Uli Hoeneß kauft kein Haus in Großburgwedel

by f.luebberding on 22. April 2013

Das Vermögen des Uli Hoeneß ist, so muss man sagen, deutlich geschrumpft. Hätte er sich am Wochenende noch mit einiger Berechtigung zu den 500 reichsten Deutschen zählen können, ist er jetzt in den Niederungen des durchschnittlichen Millionärs gelandet. Diese Vermutung motivierte ihn wohl zu den Warnungen vor “exzessiver Berichterstattung” und den Hinweis an eine Münchner Zeitung, dass es “teuer werden könnte”. Immerhin verdanken wir den unerwarteten Vermögensschwund des Uli Hoeneß der Süddeutschen Zeitung. Sie reduzierte ihn auf das Normalmaß.

Das ist in jenem Zitat zu finden:

“Um das Jahr 2000 soll Hoeneß von seinem Freund Robert Louis-Dreyfus, dem ehemaligen Adidas-Chef, ein Darlehen in der Größenordnung von 10 bis 15 Millionen Euro bekommen haben. Mit dieser Summe soll er an der Börse spekuliert haben. Vor mehr als zehn Jahren soll Hoeneß, der eine Neigung zum Zocken hat, bei der in Zürich ansässigen Bank Vontobel AG ein Konto eingerichtet haben, auf dem er Millionen Euro lagerte. Es handelte sich nicht um Schwarzgeld, sondern um versteuertes Geld. Aber er zahlte dem deutschen Fiskus offenbar nicht die Kapitalertragsteuer.”

Nun scheinen Privatkredite in gewissen Kreisen doch mehr den Esprit der Normalität zu versprühen als bisher gedacht. Nur, und das ist der feine Unterschied, dienen solche Darlehen nicht immer dem Erwerb eines Eigenheimes in Großburgwedel. Wobei in München bekanntlich auch der exzessive Ermittlungseifer der Staatsanwaltschaft im Falle Christian Wulff diagnostiziert worden war. Der, wäre der Begriff nicht abgenutzt zu nennen, exzessive Vermögensschwund des Uli Hoeneß wird ihm sicherlich nicht schaden. Reichtum, so war zu hören, genießt in seinem Leben keineswegs die oberste Priorität. Aber es stellt sich doch die Frage, wie es dem damaligen Chef von Adidas-Salomon in den Sinn gekommen sein soll, dem damaligen Manager des FC Bayern München einen Privatkredit in Höhe des Gegenwerts von 20 bis 30 Großburgwedeler Eigenheimen zu Spekulationszwecken zur Verfügung zu stellen. Diese Frage wird Dreyfus nicht mehr beantworten können: Er ist verstorben. Aber jenseits dessen gibt es eine Geschichte zu erzählen. Sie geht so:

Uli Hoeneß schwärmte 1997, wie so viele andere, von den tollen Möglichkeiten eines Börsengangs. Sein Verein habe ungeahnte  Möglichkeiten, um endlich mit den anderen europäischen Spitzenclubs mitzuhalten. In dieser Zeit entdeckte man zudem die Chancen, die in der besseren Verwertung des Marktpotentials liegen. So kam es zu Verhandlungen mit Nike, der dem Sportartikel-Hersteller das Leben schwer machte, an dessen Spitze Robert-Louis Dreyfus wirkte. Es ging um einen der berühmten Ausrüster-Verträge mit dem Verein. Bayern spielte immer in Adidas – und wie das in Herzogenaurach ankam, lässt sich hier nachlesen. Man mühte sich nach Kräften, den Bayern-Bossen um Beckenbauer und Hoeneß entgegenzukommen. Wie war Jahre später (2003) in einem Interview des “Spiegel” mit dem Adidas-Chef Herbert Hainer zu lesen?

SPIEGEL: Wenn sich die Manager des FC Bayern München in Geheimverträgen verpflichteten, Kirchs Interessen zu vertreten, ist die Grenze für uns überschritten. Hainer: Dazu haben Leute wie Bayern-Präsident Franz Beckenbauer ihre Erklärungen abgegeben. Es wurde sicher nicht alles besonders klug eingefädelt. Damit war das aber erledigt, auch für mich. SPIEGEL: Wirklich? Immerhin ist Adidas seit fast zwei Jahren auch Großaktionär bei den Bayern. Für eine zehnprozentige Beteiligung zahlten Sie enorme 77 Millionen Euro. Hainer: Der FC Bayern ist das Fußball-Symbol für Adidas. Es wäre schlimm gewesen, wenn wir dieses Aushängeschild verloren hätten. SPIEGEL: Das klingt, als hätten die Bayern Sie damals erpresst: Entweder ihr zahlt, oder wir gehen zur Konkurrenz. Hainer: Ach was, aber natürlich schaut sich so ein Verein immer um, was andere bieten. Fakt ist: Die Bayern gehören zu den wirtschaftlich erfolgreichsten Vereinen Europas. Dass sie im vergangenen Jahr keinen Gewinn erwirtschafteten – solche Phasen wird es immer geben. Unsere Beteiligung bringt uns aber auch mehr Einblick und Marketing-Möglichkeiten.

Denn im Jahr Dezember 1999 hatte Bayern mit der später insolventen Kirch-Gruppe einen Vertrag abgeschlossen, der den Verein in der Verteilung der von der Bundesliga zu erzielenden Einnahmen aus Fernsehrechten ein nettes Privileg einräumte. Das wurde im Jahr 2003 publik. Aber diese peinliche Affäre überstand der Rekordmeister unbeschadet. Doch war mittlerweile die Umwandlung des Vereins in eine Aktiengesellschaft gelungen. Im Januar 2002 war beschlossen worden, was Mitte des Jahres 2001 bekannt wurde. Nämlich der Einstieg von Adidas bei Bayern München als Teilhaber. Nike, wir erinnern uns, im Titanenkampf um die Füße der sich sportlich kleidenden Menschen verstrickt, war allerdings im Januar 2002 noch immer leicht irritiert über diesen Deal. “Die Vorgehensweise von Bayern München”, so war im Handelsblatt zu lesen, “ist für uns nicht eins zu eins nachvollziehbar.” Dabei lieferte Uli Hoeneß auf der Hauptversammlung des Vereins doch die adäquate Begründung:

“Nike hat sich bemüht, unsere Sponsoringrechte zu erwerben”, sagt Hoeneß: “Wir haben sehr gute und faire Gespräche geführt. Und Nike hätte viel Geld bezahlt. Aber wir haben uns für den Standort Bayern und adidas entschieden. Denn so werden auch Arbeitsplätze gesichert.”

So sind sie halt, die Patrioten. Sie sichern Arbeitsplätze. Es muss auch sonst auf dieser Hauptversammlung interessant gewesen sein.

“Franz Beckenbauer vergaloppierte sich dann ein wenig, als er sich laut fragte, ob es Menschen gibt, die hier hergeschickt werden, um etwas zu untergraben. Da gab es heftige Pfiffe für den „Kaiser“, dem dann Rummenigge beisprang und an die Opposition gewandt, meinte: „Ich bin ein großer Demokrat, aber ich halte sie für gemeingefährlich. Sie reden populistisch und haben nicht das Wohl des Vereins im Sinn.”

Was vergessen? Dreyfus schied im März 2001 bei Adidas aus, blieb aber der größte Einzelaktionär. Dafür übernahm er im Sommer 2002 ausgerechnet jene Kirch-Firma mit den Fußballbundesliga-Fernsehrechten, die den Bayern ein Jahr später die peinliche Affäre mit dem Vertrag vom Dezember 1999 bescheren sollte. An dieser Firma war unter anderem Günther Netzer beteiligt. So war diese Geschichte bis gestern Abend zu erzählen. Dann kam die Süddeutsche Zeitung und schmälerte das Vermögen des Uli Hoeneß. Sie liest sich ein klein wenig  anders als vorher. Sie wurde gewissermaßen “etwas untergraben”. Immerhin hat Hoeneß in Großburgwedel kein Eigenheim gebaut.

{ 13 comments }

Der Aufstand April 22, 2013 um 18:04

Hmm,
interessanter ist für mich, da treibt die Flachbild eine Sau durchs Dorf und schon ist die globale Nachrichtenlage für die nächsten Wochen geklärt….

Doktor D April 22, 2013 um 18:06

Auf eine gute Wirtschaftsgeschichte von adidas, dem FCB, dem DFB und den deutschen Nationalmannschaften mit Ausblicken auf die Instrumentalisierung durch und die Instrumentalisierung von Politiker_Innen warte ich ja seit längerem sehr gespannt. Vielleicht ist ja die Hoenessche Seöbstbezichtigung der ANlass, dass sich jemand von der Süddeutschen dahinter klemmt.

f.luebberding f.luebberding April 22, 2013 um 18:18

Ein paar Minuten nach mir hat die Süddeutsche diese Geschichte jetzt auch erzählt.

aifran April 22, 2013 um 18:40

lustige Sauhatz an allen ecken und enden – nur nicht über die Zombies reden, nur nicht auf den Verwesungsgeruch und seinen Auslöser hinweisen …. Schweinchen jagen – Schweinchen in den Ring werfen …. der Aufschwung ist da – die Schweinchenzucht zeigt wie Wachstum geht …. es regnet Hundekekse auf die Schweinchenzüchter …. die Krise ist vorbei – die Krise ist vorbei
… und der Erpeldorfer Land Bote hat, wie ich gerade sehe nun auch schon davon erzählt

Wilma April 22, 2013 um 18:40

War zu vermuten. Mit der Wurstfabrik und 45 Millionen Umsatz im Jahr, eher unwahrscheinlich für das Konto in der Schweiz. Zumal es ja noch einen Partner gibt, der keine Selbstanzeige stellte. Von der Wurst kam das Geld nicht.
Merchandising und Millionen für Spielervermittler – eine Grauzone.

Doktor D April 22, 2013 um 19:18

Eine Richtung, in die man mal recherchieren könnte, ist Infront: KirchSport (über die der Spiegel-Reporter mit dem adidas Heiner redet) bis dahin der größte Fußballrechte-Halter in Europa, wurde 2002 von Louis-Dreyfus aufgekauft und mit zwei anderen Sportrechtefirmen, die ihm schon gehörten, zu Infront vereint. Infront hatte so die Rechte für die Weltmeisterschaften 2002 und 2006, adidas war da Hauptsponsor und hat es geschafft, Nike massiv aus jedem Stadion und jeder Übertragung rauszuhalten (außer an den Füßen und Trikots der Brasilianer).
Fun Facts: Infront wird von einem Neffen von Herrn Blatter geleitet. Günter Netzer war während seiner kompletten Zeit als Öff.rechtl. Fußballkommentator bei Infront als Executiv Director angestellt. Aber das Franz Beckenbauer adidas Spokesperson und FCB-Präsident war, hat ganz sicher bei der Wahl von Deutschland zum WM-Austragungsort überhaupt gar keine Rolle gespielt.

Marlowe68 April 22, 2013 um 20:55

…und kein Wort über asiatische Wettmafia?

egal April 22, 2013 um 21:40

@FL
Sehr gut recherchiert.

Wer die Geschichte mal faktenarm und VThaft weiterspinnen möchte:

“Meine Frau und ihre Kollegen bedienten “die höchsten Kreise” Mittelfrankens. Z.B. Familie Dassler, bekannt mit Adidas…”
http://www.nuernbergwiki.de/index.php/Gustl_Mollath_%28Brief_an_StVK_Regensburg%29

Wolfgang Michal legt vor: “Journalisten sollten also vorsichtig sein, was sie jetzt berichten. Sonst geht es ihnen am Ende wie Gustl Mollath.”http://carta.info/57214/der-fall-mollath-der-fall-hoenes-und-die-banken/

ruby April 22, 2013 um 21:56

Der Horror :
Saldierung der Konten in der Schweiz mit Rücküberweisung an den Inhaber spätestens zum Ende 2015 – empört euch ;-)
Der Wahnsinn

gelegentlich April 23, 2013 um 10:35

@F. Lübberding

Glückwunsch! Ihre Ahnung, dass Hoeness sich mit Hilfe gut ausgesuchter PR-Profis verteidigt scheint sich immer mehr zu bestätigen.
Auf wen geht denn nach Ihrer Auffassung die jetzige Veröffentlichung des Transfers von Götze zurück?
Der schwächste Punkt der Verteidigungslinie scheint zu sein, ob es eine Steuer-CD gibt, auf der sein Name auftaucht und wann die auftauchte, also vor oder nach seiner Selbstanzeige.

Eagon April 23, 2013 um 10:47

” 1970 kontrollierte das oberste Dezil schon 44 Prozent des gesamten Nettogeldvermögens, 2010 aber über 66 Prozent.”

http://www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2013/april/die-explosion-der-ungleichheit

Der Zug ist abgefahren.

Die Machtkonzentration ist in normalen politischen Prozessen nicht nicht mehr umkehrbar.

Politische Koruption ist nicht strafbar.

hg+ April 23, 2013 um 13:06

“Die deutsche Wirtschaft profitiert nach Ansicht von Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) enorm vom Euro. “Unsere gemeinsame Währung hat unser Exportland vor allem 2008 und 2009 durch die Krise geführt”, sagte Rösler im Gespräch mit der Zeitschrift “Superillu”. Ein starkes gemeinsames Europa sei aber vor allem bedeutend, um mit den großen Wirtschaftsblöcken in Amerika und Asien auch künftig mithalten zu können, so Rösler.”

1) …ja, es ist nur die Wirtschaft, die vom dreckigen Betrüger-Euro profitiert. Nicht … die Deutschen!

2) … die sogenante “Deutsche Wirtschaft” gehört zu großßen Teilen längst nicht mehr den Deutschen. Rothschild-Gerd (“SPD”) hat die “Deutsche Wirtschaft” bekanntlich 1999* steuerfrei ans Ausland verschoben … Was den Deutschen hingegen gehört, sind “SPD”-Sparurkunden mit dem Qualitätssiegel “Riester” in der Titelzeile.

3) … EUdSSR-Europa ist NICHT als Wirtschaftsblock gegen die USA konstruiert. Im Gegenteil, EUdSSR-Europa ist als gleichgeschalteter Vasall der USA konstruiert!! Weil, OHNE totale Kontrolle über die weltgrößte Wirtschaftsmacht Europa … wären die USA als dominante Supermacht … game over.

—–
SPD.
EUropa statt Demokratie.
Jetzt!
—–

* http://www.zeit.de/2005/37/Steuern/komplettansicht

BB April 23, 2013 um 14:27

“Aber es stellt sich doch die Frage, wie es dem damaligen Chef von Adidas-Salomon in den Sinn gekommen sein soll, dem damaligen Manager des FC Bayern München einen Privatkredit in Höhe des Gegenwerts von 20 bis 30 Großburgwedeler Eigenheimen zu Spekulationszwecken zur Verfügung zu stellen. ”

Diese Frage ist sicherlich interessant. Aber ebenso interessant ist, warum sich Ulli H. 15 Mio so ratz-fatz mal eben zum Zocken geliehen hat und das dann offensichtlich schnurstracks so vermehren konnte, dass am Ende ein 3 stelliger Millionenbetrag draus wurde.

Einige Medien versuchen jetzt, Ulli H. als getriebenen (also nicht verantwortlichen) Zocker hinzustellen. Normalerweise zockt man das, was man schon hat, und das wahr bei Ulli H. nicht wenig.

Wenn sich einer also zum Zocken mal so eben 15 Mio. leiht, dann sieht er meist eine totsichere Opportunity. Und die muss (!) seinem Gläubiger plausibel gewesen sein.

Das riecht nach ganz großem Insider-Geschäft!

(Man wird doch noch Arbeitshypothesen aufstellen dürfen, oder kriegt man dann sofort einen drauf von wegen “Unschuldsvermutung”?)

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