Der Identitätsverlust der WAZ

by f.luebberding on 18. Januar 2013

Verkaufen Verlage bedrucktes Papier? Sind Zeitungen nichts anderes als ein Werbeträger mit redaktionellem Rahmenprogramm? Diese Sichtweise wird allerdings zur Abwechslung nicht von den üblichen Kritikern des sogenannten Mainstream-Journalismus vertreten, sondern bekommt neuerdings aus der Branche prominente Unterstützung. Die Krise des Journalismus und die Suche nach funktionierenden Geschäftsmodellen hat nämlich in dieser Woche einen neuen Höhepunkt erlebt. Der Essener WAZ-Konzern hat sprichwörtlich über Nacht die “Westfälische Rundschau” (WR) geschlossen. Die komplette Redaktion wird zum 1. Februar entlassen. Aus dem Titel wird eine bloße Marke mit fremden Inhalten. Ein Zeitungszombie, wo ein Chefredakteur eine ähnliche Funktion einnehmen wird, wie im Kaiserreich bei sozialdemokratischen Zeitungen der “Sitzredakteur”. Seine Funktion ist die Verantwortung für Inhalte zu übernehmen, die er aber gar nicht generiert hat. Immerhin droht heute nicht mehr das Gefängnis wegen Majestätsbeleidigung. Nun hat diese Innovation ironischerweise einen Titel betroffen, wo die SPD über ihre Medienholding DDVG eine Minderheitsbeteiligung hat. Aber die WAZ dokumentiert vor allem eins: Den Identitätsverlust über das, was man tut.

Nun hatte die WR tatsächlich mehr als nur die üblichen Probleme in der Zeitungsbranche. Die sind bekannt: Auflagenverluste, der Einbruch bei den Werbeerlösen und eine überaltete Leserschaft. Die WR war in ihren Märkten in Westfalen immer eine “Zweitzeitung” hinter dem jeweiligen Marktführer gewesen. Ob die von der WAZ angegebenen Verluste von 50 Mio. € in fünf Jahren zutreffen, kann man aber bezweifeln. Bilanziell wird die WR schon lange nicht mehr als ein eigenständiger Titel geführt. Zudem macht die WAZ nach den diversen Strukturveränderungen der vergangenen Jahre wieder Gewinne. Sie hat sogar Ende 2012 ein Gewinnziel formuliert: 150 Mio. € im Jahr. Und angekündigt, das “nicht mit dem Rasenmäher” erreichen zu wollen.

Um ihn aber in dieser Woche zum Einsatz zu bringen.

Geschäftsmodelle und medienpolitische Verantwortung standen in der Verlagsbranche schon immer in einem Spannungsverhältnis, um es einmal mit einer Phrase aus Sonntagsreden zu formulieren. Aber bisher war allen Akteuren bewusst gewesen, dass es überhaupt existiert. Die WAZ hat jetzt ihr Desinteresse an dieser medienpolitischen Verantwortung deutlich gemacht. Die Führungsfiguren in Essen haben den Verlag ohne Sinn und Verstand zu dem gleichen Zombie werden lassen, der als Prototyp aus ihrer Hexenküche unter dem Titel “Westfälische Rundschau” morgens in meinem Briefkasten landen soll. In der Presseerklärung des Verlags wird der Bauplan dieses Zeitungszombies mit diesen Worten vorgestellt:

“Unser Ziel ist es, die Westfälische Rundschau zu erhalten und damit die Medienvielfalt in dem Verbreitungsgebiet sicherzustellen.”

Danach folgt die Anleitung zum Zombiebau im Detail. Das soll jeder selbst nachlesen. Was ist jetzt das Problem? Dass die Branche in einem Umbruch steckt? Alle auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen sind? Beides ist so unbestritten wie banal. In kapitalistischen Ökonomien sind sogar Renditeerwartungen keine Überraschung. Der einzigartige Skandal ist die beispiellose Respektlosigkeit gegenüber der Redaktion. Es ist für das WAZ-Management offenkundig völlig egal, welche Menschen welche Inhalte produzieren. Sie hat weder einen journalistischen, noch einen medienpolitischen Anspruch. Ansonsten käme niemand auf die Idee, eine Redaktion schlicht durch irgendetwas anderes zu ersetzen. Sie hält damit das, was die entlassenen Mitarbeiter bisher getan haben, für wertlos. Wie will diese Konzernführung jetzt plausibel begründen, dass das nicht für alle Journalisten im Konzern gilt? Schließlich hat sie damit zwei Dinge zum Ausdruck gebracht:

1. Die WAZ bedruckt nur noch Papier.

2. Eine Zeitungsredaktion ist nur das Rahmenprogramm für Renditeerwartungen.

Gruner&Jahr kam übrigens nicht auf die Idee, die FTD mit den Inhalten des Handelsblatts fortzuführen. Offenkundig war aber der Zeitpunkt für diese Aktion günstig gewesen, um eine Branche nachhaltig zu diskreditieren. Nichts anderes hat man in Essen mit dem Rasenmäher gemacht. Vielleicht kann die WR nicht mehr gerettet werden. Gibt es aber einen Grund, das WAZ-Management zu retten? Es hat nämlich den Unterschied zwischen Klopapier und Zeitungen nicht verstanden, ansonsten hätten sie die Redaktion anders behandelt. Und damit daran keinen Zweifel besteht: Das Management in der Körperhygienebranche ist zumeist kompetent. Sie wissen, was sie produzieren. Bei der WAZ hat man das vergessen. So ist nur zu hoffen, dass der Widerstand wächst. Es geht um nichts anderes als die Selbstachtung. Und das betrifft nicht nur die Kollegen der “Westfälischen Rundschau”.

update

Bei den Ruhrbaronen über die Folgen verlegerischer Selbstverstümmelung.

{ 43 comments }

Keynesianer Januar 18, 2013 um 13:09

Menschen mit Selbstachtung werden nicht Journalist und selbst wenn sie wollten, bekämen sie keinen Job.

“Die komplette Redaktion wird zum 1. Februar entlassen. ”

Das lesen wir doch gerne. Nicht wenige hätten für ihr Geschreibsel sicher noch ganz andere Konsequenzen verdient. Aber wir wollen mal nicht so sein, schließlich gibt es nach 12 Monaten Hartz und da waren sie doch alle dafür in den Redaktionen und fanden das supertoll. Und gegen die geldpolitische Verursachung von Massenarbeitslosigkeit hatten sie auch dreißig Jahre keine Zeile verlauten lassen.

Also raus mit denen, werft sie alle auf die Straße, liebe Verleger.

Doktor D Januar 18, 2013 um 13:48

Ich kann ja nachvollziehen, warum sich bei Anhängern der Idee, veröffentlichter Journalismus sei “Systempresse” keine Solidaritätsgefühle einstellen mögen, wenn es um die Entlassung von Journalisten geht, vor allem von denen der WAZ-Gruppe. Aber sich deswegen gleich den Verlegern an den Hals schmeißen? Also bitte.

Zum Thema:

Sie hat weder einen journalistischen, noch einen medienpolitischen Anspruch. Ansonsten käme niemand auf die Idee, eine Redaktion schlicht durch irgendetwas anderes zu ersetzen. Sie hält damit das, was die entlassenen Mitarbeiter bisher getan haben, für wertlos.

Das erklärt aber sehr gut, warum so vielen Zeitungsverlagen so garnix konstruktives einfällt, um mit der Pront-Krise umzugehen. Wenn man die Leserinnen nur als Auflagen- und Klickvieh für Werbeplatz im Kopf sieht, dann können Journalisten ja nur die Schaufensterdekorateure sein – und sowas kann man ja wirklich gut zentral steuern wie jede große Ladenkette oder Marke weiß.

keiner Januar 18, 2013 um 14:25

Der Zusammenbruch des internationalen Finanzsystems ist in weiter Ferne, aber die privaten Finanzsysteme der Schröder-Fischer-Hartz Jubelperser gerät in Schwierigkeiten, nöch, Lübber?

Wilma Januar 18, 2013 um 14:41

Das WAZ-Abo wird gekündigt.
Viele Fehlentscheidungen führten dazu, dass es immer weniger Leser gab. Der Mantel für alle zum WAZ-Konzern gehörenden Zeitungen z.B.
Dazu kommt, immer weniger Inhalt (neues Layout) für mehr Geld.
Von den inhaltlichen Aussagen vonn der RP kaum noch zu unterscheiden (zumindest bei den Kommentaren).
Und wenn dann noch der Betriebsratsvorsitzende vorher schnell zur anderen Seite wechselt, kann man die Mitarbeiter nur bedauern. Spätestens da hätte man den Bratenn riechen können.
Jetzt wäre nur noch zu wünschen, dass die Berichterstattung über HarzIV-Bezieher realistischer wird.

Wolfgang Januar 18, 2013 um 14:48

Frage an die Juristen:

Rechtfertigt das Vorgehen der WAZ-Gruppe wohl zu einer ausserordentliche Kündigung?
Habe ja schließlich dir WR abonniert und nicht WP + RN.

Die AGBs geben da natürlich keine Auskunft …

xefix Januar 18, 2013 um 15:32

@ Wolfgang
Fristlose (ausserordentliche) Kündigung aus wichtigem Grund (arglistige Täuschung).
Lokalredaktion ist wichtiger Grund für Abo Lokalzeitung.
Sonst hättest du die SZ/Welt/etc abonniert.

Such dir deine Gegend aus:
“…Die lokale Berichterstattung kommt dagegen von anderen Zeitungen – vorwiegend aus Konkurrenzverlagen. Für Wetter/Herdecke und Ennepe-Süd übernimmt künftig die Westfalenpost, die in Wetter und Schwelm eine Lokalredaktion aufbauen soll. Die WR-Ausgaben in Dortmund, Lünen und Schwerte werden ab Februar mit lokalen Inhalten der Ruhr Nachrichten (Verlag Lensing-Wolff) beliefert.Im Verbreitungsgebiet Unna und Kamen kommen die Lokalteile vom Hellweger Anzeiger (Verlag Rubens) zum Zuge. Im Märkischen Kreis übernimmt der Märkische Zeitungsverlag die Zulieferung…”
http://www.medienmoral-nrw.de/

f.luebberding f.luebberding Januar 18, 2013 um 15:46

Wolfgang

Interessante Frage. Meines Wissens hat es einen vergleichbaren Fall noch nicht gegeben. Der Zynismus des Verlags liegt ja nicht darin, dass er restrukuriert (das macht die WAZ seit Jahren), sondern dem eigenen Produkt die Wertlosigkeit zu bescheinigen. Er kalkuliert auf die ausbliebende Reaktion der Leser, dass sie nämlich die Veränderungen ab dem 1. Februar nicht sofort bemerken werden. Allein aus dem Grund – und wohl auch wg. der Beteiligung der DDVG – wollen sie den Titel fortsetzen. Und deshalb behindern sie die Berichterstattung innerhalb des WAZ-Konzerns. Der Grund für die Schließung der Redaktion war arbeitsrechtlicher Natur: Es ist einfacher, eine Redaktion zu feuern, als innerhalb des Konzerns die gleiche Anzahl an Mitarbeitern rauszuschmeißen.

Und bevor jetzt die Diskussion wieder anfängt. Natürlich wird nicht jeder Leser sofort bemerken, dass es keine Redaktion namens WR mehr gibt. Das hat auch nichts mit der üblichen Kritik an Journalisten zu tun, sondern mit den Mechanismen der Berichterstattung. Trotzdem setzt jede Redaktion andere Akzente und legt eigene Schwerpunke. Das ist jetzt komplett weg. Hier wird uns jetzt von GM ein Opel als Saab verkauft. Das funktioniert aber noch nicht einmal in der Autoindustrie. Und in Verlagen noch viel weniger.

Die Einrichtung von Content desk in Verlagen hat sich noch begründen lassen. Was hier jetzt aber passiert, ist der Verlust des Kerns von dem, was Journalismus überhaupt ausmacht. Und die WAZ hätte durchaus noch die Ressourcen gehabt, um einen anderen Weg zu gehen. Das soll man nicht vergessen.

Doktor D Januar 18, 2013 um 15:57

Das kann ja nur heißen
1) Die aktuellen WAZ-Eigner verstehen das Produkt, das sie verkaufen, nicht und richten so sukzessive den ganzen Laden zugrunde.
2) Journalismus war sowieso nur ein Kollateralschaden im Projekt Klopapier mit Werbaufdruck und jetzt muss der Cashflow verbessert werden, also outsourced man. Läuft doch in der AUtoindustrie auch schnöffte.

B.Ruchmüller Januar 18, 2013 um 16:05

Passt!

(Bin auf dem Weg vom Zweizeilen- zum Einwortkommentar)

Treidelstein Januar 18, 2013 um 16:34

Da es hier gerade Sprachkritik gab: Also dieser dämliche Anglizismus “Content Desk”! Das suggeriert ja, es sei ein im angelsächsischen Sprachraum und darüber hinaus üblicher Terminus technicus für Gemeinschaftsredaktionen, die verschiedene Blätter mit Text beliefern. Wenn ich dem aber mal hinterherkugele, dann scheint es so zu sein, daß der Ausdruck durchaus nicht verbreitet, sondern vielmehr eine in diesem Zusammenhang originäre Wortschöpfung der WAZ ist.

Als ich das hier das erste Mal las, drehte ich ja unwillkürlich die Worte um: desk content, und vor meinem inneren Auge erschien das Bild eines Angestellten, der angegammelte Wurstkonserven und so vor seinem Chef im Schreibtisch versteckt.

Warum heißt im “WC Center” der Bahn die Kloschüssel eigentlich nicht “Content Bowl”?

Doktor D Januar 18, 2013 um 16:37

Newsdesk bzw. newsroom wäre das Wort gewesen, das die WAZ nicht gefunden hat.

f.luebberding f.luebberding Januar 18, 2013 um 16:43

Treidelstein

Das wusste ich noch gar nicht. Ich hatte den Begriff, glaube ich, dass erste Mal in Zusammenhang mit DuMont in Köln gehört. Aber man könnte natürlich auch Gemeinschaftsredaktion sagen, obwohl es das auch nicht wirklich trifft. Aber an das Handy haben wir uns auch gewöhnt … .

Wolfgang Januar 18, 2013 um 16:44

@xefix: Arglistige Täuschung ist gut.
Ich werden das mal ausprobieren. Die Kündigung zum Jahresende steht sowieso; vielleicht geht ja noch ein bisschen mehr :-)
Wenn sich das (journalistisch betrachtet) lohnt, werde ich von meinen Erfahreungen berichten.

14 Januar 18, 2013 um 17:06

Hier wird uns jetzt von GM ein Opel als Saab verkauft.

Der Osttrabant als Mercedes verkauft sich seit 2005 und der €uro als DM seit 1999 doch auch wie warme Schrippen..

5 DM 1991 „Bettina von Arnim“ – 2013 9,80 Euro
10 DM 1999 „Carl Friedrich Gauß“ – 2013 15,80 Euro
50 DM 1996 „Balthasar Neumann“ – 2013 69,00 Euro
1000 DM 1991 „Gebrüder Grimm“ – 2013 998,00 Euro

“Es gibt k€ine Alternative!”
(zum I- und €-Verlust)

H€rzlichst
€uer
NEOLIBERALER GENERALANZ€IGER

f.luebberding f.luebberding Januar 18, 2013 um 17:41
Doktor D Januar 18, 2013 um 17:49

#ruhrbarone: Schöne Argumentation – und richtig erscheint sie mir auch.

Eagon Januar 18, 2013 um 17:53

Das schlimme ist.

Der öffentlich – rechtliche Rundfunk ist in der Hand der CDU.

Und die privaten Medien in der Hand der Großanzeigenkunden.

Mutti darf Blutspuren ziehen.
Und niemand regt sich auf.

Niemand wird über die Folgen der moralischen Inquisition der Frau Dr. Bundeskanzler Merkel informiert.

Die Armut im Land ist keine relevante Käuferschicht.

Wie könnte man das ändern?

Ich würde meine Kopfsteuer gerne aufteilen. Rundfunkgebühr und der Rest geht an die Nachdenkseiten.

Weil ich kein Fernsehen habe.

So etwas kommt nicht in mein Wohnzimmer.

14 Januar 18, 2013 um 17:53

Die Enttäuschung ist groß, viele sehen die Meinungsvielfalt bedroht, manche sind wütend und wollen ihr Abonnement kündigen. Nach Auskunft der Verbraucherzentrale Düsseldorf steht den Abonnenten allerdings kein Sonderkündigungsrecht zu, denn sie bekommen weiter eine Zeitung, die sich aus einem regionalen und einem überregionalen Teil zusammensetzt.

http://www.wdr.de/studio/dortmund/serien/themadestages/2013/01/WRreaktionen.html

Mit Vorsicht zu genießen, weil die Verbraucherzentralen, Kartellämter (und andere Versager) nach meinem Eindruck auch bereits stark neoliberal unterwandert sind. Wer beim Kleinkäsekästchendenken nicht mitmacht, dem wird eben kontinuierlich das Geld entzogen.
Dieses Prinzip wendet sich ironischerweise nun gegen die, die diese Seuche in Deutschland über Jahre miteingeschleppt haben. (Kleinkäsekästchendenken/contentdesk)Aboentzug. Eine gerechte Sache!

xefix Januar 18, 2013 um 19:21

@Eagon
“Der öffentlich – rechtliche Rundfunk ist in der Hand der CDU.”

Warum so einseitig?
Der öffentlich – rechtliche Rundfunk ist vordergründig in der Hand der politischen Parteien um die Dominanz der wahren Strippenzieher
zu vernebeln.

nixgegenöffentlichesRecht

Ali Messer Januar 18, 2013 um 20:19

was geht ab hier alder
was los im comedieportal

ohnem mooss nichts lose alder

Wilma Januar 18, 2013 um 22:25

Die Lokalsender des WDRs sind keine Alternative zu gut recherchierten Lokalnachrichten. Zumeist uninteressante, unpolitische Themen:
.Sendung von Freitag, 18.01.2013

Video: Komplette Sendung (29:03), Lokalzeit aus Duisburg
18.01.2013

Heizungsinstallateur im Noteinsatz [02:00 min]
FCR Duisburg muss Insolvenz anmelden [02:34 min]
Leinen los für ” boot” 2013 [03:16 min]
Tipp: WDR Kabarett-Festival in Duisburg [00:10 min]
Kompakt [01:30 min]
Von Duisburg in die Welt mit dem Bus [02:29 min]
Martin Klug, Verbraucherzentrale NRW [02:30 min]
Oper für junges Publikum [04:00 min]
Tollstes Tier: Streifenhörnchen [01:46 min]
Wetter: Schnee am Rhein [00:10 min]

Kostenlose Wochenblättchen berichten auch nicht kritisch über die Kommunalpolitik.
Wie im Moment Kommunalpolitiker in Städtische Töchterentsorgt werden etc., erfährt man leider erst mal nur aus der Zeitung. Die lokalen Radiosender lesen auch nur die Polizeimeldungen vor.
Das ist ein Freifahrschein für Poltiker, wenn es keine Lokalberichterstattung mehr gibt.

topi Januar 19, 2013 um 01:42

Mal von aller Häme abgesehen.

Was denkt sich so ein geschasster Redakteur? Nachdem man sich die Prekarisierung noch mit “Flexibiliserung” positiv umdeuten konnte, wenn man nur stark genug war, dürfte das jetzt nicht mehr funktionieren.

Gibt es da Äußerungen, gar schriftlich, die Zusammenhänge zum früheren Geschreibe herstellen?

topi Januar 19, 2013 um 01:50

@Ruhrbarone

“Demokratie-Abgabe”

Aufgabe im allgemeinen Interesse, von allen finanziert. Na von mir aus. (wer das ganze ANgebot der Ö-R betrachtet stellt schnell fest, dass da natürlich ein Unterschied zu RTL-Dreck und privatem DUdelradio besteht; auch, wenn es das auch im Ö-R gibt.

Es ist allerdings immer wieder erstaunlich, wie sich die öffentlich runden Funker ihren “Beitrag” über technische Argumente schönreden.

Führen wir dann endlich den Justiz-Beitrag ein!
Oder den Armee-Beitrag.
Jeder zahlt doch gerne seienn Straßenbau-Beitrag.

Alles als Quasi-Kopfsteuer . Hat ja schließlich jeder was davon, und das unabhängig, ob er nun in eine Glotze glotzt oder nicht.

der Herr Karl Januar 19, 2013 um 07:50

OT:
Aufgrund der vielen Zugriffsquellen-Verweise von wiesaussieht auf meinem Blog, gehe ich davon aus, dass am neuen Artikel “Von Motten und Schmeissfliegen” ein gewisses Interesse besteht.

Keynesianer Januar 19, 2013 um 08:14

Journalisten sind das, was früher die Hufschmiede waren, ein von der Technik überholter Beruf.

Im Fall der Journalisten war das Monopol durch die teuren Druckereien gegeben. Leute, die schreiben können, gibt es wie Sand am Meer, aber wer besitzt schon ein Verlagshaus mit Druckerei, um das zu verbreiten?

Journalist wurde als jemand, der von einem reichen Verleger die Möglichkeit bekam, als einer von ganz wenigen Leuten die Zeitung mit seinem opportunistischen und an den Interessen der Wirtschaft und Regierung ausgerichteten Seich zu füllen. Jeden Tag wieder und einer von den Brüdern hat dann noch den anderen ehrfürchtig zitiert und in den Himmel gelobt.

Jetzt kann jeder im Internet publizieren und in wenigen Jahren wird kaum noch jemand mindestens dreißig Euro jeden Monat zahlen, damit man ihm die Nachrichten von gestern jeden Tag auf Papier gedruckt Mittags in den Briefkasten steckt.

Die Betroffenen werden selbstverständlich nicht aus ihrem Schicksal lernen und zu ehrbaren Menschen werden, sondern sich woanders ein Möglichkeit suchen, durch Skrupellosigkeit und dreiste Lügen ein besseres Gehalt zu verdienen. Solche Leute braucht es doch überall im Kapitalismus.

Kann mich noch aus meiner Schulzeit erinnern, dass die übelste Figur, ein Typ, dem jeder auf Anhieb angesehen hat, dass er ein Schwein ist, umstandslos nach seinem Abi ein Volontariat in der Lokalredaktion bekam und in wenigen Jahren Regierungssprecher in einem Landesministerium wurde.

Eagon Januar 19, 2013 um 08:34

Sonderkündigungsrecht.

Da gibt es grosse Unterschiede zwischen den Verlagen.

Der eine Verlag erstattet Unterbrecher, läßt eine jederzeitige Kündigung des Abos zu und schreibt den überzahlten Betrag gut , …
(z.B. Hamburger Abendblatt)

Jetzt ratet mal wie es viele Jahre beim Monopolisten WAZ war.

Die aktuelle Situation beim WAZ-Verlag kenne ich nicht.

Interessiert mich auch nicht mehr.

f.luebberding f.luebberding Januar 19, 2013 um 08:36

der Herr Karl

Das hoffe ich doch.

Keynesianer Januar 19, 2013 um 09:04

OT:
@der Herr Karl

Geht es auf Deinem Blog noch um etwas anderes als um persönliche Befindlichkeiten?

Andernfalls solltest Du unsere Zeit nicht vergeuden.

der Herr Karl Januar 19, 2013 um 09:11

@Keynesianer
“Geht es auf Deinem Blog noch um etwas anderes als um persönliche Befindlichkeiten?”

Ja, zur Zeit geht nicht um persönliche Befindlichkeiten. Es geht nun um die Selbstzerfleischung Linker, inzwischen nicht nur blogübergreifend…

h.huett Januar 19, 2013 um 09:17

Dieser Aufforderung möge ihr Urheber stante pede folgen! @”keynesianer”

der Herr Karl Januar 19, 2013 um 10:04

@Keynsianer
“…Kann mich noch aus meiner Schulzeit erinnern, dass die übelste Figur, ein Typ, dem jeder auf Anhieb angesehen hat, dass er ein Schwein ist…”

Ich habe deinen Kommentar oben erst jetzt gelesen. Mein Artikel scheint demnach doch nichts für dich zu sein, sorry…

wowy Januar 19, 2013 um 10:12

Aus dem Oktober 2012
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=18308

Es bleibt der Verdacht, dass Print sterben soll, damit alle Informationen zukünftig nur noch im Netz stattfinden, denn dort kann auch der Leser gelesen werden.

Hebung von Optimierungspotentialen heißt das im Neusprech.
Gewinne fließen an die, die wir (die Steuerzahler) dann unter den Rettungsschirm nehmen, wenn sie sich verzockt haben.

Wilma Januar 19, 2013 um 15:42

Computer ersetzen Redakteure

“Geld sparen und trotzdem etwas bieten – das ist eine Herausforderung für Zeitungen. In den USA versuchen es manche mit computergenerierten Inhalten. Firmen wie Narrative Science und Automated Insights verwandeln Daten in Texte und beliefern u.a. das Wirtschaftsmagazin „Forbes“ und die Agentur Bloomberg mit Sport-, Immobilien- und Finanzberichterstattung. ”
http://diepresse.com/home/kultur/medien/1334552/Zeitung-machen-ganz-ohne-Redaktion?_vl_backlink=/home/index.do

Wilma Januar 19, 2013 um 17:05

http://www.ruhrbarone.de/wr-demo-in-dortmund-wuetende-journalisten-un-heuchelnde-politiker/#more-52352

Martin Kaysh, Autor dieses Blogs und als “Steiger” Mitglied des Geierabend-Ensembles hielt ebenfalls eine Rede, die wir hier dokumentiere:
” Ein Gemeinwesen, eine Kommune lebt von der Beteiligung. Aber die gibt es nur mit Wissen und Information. Und die müssen aus verschiedenen Quellen stammen, da reicht kein Bauchgefühl und auch nicht das Foto vom ersten Frühlingstag im Westfalenpark.”
“Die Öffnungszeiten des Hallenbades kann ich auf der Homepage der Stadtverwaltung finden, zur Not im Schaukasten am Eingang. Dafür brauche ich keine Zeitung. Ich brauche aber eine Zeitung, wenn ich wissen will, dass mein Schwimmbad zumacht, weil gleichzeitig das Geld für unsinnige Prestigeprojekte ausgegeben wird. Ich brauche sie auch, wenn ich wissen will, wer für einen Chlorgasunfall in dem Bad Verantwortung trägt.”

karl Januar 19, 2013 um 17:13

Auch wenn es vieleicht bitter klingt: Das was die Mitarbeiter der WR bisher geleistet haben war wertlos. Die Zeitungen Ruhrnachrichten, Waz und WR sind neoliberal ausgerichtet und mir , der ich alle drei Zeitungen ab und zu mal in den Schaukästen in der Stadt gelesen habe (oder liegengebliebene Exemplare in der U bahn) ist absolut kein Unterschied aufgefallen, bis hin zu den Kommentaren eine unerträgliche Einheitssoße.Die ich auch schon seit über 10 jahren nicht mehr kaufe .Insofern ändert sich da durch die Änderung garnix.

f.luebberding f.luebberding Januar 19, 2013 um 17:25

karl

Eine Regionalzeitung kann man nicht so machen, wie eine Überregionale. Das war auch Schrotthofers Problem als Chefredakteur gewesen, obwohl die Zeitung in seiner Zeit gerade im Mantel besser geworden war. Denke der Redetext auf den Ruhrbaronen gibt aber gut wieder, worum es geht. Und mittlerweile haben si8ch die zeiten auch geändert. Die mediale Einheitssoße bis 2008 gibt es in der Form nicht mehr.

Wilma Januar 19, 2013 um 17:26

@ karl
” bis hin zu den Kommentaren eine unerträgliche Einheitssoße”

Das trifft zu. Habe mich auch oft über die Kommentare geärgert.
Das betraf aber meist die Mantelseiten, die von diesem “content-desk” kommen.
In den Lokalteilen sieht das schon anders aus. Dort bemerke ich seit einiger Zeit eine sehr wohl auch kritische Berichterstattung.

keiner Januar 19, 2013 um 21:42

Letzendlich haben wir doch alle wissen wollen, wie nach dem Verfassungsputsch ala ESM die Gleichschaltung im 21. Jahrhundert aussieht. Na, so ähnlich wie das jetzt ud mit der immer gleichen Begründung: “Widdschaftlichkeit”.

Egal ob die Abwicklung des Sozialstaats, des Gesungheitswesens oder der freien Presse, alles nach dem selben Prinzip. Wir können sagen: Wir sind dabei gewesen! Und es hat keiner etwas unternommen. Alle mit Äther langsam in’s Koma geschaukelt, bei freiem Fäspuck und Eiphone5. Können wir unseren Kindern dann von erzählen, wenn sie uns fragen: Wie hat das alles passieren können?

14 Januar 20, 2013 um 18:38

Wer solche Gesellschafter hat, braucht keine Heuschrecken.

Krach im Gesellschafterkreis der WAZ – die Familien genehmigten sich 400 Millionen Euro aus dem Unternehmensvermögen. Wer solche Gesellschafter hat, braucht keine Heuschrecken.

Je mühsamer sich der Geschäftsgang gestaltete, desto gefährlicher wurde die Laune der Gesellschafter, die regelmäßig bis an die Grenze des Erlaubten gegangen waren und sich mit 80 Prozent der Unternehmensgewinne haben zuschütten lassen.

Doch die Eigner verdienten sich dumm und dusselig mit ihrer Methode: Wenn die Rendite einmal unter 25 Prozent fiel, konnten sie vor Sorge kaum schlafen.

Behindert von einem nahezu unauflöslichen Filzwerk von Firmen (gegründet, um Kartellwächter und Finanzbeamte zu narren), fehlten der WAZ zuletzt zwar Tempo, Spielwitz und zündende Ideen in der Offensive. Aber in der Abwehr stehen die Essener sicher: Die Kapitalverzinsung der NRW-Blätter liegt zwischen 12 und 16 Prozent, die Verlagstochter in Braunschweig meldet regelmäßig rund 20 Prozent.

[liest sich alles wie Bonibanker + sal.oppenheim]

aus WAZ: Der schwarz(rote) Faden oder (“Du bist Deutschland”)

Hinzu kommen noch milliardenschwere Ausschüttungen an die Gesellschafter (Erben) durch Verkäufe von Otto-Versand-Anteilen….schon wahn-sinnig dieser Identitätsverlust?

Finale + Zugabe Schröders Ex-Schweinchen-Schlau
“Bei diesem Geschäft”, sagt Hombach, “gibt es nur Sieger.”

Standing ovations! -
“VERARSCHEN” ist schon das richtige Wort.

brandubh Januar 20, 2013 um 23:13

Man könnte meinen, das Zeitungssterben der 1960er und 1970er Jahren hätte es nie gegeben.
Leute, es ist schon seit 40, 50 Jahren so!

14 Januar 21, 2013 um 20:19

Der Niedergang der Presse entspricht dem Aufstieg des Neoliberalismus, den wiederum die Presse nach Kräften unterstützt hat. Meinungen waren zwar immer schon käuflich, doch noch nie so billig zu haben wie in den vergangenen zwei Jahrzehnten, als die bürgerlichen Medien im Chor das Evangelium des Marktes verkündeten und jeden verspotteten, der dem menschlichen Leben mehr Wert beimißt, als die blanke Verwertung es vermöchte.

Nun walzt die Marktmaschine auch über die Presse hinweg und produziert Opfer, die bisher bloß leere Worte oder ein Achselzucken übrig hatten für jeden, der beim Rattenrennen auf der Strecke bleibt. Man könnte darüber Schadenfreude empfinden, wäre das nicht die schönste Freude der Bourgeoisie. Vielleicht sind einige, die den Klassenkampf bislang für ein Gerücht aus der Vorzeit hielten, jetzt etwas klüger, obschon ihnen dies in ihrer Lage kaum helfen wird. Dafür sind die Aussichten auf eine Zukunft, die sie in ihren Artikeln regelmäßig zu einer von gestern erklärt haben, zu trüb.

Die herrschende Klasse braucht gedruckte Periodika nicht länger, um sich die Macht zu erhalten; sie muß ja keine Opposition mehr fürchten. Sie hat erfolgreich die Parlamente und Parteien zu ihren Handlangern abgerichtet und der Regentin beigebracht, daß eine Demokratie »marktkonform« zu sein hat. Die politische Debatte wurde ersetzt durch Polit-Barometer und Kanzler-Castingshows: Auch dabei hat die Presse mit Passion mitgespielt. Es ist nichts als dumm und verlogen, wenn Leute, die zur Entpolitisierung der Gesellschaft massiv beigetragen haben, jetzt beklagen, mit jeder Tageszeitung, die abgewickelt werde, geriete die Demokratie selbst in Gefahr. Sie tun so, als sei der »gute« bzw. »Qualitätsjournalismus« ein unersetzliches Gut. Dabei ist eine ganze Wirtschaftsredaktion nicht so schützenswert wie ein einziger Flaschensammler, dessen Erniedrigung sie mit ihrem Applaus für Hartz IV mitbefördert hat.

Von der Verwechselbarkeit der Zeitungen in Auswahl und Aufbereitung der Themen hört man sehr wenig. Kein Wort darüber, daß Chefredakteure vor jedem einen Diener machen, der ihnen eine Anzeige verspricht, und jeden Autor, der nicht mit den Wölfen heulen will, als Schafskopf abtun. Die Stille saust geradezu, wenn es um die Besitzverteilung im journalistischen Geschäft geht. Daß vier Konzerne mehr als 60 Prozent des Zeitschriftenmarkts kontrollieren, daß zehn Verlagsgruppen gut 55 Prozent aller Tageszeitungen herausgeben, erzählt über die Autonomie der selbsternannten »vierten Gewalt« und die Qualität des Journalismus so viel, wie tausend aufgeregte Leitartikel sich in hunderttausend Phrasen nie trauen würden.

Da die deutschen Zeitungen einander gleichen wie ein Druckfehler dem anderen, ist es so schwer nicht zu verstehen, warum sie dem Publikum ebenfalls gleich sind. Wie die Wahlbeteiligung jedes Jahr weiter in den Keller fällt, weil die Programmbücher der Parteien sich allenfalls im Layout unterscheiden, so sinken auch die Auflagen…

..mal ganz konkret (zu Merkels Medienkombinat)

xefix Januar 25, 2013 um 23:12

Yes Minister!

Hacker: Don’t tell me about the press.
I know exactly who reads the papers:

The FAZ is read by people who think they run the country;
The Zeit is read by people who think they ought to run the country;
The Spiegel is read by people who formerly think they ought run the country;
Theeuropean is read by people who think the country ought to be run by another country;
The Junge Freiheit is read by people who think it is.
The Freitag is a former weekly periodical.

The Welt is read by people who actually do run the country;
The SZ is read by the wives of the people who run the country;
The Financial Times is read by people who own the country;

Sir Humphrey: Prime Minister, what about the people who read The Bild?

Bernard: Bild readers don’t care who runs the country, as long as she’s got big tits.

Sir Humphrey: And what about WR?

Bernhard: WR readers don´t care who runs the coutry, as long as they got Bild.

trinktrinkBrüderletrink

Wolfgang Februar 25, 2013 um 11:03

Nachtrag:
Ich habe mein WR-Abo außerordentlich gekündigt (hatte noch eine Laufzeit bis Ende 2013 wg. Prämie bei Abo-Start).
Die Kündigung ist anstandslos akzeptiert worden!

Zusätzlich sind wir natürlich auch von der Ruhr-Nachrichten angesprochen worden, ob wir nicht wechseln wollen. Im Zuge der Diskussion mit den Werbern der RN wurde klar gesagt, dass natürlich nicht der komplette Lokalteil von Dortmund an die WR geliefert wird. Bestimmte exklusive Geschichten würde es eben nur in der RN geben.

Wolfgang

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