Sündenfall

by h.huett on 21. März 2013

Das Thema beschäftigt uns in diesem Blog. Kein Wunder, dass Lübberding auch letzte Nacht die Frühkritik zu dieser Sendung mit Frau Will schrieb. Wie so oft in dieser schaumgeborenen Welt könnte ich es mit beiläufigem Blick auf den Titel der Talkshow bewenden lassen: “Sündenfall Zypern – Vertrauen weg bei Europas Sparern?” Dass sie das Fragezeichen stehen lassen, können wir getrost als Trick abtun. Mich interessiert allein die Fundamentaltheologie des Sündenfalls.

Die Mutter aller Sünden leitet einen Erkenntnisprozess ein: Adam erkannte Eva. Es kommt auf die Details an. Nicht das Begehren, nicht das Begatten, nicht die Frucht des Ganzen: Es geht um das Erkennen. Es umfasst so viel mehr, dass es Generationen von Eunuchen gibt, die wortreich die Technik und Regeln erklären, wie das alles geht. Aber sie scheinen nur zu wissen, wie man es tut. Erkenntnis bleibt ihnen verwehrt. So verlagern sie sich auf Details: Regeln, Instrumente, Gesetze, Wirkungen.

Details spielten auch gestern eine gewisse Rolle im Gespräch mit Jürgen Trittin (Staatsmann), Edmund Stoiber (Sachbearbeiter), Nikolaus Blome (Regierungssprecher im Wartestand) und Gesine Schwan (Circe, Inhaberin einer antiken Reinigung).  Keiner der Gäste kam auf die Idee, das Leitmotiv der Sendung selbst frontal anzugehen. Sündenfall, jaja, schon schon. Kaum passiert so ein Sündenfall, schon setzt die mythische Geschichtsschreibung ein, verbannt ihn aus der Gegenwart in illo tempore, verklärt zur Ausnahme, was seither zur Regel geworden ist, dichtet ihm die Qualität eines Mythos zu,  der doch das Bündnis kräftige, obschon wir alle bezeugen können, dass die Kraft des beschworenen Bündnisses vor unseren Augen dahinsiecht.

Ich versuche mir vorzustellen, wie solche Kasper in einem Late Night Format, sagen wir bei Stephen Colbert oder Jon Stewart, aussehen würden. Wieviele Sekunden die beiden brauchen, um die Idee des Sündenfalls aus dem Weg zu räumen und die Heuchelei frontal anzugehen. Bei Frau Will, einer bekennenden Fundamentaltheologin, wie anders können wir uns solche Sendungstitel erklären, bleibt es episch unhinterfragt. Dabei regrediert so eine Diskussion (nicht anders als im Deutschen Bundestag) immer schnell entweder zu der Frage, wer wann welche Regel als erster gebrochen, gebeugt oder neu interpretiert hat – oder zu der Wischundweglogik nach dem nächsten Geschäftsmodell des Inselstaats.

Erstaunlich, dass besonders Frau Schwan, die in ihrem Austragssüberl doch eigentlich über Regierungskunst nachdenkt, nicht müde wurde, nach dem (politischen) Geschäftsmodell Zyperns zu fragen. Erstaunlich auch, wie weitgehend der Konsens der Runde mit Herrn Lucke aussah, der doch eigentlich in der Funktion des flötenden Misfits eingeladen worden war. Dieser “Sprecher” der “Alternative für Deutschland” landete noch vor vollzogener Parteigründung in der Ablage für erledigte Sachen. Für die Besetzung einer Gegenposition ungeeignet. Who´s next?

Lucke und seine Organisation verkörpern in der Welt der Eunuchen die ganz besondere teutonische Abart: Sie dienen mit Inbrunst einem Beschäler, der, koste es, was es wolle, ihre Zinsgier befriedigt. Umgeleitete Affekte, das kennt man auch aus der Architektur von Staudämmen und Wasserkraftwerken, entfalten erstaunliche Kräfte. Im Fall Luckes können wir von erstaunlicher Ohnmacht reden. Ein Rechthabereirinnsal ohne jede Kraftentfaltung.

Zurück zu Frau Schwan, unserer Circe. Sie war einmal bedeutende Demokratietheoretikerin, heute auf vielen Podien gern gesehen als Leiterin eines Institutes für gute Regierungsführung. Warum hat sie sich, statt für den Primat der Politik einzustehen, auf die Seite eines “Geschäftsmodells” geschlagen? Plädiert sie für marktkonforme Demokratie?

Der Sündenfall, darüber müssen wir reden, bezieht sich nicht auf den unentbehrlichen zaudernden Hegemon in der Mitte Europas. Nicht auf die Machtvergessenheit der Berliner politischen Klasse. Der Sündenfall, über den wir hier reden müssen, ist das Dahinscheiden einer politischen Idee von Europa.

Da sagte Dank das Tier der Flut.

»So werdet Ihr auch hin und wieder,

Den herrlichen Piräus sehn?«

»Mein bester Freund ist der! So bieder

Wie er ist keiner in Athen.«

[76] Der Affe hatte, unwissend genug,

Den Namen, den der Hafen trug,

Für eines Menschen Namen genommen

Und schwatzte, wie es manchen gibt,

Der dreist von allem zu reden liebt,

Was er noch nie zu sehn bekommen.

Doch der Delphin erhob den Kopf,

Betrachtete sich den albernen Tropf

Und sah nun, daß er aus den Wogen

Nichts als ein Vieh herausgezogen.

Schnell warf er’s ab und suchte umher,

Ob nicht noch ein Mensch zu retten wär.

 

{ 95 comments }

herb ransom michaelsen März 21, 2013 um 09:38

Was soll man anderes erwarten von einem Land das sich als “Standort “, und seine Bürger als “Ressource “ bezeichnet…

Nanuk März 21, 2013 um 09:41

Gartenzaun Mentalität meets Int. Politics
Kann diese Irren in Berlin jemand stoppen?

Zeuge Joachims März 21, 2013 um 10:05

Ich sehe einen Schweif. Das heißt, ich sehe ihn schon nicht mehr. Und vermute, Herr Hütt, Sie sind es, da vorn, und ziehen daran.

Keynesianer März 21, 2013 um 10:10

Natürlich ist auch bei Lübberding wieder “Deutschland” schuld:

Ein Bankrott Zyperns wird Deutschland tatsächlich nicht aus der Bahn werfen, wie gestern Abend verschiedentlich deutlich gemacht wurde. Aber der Koloss hinterlässt eine Spur der Verwüstung, wenn er das unterlässt, selbst ohne Russland-Feldzüge. Die in Südeuropa zum Dauerzustand werdenden Hinweise auf die Vergangenheit „unserer Väter und Mütter“ bringen das zum Ausdruck. Dort kennt man die Machtverhältnisse in Brüssel, die in Deutschland gerne unter den Teppich gekehrt werden.

Wer die Machtverhältnisse kennt, weiß genau, dass die Bundesregierung nicht deutsche Politik betreibt, weil, so Schäuble mal in einem ehrlichen Moment, Deutschland nach 1945 für keinen Augenblick mehr souverän gewesen ist.

Wir leben also unter einer Regierung, die sich nach Kräften bemühen soll, für die angestrebte Verwüstung des Euro-Raumes durch internationale “Investoren” den verzweifelten Opfern gegenüber den Anschein zu erwecken, dass “Deutschland” oder noch deutliche “Nazi-Deutsche” dafür verantwortlich wären.

Lübberding ist da mit seinen Formulierungen ganz auf Kurs. Das ist auch die Bedingung für seinen Job:

Dafür wird es nicht reichen, wie gestern Abend der frühere bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber, ein emphatisches Plädoyer für Europa zu halten. Die früheren Erfahrungen, wie sie in dem ZDF-Film „Unsere Mütter, Unsere Väter“ gezeigt wurden, helfen nicht im Umgang mit Zypern. Deutschland muss sich lediglich entscheiden, ob es Zypern als Teil der EU und der Eurozone begreift oder als souveränen Staat, mit dem es diplomatische Beziehungen pflegt.

Einfach nur widerlich.

h.huett März 21, 2013 um 10:14

Du “Keynesianer”, bekennender Paranoiker, Ken-FM-Hörer und Antisemit, registrierter Spinner – DU schwafelst darüber, was Du widerlich findest?

Doktor D März 21, 2013 um 10:23

Impliziert die Rede vom “Sündenfall” nicht auch, dass “wir” vorher in paradiesischen Zuständen lebten? Und wer besetzt eigentlich die Rolle der Schlange?

Nanuk März 21, 2013 um 10:27
Reinhard März 21, 2013 um 10:32

Wieso will der japanischen Geheimdienst, für den Lübber und Hütte ja arbeiten, Deutschland so schlecht dastehen lassen? Ich verstehe das nicht …

h.huett März 21, 2013 um 10:34

Doktor D

Das alte frame legt es nahe, aber Mythen überleben ihr Dementi gestärkt, wie wir von Herrn Blumenberg gelernt haben. Die Schlange ist übrigens das chinesische Horoskop dieses Jahres, sie ist so wandlungsfähig, dass wir uns viele Akteure in ihrer Rolle denken können. Ich schreibe gerade an einem längeren Stück über das Wort “Wettbewerbsfähigkeit”. Wer solche Wörter erfolgreich in Verkehr bringt, kann getrost als Schlange bezeichnet werden. Sie verbreitet ihr Gift osmotisch.

Doktor D März 21, 2013 um 10:42

Während Frau Will den Sündenfall noch schamhaft mit einem Fragezeichen versieht, ist man in Valencia schon ein paar Schritte weiter: http://dish.andrewsullivan.com/2013/03/20/face-of-the-day-93/

peewit März 21, 2013 um 10:45

@HH

–>”Die Mutter aller Sünden leitet einen Erkenntnisprozess ein: Adam erkannte Eva. Es kommt auf die Details an. Nicht das Begehren, nicht das Begatten, nicht die Frucht des Ganzen: Es geht um das Erkennen. Es umfasst so viel mehr, dass es Generationen von Eunuchen gibt, die wortreich die Technik und Regeln erklären, wie das alles geht. Aber sie scheinen nur zu wissen, wie man es tut. Erkenntnis bleibt ihnen verwehrt. So verlagern sie sich auf Details: Regeln, Instrumente, Gesetze, Wirkungen.”

Seltsam: erst kommt es auf die Details an, dann aber soll es anscheinend gerade nicht auf sie ankommen…

Im übrigen sitzt im Detail ja der Teufel – das war vor dem Sündenfall so, das ist auch nach dem Sündefall so…

Frankie Bernankie März 21, 2013 um 10:46

@hhuett

Danke für den Hinweis auf das Wort “Geschäftsmodell”.
Wie schnell gleitet man ( selbst nicht ausgenommen ) in den Gebrauch smarter BWL-Terminologie ab, weil man glaubt, es stelle einen universalen Codex dar, den jeder versteht und mit dem am eingängigsten komplexe sachverhalte illustriert werden können.

Dabei zeugt es oft genug nur von Denkfaulheit.

Doktor D März 21, 2013 um 10:51

Befremdlich ist es ja auch, dass ausgerechnet Politiker, die sich als konservativ verstehen, so umstandslos das Wort “Geschäftsmodell” auf Staaten anwenden. Widerspricht das nicht so ziemlich allen konservativen Staatsvorstellungen?

h.huett März 21, 2013 um 10:57

peewit

Begnügen wir uns für meine Zwecke einfach mit der Aussage, dass das Erkennen mehr umfasst als Kenntnis der Details.

peewit März 21, 2013 um 11:03

@hh

–>”Begnügen wir uns für meine Zwecke einfach mit der Aussage, dass das Erkennen mehr umfasst als Kenntnis der Details.”

Einverstanden.

Keynesianer März 21, 2013 um 11:08

@Reinhard

Ich verstehe das nicht …

Weil die verheerenden Zustände im Euroraum, unter denen heute schon Griechen, Spanier etc. seit Jahren leiden, den “bösen Nazi-Deutschen” angelastet werden sollen. Mit Erfolg, wie man dort unten schon überall sehen kann.

Damit sind die eigentlichen Drahtzieher der neoliberalen Agendapolitik in Deutschland und der anschließenden deflationären Depression in den zwangsverschuldeten Eurostaaten fein raus: Das sind die Nazi-Deutschen, die wieder Europa verwüsten, melden die Massenmedien und Lübberding lässt die passenden Assoziationen „Unsere Mütter, Unsere Väter“ erklingen.

Wir sind da erst am Anfang und werden das Schlimmste nur verhindern können, wenn wir die Banditen daran hindern, die Deutschen dafür zu beschuldigen.

Der Stoiber hat sich billigen Beifall beim Publikum ergaunert, indem er empört gefragt hat, warum die Völker mit der deutschen Vergangenheit anfangen.

Er hätte mal unser Klima-Merkel und Schäuble und Troianer-Asmussen fragen sollen, warum die sich so darum reißen, rotzfrech gegenüber Griechen und Zyprern aufzutreten und dabei vorzugeben, dies im Interesse und Auftrag der Deutschen zu tun, bei der Theateraufführung von wegen deutsche Regierung in Berlin.

gelegentlich März 21, 2013 um 11:15

@frank luebberding
“Der Sündenfall, über den wir hier reden müssen, ist das Dahinscheiden einer politischen Idee von Europa.”
Nein, es geht nicht um die “Idee” von Europa. Vor allem die große Menge der Noch-nicht-einmal-Sparer findet, wie ich in einem anderen Thread über Patenschaften an einem Beispiel aufgezeigt habe, dieses EU-Europa nicht wirklich begehrenswert. Die schlichte Bewertungsmethode ist ob man hinterher besser da steht als vorher. Das ist hier nicht der Fall. Besser stellen sich nur vormals vielleicht Prekäre aus den neuen Bundesländern, die sich jetzt vielleicht zu FDP-Wählern “geadelt” sehen mögen.

Reinhard März 21, 2013 um 11:27

Ah, ich sehe, dass der Keynesianer auch für den japanischen Geheimdienst arbeitet. Jetzt begreife ich endlich! Naruhodo!

Eagon März 21, 2013 um 11:28

Der Sündenfall.

Wie hoch sind die Bestände an griechischen Staatsanleihen im Bestand der EZB.

Geht Zypern Pleite, muss die EZB die griechischen Staatsanleihen zu 100% abschreiben.

Denn dann ist auch Griechenland Pleite.

Die deutschen Banken verlieren nicht nur 5,9 Milliarden Euro in Zypern, sondern auch ein Mehrfaches in Griechenland.

Alles hat damit begonnen, dass auf Druck der deutschen regierung die EZB nicht die Rückzahlung von Staatsanleihen zu 100% des Nennwertes garantierte.

Schönen Dan Frau Merkel.

Und genauso viel Dank Herr Steinbrück.

aifran März 21, 2013 um 11:51

Der Schuldgeldsystem (Geld ist Kredit – ohne Schulden kein Geld) verursachter Wirtschaftswachstumszwang macht Spaß …. immer noch???

… ist es Tatsächlich Mut/Intelligenz in einem Auto zu fahren welches bei einem Nachlassen der durch die Beschleunigung Auftretenden “G” Kräfte auseinander fällt da es weder geschraubt oder geschweißt, sondern nur zusammengesteckt wurde und nur durch diese “G” Kräfte zusammengehalten wird (eine Höchstleistung Perverser Ingenieurskunst) Schwer unter Kontrolle zu halten so ein “Superrenner” (F.Aigner)

Tempo Jungs, Tempo, Tempo, Tempo …. äähhh Wachstum, Wachstum Wachstum – WAAAACCCCHHHSSSTTTTUUUMMM

ach ne – darüber reden wir nicht – wir schnattern lieber über Symptome der zerbröselnden Wirtschaftswunderwachstumswelt. – Ne Ne – mit Ursachenforschung, Ursachenbenennung machen wir uns die sensiblen Fingerchen nicht schmutzig …. he da wird mal wieder eine fette neue Sau durch Dorf getrieben, auf sie, auf sie – da läßt sich trefflich Streiten ….
(ein kleiner Tipp: Die Juxxxden haben mit all den Problemen NICHT DAS GERINGSTE zu tun!!!)

nun aber wieder schweigen Schweigen –
schöne Tage all den eifrigen Symptomprüglern

Nanuk März 21, 2013 um 11:59

Er hört Generaloberst Nikolai Solowzow bis hier hin schreien
“Hätten wir nur einen Parkplatz aus diesem Fleck auf der Landkarte gemacht!”

Schatten März 21, 2013 um 12:16

Ich finde, man sollte mal einen Thread machen, wie so ein “Hegemon in der Mitte Europas” (@Hans Huett) aussehen soll, was von ihm erwartet wird und was er sich herausnehmen darf.

Aus Wikipedia:”Gegenüber einem Hegemon (dem Machthaber in der Hegemonie) haben andere Akteure nur eingeschränkte Möglichkeiten, ihre eigenen Vorstellungen und Interessen praktisch durchzusetzen.”
http://de.wikipedia.org/wiki/Hegemonie

Really? I mean: Reeeeally?

D soll so ein Hegemon werden? So richtig?

Nanuk März 21, 2013 um 12:28

D Hegemon das werden die sich noch mal überlegen wenn die erst mal kapiert haben welche kosten da auf uns zukommen… mit der “Hardware” wird das nix… Finanzministerium…

Zum lachen die Kellertür links…

quecalor März 21, 2013 um 12:40

@ Doktor D
wenn man kulturelle Veranstaltungen nicht versteht, kann man sich vorher informieren. Ihr Kommentar von 10.42 ist ….,ich verkneife es mir.

http://de.wikipedia.org/wiki/Fallas

Schütze Arsch März 21, 2013 um 12:40

Idee von Europa? Was ist eine “Idee von Europa” nach dem Christentum?

Milan Kundera: –> “größtmögliche Vielfalt auf kleinstem Territorium”?

Ist in diesem Sinne nicht schon Maastricht ein Verrat an der europäischen Idee?

Und waren halbwegs stabile europäische Ordnungen (etwa im 19. Jh.) nicht eher auf Gleichgewicht der Mächte aufgebaut statt auf Hegemonie?

Doktor D März 21, 2013 um 12:53

Nehmen wir mal die Wiki-Definition von Hegemon(ie), dann hat Deutschland da garnix mehr auszusuchen, dann ist D schon Hegemon. Nur halt nicht mit Tschingdarassabum, das überlässt man den Briten und Franzosen, sondern via Wirtschafts- und Finanzmacht. Und die übt man im EU-Ministerrat und der Euro-Gruppe ja auch aktiv aus, wie u.a. die kürzlich in den südeuropäischen Staaten gegründeten DE-Fanclubs ja zeigen. Der Konflikt liegt, wie Frank ja schon beschrieben hat, im Rollenverständnis gegenüber den anderen EU-Mitgliedern: Ist das Ziel, dass DE den Laden zusammenhält und dafür auch die Interessenlagen der anderen Mitglieder bereit ist, zu berücksichtigen; oder versteht DE die EU eher als Form, die eigenen Sattrapien zu organisieren.

h.huett März 21, 2013 um 13:00

S.A.
Das Gleichgewicht der Mächte war eine verkappte hegemoniale Ideologie einschließlich der ungefragten Hintersassen. Wir brauchen uns nicht im Instrumentarium einer Katzengoldvergangenheit zu bedienen, sondern müssen uns mit dem Sachverhalt auseinander setzen, welche faktische Hegemonialität nach Maßgabe der ökonomischen Ungleichgewichte heute der Fall ist. Nebenbei, aber das weißt Du ja selber, verdanken wir diesen status quo auch einer flagranten Missachtung des deutschen Stabilitätsgesetzes.

Ich erinnere mich, zur Vergangenheitspflege, an den von H.C. Buch und anderen im Frühsommer 1988 in Westberlin organisierten Kongress “Ein Traum von Europa”. Für den Reader übersetzte ich damals Essays von Agnes Heller und Joseph Brodsky. Es war der erste nennenswerte Versuch der hiesigen Linken, mit osteuropäischen Bürgerrechtlern eine gemeinsame Idee von Europa jenseits der Machtblöcke zu denken. Übrigens erschien damals die erste Ausgabe von Lettre International, von der heute die 100. erscheint.

Meine Frage nach der Idee bezieht sich implizit und jetzt explizit nach einer politischen Verfassung, die dem Gerede von den Geschäftsmodellen mit anderer Legitimität entgegengesetzt werden kann. Paul Jorion hat heute in seinem Blog einen hilfreichen Hinweis auf den Weg dahin gegeben, sozusagen eine Kreuzung zwischen der Erklärung der Menschenrechte und einer daraus entwickelten politischen Regulierung der Wirtschaftsbeziehungen. Grundsatz Nr.1 darin: Wirtschaftsbeziehungen zu juristischen Personen, die ihre Eigentümer und Nutznießer nicht transparent machen, werden mit Strafen sanktioniert.

h.huett März 21, 2013 um 13:05

Dass sich im Hundekeksexperten aifran ein antisemitischer Habitus offenbart, verwundert nun auch nicht mehr sonderlich. In welcher Giftküche entstehen solche Figuren?

Keynesianer März 21, 2013 um 13:06

@h.huett

Gute Idee, da bin ich mal voll dafür:

Wirtschaftsbeziehungen zu juristischen Personen, die ihre Eigentümer und Nutznießer nicht transparent machen, werden mit Strafen sanktioniert.

An welche Strafe denkst Du da für FAZ-Autoren? :)

gelegentlich März 21, 2013 um 13:13

Ich bin auch “voll” dafür, ohne zu wissen welches Gewicht “voll” hat. Warum aber werden hier gerade FAZ-Autoren genannt?

Nanuk März 21, 2013 um 13:13

Achja wo ist Cato wenn man ihn braucht…

Q. März 21, 2013 um 15:06

Tja ja …. die theologischen Metaphern, und die ihnen eigene Logik!

“Sündenfall” bezeichnet ein einmaliges Ereignis (peccatum originale), wodurch das gesamte Leben “danach” eine “gefallene”, unreine Qualität annimmt (status corruptionis).
Warum aber sollte man die Zypern-(Nicht?)-Rettung so deuten? Zweifelsohne ist die öffentliche Wirkung sehr unschön, macht aber doch nur sichtbar, für den “Mann auf der Straße” sozusagen sinnfällig, daß das Euro-Europa in einem rechtsfreien Raum agiert. Mehr nicht.

Wenn man ein sündenfallgleiches Ereignis sucht, findet man das im ersten Griechenlandpaket im Mai 2010: eine Nacht-und-Nebel-Aktion, mit der die geltenden Grundverträge für den Euro einfachhin beiseite geschoben wurden, garniert mit wirren Worten (“Generalmobilmachung gegen die Spekulanten”). Seit Mai 2010 kann man wissen (so man sich denn dafür interessiert), daß das mit dem Euro nichts mehr werden wird.

Seitdem agiert die EU-Politik im status corruptionis, und jedem weiteren Regelbruch wird sogleich die Absolution durch den vermeintlichen Gott der ökonomischen Notrationalität erteilt.

FL-Frühkritik
Deutschland muss sich lediglich entscheiden, ob es Zypern als Teil der EU und der Eurozone begreift oder als souveränen Staat, mit dem es diplomatische Beziehungen pflegt.
Die Formulierung dieser Alternative zeigt an, daß die Grundfrage des europäischen “Integrationsprozesses” nicht nur nicht verstanden, sondern nicht einmal wahrgenommen wurde.

Was eine groteske Illusion zu glauben, die Euro-Staaten wären keine Souveräne mehr. Wieviel post-nationalistisches Dope muß man da geraucht haben?
Wären die Euro-Staaten nicht mehr souverän, dann hätte Brüssel einfach verfügt …………..

Deswegen kann man hierzu nur konstatieren
HH Der Sündenfall, über den wir hier reden müssen, ist das Dahinscheiden einer politischen Idee von Europa.
—> Es gab offenbar nie eine politische Idee!
(im Unterschied zu Träumen, Visionen, Illusionen, Propaganda und Ideologie!)

Aber wenn der (vermeidbare) Schönheitsfehler der Zypern-Causa ebendies auch den Europagläubigen nahebringt, dann ….. hat er vielleicht doch einen Nutzen. ;)

Doktor D März 21, 2013 um 15:44

@Q: Deswegen ist ja “Sündenfall” so ein ambivalentes Bild in diesem Zusammenhang. Es soll wohl verdecken, dass die Zypern-Chose (oder wie es mittlerweile in angelsächsischen Medien heißt: the Cyprus Debacle) im Prinzip nur Schritt X in einer ganzen Abfolge von Rechts-/Vereinbarungsbrüchen aka Eurorettung ist und zum einmaligen Ereignis stilisiert werden. Bloss sagt man damit halt auch, dass nun mit dem Euro alles hin ist.
Wenn man das Bild weitertreibt und endgültig in die politische Theologie springt, warten wir jetzt also alle auf den Erlöser, der uns wieder in den Stand der Gnade setzt.

topi März 21, 2013 um 15:46

h.huett

“Wir brauchen uns nicht im Instrumentarium einer Katzengoldvergangenheit zu bedienen, sondern müssen uns mit dem Sachverhalt auseinander setzen, welche faktische Hegemonialität nach Maßgabe der ökonomischen Ungleichgewichte heute der Fall ist. Nebenbei, aber das weißt Du ja selber, verdanken wir diesen status quo auch einer flagranten Missachtung des deutschen Stabilitätsgesetzes.”

Verletzung des Stabilitätsgesetzes schön und gut, bzw. schlecht.

Hegemonial wird das nur für den Nachbarn, der sich nicht dagegen wehren will, oder kann; z.B. in dem er seine WK-Souveränität aufgibt (dies kann auf verschiedenen Wegen erfolgen, die aktuelle Variante der Währungsunion ist halt besonders unauflösbar scheinend).
Ansonsten lässt man das “Stabilitäts”-Monster einfach aufwerten, und fertig.

So sitzt der Karren natürlich tief im Dreck. Und kommt auch nicht mehr raus, durch fröhliche Beschwörungsformeln.

Die Dummheit, denn die Unkenntnis über die Wirkungen unterschiedlicher Inflationsentwicklungen (ja, auch andere Produktivitätsentwicklungen spielen eine gewisse Rolle) in Währungsunionen ist mit Grundschulmathematik zu beseitigen, diese offenbare Dummheit ist allerdings auf alle Seiten verteilt.

Die Länder mit höherer (oder auch die mit normaler) Inflationstoleranz freuten sich über Lohnsteigerungen und BSP-Aufholung ggü. Deutschland, und die Leistungsbilanzdefizite nahmen sie mit, schließlich haben sie damit mehr Güter im Land (was jeder normaldenkende positiv bewerten könnte).

Dass das dicke Ende nur eine Frage der Zeit ist, hat ja damals auch nicht interessiert.

In D hat man sich mit solchen Fragen gar nicht beschäftigt. Blut und Tränen für die Normalos und Arbeitslosen, Steuerschenkungen für kapital und Spitzeneinkommen und Vermögen, “Standort”, “Wettbewerbsfähigkeit”; koste es, was es wolle.

Dass eien Rückzahlung der logischerweise aufgelaufenen Verbindlichkeiten nur mit Importüberschüssen (oder frisch gedrucktem, aber dagegen wird sich ja auch gewehrt) möglich ist, scheint auch ein unerhörtes Rätsel zu sein.

topi März 21, 2013 um 15:49

Lösungen?

Die Peripherie muss das Zentrum zwingen, mit dem DUmping aufzuhören, und verlorenes zumindest teilweise wieder aufzuholen.

Nur zwingt sich halt der Hegemon etwas schieriger. :roll:

Die Ansätze sind da, Überschusskriterien sind schon definiert, Maßnahmen beschrieben.

Aber erst ab wahnsinnig hohen 6% Überschuss, und die Maßnahmen sind zahnlose Papiertiger.

Frankie Bernankie März 21, 2013 um 16:17

Ökonomische Ungleichgewichte:

Ganz banale Wirtschaftsgeographie spielt auch eine Rolle bei der Konstitution von Hegemonie, da gibt Zwangsläufigkeiten, die man gerne unterschätzt.

Zieht man z.B. um die Stadt Köln mit dem Zirkel einen Kreis, innerhalb dessen Waren innerhalb von 24h logistisch bewegt werden können, so stellt sich heraus, dass von dort aus ein Wirtschaftraum von 350 Mio Menschen bedient werden kann ( innerhalb eines Tages, wohlgemerkt ). Und in Deutschland gibt es eine Menge Punkte mit einer solchen logistischen Bedienungsmöglichkeit.

Von Lissabon aus z.B. können innerhalb eines Tages nur 50 Mio Menschen erreicht werden.

Das ist ein ganz gewaltiger nichttarifärer Wettbewerbsvorteil, gegen den die Peripherie erst mal anstinken muss.

Keynesianer März 21, 2013 um 16:26

Den Dreh mit der Transferunion werde ich mal auch gleich aufdröseln:

Da mussten die deutschen Opfer der neoliberalen Agendapolitik, die wegen Lohndumping, Sozialabbau und Rentenkürzung zu wenig konsumieren können, zu viel exportieren und damit ihre mit dem Euro wehrlos gemachten Handelspartner zwangsverschulden.

Mit einer Transferunion sollen sie nochmal die Löhne und Sozialleistungen und Renten gekürzt bekommen, um ihre durch den Exportüberschuss verschuldeten Handelspartner zu retten.

Die Neoliberalen haben halt geglaubt, wir durchschauen das nicht.

FFriend März 21, 2013 um 19:45

Die Nazi- und Antisemitismus-Keule wird ja von @FL und @HH bei diesem Thema recht beherzt geschwungen. Sieht man seit jeher immer bei argumentativen Unterwasserrettungsübungen, also passt schon so um Zypern …
Wirkt aber doch unbeholfen, weil: Ihr habt es beide eigentlich nicht nötig!

Linus März 21, 2013 um 21:44

“Ganz banale Wirtschaftsgeographie spielt auch eine Rolle”

Spannendes Thema. Mal ein krass vereinfachtes Bild:
Der Bauer am Fluss wird mehr erwirtschaften als der Mann in der Wüste. Zwischen beiden wird sich ein “Gleichgewicht” über Preise, Wechselkurse etc. einpendeln. Ein Unterschied im Lebensstandard wird jedoch sicher bleiben. Auch der ist Teil des Gleichgewichts.

Wie ist das nun in einer Transfer-Union? An welcher Grösse macht man die Menge der zu transferierenden Gelder fest? Eine reine Angleichung des Lebensstandards, also eine Art Gerechtigkeitsmotiv, kann es nicht allein sein. Denn das würde schnell dazu führen, die Wüste zu subventionieren. Vielleicht orientiert man sich daher besser an konkreten gesamtwirtschaftlichen Zielen, hier z.B. Solarstrom.

Grundsätzlich bleibt aber die Frage nach dem, was angemessen ist. Diese Frage muss, anders als bei Regelung über Angebot und Nachfrage, explizit über eine Verteilungsdiskussion gelöst werden.

Nun gibt es zwischen beiden Varianten also einiges Für und Wider. Schlussendlich ist das die Frage nach der optimalen Grösse für einen Währungsraum. Wer weiss was dazu?

PS: Die Währungsunion hat dieses “Gleichgewicht” massiv durcheinander gewürfelt. Damit soll keineswegs gesagt werden, dass dieses Gleichgewicht optimal war. Dennoch darf man wohl behaupten, dass es halbwegs stabil war. Für den aktuellen Zusatnd gilt dies sicher nicht.

Marc März 21, 2013 um 22:01

@Linus

Wie ist das nun in einer Transfer-Union? An welcher Grösse macht man die Menge der zu transferierenden Gelder fest?

Wenn du Akkumulation verhindern möchtest, dann muss die gleiche Menge Geld, die hin floss, auch wieder zurück fließen.

Ohne Transfers bekommst du Akkumulation und Ungleichgewichte, also ein instabiles System. Die Wüste trocknet zwangsläufig aus. Mit einer gemäßigten Akkumulation verzögerst du den Verlauf.
Mit Transfers, die exakt so groß sind wie die Akkumulation, erhälst du ein stabiles System. Natürlich wird hierbei die Wüste subventioniert.
Es gäbe auch die Möglichkeit einer Wüsten- und Edenwährung mit ihren Auf- und Abwertungsprozessen. Das ist auch stabil und funktioniert ohne Subvention.

Schütze Arsch März 21, 2013 um 22:03

@ HHütt – Zit. – “Das Gleichgewicht der Mächte war eine verkappte hegemoniale Ideologie einschließlich der ungefragten Hintersassen. Wir brauchen uns nicht im Instrumentarium einer Katzengoldvergangenheit zu bedienen…”

Hm, Katzengoldvergangenheit… Klar gab es in europäischen Teilräumen Hegemonie, etwa Preußen im Deutschen Bund… Nu könnte ich eigentlich fragen: In welchen Teilräumen führte diese Hegemonie zu sowas wie Herausbildung einer gemeinsamen Staatlichkeit und in welchen nicht… was könnte man als die entscheidende Variable ansehen? … und die Runde wäre wieder eröffnet…

Aber was soll’s, ich sag einfach mal: –> Ich schwöre ab.

Immer hab ich hier für Renationalisierung politischer Entscheidungen und staatliche Währungshoheit getrommelt… aber jetzt schwör ich ab. Heute in Deutschland einem Alleingang das Wort zu reden… bei diesen politischen und kulturellen Eliten im Lande… und davon einen Fortschritt zu erhoffen… das ist nichts als eine traurige Clownerie.

Wenn Deutschland sich aus dem Euro austreten ließe und aufwertete, dann würde hier sofort ein gewaltiges lobbyistisch-mediales Sperrfeuer einsetzen: Wegen der schnöden kontraktbrüchigen Südländer ist unser lieb Exportvaterland in Gefahr, jetzt müssen wir alle den Gürtel ganz ganz enger schnallen… Wettbewerbsfähigkeit des Standortes… schaut nach SCHIE_HIE_HIENA! … Agenda 2025… das würde von allen Kanälen getrommelt… und die Mehrheit würde es schlucken. Es ist doch alles für den Arsch.

Aber,@HHütt: Das wofür Du trommelst, ist auch eine traurige Clownerie. Wo gibt es denn außerhalb einiger versprengter Internetzirkel einen Adressaten für Deine aufgeklärte europäische Idee? Du versuchst der Mafia zu predigen, sie solle sich benehmen wie die Heilsarmee. Das hat in seiner Beharrlichkeit schon was Heroisches, aber… Du bräuchtest wenigstens ein paar politische Intellektuelle vom Schlage eines Heinrich Heine. Gibt es aber nicht. Hierzulande läuft dieser Irre rum, der sozialpolitisch ins Mittelalter zurückwill. Und dieser halbsenile Blechtrommler, der zu Opas Zeiten mal ein halbes gutes Buch geschrieben hat und jetzt ungefragt Dummheiten in die Welt trötet.

Besonders tragisch ist noch der andere alte Mann, der in einem Paralleluniversum lebt und den vorübergehenden Waffenstillstand der Mafiaclans mit dem Beginn des herrschaftsfreien Diskurszeitalters verwechselt. So wie der blinde Faust, dem sie schon das Grab schaufeln und der beim Schaufelgeräusch glaubt, es werde jetzt die Zivilisation aufgebaut.

Und in Frankreich läuft übrigens dieser andere Irre herum, dieser Kriegstreiber und fanatische Rußlandhasser…

Ich meine, ich halte ja viel von so Leuten wie György Konrad (“Antipolitik”). Aber die irritieren das Schweinesystem gar nicht, das tun nur so Leute wie Viktor Orban. Muß man die jetzt dafür mögen? Will ich dann doch nicht.

Also @HH, das kannst Du alles vergessen. Aber ich auch. Am Ende entscheidet der Würfel, welche Mafia-Schweinebande am meisten aus dem Trog fressen kann. Ich hab hier immer gerufen: Drei, der Würfel soll auf Drei Fallen! Du rufst immer noch: Vier, der Würfel soll auf Vier fallen! Traurige Clowns.

kurms März 21, 2013 um 22:10

“Ich schwöre ab. ”

Nix da. Ein Schütze Arsch hat gefälligst zu gehorchen. Also hopp hopp…

Schütze Arsch März 21, 2013 um 22:21

@ kurms

Aber Du kennst doch die Geschichte vom braven Soldaten Schwejk… Eigentlich ein schönes Rollenmodell.

Thor März 21, 2013 um 22:26

Ach ja, der sprachverliebte Hütt.

Weiß nicht was die Aufregung soll. Ist doch völlig in Ordnung die Bankunden, besser noch natürlich, die Besitzer der Geldinstitute(aka Aktionäre) zu Kasse zu bitten. Sollen sich halt überlegen, wo sie ihr Geld anlegen.
Mit einer Freigrenze für den berüchtigten Kleinsparer natürlich.
Solche Geschäftsmodelle sind eben nicht tragbar. Easy as fuck….

h.huett März 21, 2013 um 22:28

Advantage Schütze A

Linus März 21, 2013 um 22:31

@Marc:
“Wenn du Akkumulation verhindern möchtest, dann muss die gleiche Menge Geld, die hin floss, auch wieder zurück fließen.”

Das bringt uns leider keinen Schritt weiter. Denn das ist eh klar. Ohne Geld kann man nichts kaufen. Eine Transferzahlung, eine Subvention oder wie auch immer ist aber ein Geldtransfer OHNE zugehörigen Warentransfer, also eine Art Geldgeschenk.
Mal rein auf Waren reduziert: du trägst Waren in die Wüste, ohne einen entsprechenden Gegenwert an Waren mitzubringen.

Thor März 21, 2013 um 22:42

@Arsch
“Aber Du kennst doch die Geschichte vom braven Soldaten Schwejk… Eigentlich ein schönes Rollenmodell.”

Kann mich nur noch an seinen Hund Metternich erinnern.

Ignaz März 21, 2013 um 22:46

OT

MehrDemokratie e.V. sammelt gerade Unterschriften für bundesweite Volksentscheide:
https://www.mehr-demokratie.de/volksentscheid-aufruf.html

Keynesianer März 21, 2013 um 22:49

Die FAZ (muss man ja auch mal loben) hat heute einen schönen Artikel über die Verteilung der Vermögen. Die Medianwerte (für den mittleren Haushalt):

Spanien: 178.000 €
Italien: 164.000 €
Frankreich: 114.000 €
Österreich: 76.000 €
Deutschland: 51.400 €
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/armut-und-reichtum/vermoegensverteilung-spanier-ein-drittel-reicher-als-deutsche-12121631.html

Aber die Deutschen sind halt Exportweltmeister und müssen dafür die anderen Staaten retten.

Marc März 22, 2013 um 00:38

@Linus
Wenn du Transfers nicht magst, dann maskiere sie: erhebe Steurn, die Geldvermögen trifft, nimm das Geld und investiere es in der Wüste. Wichtig dabei ist nur, dass die Investitionsentscheidung nicht nach streng ökonomischen, sondern “transferlogischen” Gesichtspunkten erfolgt.

Folkher Braun März 22, 2013 um 01:14

@Keynesianer: Jetzt bitte noch die Entwicklung der Reallöhne in den Ländern dazuschreiben. Dann könnten wir sehen, wie die Umverteilung von unten nach oben gewirkt hat bei uns.

gelegentlich März 22, 2013 um 06:29

@Keynesianer
Diese Faz-Aufstellung wurde schon vor ein paar Tagen bei zerohedge diskutiert. Es ware deutsche Teilnehmer welche darauf hinweisen dass ihre Grundlage Quatsch ist: in Deutschland haben wir strikte Regeln für das Vermieten, die Mieter stellen sich gesicherter. Unter dieser Bedingung wohnen einfach Viele zur Miete, im Süden nicht. Das ist Alles. Da man Steine nicht essen kann…
Schlimm finde welche Demagogie damit hier begründet wird. Die Tabelle wird genutzt zur Verfestigung der Faule-Südländer-Legende. Besser Finger weg!

Keynesianer März 22, 2013 um 06:48

Zur Entwicklung der Löhne kann ich nur mit dem Anteil der Löhne und Gehälter am deutschen BIP dienen:

Im Jahr 2011 haben wir die folgende Verteilung BIP/Brutto/Netto in Deutschland:

Bruttoinlandsprodukt: 2570 Mrd- €
Bruttolöhne/-gehälter: 1075 Mrd. €
Nettolöhne/-gehälter 688 Mrd. €

Dabei sind in den Löhnen und Gehältern noch die Spitzeneinkommen von den Leuten eingerechnet, die eigentlich keine wirkliche Arbeit leisten (z.B. VWL-Professoren). Das Nettoeinkommen der Menschen, die wirklich unser BIP erarbeiten, dürfte mit vermutlich nur 500 Mrd. Euro gerade mal ein Fünftel des BIP betragen.

Wie es in anderen Ländern mit den Löhnen aussieht, kann ich jetzt nicht sagen. In Frankreich soll die durchschnittliche Rente um 40% höher sein als in Deutschland.

Mit einer “faule Südländer Legende” haben diese Fakten nichts zu tun. Die sind ja fleißig und werden dafür gut bezahlt, wie man an den Vermögen sieht.

Wir können an den Zahlen sehen, wie die Deutschen von den Massenmedien belogen und von ihren Politikern ausgeraubt und betrogen werden.

Deutschland verschenkt durch seine Exportüberschüsse fast 170 Mrd. Euro im Jahr 2012.

Dabei bräuchten wir all dieses Geld dringend zur Überwindung der Armut in Deutschland. Es gibt hier keine “sozial Schwachen”, wie die Lügenmedien immer schreiben (außer den Politikern und in den Medien auftretenden VWL-Professoren mit ihren dummen Lügen): Es gibt in Deutschland nackte Armut. Und es soll mit der Entwicklung der Renten noch schlimmer werden.

Danke SPD und GRÜNE vor allem, aber auch CDU/CSU und FDP.

gelegentlich März 22, 2013 um 07:07

Dass die Nettolöhne in Deutschland gesunken sind ist ja keine Frage. Aber aus dieser Vermögensaufstellung das Problem heraus zu rechnen wie man in unterschiedlichen Ländern das Problem des Wohnens sichert dürfte nicht so einfach sein. Daher ist diese Aufstellung auch sinnlos, in dieser Form auf jeden Fall. Wie sie hier in den MSM verwendet wird ist von Schwindel nicht verschieden.

Keynesianer März 22, 2013 um 07:09

@gelegentlich

Es werden bei zerohedge wohl die Hausbesitzer gewesen sein, die gern ihre Mieter noch mehr ausnehmen würden, die für die Armut und den Mangel an Eigenheimen angeblich so tolle Bedingungen für Mieter verantwortlich machen.

Man müsste ja von den Löhnen in Deutschland erst noch die Mieten abziehen, um die wirkliche Armut der ehrlich arbeitenden Menschen deutlich zu machen.

Dazu dann noch die mit dem Öko-Quatsch und der Klima-Lüge künstlich verteuerten Kosten für Heizung, Strom. In Frankreich wird der Strom billig mit Atomlraft erzeugt, bei uns die Landschaft mit Vogelschreddern verschandelt, die weitgehend nutzlos sind und noch kein Kraftwerk ersetzen können, aber vorrangig ihren Strom einspeisen können, während die für den Fall einer Windstille nebenbei mitlaufenden Kraftwerke ihren Dampf ablassen müssen, während mal der Wind weht.

Keynesianer März 22, 2013 um 07:23

@gelegentlich

Das Problem des Wohnens in Deutschland ist ganz einfach ein Problem der Bodenspekulation und der künstlichen Verteuerung des Bauens durch Bauvorschriften.

Der Quadratmeter Wiese kostet vielleicht 5,- € und für 5.000 € könnte sich jeder schon mal sein Häuschen bauen auf dem eigenen Land.

Nicht so in Deutschland. Da herrscht Bauverbot auf allen Wiesen und Äckern, damit die Bodenspekulanten erst mal jeden Menschen ausnehmen können, der bei uns ein eigenes Haus erstrebt. Da kostet der Quadratmeter Bauland also schon so 100 bis 200 Euro und dazu kommen noch die Erschießungskosten durch die Gemeinde. Weil im Gemeinderat die örtliche Mafia sitzt, wird bei der Erschlie0ung an nichts gespart, also eine möglichst breite Straße mit Ampeln und Zebrastreifen, breitem Fußgänger- und Radweg und Frauen- und Behindertenparkplätzen, die Bauherren müssen es zahlen, obwohl denen ein kostenloser Feldweg zum Haus reichen würde.

Dann sind noch die Bauvorschriften so speziell, dass Häuser praktisch nur von den lokalen Architekten und Baufirmen errichtet werden können. In Italien oder Spanien kauft sich jemand halt eine Wiese und baut sein Haus wie er es möchte.

gelegentlich März 22, 2013 um 07:29

“In Italien oder Spanien kauft sich jemand halt eine Wiese und baut sein Haus wie er es möchte.”
So sieht es denn auch aus. Lassen wir das.
” In Frankreich wird der Strom billig mit Atomlraft erzeugt, …” – ist wohl unter Niveau in einem Blog, in welchem es um Wirtschaft geht. Nein, das waren bei zerohedge nicht die Hausbesitzer. Das unterschiedlich gelöste Wohnproblem macht die Tabelle sinnlos.

Schatten März 22, 2013 um 08:07

Mal interessant, wohin die Frage nach dem Hegemon führt:

A) @Hans Huett: So genau weiß man das nicht – ein aufgeklärter, europaweiter, transparenter Menschenrechts-Etatismus?

B) @Schütze Arsch: Alles Mafia!

C) @Linus: Transferzahlungen in die “Wüste”

D) @topi: Der Hegemon muss durch Regulierung eingedämmt werden.

So nach Hegemon im eigentlichen Sinne des Wortes hört sich das alles ja nicht an!

E) @Doktor D: Deutschland ist schon Hegemon

Interessant!

Mal anders: Europa beruhte in weiten Teilen auf untragbaren Annahmen. Eine davon war, dass Maastricht ein zweites Versailles sein soll. Das kommt jetzt (hoffentlich) ans Tageslicht.

Also muss restrukturiert und renoviert und reorganisiert werden.

Damit wurde begonnen!

Nun kann man streiten, ob alles sozial zugeht (Geht es nicht!), ob es mildere Mittel gibt, oder wie @carlos manoso, ob das einen in die Zukunft verweisenden Sinn hat, weil der Kapitalismus eh bald scheitert, da kann man streiten – aber dass es so nicht weiterging, ist doch eigentlich unstrittig, oder?

(Zu Deutschlands Export: Würde sich normalerweise – und da hat @Marc völlig recht, durch Währungsschwankungen ausgleichen. Das führt zurück zum Euro und damit zum “Versailles ohne Krieg”, zu Maastricht.)

Eagon März 22, 2013 um 08:29

Das war ein klassisches Eigentor der FAZ zur Vermögensverteilung.

Schreibt man die absoluten Zahlen daneben Privatvermögen der Haushalte insgesamt 10 Billionen Euro sieht selbst ein Blinder wie ungleich die Vermögensverteilung in Deutschland sein muß.

Die FAZ als kommunistisches Agitationsblatt.

Mal was Neues.

Keynesianer März 22, 2013 um 08:46

@Eagon

Die FAZ als kommunistisches Agitationsblatt.

Das ist nicht so schwierig für die FAZ, sind doch unsere Marxisten voll mit der Wertformanalyse beschäftigt und mit dem gerade eben wieder unvermneidbar bevorstehenden Zusammenbruch des Kapitalismus wegen der Werttheorie. Zu so einfachen Themen der Agitprop, wie der Verteilung von Vermögen und Einkommen bleibt keine Zeit bei unseren Weltrevolutionären, das hat der Schwager des preußischen Innenministers gut auf den Weg gebracht.

Aber Ihr wollt es mir ja nicht glauben, gell?

Weil Ihr Euch gar nicht vorstellen könnt und wollt, wie Ihr veralbert werdet. ;)

Die Bundesbank verrät uns nicht, wie hoch der Vermögensanteil des obersten Zehntels ist. Vermutlich reichen die Stellen im Computer zur Erfassung nicht aus. Das zweite Zehntel hat ein Nettovermögen von 442.000 €, das sind die Anhänger und Profiteure der neoliberalen Ausbeuterpolitik.

Das untere Zweidrittel der Bevölkerung hat von diesem System nichts mehr zu erwarten. Das haben die aber noch nicht begriffen, weil es uns für eine kurze Zeit der sozialen Marktwirtschaft mal wirklich gut gegangen ist in den 70er Jahren vor allem.

Aber es ist nur eine Frage der Zeit und wenn man ins Internet schaut, sollten sich die Ausbeuter und ihre Helfershelfer auf einiges gefasst machen.

Die Marxisten werden allerdings weiter die Wertform analysieren und auf die Weltrevolution warten.

Darum hat man damals in den 70ern erst die Marxisten hochgepäppelt, bevor die Neoliberalen dann ans Ruder durften. :)

Davon haben wir heute bei den 50-60jährigen immer noch die Nachwirkungen, die sind alle Öko und kommen mit Marx angerannt, wenn sie Revolution machen wollen. Es gab ja seinerzeit auch kein Internet.

Aber das wird sich auch bald geben. ;)

Linus März 22, 2013 um 08:57

@Schatten:
“Zu Deutschlands Export: Würde sich normalerweise – und da hat @Marc völlig recht, durch Währungsschwankungen ausgleichen. ”

Das stimmt so plusminus. Es würde sich irgendein Gleichgewicht einstellen. Das wäre dem Gesichtspunkt “Verteilungsgerechtigkeit” wahrscheinlich nicht optimal. Es gäbe immer noch ein Hinterland mit vergleichsweise unterentwickelter Infrastruktur und niedrigerem Lebensstandard.

Nun kann man sich auf den Standpunkt stellen, das läge in der Natur der Sache. Es macht einfach keinen Sinn, in der Wüste Reisfelder anzulegen. Andererseits kann man auch den Standpunkt vertreten, dass die Gemeinschaft ihren Bürger, egal wo sie sich ansiedeln, eine gewisse Existenzgrundlage sichern sollte. Hier taucht wieder die Lücke zwischen ‘deskriptiv’ und ‘normativ’ auf. Wieviel ‘normativ’ kann sich die Gesellschaft leisten?

Das hat alles nichts mit Kapitalismus und Akkumulation zu tun. Es geht NICHT um künstliche, sondern um echte(!) Knappheit. Nichtsdestoweniger führt das Problem innerhalb einer Transfer-Union sofort in dieselbe leidige Verteilungsdiskussion. Und die erledigt sich zu einem grossen Teil, wenn Wechselkurs-Schwankungen möglich sind.

In einem kapitalistischen System ohne Wechselkursgrenzen werden diese unterschiedlichen Standortfaktoren bis ultimo verstärkt. Natürlich wird das Dorf am Fluss aufgrund günstigerer Ausgangsbedingungen die Einwohner in der Wüste in Lohnarbeit zwingen (Landflucht etc.). Der wesentliche Unterschied ist also, dass es eben nicht zu einem (suboptimalen) Gleichgewicht kommt, sondern eine Entwicklung zum Extrem stattfindet.

Konkret: Ein Fehlen von Wechselkursen, Zöllen etc. verhindert die Bildung eines Gleichgewichts. Es kommt ganz natürlich zur Ausbildung eines Hegemons, dem es leicht fällt, die Entscheidungsmacht über Transferzahlungen an sich zu ziehen. Typischerweise sind hegemoniale Strukturen ja auch daran interessiert, gegebene Grenzen zu beseitigen oder doch zumindest in die eine Richtung (nämlich die zum Vorteil des Hegemons) durchlässig zu machen.

Wie ich oben schon schrieb, bietet ein gemeinsamer Währungsraum aber auch viele Vorteile. Daher meine Frage: Wie kriegt man einen optimalen Mix hin? (das müssen nicht unbedingt Wechselkurs-Grenzen sein. Gut möglich, dass es andere Arten von ‘Grenzen’ gibt)

@Marc: Ich habe nichts gegen Transferzahlungen. Ich meine nur, sie bieten keinen ausreichenden Schutz, wenn sie immer wieder zur Diskussion gestellt werden können. Umgekehrt ist aber auch nicht sinnvoll, sie in Stein zu meisseln.

gelegentlich März 22, 2013 um 08:59

@Keynesianer
“Aber das wird sich auch bald geben.”
Vorher kommt noch dass man h.huett bei der Charakterisierung vieler Ihrer Beiträge recht geben muss.
Auf die Goldwaage gelegt haben Sie die FAZ zitiert. Als das von mir und von @Eagon moniert wurde kam kein Gegenargument, sondern eine allgemeine Suada. Wer die nicht kennt hat hier noch nie etwas gelesen. Bevor ich eine Gänsehaut bekomme weil schon wieder der preußische Innenminister auftaucht bitte ich höflich darum von Glaubensbekenntnissen absehen zu wollen.

holger März 22, 2013 um 09:59

Hier mal eine schöne Karte

http://www.bmvbs.de/cae/servlet/contentblob/34180/publicationFile/945/karte-regionale-wirtschaftliche-staerke-und-entwicklung.pdf

Da seht ihr den “Sündenfall”

Vielleicht nur die Kreise ein wenig verändern. :D in Richtung rot. Da sind dann die Zonen der Ausbeutung.

holger März 22, 2013 um 10:01
rundertischdgf März 22, 2013 um 10:30

Und nach Stoiber befinden wir uns bald wieder vor dem 3. Weltkrieg.

http://rundertischdgf.wordpress.com/2013/03/21/wutrede-des-eu-fanatikers-stoiber-gegen-euro-kritiker/

Marc März 22, 2013 um 10:30

@Linus
Das hat alles nichts mit Kapitalismus und Akkumulation zu tun. Es geht NICHT um künstliche, sondern um echte(!) Knappheit.

Das stimmt doch nicht! Wir sind technologisch soweit, auch Arbeitsplätze in der Wüste zu schaffen und die Güter dorthin zu transportieren. Die Natur als Knappheitsfaktor haben wir abgeschafft.

Ich habe nichts gegen Transferzahlungen. Ich meine nur, sie bieten keinen ausreichenden Schutz, wenn sie immer wieder zur Diskussion gestellt werden können. Umgekehrt ist aber auch nicht sinnvoll, sie in Stein zu meisseln.

So ist es, sie müssen immer zur Diskussion gestellt werden. Die Frage lautet nämlich: wieviel Ungleicheit wollen wir uns als Gesellschaft leisten? Es ist keine ökonomische, sondern eine politische Fragestellung. Gesamtgesellschaftliche Fragen werden nie entschieden, sondern immer ausgehandelt.

topi März 22, 2013 um 10:40

gelegentlich

” Dass die Nettolöhne in Deutschland gesunken sind ist ja keine Frage. Aber aus dieser Vermögensaufstellung das Problem heraus zu rechnen wie man in unterschiedlichen Ländern das Problem des Wohnens sichert dürfte nicht so einfach sein. Daher ist diese Aufstellung auch sinnlos, in dieser Form auf jeden Fall. Wie sie hier in den MSM verwendet wird ist von Schwindel nicht verschieden.”

Mir scheint im Vorfeld der Veröffentlichung sehr viel Aktivität zu herrschen, genau den Eindruck, dass die reallohnverzichtenden Deutschen mit ihrer gewaltigen EInkommensverschiebung der letzten Jahrzehnte eindeutig die gekniffenen sind, im Schnitt, und nur die oberen Einkommensbezieher und Vermögensbesitzer davon profitieren, zu vermeiden.

Ich wäre da also sehr vorsichtig, mit deiner Interpetation.

“Der Deutsche” ist ja bekannt für seine hohe Sparquote; was macht er denn mit dem Gesparten, wenn nicht mal ein kleine Wohnung herauskommt?

Wieso ist eine Wohnung kein Vermögen? Moderate Mieten, schön und gut (schonmal in letzter Zeit Neuvermietungspreise angeschaut? die Auflösung der Schutzrechte der Normalbürger gegenüber Kapitalinteressen ist doch auch hier längst in vollem Gange)

Meines Erachtens schmälern allerdings Mietzahlungen die Einkommen ggü. den Wohnungsbesitzern (wenn denn die Finanzierungszahlung soweit gesunken ist). Siehst du das anders?

topi März 22, 2013 um 10:45

Man könnte sich sogar zur gegenteiligen Bewertung entschließen: es ist viel besser, sein Geld in eigengenutztes Wohneigentum zu verwandeln, statt sich daüfr Geldsparpläne aller Art aufdrücken zu lassen.
Saldenmechanisch ohnehin, wissen wir ja, aber auch ganz individuell, wenn der Zauber platzt, oder langsam sich auflöst.

Außerdem zeigt die Wertentwicklung verschiedener Vermögensklassen, wie gekniffen der gemeine Geldsparer ist, im Vergleich.

Und der deutsche Durchschnittsmichel ist besonders gekniffen.

Früher hatte er zu seinem Vermögen wenigstens noch die vergleichsweise hohen ANwartschaften aus der gesetzlichen Rente (oder auch den anderen ANwartschaften).

Die gesetzliche Rente ist für den Medianmichel nur noch ein Trauerspiel, die Dämmerung der Privatvorsorge kündigt sich schon mit diversen Vorboten an.

Schütze Arsch März 22, 2013 um 10:50

@ holger

Was Osteuropa angeht, da ist das auf der Karte etwas irreführend, weil sie 1995 anfangen. Da hatte es vorher durch den Zusammenbruch des Ostblocks zunächst überall schockartige Schrumpfung gegeben, und entsprechend danach wieder recht steilen Anstieg (Wachstum einfach durch Wiederinbetriebnahme brachliegender Kapazitäten). Um für Osteuropa aussagekräftige Werte zu kriegen, müßte man eigentlich mit 1985 beginnen.

Ganz interessante Karten gibt es auch hier.

http://www.westermann.de/fachzeitschriften/newsletter_sek/download/pg_09_2011.pdf

“Eigenartigerweise” hat es bis zur Einführung des Euro zwischen den Regionen in Europa (Eurozone) einen Angleichungsprozeß gegeben, der mit Einsetzen der Währungsunion dann aber stoppte.

In dem Text ist natürlich auch so ein bißchen Sprache des Vierten Reiches drin (“Humanressourcen” etc.)… aber gut… wer berufsmäßig solche Artikel verfaßt, der schreibt halt automatisch so… muß man drüberweglesen…

topi März 22, 2013 um 10:51

Der aufmerksame Leser erinnert wahrscheinlich die individuellen Ratschläge im Zuge der Geldzyklusendeherannahung.

Häuschen mit Garten und Obstwiese, vielleicht ein Stückchen Wald, Werkstatt mit Werkzeugen, in jedem Fall gute Beziehungen zu seinen Nachbarn.

Interpretationen, das nun jene, die von der Vermögensstruktur deutlich näher an dieser EMpfehlung sind, als die Deutschen mit ihren Lebensversicherungen, nun per se die Doofen sein sollen, halte ich für nichtdurchdacht.

Von diversen Seiten durchaus auch für interessengeleitet.

Nur weil der Keynesianer mit seinen Verschwörungstheorien übers Ziel hinausschießt, folgt nicht, dass er inhaltlich Unrecht hat.
Es sitzt eben nicht eine Gruppe von 8 Leuten da und denkt sich das aus, wie sich die Interessen der Vermögenden durchsetzen, ist durchaus komplexer.

Aber sie haben sich massiv durchgesetzt, auf breiter Front, und die Tendenz ist noch lange nicht gebrochen. In Teilen irritiert, ja.

gelegentlich März 22, 2013 um 10:51

@topi
Nein, das sehe ich nicht anders.
Warum aber sollte man vorsichtig sein mit der Interpretation? Kommt dann die Polizei? ;-)
Das Argument war ja, dass und solange in Deutschland ein international ungewöhnlich stabiler Mieterschutz da ist man nicht in dem Umfang Wohneigentum braucht, dass deshalb Vermögen im Süden, das sich nur auf Wohneigentum bezieht, beim Vergleich des Lebensstandards nicht ganz so stark zählt.
Ich hatte den Eindruck dass die FAZ mit der Aufstellung die bekannte Schuldzuweisung ,,fauler Südländer” vertiefen wollte: und Denen sollen wir unser Geld geben?

Schütze Arsch März 22, 2013 um 11:07

Noch zur Hegemonie, kleine unverbindliche Parallele zu Preußen in Deutschland:

In Staatlichkeit umgesetzt wurde Hegemonie durch einen kleinen Krieg gegen äußeren Feind. Gepokert wurde auch schon (–> “Emser Depesche”) Im Hegemonialgebiet wurde ein großer Brocken, das verschuldete Bayern, gebailoutet. Österreich war zu groß (und war Zentralmacht in einem eigenen Reich), wurde also ausgespien.

Der traurige Schluß: Das ganze neuentstandene Reich war irgendwie zu sperrig, mußte 40 Jahre später dann einen großen Krieg führen, und massenhaft Schützen Arsch wurden verheizt.

Frei nach György Konrad: Ich begehre nicht Teil einer Großmacht zu sein, auch keiner Hegemonialmacht. Je mehr Macht, desto paranoischer die Eliten, desto übler geht es für Schütze Arsch aus.

Und wer weiß, vielleicht wäre die europäische Geschichte danach nicht so katastrophisch verlaufen, wenn bereits der dämliche Alte Fritz seinen Siebenjährigen Krieg verloren hätte und Preußen ein mittelgroßer Staat geblieben wäre. Sag ich mal so als Wahlpreuße.

Übrigens Zypern: Die Russen scheinen die Insel auch nicht zu wollen. Niemand will sie. Vielleicht erbarmt sich das Meer.

topi März 22, 2013 um 11:08

gelegentlich

“Polizei”

Klar, die Internetpolizei, mit der Falscheschlussfolgerungenstaffel. ;-)

” Ich hatte den Eindruck dass die FAZ mit der Aufstellung die bekannte Schuldzuweisung ,,fauler Südländer” vertiefen wollte: und Denen sollen wir unser Geld geben?”

Hast du aus dem Artikel ein Zitat, welches dies untermauert?
Sie bringen ja ausdrücklich die Immobilienerklärung dazu, wenn auch mit Distanz.

Wieso sollte denn ein Häuslebauer faul sein?
Ist das nicht der Inbegriff des schwäbischen Ehepaares, sie hält das Geld zusammen, er baut ein Häuschen?

“Gegen die Südländer” kann man die AUfstellung in einer anderen Weise verwenden wollen: die sind doch reich, sollen sich also selber helfen, haben mehr als wir hier.

Das ist ja auch gar nicht so verkehrt. Es ist eigentlich sehr erstaunlich, dass beispielsweise die Slowaken noch nicht in Brüssel auf den Tisch gekotzt haben.

Aus der Aufstellung sieht man vor allem eines: dies gilt genau so für den Mediandeutschen!
Er ist nicht “der Hauptprofiteur” des Eoros, sondern der Hauptgearschte (und die blöden Ösis, die sich genau so verhalten natürlich auch).

Das ist die Brisanz dieser Aufstellung. Die soll mit diversen Bemühungen entschärft werden.

topi März 22, 2013 um 11:08

Und jetzt Hand hoch: wer will lieber ein Häusschen, schuldenfrei, und wer will lieber keines.

holger März 22, 2013 um 11:08

Schütze A.

—>>>Was Osteuropa angeht, da ist das auf der Karte etwas irreführend, weil sie 1995 anfangen.”

Ja, geht aber ja bis 2003 außerdem hatte man den Ländern ja einen Länderfinanzausgleich gegeben. Kostet eben auch was so eine “Wiedervereinigung” :D

Außerdem ist ja in der Karte der gesamte Zeitraum abgebildet. In so einer Wachstumsquote ist ja auch immer die Verschuldungsquote inside.

holger März 22, 2013 um 11:13

Schütze A.

der Link ist gut…

topi März 22, 2013 um 11:13

“Übrigens Zypern: Die Russen scheinen die Insel auch nicht zu wollen. Niemand will sie. Vielleicht erbarmt sich das Meer.”

Ein Sündenfall biblischen Ausmaßes bahnt sich an.

Eine glückliche kleine Insel entledigt sich der EUrofesseln und wird zum Volk freier Insulaner, nach isländischem Vorbild.

na das sehe ich noch nicht. Es wird noch diverse Pokerrunden geben.
Die schwäbische Idiotie könnte aber tatsächlich zu so einem Ende führen.

Dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis der nächste Baustein bröckelt; da haben die “Europafreundlichen”, ähh, die Euro-Euro-über-alles-Freunde, schon recht.

topi März 22, 2013 um 11:17

Schatten

“D) @topi: Der Hegemon muss durch Regulierung eingedämmt werden.”

Und wie ich schrieb, zwingt sich halt der Hegemon eher schlecht. :roll:

Insofern ist für die Peripherie das ganze sehr einfach: wenn der dicke Brocken nicht will, muss ich mich soweit davon absetzen, dass mich das am wenigsten betrifft.

quecalor März 22, 2013 um 11:40

@ Keynesianer
@ gelegentlich
In Spanien kauft sich jemand halt eine Wiese und baut sein Haus wie er möchte.
You made my day. Zur Info, wir haben Bauvorschriften, Erschliessungsgebühren,Architekten, Statiker,Notare,Bausteuern, Baugenehmigungen, Bewohnbarkeitsbescheinigungen. Ein unentliches Sammelsurium an Eingaben und Vorschriften.

topi März 22, 2013 um 11:44

@ quecalor

Erzähl doch mal einen Schwank aus der spanischen Bautätigkeit.

Du sagst, es gibt die “grüne Wiese”, die man mit ein paar Ziegeln in ein Haus mit Garten verwandelt nich. Gab es die mal?

Gibt es alte Häuser (geerbt), die man mit “ein paar Ziegeln” und viel Nachbarschaftshilfe auf Gegenseitigkeit in ein neueres verwandeln kann? Wird dies gemacht.

Oder gab es seit den dauernden Preissteigerungen für Häuser nur noch solche Retortensiedlungen, für die man 120% Kredit kriegte, weil sie ja immer teurer wurden bis zum Knall?

Zeuge Joachims März 22, 2013 um 11:52

@ Schütze Schach

Das Kommentariat spielt die Partie nach und meint, die Züge einer zyprischen Eröffnung zu sehen. Doch man kommt nicht voran. Es springen geschlagene Springer wieder ins Feld, gefallene Türme stehen stehen neu auf und verklemmte Damen schreien nach ihren Bauern. Ein Läufer meldet !GAS! und alle suchen erschrocken nach ihren Masken.

topi März 22, 2013 um 12:01

Linus

” Nun gibt es zwischen beiden Varianten also einiges Für und Wider. Schlussendlich ist das die Frage nach der optimalen Grösse für einen Währungsraum.”

Wer solche Fragen allgemeingültig beantworten will, gehört in die Kategorie der “@keynesianischen” VWL-Professoren. :roll:

Wenn bspw. McKinnon sagt, dass zwei Länder umso eher einen optimalen Währungsraum bilden, je mehr Handel sie treiben, ist er ein kompletter Idiot.
Ohne gemeinsamen Handel kann man sich noch einigermaßen wehren, wenn der Partner in der Währungsunion austickt; mit starker Verflechtung ist man dem große Brocken ausgeliefert.

Das führt zum sinnvollen Kriterium für gemeinsame Währungsräume: gleiche grundlegende Entwicklungslinien. Sonst wird es knallen, früher oder später.

Natürlich gibt es Vorteile durch eine bestimmte Größe. Ohne den Willen zum Ausgleich in gewissen Rahmen und der Einigkeit in den Grundzügen der zukünftigen Entwicklung werden die Nachteile allerdings die Vorteile schnell überwiegen.

Insofern sind Währungsunionen außerhalb von Völkern oder historisch verbundenen Völkergemeinschaften selten eine gute Idee.

Der gemeine Neoliberale zeigt sich natürlich für diverse Probleme einfach blind.

Wenn ein Teil der Währungsunion ausflippt und beispielsweise massives Lohndumping betreibt, na dann müssen die Arbeitskräfte eben nur mobil genug sein und aus den anderen Gegenden dort hinziehen, da haben sie doch wieder einen Job (nachdem die in ihrer Region verschwunden sind).

Das kann man so sehen; wenn man negiert, dass die Einkommenskonzentration zum Auseinanderfallen von Einkommen und Realausgabewünschen damit zur Verschuldung und zum BSP- Minderwachstum kommt.

Und man muss es ehrlich sagen: macht die Währungsunion, ihr lieben Michel und Kostas und Juris, und dann geht dorthin, wo die Löhne am niedrigsten sind, das wird ganz toll im optimalen Währungsraum.

Niemals käme dann allerdings eine Währungsunion unter diesen Staaten zu Stande.

holger März 22, 2013 um 12:22

topi

—>>>Insofern sind Währungsunionen außerhalb von Völkern oder historisch verbundenen Völkergemeinschaften selten eine gute Idee.”

Yep, weil der Selbstreinigungs”effekt” entfällt. Sprech ich ja schon lange.

Wenn man schon ne Transferunion machen will, dann kann der Transfer in “niedere” Regionen nur Bedingungslos erfolgen. Weil die Regionen eben aus eigener Kraft (warum auch immer) nicht die Wünsche erfüllen können.

Es gibt nichts, was die Südländer im Angebot haben, was eine Währungsunion rechtfertigen würde, jedenfalls nicht mit DE.

Sonne und Urlaub vielleicht noch. Und noch ein paar Spezialitäten. Das war es dann aber auch.

soldatenkoenig März 22, 2013 um 12:27

@Schütze Arsch

Und weitere Parallele, Preussen wollte gar nicht Hegemon sein, es wollte nur saturiert sein.
(Wilhelm I zur Kaiserkrone: Was nützt mir dieser Reif aus Dreck und Lettern)

Sebastion Haffner hat die völlig unterschiedlichen Intentionen des Reichskonzepts wunderbar klassifiziert:
Soviel Reich wie Preussen beherrschen kann – Bismark
Soviel Welt wie Deutschland beherschen kann – Hitler (+Eurofanatiker + ihre wissenden und unwissenden Büttel)

topi März 22, 2013 um 12:43

Zypern

Wiesaussieht haben die Zyprioten der Troika die Verpfändung von Rentenkasse, Gold, Kircheneigentum etc. angeboten, als Eigenleistung.

Und den Russen Anteile an Pleitebanken und andere Investments, wofür sich die russischen Investoren bisher nicht begeistern ließen.

Das ist also noch diverser Spielraum, und wer sich zuerst bewegt, macht selten den besten Schnitt.

topi März 22, 2013 um 12:48

“Es gibt nichts, was die Südländer im Angebot haben, was eine Währungsunion rechtfertigen würde, jedenfalls nicht mit DE.

Sonne und Urlaub vielleicht noch. Und noch ein paar Spezialitäten. Das war es dann aber auch.”

Das wäre doch völlig wumpe, solange sich die Preise in die gleiche Richtung entwickeln.

Transferbedarf kann es auch geben, wenn die Produktivität in einem Teil schneller steigt.
Aber so etwas schlägt sich recht langsam durch, außerdem sind Länder, die insgesamt noch aufholen, eher mit größerem Produktivitätswachstum ausgestattet.

Nein, das Problem sind die Preise.

Da allerdings war klar, dass es völlig verschiedene Traditionen gibt.

Schütze Arsch März 22, 2013 um 12:57

@ soldatenkoenig

Tja, war das Reich in Europa von vornherein so prekär, daß es schon einen begnadeten Billardspieler wie Bismarck brauchte?

Meine Einblicke in die Zeit stammen im wesentlichen von Konrad Canis her; bei dem klingt das letztlich alles ja sehr fatalistisch. Wenn es einen Sündenfall gab, dann in dieser Lesart die leichtfertige Preisgabe des Rußland-Bündnisses durch Bismarcks Nachfolger.

Gibt es Parallelen? M.E. müßte man für Rußland heute Frankreich einsetzen, aber da verlieren wir uns in spekulativen Analogieschlüssen…

Stattdessen noch:

–> Schweinesystem

http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/schlachtbetriebe-dumpingstandort-deutschland/7960802.html

“Allein 60 Millionen Schweine werden jährlich in Deutschland geschlachtet, jedes vierte davon geht in den Export.”

Ricardo dreht sich im Grab um… “komparative Kostenvorteile”…

Rußland hat dem deutschen Schlachtschwein unlängst den Weg auf den russischen Teller bereits verwehrt.

Naja, man soll ja eh nicht soviel Fleisch essen…

Bin jetzt anderthalb Tage offline.

topi März 22, 2013 um 12:58

Wenn die deutschen Idioten gerne 45 Stunden bis zum Burn out ackern wollen, dann könnten sie doch wenigstens die Urlaubsgutscheine dafür kassieren. :roll:

quecalor März 22, 2013 um 13:16

@ topi
Bei Umbaumassnahmen braucht man eine eingeschränkte Baugenehmigung und je nach Ausbau auch die Begleitung eines Architekten. Die Banken hatten wenig Interesse an einer Finanzierung.
Was hier passierte hat andere Dimensionen. Ein Beispiel. Eines Tages meldete sich bei mir die AIDS-Hilfe einer hessischen Kleinstadt. Sie hatten Grundstücke und ein Haus in der Pampa mit Meerblick,absolutes Kanninchenland geerbt und baten um eine Grundstücksbewertung und Abwicklung der Kaufverträge. Die Grundstücke waren kein Bauland insofern ein geringer Wert. Das Haus mit 30 000 qm, nicht Bauland, aber renovierungsbedürftigen Hütte in der der Verstorbene hauste bewertete ich wohlwollend mit 50 000 Euro. Die Enttäuschung in Deutschland war gross. Sie holten ein anderes Sachverständigen Gutachten ein das noch niedriger ausfiel. Kurz darauf erschienen 2 Männer bei mir, die von der Aids Hilfe über dieses Haus erfahren hatten. Beide arbeitslos, Mitte 20 und äusserlich sehr ungewöhnlich. Ich wollte bei keiner Bank mit denen auftauchen. Zwei Wochen später baten sie mich den Notarvertrag zu begleiten. Sie waren bei der hier ansässigen Deutsche Bank Filiale , die hat einen Gutachter aus Alicante geschickt und hat diese Hütte der beiden Jungs mit 90 000 Euro beliehen. Das von denen keine Spur mehr zu finden ist, erübrigt sich zu sagen. Das war Praxis. Die Gutachter wollten viel Geld verdienen, sie werden ja nach der Höhe der Taxierung bezahlt und die Banken,alle, wussten nicht wohin mit dem Geld. Es war leicht an viel Geld zukommen. Wer es nicht mitnahm war ein wenig meschugge.Übrigens die Hütte steht heute noch leer und ist verfallen.

Q. März 22, 2013 um 13:19

“Eigenartigerweise” hat es bis zur Einführung des Euro zwischen den Regionen in Europa (Eurozone) einen Angleichungsprozeß gegeben, der mit Einsetzen der Währungsunion dann aber stoppte.
So erstaunlich ist das nicht:
es ist ein Fehler, bei diesen Vergleichen stets nur auf die offizielle Einführung der Gemeinschaftswährung zu schauen (traue niemals Zahlenwerk, das du nicht verstehst ;) ).

Der Euro-Effekt beginnt viel früher. Besonders deutlich an den südländischen Staatsanleihen zu sehen, die berühmte “Konvergenzphantasie” seit 1995. Damals, bis zur Angleichung an Bundesanleihen 1999, wurden die riesigen Kursgewinne gemacht. Und das betrifft natürlich nicht nur das Zinsniveau, sondern auch die (nicht mehr veränderlichen) Wechselkurse.

Kurz und gut: die großen Gewinner der “Vorrunde” waren die südländischen Vermögensbesitzer, die Lira, Peseten und Drachmen hatten — und plötzlich, allein durch den politischen Beschluß, in quasi-DM ausbezahlt wurden.
Ich vermute mal, daß das der Hintergrund der sonderbaren Vermögensstruktur im europäischen Vergleich ist.

Ich hatte den Eindruck dass die FAZ mit der Aufstellung die bekannte Schuldzuweisung ,,fauler Südländer” vertiefen wollte: und Denen sollen wir unser Geld geben?
Ich denke, es ist eher so, daß sie sich zunehmend die Augen reiben und das Märchen “D hat vom Euro am meisten profitiert” ein wenig … ähem “differenzierter” sehen.

quecalor März 22, 2013 um 13:31

Man muss wissen in Spanien gibt es keine Notaranderkonten. Das heisst, man geht zum Notar, unterschreibt den Kaufvertrag. Da steht selten der reelle Kaufpreis ,sondern immer angemessen eine viel geringere Summe. Dadurch spart man eine Teil der Mehrwersteuer. Nach Vertragsunterzeichnung geht der Notar kurz aus dem Zimmer und der Differenzbetrag wechselt in bar den Besitzer.Das ist gängige Praxis und wird als normal angesehen.

Schütze Arsch März 22, 2013 um 13:44

Noch kurz @ Q.

Die Kurve beschreibt Konvergenz bei den regionalen Pro-Kopf-Einkommen… meinst Du, daß die Zinskonvergenz bei Staatsanleihen da einen großen Effekt gehabt hat?

Und wenn Dir 1999 als Jahr nicht behagt, weil die Euro-Erwartungsphase berücksichtigt werden muß, bitte: Wenn Du’s Dir noch mal genau anschaust, siehst Du, daß die Konvergenzentwicklung bereits 1996 abbrach (wird im Text auch so kommentiert).

Eigenartig finde ich das auch nicht, hatte es in Gänsefüßchen gesetzt. Ich meine nur, es gibt doch so die Vorstellung, daß die Währungsunion zunächst Konvergenz befördert habe, nicht? Auf der Ebene der Regionen (also wenn man innerstaatliche regionale Disparitäten einbezieht) ist das offenbar nicht der Fall gewesen.

Linus März 22, 2013 um 13:55

@topi:
Kurze Bestandsaufnahme:
- Das Konzept Euro hat zur Ausplünderung Europas durch seine Eliten geführt.
- Im Zuge der aufgrund fehlender Wechselkurse offen zutage tretenden produktiven Disparitäten haben sich neue ‘auf Pump’-Geschäftsmodelle entwickelt, die nun zuallererst fallen.
- Produktive Arbeitsplätze/Sektoren wurden abgebaut bzw. nach D ‘exportiert’ und in den Entsendeländern durch Arbeitsplätze im Dienstleistungsbereich und Verwaltung ersetzt. Diese schlagen sich grösstenteils (Ausnahme Finanzsektor und Tourismus) nicht in der Handelsbilanz nieder, können daher auch nichts kompensieren (die Vorgänge sind zwar ein wenig subtiler, im Grossen und Ganzen trifft das mE aber schon).

Mögliche Massnahmen:
- Transfer-Leistungen: Der deutsche Michel kann sie nicht leisten. Er hat ja selber nix. Also müssen sie von den Eliten kommen, die die Kohle eingesackt haben. Damit bleibt aber ein wesentliches Problem weiterhin ungelöst: Die Nehmerländer hängen am Tropf. Das bleibt solange so, wie sie nicht über Produktionskapazitäten verfügen, die in der Handelsbilanz wirksam werden.
- Also Aufbau neuer Geschäftsmodelle in den Nehmerländern durch Verschiebung von Produktionskapazitäten in diese. Dann bleibt aber dem Michel nicht genug übrig. Also müssen auch hier wieder die Eliten abdrücken.
- Eine Wiedereinführung von Wechselkursen würde es den Nehmerländern zwar leichter machen. Erste Folge wäre aber ein deutlicher Einbruch des Lebensstandards nicht nur bei ihnen, sondern auch bei uns. Sie träten dann tatsächlich in Konkurrenz zum deutschen Arbeitnehmer, mit der Folge, dass ein Unterbietungsspirale in Gang gesetzt würde. Das wäre doppelt misslich bei ohnehin schon prekären Verhältnissen. Es winkt ein europäisches Armenhaus.

Schliesst man Erholung durch Wachstum aus (und es gibt gute Gründe, erstmal nicht darauf zu bauen), dann bleibt realwirtschaftlich (also ohne keynesianische Geldspielchen) nur eine Verschiebung von Produktionskapazitäten und ein Schröpfen der bisherigen Absahner. Bis dahin braucht es eine Zwischenfinanzierung. Für den Fall der Fälle (bis also z.B. Vermögenssteuern greifen) stünde die EZB zur Verfügung.

Leider sieht es nicht so aus, als würde irgendetwas Sinnvolles in dieser Richtung unternommen. Vielmehr deuten alle Anzeichen daraufhin, dass es zum Auseinderbrechen der Währungsunion und anschliessender Unterbietungsspirale kommt.
Was wäre dann die Bilanz von 12 Jahren Euro? Sicherlich würden riesige Geldmengen “vernichtet”. Übrig bliebe dennoch eine katastrophal schiefe Vermögensverteilung bzgl. Sachwerte. Diese würde sich auch ausdrücken in einer EU-weit durchschnittlichen Kaufkraft von bestenfalls 1990.

egal März 22, 2013 um 14:02

Deutschland als guter Hegemon ist eine Idee von amerikanischen Politikwissenschaftlern. Wie die USA die Welt beglückt, soll Deutschland Europa beglücken. Am Ende wird ein hegemoniales Deutschland aber Südeuropa so führen wie die USA Südamerika. Die Lage in Europa ist hoffnungslos. Es ist keine politische Kraft erkennbar, die eine andere Politik umsetzen könnte. Da ist die Versuchung natürlich groß, auf solche untauglichen Konzepte zu hoffen.

Wovor ich mich am meisten fürchte, ist eine neue Dolchstoßlegende. Die Reformen wirken. Dank der Agenda ist Deutschland gut durch die Krise gekommen, die deutsche Wirtschaft auf den Märkten unbesiegt. Aber die faulen Südländer…
Ich klammere mich deshalb an ein anderes amerikanisches Konzept. Es muss erst schlechter werden, damit es besser wird. Die Niederlage muss total sein.

Hotte April 16, 2013 um 07:46

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