Ökonomische Anreize und der politische Skandal

by f.luebberding on 19. Februar 2013

Es gibt zur Zeit zwei große Debatten in der Öffentlichkeit: Zum einen die Wiederentdeckung des Pferdefleisches als Grundnahrungsmittel, zum anderen die Diskussion über den Einsatz von Leiharbeitern bei Amazon. Was sich aber signifikant unterscheidet, ist die politische Reaktion. Über die Hntergründe des Einsatzes von Pferdefleisch in der Lebensmittelindustrie wissen wir bis heute fast nichts. Bisher ist lediglich die Existenz des Pferdefleisches in diversen Produkten nachgewiesen worden. Ansonsten wissen wir weder, wie lange es diese Verwendung gibt, noch etwas über die handelnden Akteure. Laut der Bundeslandwirtschaftsministerin sollen sie in Rumänien zu finden sein. In der Plasberg-Frühkritik der Kollegin Christine Hucklenbroich findet man eine gute Zusammenfassung unseres bisherigen Nicht-Wissens. Das hindert die Politik aber nicht daran, von Brüssel über Berlin bis in die Landeshauptstädte mit Aktionsplänen auf den Lebensmittelskandal zu reagieren. Bezüglich der Leiharbeit bei Amazon haben wir ein solides Wissen über die Hintergründe deregulierter Arbeitsmärkte. Wir kennen die Folgen. Aber es gibt weder in Brüssel, noch in Berlin irgendeinen Aktionsplan zur Beseitigung solcher Mißstände. Die Bundesarbeitsministerin will lediglich den Sachverhalt prüfen, so ließ sie am Sonntag über die “Welt am Sonntag” mitteilen.

Dieser Unterschied in der politischen Verarbeitung zweier aktueller Skandale wirft durchaus Fragen auf. Gesundheitspolitische Überlegungen können dabei keine Rolle spielen. Aus dem Verzehr mit Pferdefleisch kontaminierter Lasagne hat noch niemand schwerwiegende gesundheitliche Risiken diagnostiziert. Es lässt sich offenkundig auch nur mit Hilfe von DNA-Analysen nachweisen. Der Verbraucherschutz bezieht sich also letztlich auf die Falschdeklarierung von Lebensmittelinhaltsstoffen. Nur um das einmal drastisch zu formulieren: Was ist eigentlich skandalöser? Die Lebensumstände von Leiharbeitern in der deutschen Arbeitsmarktordnung oder das Pferdefleisch, das in der Lasagne dieser Leiharbeiter nach Feierabend gefunden worden ist? Übrigens war der Einsatz von Leiharbeitern in deutschen Schlachthöfen auch schon einmal ein Thema gewesen. Es hatte allerdings nicht die Aufmerksamkeit gefunden, wie der aktuelle Fall bei Amazon. Es stellt sich somit eine Frage:

Nach welchen Anreizsystemen funktioniert die deutsche Politik? Ob sie nämlich ohne relevantes Wissen mit Aktionsplänen oder trotz aller verfügbaren Informationen mit Prüfaufträgen reagiert.

Es gibt im Falle des (toten) Pferdes übrigens eine rechtliche Grundlage im Tierkörperbeseitigungsgesetz. In Deutschland ist die Beseitigung von toten Pferdekörpern mit geringen Kosten verbunden, weil über eine Pfichtversicherung abgedeckt. Es gibt sogar eine Seite, die sich unter anderem mit der Trauerarbeit der Eigentümer des gestorbenen Vierbeiners beschäftigt. Der Verzehr von Lasagne gehört nicht dazu. Jetzt stellt sich aber eine Frage. Wie sehen vergleichbare Regelungen in anderen europäischen Staaten aus? Ist dort zwar ein auf einer EU-Richtlinie beruhendes Tierkörperbeseitigungsgesetz ebenfalls in Kraft, aber die Beseitigung des toten Pferdes mit solchen Kosten verbunden, dass sich die Schlachtung lohnte? Das wäre ein interessanter ökonomischer Anreizmechanismus, sicher nicht nur in Rumänien. Nur gibt es halt ein Problem. Dass für dieses Fleisch kein Markt existiert.

Was läge also näher als einen Mechanismus einzurichten, der dieses ansonsten nutzbare, aber nicht marktfähige Fleisch der Lebensmittelindustrie in solchen Mengen anbietet, dass es erst einmal nicht auffällt – oder nur durch eine kostspielige DNA-Analyse, die ansonsten in der Gerichtsmedizin genutzt wird?

Nun ist in dem Aktionsplan der Bundesregierung von einer Reaktion auf die Ursachen des Skandals nicht die Rede. Sie sind ja auch nicht bekannt, so der allgemeine Eindruck. Aber hier gibt es dann doch jenen gesuchten Zusammenhang zwischen dem Amazon- und dem Pferdefleisch-Skandal. In derartigen Fällen gibt es zumeist gut funktionierende ökonomische Anreize, um die Risiken solchen Handelns einzugehen. Zumeist sind dafür die Rahmenbedingungen verantwortlich zu machen, die die Politik setzt. Bei uns könnte es jene Pflichtversicherung für Pferdehalter sein, die die Beseitigung von Pferdekadavern in der Lasagne nicht lukrativ macht. Nur ist von solchen Mechanismen bisher nirgendwo die Rede. Was das aber noch bedeutet. Dass in Deutschland der Verbraucherschutz wohl besser funktioniert als die Ordnung auf dem Arbeitsmarkt. Immerhin landet unser Pferdebestand offenbar nicht in der Tiefkühltheke.

{ 199 comments }

Gregor Keuschnig Februar 19, 2013 um 13:21

Ein Markt für Pferdefleisch existiert sehr wohl. Frankreich, Italien und Belgien sind in Europa Länder, in denen man Pferdefleisch in Supermärkten findet. Das Problem ist, dass seit je Verzehr-Hemmungen gibt (zeitweise war der Verzehr sogar verboten). Neulich sah ich, dass der Pferdemetzger auf dem markt sein Fleisch als Tierfutter anbot, was auch nicht unbedingt appetitanregend ist.

Natürlich sind die ökonomischen Reize, die in einem Fall als Skandal dargestellt werden, im anderen Fall augenzwinkernd geduldet sind, die Ursachen. Nur: Was machen wir eigentlich, wenn Amazon vom Saulus zum Paulus würde? Welchen Paketdienst “dürfen” wir denn nehmen? DHL? UPS? Hermes? Alles Unternehmen, die teilweise noch weit schlechtere Arbeitsbedingungen bieten.

Theophil Februar 19, 2013 um 13:29

Gute Gedanken, ich stimme ja nicht immer zu ;-)

Der ökonomische Anreiz entsteht natürlich, wenn der Staat die Einhaltung geltender Gesetze nicht regelt und die Möglichkeit besteht, die Gesetze zu umgehen, ohne große Öffentlichkeit zu erzeugen. Das gelingt den namenlosen Pferdeverwurstern offensichtlich länger als es sichtbaren internationalen Firmen gelingt.

Dass der ein oder andere den Wunsch hegt, zu seinem eigenen Vorteil die explizit oder implizit geltenden Regeln zu umgehen, ist ja kein Phänomen, dass nur in der Wirtschaft auftritt. Der betrügende Ehemann oder die plagiierende Doktorandin fallen auch in die Kategorie.

Frankie Bernankie Februar 19, 2013 um 13:49

@Luebberding

“Nur um das einmal drastisch zu formulieren: Was ist eigentlich skandalöser?”

Ich finde das nicht drastisch formuliert, sondern, nun ja, es ist eine Fragestellung , die nicht unbedingt zu Erkenntnisgewinn führt. ( “Was ist skandalöser: die Leiharbeit bei Amazon oder die NSU-Morde oder dass Kampfhunde immer noch Kinder totbeissen?” – das wäre eine ähnliche Fragestellung mit nur begrenzter Wirkung).

Und ja, “der Verbraucherschutz funktioniert besser als die Ordnung auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland”; aber auch die Strassenverkehrsordung funktioniert besser – es sind halt Problembereiche von unterschiedlicher Bedeutung und Dimension, die zu vergleichen ich nicht für besonders sinnvoll halte.

Am Arbeits- und Armutsmarkt spielt sich einer der Grundkonflikte der Sozio-Ökonomie ab: Solidarität versus Eigenverantwortung , mit all seine Ableitungen.

Entsprechend alt und ungelöst ist dieser Konflikt.
Beim Verbraucherschutz spielt sich nichts dergleichen ab: da geht nur um Durchführungsverordnungen und deren Einhaltung.

Deshalb kann Politik beim Pferdefleisch sehr schnell agieren.

f.luebberding f.luebberding Februar 19, 2013 um 13:53

Keuschnig

Wenn es einen Markt geben sollte, der das Angebot an Pferdefleisch aufnehmen kann, müsste man wohl kaum in dieser Grauzone handeln. Immerhin könnte man auch eine Frage klären: Handelt es sich um die ominösen rumänischen Pferde, die plötzlich auf dem Markt aufgetaucht sind? Dann lohnt sich für den Einzelfall der politische Aufwand nicht. Es werden ja nicht jeden Tag Pferde durch Traktoren ersetzt. Oder es ist ein systemisches Problem. Dann sollte man wenigstens wissen, welche Anreize hier eine Rolle spielen. Offenkundig scheint man in der Debatte aber noch nicht soweit zu sein, um solche Fragen zu klären … .

TheRealSlimShady Februar 19, 2013 um 14:00

Den “Amazon-Skandal” fabulierst du dir herbei, mein Gutster. Ich sehe weit und breit keinen solchen, auch wenn sich das Wort vielleicht in der Schlagzeile gut macht. Denn dass es auf der untersten Sprosse der sozialen Leiter recht ruppig zugeht, und das beileibe nicht nur bei Amazon, ist weit und breit bekannt. Wo soll da also der Skandal sein? (Hinweis: als ultimativen Lackmus-Test einfach mal “Skandal” in Google eingeben… Ergebnis: Pferdefleisch dutzendfach, Amazon nullo).

Amazons Praxis mag moralisch als grenzwertig sein, sie ist aber offenbar absolut legal. Pferdefleisch als Rindfleisch zu etikettieren, und das im großen Stil, ist aber eindeutig Betrug.

Um mal ein gerne von dir verwendetes Schema aufzugreifen: Du begehst einen Kategorienfehler!

TheRealSlimShady Februar 19, 2013 um 14:02

Und ja: Beim Fressen versteht der Deutsche keinen Spass! Dass die Politik entsprechend ihre Prioritäten ausrichtet, sollte niemand verwundern.

Sven Februar 19, 2013 um 14:11

“Ob sie nämlich ohne relevantes Wissen mit Aktionsplänen oder trotz aller verfügbaren Informationen mit Prüfaufträgen reagiert.” – Genau das Erstere würde ich auch in Frage stellen. Jeder kennt einen öffentlichen Bediensteten der einen die dollsten Schoten aus seinem Bereich erzählen kann. Der prinzipielle Kenntnisstand ist also da. Die Frage muss also lauten: “…trotz relevantem Wissen…” – Das läuft dann wieder auf eine Finanzierungsfrage hinaus, Bund, Länder und Kommunen ziehen dann das Innenfutter ihrer Hosentaschen heraus und alle so: “yeah”. ;) Dann wird sich verständnisvoll in der Runde zugenickt und Thema durch.

Ich bin mir völlig sicher, ohne 1€ Zusatzkosten für die öffentliche Hand liesse sich eine 1A-Lebensmittelüberwachung installieren. Amazon dito.

56 Februar 19, 2013 um 14:11

Haha – der niedrige Brotpreis in Rußland war einfach skandalöser!!!

Nicht wahr Herr Luebberding??

TheRealSlimShady Februar 19, 2013 um 14:11

Sehr erfrischend und in meinen Augen absolut zutreffend dieser Beitrag zum Thema in der Freitag-Community:

http://www.freitag.de/autoren/lebowski/ein-skandal-der-keiner-ist

Doktor D Februar 19, 2013 um 14:20

Das Essen ein durch und durch kulturalisiertes symbolisches Feld ist, ist ja nun nicht neu. Wenn da Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen nicht zweifelsfrei erkennbar ist, kriegen die Leute jedesmal metaphysische Panik. Und das anscheinend gerade, weil die meisten Deutschen sich beim Fressen sonst überhaupt keine Gedanken machen. Hier möchte man gerne Cent-Beträge für Lebensmittel bezahlen und wundert sich dann, dass man Müll serviert bekommt.

56 Februar 19, 2013 um 14:21

” Im Kapitalismus gibt es ein anderes Problem: Er produziert einen Überschuss, den wegzuwerfen sogar im Preis seinen Ausdruck findet. Aber letztlich reguliert der Preis die Nachfrage. ”

http://www.wiesaussieht.de/2013/01/04/uber-den-brotpreis-und-medienmarkte/

Sven Februar 19, 2013 um 14:23

Oh, Frau Kühnast & Co. fehlt noch in den Betrachtungen: Der Bürger könne die Qualität am Preis ablesen. Das ist auch so ein Standard-Kracher.

@WGN: Sag einfach, Dich langweilen die hier geäußerten Meinungen und gut ist. Mit den provokanten Posts kommst Du auch nicht weiter. Statt den einen Teil der Kommentaristen anszuspornen, zeitigst du nur die Beissreflexe des anderen. Perlen vor… – na und so weiter.

f.luebberding f.luebberding Februar 19, 2013 um 14:24

Könnte eine gute Debatte werden.

Frankie

Es geht ja um eine grundlegende Frage. Wie verarbeitet das politische System Skandale? Insofern ist der Inhalt erst einmal egal, es betrifft dann nur unterschiedliche Ressorts. Die Erklärung zur Arbeitsmarktordnung hat TRSS ja noch konkretisert. Es ist kein Skandal, sondern sie ist, so wie sie ist, politisch legitim. Dass es sich bei Amazon um einen Skandal handelt, scheint wenigstens das Unternehmen so zu sehen: Sie haben mittlerweile zwei der drei Dienstleister gefeuert, weil sie sich nicht an die Regeln des Konzerns gehalten hätten.

TRSS

Ob es legal ist, will die Ministerin von der Leyen ja noch prüfen … . Interessant finde ich die Google Suche – auf die Idee bin ich tatsächlich noch nicht gekommen. Wenigstens wird man jetzt einen Treffer haben … . Bisweilen habe ich das Gefühl, dass die Politik von diesem Google-Algorithmus ihre Reaktion abhängig macht. Nur ab wann wird etwas zum Skandal? Bei Verstößen gegen geltende Gesetze oder wenn man die geltenden Gesetze für unzureichend hält, moralisch grenzwertiges Handeln zu verhindern? Mir ist wenigstens beim Pferdefleisch-Betrug immer noch völlig unklar, was dort eigentlich passiert ist. Wenn es einfache Gesetzesverstöße gegeben haben sollte, reicht das Ordnungs- und Strafrecht. Das kann zwar politischen Aktivismus auslösen, aber der ließe sich dann wirklich nur mit Deiner Google-Suche begründen.

f.luebberding f.luebberding Februar 19, 2013 um 14:27

56

Der Hinweis ist nützlich.

hg! Februar 19, 2013 um 14:41

@TheRealSlimShady Februar 19, 2013 um 14:02
“Und ja: Beim Fressen versteht der Deutsche keinen Spass! Dass die Politik entsprechend ihre Prioritäten ausrichtet, sollte niemand verwundern.”
———————

===> … nich nur beim Fressen, mein @Gutster! … jetzt ist langsam mal Schlußß mit luschtig …

Ludwig Büchner Februar 19, 2013 um 14:47

@FL
Was es zum Pferdefleisch zu sagen gibt, hat Erber schon am Sonntag aufgeschrieben:
http://phraathit.wordpress.com/2013/02/17/der-verbraucherschutz-von-schwarz-gelb-a-ilse-aigner/

Die Auswirkungen auf die Gesundheit der Konsumenten sollte man aber nicht so leicht abtun, denn da halten jetzt alle den Deckel drauf um bloß nichts hochkommen zu lassen.
Auch hier gilt, wie ich das schon bei Bonse geschrieben habe: Alle sind im Widerstand: Frau vdL ist gegen die Zustände bei Amazon und wird das aufs schärfste prüfen lassen. Frau A. lässt prüfen und prüfen und ist ganz klar für schärfere Kontrollen, damit wir diesen Verbrechern endlich das Handwerk legen.
Wer sich mal durchgoogelt und auf die Namen achtet, wird schnell bemerken, dass es bei Lasagne Skandal nicht um irgendwelche Rümänischen Banden geht sondern, dass wir es wohl mit der Creme de la Creme der Europäischen Lebensmittelscharlatane zu tun haben. Ganz grosse OK sozusagen, da muss Frau A. natürlich ein wenig vorsichtiger sein.

Carlos Manoso Februar 19, 2013 um 14:49

@ f.luebberding Februar 19, 2013 um 13:53
„Offenkundig scheint man in der Debatte aber noch nicht soweit zu sein, um solche Fragen zu klären … .“

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_183-R77871,_Berlin,_Einwohner_zerlegen_ein_Pferd.jpg

Morph Februar 19, 2013 um 15:02

@TRSS

“Sehr erfrischend und in meinen Augen absolut zutreffend dieser Beitrag zum Thema in der Freitag-Community”

Stimmt. Super Text. Preisfrage: Erkennst Du den logisch-rhetorischen Unterschied zu Deinen Äußerungen?

Frankie Bernankie Februar 19, 2013 um 15:12

@Luebberding , @TRSS

“Die Erklärung zur Arbeitsmarktordnung hat TRSS ja noch konkretisert. Es ist kein Skandal, sondern sie ist, so wie sie ist, politisch legitim.”

Hallo ?!
Hier täuscht sich auch mal der grosse TRSS.
Natürlich ist es ein Skandal und streckenweise sicherlich auch illegal, wenn Sicherheitsdienste die Leiharbeiter bis ins abgesperrte Hotel begleiten, sie beim Abendessen nicht aus den Augen lassen, ungefragt die Zimmer betreten ( auch bei Abwesenheit) und durchsuchen, etc.
Da braucht mir keiner erzählen, das sei legal und “so ginge es nun mal zu auf der unteren Sprosse der Sozialleiter, das müsse man aushalten”.

Muss man auch nicht, diese unsägliche Truppe ist ja entfernt worden.

h.huett Februar 19, 2013 um 15:17

TRSS

Der Lackmus-Test via Google ist untauglich, weil zu grobmotorisch für die freiliegenden zuckenden Nerven eines under scrutiny gelangenden Geschäftsmodells. Im amerikanischen Medienbusiness sind Reaktionen auf aufpoppende Google-Hits ein Symptom fürs Versagen.

hg! Februar 19, 2013 um 15:18

zu Amazon:

Die transeudssrische Hinundher-Deportation von eudssr-europäischen Arrrrbeitsstrichersklaven in Bussen … ist schon lange Gang & Gäbe in der Faschopathen-EUdSSR.

Kann der @HÜTT freilich nett wißßen … weil er “die Wirtschaft” bekanntlich nur aus der Subtellerrand-Perspektive seiner Schreibstube in ‘ner Berliner PR(opaganda)-Klitsche kennt.

Und diese Faschopathen-EUdSSR … ist SO … eben genau SO … wie die knallrothschildroten “Sozial”-”Demokraten” sie im Auftrag ihrer Hintertanen errichtet hamn – vertraglich. … und das ist auch gut so! … jedenfalls aus Sicht der knallrothschildroten “Sozial”-”Demokraten” und deren Hintertanen in Manhattan.

Als der @Hütt in seiner Berliner PR(opaganda)-Klitsche nach eig’ner Aussage Assistent der Geschäftsleitung für Fortbildungsfragen war, also eine Position, vergleichbar wohl am ehesten mit derjenigen von Frau Dr. Annette Schafwahn innerhalb der Bundesregierung, … da war @HG zB mal für einige Zeiteinheiten bei einem der weltgrößßten Software-Firmen in der ganzen Milchstrasse. Die hamn da gerade einen neuen legebatterieartigen Gebäudekomplex für ~2000 SAP-Fraggleknechte hochgezogen. Und wie der HG da vorbei spazierte um sich das mal anzusehen, da kamen plötzlich drei Busse angeparkt und es entstiegen ca 100 fremdsprechende Unterschichtlinge in blauen Overalls und verschwanden schnurstracks im Lieferanteneingang. Ich weißß noch, wie ich erstaunt war darüber; daßß es sich wirklich lohnt, diese Hilfsarrrbeiter aus Portugal ranzukarren, damit die darin einfache Handlanger-Arrrbeiten bei der Inneneinrichtung vollrichten. Das war so ca. 2004, … also lange vor der Euro-Kriieeese, von der laut @Hütt ja mal wieder angeblich die Deutsen so sehr arg stark profietirren … nachdem sie – zumindest laut @Hütt – ja vorher schon so sehr arg stark von der Einführung des Euro profietirrt hamn … diese Behauptungen sind echt irre, @Hütt!! … wie oft hat man dir da die Fakten schon um die Ohr’n gehauen … ??

http://666kb.com/i/cbldd2ty6c7kz3u2t.gif

Die sogenannte “Arbeitnehmerfreizügigkeit” ist doch so ziemlich eines der “höchsten” “Güter” in der linkspopolustisch-radikalplutokratisch entarteten, us-dominierten EUdSSR-Wirtschaftsdiktatur … schon vergeßß’n, … @HÜTT & @FLÜBBERDING?? … das sind doch @EURE Verträge!! … die habt ihr Soz’n nicht nur abgenickt, die habt ihr sogar mit entworfen! … also hört doch einfach auf mit … dieser erbärmlichen Keuchheuchelhusterei!! … kann man ja – als anständiger Mensch(!!) – beim besten Willen nicht ertragen …

h.huett Februar 19, 2013 um 15:20

Frankie

Die dokumentierten Tatbestände berühren Grundrechte aus den ersten Artikeln unserer Verfassung. TRSS ist als österreichischer Import dafür erstaunlich unsensibel.

Frankie Bernankie Februar 19, 2013 um 15:24

@TRSS

“Hinweis: als ultimativen Lackmus-Test einfach mal “Skandal” in Google eingeben… Ergebnis: Pferdefleisch dutzendfach, Amazon nullo).”

Naja, das könnte auch dem Umstand geschuldet sein, dass man einfach ungern seine besten Geschäftspartner desavouieren will…es ist bis heute ein Geheimnis von google, wie es die Trefferreihenfolge algoritmisiert. Dabei ist es vielleicht ganz einfach: wer am meisten zahlt, bekommt den Platz an der Sonne. Und amazon ist da oft zu finden.

h.huett Februar 19, 2013 um 15:25

hg

Für Dich Irren ist “Schluss mit luschtig”, weil Du ein Anhänger der equiniden Idolatrie in Nachfolge Kublai Khans bist, die Dich als unbehuften Zweifüßer nicht für voll nimmt, ergo hg.

Zartes Hohnwiehern aus der Ferne.

Hauke Februar 19, 2013 um 15:55

@Frank Lübberding

“Wenn es einfache Gesetzesverstöße gegeben haben sollte, reicht das Ordnungs- und Strafrecht.”

Die Kontrollen sind in Deutschland vergleichsweise engmaschig, die Geldbußen bei Verstößen relativ gering. Wenn es zu großflächigen Verstößen kommt, so ist dies ursächlich auf ein Versagen des Kontrollsystems zurückzuführen, da die Höhe der Geldbußen keine abschreckende Wirkung entfalten können. Deshalb musste hier die Politik schnell aktiv werden und Handlungsfähigkeit simulieren. Könnte ja einer auf die Idee kommen, dass es in einer globalisierten Welt diese Kontrollmöglichkeiten gar nicht mehr gibt.

h.huett Februar 19, 2013 um 15:59

Sie nannten ihn meistens aus Mitleid “das Halbpferd”, weil es ihm an allem mangelte, so entschied er sich zu dem Namen hg, als Identifikation mit dem ihm überlegenen Aggressor. Bleibt nichts als ein keifender Wicht.

Stephan Februar 19, 2013 um 16:03

Der Gourmet spricht: natürlich gibt es einen Markt für Pferdefleisch. Ich kann @FL nur ans Herz legen mal diesen guten Beitrag seiner Lieblingszeitung zu lesen: “Vom Pferd“.

PS: Ich bestelle gerne ein paar Haflinger-Schnitzel für die Familie Lübberding. Damit am Sonntag mal was ordentliches zum Essen auf den Tisch kommt.

herb ransom michaelsen Februar 19, 2013 um 16:03

?Also ich weiß nun wirklich nicht, ob man wirklich davon ausgehen kann, dass „nur“ rumänische Pferde in die Lasagne gewandert sind, wie das hier unterstellt wird.

Meine umfangreichen, nennen wir sie mal – ethnographischen – Studien in der einschlägigen Branche sagen mir, dass der Handel mit Pferden eher an den Handel mit Immobilienkreditverbriefungen vor der Finanzkrise erinnert. Gerade dadurch, dass Bestände nicht lückenlos überwacht sind (also anders als bei Schweinen und Rindern keine zentralen, für die Vergabe von EU-Subventionen relevanten Datenbanken existieren), gibt es in den dunklen Randbereichen des Pferdehandels so allerhand schwarze Löcher, z.T. nicht-monetarisierte Schattenmärkte in die jene Pferde verschwinden, die nicht „funktionieren“, die alt, nicht rittig, sonstwie defizitär sind, die Geschwüre am Bauch haben oder deren Gliedmaßen arthritisch oder vereitert sind. Nur mal so als Beispiel.

Interessanterweise werden solche Tiere in bestimmten, tendenziell zwielichtigen Kreisen bevorzugt gehandelt. Durch diverse „Deals“ und häufige Transaktionen verlieren dann Pferde ihre Papiere, Seiten verschwinden, neue werden eingefügt, hier mal Zähne abgeschliffen um das Alter zu frisieren, dort mal von einem unterbezahlten, aber mit dem Händler per du verbundenen Tierarzt trotz unvollständiger Datenlage eine Eignung als Schlachtpferd eingetragen. Da sowas möglich ist, gehe ich mal davon aus, dass es auch gemacht wird. Da sämtliche Medikamentengaben nur auf Papier dokumentiert werden, kommt es natürlich vor, dass man seinen Equidenpass „gerade nicht dabei“ hat, aber die Impfung muss natürlich trotzdem schnell passieren, alleine wegen der Anfahrtszeit des Tierarztes. Wieviel verdient so ein durchschnittlicher Tierarzt im Monat? 800 Euro? Go figure.

Aber ich sag’ mal eins: Leiharbeit bei Amazon wie auch der Pferdefleischskandal sind Symptome derselben, politisch gewollten Deregulierungsideologie, ohne deren Hilfe in unserem Wirtschaftssystem keine Profite mehr möglich sind. Entsprechend ihrer Zuständigkeiten wird „die“ Politik, also werden die in der real existierenden Medienzirkusmanege häufiger auftretenden Figuren das tun, was a) in ihren Möglichkeiten liegt (nämlich nichts) und was b) gut aussieht.

Also irgendwas mit simulierter oder tatsächlich ernstgemeinter Empörung (Aigner nehme ich ihre Empörung sogar ab), der Simulation von Handeln über ministeriale Internetplattformen, und irgendwelchen sinnlosen, von den Unternehmen schnell zu umgehenden regulativen Pseudoeingriffen, die alle nerven, die aber von funktional ausdifferenzierten Großgebilden wie globalen Multis wesentlich besser bewältigt werden können als vom Schlachter ums Eck.

Das ist übrigens das eigentlich zynische an der Angelegenheit: Dass Skandale fast nur bei den Multis oder deren schmierigen Sub-Sub-Unternehmern auftauchen, aber solche Skandale insofern eine marktbereinigende Wirkung haben, als dass alle, die die Regelungen im Nachgang derartiger Skandale nicht implementieren können, in den Sack hauen.

Im Endeffekt ist also jeder Skandal, jede Krise, ein Punkt für Amazon, Nestle und co.

h.huett Februar 19, 2013 um 16:08

Die italienischen Pferderezepte sind neben dem rheinischen Sauerbraten die besten.

Stephan Februar 19, 2013 um 16:14

@HH Genau! Eines der absoluten Highlights meines Gourmet-Lebens: Im Piemont zuerst ein zartes Fohlencarpaccio und dann würzige frittierte italienische Frösche. Köstlich!

h.huett Februar 19, 2013 um 16:16

Hauke

Es gibt sie, die Kontrollen, und sie funktionieren besonders gut, wenn sich ein angeekelter Restaurantbesucher bei der zuständigen Aufsicht beschwert. Damals folgte auf meine Beobachtung 24h Stunden später die Schließung.

Bei Pferden ist es, anders als beim Arbeitsrecht, im “gemeinsamen Markt” schlimmer. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass die in Lasagne und Gulasch verarbeiteten Equiniden genau diejenigen gewesen sind, die bei Pferdefleischliebhabern nicht als Steak auf dem Teller landeten, also die polyarthridischen mit Ketamin uä behandelten alten Schindmähren.

Lasagne mit KO-Tropfen.

f.luebberding f.luebberding Februar 19, 2013 um 16:21

herb ransom michaelsen

Interessante Einblicke. Wenn aber das System so in Deutschland funktioniert, also tatsächlich Pferde noch als Nutztiere zur Schlachtung betrachtet werden, bekäme das eine völlig andere Dimension. Das macht aber nur Sinn, wenn die Akteure einen Markt dafür sehen. Die Zahl der Pferdefleischliebhaber wird dafür nicht ausreichen.

h.huett Februar 19, 2013 um 16:25

FL

Das mag für den RegBez Arnsberg gelten. In der Hauptstadt halten sich die eingesessenen Pferdemetzger und das nicht nur für die italienischen Gastwirte.

TheRealSlimShady Februar 19, 2013 um 16:38

>Stimmt. Super Text. Preisfrage: Erkennst Du den logisch-rhetorischen Unterschied zu Deinen Äußerungen?

Ja.

TheRealSlimShady Februar 19, 2013 um 16:45

>Natürlich ist es ein Skandal und streckenweise sicherlich auch illegal, wenn Sicherheitsdienste die Leiharbeiter bis ins abgesperrte Hotel begleiten, sie beim Abendessen nicht aus den Augen lassen, ungefragt die Zimmer betreten ( auch bei Abwesenheit) und durchsuchen, etc.

Warum? Ist doch nett von Amazon, dass sie ihren Malochern diesen Begleitschutz zur Verfügung stellen, auf dem unsicheren Weg zur Unterkunft, durch die dunkle Nacht der Fremde. Und dann auch noch als Service im Hotel, quasi rund um die Uhr… phantastisch!

Glaubst du nicht? Tja. Wirst halt das Gegenteil beweisen müssen. Wobei: bedauerliche Übergriffe Einzelner mag es da schon gegeben, klar. Sind ja schließlich alles nur Menschen. Aber als Wahnsinn mit Methode? Niemals. Doch nicht die netten Jungs von Amazon…

f.luebberding f.luebberding Februar 19, 2013 um 16:49

Hütt

Ich habe bei Wikipedia gelesen, dass in Deutschland der Prokopf Verbrauch von Pferdefleisch 50 g sein soll. Das macht, wenn ich es richtig gerechnet habe, ein Marktvolumen von 4.000 t/Jahr. Auf Basis der Aussagen von HRM wäre das von ihm geschilderte System kaum sinnvoll. Es ist dann billiger, die Pferde in einer Tierkörperbeseitigungsanstalt zu entsorgen.

h.huett Februar 19, 2013 um 16:56

FL
Wikipedia hat seine Statistik ohne Lasagne- und Gulasch-Dunkelziffer angeführt, also mit Bias. In der granulierten Pferdefleischvariante, olfaktorisch vom Oregano übertönt, landen die ketamingedopeten arthrosegeplagten Zossen.

Für Feinschmecker wie Stephan und mich arbeiten tüchtige Metzger, deren Finanzverwaltung nicht auf die Idee käme, ihre Umsätze als Liebhaberei von der Mehrwertsteuer zu befreien.

Carlos Manoso Februar 19, 2013 um 17:11

@f.luebberding Februar 19, 2013 um 16:49
„Ich habe bei Wikipedia gelesen, dass in Deutschland der Prokopf Verbrauch von Pferdefleisch 50 g sein soll. Das macht, wenn ich es richtig gerechnet habe, ein Marktvolumen von 4.000 t/Jahr. Auf Basis der Aussagen von HRM wäre das von ihm geschilderte System kaum sinnvoll. Es ist dann billiger, die Pferde in einer Tierkörperbeseitigungsanstalt zu entsorgen.“

@ Luebberding, genau solche Statistiken beweisen, dass diese lächerliche „Pferdefleisch“-Story als ganz faule Inszenierung vom Punkt der perversen Massentierhaltung ablenken soll !

„Im Vergleich zu den anderen EU-Bürgern ist Putenfleisch aber nach wie vor sehr beliebt bei den Deutschen. Im Durchschnitt lag der Pro-Kopf-Verbrauch in der EU bei 17,4 Kilogramm Hähnchen und 3,3 Kilogramm Putenfleisch…. So wurden 2010 fast drei Viertel aller in Deutschland gemästeten Hähnchen in Beständen mit 50.000 und mehr Tieren gehalten. Ähnlich sieht es in der Putenmast aus, wo 88 Prozent aller Truthähne und -hühner in Beständen mit 10.000 und mehr Tieren stehen.“
http://www.bauernverband.de/gefluegelhaltung-d

„Das Nutztier hat bei uns längst den Status eines lebenden Wesens verloren. Es ist zur Ware verkommen, welche gemäß dem kapitalistischen Marktprinzip möglichst viel Profit abwerfen muss. Bei starker Konkurrenz und zunehmendem Überangebot müssen die Produktionskosten immer weiter gesenkt werden – zu Lasten der Ware. Wäre das Tier “nur” eine lebloses Gut, dann würden unter einem derartigen Preiskampf seine Qualität, die Umwelt und die produzierenden Angestellten leiden.

Das wäre schon tragisch genug, jedoch kommt bei Tieren ein pikantes Detail hinzu: Während seiner “Herstellungsphase” lebt es. Es fühlt, es sieht, es riecht, es hört, es schmeckt – die ganze Zeit, Tag und Nacht. Und doch wird sein ganzes Dasein dem alleinigen Diktat der Kostenoptimierung unterworfen. Die Maxime möglichst viel Profit abzuwerfen bestimmt jegliche Komponente seines kurzen Lebens.

Für die Kosten sind zwei Parameter ausschlaggebend: Fläche und Zeit, sprich Fleischmenge pro Quadratmeter und Tag. Denn Fläche und Lebenszeit sind Kostenfaktoren, die fast alle anderen Posten, wie Futterkosten, Arbeitsaufwand etc., mit bedingen. Das bedeutet, dass die Ware auf möglichst kleiner Fläche so schnell wie möglich an Gewicht, also verwertbarer Fleischmenge, zulegen muss. Das Leben des Tieres wird rationalisiert und jegliches Bedürfnis, dass es als Lebewesen hat, vernachlässigt bzw. dahin gehend „verbessert“, dass die „Herstellungskosten“ sinken: Die Tiere werden in riesigen fensterlosen Hallen zu Tausenden zusammen gepfercht. Man beraubt sie ganz bewusst jeglicher Bewegungsfreiheit, damit all die Energie des Industriefutters, inklusive wachstumsfördernder Zusätze, in Fleisch umgesetzt wird – ganz dem Motto: Maximaler Ertrag bei minimalem Einsatz….

Ein Nebeneinander von (neo)liberaler Marktwirtschaft und nachhaltiger Verbrauchskultur – ein „ökologischer Kapitalismus“ – ist ein Widerspruch in sich.“
http://le-bohemien.net/2013/02/18/massentierhaltung-die-mar-vom-oko-kapitalismus/

Hauke Februar 19, 2013 um 17:11

Hans Hütt, bei tierischen Rohstoffen für die industrielle Verarbeitung wird zwischen Würfel, Granulat und Pulver unterschieden. Gemüserohstoffe gibt es als Pulver (wahlweise walzen- oder sprühgetrocknet), sowie als Flocken oder Flüssigkonzentrat. Fisch ebenso. In diesen Fertigerzeugnissen sind Sachen drin, deren ursprüngliche Form nicht mal Gott rekonstruieren könnte. Ich sehe den Unterschied zwischen Futter und Essen nicht mehr, gleich welcher Herkunft diese Klepper gewesen waren, aber so lange den irgendwelche Verbraucher noch finden, bitte weitermachen. Katzenfutter den Mittelgang runter, Gulaschkonserve direkt am Eingang. Oder war es andersherum?

Doktor D Februar 19, 2013 um 17:15

Wenn ich die Ausführungen eines Freundes, der mal zum Pferde/Fleischmarkt in der EU recherchierte, richtig erinnere, ist das Fehlen eines relevant großen offiziellen Marktes für Pferdefleisch vor allem in Deutschland der Hauptgrund dafür, dass es einen florierenden Markt mit “illegalem” Fleisch gibt. Die enorm vielen Tiere, die hier und anderswo als Sport- und Haustier gehalten werden, müssen ja nachher irgendwo hin.

h.huett Februar 19, 2013 um 17:18

Hauke

Die Pferde landeten als Granulat in der Lasagne. Als ökotrophologische Transsubstantiation.

Eine Heilsleere.

Hauke Februar 19, 2013 um 17:18

Lasagnebausatzkasten: http://www.wbehrens.com/produkte/

h.huett Februar 19, 2013 um 17:22

Hauke

Toll!

Hauke Februar 19, 2013 um 17:24

Ja, und alles seit 1899!

someone Februar 19, 2013 um 17:27
Doktor D Februar 19, 2013 um 17:36

Wer seine Begriffe von Natur, natürlich und was das mit unserem Essen zu tun haben soll, ordentlich durcheinander gerüttelt haben will, der besuche diese großartige Messe http://hieurope.ingredientsnetwork.com/

Fun Fact: Während es Deutschen verdächtig ist, wenn die Zutatenliste auf einem Lebensmittel sehr lange ist, ist es für USamerikaner ein Hinweis auf die Qualität des Produktes. Deswegen müssen US-Verpackungen mindesten 7 Zutaten haben, sonst ist’s nix gescheites.

h.huett Februar 19, 2013 um 17:52

someone
Koreaner brauchen für lange kalte Winter an der Schwelle zum nuklearen Krieg heiße Hundesuppe. Thailänder lieben scharfe Ratten. Küchen sind, wenn man sie nur lange und scharf genug beobachtet, immer exotisch.

Die schwäbische Küche zB hat aus der Hungersnot Köstlichkeiten gezaubert. Irland nur Tote und Auswanderer.

h.huett Februar 19, 2013 um 17:57

Der Wille zum Wissen als Bedürfnis nach Sicherheit ist gendiagnostisch inzwischen ein Schnäppchen: http://www.nytimes.com/2013/02/19/health/dna-analysis-more-accessible-than-ever-opens-new-doors.html

Doktor D Februar 19, 2013 um 18:00

@hh: Irish Stew ist auch ganz OK. Sag’ ich mal so als Beuteschwabe.

gelegentlich Februar 19, 2013 um 18:18

Wer ein wenig Zeit hat und zum Transferdenken begabt ist kann sich das hier mal ansehen:
http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/fruktoseunvertraeglichkeit-fruchtzucker-kann-dick-und-krank-machen-a-882025.html
Da lernt man, dass und wie ein überall in der Natur vorkommender Stoff, die Fruktose, für immer mehr Leute zum gesundheitlichen Problem wird wenn man und solange man industriell vorbereitete “Nahrungsmittel” zu sich nimmt. Anders ausgedrückt: warum machen “Fruchtsäfte” und Fast Food fett und warum will man dennoch immer mehr davon? – Ist übrigens in dieser Form seit mindestens 40 Jahren bekannt.

Eagon Februar 19, 2013 um 18:22

Amazon.

Amazon nutzt die Rahmenbedingungen , die die Politik ihr schafft.

http://www.gegenblende.de/19-2013/++co++72ee003e-63d2-11e2-a91a-52540066f352

Habe ich etwas verpasst.

Stand in den Zeitungen: “Deutsche empört über Merkel und Steinbrück. AMazon nutzt Rahmenbediungungen, die CDU/FDP,Grüne und SPD gemeinsam geschaffen haben.”

Durchsetzung von unten:

http://www.gegenblende.de/19-2013/++co++b1164952-7534-11e2-85be-52540066f352

Nicht machbar mit unseren Gewerkschaftsfunktionären.

Ich weiß nicht , welche MORAl der DGB oder die Gewerkschaften vertreten?

Gerechtigkeit ist ein Kaugummi auf den Gewerkschaftfunktionäre zufällig mal drauf treten.

Kann hier jemand ein EGO oder spieltheoretische Ansätze entdecken?

Pferdefleisch:

Und ich dachte immer.

Die vielen TIERLIEBEN Hundebesitzer sorgen dafür , dass ihre blutrünstigen Bestien, nur tierlieb hergestellte Portionen hinunterschlingen.

f.luebberding f.luebberding Februar 19, 2013 um 18:23

Nur zur Info: Im aktuellen Spiegel (Print) steht ein guter Artikel zu dem grauen Pferdefleischmarkt.

Hauke Februar 19, 2013 um 19:07

Frank Lübberding, stützt der Beitrag im Spiegel eher Ihre These oder eher die von @herb ransom michaelsen?

petervonkloss Februar 19, 2013 um 19:14

Damit ihr nicht völlig im Fleischtopf versuppt und versippt, hätte ich noch eine dritte Debatte;
Irgendwie korrelieren die miteinander.

http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/armutseinwanderung-gefahr-fuer-den-sozialen-frieden-12085341.html

xefix Februar 19, 2013 um 19:19

@Eagon
“Ich weiß nicht , welche MORAl der DGB oder die Gewerkschaften vertreten?”

Doppelmoral zum Beispiel:
Verdi streikt und der DGB setzt die eigene Zeitarbeitsfirma
als Streikbrecher ein:
http://www.jungewelt.de/2013/02-18/039.php?print=1

Wozu braucht der DGB überhaupt eine Zeitarbeitsklitsche?

petervonkloss Februar 19, 2013 um 19:29

Außerdem hat jetzt auch Heimut Schmidt sich als von der Links-Krankheit befallener geoutet:

„ Ich bin im Zweifel. Ich bin ein Deutscher, das heißt, ich bin durch den Krieg und den Holocaust seelisch beschädigt. Ihr Jüngeren könnt das vielleicht anders sehen, ihr seid nicht so beschädigt wie ich.“

Also bei ihm kann ich das ja nachvollziehen, aber……….

f.luebberding f.luebberding Februar 19, 2013 um 19:46

Hauke

Der graue Markt ist laut Spiegel eine Sache von Großhändlern, die das Fleisch etwa aus Spanien oder sogar weltweit beziehen, es mit Rindfleisch vermischen und an die Produzenten als Hackfleisch weiterreichen. Über Deutschland als Fleischlieferant ist nichts zu lesen. Erscheint auch eher als die Sache einiger weniger Großhändler. Außer zum aktuellen Fall gibt es auch keine Zahlen, obwohl es kein Einzelfall ist. Das wird schon deutlich.

Ludwig Büchner Februar 19, 2013 um 20:26

Da ist das Handelsblatt (“Immer mehr Spuren weisen nach Deutschland”) und auch die NZZ heute aber ganz anderer Meinung: Deutsche EXPORTEURE exportieren Rümanisches Pferdefleisch in die Schweiz, wo ein grooooooßer Lebensmittelkonzern Lasagne draus macht und die nach Italien (!) verkauft.
Da bleibt einem doch das hysterische Lachen im Hals stecken.

Morph Februar 19, 2013 um 20:36

@TRSS, Februar 19, 2013 um 14:00

“Den “Amazon-Skandal” fabulierst du dir herbei, mein Gutster. Ich sehe weit und breit keinen solchen, auch wenn sich das Wort vielleicht in der Schlagzeile gut macht. (…) Wo soll da also der Skandal sein? (…) Amazons Praxis mag moralisch als grenzwertig sein, sie ist aber offenbar absolut legal. Pferdefleisch als Rindfleisch zu etikettieren, und das im großen Stil, ist aber eindeutig Betrug.”

Ein Vorschlag zur Klärung: Es gibt Sachen, die uns persönlich aufregen, und Sachen, die uns persönlich kalt lassen. Da hat jeder seine eigenen Empörungsschwellen. Aber ein Skandal (gr.: skandalon = Ärgernis) ist in der modernen Gesellschaft, in der die Massenmedien unsere Vorstellung von der Welt konstituieren, zunächst einmal ein massenmediales Informationsgenre. Ein Sachverhalt, der Gegenstand der Skandalberichterstattung ist, muss nicht unbedingt strafrechtlich relevant sein (wie auch umgekehrt viele Strafsachen keine geeigneten Aufhänger für die massenmediale Skandalkonstruktion sind).

Natürlich ist der Amazon-Skandal ein Skandal. Denn eine Organisation der Massenmedien hat kommuniziert, und diese Kommunikation ist erfolgreich verlaufen (sie hat ALS Skandalberichterstattung Reaktionen des Unternehmens Amazon, einer Ministerialbehörde etc. pp. nach sich gezogen).

Ebenso der Pferdefleisch-Skandal. Dessen sachlicher Hintergrund zudem offenbar zu rechtlichen Konsequenzen führen wird.

Worauf ich hinaus will: Wir können nicht ernsthaft darüber debattieren, was ein Skandal ist und was nicht, als ob wir darüber entscheiden könnten.

Was mich in dem Zusammenhang mit der Wanderarbeit interessiert, sind die Mobilitätsgrenzen. Vielleicht sind ja tatsächlich Zeiten angebrochen, in denen der Massentourismus des goldenen Zeitalters (Post WW II – 1990er) vom Massenjobbismus abgelöst wird…

Linus Februar 19, 2013 um 20:38

@Ludwig Büchner:
“Da bleibt einem doch das hysterische Lachen im Hals stecken.”
Ja, wer ist eigentlich nicht dabei? :-D
In China werden Arbeiter ausgebeutet und Deutschland jetzt auch? Also das ist ja wohl das Allerletzte!
Alarm!!! Kapitalismus ante portas!!!

Linus Februar 19, 2013 um 20:42

“in denen der Massentourismus des goldenen Zeitalters (Post WW II – 1990er) vom Massenjobbismus abgelöst wird…”

Jaja! Völkerwanderung, wohin man schaut.

Linus Februar 19, 2013 um 20:46
Hauke Februar 19, 2013 um 20:47

Frank Lübberding

Danke für die Info! Die Immobilienkrise scheint seltsame Blüten zu treiben:

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/spanien-die-ueberfluessigen-pferde-11701440.html

Nanuk Februar 19, 2013 um 20:57

Ich hab die Ohnmacht kotzen sehen…

Ludwig Büchner Februar 19, 2013 um 20:59

@Linus
Sorry, kleines Missverständnis, dass im Kapitalismus die Starken, Schönen, Schnellen und Reichen die Armen, Langsamen, Hässlichen und Schwachen fressen, habe ich längst kapiert. Was an meinem Satz von oben die Hysterie ausmacht ist die Zusammenballung von Dingen, die man sich so fast nicht ausdenken könnte.
Lustig, weisst schon !

Linus Februar 19, 2013 um 21:43

@Ludwig Büchner
Oje! Nein, kein Missverständnis! Ich dachte, ich hatte verstanden, dass du verstanden hast, dass …. Nochmal von vorn: Das war keine Kritik von mir, das war eine Ergänzung :-D

Folkher Braun Februar 19, 2013 um 21:46

Bester FL. Es gibt eine EU- Richtlinie 178/2002 über die Rückverfolgbarkeit in Lebensmittel- Produktion und -logistik. Offenbar hat die sich auch nach 10 Jahren nicht durchsetzen lassen.

Marlowe Februar 19, 2013 um 21:59

“Amazons Praxis mag moralisch als grenzwertig sein, sie ist aber offenbar absolut legal. Pferdefleisch als Rindfleisch zu etikettieren, und das im großen Stil, ist aber eindeutig Betrug.”

Das hängt schon zusammen.

Evtl. wäre es am Rande eine Idee, in dieser Diskussionsrunde einmal darauf hinzuweisen, daß Mindestlöhne
zumindest in D dem “Menschenhandel” ein Argument entgegenzusetzen vermögen.

Vergessen wird regelmäßig, daß Dienstleistungen, welche in D durch in der EU ansässige Unternehmungen durchgeführt werden, dazu gehört die Fleischzerlegung, nicht dem Deutschen Sozialrecht unterliegen, sondern jeweils dem Recht des Sitzes des Leistungserbringers. Dies bedeutet für den hier ansässigen Arbeitnehmer einen extremen Wettbewerbsnachteil, wie aber auch die Rentenkassen nur über extreme Beiträge bei gleichzeitiger Plünderung aufrechtzuerhalten sind, was im Endeffekt zu einer
weiteren Marktverzerrung in toto führt.

Der Dienstleister aus dem freizügigem Ausland kommt sicher mit 3,50 € die Stunde aus, da die Kaufkraft von 3,50 € am Sitz des Unternehmens sich gravierend von der Kaufkraft am Ort der Leistung unterscheidet. Freiwillige Überstunden werden gerne geleistet. Lohnabrechnungen sind obsolet, Bargeld lacht.

Es ist für einen deutschen Arbeitnehmer schlicht unmöglich bei Beibehaltung seines Wohnsitzes am Ort der Leistungserbringung in Konkurrenz zu rumänischen Dienstleistern zu treten.

Damit dies dem Ex-Arbeitnehmer mit Sitz in Deutschland und HartzIV Bezug nicht so auffällt, daß er von dem Gesetzgeber schlicht auf den Arm genommen wird, bekommt er beim Discounter günstiges Fleisch angeboten, welches bei größerer Verpackung und weniger Inhalt einen stabilen Euro suggerieren soll. Beigemischtes Pferdefleisch kann hierbei positiv dazu beitragen, die Preise für Rinderfleisch stabil zu halten und wirkt auf Dauer als Revolutionshemmer.

Gruß

M.

holger Februar 19, 2013 um 22:03

Diese Diskussion ist typisch Deutsch doof.

Huh ein edles Ross, wo bleibt der Esel? Oder das Wildschwein oder das Wild allgemein? Aber Harribo fressen.

Wo bleibt der Aufschrei der Medikamente in Fleisch und Leiharbeiter?

Nein, es ist Fury… LOL Dick Dally und die Poooonys

Wo jedes kleine Mädchen davon träumt mal darauf rumgejuckelt zu werden.

Wo ist der Aufschrei bei Emulgatoren? Bei Nestle, die sogar das Gegengift im Programm haben? Modulen!

Wo werden Konzerne wie Monsanto an den Pranger gestellt? Wo ist der Aufschrei?

DAS SIND MITTLERWEILE BIOLOGISCHE KAMPFMITTEL

Wie viele Menschen haben es mittlerweile an Magen & Darm?

Kein Aufschrei… Fuurz eben.

Aber hoch geweihte Hü und Hotts meinen Inqusition spielen zu dürfen.

Macht einfach weiter so, eure Kinder werden es euch danken.

gelegentlich Februar 19, 2013 um 22:07

@Marlowe
Das gilt natürlich auch etwa für den Besitzer einer kleinen Firma mit 4-5 deutschen Angestellten. Der kann mit einem anderen Deutschen, der in Polen eine ebensolche Firma gründet und 5 Leute von dort hierher schickt und hier als deutsche Zweigstelle für sich arbeiten läßt, nicht mehr mithalten. Also macht der zu. Seine deutschen Arbeitnehmer sitzen auf der Straße und zahlen nicht mehr in die Rente ein. Habe ich bei einem Freund mitgekriegt. So geht es dort zu wo man Mollath aus dem Verkehr gezogen hat.

Wusel Februar 19, 2013 um 22:26

So lange Amazon sich aus der Wurstung pferdisierten Rinderhacks heraushält, hat Lübberding einen Kategorienfehler. Aber das steht ja schon irgendwo da oben.

Sagt, in welche Kategorie oder in welchen Fehler gehört die Figur des zeigenden Fingers, der aus dem Morast herausragt?

holger Februar 19, 2013 um 22:34

Wusel

Quatsch: hier geht es um die Verwurstung.

Bei den einen ist der Profit im “rumänischen” Pferd
und bei dem anderen im “rumänischen” Wanderarbeiter.

Beides ist Verwurstung…

Der Unterschied dabei ist nur die “Moralische Betrachtung” Der Gesetzgebung.

Tobias Fuentes Februar 19, 2013 um 22:56

Bezüglich der Leiharbeit bei Amazon haben wir ein solides Wissen über die Hintergründe deregulierter Arbeitsmärkte. Wir kennen die Folgen.

Der Zusammenhang mit “Deregulierung” bei Leiharbeit ist aber alles andere als klar … Auch was Eagon @18:22 postet bzgl. MIssbrauchsfällen bei der Entsenderichtlinie ist wohl hier gar nicht relevant und die Änderung, die dort beklagt wird ohnehin nur ein Entwurf. Soweit man das überblicken kann, hätte Amazon schon vor der Agenda diese Leiharbeit (auch in diesem Umfang?!) nutzen können, wenn man sich anschaut, was dereguliert wurde …

Was angeprangert wird, ist primär die Täuschung beim Anlocken und dann die folgenden Arbeitsbedingungen, die Deutsche Arbeitnehmer nicht mitmachen … entscheidend war dann einerseits die Arbeitnehmerfreizügigkeit vom Mai 2011, mit der Osteuropäer kommen konnten. Und die Verzweiflung der Südeuropäer. Aber “Deregulierung” … das muss man erstmal begründen.

pacifist Februar 19, 2013 um 23:52

@Tobias Fuentes
Liberalala as usual: Scheinargumente und Wortklaubereien, damit man nicht über tatsächliche Ursachen bzw. das Geswamtbild reden muss…

Das Entscheidende für das zunehmende Auftreten solcher Phänomene (wie bei Amazon) auf breiter Front ist das systematische Förderung der Machtposition der Kapitalseite und der Schwächung der Gegenmacht bzw. das Schleifen zuvor erstrittener Rechtsposition der Arbeit”nehmer”seite.

Wer nicht anerkennen will, wie die unterschiedlichen Elemente (Deregulierung in verschiedensten Feldern, Kapitalfreizügigkeit, zunehmender Freihandel, internationale Steuergestaltungsmöglichkeiten, Zeitarbeit, Hartz, Privatisierung von Lebensriskien, forcierte EU-Osterweiterung, Entsendegesetz, uswusf.) da zusammenspielen – ohne jede einzelne davon in jedem Einzelfall immer die tragende Rolle spielen zu müssen, ist in aller Regel entweder selbst dumm bzw. verdummt genug oder aber will die Rezipienten seiner Statements entsprechend für dumm verkaufen.

Make your choice…

neuling Februar 19, 2013 um 23:58

Wo sind die Arbeitnehmerorganisationen geblieben? – in Brasilien?

55 Jahre, 23 Jahre Alleinunterhalter, letzten 6 Jahre China selbstständig , massiv gescheitert – nach 8 Monaten Hartz IV – Angebot von deutschem mittelständigen Handwerksunternehmen auf unbefristete Anstellung mit spartanischem Grundgehalt (adäquat zu Harz IV) und Aussicht auf Provisionen.

Beim Unterzeichnungstermin lag vor ein Zeitvertrag für 12 Monate bei o.g. Gehalt mit 6 Monate Probezeit und eben so langer 50% Förderung vom Arbeitsamt.

Was habe ich wohl gemacht? Gruß an TRSS, global ist überall

neuling Februar 20, 2013 um 00:21

Morgen ist früh Schicht und ich bin jetzt 8 Monate dabei – Nacht zusammen.

Tobias Fuentes Februar 20, 2013 um 00:34

@pacifist
Sorry, aber dann erkläre mir das mal konkreter am Beispiel von Amazon … was unterscheidet dich etwa von Zinskritikern, für die das exponentielle Wachsen der Zinsen nun endlich eingetreten ist … oder von den Marx-Fans, für die die Profitrate nun endlich tief genug gefallen ist? Moment, du gehörst offenbar in dieses Boot. Wie passt das Zusammenbrechen des Ostblocks und der inflationäre Boom der Südländer – der, auch nach linker Lesart übertrieben war und eine deutliche Mäßigung fordert – in dein Bild der Verschwörung des bösen Kapitals? Ja, das deckst du mit der Klage von “Kapitalfreizügigkeit” und Osterweiterung ab … aber bleibt dann irgendetwas außer einer abstrusen uferlosen … tja, eine Verschwörungstheorie ist es nicht mal, du bist noch ne Idee abstrakter. Gegen Fantasen kann ich nicht gewinnen. Chapeau.

Montezuma Februar 20, 2013 um 00:48

Ich meine solche Zustände treten vor allem oder zumindest verschärft im Dienstleistungssektor auf. Die Produktivität lässt sich nicht in gleichem Maße steigern wie in anderen Bereichen, weswegen Dienstleistungen relativ teuer sind und dort ein besonders großer (Kosten-)Druck herrscht. Der Gang zum Friseur, das Schnitzel , der Versand (gut, hier gibt es sicher noch viel Automatisierungspotential) sind Dinge, die sich nicht großartig verändern. Für dieses strukturelle Problem gibt es keine Lösung. Deswegen werden solche Dienstleistungen entweder mies bezahlt oder sehr teuer oder es gibt sie nicht mehr. Aus allen diesen Punkten entstehen wieder andere Probleme. Die Politik hat sich auf die miese Bezahlung festgelegt.

Frankie Bernankie Februar 20, 2013 um 08:39

@Doctor D

“Fun Fact: Während es Deutschen verdächtig ist, wenn die Zutatenliste auf einem Lebensmittel sehr lange ist, ist es für USamerikaner ein Hinweis auf die Qualität des Produktes. Deswegen müssen US-Verpackungen mindesten 7 Zutaten haben, sonst ist’s nix gescheites.”

Interessanter Fun-Fact, in der Tat. Wusst ich noch nicht, obwohl ich mich in der Branche tummle.

TheRealSlimShady Februar 20, 2013 um 08:49

>Die Politik hat sich auf die miese Bezahlung festgelegt.

Na klar. Die übliche Generalformel: “Die Politik hat, die Politik muss…”.

Wer hindert dich daran, dem Kellner oder der Friseuse nach vollbrachter Tat einen Fuffi in den Kittel zu stecken? Wer hindert dich daran, dem UPS-Fahrer, der dir dein Amazon-Paket in die Hand drückt, einen Zwanziger extra zu geben mit den Worten: “Hier, ich weiß ja, dass ihnen die Amazon-Fritzen nichts bezahlen.”

Auf die Politik schimpfen ist easy, Kollegen. Vor allem deshalb, weil man sich gleich viel besser fühlen darf, ohne Angst haben zu müssen, dass sich tatsächlich was ändert, das einen persönlich vielleicht auch noch negativ betreffen könnte.

herb ransom michaelsen Februar 20, 2013 um 08:51

?Ich will diese Pferdefleischangelegenheit noch einmal weiter ausführen.

Also, zum einen haben wir in der Fleischbranche vor allem Versandschlachtereien, d.h. eine Trennung von Schlachtung und Weiterverarbeitung. Das ist so, weil die EU das gewollt hat. Diese Schlachtereien sind überall verteilt, um die tierschutzrechtlich aufwendigen Transporte relativ klein zu halten. Dort werden die Tiere getötet und in transportfähige Einheiten geteilt: halbiert, geviertelt, oder Pistolen.

Und danach verläuft sich ihre Spur im europäischen Binnenmarkt; sie können – nach Produktqualitäten differenziert – entweder beim Rossschlachter ums Eck, in einer Hundefutterfabrik in Gelsenkirchen, oder in einem Kühlhaus in Oradea landen, je nachdem, wer das kauft. Wo dann welche Chargen mit anderen vermischt, umetikettiert oder weiterverkauft werden, ist unklar, kommt aber auf die Dichte der Kontrollen und die Bestechlichkeit der Lebensmittelprüfer an. Soll heißen: in Deutschland kann man sowas ein paar Jahre machen, ohne erwischt zu werden. In Rumänien kann man sowas ebenfalls ein paar Jahre machen, muss aber immer Bargeld zum Entschärfen etwaiger Probleme dabei haben.

Das Pferdefleischsystem ist anfälliger für die gute alte Variante des Beschisses, weil die Erzeugungszusammenhänge nicht so dokumentiert werden wie bei anderen Fleischarten. Viel hängt dort noch an den Züchterverbänden, also Holsteiner Verband, Oldenburger, Hannoveraner, Trakehner und so weiter. Dort fordert man einfach einen neuen Pass an, wenn der alte verlorengegangen ist. Mikrochips am Hals sollen in Zukunft verhindern, dass die Lebensnummer, die das Pferd einwandfrei identifizieren soll, im Pass gefälscht werden kann. Aber wir haben ja riesige Altbestände. So ein Pferd wird vielleicht 25 Jahre alt, und der Markt für Reitpferde ist total am Boden.

Also: Ein vollkommen anderer regulativer Kontext als bei anderen Fleischsorten. Man schaue sich zum Vergleich z.B. das Schwein an, wo in bestimmten Arrangements quasi alles (!) – von der Wahl der Ebergenetik über das Futter bis hin zum Endgewicht der Schlachtkörper von den Händlern vorgegeben ist. Bei Hühnern ist das sogar noch ausgeprägter, das ist wie Franchise, nur mit Vögeln.

Viel interessanter als die Frage, was denn der „Skandal“ an der Sache ist, und wie „die Politik“ damit umgeht, ist doch die Frage nach dem Sinn und Zweck derartiger Deregulierungspraktiken. Und der liegt meines Erachtens darin, Arbitrage zu ermöglichen.

Genauso wie es Steueroasen in der Karibik gibt, gibt es offensichtlich auch deregulierte Zonen in der EU, die das bewusste Unterlaufen rechtlicher Standards ermöglichen. Also eine Formalisierung von Praktiken, die sich außerhalb des Legalen befinden, und entsprechend vom Legalen auch nicht bewertet werden können.

Vielleicht ist es aber auch die De-Kontextualisierung von Tierkörpern und Arbeitern, die die eigentliche Gemeinsamkeit und den eigentlichen Skandal darstellen. Leiharbeiter und Pferdehälften sind eine Art Verfügungsmasse, die in einem ständigen Schwellenzustand darauf warten, entweder Stammbelegschaft oder gefeuert, entweder Knackwurst oder Lasagne zu werden. Gerade aus diesem Schwellenzustand bezieht der Kapitalismus seine Kraft.

Das erinnert dann wiederum an die Theorien, die im Umfeld der Urbanisierung der sogenannten Megacities entstehen: Slums, ohne die eine Stadt wie Rio, Lagos oder Mumbai nie lebensfähig wäre, werden prophylaktisch planiert, um einer Verfestigung sozialer Strukturen und der potentiell denkbaren Formulierung von Teilhabeansprüchen vorzubeugen.

holger Februar 20, 2013 um 08:54

Moin Amazon und die Pferdeköpfe oder Das Siechtum kennt eine Grenze

das ist keine Verschwörung, das ist ein ganz normaler betrieblicher Vorgang, seit Jahren.
Und zwar ein hauptsächliches optimieren der Fixkosten eines Betriebes. Darunter fallen nun mal zu rund 90% Personalkosten. 10% wie Zulagen im Lohne sind variabel in der Kostenstruktur.

Also, was versucht eben nun ein Unternehmen, die Fixkosten zu optimieren. Das versucht jeder. Das optimieren, geht nun einmal über Lohnverzicht oder Absenkung oder Outsourcing was einer Entlassung gleich kommt.

Diese Fixkosten Optimierung hat ihre Grenze bei Personalkosten von NULL oder nahe an der Null. Daher ist HIV berechnet worden. Weil HIV nur das Fixum eines Beziehers festlegt. Damit kann man dann als Unternehmen auch Kalkulieren.

Da nun durch diese Optimierung das Frei Verfügbare Einkommen sinkt, steigt halt der Druck die Fixkosten weiter zu optimieren. Nicht weil man es so oder so schon macht, sondern weil die Geld-Menge in der Breite in einer Zone sinkt.

Das gleicht nun Amazon, als Umverpacker, durch die Möglichkeiten am Markt auf. Da nun die Gesetzgebung so ist, wie sie ist, können eben Menschen mit niedrigen Erwartungen ran gekarrt werden. Der Markt ist voll, und für Verpackung muss man nicht studiert haben.

Das alles ist unter Mithilfe der Politik geschehen. Ob mit Manipulation oder nicht, ist egal.

Nun hat Amazon noch einen SD angeheuert der die Multi-Kulti-Truppe ein wenig betreut. Auch nichts verwerfliches. Da sollte man sich auf dem Bau nur mal die Containerstädte sich anschauen. Die haben auch eigenes Sicherheitspersonal.

Und nun schreit jeder ein wenig Empörung, besonders die, die die Karre mit in den Dreck gefahren haben. Keiner will wieder nichts aber auch gar nichts bemerkt haben.

Und ich wette, dann kommt die Empörung wieder: Man muss den „Reichen“ nur mehr an Steuern abknöpfen und dann geht das alles schon. Wie Pappnasig muss man denn sein, daran zu glauben? Die Unternehmen schaffen doch deswegen die Kennzahlen nicht ab!

Deswegen ist die Mindestlohn Debatte Humbug. Weil dadurch nur die Fixkosten eines Unternehmens festgelegt werden. Und das auch nur bei Personal intensiven. Was werden die wohl machen? Dann bleibt nur noch die Entlassung. Ich kann doch kein Mindestlohn von 2000 ansetzen, wenn nur 1000 in der Zone vorhanden sind.

Ich kann doch nur einen Mindestlohn ansetzen, wenn der Markt es hergibt, dass die dann steigenden Fixkosten auch getragen werden können.

Also ob Amazon oder Pferdeköpfe, es ist egal. Es musste schlicht und einfach so kommen. Und nun kommen die Moralisten und Empörung und ein Aufschrei.

Und die kommen meistens aus dem Einkommen-Subventionierten Bereich der Gesellschaft, kann sich ja jeder ausmalen, wer das wohl ist. Denn die Gesellschaft hat auch Fixkosten. Deswegen hat man aller Orten gerade im „sozialen“ Bereich diese Fixkosten auch optimiert nach dem Motto: die können sich nicht wehren.

Nichts anderes passiert in der „Süd-Zone“. Und alle klatschen se Bravo Bravissimo

Nun kommt aber noch eine Debatte dazu: Diese produzierten Wanderarbeiter, im Wein-Berg des Herrn, wandern nun dahin, wo der niedrigste GARANTIERTE Lebensstandard herrscht, in das Sozialsystem BRDDR besonders in Großstädte. Es reicht wie ich gehört habe, ein Gewerbe anzumelden. Und schon ist man im System drin.

Mindestens das Kindergeld ist drin, Wohngeld, etc.pp.

Und wieder weiß keiner irgend was. Aber sich moralisch über Pferdeköpfe empören. Das sind mir echt die richtigen. Keiner empört sich über den Zustand dieser Republik. Ekelbilder ihr wollt Ekelbilder, dann guckt auf Schultoiletten. Geht in die verschimmelten Wohnungen, fahrt einfach U und S-Bahn EKELHAFT. Oder in Pflegeheime.

Überall das gleiche Schema der Betriebswirtschaft. Das ist das Schwäbische was in einem jedem steckt. Wer wissen will, wo das endet, schaue sich die „Ur“-Schwaben in den USA an, den A-Misch.

Und nicht zu vergessen, dass das System einen hohen psychischen Druck erzeugt. Es ist kein Wunder, dass die Leute reihenweise an Burn-Out durchknallen oder an Depressionen leiden. Dieses System muss Krank machen. Und damit meine ich nicht den Kapitalismus.

Deswegen gibt es ja die vermeintlichen Skandale, da kann man mal so richtig den Druck ausgleichen durch Empörung und Aufschrei. Und für 5 Minuten hat man es denen aber richtig gezeigt. Deswegen hat der DGB auch die Trillerpfeifenverordnung. Druck durch Triller ablassen. Echte Kerle dank Trillerpfeife.

Guckt euch doch die Kreaturen an, die uns in den Großstädten begegnen. Das ist eine Seuche die Pest des 21. Jahrhunderts. Und nix anderes hat man zu tun, als um sich zu Empören über 50 gramm Pferdekopfhack. Oder über Wanderameisen woher auch immer.

So, aber die Betriebswirtschaftliche Betrachtung, wird sich nicht ändern. Auch die Suche nach dem nominalen Vorteil nicht. Das steckt nun mal in der Masse im Kopf.

TheRealSlimShady Februar 20, 2013 um 09:05

>Natürlich ist der Amazon-Skandal ein Skandal. Denn eine Organisation der Massenmedien hat kommuniziert, und diese Kommunikation ist erfolgreich verlaufen (sie hat ALS Skandalberichterstattung Reaktionen des Unternehmens Amazon, einer Ministerialbehörde etc. pp. nach sich gezogen).

Wie du das Ding kommunikationstheoretisch einsortierst hat ja wohl nichts darüber zu sagen, wie wir hier darüber debattieren. Muss ich einen “Skandal” als “Skandal” diskutieren? I don’t think so. Und mein Einwand gegen Lübberding richtet sich darauf, über welches “Ärgernis” wir hier tatsächlich sprechen; nicht darauf, mit welchem Label es Medientheoretiker vielleicht versehen.

TheRealSlimShady Februar 20, 2013 um 09:19

>Die Unternehmen schaffen doch deswegen die Kennzahlen nicht ab!

Yep. Genauso ist das. Und vor allem leisten sich Unternehmen nicht den Luxus einer gesamtwirtschaftlichen Vogelperspektive, so nach dem Motto: Unsere Mitarbeiter sind auch unsere Kunden. Mitarbeiter sind “Kosten”. Der Umsatz hingegen kommt zustande über “Markt”, “Zielgruppe”, “Segmentierung”, “Differenzierung”, etc.

Unternehmer sind zwar einerseits überaus rational; aber das sind sie nur aus ihrer jeweiligen Mikroperspektive heraus. Das ist die Krux.

Hauke Februar 20, 2013 um 09:25

@TRSS

Ahh, die Revolution der gebenden Hand, Aufruf zum Widerstand gegen die Kleptokratie des Staates, die Rhetorik unverkennbar:

“Sie wäre nicht weniger als eine Revolution der gebenden Hand. Sie führte zur Abschaffung der Zwangssteuern und zu deren Umwandlung in Geschenke an die Allgemeinheit.”

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/die-zukunft-des-kapitalismus-8-die-revolution-der-gebenden-hand-1812362.html

Der Sloterdijk ist Ihnen richtig gut reingegangen, TRSS, was? So ein schöner pseudo-intellektueller Überbau zur Rechtfertigung der Stiefelputzgesellschaft ist ne feine Sache, nicht?

Doktor D Februar 20, 2013 um 09:37

@frankie bernankie:
Das hat mir ein Food Marketing Consultant erzählt, der große Konzerne beim Design von Fertignahrung, vor allem aber bei Süßwaren und Softdrinks berät. Ob da auch rechtliche Vorschriften zur Deklaration eine Rolle dabei gespielt haben, dass einem USian eine kurze Liste verdächtig vorkommt, weiß ich aber nicht. So rein anekdotisch aus der eigenen Erfahrung mit USamerikanischen und deutschen Lebensmittelidiosynkrasien erscheint mir die Aussage des Food Designers aber ganz stimmig.

enrico Februar 20, 2013 um 09:39
Andreas Kreuz Februar 20, 2013 um 09:46

Über die Gewinnmargen der Hersteller und den Einsatz von Leiharbeitern gibt es in diesem Film ein paar aufschlußreiche Aussagen:

http://www.zdf.de/ZDFmediathek#/beitrag/video/1840952/Wie-gut-sind-No-Name-Lebensmittel?

Die eine odere andere hier geäußerte Theorie gerät allerdings dabei ins Wanken…

Es bleibt das Problem, das Wesentliche zu erkennen und nicht nur ‘komplexe Stellschrauben’ , die in Sacklöchern ihr Leben fristen, drehen zu wollen.

f.luebberding f.luebberding Februar 20, 2013 um 09:55

In der heutigen FAZ hat Frau Hucklenbroich einen guten Text über den rechtlichen Hintergrund des Pferdefleisch-Skandals. Interessant ist vor allem der Umgang mit der seit 2000 geltenden Vorschrift, Pferde in einem sog. Equidenpass entweder als Schlachtpferd oder Nicht-Schalchtpferd eintrage zu müssen. und die Problem die das hat, weil die Möglichkeit zur Umettiketierung wohl kaum zu verhindern ist. Das hat Konsequenzen, etwa für die Nutung von Arzneimitteln bei Pferden. Allerdings, so Frau Hucklenbroich, müssen seit 2009 alle Pferde mit einem Chip gekennzeichnet werden, um diese Umetikettierung vom “Nicht-Schlachtpferd” zum “Schlachtpferd” zu verhindern. Das löst natürlich nicht das Problem des Grauen Marktes für Pferdefleisch.

TheRealSlimShady Februar 20, 2013 um 10:05

>Aufruf zum Widerstand gegen die Kleptokratie des Staates, die Rhetorik unverkennbar

Üblicher Weise nicht so ganz mein Thema. Sie wollen mir nicht einen klitzikleinen Hinweis geben, auf was sie sich genau beziehen, meine lieber Herr Hauke?

>So ein schöner pseudo-intellektueller Überbau zur Rechtfertigung der Stiefelputzgesellschaft ist ne feine Sache, nicht?

Wenn Ihnen Sloterdijk nicht zusagt, können sie auch Kersting lesen. Fazit ist immer das gleiche: Sozialstaat ist ein notwendiges Übel bar jeder sozial-ethischen Rechtfertigung. Ich erhebe das mitnichten zum Leitmotiv, aber ich sage Ihnen trotzdem, dass dem offenbar so ist.

herb ransom michaelsen Februar 20, 2013 um 10:09

Herr lübberding, genau das schrieb ich doch gerade. Ist das jetzt erst relevant, weil es in der FAZ steht?

enrico Februar 20, 2013 um 10:14

dem Problem mit der Fleischmafia kann jeder persönlich entgegenwirken: kein Fleisch kaufen, selbst schlachten oder am besten natürlich gar kein Fleisch essen.

dem Problem mit der Ausbeutung kann ebenfalls jeder selbst entgegen wirken: Kein formelles Arbeitsverhältnis eingehen solange die Bedingungen eindeutig ausbeuterisch sind.
Wiederkehrende Rechnungen wie Mieten, Versicherungsprämien etc. möglichst vermeiden. Lieber im Bauwagen leben als Miete an TRSS-WGNX-Typen zahlen!
Beute nicht aus und lass dich nicht ausbeuten!

…und bekanntlich ist das Gegenteil von formell eben informell…

Viel kann man nicht tun aber einiges schon.

f.luebberding f.luebberding Februar 20, 2013 um 10:15

herb ransom michaelsen

Nein. Ganz im Gegenteil. Ich habe Ihren Kommentar nur erst nach der Zeitung gelesen. Ansonsten hätte ich nämlich darauf hingewiesen. Beim Multitasking gehen schlicht manchmal Informationen verloren.

Montezuma Februar 20, 2013 um 10:17

“Wer hindert dich daran, dem Kellner oder der Friseuse nach vollbrachter Tat einen Fuffi in den Kittel zu stecken? Wer hindert dich daran, dem UPS-Fahrer, der dir dein Amazon-Paket in die Hand drückt, einen Zwanziger extra zu geben mit den Worten: “Hier, ich weiß ja, dass ihnen die Amazon-Fritzen nichts bezahlen.””

Ich bin nicht geizig bei den Dienstleistungen, die ich in Anspruch nehme. Bin selbst ein Dienstleister und habe darum sicher mehr Verständnis als so manch anderer. Aber was soll überhaupt dieser moralische Appell an mein Gewissen? Der Witz ist doch, dass die meisten ganz genau um die Zustände wissen, nein, nicht wissen könnten oder ahnen, sondern wissen und trotzdem da einkaufen.
Was wäre wenn Amazon verkündet, die Löhne zu erhöhen, den Leistungsdruck zu senken, dafür aber die Preise zu erhöhen und die Versandzeiten zu verlängern. Wäre das ein Erfolgskonzept oder der sichere unternehmerische Tod?
Wenn man etwas verändern will, muss man die Menschen an ihren eigenen Interessen packen. Das aber wird noch nicht funktionieren, weil der spanische Wanderarbeiter et al immer noch eine Minderheit darstellen auf deren Kosten es sich gut leben lässt. Daher ist der Anreiz für die Politik auch gering etwas daran zu verändern.

TheRealSlimShady Februar 20, 2013 um 10:22

>Das aber wird noch nicht funktionieren, weil der spanische Wanderarbeiter et al immer noch eine Minderheit darstellen auf deren Kosten es sich gut leben lässt. Daher ist der Anreiz für die Politik auch gering etwas daran zu verändern.

Mit einem Wort: Schön, dass wir darüber gesprochen haben?

herb ransom michaelsen Februar 20, 2013 um 10:42

?@lübberding

na dann ist ja gut. Ich wollte nur darauf hinweisen, weil mich Diskussionen irritieren, in denen plötzlich Dinge als besonders erwähnenswert dargestellt werden, die bereits erwähnt wurden, ohne dass ein Bezug zum bereits Erwähnten hergestellt wird.

Ich finde das aber insofern gut, als dass es meine ausschnittsweisen Eindrücke weiter abrundet. Wie gesagt, der Schattenmarkt für Altpferde ist eine ziemlich gruselige Angelegenheit, der aber insofern keinen interessierte, weil bisher fest davon ausgegangen worden war, dass „man sowas nicht macht.“ Würde im Übrigen ein moderner Massentierhaltungsstall in Punkto Infrastruktur und Hygiene so aussehen wie manche Reiterhöfe, wären bereits mehr als 2/3 der Bevölkerung Vegetarier.

Als Gedankenspiel frage ich mich, wie einfach es wohl wäre, das Fleisch von hingerichteten chinesischen Gefangenen in unser Nahrungsmittelsystem einzuspeisen. Vermutlich bräuchte man nur wenig dafür zu tun: Ein paar Scheinfirmen, das Bestechen von 2 oder 3 Zollbeamten, fünf oder sechs gefälschte Unbedenklichkeitszertifikate von Prüflabors, und ab geht die Post.

In Russland haben Kriminelle das vor einigen Jahren mit Obdachlosen gemacht, deren Fleisch an sibirische Schawermabuden verkauft. Aufgefallen sind sie, wenn ich mich recht erinnere, nur beim Entsorgen der unverkäuflichen Reste.

Es klingt jetzt pervers, aber – wie wir am Beispiel der Pferde sehen – es ist eine Frage vollkommen unbegründeten Glaubens an die Korrektheit unserer Systeme, die uns abhält, solche Gedankenspiele ernsthaft in Erwägung zu ziehen.

Linus Februar 20, 2013 um 10:44

@TRSS:
“Sozialstaat ist ein notwendiges Übel bar jeder sozial-ethischen Rechtfertigung.”
Wer braucht denn sozial-ethische Rechtfertigung? Mich interessiert viel mehr, was hinter deinem ‘notwendig’ steckt.

h.huett Februar 20, 2013 um 10:53

hrm

Die Einspeisung chinesischer Todesstrafenopfer würde eines Tages der Traditionellen Chinesischen Medizin Auftrieb verleihen infolge all der ungeahnten Widerstandskräfte, die so ein Futter aktivieren würde. Swift lässt grüßen. Die Dystopie ist vielleicht schon näher an der Wirklichkeit, als viele glauben. In der Kosmetik zB sind solche Zutaten ohne Quellennachweis zur Strafgerichtsbarkeit gang und gäbe.

Linus Februar 20, 2013 um 11:03

@TRSS:
Das Problem ist doch, dass sich ein Unternehmen eine ‘sozial-ethische Rechtfertigung’ oder auch nur eine ‘second order’-Betrachtung schlichtweg als Einzelnes nicht leisten kann. Und ein Verbraucher – würde er streng betriebswirtschaftlich denken – als Einzelner eigentlich auch nicht. Ausser er ist eben richtig reich und kann sich den Luxus erlauben, nicht mehr betriebswirtschaftlich zu denken.
Leisten kann sich das eigentlich nur die Organisation, die die Spielregeln setzt. Und das wäre, wenn überhaupt(!), der Staat. Deswegen ist der Ruf nach dem Staat an dieser Stelle naheliegend.

herb ransom michaelsen Februar 20, 2013 um 11:09

?@enrico

das Gegenteil von formell ist nicht informell sondern dereguliert. Du kannst dich auf deinen Bauwagen zurückziehen und so tun, als würde der Staat Dir nix können. Eigenes Gemüse anbauen, Holzhacken, dies das.

Am Ende entscheidet aber der Staat, ob Du das darfst oder nicht, und nicht Du selber. Er lässt Dich nur temporär das machen, was Du willst, weil es für ihn keinen Sinn ergibt oder opportun ist, es Dir zu verbieten. Verbietet er Dir das, kannst Du es nicht mehr. Ende Gelände.

Und: rücken in Deiner Öko-Paradiesinsel plötzlich die Bagger an, weil ein Hotelresortkomplex errichtet wird, worauf berufst Du Dich dann? Deinen (vermutlich) formell nicht geregelten Besitzstatus? Die Informalität der Agreements, aufgrund derer zwielichtige Investoren in Zusammenarbeit mit korrupten Bauleitplanern das Planungsrecht usurpieren?

Sowas ist die Lebenswirklichkeit der weltweiten Slumbewohner, für die man abseits romantisierender Vorstellungen auch mal in unseren kulturellen Zusammenhängen eine Sensibilität entwickeln könnte. Die Dritte Welt rückt mittlerweile in unsere Vorstädte, sie sickert in die Städte wie feiner Sand.

@huett

Auf den Spin wäre ich gespannt.

Hauke Februar 20, 2013 um 11:12

Mein lieber Herr TRSS, ich bin mir sicher, dass Sie des Hinweises nicht bedürfen. Wie gering Ihr Vertrauen ist, es lasse sich auf Basis der Genugtuung/des Stolzes über die eigene Großzügigkeit eine geordnete Staatlichkeit finanzieren (von Sozialstaalichkeit nicht zu reden), oder dass freiwillige Zuwendungen zur Kompensation von Nachteilen in einer von Ungleichheitskonflikten bedrohten Gesellschaft in den Rang eines allgemeinverbindlichen Prinzips im Sinne einer Handlungsmaxime gelangen könnte, weil sich die Glücklicheren und Bevorzugten einer Ethik des Gebens verpflichtet sähen, zeigt Ihr anschließender Kommentar. Die Friedensprämie der gebenden Hand ist nur aus der Vogelperspektive rational, in der Mikroperspektive schwingt der Eigennutz sein Zepter. Der Witz an dieser Form des radikalen Liberalismus ist, dass er die eigene Geschäftsgrundlage auf Basis seiner eigenen Grundsätze abschafft und damit hinter seine eigenen Errungenschaften zurückfällt, größtenteils ohne es zu merken. Die sozial-ethische Rechtfertigung des Sozialstaates kennen Sie (Enteignung der Enteigner), sie nicht anzuerkennen ist Ihre persönliche Entscheidung.

Hauke Februar 20, 2013 um 11:16

@Linus

“Mich interessiert viel mehr, was hinter deinem ‘notwendig’ steckt.”

Die Aufrechterhaltung des gesellschaftlichen Friedens.

Linus Februar 20, 2013 um 11:21

@Hauke: Das wollte ich eigentlich von TRSS hören :-D

NB: Ein toller Blog ist das.

Morph Februar 20, 2013 um 11:31

@Hauke & Linus

“Die Aufrechterhaltung des gesellschaftlichen Friedens.”

Nope. Hinter dem ‘notwendig’ steckt: Die Aufrechterhaltung der Möglichkeitsbedingungen der Geldwirtschaft. Der “gesellschaftliche Frieden” ist nur ein Kollateralerfolg, der geldwirtschaftlich ebenso ungerührt in Kauf genommen wird wie die vielfach zu beobachtenden Kollateralschäden der Aufrechterhaltung geldwirtschaftlicher Möglichkeitsbedingungen.

Hauke Februar 20, 2013 um 11:36

Morph, klar, das ist der Zweck, aber dafür ist gesellschaftlicher Frieden notwendige Bedingung.

TheRealSlimShady Februar 20, 2013 um 11:38

>Mich interessiert viel mehr, was hinter deinem ‘notwendig’ steckt.

Das ist schnell erklärt: Wenige Reiche haben ein praktisches Interesse daran, dass viele Arme nicht auf die Lektüre von Hobbes’ Leviathan verfallen und dann mal probieren, wie das so ist mit dem “Naturzustand”.

Morph Februar 20, 2013 um 11:42

Würde es um den gesellschaftlichen Frieden gehen, würde Sozialpolitik Bildungspolitik beinhalten. Das ist aber nicht der Fall, wie man an der Differenzierung der Ministerialbürokratie und der vergleichsweise unengagierten bildungspolitischen Debatte erkennen kann. Der Sozialstaat hat offenbar im wesentlichen die Funktion, ein Mindestniveau des Konsums (= Nachfrage) zu sichern.

Ludwig Büchner Februar 20, 2013 um 11:42

@Shady, Holger all
Es schmerzt immer ein wenig, wenn ich so was lesen muß, also, dass die Unternehmen ja gar keine andre Möglichkeit haben als immer weniger zu bezahlen und sich immer an den alleruntersten Rand dessen zu begeben, was gerade noch so erlaubt ist, gerne auch mal darunter, wenns keiner merkt.
Darum oute ich mich hier mal: Ich bin seit mehr als 25 Jahren Arbeitgeber. Heutzutage mit fast 50 Leuten. Im leichten Maschinenbau. Ich weiß von was ich rede.
Und in all diesen Jahren haben wir in unseren Unternehmen niemals weniger als den Französischen SMIC bezahlt. Auch nicht den Leuten, die den Hof sauber machen oder die Büros. Und das ging eigentlich immer sehr gut, selbst in der Absatzkrise 2008 haben wir mit diesem Modell keine Verluste gemacht.
Warum das ganze ? Weil es eben so sein muß. (Bei Wermuth im Herdentrieb kann man das mit Output-Potential und Konsumgesellschaft haarklein nachlesen, das spar ich mir) Auch mit viel schlechter bezahlten Mitarbeitern würde es mir heute nicht wesentlich besser gehen. Ich kann nur ein Auto fahren, nur in einem Bett schlafen. Zu meinem Wohlbefinden tragen ganz andere Sachen bei, als täglich einen Bankberater an der Strippe zu haben, der mich fragt was er mit der ganzen Kohle machen soll :-)
Holger: Du bist kein Unternehmer, Du schwätzt nur gerne darüber wie es wäre wenn…
Shady: Du bist kein Unternehmer…….

TheRealSlimShady Februar 20, 2013 um 11:44

>Das Problem ist doch, dass sich ein Unternehmen eine ‘sozial-ethische Rechtfertigung’ oder auch nur eine ‘second order’-Betrachtung schlichtweg als Einzelnes nicht leisten kann.

Natürlich machen Unternehmen 2nd-order Beobachtungen. Genaugenommen machen sie das andauernd, und heutzutage vermutlich noch viel, viel mehr als früher (dank Consultants, Controller, …).

Nur: Sie beobachten aus ihrem eigenen Blickwinkel. Ethik-Programme und Wertedebatten findest du daher in den großen Companies zuhauf. Und stellenweise werden die “Values” wesentlich stringenter gehandhabt, als das in der übrigen Gesellschaft der Fall ist (zB in Sachen sexuelle Belästigung oder Diskriminerung). Nur liegt dem natürlich summa summarum ein rein wirtschaftliches Programm zugrunde, das dem Unternehmen langfristig förderlich ist.

Hauke Februar 20, 2013 um 11:50

Morph, es geht um den Schutz von Eigentumsrechten, nicht um Konsumniveau. “Naturzustand” ist schon das richtige Schlüsselwort.

f.luebberding f.luebberding Februar 20, 2013 um 11:50

“Der Witz an dieser Form des radikalen Liberalismus ist, dass er die eigene Geschäftsgrundlage auf Basis seiner eigenen Grundsätze abschafft und damit hinter seine eigenen Errungenschaften zurückfällt, größtenteils ohne es zu merken. ”

Den Satz muss man zweimal lesen.

TheRealSlimShady Februar 20, 2013 um 11:53

>Leisten kann sich das eigentlich nur die Organisation, die die Spielregeln setzt. Und das wäre, wenn überhaupt(!), der Staat.

Prinzipiell total richtig. Aber wenn nun derjenige, der die Spielregeln setzt, selbst wiederum Budgetrestriktionen und damit (geld)wirtschaflichen Bedingungen unterworfen ist, dann ist das natürlich alles sehr, sehr relativ mit dem Spielregeln setzen. Viele Staaten haben es bekanntlich versucht – alle mir bekannten Versuche sind auf die eine oder andere Art gescheitert.

holger Februar 20, 2013 um 11:54

Ludwig B.

Ich bin von Natur aus Unternehmer. :D

—>>>Ich bin seit mehr als 25 Jahren Arbeitgeber. Heutzutage mit fast 50 Leuten. Im leichten Maschinenbau. Ich weiß von was ich rede.
Und in all diesen Jahren haben wir in unseren Unternehmen niemals weniger als den Französischen SMIC bezahlt. Auch nicht den Leuten, die den Hof sauber machen oder die Büros. ”

Schön, ist doch i.O. wenn du ein Marktsegment hast, dass du so operieren kannst, ist das klasse. Da ich aber nun mal aus der “größeren” Industrie komme, kann ich dir sagen, dort läuft es anders. Und wenn wir dann auf den reinen Handel kommen, Dann zählt nur noch EK und VK.

Ich kenne auch einige Firmen auch in deiner Größe, die können noch so handeln. Aber der reine Betrieb der nur Massenkonsumware herstellt/handelt/befördert nicht. Das merkt jetzt auch die Lusthansa.

Moral in allen Ehren. Nur die Realität sind Kennzahlen.

Frankie Bernankie Februar 20, 2013 um 11:56

@TRSS

“Wer hindert dich daran, dem Kellner oder der Friseuse nach vollbrachter Tat einen Fuffi in den Kittel zu stecken? Wer hindert dich daran, dem UPS-Fahrer, der dir dein Amazon-Paket in die Hand drückt, einen Zwanziger extra zu geben mit den Worten: “Hier, ich weiß ja, dass ihnen die Amazon-Fritzen nichts bezahlen.”

Ja, soweit kommts noch.
Ne, ne, Preisfindung und Mitarbeiterführung, das soll mal schön der Unternehmer leisten.

Wo sind wir denn.

Jetzt sollen wir Kunden auch noch das Skrupelmanagement übernehmen, das würde dem Unternehmergschwerl so passen.

Man kennt das Prinzip von der Supermarktkasse: da fühlen sich die Kunden mittlerweile auch schon verantwortlich dafür , dass sie möglichst schnell die Waren vom Laufband in den Wagen räumen.

Die sollen ihre Leute gefälligst vernünftig zahlen, so dass ich keine Skrupel haben muss, so siehts aus.

Morph Februar 20, 2013 um 12:00

@Hauke

““Naturzustand” ist schon das richtige Schlüsselwort.”

Der Hobbes’sche “Naturzustand” ist ein derart dämlich begründeter Mythos, an den glauben vielleicht ein paar dumme Leute, aber in Wirklichkeit liegt darin kein veritables Motiv.

Obama soll 2009 in einem Treffen mit Wallstreetbankern diese gewarnt haben, nur er stünde zwischen ihnen und den Mistgabeln. Hat sich das Geschäftsgebaren der Banken daraufhin geändert? Natürlich nicht!

Linus Februar 20, 2013 um 12:01

@Morph:
“Die Aufrechterhaltung der Möglichkeitsbedingungen der Geldwirtschaft.”
Ja, schön formuliert. Jetzt könnte man das wie gewohnt interpretieren “wieviel Armut ist gerade noch vertretbar?”.
Man kann aber auch fragen:
“Wieviel Konsum ist notwendig”
“Wieviel Raubbau an natürlichen Ressourcen ist vertretbar?”
etc.
Kurz: Brauchen wir Nachhaltigkeit?
Und die “ungerührte” Antwort wäre: NEIN!

Wobei das so nicht mehr ganz stimmt. Beispiel Bankenrettung: Da betteln die Banken beim Staat, sie vor sich selbst zu retten.

f.luebberding f.luebberding Februar 20, 2013 um 12:07

Ludwig Büchner

“Warum das ganze ? Weil es eben so sein muß.”

Das Verrückte ist eigentlich, dass man uns seit 30 Jahren in jedem SVR Gutachten, in jeder Bundestagdebatte etc. erzählt, dass es so nicht sein darf. Weil es dann weniger Arbeitsplätze, Investitionen etc. geben würde. Also man das vergessen hat, was Hauke gerade beschrieben hatte. Es geht aber eben nicht mehr um volkswirtschaftliche Aggregate, die ich mit wirtschaftspolitischen Instrumenten beeinflussen kann, sondern um die eigentlich banale Erkenntnis, dass es niemanden schlechter gehen würde, wenn ich die Leute bei Amazon (und woanders) fair behandele. Außer halt denjenigen, die ihr ganzes Leben nur nach ihren betriebswirtschaftlichen Kalkülen organisieren. Das Verrückte ist also, dass wir uns von den Verrückten unser Denken aufzwingen lassen.

TheRealSlimShady Februar 20, 2013 um 12:11

>Wie gering Ihr Vertrauen ist, es lasse sich auf Basis der Genugtuung/des Stolzes

Ist es in der Tat. Aber an und für sich war das doch ein sehr hübscher Gedanke von dem Sloterdijk.

>in der Mikroperspektive schwingt der Eigennutz sein Zepter.

Was Sie vermutlich nicht gelesen oder nicht verstanden haben ist, dass Sloterdijk exakt diesen Eigennutz für seine Zwecke einspannt. Allerdings nicht in der Figure der Ratio, sondern der des Thymos. Verkürzt: Für den Reichsten, der materiell eh schon alles hat, kann es das Erstrebenswerteste und Höchste sein, seine Kohle für soziale Zwecke herzugeben. Ist doch schön! Und erzielt jetzt offenbar doch deutlich mehr an Breitenwirkung, als ich es je zu glauben gewagt hätte. Ich mein: Wenn jetzt sogar so ein staubtrockener Knochen wie der Hasso Plattner seine Milliarden verschenken will, und jeder dritte Milliardär in USA sowieso, dann muss an der Idee ja wohl was dran sein.

Dummerweise haben halt diese Milliardäre aber alle ein Faible für typhuskranke Kinder in Afrika und malariaverseuchte Urwaldeinwohner in Amazonien. Und wollen auch noch Schulen bauen und all so’n Kram. Wird von der Kohle daher halt recht wenig übrig bleiben für die Kellerjungs bei Amazon & Co und alle anderen Benachteiligten des Industriellen Westens.

>Die sozial-ethische Rechtfertigung des Sozialstaates kennen Sie (Enteignung der Enteigner), sie nicht anzuerkennen ist Ihre persönliche Entscheidung.

Das ist nicht die sozial-ethische Rechtfertigung des Sozialstaats, sondern eine proto- bzw vulgärmarxistische. Immer wieder recht nett, aber intellektuell leider total unergiebig.

enrico Februar 20, 2013 um 12:13

herb ransom michaelsen Februar 20, 2013 um 11:09

Am Ende entscheidet aber der Staat, ob Du das darfst oder nicht, und nicht Du selber. Er lässt Dich nur temporär das machen, was Du willst, weil es für ihn keinen Sinn ergibt oder opportun ist, es Dir zu verbieten. Verbietet er Dir das, kannst Du es nicht mehr. Ende Gelände.

“Der Staat” entscheidet nicht. Es sind die Mächtigen innerhalb eines Staates, die entscheiden.

Schon richtig, wenn die Macht der Nutzmenschenhalter meint, meine Lebensweise wäre schädlich für die Nutzmenschenhaltung nebenan, dann werde ich mich wohl vertreiben lassen müssen.

Und: rücken in Deiner Öko-Paradiesinsel plötzlich die Bagger an, weil ein Hotelresortkomplex errichtet wird, worauf berufst Du Dich dann? Deinen (vermutlich) formell nicht geregelten Besitzstatus? Die Informalität der Agreements, aufgrund derer zwielichtige Investoren in Zusammenarbeit mit korrupten Bauleitplanern das Planungsrecht usurpieren?

Ja nun, dann zieht man eben weiter.
Platz gibt es noch genug. Auch in Europa. Damit meine ich, bevor ich mich von irgendwelchen Amazon-TRSS-Abzocker ausbeuten lassen muss, ziehe ich lieber weiter.
Selbstbewusstsein und klare Vorstellungen, wie man leben will, helfen dabei.

Seit dem “Agenda”-Betrug glaube ich nicht mehr an öffentlich organisierte Gerechtigkeit. Man darf nicht vergessen, dass diese Betrüger unter uns weiterleben wie weiland die Alt-Nazis in der Nachkriegszeit. Als ob nichts gewesen wäre. Dazu: was kann man von einem Volk halten, die diese Mafia-Parteien nach wie vor wählen.

Sowas ist die Lebenswirklichkeit der weltweiten Slumbewohner, für die man abseits romantisierender Vorstellungen auch mal in unseren kulturellen Zusammenhängen eine Sensibilität entwickeln könnte. Die Dritte Welt rückt mittlerweile in unsere Vorstädte, sie sickert in die Städte wie feiner Sand.

Slambewohner untereinander, soweit ich das bei meiner Arbeit in Caricom-Ländern gelernt habe, leben –trotz gelegentlicher Solidarität– vorwiegend feindlich untereinander. Die Menschen, die mit falscher Hoffnung in die GroSstädte strömen und dort in elenden Slams enden, sind eigentlich die größten Opportunisten und Helfer des Kapitalismus. Sie machen das Spiel mit, im Glauben dass, solange die anderen verlieren und nicht man selbst, die Welt doch noch in Ordnung ist.

Das Gegenteil dieses Verhaltens ist eben die Abkehr von den GroSstädten zurück aufs Land, das verlassen wurde. Um dort mittels fruchtbarer Zusammenarbeit und gemeinsamer Wehrbereitschaft ein Leben in Würde führen zu können. Auch wenn ich kein besonderer Freund des Chavez-Clans bin, muss man doch anerkennen was sich dort auf dem Landleben inzwischen getan hat.

Die Strategie lautet: Raus aus den GroSstädten und sich im ländlichen GroSraum Europas kooperativ vernetzten. Geht!

holger Februar 20, 2013 um 12:22

luebberding

—>>>Außer halt denjenigen, die ihr ganzes Leben nur nach ihren betriebswirtschaftlichen Kalkülen organisieren. Das Verrückte ist also, dass wir uns von den Verrückten unser Denken aufzwingen lassen.”

Nein, das nennt man schlicht und einfach: “Haushalten” das Haus halten. Und das wird jeden Tag von Morgens bis spät in die Nacht gepredigt.

Das sind keine Ver-rückte. Sie machen nur das, was sie schon immer mit dem Taschengeld gelernt haben, den Monat zu verkürzen.

Ludwig Büchner Februar 20, 2013 um 12:29

@Holger
“Da ich aber nun mal aus der “größeren” Industrie komme, kann ich dir sagen, dort läuft es anders.”
Die von denen Du da spricht, das sind meine Kunden und ich unterstelle nicht, sonder ich weiß, das es dort schon mal nicht überall gleich ist. Die verrückten, die sich vollständig dem Aktienmarkt unterworfen haben, müssen natürlich. Aber auch nicht überall. Nochmal: Du hast keine Ahnung was da so wirklich läuft, Du extrapolierst nur aus ein paar Erfahrungen.

holger Februar 20, 2013 um 12:34

Ludwig B.

—>>>Du hast keine Ahnung was da so wirklich läuft, Du extrapolierst nur aus ein paar Erfahrungen.”

Weil ich es gelernt habe. Weil man mir es beigebracht hat. Weil ich als Industriemeister so denken muss. Weil Toyota Kanban und Kaizen eingeführt hatte. Und ich kann sehr wohl behaupten, was ich gesehen habe seit 1986. Also erzähle mir nicht die Veränderung wäre nicht geschehen.

holger Februar 20, 2013 um 12:38

Ludwig B.

wenn du dein Angebot mit der dementsprechenden Kalkulation am Markt durchsetzen kannst, dann ist das i.o. Und da du vermutlich auch auf die Belegschaft angewiesen bist, musst du höhere Löhne zahlen oder vernünftige. Und wenn du sogar noch für EADS tätig bist. Glückwunsch dazu.

TheRealSlimShady Februar 20, 2013 um 12:38

>Die verrückten, die sich vollständig dem Aktienmarkt unterworfen haben, müssen natürlich.

Die härtesten Knechter sind meiner Erfahrung nach die nicht-börsennotierten Mittelständler. Die großen, internationalen Player sind schon aus Gründen interner Kulturpflege und globalen Resourcenmanagements dazu gezwungen, gewisse Standards einzuhalten. Aber bei einigen Maschinenbauern und Automobilzuliefereren, denen ich im Laufe meines Lebens so begegnet bin, möchte ich ums Verrecken nicht beschäftigt sein.

Carlos Manoso Februar 20, 2013 um 12:43

@Linus Februar 20, 2013 um 10:44
„@TRSS:
“Sozialstaat ist ein notwendiges Übel bar jeder sozial-ethischen Rechtfertigung.”
Wer braucht denn sozial-ethische Rechtfertigung? Mich interessiert viel mehr, was hinter deinem ‘notwendig’ steckt.“

Linus, TRSS Aussage: “Sozialstaat ist ein notwendiges Übel bar jeder sozial-ethischen Rechtfertigung,, ist aus liberaler Sicht self evident.

Ein vernunftgemäß gestaltetes Gesellschaftssystem bräuchte selbstverständlich ein Instrument wie „Sozialstaat“ NICHT ! Ergo ist das Schleifen des Sozialstaats der Beweis, dass wir es mit

Das Instrument des „Sozialstaats“ resultierte historisch aus den sozialen Kämpfen der Menschen, die die „gesellschaftliche Arbeit“ repräsentieren. Die „gesellschaftliche Arbeit“ ist die wahre Substanz des Kapitals. Insofern musste die „vernünftige Fraktion“ des Kapitals seit dem 19. Jhdt. das Kompromissinstrument „Sozialstaat“ mittragen, damit das –ohne sozialstaatliche Bremsen- schrankenlos expandierende Selbstzwecksystem des Kapitals nicht schon im 20. Jhdt. (1929-1933) final an die Wand fuhr.

Im Verlauf der neoliberalen Revolution baute das Selbstzwecksystem des Kapitals eine Bremse nach der anderen aus, um vermeintlich schrankenlos weiter zu expandieren (weltweite Liberalisierung der Finanz- und Arbeitsmärkte). Einer der letzten Sargnägel war übrigens 1989.

So schält sich immer klarer heraus, dass die Zerstörung des „Sozialstaats“ als „notwendiges Übel jeder sozial-ethischen Rechtfertigung“ zum Ende der absterbenden kapitalistischen Opferreligion abstrakter Lebenenergie hinausläuft auf bürokratische „Sterbehilfe“ für die Massen der kapitalistisch „Unbrauchbaren“, die zwangsläufig anomische Züge annehmen muß.

Wer weiß, vielleicht waren im Jhdt. 16 Jhdt. in Mexiko vernichteten atzekischen Blutpriester ja sozial-ethisch menschenfreundlich im Vergleich mit den Opferbürokraten des Kapitalfetischs.

f.luebberding f.luebberding Februar 20, 2013 um 12:47

TRSS

Vor allem nicht bei denen, wo vorher die Krieger von Lopez reingeschneit waren. Es gibt eine simple Formel: Die miesesten Arbeitsbedingungen herrschen dort, wo die IG Metall als Gegengewicht nicht funktioniert. Was nicht heißt, dass es nicht Unternehmer von Büchner gibt, wo die Gewerkschaften wenig zu sagen haben. Aber man kann nicht den Strukturwandel in der M&E-Industrie nach der Krise von 92/93 auf den Begriff bringen, wie Du es gerade machst. Viele Mittelständler sind gerade von den Konzernen massiv unter Druck gesetzt worden, die ansonsten so sehr auf ihr Image achten.

holger Februar 20, 2013 um 12:52

—>>>Die großen, internationalen Player sind schon aus Gründen interner Kulturpflege und globalen Resourcenmanagements dazu gezwungen, gewisse Standards einzuhalten.”

Natürlich ist das so, aber das ist der Kern, der bei Laune gehalten werden muss. Der Stamm. Aber die Äste wurden eben, ist ja auch egal wohin auch immer, abgestossen.

Bei uns können sich VW MB DLR und wie se nicht alle heißen, ihre Mitarbeiter aussuchen. Auch aus den Zulieferern. Weil sie rund 30% mehr Geld +X bieten können.

Ist wie bei Aschenputtel.

h.huett Februar 20, 2013 um 12:57

Hier ein kurzes Update zur Pferdefleischstory.

In Transsylvanien beschloss man vor ein paar Jahren, dass zur Beschleunigung des Verkehrs auf den öffentlichen Straßen Pferdegespanne verschwinden sollten. Binnen weniger als fünf Jahren verschwanden aus der Pferdestatistik Rumäniens 334.000 Pferde. Der Preis für ihr leckeres Fleisch sank ins Bodenlose. Der Handel witterte seine Chance, spottbilliges in teures rotes Fleisch zu verwandeln. Als Farce!

In der Betonindustrie nennt man das Zuschlagstoffe. Zeitweilig wurden in den Öfen der Zementindustrie die BSE-Rinde verbrannt.

TheRealSlimShady Februar 20, 2013 um 13:01

>Viele Mittelständler sind gerade von den Konzernen massiv unter Druck gesetzt worden, die ansonsten so sehr auf ihr Image achten.

Natürlich. Und was lernen wir daraus? Einer zahlt immer, und wenn der eine schöngeistig daher kommt, dann nur deshalb, weil der andere sich das womöglich verkneifen muss.

Im Automobilzulieferergewerbe ist die Deflation ein Dauerthema. 2% durchschnittliche Preissenkung pro Jahr absolut normal. Was glaubt ihr also, was hier los ist?

Andreas Kreuz Februar 20, 2013 um 13:02

@fl
Das Verrückte ist also, dass wir uns von den Verrückten unser Denken aufzwingen lassen.

Da gibt es doch auch noch die Achse Ramsauer-Steinbrück-Koch im Zusammenhang mit der Privatisierung der Autobahnabschnitte A7.
Noch ein Skandal!

holger Februar 20, 2013 um 13:03

—>>>Aber man kann nicht den Strukturwandel in der M&E-Industrie nach der Krise von 92/93 auf den Begriff bringen, wie Du es gerade machst.

1993 ist toll… genau da habe ich den Ind.Meister gemacht und ein gewisser Lopez war am Werkeln.

—>>>Viele Mittelständler sind gerade von den Konzernen massiv unter Druck gesetzt worden, die ansonsten so sehr auf ihr Image achten.

Und gerade Lopez hat nicht nur die Zulieferer platt gemacht, sondern auch VW in den Fixkosten reduziert. In meiner Schule, saßen viel Opfer von Lopez. Bleibt ja in Kassel nicht aus. Da saßen sie dann, von VW von Wegmann und und und… Ich weiß noch wie das Geschrei groß war, das VW das 14. Monatsgehalt gestrichen hatte. Manch einer wollte Selbstmord begehen, hatte er doch gerade gebaut.

f.luebberding f.luebberding Februar 20, 2013 um 13:05

“Was glaubt ihr also, was hier los ist?”

Genau das. Nur rutschen wir gerade in eine Krise. Autoindustrie haben wir ja schon oft genug diskutiert. Einmal abwarten, welche Folgen die Marktbereinigung (und die polit. Reaktionen darauf) haben wird.

Linus Februar 20, 2013 um 13:13

Ein kleines Gedanken-Experiment:
Angenommen, nicht der Bürger dürfte an Wahlen teilnehmen, sondern stattdessen nur die Unternehmen: 1 Unternehmen, 1 Stimme.
Wie würden die wählen? 2 Grenz-Szenarien:

Szenario 1: Ein einzelnes Unternehmen würde für Deregulierung stimmen in den Bereichen, wo es sich stark und durchsetzungsfähig fühlt, dagegen für Regulierung dort, wo eine Regulierung seine Position (Pfründe) sichern würde.
[Ist das nicht eine treffende Beschreibung des Zustandes, in dem wir uns befinden? Wobei ich hier jetzt erstmal nicht(!) unterstellen will, dass bei uns "nur" die Unternehmen wahlberechtigt wären.]

Szenario 2: Die Unternehmen hätten sich darauf geeinigt, dass eine Krähe der anderen kein Auge aushackt, sprich friedliche Koexistenz unter Festschreibung der bestehenden Verhältnisse. Dabei müsste aber sichergestellt sein, dass kein Unternehmen am Verhungern ist und eine akzeptable Existenz fristen kann. Es bräuchte also eine Art Existenzsicherung für Unternehmen, sei es durch Stützen oder durch Zusicherung von Rechten. Andernfalls würde eine solches Koexistenzmodell von den Schwächsten nicht angenommen (dann lieber kämpfen).
[Ist das nicht der Zustand, auf den wir zusteuern? Auch hier wieder ohne Unterstellungen.]

Sieht man sich das mal von aussen an, so ist es gewiss so, dass man Szenario 2 stärken kann, indem man die gegenseitige Abhängigkeit der Teilnehmer untereinander stärkt. Wie kriegt man das hin? Sicher hat dies auch was mit der Anzahl der Teilnehmer zu tun. Je mehr Teilnehmer, desto mehr Alternativen, ergo weniger Abhängigkeit.
Hier könnte man auch zurück auf Bürgerebene. Oder noch weiter gedacht. Man könnte mehrere “Organisations-” Ebenen einziehen und sich überlegen, wie auf jeder Ebene die Teilnehmerzahl im Sinne einer Kooperation zu optimieren wäre.

Ein solches Extrem-Modell wäre sicher nicht erstrebenswert, eben auch, weil es die bestehenden Verhältnisse festschriebe. Dies stünde z.B. einer sozialen Durchlässigkeit im Wege. Aber es wäre sicher nützlich, diese Stellschraube mal ganz abstrakt zu untersuchen.

holger Februar 20, 2013 um 13:21

lubberding

es geht nicht mehr weniger. Die Kosten sind zum Anschlag optimiert worden. Es geht darum, ob das noch erträglich auf Dauer sein wird, diesen Zustand halten zu können. Und da sag ich Nein. Noch drei vier Preis Erhöhungen (Mietnebenkosten), und die Masse kann ihre Verbindlichkeit nicht mehr bedienen.

—>>>Nur rutschen wir gerade in eine Krise. Autoindustrie haben wir ja schon oft genug diskutiert.”

Nein, das Rutschen dauert schon über 20 Jahre. Und zwar nur mit “Gürtel Enger”… und der Auslöser ist eben das Prinzip der schwäbischen Hausfrau mir gebet nix.

Rein menschliches Verhalten eben.

Linus Februar 20, 2013 um 13:32

Ergänzung: Das ist ein alter Trick. Willst du den Widerstand in einer Abteilung knacken, dann vergrössere sie (cum grano salis).

Carlos Manoso Februar 20, 2013 um 13:48

@TheRealSlimShady Februar 20, 2013 um 12:11
„>Die sozial-ethische Rechtfertigung des Sozialstaates kennen Sie (Enteignung der Enteigner), sie nicht anzuerkennen ist Ihre persönliche Entscheidung.
Das ist nicht die sozial-ethische Rechtfertigung des Sozialstaats, sondern eine proto- bzw vulgärmarxistische. Immer wieder recht nett, aber intellektuell leider total unergiebig.“

TheRealSlimShady, du checkst es leider immer noch nicht !

Einige werden es zu spät checken und andere noch später !

holger Februar 20, 2013 um 13:50

ach das hatte ich vergessen:

—>>>Einmal abwarten, welche Folgen die Marktbereinigung (und die polit. Reaktionen darauf) haben wird.”

Das wäre mal ein Thema… der W.Ing. alias Halbfrucht, versucht das ja nun als im detail zu illuminieren.

Marktbereinigung = konzentrierte Privatisierung = Endziel Monopol oder Oligopol (wobei das Oligopol das Monopol verschleiert)

Politische Reaktion = konzentrierte Macht = Endziel Absolute Mehrheit (“Demokratie”) oder Führerstaat.

Geld Macht beides Möglich.

TheRealSlimShady Februar 20, 2013 um 13:59

>Einige werden es zu spät checken und andere noch später !

Gut erzogen, wie ich nun mal bin, lasse ich anderen Menschen gerne den Vortritt.

Carlos Manoso Februar 20, 2013 um 14:02

@ enrico Februar 20, 2013 um 12:13
„Die Strategie lautet: Raus aus den GroSstädten und sich im ländlichen GroSraum Europas kooperativ vernetzten. Geht!“

„Es gibt kein richtiges Leben im falschen.“
http://de.wikipedia.org/wiki/Es_gibt_kein_richtiges_Leben_im_falschen

herb ransom michaelsen Februar 20, 2013 um 14:13

?@enrico

Wo unterscheidet sich denn bitte „der Staat“ von „den Mächtigen“ innerhalb eines Staates? Heißt das, nur Angela Merkel kann uns aus unseren Bauwagen vertreiben? Sind alle Sachbearbeiter im Ordnungsamt nichts als seelenlose Erfüllungsgehilfen der Deutschen Bank? Ist nun schon wieder Befehlsnotstand? Also wirklich. Wie selektiv Recht auf der Praxisebene angewandt wird, sieht man täglich bei der Fahrkartenkontrolle in der Bahn.

Aber OK, wenn’s knallt, einfach weiterziehen. Aufs „Land“. Als ob man dort machen könne was man will! Das next big thing ist die neue Privatisierung der Biologie, Stichwort Neo-Produktivismus. Das findet aber gar nicht in den Städten statt. Das läuft auf dem Rapsacker und im Forst nebenan. Mit wem man sich auf dem Dorf noch sinnvoll in nennenswerten alternativen Wertschöpfungsstrukturen „vernetzen“ kann, wenn Angestellte börsennotierter Großkonzerne nichts als Basisstoffe für die synthetischen Projekte der Lebensmittel- und Energiewirtschaft erzeugen, ist mir ehrlich gesagt ein Rätsel.

Kurz: Es gibt keine Informalität, es gibt nur Situationen, Gegenden, Bereiche der Alltagswelt, in denen man temporär in Ruhe gelassen wird. Die Ruhe kann einem genommen werden, sobald dies opportun erscheint. Wir erzeugen Blackboxes und nennen sie beispielsweise „informell“. Sie sind es so lange, wie sie funktionieren: verschulde ich einen Unfall und habe keinen Versicherungsschutz, ist es mit dem Rückzug ins Informelle ziemlich schnell zu ende.

Ähnliches gilt für die Großstrukturen des Sozialen: Aus der Perspektive der Öffentlichkeit ist das, was ab und an als „unmenschliches“ Wirtschaftssystem gesehen wird, ebenfalls eine Blackbox aus Verfahren, Menschen, Gütern. Die konstruiert wurde, um ihren Erzeugern Profite zu generieren. Deren Funktionsweise für selbstverständlich gehalten wird, weil wir, Menschen, die wir nun mal sind, nicht existieren können, ohne anderen zu vertrauen. In seltenen Momenten gibt es eine Art Epiphanie, ein Erscheinen des Medusenhauptes, anhand derer wir vage Mutmaßungen darüber anstellen können, wie diese Blackbox konstruiert ist.

Die Ver-rinderung von Pferden ist so ein Moment. Aus dieser Perspektive ist sie dasselbe wie die Ausbeutung der Leiharbeiter bei Amazon oder der Crash des Finanzsystems. Wir verlieren das Vertrauen, haben aber keine Ressourcen zur Kontrolle zur Verfügung, die notwendig wären, um Vertrauen wieder zu erlangen.

Der Rückzug ins Private, in den „ethischen Konsum“, aufs Land oder in eine unklar ausformulierte „Informalität“ sind deshalb nichts anderes als klägliche Versuche, die Kontrolle im eigenen Lebensbereich wieder zu erlangen. Und gleichzeitig verlieren wir sie wieder, weil wir denken, durch die Verblackboxung unserer Lebensführung die Welt um uns herum kontrollieren zu können.

Carlos Manoso Februar 20, 2013 um 14:19

@TheRealSlimShady Februar 20, 2013 um 13:59
„>Einige werden es zu spät checken und andere noch später !
Gut erzogen, wie ich nun mal bin, lasse ich anderen Menschen gerne den Vortritt.“

TheRealSlimShady, die Deutschen gelten in afrikanischen Regionen als wg. Ihrer besonderen Sattheit als besonders gut erzogene Menschen.

Wenn sich zum Beispiel bei ihnen zum Löschen eines brennenden Hauses eine Schlange aus Deutschen zum Wassereimer-Weiterreichen bilde, murmeln sie jedes Mal –sagt man- , wenn sie einen Wassereimer zum Löschen weiterreichen, gut erzogen höflich zuvorkommend: „Nach Ihnen, nach Ihnen, nach Ihnen ,… nach Ihnen,… nach Ihnen, … nach Ihnen,… nach Iihnen, … nach Ihnen …“

Frankie Bernankie Februar 20, 2013 um 15:02

@TRSS

“Die härtesten Knechter sind meiner Erfahrung nach die nicht-börsennotierten Mittelständler. Die großen, internationalen Player sind schon aus Gründen interner Kulturpflege und globalen Resourcenmanagements dazu gezwungen, gewisse Standards einzuhalten. Aber bei einigen Maschinenbauern und Automobilzuliefereren, denen ich im Laufe meines Lebens so begegnet bin, möchte ich ums Verrecken nicht beschäftigt sein.”

Yo, das deckt sich nun vollkommen mit meinen (bei aller Bescheidenheit auch nicht unbeträchtlichen) Berufserfahrungen.

Je Familienunternehmer, desto Arbeitszeit;
je Patriarch, desto Willkür.

Hauke Februar 20, 2013 um 15:37

@TRSS

“Ist es in der Tat. Aber an und für sich war das doch ein sehr hübscher Gedanke von dem Sloterdijk.”

Mit einem Wort: Schön, dass wir darüber gesprochen haben?

“Was Sie vermutlich nicht gelesen oder nicht verstanden haben ist, dass Sloterdijk exakt diesen Eigennutz für seine Zwecke einspannt. Allerdings nicht in der Figure der Ratio, sondern der des Thymos.”

Sie basteln sich da was zusammen was nicht zusammengehört. Sloterdijk spannt den Eigenutz nicht für seine Zwecke ein. Er stellt dem Motiv des Eigennutzes das Motiv des Thymos entgegen. Er hält das ökonomistische Menschenbild für überholt, den rationalen Nutzenmaximierer für ein Phantom und damit die Grundannahme einer Gesellschaft von Egoisten, deren Zuammenhalt nur durch staatlichen Zwang gewährleistet werden kann, für eine Ignoranz gegenüber psychpolitischen Realitäten in modernen sozialen Systemen. Diesem Menschenbild stellt er den gefühlsmotivierten Menschen gegenüber, dessen Handeln von Empathie, Kooperation, Würde und Generosität geprägt ist, geleitet von dem Bedürfnis nach Gemeinschaftlichkeit/Zugehörigkeit, und er sieht in der gegenseitigen Annerkennung und Würdigung die einzige Währung/das einzige Medium, das Zusammenhalt in modernen Großgesellschaften vermitteln könne. Diese Währung kann sich seiner Ansicht nach freilich nur unter den Bedingungen der Freiwilligkeit entwickeln und ihre segensreiche Wirkung entfalten, und nicht unter dem Diktat von Anspruch und Pflicht. Es ist nicht so, dass für den Reichen, “der materiell eh schon alles hat, [] es das Erstrebenswerteste und Höchste [wäre], seine Kohle für soziale Zwecke herzugeben.” Vielmehr sind in Sloterdijks Menschenbild “materiell” und “seine Kohle” keine Kategorien, die soziales Handeln erklären/motivieren könnten. Was Sie behaupten ist ein mit steigendem Einkommen gegen Null konvergierender Grenznutzen, so wie ihn auch die LINKE behauptet, um steuerliche Eingriffe von 100% ab einem bestimmten Jahreseinkommen zu rechtfertigen. Sloterdijk hält das Konzept an sich für einen Irrtum, es spielt in seinem Menschenbild keine Rolle. Zu denken geben könnte nur, dass Sloterdijk meint, die Umwandlung der gesamten Sphäre der öffentlichen Finanzen in eine Ehrenangelegenheit wäre ein psychopolitisch sehr anspruchsvolles Manöver, das gut und gerne hundert Jahre dauert. Ich finde diesen Zeithorizont ja eher uninteressant und in the long run… aber wem ich erzähle ich das.

Hauke Februar 20, 2013 um 15:52

@TRSS
>>>Was Sie behaupten ist ein mit steigendem Einkommen gegen Null konvergierender Grenznutzen,

Muss natürlich heißen:
Was Sie Sloterdijk unterstellen, ist die Behauptung eines mit steigendem Einkommen gegen Null konvergierenden Grenznutzens, so wie ihn auch die LINKE behauptet…

gelegentlich Februar 20, 2013 um 16:00

Das Menschenbild Sloterdijks? Burschen wie er selber, der er sich für einen wichtigen Intellektuellen hält, sollten möglichst wenig Steuern bezahlen. Welche Motive so einer hat finde ich nicht interessant.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/hasso-plattner-und-seine-milliardenspende-fuer-the-giving-pledge-a-884468.html
“Der Schnitt passt zu dem Mann mit der Macher-Mentalität: Statt Steuern zu zahlen, will der SAP-Gründer selbst bestimmen, wer von seinem Geld profitiert.”
Dazu muss man festhalten, dass jede menschliche Gruppe festlegt (festlegen kann) wieviel Ungleichheit sie zulassen möchte. Solche Figuren möchte ich eigentlich nicht zulassen. Sozial-ethische Begründungen dafür braucht man doch gar nicht. Es hat sich einfach nicht bewährt. Genügt das nicht?

holger Februar 20, 2013 um 16:22

gelgentlich

weißte was da gerade passiert? Zum rechnen seid ihr vermutlich alle zu dämlich.

6 Milliarden davon die Hälfte machen 3 Milliarden. Die aufgeteilt auf 80 Millionen ergibt was ? 37 Euronen und 50 Cent EINMALIG

Auf 8 Millionen 375 Euronen ! EINMALIG…

Da klatschen wir mal alle in die Hände… Und machen alle Määäh.

holger Februar 20, 2013 um 16:41

“Der Schnitt passt zu dem Mann mit der Macher-Mentalität: Statt Steuern zu zahlen, will der SAP-Gründer selbst bestimmen, wer von seinem Geld profitiert.”

und was ist daran strunzen dämlich? So das jeder Primat darauf reinfällt? Er könnte es so oder so Investieren und auch in Stiftungen packen so oder so. Bloß Erich H. bestimmt nicht wohin.

Carlos Manoso Februar 20, 2013 um 16:43

@ Hauke Februar 20, 2013 um 15:37
„Vielmehr sind in Sloterdijks Menschenbild “materiell” und “seine Kohle” keine Kategorien, die soziales Handeln erklären/motivieren könnten.“

Hauke, ein Abgedichteter wie Sloterdijk wird wohl nicht mehr checken, dass der Frühkapitalismus vor 200 Jahren auf relativ niedrigem Niveau der Produktivkräfte die Akkumulations- und Durchsetzungsgeschichte des Kapitals noch VOR sich hatte. Der Krisenkapitalismus der 3. mikroelektronischen Revolution des Jahres 2013 hingegen auf dem heutigen ungeheuer hohen, (in die Formen des Kapitalismus schon längst nicht mehr integrierbaren) Niveau hat 2013ff seine Akkumulations- und Durchsetzungsgeschichte immer sichtbarer längst HINTER sich.

Kapitalideologe Sloterdijk räsonniert –sich selbst einsortierend- als „Inhaber von Kaufkraft und Komfortchancen“ in abgebrühter Gemütsruhe, das „Kollektiv der Inhaber von Kaufkraft und Komfortchancen“ habe zwar die „Maßstäbe zur Beurteilung des Elends in aller Welt, aber nicht die Mittel zu seiner Überwindung exportiert“.(Sloiterdijk „Weltinnenraum des Kapitals“ S. 302.

Das erkläre – so Soterdijk- die „Unsichtbarmachung von Armut in den Wohlstandszonen einerseits, die Segregation der Wohlhabenden in den Null-Hoffnungszonen andererseits. Die Tatsache, dass der KRISTALLPALAST zu Beginn des 21. Jahrhunderts nach den günstigsten Bedingungen ein knappes Drittel der Angehörigen von Homo Sapiens inkludiert, wahrscheinlich aber nur ein Viertel, erklärt sich unter anderem durch die systematische Unmöglichkeit, eine Einbeziehung aller Mitglieder der Menschengattung in ein homogenes Wohlfahrtssystem zu den heutigen technischen, energiepolitischen und ökologischen Bedingungen materialiter zu organisieren. Die semantische und kostenlose Konstruktion der Menschheit als Kollektiv der Träger von Menschenrechten ist aus UNÜBERSTEIGBAREN STRUKTURELLE GRÜNDEN nicht überführbar in die operative und teure Konstruktion der Menschheit als Kollektiv der Inhaber von Kaufkraft und Komfortchancen“, so Kapitalideologe Sloiterdijk in „Weltinnenraum des Kapitals“ S.302ff.

Nach dieser eiskalten Beschreibung eines ungeheuren Exklusions- und Entmenschungsvorgang (Sloterdijk aus seinem Führerhauptquartier der „kaufkraftbesitzenden Menschheitsfraktion: „Die Lagebesprechung ist an die Stelle der Kritik getreten“) wird es Zeit, mal einen Blick in Frederick Soddys Buch ‘Wealth, Virtual Wealth and Debt’ zu werfen:
http://nesara.org/articles/soddy88.htm

gelegentlich Februar 20, 2013 um 16:52

@holger
Dämlich daran ist, dass natürlich nicht Erich H., sondern “wir” zu bestimmen haben was passieren soll. “Wir” sind in unserer politischen Verfaßtheit der Souverän, das Volk, wie auch immer. Einem erfolgreichen Unternehmer mag man da ein paar mehr Gestaltungschancen einräumen als Anderen, aber eben nicht so viele mehr. Und schon gar nicht möchten wir solchen Figuren die Chancen einräumen die Regeln für Alle zu gestalten.
Um wieviele Euronen es EINMALIG geht ist völlig uninteressant. Und deshalb kein Argument, auch wenn affirmative Domestiken wie Sloterdijk das aus wohlverstandenem Eigeninteresse anders sehen mögen.

TheRealSlimShady Februar 20, 2013 um 17:11

Und alle machen so: Kumbaya, my Lord, Kumbaya!

Andreas Kreuz Februar 20, 2013 um 17:15
Carlos Manoso Februar 20, 2013 um 17:24

@ TheRealSlimShady Februar 20, 2013 um 17:11
„Und alle machen so: Kumbaya, my Lord, Kumbaya!“

http://www.youtube.com/watch?v=3H-MeS6LhhU

gelegentlich Februar 20, 2013 um 17:39

@TheRealSlimShady
Dafür braucht man kein Kumbaya, my Lord. Einfach die Schritte in die richtige Richtung. Gerne auch kleine Schritte. Nur die Richtung muss passen. Die geht von Plattner/Sloterdijk und solchen Figuren halt weg. Wer diese Richtung mag hat keinen Grund solch ein Blog zu lesen und Beiträge zu liefern, nach meiner Ansicht.

Morph Februar 20, 2013 um 17:43

@herb ransom michaelsen, Februar 20, 2013 um 14:13

Interessanter Beitrag! Man sollte aber auch nicht verschweigen, dass das Regelsystem sozialer Zwänge nicht nur Profiteure und Unterdrückte kennt, sondern auch – im Guten wie im Schlechten – kreativ ausgenutzt werden kann. Die Formalismen der modernen Gesellschaft entmündigen ja nicht nur, sondern bieten auch Chancen, den eigenen ‘Fall’ so zu codieren, dass an ihn im eigenen Sinn angeschlossen wird.

Das Fatale daran ist, dass man die Strukturen kennen und entsprechend gewitzt sein muss. Leute, die sich nicht auskennen und alles, was ihnen sozial begegnet at face value beurteilen, werden in der modernen Gesellschaft nicht sehr froh…

Doktor D Februar 20, 2013 um 17:44

Puhhh, der Herr Plattner schmeißt seine sauerverdienten Spargroschen jetzt wohl doch nicht den Armen dieser Welt hinterher: http://www.rp-online.de/wirtschaft/unternehmen/verwirrung-um-plattners-milliarden-spende-1.3207670

Schatten von hüttenmorphding Februar 20, 2013 um 17:59

Na Jungs – was gibts Neues?
Wieder mal shitsorm im Wasserglas?

Carlos Manoso Februar 20, 2013 um 18:00

@Morph Februar 20, 2013 um 17:43
„Interessanter Beitrag! Man sollte aber auch nicht verschweigen, dass das Regelsystem sozialer Zwänge nicht nur Profiteure und Unterdrückte kennt, sondern auch – im Guten wie im Schlechten – kreativ ausgenutzt werden kann. Die Formalismen der modernen Gesellschaft entmündigen ja nicht nur, sondern bieten auch Chancen, den eigenen ‘Fall’ so zu codieren, dass an ihn im eigenen Sinn angeschlossen wird.“

Hhmmmm, Kapitalideologe Sloterdijk ist ziemlich eindeutig der viel unideologischere Kapitalideologe als Morph:
„Die semantische und kostenlose Konstruktion der Menschheit als Kollektiv der Träger von Menschenrechten ist aus UNÜBERSTEIGBAREN STRUKTURELLE GRÜNDEN nicht überführbar in die operative und teure Konstruktion der Menschheit als Kollektiv der Inhaber von Kaufkraft und Komfortchancen“, so Kapitalideologe Sloiterdijk in „Weltinnenraum des Kapitals“ S.302ff.“

Schatten des Schattens Februar 20, 2013 um 18:12

Ich finde den TRSS am Besten. Der zieht hier eine richtig gute
Comedy durch.

Schatten des Schattens Februar 20, 2013 um 18:15

btw.
Die 491 Kommentare bei Hüttenhans sollten doch wohl Maßstab sein.
Also : kotzt euch richtig aus Genossen.. ;-)

Carlos Manoso Februar 20, 2013 um 18:18

Schatten des Schattens Februar 20, 2013 um 18:15
” Die 491 Kommentare bei Hüttenhans sollten doch wohl Maßstab sein.
Also : kotzt euch richtig aus Genossen..”

Kumbaya, my “Lord”, Kumbaya!

"ruby" Februar 20, 2013 um 18:21

@ cm

das original
Vermögen, eingebildetes Vermögen und Kredit
http://abob.libs.uga.edu/bobk/wvwd/

TheRealSlimShady Februar 20, 2013 um 18:24

>Wer diese Richtung mag hat keinen Grund solch ein Blog zu lesen und Beiträge zu liefern, nach meiner Ansicht.

Wo denkst du hin? Gerade dann! Ich mein: da paart sich ja das intellektuelle Fit-mach-mit geradezu mit der Verantwortung für die Volksaufklärung. Und die geht uns alle an! Ich mag zwar hie und da das Arschloch geben, aber glaubst du im Ernst, dass ich in so einer brenzligen Situation Land und Leute im Stich lasse?

gelegentlich Februar 20, 2013 um 18:28

Nein, nicht doch! Das unterstelle ich auch gar nicht. Zumal Land und Leute nicht im Stich zu lassen, das “…mach-mit” also, ja auch fit und jung erhält. Und das mit dem Arschloch geben ist allemal besser als Sloterdijk, der uns weismachen will keines zu sein. Nur fand ich die These “es muss so sein weil es so ist” nicht steil, sondern flach.

17 Februar 20, 2013 um 18:29
Carlos Manoso Februar 20, 2013 um 18:32

@TheRealSlimShady Februar 20, 2013 um 18:24
„da paart sich ja das intellektuelle Fit-mach-mit geradezu mit der Verantwortung für die Volksaufklärung. Und die geht uns alle an! Ich mag zwar hie und da das Arschloch geben, aber glaubst du im Ernst, dass ich in so einer brenzligen Situation Land und Leute im Stich lasse?“

„20.02.2013 • Bulgariens Regierung hat sich dem Volkszorn gebeugt und ist zurückgetreten.“
http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/europa/bulgarien-der-strompreis-der-das-fass-zum-ueberlaufen-brachte-12087881.html

Guckst du:
http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=G0wm30s5_MY#!

pacifist Februar 20, 2013 um 18:36

@Tobias Fuentes
Wo genau habe ich da nochmal sowas wie ein Argument überlesen?

“Die tatsächlich stattfindende Dergulierung ist im Rahmen unserer Gesellschaft keine für die überwältigende Mehrheit in aller Regel nachteilige sondern im Gegenteil nützliche Maßnahme, weil …”

Des Winters ist man ja sogar dankbar für heiße Luft!

Schatten Februar 20, 2013 um 19:47

@Schatten des Schattens

Mensch, dass mein Schatten so groß ist, dass sein Schatten Deinem Schatten einen Schatten wirft – finde ich ganz schön -… schattig? Na, eher schmeichelnd!

Das kitzelt mein Ego! Danke!

f.luebberding f.luebberding Februar 20, 2013 um 20:20

Nur als Hinweis. Mein Text zur Bundestagsdebatte über Amazon.

TheRealSlimShady Februar 20, 2013 um 20:37

Aha. Verstehe. Da diskutierte also die Frau Connemann mit der Frau Müller-Gemmeke und der Frau Lösekrug-Möller sowie weiteren Vertretern des parteipolitischen Spitzenpersonals über eine “Spitze des Eisbergs” und richtete hernach einen “Appell an die unternehmerische Verantwortung”.

Wahnsinn. Das ich das noch erlebe! Eine Zäsur der EGO- Gesellschaft. Spieltheoretisch absolut unvorhersehbar.

f.luebberding f.luebberding Februar 20, 2013 um 20:39

TRSS

So kann man das sehen … . Oder auch nicht.

Hauke Februar 20, 2013 um 21:19

@gelegentlich, Carlos Manoso

Ich halte Sloterdijks Thesen für Dampfplauderei, aber meine persönliche Meinung tut nichts zur Sache. Wenn man sich jedoch gewahr wird, dass Sloterdijks Beitrag zu einer Zeit in der FAZ erschienen ist, in der weltweit Staaten durch Übernahme privater Schulden zur Rettung der Kapitaleigentümer in die Bresche gesprungen sind und in Europa der Grundstein für die Euro-Krise gelegt wurde, in deren Folge sozialstaatliche Tätigkeit dann tatsächlich eingeschränkt wurde, dann zeugt es doch von einer gewissen Chuzpe, dass die größten Nutznießer dieser Politik in ihrer grenzenlosen Generösität nun den Opfern wahlweise vorwerfen, ihre Eltern wären schuld, oder auf das ausgelagerte Skrupelmanagement (Danke @Frankie Bernankie) als Ersatz für Sozial- und Arbeitsmarktpolitik (“Hier, ich weiß ja, dass ihnen die Amazon-Fritzen nichts bezahlen”) verweisen, das seine segensreiche Wirkung leider erst in hundert Jahren entfalten kann. TRSS mag so tun, als inszeniere er sich hier als “Arschloch”, in Wahrheit spiegelt er jedoch nur die Frechheit derer, die mit Ätsch! und der langen Nase aus gebührendem Sicherheitsabstand – zu Recht! – auf die verpasste Gelegenheit verweisen können, das Selbstverständnis der Gesellschaft in der “wir” leben neu zu überdenken. Die lange Nase ist verdient, 2009 konnten alle wählen. Das heißt aber nicht, den moral high ground der langen Nase anzuerkennen. Dafür sind Sloterdijks Thesen intellektuell zu dürftig. Allerdings wird man von der moralischen Überlegenheit nicht satt.

Montezuma Februar 20, 2013 um 22:13

Hm…..die ursprüngliche Frage war:

Nach welchen Anreizsystemen funktioniert die deutsche Politik?

Ich fand die Frage interessant.

Morph Februar 20, 2013 um 22:28

@Hauke

“in Wahrheit spiegelt er jedoch nur die Frechheit derer, die mit Ätsch! und der langen Nase aus gebührendem Sicherheitsabstand – zu Recht! – auf die verpasste Gelegenheit verweisen können, das Selbstverständnis der Gesellschaft in der “wir” leben neu zu überdenken.”

Einmal unabhängig davon, was @TRSS individuell veranlassen mag, zu schreiben, was er schreibt; darüber zu spekulieren, ist ja müßig – aber die Pose des kapitalistischen Zungerausstreckens an sich ist schon sehr interessant. Sie hat ihren Grund, glaube ich, NICHT in der Frechheit. Die Frechheit ist lediglich ihr beabsichtigter Effekt. Die URSACHE der Pose dagegen liegt in einem ganz anderen Affekt, nämlich dem der Scham.

Dass manche Leute unter demütigenden Bedingungen einer stupiden und anstrengenden Arbeit nachgehen müssen und von dem Lohn dieser Arbeit gerade einmal ihre Arbeitskraft erhalten können, diese Tatsache muss diejenigen, denen dadurch möglich ist, die suchtartigen Effekte ihrer Geldgeilheit auszuleben: Schnäppchenjagt und Luxusprotzerei, beschämen.

Das Zungerausstrecken ist eine aufgesetzte (!) Geste der Schamlosigkeit, eine Schamlosigkeitssimulation, die in der Öffentlichkeit gezeigt wird, um Empörung zu provozieren. Hat der vermeintlich Schamlose die Empörung erfolgreich auf sich gezogen, kann er die Erfahrung der öffentlichen Entwertung machen, die den ursprünglichen Schamaffekt kompensiert und, wenn es gut läuft, überkompensiert und affektiv einen Sühnestolzprofit abwirft.

- Leider ist die Mechanik des Zynismus zu wenig bekannt. Man hört oft, dass Zynismus ein Synonym für Menschenverachtung sei. Viel falscher geht es nicht. Wer Menschen verachtet, entfernt sich von ihnen und/oder nutzt sie zu ihrem Schaden aus. Wer sich dagegen in der Öffentlichkeit mit zynischen Kommunikationen zur Geltung bringt, der sucht ja die Nähe des Publikums, dem bedeuten menschliche Reaktionen etwas. So jemand kann apriori kein Menschenverächter sein. Freilich benutzt er das Publikum, aber nicht unbedingt zu dessen Nachteil. Ein Zyniker ist einer, der sich vor Publikum ins eigene Fleisch schneidet, um sich am mimetischen Entsetzen des Publikums zu ergötzen. Schon ein bißchen pervers, aber wer wäre das nicht?

Übrigens hat der Sloterdijk zum Zynismus ein sehr gutes Buch geschrieben. Sloterdijk einen ‘Dampfplauderer’ zu nennen ist ungefähr so angemessen als würde man Kant als Korinthenkacker bezeichnen.

Schatten Februar 20, 2013 um 22:38

@Montezuma

Eigentlich war die Frage die nach den Ökonomischen Anreizen.

Aber was deutsche Politiker anreizt, antreibt, das ist natürlich auch interessant!

Was treibt sie zu solchen europäischen Regeln, die uns am Ende Pferdefleisch ins convenience food bringen?

Ich denke, es ist die besondere Verantwortung und Rassismus:

A) Besondere Verantwortung: Gerade wegen dem WKII ist D wahrscheinlich nach ihrer Meinung besonders verpflichtet, besonders europäisch zu sein und insbesondere den deutschen Binnenmarkt nicht mit deutscher Penibilität abzuschotten.

B) Rassismus: Und natürlich meint ein deutscher Politiker, dass man von Rumänen eben jene deutsche Penibilität nicht erwarten könne.

Sind diese Aussagen belastbar – natürlich nicht!

Was treibt also deutsche Politiker? Zuerst mal die Idee, wiedergewählt zu werden. Und die Deutschen halten das Parteienkartell an der Macht. Ergo ist der Bürger schuld!

Abgesehen davon: Natürlich, nicht, Demokratietheoretiker wie Vanhanen oder Jagger und Gurr stellen insbesondere auf die Partizipation der Bürger ab – und da sieht es in D mau aus. Insbesondere Gurr befürwortet noch eine besondere Offenheit der Elitenrekrutierung in der Politik – und da ist das Parteienkartell vor.

So richtig wirklich demokratisch ist dieses Land so gesehen nicht….

h.huett Februar 20, 2013 um 22:42

Morph
“Sloterdijk einen ‘Dampfplauderer’ zu nennen ist ungefähr so angemessen als würde man Kant als Korinthenkacker bezeichnen.”

So ist es.

h.huett Februar 20, 2013 um 22:54

Michael Michaelis
“hinter seine eigenen Errungenschaften zurückfällt,…”

Wir kommen in dem Thema zurück auf die berühmte Formulierung des Bundesverfassungsrichters Böckenförde: “die Voraussetzungen des Rechtsstaats, die er selbst nicht garantieren kann“. Dadurch hat Böckenförde weit über die normative Kraft des Gerichts hinaus eine politische Sensibilisierbarkeit bewirkt, die sich wie von selbst erneuert, wenn es die Konstellationen und ein paar geschwinde Parlamentarier so wollen.

Der vermeintlich radikale Liberalismus ist eine biedermeierische enrichissez-vous Attitüde, das hat Morph zutreffend beobachtet, die sich ihrer Scham darüber bewusst ist und sie deshalb besonders aggressiv gegen diejenigen wendet, die sie an die Oberfläche des eigenen Bewusstseins fördern.

Michael Michaelis Februar 20, 2013 um 22:58

@morph
„Leider ist die Mechanik des Zynismus zu wenig bekannt. Man hört oft, dass Zynismus ein Synonym für Menschenverachtung sei. Viel falscher geht es nicht. Wer Menschen verachtet, entfernt sich von ihnen und/oder nutzt sie zu ihrem Schaden aus. Wer sich dagegen in der Öffentlichkeit mit zynischen Kommunikationen zur Geltung bringt, der sucht ja die Nähe des Publikums, dem bedeuten menschliche Reaktionen etwas.“

Nicht schlecht; gute Analyse. Aber, um das noch einmal zu sagen: das ist der Standpunkt eines Therapeuten in der Tradition der Psychoanalyse. Ich kapiere nicht, wie solch individuelles „caretaking“ (dict.cc übersetzt das als: „Hausmeisterdienste“), das Du hier forderst und mE. auch, zumindest ansatzweise, hier im Blog, praktizierst, zu irgend etwas „gut“ wäre.
Verändern tut das nichts – insofern ist der anti-Schnuffi (TRSS) schon auf der richtigen Fährte.

Schatten Februar 20, 2013 um 23:12

@ Morph

Das Rausstrecken der Zunge, ja? Was wäre denn das Gegenteil? Der Kussmund? “Ich liebe Euch doch, ich liebe Euch doch alle!” (Erich Mielke)

Wenn diese Leute, die ihrerseits von Leuten abstammen, die seit Hermann dem Cherusker, oder seit wann auch immer in D Steuern erhoben werden – die also nie jemandem zur Last gefallen sind und jetzt ist da der/die erste in der langen Ahnenreihe, der/die Hilfe braucht und er/sie kriegen gerade einmal das Existenzminimum, HartzIV, und da soll man Mitleid haben? Stellt das nicht die Demokratie in Frage, die ja postuliert, dass der exekutierte Wille der Politiker der des Volkes, also eben jener HartzIV-Empfänger ist?

Hauke Februar 20, 2013 um 23:24

@Morph, Hans Hütt

Ich kenne die Arbeiten von Sloterdijk viel zu wenig, um ihn als Dampfplauderer bezeichnen zu können; deshalb habe ich das nicht gemacht. Ich halte seine Thesen in oben erwähntem Kontext (FAZ-Beitrag) für Dampfplauderei. Das ist ein Unterschied.

h.huett Februar 20, 2013 um 23:26

Hauke
ok

Morph Februar 20, 2013 um 23:34

@Michael Michaelis

Danke für die Wertschätzung! Aber wie kann mein Beitrag ‘gut’ und ‘nicht gut’ zugleich sein? “Nicht schlecht; gute Analyse” und “Ich kapiere nicht, wie [das] (…) zu irgendetwas ‘gut’ wäre”: Das passt doch nicht ganz zusammen.

Ich glaube, diese Unstimmigkeit liegt in Deiner Einschätzung: “Verändern tut das nichts” begründet. Das GANZE, dass Du dabei wahrscheinlich als Gegenstand einer möglichen Änderung im Sinn hast, ist ohnehin immer im Wandel begriffen und kann daher per se durch nichts geändert UND durch nichts nicht geändert werden. Aufs GANZE gesehen, passiert ohnehin, was passiert, inklusive unseres für uns selbst nicht ganz durchsichtigen Kommunikationsverhaltens.

Im BESONDEREN dieser Blogkommunikation aber sind meine Beiträge offenkundig informativ. Und mehr kann man realistischerweise nicht erwarten, oder glaubst Du an das gesellschaftsverändernde Potenzial des Bloggings? Das würde ich nicht kapieren.

Linus Februar 20, 2013 um 23:41

@Morph:
“Hat der vermeintlich Schamlose die Empörung erfolgreich auf sich gezogen, kann er die Erfahrung der öffentlichen Entwertung machen, die den ursprünglichen Schamaffekt kompensiert und, wenn es gut läuft, überkompensiert und affektiv einen Sühnestolzprofit abwirft.”

Mit dem emotionalen Profit ist das so eine Sache. Das Ganze wäre nicht halb so lohnend, wenn er tatsächlich damit rechnen müsste, physisch eine aufs Maul zu kriegen.
Aus sicherer Entfernung lässt es sich leicht die Zunge rausstrecken. Und da scheint mir der eigentliche Genuss zu liegen. Getreu dem Motto: Ihr könnt mich zwar beschimpfen und anspucken, aber wirklich anhaben könnt ihr mir nichts. Ätsch, ich scheiss euch vor die Tür.
Solche Posen können ja durchaus einen gewissen Streitwert haben, z.B. in dem Sinne, dass sie eine Diskussion beflügeln. Bei TRSS kann ich jedoch eher selten einen höheren Plan erkennen. Viel plausibler scheint mir die Deutung dieser Pose als ein leerdrehendes Ritual zur Affirmation des eigenen Avatars (*). Und damit wär’s im Grunde Eitelkeit ;-).

* toller Satz! Könnte glatt von huett sein :-D

Morph Februar 20, 2013 um 23:45

@Linus

wie gesagt, @TRSS Privatmotive gehen mich nichts an. Mich interessiert die allgemeine Affektlogik des Typs, nicht die besondere Affektlogik des Tokens.

Morph Februar 20, 2013 um 23:49

@Linus

“Das Ganze wäre nicht halb so lohnend, wenn er tatsächlich damit rechnen müsste, physisch eine aufs Maul zu kriegen.”

Im Gegenteil! Es wäre noch viel lohnender! Unterschätze mal nicht die Risikofreude snobistischer kids!

Linus Februar 20, 2013 um 23:57

@Morph:
“Mich interessiert die allgemeine Affektlogik des Typs, nicht die besondere Affektlogik des Tokens.”

Ja, klar! TRSS sieht das bestimmt ganz ähnlich. Er pflegt seinen Avatar, nicht seine Person.

Michael Michaelis Februar 20, 2013 um 23:59

Deine Blogeinträge sind ganz offenkundig informativ – ich beuge mein Haupt, und behaupte nichts anderes (sonst würde ich nicht hier vor der Computer-Tastatur sitzen, und eine Antwort versuchen).

Ich frage mich nur: warum sitzt DU vor den Tasten, und wirst nicht müde, auf Unfug zu antworten, wie den, den ich gerade schreibe?

Morph Februar 21, 2013 um 00:12

Warmlaufen, Lockerungsübungen zwischendurch und Auslaufen. Ist aber auch manchmal nicht leicht, den Kommunikationssog zu kontrollieren. Soziale Systeme wollen sich ja fortsetzen und implementieren die allen Teilnehmern als unbestimmtes Mitmachmotiv ein, das sich charakteristischerweise gar nicht weiter begründen lässt. Und wenn man dem über das eigentlich verträgliche Maß nachgibt – zumal es sich ja nicht um persönlich verantwortete, sozial folgenreiche Kommunikation handelt -, stellen sich auch entsprechende Hangovers ein. Kennen bestimmt viele hier. Ich wenigstens kann das noch als Teil meiner Arbeit rationalisieren… ;-)

Michael Michaelis Februar 21, 2013 um 00:29

@morph
Nur eine Idee: vielleicht solltest Du Dein Ironiemeter nachjustieren…

Morph Februar 21, 2013 um 01:04

Wozu braucht man denn ein ‘Ironiemeter’?

"ruby" Februar 21, 2013 um 01:24

Schotterdeich soll seine im Cicero versprochene 50% freiwillige Steuerzahllast mal kommunizieren ;-)
HartzIV auf Elitenniveau !

"ruby" Februar 21, 2013 um 02:24

Ich war folgend dem Rudel
alle in ihren Mänteln verschluckt
mit der roten Schals um ihre Hälse gebunden
um ihre kleinen Köpfe zu behüten
in den Schnee zu fallen
Und ich wandte mich um und dort gehst du
Und Michael, du würdest fallen
und den weißen Schnee in rot verändern wie Erdbeeren
im Sommer ..
3x
http://www.youtube.com/watch?v=gml-nAJGRbY

Die Drums spielen im Sound das
“keep their little heads from falling in the snow” !!!
aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Fleet Foxes – White Winter Hymnal

topi Februar 21, 2013 um 04:03

Sloterdijk betreibt Dampfplauderei?

Er sgat: Nein, ich will kiene Steuern zahlen, schon gar nicht, wenn ihr die für die faulen Assis rauswerft.

Er ist halt seinem Avatar verpflichtet und muss das etwas umformulieren. :roll:

topi Februar 21, 2013 um 04:44

Tobias Fuentes Februar 20, 2013 um 00:34

“@pacifist
Sorry, aber dann erkläre mir das mal konkreter am Beispiel von Amazon … was unterscheidet dich etwa von Zinskritikern, für die das exponentielle Wachsen der Zinsen nun endlich eingetreten ist … oder von den Marx-Fans, für die die Profitrate nun endlich tief genug gefallen ist? Moment, du gehörst offenbar in dieses Boot. Wie passt das Zusammenbrechen des Ostblocks und der inflationäre Boom der Südländer – der, auch nach linker Lesart übertrieben war und eine deutliche Mäßigung fordert – in dein Bild der Verschwörung des bösen Kapitals? Ja, das deckst du mit der Klage von “Kapitalfreizügigkeit” und Osterweiterung ab … aber bleibt dann irgendetwas außer einer abstrusen uferlosen … tja, eine Verschwörungstheorie ist es nicht mal, du bist noch ne Idee abstrakter. Gegen Fantasen kann ich nicht gewinnen. Chapeau.”

Du faselst. Es scheint dir wohl völlig egal, dass manche die erstaunliche Meinung vertreten, dass du zwar gegenteilige Meinungen vertrittst, diese aber argumentativ vertrittst. :roll:

Pacifist hat nicht “Zinskritik” oder “Vulgärmarxismus” oder sowas betrieben, sondern ganz konkret geschildert, wie sich die Machtverhältnisse auf dem Arbeitsmarkt verändert haben,wie sie verändert wurden.

Es gibt natürlich immer wieder die dümmliche Bemerkung, der Arbeitsmarkt ist auch nur ein Kartoffelmarkt.
Das ist allerdings völliger Unsinn. Der Kartoffelbauer kann bei Überangebot auch gezwungen sein, sein Zeug recht billig rauszuhauen.
Dann baut er im nächsten Jahr eben etwas anderes an (in der EU lebt er vielleicht einfach von der Flächenstillegungsprämie, wenn er denn bohmianisch veranlagt ist).

Der einzelne Anbieter von Arbeitskraft ist auf Lohneinkommen angewiesen, während der Unternehmer nicht auf seine Arbeitskraft angewiesen ist. Dieses Machtgefälle führt, unreguliert, zu Löhnen, die geradezu das Reproduktionsniveau erreichen (sagt man so; in Wahrheit nicht mal das, die Aufzucht und Minimalausbildung der Kinder ist im Niedriglohnsektor keineswegs aus dem Lohn zu bestreiten).

* Prosperität in kapitalistischen Gesellschaften gibt es nur, wenn die erzielten EInkommen auch wieder real ausgegeben werden, sonst gibtsentweder sinkendes BSP oder Verschuldungsblasen, die irgendwann platzen.

Offensichtlich und empirisch nachvollziehbar ist dies bei zu starker Ungleichheit der EInkommen nicht gegeben.

** Gesellschaftliche Akzeptanz des kapitalistischen Systems ist auf Dauer auch nur Gewährleistet, wenn es denn Verhältnisse der Verteilung des gesamtgeellschaftliche Erwirtschafteten gibt, die ansatzweise als “fair” erachtet werden. Sonst knallts irgendwann, in welche Richtung auch immer. Deswegen will ja der “richtige Liberale” auch die Demokratie (eh nur ein blasser Abschein einer solchen im WOrtsinne) abschaffen; letztlich konsequent.

Es gab also zwei (wenn man die Aufhübschung gegenüber den Verhältnissen im real Existierenden extra fassen wil, auch drei) sehr gute Gründe, nach der WWK I in allen Ländern (verschiedene) Mechanismen zu errichten, die die “natürliche” Lohnfindung auf Niedrigstniveau aushebeln, durch eine deutliche Stärkung der Verhandlungsposition, wodurch es zu Jahrzehnten der wirtschaftlichen Prosperität und der politischen Stabilität kam.

Natürlich auch mit ständig wachsenden Gewinnen und Realvermögen (und auch Geldvermögen, aber nur im Rahmen der BSP-Entwicklung) für die Kapitalseite.

Unter “Deregulierung” kann man diverse Entwicklungen zusammen fassen, die zu einer Änderung der geschaffenen Machbalance zwischen Arbeitskraftanbieter und -nachfrager führten.

Das ist keineswegs eher ungreifbare Allgemeinkritik wie die “Zinskritik”, sondern ganz konkret neo-klassisch und mikroökonomisch fundiert:
Wer allgemeine Lohnuntergrenzen abschafft, die Lohnersatzleistungen stark reduziert, und die Organisationsmacht der Arbeitnehmerseite schwächt, schafft unmittelbar die Möglichkeit deutlich sinkender Löhne, erst im niedrigsten Bereich der sich aber schnell ausweiten kann.

topi Februar 21, 2013 um 04:52

“Kennzahlen”

Ja und?
Wenn alle höhere Löhne Zahlen müssen, dann sind die Kennzahlen eben auch entsprechend anders. Dann gibt es zwar eine verstärkte Tendenz zur Substitution von “Arbeit” durch “Kapital”. Aber das ist doch großartig, dass man heute nich tmehr mit der Sense und dem Hammer die Düter des täglichen Verbrauchs herstellt!

Die Erntekombine und die vollautomatische Produktionsstraße müssen auch hergestellt werden.
Und sollte alles hergestellt sein, dann wären wir im Schlaraffenland, ja was für ein Mist aber auch. :roll:

topi Februar 21, 2013 um 04:58

“Dienstleistungen” und “Produktivität”

Sollten jetzt alle Maschinen produziert sein; Popos (ganz kleine und ganz faltige) sind immer zu wischen, Bildung schaffen, öffentliche Güter herstellen (für die es keinen Markt gibt, die aber sehr stark das “wirkliche Wohlstandsniveau” einer Gesellschaft bestimmen).

Und jede Menge Dienstleistungen, die eben nicht “Rationalisiert” werden können.

Aber was ist denn die “Produktivität” einer Dienstleistung?
Ganz einfach: der bezahlte Preis. Wenn es also ein System in der Gesellschaft gibt, welches die Löhne auch im Dienstleistungssektor nach unten absichert, dann steigen eben die Preise für die Dienstleistungen.

Sie können ja mit den höheren Löhnen auch von Klein-Erna bezahlt werden. Simpel.

topi Februar 21, 2013 um 04:59

Gabriel erklärt bei Will, dass die Sozialdemokratie stolz sein kann auf ihre Geschichte, namentlich auch auf Noske und Hartz IV.

Na dann.

topi Februar 21, 2013 um 05:24

Linus Februar 20, 2013 um 13:13

Der gemeine Unternehmer (besonders der Ausbund an Unternehmern, der Lobbyverband) mlchte, so er denn im Markt ist, größtmögliche Regulierung im SInne der Abwehr neuer Mitbewerber.

Und er mlchte ständig Deregulierung, um seine Kosten zu drücken, weiler scheinbar der idiotischen Annahme ist, dass die anderen ihre Kosten nicht drücken.

Die Beziehungen der Unternehmen zueienander ist relativ wumpe.

Klar, in einem satten Oligopol-Marktkönnten sie theoretisch weniger von Kostendruck geleitet auch höherer Löhne zahlen.

Aber warum? Der Preis ist fix (Oligopol), aber die Kosten sind doch intern veränderbar, also der Gewinn steigerbar.

Nein, die gesellschaftlich sinnvolle Absicherung der Löhne nach unten muss anders erfolgen, als mit Kooperationen in der Unternehmensebene.

enrico Februar 21, 2013 um 09:45

@herb ransom michaelsen
Wo unterscheidet sich denn bitte „der Staat“ von „den Mächtigen“ innerhalb eines Staates?

Die Mächtigen sind ein Teil des Staates, so wie der Kopf ein Teil eines Menschen ist. Wenn jemandem staatliche Unterstützung gewährt wird, dann sind es ja nicht die Mächtigen, die hier versorgen, sondern eher die machtlos Arbeitenden. So sehe ich den Staat als eine Großgemeinschaft, wo Mme Merkel & Co ein Teil dieser Menschen-Struktur bildet.

Gut, das ist vielleicht auch eine Definitionsfrage. Man könnte auch sagen “der Staat” das ist die Macht und ein Teil einer Nation. Und die Nation sei die Summe aller Klassen.
Könnte man so sehen. Ich sehe das allerdings anders.

Heißt das, nur Angela Merkel kann uns aus unseren Bauwagen vertreiben? Sind alle Sachbearbeiter im Ordnungsamt nichts als seelenlose Erfüllungsgehilfen der Deutschen Bank?

krass gesagt: Ein Arschloch ist nur solange ein solches, solange es einen Arsch darum gibt. Mithin “Die Behörde” im weiteren Sinne. Ein Loch von Nichts umgeben wäre es ohne dessen.

Der Rückzug ins Private, in den „ethischen Konsum“, aufs Land oder in eine unklar ausformulierte „Informalität“ sind deshalb nichts anderes als klägliche Versuche, die Kontrolle im eigenen Lebensbereich wieder zu erlangen. Und gleichzeitig verlieren wir sie wieder, weil wir denken, durch die Verblackboxung unserer Lebensführung die Welt um uns herum kontrollieren zu können.

wie auch immer: Ich geniesse das Leben hier auf dem Lande in Frankreich, wo man sich gegenseitig hilft und unterstützt. Und das auch noch recht weiträumig. Da war das Leben in einem deutschen Ballungsraum einfach scheinheilig, frustrierend und vereinsamend dagegen.
Klar, das sind meine persönlichen Erlebnisse, die man nicht verallgemeinern kann. Aber trotzdem … ;)

Linus Februar 21, 2013 um 16:15

@topi:
Da hast du mich total missverstanden. Das liegt aber an meinem Post, der insgesamt nicht besonders sinnvoll war.

Ich wollte mal anleuchten, was für einen Einfluss die Grösse einer Organisation auf die Entscheidungsfindung hat. Dazu den normalen Bürger zu nehmen, schien mir zu unübersichtlich. Also habe ich mich bei der vergleichsweise einfach gestrickten Unternehmenslogik bedient.

Dass die bzgl. des Arbeitsmarktes Deregulierung möchte, ist klar. Mir ging es aber eher darum, wie sich ein Unternehmen im Vergleich zu anderen Unternehmen sieht (also sind z.B. deutsche Autobauer für das Zulassen billiger Reimporte oder nicht).

Ich habe versucht, mal auf dieser Ebene die spieltheoretischen Motive hervorzuholen. Die sind nämlich mE dort das einzig Entscheidende. Es gibt da nicht wirklich eine Weltanschauung. Das Verhalten ist iW rein opportunistisch und nur situativ bedingt. Also sollte man dies in der Staatskunst als Vorgabe akzeptieren und sich entsprechend darauf einrichten. ME ist die Diskussion um irgendwelche wirtschaftlichen Weltanschauungen und Schulen dort reine Augenwischerei.

Was nun die Bürger anbetrifft, so fürchte/hoffe ich, dass es da nicht so viel anders aussieht, zumindest im statistischen Mittel. Zwar spielen kulturelle Prägungen und auch ‘echt’ menschliche Bedürfnisse durchaus noch eine Rolle, ev. sogar eine deutliche. Aber es ist wohl auch hier zumindest bedenkenswert, mal den ‘worst case’, also das rein opportunistische, spieltheoretisch motivierte Verhalten durchzudenken. Das muss übrigens nicht unbedingt nur ökonomistisch sein. So spricht Sloterdijk z.B. vom Thymos.

In keiner Weise wollte ich jetzt einem der beiden Szenarien den Vorzug geben. Was übrigens das zweite, “kooperative”, anbetrifft: das erscheint mir geradezu mafiös.

Rum wie num. Ein bisschen die Mechanik des Systems verstehen. Ich glaube zwar nicht, dass das System “mechanisch” ist. Trotzdem könnte man dabei ein paar interessante Dinge zutage fördern. Ein Beispiel gab ich ja schon.

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