Die Jubelfeiern zehn Jahre nach Einleitung des Gesetzespakets “Moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt” sind gestern bei Frau Maischberger weiter gegangen. Lübberding hat sich das angesehen und die Frühkritik verfasst. Es scheinen nicht mehr alle zu wissen, was der Bestellung der Kommission vorangegangen war: dass bei der “Bundesanstalt für Arbeit”, so hieß die Anstalt, in erheblichem Umfang Zahlen entweder geschönt oder gar nicht vorhanden waren, um die Effektivität der arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen bewerten zu können.
Gestern saß neben einer prominenten Familie mit Heinrich Alt einer, der mit einer fast väterlichen Jovialität dabei zusah, wie sich seine erklärten Schützlinge seit 2009 behauptet haben.
Denn damals waren sie das erste Mal in der Talkshow der Frau Maischberger. Es wirkt auf den fassungslosen Zuschauer wie der durch die Realität überbotene Wahnsinn von Hape Kerkelings Lied “Das ganze Leben ist ein Quiz und wir sind nur die Kandidaten”. Ob die Sendung gestern Quote gemacht hat, scheint nach Änderungen ihres Arbeitsvertrags für Frau Maischberger nicht mehr so wichtig zu sein.
Sie hat ihr Thema in Tateinheit getroffen und versenkt. Das ist das unbegriffene Drama der Verhandlung von sozialpolitischen Themen in Unterhaltungsformaten. Sie verwursten bedenkenlos alles, bis das Publikum nur noch darüber Beschwerde führen darf, dass es an den Semmeln gehapert hat.
Wer daran mitwirkt, strickt die Legende weiter.
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Man kann es nicht oft genug wiederholen: Der Neoliberalismus mit seinen Privatisierungen und Deregulierungen, mit seiner Ökonomisierung aller Lebensverhältnisse, mit seinem Leistungsdruck – dieser Neoliberalismus ist die GRÖSSTE Schuldenorgie in der modernen Geschichte des Kapitalismus.
Diese Schuldenorgie lässt Keynesianer mit ihrer antizyklischen Politik als mickrige Knauser erscheinen.
Maischberger? *Fassungslos*
Der Chefe der Arbeitsagentur kümmert sich persönlich um eine einzige Familie. Was für eine Oper im öffentlich-rechtlichen Fernsehen (Fordere sofortige Offenlegung der Steuererklärung envon Frau Maischberger …. und von Kleber, Jauch, Platschberg, Gudrun Gansel ähhh Gundula Gause ähhh, wie hieß die gleich, Tom Burow, Caren Mioska bis zurück zu Karl-HeinzKarl-Heinz Köpcke, zwecks Längsschnittsuntersuchung zur qualitifzierten Führung der “Reichstumsdebatte”)!
Viel interessanter als Zypern ist momentan Belgien:
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/niedriglohnsektor-deutsche-betreiben-sozialdumping-12120765.html
Patenschaften anderer Art
Folgender Sachverhalt:
im entfernten Bekanntenkreis bekomme ich mit, dass Jemand in seinem Haus mehrere Zimmer zur vorübergehenden Vermietung an Messegäste, auswärtige Mitarbeiter irgendwelcher Projekte usw. hergerichtet hat. Nach einiger Zeit ist die Bude immer voll. Aber es sind stets Arbeitskräfte aus Polen, Lettland u.ä., die 2-3 Wochen dort untergebracht sind. Sie arbeiten als Gerüstbauer hier – aber zu polnischen Löhnen. Die Unterkunft zahlt ihre Firma mit Sitz in Polen. Diese Firma mit Sitz in Polen aber gehört Deutschen, mit Sitz in den neuen Bundesländern. Sie hatten mit Gerüstbauen biographisch keine Berührung gehabt, aber eine Nase für neue Geschäftsmodelle/-chancen.
Das Ergebnis dieser “Patenschaft” für polnische und lettische Arbeitskräfte ist:
- die mittelständischen deutschen Gerüsbaufirmen der Region gehen pleite
- deutsche Gerüstbauer können hier nicht mehr zu Löhnen arbeiten, von denen man in Deutschland leben kann
- die polnischen Gerüstbauer können und wollen von ihrem “Lohn” hier nicht leben – sie sind nur untergebracht
- diese Situation mästet die Besitzer der Firma in Polen und die Vermieter hier
Und die Frage ist: was hat dieses Land davon? Verschärft sich nicht die “demographische Krise”, weil als Resultat sozialversicherungspflichtige Jobs hier wegfallen?