Störung geboten

by h.huett on 26. Mai 2013


Wolfgang Streeck diskutierte heute im STREITRAUM der Berliner Schaubühne mit Carolin Emcke über sein neues Buch “Gekaufte Zeit. Die vertagte Krise des demokratischen Kapitalismus”. Ich fasse hier meine Notizen seines Vortrags und des anschließenden Gesprächs zusammen. Auf das Buch komme ich in einem weiteren Beitrag zurück. Das Gespräch war unter dem Titel angekündigt: “Postdemokratie: Die vertagte Krise – oder Demokratie und Kapitalismus als Hase und Igel“. Streeck leitete seinen Vortrag mit einigen Fragen ein: Was sind die Gründe dafür, dass die Euro-Politik den Eindruck erweckt, einem ökonomischen Diktat hinterherzuhecheln? Warum gibt es aus dem Kreis der verantwortlichen Politiker keine Ursachenanalyse? (Ich erinnere daran, dass die Bundeskanzlerin mit dem Versprechen einer “schonungslosen Analyse” in den letzten Bundestagswahkampf gezogen ist. Kaum war die Wahl vorbei, verschwand das Analyseversprechen auf Nimmerwiedersehen.) Sind die Spannungen neu, die wir zwischen den europäischen Regierungen im Zuge ihrer Euro-Beschlüsse wahrnehmen? Wie wird die Krise tatsächlich bearbeitet? Haben wir es infolge der bisherigen Beschlüsse nur mit einer bis auf weiteres vertagten Krise zu tun, ist nur Zeit gekauft worden?

Streeck steigt ein mit einem historischen Rückblick und erinnert an Hobsbawns Studie “The Age of Extremes“, in der er das kurze 20. Jahrhundert von 1914 bis 1991 analysiert. Wir stehen heute erneut vor der Frage, ob Demokratie und Kapitalismus mit einander vereinbar sind. Wie reagierte das Besitzbürgertum in den kapitalistischen Ländern auf die Große Depression? Wie sahen im internationalen Vergleich verteilungspolitische Kompromisse aus für die Abfederung von Folgen der “kreativen Zerstörung” der kapitalistischen Ökonomie? Wie gingen, im Unterschied zu Deutschland mit dem NS und Italien mit dem Faschismus, die anderen westlichen Länder mit den Herausforderungen der Krise um? Er erinnert an den  “Matthäus-Effekt“:

Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, und er wird die Fülle haben; wer aber nicht hat, dem wird auch, was er hat, genommen werden.

Die zeitgenössischen Debatten in den 30er Jahren diskutierten über Deutschland, Italien und die UdSSR ähnlich wie heute der chinesische Weg diskutiert wird: neidvoll auf die hohen Wachstumsraten schauen und die eingeschränkte Demokratie als Modernisierungsbeschleuniger interpretieren. Keynes sei lange Zeit Außenseiter geblieben. Trotz des New Deals habe Amerika Ende der 30er Jahre vor einem Rückfall in die Depression gestanden – allein der Kriegseintritt der USA habe das abgewendet. Der Wiederaufbau nach dem Krieg , unter dem Schutz des amerikanischen Hegemons, sei aus heutiger Perspektive eine Ausnahmephase gewesen, die in den 70er Jahren zu Ende war. “Mit der Ablösung der chilenischen Regierung” (das Publikum lacht, Streeck provoziert pointiert) sei diese Ausnahme beendet gewesen. Andere Perspektiven auf die heutige Entwicklung vermittle beispielsweise der kanadische Philosoph Daniel A. Bell, der die Dämonisierung des chinesischen Regimes durch westliche Kritiker zurückweist.

Wesentliche Merkmale neoklassischer bzw. neoliberaler Entscheidungsregimes sieht Streeck in der Verlagerung von Entscheidungskompetenz auf demokratisch nicht legitimierte Superakteure wie die Zentralbanken, den IWF, den Europäischen Gerichsho und die Europäische Kommission.

Parallel zur inhaltlichen Entleerung demokratischer Entscheidungskompetenzen sei seit Ende der 70er Jahre eine sinkende Wahlbeteiligung der ökonomisch benachteiligten Bevölkerungsgruppen zu beobachten. Die Dauerverlierer aller Krisen gehen nicht mehr wählen. Sie seien auch von den politischen Parteien aufgegeben worden. Der ökonomischen und sozialen Prekarisierung entspreche die politische Marginalisierung. Das gilt ebenfalls für die rückläufige Mitgliedschaft in den Gewerkschaften. Die Korrelation zwischen diesen Entwicklungen sei evident.

Thatcher und Reagan hätten anfang der 80er Jahre die Macht der Gewerkschaften brachial gebrochen und mit Leitzinsen von zeitweise über 20 Prozent nicht nur Helmut Schmidt zur Weißglut gebracht. Die Folgen seien zu besichtigen: die Inflation sei zurückgegangen, die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder sei rückläufig und ebenso sei die Zahl der Streiks deutlich zurückgegangen. Parallel zu dieser Entwicklung – mit zunehmender Prekarisierung – sei der Matthäus-Effekt auch auf der anderen Seite der Skala durch kumulative Bevorteilung der Besitzenden evident.  Man beobachte etwa die degressive Entwicklung der Steuern und zunehmende Chancen Vermögender, der Besteuerung durch Unternehmens- oder Wohnsitzverlagerung zu entgehen. Ohne korrigierende Mechanismen wie etwa die Bildungspolitik und wohlfahrtsstaatliche Stabilisatoren vertiefe sich die Spaltung der kapitalistischen Gesellschaften rasant. Die griechischen Schulden seien auch dadurch erklärbar, dass nach Beitritt Griechenlands zur Europäischen Währungsunion mit internationalem Applaus die Spitzensätze der Körperschaftssteuer von 40 auf 20 Prozent gesenkt und seitherige Budgetdefizite durch Kredite finanziert worden seien.

Emckes erste Fragen: Wie konnte es dazu kommen, dass der ökonomische Kernkonflikt aus den Augen verloren wurde? Haben wir eine Legitimations- oder eine Effizienzkrise – und wer oder was hat uns betäubt? Was hat dazu geführt, dass der Optimismus der Steuerbarkeit, wie er zuletzt noch von den Ausläufern der Frankfurter Schule propagiert worden sei, heute kein Thema mehr sei?

Nichts ist von Dauer

Streeck antwortet lakonisch, trocken, pointiert. Nichts ist von Dauer. Alles vergeht. (Leises Lachen im Saal). Er wendet die Aufmerksamkeit auf die “Gewinnabhängigen”: Unternehmen, Banken, Kapital. Ende der 60er, anfang der 70er Jahre sei es zu massiven Profiteinbrüchen gekommen, auch infolge damaliger verteilungspolitischer Konflikte. (Man erinnere sich an den ÖTV-Streik von 1974 unter dem Gewerkschaftsführer Heinz Kluncker mit einem Tarifabschluss von 11 Prozent!) Emcke erinnert in dem Kontext an Versprechen (Wohlstand für alle, Aufstiegschancen, soziale Mobilität). Streeck hält dem entgegen, dass die “Gewinnabhängigen” in den 70er Jahren systemmüde geworden seien, zu viel Profitmasse politisch umverteilt sahen. Die Zeit für politische Umverteilung durch “funny money” sei definitiv vorbei gewesen. Öffentliche Güter seien seither mehr und mehr kreditfinanziert worden. Die progrediente öffentliche Verschuldung habe damals begonnen. Parallel dazu sei auch die private Verschuldung massiv gewachsen, in den USA etwa durch die kreditfinanzierten Studienkosten.

Politisch gesprochen habe man die Direktionsfähigkeit des Kapitals unterschätzt. Auch die Idee, infolge keynesianischer Illusionen, Ökonomen seien zu jedwedem Thema, ähnlich wie Zahnklempner, auskunftsfähig, habe sich als nicht haltbar erwiesen. Die Idee, die Kapitalseite sei Milchkühe, wie sie in Deutschland gelegentlich durch Steuersünder im Fernsehen beklagt wird, habe die Raubtierseite derjenigen aus dem Blick gerückt, die sich nur zeitweise als Kuh verkleidet hätten. Besonders verwundert zeigt sich Streeck über das völlig defizitäre historische Gedächtnis der Menschen. Die roaring twenties bzw. der Konsumismus unserer Zeit erweckt bis heute, wenn man etwa auf die Elogen über die aktuelle DAX-Entwicklung in den Wirtschaftsteilen der großen Medien schaue, den Eindruck, die Party gehe endlos weiter. Es seien auch vor 1929 nur Außenseiter gewesen, die, wie Keynes, vergeblich vor der kommenden Krise warnten.

Emcke verweist auf konkurrierende Narrative, die den Blick von möglichen Konflikten ablenkten, was Streeck dazu veranlasst, auf kürzere Produktzyklen, weit gespreizte Produktdifferenzierung und die seit den 70er Jahren massiv wachsende Marketingbedeutung (das ist die Apple-Story!) hinzuweisen. Das sei maßgeblich für den Konsumrausch gewesen, wogegen im Abseits parallel dazu aus den bisherigen Stadtbädern (ok, die Fliesen sahen scheiße aus, das Chlor stank zum Himmel, aber der Eintritt war niedrig, HH) plötzlich an Pächter vermietete Spaßbäder mit Wasserrutschen plus Palmendekor nebst Lianen geworden seien. Oder er erinnert an die damalige Spaßbremse Bundespost und halbjährige Wartefristen auf ein beantragtes Telefon, das Posteigentum blieb und lediglich unter strengen Auflagen erlaubte, staatliche Leitungen mitzubenutzen. Kollektive Güter werden privatisiert mit der Folge zunehmender Verwahrlosung übrig gebliebener kollektiver Güter. Streeck erinnert an Albert O. Hirschmans Klassiker “Exit, Voice, Loyalty: Responses to the Decline in Firms, Organizations, and States”, der Ähnliches am Beispiel der nigerianischen Eisenbahn und amerikanischer Universitäten beobachtet hatte.

Wenn in Nachfolge von Hayeks Doktrin alle gesellschaftlichen Bereiche sich marktförmig organisieren, sei es politisch kein Wunder, wenn bis dato demokratisch legitimierte Institutionen ihre Entscheidungskompetenzen auf nicht mehr demokratisch legitimierte internationale Institutionen verlagern. Wie dann im Einzelfall Konflikte ausgetragen und Interessen durchgesetzt werden, illustriert Streeck, indem er an Papandreous Idee eines Plebiszits erinnert, mit dem die griechischen Wähler Auskunft geben sollten, was sie von den verlangten Rentenkürzungen hielten.  Das Ultimatum, am schönen Gipfelort der Cote d´Azur formuliert, hätte kaum brutaler sein können: Wenn Du das machst, erschlagen Euch die Märkte. Und schon war Ersatz für Papandreou in Sicht, zudem ein alter Bekannter aus dem Europäischen Zentralbankrat. Ähnliches sei am Beispiel von Montis Wahlergebnis von knapp 10 Prozent zu besichtigen gewesen – oder dem Fiasko des an einem Freitagabend getroffenen Beschlusses, die zypriotischen Sparer umstandslos alle zu rasieren. Dass Griechenland heute als failed state gelte, dafür sei auch deutsche Politik verantwortlich gewesen. Die Demokratie sei in Griechenland, Spanien und Portugal, gewissermaßen auch in Italien, immer auf der Kippe gewesen. Mit dem Reformkommunisten Enrico Berlinguer habe keine deutsche Regierung je gesprochen, weil der zertifizierte Mafioso Giulio Andreotti als Staatsgast bevorzugt wurde.

Ob nun, im Zuge der Eurokrise, nachholende Entwicklungshilfe auch im Aufbau von funktionierenden staatlichen Institutionen sinnvoll sei, bezweifelt Streeck. “Jeglicher Imperialismus ist mir fremd, das schließt auch Modernisierungshilfe aus.” In dem Zusammenhang erinnert er an die italienische “Währungsunion” zwischen dem Norden und dem Süden, die seit Jahrzehnten trotz massiver Transfers keine Angleichung der Lebensverhältnisse erreicht hätte. Für Bürger von Milano beginne Afrika mehr oder weniger südlich von Rom. Ähnliche Entwicklungen mit stagnierender Angleichung seien trotz massiver West-Ost-Transfers in Deutschland zu besichtigen.

Warum sollen die Finnen mehr Geduld mit den Griechen haben als die Lombardei mit Sizilien?

Streeck kommt in Fahrt und geißelt Merkels Gleichsetzung von Europa mit dem Euro (ich brauch das nicht zu wiederholen), das sei ein demagogischer Trick, tatsächlich seien die Spannungen seit Einführung des Euro immer größer geworden. Die einzigen Garanten demokratischer Kontrolle im Laufe der Krise seien die nationalen Parlamente und Verfassungsgerichte. Hätten sie nicht, oft zu allerspätester Stunde, interveniert, wären schon sehr viel mehr Entscheidungsrechte auf nicht mehr kontrollierbare europäische Behörden übertragen worden. Ausdrücklich ermuntert Streeck die Parlamente und Verfassungsrichter, die Reste nationalstaatlicher Einwirkungsmöglichkeiten mit Zähnen und Klauen zu verteidigen.

Er erinnert an Jacques Delors´ Pläne zur sozialen Dimension des Binnemarkts. An einer dazu berufenen Kommission sei er persönlich beteiligt gewesen. “Einen Markt kann man nicht lieben”, habe Delors gesagt, aber nach einem Gewerkschaftskongress in Stockholm sei von dieser Initiative nichts übriggeblieben. Der Zug sei abgefahren. Alles, was den Lauf der weiteren Krisenpolitik aufhalte und störe, heißt Streeck ausdrücklich willkommen. Skeptisch bleibt er bei der Frage nach den Akteuren. Viele demokratische Institutionen seien fundamental geschwächt. Den politischen Konsens der Europolitik kritisiert er “als in der Wolle gefärbter Sozialdemokrat” schärfstens. Auswege, wenn man davon überhaupt sprechen könne, sieht er heute allenfalls in den Positionen Oskar Lafontaines und Sahra Wagenknechts.

Soziale Bewegungen wie Occupy (Streeck erinnert an eine Kundgebung mit 2000 Teilnehmern in Frankfurt, gegen die ein Polizeiaufgebot von 15.000 Polizisten angetreten war), seien kaum berechenbar, erhöhten aber die politische Nervosität. Mit dem Euro habe die EWU de facto einen Goldstandard etabliert, der in Krisenfällen innere Abwertungen durch Lohn- und Rentenkürzungen erzwinge. Wie das in Ländern mit starken kommunistischen Parteien und Gewerkschaften aussehen werde, bleibe abzuwarten. Die Notwehr der Unterlegenen sei programmiert, allerdings mit ungewissem Ausgang. Die nächsten Etappen der Krise würden immer unangenehmer, wir müssen mit zunehmenden Spannungen rechnen, wenn etwa die Ausgleichszahlungen für den Süden zu hoch werden und die Wähler im Norden  nicht mehr mit machen.

Ob es Chancen für ein anderes Narrativ gäbe, fragt Frau Emcke. Streeck wird wieder lakonisch. Auch der Kapitalismus habe keine Ewigkeitsgarantie. Ihn verblüffe, wie wenig die Leute vom Geld verstehen. Die europäischen Strategien des quantitative easing seien bisher zwar halbwegs erfolgreich bei dem Versuch, eine Deflationsspirale zu verhindern, aber je länger das dauere, desto größer seien auch nicht kalkulierbare Inflationsrisiken. Die Lage werde immer verworrener. Vor zwei Jahren habe Wolfgang Schäuble gesagt, wir operierten im Blindflug, ohne Bodenkontakt. Besonders bedrücken Streeck die unzureichenden Prognosekompetenzen, es gebe keine validen Szenarien. Und wie will man ein Narrativ in Verkehr bringen, wenn dieser Stoff buchstäblich fehlt?

Der Economist macht diese Woche mit einem Titelblatt auf, das die europäischen Spitzenpolitiker am Rand eines Abgrunds zeigt. Der Leitartikel hat die Headline: The Sleepwalkers. Streeck erinnert an die Gesprächsprotokolle des Beraterkreises von US-Präsident Hoover vor dem Schwarzen Freitag: die Leute seien völlig optimistisch und bar jeder Ahnung gewesen, was auf sie zukam.

Kommen wir zum Fazit (die Fragen aus dem Publikum waren so, wie Fragen aus dem Publikum in Berlin zu sein pflegen: lunatisch verpeilt, von zwei Ausnahmen abgesehen): Wies weitergeht? Wenn die Leute nicht auf Lafontaine und Wagenknecht hören, sagt der in der Wolle gefärbte Sozialdemokrat, dann kommen einige unangenehme, unberechenbare, extrem unbequeme Jahre auf uns zu. Hoffnungen auf einen Wachstumsschub hält er für unangebracht. Wo soll der herkommen? Die Verteilungskonflikte in den Schuldnerländern werden schärfer, das gelte ebenso für die Nord-Süd-Konflikte in der EWU, bisher regionale Konflikte werden sich internationalisieren.

Die Frage danach, warum die USA funktionieren, macht Streeck noch skeptischer. Im Grunde sei es der Periode vom Ende des Bürgerkriegs bis zum New Deal zu verdanken, dass die Amerikaner ihre Instrumente beherrschen. (Aber wer will heute ernsthaft etwas davon hören, dass uns sieben Jahrzehnte des Schreckens bevorstehen? HH)  Es gehe – in letzter Instanz – darum, Wirtschaft und Demokratie mit einander kompatibel zu halten. Den Verweis auf die BRICS-Länder hält Streeck für zu verwegen, wenngleich es auch hier darauf ankomme, die terms of trade zu beachten. Wenn die Ipad-Produktion zu anständigen Löhnen erfolge, müsste das Ding in dem Luxusladen am Kurfürstendamm 5.000 € kosten.

Zum Schluss warnt er erneut vor der kumulativen Bevorteilung derer, die haben, zeigt sich zutiefst skeptisch im Hinblick auf weitere Verschuldung: das inhärente künftige Leistungsversprechen verliere an Glaubhaftigkeit. Wenn dieser Punkt erreicht sei, sei mit massivsten Krisenfolgen zu rechnen. Pragmatisch wird er nun doch noch: Die Rückkehr zu Parallelwährungen bei weiter bestehendem Euro sei denkbar, die AfD aber sei eine ähnlich bornierte single issue Partei wie die Lega Nord in Italien.

Hoffnung komme erst in Sicht, wenn die SPD mit dem Merkel-Kurs bricht.

{ 119 comments }

Systemfrager Mai 26, 2013 um 20:40

>>> Streeck antwortet lakonisch, trocken, pointiert. Nichts ist von Dauer. Alles vergeht. (Leises Lachen im Saal).
Ja,
das ist gut.
Zwar keine neue Erkenntnis, aber trotzdem gut.

Balken Mai 26, 2013 um 21:23

Fleissarbeitsmitschrift wie vom Einserstudenten. Dankenswert.
Demnach: Rundumschlag des Ist-Zustands. Und nun? Wie geht es weiter? Prognosen sind schwierig, soweit sie die Zukunft betreffen.
Lafontaine und Wagenknecht als die wahren Sozialdemokraten? Ja sicher, schon. Erkenntnisse im intimen Kreis in kleinem Saal. In der Bildzeitung, die den Leuten zum “Lesen” gegeben wird wie Weiland die Fromme Hauspostille, eher nicht. Vérmutlich.

"ruby" Mai 26, 2013 um 23:05

Es macht riesig Spaß konzentriert mitzuschreiben, gerade wenn das Thema mit Herzblut begleitet wird. Die direkte Form bringt Authentizität zum Inhalt.

SH-Kommunal :
CDU leicht im plus
SPD und Grüne im plus
FDP und Die Linke im minus
Freie und Piraten stagnieren leicht rückläufig
http://www.ndr.de/regional/schleswig-holstein/kommunalwahl_2013/kommunalwahlsonntagsh101.html

~ xxx ~ Mai 26, 2013 um 23:10

“Die Rückkehr zu Parallelwährungen bei weiter bestehendem Euro sei denkbar, die AfD aber sei eine ähnlich bornierte single issue Partei wie die Lega Nord in Italien.”
———

===> … warum .. maßßen sich Sozialisten immer an, großß den Schnabel aufzureißßen … wenn sie doch offensichtlich zu borniert sind … zum Lesen?

http://www.alternativefuer.org/pdf/Wahlprogramm-AFD.pdf

===> … man kann der AfD ja vielleicht einiges vorwerfen, um sie zu diskreditieren … und um als Soze möglichst selber an den Fleischtöpfen bleiben zu können und bei der Deutschlansabschaffung auch noch die wenigen verbliebenen letzten Schritte umzusetzen. Aber der AfD vorzuwerfen, sie sei eine “Ein-Themen-Partei” zeugt einfach nur von schlimmstmöglich anzunehmender intullektueller Impotenz.

1.) Währungspolitik:
a) Rückkehr zu Maastricht oder
b) Euro-GameOver!

2.) Demokratie:
- Einführung von Volksentscheiden wie in der Schweiz
- Kampf gegen korrupte Politclowns (Verbot von Nebentätigkeiten, usw)

3.) Umvolkungspolitik:
- Stop der Umvolkung. Beendigung der perversen “SPD”-Methode der Massenimmigration der Bevölkerungen Kleinasiens, Arabiens und Afrikas in den Sozialstaat der BRDDR.

usw.

~ isch ~ Mai 26, 2013 um 23:18

“Wie gingen, im Unterschied zu Deutschland mit dem NS und Italien mit dem Faschismus, die anderen westlichen Länder mit den Herausforderungen der Krise um? ”
———–

===> … da kann ~ isch ~ gerne aushelfen!! … schließßlisch hab isch WIRTSCHAFT studiert.

Roosevelt …

- … ließß streikende US-Arrrbeiter & WKI-Veteranen … niederfüßßilieren!
- … dann ließß er … AUTOBAHNEN … bauen!
- … dann … ab 1936 … ließß er maßßenahft … PANZER … bauen!

===> … noch Fragen an den ~ Wirtschafts-Sachverständigen ~ , @Hütt & @Streek?

Folkher Braun Mai 26, 2013 um 23:56

Guter Beitrag zur Tatsache, wie die konstitutionelle Sülzokratie von Sozialdemokraten auf den Boden der Tatsachen fürchtet rückgeführt geführt zu werden. Über die Folgen für den Arbeitsmarkt empfehle ich: Michael Belzer: Sweatshops on wheels. NY 2000.

Systemfrager Mai 27, 2013 um 07:05

“Wie gingen, im Unterschied zu Deutschland mit dem NS und Italien mit dem Faschismus, die anderen westlichen Länder mit den Herausforderungen der Krise um?”
GUTE FRAGE!

“Mit Blick auf die praktische Rolle, welche die Wirtschaftswissenschaftler während der Großen Depression spielten, stellt der Historiker Hobsbawm fest: „Österreich war vor 1938, wo es eine Fülle solcher Theoretiker gab, die einen Namen hatten und von den Regierungen konsultiert wurden, keine Reklame für wirtschaftlichen Erfolg – bis in die Jahre nach 1945, als es zufälligerweise alle seine renommierten früheren Theoretiker verloren hatte, ohne dafür einen angemessenen Ersatz zu finden.“ Genauer gesagt haben Österreich und Deutschland damals ihre namhaften Theoretiker und ausgewiesenen Experten nicht „verloren“, sondern Hitler hat sie aus den Ämtern gejagt, oder sie haben sich schon vorher still und heimlich davon gemacht, als offensichtlich wurde, dass Hitler ökonomisch erfolgreich war, indem er ausgerechnet das durchsetzte, wovor sie davor im Namen der höchsten wissenschaftlichen Vernunft am lautesten gewarnt hatten.

Gerade in dieser Zurückweisung der „wissenschaftlichen“ Ratschläge von damaligen Experten müssen wir nach dem Geheimnis des ökonomischen Erfolgs der Nazis suchen, und nicht in Hitlers diktatorischer Politik: etwa darin, dass er die Gewerkschaften zerschlug, die Menschenrechte mit Füßen trat und alle Macht an sich riss. Dasselbe haben nämlich auch andere faschistische Führer getan aber nur er alleine war ökonomisch erfolgreich. Es war also nicht die Diktatur an sich, die damals „Hitlers Volksstaat“ (Götz Aly) ökonomisch erfolgreich machte, sondern der Mut und die Entschlossenheit die heiligsten Kühe der orthodoxen bzw. neoliberalen Ökonomie zu schlachten. Und hat man dies getan, dann brauchte man nicht einmal Diktator zu sein. Roosevelt auf der anderen Seite des Atlantiks war bestimmt keiner, im Gegenteil, aber trotzdem war auch er, als er den orthodoxen „Wahrheiten“ eine Abfuhr erteilte nicht weniger erfolgreich. Die Demokratie und die Arbeiterrechte hat er bekanntlich sogar erheblich gestärkt. Als der braune Mob in Nazideutschland die Gewerkschaftler schlug, kämpfte Roosevelt auf ihrer Seite (National Labor Relations Act) gegen die Schlägergarden der gewerkschaftsfeindlichen Industriellen. Diese hätten zu ihren Diensten sogar die übelsten Gangster beschäftigt, beklagte der damalige Gouverneur von Michigan, Frank Murphy. Der Anführer der 600 „Gorillas“ im Ford-Konzern war zum Beispiel der frühere Ringkämpfer Harry Bennet. Die in Dreißiger Jahren vom Lafollette Commitee on Civil Liberties aufgedeckten Waffenarsenale der Industriellen waren größer als die der Chicagoer Polizei.

Der Ökonom mit dem Hammer

Nanuk Mai 27, 2013 um 07:58
keiner Mai 27, 2013 um 08:04

NA also, Hütt, geht doch! Da weiß man endlich mal wieder, warum man das hier noch in den Bookmarks hat.

Warum Wermuth, Schieritz und ähnlich Gestalten sowie das komplette FAZ-Welt-Spon-SZ-Gesoxe die Realitäten verweigern erschließt sich immer weniger.

Nanuk Mai 27, 2013 um 08:06

@~ isch ~
“Last time i checked wars only destroy!”
https://www.youtube.com/watch?v=GTQnarzmTOc

Systemfrager Mai 27, 2013 um 08:12

@Nanuk
Als Ökonom muss ich nolens volens über die genialen Errungenschaften der Ökonomen denken, und weiß du, deine alte youtube-”Entdeckung” kommt mir immer wieder, immer wieder … in den Sinn
http://www.youtube.com/watch?v=IS7Og1zvdy8
;-)

Nanuk Mai 27, 2013 um 08:13
Systemfrager Mai 27, 2013 um 08:24

= = Marktwirtschaft neu denken = =

Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.

Albert Einstein

Wie ein Geldfälscher an sich selbst denkt und damit für die Gemeinschaft nützlich wird
weiter >>>

enrico Mai 27, 2013 um 09:37

Die notwendige Erkenntnis und die daraus folgende Lösung ist schon lange gefunden. Sie wurde veröffentlicht aber nicht wahrgenommen. Man hat es ja nicht nötig, sich um die Erkenntnisse bisher Unbekannter zu kümmern. Zu gefährlich, da könnte man sich womöglich lächerlich machen. Und so bleibt man doch lieber an den alten Mustern kleben. Die HH Texte zeigen dies uns immer wieder. Na, dann sei’s halt so…
Ich gebe es auf.

Aber zum Glück, es stimmt:
Nichts bleibt für ewig.

Nanuk Mai 27, 2013 um 09:39

@systemfrager
“Als Ökonom muss ich nolens volens über die genialen Errungenschaften der Ökonomen denken”

Send in the Clowns
http://www.youtube.com/watch?v=EGekq3Jt5Go

h.huett Mai 27, 2013 um 10:07

Warum dieser “Systemfrager” glaubt, nur weil ihm ausnahmshalber irgendwas hier gefällt, wieder seinen Ressentiments (aka seiner Dummheit) freien Lauf lassen zu können, bleibt mir ein Rätsel.

Nanuk Mai 27, 2013 um 10:17

https://www.youtube.com/watch?v=PMX55qOaLNc
Stillgestanden Herr Huett!

f.luebberding f.luebberding Mai 27, 2013 um 11:04

Es ist natürlich Unsinn, wenn Streeck die Inflation kommen sieht. Dazu werde ich aber noch was machen. Genauso wenig weiß ich, was er unter “anständigen Löhnen” in China versteht. Meines Wissens schrumpft der Wettbewerbsvorteil der Chinesen, weil dort tatsächlich die Löhne steigen. Er ist letztlich auch nur erklärbar, weil die Lohnkostenvorteile nicht durch einen funktionierenden Wechselkursmechanismus aufgefangen werden. Es ist eben eines der ungelösten Probleme, dass Chinesen (und Deutsche) Leistungsbilanzüberschüsse anhäufen, die schlicht absurd sind. Ob ein I-Pad 5.000 € kosten würde, wenn es ein funktionierendes Wechselkursregime geben würde, ist eine ungeklärte Frage – genauso wie die nach dem, was “anständige Löhne” sein sollen. Selbst wenn ein I-Pad 2.500 € kosten würde? Und? Wo wäre das Problem? Volkswirtschaftlich betrachtet, ist es erst einmal völlig bedeutungslos, wie die Konsumenten ihre Einkommen auf die einzelnen Sektoren verteilen. Das derzeitige Währungsregime sorgt also offenkundig nur dafür, dass es zu einer Fehlallokation von Ressourcen kommt. Wenn es nämlich darauf beruht, dass einzelne Sektoren durch die Produktion in der Fertigungswerkstatt China privilegiert werden. Das Geld, was die Leute jetzt wegen Marktverzerrungen für den I-Pad ausgeben, können sie halt nicht für andere Güter und Dienstleistungen ausgeben. So einfach ist das.

Wie ändert man das? Ganz einfach. Indem man China zwingt, sich so zu verhalten, wie es die Größe des Binnenmarktes und der Bedeutung in der Weltwirtschaft verlangt. Das gilt bekanntlich auch für Deutschland, vor allem in der Eurozone. Ein System der Weltwirtschaft, das letztlich nur auf Lohnarbitrage funktioniert, kann nicht funktionieren, vor allem wenn die Anpassungsmechanismen etwa über das Währungssystem nicht für einen Ausgleich sorgen (oder in einer WWU über eine Transfer- ud Fiskalunion).

Natürlich wissen wir das alles schon lange. Es dauert halt nur Zeit, dass sich das auch umsetzen lässt. Im Normalfall passiert das in einer Krise, also wenn offenkundig der Nutzen des bisherigen Systems die Nachteile nicht mehr übertrifft. Dann wird auch die Politik gezwungen, zu reagieren.

Für China und Deutschland bedeutet das vor allem eins: Ihr bisheriges Modell der einseitigen Weltmarktorientierung aufzugeben. Das können beide freiwillig machen – oder sie werden dazu letztlich von außen gezwungen werden. Spätestens dann, wenn niemand mehr da sein sollte, ihre Überschüsse durch die eigene Verschuldung zu erwirtschaften. Der Rest ist politökonomische Folklore, der vor allem zu erklären versucht, warum dieser ganze Unfug solange funktionieren konnte … .

h.huett Mai 27, 2013 um 11:12

Streeck hat nicht behauptet, dass Inflation kommen würde, sondern lediglich die inhärenten Risiken der immer dickeren Geldblasen angesprochen, die ja bei den Banken durchaus nicht die Bereitschaft gefördert haben, KMUs wieder Kredite zu geben.

f.luebberding f.luebberding Mai 27, 2013 um 11:22

Hütt

Ich war zwar nicht dabei gewesen: Aber eines der Streeckschen Erwartungen ist meines Wissens die Inflation. Das ist in seiner Logik auch durchaus konsequent. Er geht ja davon aus, dass der Keynesianismus als Krisenregulierungsstrategie gescheitert ist – und zwar seit den 1970er Jahren. Er also nichts anderes generiert als Geldblasen. Deswegen war Streeck auch Ende der 1990er Jahre einer der Vordenker der Agenda 2010 gewesen, also die Anpassung der VoWi und des Sozialstaates an den Finanzkapitalismus. Das hat nun leider andere Folgen gehabt als er vorhersehen konnte.

Aber Steeck argumentiert geldpolitisch immer wie ein Monetarist aus der BuBa. Da sollte man sich nichts vormachen.

Doktor D Mai 27, 2013 um 11:35

@HH: Hat Streeck was zu seiner Rolle in der Hartz-VI-Kampagne gesagt? Oder generell was zum Thema Politikberatung und ihre Fallstricke?

h.huett Mai 27, 2013 um 11:50

Doktor D Streeck war nicht Mitglied der Hartz-Kommission, arbeitsmarktpolitischer Experte in der Kommission war Günther Schmid vom WZB. Zur Vorgeschichte der Agenda erzählte Streeck eine Anekdote, die ich hier nachtrage: Er war ja in der ersten rotgrünen Legislatur in der Arbeitsmarkt-Kommission des Kanzleramts und da habe er, als einziger, gegen den vehementen Widerstand der IG Metall und der Arbeitgeber, für die gesetzliche Einführung von Mindestlöhnen plädiert. Als er damit vor die Wand rannte, sei er aus der Kommission rausgegangen.

Systemfrager Mai 27, 2013 um 11:52

>>> Streeck … geht ja davon aus, dass der Keynesianismus als Krisenregulierungsstrategie gescheitert ist
Natürlich:
- Keynesianismus ist gescheitert, an den idealistischen Vorstellungen gemessen
- Neoliberalismus ist nicht gescheitert, man kann sie nämlich auch noch viel schlimmere Hölle auf Erden vorstellen
Aber
das kommt noch
PS
Ach so!
Streeck ist also auch einer von diesen mordernen Klugscheißer, die damals wussten, wie man alles viel besser machen kann, und jetzt wissen sie, wie die Lage hoffnungslos und festgefahren ist

Systemfrager Mai 27, 2013 um 12:04

>>> Er hat … als einziger, gegen den vehementen Widerstand der IG Metall und der Arbeitgeber, für die gesetzliche Einführung von Mindestlöhnen plädiert.
Das ändert natürlich alles.
Jetzt haben wir es.
:)
Alles war damals goldrichtig, hätte man nur Mindestlöhne eingeführt, dann hätten wir schon längst ein Goldenes Zeitalter des Kapitalismus, die keynesianischen 3 Jahrzehnte nach dem WKII wären dann eine Lachnummer
Ups
Eigentlich hat fast jedes Land doch Mindestlöhne, sogar die USA , hat aber nichts geholfen
Was für ein Jammer
:(

Eric B. Mai 27, 2013 um 12:29

Spannend, da wär ich gern dabei gewesen. Allerdings scheint mir die einfache Rückkehr zur Zeit vor der Währungsunion, wie Streeck sie propagiert, auch keine Lösung. Dazu hatte ich neulich eine Gastbeitrag des Meisters: http://lostineu.eu/frivoles-experiment/

MarloweohneKredit Mai 27, 2013 um 12:29

“sondern lediglich die inhärenten Risiken der immer dickeren Geldblasen angesprochen, die ja bei den Banken durchaus nicht die Bereitschaft gefördert haben, KMUs wieder Kredite zu geben.”

- Aufträge vorhanden
- Kostensenkungen durchgeführt
- Betriebsabläufe optimalisiert
Dumm nur, es findet sich keiner für die Vorfinanzierung.
Vorschlag der Bank: Macht doch Factoring.
Ja supi.

Inflation gibts in China, hier ist Depression angesagt.

Grüße aus der Provinz

Soldat Schwejk Mai 27, 2013 um 13:37

@ H.Hütt, vielen Dank für die Zusammenfassung, und @Eric B., vielen Dank für den Link, bei dem auf jeden Fall auch die Lektüre der Langfassung in der WOZ lohnt.

Ich staune ja… also vieles was der Streeck da sagt und schreibt… bis in einzelne Beurteilungen… hat das hier nicht schon mal jemand so ähnlich geschrieben? :-)

Aus der Langfassung in der WOZ: – “Solange die Krise den Ausgang noch offen hält, wäre stattdesssen eine Rückkehr zu einem geordneten System flexibler Wechselkurse in Europa möglich. Ein solches System wäre politisch wie technisch weit weniger anspruchsvoll als die Währungsunion: Es käme ohne die «One size fits all»-Hybris der Einheitsplaner aus; es würde Verschmelzung durch lockere Kopplung ersetzen; und es würde vor allem dem so bedrohlich wachsenden Neid und Hass zwischen den europäischen Völkern die Grundlage entziehen.”

Man sollte immer hinzufügen: Diese Kritik an “One size fits all” sollte sich nicht NUR gegen die Währungsunion richten, sondern gegen die gesamte supranationale Schiene der EU-Integration mit dem Initiativrecht der Kommission bei Gesetzesvorhaben und v.a. mit dem Vorrang des EuGH-Richterrechts gegenüber “demokratischem” einzelstaatlichem Recht.

Und zu Recht weist Streeck das Argument mit der Spekulationsbedrohtheit von Einzelwährungen in die Schranken. Gegen welche Länder ist denn zuletzt spekuliert worden? Gegen eine Reihe von Euro-Staaten, nicht aber gegen Dänemark, Schweden, Großbritannien, Polen…

Noch ein Zit. aus der WOZ – “Vor allem aber müsste es darum gehen, die unselige Identifikation von europäischer Einigung und europäischer Einheitswährung («Scheitert der Euro, so scheitert Europa») im öffentlichen Diskurs aufzulösen. Länder wie Britannien, Dänemark, Schweden und die Schweiz sind um keinen Deut weniger «europäisch», weil sie der Währungsunion nicht angehören. Tatsächlich käme ein Ausstieg aus dem Euro einem Einstieg in eine längst fällige Politik der Grenzziehung gegenüber der sogenannten Globalisierung gleich. Der Euro war auch ein Geschöpf der Globalisierungseuphorie der neunziger Jahre, aus deren Perspektive staatliche Handlungsfähigkeit nicht nur obsolet, sondern auch entbehrlich erschien.”

Mit ungutem Gefühl lese ich immer so Kommentare wie den in Eric B.s Blog, der eine Verbindung zu Schirrmachers “Ego” zieht. Hab ich zwar nur einige Rezensionen dazu gelesen. Aber die Lösungen müssen institutioneller, politischer Natur sein, und das Übermaß an Psychologisierung vernebelt das nur und erzeugt einen lähmenden Fatalismus. Der Teufel tritt in vielerlei Erscheinungsformen auf, und die Projektion institutioneller Fragen/Mißstände in das angeblich verhunzte Einzelbewußtsein ist eine davon…

h.huett Mai 27, 2013 um 13:53

Schweijk

Thomas Steinfeld geht heute in der Süddeutschen auf die Streeck-Habermas-Kontroverse ein, schilt beide wegen ihrer hypertrophen Gelehrtenrolle und beschränkt sich selbst auf ein hier mehr als sattsam bekanntes Marx-Zitat aus dem 18. Brumaire. Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass. Der Kommentator Q. kommt mir in Erinnerung: die schönsten Ideen einer gesamteuropäischen Demokratie sind für die Katz, wenn die Distanz zwischen Entscheidern und Betroffenen sowohl räumlich als auch institutionell zu groß wird. Weit ab vom Schuss zu sitzen, ist für die Schützen von Vorteil.

Ich denke, wir sollten, damit meine ich sowohl Blogger als auch Kommentatoren, etwas genauer die beiden Hefte der “Blätter” – April und Mai 2013 ansehen, um die Kontroverse besser als Steinfeld einzuordnen.

Carlos Manoso Mai 27, 2013 um 13:55

@f.luebberding Mai 27, 2013 um 11:04
„Es ist natürlich Unsinn, wenn Streeck die Inflation kommen sieht. Dazu werde ich aber noch was machen. Genauso wenig weiß ich, was er unter “anständigen Löhnen” in China versteht. Meines Wissens schrumpft der Wettbewerbsvorteil der Chinesen, weil dort tatsächlich die Löhne steigen. Er ist letztlich auch nur erklärbar, weil die Lohnkostenvorteile nicht durch einen funktionierenden Wechselkursmechanismus aufgefangen werden. Es ist eben eines der ungelösten Probleme, dass Chinesen (und Deutsche) Leristungsbilanzüberschüsse anhäufen, die schlicht absurd sind. Ob ein I-Pad 5.000 € kosten würde, wenn es ein funktionierendes Wechselkursregime geben würde, ist eine ungeklärte Frage – genauso wie die nach dem, was “anständige Löhne” sein sollen. Selbst wenn ein I-Pad 2.500 € kosten würde? Und? Wo wäre das Problem? Volkswirtschaftlich betrachtet, ist es erst einmal völlig bedeutungslos, wie die Konsumenten ihre Einkommen auf die einzelnen Sektoren verteilen. Das derzeitige Währungsregime sorgt also offenkundig nur dafür, dass es zu einer Fehlallokation von Ressourcen kommt. Wenn es nämlich darauf beruht, dass einzelne Sektoren durch die Produktion in der Fertigungswerkstatt China privilegiert werden. Das Geld, was die Leute jetzt wegen Marktverzerrungen für den I-Pad ausgeben, können sie halt nicht für andere Güter und Dienstleistungen ausgeben. So einfach ist das. „

Luebberding, ich schrieb schon vor einiger Zeit zum Thema Apple und China.

China ist für Apples I-Pad ein sehr wichtiger Produktionsstandort. Die I-Pads für Apple fertigt der weltgrößte Auftragsfertiger Foxconn, der unter anderem Apple, Nokia und Sony beliefert. Schon seit Jahren gibt es in den Foxconn-Fabriken in China massive Arbeitskämpfe um Löhne und Arbeitsbedingungen. Zum Beispiel gab es in den chinesischen Apple-Fabriken 13 Selbstmorde chinesischer Foxconn-Mitarbeiter, was in China ALLES ausdrückt.

Der Foxconn-CIO kündigte 2012 das Mega-Projekt an, die Foxconn-Fertigungen in China mit modernsten Fertigungsanlagen zu automatisieren. Der CIO sprach konkret von ca. „1 Mio. Arbeitsplätzen“, die in wenigen Jahren von Foxconn in seinen Factories in China wegrationalisiert werden sollen.

Mit anderen Worten kontern die transnationalen Betriebswirtschaften die steigenden Löhne in China derzeit mit massivsten Investments in modernste Fertigungstechnologien. Von diesen massiven Investments in modernste Fertigungstechnologien profitiert derzeit hauptsächlich der Fertigungsstandort Deutschland.
http://de.statista.com/statistik/daten/studie/151019/umfrage/exportgueter-aus-deutschland/

Aus chinesischer Sicht operiert China in einem sehr begrenzten Zeitfenster: China produziert noch eine gewisse Zeit hauptsächlich Konsumgüter für die USA, Europa und Japan. Die Fertigungstechnologien für die Produktion all dieser Konsumgüter kauft China in Deutschland. China bezahlt die von der deutschen Exportindustrie an China gelieferten Fertigungstechnologien mit Teilen des Geldkapitals, das die USA für ihre importierten Konsumgüter an China (derzeit noch) bezahlen kann (den größeren Rest recyled China derzeit (derzeit noch) in die USA)

„Wie ändert man das? Ganz einfach. Indem man China zwingt, sich so zu verhalten, wie es die Größe des Binnenmarktes und der Bedeutung in der Weltwirtschaft verlangt. Das gilt bekanntlich auch für Deutschland, vor allem in der Eurozone. Ein System der Weltwirtschaft, das letztlich nur auf Lohnarbitrage funktioniert, kann nicht funktionieren, vor allem wenn die Anpassungsmechanismen etwa über das Währungssystem nicht für einen Ausgleich sorgen (oder in einer WWU über eine Transfer- ud Fiskalunion). „

Luebberding, du bist in der Tat ein „sozialdemokratischer“ Traumtänzer, der nix von dem checkt, wie das „System des Weltkapitals“ funktioniert.!

„Natürlich wissen wir das alles schon lange. Es dauert halt nur Zeit, dass sich das auch umsetzen lässt. Im Normalfall passiert das in einer Krise, also wenn offenkundig der Nutzen des bisherigen Systems die Nachteile nicht mehr übetrifft. Dann wird auch die Politik gezwungen, zu reagieren. „

s.o.

„Für China und Deutschland bedeutet das vor allem eins: Ihr bisheriges Modell der einseitigen Weltmarktorientierung aufzugeben. Das können beide freiwillig machen – oder sie werden dazu letztlich von außen gezwungen werden. Spätestens dann, wenn niemand mehr da sein sollte, ihre Überschüsse durch die eigene Verschuldung zu erwirtschaften. Der Rest ist poliökonomische Folklore, der vor allem zu erklären versucht, warum dieser ganze Unfug solange funktionieren konnte … .“

Luebberding, „oder sie werden dazu letztlich von außen gezwungen werden“. Was soll denn „VON AUSSEN“ sein ? KONKRET! „Weltmarktorientierung aufgeben“ … Dieses braune Rezept hat Deutschland schon 15 Jahre lang ausgetestet . Viel Spass dabei….

topi Mai 27, 2013 um 14:10

“Ich staune ja… also vieles was der Streeck da sagt und schreibt… bis in einzelne Beurteilungen… hat das hier nicht schon mal jemand so ähnlich geschrieben? ”

So siehts aus.
Sogar der oft gescholtente @keynesianer findet seine Standardposition wieder. :roll:

Aber dann biegt Streeck “falsch” ab. Zumindest aus der Zusammenfassung erscheint der Eindruck, dass er zwar die Eurokrise teilweise richtig erkennt und benennt, sich aber mit der Gesamtverschuldungsaufbauabbruchkrise sehr schwer tut.

“Die Zeit für politische Umverteilung durch “funny money” sei definitiv vorbei gewesen. Öffentliche Güter seien seither mehr und mehr kreditfinanziert worden. Die progrediente öffentliche Verschuldung habe damals begonnen. Parallel dazu sei auch die private Verschuldung massiv gewachsen, in den USA etwa durch die kreditfinanzierten Studienkosten.”

Da scheint er Huhn und Ei zu vermischen.
Jeder Zufallsmitfahrer ohne Vorbildung versteht am Modell den Kern des Verschuldungsproblems, ohne sich Stützels Terminologie antun zu müssen.

Wenn die EInkommen sich so verteilen, dass die auf der einen Seite sie nicht ausgeben wollen oder gar können, un ddiese Seiten immer gleich bleiben, MUSS es Nerverschuldung geben.

Gescheitert “Keynesianismus”, also der Glauben, man kann doch die Einkommenkonzentration Kreditausweitung ausgleichen. Mikroökonomisch kann das gehen, der Student später in die oberen Dienstklassen aufsteigen und damit auf der Seite der Einkommensüberschussbezieher stehen.

Aber volkswirtschaftlich verteilen sich die EInkommen eben nich tso, sondern es bilden immer die gleichen Überschüsse ggü. ihren Realausgabenwünschen, Tendenz steigend (die Zinsen kommen ja immer noch drauf un dverschärfen die Tendenz).

Wer also in eine Hartz-Komission geht, handelt massiv in Richtung Einkommensverteilung zur “falschen” Seite. Mindestlöhne hätten den Prozess verlangsamt, mag sein aber die Richtung war ja unter diesem Gesichtspunkt völlig falsch.

Nacharbeiten, Herr Streeck! Aber dann müsste man sich d stellen, falsch gelegen zu haben. Quasi den persönlichen Belennerbrief aufsetzen aka hatten die Linken doch recht; und das ist als Linker nicht so leicht. :toll:

topi Mai 27, 2013 um 14:21

“Es gehe – in letzter Instanz – darum, Wirtschaft und Demokratie mit einander kompatibel zu halten. Den Verweis auf die BRICS-Länder hält Streeck für zu verwegen, wenngleich es auch hier darauf ankomme, die terms of trade zu beachten. Wenn die Ipad-Produktion zu anständigen Löhnen erfolge, müsste das Ding in dem Luxusladen am Kurfürstendamm 5.000 € kosten.”

Was für ein Käse.

Wenn man das Ding hier in Berlin herstellt, samt aller Komponenten, natürlich in riesieger Stückzahl, un ddan ndie normale Spanne für Hartwaren draufschlägt: kostet es noch weniger im Laden als heute!

Die Gewinnspanne bei den Apfeleiern ist riesig, und die Lohnkostenunterschiede in der volltechnisierten Produktion eher marginal.

Chinas Handelsbilanzüberschuss ist weitgehend Geschichte, das sollte man mal zur Kenntnis nehmen. Falls die nicht anfangen, ihren Wechselkurs freizugeben, dürfte sich demnächst eine deutliche Vorzeichenänderung ergeben. Die Lohnerhöhungen von jährlich 10
Prozent bleiben logischerweise nicht ohne Spuren.

(Das Dumping erfolgt auf anderen Wegen, siehe Solarbranche: da gibt die chinesische Staatsbank Kredite in Milliardenhöhe, von denen jeder weiß, dass sie mit diesen verlangten Preisen niemals rückzahlbar sein können.; aber es ist ja nur ein Buchungssatz, das sieht man halt pragmatisch in konfuzianischer Geldwirtschasft.
Schließlich hat man die Produktion im Land, und konnte sich noch jahrelang die Kohle dafür von den Trotteln im Westen abgreifen)

topi Mai 27, 2013 um 14:23

huyjuy, wuysfuyr tuypouygruyphuy.

h.huett Mai 27, 2013 um 14:26

topi

Streeck war NICHT in der Hartz-Kommission.

"ruby" Mai 27, 2013 um 14:33

@ topi

Die (Ver-)Appler werden Dir doch nicht ihre Gewinnspanne mitteilen …
Letzte Woche gab es ein chinamade neues Tablet für 69,90 € beim DänenNettoDiscounter ;-)

Bruchmüller Mai 27, 2013 um 14:36

@ f.luebberding Mai 27, 2013 um 11:04

Kaum sehe ich mich „mit einem Lübberding“ konfrontiert, in diesem Fall mit dem oben bezeichneten Kommentar, sind die Zweifel wieder da, ob ich denn noch des Lesens fähig bin.
Diese Tätigkeit geht ja mit den Vorgängen des gedanklichen Sortierens und Einordnens einher und es müsste eine Art Abgleich des Gelesenen mit den Vorstellungen entstehen, die man selbst zur Sachlage hat. Nichts dergleichen entsteht, weil das Einordnen nicht gelingt. Ein Beispiel:

>>> “Ein System der Weltwirtschaft, das letztlich nur auf Lohnarbitrage funktioniert, kann nicht funktionieren, vor allem wenn die Anpassungsmechanismen etwa über das Währungssystem nicht für einen Ausgleich sorgen.“ <<< Hier funktioniert etwas, weil es nicht funktionieren kann.

Einen solchen Satz kann man schreiben …aber kann man ihn als publizistisch Tätiger auch stehen lassen? Insgesamt wirkt Ihr Kommentar wie ein Zwiegespräch mit einem Partner, den es in der Realität gar nicht gibt.

Bitte betrachten Sie meine Anmerkung nun nicht gleich als gehässige Kritik, vielleicht aber als Anregung, Ihr Statement noch mal durchzulesen.

h.huett Mai 27, 2013 um 14:37

wir schenken dem topi eine Leertaste mit Klick-Hub

topi Mai 27, 2013 um 14:37

ok, war in der ersten Legislatur, habe ich überlesen.

Doktor D Mai 27, 2013 um 14:53

Auch wenn er nicht in der Hartz-Kommission war, hat er doch zumindet bis 2005 das hohe Lied der Ausweitung des Niedriglohnsektors, der Aktivierung brachliegender Arbeitskraft, der Flexibilisierung von Arbeitsverhältnissen, der Ver-Marktlichung von Gesundheits- und Sozialleistungen zum Teil an prominenter Stelle mitgesungen, so zum Beispiel hier: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13220370.html und teilweise noch hier http://www.mpifg.de/pu/workpap/wp05-2/wp05-2.html#ueber3
Natürlich nicht in den Dimensionen wie Peter Hartz, aber so ganz harmlos dann auch wieder nicht. Wobei ich gar kein öffentliches Schuldbekenntnis von ihm will – zumal in seinen Texten ziemlich überzeugende Analysen der neuen Arbeistwelten drin stecken –, sondern so eine Art “Mein intellektueller Werdegang” bis hier hin.

Doktor D Mai 27, 2013 um 14:55

Oder postet jetzt auch topis Katze? ;-)

topi Mai 27, 2013 um 14:57

Noch zu Streecks Artikel in der WOZ.

http://www.woz.ch/1304/eurokrise/der-euro-als-frivoles-experiment

Vieles hab ich selber schon geschrieben, insofern. :roll:

Aber ein blinder Fleck verbirgt sich auch hier.

“Ein ungefähres Vorbild könnte das massgeblich vom Ökonomen John Maynard Keynes beeinflusste Währungsregime von Bretton Woods von 1944 sein, das flexibel anpassbare feste Wechselkurse vorsah. Es diente seinerzeit dazu, Länder wie Frankreich und Italien mit starken Gewerkschaften und kommunistischen Parteien dauerhaft in ein Freihandelssystem zu integrieren, ohne sie zu «Reformen» zu zwingen, die ihren sozialen Zusammenhalt und inneren Frieden gefährdet hätten. Die dem System eigene Weisheit lag darin, dass es auf erzwungene Konvergenz der inneren Ordnung der Mitgliedstaaten und einen Eingriff der stärkeren in die schwächeren Länder verzichtete. Länder, die aufgrund von Lohnkonzessionen oder einer grosszügigen staatlichen Sozialpolitik an «Wettbewerbsfähigkeit» einbüssten, konnten dies von Zeit zu Zeit durch Abwertung auf Kosten der ihnen im Wettbewerb überlegenen stabileren Länder ausgleichen. Wählerinnen und Wähler sowie Gewerkschaftsmitglieder in Ländern mit einer linken politischen Tradition konnten so ihre Realeinkommen auf Kosten der Käufer von Importprodukten und der ausländischen Hersteller derselben erhöhen und damit die Einkommensverteilung zu ihren Gunsten verändern.”

Es geht NICHT um “links” oder “rechts”, sondern um höhere Inflation vs. niedriegere Inflation!

Durch Vulgärkeynesianismus ist der Eindruck entstanden, dass höhere Inflation “links” sei.

Das ist aber Blödsinn. Links ist eine Veränderungen der primären EInkommensverteilung in Richtung der Lohnseite, und die Steuererhebung entsprechend auszugestalten, dass die hohen un d höchsten Einkommen entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit an der Finanzierung öffentlicher Güter, die allen zu Gute kommen, zu beteiligen.

Hohe Nominallohnsteigerungen lassen sich zwar gut in Streiks etc. erkämpfen; wichtig ist aber, was hinten rauskommt, wie man so schön sagt, nicht was auf der Lohntüte draufsteht.

Systemfrager Mai 27, 2013 um 14:58

@topi
>>> Ipad-Produktion zu … 5.000 € … Wenn man das Ding hier in Berlin herstellt, samt aller Komponenten

Sagen wir es so: Wie Aufendig ist es, dass man jetzt jedee Komponente um den Globus kutschiert … weil es so toll ist globalisiert zu sein und die Natur und die Ressouren wie verrückt zu verschwenden

Tja,
wenn die SoWi über die Realität und WiWi über die Technologien sinnieren, muss man den Riemen sehr knapp schnallen, weil sonst ist das Risiko zu groß … vom Lachen würde man schnell platzen
Man erinnert sich an Schumpeter,
seinen Dummfung über die kurzen, mitleren … Produktionszyklen und – Schocks

topi Mai 27, 2013 um 15:12

Doc D

” Natürlich nicht in den Dimensionen wie Peter Hartz, aber so ganz harmlos dann auch wieder nicht. Wobei ich gar kein öffentliches Schuldbekenntnis von ihm will – zumal in seinen Texten ziemlich überzeugende Analysen der neuen Arbeistwelten drin stecken –, sondern so eine Art “Mein intellektueller Werdegang” bis hier hin.”

Von “Schuld” hab ich auch nicht gesprochen. ;-)
Eine in aller Regel untaugliche Kategorie. Aber “Verantwortung” ist ein Thema, Antworten geben.
WK-Mechanismus ist ja schön und gut.

Allerdings haben die deutschen Stabilitätsmonster ja nicht auf mangelnde ABwertungsmöglichkeiten mit Lohndumping reagiert, sondern haben mit das mainstreamige Wettbewerbsfähigkeitstrallala aufgenommen, und hier massiv die Einkommen auf die Kapitalseite/oderste Dienstklasse verschoben.

Als “linker” Beobachter ist klar, was das bedeutet.

Als “normaler” Beobachter wird jedoch auch klar: damit schaltet der Kapitalismus in den wachsenden-Verschuldungs-Mechanismus, also in die Krise.

Oder, und die Interpetation ist ja nicht falsch, einfach in den “Normalzustand”, der über drei Jahrzehnte durch entsprechende Gegenmaßnahmen aufgehoben war, mit “Wohlstand für alle”.

"ruby" Mai 27, 2013 um 15:19

@ hh
;-)

h.huett Mai 27, 2013 um 15:22

Doktor D

In dieser umfrisierten Geschichte Streecks blendest Du einen wesentlichen Sachverhalt aus, der Streeck überhaupt auf die Idee gebracht (genötigt) und später Hartz zur Kommission verholfen hat. Die bis zur Umsetzung der Reformen völlig versäulte Arbeitsmarktabkopplung ganzer Generationen von Sozialhifeempfängern. Und im Gegensatz zu dem, was schließlich Gesetz wurde, hier länglich dargelegt, sah Streeck mit seinem Vorschlag von Mindestlöhnen genau jene Schwachstelle vorher, die dann auch tatsächlich 2005ff zu besichtigen war.

Soldat Schwejk Mai 27, 2013 um 15:30

@ topi – “Allerdings haben die deutschen Stabilitätsmonster ja nicht auf mangelnde ABwertungsmöglichkeiten mit Lohndumping reagiert…”

Das wohl nicht, aber eine Erklärung geht ja so: Das massive Lohndumping in D war ein Reflex auf die mit der Euro-Einführung RELATIV zum übrigen Euroraum gestiegenen Fremdkapitalkosten, also den Wegfall des Zinsvorteils, der sich früher aus den unterschiedlichen Inflationsentwicklungen ergeben hatte.

Insofern stünde das Lohndumping indirekt doch mit der Währungsunion in Beziehung. (Daß es politisch dann so durchgesetzt werden konnte, ist noch mal eine andere Sache.)

Klingt für mich jetzt erst mal nicht so unplausibel, oder was meinst Du?

f.luebberding f.luebberding Mai 27, 2013 um 15:30

Bruchmüller

Ich habe den Gedanken noch einmal etwas ausführlicher skizziert … . Es kann übrigens durchaus etwas funktionieren, was nicht funktioniert. Lohnarbitrage funktioniert eben nicht. Man sollte sie halt aber nicht mit internationaler Arbeitsteilung verwechseln. Die funktioniert nämlich durchaus.

topi Mai 27, 2013 um 15:32

ruby

“Die (Ver-)Appler werden Dir doch nicht ihre Gewinnspanne mitteilen …
Letzte Woche gab es ein chinamade neues Tablet für 69,90 € beim DänenNettoDiscounter ”

Wir kennen ja das hier. (PC-Welt)

“Wenn man den Materialwert der einzelnen Komponenten des iPhone 5 addiert, kommt man auf 199 Dollar, sagen die Analysten von iSuppli. Apple verkauft das Smartphone für 679 Euro.
Apple will das kürzlich vorgestellte iPhone 5 hierzulande für mindestens 679 Euro verkaufen. Die teuerste Variante mit 64 GB Speicher soll 899 Euro kosten. Die reinen Materialkosten des iPhone 5 betragen laut iSuppli aber nur 199 US-Dollar. Dazu kämen 8 Dollar Kosten für den Zusammenbau. Das 32-GB-Modell ist mit 209 Dollar etwas teurer; das 64-GB-iPhone 5 hat einen Materialwert von 230 Dollar.”

Die nehmen ja den Einzelhandelspresi der Komponenten, wie man beim Speicher nachvollziehen kann. Da ist also schon die volle Gewinnspanne über die ganze Handelskette enthalten.

Die Discounter-Tablets zeigen, was nach unten geht. Und die bauen die Dinger auch nicht selber, sondern bezahlen Hersteller mit ihren Gewinnansprüchen.

topi Mai 27, 2013 um 15:43

HH

“In dieser umfrisierten Geschichte Streecks blendest Du einen wesentlichen Sachverhalt aus, der Streeck überhaupt auf die Idee gebracht (genötigt) und später Hartz zur Kommission verholfen hat. Die bis zur Umsetzung der Reformen völlig versäulte Arbeitsmarktabkopplung ganzer Generationen von Sozialhifeempfängern.”

Und die sind jetzt alle bei Siemens?

Oder sind sie nicht doch entweder in der gleichen Situation wie vorher, oder als prekärst Beschäftigte die unfreiwillige Speerspitze im Lohndumpingswettlauf?

Wenn man bedingungsloses Grundeinkommen nicht will (über die Partei der Arbeit brauchen wir ja hier nicht zu diskutieren), kann man die Wiedereingliederung der Gruppe sich als Ziel setzen.

Die Eingliederung in die Statistik allerdings brachte genau was? Hartz-Massnahmen von Supermarktsimulation und Mittelkürzungen.

Man kann das anders regeln. Die Dänen bieten jedem, der nicht auf dem ersten Arbeitsmarkt unterkommt in einer gewissen Zeit, eine kommunale Stelle an; einigermaßen anständig bezahlt, mit ordentlichen Arbeitsbedingungen, und sinnvollen Tätigkeiten. (die Jahre “liberaler” Regierung kratzen zwar auch am Lack, aber es geht ja ums Prinzip und um ein “Dänemark”).

Doktor D Mai 27, 2013 um 15:47

Wie gesagt, ich will Streeck garnicht in Sippenhaft für Hartz-IV nehmen – wie es ja die Nachdenkseiten tun und sich dabei einen interessanten Diskussions- und Aktionspartner verschenken –, sondern mich würde mal seine Selbstbeschreibung interessieren, wie er vom Bündnis für Arbeit bis zu seiner heutigen Position kam. Zumal ihm in den Texten um 2000 immer mal wieder Vokabeln reinrutschen, die wir aus dem Verhöhnungs und Erniedrigungdiskurss, denn BILD, Clement et al. zur Durchsetzung der Hartz IV-Reformen angeschlagen haben, kennen. Außerdem diese Vergötzung von bezahlter Arbeit, die zu der seltsamen Idee von “Lieber schlechte Arbeit als gar keine Arbeit” führt – dass das nicht so in die bessere Welt flexibler Arbeitsverhältnisse führt sondern in den Arbeitszwang, diesen Zweifel an den eigenen Ideen hätte man schon auch haben können. Da würde ich gerne was zu hören von ihm.

holger Mai 27, 2013 um 15:49

Soldat

—>>>Insofern stünde das Lohndumping indirekt doch mit der Währungsunion in Beziehung. (Daß es politisch dann so durchgesetzt werden konnte, ist noch mal eine andere Sache.)”

um das nur kurz zu berichtigen… Mehr nicht. Das “Lohndumping” setzte schon um 1986 ein. Nur damit das in der richtigen Reihenfolge gestellt werden kann. Es ist keine Folge vom Eurotz. Richtig extrem wurde es ab 1993 durch gezogen. Und zwar ein Diktat von Industrie Oben nach Unten. zB Meister Ignazio Lopez war ein Magier seines Faches. Der Eurotz und die Agenda 2010 taten noch das Übrige.

topi Mai 27, 2013 um 16:20

Schwejk

” eine Erklärung geht ja so: Das massive Lohndumping in D war ein Reflex auf die mit der Euro-Einführung RELATIV zum übrigen Euroraum gestiegenen Fremdkapitalkosten, also den Wegfall des Zinsvorteils, der sich früher aus den unterschiedlichen Inflationsentwicklungen ergeben hatte.

Insofern stünde das Lohndumping indirekt doch mit der Währungsunion in Beziehung. (Daß es politisch dann so durchgesetzt werden konnte, ist noch mal eine andere Sache.)

Klingt für mich jetzt erst mal nicht so unplausibel, oder was meinst Du?”

Soll ich dir alle Erklärungen aufführen, warum der Ölpreis sinkt?
Oder warum er gerade steigt?

Natürlich klingt die Erklärung plausibel. Un wir kennen ja unsere Pappenheimer, Kapitalbilanz treib Leistungsbilanz. Hat sich leider Falsifiziert, in letzten Jahren, aber was solls.

Warum floss denn das Kapital in die Peripherie?

Weil es dort Inflation gab, also die nominale Rendite höher. Und es wurde jetzt mit gleicher Währung gezahlt, also auch noch weitgehend ohne Risiko (zumindest wenn es über Banken lief, die als systemrelevant gelten [also Dorfsparkassen in Hintertupfingen]).

Bekämpft Lohndumping hierzulande den Effekt, oder befördert es ihn sogar?

Soldat Schwejk Mai 27, 2013 um 17:01

@ topi – “Bekämpft Lohndumping hierzulande den Effekt, oder befördert es ihn sogar?”

Ja gut… aber ob die Lobbyisten der Wirtschaftsverbände und vor allem deren politische Ansprechpartner nun alle den Stützel verinnerlicht haben?

Zit. – “Un wir kennen ja unsere Pappenheimer, Kapitalbilanz treib Leistungsbilanz. Hat sich leider Falsifiziert, in letzten Jahren, aber was solls.”

:-D – Ja, wie lange ist das her? 3 Jahre? Schon damals hab ich dran gedacht: O.K., schaumermal, das ist ja nun mal eine These, die sich in Europa schnell veri- bzw. falsifizieren läßt…

Systemfrager Mai 27, 2013 um 18:54

Marc Beise persönlich
Summa-Sumamrum ein wunderbares Beispiel aus dem Repertoire des neoliberalen Standard-Schwachsinns
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/summa-summarum-zu-abenomics-leichtes-geld-falscher-weg-1.1682396

egal Mai 27, 2013 um 19:07

“Senkung der Arbeitskosten, Flexibilisierung der Arbeitsmärkte und Verbesserung der Anreize zur Arbeitsaufnahme – dies sind die unabweisbaren Hauptthemen jeder ernsthaften, an tatsächlichen Erfolgen orientierten Bemühung, die Beschäftigungsprobleme der Gegenwart zu lösen”
http://www.mpifg.de/pu/workpap/wp99-11/wp99-11.html

Das sind mehr als einzelne Vokabeln aus den Ernidriegungsdiskursen. Das ist verinnerlichte Angebotstheorie. Streeck war im Bündnis für Arbeit, weil er die “fordistischen Verkrustungen” lösen wollte: Kündigungsschutz, statussichernde SV, Tarifverträge…

Ökonomisch hat Streeck vieles nicht verstanden. Muss er aber auch nicht. Er ist halt mehr Feullietonist. Im Vortrag singt er das Lied von der Hoffnungs- und Auswegslosigkeit. Trifft die Stimmung der Zeit, wie das Reformgelaber vorher.

Dipfele Mai 27, 2013 um 20:51

Huett / Doktor D

> Streeck War nicht Mitglied der Hartz-Kommission

Die Hartz-Kommission ist allerdings auch nicht für alles veantwortlich, was im politischen Prozess daraus wurde. Wenn ich mich recht erinnere, stand Die Schweinerei mit Hartz IV noch nicht in ihrem Gutachten.
Hat Streeck als Politikberater der etwas mit der Verschlimmbesserung zu tun?

h.huett Mai 27, 2013 um 21:00

egal

Dieser Beitrag von 19:05h illustriert perfekt ein Dilemma. Wie geht man mit gut abgehangenen Zitaten um? Dokumentieren (und zementieren) sie einen Fehler von anno dazumal, dann nähren sie den Groll über Jahrzehnte. Konfrontiert man sie mit dem Gang einer politischen, wirtschaftlichen, wissenschaftlichen Entwicklung, gibt es , auch ohne Bezug auf Popper, gute Gründe, über die Fehler, denen man einmal angehangen hat, milde den Kopf zu schütteln. Indem diese Reaktion in der höchstrichterlichen Reaktion egals ausgeschlossen scheint, urteilt er zugleich über die eigene Beschränktheit. Lernen und Fortschritt und Einsicht sind ausgeschlossen.

Fast wirkt das auf mich so wie die Einlassung eines besonders wirren Besuchers, die ich nachher noch mal aus meinem Protokoll rekonstruiere. Sie endete mit manifest gebrüllten Todeswünschen. Aber wer will schon so was, es sei denn, einem ist alles egal.

"ruby" Mai 27, 2013 um 21:31

Machen wir den Popperlösungsschritt und schiessen die Agendas und die eingeflossenen Metatheorien mit den Protagonisten in den Orkus der Geschichte.
Parlamentarier brauchen nur nicht mehr dem “Retten” zustimmen.
Warum – deshalb :
http://soffisticated.wordpress.com/2013/05/23/geldschleife-nicht-geldkreislauf/
Hardware – Software
Instandhaltung-verboten…
Aufstehen wenn wir vernünftig sein wollen.

topi Mai 27, 2013 um 21:51

Ruby

Fass doch malkurz zusammen,was du uns mit dem deshalb sagen willst. Soo selbsterklärend ist jader link nicht.

topi Mai 27, 2013 um 21:55

HH

“Wie geht man mit gut abgehangenen Zitaten um? Dokumentieren (und zementieren) sie einen Fehler von anno dazumal, dann nähren sie den Groll über Jahrzehnte. Konfrontiert man sie mit dem Gang einer politischen, wirtschaftlichen, wissenschaftlichen Entwicklung, gibt es , auch ohne Bezug auf Popper, gute Gründe, über die Fehler, denen man einmal angehangen hat, milde den Kopf zu schütteln.”

Die Frage ist doch aber: schüttelt Streeck?

Die Wettbewerbsverbesserungslogik zieht sich doch durch seine Argumentation.
Das ist ja zur Beschreibung und Lösungsansatzfindung der Eurokrise richtig und wichtig.
Aber die Gesamtverschuldungsaufwuchsabbruchkrise kommt man damit nicht bei. Ja man kann sie nicht mal sehen, sondern wundert sich nu, woher die Schulden kommen.

"ruby" Mai 27, 2013 um 22:04

@ topi
für den Kindle-PC gratis, läuft auch Win8, gibt es Georg Simmel “Philosophie des Geldes” als kostenlosen Download

Zu Simmel und zur Schleife :
Geld wird zu Gott
und
aus der Schleife lassen sich Zinserlöse aus Zinserträgen generieren, wenn Bestandssicherungen (mit Bail Outs durchgesetzt) immer wieder neu “verankert” werden können – politisch durchzusetzen mit den Akteuren der Rolesets in den Organisationen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Simmel

h.huett Mai 27, 2013 um 22:11

topi

genau den Hinweis auf die “Gesamtverschuldungsaufwuchsabbruchkrise” hat Streeck am Ende der Veranstaltung gegeben. Wenn das Vertrauen in das mit den Schulden verknüpfte künftige Leistungsversprechen dahin sei, dann Gute Nacht.

h.huett Mai 27, 2013 um 22:17

Und noch was, wir haben ja hier an anderer Stelle, wenn ich mich richtig erinnere, Ende 2011 hierüber am Beispiel eines Beitrags von Streeck in der FAZ diskutiert. Er hat damals ausdrücklich für die politische Durchsetzung eines Lastenausgleichs plädiert und an die Kapitalseite gerichtet gesagt, man solle sich keinen schlanken Fuß machen.

topi Mai 27, 2013 um 22:22

@ Schwejk

“Ja gut… aber ob die Lobbyisten der Wirtschaftsverbände und vor allem deren politische Ansprechpartner nun alle den Stützel verinnerlicht haben?”

Natürlich nicht.
Aber der spielt hier auch mal keine Rolle. Du sprachst ja von der Veränderung des realen Zinsniveaus; bzw.der Differenz. Vollkommen richtig.

Im Weichwährungsland sind die Zinsen hoch,die Inflationsrate auch,dieLohnsteigerungenetc.

Wennich etwas real investiere, kriege ich nominal recht hohe Rückflüsse, da diePreise und damitmeine Einnahmen steigen. Dafür zahleich auch höhere Zinsen.

Im Hartwährungsland sind die nominalen Rückflüssen nur durch Inflation deutlich geringer. Dafür auch das Zinsniveau, welches für die Investition zu zahlen ist.

Die reale Verzinsung wird recht ähnlich sein,bei sonst ähnlichen Bedingungen.

Zur Währungsunion behielten die Peripherie (Süden und Irland) ihre nominalen deutlichen Steigerungen, währen dieZinsen indie Nähedes Kernniveaus sanken (man kriegtja Euro zurück, völlig wurscht,ob der Griecheneuro inzwischen 50% weicher sein müsste als der Deutscheneuro) was natürlich Kapital anzieht.

Je mehr Lohnsenkung im Hartland geschieht, um so mehr steigt die Inflationsdifferenz zwischen den Ländern,es sinken im Hartland die Realzinsen, weil einerseits die Nominalen Erträge aus der Investition nur gering steigen, andererseits die Nominalzinsen aber eh schon niedrig waren und nicht weiter sinken (imVergleich).

Das ist nur für die Exportbranchen anders, dort gibt es ja Preissteigerungen, also wird hier nur im Exportbereich investiert. Mit besichtigbarem “Erfolg”,Krempel in Billionenhöhe ans Ausland verschickt, gegen bunte Zettelchen und Buchungssätze bei der Notenbank.

Mit dem ersteren Prinzip lassen sich ja so rasante Aufholralleys wie die irische erklären.Solange das Kapital dahinfließt, weil die Nominalverzinsung hoch ist,aber keine Wechselkursanpassung (bzw. zu geringe) gibt, weil ja sovielKapital hinfließt, kannder WK auch längere Zeit über dem”normalen” liegen.

Mit der WU wurde derEffekt natürlich auf die Spitze getrieben.

D hätte also eine richtig fette Lohn/Preisrunde raushauen sollen, damals. Aber da sei der heilige Merkantilissimi vor.

Soldat Schwejk Mai 27, 2013 um 23:05

@ topi

Das mit dem unterschiedlichen Inflations- und Zinsniveau und dem Effekt, den die Währungsunion darauf hatte… also das glaube ich schon verstanden zu haben…

Was ich meinte und wo ich die Frage in den Raum stellte, ob das bei der Durchsetzbarkeit der Agenda eine Rolle gespielt hat, das würde ich so skizzieren:

Währungsunion –> relative Kapitalkosten in D steigen –> vorübergehende Investitionsschwäche –> deshalb besonders lange Konjunkturdelle in D, phasenweise Rezession –> beobachtet wird selektiv: Investitionsschwäche, gefolgert wird (Mikrologik): Kosten in D sind zu hoch –> beobachtet wird nicht, also zumindest nicht in den politikrelevanten Medien: Leistungsbilanzentwicklung, Inflationsdifferenzen –> und nun erst schlägt das ohnedies vorhandene Lobbyieren der Wirtschaftsverbände zugunsten des politischen Lohndumpings durch. – Politik empfindet Streß: Shit, Rezession, vor allem in D, sie erzählen uns vom kranken Mann Europas –> und zieht die falschen Schlußfolgerungen.

Also das zumindest als ein Teil der Geschichte?

Morph Mai 27, 2013 um 23:06

@holger Mai 27, 2013 um 15:49

“um das nur kurz zu berichtigen… Mehr nicht. Das “Lohndumping” setzte schon um 1986 ein. Nur damit das in der richtigen Reihenfolge gestellt werden kann. Es ist keine Folge vom Eurotz.”

Irgendwelche Gegenmeinungen? Ich vermute, @holger hat recht.

Soldat Schwejk Mai 27, 2013 um 23:10

@ Morph

Vermutlich. Mir geht es um den besonderen Fall von “Lohndumping” als durchsetzungsfähiger politischer Agenda der zweiten Schröder-Regierung.

Morph Mai 27, 2013 um 23:33

Um die Zeit war z.B. der Arbeitskampf Duisburg Rheinhausen. Mit dem bekannten Ausgang. Seither war klar, dass ‘Fortschritt’ sich verwandelt hatte in ‘sozialverträglichen Abbau’.

Und in 2013 erzählen einem Leute etwas von Defätismus. Komplett lachhaft!

Morph Mai 27, 2013 um 23:38

@Schwejk

Und der Zweifel ist nicht der Teufel, sondern die Produktivkraft der Aufklärung schlchthin. Ohne realistische Lagebeschreibung können wir zu Hause bleiben. Nichts katastrophaler als falsche Kampfkraftphantasien.

Und bevor ich mit Startrekfans auf die Straße gehe, heuer ich bei der zynischsten PR-Agentur des Planeten an. Aber echt! Weil intellktuell ist beides gleich beknackt. Und dann verdien ich lieber am Schwachsinn!

Balken Mai 27, 2013 um 23:48

@HH
“… milde den Kopf zu schütteln” fällt ein wenig schwer, wenn man die Ergebnisse sieht: DIE Deutschen sind reicher geworden, freuen sich BILD und SPIEGEL unisono. Von Junkfood und Glotze verfettete und verblödete Menschen besiedeln unsere Vorstädte.
Also diese Wirtschaftsweisen der Hartz-Kommission, und ein Streek, haben die Wirkung ihrer “Reformen” nicht ahnen können? Aus dem “Gang einer politischen, wirtschaftlichen, wissenschaftlichen Entwicklung”, den es danach gab, zu lernen, muss man auch ihnen zugestehen?
Gottchen Herr Hütt, das ist tränenrührend. Mütterchen Russland pflegte früher immer nachsichtig zu stöhnen: Ja wenn Väterchen Zar das gewußt hätte …
Daran erinnert mich Ihre Altersmilde.
Das war nie und nimmer Absicht, diese gnadenlose Abzockerei der Lebenszeit von Menschen durch Hineinzwingen in Aufstocker-Arbeitsverhältnisse oder in Arbeits”gelegenheiten” ? Damit DIE Deutschen reicher werden?
Ob hier mildes Lächeln, oder doch eher Zorn, Veränderungen bewirkt?
Zerstörte Menschenleben werden davon allerdings nicht mehr heil. Schütteln wir also milde den Kopf darüber.
Es geht in der Tat nicht darum, von irgendwem reumütige Selbstbezichtigungen zu hören. Es ist aber zu hoffen, dass erntshaft politisch umgesteuert wird. Leider ist davon wenig zu spüren. “Rette sich wer kann” lautete der letzte Satz Ihres Beitrags “Die Geschichte spielt verrückt”. Gibt es da nicht vielleicht einen Zusammenhang auch mit diesem Thema, nein? Es könnte höchste Zeit sein, damit wir nicht mehr solcher “manifest gebrüllter Todeswünsche” hören müssen.

Soldat Schwejk Mai 27, 2013 um 23:58

@ Morph

Ich hab den Zweifel ja als die Gesundheitspolizei beschrieben…

Nix gegen den Zweifel, aber der Zweifel allein bewirkt nichts. Es braucht natürlich zuerst das “Es könnte auch anders sein”, aber dann auch das “Es soll anders sein, also probieren wir’s mal”.

Nu müßte ich zur Auflösung des Dilemmas mit den xy-Solidaritäten kommen, aber das wäre heute zuviel und würde diesen Thread zu früh ausufern lassen.

Über Star Trek mußt Du Dich mit @BB austauschen, ich bin weit hinter dem Eisernen Vorhang aufgewachsen, da konnte man das nicht sehen.

Morph Mai 28, 2013 um 00:02

@Balken

“Von Junkfood und Glotze verfettete und verblödete Menschen besiedeln unsere Vorstädte.”

Ja, ja, so tönt der selbstgerechte Schwachsinn heute. Ekelhaft!

topi Mai 28, 2013 um 00:04

@Schwejk

“Das mit dem unterschiedlichen Inflations- und Zinsniveau und dem Effekt, den die Währungsunion darauf hatte… also das glaube ich schon verstanden zu haben…”

Schön.
Das haben nämlich die wenigsten verstanden, jedenfalls die Wirkung von nominalen Größen und sinnvolle oder nichtsinnvolle Relativierungen durch “reale”Größen.

“Währungsunion –> relative Kapitalkosten in D steigen –> vorübergehende Investitionsschwäche –> deshalb besonders lange Konjunkturdelle in D, phasenweise Rezession –> beobachtet wird selektiv: Investitionsschwäche, gefolgert wird (Mikrologik): Kosten in D sind zu hoch –> beobachtet wird nicht, also zumindest nicht in den politikrelevanten Medien: Leistungsbilanzentwicklung, Inflationsdifferenzen –> und nun erst schlägt das ohnedies vorhandene Lobbyieren der Wirtschaftsverbände zugunsten des politischen Lohndumpings durch. – Politik empfindet Streß: Shit, Rezession, vor allem in D, sie erzählen uns vom kranken Mann Europas –> und zieht die falschen Schlußfolgerungen.

Also das zumindest als ein Teil der Geschichte?”

Na klar, begründen kann man das so, und es klingt plausibel,und damit kann man es gerade einem Schröder sicher gut verkaufen, so am Stammtisch.

Aber das Problem war in D nicht die Zinsänderung in den Südländern, sondern anderes. Einerseits die dämliche Art der deutschdeutschen Anschließerei, andererseits die “kleineGesamtverschuldungsaufbauabbruchkrise” mit dem Zusammenbruch des neuen Marktes. Das hätte einen kräftigen Impuls gebraucht, um die Verschuldung wieder in Gang zubringen; oder man ändert die Rahmenbedingungen wieder so, dass es ohne Verschuldungsaufwuchs geht.

Dazu das mentale Problem der Deutschen, offenbar gibt es nur eine anerkannte Form der Verschuldung: Krempel dem Ausland zuzuschieben, gegen Zettel.

Aber klar: in der Funktionslogik reicht es ja, wenn der Politiker den Unsinn glaubt.

Morph Mai 28, 2013 um 00:05

@Schwejk

“Über Star Trek mußt Du Dich mit @BB austauschen”

Das kenne ich nur vom Wegschauen. SciFi – das verzichtbarste Genre der Menschheitsgeschichte. Trotz Lem.

Morph Mai 28, 2013 um 00:07

@topi

Schon mal drüber nachgedacht, dass “Gesamtverschuldungsaufbauabbruchkrise” irgendwie albern klingt? Nein? Na, dann wird’s aber mal Zeit!

topi Mai 28, 2013 um 00:15

>>>>

“um das nur kurz zu berichtigen… Mehr nicht. Das “Lohndumping” setzte schon um 1986 ein. Nur damit das in der richtigen Reihenfolge gestellt werden kann. Es ist keine Folge vom Eurotz.”

Irgendwelche Gegenmeinungen? Ich vermute, @holger hat recht.>>>

Beginn mit der “geistig-moralischen Wende”. Kann man in den Statistiken ablesen, Verschiebung zur Kapitalseite, Nichtmehrweitergabe des Produktivitätsfortschritts auch an die Lohnseite.
(und die Boniempfänger stehen auf der falschen Seite dieser funktionalen Betrachtung)

Ohne Euro blieb allerdings der Außenwert der Währung noch etwa im Gleichgewicht! Michels Lohnzuwächse waren zu niedrig, aber er kriegte wenigstens Kaufkraftgewinne nach außen dafür (der Anschlussboom hat das kurzfristig umgekehrt). Und die Gewinne der Kapitalseite waren zumindest dadurch begrenzt, dass die WK -Änderung extreme Handelsüberschüsse verhinderte.

Mit dem Euro blieb beides aus. Gleichzeitig machte das Lohnsenkenung für die exportierende Kapitalseite erst so richtig Spaß, inzwischen knapp 200 Milliarden per anno an Überschüssen.

Und noch ein Effekt durch den Euro: es scheint so,wenn man sich nur bestimmte Kriterien anschaut,dass die dt Politk erfolgreich war. :roll:

topi Mai 28, 2013 um 00:17

“Gesamtverschuldungsaufbauabbruchkrise” irgendwie albern klingt?

Klar klingt das albern. Soll auch, in der Reihe der albernen Begriffe wie Staatsschuldenkrise. :roll:

Und beschreibt den Gegenstand exakt. Gegenvorschlag?

Morph Mai 28, 2013 um 00:20

“We are going out of business. Everything must go.”

http://www.youtube.com/watch?v=d2nbAtceHqw

h.huett Mai 28, 2013 um 00:20

Diese Balken-Suada – warum erinnert sie mich an das Schauprozess-Ritual von Kampf, Kritik, Umgestaltung? Die grauenvollen Selbstbezichtigungen, bevor der Henker übernahm? Welche Rolle würde Balken im Hotel Lux spielen, wenn wir für dieses Experiment ein Zeitschleusenticket spendierten? Herbert Wehner wäre die Herausforderung. Nicht auszumalen.

Die unfeinen Distinktionsverluste “verfetteter und verblödeter Vorstadtbesiedler” (ALLE VERKEIMT) erzählen von arger Vertikalüberspanntheit.

holger Mai 28, 2013 um 00:40

—>>>Michels Lohnzuwächse waren zu niedrig, aber er kriegte wenigstens Kaufkraftgewinne nach außen dafür (der Anschlussboom hat das kurzfristig umgekehrt).”

Steht nicht in deinen Büchern drin… bleib einfach mal cool in dieser Betrachtung… Lohnzuwächse waren nicht mehr. Und was sind Kaufkraftgewinne durch den “Anschluss” ? Hatten wir schon mal das Thema…

Ihr habt die DM bekommen, die euch überfordert hat, und der Grieche später den Eurotz.

Beide Länder sind übernommen worden. Thats it… im IWF heißt das Privatisierung…

holger Mai 28, 2013 um 00:42

Und nun sach ihr dir noch was Topistaner

Coca Cola gehen deinen Interessen mal hinnen runner…

topi Mai 28, 2013 um 01:04

Holger

hatten wir schon mal. Die Zone kriegte einen völlig unpassenden Wechselkurs zur Währungsunion (und absurde Altschulden höchstverzinst auf Kommunen, Betriebe, Wohnungsbaugesellschaften etc.).

Die Griechen hatten den “richtigen “Umtauschkurs,und haben sich über die Jahre das falsche Verhältnis selbst erarbeitet. Unter tatkräftige Mithilfe der Deutschen, die Lohnsenkung betrieben.

Und: genauer lesen! Den Kaufkraftgewinn gab es international, solange dt. Lohnzurückhaltung noch zu WK-Erhöhungen führte.

Das war mit dem Euro vorbei.

Jackle Mai 28, 2013 um 01:46

Dieser Wolfgang Streek sagt also, dass unser aller Hoffnung in den beiden letzten übrig gebliebenen Sozialdemokraten liegen sollte. Solche Sozialdemokraten also, mit denen nicht mal mehr die sogenannten Sozialdemokraten spielen wollen. Sandkasten.

Hoffnung, Zukunft, Happy End. Vom Ende her gedacht, würde ich ja sagen, dass jede Party irgendwann zu Ende gehen wird, aber solange die Musik noch läuft, macht es Spaß zu tanzen. Tanzt! Feiert! Lasst die Sozialdemokraten griesgrämig und nüchtern in den Ecke versauern und holt euch die Queen der Tanzfläche! Der Kater kommt noch früh genug.

Pjotr56 Mai 28, 2013 um 02:03

Kritik an Wolfgang Streeck:
http://www.nachdenkseiten.de/?p=17173

Systemfrager Mai 28, 2013 um 07:08

@Balken
Tja,
die Jungs haben nichts gewusst, keiner konnte es wissen, nur deshalb ein Aderlass nach dem anderen …
Woher konnten sie wissen, dass man damit tötet …
Naja … aber wen hat man getötet?
Als Endergebnis hat man eine Klassengesellschaft, die sich keiner in der Geschichte schämen muss
Der neoliberale soziale Genozid hat genau das gebracht, was er bringen sollte
….
Jetzt der luhmannianischer Nihilismus, damit das Volk seine Euthanasie heroisch erträgt

Eagon Mai 28, 2013 um 08:00

Ein Stück aus dem Tollhaus.

‘Wir müssen die Sozialleistungen, Renten, … kürzen.”

Aber machen damit gar nichts.

Außer zusammen mit Hoeneß ins Kasino zu gehen.

Wir brauchen kein Weltsozialmodell.

Sondern nur eine eigene Währung.

Und eine auf den Binnenmarkt ausgerichtete Wirtschaft.

Solche widerlichen Wendehälse wie Streek, gehören ins Altersheim.

Eagon Mai 28, 2013 um 08:08

“Was nir­gendwo ver­stan­den wird: Europa ist seit fast zwei Jah­ren in einer Rezes­sion und es gibt ange­sichts der wirt­schaft­li­chen und poli­ti­schen Kon­stel­la­tion in der Wäh­rungs­union kein wirt­schafts­po­li­ti­sches Instru­ment, mit dem sich Europa aus der Krise schau­feln könnte. Die Geld­po­li­tik ist aus­ge­reizt, die Fis­kal­po­li­tik ist ideo­lo­gisch blo­ckiert und Lohn­po­li­tik gibt es nicht. Woher soll ein Auf­schwung kom­men, wie sol­len neue Arbeits­plätze ent­ste­hen?”

http://www.flassbeck-economics.de/kein-wirtschafts-gott-in-frankreich-ni-a-gauche-ni-a-droite/

Die Antwort Streeks 1998 war wir müssen die Lohnkosten senken, dann entstehen neue Arbeitsplätze in Deutschland.

Dank Streek konnte Schröder ein ganzes Volk zum Zwangssparen verdonnern.

Jetzt müßte Streek ja , die Abschaffung der Agenda 2010 fordern, damit zunächst einmal das ZWANGSSPAREN in Deutschland aufhört.

Wie konnte sich ein Direktor des Max Planck Institutes so irren?

Systemfrager Mai 28, 2013 um 08:17

>>> Wie konnte sich ein Direktor des Max Planck Institutes so irren?
Sag mir jetzt nicht, er ist der Direktor dort

h.huett Mai 28, 2013 um 08:42

Pjotr ua

Bei allem Respekt vor Albrecht Müller gilt für seine Reaktion auf Streeck das gleiche, was ich zu egal geschrieben habe. An die Stelle von Analyse tritt exkommunizierende Verdammnis und eine erstaunliche Rachsucht. Man kann darüber ins Grübeln kommen, was das Markenzeichen der “Nachdenkseiten” mitteilt.

Systemfrager Mai 28, 2013 um 08:49

Vergiss die Gallier
Das Abendland ist dem Untergang geweiht

Europa ist seit fast zwei Jah­ren in einer Rezes­sion und es gibt ange­sichts der wirt­schaft­li­chen und poli­ti­schen Kon­stel­la­tion in der Wäh­rungs­union kein wirt­schafts­po­li­ti­sches Instru­ment, mit dem sich Europa aus der Krise schau­feln könnte. Die Geld­po­li­tik ist aus­ge­reizt, die Fis­kal­po­li­tik ist ideo­lo­gisch blo­ckiert und Lohn­po­li­tik gibt es nicht. Woher soll ein Auf­schwung kom­men, wie sol­len neue Arbeits­plätze ent­ste­hen? Das ist die alles ent­schei­dende Frage. In ihrer Not glau­ben die meis­ten auf allen Sei­ten an die Wir­kung von Pla­ce­bos wie den „struk­tu­rel­len“ Refor­men, die aber alles nur schlim­mer machen. Kann jedoch die Demo­kra­tie das nicht mehr leis­ten, kann sie nicht mehr für posi­tive Per­spek­ti­ven hin­sicht­lich Ein­kom­men und Arbeits­plät­zen der Men­schen sor­gen, ist sie am Ende.

Flassbeck bei den Galliern >>>

Eagon Mai 28, 2013 um 09:26

“Bei allem Respekt vor Albrecht Müller gilt für seine Reaktion auf Streeck das gleiche, was ich zu egal geschrieben habe. An die Stelle von Analyse tritt exkommunizierende Verdammnis und eine erstaunliche Rachsucht. Man kann darüber ins Grübeln kommen, was das Markenzeichen der “Nachdenkseiten” mitteilt.”

Streek kennt genau die Zeit 1927 – 1933.

Die auch Kohl und Adenauer kannten.

Und die verheerenden wirtschaftlichen Folgen von Zwangssparen.

http://www.linksnet.de/de/artikel/29037

Streek kennt nicht mal den Unterschied zwischen nationaler Sparquote und der Sparquote der Privathaushalte.

"ruby" Mai 28, 2013 um 09:53

@ topi

Du bist der phantasievolle Binnermarktler, der die praktischen individuellen Lösungen vordenkt und kundtut.
Was ist alles nachzuholen bzw. neu zu entwickeln – ich sach nur Investitionsstau und Mikronisierung .
Wann checken die idealogieverbohrten Beständeverwalter endlich, dass Arbeit und sinnvolle Güter für zufriedene, friedliche junge Menschen eine langfristige Erfolgsstory sind.
Jede Sekunde der Verzögerung, Verblendung ist verschenktes Vergnügen.
Wie Simmel beschreibt, was erhöhend angesammelt (Wertlosigkeit) wird vermindernt verwendet (Sinnbehaftetheit).
Bei abnehmenden Grenznutzen zeigt es die Stumpfhaftigkeit der Jäger (Flows) und Sammler (Stocks).
Arme Halter …
Wo liegt die Befriedigung in der zunehmenden Differenzierung, Ungleichverteilung?

"ruby" Mai 28, 2013 um 10:23

“Parteien mit F am Anfang werden verboten, da die Erfahrung gezeigt hat, dass sie schwarze Löcher für soziale Kompetenz und Intelligenz sind.”
aus dem Wahlprogramm der Satirepartei in Lübeck

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2013-05/Die-Partei-Luebeck-Langbehn

Nanuk Mai 28, 2013 um 10:45
"ruby" Mai 28, 2013 um 10:58
h.huett Mai 28, 2013 um 11:01

Manche Kommentatoren erwecken den Eindruck, dass sie den erlittenen Verlust des Menschenrechts, dass “andere sich einen Kopf machen” und “einen auf die Schiene setzen”, gerne rückwirkend mit dem Einsatz des Wachregiments Feliks Dzierzynski unterbinden würden. Meine Hotel Lux-Phantasie kam dem schon ziemlich nahe.

"ruby" Mai 28, 2013 um 11:34

Dserschinski starb plötzlich und unter nie näher geklärten Umständen 1926.
Gedenktafel_Katharina-Heinroth-Ufer_%28Tierg%29_Rosa_Luxenburg.JPG

Keynesianer Mai 28, 2013 um 13:09

Die Agendapolitik hatte von vornherein das Ziel, durch das Lohn- und Sozialdumping in Deutschland den gemeinsamen Währungsraum zu destabilisieren. Dumme Ausbeuter, die ihren Arbeitern möglichst keinen Lohn und keine Sozialleistungen gönnen, hätte es in allen anderen Staaten ja auch gegeben. Dass aber ausgerechnet in Deutschland die gleichgeschalteten Massenmedien und gekauften Politiker die Agendapolitik mit Hilfe von Wolfgang Streeck durchsetzen mussten, war ganz gezielte Absicht. Die Früchte dieser Politik lassen sich im vollen Umfang aber erst mit der Zerstörung der gemeinsamen Währung einbringen.

Wolfgang Streeck hat sich also keine Irrtümer vorzuwerfen, sondern ist voll auf Linie, was ihm ja die besondere Aufmerksamkeit seiner Freunde bei der Diskussion seiner neuesten Thesen zur Zerstörung des Euroraums verschafft, die er bei den Adorno-Vorlesungen 2012 dem begeisterten Publikum vortragen durfte und jetzt in einem Buch präsentiert. Nachdem Streeck geholfen hat, das Lohndumping in Deutschland durchzusetzen, fordert er jetzt ein “Recht auf Abwertung” der von eben diesem Lohndumping getroffenen Ökonomien unserer Handelspartner. Das ist nur konsequent!

Es geht um die nächsten Verheerungen mit Hilfe von Wolfgang Streeck in Europa, denn eine Rückabwicklung des Euro wird sich nur als eine (für Spekulanten allerdings sehr lukrative) Katastrophe für die betroffenen Völker umsetzen lassen.

Es ist also alles weder Irrtum noch Dummheit, sondern schon seit den Zeiten der Gründung des Sozialistischen Büros Offenbach zur Propagierung der “unvermeidbaren Krise des Kapitalismus” nichts als böse Absicht und Betrug des Publikums. Genau dafür verteidigt Hans Hütt seinen Freund Wolfgang Streeck hier mit seinem Herzblut gegen jede Kritik.

Balken Mai 28, 2013 um 13:13

Erstaunliche Suada, fast schon Brüllstaccato, auf meinen Einwurf, der angeblich eine Suada war. Hotel Lux? Ach wenn wir denn schon solche an der Geschichte gereiften Ressentiments austauschen wollen: Ich zöge das Stadion in Santiago (de Chile) vor.
Und wer angeblich will Schauprozesse mit Selbstbezichtigungen? Ich schrieb: “Es geht in der Tat nicht darum, von irgendwem reumütige Selbstbezichtigungen zu hören. Es ist aber zu hoffen, dass erntshaft politisch umgesteuert wird.”
Offenbar erträgt es der grobe Klotz nicht, wenn einer einen groben Keil draufsetzt. Ihre rührende Geschichte von der quasi Versehentlichkeit der Verarmungsfolgen einerseits und Bereicherungs(er)folgen anderserseits der “Arbeitsmarktreformen” ist ein grober Klotz, Herr Hütt. Richtigstellung siehe @topi 0:15.
Oder hier:
“Die eine Vorgängerpartei von Die Linke, die PDS, hat im April 1998 die Einführung der gemeinsamen Währung unter dem Slogan »Euro – so nicht« abgelehnt. Im Bundestag führte Gregor Gysi damals aus, Deutschland wolle mit dieser Art von Gemeinschaftswährung seine Exporte erhöhen »und damit die Industrie in Portugal, Spanien und anderen Ländern schwächen«. Genau so ist es gekommen, politisch umgesetzt durch die rot-grüne Agenda 2010. Der luxemburgische Premierminister Jean-Claude Juncker nannte das zutreffend »Lohn- und Sozialdumping«. Die Gründung der zweiten Vorgängerpartei WASG war die notwendige Antwort auf diese Verschärfung des deutschen Klassenkampfs von oben. Leider konnte gegen das mächtige Allparteienkartell kein Ende des Exportextremismus »made in Germany« durchgesetzt werden. Profitiert haben die Eigentümer der Export- und Finanzindustrie.”
http://www.jungewelt.de/2013/05-27/022.php . Zitiert via Nachdenkseiten (nicht Ihre Lektüre, wie Sie gerade mitgeteilt haben).

Marlowe Mai 28, 2013 um 13:36

An einer Stelle wurden die strukturellen Reformen kritisiert.

Was ist daran nun zu kritisieren, wenn sich eine Volkswirtschaft eine effiziente Infrastruktur schafft?

Ist es denn nicht ein enormer Wettbewerbsvorteil für die EU als ganzes, wenn ein “solides” Fundament vorhanden ist?

Trotz dem ganzen Krisengerede: Kurs EUR/USD ist stabil.

Ja, es ist Rezession. Diese Rezession fordert nun eine Anpassung der Mechanismen. Und diese Anpassung wird durchgeführt.
Im Gegensatz zu 1920ff haben wir so etwas wie soziale Absicherung, es muss keiner revoltieren, um dem Hungertod zu entgehen!

Interessanter Gedanke an einem bedingungslosen Grundeinkommen für Europa ist, daß die Sozialgesetzgebung
in Europa vereinheitlicht werden muss, evtl. auch die Steuergesetzgebung. Über Euro-Bonds könnte auch nachgedacht werden?

Jedenfalls bleibt die internationale Wettbewerbsfähigkeit erhalten.

:-)

h.huett Mai 28, 2013 um 13:38

Es wird nicht besser, was Balken da schreibt. Die Erinnerungen an den portugiesischen Maschinenbau, die Großchemie im Alentejo und die unvergesslichen portugiesischen Automobile, die sind natürlich dahin, da muss ich Gregor Gysi rückwirkend recht geben.

Nein, nein, in diesem Gebrüll ist es schon gut festzuhalten, wo wann wer welche Irrtümer verkündet hat. Aber was führt zu dieser Vendetta gegen einen, der immerhin mit seiner Frage nach der Kompatibilität von Demokratie und Kapitalismus die Systemfrage wieder zurück in die Landschaft holt?

Und was ist mit dem Ekel über die stumpfsinnig verfetteten Vorstädter, woher kommt diese Vertikalspannung im aufgebohrten Klassenstandpunkt, hm?

topi Mai 28, 2013 um 13:48

HH

“Bei allem Respekt vor Albrecht Müller gilt für seine Reaktion auf Streeck das gleiche, was ich zu egal geschrieben habe. An die Stelle von Analyse tritt exkommunizierende Verdammnis und eine erstaunliche Rachsucht. Man kann darüber ins Grübeln kommen, was das Markenzeichen der “Nachdenkseiten” mitteilt.”

Was persönlich zwischen den Beteiligten war, weiß ich nicht. Was damals allerdings “falsch” war, dürfte heute klar sein.

Streeck:»Versagt haben Demokratie und demokratische Politik, als sie versäumt haben, die Konterrevolution gegen den Sozialkapitalismus der Nachkriegsära als solche zu erkennen und sich ihr zu widersetzen.« (111)

Da hat er ja vollkommen recht.
Nur; wer hat denn alles versagt? Er auch? Und warum?

Es ist doch nicht so, dass heute alle aus der Versagensphase heraus sind. Streeck scheinbar schon. Insofern sind doch gerade Äußerungen dazu wichtig!

Und noch mehr: durch die Nichtthematisierung der eigenen Fehleinschätzung zieht sich durch die Argumentation die Rettung zumindest von Teilen der falschen Ansicht von “damals”.

Wieviele Einschätzungen heute beginnenmit “die Agendapolitik war imGrunde richtig und notwendig”, um dann ein paar kleinere Schwachstellen aufzuzählen.

Nein, sie war nicht richtig! Es gibt ein paar Ansätze, die prinzipiell richtig waren; aber auch die wurden nochweitgehend verkackt.

Marlowe Mai 28, 2013 um 14:01

Noch eine Nachfrage:

“Die Frage danach, warum die USA funktionieren, macht Streeck noch skeptischer. Im Grunde sei es der Periode vom Ende des Bürgerkriegs bis zum New Deal zu verdanken, dass die Amerikaner ihre Instrumente beherrschen.”

Welche Instrumente? WKI und WKII waren für die US-Wirtschaft ein Segen, welche die USA befähigten, das Commonwealth nicht nur abzulösen, sondern fast aufzulösen. GB hoch verschuldet.
Dann regelmäßig militärische Interventionen, wenn es holperig wird. Oder mal einfach die Goldbindung aufheben. Sind das die angesprochenen Instrumente? Steuern/Zinsen senken um mittels Immoblase eine allfällige Rezession auf die Zukunft zu vertagen?

Kann man wirklich davon sprechen, daß die Amerikaner ihre Instrumente beherschen, wenn 90 % der Bevölkerung in Richtung Entwicklungshilfestatus tendieren?

Systemfrager Mai 28, 2013 um 14:14

Wo bleibt nur Morph?
Das er uns ALLES erklärt:
Die Wirtschaft ist ein selbstreferenzielles/autopoisisches System, eine fensterlose Monade, so dass nicht einmal die genialsten und klügsten Köpfe wie Streeck ahnen konnten, dass Aderlass und Blutegel nicht heilen, sondern töten.

PS
Ach, wie ich diese selbstreferenzielle/autopoesisches Systeme bewundere!!!! Ein göttlicher Durchblick. Aber wirklich!!!!
Inidvidum ist ein solches System, Familie ist ein solches System, Wirtschaft … und Gesellschaft. So wie die russische Puppe Matrjoschka

Wirtschaft kann nur sich selbst beobachten, also die Gesellschaft bleibt draußen (und die Demokratie) – Streeck gerettet -, dasselbe nach unten: Familie, Individuum …
Nun kann auch die Gesellschaft sich NUR selbst beobachten, weil aber zB die Wirtschaft drinnen ist, kann sie auch Wirtschaft beobachten,… Familie, Indivuduum, usw. Ups! Also das Indivuduum kann sich durch die Gesllschaft DOCH selbst beobachten.
Was für ein Unsinn, was für eine Vollidiotie, …

Balken Mai 28, 2013 um 14:18

@Hütt 11:01

Die kryptischen Andeutungen zu dechiffrieren versuchend:
Das Menschenrecht der Vermögenden, dass “andere sich einen Kopf machen”, und der Erben, dass “andere einen auf die Schienen setzen”, hat sich doch, mit Blick auf die Statistiken zur Entwicklung der Einkommen aus Arbeit und der Einkommen aus Vermögensbesitz, nicht nachteilig verändert?

egal Mai 28, 2013 um 14:19

Ich habe Streeck nicht “höchstrichterlich” verurteilt, sondern eher milde gespöttelt, er sei mehr Feuilletonist als ökonomisch kompetent.
Die Frage nach der Vereinbarkeit von Demokratie und Kapitalismus ist ja auch eher folgenloses Gedöns.

Vergebung ist nicht einseitig. Es gibt sie nur gegen Reue. Hat irgendein Sozialdemokrat jemals öffentlich erklärt, einen Fehler gemacht zu haben?
Streecks Ansichten haben sich ja auch nicht sonderlich gewandelt. Gleiche Grundannahmen, nuanciert andere Folgerungen. Ancient regime.

holger Mai 28, 2013 um 14:19

—>>>Da hat er ja vollkommen recht.
Nur; wer hat denn alles versagt? Er auch? Und warum?

Es ist doch nicht so, dass heute alle aus der Versagensphase heraus sind. Streeck scheinbar schon. Insofern sind doch gerade Äußerungen dazu wichtig!”

WAS bitte schön soll einen MAX PLANCKER nicht klar sein?

Wenn er Operation am offenen Herzen durchführt, dann wundert der sich nicht, das was schief laufen kann oder bewusst “schief” läuft.

DER MAX PLANCKER erfüllt seinen Auftrag, genau so wie Johann das Gespenst hinten im BOOT an den Dieseln.

DAS was der jetzt bringt, ist genau so gedacht, wie es sein soll.

DAZU müsste man aber ein wenig mehr über PLANCKER wissen.

holger Mai 28, 2013 um 14:24

Jedem Maschinenbauer würden se die Hände abhacken, wenn er so arbeiten würde, wie die “Geisteswissenschaft” Ökonom.

topi Mai 28, 2013 um 14:25

Marlowe

” An einer Stelle wurden die strukturellen Reformen kritisiert.

Was ist daran nun zu kritisieren, wenn sich eine Volkswirtschaft eine effiziente Infrastruktur schafft?”

Da ging es doch um “Reformen” ala Hartz. Wo sind denn diegroßen Investitionen in europäische Netze? Da wäre in der Tat nichts zu kritisieren.

“Ja, es ist Rezession. Diese Rezession fordert nun eine Anpassung der Mechanismen. Und diese Anpassung wird durchgeführt.
Im Gegensatz zu 1920ff haben wir so etwas wie soziale Absicherung, es muss keiner revoltieren, um dem Hungertod zu entgehen!”

Na dann begib dich mal in die Peripherie; zeitlich begrenztesAL-Geld/Sozialhilfe, danach teilweise: NIX.

Und der Fiskalpakt hat noch garnicht gegriffen (wird er wohl auch nicht).

“Interessanter Gedanke an einem bedingungslosen Grundeinkommen für Europa ist, daß die Sozialgesetzgebung
in Europa vereinheitlicht werden muss, evtl. auch die Steuergesetzgebung. Über Euro-Bonds könnte auch nachgedacht werden?”

Über Eurobonds kann und wird nachgedacht werden.

Über ein europäisches BGE kannst du auch nachdenken; aber ich sehe keinen ansatzweisen Weg, dass so etwas absehbar kommen könnte.

“Jedenfalls bleibt die internationale Wettbewerbsfähigkeit erhalten.”

Preislich muss das so sein,denn es gibt ja nur den Euro, nicht den Welto.
Zieht sich die Krise noch lange und wird schärfer, geht natürlich auch Produktionspotenzial verloren.Und beifehlenden Investitionen sinkt deer realeKapitalstock. Bei drastischen Kürzungen bei Bildung und Ausbildung (in Griechenland werden reihenweise Berufsschulen geschlossen)sinktdie Innovationskraft der jungen Generation. etc.pp

Zu den USA; die funktionieren nun gerade mal leidlich,wie du selber sagst.
Insofern auch die Aussichten auf die USE,ohne gemeinsameSprache, und ohne einen european way of life, der als Basis dienen könnte.

egal Mai 28, 2013 um 14:30

@morh

Nochwas zu Star Trek. Du hast vor Kurzem The Wire als Schlüsselserie gelobt. Fraglos, eine sehr gute Serie, aber wird man sie in 50 Jahren sehen und sagen: so waren die 00er Jahre?

Star Trek hingegen: Technikgläubigkeit, Selbstverbesserung (Data und Spok versuchen permanent, bessere Menschen zu werden), New Age Mystizismus…
Star Trek ist DIE Serie zur kalifornischen Ideologie.

holger Mai 28, 2013 um 14:36

topi

—>>>Über ein europäisches BGE kannst du auch nachdenken; aber ich sehe keinen ansatzweisen Weg, dass so etwas absehbar kommen könnte.”

Dazu fehlt dir eben das gewisse etwas… obwohl du es besser wissen solltest bei deiner Berufung.

Aber iss schon ok… Scheuklappen ideologische müssen wohl sein.

Du sagst es geht nicht, dann ok dann geht es eben nicht. Noch nicht mal versucht, aber die Gewissheit das es nicht geht.

Und nun denk mal stark nach, was du so alles wieder in Gang bringst, wo andere sagen, das geht nicht.

holger Mai 28, 2013 um 14:37

topi

und jetzt sage ich dir es: Du bist zu verkrampft im Kopf. :D Gibts da nicht irgendwas, das zu lösen?

Balken Mai 28, 2013 um 14:53

@Marlowe 14:01
” … ihre Instrumente beherschen, wenn 90 % der Bevölkerung in Richtung Entwicklungshilfestatus tendieren?”

Abgesehen von der wohl etwas plakativen Überhöhung (90 %?): Aber jetzt nicht – ähnlich plakativ – noch hinzusetzen, was das für die Menschen in den Vorstädten bedeutet, das wäre Mangel an Distinktion! Da wird dir das Feststellen schlimmer Entwicklungen und das Bedauern über zerstörte Menschenleben (wovon jeder nun mal nur eines hat) pharisäerhaft in eine Herabsetzung von Menschen umgedeutet.
Stichwort USA, wo sich Hightech und Dritte Welt so überaus segensreich verbinden: Das sind doch durchaus kapitalismusgerechte Verhältnisse. Kapitalismus ist Mangelverwaltung (äh, Entschuldigung, dieser Begrif ist ja realsozialistische Verteilungsmuster reserviert), ist Knappheitsverwaltung mit sehr intelligenter, quasi selbsstteuernder Allokation der Güter (plakativ: zu den 10 %). Wenn man heute Reden Roosevelts zur Einführung des New Deal liest – unglaublich, dass so etwas im Herzland des Kapitalismus überhaupt für eine zeitlang möglich gewesen ist. Nun ja, das ist glücklich überstanden, die Ordnung ist wiederhergestellt. Das musste auch “der mächtigste Mann der Welt” schmerzlich zur Kenntnis nehmen, mit seinen ein wenig in die Rooseveltsche Richtung gehenden vorsichtigen Ansätzen.
Und nun konnte halt auch in Deutschland das Schaufenster zum Osten wieder zugezogen und die schönen Auslagen abgeräumt werden. Schluss mit der Sozialstaatsduselei. Das internationale Kapital will und kann, auch soweit es von Deutschland aus agiert, wieder richtig Kasse machen. Dabei kann man freilich nicht “alle auf die Schienen setzen”. Wer Gewinn will, muss Verlust in Kauf nehmen. Bei anderen wohlgemerkt. Womit ich wieder in den Vorstädten bin.

topi Mai 28, 2013 um 14:58

Holger, es geht nicht um meine Scheuklappen, sondern die der FUnktionssystemsträger.

Und von Schütze Arsch europaweit, der sich selbst nicht hoch kriegt, auch wenn er schon das Grundeis spüren kann.

holger Mai 28, 2013 um 15:09

topi

du sagst doch immer “das geht nicht” ich bin wohl der letzte, der das sagen tut.

Dipfele Mai 28, 2013 um 15:29

Huett / topi

Die Frage ist auch, wie oft es sich eine Gesellschaft leisten kann, hinterher von der Elite zuhören, wir haben uns geirrt.

http://www.flassbeck-economics.de/kein-wirtschafts-gott-in-frankreich-ni-a-gauche-ni-a-droite/

"ruby" Mai 28, 2013 um 16:08

http://images.zeit.de/politik/deutschland/2013-05/die-partei/die-partei-540×304.jpg
Jetzt wird es ernst .
SatireParteiDeutschland
Das Original der Kopie mit dem ersten Wahlsieg.
Lübeck wird erzittern.

Balken Mai 28, 2013 um 16:12

“Primarily this is because the rulers of the exchange of mankind’s goods have failed, through their own stubbornness and their own incompetence, have admitted their failure, and abdicated. Practices of the unscrupulous money changers stand indicted in the court of public opinion, rejected by the hearts and minds of men.

The measure of the restoration lies in the extent to which we apply social values more noble than mere monetary profit.

And finally, in our progress toward a resumption of work we require two safeguards against a return of the evils of the old order; there must be a strict supervision of all banking and credits and investments; there must be an end to speculation with other people’s money, and there must be provision for an adequate but sound currency.”

“What do the people of America want more than anything else? To my mind, they want two things: work, with all the moral and spiritual values that go with it; and with work, a reasonable measure of security–security for themselves and for their wives and children. Work and security–these are more than words. They are more than facts. They are the spiritual values, the true goal toward which our efforts of reconstruction should lead. These are the values that this program is intended to gain; these are the values we have failed to achieve by the leadership we now have.

Let us be frank in acknowledgment of the truth that many amongst us have made obeisance to Mammon, that the profits of speculation, the easy road without toil, have lured us from the old barricades. To return to higher standards we must abandon the false prophets and seek new leaders of our own choosing.”

“In my Inaugural I laid down the simple proposition that nobody is going to starve in this country. It seems to me to be equally plain that no business which depends for existence on paying less than living wages to its workers has any right to continue in this country. By “business” I mean the whole of commerce as well as the whole of industry; by workers I mean all workers, the white collar class as well as the men in overalls; and by living wages I mean more than a bare subsistence level-I mean the wages of decent living.”

Ein bißchen copypaste – vom Popbeauftragten? vom kavalleristischen Kanzlerkandidatendarsteller?
Nochmal: no business which depends for existence on paying less than living wages to its workers has any right to continue in this country

Kann man freilich nur milde lächeln, dass dies so erschreckend aktuell klingt, und das dies erschreckenderweise aktuell nirgends so erklingt. Und wo es bei irgendwem in irgendwelchen Nischen doch ähnlich klingt, da ist es natürlich nicht Analyse, sondern “exkommunizierende Verdammnis”.

"ruby" Mai 28, 2013 um 17:14

Kann es sein, das Sozialdemokraten die die Konkursverschleppung spanischer Banken im Parlament mit absegnen wollen den Kontakt zur Wirklichkeit verloren haben, wenn sie die “alternativlose” Sackgassenpolitik mit fortführen wollen?
Stattdessen hätte eine solides Ausstiegsszenario gerechnet werden und ein aktualisiertes EWS mit floatenden €-Währungskursen in Vertragsform zur Bürgerentscheidung fertig sein können.
2014 sind Europawahlen!
Was will sich Finanzexperte Steinbrück von den Lobbyisten noch flüstern lassen ?
Asmussen als Finanzminister einer Großen Koalition?
Absolutes MegaMonsterModell …
Oder Trittin mit Schwarz-Grün?
http://www.youtube.com/watch?v=6tPOp0lKeTQ

Eagon Mai 30, 2013 um 08:25

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