Das “unvorstellbare Vermögen” des Uli Hoeneß

by f.luebberding on 20. April 2013

Laut Focus soll Uli Hoeneß, Präsident des FC Bayern München, im Januar 2013 über seinen Steuerberater eine Selbstanzeige beim Finanzamt gemacht hat. Es ginge “um ein Konto in der Schweiz”. Diese Aussage stammt von Hoeneß selbst. Es wird Teil seiner Medienstrategie sein, um sein Überleben als öffentliche Person zu gewährleisten. Es ist wohl nicht mit seinem Rücktritt zu rechnen. Ansonsten hätte er den schon längst vollzogen. Er hatte nämlich seit Januar Zeit, sich auf die Veröffentlichung vorzubereiten. Vielmehr wird er wahrscheinlich hoffen, im Windschatten der zu erwartenden Titel des neuen Deutschen Meisters diese Lage zu überstehen. Insofern ist der Zeitpunkt der Veröffentlichung gut gewählt. Zynisch formuliert: Er setzt auf die Blödheit der Fußballfans.

Nun ist seine Begründung für die Selbstanzeige nicht ohne Komik. Er habe auf das Deutsch-Schweizer Steuerabkommen gehofft und sich nach derem Scheitern im Bundesrat selbst angezeigt. Die PR-Berater von Hoeneß beschuldigen damit den Bundesfinanzminister und seine Unterstützer in der CSU der Beihilfe zur Steuerhinterziehung. Denn mit der Ratifizierung des Abkommens wäre der Saubermann Hoeneß der Ehrenmann geblieben, den er bei Jauch so überzeugend gab.

“Wie also finanziert man die Förderung? Mit höheren Steuern für Reiche? Kein gutes Thema für Uli Hoeneß, der diesen Gedanken nicht ausstehen kann. Oskar Lafontaine habe ein Schloss, „dagegen ist mein Haus am Tegernsee sozialer Wohnungsbau“, fand er. „Wir müssen die Reichen hier halten, damit sie weiter gemolken werden können, wie das in der Vergangenheit der Fall war.“

Hoeneß ist ein Scherzkeks, wie wir heute wissen. Wie die Medienmaschine mittlerweile auf die großen Zahlen versessen ist, zeigt allerdings diese Meldung, die gerade die Runde macht. Danach habe Hoeneß auf diversen Konten in der Schweiz mehrere hundert Millionen Euro geparkt. Es ist von bis zu einer halben Milliarde Euro die Rede. Nun ist mir nicht klar, wie er das mit seiner Nürnberger Würstchenfabrik und seinen Einnahmen aus der Fußballbranche generiert haben will.  Diese speisen sich bekanntlich unter anderem aus den Taschen blöder Fußballfans bis zu den Fernsehrechten, die ARD und ZDF der Fußball-Branche überweisen. Wenn die Zahl stimmte, müsste Hoeneß im Mittelfeld der 500 reichsten Deutschen zu finden sein. Entweder ist diese Zahl von seinen PR-Leuten gezielt gestreut worden, damit sich am Ende etwa ein Zehntel dieser Summe wie ein Kavaliersdelikt anhört. Oder diese Summe setzt sich noch aus anderen Quellen zusammen, die wir aber heute noch nicht kennen. In der Liste der reichsten Deutschen geht es ja unter anderem um den geschätzten Wert der von den Familien kontrollierten Unternehmen.

Ich kann diese Angaben aus der Abendzeitung zum Geldvermögen von Hoeneß daher nicht glauben. Es ist tatsächlich “unvorstellbar”. Aber ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen.

{ 158 comments }

Reinhard April 20, 2013 um 18:19

Uli Hoeneß muss sich keine Sorgen um sein Image bei Fußballfans machen. Sofern man kein Bayern-Fan ist, hasst ihn jeder mit fast schon religiöser Inbrunst :)

Abgesehen davon, ja, hier sind mit Sicherheit kleinere Beiträge in Höhe einiger zehntausend Euro an PR-Berater gegangen, denen ich von ganzem Herzen einen ruhigen Schlaf gönne, denn ich bin ein höflicher Mensch und möchte niemandem etwas Schlechtes wünschen. Auch nicht PR-Beratern, selbst nicht PR-Beratern, die ich in meiner beruflichen Karriere bislang mehrheitlich als schmierige Gestalten ohne Skrupel kennengelernt habe.

Was Herr Hoeneß übrigens mit seinem Geld macht oder nicht macht, dass ist eine Sache zwischen ihm und den Finanzbehörden. Selbst als ausgesprochener Nicht-Bayern-Fan kann ich aus der Sache keinen wie auch immer gearteten Lustgewinn ziehen. Er hat Scheisse gebaut, er muss die Verantwortung für sein Handeln tragen. PR-Fritzen hin oder her.

f.luebberding f.luebberding April 20, 2013 um 18:26

Reinhard

Seit der Daum-Affäre genießt Hoeneß einen enormen Respekt. Auch bei mir. Heute wird Bayern kaum noch gehasst, das hat schon etwas mit der veränderten Rolle von Hoeneß zu tun. Er konnte auch plausibel machen, dass es ihm gerade nicht um Geld ginge. Seine diversen Benefizspiele für strauchelnde Vereine, etwa damals für den FC St. Pauli, halfen weiter. Zuletzt sollen sogar die Offenbacher Kickers deswegen bei ihm nachgefragt haben. Die Fallhöhe von Hoeneß ist extrem hoch. Das wird er wissen – und entsprechend reagieren, um das abzumildern.

Daniel April 20, 2013 um 18:56

So wie es aussieht, hat er die halbe Milliarde nicht mit der Wurstfabrik sondern durch Spekulationen an den Märkten dieser Welt erwirtschaftet. Um das alles medial vorzubereiten hatte er auch genug Zeit. Das wird einen kleinen Fleck auf seiner Weste hinterlassen, aber es wird kein großes Drama darum geben. Schließlich legen die oberen 10000 ihr Geld genauso außerhalb des Fiskus an.

Mir zeigt es nur wieder einmal aufs neue, das dieser Mann mehr ist als ein Ex Spieler der dann ein guter Manager wurde. Der Mann hat ein richtiges Gespür fürs erwirtschaften von Geld.

streuner April 20, 2013 um 19:01

Ich verstehe rein gar nichts von Fussball.
Aber ist das nicht ein Milliarden-Zirkus?
Könnte Hoeneß mittels Korruption (Transfergelder, Übertragungsrechte, Sponsoring) zu einem nicht unbeträchtlichen Teil dieses Schwarzgeldes gekommen sein?

Schatten April 20, 2013 um 20:11

Wieso sollte das “Überleben als öffentliche Person” davon abhängig sein, ob man Schwarzgeld hat oder nicht? Verstehe ich nicht!

Man kann ja mal für die CDU nach Schwarzgeldaffäre googeln, für die SPD nach Kölner Spendenaffäre! Für die SPD ist da der Teil mit Salomon Oppenheim und Esch noch nicht mal dabei.

Der FC Bayern dagegen ist keine Partei!

Was soll also diese Stimmungsmache gegen Uli?

Reinhard April 20, 2013 um 20:13

@Frank: Respekt genießt Hoeneß allenfalls bei Nicht-Fußball-Fans :) Er personifiziert wie kein anderer die reichen Bayern, die einfach alles wegkaufen, was nicht bei Drei auf den Bäumen ist. Die Konkurrenz wurde nicht “auf dem Felde besiegt”, sondern einfach die Spieler solange mit Geld zugeschmissen, bis bei der Konkurrenz keiner mehr spielte, der besser war. Da köchelt noch so mancher Groll in vielen Fußballerherzen.

Was seine persönlich empfundene Fallhöhe und somit Stellung im öffentlichen Leben betrifft, so kann ich dazu keine Aussage machen. Auf mich machte er aber schon immer den Eindruck einen Scheiß darauf zu geben, was andere von ihm denken und halten. Er hat immer sein Ding durchgezogen, ohne Rücksicht auf Verluste und wenn er anderen dadurch wie ein arrogantes Arschloch erschien, dann konnte er damit wohl leben.

Reinhard April 20, 2013 um 20:18

Edit: Seine Benefizaktionen wurden daher auch vielfach als reine, wenig glaubwürdige Show wahrgenommen.

Aber das ist der öffentliche Uli Hoeneß. Ihn persönlich kenne ich nicht und wie gesagt, was immer er getan hat, ist eine Sache zwischen ihm und dem Finanzamt. Und ja, es ist gut möglich, dass der Mann über ein so großes Vermögen verfügt. Als Geschäftsmann hat er mehrfach gezeigt, wie man aus einem Euro hunderte macht.

Klaus Jarchow April 20, 2013 um 20:45

Gegen ein sauber deklariertes Vermögen hätte ja auch niemand etwas, da darf er gerne Milliardär oder Billionär sein. Aber es soll sich nun mal um ‘Steuerhinterziehung’ in großem Ausmaß handeln, um hinterzogenes Vermögen oder – um mich adäquat auszudrücken – um ‘Schwarzgeld’ oder ‘Sore’.

Es geht damit um ein Wirtschaftsverbrechen, das bei der anstehenden Höhe (also bei einer Steuerschuld von mehr als 1 Million Euro) laut Gesetz zwingend mit einer Haftstrafe ohne Bewährung geahndet werden muss – wenn ihm nicht noch die Selbstanzeige den Allerwertesten gerettet haben sollte. Die scheint aber nicht mehr rechtzeitig eingetroffen zu sein, die Ermittlungen der Behörde liefen wohl schon, als er sich selbst anzeigte. Damit wäre jede Strafminderung unwirksam. Schauen wir mal, wie sie im schönen Bayern jetzt das Strafgesetzbuch drehen und würgen … vielleicht darf er die Strafe als Mitglied der ehrenwerten Bussi-Gesellschaft dort in der Ehrenloge von Bayern München abbrummen.

Michael April 20, 2013 um 20:49

Die Zahl mit den 500-600Mio € stammt aus einem Stern-Bericht aus dem Jänner ’13, darin war von einem “Spitzenvertreter der deutschen Fußball-Bundesliga” die Rede, der dieses Vermögen in der Schweiz gebunkert haben soll. Wie verlässlich die Quelle ist, und ob es sich dabei überhaupt um Herrn Hoeneß handelt, wird die Staatsanwaltschaft zu ermitteln haben.

Schwer aus der Welt zu räumen dürfte dieser schwarze Fleck dennoch werden…

http://www.stern.de/sport/fussball/geheimes-fussballkonto-in-der-schweiz-spitzenvertreter-der-bundesliga-bunkerte-halbe-milliarde-1955286.html

Dipfele April 20, 2013 um 21:35

Die “Toten Hosen” veröffentlichten einst den Anti-Bayern-Song “Bayern” und brachten Hoeneß damit zur Weißglut. Sein Kommentar: “Das ist der Dreck, an dem unsere Gesellschaft irgendwann ersticken wird.”
http://www.tz-online.de/sport/fc-bayern/fc-bayern-uli-hoeness-abteilung-attacke-987778.html

gelegentlich April 20, 2013 um 21:57

An Aliens “glaube” ich nicht. Aber kann das Zufall sein?

http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=me&dig=2013%2F04%2F20%2Fa0177&cHash=68df602eeba5ca2455711b293d90651e

20.04.2013

Der bayerische Attackist

Dem Hotte seine Lotte April 20, 2013 um 22:29

Eine halbe Millarde mit Würstchen? Nee, so viel kann ja nich’ mal mein Oller fressen!

Also entweder ist die Zahl gelogen oder der Hoeneß hatte guten Grund, die Kohle zu verstecken. “Durch Spekulationen an den Märkten dieser Welt erwirtschaftet,” Daniel? Haha, so kann man das auch nennen…

Soldat Schwejk April 20, 2013 um 23:37

Mal abgesehen von der Penunse…

Uli Hoeneß ist seit dreißig Jahren Manager des FC Bayern.

In der Zeit hat der FC Bayern auf europäischer Ebene geholt:

Champions League 2001.

UEFA-Cup 1996.

Das ist alles. Das ist nicht viel. Das ist weniger, als so ziemlich jeder vergleichbare europäische Großklub in der gleichen Zeitspanne geholt hat.

Unter Uli Hoeneß ist der FC Bayern der kranke Mann Europas. :-)

Und nun komme mir keiner mit der Hertha. Berlin ist Ostmitteleuropa, da sind Honved Budapest und Legia Warschau der Vergleichsmaßstab.

aifran April 21, 2013 um 00:17

um drei ecken – endlich Fußball jetzt geht es hier wieder mit Schwung weiter

was sind dagegen schon die Lustschreie der Autoindustrie angesichts der aktuellen Absatzrecorde … es gibt eben nichts runderes als nen Ball, vor allen wenn er in die Schweiz rollt …..

gelegentlich April 21, 2013 um 07:28

Lynchen die Schweizer Einen wenn man ihnen begründet warum sie das Eckige sind?

h.huett April 21, 2013 um 08:40

blah

Hoeneß bringt die B-Mannschaft von Stadelheim in die Champions League, wenn man ihm nur genug Zeit gibt

h.huett April 21, 2013 um 08:55

Schweijk

Wie wir aus der Geschichte der Wettmafia wissen, lässt sich mit Verlusten viel gewinnen.

chabis April 21, 2013 um 09:40

@Benefizaktionen etc
Erinnert an das Verhalten eines “Götti” (schweizerisch,westösterr.).

abgesehen davon, ist das die Ebene auf der sich das bewegt
http://www.fcbayern.telekom.de/de/verein/ag/organe/00158.php

chabis April 21, 2013 um 10:09
jmg April 21, 2013 um 10:19

Im August 2002 fragte ihn die „Welt“:
Herr Hoeneß , können Sie sich vorstellen, dass in der Bundesliga Schwarzgeld gezahlt wurde oder wird?

Hoeneß sagte:
Ich bin seit über 20 Jahren im Geschäft und kann für mich behaupten, dass ich nie mit solchen Praktiken zu tun hatte.
Ich kenne mich bei anderen Vereinen nicht so genau aus, aber ich kann mir es auch dort nicht vorstellen. Es ist doch unklug, solche Dinge zu machen, denn irgendwann kommt doch immer alles heraus. Und es kann doch nicht der Sinn der Sache sein, ins Gefängnis zu wandern, nur um ein paar Mark Steuern zu sparen”

http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.o-ton-ueber-steuern-finanzamt-gefaengnis-hoeness-und-das-geld-seine-staerksten-sprueche.d7d30f92-3654-461d-a884-5e434d297d1e.html

Fritz April 21, 2013 um 12:39

Der Betrag ist schwer vorstellbar. Wenn H. 5 Mio. Abschlag auf seine Steuerschuld schon abgegeben hat, dann muss man wohl eher von einem verschwiegenen Vermögen von rund 15 bis 20 Mio. ausgehen. Das ist denkbar, wenn z.B. Werbegelder in einen offiziellen und einen inoffiziellen Teil gesplittet wurde und diese Gelder sich dann gut verzinst haben.
(Eine andere Einkunftsquelle könnte sein, dass H. Merchandising-Artikel via Schweiz importiert und sozusagen durch sich selbst an den FC Bayern geliefert hätte. Ein solches Modell könnte natürlich über die Jahrzehnte enorm gebuttert haben – ist aber reine Spekulation, würde ich ihm nicht zutrauen und dann wären eben gan z andere Anschlagszahlungen nötig, um das Ansteigen der Steuer-Zinschuld zu vermeiden.)
Generell sind hier wieder die Framing-Effekte interessant. Das heißt: Auch wenn es einem kaum in den Schädel passt, es kann durchaus sein, dass ein honetter Mensch mit großem Herzen sich in einigen Punkten seiner Lebensführung schlecht und sogar illegal verhält. Ich würde sogar vermuten, dass dies eher die Norm ist. Speziell das “Schummeln” ist eine der alltäglichsten ökonomischen Verhaltensweisen. Der Skandal eskaliert mit dann mit der Summe – daher jetzt vermutlich die Faszination der 500 Millionen – man glaubt je größer die Summe, desto schlechter der Charakter, aber das ist natürlich klassischer Fehlschluss.
Bei Hoeness könnte die Motivation auch daher rühren, dass er selbst durch Fußball nicht zu sonderlich viel Geld gekommen war. Dafür war seine Karriere, schon mit 27 Jahren war Schluss, viel zu kurz. Danach hat er als Vereinsmanger jahrzehntelang andere superreich gemacht, nicht zuletzt auch den Verein. Und nun bietet ihn z.B. eine Fondsgesellschaft die Rolle der Spokesperson für einen längeren Zeitraum an. Vielleicht gibt es da für ihn 2 Mio. zu verdienen. Da würde gleich mal 800.000 wieder verschwinden – wie gewonnen so zerronnen. Doch dann gibt es eine Möglichkeit, wie es anderes laufen könnte. Die in der Schweiz wohnenden Beckenbauer und Netzer beraten ihn? Netzer lässt es vllt über seine Sportrechtefirma laufen? Hoeness überlegt, wie viel Zig-Millionen Steuern ein Verein wie Bayern München jährlich dem Fiskus einbringt, wie ehrlich er immer seine Steuern zahlt, wie er sich mit den Spielern auf keine Deals einlässt – dieser Verein, eine Melkkuh ohne gleichen für den Fiskus, und er hat diese Melkkuh geschaffen, wohnt in der Doppelhaushälfte, Teilhaber an einer Wurstfabrik, wann hat noch mal die Chance, einen “lump sum” einzunehmen? Also geht mal ausnahmsweise mal a bisserl was auf die Seite …

topi April 21, 2013 um 12:49

schluchz….schnief….

wo kann man spenden?

f.luebberding f.luebberding April 21, 2013 um 12:57

Interessante Debatte von Fußballfans zum Thema kann man hier lesen. Über die Reichweite und die Relevanz des Blogs kann ich nichts sagen. Es ist aber interessant, wie hier die Ambivalenz zum Ausdruck kommt. Nämlich zwischen der Loyalität zum Verein und der politischen Einordnung. Wenn die Bild heute erklärt, dass die Summe wesentlich geringer sei als ursprünglich behauptet, wird man das bei den meisten Fans mit Erleichterung zur Kenntnis nehmen. Alles gar nicht so schlimm. Wenigstens ist das mein Eindruck.

Reinhard April 21, 2013 um 13:48

Fans nehmen alles zum Anlaß, um das Objekt oder die Person der Verehrung von allen Makeln reinzuwaschen. Und wenn das nicht möglich ist, werden Gründe zum Weißwaschen erfunden oder der Makel einfach ignoriert. Insofern sind dieser Blogbeitrag und seine Kommentare relevant, weil sie das zeigen, was sich in den Köpfen von Bayern-Fans in diesem Moment abspielt. Übrigens genau das gleiche, was sich auch in den Köpfen von Leverkusen- und Köln-Fans damals im Zusammenhang mit Christoph Daum abgespielt hat.

Man begreift schon, dass diese Vorwürfe keine Kleinigkeit sind. Man begreift schon, dass sich Herr Hoeneß SELBER angezeigt hat, um sich vor richtig großem Ärger zu schützen. Aber je nach Mentaliät wird versucht es kleinzureden, zu ignorieren oder gehofft, dass es wenigstens schnell vorbeigeht. Eine nüchterne, rationale Auseinandersetzung kann und darf man da nicht erwarten, wenn über zT. Jahrzehnte aufgebaute Emotionen im Spiel sind.

Viele akzeptieren aber auch nach einer Weile das Geschehene. Nur wenige Fans, so zumindest meine Erfahrung, gleichgültig ob Fußballfan oder von etwas anderem, verharren auf immer in einem Zustand der freiwilligen Ignoranz und Verleugnung.

f.luebberding f.luebberding April 21, 2013 um 14:21

Jauch hat übrigens das Thema gewechselt. Es geht heute Abend um Uli Hoeneß. Bevor wieder alle meckern: Ich halte es für richtig, dass er das Thema aufnimmt.

gelegentlich April 21, 2013 um 14:50

Dann sollte Jauch sich vielleicht schon mal auf folgende Frage einlassen: wenn es in Bayern für die nicht (!) hinterfragte Behauptung einer Ehefrau, vom Ehemann vor Jahren bedrängt worden zu sein, die von ihrem Mann des Schwarzgeldschmuggels in die Schweiz beschuldigt wurde, 7 Jahre Irrenanstalt gab – was gibt es dann für eine Aktion dieser Größenordnung, zumal die Selbstanzeige wirkungslos ist, weil die Ermittlungen wohl begonnen hatten?

andre schwaermer April 21, 2013 um 14:56

Frechheit! Die Ermittlungen gegen Hoeness sind sofort einzustellen!

http://uhupardo.wordpress.com/2013/04/20/finger-weg-von-ulrich-hoeness/

Fritz April 21, 2013 um 15:55

@ topi Ich interessiere mich nicht sonderlich für Fußball und wenn für den HSV ;) Interessant sind die wirklichen Lebensggeschichten einerseits und die medialen “Narrative” andererseits, die die Menschen dämonisieren und zu unverständlichen Charakterteufeln umformen. Das Backenaufblasen vor Empörung empfinde ich oft als billiges Kino: Der Böse sei böse von Natur und der Gute sei gut. Charakterlehre aus der Zeit Molieres. Die Wirklichkeit ist verwickelter. Schau dir z.B. die “Boston-Bomber” an – auch dies eine Geschichte, die nur solange leicht zu erzählen ist, wie man sich für die Menschen gar nicht interssiert – eine misslungene Biografie im Schatten der Weltpolitik, dann auch eine Tätertragödie, wie der jüngere Bruder mit dem Auto über seinen Bruder fährt. Irgendwie kriegt die Öffentlichkeit das nie hin, zu bemerken, dass auch der Schurke ein Mensch ist, der lediglich das Pech hatte, es versuchen zu wollen. Bei Hoeness steht jetzt zur Debatte, den Menschen für Maskerade zu halten. Die Art, wie er Bayern München fast schon zu einem Vorbild an stiller Wohltätigkeit gemacht hat, ist aber mE nicht Maskerade. Es ist die identische Person. Jetzt gehen ihm 50 bis 80% wieder futsch, vielleicht auch alles, plus Schmach und Scham – fertig. Moralisieren darf jeder, wie er will. Die Spur müsste mE aber woanders hinführen, nämlich zu der Frage, wer wieso dem deutsch-schweizerischen Kapitalverkehr jahrzehntelang däumchendrehend zugeschaut hat. Und siehe da: Ausgerechnet Peer Steinbrück, dem Rede-Honorar-Schurken, dem muss man es als seine größte Lebensleistung zurechnen, damit begonnen zu haben, der Oasenwirtschaft an den Kragen zu gehen. Soll sich einer auskennen mit den Menschen …

gelegentlich April 21, 2013 um 16:04

@Fritz

“Und siehe da: Ausgerechnet Peer Steinbrück, dem Rede-Honorar-Schurken, dem muss man es als seine größte Lebensleistung zurechnen, damit begonnen zu haben, der Oasenwirtschaft an den Kragen zu gehen.”
Hat er das oder er hat er davon geredet man solle es tun? Und gleichzeitig gehandelt wie Mutti: Vertrauensschwüre, mit der anderen Hand an der Säge, die das Sesselbein einstürzen läßt?
Ich frage also nach dem Tun und der Glaubwürdigkeit dafür.

h.huett April 21, 2013 um 16:21

Hier ein Feature von brandeins über Hoeneß und den FCB http://www.brandeins.de/magazin/rechnen/der-kaufmann.html

Schatten April 21, 2013 um 16:58

Was ist eigentlich asoziales Verhalten?

Eben auf Spiegel online gelesen, dass ein vorbildhafter SPD-Politiker Steuerflucht als “die schlimmste Form asozialen Verhaltens” kennzeichnete.

Auf Wikipedia findet man nur, dass die größten Fans dieser Zuschreibung die Nazis und die Zonis waren.
http://de.wikipedia.org/wiki/Asoziales_Verhalten

Also was ist “asoziales Verhalten”? Es soll gemeinschaftsschädigend sein. (ebd.)

Von welcher Gemeinschaft reden die Genossen? Der Arbeiterklasse, dem Deutschen Volk, der multikulturellen Bevölkerung, der EU?

Und wenn Steuerflucht die “schlimmste Form” der Asozialität sein soll – echt? Also mir fielen da ganz andere Sachen ein – und alle von der SPD verbrochen!

Hoeneß sei also ein Assi, nach Meinung der SPD. Wenn man den SPD-Schmerbauch Gabriel so bezeichnete, hätte man doch eine Anzeige am Hals, wegen Beleidigung.

Reinhard April 21, 2013 um 17:25

Wenn Gabriel Steuern in Millionenhöhe hinterzogen hätte, könnte man ihn ebenfalls als Assi bezeichnen. Und nun?

gelegentlich April 21, 2013 um 17:29

@Schatten

“Von welcher Gemeinschaft reden die Genossen?”

Von der Gemeinschaft der an guten Schulen, öffentlichen Schwimmbädern, guten Stadtbibliotheken, guten Straßen, auskömmlichen Renten, guter Gesundsvorsorge und wenig intensiver Zukunftsangst Interessierten.

Honeß steht im Moment unter Verdacht, er ist ja nicht verurteilt. Sollte sich dieser Verdacht bestätigen, ja, dann hat er auch asozial gehandelt. Bitte nie vergessen: der stets behauptete Individualismus ist nicht viel mehr als eine pragmatisch sinnvolle utopische Behauptung. Daher schreien nicht mal Sie mit dem Schlachtruf “Kollektivismus!” auf, wenn Alle auf einmal, Individualisten halt, die Kappen falsch rum aufsetzen.

Bruchmüller April 21, 2013 um 17:33

Is´n Leuchtturm. Lichtgestalt. Muss wohl weiter leuchten, ob er will oder nicht. Mehr Finsternis drumherum würde da helfen.

www.makrointelligenz.blogspot.de April 21, 2013 um 17:57

Kontakte zur Wettmafia? Korruption? Das wäre ein plausibler Weg, um ein derartiges Vermögen aufzutreiben. Ich denke aber, es ist eher wahrscheinlich, dass mit den Zahlen irgendwas nicht stimmt.

someone April 21, 2013 um 18:14
egal April 21, 2013 um 19:58

Das mit der Selbstanzeige hat der Focus doch nur erfunden, um Lothar Mathäus als Nachfolger zu installieren.

egal April 21, 2013 um 23:40
"ruby" April 22, 2013 um 00:03

Eine halbe Stunde Beratungseinleitungsgespräch mit Kubicki und Uli wird der nächste Finanzminister der Großen Koaltion wetten?

gelegentlich April 22, 2013 um 08:23

@egal
Herzlichen Dank für den Link! Ergänzt den von Lübberding oben gegebenen auf den von Bernau in der FAZ.

Ich revanchiere mich schnell:
http://www.spiegel.de/kultur/tv/television-ermittlungen-gegen-uli-hoeness-thema-bei-guenter-jauch-a-895678.html
“Erst ein Drittel der Sendung war vorbei, als sie schon auf ihren Höhepunkt zusteuerte. Da sah der überzeugend auftretende Steuerstrafrechts-Anwalt Kubicki in der angeblichen Hausdurchsuchung bei Hoeneß einen Hinweis darauf, “dass irgendetwas nicht stimmt”. Ein Indiz dafür, dass entweder die Selbstanzeige nicht mehr rechtzeitig kam, sie nicht vollständig war oder andere Tatbestandteile eine Rolle spielen. “Er muss Beschuldigter eines Strafverfahrens sein”, sagte Kubicki. Denn eigentlich erfahre in 99,9 Prozent der Fälle die Öffentlichkeit nicht von einer Selbstanzeige. Das waren klare Worte.”

Und das heißt wohl auf deutsch: hier stimmt etwas überhaupt nicht. Denn mit der rechtzeitig erfolgten Selbstanzeige steht und fällt wohl die Verteidigungslinie. Lübberding hatte wohl recht:
“Diese Aussage stammt von Hoeneß selbst. Es wird Teil seiner Medienstrategie sein, um sein Überleben als öffentliche Person zu gewährleisten. ” Für Medienfuzzis und Politikberater ein wirklich schöner Frühling: Jobs, Jobs, Jobs.

Und für die CSU kommt es jetzt ganz dick:
http://www.heise.de/tp/artikel/38/38968/1.html
Da klaut Einer dem Staat Bayern 400 Mill. (Ecclestone) und die ach so eifrige Klassenjustiz kümmert sich einen Dreck drum.
Wie sagt man? Die “Erzählung” der Neoliberalen hat jetzt richtig Feuer unter dem Hintern. Wie das politisch optimale Fussballresultat in der Champions League aussehen würde will ich lieber nicht beschreiben. Das gäbe Haue!

Frankie Bernankie April 22, 2013 um 08:42

@luebberding

“Hoeness seine 500 Mio”

Lt. SZ von heute morgen stimmt das nicht mit den 500 Mio, das wäre “höchstwahrscheinlich” ein anderer Fall aus dem Fussballbusiness.
Ich halte dieses Geldvermögen auch für extrem unrealistisch ( aber es gibt ja noch andere Lichtgestalten in dieser Branche :-) ).

Lt. SZ hat Hoeness 3 Mio nachzuzahlen, Kapitalertragsteuer aus unversteuerten Spekulationsgewinnen. Danach soll ihm der ehemalige adidas-Chef Dreyfuss in 2000 “10 bis 15 Mio €” geliehen (!) haben für einen Aktiendeal.

Und das finde ich durchaus heiss.

Geld ausleihen für Aktiienspekulationen?! Und so viel ?! Leute wie Hoeness machen das nur, wenn sie dabei nicht verlieren können. Ich meine, der muss Glück haben , dass er nicht noch wegen Insidergeschäften belangt wird.

f.luebberding f.luebberding April 22, 2013 um 08:56

Frankie Bernankie

Wahrscheinlich hat der SC Freiburg 500 Mio. € in der Schweiz geparkt … . Und den Oberfan der TSG Hoffenheim würde ich nicht unter die Fußballbranche subsumieren … . Aber der Privatkredit des verstorbenen Louis Dreyfus ist schon nobel, das muss ich sagen. Das hat natürlich hiermit nichts zu tun. War doch Dreyfus im März 2001 ausgeschieden und beschäftigte sich lieber mit anderen Dingen.

gelegentlich April 22, 2013 um 09:05

@Frankie Bernankie

Der muss vor Allem damit Glück haben mit der Geschichte durchzukommen, seine Selbstanzeige wäre die erste Information in diesem Fall gewesen – und sie wäre vollständig.
Was ist wenn er auf einer Steuer-CD vorher auffällig geworden ist? Wenn sich herausstellt dass er aus dem Staatsapparat heraus davon Insiderkenntnis bekommen hat? Und Lübberding recht hat mit seiner Vermutung, dass er mit seinen PR-Beratern 3 Monate Zeit hatte diese Sache jetzt zu lancieren?
Dennoch ist der Fall Hoeness ein schlechter kleiner Scherz gegenüber dem Skandal Ecclestone. Soviel Verhältnismäßigkeit muss schon sein.
Mir fällt noch der Schlussatz von Bernau in o.g. Faz-Artikel ein:
“Da geht es den Politikern nicht besser als vielen Familienoberhäuptern: Sie kommen schlicht mit ihrem Geld nicht aus. Am Ende geht es darum, die Ansprüche im Zaum zu halten. Das Wachstum der Wirtschaft in Europa hält nicht Schritt mit dem Wachstum der Ansprüche, sagte Edmund Stoiber – und fand damit, ohne das auszusprechen, die wichtigste Gemeinsamkeit zwischen dem Staat und den Familien.”
Jetzt kommt unter Umständen politisch die Chance auf, die dazu passende richtige Frage zu stellen: Wachstum hin oder her – wann und wie wird jetzt die in den letzten 40 Jahren geraubte Beute zurück gegeben?
Ein wunderschöner Frühlingstag…

Frankie Bernankie April 22, 2013 um 09:19

@Luebberding

“Aber der Privatkredit des verstorbenen Louis Dreyfus ist schon nobel, das muss ich sagen.”

Wahre Freundschaft. Darauf einen Beckenbauer:

http://www.youtube.com/watch?v=kQUJfpcSRQ0

kurms April 22, 2013 um 09:57

@gelegentlich

“Jetzt kommt unter Umständen politisch die Chance auf, die dazu passende richtige Frage zu stellen: Wachstum hin oder her – wann und wie wird jetzt die in den letzten 40 Jahren geraubte Beute zurück gegeben?”

Soweit wird es wohl nicht kommen. Aber immerhin hat die Opposition jetzt ein schönes Fallbeispiel mit dem die Gründe für die Ablehnung des Steuerabkommens zwischen Deutschland und der Schweiz veranschaulicht werden könnten.

Fritz April 22, 2013 um 10:04

Kredit vom Adidas-Chef … ausgerechnet. Ich hatte ja schon oben vermutet, es könnte was mit dem Merchandising-Kram zu tun haben. Das riecht nach Kick-back bzw. “Maklergebühr” … und diese Nettigkeit wäre dann allerdings nah an der Unterschlagung. Auf Kredit spekulieren wäre gegen Hoeness Aversion gegen hohen Verschuldungsgrad. Und er kann ja schlecht mit 100% gehebelt haben, wenn wenn sozusagen die Margin flöten gegangen wäre, dann hätte er den eingetretenen Verlust aus welchem Geld dem Dreyfus gezahlt? Au backe … das kann ja niemand glauben, dass er den “Kredit” nur aus Freundschaft bekommen hat.

Fritz April 22, 2013 um 10:16

Ach nee, da war ja 2000/2001 noch ein dickeres Ding mit Dreyfus auszuhandeln: http://is.gd/0OV1Eu
Wobei Dreyfus keiner mehr befragen kann …

egal April 22, 2013 um 10:54

Dass ein 8stelliges Darlehen schon etwas merkwürdig ist, darauf wies bei Jauch ausgerechnet Oliver Pocher hin.

Treffend fand ich diesen Kommentar zur Hinterziehung.
http://taz.de/Kolumne-Pressschlag/!114902/

Aber: Untreue zu Lasten des FCB. Das überrascht mich schon.

chabis April 22, 2013 um 10:58

Etwas ältere Notiz aus 2011, via aktuellem Kommentar zu einem
Artikel in der “Zeit”

http://www.nordbayern.de/nuernberger-nachrichten/nuernberg/nurnberger-vom-rost-unfair-produziert-1.1184510

Bruchmüller April 22, 2013 um 11:33

So geht das nicht!

Hier geht ja völlig unter, was Andrea Nahles betont hat. Andrea Nahles betonte: “Das ist unmoralisch.”

Jackle April 22, 2013 um 12:29

Dem gewalttätigen Monster Staat vorsätzlich Geld vor zu enthalten, ist eine mehr als lobenswerte Tat. Den Staat bescheißen, wo es nur geht!

So ein widerliches Pack, wie der typische Sozialdemokrat, muss stattdessen mit der Moral anfangen. DIE Sozialdemokraten wagen es tatsächlich noch mit Moral ankommen zu können. Dort liegt der Skandal.

Tod und Hass der SPD! Tod und Hass dem Staat! Steuerhinterziehung für ein schnelleres Ende!

Carlos Manoso April 22, 2013 um 12:35

@Fritz April 21, 2013 um 15:55
„Irgendwie kriegt die Öffentlichkeit das nie hin, zu bemerken, dass auch der Schurke ein Mensch ist, der lediglich das Pech hatte, es versuchen zu wollen. Bei Hoeness steht jetzt zur Debatte, den Menschen für Maskerade zu halten. Die Art, wie er Bayern München fast schon zu einem Vorbild an stiller Wohltätigkeit gemacht hat, ist aber mE nicht Maskerade. Es ist die identische Person. Jetzt gehen ihm 50 bis 80% wieder futsch, vielleicht auch alles, plus Schmach und Scham – fertig. Moralisieren darf jeder, wie er will. Die Spur müsste mE aber woanders hinführen, nämlich zu der Frage, wer wieso dem deutsch-schweizerischen Kapitalverkehr jahrzehntelang däumchendrehend zugeschaut hat.. Und siehe da: Ausgerechnet Peer Steinbrück, dem Rede-Honorar-Schurken, dem muss man es als seine größte Lebensleistung zurechnen, damit begonnen zu haben, der Oasenwirtschaft an den Kragen zu gehen. Soll sich einer auskennen mit den Menschen …“

Fritz, die Faszination des Fußballs besteht wohl auch darin, dass Fussball „Spiegelbild der Gesellschaft. Ausdruck der Seele und Mentalität einer Nation“ ist, „verbindet, bewegt, spaltet“. Folglich musste der Fußball früher oder später erst zum Menschen Hoeneß und dann zum Schurken Hoeneß führen: „Wenn es nach Hoeneß geht, dann ist der Fußball aber auch Abbild der Abgründe des Finanzsystems geworden.“
http://www.brandeins.de/magazin/rechnen/der-kaufmann.html

Nun wäre die Annahme völlig weltfremd, dass das System Fußball –und erst recht nicht das System des Weltkapitals- wie ein physisches Individuum, das einen schweren Infarkt erleidet, auf der Stelle tot umfällt. Nein, ein so hochkomplexes gesellschaftliches System wie das System des Weltkapitals, in mehreren hundert Jahren herausgebildet und entwickelt, kollabiert sicherlich ganz anders als ein physisches Individuum. Einem langsamen Aufstieg entspricht ein relativ schneller Niedergang. Dieser schnelle Niedergang entspricht aber nicht zwingend der alltäglichen Wahrnehmung des Alltagsbewusstseins, das nicht auf diese Schnelligkeit geeicht ist. Um den schnellen Niedergang zu erkennen, bedürfte es somit eines Zeitraffers, der auf eine ganz andere Zeitebene als das normale Alltagsbewusstsein geicht ist.

Was nun Hoeneß betrifft, so wird er vermutlich erst in 0,5 – 1,0 Jahren erfahren, ob er vom Tegernsee nach Stadelheim „einfahren“ muß. Und was Peer Steinbrück betrifft, so weiß Steinbrück offiziell -fürs Publikum- erst in ca. 150 Tagen, daß er noch mal mit Angela Merkel zusammenarbeiten muß.

topi April 22, 2013 um 12:38

Fritz

” Interessant sind die wirklichen Lebensggeschichten einerseits und die medialen “Narrative” andererseits, die die Menschen dämonisieren und zu unverständlichen Charakterteufeln umformen. Das Backenaufblasen vor Empörung empfinde ich oft als billiges Kino: Der Böse sei böse von Natur und der Gute sei gut. Charakterlehre aus der Zeit Molieres. Die Wirklichkeit ist verwickelter. Irgendwie kriegt die Öffentlichkeit das nie hin, zu bemerken, dass auch der Schurke ein Mensch ist, der lediglich das Pech hatte, es versuchen zu wollen. Bei Hoeness steht jetzt zur Debatte, den Menschen für Maskerade zu halten; …wie er Bayern München fast schon zu einem Vorbild an stiller Wohltätigkeit gemacht hat, ist aber mE nicht Maskerade. Es ist die identische Person. Jetzt gehen ihm 50 bis 80% wieder futsch, vielleicht auch alles, plus Schmach und Scham – fertig. Moralisieren darf jeder, wie er will. ”

Klar ist ein Mensch vielschichtig; der KZ-Schlächter ging auch nicht nach Hause und quälte seine Kinder, zumindest nicht jeder.

Das Problem bei gemeinen Steuerhinterziehern liegt eben darin, dass gar kein Unrechtsbewusstsein da ist, ja von interessierten Kreisen noch sowas wie Notstand gegen den fetten Staat kreiert wird.

Sogar hier könnte Hoeness ein Ausnahme gewesen sein, es schien ihn ja zu drücken, das Geld wieder weißzuwaschen.

Aber man muss nun den Brotdieb nich tgleichsetzen mit dem Hinterzieher von Steuern, die für X Schwimmbäder oder Y Lehrerstellen reichen. Aus dem Verständnis für die Individuen erwächst ja auch die Wählbarkeit von Kubicki etc.; Steuerdrücker in der Politik, die den Kapitalinteressen ungefragt Vorschub leisten und dem Hartzer auf der anderen Seite seinen Essenszuschuss kürzen, wenn er die Idiotenmaßnahme (Supermarktsimulation, wir erinnern uns) nicht mitmachen will, bauen ja auch auf dieser Rechtfertigung und auf der Gleichsetzung des Brotdiebs mit dem Millionenbetrüger auf.

Was sagt eigentlich der Alf zur Steuergerechtigkeit? Wenn die Honoratioren mal darlegen, wie schädlich die Nichteinhaltung von Ordnungsrahmen ist, dann sollte doch schnell ein saftiges Abkommen mit den ganzen Oasen aushandelbar sein; oder man verhindert halt jede Überweisung dahin, die Mittel sind da, wie die Amis beim Umgang mit Banken in Irangeschäften bewiesen haben.

jmg April 22, 2013 um 12:39

“Uli Hoeneß ist nicht untergetaucht. Gestern um elf Uhr meldete sich Uli Hoeneß, 61, in unserer Redaktion, wir hatten ihn per Fax an seine Tegernseer Nummer um Rückruf gebeten. Der Präsident des FC Bayern war freundlich, gefasst, aber auch sehr bestimmt.
Er bitte um Verständnis, dass er zur Sache nichts sagen könne, weil die ja nun ein schwebendes Verfahren sei. „Ich werde einige Wochen ins Land ziehen lassen, ehe ich mich äußere.“ Was er aber jetzt schon ankündigen kann, ist: „Gegen die Exzesse in einigen Berichterstattungen werde ich mich anwaltschaftlich zur Wehr setzen.“ Einer Münchner Zeitung kündigte er gar an: „Für die wird das richtig teuer.“

Im gleichen Artikel des Münchner Merkur:
“Unserer Zeitung sagte er vor Jahren in einem Interview: „Ich habe nie ein Steuersparmodell gemacht. Wenn ich meine, ich müsste mehr verdienen, arbeite ich mehr.“ ”

http://www.merkur-online.de/sport/fc-bayern/freiheit-ehre-uli-hoeness-steuer-selbstanzeige-2864472.html

topi April 22, 2013 um 12:42

“Dem gewalttätigen Monster Staat vorsätzlich Geld vor zu enthalten, ist eine mehr als lobenswerte Tat. Den Staat bescheißen, wo es nur geht!”

Ein Mitkommentator hat von seiner drohenden Arbeitslosigkeit bei eher schlechten Arbeitsmarktchancen berichtet. Was wäre denn deine Empfehlung an ihn, wenn alles Geld dem Staat vorenthalten würde?

Nee, vorenthalten können nur die Steuervermeidungsberechtigten; Klein Erna und ihr Schütze Arsch sind immer dran.

Also einfach nur Schwachsinn, Jackle.

topi April 22, 2013 um 12:47

Schatten

“Und wenn Steuerflucht die “schlimmste Form” der Asozialität sein soll – echt? Also mir fielen da ganz andere Sachen ein ”

Natürlich ist das Zulassen von STeuerflucht, Lobbyarbeit für Steuerflucht, die Nichtverfolgung von Steurflucht, die staatlich organisierte Steuerverschenkung (macht Steuerflucht unnötig), deutlich asozialer.

Das nun allerdings nur einer Partei zuordnen zu wollen, ist albern.

Jackle April 22, 2013 um 12:54

Ne, topi. Du bist doch derjenige, der liebend gern mit dem Staat ins Bett steigt und den naiven Glauben hinter her läuft, dass es schon gelingen wird mit den Guthaben und den Schulden, wenn man dich nur machen ließe. Du bist derjenige, der die Steuereintreibung nutzen will um das System wieder “in Ordnung” zu bringen und vergisst scheinbar, dass es die Steuereintreibung ist, die dieses wahnwitzige Wirtschaftstreiben überhaupt entfacht.

Du willst mit dem Teufel den Beelzebub austreiben und dich dabei auch noch auf des Henkers Thron setzen. Klar, wenn man moralisch überlegen ist, geht das immer leicht von der Hand.

Frankie Bernankie April 22, 2013 um 13:15

@topi

“Klar ist ein Mensch vielschichtig; der KZ-Schlächter ging auch nicht nach Hause und quälte seine Kinder, zumindest nicht jeder.”

An den Vergleichen sollt ihr sie erkennen.

Fritz April 22, 2013 um 13:15

@ topi: “Aber man muss nun den Brotdieb nicht gleichsetzen mit dem Hinterzieher von Steuern …” Muss man nicht. Es geht nur darum, dass man weder im einen noch dem anderen Fall automatisch auf den Charakter schließen kann. Das ist ein automasierter Denkfehler, mehr dazu kann man auch bei Kahneman (“Schnelles Denken, langsames Denken”) lesen. Diesem Fehler nicht auf den Leim zu geben, strapaziert das Weltbild, das ist mir schon klar.
Bei Steuervergehen spielt zu Recht für die Bestrafung auch die Höhe der Summe eine Rolle, weil man annehmen sollte, dass mit der Höhe des Schadens die Tathemmung wachsen sollte. Ein anderer Aspekt ist der, welchen Aufwand ein Täter treiben musste bzw. wie leicht ihm die Tat gemacht wurde. Das Kapitalversteck Schweiz war jahrzehntelang eine quasi öffentlich zugelassene Moralprobe, bei der ich weiß nicht wie viel Hunderttausend Deutsche durchgefallen sind. Vom kleinen Handwerker bis zum DAX-Vorstand. Aber daran erkennt man auch: Das größte Versagen lag immer bei der Politik und natürlich bei der Shweiz selbst. Und wie gestern jemand so schön bei Twitter bemerkte: Wann wird endlich Steuerverschwendung im Amt so geahndet wie Steuervermeidung? Der Nachteil für die Gesellschaft ist ja der gleiche.

Soldat Schwejk April 22, 2013 um 13:20

Tja, @ Jackle, wer nicht den Staat bezahlen will, der zahlt dann eben Schutzgeld an Private. Gewiß könnte es auch wieder zu einer Art von materialen Zwangsdiensten kommen, wie es das in der kriminalisierten Untergrundwirtschaft ja eigentlich auch schon/noch gibt… Es gibt immer einen mit der großen Wumme, der andere zwingt. Wenn Du den modernen Leviathan wegnimmst, dann kriegst Du nur direktere und brutalere Formen der Große-Wummen-Wirtschaft und -Herrschaft. Was man auch wirklich ÜBERALL da sehen kann, wo der Leviathan nicht funktioniert oder gar zerfällt.

Bin aber schon wieder weg.

Carlos Manoso April 22, 2013 um 13:25

@Jackle April 22, 2013 um 12:54
„Ne, topi. Du bist doch derjenige, der liebend gern mit dem Staat ins Bett steigt und den naiven Glauben hinter her läuft, dass es schon gelingen wird mit den Guthaben und den Schulden, wenn man dich nur machen ließe. Du bist derjenige, der die Steuereintreibung nutzen will um das System wieder “in Ordnung” zu bringen und vergisst scheinbar, dass es die Steuereintreibung ist, die dieses wahnwitzige Wirtschaftstreiben überhaupt entfacht.
Du willst mit dem Teufel den Beelzebub austreiben und dich dabei auch noch auf des Henkers Thron setzen. Klar, wenn man moralisch überlegen ist, geht das immer leicht von der Hand.“

Jackle, in „Deutschland“ gibt es offiziell ca. 4.800 Mrd. Euro Guthaben. Lt, Bund der Steuerzahler betrugen die Schulden von „Bund, und, Länder und Gemeinden sowie ihre Extrahaushalte … am 30. September 2012 … rund 2.064 Milliarden Euro.“
http://www.steuerzahler.de/Verschuldung/7688c8973i1p477/

So erklärt sich “saldenmechanisch” der quadireligiöse Glaube von „Staatsliebhaber“ Topi, „dass es schon gelingen wird mit den Guthaben und den Schulden“. Der „Staat“ müßte dafür nur „mit dem Teufel den Beelzebub austreiben“ und sich „auf des Henkers Thron setzen“ !

topi April 22, 2013 um 13:44

Jackle, wenn du wie Zara argumentiertest, und ein Refugium mit 149 Gleichgesinnten für die Subsistenzwirtschaft anführtest, ergäbe deine Argumentation einen gewissen Sinn.

Man muss vielleicht nicht so leben wollen, aber so könnte man, immerhin, individuell.

Ein Blick in die Realität zeigt, wie albern das jedoch ist; bzw. wie zynisch, wenn man sagt, sollen die anderen 5,5 Milliarden doch einfach verrecken.

Es gibt keinen Rückzug auf die eigene Scholle. Wenn du aus deinem Job fliegst, und entsprechende Umstände da sind, stehst du halt dumm da; und verreckst. Oder hast die größere Wumme, oder leckst dem Wummenträger den, ähh, die Stiefel.

Schöne Welt, Hauptsache ohne den bösen Staat.

Vieles, was unseren Wohlstand ausmacht, sind öffentliche oder halböffentliche Güter; die also ohne gesellschaftliche Organisation gar nicht bzw. deutlich weniger existierten.

Auch die Primäreinkommen, die Erna und Michel am “Markt” erzielen, hängen ganz drastisch von staatlichem Handeln ab; ohne Lohnersatzleistungen und der Rahmensetzung für Arbeitnehmerorganisation sind die Löhne deutlich niedriger, zumindest bis weit über den Median hinaus, nur die obere und vielleicht auch noch Teile der gehobenen Dienstklasse kriegen, auch weil ihr Subsistenzniveau durch entsprechende ANsprüche an die Darstellung höher ist, etwas mehr.

Wie sieht es denn in zusammenbrechenden Staaten aus?
Lebensmittelhilfe aus dem Ausland, nicht ausbrechender Massenwohlstand.

topi April 22, 2013 um 13:47

Der Wahnwitz am Wirtschaftstreiben, dass also immer größere Teile der “Wertschöpfung” negative Wirkungen haben, wird nicht durch Steuereintreibung entfacht.

Oder wie wird die Ölfirma gezwungen, ganze Regionen zu verseuchen, mal konkret?

Und wie handelte sie, ohne staatliche Rahmensetzung?

topi April 22, 2013 um 13:48

Carlos

Also das ist nun sehr schwach.
Staatsverschuldung vs. privates Geldvermögen, das ist doch albern.

Dann musst du schon die gesamtverschuldung raussuchen, um irgendwie sinnvolle Aussagen treffen zu können.

topi April 22, 2013 um 13:50

Frankie

Das war kein Vergleich Hoeness mit KZ-Aufsicht.

Fritz sprach die Kategorie der moralischen Inhomogenität von Menschen an; und da stimmte ich zu, gerade mit einem Extrembeispiel.

topi April 22, 2013 um 13:53

Fritz

Wir sind uns bzgl. der Charakterfrage weitgehend einig.

Allerdings wendete ich mich oben dagegen, den Vorgang der Steuerhinterziehung zu relativieren, weil doch alle Charaktere verschiedene Aspekte haben.

Das gilt natürlich auch für das komplette “Verdammen” von Menschen.
Das findet allerdings in den Medien, die ich konsumiere, mit Hoeness gar nicht statt, nach meinem EIndruck.

Carlos Manoso April 22, 2013 um 14:07

@topi April 22, 2013 um 13:48
„Carlos, Also das ist nun sehr schwach.
Staatsverschuldung vs. privates Geldvermögen, das ist doch albern.
Dann musst du schon die gesamtverschuldung raussuchen, um irgendwie sinnvolle Aussagen treffen zu können.“

Topi, schon klar, ich übersah fast schon, dass du mit dem Vorschlag in Betracht ziehst, dass es nicht nur mit dem Staat, sondern komplett mit dem System des Weltkapitals zu Ende gehen könnte, wenn du mich „saldenmechanisch“ schon mal vorsorglich die gesamtverschuldung raussuchen“ lassen willst.

Carlos Manoso April 22, 2013 um 14:19

@topi April 22, 2013 um 13:53
„ das komplette “Verdammen” von Menschen … findet allerdings in den Medien, die ich konsumiere, mit Hoeness gar nicht statt, nach meinem EIndruck.“

Topi, „BVB-Coach Jürgen Klopp und fürchtet vielmehr alleinige Dominanz des FC Bayern München. (…) Bayern-Boss Uli Hoeneß hatte jüngst offen Konzepte eingefordert, um einer Zweiklassengesellschaft in der Bundesliga entgegenzuwirken. „Wir sind der Meinung, dass die großen Vereine zurückstecken müssen, auch wenn sich dadurch im internationalen Vergleich Probleme ergeben“, hatte Hoeneß nach dem 6:1-Pokalsieg der Münchner im Halbfinale gegen Wolfsburg gesagt. „Barcelona oder Real bekommen alleine 100 Millionen Euro durch die TV-Vermarktung. Dies müssen wir durch Sponsoreneinnahmen ausgleichen.”
http://sportbild.bild.de/SPORT/bundesliga/vereine/borussia-dortmund/2013/04/18/juergen-klopp/ich-sehe-eher-schottische-verhaeltnisse.html

Vielleicht wollte Hoeneß ja in “Sportbild” seine neueste Idee lancieren, nach seiner Selbstanzeige jetzt völlig legal zum millionenschweren Sponsor seines Vereins FC-Bayern zu werden, um eine Zweiklassengesellschaft in der Bundesliga zu verhindern.

ruby April 22, 2013 um 14:46

Hat Die Zeit die Titel verballdöselt?
“Steuerhinterziehung:
Merkel distanziert sich von Hoeneß
und
Uli Hoeneß:
Muss der Bayern-Präsident ins Gefängnis?”
statt :
Bayern-Präsident distanziert sich von Hoeneß
bzw.
Muss Merkel ins Gefängnis?
;-)
Wer sattelt die Kavallerie der STEUERPRÜFER
Wieviel neue Regimenter werden eingestellt, damit Prüfungszeiträume von z.B. 40ig Jahren Bayern der Vergangenheit angehören?

Aus der Bruchmühle April 22, 2013 um 17:45

@ topi

Habe speziell an Dich einige Fragen. Hast Du jemals von einem “Staat im Staate” gehört? Was schätzt Du, wie viele solche Staaten im Staate (oder “Funktionssysteme”) sich im Lauf der Zeit “entfaltet” haben? Das perfektioniert sich ganz von selbst, und zwar solange, bis es an Perfektion erstickt. Ich bin fast sicher, dass schon daran gerechnet wird, wann es soweit sein wird. Und bin ganz sicher, dass es danach mit sowas wie einem Staat versucht werden wird.

Gregor Keuschnig April 22, 2013 um 20:00

Wie schön, endlich der entgangene Aufregungsgewinn von Wulff endlich eingeholt: Diesmal geht es nicht um Bobbycars oder eine Hotelübernachtung, sondern um Millionen. Die ARD leistet sich heute die zweite Konjunktiv-Show innerhalb 24 Stunden, aber es ist einfach am schönsten etwas zu sagen, wenn man so rein gar nichts weiß.

Mich überraschen die medialen Nachrufe auf eine Lichtgestalt Hieneoß, die ich so nie gesehen habe. Er hat – soweit ich das beurezlen kann – den Verein höchst professionell und gut geführt. Was er sonst gemacht hat ist höchstens Fußball-Charity und demnach lächerlich. Warum für den FC St. Pauli und nicht für Alemannia Aachen? Hoeneß ist – und das ist die Überraschung für so viele – ein Mensch mit allen Stärken und Schwächen eines gierigen Wirtschaftsmagnaten. Und? Ab in den Knast – wenn es denn ein Gericht entscheidet. Ansonsten: Was doch eine schöne Zeit, oder?

ruby April 22, 2013 um 21:08

vierzig Jahre im Geschäft
http://www.youtube.com/watch?v=ZHrgD-gllCk
“it`s getting better every day”
gibson blues pur
upfront

Jackle April 22, 2013 um 21:42

“Wenn Du den modernen Leviathan wegnimmst, dann kriegst Du nur direktere und brutalere Formen der Große-Wummen-Wirtschaft und -Herrschaft. Was man auch wirklich ÜBERALL da sehen kann, wo der Leviathan nicht funktioniert oder gar zerfällt.”

Ich will ihn nicht wegnehmen. Ich nehme mir aber heraus ihn als das zu bezeichnen, was er im Kern trotz aller modernen Rechststaaterei immer noch ist. Nur so, wenn man ihn beschimpft, beschmeißt und er sich dann einmal selbst auflösen wird, kann etwas neues, anderes und besseres entstehen. Der geht ja nicht freiwillig. Der wird von geistig Verrückten in einen europäischen Superstaat überführt und seine kalte Hand des Todes hat sich noch gar nicht richtig eingegriechelt.
Die Zäsur fand doch immer noch nicht statt. Topi schwingt sich auf den Staat einzusetzen um diese Zäsur herbei zu führen. Da sag ich: “Spielt nicht mit dem Feuer!”

Wenn Herrschaft in gewissem Maße nicht nicht zu haben ist, ziehe ich die regionale, lokale, von Angesicht zu Angesicht und direkte Rätedemokratie vor.
Nur stehen ja die Interessen von Einigen, aber sicherlich nicht Uli Hoeneß, dem entgegen. Auf der einen Seite die Großkapitale und juristischen und realen Einzelpersonen, die den Staat benützen um ihr Eigentum gegen alles mit Gewalt und Staatsmacht zu verteidigen und es dabei auch noch schaffen die Staaten zu erpressen. Auf der andere Seite jene, die sich selbst als die besseren Herrscher ansehenden Umverteiler ala topi, der anscheinend immer noch nicht so richtig weiß, wie das alles nicht funktionieren kann, wenn er mal so eben den roten Draht durchschneidet.

Deshalb: Mehr Clowns, mehr Alternativlosigkeit, mehr Sprachgewirr in Brüssel, mehr Staatsschulden, mehr Party und dann lasst mal sehen, wie man auch ohne ferne Politik etwas reißen kann, wenn man etwas reißen muss, weil er plötzlich nicht mehr da ist.
Vorher können andere aber natürlich gerne stalinistischen Träumen hinterher laufen und das als die Moral verkaufen, der sich niemand ernsthaft verwehren kann.

gelegentlich April 22, 2013 um 22:06

@Jackle
So viel naiver Charme ist natürlich nicht Jedermanns Lebensabschnittsphilosophie.
So weit würde ich bei der Charakterisierung von @topi nicht mal gehen. Er schlägt offenbar vor sich praktisch an jene Zeiten zu erinnern, als der Produktivitätszuwachs auch anteilig verteilt wurde. Ob das heute noch ginge weiß ich nicht. Von selbst geht es nicht.
Über den privaten Hoeneß würde ich mich hier niemals äußern. Darüber, dass die öffentliche Figur, die er vorgetragen hat, jetzt jede Glaubwürdigkeit verloren hat, freue ich mich. Diese selbstzufrieden-rülpsende Grundhaltung, die er medial verbreitet hat, würde übrigens gut zur AfD passen.

Soldat Schwejk April 22, 2013 um 22:49

@ Jackle – ” Nur so, wenn man ihn beschimpft, beschmeißt und er sich dann einmal selbst auflösen wird, kann etwas neues, anderes und besseres entstehen. [...] Wenn Herrschaft in gewissem Maße nicht nicht zu haben ist, ziehe ich die regionale, lokale, von Angesicht zu Angesicht und direkte Rätedemokratie vor.”

Hm… ein Staat, der sich selbst auflöst, wenn man ihn beschmeißt, das wäre wohl in der Tat ein Scheißstaat…

Aber woher Ihr immer so die Gewißheit nehmt, daß Eure Wunschträume Realität werden, wenn sich nur erst einmal alles auflöst… also das ist schon ein erstaunliches Phänomen. Der @Carlos Manoso scheint ja auch zu glauben, daß nach dem großen Untergang der Weltfrieden kommt, wenn sich alle nur zuvor ein gutes Kochbuch anschaffen.

Man könnte ja zur Abwechslung mal empirisch urteilen und sich anschauen, was ganz real dort geschieht, wo Staaten untergehen. (Gibt es dann “regionale, lokale, von Angesicht zu Angesicht und direkte Rätedemokratie”? Oder gibt es was anderes?)

Aber nein, stattdessen wird hier munter drauflos phantasiert.

Übrigens @Jackle, nix für ungut, aber das muß jetzt mal sein: Du bist ja wohl Anarchist. Der @Holger ist auch irgendwie Anarchist, jedenfalls sieht er auch den Staat als Feind und will alles kleinteiliger haben. Nun konnte man unlängst verfolgen, wie Ihr zwei beide hier ein herzzerreißendes Duett voller anarchistischer Brüderlichkeit aufgeführt habt. Das war wirklich sehr aufschlußreich, vielen Dank noch nachträglich. Man konnte sich da lebhaft vorstellen, wie die “regionale, lokale, von Angesicht zu Angesicht und direkte Rätedemokratie” erblühen wird, wenn die Herren Staatsfeinde erst einmal am Ziel ihrer Träume sind und kein Leviathan mehr zwischen sie tritt, so sie mit ihrer kleinteiligen Mediation anheben. Hoffentlich wird die Sache dann aber dort veranstaltet, wo keine menschlichen Siedlungen in der Nähe sind.

Da stehe ich dann doch dem linken Etatismus, also dem Topistanertum, weit näher… zumal es so geduldig und besonnen daherkommt…

Soldat Schwejk April 22, 2013 um 22:56

… freilich braucht es im Kampf gegen die Oligarchie gelegentlich die Guillotine…

Soldat Schwejk April 22, 2013 um 22:59

… was jetzt niemand auf den Hoeneß beziehen möge…

Jackle April 22, 2013 um 23:35

“Aber woher Ihr immer so die Gewißheit nehmt, daß Eure Wunschträume Realität werden, wenn sich nur erst einmal alles auflöst”

Ach, Wunschträume. Die habe ich schon länger hinter mir gelassen. Mein Punkt ist eher, dass sich alles auflösen wird und es wirklich nichts gibt, was es aufhalten könnte. Das ist die eigentliche Alternativlosigkeit, der sich immer weiter funktional aufdifferenzierenden Moderne. Der Anti-Goodnight, wenn man so will.

” wenn die Herren Staatsfeinde erst einmal am Ziel ihrer Träume sind und kein Leviathan mehr zwischen sie tritt”

Ach, dann bricht das Chaos aus und wir schlagen uns alle die Köpfe ein, ich weiß. Naja, vielleicht auch nicht. Ich könnte mir eigentlich sehr gut vorstellen, dass gerade Holger und Ich uns einfach aus dem Weg gehen werden. Und darum würde mir es auch gehen.
Wenn bekloppte Kleinbürger sich Gartenzwerge in den Garten stellen und die Rasenhöhe des Nachbarn Millimeter genau nachmessen, dann sollen diese Bekloppten von mir aus zusammen in ihren Kleingartensiedlungen leben und sich gegenseitig heftig auf die Nerven gehen. Nur sollen mir die Bekloppten mit ihrer Gossenmoral bitte nicht anhand der politischen Speerspitze der Sozialdemokratie vorschreiben, was, wie viel und wie hart man doch zu arbeiten hat um nicht auf dumme Gedanken zu kommen.

Wie soll der Müßiggang gepredigt werden, wenn topis Etatisten ihre Umverteilen und Gerechtigkeitsparanoia voll ausleben wollen? Das geht gesellschaftsweit doch nur mit der besseren Moral, die am Ende sicherlich nicht zu mehr Müßiggang führen wird und die Arbeitslosigkeit (“Wir sind die ARBEIT los!”) und Faulheit bleibt weiterhin der Anlass, dass berühmte Sozialdemokraten einen in den Tod schicken wollen.

Morph April 22, 2013 um 23:39

@Soldat Schwejk

“Nun konnte man unlängst verfolgen, wie Ihr zwei beide hier ein herzzerreißendes Duett voller anarchistischer Brüderlichkeit aufgeführt habt. Das war wirklich sehr aufschlußreich, vielen Dank noch nachträglich. Man konnte sich da lebhaft vorstellen, wie die “regionale, lokale, von Angesicht zu Angesicht und direkte Rätedemokratie” erblühen wird, wenn die Herren Staatsfeinde erst einmal am Ziel ihrer Träume sind und kein Leviathan mehr zwischen sie tritt, so sie mit ihrer kleinteiligen Mediation anheben.”

Gut gegeben, nur leider falsch. Hunde, die bellen, beißen nicht o.s.ä. Dass der Staat uns vor der Köppeeinschlagerei schützt, ist nun wirklich ein arger Kurzschluss. Hobbes ist ein eindrucksvoller Klassiker, aber anthropologisch komplett vorwissenschaftlich. Ich meine, Du glaubst doch auch nicht an die Schädellehre oder den autosexuell induzierten Rückenmarkserweichung? Na also!

Die schwer erträglichen und schwer veränderlichen Probleme der gegenwärtigen Gesellschaft sind m.E. weder staatlich verursacht, noch staatlich zu lösen, sondern resultieren aus einer – anthropologisch betrachtet – überbordenden materiellen Produktivität/Destruktivität, für die es keine gesellschaftliche Form mehr gibt, die von den Beteiligten als sinnvoll erfahrbar ist.

Die Klasse der ‘Überflüssigen’ ist ja schlicht ein Produkt der Geldwirtschaft + abundanter Ressourcen. Die Geldwirtschaft sollte man, das lehrt die historische Erfahrung, nicht abschaffen, wenn man nicht den Kollaps der hochdifferenzierten Arbeitsteilung provozieren möchte, aber das mit den abundanten Ressourcen wird sich erledigen.

Mag sein, dass es naiv ist, aber ich hoffe tatsächlich auf die Grenzen der Intensivierung materieller Verstoffwechselung. Die mittelfristig sich immer stärker zur Geltung bringende Tendenz zur materiellen Kreislaufwirtschaft wird die produktiven/destruktiven Hypertrophien der Moderne nicht mehr zulassen und mehr und mehr Chancen und Notwendigkeiten für realistische (i.e. als sinnvoll erlebbare) Gesellschaftsformen eröffnen.

Der moderne Staat wird nicht ‘absterben’, denn die Möglichkeiten rationaler Verwaltung können wegen ihre de jure globalen Realisierung nicht vergessen werden. Es gibt kein ‘barbarisches’ Außen mehr, das dumm und frisch von vorne anfangen könnte.

Bis es soweit ist, sollte man sich m.E. darin üben, sich vom laufenden Schwachsinn nicht verrückt machen zu lassen, und gemäß der eigenen Freiheitsgrade (die ja doch beträchtlich sind) nicht bei jedem Schwachsinn mitmachen, sondern ihn, wo es geht, eindämmen.

Soldat Schwejk April 23, 2013 um 00:46

Etwas unvollständig, kurz nach Mitternacht…

@ Jackle

Nun ja, ich weiß nicht was “topis Etatisten” so wollen und wieviele er davon eigentlich unterm Sofa hat. Gerade ihm tust Du aber, wie ich glaube, Unrecht, wenn Du ihm ein produktivistisches Moralisieren vorwirfst. Und, nun… die Forderung nach einer zwangfreien Grundsicherung ist allen genannten Protagonisten wohl gemein… ob man die jetzt primär mit Umverteilung begründet (Verhandlungsmacht derer unten steigern) oder postmaterialistisch (raus aus dem Zwang zum Hamsterradtreten), ist ja erst mal zweitrangig. Man muß nicht mit Macht grundsätzliche Differenzen aufbauen, wo sie eigentlich in der Sache sehr überschaubar sind… “Man muß das ja mal politisch sehen”, würde ich sonst schreiben, wäre an Dich aber wohl falsch adressiert…

@ Morph

O.K., dann wird von mir aus weniger verstoffwechselt. Verstehe ich Dich richtig, glaubst Du, daß es dann zu weniger Verteilungskämpfen kommt? Weniger zu verteilen –> weniger Verteilungskämpfe? Scheint mir kontraintuitiv und auch nicht gerade den geschichtlichen Realitäten entsprechend. Wie haben die Gesellschaften Europas auf die klimatischen Einbrüche der Kleinen Eiszeit reagiert, die ja auch vielerorts mit einer Ressourcenverknappung einherging? Doch eher mit einer konflikthaften Dynamisierung, nicht mit einem Zurück zur Kreisaufwirtschaft etwa der alten Fronhofverbände.

Die gesellschaftlichen MACHTverhältnisse vom Status Quo Ante verschwinden doch nicht in irgendwelchen Transformationsprozessen, und seien diese auch extern bedingt (auch wenn hier viele sowas zu glauben scheinen). Und deshalb ist es auch wenig sinnvoll, nur auf die “Klasse der Überflüssigen” zu schauen und deren eventuelle Anpassungsstrategien. Entscheidender sind vermutlich die Machterhaltungsstrategien der Oligarchen und der Klassen mit Positionsmacht.

Daß eine abstrakte Anthropologie sowas wie Geschichte und Gesellschaft erklären kann, glaube ich nicht, aber das hatten wir schon mal… Und wie gesagt, empirisch urteilen: Kommt es bei Staatszerfall und damit einhergehendem wirtschaftlichem Chaos eher dazu, daß Leute einander die Köppe einschlagen… und zu verschärften Formen von gewaltsamer Ausbeutung? Oder kommt es eher zu friedlichen, kleinteiligen Kreislaufwirtschaften?

Morph April 23, 2013 um 01:36

@Soldat Schwejk

“O.K., dann wird von mir aus weniger verstoffwechselt. Verstehe ich Dich richtig, glaubst Du, daß es dann zu weniger Verteilungskämpfen kommt?”

Ich finde den Begriff Verteilungskampf irgendwie irreführend. Es ist doch so, dass die fortschreitende Akkumulation von Vermögen und die zunehmende Prekarisierung kein Ergebnis von Verteilungskämpfen sind, sondern nach dem Abbau der klassischen Industriearbeit in den entwickeltsten Ländern gerade durch das Ende der Verteilungskämpfe (nämlich das Ende einer Arbeiterschaft mit Drohpotenzial) allein durch die Logik der Geldwirtschaft herbeigeführt wurde, ohne jeden Kampf.

“Kommt es bei Staatszerfall und damit einhergehendem wirtschaftlichem Chaos eher dazu, daß Leute einander die Köppe einschlagen… und zu verschärften Formen von gewaltsamer Ausbeutung? Oder kommt es eher zu friedlichen, kleinteiligen Kreislaufwirtschaften?”

Mein Argument geht ja andersherum: Wenn wegen natürlicher Grenzen Kreislaufwirtschaften notwendig werden (und also entstehen), verliert auch das Zentralisierungsmotiv seine Kraft. Konzerne können Bankrott gehen, ohne dass sich die Leute die Köppe einschlagen. Regelungskompetenzen können verwaltungstechnisch dezentralisiert werden, ohne dass sich die Leute die Köppe einschlagen.

Deine Idee, dass jenseits des Nationalstaats der Bürgerkrieg droht, ist systematisch nicht nachvollziehbar. Dass der ereignishafte Kollaps von Staaten sinnlos ist und Gewalt nach sich zieht, ist kein Gegenargument.

topi April 23, 2013 um 01:37

@ Bruchmüller

Aber dafür gibt es doch Stoiber mit seiner Bürokratieabbaufunktionseinheit!

@ all Missversteher

Es geht um Steuerhinterziehung in Millionenhöhe, und die entsprechenden Gesetze, die dies nicht verfolgen, und auch die, die dies, natürlich nur für die Spitzeneinkommensbezieher, legal ermöglichen.

Also genau die Einkommen, die den Neuverschuldungszwang nach sich ziehen, weil sie nicht ausgegeben werden sollen.

Man man man, da schreibt man sich die Finger fusselig, und dann sowas. :roll:

topi April 23, 2013 um 02:16

Jackle

” Wie soll der Müßiggang gepredigt werden, wenn topis Etatisten ihre Umverteilen und Gerechtigkeitsparanoia voll ausleben wollen? Das geht gesellschaftsweit doch nur mit der besseren Moral, die am Ende sicherlich nicht zu mehr Müßiggang führen wird und die Arbeitslosigkeit (“Wir sind die ARBEIT los!”) und Faulheit bleibt weiterhin der Anlass, dass berühmte Sozialdemokraten einen in den Tod schicken wollen.”

Ach, ich bin also auch noch Münte, interessant.

Wird mal wieder Zeit für den Disclaimer: ich wählte NIE SPD; das habe ich offensichtlich nur mit wenigen hier gemeinsam, enttäuschte Liebe weit und breit. .roll:

Was soll die Gerechtigkeit hier?

Weil Millionäre keine Steuern hinterziehen sollen, muss jeder ins Arbeitslager; und wenn sie ihre Steuern hinterziehen dürfen, dann fällt das Arbeitslager aus, mangels Kohle, so etwa?

Mir scheint, du erzählst vom Märchenland.

Wenn die Staaten weniger STeuern von den Kapitaleignern und den oberen DIenstklassen (na selbstverständlich zählt zumindest zu letzteren auch Hoeness, und auch zweistelliges Millionengeldvermögen ist weit weg von irgendeinem “Mittelstand”) einnehmen, repressieren sie weniger?

Oder schröpfen die noch verfügbaren Steuertrottel schärfer?

Außerdem sollte dir mal auffallen, dass ich nicht mit Gerechtigkeitsargumenten daherkomme.

“Umverteilung” ist doch kein Selbstzweck zur Gleichmacherei.
Die Bereitstellung bzw. Ermöglichung der Bereitstellun göffentlicher Goter ist nun mal ureigene Aufgabe von Gesellschaften, weil diese privat nicht existieren. Der Staatseinfluss erhöht damit die Wertschöpfung der gesellschaft.

Auf lokaler Ebene lässt sich mittlerweile dezentrale Energieversorgung installieren, schön.
Bei Bildungssystemen dürfte es kaum über ein Gymnasium hinauslaufen, die Studienräte müssen schon vom Himmel fallen.
Überregionale Infrastruktur? Weg damit. Gesundheitswesen? Gut, die kann man lokal zu mir schicken, dann spart man sich schon viele Arztbesuche. :roll:
Und Altersvorsorgung hängt eben nur vom eigenen Kinderkriegen ab, Pech gehabt.

Also ich hab ja drei. Beibringen kann ich denen auch genug, und intelligent werden sie sowieso, durch geeignete Anregungen in möglichst viel Freiheit. Krank werde ich eh nicht.
Also weg mit Gesundheits- und Rentensystem.
Dann reiß ich bei meiner Mutter die Blumen und Koniferen aus dem Garten und lege Kartoffeln. Die Obstbäume wachsen schon. Und Strom gibts auch, mus sman sich eben einschränken.

Also wenn du garantierst, dass keine mardoierenden Banden durch die Straße nziehen, dann schaff ihn von mir aus ab, den Staat.

Aber beklag dich nicht. Das Sozialprodukt wird massiv schrumpfen, entsprechend deine Möglichkeiten, Brot zu verdienen. Und über Müßiggang lässt sich gut filosofieren, wenn man denn satt ist und anständig wohnt etc.; ansonsten ist es müßig.

Besteuerung nach Leistungsfähigkeit, ganz einfach.

topi April 23, 2013 um 02:36

gelegentlich

” . Er schlägt offenbar vor sich praktisch an jene Zeiten zu erinnern, als der Produktivitätszuwachs auch anteilig verteilt wurde. Ob das heute noch ginge weiß ich nicht. Von selbst geht es nicht.”

Natürlich geht es nicht von selbst. Allerdings muss es gehen, weil es sonst nicht mehr geht (falls nicht die MMT-ler die Notenbanken entern). Die Frage ist nur, wie lange es dauert bis dahin.

Wir haben WWK I als Blaupause.
Und simple Grundschulmathematik zur Erklärung, wieso es denn bei starker EInkommenskonzentration (bei nicht ganz so starker Ausgabewunschkonzentration) zu Neuverschuldung kommen muss, jedes Jahr; dass jährliche Zinseinkommen den Prozess verschärfen; dass irgendwann der Neuverschuldungsabriss kommt, weswegen auch immer, und dann die normale jährliche Tilgung das Problem durchaus schlagartig eskalieren lassen kann.

Derzeit ist die Eurozone auf dem Brüning-Merkelschen Kurs (und weiß gar nicht, welch Glück sie hat, dass anderswo anders gehandelt wird). Dann kommt die notwendige Rückentwicklung der EInkommensverteilung eben erst, wenn die Industrieproduktion um 50 % oder mehr gefallen ist. Kann man so machen; muss man aber nicht.

Damals war ja auch zu besichtigen, wie knapp “der Kapitalismus” nach so einer ganz großen Krise überlebt hat. Die CDU sprach vom Sozialismus in ihrem Programm.

Warum war das so? Nicht weil die Menschen EInsicht in saldenmechanische Zusammenhänge gewannen, sondern weil sie es schlicht nicht mehr akzeptieren wollten, dass sie nix zu fressen haben, während Kohlen und Reibach die Milliarden stapeln.

topi April 23, 2013 um 03:02

Morph

“Ich finde den Begriff Verteilungskampf irgendwie irreführend. Es ist doch so, dass die fortschreitende Akkumulation von Vermögen und die zunehmende Prekarisierung kein Ergebnis von Verteilungskämpfen sind, sondern nach dem Abbau der klassischen Industriearbeit in den entwickeltsten Ländern gerade durch das Ende der Verteilungskämpfe (nämlich das Ende einer Arbeiterschaft mit Drohpotenzial) allein durch die Logik der Geldwirtschaft herbeigeführt wurde, ohne jeden Kampf. ”

Woher kommt denn das “Ende des Drohpotenzials”? Ein Naturereignis?
Nur weil der Anteil des primären Sektors gesunken ist, sinkt doch nicht das Drohpotenzial.
Das sinkt durch eine Zersplitterung der Arbeiterschaft, durch Outsourcing aller möglichen (und auch unmöglichen) Dienstleistungen aus dem Kerngeschäft.
Durch gesetzliche Möglichkeiten, Tarife zu unterlaufen.

Durch sinkende Lohnersatzleistungen mit stark verschärften Zugangsbedingungen.

Die Nichtkontrolle von Monopolen und Oligopolen.

Das verschiebt alles erheblich die PrimäreInkommen auf die Kapitalseite.

Dazu die Änderungen bei der Besteuerung. Drastischer Abbau der Spitzenbesteuerung (USA von 70 auf 35 Prozent, D von 54 auf 42), noch stärker bei Kapitalbesteuerung, Senkung von Vermögenssteuern, dafür starke Anhebung von Verbrauchssteuern und Sozialabgaben (nur für kleine und mittlere EInkommen aus Lohnarbeit in D) sowie kommunalen Kopf/Haushaltssteuern/abgaben.

Und die “Logik der Geldwirtschaft” konnte sich auch nur durch die Deregulierung des Finanzunwesens durchsetzen.

Wir kennen doch die einzelnen Maßnahmen, und auch die Protagonisten (zumindest die ihren Kopf in die erste Reihe gehalten haben. Müssen wir die nochmal durchgehen, hast du sie vergessen?

“Mein Argument geht ja andersherum: Wenn wegen natürlicher Grenzen Kreislaufwirtschaften notwendig werden (und also entstehen), verliert auch das Zentralisierungsmotiv seine Kraft. Konzerne können Bankrott gehen, ohne dass sich die Leute die Köppe einschlagen. Regelungskompetenzen können verwaltungstechnisch dezentralisiert werden, ohne dass sich die Leute die Köppe einschlagen.”

Wie schliesst du, dass Kreislaufwirtschaften wegen global knapper werdender Rohstoffe regional sein werden?

Lokale Autoproduktion und Waschmaschinenherstellung erscheint mir ebenso wenig wahrscheinlich wie Batterierecycling und Leuchstoffröhrenaufarbeitung.

Es könnte zu einer Zunahme der Wichtigkeit lokalen Handwerks kommen, lokale Energierzeugung sieht man schon am Horizont, lokale Landwirtschaft gibt es zumindest als Begriff.
Aber von regionaler Autarkie ist man doch sehr weit entfernt; wahrscheinlich erheblichen Lebensstandard.

Jackle April 23, 2013 um 03:16

“Kommt es bei Staatszerfall und damit einhergehendem wirtschaftlichem Chaos eher dazu, daß Leute einander die Köppe einschlagen… und zu verschärften Formen von gewaltsamer Ausbeutung? Oder kommt es eher zu friedlichen, kleinteiligen Kreislaufwirtschaften?”

Das erstere ist wahrscheinlicher, aber die Chance besteht vielleicht zum ersten Mal, dass es bei wirtschaftlichem Chaos und damit einhergehenden Staatszerfall nicht dazu kommt, dass die zivilisatorische Decke, in die sich der moderne Staat hüllt, als allzu dünn heraus stellt. Dass man bei zusammenfallenden just-in-time Großnetzwerken darauf hofft, dass der Staat das schon locker und sanft über die Runden schaukeln wird um dann einfach so wie vorher weiter zu machen, halte ich dagegen auch nicht für allzu wahrscheinlich.

@topi
“Besteuerung nach Leistungsfähigkeit, ganz einfach.”
“Außerdem sollte dir mal auffallen, dass ich nicht mit Gerechtigkeitsargumenten daherkomme.”

Weiß nicht. Jedenfalls nimm es nicht persönlich, da mit dem von mir Geschriebenen auch eher nicht du persönlich gemeint warst. Ich bewundere ja deine Geduld das alles weiter exakt so vorzutragen und deine Euphorie, wenn im Nachbarland ein Hollande gewählt wird, aber das spiegelt die Naivität wieder, die sich ebenso darin findet, dass du weiterhin daran glaubst mit ein paar Stellschrauben die Weltmaschinerie zu heilen und wieder flott zu machen.
Deine potentiellen politischen Mitstreiter wären nun mal diejenigen, die sich Sozialdemokraten schimpfen. Und mit deren münterianischen Moralvorstellungen würde ich ja nichts zu tuen haben wollen.

Aber, chillt, Freunde. Macht mal. Ich durfte die Erfahrung machen, wie es ist mit jetzt jungen Menschen für Wochen auf engsten Raum und unter argen Bedingungen eingepfercht gewesen zu sein und war jedes Mal sehr erstaunt, wie schnell anders und besser für Alle ihr Umgang mit allen Anderen war, wenn der Raum und die Möglichkeit da war sich etwas feier zu entfalten und die uns umgebenen unsichtbaren Grenzen weiter weg erschienen. Da taten sich positive Abgründe auf, die ein unglaubliches Potential versprühten, welches ungenutzt herum liegt. Und warum? Das Geld fehlt! Haha!

Morph April 23, 2013 um 08:20

@topi

“Nur weil der Anteil des primären Sektors gesunken ist, sinkt doch nicht das Drohpotenzial.”

Doch, ich denke schon. Wobei es nicht nur um den ersten Sektor geht, sondern un Bergbau und verarbeitendes Gewerbe. Die fortschreitende Automatisierung und Globalisierung in diesem Bereich der Wirtschaft hat die kollektive Subjektivität der Arbeiterschaft zerstreut und kampfunfähig gemacht.

Es ist doch völlig abwegig, dass da irgendwann in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts irgendwelche Gruselpuppen wie Thatcher und Reagan und ihre weltanschaulichen Berater den Sozialismus niedergerungen und den Neoliberalismus als tonangebende Ideologie durchgesetzt hätten.

Das wäre etwa so, als würde man irgendwelchen minderbemittelten gegenwärtigen Teeniepopidolen zurechnen, aus freiem Entschluss und subjektiver Willensenergie die Reichweite formal raffinierterer und originellerer Populärmusik zu unterdrücken.

Was mich an der Kritik des Neoliberalismus hier und anderrswo am meisten stört, ja geradezu richtig fuchsig macht, weil ich nicht weiß, was man diesen intellektuellen Irrsinn entgegensetzen soll,, das ist die Tatsache, dass ständig den Justin Biebers der Weltpolitik eine Handlungsmacht zugerechnet, die in Wahrheit sein stumpfdummes Publikum in seiner monströsen Massivität ausagiert und ausagieren kann.

Der Neoliberalismus, das sind WIR!

I. Wengel April 23, 2013 um 08:57

Ist Uli Hoeneß ein eiskalter Steuerhinterzieher oder die deutsche Finanzverwaltung ein eiskalter Exekutor der Befehle Adolf Hitlers?

Die durch die Medienhatz auf Uli Hoeneß aufkochende Empörung der deutschen Volksseele wegen dessen angeblicher Steuerhinterziehung in allen Ehren, aber zum Thema ein paar echte Fakten statt im Grunde – wohl der Unfähigkeit zur Recherche geschuldeter – unsubstantiierter Polemik:

1. Uli Hoeneß hat gemäß Art. 20 Abs. 3 GG das gemäß Art. 79 Abs. 3 GG unabänderliche und gemäß Art. 1 Abs. 3 GG alle staatliche Gewalt bindende unmittelbar geltende Grundrecht auf die ausschließliche Anwendung von geltenden Gesetzen, in diesem Falle durch die Finanzverwaltung.

2. Als Gesetzesgrundlage für die Erhebung von Einkommensteuern (auch für Uli Hoeneß) bemüht die Finanzverwaltung das Einkommensteuergesetz.

3. Das Einkommensteuergesetz trat am 16.10.1934 in Kraft und wurde von Adolf Hitler persönlich erlassen und unterzeichnet auf der Grundlage des »Gesetzes zur Behebung der Not von Volk und Reich« (RGBl. I S. 141), dessen Artikel 1 bestimmte: »Reichsgesetze können außer in dem in der Reichsverfassung vorgesehenen Verfahren auch durch die Reichsregierung erlassen werden.«, und welches vom Reichspräsidenten von Hindenburg, dem Reichskanzler Adolf Hitler, dem Reichsminister des Innern Frick, dem Reichsminister des Auswärtigen Freiherr von Neurath sowie dem Reichsminister der Finanzen Graf Schwerin von Krosigk unterzeichnet, jedoch nicht verfassungsgemäß nach Art. 68 Abs. 2 WRV vom Reichstag erlassen wurde, sondern von der Reichsregierung.

4. Art. 68 Abs. 2 der Weimarer Reichsverfassung vom 11.04.1919 verfügte dementgegen: »Die Reichsgesetze werden vom Reichstag beschlossen.« Eine Änderung des Art. 68 der Weimarer Reichsverfassung wurde zu keinem Zeitpunkt beschlossen.

5. Das Kontrollratsgesetz Nr. 1 betreffend die Aufhebung von NS-Recht vom 20. September 1945 verfügte in Art. I 1.: »Folgende Gesetze politischer Natur oder Ausnahmegesetze, auf welchen das Nazi-Regime beruhte, werden hierdurch ausdrücklich aufgehoben, einschließlich aller zusätzlichen Gesetze, Durchführungsbestimmungen, Verordnungen und Erlasse: a) Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich vom 24. März 1933, RGBl. I/141,«.

6. Als ein solches zusätzliches, weil auf ihm beruhendes Gesetz zum Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich ist das Einkommensteuergesetz vom 16.10.1934 demzufolge – über sein verfassungswidriges Zustandekommen hinaus – durch das Kontrollratsgesetz Nr. 1 aufgehoben worden.

7. Gemäß Art. 139 GG werden »Die zur ›Befreiung des deutschen Volkes vom Nationalsozialismus und Militarismus‹ erlassenen Rechtsvorschriften«, zu denen das Kontrollratsgesetz Nr. 1 betreffend die Aufhebung von NS-Unrecht gehört, »von den Bestimmungen dieses Grundgesetzes nicht berührt«, weshalb die Aufhebung des Gesetzes zur Behebung der Not von Volk und Reich als Ermächtigungsgrundlage für den Erlass des Einkommensteuergesetzes vom 16.10.1934 nach wie vor und solange über Rechtskraft verfügt, wie das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland deren ranghöchstes Gesetz ist, an welches die Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung gemäß Art. 20 Abs. 3 GG gebunden sind.

8. Dementsprechend stellte auch das Tribunal Général de la Zone Francaise d’Occupation in Rastatt nach den Vorgaben des Kontrollratsgesetzes Nr. 10 vom 20. Dezember 1945 in seinem Urteil zum Fall »Tillessen« vom 06.01.1947 (Journal Officiel 1947, S. 606 ff.) mit Bindung der geltend gemachten rechtlichen und tatsächlichen Entscheidungsgründe für alle deutschen Gerichte und Verwaltungsinstanzen (inter omnes) u.a. in Bezug auf Art. 68 der WRV: »Die Reichsgesetze werden vom Reichstag beschlossen.«, fest, dass zu Unrecht behauptet wird: »… daß die Hitlerregierung bis zum 14. Juli 1933 verfassungsgemäß war, daß im Gegenteil feststeht, daß die Wahl zum Reichstag vom 05. März 1933 unter Umständen zustande gekommen ist, die eine offenkundige, von der Regierung begangene Gesetzeswidrigkeit und Gewaltanwendung darstellen, daß das sog. Ermächtigungsgesetz vom 23. März 1933 entgegen der Behauptung, daß es der Verfassung entspreche, in Wirklichkeit von einem Parlament erlassen worden ist, daß infolge Ausschlusses von 82 ordnungsgemäß gewählten Abgeordneten eine gesetzwidrige Zusammensetzung hatte und daß es durch die Vereinigung aller Vollmachtenhttp://grundrechteforum.de/ist-uli-hoeness-ein-eiskalter-steuerhinterzieher-oder-die-deutsche-finanzverwaltung-ein-eiskalter-exekutor-der-befehle-adolf-hitlers/223378/ in der Hand von Hitler alle wesentlichen Voraussetzungen einer ordnungsmäßigen und normalen Rechtsgrundsätzen entsprechenden Regierung verletzt.« und erklärte weiterhin; »… daß die Regierung Hitlers weder vor noch nach dem 21. März sich auf ein Vertrauensvotum eines ordnungsgemäß zusammengesetzten Parlaments gestützt hat, ein Erfordernis, daß von der damals geltenden Verfassung vom 11. August 1919 aufgestellt war, …«

9. Wenn demnach die Hitlerregierung weder vor noch nach dem 21. März 1933 parlamentarisch legitimiert war, so gilt diese Tatsache ebenfalls für alle ihre Handlungen wie den Erlass von Gesetzen, Verordnungen etc. pp.

10. Es ist hier im Ergebnis festzuhalten, dass das Einkommensteuergesetz vom 16.10.1934 nicht nach den Vorschriften der Weimarer Reichsverfassung zustande kam, durch das Kontrollratsgesetz Nr. 1 als zusätzliches Gesetz zum Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich aufgehoben wurde und durch das Urteil des Tribunal Général de la Zone Francaise d’Occupation allgemeingültig die Verfassungswidrigkeit der Regierung Hitlers und des Gesetzes zur Behebung der Not von Volk und Reich (als Grundlage des Einkommensteuergesetzes vom 16.10.1934) festgestellt wurde.

11. Den oben aufgeführten Tatsachen nach sind auch alle im Nachhinein erfolgten bloßen Änderungen des Einkommensteuergesetzes vom 16.10.1934 als nichtig zu betrachten, da nicht von der Weimarer Verfassung legitimierte und später aufgehobene Gesetze nicht durch bloße Änderungen wieder aufleben können oder ohne erneuten Erlass nach den Vorschriften zur Gesetzgebung der Artikel 70-82 GG, an welche der Gesetzgeber als besonderes Organ der Volksvertretung auch gemäß Art. 79 Abs. 3 GG gebunden ist, in den Willen des Bundesgesetzgebers aufgenommen werden können, da hierzu die verfassungsrechtlichen Voraussetzungen fehlen. Eine Berufung auf die Bestimmungen des Art. 123 GG erübrigt sich hier, da dementsprechend Recht aus der Zeit vor dem Zusammentritt des Bundestages nur dann fortgilt, soweit es zu diesem Zeitpunkt über Rechtskraft verfügte und dem Grundgesetze nicht widerspricht und Art. 123 GG insoweit keinen Erlaubnistatbestand darstellt, aufgrund dessen nach Belieben erloschenes Recht aus der Zeit vor dem ersten Zusammentritt des Bundestages exekutiert werden könnte. Beide Voraussetzungen treffen auf das Einkommensteuergesetz vom 16.10.1934 nicht zu, denn weder verfügte es zum 23. Mai 1949 über Rechtskraft noch richtet es sich nach den Vorschriften des Grundgesetzes; hier insbesondere nach den Gültigkeitsvoraussetzungen für Grundrechte einschränkende Gesetze gemäß Art. 19 Abs. 1 GG.

12. Weiterhin wurde bis heute kein neues Einkommensteuergesetz in einem ordnungsgemäßen Gesetzgebungsverfahren gemäß der Artikel 76, 77 GG vom Deutschen Bundestag als Gesetzgeber erlassen.

13. Da Art. 103 Abs. 2 GG unmissverständlich verfügt, dass eine Tat kann nur bestraft werden kann, wenn die Strafbarkeit gesetzlich bestimmt war, bevor die Tat begangen wurde, und es sich den o.a. Tatsachen nach bei dem Einkommensteuergesetz vom 16.10.1934 nicht um ein geltendes Gesetz im Sinne des Art. 20 Abs. 3 GG handelt, also auch keine Einkommensteuer hätte hinterzogen werden können, kann Uli Hoeneß nicht wegen Steuerhinterziehung gemäß § 370 AO (Abgabenordnung) bestraft werden, da keine für die Erhebung von Einkommensteuern geltende gesetzliche Grundlage existiert.

Bleibt abschließend die Frage zu stellen: Ist nun Uli Hoeneß ein eiskalter Steuerhinterzieher oder die deutsche Finanzverwaltung ein eiskalter Exekutor der Befehle Adolf Hitlers, welche verfassungswidrig dem Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland widersprechen?

Quelle: http://grundrechteforum.de/ist-uli-hoeness-ein-eiskalter-steuerhinterzieher-oder-die-deutsche-finanzverwaltung-ein-eiskalter-exekutor-der-befehle-adolf-hitlers/223378/

petervonkloss April 23, 2013 um 09:23

Spannungen werden durch Kratzen erledigt, oder durch insuffiziente intellektuelle Produktion des Intellektuellen.

Ich neige eher der Topi`schen Haltung zu, wobei charakterliche Imponderabilien bei ihm zu etwas schwankenden
Ergebnissen führt, die möglicherweise seiner zu häufigen Responsibility geschuldet ist, so daß man kaum mehr auf
dem Laufenden ist;…..eben ein durch und durch positiver Mensch.

Morph

„Der Neoliberalismus, das sind WIR!“

Also doch kein Fremdkörper.

Hotte April 23, 2013 um 10:03

Wengel von der Grundrechtepartei: Sind Sie sicher, dass die Verteidigung eines Steuerverbrechers die richtige Strategie ist, um Wahlwerbung zu betreiben?

I. Wengel April 23, 2013 um 10:26

@ Hotte

1. Ein Verbrecher verstößt gegen geltende Gesetze mit einem Strafmaß von nicht unter einem Jahr.

1.1 Hier handelt es sich um kein solches Gesetz, wie Sie feststellen könnten, wenn Sie der Recherche zugeneigt wären.

2. Die Darstellung von belegten Tatsachen ist in diesem Falle keine Wahlwerbung.

2.1. Selbst wenn es Wahlwerbung wäre: Was ist an der Werbung von und für Fakten in Bezug auf Grundrechte falscher als an der Werbung für Lügen, Betrug und Verbrechen der anderen Parteien?

3. Ich verteidige also keinen mutmaßlichen Verbrecher, sondern ich veröffentliche die Tatsache, dass Schäuble auf der Grundlage des Befehls von Adolf Hitler und ohne gültiges EStG auch Ihr Einkommen versteuert. Dieses Verbrechen jedoch scheint Ihnen nicht im Geringsten zu Denken zu geben.

petervonkloss April 23, 2013 um 10:31

Nach schnellem Durchlesen leuchtet mir das sofort ein ist aber insofern kein Wunder da:

petervonkloss April 18, 2013 um 10:33

„als der Notverordnungs – Demokratie -Verteidiger nach Maßgabe seines ehemaligen Feindes C. Schmitt, in der
Verteidigung des Ausnahmezustandes übergesetzlicher Notstände von seiten einer linksprovinziellen Vernunft. ……… So werden in Zukunft
Dissertationen beschrieben…………
Ich gebe zu,…. ich find das auch faszinierend.“

Linus April 23, 2013 um 10:37

@Morph:
“Ich finde den Begriff Verteilungskampf irgendwie irreführend. Es ist doch so, dass die fortschreitende Akkumulation von Vermögen und die zunehmende Prekarisierung kein Ergebnis von Verteilungskämpfen sind, sondern nach dem Abbau der klassischen Industriearbeit in den entwickeltsten Ländern gerade durch das Ende der Verteilungskämpfe (nämlich das Ende einer Arbeiterschaft mit Drohpotenzial) allein durch die Logik der Geldwirtschaft herbeigeführt wurde, ohne jeden Kampf. ”

“kein Ergebnis von Verteilungskämpfen” oder
“gerade durch das Ende der Verteilungskämpfe”
Also was jetzt?
Wichtig ist mE nur das da:
“durch die Logik der Geldwirtschaft herbeigeführt”
Der Rest sind Symptome. Man könnte auch zynisch sagen:
“Es gibt keinen Kampf mehr, also gibt es auch kein Problem mehr. Und 5 Minuten später ist der Patient friedlich entschlafen.”

Das Problem der Geldwirtschaft ist idT ein Verteilungsproblem.
Das hat aber nur mittelbar was zu tun mit der Frage, welcher Organisationsgrad denn wünschenwert wäre. Darauf zielt Jackles Tirade gegen den Staat ja ab.
Ich fürchte, der heutige hohe, ja globale Organisationsgrad der Gesellschaft ist nur durch erhebliche Disziplinierung und Funktionalisierung haltbar. Und das Mittel für diese Disziplinierung liefert halt der Kapitalismus.
Der hohe Organisationsgrad wiederum ist Voraussetzung für HighTech, und daraus resultierend, einen grossen Teil unseres Lebensstandards.
Das Eine, HighTech, wird nicht völlig ohne das Andere, Funktionalisierung, zu haben sein.

gelegentlich April 23, 2013 um 10:37

@I. Wengel

Wäre schon eine steile These, wenn sie denn stimmen würde. Viele Leser hier sind aber keine Juristen, ich auch nicht. Hat es denn auf der von Ihnen behaupteten Basis schon Klagen/Gerichtsverfahren gegeben?

Morph April 23, 2013 um 10:53

@Linus

“kein Ergebnis von Verteilungskämpfen” oder
“gerade durch das Ende der Verteilungskämpfe”
Also was jetzt?

Früher: Verteilungskämpfe
Heute: Nicht

Wenn Du mich Klugscheisser nennst, darf ich Dich dann Volltrottel nennen? ;-)

h.huett April 23, 2013 um 10:57

Morph

“Der Neoliberalismus, das sind WIR!”

Das scheint etwas vorschnell. Du irrst Dich im Tempus. Richtiger wäre: Der Neoliberalismus WAREN wir. Warum? Weil wir am Beispiel des WP und solcher Helden wie dem Herrn Jackle die überlebenden Zeloten der Ideologie wahrnehmen können. Als Nachkömmlinge halten sie besonders fest an den Dogmen. Aus den Erschütterungen dieser Tage saugen sie eine hybride Energie, die in komischem Kontrast zur Realität stehen, wie sie sich uns Skeptischeren darbietet.

Dem WP kann insofern zugute gehalten werden, dass er als ein Zeichenleser die Schrift an der Wand schon wahrgenommen hat, sie nur noch nicht zu eigen machen kann. Die Deckung mag ihm gut bekommen sein. was das noch für eine Rolle spielt, wenn er als Regionalfürst einer Partei von Zuspätgekommenen agieren muss, steht auf einem anderen Blatt.

Nun noch kurz zu Reinhart & Rogoff: Dass ihr opus magnum einem Excel-Fehler zu verdanken ist, kann sich kein VTler ausdenken. Es ist so schön, wie es wahr ist.

I. Wengel April 23, 2013 um 10:58

@gelegentlich

1. Das ist keine These, die Fakten stehen weiter oben, die Gesetze sind zugänglich (§§ im Kommentar), das Urteil auch (http://goo.gl/gX0oA). Also recherchieren.

2. Das dazugehörige Gerichtsverfahren wurde oben erwähnt. Es bedarf keines weiteren.

2.1. Glauben Sie wirklich, ein deutsches Gericht würde eine derartige Klage zulassen (soweit sie überhaupt nötig wäre) und zugeben, dass alle bis heute angewendeten nationalsozialistischen Rechtsnormen ungültig wären? Die Folge wäre ein gerichtlich festgestellter Rückzahlungsanspruch aller Einkommen- und Lohnsteuern seit Inkrafttreten des Grundgesetzes am 23.05.1949. Da macht man lieber weiter, den Bürger interessiert es sowieso nicht.

2.2. Glauben Sie das wirklich, dass Ihnen das Gericht dies bestätigt, wo es Ihnen die Gerichtskosten nach der Justizbeitreibungsordnung vom 11.03.1937 berechnet, welche nicht einmal ein Gesetz war? Schauen Sie einmal, ob Sie z.B. die in der Eingangsformel der Justizbeitreibungsordnung erwähnten Delegationsgesetze irgendwo finden: »Auf Grund des Artikels 5 des Ersten Gesetzes zur Überleitung der Rechtspflege auf das Reich vom 16. Februar 1934 (Reichsgesetzbl. I S. 91) in Verbindung mit Artikel VII des Zweiten Gesetzes zur Änderung der Rechtsanwaltsordnung vom 13. Dezember 1935 (Reichsgesetzbl. I S. 1470) wird folgendes verordnet …« (http://www.gesetze-im-internet.de/jbeitro/BJNR002980937.html).

2.3. Fragen Sie doch einmal beim Bundesministerium der Justiz nach, ob diese beiden Gesetze noch existieren. Mündlich wird man Ihnen sagen NEIN. Schriftlich gibt es nichts.

petervonkloss April 23, 2013 um 11:01

Will sagen im Zuge der möglichen Notverordnungs-Transferunion aller Parteien (nat. ohne AfD) incl. der Linken,
wir uns dies eine Petitesse sein.

I. Wengel April 23, 2013 um 11:02

@gelegentlich

PS: Fahren Sie bei Rot über die Straße, weil Sie kein Jurist sind oder verstehen Sie als Normadressat einen Rechtsbefehl eies Gesetzes, ohne dessen Verständnis Sie nämlich im Falle eines Verstoßes auch nicht verurteilt werden können?

Wenn also diese Problamtik nicht verstanden werden könnte, ohne dass man Jurist ist, dann könnte Uli Hoeneß auch nicht veruteilt werden, da er kein Jurist ist. Ganz einfach.

Frankie Bernankie April 23, 2013 um 11:05

@morph

“Es ist doch völlig abwegig, dass da irgendwann in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts irgendwelche Gruselpuppen wie Thatcher und Reagan und ihre weltanschaulichen Berater den Sozialismus niedergerungen und den Neoliberalismus als tonangebende Ideologie durchgesetzt hätten.”

Nö, das waren auch nicht die beiden, die hätte man ausgesessen. Entscheidend war 1989, und das Ende des Kommunismus. Seitdem meinen die Geldhaber, keine Steuern mehr zahlen zu müssen.

I. Wengel April 23, 2013 um 11:06

Da wir aber gerade bei der kollektiven Verurteilung von Schwarzgeldern sind: Was hält denn die werte Gemeinschaft der Kommentatoren von dieser Idee: http://www.ich-bin-sauber.de – Freiwillige Versicherung an Eides statt für Abgeordnete zur Volksvertretung der Bundesrepublik Deutschland gegen schwarze Kassen?

Linus April 23, 2013 um 11:13

@Morph:
Du fragst einen Volltrottel, ob du ihn Volltrottel nennen darfst?
Frag dich mal lieber selber!

Frankie Bernankie April 23, 2013 um 11:16

@hhuett

“Nun noch kurz zu Reinhart & Rogoff: Dass ihr opus magnum einem Excel-Fehler zu verdanken ist, kann sich kein VTler ausdenken. Es ist so schön, wie es wahr ist.”

Ein sehr erfahrener Projektleiter gab mir mal den Tipp: wenn bei einer Präsentation Einzelzahlen und deren Summierung präsentiert werden, um damit gewisse Entscheidungen zu forcieren, dann einfach mal nachrechnen. Das macht man in einer Meeting-Atmosphäre ja nie, aber man glaubt gar nicht, wieviele Rechenfehler da gemacht werden.
Wenns opportun ist , kann man damit jedes, ggfs. unliebsame Meeting sprengen (“ich verstehe diese Zahlen jetzt nicht…”) und auch liebe Kollegen vernichten.

gelegentlich April 23, 2013 um 11:18

@ I. Wengel April 23, 2013 um 10:58

Schlimm, schlimm – aber aus den von Ihnen dargelegten Gründen ist das Alles dann faktisch irrelevant? Sie haben recht, aber Niemand weiß davon, juckt Keinen, nicht mal die Wand?
Schönes Thema für die Parkbank, wenn jetzt die Frühjahrssonne stärker wird, und für fortgeschrittene Lebensabschnitte?

Morph April 23, 2013 um 11:22

@Hans Hütt

“Das scheint etwas vorschnell. Du irrst Dich im Tempus. Richtiger wäre: Der Neoliberalismus WAREN wir.”

Das gilt vielleicht für das gesprochene und geschriebene Wort. Aber das ist ja Schall und Rauch und gerade im Zeitalter abundanter Ressourcen billig zu haben. Meine Erfahrung ist, dass die wortreichsten Kritiker/Analytiker des Neoliberalismus und tremolierendsten Fürsprecher der Umkehr in ihrer eigenen sozialen Praxis das Gesetz der ökonomischen Effizenz und des effektiven Scheins ohne Substanz mit einer geradezu gruseligen Unterwerfungslust beugen.

Auch noch kurz zu Reinhart & Rogoff: Deren Paper aus 2010 ist 1. kein opus magnum und 2. keine Kausalursache für austeritätspolitische Entscheidungen, sondern allenfalls ein flankierendes legitimatorisches Gesinnungsgeklapper. In dieser lustigen Episode aus der Gegenwart der Unwissenschaft einer mathematisch modellierenden Soziallehre dokumentiert sich doch nicht die Veränderung geldwirtschaftlicher Handlungslogiken, sondern lediglich das immer wieder zu beobachtende Durchschimmern der wirklichen Verhältnisse durch den Schleicher fadenscheiniger Wirklichkeitsbeschreibungen.

I. Wengel April 23, 2013 um 11:23

@gelegentlich

Eben, wies aussieht! Recherchieren Sie die Fakten, überzeugen sich selbst und dann schauen Sie einfach, was Sie persönlich mit diesen Informationen machen. Weitersagen, informieren und auf die Exponentialrechnung hoffen.

Morph April 23, 2013 um 11:24

“SICH dem Gesetz der ökonomischen Effizenz und des effektiven Scheins ohne Substanz mit einer geradezu gruseligen Unterwerfungslust beugen.”

h.huett April 23, 2013 um 11:25

FB

Ich habe einige Jahre für jemanden gearbeitet, der sehr gut rechnen konnte. Ein skeptischer Optimist, der fast nichts dem Zufall überließ. Einige Male ist es ihm über Bande gelungen, sozioökonomische Mythen zu sprengen. Unbezahlbar!

Morph April 23, 2013 um 11:27

@Linus

“Du fragst einen Volltrottel, ob du ihn Volltrottel nennen darfst?”

Genau.

“Frag dich mal lieber selber!”

Wieso? Wenn ich jemandem in den Mantel der Wahrheit helfen möchte, frage ich höflich nach, ob er das wünscht. Das habe doch nicht ich zu entscheiden! ;-)

Eagon April 23, 2013 um 11:34

Das ‘lustigste’ ist der 25% Flatratemythos den Steinbrück von den Konservativen in der grossen Koalition übernahm.

Der angeblich die Steuerhinterziehung reduzieren sollte.

Ne, 50% + Sicherheitszuschlag 20%, dass ist der NEUE Steuerrealismus.

f.luebberding f.luebberding April 23, 2013 um 11:38

Eagon

Stimmt. Das war eine der Begründungen. Allerdings wird man den Ladendiebstahl auch erst abschaffen, wenn alle Waren kostenlos zu haben sind.

ruby April 23, 2013 um 11:39

@ hh

“…enough to free us from some defunct economics.”

famous last words … ;-)

sich weiter mit Neoliberalismus zu beschäftigen ist disfunktional / unergiebig / erkenntnisarm / booring – theoretisch schon seit einer gefühlten Ewigkeit

und mit den abgehalfterten Sprechblasen Marke Michael Hüther zu kommunizieren kräfteverzehrend unproduktiv -
“Home for incurable tyrants and kings”
(The Fletcher Memorial Home Lyrics Pink Floyd)

gelegentlich April 23, 2013 um 11:41

@I. Wengel
“Recherchieren Sie die Fakten, überzeugen sich selbst und dann schauen Sie einfach, was Sie persönlich mit diesen Informationen machen. Weitersagen, informieren und auf die Exponentialrechnung hoffen.”
Schade. Die Welt ist also wirklich schlecht. So schlecht, dass selbst diese explosiven Informationen nicht mal ein Milligramm politischen “Wumms” entwickeln. Müssen wir ins Wasser gehen? Oder soll es uns reichen dass w i r wenigstens das Böse durchschaut haben?

egal April 23, 2013 um 11:46

@morph
Du bist machtblind. Im Alltag eigentlich auch? Angenommen, dein Vermieter will deine Miete erhöhen. Lehnst du dich dann auch zurück und seufzst: “Logik der Geldwirtschaft, in the long run wird man massive Mieterhöhungen nicht verhindern können.”? Oder schöpfst du deinen Handlungsspielraum voll aus und machst einen kleinen Klassenkampf?

petervonkloss April 23, 2013 um 11:59

Die Moderne als Revolution im Dauerzustand und die ihr zugehörigen Medien und ihre Déformation professionnelle.

Die in vielfältiger Weise gut geölte Maschine Mensch geht nur selten in voller Welthaftigkeit auf;
Ist selten kongruent mit seinen Umwelten; dies gelingt den Tieren meist besser.

Daher ist zu beachten, daß jahrhunderte – gar tausendjährige alte „Strukturen“ nicht vorschnell über Bord gehen.
Diese dadurch entstehenden Molochs gebären immer schwarze Löcher mit viel Vernichtungspotenzial. Nietzsche hat
dies in einer größeren Sentenz über den Sozialismus, der mal im größeren Stil experimentell, unter größten Opfern
auszuprobieren wäre, in großartig, prophetischer Weise dargelegt.

Man kann daher sehr gut von einer prinzipiellen Weltfremdheit des Menschen reden.

Diese Nicht-Kongruenz macht den einzelnen Menschen erst liebenswert, wobei der Mensch die Zärtlichkeit Umsorgtheit, Fürsorglichkeit etc etc. nicht etwa durch das jüdisch-christliche geerbt hat, sondern im Umgang mit
Kindern und kleinen Tieren (Wolfswelpen etc.) wobei ich sogar so weit gehe, daß es in erster Linie die Beobachtung
der Zärtlichkeit der Wolfsrudel war, die er dann auf seine eigene natalis anwendete!!.

Daher ist ein meta-physisches Verhältnis des Menschen zur Welt gegeben, dem er nicht durch Fortschrittssimulakren
wie z. B. der Frauenquote oder sonstiger im Einzelnen berechtigter Modi der Fortschrittlichkeit, entkommt.

In dieser Manier versucht nicht nur der althergebrachte Sozialismus, sondern auch der moderne Kapitalismus den Menschen relativ total und materialistisch-positivistisch, bzw. neu-synthetisch, maschinell, den Menschen mit der Welt des
unbewußten „New-Jerusalem“ der katholen mit protestantischer Dynamik versehenen Go-West-Bewegung, kongruent zu machen.

Die dadurch entstehende weltweite Konsummasse, wird komplementär bestimmt durch proliferierende Terrorismen,
die diese Geballtheiten des hypertelischen Sinns, der folgerichtig sinnlos ist, durch ihren Gegensinn stören und
beseitigen wollen. Es ergibt sich eine „geheime“ Komplizenschaft zwischen dem Amorphen in der Tendenz Ano-
mischen und dem „notwendigen“ Sinngebern der nihilistischen Masse durch das Ereignis des Terrors; die ins anomische abtriftende Gemeinschaft wird durch ihn erneuert. Das Blutbad ist die Transsubstantiation zur Welt-
gesellschaft

Sozialismus und Kapitalismus jeder Schattierung, sind die bare Münze dieser „geisteswissenschaftlich“ längst abgetan scheinenden Metaphysik, die nach Heidegger nur noch historisch-technisch geordnet ist in den Anschein
einer Wirklichkeit:

“Indem die Metaphysik vergeht ist sie vergangen. Die Vergangenheit schließt nicht aus, sondern ein, daß erst jetzt die Metaphysik ihre unbedingte Herrschaft im Seienden selbst und als dieses in der wahrheitslosen Gestalt des Wirklichen und der Gegenstände antritt. Aus der Frühe des Anfangs erfahren, ist aber zugleich die Metaphysik vergangen in dem Sinne, daß sie in ihre Ver-endung eingegangen ist. Die Verendung dauert länger als die bisherige Geschichte der Metaphysik.”

-In der Verendung triumphiert für Heidegger die “Seinsvergessenheit”. Sie ist die Agonie des Seins, das sich “ins Nichts vernichtet”, ….. Diese Agonie, und genau das ist mit dem Wort Verendung gemeint, ist nicht schon das Ende der Metaphysik, sondern deren sich gleichsam überschlagende, sich überwältigende, im Prozess der selbstdestruktiven menschlichen Praxis ins Nichts auflösende Behauptung. Und das ist das Skandalon, darin besteht die Ungeheuerlichkeit jenes finsteren Stücks, das mit der in ihrer Überwindung und durch diese hindurch sich erhaltenden Metaphysik auf der ontologischen Weltbühne zur Aufführung gebracht wird: “Dem Menschentum der Metaphysik ist die noch verborgene Wahrheit des Seins verweigert. Das arbeitende Tier ist dem Taumel seiner Gemächte überlassen, damit es sich selbst zerreiße und in das nichtige Nichts vernichte.”-

Für ein tieferes Verständnis empfehle ich zunächst folgendes: (nur fünf Seiten)

http://www.ruhr-uni-bochum.de/ifm/_downloads/hoerl/hoerl_2006_heidegger_und_die_roemer.pdf

Daß eine jede Linke relativ schwachsinnig ist, liegt in ihrem Internationalismus. (angesichts einer wachsenden
Weltbevölkerung)

Durch diesen wird jegliche legitime Forderung ad absurdum geführt.
Z. B. Einwanderung nach den Regeln und dem Geist des „ihr Kinderlein kommet oh kommet doch all“

Der christlich-sozialistische Größenwahn kommt z. B. in dem Brecht-Spruch aus dem stalinistische Säuberungen
rechtfertigenden Stück „die Maßnahme“ zum Ausdruck: „Ändere die Welt, sie braucht es“; ein Kirchentagsmotiv
das derzeitig der Wahlbanner der Partei „die Linke“ ist;
und man mache sich keine Illusionen, auch sie, die derzeitig die Rettungspakete ablehnt, wird, wenn eine Transfer-union eingeführt werden sollte, ihr rundum zustimmen! Was das für die Sozialsysteme bedeutet, kann sich jeder aus-
rechnen. ( H. Huett hat ja wegen der Kosten für Alle schon früher daraufhingewiesen.)

Täuschung und Verlogenheit ist allerorten. Es wird für die „gute“ Sache manipuliert was das Zeug hält.

Nun fängt das was ich unlängst unter dem Rubrum Nihilismus dargelegt habe, im höchsten Maße virulent zu werden.

Die Linken und Halb-Linken offenbaren ihren prinzipiellen Nicht-Verstand, in dem sie einerseits ihren Feind verorten und versuchen – im Sinn der guten Sache – auf ihn einzuschlagen;
Oder sie versuchen wie Huett und Lueberding den Wahlkampf per fragwürdiger Abwägungen und pseudoethischem
Geseusel auf Vordermann von SPD und Grünen zu bringen.

Wer nicht bemerkt hat, daß Deutschland in Gestalt von Medien und Politik seit Zuspitzung der Eurokrise, seine seit
Jahrzehnten währende Aufklärung bezüglich des NS nochmals intensiviert hat, dessen synaptische Möglichkeiten
dürften begrenzt sein.
Man hatte gelegentlich den Eindruck der Geburt einer Antifa-Religion beizuwohnen, dessen Priester und Meßdiener
in den Medien sich gegenseitig in ihrer Euro-Gläubigkeit beweihräucherten so daß man bisweilen ohnmächtig wurde……. seit dem es die AfD gibt, ist das plötzlich weniger geworden.

topi April 23, 2013 um 12:06

I. Wengel
“Da macht man lieber weiter”

Und das ist manchmal durchaus gut so.

Neue Verfassung? Ja bitte.
Durchforstung bestehender Rechtsgrundlagen und Gesetzeswerke; warum nicht.

Ungültigkeitserklärung von faktischen Entscheidungen wegen generell ungültigen Gesetzen?
Praktisch albern, rechthaberisch, und vor allem: kaum anschlussfähig.

ruby April 23, 2013 um 12:07

Habe kürzlich bei einer Exceltabelle auch zwei Datensätze ausgeschlossen, weil sie nach erfolgter Diskussion/Besprechung/Bewertung die Ergebnisse “verfälschten”.
Hätten die Durchschnitte ungerechtfertigterweise nach unten gebracht. Gibt eine Erläuterung (Fußnote) und jeder kann die Vorgehensweise nachvollziehen.

I. Wengel April 23, 2013 um 12:11

@gelegentlich

Wir können nur uns selbst bilden. Wer mit solchen Zuständen leben will, darf dann nicht klagen.

Linus April 23, 2013 um 12:14

“Der Neoliberalismus, das sind WIR!”
“Der Neoliberalismus WAREN wir.”
Passend dazu die Zeit:
“Der Hoeness in uns”

Und andererseits:
“Freiwillige Versicherung an Eides statt für Abgeordnete gegen schwarze Kassen”

Beeindruckend!

ruby April 23, 2013 um 12:28

“Im Moment ist die Situation die, dass der internationale Druck, insbesondere von USA, sicher auch von Deutschland, doch groß ist, und die Schweizer Banken, ich muss es mal so klar sagen, alle deutschen Kunden rausschmeißen, die nicht nachweisen, dass sie steuerehrlich sind. Wir haben hier Schreiben vorliegen von Kantonalbanken, die lauten: ‘Wenn Sie nicht bis 31. März 2013 nachweisen, dass Sie in Deutschland Ihre Kapitalerträgnisse versteuert haben, wird Ihr Konto saldiert.’ Was bedeutet das? Sämtliche Wertpapiere werden verkauft, und dann wird ein Scheck nach Deutschland geschickt. Und dann kann der frühere Kontoinhaber sehen, was er mit dem Geld macht. Er kann’s nirgends einlösen.”

Auch die großen Schweizer Banken wie die UBS oder die Credit Suisse wollten bis Ende 2013 nur noch sogenannte weiße Kunden akzeptieren:

“Gehen Sie davon aus: Bis Ende 2014 gibt es in der Schweiz keinen einzigen deutschen Kunden mehr, der sein Geld nicht deklariert hat.”

aus :

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/wirtschaftundgesellschaft/2082950/

Die Monopolyspielgeldscheine machen sich auf den Weg ;-)
Schön, dass wir unser Manni Kanther Geldwäschegesetz haben !

Wird doch noch irgendwo ein paar Geldwechsler geben auf dieser Kugel ?
Alleinschon die Unsicherheit zukünftiger geringerer Erträge – ein Skandal Sondergleichen in dieser Währungsgemeinschaft.
Zeit für neue Rettungsschirme …Sozialisierer bitte melden !
Moral Hazard garantiert .
Mindestzinsen statt Mindestlöhne ;-)

Morph April 23, 2013 um 12:31

@egal

“Oder schöpfst du deinen Handlungsspielraum voll aus und machst einen kleinen Klassenkampf?”

Das wäre ja kein Klassenkampf, sondern die einzelne Aushandlung eines Zahlungsvorgangs gemäß situativer Angebots- und Nachfragebedingungen. In dieser Situation spielt (politische) Macht keine entscheidende Rolle.

Die Idee des Klassenkampfes besagt ja, wenn ich es richtig sehe, das situativ (also kontingent) bestimmte Marktgeschehens zwischen individuellen Anbietern und Nachfragern von Waren dadurch aufzuheben und zu rationalisieren, dass die Anbieter einer Warenart (z.B. Arbeitskraft) sich allgemein assoziieren und der Nachfrageseite die Geschäftsbedingungen diktieren (Diktatur des Proletariats).

In einer ziemlich genau datierbaren Phase der jüngeren Weltgeschichte schien sich diese Idee tatsächlich zu verwirklichen, und noch in der Mitte des 20. Jahrhunderts hat kaum jemand daran gezweifelt, dass die Entscheidung des Verteilungskampfes im Sinne eines Sozialismus der Leistungsanbieter das unentrinnbare Schicksal sei (das man dann je nach Klassenstandpunkt begrüßen oder beklagen mochte).

Heute stellt sich die Lage jedoch radikal anders da. Die Leute auf der Leistungsangebotsseite tanzen (besser: zappeln) nach der Pfeife der Leute auf der Nachfragerseite (n.b. das sind nicht die Bedürftigen sondern die Zahlungsfähigen). Das drückt sich aus in einem Typ der Wirtschaftspolitik, den man irritierenderweise angebotsorientiert nennt, der aber schlicht darin besteht, die mehr oder weniger konfligierenden Selbsterhaltungsinteressen der Zahlungsfähigen zu Ungunsten der materiell Leistenden zu moderieren.

h.huett April 23, 2013 um 12:34

Linus

Wir befinden uns an einem historischen Wendepunkt. In welche Richtung die Reise geht, ist noch nicht ausgemacht. Die Nadeln schlagen aus, die Nerven liegen blank. Hier und da versuchen Leute, einen Weg durch die Büsche zu schlagen. Was wir sehen, soweit, sind die Symptome. Ins Bild passt, dass Diskurse (ok, auch hiesige Kommentare) wieder pfäffische oder hämische Untertöne erklingen lassen. Nun geht es (fast) nicht mehr um äußere Fesseln oder um an Ketten gelegte Herzen. Wir könnten es auch als eine sich diskret verbreitende Ahnung bezeichnen. Ein Weiterso gibts nicht. Und trotzdem treten da draußen Leute die Gaspedale durch.

Hotte April 23, 2013 um 12:39

Wengel

“albern, rechthaberisch, und vor allem: kaum anschlussfähig”.

Der gute topi bringt’s mal wieder auf den Punkt.

Beim Thema ESM wäre ich wahrscheinlich bei Ihnen (ohne mir Ihre Partei-Homepage jetzt allzu genau angeschaut zu haben), aber das hier ist Quatsch.

kurms April 23, 2013 um 12:41

@morph

“Auch noch kurz zu Reinhart & Rogoff: Deren Paper aus 2010 ist 1. kein opus magnum und 2. keine Kausalursache für austeritätspolitische Entscheidungen, sondern allenfalls ein flankierendes legitimatorisches Gesinnungsgeklapper.”

Bemerkesnwert finde ich auch daß, obwohl es genügend Ökonomen gab (Krugman et al.) die die Aussage des papers angezweifelt haben (aus verschiedenen Gründen), sich doch keiner von ihnen die Mühe gemacht hat mal nachzurechnen ob denn die Zahlen soweit wenigstens stimmen. Wenn sich jetzt nicht noch ein graduate student mit dem Datenmaterial beschäftigt hätte wären die Fehler wohl nie erkannt worden.

I. Wengel April 23, 2013 um 12:44

@topi, Hotte

albern, rechthaberisch, und vor allem: kaum anschlussfähig …

Argumentum ad personam. Typisch für »Experten« ohne Ahnung. Polemik gegen Fakten. Wissenschaftlich unerheblich.

Doktor D April 23, 2013 um 12:45

Wenn hier mehr Leute aufmerksam Justin Bieber et al. hören würden, hätte das Bild, das man sich hier von der gegenwärtigen Lage macht, deutlich mehr Komplexität.

Soldat Schwejk April 23, 2013 um 12:47

@ petervonkloss

Weißt Du was, als ich Deinen letzten Beitrag las, da dämmerte es mir, wie die Erlösung zu bewerkstelligen sei. Der @ruby, der hier mit dem Zitat aus The Final Cut zuverlässig selbst von den in der Frühphase grandiosen Pink Floyd noch das allerschwächste Werk als Referenz raussucht…

….also der ruby holt seine E-Gitarre raus und schrammelt drauflos… und Du heideggerst am Mikrofon ein bissel rum. Ich meine, die meisten Poptexte sind doch sowieso ohne Sinn und Verstand zusammengekleistert… und so mit den Wolfswelpen, yep… das kommt immer gut. Und das Blutbad als Transsubstantation… das ist Black Metal, würde ich sagen… frage mich, ob darauf schon mal jemand gekommen ist…

Freilich müßte das ein wenig in Versform gebracht werden,und dafür biete ich meine Dienste an. Zum Beispiel obiges könnte wie folgt dargestellt werden:

“Wicht, willst du die Geschichte richten?
Das Nichts wird dich zunichte nichten!”

Wie wäre das? Wir könnten alle berühmt werden, und als Sänger hättest Du bestimmt auch jede Menge Groupies…

Morph April 23, 2013 um 12:50
vinxtor April 23, 2013 um 12:51

@soldat..

wie albern. hoffnungslos veralterte Kakafonie.
Ich denke sowas wäre besser:

http://www.youtube.com/watch?v=eNGvZRuAdMA

ich meine nur. Das ist für die “Morgigen” und Übermorgigen…..

Hotte April 23, 2013 um 12:51

Wengel

“Wissenschaftlich unerheblich.”

Genau. Juristische Haarspalterei.

I. Wengel April 23, 2013 um 12:52

@ Hotte
Juristische Fakten.

vinxtor April 23, 2013 um 12:52

na sowas….zwei Volltreffer auf einmal…

Hotte April 23, 2013 um 12:55

*lach

OK, Alter, du hast gewonnen.

gelegentlich April 23, 2013 um 13:00

@I. Wengel
“Wir können nur uns selbst bilden. Wer mit solchen Zuständen leben will, darf dann nicht klagen.”
Wir reden aneinander vorbei. Ok, Sie haben sich gebildet. Und was folgt daraus?
@I. Wengel April 23, 2013 um 10:58
Jetzt müssen Sie nur noch die Frage beantworten, warum Sie in einer Partei engagiert sind – wenn es so ist.
Sie klagen – müssen Sie jetzt nicht mehr mit solchen Zuständen leben?
“Mündlich wird man Ihnen sagen NEIN. Schriftlich gibt es nichts.”
Und woher wissen Sie davon?

h.huett April 23, 2013 um 13:01

Schweijk & Morph

hihi. Nein, nein.

h.huett April 23, 2013 um 13:03

kurms

Fehler werden immer gefunden. Popper selig wusste das schon. Nur – welche Fehler gefunden werden, steht auf einem anderen Blatt.

I. Wengel April 23, 2013 um 13:15

@ Hotte
Mit leerem Kopf ist gut schütteln.

@gelegentlich
Das wird hier O.T. Sie können mich gern unter der E-Mail-Adresse auf unserer Impressum-Seite kontaktieren.

Morph April 23, 2013 um 13:32

@vinxtor

ruf mal beide clips parallel auf (die Lautstärke von INCAPACITANTS etwas runterpegeln): Ephanie! :-) – Besser lässt sich die ontisch-ontologische Differenz und ihrer Unbegrifflichkeit, an der jeder denotativ orientierte Beschreibungsversuch tragisch scheitern muss,, nicht zu Gehör bringen…

ruby April 23, 2013 um 13:33

Herrlich musikalische Stimmungen hier ;-)

@ vinxtor : nun läster mal nicht über die Truppe …

Was meinst, wenn wir auf Drohnenmusik einspielen?

http://www.hausderjugend-os.de/index.php/event/show/id/720

topi April 23, 2013 um 13:36

I Wegel

Ich sagte “praktisch albern”.
Das ist nicht ad hominem, sondern ein Fakt.

Und “wissenschaftlich irrelevant” ist eine völlig untaugliche Kategorie; as ob wissenschaftliche Relevanz bei dieser Frage irgendeine Rolle spielt.

Eher muss die Kirche ihre Besitztümer abgeben, die sie auf Grundlage der gefälschten konstatinischen Schenkung erlangt hat.

Relevant ist dagegen die Kategorie Anschlussfähigkeit, wenn man als politischer Akteur auftreten möchte.
Die AfD als Partei der Ökonomie-Professoren hat ja noch ein ganz knackiges Kernthema.

Eine Partei der Juraprofessoren, die diesen Punkt diskutiert und auch noch anhand Ulli Hoeness’ konkretisiert, dürfte über eine skurrile Randnotiz nicht hinauskommen.
Warum also damit Energie verschwenden?

ruby April 23, 2013 um 13:36
Morph April 23, 2013 um 13:38

@ruby

es geht doch nicht um die Summe, Spatzl.

topi April 23, 2013 um 13:39

Hatte ich den Pigor/Eichorn noch nicht verlinkt?

Geistert jedenfalls seit Monaten immer mal wieder als Ohrwurm bei mir herum; warum bloß?

Bruchmüller April 23, 2013 um 13:40

@ topi
_______________
@ Bruchmüller > April 23, 2013 um 01:37

Aber dafür gibt es doch Stoiber mit seiner Bürokratieabbaufunktionseinheit!
————————–
Alle Achtung. Das war nahezu perfekter Hohn, den ich Dir so nicht zugetraut hätte. Und das ist Dir wohl nicht bewusst: Ohne die Absicht der Verhöhnung wäre Deine Aussage richtig schlimm.

topi April 23, 2013 um 14:23

Jackle

“Weiß nicht. Jedenfalls nimm es nicht persönlich, da mit dem von mir Geschriebenen auch eher nicht du persönlich gemeint warst.”

Das kommt offenbar öfter vor, dass Menschen, die bestimmte Argumentationsmuster verwenden, verwechselt werden mit gleichargumentierenden, oder als Projektionsfläche dienen.

Wenn hier jemand frisch aufschlägt und einen ISNM-Dummspruch ablässt, geht es mir auch so; und im ganz seltenen Einzelfall kann sich das mal als Irrtum herausstellen. :roll:

Nun schreibe ich hier allerdings ausführlich, das müsste nicht passieren. ;-)

Hier scheint mir aber auch ein anderer Aspekt am Werk: der hass auf die “Verräterpartei” ist so groß, dass alles, was es da an partiellen Überschneidungen gibt, erstmal niedergemacht werden muss.

” Ich bewundere ja deine Geduld das alles weiter exakt so vorzutragen”

Tja, da ich kein Elch war oder sein wöllte, fällt es leichter.

” und deine Euphorie, wenn im Nachbarland ein Hollande gewählt wird, aber das spiegelt die Naivität wieder, die sich ebenso darin findet, dass du weiterhin daran glaubst mit ein paar Stellschrauben die Weltmaschinerie zu heilen und wieder flott zu machen.”

Die “paar Stellschrauben” muss man genauer betrachten.
Wir haben ja nicht ein feinmechanisches Uhrwerk und Präzisionsbesteck vor uns.
Die “Stellschrauben” müssen die “Logik der Geldwirtschaft” ebenso wie die “Logik des Kapitalismus” soweit ausschalten, dass es nicht zu einem Wachstum der Geldvermögen über das nominale Wirtschaftswachstum hinaus kommt.

Es ist allerdings auch nicht so unmöglich, wie es klingt; ist mit dieser Eindämmung doch eine insgesamt deutlich stärker prosperierende Volkswirtschaft möglich, mit entsprechenden Möglichkeiten zum Realvermögenswachstum.

“Naiv” ist es nicht, diese Möglichkeiten zu nennen. Es wäre es natürlich, wenn man glaubt, da muss sich nur einer hinstellen und der macht das dann alleine.
Richtig ist, dass es eine gesellschaftliche Stimmung geben muss, um die Dämme einzusetzen.
Richtig ist auch: am Ende dieser Gesamtverschuldungsstandswachstumsabbruchkrise wird es entweder eine framatische Anpassung der Geldvermögen an das Sozialprodukt gegeben haben (Richtung variabel), dann kann es wieder Neuverschuldung geben;
oder eine Änderung der EInkommensverteilung , so dass die Einkommen mit den Realausgabewünschen üereinstimmen, oder (noch besser) das die Neuverschuldung mal von der anderen Seite kommt (es könnten sich theoretisch auch die Ausgabewünsche entsprechend ändern, aber das ist sehr unwahrscheinlich).

Man kann nun den isländischen oder den irländischen Weg gehen; man kann auch noch diverse Umwege über drastische Schrumpfung der Produktion oder gleich der drastischen Vernichtung durch Krieg gehen.

Jedenfalls bestehen die Wege aus kleinen Stücken, die Puzzle-artig gegangen werden. Und da kann eventuell jedes Puzzleteil zählen.

“Deine potentiellen politischen Mitstreiter wären nun mal diejenigen, die sich Sozialdemokraten schimpfen. Und mit deren münterianischen Moralvorstellungen würde ich ja nichts zu tuen haben wollen. ”

Nachvollziehbar.
Die Formel minus des minus gibt Plus greift hier allerdings offenbar nicht.

Carlos Manoso April 23, 2013 um 14:48

@Morph April 22, 2013 um 23:39
„Die schwer erträglichen und schwer veränderlichen Probleme der gegenwärtigen Gesellschaft sind m.E. weder staatlich verursacht, noch staatlich zu lösen, sondern resultieren aus einer – anthropologisch betrachtet – überbordenden materiellen Produktivität/Destruktivität, für die es keine gesellschaftliche Form mehr gibt, die von den Beteiligten als sinnvoll erfahrbar ist.
Die Klasse der ‘Überflüssigen’ ist ja schlicht ein Produkt der Geldwirtschaft + abundanter Ressourcen. Die Geldwirtschaft sollte man, das lehrt die historische Erfahrung, nicht abschaffen, wenn man nicht den Kollaps der hochdifferenzierten Arbeitsteilung provozieren möchte, aber das mit den abundanten Ressourcen wird sich erledigen. „

Morph, langsam schiebt uns „die Krise“ in „medias res“. Aus Begeisterung über R. Kurz neues Buch zitiere ich jetzt einfach mal daraus: „Das Abstraktum Arbeit war in den vormodernen Sozietäten negativ besetzt als ursprünglicher Sammelbegriff für die Tätigkeit von Abhängigen (Sklaven). Erst in der Moderne wird Arbeit positiviert und universalisiert. Hier gilt Arbeit als „Substanz“ (Marx) des Werts und damit der Verwertung. Geld ist nichts anderes als Repäsentanz eines Quantums Arbeit. Die Tätigkeit dieser Form wird jedoch dem systemischen Selbstzweck entsprechend ebenfalls von den Bedürfnisinhalten abgelöst und daher diesen gegenüber gleichgültig, deshalb handelt es sich um „abstrakte Arbeit“.(…)

Der Selbstzweck der „abstrakten Arbeit“ ; der unendliche Prozeß von Wert ist nichts anderes als die unendliche Anhäufung von toter (vergangener) Arbeit. Aus Arbeitsoll immer mehr neue Arbeit werden. Unter diesen Bedingungen stellt der Markt keinen Austausch zwischen unabhängigen Produzenten mehr dar. Er ist nichts anderes als die Sphäre der „Realisation“ des Mehrwerts, d.h. der Rückverwandlung von „mehr Arbeit“ in „mehr Geld“. Deshalb ist die „Freiheit des Marktes“ illusorisch; dieser Freiheit liegt das Zwangsverhältnis der „abstrakten Arbeit“ zu Grunde. Der Zwang ist dabei kein persönlicher mehr (wie etwa im Verhältnis von Herr und Knecht) sondern anonymer Systemzwang, sich selbst als „Verausgabungsmaschine“ von „abstrakter menschlicher Energie (Arbeitskraft) an die „herausgelöste Ökonomie“ (Polanyi) zu verkaufen“.
Robert Kurz, „Weltkrise und Ignoranz“, 1. Aufl., Berlin 2013

„Mag sein, dass es naiv ist, aber ich hoffe tatsächlich auf die Grenzen der Intensivierung materieller Verstoffwechselung. Die mittelfristig sich immer stärker zur Geltung bringende Tendenz zur materiellen Kreislaufwirtschaft wird die produktiven/destruktiven Hypertrophien der Moderne nicht mehr zulassen und mehr und mehr Chancen und Notwendigkeiten für realistische (i.e. als sinnvoll erlebbare) Gesellschaftsformen eröffnen.“

Morph, ich zitiere weiter: „Das Kapital ist prozessierender Selbstwiderspruch dadurch, dass es einerseits die unaufhörliche Anhäufung von Wert oder „abstraktem Reichtum“ (Marx) als einzigen Zweck hat, andererseits aber die Konkurrenz dazu zwingt, menschliche Arbeitskraft durch Produktivkraftentwicklung zunehmend überflüssig zu machen und durch wissenschaftlich-technische Apparate zu ersetzen. Diese Produktivkraftentwicklung ist aber keine ewige Wiederkehr des Gleichen, sondern ein irreversibler historischer Prozess“.
Robert Kurz, „Weltkrise und Ignoranz“, 1. Aufl., Berlin 2013

vinxtor April 23, 2013 um 14:50

Morph,

genaus das passierte. Und deswegen meinte ich das mit dem Volltreffer. Ich dachte es gab irgendein “Sensibeler” der Text und Incapacitants gemischt hätte…Firefox hat seine Reize.

Ruby
ich lästere gar nicht. Sowas ist mir fremd, ich habe entweder Zu oder Abneigung, dazwischen rauschen Ozeane, Flachwasser Rocker und Musaker vergebens.

topi April 23, 2013 um 15:00

Morph

“Doch, ich denke schon. Wobei es nicht nur um den ersten Sektor geht, sondern un Bergbau und verarbeitendes Gewerbe. Die fortschreitende Automatisierung und Globalisierung in diesem Bereich der Wirtschaft hat die kollektive Subjektivität der Arbeiterschaft zerstreut und kampfunfähig gemacht.”

Wir wäre es denn mal damit, auf Argumente einzugehen?
Gab es die politischen Änderungen zur Organisationsmacht der Gewerkschaften nicht?
Gab es nicht die drastische politische Önderung bzgl. der Zulassung bis Förderung von prekären Arbeitsverhältnissen und Löhne ganz weit weg vom Subsistenzniveau?
Die Änderungen bzgl. der Lohnersatzleistungen haben nicht stattgefunden?

Die Auflösung der Tarifeinheit in den Unternehmen fiel auch nicht vom Himmel. Wenn die Gewerkschaften richtig damit umgehen, könnten sie das auch recht einfach wieder umdrehen. Es gibt schon Unternehmen, die nach Tarifeinheit rufen, weil sie sich ständig kleinen Gewerkschaften oder auch großen als Vertreter einer kleinen Gruppe mit großem Lahmlegungspotenzial gegenübersehen.

1000 kann man doch eher leichter organisieren als 10.000, will mir scheinen.

Nein, ich sehe deinen naturgegebenen Trend nicht.

“Es ist doch völlig abwegig, dass da irgendwann in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts irgendwelche Gruselpuppen wie Thatcher und Reagan und ihre weltanschaulichen Berater den Sozialismus niedergerungen und den Neoliberalismus als tonangebende Ideologie durchgesetzt hätten.”

Die Gruselpuppen haben “ihre Köpfe in die erste Reihe gehalten”, wie ich schrieb.
Es verblasst mit den Jahrzehnten die Erinnerung, an WWK I und Folgen, EInbruch der Industrieproduktion von 50, 60 oder 70 Prozent. Welches letztlich als logische Folge des ungezügelten Kapitalismus verstanden wurde; siehe Ahlener Programm, das war der “Konservativismus” vergangener Tage.

Die Interessen der Kapitalseite dagegen geraten natürlich nie in vergessenheit. Es hat Jahrzehnte gebraucht, sie wieder vollständig in Politik umzusetzen.

Und, nebenbei: eine Gute Gruselpuppe an der Spitze ist zur beschleunigung durchaus sehr hilfreich.

“Was mich an der Kritik des Neoliberalismus hier und anderrswo am meisten stört, ja geradezu richtig fuchsig macht, weil ich nicht weiß, was man diesen intellektuellen Irrsinn entgegensetzen soll,, das ist die Tatsache, dass ständig den Justin Biebers der Weltpolitik eine Handlungsmacht zugerechnet, die in Wahrheit sein stumpfdummes Publikum in seiner monströsen Massivität ausagiert und ausagieren kann.

Der Neoliberalismus, das sind WIR!”

Ach was, stumpfdummes Publikum.
Es fehlte die “linke” Elite, die dem Publikum die Konsequenzen greifbar vermittelt. Dafür fehlte allerdings, und fehlt heute auch noch weitgehend, die Erkenntnis. Vulgär”keynesianismus” ist zwar eine bessere Erzählung als die mirkoökonomische Pseudowahrheitliche Verallgemeinerung, aber eben auch nicht der Brüller.

Und was ist nun mit den Kreislaufwirtschaften? Regional, oder nur spartiell regional?

topi April 23, 2013 um 15:02

Bruchmüller

Stoiber verhöhnen?

Du scherzt; den kann man nur zitieren.

topi April 23, 2013 um 15:08

Morph

“Heute stellt sich die Lage jedoch radikal anders da. Die Leute auf der Leistungsangebotsseite tanzen (besser: zappeln) nach der Pfeife der Leute auf der Nachfragerseite (n.b. das sind nicht die Bedürftigen sondern die Zahlungsfähigen).”

Glaubst du auch noch an den Weihnachtsmann, so wie du hier offenbar an “freie Märkte” glaubst?

Schau dir die Kartellentscheidungen der EU an, in allen Bereichen Oligopole mit Preisabsprachen; und es ist kaum anzunehmen, dass da mehr als die SPitze des Eisberges das Tageslicht erblickt.

Stephan L. Eichner schreibt das ausführlich auf. (seine Aussage, dass deshalb die Malaise der EInkommensverteilung besteht, teile ich jedoch nur begrenzt; das ist ein kleiner Baustein).

topi April 23, 2013 um 15:17

Linus

” Das Problem der Geldwirtschaft ist idT ein Verteilungsproblem.
Das hat aber nur mittelbar was zu tun mit der Frage, welcher Organisationsgrad denn wünschenwert wäre. Darauf zielt Jackles Tirade gegen den Staat ja ab.
Ich fürchte, der heutige hohe, ja globale Organisationsgrad der Gesellschaft ist nur durch erhebliche Disziplinierung und Funktionalisierung haltbar. Und das Mittel für diese Disziplinierung liefert halt der Kapitalismus.
Der hohe Organisationsgrad wiederum ist Voraussetzung für HighTech, und daraus resultierend, einen grossen Teil unseres Lebensstandards.
Das Eine, HighTech, wird nicht völlig ohne das Andere, Funktionalisierung, zu haben sein.”

Da stimme ich nur begrenzt zu.
Aber ich würde dich bitten, dies nochmal klarer aufzuschreiben, bevor ich antworte. ;~D

Carlos Manoso April 23, 2013 um 15:32

@topi April 23, 2013 um 13:36
„ Die AfD als Partei der Ökonomie-Professoren hat ja noch ein ganz knackiges Kernthema.
Eine Partei der Juraprofessoren, die diesen Punkt diskutiert und auch noch anhand Ulli Hoeness’ konkretisiert, dürfte über eine skurrile Randnotiz nicht hinauskommen.
Warum also damit Energie verschwenden?“

Topi, in Deutschland wurde 2012 ein Bruttoinlandsprodukt von ca. 2.600 Mrd. EUR erwirtschaftet. Wenn man die Schwarzwirtschaft berücksichtigt, könnte man noch mal mindestens 350 Mrd. EUR (13%) draufpacken. Der Staat in Deutschland zog aus alledem nur ein läppisches Steueraufkommen (2012) von ca. 600 Mrd. EUR.

Wenn man bedenkt, dass die Deutschen 2012 außerdem noch ein Nettovermögen von ca. 8.700 Mrd. EUR besaßen und wenn man dann noch Wahlgeschenke an die SPD wie die Selbstanzeige von Bayern-Cheffe Uli Hoeness bedenkt und außerdem die Gründung der Anti-Merkel-Partei „Alternative für Deutschland“ bedenkt, dann würden sich JETZT eine SPD ihr Peer Steinbrück vollends total erledigen, wenn sie jetzt NICHT das KERNTHEMA STEUERN in den Mittelpunkt des Wahlkampfs pushen würden.

Also isch fantasier jetztert ma wie ein SPD-Wahlkämpfer: Die vielen Rettungsmilliarden, die Angela Merkels-CDU für die EU haben will, die holt sich die SPD ganz locker durch echte Steuereintreibung bei den „Reichen“ und schlimmen Heuchlern wie Uli Hoeneß.

PS:
Der Sensenmann in Peer Steinbrück darf natürlich weiterhin “im Stillen” heuchlerisch denken: Der Sensenmann holt sich die 8.700 Mrd. Nettovermögen der Deutschen sowiesso, wenn es die Banken brauchen.

Q. April 23, 2013 um 15:36

HH
Nun noch kurz zu Reinhart & Rogoff: Dass ihr opus magnum einem Excel-Fehler zu verdanken ist, kann sich kein VTler ausdenken. Es ist so schön, wie es wahr ist.
Ja ….. der Jubelsturm der Keynesianer ;)

So wie´s formuliert wurde, ist das aber komplett falsch:
http://blog.tagesanzeiger.ch/nevermindthemarkets/index.php/12548/shitstorm-mal-anders/

Richtig ist hingegen, worauf ja schon hingewiesen wurde, daß die Vorstellung, man könnte ein so komplexes Geschehen wie eine “Volkswirtschaft” in einfache Formeln fassen, mal wieder fehlgeschlagen ist ….

Morph April 23, 2013 um 16:09

@topi

“Glaubst du auch noch an den Weihnachtsmann, so wie du hier offenbar an “freie Märkte” glaubst?”

Nein, denn der Weihnachtsmann ist keine sozialverbindlich deklarierte Statusfunktion wie das Geld und der freie Markt, an die man allein deshalb glauben muss, weil gesetzlich geltende Zahlungsmittel allgemein akzeptiert werden und in rechtsverbindlichen Grenzen vertragsfreiheit herrscht.

Dass es jenseits dieser institutionalisierten Formen verschwörerische Elitennetzwerke, Preisabsprachen, organisierte Schwerstkriminalität gibt, ist natürlich richtig; genauso wie es massive Schwarzarbeit, abertausende von Diebstahlsfällen gibt. Außerdem: bekokste Manager, die in Verhandlungen die Position der eigenen Firma manisch verkennen, besoffene Waldarbeiter, die in Sägen stürzen, von grassierenden Gotteswahn, esoterischer Realitätsdlucht und allgemeiner Bewusstseinszerrüttung ganz zu scheigen.

Ziemlich verblüffend, dass trotz all dieser Umstände Geld und Markt den Ton angeben. Aber so ist es, glaub mir! ;-)

I. Wengel April 23, 2013 um 16:25

@ Morph
Rechtsverbindliche Grenzen? Vertragsfreiheit? Juristische Haarspalterei.

Carlos Manoso April 23, 2013 um 17:07

@Morph April 23, 2013 um 16:09
´“Ziemlich verblüffend, dass trotz all dieser Umstände Geld und Markt den Ton angeben. Aber so ist es, glaub mir!“

Morph, verblüffend ist da doch überhaupt nix. Je länger das System des Weltkapitals seine Klimax überschritten hat, desto virtueller und widersinniger mutiert die ganze Veranstaltung.

Zum Beispiel könnten zusätzliche neue Produktionssparten wie etwa die Fertigung von Smartphones etc. inkl. der davon profitierenden Industrien (z.B. Musik-/Filmbusiness) das beschleunigte wissenschaftlich-technologische Wegrationalisieren von Arbeitskräften in alten Produktionssparten nur für einen begrenzten historischen Zeitraum kompensieren. Wir alle könnten als direkte Zeitzeugen einige Indizien dafür angeben, dass die Entwicklung des Systems des Weltkapitals mit der Entwicklung der dritten industriellen Revolution („Mikroelektronik“) seit den 1980er Jahren sich irreversibel in den Zustand einer Klimax hineinentwickelt hat. Die Akkumulation speist sich seit den 1980er Jahren immer weniger aus vergangener realer Arbeitssubstanz, sondern in immer mehr wachsenderem Ausmaß aus dem Vorgriff auf imaginäre Arbeitssubstanz in zukünftigen Zukünften. Wem von uns allen als direkten Zeitzeugen ist z.B. bewußt aufgefallen, dass zeitgleich aus genau diesem Grunde ab den 1980er Jahren der Startschuß für die „Liberalisierung“ nicht zur der Finanzmärkte“ Neoliberalismus) gezündet wurde ?

ruby April 23, 2013 um 23:36
topi April 24, 2013 um 15:25

Morph

“Nein, denn der Weihnachtsmann ist keine sozialverbindlich deklarierte Statusfunktion wie das Geld und der freie Markt, an die man allein deshalb glauben muss, weil gesetzlich geltende Zahlungsmittel allgemein akzeptiert werden und in rechtsverbindlichen Grenzen vertragsfreiheit herrscht.

Ziemlich verblüffend, dass trotz all dieser Umstände Geld und Markt den Ton angeben. Aber so ist es, glaub mir! ”

Darum ging es allerdings nicht. “Geld und Markt” geben schon viel länger den Ton an, als dass es “Käufermärkte” gibt, deine obige Aussage.

Aber ich räume ein: in vielen Märkten gibt es zwar starke Oligopolstrukturen, aber trotzdem sind es eher Käufermärkte. Zufrieden?

Aber nun antworte mal auf die relevanten Fragen!

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