Die politische Entscheidung

by f.luebberding on 31. Januar 2013

Michael Naumann hat heute in der Druckausgabe der FAZ einen Artikel über den “Relevanzverlust des politischen Journalismus”. Als Anschauungsmaterial dient ihm der Umgang mit Peer Steinbrück und die seit Mittwoch vergangene Woche laufende Debatte über Rainer Brüderle, Laura Himmelreich, ein Erlebnis an der Bar, den Stern und den Sexismus im Alltag. Nun operiert der Journalismus zwar innerhalb der Logik des Mediensystems, aber seine Kernfunktion ist die Beobachtung der Politik. Nur wie funktioniert heute eigentlich diese Politik? Bei einem mitternächtlichen Barbesuch mit Brüderle wird man das nicht erfahren.

In seinem Gastbeitrag versucht Jörg Friedrich vor dem geistesgeschichtlichen Hintergrund der Dezisionismus-Theorie von Carl Schmitt den Prozeß der zeitgenössischen Entscheidungsfindung zu rekonstruieren. Dabei bezieht er sich vor allem auf den jüngst verstorbenen Politikwissenschaftler Michael Th. Greven. Dessen “demokratischer Dezisionismus”, so Friedrich, zeichnet sich dadurch aus, dass “gerade die zentralen politischen Entscheidungen (…) sich niemals vollständig aus bestehenden Normensystemen ableiten” ließen:

“Zunächst muss ja über die Geltung fundamentaler Normen selbst eine poltische Entscheidung getroffen werden, für die es jedoch, wie Greven unter Bezugnahme auf Kelsen darlegt, „angesichts des Säurebades der Modernisierung und Säkularisierung keine rationalitätsstiftenden, allgemeine Geltung fraglos begründenden normativen Bezugssysteme mehr“ gibt. Gerade auf Grund der Pluralität der Gesellschaft kann keine Geltung vorausgesetzt werden, der politische Prozess selbst muss die Geltung von Normen hervorbringen.”

Insoweit passt das zur derzeitigen Sexismus-Debatte, die solche Normen in einem kaum mehr überschaubaren Umfang hervorbringt, wenn das auch zumeist in dem Gerede unterzugehen droht. In anderer Hinsicht ist selbstredend das Regierungshandwerk von Angela Merkel davon geprägt, diesen “demokratischen Dezisionismus” weitgehend zu verstecken.

“Das Politische im Sinne der „eminenten Entscheidung“ würde verschwinden, wenn es gelänge, jede politische Frage auf Basis rationaler Erwägungen richtig und akzeptabel zu entscheiden. Alle Tendenzen dazu, diese Sichtweise zu untermauern, betrachtet Greven jedoch als „Strategien der Kontingenzverleugnung“ – sie sollen letztlich verdecken, dass politische Entscheidung niemals alternativlos und „Sachzwängen unterworfen“ sind, „als seien die unter Expertenbeteiligung gefundenen politischen Problemlösungen tatsächlich ‚von der Sache her‘ mehr oder weniger erzwungene kognitiv basierte und rational alternativlose Entscheidungen.“

Vor diesem Hintergrund ist es sinnvoll, diesen Gastbeitrag von Jörg Friedrich heute zu veröffentlichen. Der Text ist keine leichte Kost und wird wie alles seinen Weg gehen. Allerdings kann er den Lesern bei der Meinungsbildung helfen. Bekanntlich ist das das Ziel des Journalismus. In diesem Kontext sei zudem auf die gerade veröffentlichte Studie des Göttinger Instituts für Demokratieforschung hingewiesen. Sie beleuchten das Thema aus der Perspektive des aktivistischen Bürgertums.

Für die bessere Lesbarkeit haben wir auf den wissenschaftlichen Apparat verzichtet. Der komplette Text mit Fußnoten und Literaturangaben ist beim Autor zu erhalten.

Die politische Entscheidung – Dezisionismus bei Schmitt, Greven und Mouffe

von Jörg Friedrich

Moderne demokratische Gesellschaften haben seit Jahrzehnten mit zwei Tendenzen zu kämpfen, die ihr Funktionieren langfristig und in besorgniserregender Weise infrage stellen: Die eine ist mit dem Begriff „Politikverdrossenheit“ gekennzeichnet, der Abwendung des Demos von dem, was im Alltag als Politik wahrgenommen und erlebt wird und damit von dem, was als institutionalisierter Prozess der Willensbildung eben dieses Demos in der demokratischen Gesellschaft konzipiert ist. Die andere Tendenz, die immer wieder mal stärker und mal weniger stark zu beobachten ist, ist das Erstarken radikaler, antidemokratischer Kräfte, von denen man doch erwarten sollte, dass sie schon durch den Erfolg des demokratischen Modells für den Demos an Attraktivität verlieren sollten.

Man kann diese Tendenzen als unvermeidliche Begleiterscheinungen der Pluralisierung und Ökonomisierung der Gesellschaft ansehen und sich dann sozusagen nur noch auf die Beherrschung der Folgen und die Stabilisierung der schwächer werdenden demokratischen Institutionen konzentrieren. Man kann jedoch auch die Frage stellen, ob diese Tendenzen nicht in Fehlentwicklungen des poltischen Betriebes selbst zu suchen sind. Wenn die Menschen sich von dem abwenden, was ihnen unter dem Namen Politik geboten wird, dann kann das auch daran liegen, dass die Erwartungen, die mit dem Politischen verbunden werden, von diesem Betrieb nicht erfüllt werden.

Um diesen Gedanken präzisieren zu können, ist es sinnvoll, bei einem Denker anzusetzen, der die Kraft, Menschen zu binden und Identifikationen zu bieten, als Kern des Politischen überhaupt angesehen hat. Carl Schmitt hat diesen Kern bekanntlich in der Fähigkeit gesehen, Menschen effektiv in Freund und Feind gruppieren zu können.

1 Feind und Dezision bei Carl Schmitt

Es ist oft zitiert worden, dass Carl Schmitt in seiner Schrift „Der Begriff des Politischen“ die Unterscheidung von Freund und Feind als „die spezifisch politische Unterscheidung, auf welche sich die politischen Handlungen und Motive zurückführen lassen“ bestimmt. Die damit gegebene Bestimmung des Begriffs des Politischen versteht Schmitt „im Sinne eines Kriteriums, nicht als erschöpfende Definition oder Inhaltsangabe.“ Das bedeutet, Poltiisches findet laut Schmitt zumindest immer dann statt, wenn eine Unterscheidung von Freunden und Feinden stattfindet. Dazu ist es keineswegs notwendig, dass der Unterschied, der jemanden zum Feind macht, essentiell vorhanden wäre und sozusagen nur noch erkannt und den Freunden bekannt gemacht werden muss. Das Politische besteht nicht darin, einen vorhandenen Unterschied nur bewusst zu machen, sondern es besteht in der Fähigkeit und der Tätigkeit der „effektiven Gruppierung“ der Menschen „nach Freund und Feind“ wobei dazu jeder „religiöse, moralische, ökonomische, ethnische oder andere Gegensatz“ herangezogen werden kann. Dieser „verwandelt sich in einen politischen Gegensatz“. Damit ist für Schmitt, wie Thomas Bedorf schreibt, „das Politische überhaupt nicht mit einem bestimmten Sektor menschlichen Handelns zu verwechseln, weil es nicht etwas anderes bezeichnet als das Ökonomische, das Religiöse oder das Moralische, sondern dasselbe anders bezeichnet.“ Mit anderen Worten, die politische Unterscheidung von Freund und Feind ist schon immer eine Entscheidung, die selbst nicht zwingend begründet werden muss, wenn es denn gelingt, auf ihrer Basis Menschen zu Freunden zu machen und andere – wenigstens möglicherweise, als Feinde zu kennzeichnen. Das heißt also keineswegs, dass Schmitt die Eigenschaft, Feind zu sein, als existentiell gegeben voraussetzt, sondern dass er die Tatsache, dass Menschen über Freund und Feind entscheiden, als offenbar empirisch gegeben und nicht zu leugnen ansieht. Das wird auch deutlich, wenn Schmitt den Begriff der Souveränität einführt. Souverän ist, wer „den Konfliktsfall entscheidet und die maßgebende Gruppierung nach Freund und Feind bestimmt“ oder, wie Schmitt im der „Politischen Theologie“ schreibt: „Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet. … Die Entscheidung über die Ausnahme ist nämlich im eminenten Sinne Entscheidung.“ Die Entscheidung über den Ausnahmefall fällt im gewissen Sinne mit der Gruppierung der Menschen nach Freund und Feind zusammen: Während mit der Bestimmung des Feindes festgelegt wird, wer im Ausnahmefall zu bekämpfen und gegebenenfalls zu vernichten ist, wird mit der Entscheidung über den Ausnahmezustand festgelegt, wann dieser Moment gekommen ist. Beides ist Dezision, ist politische Entscheidung, und Souveränität bedeutet in diesem Fall gerade, dass diese Entscheidung nicht durch eine allgemeine Norm restlos begründet werden kann. Eine Norm kann festlegen, wer der Souverän ist, wer darüber entscheiden kann, dass eine Ausnahme eingetreten ist und wer dann die Entscheidungsgewalt hat, aber wie in diesem Falle zu entscheiden ist, darüber kann es keine Norm geben.

2 Chantal Mouffe: der Feind wird zum Gegner

In Anknüpfung an Schmitt konstatiert auch Chantal Mouffe, dass das Politische immer auf einer Grenzziehung zwischen einem „Wir“ und einem „Sie“ beruht. Selbst die Demokratie gehorcht notwendigerweise dieser Logik, denn schon in der Konstruktion des Demos findet eine solche Grenzziehung statt. Anknüpfend an Schmitts Demokratiekritik schreibt sie: „Was von Bedeutung ist, ist die Möglichkeit, eine Demarkationslinie zwischen jenen zu ziehen, die zum Demos gehören – und daher gleiche Rechte besitzen – und jenen, die in der politischen Sphäre nicht die gleichen Rechte besitzen können, da sie nicht Teil des Demos sind.“ Die erste Grenzziehung, die Mouffe also notwendig auch in der Demokratie sieht, ist die zwischen den Aktivbürgern, die zum Volk gehören, und den anderen. Darüberhinaus entwickeln sich innerhalb der demokratischen Gesellschaft aus der „demokratischen Logik von Inklusion und Exklusion“ immer neue temporäre Demarkationslinien.

Mouffe stimmt Schmitt soweit zu, dass „die Wir-Sie-Beziehung unter bestimmten Umständen immer antagonistisch werden, d.h., sich in eine Beziehung zwischen Freund und Feind verwandeln kann.“ Während dieser Prozess, nach Mouffe, für Schmitt unabwendbar sei, meint sie, dass die Demokratie Institutionen schaffen kann, um „das Aufkommen von Antagonismen unter Kontrolle zu halten, indem das Wir/Sie auf andere Weise konstituiert wird“.

Voraussetzung dafür ist, dass in der demokratischen Politik die Möglichkeit solche antagonistischen Widersprüche und die damit verbundene Notwendigkeit hegemonialer Herrschaft zunächst anerkannt wird. Auf dieser Grundlage werden die potentiellen Feinde zu Gegnern, und der potentiell antagonistische Widerspruch, der zum Kampf mit dem Ziel der Vernichtung des Feindes führen muss, wird als agonistischer Widerspruch ausgetragen. Den Gegner unterscheidet vom Feind, dass man seine Ansprüche grundsätzlich als legitim akzeptiert. Es gibt sogar einen gewissen Konsens mit ihm, nämlich den, dass man gewillt ist, den Streit auf der Basis der demokratischen Verfahren auszutragen. Das ändert jedoch nichts daran, dass sich in diesem Verfahren einer der Gegner gegen den anderen durchsetzt. „Es gibt immer unterdrückte Möglichkeiten, die aber reaktiviert werden können.“ Die politische Ordnung ist also ein hochgradig dynamisches System, die bestehende hegemoniale Ordnung kann jederzeit infrage gestellt werden, eine neue hegemoniale Ordnung kann geschaffen werden. Nonhoff beschreibt dieses Konzept als „Kraft der Dynamisierung“ mit den Worten „Zugleich werden auch die Grenzen zwischen jenen, die unterschiedliche Grenzen nach außen ziehen wollen, immer wieder neu konstruiert und verschoben.“ Das gleiche gilt für die kollektiven Identitäten, die sich durch die Wir-Sie-Identifikation bilden. Sie sind nicht essentialistisch zu verstehen, sie sind „das Ergebnis von Identifikationsprozessen und niemals vollständig fixierbar“.

Für Mouffe sind Bildung kollektiver Identitäten und Entstehung von potentiell antagonistischen Widersprüchen notwendige Basis des Politischen. Damit wendet sie sich sowohl gegen liberale Vorstellungen, die letztendlich auf die Möglichkeit setzen, politische Probleme rationalistisch zu lösen und letztlich die gefundenen Lösungen als alternativlos darzustellen, als auch gegen Ideen deliberativer Demokratie, die darauf setzen, im herrschaftsfreien Diskurs letztendlich einen Konsens für politische Herausforderungen finden zu können. Gerade im konsensorientierten Modell sieht Mouffe erhebliche Gefahren, da es die notwendige Identifikation des einzelnen mit einem Kollektiv verhindert und diesen so in die Arme extremistischer, z.B. rechtspopulistischer Parteien treibt. Das Erstarken rechtspopulistischer Parteien in Europa sieht Mouffe so als „die negativen Folgen des Fehlens agonistischer Kanäle für das Austragen von Konflikten, sowohl in der nationalen als auch in der internationalen Politik“.

Mouffes Logik folgend ist somit schon die kriterienlose Ausweitung der Aktivbürgerschaft (z.B. durch Absenkung des Wahlalters, Wahlrecht für ausländische Mitbürger) eine Gefahr für die Demokratie, da die Zugehörigkeit zum Demos unscharf wird und die klare „Demarkationslinie“ zwischen denen, die zum Demos gehören und denen, die aufgrund traditioneller Regeln nicht dazu gehören können, undeutlicher wird. Gleichzeitig wird verhindert die Tabuisierung der Diskussion über solche Ausweitungen eben die offene Auseinandersetzung um die Konstruktion dieser Grenze und ihrer Verschiebung. Solche Tabuisierungen greift Mouffe an verschiedenen Stellen an: „Das Schlüsselwort dieser Strategie ist natürlich ‚Modernisierung‘. … [Das] ist zweifellos eine starke rhetorische Gebärde, die es erlaubt, eine politische Grenze zwischen den ‚Modernen‘ und den ‚Traditionalisten‘ … zu ziehen und zugleich den politischen Charakter dieses Schachzuges zu bestreiten.“ Auch jene, die also Grenzziehungen vordergründig ablehnen, tun letztlich nichts anderes, als grenzen zu ziehen, und gerade darin besteht der politische Charakter ihrer Argumentation. An einer späteren Stelle bezeichnet Mouffe es als einen „Taschenspielertrick“, eine „Identität der ‚guten Demokraten‘ zu schaffen“, damit „konnte auf diese Weise eine politische Wir-Sie-Unterscheidung eingeführt werden und zugleich ihr politischer Charakter geleugnet werden“. Hierin sieht sie die fatale Tendenz, dass Politik „im moralischen Register“ ausgetragen wird, was nicht heißt, dass Politik moralischer geworden wäre, sondern dass politische Antagonismen in Begriffen der Moral formuliert werden. Fatal ist diese Tendenz, weil auf diese Weise ein politischer Gegner, dessen Ziele als legitim anerkannt werden würden, zum moralisch Bösen erklärt wird. Daraus kann jedoch keine demokratische Auseinandersetzung um agonistisch kanalisierte Widersprüche geführt werden. Indem die Existenz von politischen Grenzen und kollektiven Identitäten also geleugnet wird, werden politische grenzen als moralische Grenzen neu konstruiert, an denen natürlich eine politische Auseinandersetzung mit demokratischen Mitteln nicht mehr möglich ist.

Für Mouffe ist jedoch eine wesentliche Aufgabe der Politik, Identifikation zu bieten, kollektive Identitäten auf Zeit zu schaffen, in denen Menschen sich in ihren Differenzen zu anderen einordnen können und die ihnen auch die Möglichkeit geben, diese anderen als Gegner zu behandeln und die eigenen Ansprüche auch gegen diesen Gegner durchzusetzen. Prinzipiell sieht auch Mouffe die Möglichkeit, dass dieser Gegner zum Feind werden kann, aber dass das verhindert wird, sollen eben die demokratischen Institutionen und ihre Regeln sicherstellen, die den potentiell antagonistischen Widerspruch in eine agonistische Form bringen.

3 Der demokratische Dezisionismus bei Michael Th. Greven

Während Mouffe vor allem Schmitts Freund-Feind-Unterscheidung aufgreift um die politische Wir-Sie-Identifikation zu bestimmen, knüpft Greven bei der Konzeption seines eigenen Begriffes der politischen Entscheidung zunächst kritisch an Carl Schmitts Dezisionismus an. Schmitts Auffassung von Politik zeichnet mit ihrem, von Greven so genannten, emphatischen Dezisionismus „ein unrealistisches Bild ihres Gegenstandes. Indem sie alle Politik vom ‚Ernstfall‘ des ‚Ausnahmezustandes‘ her zu verstehen sucht, macht sie die – tatsächlich wichtige – Ausnahme zur Regel und überhöht sie emphatisch aber wirklichkeitsfremd zum ‚Wesen‘ der Politik überhaupt.“

Um sein alternatives Konzept des so genannten demokratischen Dezisionismus zu erläutern, schärft Greven zunächst den Begriff der politischen Entscheidung. Er konstatiert, dass Entscheidungsfreude, verbunden mit der Übernahme von Verantwortung, ja durchaus sowohl in der Öffentlichkeit als auch in der politischen Wissenschaft als positive Eigenschaft von Politikern betrachtet wird. Was dort dann aber gemeint ist, ist ein Begriff von Entscheidung, der „Bezug [nimmt] auf eine objektive Wertebene, eine geltende Moral oder anerkannte Vernunft, auf daraus abgeleitete Gründe, die einer ver­antwortbaren Entscheidung zugrundegelegt werden müßten.“

Eine rationalistische Theorie setzt also voraus, dass jegliche verantwortbare Entscheidung als eine begründbare, richtige Entscheidung dargestellt werden kann. Politiker sollen nicht einfach entscheidungsfreudig sein, sie sollen die zuerst als richtig und vernünftig festgestellten Entscheidungen eben dann auch treffen und in die Tat umsetzen. Dezisionismus hingegen bedeutet zu akzeptieren, dass in der Politik Entscheidungen getroffen werden, die weder durch allgemein anerkannte Wertvorstellungen noch durch ebenso anerkannte Rationalitätsprinzipien hinreichend gestützt werden können.

Die rationalistische Politikkonzeption, die die empirische Tatsache, dass in der Politik täglich als dezisionistisch zu beurteilende Entscheidungen getroffen werden, ignoriert, beschreibt Greven folgendermaßen: „Sie klammert das Politische im eigentlichen Sinne aus dem Prozess der Rationalisierung aus, indem sie dessen historisch entwickelte Gestalt gewissermaßen in eine rationalisierte – oder besser der Rationalisierung zugängliche – und in eine irrationale Dimension aufspaltet: auf der einen Seite die spezifisch moderne Form des politischen Verbandes, der bürokratische Anstaltsstaat, für den die Kriterien und Prozesse der Rationalisierung gelten,… auf der anderen Seite der irrationale Machtkampf von Führungseliten und die wertorientierte Dezision charismatischer Führer.“

Diese Aufspaltung aber macht Greven nicht mit, zumal er – hier ganz in der Tradition Schmitts und parallel zu Mouffe – im Machtkampf von Führungseliten (der sicherlich mit einer Freund-Feind-Unterscheidung bzw. einer Wir-Sie-Identifikation zwingend verbunden ist) sowie in der eben nicht nach allgemein geltenden Rationalitäts- oder Normgrundsätzen vollständig begründbaren Entscheidung das „Politische im eigentliche Sinne“ erblickt.

Gerade die zentralen politischen Entscheidungen lassen sich niemals vollständig aus bestehenden Normensystemen ableiten. Zunächst muss ja über die Geltung fundamentaler Normen selbst eine poltische Entscheidung getroffen werden, für die es jedoch, wie Greven unter Bezugnahme auf Kelsen darlegt, „angesichts des Säurebades der Modernisierung und Säkularisierung keine rationalitätsstiftenden, allgemeine Geltung fraglos begründenden normativen Bezugssysteme mehr“ gibt. Gerade auf Grund der Pluralität der Gesellschaft kann keine Geltung vorausgesetzt werden, der politische Prozess selbst muss die Geltung von Normen hervorbringen.

Darüber hinaus sind im Politischen immer Entscheidungen, die nicht aus allgemeinen Normensystemen ableitbar oder rationalistisch vollständig begründbar sind, weil gerade in der modernen pluralistischen Gesellschaft die verschiedenen Interessen der Menschen weder ignorierbar noch vollständig im Konsens oder im Kompromiss ausgleichbar sind. Greven betrachtet die „Dominanz von Interessen als grundlegendes Material des Politischen“ Da diese Interessen gegensätzlich und nicht miteinander vereinbar sein können, müssen Entscheidungen getroffen werden, bei denen die einen (zeitweise) unterdrückt und die anderen (ebenso vorübergehend) gestützt werden.

Die zentrale Bedeutung der Entscheidung im Politischen sieht Greven nicht nur als unhintergehbar an, er konstatiert darüber hinaus, dass alles politisierbar gemacht wird, indem es als politisch entscheidbar dargestellt wird: „Politisierbar wird etwas dadurch, dass es auf gesellschaftlicher Ebene – oder zwischenstaatlich – als entscheidbar oder entscheidungsbedürftig erkannt und mit einigem Erfolg propagiert wird.“ Dass letztlich jedes Problem, das öffentlich wahrgenommen wird, in diesem Sinne als politisierbar angenommen wird, ist für Greven gerade das Kennzeichen der „politischen Gesellschaft“.

Wenn Entscheidung jedoch – wie oben skizziert – nur dann als akzeptabel angesehen wird, wenn sie auf allgemeine Normensysteme oder rationale Gründe gestützt werden kann, dann würde, so Greven, das Politische paradoxerweise aus der politischen Gesellschaft verschwinden. Diese Argumentation läuft parallel zu den schon von Schmitt beschriebenen Neutralisierungen und Entpolitisierungen. Das Politische im Sinne der „eminenten Entscheidung“ würde verschwinden, wenn es gelänge, jede politische Frage auf Basis rationaler Erwägungen richtig und akzeptabel zu entscheiden. Alle Tendenzen dazu, diese Sichtweise zu untermauern, betrachtet Greven jedoch als „Strategien der Kontingenzverleugnung“ – sie sollen letztlich verdecken, dass politische Entscheidung niemals alternativlos und „Sachzwängen unterworfen“ sind, „als seien die unter Expertenbeteiligung gefundenen politischen Problemlösungen tatsächlich ‚von der Sache her‘ mehr oder weniger erzwungene kognitiv basierte und rational alternativlose Entscheidungen.“

In der politischen Gesellschaft verschwinden also weder die eminenten politischen Entscheidungen noch die Kontingenz, sie können aufgrund der Pluralität der Normen und der Interessen gar nicht verschwinden, allerdings werden sie geleugnet. „Diese Kontingenzverleugnung … unterminiert gerade in Demokratien deren zentrale Legitimation. Erst die prinzipielle Anerkennung der legitimen unreduzierbaren Meinungs- und Interessenvielfalt rechtfertigt ja umgekehrt die gleichheitsbasierte Repräsentation und nachfolgende Mehrheitsentscheidung in den Repräsentationsgremien.“

4 Zusammenführung und offene Fragen

Mouffe und Greven entwickeln in einer gewissen Parallelität ein Konzept des Politischen, das, ausgehend von Carl Schmitt, die Unvermeidlichkeit der Auseinandersetzung von Gegnern anerkennt, die sich wenigstens auf Zeit als kollektive Identitäten konstituieren. Diese Auseinandersetzung wird nicht durch einen Kompromiss und schon gar nicht durch einen Konsens beendet, sondern durch eine Entscheidung, in der ein Gegner dem anderen unterliegt. Diese Entscheidung ist kontingent, sie lässt sich nicht zwingend begründen, weder rational noch unter Rückgriff auf allgemeine Normen. Sie nimmt somit nicht in Anspruch, die „richtige“ Entscheidung zu sein. Sie ist in so fern immer vorläufig, „weil sie als Entscheidung bewusst geworden ist und damit für die Zukunft wiederum anfechtbar bleibt.“

In der Verdrängung oder Verleugnung dieser zentralen Bestimmungen des politischen durch die Politik sehen sowohl Mouffe als auch Greven bedeutende Gefahren für die Demokratie. Indem sie ihre Identifikationskraft für die interessens- und meinungsgeleiteten Individuen verliert, wenden sich diese von den demokratischen Institutionen ab und suchen sich andere, potentiell auch demokratiefeindliche Möglichkeiten der Identifikation. Da die Bürger ihre Interessen durch die demokratischen Repräsentanten nicht wirksam vertreten sehen und statt klarer (machtvoller) Entscheidungen nur mehr oder weniger faule Kompromisse wahrnehmen, leidet die Legitimität dieser Institutionen. Hinzu kommt, dass bei der Verleugnung politischer Grenzen und Widersprüche moralische Grenzen konstruiert werden, die aus dem politischen Gegner den moralisch Bösen machen.

Die empirische Plausibilität dieser Diagnose ist zweifellos anzuerkennen. Deshalb scheint es sinnvoll zu sein, auf der Basis dieser Analysen nach neuen Wegen zukünftiger Politik zu suchen. Sie besteht zuerst in der offenen Anerkennung der Tatsache, dass die Auseinandersetzung zwischen politischen Gegnern selbstverständlich zum politischen geschehen dazu gehört. Diese Auseinandersetzung ist mit der Bildung von Wir-Sie-Identifikationen (auf Zeit) verbunden, und sie endet, wenigsten vorläufig, mit Entscheidungen, die nicht „richtig“ sein müssen, sondern den politischen Erfolg einer Gruppe über die andere zum Ausdruck bringen. Da die Richtigkeit der Entscheidung von der unterlegenen Partei nicht akzeptiert werden muss ist es auch legitim, dass sie, zu einem späteren Zeitpunkt, die Entscheidung erneut in Frage stellt und, wenn sie erstarkt sein sollte, auch rückgängig machen kann. Das alles sind nicht Mängel des politischen Systems, das darunter leidet, dass nun einmal irrationale oder uneinsichtige Menschen in ihm unterwegs sind, sondern notwendige Folge der Tatsache, dass keine politische Entscheidung wirklich endgültig rational begründbar ist.

Fraglich ist jedoch, wie unter den Bedingungen der modernen Parteiendemokratie eine solche Bewusstmachung des verleugneten und bestrittenen aber nicht desto trotz vorhandenen und wirksamen Politischen erfolgen soll. Bürger und Öffentlichkeit hängen gegenwärtig weitgehend dem rationalistischen Politikmodell an, wenn sie von Politikern erwarten, auf Experten zu hören (auch wenn der Rat der Experten widersprüchlich ist), und die richtigen Entscheidungen zu finden, zu treffen und umzusetzen. Politischer Streit wird nicht als Auseinandersetzung legitimer Gegner mit unterschiedlichen Meinungen und Interessen verstanden, sondern als schlechtes Schauspiel der politischen Klasse oder als Machtkampf, wobei dieser Kampf um die Macht eben nicht als das legitime Austragen von Widersprüchen zwischen Gegnern gesehen wird, vielmehr gehört es gerade zur Verleugnung der eigentlich politischen Dimension der Auseinandersetzung, Machtstreben und Machterhalt moralisch zu verurteilen.

Hinzu kommt, und das ist vielleicht die größte Herausforderung an eine Erneuerung der demokratischen Gesellschaft mit dem Ziel, den Demos wieder mit demokratisch legitimierten politischen Institutionen zu versöhnen, dass das etablierte System der Parteien gerade nicht in der Lage ist, nur temporäre und auf konkrete Fragestellungen fokussierte Wir-Sie-Identifikationen zu ermöglichen. In einer Gesellschaft pluralisierter Meinungen und Interessen ist eine Identifikation mit nur einem „Wir“ – wie es eine politische Programm-Partei herkömmlicher Art bietet, gar nicht möglich. Die Parteien müssten, um dieser Situation gerecht zu werden, weniger ein solitäres Programm für ein dauerhaftes „Wir“ anbieten als vielmehr einen Vorschlag, wie die temporären und themenbezogenen Identitäten zu organisieren sind.

{ 135 comments }

Wirtschaftsphilosoph Januar 31, 2013 um 12:01

Spricht das nicht stark für Volksentscheide? Dabei können sich die Bürger je fallweise positionieren und es gibt am (vorläufigen, später revidierbaren) Ende eine klare demokratische Entscheidung, was beides bei unseren Parteien, Koalitionen und der ständigen Zusammenarbeit mit der Oppositionen nicht der Fall ist.

der Herr Karl Januar 31, 2013 um 12:07
h.huett Januar 31, 2013 um 12:22

Es gibt ein Interpretationshandicap in dieser Darstellung Schmitts: Friedrich übersieht die historische Bedeutung Schmitts für eine Staatsrechtlehre des Putschs. Wer danach von “kollektiven Identitäten” redet, ohne sie als das Resultat eines Terrors von oben zu kennzeichnen, könnte sich verirrt haben bzw. führt in die Irre.

Greven steht in seiner reflexiven Einhegung des demokratischen Entscheidens nicht so umstandslos der Tradition des “Dezisionismus” nahe, wie Friedrich sie hier darlegt.

Keynesianer Januar 31, 2013 um 15:24

Die Bio von Carl Schmitt ist übrigens ziemlich einschlägig:

Im Februar 1915 war Schmitt als Kriegsfreiwilliger in das Bayerische Infanterie-Leibregiment in München eingetreten, kam jedoch nicht zum Fronteinsatz, da er bereits Ende März 1915 zur Dienstleistung beim Stellvertretenden Generalkommando des I. bayerischen Armee-Korps kommandiert wurde. [10]

Im selben Jahr ehelichte Schmitt Pawla Dorotic, eine vermeintliche Gräfin aus Serbien, die sich später als Hochstaplerin herausstellte.
http://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Schmitt

Soso, eine serbische “Hochstaplerin”, die ihm gerade 1915 über den Weg lief. Aber sehen wir mal weiter, wenn er noch so alles kannte:

Mit einem der Gründerväter des Dadaismus, Hugo Ball, war er befreundet, ebenso mit dem Dichter und Herausgeber Franz Blei, einem Förderer Robert Musils und Franz Kafkas. Der ästhetisierende Jurist und die politisierenden Belletristen tauschten sich regelmäßig aus, und es sind wechselseitige Beeinflussungen feststellbar. Mit Lyrikern pflegte Schmitt zu dieser Zeit besonders enge Kontakte, etwa mit dem mittlerweile vergessenen Dichter des politischen Katholizismus, Konrad Weiß. Gemeinsam mit Hugo Ball besuchte Schmitt den Literaten Hermann Hesse – ein Kontakt, der sich jedoch nicht aufrechterhalten ließ. Später freundete sich Schmitt mit Ernst Jünger an sowie mit dem Maler und Schriftsteller Richard Seewald.

Erstaunlich, der hatte ja wirklich viele Kontakte. ;)

Ansonsten muss ich dem h.huett mal zustimmen, besonders zum “Terror von oben” als Bedingung kollektiver Identitäten.

Doktor D Januar 31, 2013 um 16:07

Wären nach dieser Analyse dann nicht politische Parteien erst mal dazu aufgefordert, überhaupt wieder ein identifizierbares politisches Wir / Sie zu organisieren? Was heißen würde, sich darauf fest zu legen, was die große Frage der nächsten Jahre sein wird und was jeweils unsere Antwort darauf ist. Das schlecht gemachte Polit-Dschungel Camp, das uns gerne als Journalismus verkauft wird, ist aber ganz sicher nicht der Weg, um damit vorwärts zu kommen. Basisarbeit im klassischen Verstande des Wortes scheint mir eher sinnvoll zu sein und das Einbauen oder Weiterentwickeln klassischer Beteiligungsformen wie es schon der Wirtschaftsphilosoph vorschlug.

Schatten des Medians Januar 31, 2013 um 16:17

Mein Gott, es wird ja immer gewagter!

Von einer betrunkenen Notwehr-Anmache zu Carl Schmitt…

Abgesehen davon gibt es – und da ist die BRD totalitär – keine innerparlamentarische Feindbestimmung in diesem Lande. Die “anderen”, das ist die vom Verfassungschutz am Leben erhaltene NPD – Sie kann auch nicht für den Feind stehen.

Es gibt nicht einmal, wie in den USA, etwas wie FOX-News vs. MSNBC…

Ja, wo ist er dann, der Feind? Er ist in uns! Jeder noch so metrosexuelle Hipster in zu engen Hosen spürt den Rechten in sich, den es zu bekämpfen gilt.

Dass da längst keine Substanz mehr ist – weder zum Bösen, noch zum Guten – spielt für niemanden eine Rolle. Die Bekämpfung des potentiell Bösen in einem rechtfertigt den Verbleib in der prekären Mittelschicht, die Durchschnittlichkeit – ja, heroisiert ihn.

Zuckererbsen für jedermann? Gibt es bei ALDI!

Keynesianer Januar 31, 2013 um 16:29

Politikverdrossenheit ist selbstverständlich das Ergebnis von über drei Jahrzehnten neoliberaler Politik, die gegen den Willen der Bevölkerung die Reichen immer reicher und mächtiger und die Massen wieder ärmer und hilfloser macht.

Wir brauchen das ja nicht zu wiedergolen, wie die neoliberale Schockstrategie mit absichtlich verursachten Wirtschaftskrisen den Widerstand der Menschen gegen Verarmung und Entrechtung zu brechen versucht hat und damit auch erhebliche Erfolge hatte. Wir sehen das heute eben wieder in Griechenland oder Spanien; besonders in Griechenland, wo die künstlich verschärfte Krise durch Austeritätspolitik gegen den Willen der Bevölkerung die Ziele des Neoliberalismus vorantreibt: Privatisierung und rechtlose Arbeit ohne soziale Sicherheit zu Hungerlöhnen für das Shareholdervalue der “Investoren”.

Über das Erstarken radikaler, “antidemokratischer” Kräfte kann sich da nur wundern, wer zu den Profiteuren zählt und ernsthaft noch einen “Erfolg des demokratischen Modells für den Demos” phantasiert. Die radikalen Kräfte sind natürlich nicht gegen Demokratie, sondern gegen unsere käufliche Demokratur, in der alle Politiker und Parteien vom Volk gewählt und von der globalen Hochfinanz gekauft sind.

Diese Verhältnisse werden beseitigt werden müssen und wir werden sie beseitigen.

Bruchmüller Januar 31, 2013 um 17:07

Der überwölbende Zweifrontenkämpfer müsste nach dem Beitrag von @Keynesianer nun eiligst herüberwechseln. Na komm schon…

Keynesianer Januar 31, 2013 um 17:08

Bürger und Öffentlichkeit hängen gegenwärtig weitgehend dem rationalistischen Politikmodell an, wenn sie von Politikern erwarten, auf Experten zu hören (auch wenn der Rat der Experten widersprüchlich ist), und die richtigen Entscheidungen zu finden, zu treffen und umzusetzen.

Bürger werden nicht gefragt und Öffentlichkeit wird durch die Medien inszeniert. Die Experten sind gekauft und sollen den Entscheidungen der ebenso gekauften Politiker höhere Weihen (die Wirtschaftsweisen!) verleihen. Die Realität war dann Maschmeyers Rürup als Chef der von allen guten Geistern verlassenen Wirtschaftswaisen.

Selbstverständlich sind unsere Politiker nur bemüht, die für einschlägige Finanz- und Machtinteressen “richtigen” Entscheidungen umzusetzen und sich dabei hinter dem Rat von “Experten” zu verschanzen vor der Wut der betroffenen Massen.

Von den Massen wird leider kein effizienter Widerstand kommen, braucht es aber auch nicht. An der Spitze der globalen Machtpyramide steht ein ganz kleines Häufchen.

h.huett Januar 31, 2013 um 18:10

Doktor D

Ich halte eine robuste Idee der Souveränität für zielführender: Souverän ist, wer über die Abwahl entscheidet. Es wirkt schon verwunderlich, dass in dem Nachdenken über das Treffen von Entscheidungen, das im Begriff des Dezisionismus den Eindruck erweckt, absolut gesetzt zu werden, diese demokratische Limitation des Regierungshandelns gar nicht vorkommt.

Jörg Friedrich Januar 31, 2013 um 18:14

H.Hütt, dass kollektive Identitäten immer ein Resultat eines “Terrors von oben” sein müssen, halte ich für eine gewagte Argumentation. Ist das irgendwie eine bekannte (mir allerdings bisher verborgen gebliebene) These?
Dass ich die kritische Distanz Grevens zu Schmitts von ihm so genannten emphatischen Dezisionismus nicht deutlich gemacht hätte, sehe ich nicht, auch wenn ich Grevens Interpretation nicht unbedingt teile.

h.huett Januar 31, 2013 um 18:38

Ich bezog den Terror von Oben auf Carl Schmitt, für den die Souveränität die Abwahl des Machthabers ausschloss.

someone Januar 31, 2013 um 19:12

Das mag jetzt zwar ein wenig seltsam klingen, aber ich finde der Text bleibt ein wenig zu sehr an der Oberfläche. Hr. Friedrich benennt Politikverdrossenheit bzw. Abkehr von Demokratie als Problem und argumentiert recht ausführlich, dass Herrschaft und Macht auseinandergefalllen sind. Dies macht er an dem populären Trugbild fest, dass es “die eine rationale Entscheidung” gäbe, welches Interessenunterschiede ausblendet.
So weit so gut, diesem Befund kann ich zustimmen.
Allerdings mündet dieses Essay dann in der Forderung die Interessensunterschiede (oder die konstruierten “Wir”) besser zu organisieren.
Organisieren im Hinblick auf was? Auf welches Ziel?

Organisation ist immer nur Mittel, nicht Zweck!
Und somit ist man in einem Zirklelschlusss gefangen: Man beklagt die Abwesenheit des Politischen bzw. der Macht im öffentlichen Dirkurs, kann sich aber nur soweit zu einer Forderung durchringen, Interessensunterschiede besser zu verwalten.
Die Form geht über alles. Anstatt Positionen zu beziehen und reale Machtverteilung zu benennen, soll nur an Herrschaftsinstrumenten herumgedoktert werden.

BB Januar 31, 2013 um 19:53

Auf der einen Seite Politikverdrossenheit, auf der andern Seite das Aufkommen populistischer Bewegung?

Gibt es nur diese beiden Alternativen? Was ist jetzt genau S21? Ist das Politikverdrossenheit oder Populismus?

(Zu Carl Schmitt hab ich doch irgendwo noch was gelesen? Ach ja (via Nachdenkseiten: http://www.annotazioni.de/post/1110 )

BB Januar 31, 2013 um 20:38

Im Grunde geht es bei dieser Art intellektueller Übung doch immer darum, einen Dreh zu finden, die Demokratie “marktkonform” zu gestalten und das aktuelle Gemurksel irgendwie zu rechtfertigen.

Was habe ich aus dem Beitrag gelernt? Carl Schmitt ist ein gefährlicher lupenreiner Postmoderner! Die Gesellschaft konstruiert sich auch bei ihm auf der Basis von “Unterscheidungen” (Freund/Feind). Es gibt keine Wahrheiten, sondern nur Interessengegensätze und die sind zu managen. Demokratie ist dabei im Grunde lästig, was natürlich nicht so deutlich gesagt wird, denn das ist im Moment noch hierzulande politisch unkorrekt. Aber denken tun es alle Chefredakteure der Mainstreammedien.

Murksel ist ihre heimliche Heldin, denn sie ist die Super-Politikerin der Postmoderne. Sie hat Hayek total verinnerlicht und sind wir doch mal ehrlich! Die komplette EU-Kommision steht ganz geil auf Hayek!

Es ist ja alles so kompliziert und es kann doch nicht sein, dass der “Demos” tatsächlich mitreden will. Im Grunde weiß ja keiner einen Ausweg, nicht mal Murksel und ihre Kollegen. Schaun wir deshalb doch mal, ob Murksel tatsächlich Mitte des Jahres den Hosenanzug runterlassen muss.

BB Januar 31, 2013 um 20:40
someone Februar 1, 2013 um 00:30

Dieser Text war nebenbei eine Zumutung. Ich musste ihn zweimal lesen, um ihn zu verstehen und übergang meine Vorbehalte gegenüber Carl Schmitt. Viele wörter und eine verschachtelte Satzbauweise sind nicht per se Ausdruck für Qualität. Auch wenn das recht harsch sein mag @Hr.Friedrich. Ihre Sprache ist wirklich sehr schwer verständlich.

keiner Februar 1, 2013 um 09:19

“Frau Wemhöner ist gebürtige Schwedin. Dort könne man einfach alt werden, so schilderte sie den Unterschied zu Deutschland. Tatsächlich ist in Schweden die deutsche Manie der Einzelfallgerechtigkeit weitgehend unbekannt – und daher verstehen die Schweden Solidarität anders als wir Deutschen.”

FL, ich kann die dämliche Schwedenpropaganda nicht mehr hören. Fahr doch mal hin und schau’s dir mal an. Zwischen den Jahren sassen wieder Menschen in der Notaufnahme des Krankenhauses 12 Stunden, die eigentlich sofort in eine Intensivstation gemusst hätten. Ist das deine Form von Solidarität? Oder doch eher kollektives wegschauen und hoffen, dass einen selbst nie trifft?

Renten auf Armutsniveau, Pflegeskandale in Pflegeheimen, gegen die die Anghörigen NICHTS tun können, da ab Volljährigkeit alle Rechte und Pflichten von Kindern und Eltern gegenseitig enden. Alles bekannt. Aber @FL macht in Schweden-Ikea-Bullerbü ist toll. So was dämlich unreflektiertes, ich kann es nicht mehr lesen.

niemand Februar 1, 2013 um 09:22

der luebberding ist auch unser kina und rusland experte
der weis alles

Doktor D Februar 1, 2013 um 09:56

“Souverän ist, wer über die Abwahl enscheidet.” Das leih’ ich mir aus!
Ein bisschen anekdotische Evidenz hier aus dem bürgerbewegtem Südwesten:
Hier in Stuttgart und zum Teil auch darüberhinaus haben wir ja ausgehend von S21 eine recht ordentliche Wir-/Sie-Identifikationen hinbekommen, was dann auch prompt zur Abwahl der Landesregierung und zum Verlust des OB-Amtes für die bis dato regierende Partei in Stuttgart führte. Als Bürger, der mit deutlichen Positionen in die politische Auseinandersetzung geht, darf man sich dann aber ganz arg gerne von Politikern und Journalisten, – die sich nur unter Schmerzen auf die neue Politikbegeisterung einstellen können, so scheint es –, sagen lassen: Die Spaltung der Stadt / des Landes müsse nun endlich überwunden werden, heißt: Jetzt hört endlich auf, euch einzumischen und lasst uns hier mal machen.
Während ich den Eindruck habe, dass die Bürger, die sich engagieren (und sei es durch den Gang zur Wahlurne), ganz gut damit umgehen können, dass es unterschiedliche Positionen gibt und vieles halt einfach strittig bleibt und durch Abstimmung entschieden wird, die neue Politikbegeisterung und der Spaß an der Auseinandersetzung bei den bisherigen Politik-Dienstleistern auf ein gewisses Befemden stößt.

Plautze Februar 1, 2013 um 10:37

Lasst die Kinder doch spielen.
Man hat ihnen eingehämmert, daß Nichtwissen schon die halbe Miete zum Erfolg ist. Und daß Nichtwissenwollen die andere Hälfte sei.

der Herr Karl Februar 1, 2013 um 11:13

OT:
Von Kommentatoren und ihren Moderatoren oder Blogs und das Hausfrauenrecht.
http://flatterwatch.blogspot.ch/2013/02/von-kommentatoren-und-ihren-moderatoren.html

Jörg Friedrich Februar 1, 2013 um 13:15

H. Hütt, ich finde Ihre Idee der Souveränität überhaupt nicht “robust”.

Gesetzt, eine demokratisch gewählte Regierung mit ausreichender parlamentarischer Mehrheit käme auf die Idee, die nächste Wahl auszusetzen, oder das Wahlgesetz so zu ändern, dass es faktisch nicht zu einer Abwahl kommen kann. Gesetzt weiter, das Parlament würde sich über alle verfassungsmäßigen Vorgaben und die Ewigkeitsklausel hinwegsetzen, die eigentlich solches verhindern sollen. Gesetzt weiterhin, das Volk würde daraufhin keine Revolution anzetteln. Frage: Wer ist souverän?

Andere Frage: Wer entscheidet denn Ihrer Meinung nach über “die Abwahl”? Das klingt ja ganz toll, so schön demokratisch, vermutlich haben Sie tatsächlich “den Demos” im Sinne. Aber im normalen parlamentarischen Alltag gibt es eine Reihe von Schritten, begonnen bei der Frage, wer überhaupt kandidiert, die durch Parteien und darin von Gremien, kleinen Zirkeln, entschieden wird, über die Wahl, in der Sie eine Stimme abzugeben haben, bis hin zu Koalitionsgesprächen und Personalkarusselen. Wer ist in diesem realen Prozess dieser Souverän, dessen Tat man als “Entscheidung über die Abwahl” bezeichnen dürfte?

h.huett Februar 1, 2013 um 13:24

Herr Friedrich,

Sie wissen, dass Ihre Philosophie ebenso wie Ihre Ausflüge in die Politik nicht widerspruchsfrei daherkommen. Seien Sie aufmerksamer für diese Widersprüche, ehe sie danach bei mir suchen. Die Demokratie der letzten 15 Jahre hat mehrere Gelegenheiten gezeigt, in denen Regierungen abgewählt worden sind – und dem Wähler einen kurzen Augenblick der Genugtuung verschafft.

Die Machinationen Ihres konstruierten Beispiels können diesen Sachverhalt nicht beiseite räumen, illustrieren nur eine Seite Ihrer Beschäftigung mit “Dezisionismus”, für die der Ernstfall der Demokratie nur als Störung existiert. Sie sind in der Hinsicht ein Klippschüler Carl Schmitts. Der Ernstfall bleibt Ihnen erspart. Das hat Folgen für die gedankliche Konsequenz. Denken Sie besser darüber nach.

h.huett Februar 1, 2013 um 13:58

Nachbemerkung

Herr Friedrich,´meine Idee: Souverän ist, wer über die Abwahl entscheidet, nähert sich dem Thema von einer demokratietheoretischen normativen Basis: als der Ernstfall demokratischen Regierens mit dem Risiko konfrontiert zu sein, abgewählt werden zu können.

Ihr Einwand darauf konstruiert die kontingenten Räume politischen Entscheidens mit Hilfe der Figur eines Putsches. Dass ich mich bei meiner Position besser aufgehoben fühle, habe ich nicht nur aphoristisch zum Ausdruck gebracht. Wie Sie sich in der Figur des Putsches einrichten wollen, das sollten Sie schon begründen, um erkennbarer zu machen, welches Ziel Sie verfolgen.

carlos Manoso Februar 1, 2013 um 15:38

@ f.luebberding on 31. Januar 2013
„In anderer Hinsicht ist selbstredend das Regierungshandwerk von Angela Merkel davon geprägt, diesen “demokratischen Dezisionismus” weitgehend zu verstecken.
“Das Politische im Sinne der „eminenten Entscheidung“ würde verschwinden, wenn es gelänge, jede politische Frage auf Basis rationaler Erwägungen richtig und akzeptabel zu entscheiden. Alle Tendenzen dazu, diese Sichtweise zu untermauern, betrachtet Greven jedoch als „Strategien der Kontingenzverleugnung“ – sie sollen letztlich verdecken, dass politische Entscheidung niemals alternativlos und „Sachzwängen unterworfen“ sind, „als seien die unter Expertenbeteiligung gefundenen politischen Problemlösungen tatsächlich ‚von der Sache her‘ mehr oder weniger erzwungene kognitiv basierte und rational alternativlose Entscheidungen.“

Luebberding, die intellektuellen Charaktermasken der „Moderne“ (= Kapitalismus) wollen nicht wahrhaben, dass der „Nomos“ ihrer Welt dabei ist, sich irreversivel aufzulösen. Krampfhaft bemühen sich auch hinsichtlich der überall aufbrechenden Zeichen des Zerfalls der „Souveränität“ (die sich von der Peripherie zum Zentrum voranfressen), die immer sichtbarer werdenden Tatsachen zu verbiegen und sie sich so lange zurechtzuschminken, bis sie wieder mit dem Weiterlaufen des modernen warenproduzierenden Systems und seiner demokratischen Versachlichung von Herrschaft vereinbar sind. Die Varianten dieses ideologischen Selbstbetrugs sind aber begrenzt. Viel Phantasie kann nicht mehr bemüht werden, wenn es keinen realen Entwicklungshorizont der „Moderne“ (= Kapitalismus) gibt ! Das werden Angela Merkel und alle politischen Kasten aller Couleur auch noch merken ! Wir sehen schlicht und ergreifend nichts anderes als den objektiven Verschleiß der ihres systemischen Sinnes beraubten Institutionen der „Moderne“ (= Kapitalismus).

Carl Schmitt kommt gottseidank am allerklarsten direkt und ohne alle Umschweife auf den schwarzen Kern ! So können wir schon erahnen, wohin die Reise am Ende der „Moderne“ (= Kapitalismus) geht: wieder zurück in die anomischen Zustände der frühmodernen Transformationsgeschichte ! Der Film lauft rückwärts ab !

PS:
Die totalitäre Dämonisierung eines so höchstgradig luziden Denkers wie Carl Schmitt während der „Demokratisierung“, der Transformationsphase nach WW2 war deshalb nur folgerichtig. Denn Carl Schmitt zeigte uns ohne alle Umschweife, dass der Kern aller Verfassungen und aller Rechtsstaaten aufs GEWALT zurückgeht, die Carl Schmitt leider als „objektiven“ Naturzustand jeder menschlichen Gemeinschaft anbetet (was uns nur beweist, dass Carl Schmitt den (Ur)-Liberalismus schon mit seiner Muttermilch aufgenommen hat und in Wahrheit ein (Ur)-Liberaler ist).

Beispielsweise führt uns Carl Schmidt allzu klar die Erkenntnis, dass die „Machtüberlassung“ an Adolf Hitler im Kern nur die Fortsetzung des „Systems von Weimar“ mit anderen Mitteln war (was natürlich den intellektuellen Charaktermasken der „Moderne“ (= Kapitalismus) ihre Haare zu Berge aufstehen ließ und zwecks „Exklusion“ eines Dämonen geballt auf den Plan rufen mußte). Der Sozialdemokrat Ernst Fraenkel veröffentlichte schon „1937 unter einem Pseudonym den Aufsatz „Das Dritte Reich als Doppelstaat“, der bereits die Begriffe Normenstaat und Maßnahmenstaat nutzt. (..) Der Normenstaat sei gekennzeichnet durch die Existenz tradierter und neuer Rechtsvorschriften, die grundsätzlich auf Berechenbarkeit angelegt und in dieser Funktion der Aufrechterhaltung der privatkapitalistischen Wirtschaftsordnung dienlich seien. In dieser Sphäre hätten Gesetze, Gerichtsentscheidungen und Verwaltungsakte nach wie vor Gültigkeit; das Privateigentum sei geschützt – allerdings nicht das der Juden – und das Vertragsrecht weiterhin wesentlich. Im Unterschied dazu orientiere sich der Maßnahmenstaat nicht an Rechten, sondern ausschließlich an Überlegungen der situativ-politischen Zweckmäßigkeit. Entscheidungen würden „nach Lage der Sache“ getroffen. In diesem Sektor „fehlen die Normen und herrschen die Maßnahmen“.
Fraenkel betonte, dass der Maßnahmenstaat sich im Zweifel gegen den Normenstaat durchsetzen könne – die Judenverfolgung im NS-Staat sei dafür ein zentrales Beispiel.“
Was als politisch gelte und damit dem Maßnahmenstaat zugehöre, entschieden nicht Gerichte, sondern politische Instanzen (…) Fraenkel begriff in seiner Studie die Reichstagsbrandverordnung vom 28. Februar 1933 als Verfassungsurkunde des „Dritten Reiches“. Mit dieser Betonung der Ausnahmegesetzgebung glich er seinem Widersacher Carl Schmitt (…) der die Entscheidung über den Ausnahmezustand zum zentralen Merkmal politischer Souveränität stilisiert hatte“
http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Doppelstaat

wowy Februar 1, 2013 um 19:18

Souverän ist nicht der, der die Abwahl bestimmt. Souverän ist der, der bekommt, was er gewählt hat (die Mehrheit gewählt hat).
Da liegt in meinen Augen das eigentliche Problem. Durch Wahlversprechen werden die Bürger dazu ermuntert (oder besser verführt) ihre Vertreter/Parteien zu wählen, die relativ kurz nach der Wahl, und inzwischen zunehmend unverblümt, Versprechen, Programme, Verträge und Gesetze brechen.
Ergebnis: Die Zahl der Nichtwähler steigt stündlich.

h.huett Februar 1, 2013 um 19:25

wowy

Schönheit und Wahlergebnisse liegen gleichermaßen im Auge des Betrachters. Faktisch wird eine Regierung abgewählt, das ist das einzige gesicherte Faktum nach einer Wahl. Die dann – wie auch immer – zustandekommende neue Regierung reklamiert, einen Vertrauensvorschuss erhalten zu haben (was angesichts der Vielzahl von Koalitionsfarben eher einem Hütchenspiel gleicht). Der Vertrauensvorschuss einer neuen Regierung kann schnell verbraucht sein. Das ist übrigens der entscheidende Grund für das Rumgeeiere um die Wahltermine in Hessen und in Bayern. Die CDU/CSU-Freunde glauben klammheimlich, dass schwarzgelb im Bund abgewählt wird und wollen nach abgeräumtem Vorschusskredit im Bund den Erfolg von Koch von 1999 wiederholen.

wowy Februar 1, 2013 um 19:40

@huett
Das ist mir zu einfach. Auch in der Darstellung und Besprechung des Freund/Feind – wir/Sie Bildes. Die mangelnde Akzeptanz einer Lösung die “meiner” entgegensteht liegt nicht nur in der Ausdifferenzierung und Individualisierung der Gesellschaft, die Verbindendes sucht, sondern m. E. viel mehr in der erschreckenden Erkenntnis, dass es für die Akzeptanz der “anderen” Meinung deshalb keinen Grund mehr gibt, weil die objektive Ordnung, die das verbindende Element war, zunehmend zerfällt.

h.huett Februar 1, 2013 um 19:48

wowy

das Ihr/Sie-Bild finde ich genauso problematisch. In den Wahlkampfzentralen der deutschen Parteien ist es trotzdem immer noch dominant. Es gibt ein paar Vorzeichen, dass sich das allmählich ändert, aber dazu reicht es nicht aus, Elemente aus erfolgreichen amerikanischen Wahlkämpfen zu übernehmen, sie können nur modifiziert fruchtbar werden. Aber noch mal zurück zu dem Abwahlfaktum. Ich bin nicht gerade ein Fan von Springers Welt, aber in dem einen Punkt stimme ich Thomas Schmid seit langem zu (kenne ihn noch aus der Zeit, wo er Wagenbachlektor war): Die Idee der Demokratie beglaubigt sich in der Möglichkeit, eine Regierung abzuwählen. Der Rest ist ex post Kaffeesatzleserei.

wowy Februar 1, 2013 um 19:52

@huett
Das ist mir zu defätistisch. Demokratie ist die Herrschaft des Volkes, nicht das Neinsagen des Volkes.

h.huett Februar 1, 2013 um 19:57

Is ja gut, der Überschuss sei Dir gegönnt. Aber das factum brutum ist das Ende einer Regierung. Was glaubst Du wohl, warum die Wahlforscher die Wechselbereitschaft der Wähler untersuchen? Die Antworten auf diese Frage legen die Nerven in den Regierungszentralen blank.

wowy Februar 1, 2013 um 20:01

@huett
Du musst mir nichts gönnen. Ich finde den Ansatz falsch.
#agree to disagree

h.huett Februar 1, 2013 um 20:06

Dann erklär mir doch mal den Regierungswechsel von 1998 und die anschließende Landtagswahl in Hessen.

wowy Februar 1, 2013 um 20:17

@huett
Ein Regierungswechsel erfolgt in deinen Augen durch Abwahl einer Regierung, in meinen durch Wahl einer anderen Regierung.
Dass beides unmittelbar zusammenhängt, darüber müssen wir wohl nicht streiten. Aber eine Wahl dient nicht dazu jemanden wegzubekommen, sondern eine neue Regierung zu bilden.
Der Rest ist akademisch.

Morph Februar 1, 2013 um 21:24

Ich hab drei Mal versucht, den Text zu lesen. Nicht dass der Text nicht verständlich wäre. Aber der Satzbau ist dermaßen gegen die Informationsbedürfnisse eines Lesenden konstruiert, der Hammer! Das liest sich, als würde einem Stacheldraht durchs Hirn gezogen. @someone 1.2., 0:30 Uhr, hat völlig Recht.

Ich sage das als einer, der schwierige Texte liebt und selber Schwierigkeiten hat, seine Gedanken geordnet an den Mann und die Frau zu bringen!

Vielleicht als Tipp: Joseph M. Williams, Style. Toward Clarity and Grace, U of Chicago P: 1995.

snozin Februar 1, 2013 um 23:46

@ Wiesaussieht

Der Hans Hütt hat zum Thema der Pflege von alten Menschen und ihrer Begleitung im Nebenthread einen sehr persönlichen, beeindruckenden Text geschrieben. Ich war verblüfft. Nicht weniger. Ich bin es noch…

Der @Morph schreibt: >>>Aber der Satzbau ist dermaßen gegen die Informationsbedürfnisse eines Lesenden konstruiert, der Hammer! Das liest sich, als würde einem Stacheldraht durchs Hirn gezogen.

Auch das ist verblüffend. Der @Morph hat erkannt/scheint erkannt zu haben, dass man gegen die Informationsbedürfnisse eines Lesenden konstruieren (schreiben) kann. Nach meiner Auffassung von Austausch ist der nach allen Seiten pöbelnde @Morph der zentrale, federführende Troll dieses Blogs gewesen.

“Gewesen” heißt: Es ist wohl zu spät.

Das nun wohl endgültige Ausscheiden von @ froZ/Treidelstein bedeutet für WIESAUSSIEHT vordergründig einen Verlust. Wenn man die Denkanstöße des Kommentators Treidelstein für die Gemeinde dazu nimmt, das heißt, wenn man sie wegdenkt, so ist WIESAUSSIEHT schlicht skelettiert.

Wer kann denn, nach @ Treidelstens Grabrede, hier noch was schreiben?

Jackle Februar 2, 2013 um 01:20

” die Unvermeidlichkeit der Auseinandersetzung von Gegnern [...], die sich wenigstens auf Zeit als kollektive Identitäten konstituieren. Diese Auseinandersetzung wird nicht durch einen Kompromiss und schon gar nicht durch einen Konsens beendet, sondern durch eine Entscheidung, in der ein Gegner dem anderen unterliegt. ”

Ich glaube ja, dass diejenigen unterliegen werden, die, wenn es soweit ist, sich selbst nicht mehr den Arsch abwischen können.
Und vorher?
Vorher können wir uns mit Ihnen zusammen an die Landtagswahl von 1999 in Hessen erinnern. Die Ordnung. Die Feinde. Die Freunde. Das Glas billigen Sekt. Als der Stern noch Sexismus propagierte. Schade das es vorbei ist.
Bald ist dieses vorbei. Dann werden wir uns wünschen werden, dass wir jetzt besser darüber diskutiert hätten. Bleibt verteufelt schwer. War 1999 bei der Landtagswahl in Hessen nicht groß anders. Oder doch?

Wer weiß. Gott wischt einem wahrscheinlich auch nicht den Arsch ab. Stattdessen verkauft er Black Hole Pampers. Für kleines Geld, auf ewig scheißen.

“Wer kann denn, nach @ Treidelstens Grabrede, hier noch was schreiben?”

That’s Life. Life goes on. Auf dem Friedhof kommt die Familie zusammen.
Niemand wird überhaupt irgendetwas sinnvolles mehr sagen können, ohne dass sich nicht jemand finden würde, der noch etwas sinnvolleres gesagt hätte. Das müssen wir solange aushalten, bis es uns nicht mehr aushält.

Vorher?

The Mother Fucking Show Must Go On!!

"ruby" Februar 2, 2013 um 02:56
Morph Februar 2, 2013 um 08:42

@snozin

“Nach meiner Auffassung von Austausch ist der nach allen Seiten pöbelnde @Morph der zentrale, federführende Troll dieses Blogs gewesen.”

Und Du bist’n super sidekick!

(Deine Auffassung von Austausch könntest Du vielleicht aber noch einmal überdenken. Wenn ich Dir mal meine Auffassung anbieten darf, als Kontrastfolie: Austausch findet unter Anwesenden statt, in einem gemeinsam geteilten Aktionsraum. Alles, was über diesen Kreis wahrnehmbarer Anwesenheit hinausgeht, ist durch Medien vermittelt. Es gibt Medien, welche die Möglichkeit suggerieren, unmittelbaren Austausch jenseits wahrnehmbarer Anwesenheit herstellen zu können, z. B. die Blogosphäre. Diese Medien sind teuflisch, weil sie durch ein Trugbild direkter Kommunikation die einzig wirkliche Situation des Austauschs entwerten und kaputt machen. Und wie immer muss man den Teufel mit dem Beelzebub austreiben!)

f.luebberding f.luebberding Februar 2, 2013 um 09:03

Snozin

Das verstehe ich jetzt nicht. Wo hat Morph im anderen Thread etwas geschrieben?

petervonkloss Februar 2, 2013 um 09:53

Unter den normativen Habermasverhältnissen werde ich dem Friedrich-Text nicht gerecht.! D. h. ich habe Ressentiments in Fülle und Hülle……… so ist das universitäre, deutsche Mittelmaß…. macht was her durch
exzeptionelle Verschwurbelungen in Sachen der Demokratie im Sinne der Friede – Freude – und Eierkuchen-
republik Deutschland.
Sie Herr Friedrich sind zutiefst mein Feind, schon aus ästhetischen Gründen, geschweige denn die erkenntnis-
theoretischen. Außerdem bevorzuge ich das klassisch – reaktionäre Denken eines E. M. Cioran (z. B.).
Sie demonstrieren hier an Hand eines demokratischen Normalzustands den Ausnahmezustand. Ich bin der
Ausnahmezustand, den sie kaum begreifen werden. Im Sinne eines Nomos der Erde sind sie der Ausnahme-
zustand der Realitätsverleugnung.

petervonkloss Februar 2, 2013 um 10:07

@ Carlos Manoso

Ich wage in angemessener Weise nach heutigen Maßstäben zu übertreiben: aber für diese Zitation Nietzsches

hast du den Nobelpreis verdient:

Carlos Manoso Januar 31, 2013 um 15:18 :

http://www.zeno.org/Philosophie/M/Nietzsche,+Friedrich/Ecce+Homo/Also+

Zuerst mal für jene, die die Größe dieses Textes nicht zu fassen vermögen, die also im positiven angesichts

dieses Textes fassungslos sind;….es sind wahrscheinlich die Richtigen und Seltenen!………………………………….

sie sollten sich auf eine „bescheidene“ Art auf diese Großartigkeit einlassen!!……………………………………………

„Die „Optionen“ vollständiger Freiheit oder vollständige Sklaverei sind gleichermaßen historisch möglich.“.

Lieber Carlos, dieser Satz über die Vollständigkeiten, sind gleichermaßen aus paulinisch- platonisch- marxistischem Denken geboren. Sie sind sich im innersten Wesen verwandt, da sie auf die Realisierung
Eines Bildnisses der Idee hinzeugen wollen.

Den Kapitalismus hat es nie gegeben; er ist genausoviel eine Erfindung der Moderne wie der Sozialismus!!

Es sind Wörter für einen Grundvorgang der Seinsgeschichte, deren wesentlichen Substantive nicht mehr

relevant sind. Sie bieten allenfalls Anhaltspunkte.

Es sind beides Worte der Verelendung menschlichen und tierischen Seins, welche die Erde in die Verwüstung

durch den Anthropos des Humanismus bringt!.

Das sich fortschreibende, absurde Movens dieser Geschichte hast du doch durch deine großartige Zitation aufgehal-

ten.

Daß dies kaum jemand bemerkt, ist wiederum ein Zeichen und Indikator für die neuere deutsche Kulturgeschichte.

Zum Trost für die Zukurzgekommenen schlage ich den Nobelpreisträger Tomas Tranströmer vor.

Morph Februar 2, 2013 um 10:55

noch was, @snozin,

ich lese/las die “Männer des Fortschritts” (@Treidelstein), die hier schreiben bzw. geschrieben haben, mit großem Gewinn auch, wenn ich ihr Selbstbild nicht bestätigen kann und es nach Kräften als Trugbild zu entlarven mich bemüh(t)e.

So wie ich die Dinge sehe, gibt es kaum eine albernere Metapher für das, was hier stattfindet, als die vom Zauberberg. Vor ewigen Zeiten habe ich mal vorgeschlagen, sich lieber unter dem literarischen Gesichtspunkt eines Samuel Beckett zu perspektivieren als unter dem eines Thomas Mann (dieses vollkommen überschätzten Wichtigtuers und Simulanten).

Hier reden Schatten und Stümpfe aneinander vorbei. Und das entfaltet auf Dauer einen ganz eigenen Witz. Wenn man sich einmal darauf einlässt, werden so hochdramatische Gesten wie jene, die wir in den letzten Tagen bestaunen durften, irgendwie unplausibel.

Und ich weiß aus eigenem Erleben, was einen zu einer solchen Geste motivieren kann.

"ruby" Februar 2, 2013 um 11:06

“…werden so hochdramatische Gesten … unplausibel.”

Der Zeitraum in dem diesen die Puste/Luft ausgeht/entweicht und das realisieren der Motivationen sind doch erhellend und führen zu Reaktionen – manchmal auch Innovationen .

Linus Februar 2, 2013 um 13:41

@Morph:
“Austausch findet unter Anwesenden statt, in einem gemeinsam geteilten Aktionsraum. Alles, was über diesen Kreis wahrnehmbarer Anwesenheit hinausgeht, ist durch Medien vermittelt. Es gibt Medien, welche die Möglichkeit suggerieren, unmittelbaren Austausch jenseits wahrnehmbarer Anwesenheit herstellen zu können, z. B. die Blogosphäre. ”

Die Rechtfertigung für eine Schwarzweiss-Interpretation von unmittelbar/mittelbar steht weiterhin aus. Man kann diesen Standpunkt natürlich erstmal auch ohne Begründung als ‘gefühlt’ einnehmen. Allerdings hängen dann Sätze wie …
“Diese Medien sind teuflisch, weil sie durch ein Trugbild direkter Kommunikation die einzig wirkliche Situation des Austauschs entwerten und kaputt machen. Und wie immer muss man den Teufel mit dem Beelzebub austreiben!”
…. in der Luft.

Mir scheint dieser Standpunkt nicht plausibel. Die sich hier immer wieder aufbauende Dynamik, welche sich dann z.B. in Publikumsbeschimpfungen entlädt, ist ohne ein massgebliches, über das Medium transportiertes Feedback nicht zu erklären.

Dieses ist nicht reine Illusion. Es mag zwar sein, dass – aufgrund der im Vergleich zur realen Anwesenheit geringeren Bandbreite – ein grösserer Teil der Information interpoliert werden muss. Dieses Handicap provoziert natürlich Missverständnisse und Überreaktionen und fordert daher mehr Vorsicht und Reserviertheit gegenüber dem, was man so serviert bekommt. Dennoch bleibt ein ernst zu nehmender Teil an Information übrig, der valides Feedback produziert. Wäre dem nicht so, dann wäre der Kanal chinesisch und buchstäblich nicht der Rede wert.

Man kann Realität so eng fassen, dass alles, was über die Medien verbreitet wird, nicht unter real, sondern unter virtuell fällt, da nicht sensorisch falsifizierbar. Dann bleibt allerdings nicht mehr viel von der Realität übrig. Als Nagelprobe freilich und auch therapeutisch ist diese Sichtweise äusserst hilfreich.

Zum Zweiten findet auch im sensorisch zugänglichen Bereich Interpolation statt. So wird aus einem 2D-Bild auf der Netzhaut sofort ein 3D-Gegenstand konstruiert. Man traut seinen Augen. Nun gibt es da mehr Falsifikationsmöglichkeiten als bei Zeitung und Internet. Dennoch bleibt es ein gradueller Unterschied, der keine harte Grenzziehung rechtfertigt.

Zum Dritten ist es ja so, dass auch Lügen, also nachweisliche Virtualitäten, die Realität verändern und produzieren. Die Motivation von Medien ist also nicht nur die Übertragung eines möglichst getreuen Abbildes der Wirlichkeit, sondern auch und besonders deren Interpretation, Schaffung und Überprägung.
Das Agens allerdings ist hier nicht Lüge oder Wahrheit, Realität oder Virtualität, sondern Information.

Per se ‘setzt’ Information alle(!) Wirklichkeit. Eine Bewertung der Validität von Information ist daher letztendlich nur inhärent durch Überprüfung von innerer Konsistenz und Widerspruchsfreiheit möglich. Dies kann in jedem(!) Medium durchgeführt werden. Freilich lehrt dabei die Erfahrung: Je höher die Bandbreite, desto mehr Platz bleibt für Redundanz und damit Konsistenz-Checks. Und umgekehrt: Je niedriger die Bandbreite, desto mehr Vertrauen muss ich aufbringen. Dieses Zusammenhang folgt aus dem Bedürfnis nach Effizienz der Kommunikation. Im Falle bidirektionaler Kommunikation kann man aber zusätzliche Konsistenz-Checks durch Nachfragen einfordern.

Deine Behauptung eines Trugbildes ist daher mE eine versteckte Forderung nach mehr Bandbreite, sprich Video, Audio, Pipapo. Informationsüberprüfung kann aber genauso gut durch mehr Nachfragen erfolgen. Es geht halt etwas langsamer. Ich sehe keinen Grund, warum hier unüberwindliche Hindernisse liegen sollte.

Und deshalb – und das ist das beste Gegenargument: Austausch findet statt.

Goldkäferhochzeit Februar 2, 2013 um 14:02

Ich habe den Vorschlag “… ist zur Perspektivierung geeigneter als…” mal überprüft und angenommen, dass es sich um das Schema eines Urteilsaktes handelt. Wie ich auf dem Weg ins Badezimmer also zufällig an meinem Bücherregal vorbei gehe, springen mich plötzlich der Beckett und der Mann an. Überraschenderweise standen die auch ziemlich nah beisammen! “Weh dem, der Symbole sieht!” So rechne ich dann die Anzahl der Gesamttextseiten des Einen (x) ins Verhältnis der Gesamttextseiten des Anderen (y) und erhalte unter der Bedingung x>y die Werte 264,87 und 94,62. Mittels Periode errechnet sich die Zeilenzahl der zu vergleichenden Textstellen und ich erhalte die Zeilen 36,56 und 20,56, wo jeweils fort folgendes steht:
“Ja, entschuldigen Sie, ich hänge das Bild ab, es hat ja hier absolut kein Licht, Sie werden sehen, ich trage es mal eben zum Sofa hinüber, ob es denn da nicht doch ganz anders… Ich wollte sagen: Womit beschäftigt sich die medizinische Wissenschaft? Ich verstehe ja natürlich nichts davon, aber sie beschäftigt sich doch mit dem Menschen, Und die Juristerei, die Gesetzgebung und Rechtsprechung? Auch mit dem Menschen. Und die Sprachforschung, mit der ja meistenteils die Ausübung des pädagogischen Berufts verbunden ist? Und die Theologie, die Seelsorge, das geistliche Hirtenamt? Alle mit dem Menschen, es sind alles bloß A b s c h a t t i e r u n g e n (Sperr. GKH) von ein und demselben wichtigen und … hauptsächlichen Interesse, nämlich dem Interesse am Menschen, es sind die humanistischen Berufe, mit einem Wort, und wenn man sie studieren will, so lernt man als Grundlage vor allem eimal die alten Sprachen, nicht wahr, der formalen Bildung halber, wie man sagt.”
Und:
“Lösung | Zahl der Einwendungen
1. 2
2. 3
3. 4
4. 5
Zahl der Lösungen | Zahl der Einwendungen
4 14
3 9
2 5
1 2
Dann zu der Lösung übergehend, die sich als die richtige erwiesen zu haben schien, fand Watt, sie bestehe im großen und ganzen darin, daß ein geeigneter ortsansässiger Hundebesitzer, das heißt ein bedürftiger Mann mit einem ausgehungerten Hund, ausfindig gemacht werden sollte, dem pro Jahr die runde Summe von fünfzig Pfund in Form von zwölf Monatszahlungen auszusetzen sie, demit dieser jeden Abend zwischen acht und zehn in Begleitung seines ausgehungerten Hundes zu Mr. Knotts Haus komme, und an jenen Tagen, da Nahrung für seinen Hund da wäre, bei seinem Hund bleibe, mit einem Stock in der Hand, unter Zeugen, bis der Hund alle Nahrung bis auf das letzte Bißchen aufgefressen hätte, und sich dann mit seinem Hund davonmache, und zwar unverzüglich; und daß ein jüngerer, ausgehungerter Hund von diesem Mann auf Mr. Knotts Kosten erworben und für den Tag in Bereitschaft gehalten werden sollte, an dem der erste ausgehungerte Hund sterben würde, und daß dann wieder ein anderer ausgehungerter Hund auf die gleiche Weise beschafft und für die unausbleibliche Stunde bereitgehalten werden sollte, in der der zweite ausgehungerte Hund der Natur seine Schuld bezahlen würde, und immer weiter so, so daß stets diese beiden ausgehungerten Hunde zur Verfügung stünden, von denen der eine die von Mr. Knott stehengelassene Nahrung in der beschriebenen Weise zu fressen hätte, bis er st ürbe, und der andere dann, solange er lebte das gleiche zu tun hätte, und immer weiter so; und außerdem, daß ein ähnlich situierter, junger, ortsansässiger, aber hundeloser Mann für den Tag ausfindig gemacht werden sollte, an dem der erste ortsansässige Mann sterben würde, damit er in der gleichen Weise und unter den gleichen Bedingungen die beiden überlebenden, ausgehungerten, nun herren- und h ü t t enlos gewordenen Hunde in Obhut und in Dienst nehme; und das dann wieder ein anderer junger, ortsansässiger, hundeloser Mann auf die gleiche Weise für die schrecklich Stunde fest verpfichtet werden sollte, in welcher der zweite ortsansässige Mann der Auflösung anheimfallen würde, und immer weiter so, [...] und die kleinen Beweise der Freundlichkeit und Liebe wurden in Hülle und Fülle gerade in dem Moment geliefert, da man ihrer am drigendsten bedurfte, und der Zwinger ausgehungerter Hunde wurde in vollem Aufschwung übergeben, so daß alle ihn sehen und bewundern konnten.”
Ob das noch kontingent ist? Ich denke da liegt der Morph schon irgendwie richtig. Jetzt müsste nur noch die Sache mit dem “Stümpfen” geklärt werden. Ersteres trifft wohl eher begleitetes Radfahren am Tegernsee.

Morph Februar 2, 2013 um 14:29

@Linus

“… ist ohne ein massgebliches, über das Medium transportiertes Feedback nicht zu erklären.”

Doch natürlich. Nämlich schlicht dadurch, dass von einigen Teilnehmern an diesem virtuellen Treiben der Virtualitätscharakter ignoriert wird. Natürlich könnte man eine solche Ignoranz als eine Art Höflichkeit fordern und erwarten. Wir alle könnten so tun, als ob wir uns in einer Anwesenheitssituation befänden oder einer persönlich verantworteten Beziehung stünden und es um wirkliche Kooperationsformen ginge.

Eine solche kontrafaktische Sozialität ist aber nicht lange aufrecht zu erhalten. Die geringste Störung lässt das ganze kollabieren.

Was Du über das sensorische System schreibst, ist natürlich viel zu einfach. Bekanntlich verfügen wir über zwei Augen und können den Krümmungsgrad der Augenlinsen regulieren. Dass sich die Genese der Ansicht eines physischen Körpers als ‘Interpolation’ beschreiben lässt, ist schlicht eine Behauptung, die Dir Dein Informatikerbewusstsein aufdrängt.

“Man kann Realität so eng fassen, dass alles, was über die Medien verbreitet wird, nicht unter real, sondern unter virtuell fällt, da nicht sensorisch falsifizierbar. Dann bleibt allerdings nicht mehr viel von der Realität übrig.”

Verstehe ich nicht. Das hat nichts mit irgendeiner Engfassung zu tun, sondern schlicht mit der offensichtlichen Tatsache, dass mediale Darstellungen von Wirklichkeit immer nur Tatsachenbehauptungen über sehr eng begrenzte Wirklichkeitssegmente sein können. Wenn irgendwer Realität eng fasst, dann sind es die Medien! Gleichwohl sind die Medien natürlich, indem wir sie wahr- und an ihnen teilnehmen, ein ‘Stück’ Realität (und zwar unabhängig davon, ob das, was sie vermitteln, stimmt oder nicht).

“Und deshalb – und das ist das beste Gegenargument: Austausch findet statt.”

Sorry, jetzt muss ich leider wieder pöbeln: mal wieder hast Du so einen typischen ‘Linus’ gebaut! – Was soll daran bitte ein Argument sein? Ich könnte doch dann auch ganz simpel sagen: Und das beste Gegenargument wiederum dagegen ist: Austausch findet nicht statt!

Das Kriterium dafür, dass zwei Individuen durch den Austausch von Bedeutungen zu einer gemeinsam geteilten Überzeugung gelangen, liegt in ihrer beobachtbaren Kooperation. Eine solche Kooperation findet hier nicht statt und wird hier auch nicht vorbereitet. Wir haben es hier mit unverbindlcher Freizeitkommunikation zu tun, eine Art kollektives Dösen, das aber – zumindest nach meinem Geschmack – zuweilen unerwartete Bedeutungsverdichtungen produziert, faszinierende “Blumen des Blöden”, um mal diese Konjunktur zwischen klassischer Moderne und postmodenrer Unterhaltungsindustrie beim Namen zu nennen.

Morph Februar 2, 2013 um 14:43

und bevor sich jetzt wieder jemand über die ‘Blumen des Blöden’ aufregt, berücksichtigt bitte, dass ich hier mit am häufigsten was schreibe und einige der schönsten Blüten in diesem Strauß, von mir stammen! Und regt Euch wieder ab!

Das hier kann überhaupt nur die intellektuelle Qualität eines Sudelbuches haben, wenn man die Länge der Texte und den spontanen Duktus der Produktion berücksichtigt.

Sudelbücher sind super! Aber sicher nicht ein wirklich potentes Medium zur weltanschaulichen Auseinandersetzung oder zur politischen Willensbildung.

h.huett Februar 2, 2013 um 14:58

Morph

Don’t misunderestimate the immunising response to Sudelbooks! Das Hohle tönt.

wowy Februar 2, 2013 um 15:45

@morph
“Sorry, jetzt muss ich leider wieder pöbeln: mal wieder hast Du so einen typischen ‘Linus’ gebaut! ”
Warum m u s s t du pöbeln?

Es ist ganz einfach: ob physisch begegnend oder virtuell. Ich kann eine Meinung haben, die konträr zu der einer/eines anderen ist. Nur muss ich i m m e r mit der Verächtlichmachung des anderen beginnen, um meine eigene Meinung zu erhöhen?
Das macht @huett mit Friedrich gleich zum Auftakt auch. Warum? Daran krankt dieses Blog. Es gibt (ich rede nicht von Extremausfällen) keine angemessene Gesprächskultur.
Und für diese Erkenntnis braucht man weder Sudelbücher noch Herrn Röhl.

Morph Februar 2, 2013 um 16:14

@wowy

“Warum m u s s t du pöbeln?”

Weil “Gesprächskultur” m.E. ein bösartiger Fetisch ist
(wie alle Komposita, die auf “-kultur” enden).
Auf der sittlich komplett entgrenzten Plattform des Internet stellt sich alles in allen erdenklichen und dann eben auch extrem drastischen Formen dar. Das lässt sich nicht ‘hegen’ und ‘pflegen’ (kultivieren). Allerdings kann man in seinem Garten Unkraut jäten und Wildsäue fernhalten. Es liegt an Blogbetreibern, welchen Stil sie dulden und welchen nicht.

Wenn ich einen Blog betreiben würde, hätten Beiträge, die inhaltleere Zweizeiler liefern oder unverschämte Beschimpfungen ausstoßen, keine Chance. Die würde ich ohne weitere Angabe von Gründen löschen wie auch alle Folgebeiträge, die die Löschung ‘diskutieren’. Und Beiträger, die sich notorisch wie die Sau aufspielen, würde ich natürlich blocken, ist doch klar! Da könnten die tausendmal ‘Zensur!” heulen. Ist doch in unseren Tagen die lächerlichste Behauptung, die sich nur denken lässt!

Ich denke, dann würde sich in den engen Grenzen des eigenen Gartens eine Gesprächskultur einpendeln. Wobei ich persönlich ja Fan von Wildsträuchern bin. Mit dem einen oder anderen Knöterich und Wasserpfeffer müssten die zimperlicheren Akazien schon auskommen.

Aber das ist nur meine für dieses Blog unmaßgebliche Meinung.

(Die ich, stünde sie in meinem Blog, sofort löschen würde ;-) ).

wowy Februar 2, 2013 um 16:58

@morph
Geht völlig an meiner Frage vorbei

h.huett Februar 2, 2013 um 17:18

wowy
“Nur muss ich i m m e r mit der Verächtlichmachung des anderen beginnen, um meine eigene Meinung zu erhöhen?
Das macht @huett mit Friedrich gleich zum Auftakt auch.”

Wie mache ich in meinen Kommentaren zu Friedrich den Autor verächtlich?

Morph Februar 2, 2013 um 17:59

@wowy

“Geht völlig an meiner Frage vorbei”

Dann versuche ich’s nochmal: Ich muss natürlich nicht pöbeln (übrigens ein schillerndes Wort), aber manchmal fühle ich mich selber schräg angelabert und dann hat das Zurücklabern eben auch einen sportlichen Reiz. Und oft motivieren mich auch Beiträge zur polemischen Reaktion, die m.E. eine total naive Sicht der Welt offenbaren, aber in dem Bewusstsein geschrieben zu sein scheinen, ziemlich genau zu wissen, wie der Hase läuft. Desgleichen auch Beiträge, die ‘tolle’ Vorschläge für gesellschaftliche ‘Verbesserungen’ machen und sich schon bei kurzem Nachdenken als unrealistisch erweisen und nur dem Zweck zu dienen scheinen, den Autor des ‘tollen’ Vorschlags als guten, verantwortlichen Menschen zu inszenieren.

Dagegen anzu’pöbeln’ macht Spaß und dient, glaube ich, zwar nicht dem Fortschritt, aber einer guten Sache: Aufklärung!

h.huett Februar 2, 2013 um 18:00

Nun nehme ich mir die Zeit, den Beitrag Friedrichs etwas gründlicher zu kommentieren.

“Moderne demokratische Gesellschaften haben seit Jahrzehnten mit zwei Tendenzen zu kämpfen, die ihr Funktionieren langfristig und in besorgniserregender Weise infrage stellen: Die eine ist mit dem Begriff „Politikverdrossenheit“ gekennzeichnet, der Abwendung des Demos von dem, was im Alltag als Politik wahrgenommen und erlebt wird und damit von dem, was als institutionalisierter Prozess der Willensbildung eben dieses Demos in der demokratischen Gesellschaft konzipiert ist. Die andere Tendenz, die immer wieder mal stärker und mal weniger stark zu beobachten ist, ist das Erstarken radikaler, antidemokratischer Kräfte, von denen man doch erwarten sollte, dass sie schon durch den Erfolg des demokratischen Modells für den Demos an Attraktivität verlieren sollten.”

Politik und Verwaltung sind robuste Veranstaltungen. Verdruss oder Missvergnügen lassen Politik und Verwaltung kalt, soweit sie nicht ein gewisses Maß übersteigen. Wenn das Missvergnügen sich nicht von allein einstellt, wird es mit erstaunlicher Weitsicht seitens der Politik oder Verwaltung produziert. Sie funktionieren bestens in Kohabitation. Welche Belege bietet Friedrich für These Nr. 1?

Wo gibt es das “Erstarken radikaler antidemokratischer Kräfte”? Welches Wahlergebnis der letzten zwanzig Jahre belegt, dass Politik im Rahmen eines Bundeslandes oder der Bundesrepublik durch antidemokratische Kräfte in Frage gestellt worden wäre?

“Man kann diese Tendenzen als unvermeidliche Begleiterscheinungen der Pluralisierung und Ökonomisierung der Gesellschaft ansehen und sich dann sozusagen nur noch auf die Beherrschung der Folgen und die Stabilisierung der schwächer werdenden demokratischen Institutionen konzentrieren.”

Warum unvermeidlich? Was macht die demokratischen Institutionen schwächer? Und von welchen Institutionen ist die Rede?

“Wenn die Menschen sich von dem abwenden, was ihnen unter dem Namen Politik geboten wird, dann kann das auch daran liegen, dass die Erwartungen, die mit dem Politischen verbunden werden, von diesem Betrieb nicht erfüllt werden.”

Ich ziehe es vor, im Rahmen politischer Analysen von politischen Begriffen auszugehen: den Wählern und den Bürgern. Wer von Demos und Menschen redet, bezeugt eine begriffliche Distanz zum politischen Prozess, ohne dass der eigenen Wortwahl eine sie herleitende Begründung vorausginge. A whiff of was denn nun steigt uns da in die demokratische Nase, hm? Es bleibt unklar, von welchen “Erwartungen, die mit dem Politischen verbunden sind” Friedrich redet. Auf welche Daten stützt sich sein Erwartungsbegriff, wenn wir ihn zivilgesellschaftlich empirisch und nicht politisch-theologisch fassen wollen?

“Um diesen Gedanken präzisieren zu können, ist es sinnvoll, bei einem Denker anzusetzen, der die Kraft, Menschen zu binden und Identifikationen zu bieten, als Kern des Politischen überhaupt angesehen hat.”

Man kann durch falsches Zitieren auch den kältesten Denker des 20. Jahrhunderts in Flausch verwandeln. Wo redet Schmitt von “der Kraft, Menschen zu binden und Identifikationen zu bieten”?

Carl Schmitt hat diesen Kern bekanntlich in der Fähigkeit gesehen, Menschen effektiv in Freund und Feind gruppieren zu können.

Was unterscheidet eine Fähigkeit von der Unterscheidung? Dem kalten Denker geht nichts über Unterscheidungen, zumal “letzten Unterscheidungen” Fähigkeiten mögen grandios sein und doch zu nichts nütze, wenn sie nicht für Unterscheidungen genutzt werden. Beides so, wie Friedrich es tut, verschwurbelt gleichzusetzen, verkennt den maßgeblichen Unterschied zwischen einer Politik auf der Basis von Schmitts Werk und demokratisch verfasster Politik, die mit guten Gründen die politische Konkurrenz eben nicht als Feinde adressiert.

Dass Schmitt “oft zitiert” worden ist, lässt nach der Debatte über die Compliance der amtierenden Bundesbildungsministerin mit Zitierregeln nicht zu, eines von Schmitts wichtigsten Werke, das jedenfalls mein Eindruck nach Lektüre des Abschnitts 1, offenbar nur aus zweiter Hand zu referieren. Ich beziehe mich auf Schmitts Werk “Der Begriff des Politischen”. Die Klarheit Schmitts (man muss seine Ideen nicht teilen und kann die Klarheit doch bewundern) verträgt sich nicht mit einer verschwurbelt daher kommenden Zusammenfassung, wie sie diesen ersten Abschnitt durchzieht.

“Mit anderen Worten, die politische Unterscheidung von Freund und Feind ist schon immer eine Entscheidung, die selbst nicht zwingend begründet werden muss, wenn es denn gelingt, auf ihrer Basis Menschen zu Freunden zu machen und andere – wenigstens möglicherweise, als Feinde zu kennzeichnen.”

Schmitts Begriff des Politischen kommt ohne die Idee der Freundschaft aus. Der Freund ist kein gleichwertiger dialektischer Gegenspieler des Feinds, sondern ein abgeleiteter Komplementärbegriff für alle, die noch nicht zu Feinden erklärt worden sind. Die Feindschaft ist absolut, die Freundschaft abgeleitet.

Ich erspare es mir nun doch, in dieser Form weiterzumachen. Aus dem Text wird nicht ersichtlich, warum Schmitt für die politische Analyse unserer Zeit ein wichtiger Denker ist. Dabei wäre er es durchaus, aber nicht so, wie Friedrich ihn hier vorstellt.

Eine letzte Bemerkung. Ich hatte als Geschäftsführer der Schader-Stiftung mehrere Jahre intensiv mit Michael Th. Greven zusammengearbeitet, der erst im Beirat und später als Vorsitzender des Kuratoriums neben dem Stifter ein wichtiger Gesprächsparter und Entscheider für meine Arbeit war. In diesen Jahren entstand sein Werk, auf das sich Friedrich bezieht, und ich konnte im Detail erleben, wie er sein politisches Denken durch die Zumutung des Stiftungszwecks auf die Probe gestellt sah. Der Stiftungszweck lautete, die Kommunikation und Kooperation zwischen Gesellschaftswissenschaften und Praxis zu fördern.

Die Kontingenzen dieses Prozesses auf beiden Seiten, der Wissenschaft, der Praxis, zumal der Politik und der Verwaltung, machte Greven luzide deutlich. Friedrich bleibt in seinem Essay die Begründung schuldig, warum wir heute neu oder anders mit der politischen Nötigung zu entscheiden umgehen müssen.

PS: Ich habe einige Flüchtigkeitsfehler in diesem Kommentar redigiert. HH

wowy Februar 2, 2013 um 18:38

@morph
Exakt das ist das Problem: viele fühlen sich irgendwie schräg angelabert und finden ihr Pöbeln aufklärerisch.
Versteh mich nicht falsch, ich habe nichts gegen ordentlichen Schlagabtausch. Er sollte sich aber auf die Sache beziehen und nicht persönlich werden.

@huett
Ich weiß nicht, was du mit Herrn Friedrich für ein Problem hast, aber deine Aversion springt aus jeder zweiten Zeile und das weißt du auch.

Morph Februar 2, 2013 um 18:50

@wowy

“Er sollte sich aber auf die Sache beziehen und nicht persönlich werden.”

Wie gesagt, ich halte die Blog-Kommunikation unter anonymisierten Kurztextschreiben für nahezu unpersönlich. Bezogen auf wirkliche, ernsthafte, konsequenzenreiche Kommunikation würde ich Dir völlig zustimmen.

Du misst die Blogkommunikation m.E. mit einem nicht sachgemäßen Maßstab. Das tun viele Leute und das halte ich für ein gravierendes Problem.

h.huett Februar 2, 2013 um 18:57

wowy

Verwechselst Du da etwas? Andere Kommentatoren beklagten die sprachliche Hermetik. Die Ungenauigkeit der Sprache maskiert das ungenaue Denken. Das allerdings kann beides gar nicht scharf genug kritisiert werden. Wir sind ja nicht zum Kuscheln hier.

Morph Februar 2, 2013 um 19:03

@Hans Hütt

Vielen Dank! Mit Deiner Hilfe sehe ich, dass Friedrichs Text etwas will. Und Deine Diagnose finde ich nachvollziehbar. Allerdings würde ich Carl Schmitt nicht als kalten Denker bezeichnen. Der ist im Gegenteil extrem heiß.

Wobei es bei solchen Metaphern ja auch eher um Geschmacksfragen geht. Für mich ist die Vorstellung von Kält in Bezug zum Denken eben positiv besetzt, und ich würde das nicht so gern mit dem Plettenberger in Verbindung gebracht lesen.

Obwohl Schmitt nun auch kein Unhold war. Er war sicher ein sehr scharfsinniger Kerl, der sich in den Dienst einer fatalen politischen Sache gestellt hat.

wowy Februar 2, 2013 um 19:08

@huett
Dein letzter Kommentar zum Text war außen vor. Ansonsten verwechsle ich da nichts.

h.huett Februar 2, 2013 um 19:10

Morph

Man kann sich auch an Eis verbrennen. Ich beziehe meinen Begriff auf Helmut Lethens Verhaltenslehren der Kälte.

h.huett Februar 2, 2013 um 19:12

Was heißt “außen vor”?

peewit Februar 2, 2013 um 19:13

@Morph

–>”Ich weiß schon, gegen was für eine Form der Gegenwartsdiagnostik ich bin. Und mich deshalb für eine Art intellektuellen Lügner, Opportunisten, Menschenverächter und Serienkiller zu halten, spornt mich nur noch an!

Vielen Dank dafür allerseits! So viel Zuspruch ist selten!”

—>”Wie gesagt, ich halte die Blog-Kommunikation unter anonymisierten Kurztextschreiben für nahezu unpersönlich”

Ja, ja! :-)

"ruby" Februar 2, 2013 um 19:24

Sudelfernsehen im Original
http://www.youtube.com/watch?v=kBzXTi40zJs

Doktor D Februar 2, 2013 um 19:30

Wenn ich die Biographie Schmitts richtig erinnere, ist v.a. die Differenz zwischen seinen besten Texten und seinem (nicht nur) politischem Urteilsvermögen im Real Life eklatant. Ein Speichellecker vor den Herren, denen dieser absoluter Wille zur Selbst-Gleichschaltung selbst etwas unheimlich wurde.
Schmitt ist ein super Beleg dafür, dass Texte oft sehr viel scharfsinniger als ihre Verfasser sind (und manchmal viel, viel dümmer). Was ja jeder selbst weiß, der versucht, regelmäßig “Gedanken” in einen Text zu verwandeln.

wowy Februar 2, 2013 um 19:36

@huett
Dass ich ihn noch nicht gelesen hatte, was ich aber jetzt nachhole.

h.huett Februar 2, 2013 um 19:52

Doktor D

Man täte Schmitt unrecht, wenn man ihn nur nach diesem berüchtigten Text und akzidentellen biographischen Anekdoten bewertete. Aufschlussreicher fand ich Nikolaus Sombarts Bücher über Schmitt. Mehr über seine Position aus politikwissenschaftlicher Sicht hier. Ganz anders sein Buch über Melvilles Benito Cereno. Nicht zu vergessen die Faszination, die Schmitt sehr viel später auf manche Linke ausstrahlte. Und den politischen Katholizismus.

Morph Februar 2, 2013 um 20:14

@peewit

“Ja, ja!”

Nein, nein!

Wenn einem irgendeine Politesse ein Knöllchen verpasst, dann ist das ja eine Mitteilung, mit der man etwas anfängt. Aber es ist gänzlich unpersönlich!

Was für Personen sich hinter einem @peewit, @wowy oder @linus verbergen weiß ich nicht und ist für mich persönlich auch uninteressant.

Wenn man dann einmal aus irgendeinem Sonderinteresse persönlichen Kontakt bekommt, stellt sich heraus, dass alles ganz anders ist, als die Blogkommunikation vermuten lies. Daher verschwende ich gar nicht erst irgendwelche Gedanken auf die Personen, die hier schreiben, sondern lese die Beiträge nahezu ohne Autorenhermeneutik.

wowy Februar 2, 2013 um 20:17

@morph
Es geht um den Umgang! Wie wurdest du sozialisiert? Warum fandest du Hgs Kommentar unbedingt löschenswert (zu recht)?
Hör mit dem Pöbeln auf, that`s all :-)

Doktor D Februar 2, 2013 um 20:37

@hh:
Deswegen ja mein Verweiß auf den Autor Schmitt. Die “Politische Romantik” fand ich sehr erhellend, ist aber schon ein bisschen her, meine Lektüre. Außerdem: Theorie des Partisanen
Schmitt – Benjamin – Agamben – Der kommende Aufstand und Schmitt – Laclau- Mouffe sind ja auch eine spannende Denklinien.
Aber ich muss gehen: Meine kulinarischen Pflichten rufen mich!

Morph Februar 2, 2013 um 21:45

@wowy

“Wie wurdest du sozialisiert?”

Ich habe damals nicht darauf geachtet und kann daher dazu keine verlässlichen Ausaagen machen. Alle Aussagen von Personen darüber, wie sie zu dem geworden sind, was sie sind, sind größtenteils Erinnerungsfehler.

“Warum fandest du Hgs Kommentar unbedingt löschenswert (zu recht)?”

Wenn wir beide zu demselben Schluss kommen, müssen wir dessen Gründe eigentlich nicht debattieren, oder?

“Hör mit dem Pöbeln auf, that`s all”

Ich kann Dir das nicht versprechen, denn vermutlich habe ich eine andere Vorstellung davon, was eine unfaire Reaktion ist (wenn es das ist, was Du mit Pöbeln meinst).

wowy Februar 2, 2013 um 21:59

@morph
“Wie wurdest du sozialisiert” war eine rhetorische Frage, weil du, entgegen deiner hier vertretenen Auffassung, im anderen thread reagiert hattest, wie unter Anwesenden. Hinter jedem Rechner sitzt ein Mensch, was wir dann hier sehen ist das Ergebnis seiner Gedanken. Auf die Ansprache reagiert er auch wie ein Mensch, was sich als menschliche Reaktion in Zeichen hier zeigt.

Morph Februar 2, 2013 um 22:41

@wowy

völlig klar, alles, was hier lesbar erscheint, hat jemand geschrieben.

Was ich nur ständig mitbedenke und mitzubedenken vorschlage, ist: Wir kennen einander nicht und haben keine persönlichen Verhältnisse untereinander. Wir stehen in keinen Machtbeziehungen, sind keine Freunde, keine Geschäftspartner, keine verklagbaren Personen usw. Wir sind einander unbekannt und unverpflichtet und kommunizieren trotzdem miteinander. Das ist wirklich neu. Indem wir hier teilnehmen, experimentieren wir mit dieser völlig neuen Sozialität. Das ist in meinen Augen das wirklich Aufregende an dem, was hier passiert.

Aber wir hören natürlich nicht auf, wirkliche Leute zu sein, mit allem, was da an Emotionalität, Bildung, Werthaltung etc. dranhängt. Und ich würde mich schon als Kommunikationsjunkie bezeichnen und reagiere persönlich sehr vehement auf das, was hier geschrieben wird. Aber zugleich weiß ich, dass ich niemanden von denen wirklich kenne, die hier schreiben und ich allein auf den semiotisch relativ armseligen Kanal der Schrift verwiesen bin.

Diese Spannung von persönlicher Betroffenheit und Anonymität ist eigentlich der Kick des Ganzen. Und mir persönlich ist nicht wirklich klar, worauf das hinausläuft.

Im Kontext dessen, was ich sonst so mache, ist mein Interesse vor allem das der teilnehmenden Beobachtung. Ich bin mir sozusagen selbst das Versuchskaninchen. Und ich vergleiche meine eigenen Reaktionen auf Standardsituationen mit denen anderer Teilnehmer und versuche Muster zu erkennen.

Daher übertreibe ich vermutlich in meiner eigenen Vorstellung des Abstand zwischen der Kommunikation unter Abwesenden und der Online-Kommunikation. Das ist sozusagen ein Artefakt. Ich denke da nochmal drüber nach…

"ruby" Februar 2, 2013 um 23:19

“Und mir persönlich ist nicht wirklich klar, worauf das hinausläuft.”
Jetzt kommt Deine Stärke zum tragen ;-)
Auch, wenn Du es noch nicht … hast !

wowy Februar 2, 2013 um 23:20

@morph
Wir sind einander unbekannt, richtig! Nur heißt das, dass wir uns deswegen nicht verpflichtet sind einen vernünftigen Umgangston zu pflegen?
Ich kenne den Nachrichtensprecher im Radio auch nicht, ich weiß nicht, wem seine Stimme gehört, dennoch würde es mich (und sicher nicht nur mich) irritieren, wenn er plötzlich die Zuhörer, die ihm völlig unbekannt sind, zu bepöbeln (ich bleibe nur der Vereinfachung halber bei dem Wort). Es ist die Sozialisation, die uns ein Empfinden hierfür gibt. Es ist eine absolute Illusion, das Netz als hierarchiefrei und von solchen Dingen unabhängig zu betrachten. Das Gegenteil ist der Fall.

"ruby" Februar 2, 2013 um 23:23

Alternativ:
Auch, wenn Du es bereits … hast !

Linus Februar 2, 2013 um 23:57

@Morph:

- ” “… ist ohne ein massgebliches, über das Medium transportiertes Feedback nicht zu erklären.”
Doch natürlich. Nämlich schlicht dadurch, dass von einigen Teilnehmern an diesem virtuellen Treiben der Virtualitätscharakter ignoriert wird.”
Feedback ist Feedback. Es ist völlig irrelevant, ob das vor virtuellen oder realem Hintergrund stattfindet. Das ist ja gerade der Witz davon. Sonst würden wir uns nicht hier “streiten”.
-”Eine solche kontrafaktische Sozialität ist aber nicht lange aufrecht zu erhalten. Die geringste Störung lässt das ganze kollabieren.”
Es geht doch erstmal gar nicht um Sozialität. Es geht darum, ob ich hier für mich relevante Information ziehen kann. Wenn ich grundsätzlich davon ausgehen MUSS, dass dieses Medium immer und total und in jeder Hinsicht korrumpiert ist, dann kann ich mir den Austausch tatsächlich sparen. Dann würde er aber wohl auch nicht stattfinden.
Es gibt hier jedoch einen Haufen stille Leser, die lesen mit nicht nur aus Schadenfreude, sondern ganz besonders, weil sie hier interessante Denkansätze für sich finden, die in sich nachprüfbar und konsistent sind.
Daraus KANN sich eine gewisse Sozialität entwickeln, wenn sich denn herausstellt, dass einem einzelnen Avatar auch eine kohärente Argumentation/Meinung/Geschichte/Kontext zuordnebar ist. Und diese Sichtweise Sozialität wird i.A. bestätigt und nicht falsifiziert (z.B. im Sinne eines Turing-Tests).

- “Dass sich die Genese der Ansicht eines physischen Körpers als ‘Interpolation’ beschreiben lässt, ist schlicht eine Behauptung, die Dir Dein Informatikerbewusstsein aufdrängt.”
Das lässt sich exakt so deuten. Als Summe aus physischer Informationszufuhr und Kontextwissen. Lücken werden mit Kontextwissen aufgefüllt. Erzähl also keinen …. Siehste, hat doch funktioniert ;-).

- “… sondern schlicht mit der offensichtlichen Tatsache, dass mediale Darstellungen von Wirklichkeit immer nur Tatsachenbehauptungen über sehr eng begrenzte Wirklichkeitssegmente sein können.”
Jetzt streich das Wort “mediale” und ersetze es durch “jede”, dann stimmt es. Und dann verstehst du auch, warum ich mich gegen eine willkürlich festgelegte allgemeingültige Grenze zw. Realität und Virtualität wende. Die ist stark kontextabhängig und in weiten Bereichen Vertrauenssache. Gesichert überprüfbar ist i.W. die innere Widerspruchsfreiheit.

- “Das Kriterium dafür, dass zwei Individuen durch den Austausch von Bedeutungen zu einer gemeinsam geteilten Überzeugung gelangen, liegt in ihrer beobachtbaren Kooperation.”
Nun, du wirst hier durchaus Zustimmung und Ablehnung finden. Viel mehr Kooperation lässt sich einfach nicht demonstrieren. Das liegt in der beschränkten Natur der Blog-Situation. Daraus abzuleiten, es gäbe keine Bereitschaft, Überzeugungen zu teilen, scheint mir doch einigermassen frech.

“Wir haben es hier mit unverbindlicher Freizeitkommunikation zu tun, eine Art kollektives Dösen, das aber – zumindest nach meinem Geschmack – zuweilen unerwartete Bedeutungsverdichtungen produziert, faszinierende “Blumen des Blöden”, um mal diese Konjunktur zwischen klassischer Moderne und postmodenrer Unterhaltungsindustrie beim Namen zu nennen.”
“Blumen des Blöden”, das ist sehr hübsch gesagt. Jetzt bin ich aber froh, dass doch noch ein paar Brosamen von den “Tischen der Blöden” für dich abfallen. Für mich fällt durchaus mehr ab :-D

"ruby" Februar 3, 2013 um 01:14

Mit teilnehmender Beobachtung soeben Missing Link erkannt – Danke.

peewit Februar 3, 2013 um 09:24

@Morph

–>”Wenn einem irgendeine Politesse ein Knöllchen verpasst, dann ist das ja eine Mitteilung, mit der man etwas anfängt. Aber es ist gänzlich unpersönlich!”

Na ja, aber die Politesse schreibt auch nicht auf’s Knöllchen: “Da haben wir aber wieder einmal richtig Mist gebaut, mein Lieber.”

Du solltest über deine Theorie der Unpersönlichleit der Blogkommunikation noch einmal tief nachdenken. Ich finde sie vor allem psychologisch völlig abwegig. Menschen sind halt selten so, wie man sie für seine Theorieerfolge gerne hätte.

Morph Februar 3, 2013 um 11:53

@peewit

“Du solltest über deine Theorie der Unpersönlichleit der Blogkommunikation noch einmal tief nachdenken.”

Super Tipp, vielen Dank! ;-)

“Ich finde sie vor allem psychologisch völlig abwegig.”

Stimmt, unter dem Gesichtspunkt psychologischer Kategorien kann man das abwegig finden. Aber wenn es um die Mittel und die Strukturen der Kommunikation geht und die kommunikativen Folgen der Kommunikation erklären will, dann ist die Psychologie eben auch nicht besonders aufschlussreich. Die Psychologie kann zum Verständnis gesellschaftlicher Strukturen ebensowenig beitragen wie die Physik zum Verständnis von Organismen.

“Menschen sind halt selten so, wie man sie für seine Theorieerfolge gerne hätte.”

‘Menschen’ spielen in meinen Argumenten kaum eine Rolle. Weder beschreibe ich Menschen, noch erkläre ich ihr Verhalten. Daher können Menschen so divers und überraschend sein, wie nur irgend denkbar. Das kann systematisch keinen Effekt auf die Angemessenheit meiner Beschreibungs und Erklärungsversuche haben.

Linus Februar 3, 2013 um 12:25

@Morph:
“Die Psychologie kann zum Verständnis gesellschaftlicher Strukturen ebensowenig beitragen wie die Physik zum Verständnis von Organismen.”

Scheint mir ein etwas verunglückter Vergleich. Besser wäre mE:
“Die Systemtheorie kann zum Verständnis gesellschaftlicher Strukturen ebenso viel beitragen wie die Physik zum Verständnis von Organismen.”
Das meine ich durchaus nicht ironisch.

Morph Februar 3, 2013 um 12:36

@peewit

es ist nämlich nicht so, dass soziologische Beschreibungen und Argumente psychologisch plausibel sein müssen. Vielmehr ist die Psychologie in der Pflicht, ihre Kategorien und Argumente so zu formulieren, dass sie mit sozialen Tatbeständen kompatibel sind.

Hinsichtlich ihrer kommunikativen Mittel und kommunikativen Folgen ist die Blogkommunikation vollkommen unpersönlich, das lässt sich doch gar nicht bestreiten. Nun wirken aber manche Beiträge, die hier erscheinen, emotional aufgeladen, das ist schon richtig. Aber man sollte das nicht vorschnell für bare Münze nehmen.

Die Blogkommunikation für persönlich zu halten, weil doch die Beiträge z.T. in einem persönlichen und emotionalen Stil verfasst sind, wäre genauso falsch, als würde man eine Kneipenschlägerei, die in einem Spielfilm gezeigt wird, für eine wirkiche Schlägerei halten und das mit den psychischen Reaktionen der Zuschauer begründen.

Jeder der schon einmal erlebt hat, wie sich Leute prügeln, wird zustimmen, dass die eigenen emotionalen Reaktionen darauf einen komplett anderen Charakter haben als die emotionalen Reaktionen auf eine Spielfilmschlägerei.

Und ebenso in der Blogkommunikation. Wirkliche, persönlich konsequenzenreiche Kommunikation läuft völlig anders ab als das, was wir hier sehen, denn die Personen sind durch die Anonymität des Bicknames für alle deutlich erkennbar unidentifizierbar gemacht. Die Unpersönlichkeit der Blogkommunikation ist, mit Searle zu Reden, eine wohletablierte Statusfunktion. Und das kannst Du psychisch so abwegig finden wie Du willst. Für die soziale Geltung der Statusfunktion spielt das keime Rolle.

wowy Februar 3, 2013 um 12:53

@Morph
Ich glaube, du solltest manchmal (nur manchmal) das Leben nicht aus systemtheoretischer Sicht betrachten, sondern aus Sicht derer, die daran nicht alle zwei Minuten denken.
Dass du den Blog hier als Feldversuch betrachtest ist eins, aber wenn du alle immer Richtung deiner Testreihe/Ergebnisse beeinflussen willst, und das wird zunehmend deutlich, dann solltest du einen eigenen Blog aufmachen.
Eins gleich noch dazu: Ich möchte nicht, dass du meine Beiträge für irgendwelche Studien verwendest. Wenn du das vorgehabt hättest (was ich nicht weiß), dann hättest du das hier offenlegen müssen.

Carlos Manoso Februar 3, 2013 um 13:23

@petervonkloss Februar 2, 2013 um 10:07
„@ Carlos Manoso Ich wage in angemessener Weise nach heutigen Maßstäben zu übertreiben: aber für diese Zitation Nietzsches hast du den Nobelpreis verdient:(…)
„Die „Optionen“ vollständiger Freiheit oder vollständige Sklaverei sind gleichermaßen historisch möglich.“.
Lieber Carlos, dieser Satz über die Vollständigkeiten, sind gleichermaßen aus paulinisch- platonisch- marxistischem Denken geboren.“

Petervonkloss, es war schon lüberfällig, daß der graue, langohrige Vierbeiner in in dir dir endlich schlechte Luft verschafft und sein „iiiaaah, iiaaa …iiiaaa“ stoßweise aussstööööhnt! Aber jetzt sei nicht beleidigt: Ist nicht schon Jesus auf einem Esel in das Zentrum Israels hochgeritten. ?

Aber lassen wir jetzt Nietzsche zu Wort kommen („Von den Vorurteilen“): „, Man darf nämlich zweifeln, ob es Gegensätze überhaupt gibt, und zweitens, ob jene volkstümlichen Metaphysiker ihr Siegel gedrückt haben, nicht vielleicht nur Vordergrundsschätzungen, vielleicht noch dazu aus einem Winkel heraus, vielleicht von unten herauf, Frosch-Perspektiven gleichsam.“.

Hmmm, „von unten“?? Kommen wir nun zu Karl Marx&Friedrich Nietzsche. Dazu Nietzsche („Der freie Geist“): „Unsere höchsten Einsichten müssen –und sollen!- wie Torheiten, unter Umständen wie Verbrechen klingen, wenn sie unerlaubterweise denen zu Ohren kommen, welche nicht dafür gearbeitet und vorbestimmt sind. (…) Daß der Exoteriker draußen steht und von außen her, nicht von innen her sieht, schätzt, misst, urteilt; das Wesentlichere ist, dass er von unten her die Dinge sieht – der Esoteriker aber von oben herab ! (…) Was der höheren Art von Menschen zur Nahrung oder Lagsal dient, muß einer sehr unterschiedlichen oder geringeren Art beinahe Gift sein. (…) Es wäre möglich, dass ein hochgearteter Mensch, gesetzt, dass er entartete und zugrunde ginge, erst dadurch in den Besitz von Eigenschaften käme, deswegen man ihn nötig hätte, in der niederen Welt, in welcher er hinabsank, nunmehr wie einen Heiligen zu verehren.“

Hmmm, wie „einen Heiligen zu verehren“ ?? Dazu Nietzsche („Der freie Geist“) zu Nietzsche & Karl Marx: Ein „Verborgener, der aus Instinkt das Reden zum Schweigen und Verschweigen braucht, braucht eine Maske, mehr noch, um jeden tiefen Geist wächst fortwährend eine Maske, dank der beständig falschen, nämlich flachen Auslegung jedes Wortes, jedes Schrittes, jedes Lebens-Zeichens, das er gibt-„

Kommen wir nun zurück zu Karl Marx. Die meisten der um Karl Marx herumgeformten Masken („z.B. Arbeiterbewegungsmarxismus“) sind gesprengt. Dafür steht „1989“. Diese Masken wurden –wie könnte es anders sein- massenhaft vom Typus „Exoteriker“ gebaut, der das „Ereignis Marx“ aus der Perspektive „von außen her“ und „von unten“ wahrnimmt, aus der „Frosch-Perspektive“ (Nietzsche).Die Sprengung der „Marx-Masken“ 1989 machte es möglich, das Ereignis Karl Marx endlich aus der Perspektive des Esoterikera, das heißt aus der Perspektive „von oben“ zu erkennen.

Morph Februar 3, 2013 um 13:25

@wowy

“Ich möchte nicht, dass du meine Beiträge für irgendwelche Studien verwendest.”

Keine Sorge, ich arbeite nicht mit Methoden der empirischen Sozialforschung und lege keine Datensammlungen an, die ich dann systematisch auswerte. Ausgangsmaterial ist allein mein eigenes Erleben. Und mein Interesse gilt auch nicht dem individuellen Kommunikationsverhalten von Mitkommentatoren, sondern allgemeinen und relativ abstrakten sozial- und medienontologischen Fragestellungen. Eine Einzelstudie zu den Möglichkeiten und Grenzen der Blogkommunikation ist dabei nicht geplant.

Und übrigens sind wir alle ständig und in einem unkontrollierbaren Ausmaß Gegenstand der Sozialforschung und des Social Engineering. Dagegen bin ich eine völlig irrelevante wissenschaftliche Eintagsfliege.

wowy Februar 3, 2013 um 14:35

@Morph
Okay, dann hatte ich dich missverstanden.

wowy Februar 3, 2013 um 15:28
peewit Februar 3, 2013 um 18:22

@Morph

–>”Die Psychologie kann zum Verständnis gesellschaftlicher Strukturen ebensowenig beitragen wie die Physik zum Verständnis von Organismen.”

Hmm, da frage ich mich doch, was die Leutchen in den Instituten für Biophysik so treiben die ganze Zeit?

Ich glaube, man kann Organismen ohne Physik überhaupt nicht verstehen. Denk nur z. B. an die Bedeutung des 2.-tenHauptsatzes der Thermodynamik für das Verständnis des Phänomens Leben. Wie willst du z. B. erklären, warum Organismen ständig am futtern sind?

Ebensowenig kann man m. E. die Enstehung gesellschaftlicher Strukturen verstehen ohne die biologischen und psychologischen Gesetzmäßigkeiten, auf denen sie aufliegen. Wir sind von Natur aus soziale Tiere (Biologie) mit entsprechender psychischer Ausstattung (Psychologie). Eine soziologische Theorie muss damit verträglich sein, sonst kann man sie gleich als geistigen Müll entsorgen.

–>”Hinsichtlich ihrer kommunikativen Mittel und kommunikativen Folgen ist die Blogkommunikation vollkommen unpersönlich, das lässt sich doch gar nicht bestreiten”

Das bestreite ich aber entschieden. Die kommunikativen Folgen von Blogkommunikation sind nicht unpersönlich. Die kommunikative Folge einer Beschimpfung z. B. verpufft nicht im virtuellen Raum, sondern trifft die reale Person. Das kann nur bestreiten, wer mit den Scheuklappen einer Theorie versehen sein Blickfeld künstlich einengt.

Morph Februar 3, 2013 um 18:56

@peewit

“Eine soziologische Theorie muss damit verträglich sein, sonst kann man sie gleich als geistigen Müll entsorgen.”

Deine Meinung in allen Ehren. Die Wissenschaftsgeschichte zeigt aber, dass es sich nicht so verhält.

Und das ist ja auch logisch: Soziale Tatsachen werden durch ein Vokabular bezeichnet, dass gar keinen Aufschluss darüber gibt, was da physikalisch, chemisch, biologisch oder psychologisch tangiert sein könnte.

Soziale Statusfunktionen wie Erwerbsarbeit, Ehe, Lehre, Gerichtsurteil, Liebe usw. befinden sich überhaupt nicht in der Rechweite naturwissenschaftlicher Katagorien. Umgekehrt aber wäre z.B. eine Biologie des Menschen falsifiziert, wenn sie die Möglichkeit sozialer Statusfunktionen systematisch ausschlösse.

Ich würde sagen: Schuster, bleib bei Deinem Leisten! Ich lasse mir gerne von einem Physiker erläutern, nach welchen Gesetzmäßigkeiten sich mechanische, optische, magnetische Sachverhalte prognostizieren lassen, und auch die Merkwürdigkeiten der Teilchenphysik sind sehr interessant.

Aber wenn Physiker, Chemiker, Biologen und Psychologen anfangen Soziales zu kommentieren, merkt man eben doch recht schnell, dass sie da so laienhaft argumentieren wie jeder andere auch. Und zum Teil noch laienhafter, weil sie in falschen Analogien zu ihrem Fachwissen dilettieren, wo unwissenschaftliche Beobachter aus ihrer Intuition heraus den Sachverhalt besser treffen.

peewit Februar 3, 2013 um 19:20

@Morph

Ja, okay, ich sehe ein, es hat keinen Sinn, weiter zu diskutieren.

Mach’s gut!

Morph Februar 3, 2013 um 20:32

@peewit

“Ja, okay, ich sehe ein, es hat keinen Sinn, weiter zu diskutieren.”

Du hast vielleicht keine Lust mehr. Völlig in Ordnung. Über die Sinnträchtigkeit des Diskutierens mit mir entscheidest aber nicht Du!

“Die kommunikative Folge einer Beschimpfung z. B. verpufft nicht im virtuellen Raum, sondern trifft die reale Person.”

Damit die reale Person getroffen werden kann, muss sie prägnant beobachtbar sein. Natürlich kann man sich persönlich getroffen fühlen. Mein Argument ist ja nicht, dass keine Emotionen im Spiel sind, sondern dass die Blogkommunikation die persönlichen Eigenschaften der Teilnehmenden aus dem Spiel nimmt. Wir nehmen über diese Kommunikation hinaus in aller Regel keinen Anteil aneinander.

Du hast Dich hier selber einmal als Nazi verunglimpft erlebt und nicht dann zurückgezogen. Ich bin davon überzeugt, dass Du auf diese Verunglimpfung in einer wirklichen Kommunikationssituation im Freundes- und Kollegenkreis völlig anders reagiert hättest. Entweder Du hättest darauf insistiert, dass das ausgeräumt wird oder Du hättest mit den Leuten endgültig gebrochen. Aber was hier passiert ist, dass Du dann irgendwann doch wieder mitkommentiert hast, ohne dass das im Kreis aller, die das mitbekommen haben, geklärt worden wäre, ist doch erstaunlich, findest Du nicht?

Und das lässt sich wirklich oft hier beobachten und ich habe es auch oft an mir selber erlebt: Man reagiert zunächst emotional auf etwas, kommuniziert das vielleicht auch, aber wenn der erste Affekt abgeklungen ist, denkt man: wie albern von mir, mich von dieser Pseudo-Kommunikation so beeindrucken zu lassen.

Man kann die Blog-Kommunikation persönlich nehmen, gar keine Frage. Aber sie IST nicht persönlich.

holger Februar 3, 2013 um 21:18

—>>>Man kann die Blog-Kommunikation persönlich nehmen, gar keine Frage. Aber sie IST nicht persönlich.”

Da sieht man mal wieder was du Waschbär eigentlich für eine Ahnung hast. Wir könnten uns ja auch alle Briefe schreiben (die die sich kennen oder mal getroffen haben). Du hast so einen an der Murmel schräger geht es schon gar nicht mehr.

Die, die ich habe kennen lernen dürfen (persönlich), sind ganz feine Menschen. Man hat seine verschiedenen Standpunkte und das ist auch gut so. Dann verändert sich auch vieles. Die, die sich mal ins Auge geschaut haben kommunizieren anders. Authentisch. Und es ist tausendmal besser, oder auch nicht, sich im realen Leben mal getroffen zu haben. Das bereinigt die Sicht der Dinge um vieles. (Nicht nur Positiv)

Das Du aber das nicht schnallst, ist mir klar. Du machst einfach deinen dreckigen Stiefel weiter. Dafür biste ja auch aus”gebildet” worden. Jeden Tag wie Phil…

Egal, ob ich jemals Jochen den Waschbären kennen lernen würde. (Persönlich). Er ist eine der hässlichsten Kreaturen die ich jemals gelesen habe. Dagegen ist Adolf Hitler eine Weisenknabe. Absolut perfide. Selbst Mengele stellt er in den Schatten. Wir stehen vor einem neuem Zeitalter der “psycho faschisten”. Die IHR Volk über das Internet anleiten. Davor kann ich nur warnen. Mehr kann ich nicht.

Was Uri mit den Löffel biegen angefangen hat, werden sie voll enden. Sie werden das Gehirn biegen. Und da ist ihnen jedes Mittel recht. Wer dagegen kämpft, hat schon verloren, bevor er überhaupt angefangen hat. Sie werden das Spiel bestimmen. Und gewinnen. All das, kann man bei Albert-Pike nach lesen.

So long… ich gönne ihnen ihren Triumph.

Anmerkung HH
In diesem Fall lassen wir diesen Kommentar als Dokument des Irrsinns stehen.

Morph Februar 3, 2013 um 21:34

@Holger

“Die, die sich mal ins Auge geschaut haben kommunizieren anders.”

Eben! Nichts anderes behaupte ich!

Solange man sich nicht persönlich kennt, ist die persönliche Verbindlichkeit des Geschriebenen nahe Null.

Dass man sich persönlich kennt, ist keine Teilnahmebedingung für die Blog-Kommunikation. Und das ist nun mal ein konstitutives Charakteristikum dieser Form.

Der Hass auf meine Person, den Du hier in Szene setzt, ist doch absurd! Du beschimpfst doch im Kino auch nicht irgendwelche Film-Bösewichter, oder? Naja, könnte schon sein… ;-)

Linus Februar 3, 2013 um 22:09

@Morph:
“Du hast Dich hier selber einmal als Nazi verunglimpft erlebt und nicht dann zurückgezogen.”

Du weisst sehr gut, dass es damals in erster Linie jemand anders war, der da aus der Rolle gefallen ist. Dieser Satz ist daher an Perfidie kaum zu überbieten. Peewit hat keine Chance zur Verteidigung, ohne diese ollen Kamellen wieder herauszuziehen. Du ruinierst diesen Blog mit solchen Äusserungen.

Daher meine Bitte an

@fl: Kümmer dich bitte drum!

Morph Februar 3, 2013 um 22:29

@Linus

Sorry, ich glaube, Du hast das in den falschen Hals bekommen! Mir geht es schlicht um eine Klärung der Frage, wie persönlich Blogkommunikation ist. Und es geht mir überhaupt nicht darum, @peewit mit einer alten Geschichte zu nerven. Um es sehr deutlich zu sagen: Ich fand das damals völlig unterirdisch und habe das auch damals geschrieben!

Übrigens ist Deine Sensibilität gegenüber meiner vermeintlichen Perfidie im Kontext von @Holgers Kommentar ziemlich komisch, muss ich sagen. ;-)

h.huett Februar 3, 2013 um 22:32

Morph

Du hast übersehen, dass das in der Öffentlichkeit dieses Blogs zwischen peewit und mir behoben wurde.

holger Februar 3, 2013 um 22:37

Morph

du verkennst, du unterstellst. Das ist auch dein Job. Woher willst Du denn wissen, wen ich hier in diesem Blog “kenne” oder wen nicht?

Von daher ist deine Aussage vollkommener Nonsens. Weil du weißt es ja gar nicht.

“Aber sie IST nicht persönlich.”

Woher willst Du denn das wissen? Ich habe mal gelernt: Ist eine Aussage absolut, ist sie Humbug!

Aber sie IST eine Scheibe!

topi Februar 3, 2013 um 22:38

Morph

“Was soll daran bitte ein Argument sein? Ich könnte doch dann auch ganz simpel sagen: Und das beste Gegenargument wiederum dagegen ist: Austausch findet nicht statt!”

Du könntest das sagen. Es ist aber dummes Zeug, dass dies das beste Gegenargument ist.

Ich hatte dich schonmal darauf hingewiesen, aber ich führe es gerne nochmal aus.
Die beiden Aussagen sind bei weitem nich tin ihrer Umfassendheit ebenbürtig!
Solange sich nur in irgendeinem Blog oder Forum zwei finden, die einen Austausch konstatieren, ist deine Aussage schlicht falsch.

Selbst dein: “Das Kriterium dafür, dass zwei Individuen durch den Austausch von Bedeutungen zu einer gemeinsam geteilten Überzeugung gelangen, liegt in ihrer beobachtbaren Kooperation. Eine solche Kooperation findet hier nicht statt und wird hier auch nicht vorbereitet”
ist falsch.
Allerdings ist das völlig egal, Austausch ist doch nicht erst Austausch, wenn er zu einer gemeinsam geteilten Überzeugung führt und gar zu beobachtbarer Kooperation. Das hast du ja auch nicht geagt, warum also dieses anführen?
Sieht doch sehr danach aus, deine missglückte Aussage zu retten.

Sobald du die scharfe Form der Aussage (“nicht”) verlassen musst, heißt es logischerweise, dass es Austausch gibt oder zumindest geben kann.

Dann stellt sich die Frage, ob man das will oder nicht, oder ob man das ausbauen will oder nicht, etc.pp.
Wenn du für dich hier, aus welchem Grund auch immer, ausschließen willst, dass du dich austauschst, mach das. (es stimmt nicht, aber mach ruhig)
Deine Verallgemeinerung allerdings ist unsinnig.

h.huett Februar 3, 2013 um 22:42

Linus

Wenn ich mich richtig erinnere, haben wir uns schon einmal über das Wort Perfidie unterhalten.

Wem wirfst Du hier mit welchem Recht Untreue vor?

Du überschreitest zum wiederholten Male ungezeichnete Grenzen, als würdest Du hier Gemeingüterrechte geltend machen.

h.huett Februar 3, 2013 um 22:43

Was macht denn dieser Lunatiker “holger” hier?

holger Februar 3, 2013 um 22:44

Und genau so “Argumentiert” Huett

Absolut! Alles was nicht in den “Biologischen” Gedankengang der Resonanzen passt, Passt eben nicht. Wo besteht da nun der Unterschied im ultimativen vermutlichen Denken?

Das ist Religion pur! Und das liegt alleinig darin, dass du vermutest Denken zu können. Dabei wirst Du gedacht.

Morph Februar 3, 2013 um 22:49

@Hans Hütt

Okay, mein Beispiel ist auch insofern schief, als Du und Frank natürlich persönlich involviert seid.

Aber ist es nicht so, dass wir es hier mit einer extrem reduzierten Form der Interaktion zu tun haben und die persönliche Betroffenheit eine qualitativ andere ist als im ‘richtigen’ Leben und der sozial folgenreichen Kommunikation?

Alle meine eigenen Erfahrungen und die Gespräche mit anderen anonymen Online-Kommentatoren darüber zeigen mir die merkwürdige ‘Andersartigkeit’ der Blog-Kommunikation im Vergleich mit der persönlich verantworteten Alltagskommunikation.

Und ich bin mittlerweile davon überzeugt, dass solche Kommunikationsabbrüche, wie @Treidelstein ihn vor ein paar Tagen vollzogen hat (und die ich auch selber schon früher gebracht habe), aus einer Fehleinschätzung über Form und Funktion der Blog-Kommunikation herrühren.

Ich merke jedenfalls an mir selber, dass man sich das Leben als Blog-Kommentator sehr viel leichter machen kann, wenn man die Künstlichkeit des Settings berücksichtigt.

h.huett Februar 3, 2013 um 22:50

holger

Ein Vollmond-Troll, der hier lautspeckig mit rechtlichen Schritten und was weiß ich droht und hier glaubt, einfach weiter rumspratzeln zu können, ich fasse es nicht.

holger Februar 3, 2013 um 22:56

huett

auch Du wirst gedacht…

Anmerkung HH: Dieser Quatsch steht hier, bis ich das mit Lübberding geklärt habe.

Linus Februar 3, 2013 um 22:56

@Morph:
Was die Entgleisungen in Holgers Kommentar anbetrifft, sind wir wohl einer Meinung.

Meine Ansicht bzgl. deines Posts an Peewit habe ich ja schon geschrieben.
Du kennst die Hintergründe dieser Story. Du erinnerst dich vielleicht auch, dass sich da schliesslich jemand entschuldigt hat, so gut es den Umständen entsprechend eben ging. Du weisst auch, dass es für Peewit anschliessend geraume Zeit ‘unmöglich’ war, wieder hier zu kommentieren. Das mag man so oder so sehen, aber nachvollziehbar war diese Haltung allemal.

Du magst ja Blog-Kommunikation für unpersönlich halten, weil sie angeblich keine Folgen fürs reale Leben zeitigt. Da kann man geteilter Meinung sein.
Jedoch hat ‘misslungene’ Kommunikation für den Blog ganz reale Folgen, z.B. den Verlust von Mitkommentatoren und damit von interessanten und konstruktiven Beiträgen. Das muss man nicht auch noch mit Gewalt kaputt schiessen.

Ich hielt es daher für nötig, darauf hinzuweisen – was ich hiermit getan habe. Peewit hat sicherlich auch deinen letzten Kommentar gelesen und wird das zu nehmen wissen. Macht es unter euch aus.

Vielleicht ist dir jetzt klar, in welchen Hals das auc

Linus Februar 3, 2013 um 22:58

Letztes Anhängsel bitte streichen.

h.huett Februar 3, 2013 um 23:01

Linus

Noch mal: Du hast hier keine Anweisungen zu geben.

Morph Februar 3, 2013 um 23:01

@Holger

“Woher willst Du denn wissen, wen ich hier in diesem Blog “kenne” oder wen nicht?”

Habe ich schon mitbekommen, dass Ihr Euch damals in Verlin getroffen habt und Du eine Reihe von Mitkommentatoren persönlich kennst.

Mein Punkt ist nur, dass das eine Besonderheit ist, die für Dich und alle, die sich persönlich kennen, relevant ist, aber nicht für die gesamte Blog-Kommunikation. Es ist eben keine zwingende Voraussetzung oder Folge, dass man sich kennt.

Und m.E. liegt in der Unbekanntheit eben auch das Potenzial der Blog-Kommunikation. Mein Eindruck ist auch, dass Persönliches geradezu stört. Ich glaube, dass Du auch deshalb manchmal hier herumwütest, weil Du viel Persönliches von Dir preisgibst, das kommunikative Feedback darauf aber mehr oder weniger unpersönlich bleibt (und aus systematischen Gründen bleiben muss).

Also, ich formuliere meine These anders: Die Blog-Kommunikation legt aus Gründen der Nichtanwesenheit der Kommunikationspartner und der grenzenlosen Öffentlichkeit des Kommunikationsgeschehens eine unpersönliche und unverbindliche Kommunikation nahe, provoziert aber durch ihren informellen Duktus Wünsche und Erwartungen nach Privatheit und persönlichem Engagement. Dass diese Wünsche und Erwartungen enttäuscht werden, liegt strukturell nahe und führt zu typischen Irritationen.

holger Februar 3, 2013 um 23:04

huett

—>>>Anmerkung HH: Dieser Quatsch steht hier, bis ich das mit Lübberding geklärt habe.”

Mach es!!! Einer vernünftige Entscheidung.

holger Februar 3, 2013 um 23:07

Linus

—>>>Was die Entgleisungen in Holgers Kommentar anbetrifft”

Wer bestimmt die Entgleisung? Und wer bestimmt darüber, dass die Entgleisung auch wirklich eine ist? “Hexenverbrennung”

Linus Februar 3, 2013 um 23:10

@huett:
Sehr gut, dass du die Angelegenheit klarstellst.
Zu Perfidie:
- Ich erinnere mich nicht.
- Mein Post ging an Morph, nicht an dich
- Zur Abgrenzung von Untreue verweise ich an Wikipedia

“Du überschreitest zum wiederholten Male ungezeichnete Grenzen, als würdest Du hier Gemeingüterrechte geltend machen.”
Ich bin mir keiner Schuld bewusst. Und hab ehrlich gesagt auch keinen Bock auf Streiterei.

holger Februar 3, 2013 um 23:13

Morph

—>>>Mein Punkt ist nur, dass das eine Besonderheit ist, die für Dich und alle, die sich persönlich kennen, relevant ist, aber nicht für die gesamte Blog-Kommunikation.”

Genau… will ich auch gar nicht bestreiten. Deswegen differenziere ich auch. Denn dadurch kannste Fake von anderen ein wenig unterscheiden. Warum sollte mich der Topistaner Verarschen wollen? Hat er gar nicht nötig! Und wenn doch! Dann ist es eben so.

Morph Februar 3, 2013 um 23:21

@topi

“Solange sich nur in irgendeinem Blog oder Forum zwei finden, die einen Austausch konstatieren, ist deine Aussage schlicht falsch.”

Also, ich behaupte nicht, dass kein Austausch stattfindet, sondern dass @Linus Argument, dass Austausch stattfindet, weil er das konstatiert, mich nicht überzeugt. Und ich glaubte, dass mit einem formal äquivalenten Argument demonstrieren zu können, dass schlicht in der Setzung des Gegenteils besteht.

In der Sache bin ich der Ansicht, dass der Begriff ‘Austausch’ eine schlechte Kategorie ist, um Kommunikation zu beschreiben. Ich hätte mich gar nicht auf diese Kategorie einlassen dürfen, das war mein Fehler, der zu Missverständnissen führen muss. Aber alltagssprachlich sehen die meisten Leute Kommunikation als Austausch und ich selber falle auch immer wieder in dieses falsche Schema zurück…

Kommunikation ist m.E. besser zu fassen als Teilnahme an etwas Gemeinsamen, das durch diese Teilnahme konstituiert wird, dessen Form aber von keinem der Teilnehmenden determiniert werden kann. Die Form dieses Gemeinsamen kann überdies von keinem Teilnehmer vollständig erfasst werden und auch die Folgen, die dieses Gemeinsame für Teilnehmer und Nichtteilnehmer hat und haben wird, sind nicht vollständig absehbar.

Am ehesten lässt sich Form und Funktion eines kommunikativen Zusammenhangs von Teilnehmern an ihrer beobachtbaren Kooperation feststellen, z.B. wenn Leute ein Klavier gemeinsam durch ein Treppenhaus bugsieren, dann wird die Form und Funktion der Kommunikation für einen externen Beobachter aber auch für die Teilnehmenden völlig klar.

f.luebberding f.luebberding Februar 4, 2013 um 00:38

Die Kommunikation in diesem Blog erinnert mich bisweilen an Homeland. Wäre ein interessantes Thema.

topi Februar 4, 2013 um 02:20

Morph
“Also, ich behaupte nicht, dass kein Austausch stattfindet”
na immerhin
“sondern dass @Linus Argument, dass Austausch stattfindet, weil er das konstatiert, mich nicht überzeugt. Und ich glaubte, dass mit einem formal äquivalenten Argument demonstrieren zu können, dass schlicht in der Setzung des Gegenteils besteht.”

Also glaubst du es nicht mehr, schön.
Und deine Überzeugung ist doch relativ irrelevant,wenn andere etwas für sich konstatieren, nur weil du es nicht teilst.

“Kommunikation ist m.E. besser zu fassen als Teilnahme an etwas Gemeinsamen, das durch diese Teilnahme konstituiert wird, dessen Form aber von keinem der Teilnehmenden determiniert werden kann. Die Form dieses Gemeinsamen kann überdies von keinem Teilnehmer vollständig erfasst werden und auch die Folgen, die dieses Gemeinsame für Teilnehmer und Nichtteilnehmer hat und haben wird, sind nicht vollständig absehbar.”

Und?
Das soll hier nicht stattfinden? Weil kein Klavier bewegt wird?

topi Februar 4, 2013 um 02:39

Aber nochmal zum Eingangstext.

” Herausforderung an eine Erneuerung der demokratischen Gesellschaft mit dem Ziel, den Demos wieder mit demokratisch legitimierten politischen Institutionen zu versöhnen”

Der Demos ist also der Trottel der nicht erkennt, dass die sich da strieten müssen, in ihren Parteien.

Vielleicht ist der Demos ja auch einfach nicht zufrieden mit den Angeboten, die zu kriegen sind?

Wieviel brachte denn die große SUper-Duper-Steuerschenkung von Eichel dem Medianeinkommensbezieher, 20 Euro?
Dafür durfte er ein Vielfaches an Gegenfinanzierung durch Verbrauchssteuern, durch kommunale ABgaben, durch Privatisierungen, durch sinkende öffentliche Leistungen leisten.

Letztere wirken teilweise (Verbrauchssteuern einkommensunabhängig, bis vollständig einkommensunabhängig (quasi Kopfsteuern). In den Medien durfte unser Demos aber erfahren, wie toll das doch gerade füe ihn persönlich sein; und wieso denn die nächsten Stufen der Steuersenkung unbedingt gezündet werden müssen.

Wollen die Menschen die gruns,dsätzliche Entwicklung, dass sie immer mehr aufgefressen werden von ihren Jobs, mit wachsender Unsicherheit, sinkender ABsicherung der elementaren Lebensrisiken, verrottender Infrastruktur, beschissenen Verhältnissen (gemessen an den Möglichkeiten) in Bildung und Betreuung und Pflege etc.

“Wir haben über unsere Verhältnisse gelebt”, was für ein Schwachsinn. (wir leben um 170 Milliarden unter unseren Verhältnissen, aber das hatten wir schon)

Die Produktivität steigt und steigt, aber die Gürtel sollen enger geschnallt werden mpssen.

Das kann der gemeine Demos nicht genau formulieren, weil es ihm ja nur häppchenweise und als Sachzwang aufgetischt wird.

Aber er spürt natürlich genau, wie er da verarscht wird, von den Parteien, die als wählbar promoted werden, von den Medien, denen sich kaum noch ausweichen lässt.

topi Februar 4, 2013 um 02:52

Doc D

” Ein bisschen anekdotische Evidenz hier aus dem bürgerbewegtem Südwesten:
Hier in Stuttgart und zum Teil auch darüberhinaus haben wir ja ausgehend von S21 eine recht ordentliche Wir-/Sie-Identifikationen hinbekommen, was dann auch prompt zur Abwahl der Landesregierung und zum Verlust des OB-Amtes für die bis dato regierende Partei in Stuttgart führte.”

Es gab mit den Grünen noch eine Partei, die glaubhaft machen konnte, mit dem Scheixx nichts zu tun zu haben.

Auf Bundesebene sieht das nun anders aus. :roll:

Von hier oben diagnostiziert sich das schwäbische Problem ja ganz einfach: da sollte kein Bahnhif gebaut werden, sondern möglichst viele Innenstadtflächen zur optimlen Vermarktung aufgetan werden. Ds bringt Kohle für einige wenige, und natürlich fällt für die Helfer genügend ab.

Nun gab es Proteste und wie gesagt auch noch eine Partei, die letztlich da.von profitieren konnte.

Oft genug sind sich aber genug Parteien einfach einig, solchen Dreck durchzuziehen. Dann kommt das große Gejaule, dass man “doch mal einen Bahnhof bauen” können muss.

Klar, muss man. Aber eben einen Bahnhof, als sinnvollen Teil der Infrastruktur, mit Nutzen für die Menschen (und auch den Güterverkehr).

Das oft gebrachte: “Klar. wenn der Staat baut, wirds Mist”
ist ja albern; der Mist wurde es, weil eben Partikularinteressen einer kleinen Minderheit die Entscheidung bestimmte.

Die “Lösung”, mehr privat machen zu lassen, ist ja vor diesem Hintergrund einfach albern. ECE hätte sicher keinen Bahnhof verbuddelt, nur um ein Grundstück zu kriegen. :roll:

Nein, wenn man das lösen will, dann mit konsequenter Beteiligung der Menschen, von Anfang an, mit breiter Information, und schließlicher ENtscheidung.

h.huett Februar 4, 2013 um 06:30

Lübberding

Gutes Stichwort. Paranoia. Da spratzelt dieses “holger” in phantastilliarden “Kommentaren” was von ” Weibchen” und seinem Lieblingsalbtraum, dass Alice Schwarzer sich um ihn kümmert. Dann konfrontiert man diesen Sinntorsionisten mit sich selbst und er schwafelt von Hexenverbrennung?

Ok. Kann er haben. Jetzt ist er also Hexe. Die werden ihm was husten.

Linus Februar 4, 2013 um 09:19

@Morph:
Den Vorwurf der Perfidie nehme ich zurück. Gut möglich, dass mich gestern die Paranoia überfallen hat. Dennoch bleibe ich bei meiner Ansicht, dass Peewit nicht darauf antworten konnte. Das hat mich dazu verführt, mich einzumischen. Für mich persönlich denke ich: besser so als anders.

Was topi’s Argument anbetrifft: Eine Falsifikation genügt. (danke an topi :-D). Formal hat er mE recht damit. Nur, finde ich, bringt uns das keinen Schritt weiter.
Es liegt natürlich im Ermessen jedes Einzelnen, welche Relevanz er diesem Blog zuschreibt. Und idT ist es ratsam, das alles nicht allzu ernst zu nehmen.
Vielen geht es hier um Austausch und Schärfung von Ansichten. Diese bleiben insoweit unverbindlich, als sie in der Mehrzahl der Fälle Privatmeinungen sind. Jeder nimmt sich halt, was er brauchen kann.
Damit jedoch dieser “Markt” gelingt, empfehlen sich gewisse Umgangsformen. Und die orientieren sich halt dann doch am Persönlichen, nicht aus irgendeinem höheren Grunde, sondern weil das Persönliche hier faktisch wirkt und eine wesentliche Rolle spielt. Ob es sich dabei um Einbildung oder Realität handelt, ändert wenig bis nichts am Outcome.
Also fährt man(!) grundsätzlich besser, wenn man den Ball flach hält. Dies ist freilich nur eine Daumenregel, die sich oft auch sinnvoll ins Gegenteil verkehren lässt.

Deine Position fasst sich für mich daher zusammen mit: “Leute, nehmt es nicht so persönlich!”. Dies muss jedoch ein Appell bleiben und kann keinen normativen Charakter beanspruchen.

Morph Februar 4, 2013 um 09:48

@Linus

“Dies muss jedoch ein Appell bleiben und kann keinen normativen Charakter beanspruchen.”

Mein Argument ist ein anderes: Das soziotechnische Ensemble des Mediums Blog-Kommunikation unterstützt strukturell unverbindliches, experimentelles, mitunter unverschämtes Kommunizieren.

Ich persönlich nehme das zur Kenntnis und stelle mich darauf ein. Es steht natürlich jedem frei, mit anderen, interaktionsethischen Erwartungen in die Blog-Kommunikation einzusteigen. Ich erkläre jedem, der es hören möchte, warum diese Erwartungen mit großer Wahrscheinlichkeit enttäuscht werden. That’s all!

Und noch ganz “persönlich” an Dich ;-) : Du kannst Dir von mir aus sowohl die sozialethische Bewertung meines Verhaltens noch irgendwelche Rücknahmen oder Entschuldigungen für vermeintliches Fehlverhalten Deinerseits sparen. Das rauscht so vorbei. Wenn im Fernsehen irgendeiner ‘Liebe Zuschsauer!’ sagt, fühle ich mich ja auch nicht persönlich adressiert.

Linus Februar 4, 2013 um 09:56

@Morph:
“Du kannst Dir von mir aus sowohl die sozialethische Bewertung meines Verhaltens noch irgendwelche Rücknahmen oder Entschuldigungen für vermeintliches Fehlverhalten Deinerseits sparen. Das rauscht so vorbei.”
Schon klar. Das geht mir mit dir genau so. Ist halt fürs Protokoll. ‘Liebe Zuschauer!’ ist zwar etwas langatmig, aber dafür nicht ganz so holprig :-D

Linus Februar 4, 2013 um 10:01

Nachtrag: Das Wort ‘persönlich’ ist ein seltsamer Zwitter. Zielt es eher in Richtung ‘verbindlich’ oder eher in Richtung ‘unverbindlich’?

Doktor D Februar 4, 2013 um 10:17

Es gab mit den Grünen noch eine Partei, die glaubhaft machen konnte, mit dem Scheixx nichts zu tun zu haben.

Auf Bundesebene sieht das nun anders aus.

Ich glaube nicht, dass es nur die sauberen Hände der Grünen waren, die zur Abwahl der CDU (und damit zu einer historischen Zäsur in BaWü) geführt haben. Die Fronten waren einfach total klar, auch was die beteiligten Personen anging. Mit Mappus und Kretschmann haben sich ja zwei konträre Politikstile gegenüber gestanden. Und dazu hat der Wahlkampf auch ordentlich beigetragen, das klar zu kriegen. Im OB-Wahlkampf war es dann ähnlich: CDU und Grüne haben jeweils ordentlich polarisierende Wahlkämpfe geführt (da sollte man sich von den langweiligen Plakaten nicht täuschen lassen) und jeder hat gewusst: Jetzt geht’s um was.

Mein Punkt war: Dass das mit unserer über Parteien organisierte Demokratie schon ganz gut klappen kann, wenn sich die Parteien selbst als politische Parteien verstehen – und nicht als technokratischer Sachwalter des objektiven Standes der Dinge. (TINA). Dann haben auch die wenigsten ein Problem damit, dass erstmal (und eben teilweise in nicht-öffentlichen Veranstaltungen) eine Positionen ausformuliert / gestaltet werden muss, mit der man dann in den Ring steigt. Ich habe den Eindruck, dass die Forderung nach mehr Transparenz in politischen Entscheidungsprozessen und nach mehr direkter Demokratie genau die Rückseite dieser Politikverweigerung der Parteien ist, aber sich nicht grundsätzlich gegen Parteien als Organisationsform unterschiedlicher (politischer) Interessen gerichtet.

h.huett Februar 4, 2013 um 10:17

topi

Deine Hinweise zur Empirie sind hilfreich. Sie vertiefen den Eindruck, dass der Beitrag nicht nur in Bezug auf Schmitt, sondern auch hinsichtlich des interessegeleiteten Framings der politischen und ökonomischen Lage aus zweiter Hand schöpft.

Linus Februar 4, 2013 um 11:02

@Doktor D: Sehr wichtiger Punkt!

Carlos Manoso Februar 4, 2013 um 12:31

@ Doktor D Februar 4, 2013 um 10:17
„Ich habe den Eindruck, dass die Forderung nach mehr Transparenz in politischen Entscheidungsprozessen und nach mehr direkter Demokratie genau die Rückseite dieser Politikverweigerung der Parteien ist, aber sich nicht grundsätzlich gegen Parteien als Organisationsform unterschiedlicher (politischer) Interessen gerichtet.“

Doktor D, in der „Forderung nach mehr Transparenz“ macht sich erstmal nur die Wunschvorstellung Luft, dass „die Politik“ auch „für den „Alltagsverstand jedes Normalmenschen verständlich“ gemacht werden kann (und soll). Die damit verknüpfte Forderung nach „direkter Demokratie“ ist allerdings idR. eine hirnentkernte Kurzschlussforderung !

Es ist sonnenklar, dass „direkte Demokratie“ auf der (lokalen) Ebene kommen wird (und muß“, deren Komplexität dem „Alltagsverstand jedes Normalmenschen verständlich“ ist oder direkt transparent gemacht werden kann.

Oberhalb dieser (lokalen) Ebene wird die „Forderung nach mehr Transparenz“ aber zwingend zur „Forderung nach mehr Vereinfachung“ führen. Der Staat übersetzt folglich den mit dieser Forderung verknüpften Druck der „Normalmenschen“ in seiner Innenfixierung bürokratisch mit „Bürokratieabbau“ (Stoiber in Brüssel !). Damit kann der Staat allerdings den politischen Druck der „Normalmenschen“ nicht verringern. Folglich wird der „Druck“ umgeleitet und umgelenkt auf „Exklusion“ der schnell wachsenden Anzahlen der „Überflüssigen“. Das reduziert den Druck aber nur wenig. Des Pudels Kern bleibt. Carl Schmitt schlug für diesen Fall schon vor 1933 die „Entkernung des Pudels durch Verpudelung des Kerns“ vor.

Das weiß auch Bundeskanzlerin Angela Merkel. Immerhin heißt Angela Merkels „sicherheitspolitischer Berater“ Erich Vad, CDU-Mitglied und Bundeswehrgeneral, Autor des Titels: “Freund oder Feind. Zur Aktualität Carl Schmitts”. Darin Erich Vad: „Die gestiegene Wahrscheinlichkeit eines Ernstfalls, die für Deutschland nach den Angriffen vom 11. September 2001 sehr deutlich geworden und die Tragweite der Außen- und Sicherheitspolitik deutlich gemacht zu haben schien, hat tatsächlich vor allem die Handlungsunfähigkeit einer nachbürgerlichen politischen Klasse gezeigt, deren Weltbild sich primär aus reeducation, aus den erstarrten Ritualen der Vergangenheitsbewältigung und Achtundsechziger-Mythologie speist. Diese geistigen Verirrungen bedürfen eines Gegenmittels, und in der politischen Philosophie Carl Schmitts könnte das zur Verfügung stehen.“
http://www.sezession.de/7844/freund-oder-feind-zur-aktualitaet-carl-schmitts.html

Linus Februar 4, 2013 um 12:50

@carlos:
–> “Oberhalb dieser (lokalen) Ebene wird die „Forderung nach mehr Transparenz“ aber zwingend zur „Forderung nach mehr Vereinfachung“ führen. Der Staat übersetzt folglich den mit dieser Forderung verknüpften Druck der „Normalmenschen“ in seiner Innenfixierung bürokratisch mit „Bürokratieabbau“ (Stoiber in Brüssel !).”
Diese “Vereinfachung” führt, unter den gegenwärtigen Umständen wie dem Mantra einer zunehmend zentralisierten Organisation, zur Reduktion des “Lokalen” und Ausweitung des “Pauschalen”.

–> “Damit kann der Staat allerdings den politischen Druck der „Normalmenschen“ nicht verringern.”
Genau. Diese Strategie ist, was Bedürfnisse von „Normalmenschen“ betrifft, kontraproduktiv. Der Schlüssel liegt mE nicht in ‘one fits all’-Lösungen, sondern in der Erabeitung lokaler Konzepte, also im Umbau der gesamten Organisationsstruktur weg vom Zentralismus.

Carlos Manoso Februar 4, 2013 um 13:03

@ Linus Februar 4, 2013 um 12:50
„ Der Schlüssel liegt mE nicht in ‘one fits all’-Lösungen, sondern in der Erabeitung lokaler Konzepte, also im Umbau der gesamten Organisationsstruktur weg vom Zentralismus.“

Linus, bevor ich’s vergesse, hier noch ein Foto von Erich Vad, Sicherheitsberater und Bundeswehrgeneral, für den die „geistigen Verirrungen“ der „Achtundsechziger-Mythologie „ des „ein Gegenmittel“ wie Carl Schmitt braucht. Auf dem Foto steht er stramm hinter Angela Merkel während Angela Merkel Oberst Klein danach die Hände schüttelt.
http://www.google.de/imgres?q=kundus+merkel&hl=de&client=opera&hs=aG1&sa=X&tbo=d&channel=suggest&tbm=isch&tbnid=uWIhknmWGxn7fM:&imgrefurl=http://www.badische-zeitung.de/ausland-1/ueberraschungsbesuch-angela-merkel-ist-in-afghanistan–13547236.html&docid=ev3rF3-Z-doWqM&imgurl=http://ais.badische-zeitung.de/piece/00/ce/bc/e9/13548777.jpg&w=1024&h=768&ei=b6APUeH-LYKm4ATL44HQDQ&zoom=1&iact=hc&vpx=978&vpy=125&dur=2629&hovh=194&hovw=259&tx=156&ty=125&sig=102825879887431773223&page=1&tbnh=139&tbnw=208&start=0&ndsp=26&ved=1t:429,r:4,s:0,i:94&biw=1280&bih=911

Doktor D Februar 4, 2013 um 13:55

@cm: Das ist ja ein interessanter Typ, der Herr Vad. Danke für den Hinweis!
Was würdest du denn als lokalen Konflikt / lokale Entscheidung definieren? Und was ist national und international? Bei S21 ist ja beispielsweise all das auf das schönste miteinander verwickelt: Da kommt Geld von der EU, von Berlin, vom Land, von der Stad, der Bahn etc… Vermutlich sind ja mittlerweile alle größeren Projekte so finanziell und institutionell aufgestellt – und dann stehen sie halt bei jemandem ganz konkreten vor der Haustür. Macht es da überhaupt Sinn, lokal und übernational zu treten?

Carlos Manoso Februar 4, 2013 um 14:12

@ Doktor D Februar 4, 2013 um 13:55
„@cm: Das ist ja ein interessanter Typ, der Herr Vad. Danke für den Hinweis!“

Erich Vad ist im Kanzleramt Angela Merkels unter anderem zuständig für den Bundessicherheitsrat. Übrigens war schon lange öffentlich bekannt, „dass Vad im Jahr 2003 für eine Zeitschrift der “Neuen Rechten” geschrieben hat: die Sezession, Sprachrohr des Instituts für Staatspolitik. Die “Neue Rechte” gilt als Strömung, die eine “Scharnierfunktion” zwischen Konservatismus und Rechtsextremismus einnimmt. Zudem referierte Vad 2003 bei der Winterakademie des Instituts für Staatspolitik, das damals noch vom Verfassungsschutz beobachtet wurde. Der NRW-Verfassungsschutz erwähnte es in seinem im Frühjahr 2003 veröffentlichten Bericht im Kapitel “Rechtsextremismus”.
http://www.taz.de/!50993/

„Was würdest du denn als lokalen Konflikt / lokale Entscheidung definieren? Und was ist national und international? (….) Macht es da überhaupt Sinn, lokal und übernational zu treten?“

Doktor D, „im Vertrag über die Gründung der Europäischen Gemeinschaft bestimmt Art. 5 Abs. 2: „In den Bereichen, die nicht in ihre ausschließliche Zuständigkeit fallen, wird die Gemeinschaft nach dem Subsidiaritätsprinzip nur tätig, sofern und soweit die Ziele der in Betracht gezogenen Maßnahmen auf Ebene der Mitgliedstaaten nicht ausreichend erreicht werden können und daher wegen ihres Umfangs oder ihrer Wirkungen besser auf Gemeinschaftsebene erreicht werden können.“
http://de.wikipedia.org/wiki/Subsidiarität_(Recht)

„Nach dem „Subsidiaritätsprinzip“ soll eine (staatliche) Aufgabe soweit wie möglich von der unteren Ebene bzw. kleineren Einheit wahrgenommen werden. Die Europäische Gemeinschaft darf nur tätig werden, wenn die Maßnahmen der Mitgliedstaaten nicht ausreichen und wenn die politischen Ziele besser auf der Gemeinschaftsebene erreicht werden können.“
http://www.bpb.de/wissen/3H53IP

Doktor D Februar 4, 2013 um 14:20

#Slightly OT: Bei der Weltmachtwerdung Deutschlands setzt man im Kanzleramt aber jetzt wohl eher auf die neue Wunderwaffe Euro als auf die klassischen Methoden.

Carlos Manoso Februar 4, 2013 um 14:37

@Doktor D Februar 4, 2013 um 14:20
„#Slightly OT: Bei der Weltmachtwerdung Deutschlands setzt man im Kanzleramt aber jetzt wohl eher auf die neue Wunderwaffe Euro als auf die klassischen Methoden.“

Doktor D, diese anachronistischen Interpretationsmuster „Immer wieder Weltmachtwerdung Deutschlands“ sind seit dem Ereignis des 11. September 2011 endgültig abgestürzt. Solche Denkmuster zeigen, in welchem Ausmaß Begriffe („Weltmachtwerdung“, „Wunderwaffe“) verludern müssen bei Leuten, die sogar 2013 noch mit ihren anachronistischen Projektionen auf die Weltkriegsepoche weitermachen

Einige neurechte Figuren wie Erich Vad im Umfeld Angela Merkels sind im Vergleich schon ein paar Meter weiter:
„Die gestiegene Wahrscheinlichkeit eines Ernstfalls, die für Deutschland nach den Angriffen vom 11. September 2001 sehr deutlich geworden und die Tragweite der Außen- und Sicherheitspolitik deutlich gemacht zu haben schien, hat tatsächlich vor allem die Handlungsunfähigkeit einer nachbürgerlichen politischen Klasse gezeigt, deren Weltbild sich primär aus reeducation, aus den erstarrten Ritualen der Vergangenheitsbewältigung und Achtundsechziger-Mythologie speist. Diese geistigen Verirrungen bedürfen eines Gegenmittels, und in der politischen Philosophie Carl Schmitts könnte das zur Verfügung stehen.“
http://www.sezession.de/7844/freund-oder-feind-zur-aktualitaet-carl-schmitts.html

Doktor D Februar 4, 2013 um 14:41

Oh Carlos, dein Sinn für Humor ist ein unterentwickelter!
Aber im Ernst: Herr Vad bemüht ja gerade Sprach- und Denkfiguren aus den 20er und 30er Jahren. Warum sollte der nicht in solchen für große Weltweise wie dich natürlich völlig indiskutablen Kategorien denken? Und damit möglicherweise reales politisches Handeln beeinflussen?

Carlos Manoso Februar 4, 2013 um 14:57

@Doktor D Februar 4, 2013 um 14:41
„Oh Carlos, dein Sinn für Humor ist ein unterentwickelter!
Aber im Ernst: Herr Vad bemüht ja gerade Sprach- und Denkfiguren aus den 20er und 30er Jahren. „

Doktor D, offensichtlich ist der Eurocent bei dir jetzt gefallen ! Herrn Vads halluzinatorische Wahrnehmungen („Achtundsechziger-Mythologie … diese geistigen Verirrungen“ )schließen sich bei ihm zum kompletten Wahnsystem einer anachronistischen „Parallelwelt“, die kein Fenster mehr zur Wirklichkeit hat. Vermutlich ist das die „Parallelwelt“ zur „Parallelwelt“, die der neurechte „Sicherheitsberater“ Erich Vad auf „islamistische Selbstmordattentäter“ projiziert.

PS:
Erich Vads neurechte Einordnung Carl Schmitts als Ur-Liberalen a la Hobbes) ist übrigens m.E. goldrichtig.

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