentlich viel Gedanken machen.

egal November 6, 2012 um 13:17

Übrigens, @ Treidelstein, OT
Malta als Gerichtsstandort? Rechtsstaat, kodifiziertes Recht und die Anwälte sind auch billiger als im angelsächsischen Raum. Why not?

Treidelstein November 6, 2012 um 15:34

@ egal

Ja, wer nimmt das als kleiner Wetter schon auf sich, evtl. in Malta gerichtlich die Auszahlung des Wettkontos durchzusetzen? Auch wenn das ein Rechtsstaat ist. Außerdem ist es u.a. in Deutschland lange formal illegal gewesen, bei ausländischen Anbietern zu wetten, obwohl es praktisch nicht sanktioniert wurde. Aber es dürfte vielleicht nicht so einfach sein, hier einen Anwalt zu finden, der das da dann durchsetzt.

Nun sind die meisten Anbieter inzwischen vermutlich seriös, aber noch schreckt das Grauzonen-Image sicher viele ab, da größere Beträge einzusetzen, und sei es mit Arbitrage-Absichten.

Gleichwohl befriedigt mich die Erklärung selbst nicht so richtig. Weltweit wird doch in dem Sektor erheblich was umgesetzt, und im konkreten Fall handelt es sich ja um Wettbörsen, wo die Buchmacher nicht gegen den Kunden wetten, sondern nur die Infrastruktur bereitstellen. Also das Risiko dürfte begrenzt sein. Auch sollten die Wettbörsen ja von Buchmachern selbst – sozusagen zum “Hedging” – genutzt werden, wodurch etwas mehr Liquidität hineinkommt.

Insofern ist die nochmal gewachsene Lücke (Intrade 72% Obama, Betfair 82% Obama) schon sehr ungewöhnlich. Wobei die Quoten bei der Betfair-Börse so ungefähr denen der großen europäischen Buchmacher entsprechen, die bei Intrade dagegen stellen eine Anomalie dar.

Bei herkömmlichen Sportwetten kommt so etwas eigentlich nie vor, da werden solche Differenzen immer eingeebnet, sobald die Umsätze etwas größer werden.

Ich glaube natürlich nicht an eine Verschwörung oder so; niemand wird eine solche Wahl über eine Wettbörse manipulieren wollen. Aber es ist doch ein erstaunliches, nicht so einfach erklärbares Phänomen, auf das der/die @makrointelligenz da hingewiesen hat…

Jackle November 9, 2012 um 17:52
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