Gut wäre ein Sieg über Barca?

by f.luebberding on 23. April 2013

Am Fall des Uli Hoeneß ist viel zu lernen. Sicherlich nichts über die Unterhaltungsindustrie namens Profi-Fußball. Sie ist ein Geschäftsmodell, wie jede andere Dienstleistungsbranche. Sie findet nur mehr Zuspruch als vergleichbare Aktivitäten, etwa der Profi-Radsport. So wird sich heute niemand über den Wechsel eines 20jährigen jungen Mannes von Dortmund nach München für 37 Millionen € wundern. Mario Götze bekommt dafür ein zu versteuerndes Grundgehalt von 7 Mio. € im Jahr. Interessant ist der Fall Hoeneß, weil man an diesem Beispiel sehen kann, wie PR-Strategien die Berichterstattung kontaminieren.

Schon am Samstag war das zu erkennen, unter anderem wegen der via Abendzeitung lancierten Summe von mehreren hundert Millionen Euro, die Hoeneß angeblich auf Schweizer Bankkonten geparkt habe. Das Verlautbarungsorgan des FC Bayern München namens Focus begnügte sich letztlich mit der Verkündigung der Einlassungen des Uli Hoeneß zu diesem Thema. Als dann via Bild und Süddeutsche Zeitung der Reichtum des Uli Hoeneß auf Normalmaß geschrumpft war, setzte zugleich jene Medienkritik ein, die schon nach 2 Tagen eine Hetzjagd auf den Präsidenten des FC Bayern München diagnostizierte. Oder von unklaren Tatbeständen fabulierte. Dabei war die Steuerhinterziehung eingestanden, genauso wie die Herkunft des Geldes. Nämlich der Privatkredit des Robert-Louis Dreyfus an Hoeneß um das Jahr 2000. Das war übrigens die einzige Information, die die Süddeutsche Zeitung aus öffentlich nicht zugänglichen Quellen mitteilte. Es war mit relativ wenig Aufwand verbunden, zu den gleichen Schlussfolgerungen zu kommen, wie in der Süddeutschen von heute. Was dort sonst zu lesen gewesen war, ist die Sichtweise des Uli Hoeneß auf seinen eigenen Fall. Oder wie ist es zu erklären, dass heute auf der Seite 3 unter dem Titel “Drama, Baby” von den 50 Millionen € Steuern zu lesen ist, die Hoeneß in den vergangenen 20 Jahren an den Fiskus abgeführt habe? Was fehlte ist das daraus abzuleitende Einkommen. Bei einem angenommenen Spitzensteuersatz  von 50 % auf das zu versteuernde Einkommen muss es in diesem Zeitraum mindestens 100 Millionen € betragen haben. Der Text liest sich völlig anders, wenn man diese Zahl wenigstens erwähnt hätte. Das wurde glatt vergessen. Das Mitleid mit dem Jagdopfer Hoeneß hielte sich dann in Grenzen.

In dem Stil geht es weiter. Etwa was die seltsame Praxis des Privatkredits betrifft: “Mauscheleien mit dem damaligen Adidas-Chef Louis Dreyfus? Keine Belege.” Stattdessen ein Psychogramm über Hoeneß und seine Moralvorstellungen. Wie er ein Doppelleben als Zocker geführt habe. Immerhin, das ist sicher, hat sich Hoeneß die 20 Mio. DM nicht in Fünf-Mark-Münzen auszahlen lassen, um das Geld an Daddelautomaten zu verspielen, bekanntlich die Sucht der unteren Stände. Anschließend wird Marcel Reif zitiert, der zwar keine Talk-Show zum Thema besuchen will, aber mit seinen Gefühlsbeladenen Einlassungen über den “wie einen Hund leidenden” Hoeneß in die schlechteste Sendung von Sandra Maischberger oder Markus Lanz passen könnte. “Viele von uns”, so Reif, “haben irgendwann einmal begriffen, dass Uli Hoeneß nicht nur ein kapitalistischer Gewaltmensch ist. Sondern eben ein Mensch mit einem sehr großen Herz. Viele von uns müssen nun begreifen, dass ein solcher Mensch auch Fehler macht.” Wahrscheinlich ist das der neue gefühlvolle Investigativ-Journalismus. Wen interessiert das, was Reif über Hoeneß sagt? Welchen Erkenntnisgewinn bringt das?

Tatsächlich erfährt man nichts über den Hintergrund dieses Darlehens. Oder stellt die Frage, wie es Hoeneß nach dem Platzen der New-Economy Blase geschafft haben will, auf einen kreditierten Einsatz von 10 Mio. € 100 % Rendite zu erzielen. Denn laut Süddeutsche hat Hoeneß den Kredit nach spätestens 2 Jahren wieder zurückgezahlt. Ein Anlagegenie. Goldman-Sachs muss vor Neid erblassen, wenn sie nicht gerade mit Insiderinformationen handeln. Selbst solche simplen Fragen stellt niemand. Dafür beklagt man lieber die “hysterische Debatte” über und die Jagd auf Hoeneß. Und Reif darf rührselige Kommentare verfassen.

Mittlerweile hat Hoeneß über Bild einen “schweren Fehler” eingeräumt. Zugleich hat der BVB bekannt gegeben, dass Mario Götze dem Verein vor wenigen Tagen seinen Wechsel nach München mitgeteilt habe. Hoeneß hatte seine Anwesenheit im Stadion beim Champions League Halbfinale schon vorgestern angekündigt. Was für eine seltene Koinzidenz der Ereignisse. In Anlehnung am alten Fritz könnte man von dem “Wunder des Hauses Hoeneß” reden. Natürlich wird der Wechsel unter Fußballfans in München wie eine Bombe einschlagen. Sie sind die Referenzgruppe des Präsidenten von Bayern München. Ihm kann die Politik gleichgültig sein. Sie werden ihm den “schweren Fehler” verzeihen. Mit diesem Deal und einem möglichen Sieg über Barcelona werden sie ihrem Idol alles vergeben. Schließlich ist er ja ein guter Mensch, wenn auch nicht ohne Fehl und Tadel. Wie stand es heute am Schluss von “Drama, Baby” in der Süddeutschen auf Seite 3?

“Die Moral ist das eine. Alles andere lässt sich kurz und knapp gerade so zusammenfassen: Gut wäre ein Sieg über Barca.”

Über den Transfer von Götze hatte sie Hoeneß wohl nicht informiert. So ein Pech. Dort war Springers Bild exklusiver. Investigativ war es aber auch nicht.

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ruby Mai 1, 2013 um 09:48

” Während Deutschland langsam aufwacht … ”

http://www.youtube.com/watch?v=OORaR3V-mms

Schon gefrühstückt ?

ruby Mai 1, 2013 um 09:56

übrigens der uli-spot ist metapostmodern in wort, musik, bildern
war der wirklichkeit einfach voraus
ab dem fünften mal abspielen ergeben sich bisher undenkbare fragen

petervonkloss Mai 1, 2013 um 10:40

dier ist tier ist dir

ruby Mai 1, 2013 um 11:37
ruby Mai 1, 2013 um 13:54

” Have to get back, have to get back the base
I need to talk to somebody, I can trust
Too many cooks, are tryin’ to spoil the broth
I can’t feel it in my throat, that’s all she wrote

I’m not feeling it no more, I’m not feeling it anymore
Not feelin’ it no more, not feelin’ it anymore

When I was high at the party, everything looked good
I was seein’ through rose coloured glasses
Not seein’ the wood for the trees
I started out in normal operation
But I just ended up in doubt
All my drinking buddies, they locked me out

I’m not feelin’ it no more, I’m not feelin’ it anymore
No feelin’ it no more, I’m tryin’ to give you the score

You see me up there baby, I’m on the screen
But I know better now, it’s so unreal
If this is success, then something’s awful wrong
`Cause I bought the dream and I had to play along

I’m not feelin’ it no more, I’m not feelin’ it anymore
I’m tryin’ to give you the score, I’m not feelin’ it no more

We all know that money, don’t buy you love
You just get a job and somewhere to live
You have to look for happiness, within yourself
And don’t go chasin’ thinkin’ that it is somewhere else

I’m not feelin’ it no more, I’m not feelin’ it anymore
Baby I’m tryin’ to give you the score,
I’m not feelin’ it no more

I was pretending all the time
I was givin’ everybody what they wanted
And I lost my peace of mind
And all I ever wanted was simply just to be me
All you ever need is the truth
And the truth will set you free

I’m not feelin’ it no more, I’m not feelin’ it anymore
I’m tryin’ to give you the score, just like I did before
I’m not feelin’ it no more, I’m not feelin’ it anymore
I’m not feelin’ it no more, baby I’m just trying to give you the score
I’m not feelin’ it no more, not feelin’ it anymore
Not feelin’ it no more
Not feelin’ it no more baby. “

ruby Mai 1, 2013 um 14:47

Wer zielgerichtet und erfolgsorientiert Interessen in Organisationen durchsetzen will, wird die dort handelden Personen kontrollieren, abhängig oder erpressbar machen. Jeder hat seine persönlichen Schwächen : Zocken, Frauen, Kinder, Bespitzelung, Gier, Schönheit…
Wenn dann die Zeit gekommen ist, wird die Schublade mit den “Steuerungsinstrumenten” geöffnet.
Die Schmiermittel Medien vermitteln die Drehbücher .
Kitzel der Macht als Zugabe.
Bloß erwischen lassen (Transparenz), das darf nicht passieren.
In diesem Sinne :
“Soviel du brauchst”

ruby Mai 1, 2013 um 15:14

EU-Vertragsbrecher und Steuerhinterzieher in der VIP-Lounge im neuen Wembleystadion beim Smalltalk (Beratungsgespräch):
http://de.wikipedia.org/wiki/Wembley-Stadion
Dortmund vs. München
Watzke/Steinbrück vs. Hoeness/Seehofer
Kampf der Giganten um den Thron der Meisterklasse

ruby Mai 1, 2013 um 15:24

“Nach der 1:2-Niederlage gegen Deutschland im zweiten Spiel nach der Eröffnung des New Wembley sangen die Fans im Gästesektor We won the first game in Wembley! (Wir haben das erste Spiel in Wembley gewonnen!) und knüpften so nahtlos an das letzte Spiel im alten Stadion an, nach welchem man bereits We won the last game in Wembley! (Wir haben das letzte Spiel in Wembley gewonnen!) skandieren durfte.”
aus wiki
Wer gewinnt, das erste deutsch-deutsche Championsligafinale und erlangt die fußballerische Unsterblichkeit ?

Carlos Manoso Mai 1, 2013 um 15:51

@petervonkloss Mai 1, 2013 um 02:37
„Im Kreislauf der Naturen und der Geschichte ist Gerechtigkeit ein Luxusphänomen; und insofern verdient, falls es nicht in die Formlosigkeit zerfällt. Daher ist die christlich – sozialistische „Gerechtigkeit“ a`la lounge dekadent!!.“

Petervonkloss, scheinbar bist du auch auf die übliche „Naturalisierung des Sozialen“ reingefallen, die vom neoliberalisierten Mainstream seit Dekaden betrieben wird. Aber tröste dich, der „Nationalsozialismus“ war als dein Vorbild der (in die perverseste Barbarei abgeglittene) Meister darin, Gesellschaft rrrestlos und uuunerbittlich in Natur aufzulösen.

Offensichtlich hast du noch nicht begriffent, dass das „warenproduzierende System“ mitsamt seinem liberalen Spuk der „Gerechtigkeit“ gerade dabei ist, sich selbst aufzulösen. Gewiß kannst du dir ohne ein „warenproduzierendes System“ nur den „Naturzustand“ offener Barbarei vorstellen. Neu ist: Was DAMALS noch eingebannt schien in den historischen Zivilisationsbruch des deutsch-faschistischen Regimes, droht sich heute allerdings totalitär zu verallgemeinern durch den subjektlosen Weltmarktprozess des Kapitals.

ruby Mai 1, 2013 um 15:53

So sollten die Spieler nach Spielende shotgunnen :
http://www.youtube.com/watch?v=UvklBbYgnsk

Soldat Schwejk Mai 1, 2013 um 16:38

Ah… der Werwolfswelpe war mal wieder da und hat das Flutlicht angeheult, weil er’s für den Mond hielt. :-D Drauf muß er sich von @CM vorhalten lassen: “Offensichtlich hast du noch nicht begriffen…” Ja, der Blog hat schon seine skurrilen Momente.

Aber egal… ich wollte doch was über Regionalfußball und Regionalbahnterror schreiben…

Also ich glaube, man braucht da keine sonstwie soffistikäteten Theorien rauszukramen. Ist eigentlich spätpubertäres Gruppenverhalten. Und zumal im Osten: Die Leute kommen ja zumeist nicht aus Dresden, Rostock oder so, sondern eher aus abgehängten Regionen im weiteren Umfeld, wo sonst nix los ist. Einfach tote Hose, vielleicht hat auch noch die Dorfbumsdisco zugemacht. Mit den Eltern ist auch nix los, die hängen, geschafft von den Umbrüchen der letzten zwei Jahrzehnte und irgendwie im eigentlichen Wortsinne “lebensmüde” nur noch rum und warten auf die Rente.

Und… wichtiger Punkt!… die gescheiteren und attraktiveren jungen Frauen verlassen pünktlich mit Erreichen der Volljährigkeit fluchtartig die Region… in den Westen, nach Bäalin, oder auch nur in die nächste Großstadt. Schrieb auch der Schirrmacher mal was drüber. Ist auch kein Wunder, kann mich an einen WSI-Report vor ein paar Jahren erinnern, der für Durchschnittslöhne von Frauen im Dienstleistungssektor des Ostens knapp über 8 Euro auswies. Also Durchschnitt, nicht Median! Und da sind die Bankerinnen und so schon mit drin.

Zu einem gewissen Zeitpunkt der Jungmänner-Sozialisation aber führt das Fehlen eines starken weiblichen Korrektivs zu schweren regressiven Einbrüchen… wird wohl auch jeder bestätigen können, der im Osten mal gedient hat, also wo die Leute nicht jedes Wochenende in ihr vertrautes Biotop zurückkonnten.

Dann berücksichtigen wir noch, daß die Regionalbahnterroristen eine gewisse Negativauslese in Sachen Oberstübchendurchleuchtung darstellen und daß der Gruppendruck noch eine Angleichung auf den kleinsten gemeinsamen Nenner bewirkt. Fußballtourismus mit allem Drum und Dran ist da eben das Mittel, die spätpubertäre Sau rauszulassen und ein Gruppenerlebnis zu haben.

Bei “echten Hools” sieht’s übrigens wohl anders aus, die sind im Kopf heller. Das sind eigentlich anarchische Extremsportler, die nur keine Vereinsmeierei mögen und unter denen Unbeteiligte in der Regel nicht zu leiden haben. Also ähnlich wie die, die Parcours und so machen.

Und hier noch die Wette für heute: Barcelona drei, Bayern zwei. Das ist kompatibel mit verschiedenen Spielverläufen…

Aber will jetzt erst mal selber draußen noch ein bißchen vor dem Tod weglaufen…

Wilma Mai 1, 2013 um 17:27

Hoeneß hat also richtig gezockt. Er hat das Geld auch zum Zocken bekommen. Wer soll das denn glauben?
Eine Variante für Reiche.

Der Normalo, der Schwarzgeld waschen will, geht immer noch ins Spielcasino.

ruby Mai 1, 2013 um 17:41

@ Wilma
Für wen setzt sich der Uli bei Bayern ein, wenn es um einen Vertrag mit … geht ?

Morph Mai 1, 2013 um 19:32

@Schwejk

“Also ich glaube, man braucht da keine sonstwie soffistikäteten Theorien rauszukramen. Ist eigentlich spätpubertäres Gruppenverhalten.”

Tja, es geht doch nichts über den guten alten Biologismus + situative ‘Determinanten’, wenn es darum geht, die eigene Lebenspraxis von dem abzutrennen, was gesellschaftlich ‘anderswo’ passiert.

Wäre ja noch schöner, wenn irgendwer mit ‘herausgekramten’ ‘sonstwie’ ‘soffistikäteten’ (hihi, köstlich!) ‘Theorien’ uns unseren Spaß am Showbiz verderben würde, he!

Ach übrigens, hier mein Spieltipp zu ‘Gesellschaftskritik 2.0′ vs. ‘Funktionselite 2.0′: o:0 (nach Verlängerung und Elfmeterschießen).

It’s the hyperreality, stupid!

Morph Mai 1, 2013 um 19:49

@Schwejk

“Barcelona drei, Bayern zwei.”

Also Fünf zu Null für den Gewinner, der bekanntlich alles kriegt:

http://www.youtube.com/watch?v=XnjdvCNJy-s

:-)

ruby Mai 1, 2013 um 19:52

Das kannst nicht haben – Elfmeterschießen ist wie Tiebreak !
Oder wo gelangen wir in die Hyperreality – bin sofort dabei !
Darf ein Musikinstrument oder -abspielgerät mitgeführt werden ?
;-)
oder müssen wir dann singen ?
;-(

ruby Mai 1, 2013 um 20:02

Habe den Titel
“Sportkamerad beyond Space”
SpbSp
für @ Morph
vergessen

Morph Mai 1, 2013 um 20:17

@ruby

“Das kannst nicht haben – Elfmeterschießen ist wie Tiebreak !”

Geh von dem Fall aus, dass niemand trifft bis alle tot sind. Wir reden ja nicht von realistischen Verhältnissen…

holger Mai 1, 2013 um 20:21

Ich bin ja immer noch für ein Experiment…

Die Zustände 1988 wieder schaffen mit allem Ahh und Ohh den Ossis die Chance geben sisch selber weiter zu entwickeln souverän als eigener Stamm ohne soli und mit Alu…

Dann will ich doch mal sehen, was die Ost-Goten so drauf hätten… meinetwegen kann auch Düüüüünamöööö auch CL spielen… und frei reisen dürfen die dann och. Und ich schlage vor den Topistaner als Herrscher zu benennen…

Frau Witt würde garantiert nicht freiwillig im Land der Dichter und Denker bleiben wollen. (Ach… ist ja auch schon länger her) Wichtig ist, dass der Ostgöte verklausuliert IM Erika like tippseln kann.

Man nennt ihn auch Önigma…

Und nü bleibt den Östgöten nur die Wahl zwischen BVB und FCB in Wembley… und er wird wieder gedemütigt… armer armer Ossi…

Fragen? Bitte an Herrn Sammer!

ruby Mai 1, 2013 um 20:28

Zur Versöhnung mit den Zoonies dieses Liedchen :
http://www.youtube.com/watch?v=V5VTlj4Ef5A
Machst Du den Tastenmann Holger?

Soldat Schwejk Mai 1, 2013 um 23:59

@ Morph – “Wäre ja noch schöner, wenn irgendwer mit ‘herausgekramten’ ‘sonstwie’ ‘soffistikäteten’ (hihi, köstlich!) ‘Theorien’ uns unseren Spaß am Showbiz verderben würde, he!”

Naja, soffistikätete Theorien sind doch auch irgendwie Showbiz, oder? Für ein spezielles Publikum. Ich seh das gar nicht negativ. Kann mich über eine schöne Gedankenvolte ebenso freuen wie über einen Fallrückzieher. Und Humor gibt’s auf dem Feld ja auch. Muß immer mal wieder an den dänischen Politologen Ole Waever denken, der eine Reihe von Theorieansätzen zwischen “Boundary of Boredom” und “Boundary of Negativism” auffächerte. Eine grobe Spielart von Rat.Choice lag für ihn hinter der ersten, ein brachialer Dekonstruktivismus hinter der zweiten.

Schwierig wird’s nur, wenn Teile jenes Showbiz zusätzlich mit dem Anspruch auftreten, politisch handlungsleitend zu sein und gesellschaftliche Interessen zu strukturieren. Das immerhin macht der Fußball nicht.

@ Holger

Nu ja, was wäre geworden, wenn die Zone eigenständig geblieben wäre, mit eigener Währung?

Zum Teil kann man Rückschlüsse aus der Entwicklung Tschechiens ziehen, von der Struktur und vom Ausgangsniveau waren die Staaten wohl nicht so unähnlich.

Aber zwei Unterschiede: Keine Sprachbarriere nach Westdeutschland (Mundarten lassen wir mal raus). Und außerdem war die DDR eh schon zum Teil verlängerte Werkbank des Westens.

Die Alumark hätte als frei konvertierbare Währung ziemlich abgewertet, wodurch Euch eine dann offen sichtbare Dumpingkonkurrenz entstanden wäre. Noch mehr Westunternehmen hätten Teile der Wertschöpfung in die Zone outgesourct. Außerdem hätte es einen Zustrom von Arbeitskräften von Ost nach West gegeben. Spätestens 1992 hättet Ihr im Zonenrandgebiet gefordert, die Mauer wieder aufzubauen.

Ach, und… äh… mein Tipp… naja. Aber lieber weit daneben, als durch ein Tor in der letzten Minute die Wette verloren.

Morph Mai 2, 2013 um 08:13

@Schwejk

“Kann mich über eine schöne Gedankenvolte ebenso freuen wie über einen Fallrückzieher.”

Junge, Du bist ja ein ganz Moderner! Supi, supi!

“politisch handlungsleitend zu sein und gesellschaftliche Interessen zu strukturieren. Das immerhin macht der Fußball nicht.”

Ganz, ganz supi!! How low can you go?

http://de.wikipedia.org/wiki/Fu%C3%9Fballkrieg

gelegentlich Mai 2, 2013 um 10:07

@Schweijk
“Schwierig wird’s nur, wenn Teile jenes Showbiz zusätzlich mit dem Anspruch auftreten, politisch handlungsleitend zu sein und gesellschaftliche Interessen zu strukturieren. Das immerhin macht der Fußball nicht.”
Handlungsleitend nicht ganz. Aber manche Leute, und eben dieser Hoeneß, benutzen ihren kommerzialisierten Leistungssport, ihre Gladiatorenmaschinerie, um Herrschaftsideologien zu popularisieren und politische Botschaften zu verbreiten. Das ist der einzige Punkt, der mich an diesem “Fall” überhaupt interessiert. Und deshalb wäre es für uns wünschenswert wenn jetzt mit seinem Fall diese Botschaft im Staub versinkt.
Dann entsteht vielleicht in den Köpfen die Assoziation
neoliberal – Diebstahl – asozial – konstruktionsbedingt verlogen – muss man schnell entsorgen (im Wortsinn)

“Nu ja, was wäre geworden, wenn die Zone eigenständig geblieben wäre, mit eigener Währung?”
Das berührt eigentlich die Lebenslüge Westdeutschlands, wonach die “freie Marktwirtschaft” grundsätzlich “dem Kommunismus” überlegen sei, was so sicher dummes Zeug ist. Wäre aber ein anderer Thread.

gelegentlich Mai 2, 2013 um 11:42

Hier das, was ich schon lange erwartet hatte. Herr Thewes sorgt sich um die Integrität seiner neoliberalen Rattenpseudoreligion:

http://www.focus.de/finanzen/steuern/thewes/steuerhinterziehung-leicht-gemacht-warum-trickst-der-fiskus-nicht-uli-hoeness-aus-_aid_977827.html

Vielleicht irre ich mich. Aber das ist der bisher am durchsichtigsen exkulpieren wollende Artikel den ich in diesem Zusammenhang gesehen habe. Inhaltlich wirr: natürlich ist das, was Hoeneß da gemacht hat, asozial. Genauso wie das, wofür die selbstinszenierte Figur Hoeneß steht. Das Gemeinwesen bestehlen und damit unterminieren. Auch wenn er in diesem Leistungssport eher ein Amateur zu sein scheint gegenüber den Banken ändert das nichts an der Charakterisieung.

Bruchmüller Mai 2, 2013 um 12:02

@ Morph…

…hat einen Türspalt offen gelassen. Bei ausreichendem Interesse kann man bereits einen Blick auf sein gesammeltes Verstummen werfen.

@ Holger,

mir scheint, bei Dir wird´s mal wieder Zeit für ein eigenes Blog. (Da Sammer wieder).

ruby Mai 2, 2013 um 17:14

Bayern -> CSU -> Seehoferregierung -> Amigos -> Rücktritt ->
Neuwahlen

Doktor D Mai 2, 2013 um 18:02

Neuwahlen sind doch eh’ im Herbst, auch in Bayern. Das lohnt doch nicht mehr, außer für die Opposition. Aber von denen lässt sich Seehofer sicher nicht ins Bockshorn jagen.

ruby Mai 2, 2013 um 18:28

Morgen will sich Seehofer im Feierpalast hollywoodlike zum MP-Kandidaten küren.
25 CSU`ler unter Amigoverdacht – wollen die als Kandidaten weiterhin auftreten oder gibt es bereits Nachrücker, denn die sind doch für Bürger nicht mehr wählbar .
Besonders krass – die Skrupellosigkeit bei Kinderarbeit zulasten öffentlicher Haushalte – was geht in den Gehirnen ab ?
Kann nicht mal ein Psychodok bei der Party morgen vorbeigeschickt werden ;-)

ruby Mai 2, 2013 um 18:42

“When it`s over”
1982 von Loverboy`s Get Lucky
http://www.youtube.com/watch?v=raXSyHDDcYo
very mainstreaming …

ruby Mai 2, 2013 um 19:03

“Seehofer kommt auch noch: Er ließ seine Geliebte in Berlin, die er geschwängert hat, auch für sich arbeiten.”
So ein Kommentar beim Spiegel Online;
man will das ja garnicht mehr wahrnehmen, von diesen ehemaligen geistig-moralischen Erneuerern .

ruby Mai 3, 2013 um 00:30

Kirchentagstraum :
Auswärtiges Amt hat eine Flotte fliegender Teppiche bestellt und lässt Niebel mit seinen eingestellten Freunden und Freundinnen ins Nirwana starten – ohne Rückflugbuchung.
http://www.zeit.de/politik/deutschland/2013-05/niebel-entwicklungsministerium-fdp-posten

"ruby" Mai 23, 2013 um 16:15

Gut wäre ein Thread zum Finale, bevor der Uli mit Handschellen in den fiktiven Tunesienknast des Otto Schily überführt wird ;-)
Merkel macht`s möglich; Wembley wir kommen …

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