Geschnatter um das Leistungsschutzrecht

by f.luebberding on 3. Dezember 2012

Das “Interesse” ist eine einfache politische Kategorie. Sie bedeutet den Versuch, die Wirklichkeit dem eigenen Nutzen unterzuordnen. Das Ziel ist mehr Macht, mehr Geld, mehr Reputation. Die Existenz des “Interesses” zu beklagen oder moralisch zu denunzieren, ist reichlich absurd und zumeist lediglich der Denkfaulheit der entsprechenden Kritiker geschuldet. Jede Gruppe formuliert ihre Interessen und das bedeutet letztlich nichts anderes, ihren Anteil am in dieser Ökonomie  erwirtschafteteten Einkommen zu erhalten – oder zu erhöhen. Zumeist werden die daraus resultierenden Konflikte in Form des Interessenausgleichs geregelt. Dabei gibt es in dieser Gesellschaft Machtungleichgewichte zwischen den einzelnen Gruppen. Die Machtasymmetrie in Unternehmen zu Lasten der Arbeitnehmer konnte bekanntlich nur ausgeglichen werden, indem sich Letztere zu Gewerkschaften zusammenschlossen und das Streikrecht durchsetzten. Erst auf dieser Basis der Waffengleichheit konnte die Verteilung der Einkommen zwischen Gewinnen und Löhnen auf eine sozial und politisch verträgliche Grundlage gestellt werden. Zum Großkonflikt kommt es dann, wenn diese Waffengleichheit nicht mehr existiert – und die Interessen einer Seite dominant werden.

Das haben wir oft genug erlebt. Etwa beim Rückbau des Sozialstaats seit Mitte der 70er Jahre. Oder nach dem Zusammenbruch des Finanzmarktkapitalismus ab 2007 als das Interesse der Banken an ihrer eigenen Rettung als ein gesamtgesellschaftliches Interesse formuliert worden ist. Die Kritik daran bestimmt bekanntlich bis heute die politische Debatte – ob nun berechtigt oder nicht. Damit kommen wir zur mittlerweile an Hirnlosigkeit kaum zu überbietenden Debatte um das Leistungsschutzrecht. Dort finden wir zur Zeit zwei Lager. Zum einen die Presseverlage, die unter dem Druck des Medienwandels einen zentralen Teil ihres Geschäftsmodells verloren haben. Die Werbeerlöse haben sich in neue Märkte verabschiedet und damit ist auch die Refinanzierung der bisherigen Form des Journalismus in Frage gestellt. Bis vor etwa 15 Jahren waren die klassischen Medien (Fernsehen, Radio,  Print) die einzige Möglichkeit gewesen, sowohl den Staatsbürger als auch den Konsumenten zu erreichen. Der Staatsbürger hatte ein Interesse an Information und die Wirtschaft ein Interesse an seine Rolle als Konsumenten. Dieses Monopol war aber das einer ganzen Branche – und ansonsten in einem Wettbewerbsumfeld vertikal und horizontal reguliert. Der Journalismus als Voraussetzung des demokratischen Diskurses einer kritischen Öffentlichkeit über ihre eigenen Angelegenheiten fand auf diese Weise zugleich seine ökonomische Basis. Das ermöglichte allen Akteuren in der Branche ein durchaus bequemes Leben. Selbst Chefredakteure von Regionalzeitungen verdienten mehr als ein Bundeskanzler.

Mit dem Wegbrechen der Anzeigenerlöse ist dieses Modell am Ende. Wenn es das Interesse der Verlage sein sollte, es unter neuen Bedingungen wiederherzustellen, wäre die Mühe vergeblich. Nun ist der Ort, wo die Werbeerlöse hingeflossen sind, keine Black Box, wo diese Kategorie des “Interesses” in geheimnisvollen Algorithmen verschwunden sein könnte. In der Online-Ökonomie gibt es mittlerweile drei Akteure mit einer in ihrem Marktsegment marktbeherrschenden Stellung: Google, Apple und Amazon. Sie haben es vermocht, die Schnittstellen zu besetzen, die heute für die Erreichbarkeit des Konsumenten zentral geworden sind. Sie sind daher auch die einzigen Akteure, die mit dem Netz selbst Geld verdienen können. An ihnen kommt niemand in der Online-Ökonomie vorbei. Sie verfügen damit de facto über ein Monopol in der Nutzung der Infrastruktur dieser Online-Ökonomie – und die Gewinne von Google oder Apple sind nichts anderes als ein Ausdruck für diese Monopolstellung.

Was bedeutet das für Verlage?

Im Gegensatz etwa zu Google haben sie bis heute ihren Auftrag als Quelle des öffentlichen Diskurses demokratischer Gesellschaften nicht verloren. Wie der konkret wahrgenommen wird, ist eine andere Frage, die man mit guten Gründen stellen kann. Nur ist es das wohlfeile Gefasel von sogenannten “Experten”, wenn sie seit Jahren von den Verlagen ominöse Geschäftsmodelle verlangen, wie plötzlich mit dem klassischen Journalismus Geld verdient werden könnte. Wenn es solche Modelle geben sollte, wären sie schon längst umgesetzt worden. Entweder von Verlagen selbst – oder halt neuen Investoren. Das Problem ist schlicht, dass Google in der Online-Ökonomie die Schnittstelle zum Bürger als Konsumenten besetzt, die sich früher eine gesamte Branche geteilte hatte. Wobei Google gleichzeitig die Bedürfnisse der Bürger als Staatsbürger befriedigt. Allerdings nicht über eigene publizistische Angebote, sondern über die scheinbar neutrale Vermittlung entsprechender Quellen im Internet. Die Besetzung dieser Schnittstelle macht das Geschäftsmodell von Google so einzigartig erfolgreich – und erklären seine Erlöse in der Online-Ökonomie. Es geht dabei keineswegs darum, ob Google “Traffic” auf die Seiten der Verlage leitet oder nicht. Es geht nur um eins: Die Schlüsselstellung von Google hat die für das Unternehmen schöne Konsequenz, dass der Löwenanteil der in der Online-Wirtschaft zu erzielenden Werbeerlöse bei Google bleibt. Und dass es so bleibt, ist ganz sicher im Interesse des Unternehmens. Zugleich haben sie aber nicht die Kosten für die Erstellung solcher publizistischen Angebote zu tragen.

Genau hier soll das Leistungsschutzrecht ansetzen.

Nun kann man über die technische Ausgestaltung diskutieren. Es war auch eine Schnapsidee der Verleger ausgerechnet Christoph Keese vom Springer-Verlag diese Debatte führen zu lassen. Seine Rolle ist ein Desaster. Anders kann man das wohl kaum nennen. Man kann dabei sogar der Meinung sein, dass der Journalismus überflüssig geworden ist. Wobei dessen schärftsten Kritiker zumeist diejenigen sind, die deren Produkte offenkundig immer noch am meisten lesen. Nur eines geht absolut nicht: Wenn man den Verlagen die Banalität um die Ohren haut, dass sie ihre “Interessen” vertreten, während man gleichzeitig nicht in der Lage ist, das “Interesse” von Google an der bisherigen Struktur überhaupt zu definieren.

Erst auf dieser Basis kann es nämlich einen Interessenausgleich geben. Aber wir können auch weiterhin wie Stefan Niggemeier sinnlose Metadebatten über guten Journalismus führen, die nur ein Problem haben: Inhaltlich irrelevant zu sein (weiter unten mit weiteren Kommentaren von mir).

update

Frank Riegers Artikel zum Thema.

{ 366 comments… read them below or add one }

design own shirt Juli 1, 2015 um 08:22

What’s up, everything is going perfectly here and ofcourse every one
is sharing information, that’s truly excellent, keep
up writing.

Lina Dezember 15, 2012 um 21:03

Next Stop:
Marktgerechte Mediendemokratie

mailer Dezember 12, 2012 um 13:29

Jetzt entdeckt man die Pay-Walls. War bestimmt vor 10 Jahren technisch unmöglich vermute ich. ;-)

mailer Dezember 12, 2012 um 13:14

mailer Dezember 3, 2012 um 16:15

Tja – jetzt greifen die Springer um Döpfner .meinen Vorschlag auf.
Plötzlich will man überall Geld.

Bißchen spät kommen die Herren Versager zur Vernunft.

mailer Dezember 12, 2012 um 13:02

http://www.taz.de/Kolumne-Die-Kriegsreporterin/!107237/

Paßt doch hervorragend zum Thema. ;-)

mailer Dezember 8, 2012 um 09:21

@Luebberding

Ich auch. Aber nicht nachvollziehbar ist, warum auf sachliche Einwände eine kindliche Trotzreaktion erfolgt. Mit @morph solltest du vielleicht mal klären, welche Rolle er hier spielen soll.

"ruby" Dezember 7, 2012 um 07:29
holger Dezember 6, 2012 um 23:25

Luebberding

ich habe jetzt alle Kerzen versteckt… das beruhigt ungemein… die vibrieren noch nicht mal… Frag Katzenberger oder die Alice… ;-)

holger Dezember 6, 2012 um 23:18

—>>>Gewisse Spielzeuge benutzt man besser zu Hause … .”

Luebber… es ging um die 9,81… nu hab dich man nicht so. :D

14 Dezember 6, 2012 um 22:46

Krokus bis zum Spätsommer, rollenweise gedroschenes Stroh bis zur Adventszeit und jetzt wieder das langweilige [1000 Worte] Winterbild vom letzten Jahr….huett zensiert, spd installiert HIV, Luebberding löscht…

“Es könnte auch alles ganz anders sein!”

Das…ist…das…Haus…vom…

Nikolaus

"ruby" Dezember 6, 2012 um 22:39

@ Treidelstein Dezember 6, 2012 um 00:12

Organisationsmacht im Hintergrund wird durch die Bildung der handelnden Akteure getragen:
http://www.soziologie.phil.uni-erlangen.de/archiv/files/lehre/Ueberblick_Bildungsungleichheit.pdf
und dann kommt im Anschluss dass Wissenschaftssystem.
Habe für beide die Abbildung der Ökonomisierung durch den Rechnungsstil der Doppik in Verbindung mit individuellen Bildungszertifikaten, die steuerlich wirksam werden als “Verdienstherrschaft” Merikratie zum alltäglichen Haushaltswirtschaftsentwurf die technische, buchhalterische Lösung.
Bildungsschöpfung (Zertifikatssumme) = Geld-/Wertschöpfung (Abschreibung) = Machtpositionierung in Institutionen.
Funktioniert nur mit Rechtsanwendung, die auch eingehalten wird, deshalb ist das Verstossen gegen EU-Vertrag auch Demokratiezerstörung.
Muss politisch umgesetzt werden – ist klar.
Ob wir dass schaffen?

Linus Dezember 6, 2012 um 22:25

@Morph:
“Es könnte auch alles ganz anders sein!”
Das kommt auf das nächste Wies’n-Herz.

Linus Dezember 6, 2012 um 22:22

@Schatten:
Ich glaube, dass die Nachrichtenagenturen so ziemlich der kleinste Brocken sind. Unter wiki->dpa steht ein Jahresumsatz von ca. 100 Millionen, also kaum der Rede wert ;-).
Tatsächlich hat ja jedes grössere Portal heute seinen eigenen Nachrichten-Ticker. Ich schätze daher mal, dass sich die dpa-Kosten schon heute locker über Werbung einspielen lassen, sodass ein News-Ticker weitgehend selbsttragend sein dürfte.

Thor Dezember 6, 2012 um 22:01

“Es könnte auch alles ganz anders sein!”

Ich versuchs mal zu verstehen, klingt symphatisch….

f.luebberding f.luebberding Dezember 6, 2012 um 21:43

mailer 20:46 Uhr

Freue mich aber übrigens über (fast) jeden, der mitspielt.

holger

Gewisse Spielzeuge benutzt man besser zu Hause … .

Schatten Dezember 6, 2012 um 21:16

Mal was anderes: Es gibt Nachrichtenagenturen, also die mit den Nachrichten, und es gibt Zeitungen und Blogs, also die mit den Kommentaren.

Warum lassen sich Nachrichtenagenturen nicht werbefinanzieren?

Denn das eigentliche Problem, wie ich es bis jetzt verstanden habe, ist doch, warum sich jemand den Aufwand machen sollte, für Nachrichten zu bezahlen. Wenn die Nachrichtenagenturen also eine durchgehende Werbung auch auf die Zweitverwerter im Internet erzwingen könnten, wäre das Problem doch gelöst.

Dieser Vorschlag wurde präsentiert von Club Mate + Havanna Club… schön bitter-zuckrig…

Auf jeden Fall stehen Zeitungen und Blogs als Kommentatoren im Wettbewerb – wieder mal werden die Dinosaurier mit den hohen Fixkosten gekillt.

Thor Dezember 6, 2012 um 21:12

“Vielleicht weckt das unvoreingenommenes Interesse.”

@HH jetzt aber mal in die Tasten gehauen für “Neusprech.org”.

Interesse, unvoreingenommen….

Morph Dezember 6, 2012 um 21:00

@mailer

Ich habe doch noch gar nicht angefangen, Marketingfuzzie; sondern mich bisher still über Deine Kommentare gewundert. – Du hast mich adressiert (20:32). Also piano.

Affen sind geil Dezember 6, 2012 um 20:53

@mailer

es fällt nur wenigen auf – aber immerhin.

Das ist mir auch aufgefallen. War nur zu faul zum posten.

Morph kannst Du ungefähr so verstehen: Wenn Du Affe bist, sind für Dich alles Affen. Wenn Du Luhmann geil findest, ist für Dich alles Kommunikation.

Morph Dezember 6, 2012 um 20:44

@mailer

sicher, sicher. Du weißt immerhin, was irgendwer vor 10 Jahren hätte tun sollen, Schlaubi. Ich bin beeindruckt!

Morph Dezember 6, 2012 um 20:37

@mailer

“Erst schlau machen, und dann posten.”

Ja, Mama!

(Kleiner Hinweis: Dass ‘bei uns’ irgendetwas streng getrennt ist, sagt us was? Eben!)

Morph Dezember 6, 2012 um 20:35

@Thor

nee, leider daneben. Lies’ halt mal was von Luhmann, ich schlage als Einstieg “Archimedes und wir”, einen Interview-Band, vor. Vielleicht weckt das unvoreingenommenes Interesse.

Wenn man Luhmann auf einen Lebkuchenspruch bringen kann, dann den: Es könnte auch alles ganz anders sein!

Und wenn alle diesen Satz mit all seinen Implikationen ernst nähmen, könnte man etwas überlegter diakutieren, was man machen kann.

Thor Dezember 6, 2012 um 20:23

@Morph
Mal eine gewagt Luhmann Interpretation.
1. „Et kütt wie et kütt
2. Et hätt noch immer jot jejange
????

aifran Dezember 6, 2012 um 19:42

… hey Jungs und Mädls – wie läuft es mit den Kriegsplänen der GUTEN gegen Syrien/Iran??? – hat Google schon die Pläne???
ach ja – falsches Thema also pssst!!!
… hat es bei auch heute auch geschneit? Ist doch schön dem Weihnachtlichen Friedensfest bei leise Rieselndem Propagandaschnee entgegen zu fiebern …. (wird uns das Christkind endlich den Weg zum Iranischem Öl weisen???)

h.huett Dezember 6, 2012 um 18:56

Die Debatte mäandert aus guten Gründen, weil sich zu viele disparate Entwicklungen gleichzeitig vollziehen und normative Erwartungen oft in Unkenntnis tatsächlicher neuer Entwicklungen formuliert werden.

Eben sah ich bei telepolis dieses Interview über einen TV-Journalisten, der sein Rohmaterial für einen Film über die Energiewende unter eine CC Lizenz stellt. http://bit.ly/120YP3w

Morph Dezember 6, 2012 um 18:35

@Hauke

“Über die Nicht-Rivalität im Konsum dieser Güter herrscht Einigkeit.”

Schon klar, dass Du Bilder, Klänge und Texte in einer Gütertypologie verorten kannst, die von einem differenzlosen Begriff des Guts ausgeht. Ich bleibe aber dabei: Wer die Logik der Produktion, Distribution und Konsumtion von Bildern, Klängen und Texten ein bisschen kennt (ja, ja, @Hardy, ich habe von Nichts ‘ne Ahnung, geschenkt! Adorno konnte immerhin Gewinde schneiden, vielleicht, aber auch das vermute ich nur), dann stellt man ziemlich schnell fest, dass Begriffe wie ‘freie Güter’, ‘öffentliche Güter’, ‘ideelle Güter’, ‘nicht rivale Güter, andwhathaveyou irgendwie daneben sind.

Und übrigens ist der Terminus ‘Urheberrecht’ auch eine ziemlich abwegige Wortkreation. Es geht um’s Copyright, nichts anderes. (Die Engländer sind mit ihrem Pragmatismus doch oft näher bei der Sache).

h.huett Dezember 6, 2012 um 18:21

FL

Im amerikanischen Kartellverfahren reklamiert Google für sich das verfassungsrechtliche Privileg eines Medienunternehmens, kann gerade nicht auf unsere Debatte aus dem Frühling und Hannes Hintermeiers Beitrag in der FAZ verlinken.

Treidelstein Dezember 6, 2012 um 16:52

@ Hardy

Also investigativer Journalismus, Organisationsmacht dahinter und Deine zwei angeblich widerlegenden Beispiele…

1. Kompa/ Klehr: Crowdfunding zur Finanzierung der Prozeßkosten mag ja im Einzelfall funktionieren, ein tragfähiges Modell ist es aber wohl eher nicht. Abgesehen davon, wenn man sich die Sache genauer anschaut, ist das ja ein alter Hut.

http://de.wikipedia.org/wiki/Nikolaus_Klehr

Kompa hat da nichts „enthüllt“, schon gar nichts, was über Klehr nicht schon seit Jahren an Infos im Umlauf war; es hatte bereits eine investigativ verfertigte Panorama-Sendung im ÖR-TV gegeben, und das ZDF hatte berichtet… und was hatte Kompa eigentlich getan?

http://www.kanzleikompa.de/2012/05/25/klehr-kompa/

Zit. Kompa – „Klehr hatte letztes Jahr eine einstweilige Verfügung auch gegen mich persönlich erwirkt, weil ich eine Dokumentation von WISO per Youtube eingelinkt hatte, bei der – für mich nicht erkennbar – mit versteckter Kamera der Flur einer Arztpraxis gezeigt wurde und andere Belanglosigkeiten. Weil die einstweilige Verfügung ohne schriftliche Begründung erlassen wurde und mir die Verantwortung für ZDF-Videos als aberwitzig erschien, habe ich mich gegen diese Beschneidung der Meinungsfreiheit entschieden gewehrt.“

Ah, so war das also. Deine Widerlegung Nr. 1 ist ein reiner Bluff. Also was Besseres muß sich doch nun wirklich auch beim Schnell-Rumgooglen finden lassen… Wenn der Fall überhaupt ein Indiz für irgendwas ist, dann exakt für das Gegenteil von dem, was Du behauptest.

2. Wikileaks. Ich bitte Dich zu analysieren: Wo befindet sich Julian Assange? Wo befindet sich Bradley Manning? Welche Indizien gibt es für die Finanzlage des Projektes Wikileaks? Ist die Geschichte von Wikileaks also eine Widerlegung der Annahme, daß investigativer Journalismus Organisationsmacht im Hintergrund braucht?

Es mag ja trotzdem sein, daß sich eine Form von investigativem Journalismus unabhängig von verlagsähnlichen Großorganisationen dauerhaft etabliert, wer weiß… ich bin jedenfalls skeptisch… Von Deinen beiden Belegen zumindest ist der eine völlig daneben und der andere recht schwachbrüstig, und schon gar nicht geben sie genug Rückenwind dafür her, die eigene Auffassung hier mit einer solch rotzigen aggressiven Rechthaberei zu vertreten (freilich kann man leicht zu der Auffassung gelangen, daß das in diesem Habitat hier so sein muß.)

Linus Dezember 6, 2012 um 16:02

@Frankie:
“Das war ein ganz wesentlicher Beitrag zur fortschreitenden Globalisierung, wahrscheinlich sogar wichtiger als viele andere Tatbestände mehr.”

Wohl wahr! Die Globalisierung wäre ohne die logistische Unterstützung durch das Internet in diesem Ausmass nicht möglich gewesen, mit z.T. katastrophalen Folgen für lokale Märkte und der Erzeugung von Produktions-Monokulturen. Ebenso hat der Finanzkapitalismus einen ausserordentlichen Schub erfahren. Generell ist der kapitalistische Akkumulations- und Konzentrationsprozess massiv beschleunigt worden.

holger Dezember 6, 2012 um 13:48

Frankie

Danke… bestätigt oben eben meine These: Sender Empfänger…

Frankie Bernankie Dezember 6, 2012 um 13:40

@holger

“R3 habe ich live und in Faabe erlebt… Frustation”

Hmmm…hört sich nach falschen Berater an…meist ist das Problem ja nicht im Programm, sondern vorm Bildschirm ( sorry, arroganter SAPler-Witz, musste sein ).
Oder die Stammdaten passen nicht – Anwenderproblem.

holger Dezember 6, 2012 um 13:33

Hey… Frankie

wir reden über auch die Gesellschaft, DU hast sie mit geformt… Jeder unverstandene Befehl, wird die Olle zu Hause spüren werden. Oder hat sie schon… R3 habe ich live und in Faabe erlebt… Frustation

Frankie Bernankie Dezember 6, 2012 um 13:30

@Linus

” das Internet hat zu einem rasanten Preisverfall in der Warenwirtschaft geführt, auch hier wieder, weil Informationsaustausch alternative Versorgungsmöglichkeiten offengelegt hat und damit Monopole nicht mehr zu halten waren.”

Kleine besserwisserische Ergänzung zum Internet: seit dort Rechtsgeschäfte abgesichert getätigt werden, orders verbindlich abgesetzt, Lieferanweisungen erstellt werden und fakturiert werden können, ist das Internet voll tarnsaktionsfähig. All das was von Amazon kennt, ist auch im B2B – Breich noch viel tausendfacher ausgeprägt. Das war ein ganz wesentlicher Beitrag zur fortschreitenden Globalisierung, wahrscheinlich sogar wichtiger als viele andere Tatbestände mehr.

holger Dezember 6, 2012 um 13:28

Frankie

macht ja nix… was steht im Handbuch? Was bewirkt “dein” Handbuch?

Frankie Bernankie Dezember 6, 2012 um 13:22

@holger

“schau auf die Hoppenheimchens hat sich aus gebabbelt”

Mir wurst, was “Vadder Hopp” da macht. Ich gehöre zwar der Sekte der SAPler an, arbeite aber in einer anderen Firma.

Linus Dezember 6, 2012 um 13:06

- das Internet hat das Informationsmonopol der Massenmedien abgeschafft.
- das Internet hat zu einem rasanten Preisverfall in der Warenwirtschaft geführt, auch hier wieder, weil Informationsaustausch alternative Versorgungsmöglichkeiten offengelegt hat und damit Monopole nicht mehr zu halten waren.
- das Internet macht Wissen allgemein zugänglich. Der weltweite ‘Bildungsgrad’ dürfte durch das Internet erheblich angestiegen sein.
- das Internet hat die Privatsphäre nachhaltig beschädigt. Auch hier ist das “Monopol” in der bisherigen Form nicht zu halten.
- das Internet eröffnet völlig neue Möglichkeiten der Manipulation.
- das Internet fördert allgemein kollektive Strukturen und wendet sich gegen egozentrische Strukturen.
- das Internet wird zunehmend Filter-Funktionen entwickeln, die kollektiv nutzbar sind.
- das Internet ist voll in der Evolution begriffen. Es ist ein evoluierender Algorithmus, gewissermassen Evolution schlechthin, da es kaum von materiellen Ressourcen abhängt.
- das Internet macht uns abhängig vom Internet.

Dies ist KEIN Loblied auf das Internet. Soviel kann man jedoch sagen: Es wird uns interessante Zeiten bescheren (s. z.B. arabischer Frühling).

Hauke Dezember 6, 2012 um 13:00

@Morph

“Man kann eine Information nicht mehrfach mitteilen und dadurch denselben Gebrauchswert erneut schaffen.”

Über die Nicht-Rivalität im Konsum dieser Güter herrscht Einigkeit. Zusammen mit einem niedrigen Exklusionsgrad – beides Kennzeichen öffentlicher Güter – sind sie anfällig für Trittbrettfahrerverhalten, was die Möglichkeiten zur Gewinnerzielung einschränkt oder eliminiert. Darauf begründet sich die u.a. die Zuweisung wohl definierter Eigentumsrechte durch das Urheberrecht. Die Urheberrechtsdebatte wird unter anderem deshalb zu verbissen geführt, weil auf der einen Seite der Exklusionsgrad durch das Internet gesunken ist und das Urheberrecht diesem Umstand nicht mehr gerecht wird, auf der anderen Seite das Urheberecht den zusätzlichen Nutzen durch das Internet für die Konsumenten einschränkt. So kommt es, dass die Erzeuger/Verwerter von Content mehr Schutz fordern, die Nutzer weniger, und beide Forderungen eine gewisse Berechtigung haben. Das machten den Interessenausgleich so schwierig.

holger Dezember 6, 2012 um 12:55

Frankie

schau auf die Hoppenheimchens hat sich aus gebabbelt

holger Dezember 6, 2012 um 12:52

Frankie

—>>>Aber Holger, ich weiss doch garnicht, was mich alles interessieren könnte.”

Frankie… die meisten, die hier irgendwas tippseln, können sich ja einigermaßen selbst organisieren.

Ich rede von der Masse… ich rede nicht von den Kreisen bei G+ oder so. Und auch nicht bei Twitter… Ich reden von denen, die auf einfachste Weise, “gelenkt” werden können.

Und Du als SAPler… lenkst die… auch…

egal Dezember 6, 2012 um 12:47

Nochwas: Abgeordnete beziehen Diäten und Nebeneinkommen sind zwar verbreitet, aber sozial nicht akzeptiert. Parteivermögen und jede größere Spende ist veröffentlichungspflichtig.
Wenn Zeitungen wirklich für die Demokratie wichtig sind: wie kann man dann überhaupt akzeptieren, dass sie dermaßen intransparent organisiert und vom Kapital abhängig sind? Öffentliche Aufgabe -> öffentliche Finanzierung + Verfahrenstransparenz.
Man muss den Journalismus irgendwie aus dem übrigen Mediensystem herauslösen.

Nanuk Dezember 6, 2012 um 12:37

“Drought’s Legacy: Multi-year hydraulic deterioration underlies widespread aspen forest die-off and portends increased future risk”
Would be interesting to know wouldn´t it?
But sorry folks

“Global Change Biology
Accepted Article. These manuscripts have been accepted, but have not been edited or formatted. They will be published at a future date.”

egal Dezember 6, 2012 um 12:36

@Frankie
Recherche ist ein weiter Begriff. Er umfasst jede Art journalistischer Informationsbeschaffung, also auch das gezielte Suchen der DGB-Pressemitteilung zum SPD-Rentenkonzept. Schon um diese Art der Recherche steht es nicht gut.

Der zeitliche Aufwand für Recherche sank demnach von täglich 140 Minuten im Jahr 1993 auf 117 Minuten pro Tag im Jahr 2005 – Indiz Nr. 2 für die Defizite bei der Verankerung der Recherche im Arbeitsalltag der Journalisten.
http://journalistik-journal.lookingintomedia.com/?p=397

Bei einem Achtstundentag wird also nur ein Viertel der Arbeitszeit fürs Recherchieren aufgewendet. Aktuelle journalistische Produkte verfügen also gerade über keinen hohen Recherchegehalt. In den meisten Branchen steckt hinter einer Zeile Text mehr Vorarbeit als bei einer Zeitung.

Dass ein Landrat Asylbewerber in den Häusern seiner Kinder unterbringt, dürfte nur in der Zeitung stehen, wenn ein Konkurrent des Landrats einer Zeitung Informationen über diesen Sachverhalt aufbereitet liefert. Die Rechercheleistung des Journalisten dürfte sich im verifizieren erschöpfen. Ist in diesem Fall ja auch ausreichend. Viele Skandale ließen sich aber nur durch eigenständiges Beschaffen von Beweismitteln aufdecken. Ich kann mich jetzt spontan an keinen Fall erinnern, in dem Journalisten das getan hätten.

…Obwohl. Wulffaffäre, Klage des Spiegels. http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=en&nr=57746&pos=0&anz=1
Nur, hier gab es nicht nur keinen besonderen Zeitaufwand noch ein nennenswertes Kostenrisiko, die Presse war hier auch weniger eigenständige Gewalt als Instrument der Auseinandersetzung von Angehörigen des politischen Systems. Ich würde schon bezweifeln, dass diese Art der Skandalberichterstattung mit den jetztigen Pressestrukturen verschwinden würde. Schließlich haben ja sich ja auch die mutmaßlich gestreuten Gerüchte um eine frühere Tätigkeit Bettina Wulffs als Prostituierte verbreitet. Sie wurden zunächst nur nicht durch eine Institution veri/falsifiziert.

Also, die investigative Leistung der Presse liegt nciht im Beschaffen, sondern Überprüfen von Informationen. Aber gerade in diesem Bereich ist das jetzige Mediensystem am angreifbarsten, weil es nicht unabhängig ist. Gerade im kommunalen Bereich.

Wir haben Glück, dass die Glaubwürdigkeitskrise der Medien mit ihrer finanziellen zusammenfällt, Chance auf was Besseres.

Nanuk Dezember 6, 2012 um 12:30

google who the fuck is google
http://www.scirus.com/

Frankie Bernankie Dezember 6, 2012 um 12:26

@holger

“Goolge wird die Perspektive übernehmen. Wenn ihr schon keine Entscheidungen oder Perspektiven leisten könnt. Ist der letzte Strohhalm das Internet. Und das interessiert die Menschen. Nicht, das, was ein Schirrmacher unter der Bettdecke sich selber flüstert.”

Aber Holger, ich weiss doch garnicht, was mich alles interessieren könnte.

Deshalb blättere ich ja so gerne in einer Zeitung. Da gibts ein Interessenangebot , das ich wahrnehme oder wegblättere. Das ist auch haptisch und zeitökonomisch ein viel angenehmere Vorgang, als , sagen wir, TV oder so. Wenn da im Journal Berichte kommen , die mich nicht interessieren, bin ich ihnen doch ausgeliefert in der Zeitstrecke.

Wenn ich wwwgooglede mache, da sehe ich – das weisse Nichts. Da muss ich selber was eintippen. Will ich aber nicht.

Linus Dezember 6, 2012 um 12:18

@topi:
“Anderes haben auch eifrige Leser recherchiert, sicher. Aber erst wenn es in den klassischen Medien war, war es relevant.”

Niemand bestreitet, das die klassischen Medien Reichweite haben. Und genau deswegen hat sich wikileaks auch an sie gewandt. Aber was beweist das?

Es liegt auf der Hand, dass organisierte Recherche zielführender ist als Mund zu Mund-Propaganda. Anders gesagt: Gäbe es organisierte Recherche nicht, so würde sie erfunden. So wurde wikileaks erfunden, so wurde Guttenplag erfunden.

Es liegt ebenso auf der Hand, dass sich Recherche leichter durchführen lässt, wenn finanzielle Mittel dazu zur Verfügung stehen. Auch wikileaks ist auf Spenden angewiesen.

Es ist jedoch keineswegs ausgemacht, dass organisierte Recherche nur durch klassische Medien und klassische Finanzierungsformen möglich ist. Im Gegenteil, gerade die klassische Finanzierungsform scheint ja nicht mehr zu funktionieren. Genau deswegen wurde ja über Werbung querfinanziert.

Es wird implizit immer bestritten, dass das Netz zu professioneller Arbeit und zur Bündelung von Ressourcen in der Lage sei. Dies wurde bereits mehrfach widerlegt (Open source, twitter etc.). Es wurden und werden entsprechende Plattformen und notwendige virtuelle Infrastruktur in Selbstorganisation geschaffen, z.B. Youtube, z.B. Foren, z.B. Blogs, z.B. Kommentarfunktion, z.B. Wikipedia …

Mir schwant daher: Sobald das Netz von sich aus ausreichende Finanzierungsmöglichkeiten und Formen der medialen Selbstorganisation und Filterung entwickelt, hat es sich i.W. mit den klassischen Medien. Ich habe erhebliche Zweifel, dass letztere ihren diesbezüglichen Vorsprung auf Dauer halten können.

Gleiches gilt übrigens für Google. Wenn Google das Netz “verprellt”, dann hat es verloren. Es ist eine Frage von wenigen Wochen, eine netzeigene Suchmaschine aus dem Boden zu stampfen. Microsoft hat diese bittere Erfahrung schon bzgl. Browser machen müssen.

holger Dezember 6, 2012 um 12:16

Luebberding

ist dir noch nicht aufgefallen, dass Menschen Antworten auf ihre Fragen haben möchten?

Die Zeit-ung bringt diese Antworten nicht. Sie lässt die Menschen allein da Stehen. Was meinste warum die Reaktionen in den Kommentaren nicht der “Nettigkeitkette” entspricht? Weil sie frustriert zurück gelassen werden.

Weil “ihr” Popelbrüder, keine Perspektiven bringen könnt. Und euch immer ein Hintertürchen offen last. Müsst ihr ja auch. Weil ihr vom Stamm “michnix” ab stammt.

Goolge wird die Perspektive übernehmen. Wenn ihr schon keine Entscheidungen oder Perspektiven leisten könnt. Ist der letzte Strohhalm das Internet. Und das interessiert die Menschen. Nicht, das, was ein Schirrmacher unter der Bettdecke sich selber flüstert.

Wir werden es noch sehen…

Morph Dezember 6, 2012 um 12:15

@Bruchmüller

“Das ist ein frontaler Angriff auf Morph.”

Ach sooo! (Mir muss man immer sagen, wenn man mich angreift. Denn mir fällt es sehr schwer, Kommunikation in terms of Angriff/Verteidigung oder Gewinn/Niederlage zu perspektivieren, insbesondere hier, wo persönlich nichts dran hängt. Ich lass’ mich einfach überraschen, gern auch von Dir, leider werden Deine Beiträge immer überraschungsfreier…).

@Hauke

Man kann das so sehen und Bilder, Klänge, Texte einfach für eine andere Sorte Brötchen halten. Komischerweise läuft das Geschäft für die Bäcker der besten Brötchen in der Regel problemlos, während die Urheber der gesellschaftlich bedeutsamsten Bilder, Klänge und Texte in der Regel arme Schlucker sind/bleiben. How come?

Mir ist ja auch letztlich egal, ob man das, was in der Medienökonomie üblicherweise ‘Content’ genannt wird, für ein Gut hält oder sich für eine radikale Kritik dieser Einstellung erwärmen kann.

Zumindest müsste sich, denke ich, Einverständnis erzielen lassen, dass es sich bei der ‘Dienstleistung’, um die es geht, nicht um die Reproduktion des Gleichen handelt (wie bei Haarschnitten, Sushi-Häppchen oder Autoreperaturen), sondern um die Produktion von Einmaligkeiten.

Man kann eine Information nicht mehrfach mitteilen und dadurch denselben Gebrauchswert erneut schaffen. Wenn die Story draußen und in der Öffentlichkeit ist, ist sie draußen.

Hardy Dezember 6, 2012 um 12:06

@topi

Wichtig ist doch die Reihenfolge:

- Früher hat der ganz große Leyendecker etwas recherchiert, veröffentlicht, die anderen sind mitgezogen. Das ganze waberte, es passierte etwas (oder auch nicht).

- Heute erfolgt der Ursprung im Internet. wikileaks veröffentlicht, gute Journalisten – also kaum jemand – beuten aus.

Das ist nämlich neu: Das Internet geht vor – die Journaille folgt, wird auf den Weg gezwungen. Sie kann nicht mehr entscheiden, sie wird gezwungen. Die Themen werden ihr vorgegeben. Schirrmacher werden wegen der Ackermannfeier die Ohren langgezogen, er bittet untertänigst um Erlass der Sünde. Und er wird es sicher nie wieder tun. Und er wird dafür sorgen dass seine Redaktion es nie wieder tun wird. Das hätte es vor 15 Jahren nicht gegeben.
Die Journaille regiert nicht mehr, agiert nicht mehr – sie reagiert nur noch. Und das – wie man sieht – zunehmend hilflos und frech:

http://www.internet-law.de/2012/12/der-weise-ritter-springer-und-die-hehlerbande-google.html

In der letzten “Marketing” gab es eine interessante Grafik zur Meinungsbildung über Unternehmen, speziell schlechte. Gezeigt wurde, dass der Weg stets seinen Ursprung nimmt in speziellen Blogs, seinen Weg findet über Twitter/Facebook, Onlinemedien (SPON). Letzter Punkt, bevor die Sache abflaut: Totholzmedien. Für eine Reaktion längst zu spät. Also werden sich auch große Unternehmen zunehmend weg von herkömmlichen Medien bewegen (Einnahmen!) und möglichst früh eingreifen versuchen.

“Klar hat fefes Blog eine gewisse Reichweite, und wenn es ein Thema betrifft, welches der “Netzgemeinde” am Herzen liegt (….) dann können schon mal 40.000 Euro Crowdfunding für einen Prozeß zusammen kommen.”

1. Es war eben nicht fefe, sondern der viel kleinerer Kompa
2. Es ging in diesem Fall um Meinungsfreiheit, nämlich den Klehr als das bezeichnen zu dürfen was er ist. Ähnlich viel Geld kam übrigens zusammen um dem unsäglichen Ströbele die Faust zu zeigen und um die Freiheit der Meinung gegen das Erzbistum Regensburg zu verteidigen.
3. Ist auch eine wichtige Sache nicht zu unterschätzen: Das Moment (neudeutsch “Momentum”), der Eindruck. Wenn die Leute lesen, dass das durch Milliarden um Milliarden von der GEZ gepäppelte ZDF den Schwanz in Hamburg einzieht, aber Millionen für die Tour Dopage übrige hat; auf der anderen Seite aber Wildfremde zusammenstehen und privat ausreichend Kohle zuzsammenbekommen um sich bis zum BGH hoch zu wehren, dann ist das für mich eine: Zeitenwende. Und genau das hat die Journaille nicht kapiert. Wenn die herkömmlichen Medien ausfallen, wird auch der Rest des Weges im Internet gegangen. Kein Problem – für alle außerhalb des herkömmlichen (!) Journalismus.

f.luebberding f.luebberding Dezember 6, 2012 um 12:02

mailer

Keine Ahnung, warum die Kommentare plötzlich im Spam-Ordner gelandet waren.

f.luebberding f.luebberding Dezember 6, 2012 um 11:51

TRSS

Genau in dem Moment würde Google (oder Facebook etc.) aber zum Medienunternehmen werden. Bisher stehen sie ja auf den Standpunkt (den etwa Mailer begründet hat), dass es sich bei Google nur um eine neutrale Infrastruktur handelt, die allen Akteuren gleichberechtigt zur Verfügung steht. Diese These funktioniert ja nur, wenn man von zwei getrennten Marktsegmenten ausgeht, die ansonsten nichts miteinander zu tun haben. Insofern spiele die Marktstellung als Monopolist im eigenen Markt für Google auch keine Rolle, die das LSR begründen könne. Nur aus dem Grund hat Keese auch seit Beginn der Debatte darauf bestanden, dass Google mit seinen Teasern Texte kopiere und das vielen Konsumenten ausreiche. Sie also nicht mehr auf die Seite mit den Originaltexten weiterlesen würden. Diese Logik ist zwar an sich irre, aber der Irrsinn wenigstens konsequent. Denn ansonsten müssten Döpfner und Keeese die Monopoldebatte von mir führen, was aber bedeutete, dass ich die Monopoldebatte über die Rolle des Springer-Konzerns beginnen würde … . Nun bin ich zwar nicht wichtig, aber selbst der dümmste Socia Media Berater würde dann merken, wo der Hase lang läuft. Von den ganzen mittelständischen Verlegern einmal abgesehen, die zumeist noch überhaupt nicht begriffen haben, wo sie mit Keese und Döpfner als ihre Vertreter landen werden. Das machte also für Google nur Sinn, wenn sie mit dem LSR de facto als ein Medienunternehmen betrachtet werden würden. Sie könnten dann mit einem eigenen Angebot die Verlage unter Druck setzen – und wettbewerbsrechtlich mit der Stellung des Springer-Konzerns argumentieren. Das hätte allerdings eine gewisse Komik.

Vollmeier Dezember 6, 2012 um 11:41

Wir müssen jetzt alle sehr sehr durchhalten.

Bruchmüller Dezember 6, 2012 um 11:39

Hauke, 9:53,4 @ Treidelstein, Morph

Das ist ein frontaler Angriff auf Morph. Das könnte mit linker Hand jeden pferdeköpfigen Aal erschlagen. Mehr! Mehr von solchen erlesenen Köstlichkeiten!>>>

>>> Die Hauptkonstitutionslast im Fall des Nutzens z.B eines Kühlschrank trägt die Außentemperatur, nicht der Kühlschrank an sich.

Zieh ihn zu. Von innen. Bleibe haltbar, Du mein vorweihnachtliches geistiges Lebensmittel. Halte durch! Ich habe lange nicht so gelacht.

Frankie Bernankie Dezember 6, 2012 um 11:26

@egal

“Medien recherchieren so gut wie nie.”

ich weiss nicht was hier immer unter Recherche verstanden wird, offensichtlich nur so was Hochtrabendes wie “deep throat” und so.
Ich goutiere aber durchaus auch die “Recherche”-Leistung von Journalisten 1,2,3 Ebenen darunter – auch in Landtagen und Stadtratssitzungen sollten Journalisten sein, dort Interessen ausloten , Entscheidungen einordnen etc. , mal nachfragen warum der örtliche Krankenhausbetreiber dies macht, der Sparkassenpräsident jenes tut, warum der Landrat Asylbewerber in Häusern seiner Kinder unterbringt, wo die Gelder für die Umgehung versandet sind etc.

Da passiert vieltausendfach Journalistenarbeit, die werthaltig ist, die aber immer eines Mediums ( Zeitung, Journaille, Sender) bedarf, einer Instanz, die auch von den Institutionen als so satisfaktionsfähig erachtet wird, dass man Fragen auch beantwortet und Recherche zulässt ( zulassen muss).

Es stimmt einfach nicht dass sich die Medien “nie eigenständig Informationen” beschaffen, das kann nur die ennuierte Wahrnehmung lebensferner Gross-Weltbetrachter sein.

topi Dezember 6, 2012 um 11:19

Hardy

” 1. wikileaks (o.ä.)
2. http://www.dradio.de/dlf/sendungen/corso/1780598/

Auch Du unterschätzt bei Deinem ganzen Filosofie-Geschwurbel die Macht des Faktischen, die Macht des Internet.”

Ja, wikileaks ist investigativ, außerhalb der ollen Holzmedien.

Nur wodurch erlangt eine geleakte Seite Relevanz?
Was wurde ein Thema, aus den 84 Trillionen Seiten?

Genau das, was in der Zeitung steht. Das meiste direkt durch die Vorauswahl.
Anderes haben auch eifrige Leser recherchiert, sicher. Aber erst wenn es in den klassischen Medien war, war es relevant.

Klar hat fefes Blog eine gewisse Reichweite, und wenn es ein Thema betrifft, welches der “Netzgemeinde” am Herzen liegt und letztlich jeder bei den Piraten getwitterte ein Zwitschern erhält, dann können schon mal 40.000 Euro Crowdfunding für einen Prozeß zusammen kommen.

Aber sieh dir deine Quelle an. Ohne das klassische Medium scheint es selbst da nicht zu gehen. ;-)

Aber was sind 40.000 Euro im Vergleich zur Beeinflussung gesellschaftlicher Entwicklungen, beispielsweise von Gesetzen?
Da passiert nur ganz begrenzt etwas bei netzspezifischen Themen (wenn es die öffentlichen Datenkraken zu doll treiben); aber auch immer erst dann, wenn es auf Holz erscheint, oder im Radio kommt.

Weissgarnix TheRealSlimShady Dezember 6, 2012 um 11:16

>Dann, wenn Google einen eigenen Nachrichtendienst aufbaut, dann wird man es merken.

Genau das ist meiner Ansicht nach das strategische Kalkuel von Google in der ganzen Angelegenheit: Kommt es billiger, sich mit den Verlagen auf einen Preis zu einigen oder einen eigenen Newskanal aufzubauen, in dem man mit den Agenturen direkt abschliesst oder kurzerhand eine kauft. Bedenkt man Googles umfassende Strategie for the very long run, incl. Mobilkommunikation etc, dann liegt Letzteres durchaus nahe.

Nanuk Dezember 6, 2012 um 10:44

“Und dennoch achten wissenschaftliche Mitarbeiter peinlich genau darauf, dass nur ja keine ihrer Lehrmaterialien zur freien Verfügung für die Öffentlichkeit stehen.”
http://www.freitag.de/autoren/the-guardian/dagegen-ist-murdoch-ein-sozialist

egal Dezember 6, 2012 um 10:01

Ich finde es etwas absurd, dass zur Verteidigung der jetzigen Medienstruktur immer das Argument kommt, Medien brächten durch Recherche eine unverzichtbare Leistung für die Demokratie.
Medien recherchieren so gut wie nie.

In Morphs Watergateskandal hat die Ermittlungsarbeit das FBI geleistet. Die Leistung der Washington Post war, sich von deep throat kontaktieren und über die Ermittlungsergebnisse informieren zu lassen.
Im Fall Mollath hat die Süddeutsche nichts berichtet, was nicht schon gut belegt auf Gustl for Help stand.

Die Leistung der Medien ist meistens nur das “Zertifizieren” von Informationen oder das gate keeping. Eigenititiativ Informationen beschaffen die sich nie.

Ausnahme I vielleicht Seymour Hersh, der gezielt nach potentiellen whistelblowern sucht, indem er die Hausmitteilungen von Behörden daraufhin untersucht, wer nicht befördert wurde… aber das sind weltweit maximal eine Hand voll Journalisten, die so arbeiten (wenn nicht sogar nur ein Mann).

Ausnahme II ist der Promibereich. Ich hatte im anderen thread das Beispiel der Viertelmillion für Photos der Freundinnen von Müntefering und Lafontaine gebracht. Jetzt hat der Journalist eines australischen Fernsehsenders als Prinz Charles die Ärzte Kate Windsors angerufen, und sich so Informationen über ihren Gesundheitszustand beschafft.

Ich würde sagen, die Recherchemöglichkeiten des Journalismus haben sehr viel mehr Luft nach oben als nach unten, andere Medienstrukturen bedeuten daher wahrscheinlicher einen gesellschaftlichen Gewinn als Verlust.

Hauke Dezember 6, 2012 um 09:53

@Treidelstein, Morph

Ich sehe das wie Treidelstein in seinen Kommentaren 20:16 und 21:30. Ich meine in Morphs Kommentar 18:11 eine gewisse Unschärfe zwischen dem Konzept “Nutzen” und der Kategorie “Gut” zu erkennen. Für die Frage, ob es sich bei “Text” um ein Gut handelt (eventuell sogar ein knappes Gut) ist unerheblich, unter welchen Bedingungen es wem einen Nutzen stiftet, sondern nur, ob es grundsätzlich geeignet ist, einen subjektiv empfundenen Mangel zu beheben. Die Hauptkonstitutionslast im Fall des Nutzens z.B eines Kühlschrank trägt die Außentemperatur, nicht der Kühlschrank an sich. Dennoch ist der Kühlschrank an sich ein grundsätzlich geeignetes Mittel zur Befriedigung des Bedürfnisses nach gekühlten Nahrungsmitteln.

Ich denke, dass Treidelstein auch recht damit hat, dass die Überwindung der Knappheit durch das Internet die Illusion erzeugt, Information wäre kein Gut. Studenten zum Beispiel, die in einer Vorlesung sitzen, haben ein Bedürfnis nach Information (Rezeptionsmüdigkeit hin, Schwerstarbeit her), und das gesprochene Wort des Dozenten ist ein grundsätzlich geeignetes Mittel, dieses Bedürfnis zu befriedigen (das heißt nicht, dass alle Stundenten den Inhalt der Vorlesung begreifen und ihr Bedürfnis nach Information vollständig befriedigt wird). Das gesprochene Wort des Dozenten ist jedoch nur zu einer bestimmten Zeit, an einem bestimmten Ort, für einen bestimmten Personenkreis, in einer bestimmten Qualität verfügbar. Mit dem Internet kann die örtliche, zeitliche und qualitative Knappheit überwunden werden, z.B. durch einen Webcast (örtlich) oder eine Videoaufzeichnung/Mitschrift (örtlich und zeitlich), und wenn alle Dozenten, die zu diesem Thema sprechen, eine Aufzeichnung anfertigen, könnte auch die Knappheit der Qualität überwunden werden. Mit Überwindung dieser Knappheit fällt der Preis des Gutes gegen Null. Wenn diese Dozenten nicht vom Staat bezahlt werden, sondern sich über den Markt finanzieren müssen, dann muss der Preis des Gutes größer als Null sein und es muss Knappheit herrschen, damit sich ein Preis größer Null ergibt. Diese Knappheit kann sich nur ergeben, wenn das Gut durch einen hinreichend hohen Exklusionsgrad gekennzeichnet ist. Und der ist zur Zeit im Internet nicht gegeben. Die Folge könnte eine Art ‘bad content drives out good content’ sein; und jede Menge fähiger, arbeitsloser Dozenten. Im Bereich Bildung haben wir die Diskussion um Eigentumsrechte an Content deshalb nicht, weil das Zertifizierungsrecht bei den Universitäte liegt und der Betrieb weitestgehend vom Staat finanziert wird. Und dennoch achten wissenschaftliche Mitarbeiter peinlich genau darauf, dass nur ja keine ihrer Lehrmaterialien zur freien Verfügung für die Öffentlichkeit stehen. How come?

f.luebberding f.luebberding Dezember 6, 2012 um 09:52

Heute morgen ein informatives Altpapier zum Thema:

“Um nochmals kurz den Freibierbereich zu verlassen und aus einem derzeit hinter einer Bezahlschranke (Döpfner: “furchtbarer Begriff… Sagen wir doch Abomodell!”) stehenden Interview zu zitieren: In der aktuellen Ausgabe des Journalistengewerkschaftshefts journalist führt Hans Hoff ein Interview mit dem Geschäftsführer der in Verlagen nicht unberüchtigten Schickler-Unternehmensberatung. Dieser Rolf-Dieter Lafrenz sagt darin (S. 23) u.a.:

“Worüber sich die Verleger beklagen, ist unlauterer Wettbewerb. Sehen Sie mal das Kartellrecht. Es ist für Google überhaupt kein Problem, zwei Milliarden Umsatz in Deutschland zu machen, ohne dass sie vom Kartellamt als Medienwettbewerber wahrgenommen werden. Aber … wenn Sie eine Vermarktungsallianz installieren wollen, um etwa Google und Facebook entgegenzutreten, müssen Sie das beim deutschen Kartellamt anmelden, während ausländische Wettbewerber außerhalb des Kartellrechts stehen.”

Warum deutsche Verleger, darunter auch eigentlich eloquente und intelligente, anstatt der Öffentlichkeit oder auch der Politik so etwas zu sagen, lieber mit Ladendiebstahls-Quatsch kommen, bleibt rätselhaft.”

holger Dezember 6, 2012 um 09:51

Google und Youtube werden es ermöglichen. Schaut doch ins Fernsehen, wir haben Drohnen Journalismus.

Die “Journalisten” sitzen Weltweit, liefern Direktberichte und das für Umme.

Laufende sprechende Webcams…

holger Dezember 6, 2012 um 09:47

Dann, wenn Google einen eigenen Nachrichtendienst aufbaut, dann wird man es merken.

Springer und Co. sind Abhängig von Google. LSR ist Machtkampf pur.

holger Dezember 6, 2012 um 09:44

Linus

—>>>“Welche kollektiv bindende Entscheidung ist durch das Internet gefällt worden?”
<<<Natürlich keine."

Hä? Die bindende Entscheidung ist die ABHÄNGIGKEIT…

Linus Dezember 6, 2012 um 09:29

@Morph:
“Störung von etablierten Funktionslogiken mit unabsehbaren Effekten, mehr nicht.”
Exakt. Mehr braucht es aber auch nicht. Das Netz ist erstmal nichts anderes als ein Riesen-Randomizer. Es fällt in diesem Rahmen äusserst schwer, Funktionslogiken gegen die Logik des Netzes durchzudrücken und aufrecht zu erhalten, insbesondere Informationsbarrieren.

“Welche kollektiv bindende Entscheidung ist durch das Internet gefällt worden?”
Natürlich keine. Das Netz wirkt vielmehr als Falsifizierer. Es ‘prüft’, ob kollektiv bindende Entscheidungen tatsächlich kollektiv haltbar sind.
Das Netz ist in vieler Hinsicht dem Markt verwandt, kennt aber keine haltbare und damit hortbare Währung. Daher sind intrinsische Verzerrungen und Ungleichgewichte auf Dauer nicht möglich.
Also werden Ordnungen/Logiken präferiert, die nicht nur lokal, sondern global, also mit dem gesamten Netz kompatibel sind. Das sind tendenziell ‘Gleichgewichts’-Logiken.

mailer Dezember 6, 2012 um 09:21

Erklär mir die Welt (10)
Warum ist mit 67 Jahren schon Schluß?
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/erklaer-mir-die-welt-10-warum-ist-mit-67-jahren-schon-schluss-1355632.html

Warum eigentlich schon so früh? fragt die FAZ.
Qualität liegt in dieser Frage und ich bin via Google auf diesen Beitrag gestoßen.
Ja – wir brauchen ein LSR. Dann würde ich sowas nicht finden und lesen. :-)

Hardy Dezember 6, 2012 um 09:20

@Morph, Nachtrag:

“Mir hat der Materialismus vor allem in den Punkten immer engeleuchtet, in denen er zynisch die physischen Constraints und Appetenzen des Menschen in Anschlag brachte. Die Produktion von Nurwahrnehmbarkeiten ist komplett jenseits dieser Sphäre.”

Das kannst Du mir in einer ruhigen Stunde mal erklären, mein lieber Adorno-Schüler (Was sich ausdrücklich auf die unverständliche Sprache, nicht die zugrundelegende Kompetenz bezieht).

Hardy Dezember 6, 2012 um 09:19

@Morph

Treidelstein hat etwas behauptet, ich habe ihn mit Quellenangabe widerlegt. Auch wenn Dir das nicht passt: das wars schon.

Morph Dezember 6, 2012 um 08:53

@Hardy

Dann mal Butter bei die Fische: Worin besteht die ‘Macht’ des Internet? Welche kollektiv bindende Entscheidung ist durch das Internet gefällt worden?

Störung con etablierten Funktionslogiken mit unabsehbaren Effekten, mehr nicht.

Hardy Dezember 6, 2012 um 08:44

@treidelstein

“Ohne Organisationsmacht, befürchte ich aber, wird echter investigativer Journalismus kaum gehen. Der würde sonst gleich von hunderten Anwaltskanzleien mit einstweiligen Verfügungen und Prozeßandrohungen niedergemacht.”

Nö.

1. wikileaks (o.ä.)
2. http://www.dradio.de/dlf/sendungen/corso/1780598/

Auch Du unterschätzt bei Deinem ganzen Filosofie-Geschwurbel die Macht des Faktischen, die Macht des Internet.

Morph Dezember 6, 2012 um 08:26

@Treidelstein

Wenn Du ‘Informationsdienstleistung’ und ‘berittenen Boten’ quasi in einem Atemzug nennst, vermischst Du zwei sachlogisch ziemlich unterschiedliche Sphären. Der Liebesbriefschreiber und der Postbote folgen höchst verschiedenartigen Handlungslogiken. Wenn sie einmal derselben Logik folgen, gibt’s Konflikte.

Ich befürworte übrigens nicht diese oder jene Organisationsform der Massenmedien, sondern versuche zu verstehen, was passiert. Deine Diagnose LSR = politische Rente finde ich überaus treffend.

“Ohne Organisationsmacht, befürchte ich aber, wird echter investigativer Journalismus kaum gehen.”

Das stimmt. Ich würde es aber andersherum formulieren: Die Organisationen der Massenmedien beweisen ihre Definitionsmacht der Wirklichkeit insbesondere durch Exklusivberichte. Und da nun einmal Konflikt/Skandal einer der wirksamsten Aufmerksamkeitstrigger ist, emergiert der sogenannte ‘investigative Journalismus’. In manchen Fällen mag man sich mit den Ergebnissen dieser Spielart der Berichterstattung identifizieren (Klassiker natürlich: Watergate), in einem anderen Fall (z.B. Wulff) drängt sich der Eindruck kollektiv durchdrehender Schnüffelei auf.

Wir können ja davon ausgehen, dass es immer sehr viel mehr und sehr viel wahnwitzigere Schweinereien gibt als durch den Journalismus aufgedeckt und skandalisiert werden. Der eine oder andere unaufgedeckte Skandal macht den Kohl nicht fett(er). Und umgekehrt kann einen der x-te Bericht über die ekelerregenden Praktiken des Hühnerhofbesitzers y auch auf den Wecker gehen.

Treidelstein Dezember 6, 2012 um 00:12

@ Morph

Ja, die physischen Constraints… Nun sind in der Vergangenheit aber gerade die Güter, die der unmittelbaren physischen Constraints wegen benötigt wurden, meist nicht marktförmig verteilt worden, sondern entweder über Allmende oder in einem nichtmarktlichen Zuteilungssystem in Grund- und Gutswirtschaften. Man könnte wahrscheinlich sogar behaupten, daß so etwas wie Warenwirtschaft nur in dem Maße entstehen konnte, wie sich der Mensch von den ursprünglichen Constraints gelöst hat (auch wenn der Markt und Warenform jene primären Bereiche dann nachträglich “kolonialisiert” haben).

Also es scheint mir nicht schlüssig, Warenform mit ursprünglichen Constraints zu begründen und Informations-Allmende mit einer Sphäre darüber…

Gefühlte zwei Drittel des Kommentariats scheinen ja Informations-Allmende zu befürworten, plus darauf aufbauend spontane neue Märkte für spezifische Informationen jenseits der alten oligopolistischen und vermachteten Verlagsstrukturen. Das ist auf den ersten Blick einleuchtend und kombiniert so schön “linke” mit “rechten” Befindlichkeiten. Yep, Gemeingüter, und yep, spontane Marktprozesse. Ich bin da etwas skeptischer. Da wir weitgehend in einer Marktgesellschaft mit höchst unterschiedlicher Zahlungsfähigkeit leben und die Erbringer von Informationsdienstleistungen ihrerseits ihre Bedürfnisse nicht auf einer Allmende decken können, besteht die Möglichkeit, daß gewisse Dienstleistungen einfach nicht mehr erbracht werden. Nun könnte man sagen, who cares, der berittene Bote ist auch ausgestorben. Man müßte dagegen dann aber politisch oder (@ruby) mit meritokratischen Gütern argumentieren, etwa daß klassischer Journalismus für eine funktionierende Demokratie unerläßlich ist. Das ist dann freilich eine andere Diskussion als die mit dem LSR; letzteres soll ja nur bewirken, daß das Verleger-Oligopol trotz technologischem Wandel nach wie vor einen großen Teil des in der Wertschöpfungskette entstehenden Cash-Flows auf sich ziehen kann. LSR ist ein pseudoökonomisches Argument, das auf eine politische Rente abzielt. Man da muß m.E. aber politisch, nicht ökonomisch argumentieren, dann geraten vielleicht andere Modelle jenseits des Status Quo mit Springer, Dumont, Bertelsmann, Madsack etc. einerseits oder der fröhlichen allmende-anarchokapitalistischen Utopie andererseits ins Blickfeld.

Ohne Organisationsmacht, befürchte ich aber, wird echter investigativer Journalismus kaum gehen. Der würde sonst gleich von hunderten Anwaltskanzleien mit einstweiligen Verfügungen und Prozeßandrohungen niedergemacht.

topi Dezember 5, 2012 um 23:14

Soso

Die Frage (hier) meinst du nicht ernst, oder?

Soso Dezember 5, 2012 um 23:08

Nach Studium der FAZ folgende Frage:

Haben wir nun Euro- oder Banken- oder Staatsschuldenkrise?
Oder alles zusammen?

"ruby" Dezember 5, 2012 um 23:05

@ Morph + Treidelstein

Musgrave …

@ Soso

ESM und Bankenrekapitalisierung sind nach Urteil EUGH doch für lau – 9 Milliarden und kein Cent mehr bis zur Insolvenz.
Wenn die Märkte so blöd sind auf Politikerversprecher reinzufallen ihr Ding ;-)

http://curia.europa.eu/juris/document/document.jsf?docid=130381&mode=req&pageIndex=1&dir=&occ=first&part=1&text=&doclang=DE&cid=321702

Soso Dezember 5, 2012 um 23:00

“Niederlande wollen Euro-Ausstiegsklausel ”
http://www.faz.net/aktuell/politik/staatsschuldenkrise-niederlande-wollen-euro-ausstiegsklausel-11977340.html

Na so was! Das ist doch ein Scherz.

holger Dezember 5, 2012 um 22:58

—>>>Der Mensch ist kein reines Geistwesen.”

Das kann wiederum nur einer Behaupten, der den Hammer vom Gewindeschneider im Unterschied nicht erkennen kann.

Soso Dezember 5, 2012 um 22:54

Danke für den Tip liebe FAZ.
Der ist ja wirklich TODSICHER! :-(

Morph Dezember 5, 2012 um 22:54

d.h. es gibt keine Medienökonomie eigenen Rechts, sondern nur eine Ökonomie medialer Kanäle. Weshalb sich Ideologie auch nicht auf Ökonomie reduzieren lässt. Wer da im Zsweifel ist, frage irgendwelche Islamisten oder Evangelikalen.

Soso Dezember 5, 2012 um 22:52

“Und schon bei einer Anlagedauer von 15 Jahren ist das Verlustrisiko gleich null. ”

WOW! Also Aktien kaufen. Kein Risiko, wenn man 15 Jahre durchhält. Unglaubliche Rendite.. ;-)

http://www.faz.net/aktuell/finanzen/meine-finanzen/private-vorsorge-aktien-fuer-die-rente-so-geht-s-sicher-11979144.html

Soso Dezember 5, 2012 um 22:46

“Der ESM hat am Mittwoch Wertpapiere über 39,5 Milliarden Euro ausgegeben. Der spanische Bankenrettungsfonds Frob verwendet den größten Teil der Summe zur Rekapitalisierung von vier angeschlagenen Banken. ”

Euro-Krise oder doch Banken-Krise?
Braunberger wie immer im dicken Nebel.

http://www.faz.net/aktuell/finanzen/anleihen-zinsen/rekapitalisierung-spanischer-banken-esm-begibt-papiere-fuer-fast-40-milliarden-euro-11983453.html

Morph Dezember 5, 2012 um 22:27

@Treidelstein

“Und nichts ist von seiner Natur her schon ein handelbares Gut oder keines, egal ob stofflich oder nichtstofflich. Das wird es erst durch ein institutionelles Umfeld, in dem der Zugang über den Markt geregelt ist.”

Der Mensch ist kein reines Geistwesen. Wäre er es, hättest Du recht. Mir hat der Materialismus vor allem in den Punkten immer engeleuchtet, in denen er zynisch die physischen Constraints und Appetenzen des Menschen in Anschlag brachte. Die Produktion von Nurwahrnehmbarkeiten ist komplett jenseits dieser Sphäre.

"ruby" Dezember 5, 2012 um 22:13
"ruby" Dezember 5, 2012 um 22:04

@mailer

Scharfe Formulierungen sind gefragt :
http://www.youtube.com/watch?v=Mggl7cC8iys

holger Dezember 5, 2012 um 21:40

Bruchmüller

—>>>Das könnte …immerhin …auch am Empfänger liegen.”

NUR… es liegt nur am Empfänger… Es kann nicht am Sender liegen.

Wann erfüllt ein Leuchtturm seine Aufgabe? In dem er “blinkt” oder das ein anderer das “Blinken” deuten kann?

Und genau so, funktioniert auch Politik. Journalismus, der tanz der Bienen etc. pp.

Treidelstein Dezember 5, 2012 um 21:34

…also statt “handelbar” setze ein “marktfähig”, damit kein Mißverständnis entsteht…

Treidelstein Dezember 5, 2012 um 21:30

P.S.
Ich meine, vor dem Netz kam Information, also eine spezifische Verknüpfung von Daten, immer gekoppelt an ein stoffliches Trägermedium vor, und knapp war sie durch die Knappheit des Trägermediums. Das ist jetzt anders, und DESHALB erscheint es plötzlich seltsam, Information als ein handelbares Gut anzusehen. Aber an sich scheint mir eine besondere Verknüpfung von Daten jetzt erst mal nicht so viel anders als eine besondere Verknüpfung von Materialien. Manches erscheint nützlich, anderes nicht, aber Nutzen ist nicht in den Dingen selbst, sondern erst dadurch, daß sich ein Nutzer findet. Und nichts ist von seiner Natur her schon ein handelbares Gut oder keines, egal ob stofflich oder nichtstofflich. Das wird es erst durch ein institutionelles Umfeld, in dem der Zugang über den Markt geregelt ist.

Bruchmüller Dezember 5, 2012 um 20:35

@ Holger

>>>Und eines noch, es nutzt der Beste Schreibstil nix, wenn der Empfänger kein Wort davon versteht, was der Sender mitteilen möchte.

Das könnte …immerhin …auch am Empfänger liegen. Was aber, wenn der Sender selbst nicht versteht, was er mitteilen möchte? Oder der Sender weiß, dass er nüscht mitzuteilen hat, möchte aber was senden.

Schlimmer, er erkennt selbst, dass sein Gut immer knapper wird, je mehr er davon sendet.

Und es kann noch schlimmer kommen! Wenn nämlich der Schreibstil so dermaßen gut ist, dass jeder weiß, da kommt, was kommen muss.

Moon Dezember 5, 2012 um 20:25

@Kopi

Sag mal hast du Klöckners 20 Seiten zu google gelesen? Alles Quatsch?

Hab ich und da ist was Wahres dran. Nichts davon begründet jedoch einen Anspruch der Verlage (siehe a-c weiter oben).

@Hauke

Moon, es geht nicht darum, inwiefern das ein LSR rechtfertigen würde (niemand hier im Blog verteidigt das LSR), sondern darum, ob das Anliegen von Journalisten, mit Journalismus Geld verdienen zu wollen, berechtigt ist oder nicht.

Sorry, da muss ich Überschrift und Tenor des Artikels komplett missverstanden haben. Klink mich also mal hier aus; vielleicht liest man sich noch mal, wenn die FTC ihre Antitrust-Nummer gegen Google durchzieht.

Treidelstein Dezember 5, 2012 um 20:16

@ Hauke, Morph

Kurzer Einwurf: Der Unterschied zwischen stofflichen Gütern und nichtstofflichen Dienstleistungen scheint mir weniger in der ursprünglichen Motivation des Herstellers oder der erforderlichen Interpretationsleistung des Konsumenten zu bestehen, also da besteht zwischen dem Tonträger (stofflich, beharrend) und dem Konzert (nichtstofflich, also zumindest nicht beharrend) wohl kaum ein Unterschied. Herstellung und Vertrieb von beidem kann kapitalisiert und gewinnbringend bewirtschaftet werden.

Mir fallen auch viele stoffliche Güter ein, deren Nutzen sich nicht unmittelbar erschließt, sondern ähnlich wie Bilder, Klänge etc. nur in einem kontingenten Sinnzusammenhang, so etwa alle möglichen Luxusgüter, aber auch Spiele… Und selbst in der Gabel als Teil des Eßbestecks einen Nutzen zu erkennen, ist nicht anthropologisch gegeben, sondern erfordert erst mal die gesellschaftliche Konvention, daß man sich das Essen nicht mit den Händen reinschaufelt…

Der Unterschied liegt wohl eher darin, daß bei “Stofflichem” und “Nichtstofflichem” sich Knappheiten unterschiedlich ausdrücken bzw. organisiert werden können. “Information” unterliegt ja schon mit dem Buchdruck, dem Morsetelegraphen etc. einem ganz anderen Knappheitsregime als zu Zeiten des ersten Marathonläufers, und durch das Netz ist Information nun noch viel mehr von stofflichen Trägern entkoppelt, also zumindest so sehr, daß die Grenzkosten ihrer Vervielfältigung und Verbreitung praktisch Null sind. Wenn @BBs 3-D-Drucker kämen, hätten wir eine ähnliche Entwicklung bei “stofflichen” Gütern, wobei dann natürlich immer noch Materialkosten anfallen würden. Knappheit könnte in diesen Fällen nur administrativ organisiert werden; so wie der Staat das Eigentumsrecht garantieren muß, müßte er dann auch die Knappheit, also den Markt garantieren.

Was ja aber vielerorts auch geschieht und auch wirtschaftshistorisch nicht ohne Parallele ist – siehe das frühneuzeitliche Baumwollverbot etwa in England, damit der Markt für Schafwolle nicht ins Rutschen geriet.

holger Dezember 5, 2012 um 19:59

Da fällt mir gerade was ein, die Journalisten können doch bei der “Apotheken Rundschau” anfangen. Gerade im 2DF die Werbung gesehen.

Würde doch passen, gleich das richtige Schmerzmittel parat…

Sponer Dezember 5, 2012 um 19:56

Zitat ist aus Folge 69 – sozusagen der Aufreißer der Folge 69.
Kaum zu toppen. Außer durch Katzenberger. ;-)

Sponer Dezember 5, 2012 um 19:52

Ein Kleinod aus der FAZ in 74 Teilen.
Sozusagen ein “ErklärBär” für Katzenberger-Insider.

“Hübsche, groß gewachsene Söhne von Oberstudienräten haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, gut zu verdienen, als fette, hasenschartige Sprösslinge von arbeitslosen Fliesenlegern.”

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/faz-net-spezial-erklaer-mir-die-welt-1333626.html

Dafür hätte man Eintritt nehmen können! ;-)

Linus Dezember 5, 2012 um 19:27
holger Dezember 5, 2012 um 19:24

ich habe das mal gerne gelesen, auch als Knäblein schon :D

http://de.wikipedia.org/wiki/Reader%E2%80%99s_Digest

Sponer Dezember 5, 2012 um 19:23

Bei kubanischen Verhältnissen wäre das Top aber schon sehr wirtschaftlich. Selbst auf der Weihnachtsfeier. Kuba ist immer warm.

Einzige Frage bleibt: Wer ist Katzenberger?

f.luebberding f.luebberding Dezember 5, 2012 um 19:18

Sponer

Das ist höchste Qualität. Frau Katzenberger sollte nicht auf der Weihnachtsfeier von Sponer im bauchfreien Top erscheinen … . Schade eigentlich. Das haben Sie doch voher nicht gewusst, oder?

Sponer Dezember 5, 2012 um 19:06

Fazit:

Die Gazetten unterscheiden sich nicht. Es gibt keine Qualität.
Es wird nur versucht, ein möglichst breites (dummes) Publikum zu finden. Vorbild sind die gängigen Fernsehsender.

Warum also diese Dikussion?
Weil einige wirklich glauben, daß eine kommunistische Regel a la
Haushaltsabgabe GEZ sie vor der bösen Marktwirtschaft rettet.

Linus Dezember 5, 2012 um 19:04

@Morph:
-> “Gesellschaft ist kein Ingenieursproblem…”
Es geht um Finanzierung, nicht um Gesellschaft. Das braucht dich also nicht zu kümmern.

holger Dezember 5, 2012 um 19:01

Ich habe immer so das Gefühl, dass wenn man über Journalismus redet, gar nicht so richtig den Begriff „Journalismus“ greifen kann. Kann es überhaupt einen „Qualitätsjournalismus“ geben? N E I N E es mag für den ein oder anderen Qualität sein, etwas zu lesen… das setzt aber auch das Verstehen der abgesendeten Information beim Empfänger voraus. Der Empfänger entscheidet über „Qualität“ ja oder nein. Ob ich nun Donald Duck lese, oder die FAZ ist erst mal vollkommen wurscht. Ich weiß nur, das Onkel Dagobert seinen Geldspeicher voll hat, incl. Glücks-Taler.

Und nun kann man das Medium nach seinen Empfängern einteilen. Nicht nach den Sendern.

Das ist ja das komische, dass der Sender immer meint wissen zu wollen, was der Empfänger gerade am Nötigsten hat oder am Nötigsten haben soll.

Nun gibt es, warum auch immer, Mit-teilungs-bedürftige Sender. Und nun können wir ja behaupten, google ist keine „Such“-Maschine sondern eine „Find“ Maschine. Denn wenn ich meinen Rechner anmache und meine Personalisierte Google Maske aufmache, finde ich erst mal etwas vor, nachdem ich gar nicht gesucht habe. Sondern Google hat für mich das Finden schon übernommen. Wenn ich mit dem Ergebnis nicht einverstanden bin, dann versuche ich, Alternativen zu FINDEN.

Wenn wir nun Mit-Teilungs-Bedürftige-Sender (MTBS) haben, das kann alles sein, und einen Dienst, der das Finden erleichtern kann, für den Empfänger, dann müssten die MTBS Google danken, dass man sie dort finden kann.

Ich kann nämlich im LSR überhaupt keine Leistung finden, die pauschal geschützt werden könnte. Ich wüsste nicht, was an einer Fernsehkritik in der Früh schützenswert ist! Bei allem Respekt, das ist nur eine Zusammenfassung und Beurteilung dessen, was ein anderer Sender gesendet hat.

So gesehen, müsste jeder Schreiberling (MTBS), unter das LSR fallen. Egal welchen Inhalt diese Tastaturbearbeitung hat oder hatte.

Gibt es ein Recht darauf gelesen werden zu müssen? NEIN… Dieses Recht gibt es nicht. Und ich sage jetzt schon, dass selbst der Springer das Problem nicht lösen wird, es sei denn, das LSR greift eben wie die kommende Haushaltsabgabe (GEZ). Das heißt ausschalten von Wettbewerb. Dann aber müsste Konsequenter Weise, sämtliche Werbung abgestellt werden, also das Anzeigengeschäft, bis auf amtliche Bekanntmachungen.

Rechtlich gesehen, müssten dann aber die Blätter an jeden Haushalt verteilt werden. „Qualitäts-Informations-Pflicht“ Super was?

Die Zeitungen können sich eigentlich bei denen beschweren, die die papierlose Informationslizenz inne haben, bei Radio-Funk-Fernsehen-Internet… Kurz um: beim Glasfaser und Kupferkabel, sowie Satelliten, usw. usf.

Es gibt eben für Papier keine Sendelizenz, außer bei „Staatlich (halb)& Kirchlichen-Urkunden“ und dem Geld. Also sollte man sich nicht so sehr über den Sender Gedanken machen, sondern das Verhalten des Empfängers.

Und eines noch, es nutzt der Beste Schreibstil nix, wenn der Empfänger kein Wort davon versteht, was der Sender mitteilen möchte.

Und denkt dran, selbst die „ein-gebildete“ „elitäre“ „Mittelschicht“ scheint zu schrumpfen.

Diese Mit-teilung ist LSR befreit, maschinell erstellt, und Bedarf keiner Unterschrift

Sponer Dezember 5, 2012 um 18:58

Und die TAZ:

http://taz.de/Daniela-Katzenberger/!105871/

Jo mei. Das ist Qualität. Sowas hintergründiges kann die “Bunte” nicht!

Linus Dezember 5, 2012 um 18:54

@topi:
-> “Schadenfreude schönste Freude, na klar. ;-)”
Wo liest du da Schadenfreude raus?
-> “Wie kommst du darauf, dass die Billig-Journalisten die Spreu sind?”
Wo hab ich das geschrieben?

Sponer Dezember 5, 2012 um 18:54

Dann mal die FAZ, mit einem Artikelchen in der Rubrik Wirtschaft:

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/weihnachtsfeier-knigge-bloss-nicht-im-bauchfreien-top-erscheinen-11981246.html

So füllt man Seiten – schafft aber keine Qualität.

der Herr Karl Dezember 5, 2012 um 18:48

Eigentum ist Diebstahl.
Basta.

robotron Dezember 5, 2012 um 18:40

Ich würde sagen der Markt hat entschieden.
Die Leute kaufen den Mist nicht mehr, sie erwarten das sie von den GEZ Geldern jounalisiert werden.
Mehr ist es Ihnen nicht wert.
Und das sollte auch reichen.

Sponer Dezember 5, 2012 um 18:23

To whom it may concern

Wahlergebnisse der SPD-Vorsitzenden

Kurt Schumacher 1946: 97,6 Prozent
Kurt Schumacher 1947: 99,7
Kurt Schumacher 1948: 99,7
Kurt Schumacher 1950: 97,7
Erich Ollenhauer 1952: 98,3
Willy Brandt 1966: 99,4

http://www.focus.de/politik/deutschland/parteien-hintergrund-die-wahlergebnisse-der-spd-vorsitzenden_aid_690997.html

Wie immer guter Aufmacher ( Kuba..). Die Realität zeigt sich, wenn man selbst recherciert.

Morph Dezember 5, 2012 um 18:11

@Hauke

“Dieser Gedanke scheint sehr hartnäckig zu sein.”

In der Tat. ;-)

Das mit den Außerirdischen weiß ich nicht. Gibt ja hier Spezialisten, die vielleicht diese These vertreten und erläutern können.

Aber mir leuchtet einfach nicht ein, welches Bedürfnis beispielsweise die Wortfolge erfüllen könnte: “Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt (… usw.).” Oder die bestimmte Form von Flecken und Linien, die irgendeiner vor fünfhundert Jahren mit Pinsel und Ölfarbe auf einer Leinwand sichtbar gemacht hat. Oder irgendeine bestimmte Zeichenfolge, die ein Komponist in einer Partitur als Anweisung an Musiker aufgeschrieben hat.

Was ich sagen will: Die Lesbarkeits-, Sichtbarkeits- und Hörbarkeitskomplexe, die zum Lesen, Sehen und Hören produziert worden sind, können nur dann einen Gebrauchswert realisieren, wenn sie wahrgenommen und zu einer Bedeutungseinheit synthetisiert werden, die in ihnen lediglich latent vorhanden sind. Wenn ich ein Nahrungsmittel verzehre, dann realisiert dieses Nahrungsmittel seinen Nährwert nach Maßgabe seiner objektiven Zusammensetzung und meiner objektiven körperlichen Verfassung. Bilder, Klänge und Texte müssen dagegen als solche interpretiert werden, und zwar nach Regeln, die vom einzelnen Bild, Klanggefüge oder Text nicht mitvermittelt werden.

Die Hauptkonstitutionslast trägt im Fall des Informationsnutzens das Verstehen dieser Information, nicht die Information. Und auch wenn oft anderes behauptet wird: Niemand schaut sich gern Bilder an, lauscht stundenland irgendwelchen nervenzerfetzenden Symphonien oder quält sich durch endlose Wortwüsten. Verstehende Rezeption ist Schwerstarbeit, die niemand gern auf sich nimmt. Sie muss daher aufwendig motiviert werden. Dass die Leute lesen wollen und überhaupt lesen KÖNNEN, ist, wenn man einmal die anthropologischen Dispositionen und BEDÜRFNISSE (!) bedenkt, ein atemberaubendes Wunder!

Eher noch ist nachvollziehbar, dass Leute (wenn sie es denn einmal können) schreiben, Bilder und Musik machen. Strukturell ist immer von einem Überangebot an medialen Rezeptionsanlässen und einer gewissen Rezeptionsmüdigkeit auszugehen.

Die Unwahrscheinlichkeit der Kommunikation zu überwinden und es den Rezipienten, nicht zu einem Bedürfnis, sondern zur PFLICHT zu machen, das überquellende Universum der Bilder, Klänge und Texte (nach Maßgabe ihrer gesellschaftlichen Rollen) wegzurezipieren, ist die gesellschaftliche Leistung der Medien.

Daher kann man Geschäftsmodelle der Medien nicht vom Nutzen-für-Rezipienten her aufziehen.

(Mir ist schon klar, dass das nicht herrschende Lehre ist, und dass diese Vorstellung zunächst einmal kontraintuitiv ist. Aber ich glaube, sie ist richtig. ;-) )

Sponer Dezember 5, 2012 um 18:02

“Die CDU hat vorgelegt. Und wie. 98 Prozent für Angela Merkel, ein “kubanisches Wahlergebnis”, wie Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer es nennt. Ein Ergebnis, das die Chefin nach eigenen Worten geplättet hat. Das soll die SPD erst einmal nachmachen, wenn sie am Sonntag Peer Steinbrück offiziell zum Herausforderer der Kanzlerin nominiert, sagen sich die Christdemokraten. Sie werden dem Treffen der Genossen gelassen zusehen.”

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/cdu-parteitag-merkel-und-die-truegerische-geschlossenheit-a-871129.html

Holt Peer die 99 oder gar 100 Prozent?
Was meinen die Qualitätsjournalisten?

f.luebberding f.luebberding Dezember 5, 2012 um 18:00

So schnell wie Keese ist aber keiner.

topi Dezember 5, 2012 um 17:29

Hardy

“Nach wie vor sind aber die Blogs näher dran, schneller, giftiger agressiver. Witzigerweise alles Adjektive, die ich neu eintretenden Wettbewerber in einem Markt bescheinigen würde. Zudem haben “einige Blogleser” mit ihren “Empörungsmails” u.a. Schwalbe und Jako an die Wand gefahren. Hipp hat auch reagiert. Und die Netzsperren der kleinen Leyen wären ohne den Widerstand der “Community” wohl auch durchgewesen. ”

Was heißt “nach wie vor”, dies nimmt doch eher zu als ab.
Ändert aber nichts an der Aussage [Und wann wird eine Geschichte aus einem Blog relevant, im gesellschaftlichen Maßstab?
Wenn sie es ins Fernsehen oder die olle Holzpresse geschafft hat.], auf die du dich bezogen hast.

Wenn es nur noch Fox print gibt, spielt die jetzt noch vorhandene Medienlogik, dass es letztlich doch um AUflage geht, keine Rolle mehr!

Hauke Dezember 5, 2012 um 16:55

@Morph

“Dann scheint mir schon eine wichtige Beobachtung zu sein, dass Kommunikationsangebote (Bilder, Klänge und Texte), die keinen besonderen physischen Träger mehr brauchen, keine Güter im ökonomischen Sinn sind.”

Dieser Gedanke scheint sehr hartnäckig zu sein. Angenommen, es wäre so wie Du sagst und Kommunikationsangebote, die keinen physischen Träger benötigen, wären keine Güter im ökonomischen Sinn. Dann würden auch keine Kommunikationsangebote hergestellt/erzeugt/erstellt, weil diese keine Bedürfnisse befriedigen, deshalb keinen Nutzen stiften und deshalb keine Nachfrage/Bedarf nach ihnen besteht. Wenn ich dann beobachte, dass es dennoch ein Angebot an Bildern, Klängen und Texten gibt, und ich davon ausgehe muss, dass dieses Angebot nicht von Menschen erzeugt wurde, weil diese Nicht-Güter keine Bedürfnisse befriedigen, dann muss ich schließen, dass entweder alle gestrigen, heutigen und morgigen Texte, Bilder und Klänge schon immer da waren, sind, bleiben werden und auf mysteriöse Art und Weise auf die Websites gespült werden und wieder verschwinden, oder dass die Außerirdischen jeden Morgen eine Schaufel Texte, Bilder, Klänge an einem ominösen Knotenpunkt am äußeren Rand der Galaxie ins Internet kübeln. Oder es stimmt was mit Deiner These nicht und Bilder, Texte, Klänge sind sehr wohl Mittel zur Bedürfnisbefriedigung und damit Güter im ökonomischen Sinn. Ich finde, dass Du nicht schlüssig darlegst, warum Texte, Bilder, Klänge kein Gut sein sollen.

Frankie Bernankie Dezember 5, 2012 um 16:47

Passend zur Mediendiskussion hier diese kleine Nachrichten-Pretiose:

http://faz-community.faz.net/blogs/fazit/archive/2012/12/04/falsch-gedacht-wie-sparsam-sind-die-armen.aspx

Patrick Bernau macht hier sogar eine Nicht-Nachricht zu Content. Herrlich. da sage noch einer, die FAZ hätte die neue Medienwelt noch nicht begriffen.

~ Dr. Hannibal Halbgott ~ Dezember 5, 2012 um 16:11

Mönsch @topi, du nun wieder!! … es is wirklich hoffnungslos mit dir!

“Jetzt gibt es Diskussionen um Veränderungen in der StPO im Zusammenhang mit dem Mollath-Fall; das wäre wohl kaum passiert, wenn sich da ein paar Blogleser Empörungs-Mails ausgetauscht hätten.”
——————–

===> … NATÜRLICH … decken die Systemmedien ab und zu “Skandale” auf!! … ABER: … eben nur eine spezielle Auswahl und nur zu speziellen Zeiten! … und natürlich jeweils mit ganz speziellen Manipulations-Interessen!!

- Der Fall Mollath zum Beispiel. WARUM … kommen die hochinvestigativen Hochleistungs-Hochqualitätsschreiberlinge … ERST JETZT … dadrauf?? … und nicht schon vor 5 Jahren??

Weitere Fragen:

- WARUM … hamn die beiden Hochleistungsinvestigativjournalisten Frank Lübberding & Mely Kilak nicht schon Anfang des Jahrtausends die “einseitig ermittelnde BRDDR-Polizei” darauf hingewiesen, daßß die Döner-Morde nur von deutsen Neonazis begangen worden sein konnten?? … . warum HEUTE die gleichgeschaltete Bödel-Lügerei in der BRDDR-Presse von “Ermittlungspannen”?? … es handelt sich mitnichten um “Ermittlungspannen” … sondern hinreichend offensichtlich um … STAATSTERRORISMUS!!

- WARUM … hat die ganze gleichgeschaltete Systemmedien-Meute den Mongo-Euro hochgejubelt und nur Pro-Euro-Lügenpropaganda gemacht?? … 1998 saßß der Halbgott in einer VWL-Vorlesung und hat vom Prof haarklein prognostiziert bekommen, daßß der Euro NICHT funktionieren KANN und ganz böse scheitern wird. Dass der Euro die Völker Europas NICHT einen wird, wie die maximalverblödeten “SPD”-Trottel & die MSM den Deutsen – damals wie heute – einbläueln woll(t)en, SONDERN IM GEGENTEIL die Völker Europas – durch sein absehbares Scheitern – wieder gegeneinander aufwiegeln wird! .. es gab 1998 auch einen offenen Brief von 155 UNABHÄNGIGEN(!!) VWL-Profs (“Der euro kommt zu früh”!) die sich genau damit an die Medien und die Öffentlischkeit gewandt hamn … und wurden von den antideutsen “SPD”-Trotteln und den korrupten MSM dafür verhöhnt.

- WARUM … hat der ~Halbgott ~ erst vor 4 Jahre und aus dem “VT”-WWW erfahren, WER Tina-Erika KASNER ist?? … WARUM hamn die Systemmedien nicht spätestens zur BuTa-Wahl 2002 ihren hochgradig zweifelhaften Migrationshintergrund erforscht und die Bevölkerung darüber ümpformiert?? Hä?? … darüber, daßß Tina-Erika KASNER und sein Vadder .. BESTENS in den totalitären DDR-Unrechtsstaat integriert & assümüliert warn?? … Häh??

- WARUM … hamn die MSM nicht vor dem Kolonialangriffskrieg der NATO auf Afghanistan gewarnt?? … sondern mit Hurra-Imperialismus zum Kriege gehetzt??

- WARUM … hamn die MSM nicht darauf hingewiesen, dass die “mobilen Chemiewaffen” von Sadam eine dreckige Kriegslüge der Amis warn … obwohl jeder sehen konnte, dass es sich um eine peinliche Anfängerskizze eines CIA-Praktikanten handelte??

- – WARUM … veröffentlichen die MSM nicht die einfach nachvollziehbare Beweisgrafik , daßß der Rothschild-Mann Gerhard Goldschröder-Schröpff und seine vaterlandslose “SPD”-Bande aus den Deutsen mittlerweile über 30% mehr reale Produktionsleistung (p.a.!!) als 1990 herausgequetscht hat, gleichzeitig aber die Netto-Reallöhne der Deutsen um 5% gedrückt hat?? … und die Differenz … defaktisch-konkludent … ins Ausland verschoben hat??

- usw, usf, etc, pp.

===> … FAZIT: … die Geschichte der durchkorrumpierten MSM … ist eine Geschichte des systematisch-vorsätzlichen Totalversagens in Propaganda- & Lügengestalt … zum Schaden des eig’nen Volkes, im Interesse der jeweils herrschend Machtmafia-Nazifaschistenbande!!

Hardy Dezember 5, 2012 um 16:00

@egal

Die FAZ ist zumindest lernfähig und schreibt jetzt “EU”.

Lübbe, hast Du etwa gepetzt??

Morph Dezember 5, 2012 um 15:51

@Frankie Bernankie

“Ob dies dann aus Olympiade, Stratosphärensprung, WM, Oktoberfest oder Queenjubiläum besteht, ist dan zweitrangig, Hauptsache, jede Woche wird eine neue Sau durchs Dorf getrieben.
Vor diesem Hintergrund spielen einzelne Events keine Rolle, sie gehen im medial-sphärischen Hintergrundrauschen auf.”

Sehe ich nicht so. Die massenmedialen Events, Pop-Moden, Umweltskandale, politischen Krisen, Promis und Rührseligkeiten, die von den Massenmedien ins Zentrum der Weltöffentlichkeit gerückt werden, sind zwar kontingent, aber alles andere als beliebig. Das ist ja der Trugschluss der Manipulationsthese, dass die Massenmedialen Hypes inhaltlich belienig seien, dafür aber im Interesse der ‘Herrschaft’ publiziert würden. Es ist exakt anders herum! ;-)

Aber solange der Journalismus in Gestalt seiner einflussreichsten Verleger in der Selbstbeschreibung noch nicht auf der Höhe der Zeit argumentiert (Döpfner: “Wir produzieren Inhalte!” – Eben nicht!), bleibt natürlich nur die gegenwartsdiagnostische Müllkorbkategorie: Krise! – Ach nee, wann denn war die Welt zuletzt NICHT in der Krise?

Hardy Dezember 5, 2012 um 15:41

errata:
Nach wie vor sind aber die Blogs näher dran, schneller, giftiger, aggressiver.
Wettbewerbern

Hardy Dezember 5, 2012 um 15:38

@Topi

“Und wann wird eine Geschichte aus einem Blog relevant, im gesellschaftlichen Maßstab?”

Merkel war bei der letzten Wahl bei 33%, jeder hatte mit mehr gerechnet. Vielleicht findet die Meinungsbildung vor Wahlen gar nicht mehr (nur) dort statt wo man sie eigentlich erwartet?

“Jetzt gibt es Diskussionen um Veränderungen in der StPO im Zusammenhang mit dem Mollath-Fall; das wäre wohl kaum passiert, wenn sich da ein paar Blogleser Empörungs-Mails ausgetauscht hätten.”

Nach wie vor sind aber die Blogs näher dran, schneller, giftiger agressiver. Witzigerweise alles Adjektive, die ich neu eintretenden Wettbewerber in einem Markt bescheinigen würde. Zudem haben “einige Blogleser” mit ihren “Empörungsmails” u.a. Schwalbe und Jako an die Wand gefahren. Hipp hat auch reagiert. Und die Netzsperren der kleinen Leyen wären ohne den Widerstand der “Community” wohl auch durchgewesen.

“Die Masse wird aber weiterhin, also auch nach dem Untergang der “Qualitätsmedien”, von anderen Massenmedien eher traditioneller Form bespaß”

1. Qualitätsmedien gibts nicht (mehr), das habe nicht nur ich hier ausreichend gezeigt.
2. “Massenmedien traditioneller Form”: Ja – Glotze. Es verschiebt sich nur, Lesen ist anstrengender als Glotzen.

topi Dezember 5, 2012 um 15:22

Moon

Sag mal hast du Klöckners 20 Seiten zu google gelesen?
Alles Quatsch?

topi Dezember 5, 2012 um 15:21

Hardy

“Wer hat Ackermanns Geburtstagsfeier bei Frau Honecker aufgedeckt, Schirrmacher (der war ja da) oder netzpolitik.org? Was macht denn der Spiegel außer Titten oder Adolf aufs Titelblatt? Was hat denn der Große Meister Leyendecker zu wikileaks ausgegöbelt statt die Daten zu verwerten? All’ das *brauchen wir nicht mehr*. ”

Und wann wird eine Geschichte aus einem Blog relevant, im gesellschaftlichen Maßstab?
Wenn sie es ins Fernsehen oder die olle Holzpresse geschafft hat.

Jetzt gibt es Diskussionen um Veränderungen in der StPO im Zusammenhang mit dem Mollath-Fall; das wäre wohl kaum passiert, wenn sich da ein paar Blogleser Empörungs-Mails ausgetauscht hätten.

>>>“Wenn nun die “Qualitätspresse”gebündelt eingeht, wird etwas anderes an die Stelle setzen, was kaum besser sein wird.”

Aber auch kaum schlechter, denn das ist schwerlich möglich. >>

Sagte der Pessimist: “Schlimmer kanns nicht mehr kommen!”
Antwortet der Optomist: “Klar, immer!”
:roll:

>>>“Oder glaubt ihr im Ernst, dass Heise oder wasauchimmer dann flächendeckend rockt?”

1. Heise ist – so ich mich recht erinnere – das nach Zugriffszahlen größte Forum mit einer gigantischen Reichweite.
2. Auch hier findet eine Entwicklung statt; guck’ doch was sich in den letzten 10 Jahren getan hat – das geht doch weiter.”>>>

Sicher.
Die Masse wird aber weiterhin, also auch nach dem Untergang der “Qualitätsmedien”, von anderen Massenmedien eher traditioneller Form bespaßt; Bild, und schlimmer (die deutschen Koch-Brüder gibt es zwar nicht, da verteilt sich das; nach dem Ende gäbe es ziemlich sicher eine ISNM-artige Zeitung. (wahrscheinlich darf die Welt einfach weitermachen, und man macht offizielle Spendendiner :roll: )

topi Dezember 5, 2012 um 15:14

Linus

“Nahezu jeder Lohnabhängige ist von der Abwärtsspirale betroffen. Jetzt erwischt es halt die Journalisten. Der übliche Kollateralschaden. Da hilft es wenig, einzelne Branchen unter Artenschutz zu stellen.”

Schadenfreude schönste Freude, na klar. ;-)

Aber as ehrliche Haut bin ich für anständige Arbeitsbedingungen für alle. :roll:

“Und nochmal: Es gibt viel zu viele Billig-Journalisten. Ein Schrumpfen der Branche war zu erwarten. Wie trennt sich da die Spreu vom Weizen? Wahrscheinlich erst, wenn der Werbesektor massiv einbricht. Dauert ja nicht mehr lange.”

Wie kommst du darauf, dass die Billig-Journalisten die Spreu sind?

Hardy Dezember 5, 2012 um 14:54

@egal

“Europa kann auch EU heißen.”

Dann sollen die Schreiberlinge “EU” schreiben, wenn sie das meinen.

~ Dr. Hannibal Halbgott ~ Dezember 5, 2012 um 14:37

@gelegentlich
“Was soll das? Bilder, deren Text man nicht lesen kann (zu klein)?”
—————————————–

===> … wieso “zu klein”? … drücke doch einfach ma die strg-Taste und fummel dann an scroll-rad von deine Maus rum … dann wird’s gröser.

===> … ansonsten kannst du auch einfach die wikipedia-artikel über Bernays und Lippmann in www aufrufen … da hab ich’s nääämlich einfach rauskopiert & 1:1 in … ~ DAS BUCH HALBGOTT ~ … übernommen.

===> … @flübber, gib deine Tochter 50 Silberlinge aus dein Silberling-Schatzkästchen, sie soll damit zu Copy-shop und 1001 Kopien von ~ Halbgott’s ~ Handout zu Bernays/Lippmann machen und morgen an ihre Schule auf dem Schulhof verteilen.

egal Dezember 5, 2012 um 14:34

Döpfner muss echt verzweifelt sein, wenn er Google “erzkapitalistische” Interessen unterstellt. Hihi.

@hardy
Europa kann auch EU heißen.

~ Dr. Hannibal Halbgott ~ Dezember 5, 2012 um 14:23

@flübber
“Und die Austeritätspolitik in Europa ist vor allem eine Folge der innenpolitischen Bedingungen in der Bundesrepubik.”
————————

===> … es gibt KEINE “Austerität” in Europa!!!

===> … ALLE Euro-Schländer – außßer dem nicht-souveränen, nicht-staatlichen US-Exportsklavenprotektorat BRDDR – gönnen sich vollsaftige “new credits” (natürlich auf Kosten der Bonität der BRDDR!)!!

===> … mind se facts, dude!:

http://www.tagesschau.de/wirtschaft/wirtschaftsdaten104.html

Hardy Dezember 5, 2012 um 14:02

Kommen wir doch mal zum wirklichen Geschnatter:

Die Fiktion der Qualitätsjournaille (TM):

http://www.faz.net/aktuell/politik/korruptionsindex-griechenland-auf-letztem-platz-in-europa-11982773.html

“Nach Einschätzung von Transparency International ist in keinem Land Europas die Korruption so verbreitet wie in Griechenland.”

http://www.welt.de/wirtschaft/article111815481/Griechenland-stuerzt-im-Korruptions-Index-ab.html

“In keinem Land Europas ist die Korruption nach Einschätzung von Transparency International so verbreitet wie in Griechenland.”

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/transparency-international-korruption-in-griechenland-nimmt-stark-zu-1.1541806

“In keinem Land Europas ist die Korruption in der öffentlichen Verwaltung so verbreitet wie in Griechenland.”

Jetzt dann die Tatsachen:

Griechenland: Rang 94
Albanien: Rang 113
Ukraine: Rang 144
Weißrussland: Rang 123
Kosovo: Rang 105

Einer quakt es vor, alle quaken es nach. Solche Leute – ich wiederhole mich aus gegebem Anlass – braucht kein Mensch auf dieser Welt. Und es interessiert mich schlicht nicht, ob es Dummheit, Faulheit, Inkompetenz oder Ideologie ist.
Zudem erstickt solcher Rotz jegliche Diskussion weil “es stand doch in der FAZ”.

f.luebberding f.luebberding Dezember 5, 2012 um 13:58

TRSS

Für den Gewinner gibt es auch schon den ersten Kandidaten. Wenn auch einstweilen noch durch Selbstausrufung.

Frankie Bernankie Dezember 5, 2012 um 13:56

@morph

“Ob es einem passt oder nicht: Formel 1 und Olympiade sind in der gesellschaftsweit geltenden Version der Gesellschaft wichtiger als Klimakatastrophe und Syrienkonflikt. Und es sagt sehr viel mehr über unsere Gegenwart aus als wer gerade ‘mächtigster Mann der Welt ist’, dass erstmals die Paralympics mit so großer medialer und werbetechnischer Aufmerksamkeit bedacht wurden wie in diesem Jahr.”

Stimmt nicht ganz: Kurzweil und Entertainment in ihrer Gesamtheit sind wichtiger als Klimadings und Syrienkonflikt, aber das dürfte schon immer so gewesen sein.

Ob dies dann aus Olympiade, Stratosphärensprung, WM, Oktoberfest oder Queenjubiläum besteht, ist dan zweitrangig, Hauptsache, jede Woche wird eine neue Sau durchs Dorf getrieben.
Vor diesem Hintergrund spielen einzelne Events keine Rolle, sie gehen im medial-sphärischen Hintergrundrauschen auf.

Wo fanden diese Paralympics gleich nochmal statt, und das war wirklich dieses Jahr? Oder war dieses Jahr EM?

Gut , dass jetzt wieder diese ganzen Jahresrückblicke kommen, man verliert ja direkt den Überblick…

Morph Dezember 5, 2012 um 13:36

@TRSS

Wenn ich eine praktikable Idee hätte, wie Journalismus im Onlinezeitalter profitabel unterhalten werden kann, säße uch jetzt woanders…

Zunäxchst einmal wäre es aber m.E. sinnvoll, die Diagnose richtig anzusetzen. Und es ist eben nach allen erdenklichen Maßstäben nicht so, dass der klassische Printjounalismus ‘schlechter’ geworden sei (eher im Gegenteil) oder die Online-Kommunikation contentmäßig den klassischen Journalismus abgehängt hätte.

Ich glaube, man müsste erst mal identifizieren, welche Leistung journalistisch-verlegerischen Tuns es genau ist, die durch Online-Dienste ersetzt wird, und an welchen Leistungen die Online-Dienste parasitieren ohne sie selber zu erbringen.

Dann scheint mir schon eine wichtige Beobachtung zu sein, dass Kommunikationsangebote (Bilder, Klänge und Texte), die keinen besonderen physischen Träger mehr brauchen, keine Güter im ökonomischen Sinn sind.

In der Vormoderne und bis weit in die Moderne war das übrigens insofern selbstverständlich, da die Medienproduktion mäzenatisch organisiert war. In dieser Tradition steht der ö./r. Rundfunk, bei dem der demokratische Souverän als Mäzen figuriert.

Ein sachdienlicher Hinweis könnte auch sein, dass die von vielen gewünschte Werbefreiheit der Massenmedien ihrem Eigensinn zuwider ist. Werbung ist eine wichtige Qualitäts- und Reichweitenmarkierung, an der wir ablesen können, wie umfassend die Geltungskraft der so markierten Sache ist.

Ob es einem passt oder nicht: Formel 1 und Olympiade sind in der gesellschaftsweit geltenden Version der Gesellschaft wichtiger als Klimakatastrophe und Syrienkonflikt. Und es sagt sehr viel mehr über unsere Gegenwart aus als wer gerade ‘mächtigster Mann der Welt ist’, dass erstmals die Paralympics mit so großer medialer und werbetechnischer Aufmerksamkeit bedacht wurden wie in diesem Jahr.

Hauke Dezember 5, 2012 um 13:34

TheRealSlimShady, Geld verdienen hinge vom Können ab, wenn es sich bei dem Gut, das Journalisten herstellen, um ein privates Gut handeln würde und/oder der Vertrieb dieses Gutes nicht durch monopolartige Strukturen gekennzeichnet wäre. Denn wenn sich die Struktur im Journalismus ebenfalls zu einem natürlichen Monopol hin entwickelt (bedingt durch die Vertriebsstrukturen), dann hängt das ‘Geld verdienen’ nur dann vom Können ab, wenn es sich um bestreitbare Märkte handelt. Angesichts vorhandener Markteintrittsbarrieren halte ich das für eine steile These.

Weissgarnix TheRealSlimShady Dezember 5, 2012 um 13:15

@Hauke

>sondern darum, ob das Anliegen von Journalisten, mit Journalismus Geld verdienen zu wollen, berechtigt ist oder nicht. Es ist die Frage, ob Journalismus eine gesellschaftliche Funktion erfüllt oder nicht.

Keineswegs! Journalisten verdienen Geld mit Journalismus, wenn sie es koennen; sie verdienen kein Geld mit Journalismus, wenn sie es nicht koennen. Die Sache ist analog zu den Investmentbankern oder jedem anderen Beruf: Was bezahlt wird, wird bezahlt – “gesellschaftlicher Nutzen” nach Deutung von wem-auch-immer voellig irrelevant.

Insofern ist aus oekonomischer Sicht das Ganze fuer mich so klar wir nur irgendwas. Was nicht bedeuten muss und nicht bedeuten wird, um das Missverstaendnis gleich von vornherein auszuschliessen, dass “der Journalismus” oder “die Massenmedien” samt und sonders verschwinden werden. Werden sie nicht. Aber die Struktur wird sich wandeln, sehr wahrscheinlich in die gleiche Richtung wie bei so vielen anderen Maerkten im Moment, i.e. zu einem “winner-takes-it-all”.

Weissgarnix TheRealSlimShady Dezember 5, 2012 um 13:07

@Morph

>Denn wenn so viele Diskussionsteilnehmer gedanklich noch nicht über die Manipulationsthese hinaus sind

Sei mir nicht boese, aber deine Dauerargumentation entlang der beiden Pole

1. Das System der Massenmedien ist indifferent gegenueber X,Y,Z
2. Die strukturelle Kopplung zu wirtschaftlichen Einheiten aka “Verlage” ist fragwuerdig geworden

ist auch nicht gerade ergiebig. Denn genau um 2. geht’s, wie oben schon ad nauseam zum Ausdruck gebracht. Und genau in diese Kerbe schlaegt die Debatte um das LSR. Und da wird man zu Recht fragen duerfen: “Mit welcher Begruendung?” Du bietest aber kein einziges Argument dafuer oder dagegen an, sondern ziehst dich staendig zurueck auf die Behauptung von Funktionslogiken nach 1., die aber von den meisten hier noch nicht einmal in Frage gestellt werden.

Hauke Dezember 5, 2012 um 13:06

Moon, es geht nicht darum, inwiefern das ein LSR rechtfertigen würde (niemand hier im Blog verteidigt das LSR), sondern darum, ob das Anliegen von Journalisten, mit Journalismus Geld verdienen zu wollen, berechtigt ist oder nicht. Es ist die Frage, ob Journalismus eine gesellschaftliche Funktion erfüllt oder nicht.

Hauke Dezember 5, 2012 um 13:01

@Morph

“Bevor Du Deine Antwort geschrieben hast, war sie nicht knapp”

Bevor ich meine Antwort schrieb erreichte sie den Zustand höchster Knappheit. Zeitmaschinen sind auch ein knappes Gut, und Zeit gerade wenn man keine hat.

Hauke Dezember 5, 2012 um 12:56

Morph, die Tatsache, dass Du hier überhaupt liest, also die Website aufgerufen hast, zeigt, dass Du ein “Bedürfnis nach Texten” hast (warum hättest Du die Website sonst aufgerufen?). Dieses Bedürfnis würde jeder Text befriedigen, der hier erscheint, wenn Du diese Website aufrufst, auch der Text: “Hier steht kein Text!”. Paradoxes Verhalten wäre, eine Website mit geschlossenen Augen aufzurufen und sie sofort wieder zu schließen, ohne zu lesen (ok, Hacker machen sowas, aber die verfolgen andere Ziele..). Wenn Du an Dir jetzt beobachtest, dass bestimmte Texte Dich mehr, manche weniger und manche gar nicht befriedigen, so zeigt dies nur, dass die Kategorie “Text” eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für die vollständige Befriedigung Deiner speziellen Bedürfnisse ist. Man müsste das “Bedürfnis nach Text” weiter differenzieren (Bedürfnis nach Text von Autor X zum Thema Y zum Zwecke von Z,…). Wenn ich einen Text erzeuge, weiß ich nicht so genau, welches spezielle (differenzierte) Bedürfnis nach Texten Du hast und erfahre erst durch Feedback – z.B. Deine Antwort an mich – ob und inwieweit ich Dein spezielles Bedürfnis befriedigen konnte. So wie Du erst nach dem Lesen weißt, ob mein Text Dein spezielles Bedürfnis befriedigt hat. Und an dieser Stelle kommen Google mit seiner Datenmatrix, der maschinenlesbare Konsument und das Optimierungsproblem der Verlage ins Spiel. Die technologische Revolution schafft die Möglichkeiten und weckt die Erwartung, sehr differenzierte Bedürfnisse, mit möglichst hoher Wahrscheinlichkeit möglichst effektiv zu befriedigen. In einer Marktwirtschaft gelingt dies jedoch nur, wenn die Erbringung der Leistung (Erzeugung von Inhalt & Vertrieb) profitabel ist. Das ist zur Zeit das Problem.

Morph Dezember 5, 2012 um 12:49

@Linus

“Falls doch eine gesellschaftliche Notwendigkeit besteht, so ist die erstmal klar zu definieren und dann ein angemessenes öffentliches Finanzierungsmodell zu erstellen.”

Gesellschaft ist kein Ingenieursproblem…

Morph Dezember 5, 2012 um 12:41

@egal

“Angenommen die Kernfunktion von Medien ist die Selektion. Gibt es dann irgendeinen legitimen Grund, diese Selektionsleistung zu erhalten? Hat die eine große Filterbubble für mich Vorteile gegenüber den vielen ausdifferenzierten?”

Weder ist es an uns, die Massenmedien zu erhalten oder nicht, noch geht es um Vorteile der Massenmedien für den einzelnen. Ich glaube, dass die Ausdifferenzierung der individuellen Filterbubbles nur möglich ist in Differenz zur gesellschaftsweit wirksamen Filterbubble (so wie sich die neuzeitliche Person auch in Differenz zur Gesellschaft individuiert – und dann über die anonyme Masse klagen kann).

Aber die Diskussion, die hier geführt wird, ist müßig: Denn wenn so viele Diskussionsteilnehmer gedanklich noch nicht über die Manipulationsthese hinaus sind, sich und ihren Privatnutzen zur Urteilsperspektive machen und sich damit zufrieden geben, über dies und das zu schimpfen und sich im Müsste-, Hätte-, Könnte-Modus zu bewegen, versenden sich die interessanten Ideen – wie auf einer schlecht orchestrierten medialen Bühne.

Hardy Dezember 5, 2012 um 12:28

@L. Gunther:

Danke, Großartig!

(Der bestätigt im übrigen den einen oder anderen Schreiber hier…(-: )

Jackle Dezember 5, 2012 um 12:23

” Aber den Kapitalismus finden deutsche Journalisten auch nur solange klasse, wie es nicht um ihren eigenen Arsch geht.”

https://www.taz.de/Kolumne-Besser/!106756/

Gab es eigentlich schon einen Presseclub zu dem Thema? Das dürfte ganz großartig werden. Wie sie sich winden werden und dann Google in bester kleinbürgerlicher Manier als das große Böse darstellen, vor dem es sich zu schützen gilt. Wenn die versammelte Presselandschaft die Finanzkrise auf moralisch fragwürdig handelnde Bänker reduziert, sollte sie sich nicht wundern, dass sie von den selben ach so unsichtbaren systematischen Zwangsläufigkeiten hinweg gefegt wird. Der Presseclub diente schon immer der Selbstentlarvung der schreibenden Zunft, aber wenn es um ihren eigenen Hals geht, könnte das epische Ausmaße annehmen.

Moon Dezember 5, 2012 um 12:16

@F.Luebberding

ich fürchte, dass diese Verteidigung von Google am Ende noch nicht einmal mehr bei Google verfangen wird.

Äh, welche jetzt genau? Egal, Punkte a)-c) gelten weiterhin, da können sich die Apologeten drehen und wenden wie sie wollen.

Linus Dezember 5, 2012 um 12:14

@Hauke:
“Aber vielleicht reden wir auch aus völlig unterschiedlicher Perspektive: Ich aus ökonomischer Sicht, Du aus kommunikationswissenschaftlicher Perspektive. Meines Erachtens ist Letztere für ein funktionierendes Geschäftsmodell jedoch nicht von Belang.”

Es ist sicher angebracht, beide Sichtweisen auseinander zu halten.

Im Verlauf der Diskussion der Malaise zeichnet sich jedoch ab, dass die viele den Tageszeitungen tatsächlich einen gesellschaftlichen Auftrag zuschreiben. Wäre der inexistent, so würde es sich tatsächlich nur um ein wirtschaftliches Problem handeln und der Tod des Mediums Zeitung wäre zu verschmerzen.

Falls doch eine gesellschaftliche Notwendigkeit besteht, so ist die erstmal klar zu definieren und dann ein angemessenes öffentliches Finanzierungsmodell zu erstellen. Damit wären die Kommunikations- und Sozialwissenschaften mit im Boot.

L.Gunther Dezember 5, 2012 um 12:10

Ich werfe mal in das Geschnatter um das LSR einen wirklich guten Artikel ein:

http://www.zeitgeistlos.de/zgblog/2012/liebe-massenmedien/

holger Dezember 5, 2012 um 12:05

Frankie

—>>>Die Max-Plancker, die sollen bei ihren Leisten bleiben und gefälligst Physik machen, da siehts mau aus!”

Für wen war das Internet eigentlich mal gedacht? Wenn man das so glauben darf, wie es geschrieben steht? Bestimmt nicht für uns beiden :D

—>>>Wie ich letztens aus der US-Comedy-Serie „Big Bang Theory“ erfuhr, gibt’s in der Physik seit der String-Theorie aus den 1930er Jahren auch nichts Neues mehr!”

Yep, dass Neue kommt auch erst mit höherer Rechnerleistung. Um Modelle modellieren zu können.

P.S. Handbuch schon fertig? ;-)

Robert A. C. Dezember 5, 2012 um 11:59

> … wohlfeile Gefasel von sogenannten “Experten”, wenn sie seit
> Jahren von den Verlagen ominöse Geschäftsmodelle verlangen,
> wie plötzlich mit dem klassischen Journalismus Geld verdient
> werden könnte. Wenn es solche Modelle geben sollte, wären sie
> schon längst umgesetzt worden.

Dann will ich mal ein bisschen »wohlfeiles Gefasel« loswerden:

Die Verlage hätten längst, jeder für sich oder alle zusammen, eigene Suchmaschinen für ihre Artikel aufbauen können.
Weil Ihnen ihre eigenen Artikel ohnehin kategorisiert nach Erscheinungsdatum, Autor, ursprünglicher Redaktion, Thema, Schlagworten und natürlich Volltext vorliegen hätten sie dazu nicht einmal die komplizierten Algorithmen gebraucht, die Google benötigt, um das Netz in seiner ganzen Vielfalt abbilden zu können.
Eine klassische Datenbank hätte es durchaus getan, dazu eine halbwegs ergonomische Suchmaske und ein paar durchdachte Abo-Modelle, wie z.B.
1. “Alle Artikel der XYZ zu den Themen Politik, Wirtschaft und Finanzen ab dem Beginn des Abos bis zum Ende des Abos.”.
2. “Alle Artikel der XYZ zu den allen Themen ab dem Beginn des Abos bis zum Ende des Abos.”.
3. “Alle Artikel der XYZ zu den Themen Politik, Wirtschaft und Finanzen seit Start der Datenbank bis zum Ende des Abos.”.
usw.

Vorstellbar sind weiter zeitlich und thematisch wie oben gestaffelte Sammelabos mehrere Zeitschriften.

Dazu sind etliche Optionen denkbar:
i) mit oder ohne Werbung
ia) mit auschließlich animationsfreier Werbung (nur statische Bilder)
ii) mit oder ohne Teilnahme an Leserdiskussionen
iii) mit oder ohne Volltextsuche
iv) mit gestaffelter Priorität bei der Volltextsuche
usw.

Wenn die Verlage dann noch Leserdiskussionen ohne Veröffentlichung des Real-Names (es gibt nämlich nämlich Menschen mit bundesweit eindeutigem Namen) ermöglichen und nur Werbung akzeptieren, die das lesen der eigentlichen Artikeln nicht unmöglich macht, dann sehe ich keinen Grund warum dieses Geschäftsmodell nicht einen Versuch wert wäre.

Und wenn es eine solche Datenbank bzw. Pressesuchmaschine gäbe, dann wäre die Verlage nicht auf Google an Zubringer angewiesen sondern könnten sich dort per robots.txt austragen.

Das urssprüngliche Problem der Verlage ist, wie Sie vollkommen zurecht festgestellt haben, das Wegbrechen der Anzeigeeinnahmen.

Das bedeutet, dass der Kunde der Verlage nicht mehr derjenige ist, der Anzeigen schaltet.

Die Verlage haben aus dieser Tatsache den (falschen) Schluß gezogen, dass sie ihre alten Kunden wieder haben wollen, wenn es sein muss auch auf dem Umweg über Google.

Der richtige Schluss wäre gewesen, sich neue Kunden zu suchen. Konkret: die Leser vom Produkt zum Kunden zu befördern.

f.luebberding f.luebberding Dezember 5, 2012 um 11:48

Moon

ich fürchte, dass diese Verteidigung von Google am Ende noch nicht einmal mehr bei Google verfangen wird.

Moon Dezember 5, 2012 um 11:44

@F.Luebberding

Weder in den USA, noch in Europa spielen wissenschaftliche Erkenntnisse für die Umsetzung der jeweiligen Politiken eine Rolle.

Stimmt genau, wie man sehr schön an der Bundesregierung und dem Leistungsschutzrecht sehen kann.

@Hauke

da jammern nicht ‘irgendwelche Klitschen’, das sind kartellrechtliche Untersuchungen:
Ausgehend von der FTC, die sich von Tim Wu beraten lässt, der nicht mal die grundlegende Definition eines Monopols kennt.

Wenn die Bedingungen für den Journalismus so toll sind, wie Du beschreibst (alle Rechte wohl definiert, Profit durch Verlinkung von Google), dann frage ich mich, warum Journalismus im Internet ein Minusgeschäft ist.

Die Frage kannst du dir natürlich stellen (ebenso, ob diese Aussage durch die Zahlen von bspw. Springers Onlinegeschäft belegbar ist). Ich hingegen stelle die Frage, warum Google den Journalismus noch mehr als eh schon (duch massig kostenlosen, monetesierbaren Traffic) alimentieren sollte.

Frag doch mal den Frank Lübberding, wie hoch seine Kosten im vergangenen Monat für den Betrieb der Website waren, auf der Du gerade kostenlos postest, wieviele Stunden Arbeitszeit er aufgewendet hat, um Dich mit gut durchdachten Beiträgen anzuregen, zu irritieren und Dich zur Interaktion zu motivieren, und wie hoch seine Einnahmen aus dieser Tätigkeit waren.

Und das muss mich interessieren, weil…? Sie sind definitiv niedriger als noch vor Jahren oder als wenn er das Ganze offline machen würde.

Aber wahrscheinlich sind die Blogbetreiber selbst schuld, wenn sie ihre Inhalte ohne Paywall ins Netz stellen….

Ironie oder Verzweiflung? Und inwiefern würde das das LSR rechtfertigen?

@Morph

Gäbe es nur die ach so tollen Blogs irgendwelcher Privatpersonen zu ihren persönlichen Hobbyhorses könnte man Google als Suchmaschine vergessen.

Genau, denn 99% des Contents im Internet wurde von Verlagen generiert!

News-Suche oder Google-Scholar, also die wirklich potenten tools, setzen auf unwahrscheinlichen Medienkonfigurationen auf und parasitieren an ihnen.

Parasitär durch keine Werbung? Welchen Schaden erleidet übrigens der Wirt?

Frankie Bernankie Dezember 5, 2012 um 11:44

@holger

“Hier mal eine Auseinandersetzung mit dem Thema LSR von den Maxe Planckern.”

Die Max-Plancker, die sollen bei ihren Leisten bleiben und gefälligst Physik machen, da siehts mau aus!

Wie ich letztens aus der US-Comedy-Serie „Big Bang Theory“ erfuhr, gibt’s in der Physik seit der String-Theorie aus den 1930er Jahren auch nichts Neues mehr!

Bruchmüller Dezember 5, 2012 um 11:43

>>>Man kann das Texteschreiben sicher ALS Dienstleistung betrachten…,

…in vielen Fällen aber auch als Obseleszenzproduktion.

Morph Dezember 5, 2012 um 11:43

@Hauke

“Diesen Text, den Du gerade ließt, habe ich erzeugt. Er stand, bevor ich ihn erzeugt habe, nicht zur Vefügung. Ich schließe, dass meine Antwort an Dich ein (knappes) Wirtschaftsgut ist (das ich Dir kostenfrei zur Befriedigung Deiner Bedürfnisse überlasse ;-) ).”

Knapp ist nicht etwas, dass nicht zur Verfügung steht, sondern dessen Verfügung konditioniert ist. Bevor Du Deine Antwort geschrieben hast, war sie nicht knapp, und ich hatte auch kein Bedürfnis nach einer Antwort von Dir, die durch jede nur denkbare Antwort hätte befriedigt werden können. Ein Gut, in dem von Dir beschriebenen Sinne, wäre Deine Antwort nur, wenn ich unruhig vor meinem Bildschirm gewartet hätte: Bitte, bitte, @Hauke antworte mir, antworte irgendetwas, aber ANTWORTE!!! – So war es aber nicht, wie Du mir hoffentlich glaubst ;-)

Hauke Dezember 5, 2012 um 11:30

Morph, ein Gut ist definiert als ein Mittel zur Bedürfnisbefriedigung. Wirtschaftsgüter sind eine Teilmenge der Menge aller Güter. Sie sind gekennzeichnet durch Knappheit. Knappheit ist definiert als ein Zustand, in dem dieses Gut nicht in jeder gewünschten Menge, an jedem gewünschten Ort in jeder gewünschten Qualität zu Verfügung steht, i.e. diese Güter müssen erzeugt werden. Da Texte nicht an jedem Ort, in jeder Menge,… zur Vefügung stehen, schließe ich, dass Texte Wirtschaftsgüter sind. Ich habe z.B. eine Antwort auf den durch Dich an mich gerichteten Kommentar verfasst. Diesen Text, den Du gerade ließt, habe ich erzeugt. Er stand, bevor ich ihn erzeugt habe, nicht zur Vefügung. Ich schließe, dass meine Antwort an Dich ein (knappes) Wirtschaftsgut ist (das ich Dir kostenfrei zur Befriedigung Deiner Bedürfnisse überlasse ;-) ). Die Menge aller Wirtschaftsgüter ist in disjunkte Teilmengen unterteilt: Realgüter und Nominalgüter. Ein Nominalgut ist definiert als die monetäre Bewertung eines Gutes in Geld(einheiten) und existiert nur in virtueller Form. Da ein Text keine monetäre Bewertung ist, schließe ich, dass es sich bei ‘Text’ um ein Realgut handeln muss. Die Menge aller Realgüter ist wiederum in disjunkte Teilmengen unterteilt: Materielle und immaterielle Güter. Letztere zerfallen in Dienstleistungen und ideelle Güter. Um die Zuordnung von Text in diese Teilmengen ginge es, wenn ich mich darum streiten wollte.

Meines Erachtens vernachlässigst Du den Vorgang der Erzeugung/Erstellung von Text. Die Selektion ist sicher eine Dienstleistung (der Verlage), bevor aber was selektiert wetrden kann, muss etwas erzeugt werden (Autor). Aber vielleicht reden wir auch aus völlig unterschiedlicher Perspektive: Ich aus ökonomischer Sicht, Du aus kommunikationswissenschaftlicher Perspektive. Meies Erachtens ist Letztere für ein funktionierendes Geschäftsmodell jedoch nicht von Belang.

Hardy Dezember 5, 2012 um 11:30

@fl

“Es ging um nicht um Geldpolitik, sondern um die Bedeutung von “Wissenschaft” für den politischen Entscheidungsprozeß. ”

Genau dazu hatte ich mich auch schon entsprechend geäußert:

“Na irgendwoher werden die jeweiligen Lenker ja ihre Erkenntnisse herhaben – hie wie da gibt es wissenschaftliche Berater. So ganz in der Luft werden Greenspan, Bernanke oder Merkel ja auch nicht hängen. “

f.luebberding f.luebberding Dezember 5, 2012 um 11:30

Frankie Bernankie

Eben.

egal Dezember 5, 2012 um 11:28

@morph
Rückfrage:
Angenommen die Kernfunktion von Medien ist die Selektion. Gibt es dann irgendeinen legitimen Grund, diese Selektionsleistung zu erhalten?
Hat die eine große Filterbubble für mich Vorteile gegenüber den vielen ausdifferenzierten? Steht ernsthaft zu befürchten, dass nicht mehr anhand anerkennenswerter Kriterien selektiert wird (auch wenn heute in jeder Zeitung stehen dürfte, dass Kate schwanger ist)?

Hardy Dezember 5, 2012 um 11:28

@fl

Schirrmacher

“Ich habe bekannt, nun richtet mich.”

Genau das tue ich.

Frankie Bernankie Dezember 5, 2012 um 11:27

@Luebberding

“Die Politik der FED hat vor allem etwas mit den Funktionsmechanismen des amerikanischen Kapitalismus zu tun. Der ist wesentlich mehr auf die Kapitalmärkte angewiesen als der Deutsche … Und die Austeritätspolitik in Europa ist vor allem eine Folge der innenpolitischen Bedingungen in der Bundesrepubik.”

Ha!
Und da soll noch mal einer sagen, die Politik hätte nicht das Primat über die Wirtschaft!

f.luebberding f.luebberding Dezember 5, 2012 um 11:26

Hardy

Es ging um nicht um Geldpolitik, sondern um die Bedeutung von “Wissenschaft” für den politischen Entscheidungsprozeß. In dem Kontext ist es auch gleichgültig, wie man jetzt diese Geldpolitik selber beurteilt.

Morph Dezember 5, 2012 um 11:26

@gelegentlich

“So handelt ein pathologischer Rechthaber.”

Hm. – Würde ich Dir jetzt Recht geben, würde ich mich nicht wie ein pathologischer Rechthaber verhalten; würde ich Dir empört widersprechen, wäre das ein Indiz dafür, dass Du Recht haben könntest.

Schönes Paradox!

Hauptsache aber, dass wir uns in der Hauptsache einig sind, nämlich dass Fachjournals für Fachwissenschaften ein unverzichtbares Kommunikationsmedium sind (auch und gerade wegen ihrer selektiven Funktion!).

holger Dezember 5, 2012 um 11:25

—>>>Die Dame, die “Schalke 05? vorstellte, ist dann auch nicht mehr lange bei der Sportschau geblieben.”

Mit Recht, mit Recht, es ist nämlich Schlacke 06 :D

f.luebberding f.luebberding Dezember 5, 2012 um 11:24

Hardy

Carmen Thomas ist einige Zeit später aus dem Sportstudio geflogen. Die Schalke 05 Story war purer Sexismus. Sie ist gerade kein Beleg dafür, dass wg. Fehler Konsequenzen gezogen werden müssen, sondern wie Medien aus solchen Fehlern Meta-Storys basteln. Und zu Schirrmacher? Das hat er selbst beschrieben.

Hardy Dezember 5, 2012 um 11:22

@fl:

“…ohne eine expansive Geldpolitik landen die in der Rezession.”

Hmmm. Auch hier: Andere Gewichtung. Volcker hat die Inflation von 15% massiv gedrückt, bekam aber eine “Rezession”. Fraglich ist jedoch, wie ich gewichte. Als Deutscher gewichte ich Inflation hoch (bei Taylor bspw.), als Ami die Beschäftigungslücke. Was ist richtig? Ich denke, dass es Deutschland in 10 Jahren besser gehen wird als Amerika. Und auch jetzt schon besser geht (Inflation+AL). Gelddrucken hat noch nie ein Problem gelöst, irgendwann wird das auch drüben deutlich. (Aber das ist meine private Meinung, die nichts mit dem ursprünglichen Thema LSR zu tun hat)

holger Dezember 5, 2012 um 11:21

Hier mal eine Auseinandersetzung mit dem Thema LSR von den Maxe Planckern.

http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2012/11/Stellungnahme_zum_Leistungsschutzrecht_fuer_Verleger.pdf

Hardy Dezember 5, 2012 um 11:13

@fl

“Die Geschichte mit dem Wasserstoff kommt jetzt zum wiederholten Mal. Ich habe sie immer noch nicht gelesen.”

Wird auch kaum möglich sein, ist bestimmt 15 Jahre her.

“Nur die Argumentation hat einen logischen Fehler. In der gleichen Ausgabe der “Zeit” wird man wahrscheinlich wesentlich mehr Artikel finden, wo die Wiedergabe von Sachverhalten korrekt gewesen ist. ”

Oho! Wir kommen der Sache näher – es existiert nämlich kein “logischer Fehler” sondern schlicht und ergreifend eine andere Herangehensweise. DU nimmst an dass es so ist wie Du schreibst: Ein bedauerlicher kleiner Fehler der das Gesamtbild kaum trübt.
Ich jedoch sage: Ein Wirtschaftsredakteur, der ein Perpetuum Mobile als machbar bezeichnet – nichts anderes ist die Wasse/Wasserstoff-Geschichte nämlich – versaut mir eine solche Zeitung dermaßen, dass sie nicht mehr ernstzunehmen ist. (“Falsch” ist übrigens das falsche Wort, “nicht mehr glaubhaft” trifft es besser.)
Die Dame, die “Schalke 05″ vorstellte, ist dann auch nicht mehr lange bei der Sportschau geblieben. Ähnlich der Fall Schirrmacher/Kanzleramt. Für dich: FAZ ist nach wie vor gute Zeitung. Für mich ähnlich ungeheuerlich, als wenn der Chef des BKA mit Russenmafia und Cosa Nostra bei den Hells Angels diniert. Kein logischer Fehler, sondern andere Gewichtung.

f.luebberding f.luebberding Dezember 5, 2012 um 11:12

Hardy

Ja klar. Am Ende landen wir immer bei Aristoteles … . Die Wissenschaft beobachtet zur Zeit die Folgen dieser Politiken. Mehr nicht. Die Politik der FED hat vor allem etwas mit den Funktionsmechanismen des amerikanischen Kapitalismus zu tun. Der ist wesentlich mehr auf die Kapitalmärkte angewiesen als der Deutsche – und ohne eine expansive Geldpolitik landen die in der Rezession. Und das bei Sozialsystemen, die im Gegensatz zu Deutschland die Folgen von Massenarbeitslosigkeit nicht auffangen können. Und die Austeritätspolitik in Europa ist vor allem eine Folge der innenpolitischen Bedingungen in der Bundesrepubik.

f.luebberding f.luebberding Dezember 5, 2012 um 11:04

Hardy

Die Geschichte mit dem Wasserstoff kommt jetzt zum wiederholten Mal. Ich habe sie immer noch nicht gelesen. Nur die Argumentation hat einen logischen Fehler. In der gleichen Ausgabe der “Zeit” wird man wahrscheinlich wesentlich mehr Artikel finden, wo die Wiedergabe von Sachverhalten korrekt gewesen ist. Aus dem einen Fehler jetzt den logischen Schluss zu ziehen, dass alles andere ebenfalls falsch sein müsste, ist also kaum nachvollziehbar. Mit der gleichen Begründung könnte man den klappernden Hydrauliker Keynesianer für einen Keynesianer halten.

Hardy Dezember 5, 2012 um 11:02

@fl

“Nur hat das auch nichts mit Wissenschaft zu tun. Weder in den USA, noch in Europa spielen wissenschaftliche Erkenntnisse für die Umsetzung der jeweiligen Politiken eine Rolle.”

Na irgendwoher werden die jeweiligen Lenker ja ihre Erkenntnisse herhaben – hie wie da gibt es wissenschaftliche Berater. So ganz in der Luft werden Greenspan, Bernanke oder Merkel ja auch nicht hängen. Allerdings sind sich doch auch die jeweiligen Wissenschaftler (1) nicht einig, sonst gäbe es doch eine einheitliche Richtung.

(1) Mich graust es vermutlich ähnlich wie Alfred Nobel, diese Bezeichnung in Hinblick auf die VWL zu gebrauchen.

Morph Dezember 5, 2012 um 10:58

@Hauke

“ich würde sagen, dass das Verfassen von Texten eine Dienstleistung ist”

Man kann das Texteschreiben sicher ALS Dienstleistung betrachten, aber der Dienstleistungscharakter ist dem Texteschreiben (wie auch der Herstellung von Bildern und Klängen) nicht immanent.

Dass jemand eine Suppe kocht oder einen Tisch zimmert, nur um das Ergebnis der Arbeit hinterher zu verstecken oder zu verleugnen, dürfte extrem selten stattfinden. Beim Texteschreiben passiert das ziemlich regelmäßig.

Texteschreiben ist so wenig eine Dienstleistung wie Fußballspielen oder Nachdenken.

Das Moment der Dienstleistung entsteht einzig und allein aus der Operation der selektiven Publikation. Und diese Operation kann als einzelne gar nicht gelingen, denn ein einzelner, zufällig sich vollziehendes Kommunikationsereignis in der Öffentlichkeit des Inhalts: Lest dies! bleibt ohne jeden Effekt. Erst wenn die Selektionsleistung übernommen wird und immer wieder übernommen wird, emergiert die Content-Kompetenz, die es ermöglicht, eine Lesewürdigkeit nicht nur zu selegieren, sondern auch zu publizieren.

Publikationen wie die FAZ sind Textbühnen. Es ist im Einzelfall überhaupt nicht entscheidend, WAS in der FAZ steht, sondern DASS es in der FAZ steht. Und nur deshalb ist die FAZ ein Medium.

Medien beinhalten/funktionalisieren oft andere Medien: Marcel Reich-Ranicki könnte man als Mensch-Medium bezeichnen, insofern ein Roman, den er empfiehlt, ein Bestseller wird, ziemlich unabhängig von dessen literarischer Qualität. Als Autor und Literaturchef der FAZ stabilisierten sich FAZ und MRR als Medien gegenseitig.

Google funktioniert als Selektionsmedium natürlich nur vor dem Hintergrund der Medien, die durch Google funktionalisiert werden, gerade im News-Bereich. Gäbe es nur die ach so tollen Blogs irgendwelcher Privatpersonen zu ihren persönlichen Hobbyhorses könnte man Google als Suchmaschine vergessen. News-Suche oder Google-Scholar, also die wirklich potenten tools, setzen auf unwahrscheinlichen Medienkonfigurationen auf und parasitieren an ihnen.

keiner Dezember 5, 2012 um 10:55

@Frankie B.

“Alle wichtigen Schulen sind nebeneinander möglich.”

Weil es halt eben nur eine SCHEINwissenschaft ist. Erfüllt nicht mal die minimalen Anforderungen für eine Wissenschaft. Aber da sind sie ja in guter Gesellschaft…

Hardy Dezember 5, 2012 um 10:54

@fl:

“Ansonsten haben wir es mit Hypes zu tun, wo jeder auf den fahrenden Zug aufspringen muss. Das sind dann diese “Kate ist schwanger” Storys.”

Nachkommen eines versinkenden ausländischen Empires mit einem Rechtsstaatlichen Fiasko in Deutschland sondergleichen zu vergleichen, ist unangebracht. Zudem würde das dann auf rund 99% aller Nachrichten der FAZ auch anwendbar sein, nicht wahr. Inzwischen werden ja selbst die Rechtschreibfehler der Depeschen übernommen (wirklich mal drauf achten – findet man nicht häufig, aber doch dann und wann).

Hauke Dezember 5, 2012 um 10:53

Moon, da jammern nicht ‘irgendwelche Klitschen’, das sind kartellrechtliche Untersuchungen:

https://www.nytimes.com/2012/10/13/technology/ftc-staff-prepares-antitrust-case-against-google-over-search.html

Wenn die Bedingungen für den Journalismus so toll sind, wie Du beschreibst (alle Rechte wohl definiert, Profit durch Verlinkung von Google), dann frage ich mich, warum Journalismus im Internet ein Minusgeschäft ist. Frag doch mal den Frank Lübberding, wie hoch seine Kosten im vergangenen Monat für den Betrieb der Website waren, auf der Du gerade kostenlos postest, wieviele Stunden Arbeitszeit er aufgewendet hat, um Dich mit gut durchdachten Beiträgen anzuregen, zu irritieren und Dich zur Interaktion zu motivieren, und wie hoch seine Einnahmen aus dieser Tätigkeit waren. Frag ihn doch bei dieser Gelegenheit auch, welchen Anteil seiner Kosten er decken könnte, wenn er seinen Blog mit Google-Werbeanzeigen zupflastern würde. Aber wahrscheinlich sind die Blogbetreiber selbst schuld, wenn sie ihre Inhalte ohne Paywall ins Netz stellen….

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