Ein Blumentopf im Fenster

by f.luebberding on 9. August 2013

Es gab in den vergangenen Tagen gute Gründe an die Watergate-Affäre zu erinnern. “Woodstein” haben die Rolle des Weißen Hauses beim Einbruch in das Hauptquartier der Demokraten 1972 bekanntlich nicht in 8 Wochen aufgeklärt. Es ging bei der Aufdeckung der Affäre vor allem um eine Frage: Nämlich die Verbindung zwischen den Einbrechern in das Watergate-Hotel und der Wahlkampfleitung Nixons über die Ermittlung der Zahlungsströme (“Follow the money”) aufzudecken. Als auf diesem Weg bewiesen worden war, dass Nixons wichtigste Berater (Mitchell, Ehrlichman, Colson und Haldeman) in unmittelbarer Beziehung zu den Einbrechern standen, brach das Lügengebäude von Nixon zusammen. Erst danach sollte deutlich werden, dass dieser Einbruch nur Teil eines ganzen Komplexes illegaler Aktivitäten gewesen war. Die Rolle des berühmtesten Whistleblowers der jüngeren Geschichte, “Deep Throat”, bestand darin, Woodward und Bernstein auf ihre Fehler aufmerksam zu machen. In “Die Unbestechlichen” mit Robert Redford und Dustin Hoffman kommt das in den Dialogen in der Tiefgarage gut zum Ausdruck. Heute wissen wir, dass es sich bei “Deep Throat” um den damaligen stellvertretenden FBI-Direktor Mark Felt gehandelt hatte. Wäre er zwischen 1972 und 1974 als Quelle Woodwards enttarnt worden, hätte er sicherlich mit einer ähnlichen Reputation im US-Establishment rechnen müssen, wie heute Edward Snowden. Die Debatte über die Überwachungspraktiken der NSA (und anderer Geheimdienste, nicht nur der USA) steht erst am Anfang. Die ersten Hinweise von Snowden kamen vor etwa 8 Wochen. Es kann also weder überraschen, dass bisher kaum etwas aufgeklärt worden ist, noch sollte man sich über die fehlenden politischen Konsequenzen wundern. Acht Wochen nach dem Einbruch im Watergate-Hotel glaubte niemand im Traum daran, dass Präsident Nixon zwei Jahre später zurücktreten müsste. Bis dahin werden allerdings alle möglichen publizistischen Nebelkerzen gezündet. So wie damals Nixons Berater versuchen auch heute die Apologeten des Überwachungsstaates mit der Kritik an scheinbaren Irrtümern Snowdens die Aufklärung des Skandals hinauszuzögern bzw. zu verhindern.

An diesem Wochenende betrifft das vor allem jene Spiegel-Meldung, wonach sich die Abhörpraxis der NSA in Deutschland mit jenen “500 Millionen Datensätzen” allein aus dem “Monat Dezember  2012″ belegen ließe. Der Tagesspiegel fasst das so zusammen:

“Diese Woche präzisierte das Magazin sein Wissen: Die rund 500 Millionen Verbindungen beziehen sich in Snowdens Dokumenten auf den Dezember 2012, und die Daten stammen aus zwei Sammelstellen, Tarnkürzel US-987LA und LB. Das Interessante daran ist, dass jemand in Deutschland die gut kennt: Der Bundesnachrichtendienst (BND) bestätigte, dass sich hinter den Kürzeln seine – seit zehn Jahren gemeinsam mit der NSA betriebene – Abhörstation im bayerischen Bad Aibling und die Fernmeldeaufklärung in Afghanistan verbergen.”

Nun stellt Hans-Christian Ströbele die berechtigte Frage, warum allein in einem Monat eine Datenmenge aus Afghanistan und dem Nahen Osten angefallen sein soll, deren Größenordnung alles übersteigt, was bisher von der Regierung und dem BND gemeldet worden ist. Es wird zudem nicht erklärt, warum Regierung und BND solange brauchen bis ihnen dieser eigentlich simple Sachverhalt aufgefallen ist. Aber selbst wenn das die Erklärung für Snowdens offenkundig richtige Information ist (auch eine Erkenntnis!), sie nämlich nur falsch zugeordnet worden ist, widerlegt das eines nicht: die von der NSA selbst eingeräumte Tatsache, dass es das flächendeckende und weltweite Abhören der Online-Kommunikation gibt (etwa zur Analyse der Metadaten). Diese Überwachung ist vielmehr positiv begründet worden. So hat der Bundesinnenminister die verhinderten Anschläge als entscheidenden Legitimationsgrund genannt. Das wäre gerade wegen der flächendeckenden Überwachung möglich geworden. Daraus habe sich später ein dringender Tatverdacht (wie bei der Sauerland-Gruppe) ergeben – und nicht umgekehrt: nämlich auf Basis eines solchen Tatverdachts die Überwachung schließlich anzuordnen. Amerikaner (und Briten) brauchen bekanntlich nicht die Mitarbeit des BND, um deutsche Kommunikationsdaten “aufzuklären”. Der hat aus guten Gründen jede Kenntnis darüber bestritten. Ansonsten steckte der BND in einem mit Watergate durchaus vergleichbaren Sumpf. Es bedeutete die grundgesetzwidrige Überwachung deutscher Staatsbürger ohne jeden Tatverdacht.

Im Gegensatz zu Watergate werden wir heute kaum auf einen stellvertretenden NSA-Direktor hoffen können, den ein Journalist durch das Aufstellen eines Blumentopfs im Wohnzimmerfenster darüber informieren kann, sich mit ihm in einer Tiefgarage zu treffen. Die NSA will stattdessen ihre Systemadministratoren rauswerfen, um weitere Lecks zu verhindern (oder zu provozieren). Wie absurd die Debatte um die “500 Millionen” ist, kann man daran erkennen, dass das FBI gleichzeitig das Tor-Netzwerk zur Anonymisierung unterwandert, damit “kaum ein Nutzer seinen Computer vollständig gegen Angriffe sichern kann.” Zudem wurde der Mailprovider Edward Snowdens durch Druck zur Einstellung seines Dienstes gezwungen.

Im Vergleich zur Nixon-Administration hat die Obama-Regierung kein Schuldbewusstsein (aus Gründen die Jan Falk auf Twitter erläutert) – und versucht daher offensichtlich noch nicht einmal die Vertuschung ihrer Überwachungspraxis. Davon kann in Deutschland nicht die Rede sein. Deshalb die Aufregung um die richtige Einordnung der Snowden-Information und der Hinweis der Bundesregierung, die heutige Überwachungspraxis der NSA beruhe auf einem Abkommen aus dem Jahr 2002. Es sei von Frank Steinmeier mit den Amerikanern vereinbart worden. Das erklärte zwar die berühmten “500 Millionen” aus der Spähanlage in der bayerischen Idylle Bad Aibling, allerdings weder die Datenmenge, noch die Frage warum die Regierung ansonsten nichts von der Überwachung der deutschen Onlinekommunikation gewusst hat. Vor allem aber gibt es für Frank Steinmeier keinen Grund zur weiteren Geheimhaltung von Erkenntnissen aus seiner früheren Tätigkeit als Geheimdienstkoordinator. Die Bundesregierung hat ihn de facto davon entbunden. Insofern brauchen wir keinen Whistleblower in einer Tiefgarage. Aber wir können ja alle trotzdem einen Blumentopf in unser Fenster stellen.

Vielleicht sieht ihn Steinmeier.

Update

Ging gerade online. Constanze Kurz und Frank Rieger über die Hintergründe zur Aufgabe von Snowdens Maildienst Lavabit.

{ 164 comments }

xefix August 9, 2013 um 17:04

Danke, Frank!

nixgegenweiterso

"ruby" August 9, 2013 um 17:44

Danke, Frank!
nurweiterso

Think positive August 9, 2013 um 19:23

Danke, Frank!
Weiter so!
Alles wird gut!
http://www.youtube.com/watch?v=lNyjkRlgO5s
Don’t Worry, Be Happy!

f.luebberding f.luebberding August 9, 2013 um 19:59

Ich sollte Herrn Steinlechner öfter schreiben lassen: Das Niveau im Kommentariat ist lesbar besser geworden … .

wowy August 9, 2013 um 20:23

@fl
Kritikfreie Lobeshymnen, ist also das , was du willst.
Na dann
http://hannahlois15.files.wordpress.com/2011/10/superman_5.jpg

Think positive August 9, 2013 um 20:36

Kein Blumentopf,
aber ein exzellenter Text von Manfred Sohn:

Vor dem Epochenbruch
Warum die gegenwärtige Krise keine »normale« ist
http://www.neues-deutschland.de/artikel/829420.vor-dem-epochenbruch.html

someone August 9, 2013 um 20:41

Da braucht man aber viele Blumentöpfe.
Stuxnetaufseher unter Verdacht des Gemnisverrats.
http://investigations.nbcnews.com/_news/2013/06/27/19174350-ex-pentagon-general-target-of-leak-investigation-sources-say?lite

Botschaften geschlossen wegen geheimer Absprachen von geheimen Feinden.

“So that’s where the United States stands today, officially, a country at war with people whose names can’t be shared with the American people, and whose enemy status is determined by someone other than the Congress, or even the president, and that secrecy is necessary because these people might not know we think they are co-belligerents and that might inflate their egos or their numbers, or both, and besides they’re “murky” and change their names and lie and obfuscate – national security is at stake, trust us. Isn’t that about it?

And some of those enemies “chatter.” There’s been a lot of media chatter lately about the terrorists’ chatter that led the State Department to shut down nine embassies or consulates over the weekend of August 3-4, and another 19 until August 10, three days after the end of Ramadan.

“The one thing we can talk about is the fact that there’s been an awful lot of chatter out there,” said the highest ranking Republican on the Senate Intelligence Committee on talking head TV. And just to make sure the fear card was fully played, Saxby Chambliss of Georgia added that the recent chatter of our enemies, whom he did not name, is “very reminiscent of what we saw pre-9/11.”

Chambliss did not explain why, if the current chatter is reminiscent of 9/11, the American response is limited to closing embassies overseas. And of course he wasn’t asked any probing questions.”

http://readersupportednews.org/opinion2/266-32/18781-us-shuts-embassies-because

Schatten August 9, 2013 um 20:47

Das Schöne an Watergate ist ja, dass man nicht weiß, ob Howard Hughes, btw mein Lieblingsunternehmer und führender Rüstungs-Contractor der damaligen USA, nun diese Krise bewußt herbeigeführt hat, oder durch geistige Umnachtung verschuldete.

http://en.wikipedia.org/wiki/Watergate#Purpose_of_the_break-in

Der Film “The Hoax” mit Richard Gere macht ja die These auf, dass zumindest aus Teilen des Hughes-Imperiums Informationen gestreut wurden, die zu Watergate führten.

Wenn man also Snowden hier zum Vergleich anführt: Beruht die Prism-Affäre auf Streitigkeiten innerhalb des militärisch-industriellen Komplexes?

Eher nicht, oder? Sieht aus, wie ein Einzelgänger gone rogue!

Peinlich finde ich vor allem, dass die Amis versichern zu glauben mussten, dass sie Snowden nicht foltern oder töten würden… Ja, gut, nicht? Aber waterboarding ist ja keine Folter, sondern eine “enhanced interrogation technique”…

wowy August 9, 2013 um 21:31

@Schatten
Und wenn es der Friedensnobelpreisträger war?

Linus August 9, 2013 um 21:37

@Schatten:
“Sieht aus, wie ein Einzelgänger”
Wenn er denn Helfer hatte, dann sitzen die noch immer in der NSA. Das wäre eine ernsthafte Bedrohung für die NSA und damit ein gewichtiges Motiv, Snowden habhaft zu werden.

@someone:
Ähnliche Überlegungen hier, wenn auch nicht ganz so aufgeregt ;-):
http://pressthink.org/2013/08/the-toobin-principle/

wowy August 9, 2013 um 22:36

Und dafür zahlen die EU-Bürger Steuern
https://de.wikipedia.org/wiki/INDECT

wowy August 9, 2013 um 22:42

Vielleicht sollte uns der letzte Spiegeltitel ja doch was sagen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Karlsbader_Beschl%C3%BCsse#Folgen

Schatten August 9, 2013 um 22:47

@wowy

“Friedensnobelpreisträger”? Nicht wirklich, oder? Und dass er den Nobelpreis noch nicht zurückgegeben hat, ist ja auch so eine Geschichte…

@Linus

Ja, nicht, die NSA will ja jetzt alle Administratoren abschaffen…

Überhaupt, die NSA: Erinnert mich an diese Schweizer, welche CDs mit den Daten der Schwarzgeldkonten gepresst haben…

Aber ehrlich gesagt ist mir wirklich nicht klar, was für ein Typ Snowden ist, Narziss oder Idealist, man weiß es nicht.

Originell fand ich dagegen, was ich vor kurzem irgendwo gelesen habe, nämlich, dass die BRD jetzt souverän sei, nachdem die Amis und die Franzosen auf ihre Rechte aus irgendwelchen Geheimverträgen verzichtet haben – Und was ist mit der EU? Die macht mittlerweile über 80% der Gesetze, bzw. die entsprechenden Vorgaben.

Und wie ist das eigentlich mit diesen Geheimverträgen? Was steht uns denn dafür, dass es nicht noch mehr gibt?

wowy August 9, 2013 um 23:12

Nach der Wahl kommt der Showdown für Europa (EU).
Nur wer oder was wird Kotzbue sein?
https://de.wikipedia.org/wiki/August_von_Kotzebue

BB August 9, 2013 um 23:34

Sie bestehen auf ihr Recht, einen Revolver zu tragen, um sich gegen den Staat verteidigen zu können, wenn es sein muss. Sagen sie jedenfalls, wenn man sie fragt.

Aber wenn der Staat ihre EMails durchschnüffelt, dann lässt sie das vollkommen kalt.

Soll einer die Amis verstehen.

teilzeit tourette - syndrom August 10, 2013 um 09:13

und was sagt der clip genau aus? hast du auch eigenen argumente?

da ist ein spitzenpolitiker und sagt, das deutschland nach wk2 zu keiner zeit voll souverän ist. wo wird die these von der bis heute andauernden unmündigkeit deutschlands untermauert?

deutschland ist kein opfer und besetzt braucht es auch nicht ( mehr ) . bei dem politischen personal hier, ist es einfach nicht nötig.

Andreas Kreuz August 10, 2013 um 09:15

@Think positive August 9, 2013 um 20:36

Der Artikel ist unbedingt lesenswert.

teilzeit tourette - syndrom August 10, 2013 um 09:34

wenn deutschland nicht souverän ist, sprich fremdbestimmt, wie passen dann dir vorteile aus mitgliedschaften wie nato -, eu-, oder uno bündnis dazu?

deutschland zieht seinen profit aus neo liberaler politik zuhause, in der eu und in der welt. deutschland handelt mit täterwillen.

„…Und wir in Deutschland sind seit dem 8. Mai 1945 zu keinem Zeitpunkt mehr voll souverän gewesen…“

dazu http://www.jura-portal.eu/?p=327

teilzeit tourette - syndrom August 10, 2013 um 09:46

politikern sonst nix glauben, aber dann ein solches zitat unreflektiert übernehmen.

aber ich bin auch nicht besser. ja ich habe manchmal auch den eindruck, das deutschland kein souveränes land ist. nur für mich sind es nicht die usa, nicht die bilderberger oder die atlantik brücke. goldmänner , rothschild,… alles blödsinn. ich halte deutschland für besetzt und fremdbestimmt. ihr ahnungslosen. schlaft gut weiter bzw. arbeitet euch an den falschen ab.

ICH HALTE UNSER LAND VON DEN AUßERIRDISCHEN BESETZT.

BB August 10, 2013 um 10:09

Merkel, die “Zeitdiebin”. Der Begriff ist gut! Der Begriff passt wie die Faust auf’s Auge!

teilzeit tourette - syndrom August 10, 2013 um 11:53

zitat aus dem begleittext zu dem film:

“Wenn Deutschland aber nicht souverän ist, dann herrscht ein anderer Staat oder eine Staatengemeinschaft oder eine Person oder Personengruppe, irgendeine Macht, über Deutschland und Wolfgang Schäuble ist dessen bzw. deren Agent und nicht Vertreter des Deutschen Volkes. Vielmehr dient er fremden Interessen. Das lässt sich nicht mehr kaschieren.”

namen, belege und quellen bitte.

habe mir dann den film mit schachtschneider angesehen. er interpretiert juristische texte. ich halte das für prinzipiell schwierig, weil es durch so eine subjektivistische herangehensweise zu mitunter abenteuerlichsten aussagen kommt. ein juristischer text wird durch auslegung bewertet. mit der methodik dazu kenne ich mich nicht aus. ich bin kein fachman für so etwas. aber letztlich bleibt nach diese 41 minuten die normative kraft des faktischen, wo es für mich kein zweifel daran besteht, das deutschland ein in diversen bündnisen eingebunden – und dennoch souveränes land ist

teilzeit tourette - syndrom August 10, 2013 um 12:09

“berühmte Keule” – keine frage @bube, lieber sekt kalt stellen, als keule schwingen. denn wenn konservative, traditionell nationalistische politiker an souveränitätsverlust auf einmal nichts mehr auszusetzen zuhaben, im gegenteil wie hier sogar als hinderlich sehen, dann party. jedenfalls aus deutscher sicht. deutscher nationalchauvinismus hat dann angeblich sogar bei denen kritiker? ein grund zum feiern!

"ruby" August 10, 2013 um 12:36

@ Bube
Der Vollstängkeit halber die gesamte Rede;
Die Mimik zeigt die Wahrheit.
Mit Distanz wird die ganze Unsäglichkeit durchdringen.

"ruby" August 10, 2013 um 12:39
teilzeit tourette - syndrom August 10, 2013 um 13:02

@ “ruby”

verrate mir doch mal, welche probleme am montag den 12.08.2013 verschwinden, wenn übers kommende wochenende deutschland zu einem souveränen land wird?

ein beispiel:

http://www.youtube.com/watch?v=yzC2d4gQgrk

@ bube @ ruby @ natalius und an alle anderen geheimnisträger, gebt doch mal euer geheimwissen hier preis. redet klartext. in bald jeden internet blog gibt es kommentar von “euch”, wo krampfhaft nach zu weisen versucht wird, das das land hier kein souveräner staat sei.

"ruby" August 10, 2013 um 13:04

Schreiben wir alle in das Buch brillianter Dinge
http://www.youtube.com/watch?v=_W13Mivk5qo

teilzeit tourette - syndrom August 10, 2013 um 13:14

@ “ruby”

was ist in einem souveränen deutschen staat mit merkel an der spitze anders, wenn also hier nicht mehr hinter der kanzlerin, gruppen wie illuminaten, atlantik brücke oder amerika oder oder oder stünden ?

"ruby" August 10, 2013 um 14:16

@ tt-s
Vielleicht mehr Abbildung der Normalverteilung der Bevölkerung und moderne Infrastrukturen und Kulturangebote in lebendigen Städten sowie soziale Durchlässigkeit bei Chancengleichheit für vielfältige Talente unabhängig vom familiären Hintergrund?
Das was früher einmal positiv mit dem Slogan “Leistung muss sich lohnen” verbunden sein sollte.
Kaizen – kontinuierlicher Verbesserungsprozess auf japanisch …

teilzeit tourette - syndrom August 10, 2013 um 14:24

@ “ruby”

schön wärs – nur ich glaub nicht dran.

alles bliebe beim alten. banken wären immer noch systemrelevant und auch die anderen machtverhätnise bleiben.

darum halte ich diese ganze diskussion ob deutschland ein souveräner staat ist oder nicht für eine phantomdebatte. sie bringt uns nicht weiter.

"ruby" August 10, 2013 um 14:47

@ tt-s
wo dann ansetzen zum weiter bringen?
nur treiben lassen führt beständiges fort …
grenzen lassen erkennen wo anderes, andere respektiert, akzeptiert werden. sie überwinden bedeutet neues verbinden oder suchen, gemeinsam mit dem anderen. auseinander gehen eingeschlossen – friedlich, teilen lernen praktizieren mit tauschoptionen freiwillig.
Handelsplätze im besten Sinne.

http://www.handgemalt24.de/media/images/product/popup/Zum-Markt-gehen-von-Jan-Brueghel-der-aeltere-10625.jpg

Think positive August 10, 2013 um 15:32

@ Carlos Manoso
Natalius, Schachtschneider hat völlig richtig als juristischen „Leitsatz“ dem Thema „Souveränität“ vorangestellt: souverän ist, wer frei ist.

Und das betrifft nach Schachtschneider den Bürger und eben NICHT den Staat.

Dazu einen Texthinweis:

Überwindung des Nationalstaats und Erreichen innerer Schranke

Kapitalismus ist daher in der Perspektive nur als einheitliches, untrennbar verwobenes Weltsystem zu denken: »Die Tendenz, den Weltmarkt zu schaffen ist unmittelbar im Begriff des Kapitals selbst gegeben. Jede Grenze erscheint als zu überwindende Schranke.« Unter diesem herrschenden Grundgesetz wird alle Natur, werden alle Beziehungen der Menschen zu Pflanzen und Tieren und zueinander in den Schlund dieses einen Zwecks der Schaffung von noch mehr Geld gezogen. Kapitalismus treibt »über nationale Schranken und … Naturvergötterung… Er ist destruktiv gegen alles dies und beständig revolutionierend, alle Schranken niederreißend…« Die Schranke, die er aber nicht überwinden kann, ist keine äußere Schranke. Bevor er die natürlichen Lebensgrundlagen unwiderruflich zerstören kann – auch dies zeichnet sich am Horizont unserer Zeit ja bereits ab – stößt er aufgrund seines eigenen Mechanismus auf seine innere Schranke
[…]
Für diese Krise gibt es keine nationale Lösung mehr. Die Nationalstaaten in heutiger Form sind eine Geburt des Kapitalismus und sie werden mit ihm zugrunde gehen. Jeder Versuch, diese große Krise durch einen Rückzug auf nationale Gebilde zu heilen, wird auf einen auf den ersten Schritten vielleicht vertrauten und anheimelnd-verlockenden, aber letztlich reaktionären Holzweg führen, auf dem diejenigen, die ihn betreten wollen, dann die nationalbornierten Geister nicht mehr loswerden, die sie in der verzweifelten Hoffnung riefen, damit wenigstens einen furiosen Ausbruch aus der scheinbar ausweglosen Lage starten zu können. .

Manfred Sohn (Original im ND)
http://www.streifzuege.org/2013/vor-dem-epochenbruch

teilzeit tourette - syndrom August 10, 2013 um 15:47

@ uby

“wo dann ansetzen zum weiter bringen?”

da gibt es so einiges wie das nur der staat und nicht private zentralbänker über geld und währung zu bestimmen haben. wichtige infrasturktur wie energie, gesundheit, bildung, verkehr,… gehören verstaatlicht und nicht in den besitz von privaten, renditeorientierten unternehmen. mehr politische mitbestimmung durch volksentscheide usw. das volk schreibt sich selbst seine verfassung.

nur @ ruby ist eben die frage von einem souveränen deutschland oder nicht, völlig unbedeutend bei dem was wir wollen. in diesem system, ob souveränes deutschland oder nicht, sind unsere probleme mit dem block aus cduspdgrünefdp unlösbar. repräsentative demokratie ist das problem und nicht die probleme von nazis und ihrem souveränen deutschland gelaber.

darum: “Mausland – Die Macht der Denkzettelwähler”.

http://www.youtube.com/watch?v=nXEeF2BrBM8#at=43

Carlos Manoso August 10, 2013 um 16:40

@Think positive August 10, 2013 um 15:32
„Schachtschneider hat völlig richtig als juristischen „Leitsatz“ dem Thema „Souveränität“ vorangestellt: souverän ist, wer frei ist.
Und das betrifft nach Schachtschneider den Bürger und eben NICHT den Staat.
Dazu einen Texthinweis:
[…] Für diese Krise gibt es keine nationale Lösung mehr. Die Nationalstaaten in heutiger Form sind eine Geburt des Kapitalismus und sie werden mit ihm zugrunde gehen. Jeder Versuch, diese große Krise durch einen Rückzug auf nationale Gebilde zu heilen, wird auf einen auf den ersten Schritten vielleicht vertrauten und anheimelnd-verlockenden, aber letztlich reaktionären Holzweg führen, auf dem diejenigen, die ihn betreten wollen, dann die nationalbornierten Geister nicht mehr loswerden, die sie in der verzweifelten Hoffnung riefen, damit wenigstens einen furiosen Ausbruch aus der scheinbar ausweglosen Lage starten zu können. .
Manfred Sohn (Original im ND)
http://www.streifzuege.org/2013/vor-dem-epochenbruch“

Think positive, Robert Kurz hat in seinem Buch „Weltordnungskrieg: Das Ende der Souveränität und die Wandlungen des Imperialismus im Zeitalter der Globalisierung“ den Zerfall der „Souveränität“ erstklassig beschrieben:
http://www.amazon.de/Weltordnungskrieg-Souveränität-Wandlungen-Imperialismus-Globalisierung/dp/3895021490

Die Machtkonkurrenz zwischen Nationalstaaten aller Größenabstufungen wurde spätestenst seit 1989 sukzessive abgelöst durch die „Weltordnungskriege“ des in der NATO vereinigten „ideellen Gesamtimperialismus“ unter der Führung der USA.

Im Kern ist der „Weltordnungskrieg“ ein Kampf des vereinigten „ideellen Gesamtimperialismus“ gegen seine von ihm selbst erzeugten Krisengespenster ( Schurkenstaaten, Gotteskrieger, Ethnobanditen, Al Quaida etc.), also gegen sich selbst.

Der Weltordnungskrieg wird zwingend in dem Maße verloren gehen, wie die Zersetzung von den „Zusammenbruchsregionen“ auch in die westlichen „Kernregionen“ selbst vordringt und sich das System des Weltkapitals immer stärker selbst stranguliert.

Think positive August 10, 2013 um 17:20

@Carlos Manoso
Think positive, Robert Kurz hat in seinem Buch „Weltordnungskrieg: Das Ende der Souveränität und die Wandlungen des Imperialismus im Zeitalter der Globalisierung“ den Zerfall der „Souveränität“ erstklassig beschrieben …

Sohn hat sich explizit auf R. Kurz bezogen.
Das Interessante ist m.E., dass hier eine Person aus dem politischen Establishment diese Argumentation in die Diskussion einbringt.
http://de.wikipedia.org/wiki/Manfred_Sohn

Schatten der Todestrafe August 10, 2013 um 17:38

@tts

Wenn “repräsentative Demokratie” das Problem ist, was ist dann die Alternative? Basisdemokratie?

Kleine Anekdote: Ich kann mich noch erinnern, an der Uni gehört zu haben, dass, wenn das Volk einfach so das Sagen hätte, dies zur Wiedereinführung der Todesstrafe führen würde – Mein Einwand:”Aber die Schweiz!” blieb unbeantwortet.

Kurzum: Was steht dafür, dass wir mit Basisdemokratie den Euro hätten, die wunderbare EU-Kommission, Soldaten in Afghanistan?

Nicht viel?

Eben, nicht, eben! Deshalb werden unsere “Verbündeten” uns weiter einzubinden trachten, oder? Aber Souveränität ist ja nicht so Dein Thema…

teilzeit tourette - syndrom August 10, 2013 um 17:56

und das wäre ganz anders, wenn wir nicht eingebunden wären und souverän wären? klar haben die usa haben ihren einfluss auf westliche länder. unsouveränität spielt dabei aber eben keine rolle.

“Kurzum: Was steht dafür, dass wir mit Basisdemokratie den Euro hätten, die wunderbare EU-Kommission, Soldaten in Afghanistan?”

das glaubst du? 2013? mit marketing und dem vorhanden nötigen kleingeld bekomme ich , wenns drauf ankommt, ganz schnell eine mehrheit für eu – kommission, euro und soldaten in afghanistan. wir reden von 2013. deutschland mit dem rtl2 publikum und dsds.

aber die schweiz ist mehr so dein thema….

Carlos Manoso August 10, 2013 um 19:10

@Think positive August 10, 2013 um 18:10
„Marx selbst hat den Bereich des Finanzwesens und der Rolle der Bankiersfamilien im “Kapital” ausgelassen …
Das ist nicht zutreffend, aber ich habe keine Zeit entsprechende Textstellen im Kapital Bd. III (MEW 25) herauszusuchen.“
Think positive, Karl Marx lebte historisch im 19. Jahrhundert. Er war weder allwissend noch war er ein Hellseher. Seine Genialität liegt darin, dass der die DNA des Kapitalismus entschlüsselt hat. Daß das System des Weltkapitals mittels der Entfesselung des Kreditwesen und der
Mobilisierung des fiktiven Kapitals fundamentale Krisen überleben würde und auf diese Weise sogar eine 3. industrielle Revolution finanzieren könnte, war sicherlich für Marx im 19. Jahrhundert so tief im Dunkel der Zukunft, dass ihm das als völlig unvorstellbar erschien. Die DNA des Systems des Kapitals sagte Marx lediglich, dass mit der Überwindung von Krisen immer umfassendere, völlig unbekannte Krisendimensionen entstehen würden.

Beispielsweise war für Marx kaum vorstellbar, dass die Geldware sich vom Gold ablösen würde und zur Grundlage lediglich die bei den Zentralbanken akkumulierten Schuldtitel halben könnte. Historisch ist das aber seit den 1980er Jahren beschleunigt passiert. Damit hat sich aber der Krisenprozess umfassend vertieft und umfasst mittlerweile das Geldmedium selbst (siehe FED, EZB).

„Wer aber heute als Linker positiv denkt, der darf nicht den Fehler macher, die nun mal existierende und historisch unbestrittene Verbindung von Marxismus und Zionismus völlig unkommentiert zu lassen.
Bitte nicht, das ist einfach ungebildet und debil – NAZI-Style.“

Think positive, wenn es diese Verbindungen geben sollte, müssen sie völlig offen ausgesprochen werden. Denn die von Marx entschlüsselte DNA des Systems des Kapitals ermöglicht die Entschlüsselung des historischen ideologischen Phänomens „Antisemitismus“, das im übrigen –bewußt oder unbewusst- nicht nur in der „Linken“ eine gewisse Rolle spielt.

Sagen wir es nur mal so: der latente „Antisemitismus“ spielt als „Reserve“ die Rolle der ultimativen Krisenideologie des Systems des Kapitals, die zum Einsatz gebracht werden wird, wenn es am Ende um „alles“ geht.

gelegentlich August 10, 2013 um 20:24

Würde sich hier Jemand mal die Mühe machen wollen und erklären, warum dieser Text
“06.08.2013
Debatte
Vor dem Epochenbruch
Warum die gegenwärtige Krise keine »normale« ist und was das für die Linke heißt”
nicht auch schon, sagen wir, vor 15 Jahren hätte genauso geschrieben sein können – oder in 10 Jahren. Ich vermag die Gründe für das “jetzt aber ” nicht zu erkennen. Er ist wie die Internationale – zeitlos schön.

Linus August 10, 2013 um 20:27
Think positive August 10, 2013 um 21:41

@gelegentlich August 10, 2013 um 20:24
<Würde sich hier Jemand mal die Mühe machen wollen und erklären, warum dieser Text
“06.08.2013
Debatte
Vor dem Epochenbruch
Warum die gegenwärtige Krise keine »normale« ist und was das für die Linke heißt”
nicht auch schon, sagen wir, vor 15 Jahren hätte genauso geschrieben sein können – oder in 10 Jahren. Ich vermag die Gründe für das “jetzt aber ” nicht zu erkennen. Er ist wie die Internationale – zeitlos schön.

Womöglich sind Sie zu jung, um zu wissen, dass es bereits Ende der 60-er/Anfang der 70-er Jahre eine große Technologiedebatte in der Neuen Linken gab. Wahrscheinlich können Sie nichts mit dem Namen „Radovan Richta“ sowie dem „Richta-Report“ anfangen und haben noch nie etwas von der Publikation „Zivilisation am Scheideweg“ gehört, wo es genau um die Dritte Industrielle Revolution und deren Folgen und Möglichkeiten für die menschliche Gesellschaft ging.

Eher wir Ihnen die Publikation „Grenzen des Wachstums“ aus dieser Zeit bekannt sein, kein Wunder, denn es handelte sich um eine reaktionäre ideologische Gegenoffensive der Herrschenden gegen die linken Systemüberwinder.

Warum die Diskussion zum jetzigen historischen Zeitpunkt wieder aufkommt, hat ihren Grund darin, dass in diesen vergangenen 40 Jahren ein immenser technischer Fortschritt stattgefunden hat mit Ersatz insbesondere der menschlichen Produktionsarbeit durch Automatisierung und Roboterisierung. Der Anteil der Industriearbeiter ist inzwischen in der Arbeitsbevölkerung von einer dominierenden zu dem einer Randgruppe geschrumpft. Aber nicht nur in der Industrie, sondern auch in anderen Bereichen wird zunehmend menschliche Arbeit durch Maschinen ersetzt oder auf die Konsumenten übergewälzt.

Warum dieser Prozess nicht nur zur massenhaften und zunehmender Arbeitslosigkeit mit Verarmung und Verelendung führt, sondern auch zu einer inneren Schranke des Kapitalismus wird, erklärt dieser Text ganz gut:
http://wertkritische-beitraege.blogspot.ch/2012/04/wir-sind-die-krise.html

h.huett August 10, 2013 um 21:58

Think positive

Trolle füttert man nicht. Ich habe diesen Troll Natalius entfernt.

Linus August 10, 2013 um 22:07

@Think positive:
“Womöglich sind Sie zu jung, um zu wissen, dass es bereits Ende der 60-er/Anfang der 70-er Jahre eine große Technologiedebatte in der Neuen Linken gab.”
Womöglich bist du zu neu hier, um zu wissen, dass diese Debatte um das ‘automatische’ Ende des Kapitalismus hier schon zigmal rauf und runter gebetet wurde. Du kannst dir also durchaus ein wenig Mühe geben.
Dein Text besagt diesbzgl. wenig:
“Für diese These sprechen die strukturelle Massenarbeitslosigkeit in den Gewinnerzonen des Weltmarktes seit den 80er Jahren, der enorme Anstieg der Staatsverschuldung, die tendenzielle Verschiebung vom alten, kolonialen Eroberungsimperialismus hin zum Sicherheits- und Ausgrenzungsimperialismus und die – auch in diesem Zeitraum stattfindende – Aufblähung der Finanzmärkte. Sollte die wertkritischen Überlegungen zur Krisendynamik des produktiven Kapital zutreffend sein, dann ist der Beginn des Krisenprozesses nicht 2007 oder 2008 zu verorten, sondern bereits in den 80er Jahren. Überhaupt ist darauf hinzuweisen, dass die Rede von Krise und Zusammenbruch des Waren produzierenden Systems keinen postmodernen Event meint, keinen punktförmigen Showdown, sondern einen längeren Prozess des schrittweisen Verfalls, der durch Krisenschübe, zeitweilige Erholungen und das Nebeneinander-Bestehen unterschiedlicher Phasen von offenem Notstand und mehr oder weniger moderateren Formen der Krisenverwaltung begleitet wird.”
Und? Was jetzt? Was folgt daraus? Was entwickelt sich?

Think positive August 10, 2013 um 22:16

@Carlos Manoso August 10, 2013 um 19:10
Think positive, Karl Marx lebte historisch im 19. Jahrhundert. Er war weder allwissend noch war er ein Hellseher. Seine Genialität liegt darin, dass der die DNA des Kapitalismus entschlüsselt hat. Daß das System des Weltkapitals mittels der Entfesselung des Kreditwesen und der Mobilisierung des fiktiven Kapitals fundamentale Krisen überleben würde und auf diese Weise sogar eine 3. industrielle Revolution finanzieren könnte, war sicherlich für Marx im 19. Jahrhundert so tief im Dunkel der Zukunft, dass ihm das als völlig unvorstellbar erschien.

Der große Irrtum von Marx war dessen Revolutionstheorie, diese Idee der Systemtransformation durch eine proletarische Revolution. Das hat in eine historische Sackgasse geführt. Die russische Revolution mit nachfolgendem Stalinismus und der Entwicklung eines kommunistischen Blocks hat zu einem weltgesellschaftlichen Stillstand geführt. Denn das drohende und abschreckende Beispiel der „realsozialistischen” Diktatur und der damit verbundene „Kalte Krieg“ hat dem Kapitalismus eine Legitimation verschaffen, die er aus sich selbst nicht hätte generieren können.

Zu diesem Thema ist der folgende Text empfehlenswert:
http://phase-zwei.org/hefte/artikel/das-elend-und-die-theorie-248/

otto August 10, 2013 um 22:42

…… man legt dem letzten Proleten mittlerweile nahe auf einen Aufstand gegen seine beschissene Position aus welt-polit-strategischen Gründen zu verzichten – geht’s noch?

Ich lese hier seit Jahren mit und zähle andauernd von 10 rückwärts bis einer den Sturm auf die Bastion ausruft ……………….. Endlosschleife!

Think positive August 10, 2013 um 23:11

@Linus August 10, 2013 um 22:07

Wenn in diem Blog „diese Debatte um das ‘automatische’ Ende des Kapitalismus hier schon zigmal rauf und runter gebetet wurde“, dann hat dies nichts mit der Diskussion zu tun, auf die ich verwiesen habe.

Im Gegensatz zu Sohn würde ich selbst nicht von „Epochenbruch“ sondern von Epochenumbruch sprechen. Damit ist gemeint, dass eine historische Formation in eine neue übergeht. Es geht aus dem Text klar hervor, dass dies auch Sohn meint.

„Bruch“ klingt nach „Zusammenbruch“, da denkt man an ein Haus oder eine Brücke, die zusammenbricht.

„Bruch“ bedeutet in diesem Kontext: No way back.

So wie es für die PIIGS-Staaten keine Rückkehr gibt. Aber sie brechen auch nicht zusammen. Nur werden sie nie mehr eine Kapitalverwertung hinbekommen, welche Arbeitslosigkeit, Armut und Elend beseitigt.

Meine Annahme ist, dass sich auch die meisten kapitalistischen Gesellschaften in Richtung der PIIGS-Staaten entwickeln, es sei denn, sie etablieren ein neues System.

gelegentlich August 10, 2013 um 23:37

@Think positive August 10, 2013 um 21:41

Witzigerweise bin ich so alt dass ich damals als junger Mensch und “68er” mittendrin war in dieser Debatte und eben vor genau diesem Hintergrund die Frage stelle, was bitte, welches Argument bitte diesen Text über das Zeitlose erhebt?
Ich habe den Trigger bisher nicht entdecken können, kenne aber Viele, die zu oft zu früh das Haus verlassen haben weil sie glaubten der Bus kommt gleich.

"ruby" August 10, 2013 um 23:42

@ gelegentlich

wartet keiner mehr an der bushaltestelle

gelegentlich August 10, 2013 um 23:45

@Think positive II

Meine Frage soll den Ansatz keineswegs lächerlich machen. Sie ist ernst gemeint. – Ich weiß, dass die aufwändigste NSA-Technik, das größte Personaltablett der besten social engineers, keine Chance gehabt hätte damals den Auslöser vorher zu bestimmen.

Gute Nacht!

"ruby" August 11, 2013 um 00:00

der versuch weiterer weltweiten manipulation durch Obama und aparatschniks ist in vollem gange.
no way to success anymore
ist die Idee einmal durchschaut, entfaltet sie keine machtwirkung mehr und das nahe Echtzeit
gute nacht too

"ruby" August 11, 2013 um 00:29

Ist die wissentliche zielgenaue Lokalisierung und Weitergabe der Daten zur Auslöschung eines Menschen akzeptabel in einer modernen Gesellschaft?
Macht macht es möglich …
Das es zulässig sein kann, hat das BVerfG für unsere Aufklärer bei der Bundeswehr entschieden – persönliches Dilemma.
Aber kann das auf zivile Mobilfunknummern erweitert werden?
Bitte abstimmen Volksbefragung … zur Entscheidungsvorbereitung durch repräsentative Demokratie!

anti querfrontler August 11, 2013 um 07:20

@ h. huet

Warum wurde der Beitrag zu Schatschneiders Auftritten bei NPD, PRO KÖLN, FPÖ, JUNGE FREIHEIT,…. gelöscht?

Links die das dokumentieren waren dabei.

Auch der Beitrag gegen die Nazikommentare zu jüdischen Netzwerken bei @ Natalius ist gelöscht worden.

h.huett August 11, 2013 um 08:01

anti sonstwas

Ist der Dreck weg? Dann entfallen auch die Argumente, die den Eindruck eines Dialogs in einem Zusammenhang erweckten, der kein Dialog ist. Natalius kommt hier nicht mehr vor.

Linus August 11, 2013 um 08:30

@ruby:
OT: Endlich bin ich draufgekommen, was dein Gravatar-Bildchen darstellen soll: einen Rubin! Bis dato dachte ich immer, es handle sich um ein fliegende heisse Kartoffel :-D.

anti sonstwas, wie freundlich August 11, 2013 um 09:36

Zitat: ” Ist der Dreck weg? ”

Offensichtlich nicht. Zwei Links zu Videos mit Karl Albrecht Schachtschneider sind weiterhin da, wie auch der Dialog dazu.

Ich würde Schachtschneider nicht zensieren, aber den Verweis auf seine Auftritte im rechten Lager zu löschen und den Rest erlauben?

Werbung für rechtsoffene Autoren bleibt hier erlaubt ( siehe seine Filmchen oben ) und Kritik an NPD Auftritten wird gelöscht , weil Dreck ?

Ps.: Sie haben auch einmal in Ihrem Beitrag zur Abschiebeeinrichtung auf dem Flughafengelände des BER meinem Kommentar gelöscht. In meinem Beitrag damals, hatte ich über einen Bericht des NDR und die Reaktionen von rassistischen Zuschauern geschrieben. Gibt es bei Ihnen ein zu viel an antifaschistischem Engagement oder sind Quellen wie Indymedia hier nicht erlaubt? Begreife die Kriterien für das Löschen von Postings gegen Nazi Propaganda nicht.

Gegen Nazis schreiben ist gut wenn von z.B. SPD oder eben aus dem bürgerlichen Lager, aber Postings gegen wie hier Schachtschneider sind schlecht, wenn aus dem Antifa Spektrum kommend?

anti sonstwas, wie freundlich August 11, 2013 um 09:48

Lieber H. Huett,

ich kann natürlich nicht einen Anspruch einfordern in Ihrem Bolg schreiben zu dürfen, was ich will.

Mir geht es nur darum, weil es nicht das 1. Mal ist, zu wissen, ab wann Kritik an Rechten erlaubt ist und damit nicht gelöscht wird und wo nicht?

Wenn ich weiß, das bürgerliche Kritik an Nazis durchgeht und Antifa eher nicht, kann ich mir das kommentieren sparen, weil ich weiß woran ich bin.

Mfg ihr irgendwas sonstwas:))

gelegentlich August 11, 2013 um 09:52

@Think positive
Ich weiß immer noch nicht wann der Bus jetzt abfährt.
@ruby
So weit ich sehen kann wartet auch Niemand an der Haltestelle.

Das kann nur bedeuten, dass die Gehirne der Leute, die diese Veränderung jetzt erwarten, in etwa so arbeiten wie die der Bundesbahn am Beispiel des Bahnhofes in Mainz. An den Bahnsteigen liegt es dort nicht, man braucht auch keine Bahnsteigkarte.

h.huett August 11, 2013 um 10:08

anti

Kritik an Rechten gleich welcher Provenienz ist genauso erwünscht wie jede sachlich gebotene Kritik an jeder politischen Äußerung. Natalius ist nun allerdings jemand, der hier unter falscher Flagge segelt, um unter albernen Vorwänden links zu zweifelhaften bis rechtsradikalen Dokumenten zu platzieren. Das kommt nicht mehr vor.

Bitte belegen Sie die beiden beanstandeten Kommentare mit links, dann werde ich sie ebenfalls entfernen.

Keynesianer August 11, 2013 um 10:44

@Think positive

So wie es für die PIIGS-Staaten keine Rückkehr gibt. Aber sie brechen auch nicht zusammen. Nur werden sie nie mehr eine Kapitalverwertung hinbekommen, welche Arbeitslosigkeit, Armut und Elend beseitigt.

Das finde ich ja ganz abgehoben von Dir, wie Du den Menschen in Griechenland, Portugal, Spanien etc. ihr Elend als unvermeidbar ausmalen willst.

Aber irgendwann kommt dann ja wohl die Weltrevolution und das Paradies der Werktätigen überwindet alles Elend. Bis dahin dürfen wir jedenfalls nichts gegen das nach Marx unvermeidbare Elend unternehmen. Vor allem keine keynesianische Politik der Konjunkturbelebung, gelle?

Das hat sich der Schwager des preußischen Innenministers doch wirklich prima ausgedacht.

Und kein Anhänger des Schwagers des preußischen Innenministers bekommt irgendwelche Zweifel an der schönen Theorie vom unvermeidbaren Elend der Opfer der inszenierten Krisen.

Und keiner befasst sich einmal mit der Geldpolitik, die schon 1929-33 und dann wieder mit Beginn der 1980er Jahre Rezession und Massenarbeitslosigkeit ganz gezielt herbeigeführt hat.

Auch in Griechenland, Portugal Spanien, Irland etc. ist kein Mensch durch den technologischen Fortschritt um seine Existenz gebracht worden, sondern durch die schon mit der Agendapolitik von SPD und GRÜNEN ganz gezielt betriebene Krise der Eurostaaten.

Und so Figuren wie der Manfred Sohn und die Wertkritiker helfen dabei mit, dass die Keynesianer den Neoliberalen nicht das Spiel verderben können. So schaut es aus in aller Kürze.

Think positive August 11, 2013 um 11:01

@ gelegentlich

Den Artikel von Manfred Sohn sehe ich als eine Art Thesenpapier, und zwar als Anti-These zur herrschenden TINA-Ideologie, welche ja auch die dominierende Ideologie im linken Spektrum und auch in der Linkspartei ist. Denn die MeinungsmacherInnen im Parteiestablishment der PdL sehen keine Alternative zu einer systemimmanenten Reform”politik”. Politik ist es eigentlich nicht, eher demokratische Politiksimulation. Solange sie in der Opposition sind, erheben sie Reformforderungen, wo allerdings jeder kritische Beobachter weiß, dass diese niemals in die Realität umggesetzt werden. Und kommen diese Reformlinken in eine Regierung, machen sie die gleiche Politik wie die anderen Parteien auch.

Man wird daher sehen, ob in der Linkspartei überhaupt eine Diskussion zu diesem Text aufkommt.

Dass die Argumentation in diesem Text als „zeitlos“ erscheint, liegt an der fehlenden empirischen Fundierung. Man könnte die Entwicklung anhand der Produktivitätsentwicklung, der Arbeitslosigkeit, der extremen Reallohnsenkungen im Vergleich zur Produktivität aufzeigen etc. Als damals der Richta-Report diskutiert wurde, war die Automatisierung der Produktion noch Zukunftsmusik. Beispielsweise war die Automobilproduktion noch gekennzeichnet durch Fließbandarbeit. Diese Arbeit machen heute Roboter. Heute benötigt die Produktion eines Auto nur noch ca. 5% der Arbeitszeit im Vergleich zu damals. 95% der Automobilarbeiter sind überflüssig geworden.

Zudem propagiert Manfred Sohn immer noch die alt-marxistische Vorstellung einer „Revolution von unten“ und baut seine politische Strategie darauf auf.

Über dies alles könnte und müsste man diskutieren.

Ich habe den Trigger bisher nicht entdecken können, kenne aber Viele, die zu oft zu früh das Haus verlassen haben weil sie glaubten der Bus kommt gleich.

Ja, dies ist das große Trauma der deutschen 68-er Linken. Die haben versucht, eine revolutionäre Praxis zu entwickeln, wurden veraußenseitert und zu Verfassungsfeinden und Dissidenten gemacht , nicht wenige haben sich durch ihr politisches Engagement ihre Karriere kaputtgemacht – und an positiver Gesellschaftsveränderung haben sie nichts erreicht.

Kariere gemacht haben nur einige Konvertiten und Opportunisten, welche die Seiten gewechselt haben und zu Systemapologeten wurden. Die meisten der Ex-68-er haben sich ins Private zurückgezogen, ein TINA-Bewusstsein entwickelt und führen seitdem ein angepasstes Leben als depressive Fatalisten.

Think positive August 11, 2013 um 11:17

@gelegentlich August 11, 2013 um 09:52
Ich weiß immer noch nicht wann der Bus jetzt abfährt.

Der Bus ist längst abgefahren. Die Frösche sitzen schon längst im Topf und die Temperatur wird kontinuierlich immer weiter erhöht.

Zwischenmeldung von „BILD“:

Jeder 2. Rentner bekommt weniger als Hartz IV
48,21 Prozent der Alters- und Erwerbsunfähigkeitsrentner bekamen 2012 weniger als 700 Euro im Monat. Bei den Neurentnern 2012 lag der Anteil der Renten unter 700 Euro sogar bei 54,85 Prozent.

Keynesianer August 11, 2013 um 11:28

@Think positive

Jeder 2. Rentner bekommt weniger als Hartz IV
48,21 Prozent der Alters- und Erwerbsunfähigkeitsrentner bekamen 2012 weniger als 700 Euro im Monat. …

Und die Verarmung der deutschen Rentner ist natürlich nicht mutwillig durch die neoliberale Politik von SPD und GRÜNEN in Gang gesetzt worden, damit die Reichen noch reicher werden und die Umwelt nicht unter dem Konsum der Rentner zu leiden hat.

Nein, das wäre ganz unvermeidbar, verkünden die Anhänger des Schwagers des preußischen Innenministers, als 5. Kolonne der Neoliberalen. Die Folge des technischen Fortschritts und der Rationalisierung. Kann mich noch entsinnen, wie der Micha Brumlik vom Sozialistischen Büro Offenbach erklärt hat, die Arbeitslosen wären halt die Opfer der Modernisierung.

Und nicht Opfer der damaligen Hochzinspolitik der FED unter Paul Volcker mit einem Zinssatz von 20%(!) für das Tagesgeld.

Da freuen sich die Neoliberalen über ihre “Marxisten”! Von der Geldpolitik war und ist keine Rede. Nur von der “unvermeidbaren” Krise des Kapitalismus. Da können die Neoliberalen mit ihren für die Menschen ruinösen “Reformen” doch gleich weitermachen.

gelegentlich August 11, 2013 um 11:37

@Think positive

Sehen Sie denn nicht dass die Grundidee von Sohn auch nur TINA ist?

Das finde ich persönlich, nicht gelegentlich, sondern immer, so nervend an diesen “Grundhaltungen”, die mit Politik wenig zu tun haben. Das gilt genauso für die Haltung von @Keynesianer oder @Carlos Manoso. Öde Predigten, dass es TINA-mäßig darauf oder hierauf hinausläuft, wenn die Doofen nicht auf uns hören: selbst schuld! Ihr werdet schon sehen…oder eben: ich bin der Oberschlaue, aber ob “die Menschen” auf mich hören ist denen überlassen.

“Dass die Argumentation in diesem Text als „zeitlos“ erscheint, liegt an der fehlenden empirischen Fundierung.”

Nein, empirisch könnte man ihn vermutlich schon fundieren, mehr oder weniger. Es bleibt dann aber immer noch offen, ob und wie sich “die Massen” mit dem jeweiligen Stand arrangieren oder nicht. Der Text ist eine Art Wettervorhersage der Entwicklung der menschlichen Gesellschaft. Aber die an ihm Interessierten wollen doch eigentlich herausfinden, wie lange die Leute noch Regenschirme aufklappen resp. wann sie anfangen die Hausdächer richtig neu einzudecken.

Jetzt jault Alles folgenlos über NSA und die Geheimdienste. Politik wäre z.B. Bündnisse mit wem auch immer einzugehen, um eine europäische Infrastruktur aufzubauen, im öffentlichen Raum OpenSource-Software durchzusetzen und in Luxemburg diesen Herrn Kemmer zu verknasten. Und in Demut zu akzeptieren, dass wir vielleicht Alle schon gestorben sind bevor wir an die absolute Verwertungsschranke kommen…

Think positive August 11, 2013 um 11:52

@Keynesianer
Und die Verarmung der deutschen Rentner ist natürlich nicht mutwillig durch die neoliberale Politik von SPD und GRÜNEN in Gang gesetzt worden, damit die Reichen noch reicher werden und die Umwelt nicht unter dem Konsum der Rentner zu leiden hat.

So funktioniert das System und ganz demokratisch. Alle wollen „Wachstum“ und „Arbeit, Arbeit, Arbeit“.

Und um den Kapitalverwertungsprozess aufrechtzuerhalten, der ja Voraussetzung für „Wachstum“ und „Arbeit, Arbeit, Arbeit“ ist, werden ganz demokratisch Gesetze beschlossen, welche die Steuern für die Reichen senken, damit diese ihr wachsendes Privatkapital in den Wirtschaftsprozess einbringen und zugleich werden genauso ganz demokratisch Gesetze verabschiedet, welche die Renten jener wirtschaftlich Überflüssigen senken, die ihre Arbeitskraft nicht mehr kapitalverwertend in den Wirtschaftsprozess einbringen können.

Das ist doch gar nicht so schwer zu verstehen.

Das Ganze nennt sich Marktwirtschaft, aber es gibt einige, die werden das nie begreifen.

Andreas Kreuz August 11, 2013 um 12:11

@gelegentlich August 11, 2013 um 11:37

Die Kommentare hier sind doch das beste Beispiel,
dass die bewusst betriebene Atomisierung der Gesellschaft, die Vereinzelung der Menschen, gut funktioniert hat.
Es ist außerordentlich schwierig, mehr als zwei zu finden, die in wenigstens drei Dingen zu einer einheitlichen Meinung gelangen.
Spätestens bei der Farbe der Schnürsenkel scheiden sich die Geister und sie werden zu unüberbrückbaren Gegensätzen…

Keynesianer August 11, 2013 um 12:17

@Think positive

So funktioniert das System und ganz demokratisch. Alle wollen „Wachstum“ und „Arbeit, Arbeit, Arbeit“.

Die neoliberale Deformpolitik der Arbeiter- und Volksverräter von SPD und GRÜNEN haben deren Wähler ausdrücklich nicht gewollt.

Wachstum und Erwerbsmöglichkeiten werden durch die neoliberale Deformpolitik ebenfalls nicht geschaffen, sondern die Agendapolitik ist für Krise und Massenarbeitslosigkeit im Euroraum verantwortlich.

Aber Deine Argumentation hier zeigt deutlich, dass Du einer von jenen “Marxisten” bist, die ganz bewusst die Neoliberalen als deren 5. Kolonne vor Kritik schützen.

Wachstum und Vollbeschäftigung sind mit keynesianischer Politik möglich, aber eben nur mit dieser und nicht mit neoliberaler Agendapolitik. Agendapolitik wie in Deutschland und Austeritätspolitik wie in den Krisenstaaten des Euroraumes wird auch nicht ganz demokratisch beschlossen, sondern von gekauften Politikern durchgesetzt gegen den Willen der Völker.

Und die Marxisten sind die Helfershelfer dabei mit ihrem Gefasel von der unvermeidbaren Krise, die nur durch die Weltrevolution aufgehalten werden könne. Und das wissen die Beteiligten sogar ganz genau, so dumm ist keiner der Anhänger des Schwagers des deutschen Innenministers, gelle? Es zahlt sich sicher aus, wie an der Karriere z. B. des Manfred Sohn zu sehen ist.

"ruby" August 11, 2013 um 12:26

Zahl des Tages vom Bildjournalisten im Presseclub :
18 Rentner in der BRD erhalten den Rentenhöchstsatz !!!
Ab in die Ecke und schämen …

Think positive August 11, 2013 um 12:28

@gelegentlich August 11, 2013 um 11:37
Sehen Sie denn nicht dass die Grundidee von Sohn auch nur TINA ist?

Doch, in gewisser Hinsicht schon. Ich habe es auch bereits angedeutet. Damit meine ich das alt-marxistische – R. Kurz würde sagen: „arbeitermarxistische“ – Modell einer „Revolution von unten“. Für diese Marxisten gibt es dazu keine Alternative. Das ist deren TINA.

Jetzt jault Alles folgenlos über NSA und die Geheimdienste. Politik wäre z.B. Bündnisse mit wem auch immer einzugehen, um eine europäische Infrastruktur aufzubauen, im öffentlichen Raum OpenSource-Software durchzusetzen und in Luxemburg diesen Herrn Kemmer zu verknasten. Und in Demut zu akzeptieren, dass wir vielleicht Alle schon gestorben sind bevor wir an die absolute Verwertungsschranke kommen….

Wie alle gesellschaftlichen Veränderungen ist auch dies eine Machtfrage. Ich sehe nicht, wie und von wem unter den gegenwärtigen Machtverhältnissen in Europa eine Politik gegen die Interessen der USA durchgesetzt werden kann. Zumal die Interessen der Geld- und Machteliten in Europa weitgehend identisch sind jenen der Eliten in den USA.

Es mag sein, dass „alles“ über die über NSA und die Geheimdienste jault. Aber die Geld- und Machteliten in Europa haben gar kein Interesse, am Status quo etwas zu ändern. Warum sollte sie auch? Ihr Interesse ist der Erhalt des Status quo der Klassenverhältnisse – und die USA sind mit ihrer Militär-, Informations- und Geldmacht der Garant dafür.

TINA ist nicht nur eine Ideologie, sondern auch Ausdruck der gegenwärtigen Machtverhältnisse.

gelegentlich August 11, 2013 um 12:31

@Andreas Kreuz

Ja, aber es kommt dann wohl auch auf den Ort des Austausches an. Ich urteile ungern über Dinge, deren Einzelheiten ich nicht kenne.

Was ich intensiv verfolgt habe war die Entwicklung des Falles Mollath. Der Witz dabei war, dass sich Foren herausgebildet hatten, die ein Ziel ansteuerten, auf das man sich auch bei ansonsten völlig gegensätzlicher “Polung” einigen konnte: dieses Unrecht zu beenden. Hat auch wunderbar bisher geklappt. Vor einem Jahr sah das aussichtslos aus. Schlaue Obergurus, die die Weltformel erklären können (und sonst nichts) gab es da auch, aber immer nur am Rand. Man darf nicht vergessen, dass sich einflussreihe Leitmedien (ZEIT, Spiegel) mit Pharmainteressen und Interessenvertretern der forenischen Psychiater und einer in Jahrzehnten “gewachsenen” CSU-Betonjustiz verbündet hatten.
Man muss einfach in der Lage sein darauf zu bestehen dass die Farbe der Schnürsenkel woanders, zu einem anderen Zeitpunkt, mit anderen Leuten diskutiert werden mag.
Wie jetzt Jedermann weiß sind diese o.g. Gegner spektakulär baden gegangen. Mollath ist frei, der Pharma-PR-Referentin Lakotte von Spon hört man nur noch mit gerunzelter Stirn zu, den Gehirnschrumpfern sind die Zuhörer weggelaufen und Prof. Henning Müller fordert in der taz, was die Psychiater als Tabu erklären wollten:
http://www.taz.de/!121574/
“Es könnte helfen, dass ein Gericht nicht immer mit den gleichen Gutachtern zusammenarbeit. Wenn Gutachter ökonomisch von bestimmten Richtern abhängig werden, dann besteht die Gefahr, dass sie zu den Ergebnissen kommen, die die Richter gerne hören wollen. Besser wäre eine gesetzliche Vorgabe, dass die Gutachter für jeden Fall aus einer Liste auszulosen sind.”

Gut, mit der absoluten Schranke hat das jetzt noch nichts zu tun… ;-)

gelegentlich August 11, 2013 um 12:45

@Think positive

“Es mag sein, dass „alles“ über die über NSA und die Geheimdienste jault. Aber die Geld- und Machteliten in Europa haben gar kein Interesse, am Status quo etwas zu ändern. Warum sollte sie auch? Ihr Interesse ist der Erhalt des Status quo der Klassenverhältnisse – und die USA sind mit ihrer Militär-, Informations- und Geldmacht der Garant dafür.”
Also ist eh Alles sinnlos? Alles was man real tun kann bringt nichts – und wenn man real nichts tut bleibt es so. Verstehen Sie wirklich nicht dass TINA und Zirkelschlüsse die sichersten Gummiwände dieses “Systems” sind? Zeitlose “Wahrheiten” und keynesianische Gesamtlösungen sind solche Zirkelschlüsse.

Die Macht der NSA zu überwinden geht nicht so einfach, wenn überhaupt. Macht doch nichts! Wir können doch aus sportlichem Übermut Minilösungen für TOR-Zugänge, im Alltag handhabbare Verschlüsselungen im Massengebrauch, OpenSource-Software überall im öffentlichen Bereich durchsetzen. Und wenn es “die” nur erheblich ärgert? Besser, als “die” nicht zu ärgern… man fühlt sich auch besser dabei.

Medienbeobachter August 11, 2013 um 12:48

@gelegentlich

Hat auch wunderbar bisher geklappt.

Wie naiv kann man eigentlich sein? Sorry, für meine Unhöffllichkeit, das so direkt zu sagen. Wir haben Wahljahr…., daher wurde auf politischen Druck ein zu Unrecht Inhaftierter entlassen. Würde demnächst nicht gewählt, dann säße Gustl noch in der psychologischen Haft. Seine Freiheit hat er den Regierungsparteien zu verdanken, die fürchteten dieses Unrecht könnte die Wählerlaune verderben. Die Diskussionen in den Foren haben natürlich auch geholfen. Ebenso wie die Berichterstattung in der SZ. Andernfalls wäre er von CDU/CSU nicht begnadet worden.

Linus August 11, 2013 um 13:06

@Think positive:
Mir scheint die These vom schrittweisen Verfall wenig plausibel, wenn man das dahinterstehende Gebäude betrachtet, nämlich eine zunehmend instabiles Ponzi-Schema. 2008 war es fast soweit. Der Zusammenbruch wurde nur verhindert durch den massiven Einsatz neuer, über Nacht geschaffener Schuldtitel zur Deckung.

Es ist auch fraglich, ob sich die PIIGS tatsächlich in einer Situation befinden, wo der Kapitalismus schon erledigt wäre. Man könnte auch das Gegenteil behaupten: Genau, weil dies noch nicht eingetreten ist, befinden sie sich in dieser Lage (diese Ansicht ist mE falsch. Der Kapitalismus ist an dieser Stelle bereits dysfunktional. Was erhalten bleibt, sind die Eigentumstitel).

Das Erreichen der inneren Schranke (NB: mE führt diese Anschaung am Kern vorbei) mag dazu führen, dass Geldtitel sich in Luft auflösen. Dies ändert jedoch nichts an der bestehenden Verteilung von Sachvermögen, sprich Ressourcen und Produktionsmitteln. Und solange diese Verteilung so besteht, sind die jeweiligen Eigner gut aufgestellt, um beim nächsten Sonnenstrahl wieder obenauf zu schwimmen.

Ein Problem besteht daher iW zunächst nur für diejenigen, die über kein Sachvermögen verfügen, das sie eintauschen könnten, und die daher ihre Haut zu Markte tragen müssen, einen Markt, den es nicht mehr gibt.

Die Lösungen sehen immer ähnlich aus:
a) künstliche lebensverlängernde Massnahmen durch Finanzierung über Luftbuchungen, sprich Verschieben auf die Zukunft.
b) Eroberung neuer ‘Lebensräume’ durch Feldzüge und Innovationsschübe und damit Schaffung neuer Akkumulationsmöglichkeiten, sprich Erweiterung.
c) Zerstörung von Sachvermögen und damit im Zuge des Wiederaufbaus Schaffung neuer Akkumulationsmöglichkeiten, sprich Kannibalisierung.

So war es übrigens auch unter den Nazis ( a) und b) ). Dass sie nicht radikal mit Eigentumstiteln aufgeräumt haben, lag wohl v.a. daran, weil sie die bestehenden Herrschaftsstrukturen wunderbar für ihre Zwecke einbinden konnten. Hierin gründet sich wohl die Nähe von politischer und ökonomischer Macht.

Ein Erreichen der inneren Schranke ändert also nichts an der Verteilung der Sachvermögen. Die eigentliche Frage ist daher, wie und ob sich diese Verteilung aufrecht erhalten lässt.

Und da gibt es mehrere Möglichkeiten, die zumindest zeitweise funktionieren: Orwell, Diktatur, Feudalismus, Staatsdirigismus etc., in jedem Falle korporatistische Strukturen, da sich nur so die bestehenden Pfründe verteidigen lassen.

Lässt sich ein solches System nicht mehr halten, so kommt Lösung c) zum Einsatz. Danach verschafft sich das System wieder Legitimation, indem es unter angeblich gleichen Chancen für alle ökonomische Freiheiten gewährt. Auf zur nächsten Runde.

Und so scheint mir bis dato die Krise des Kapitalismus keineswegs der Aufbruch in eine neue Welt, sondern selbst Teil eines grösseren geschichtlichen Schleife, die schon mehrmals durchlaufen wurde und in deren Fortsetzung irgendwo wieder Kapitalismus steht. Warum sollte sie diesmal verlassen werden?

Dies wäre anders, wenn eine glaubwürdige Alternative eine breite Mehrheit finden würde. Ich persönlich bin davon überzeugt, dass sie existiert, aber sie hat ihre Zeit offenbar noch nicht gefunden.

Kurz: Das Grundproblem sind die Eigentumstitel. Die existieren aber unabhängig vom Kapitalismus. Auch das Erreichen einer inneren Schranke wird daran nichts ändern.

gelegentlich August 11, 2013 um 13:06

@Medienbeobachter

Nein, unhöflich ist das doch nicht. Und wer naiv ist mag der Mitleser entscheiden. Sie widersprechen mir doch gar nicht. Sie konstatieren richtig dass politischer Druck aufgebaut werden konnte, nicht nur durch Foren. In den Foren aber dadurch dass man sich für Schnürsenkelfarben nicht interessiert hat. Dass die Regierungsparteien da bis ins OLG Nürnberg durchgriffen (“…auf politischen Druck…”) ist eine unbelegte Unterstellung.
“Andernfalls wäre…” – mit “wäre” ist es, vorsichtig gesagt, immer so eine Sache. Warum Konjunktiv wenn das Faktum doch da ist?

holger August 11, 2013 um 13:13

Linus

—>>>Kurz: Das Grundproblem sind die Eigentumstitel. Die existieren aber unabhängig vom Kapitalismus. Auch das Erreichen einer inneren Schranke wird daran nichts ändern.”

Yep…

Carlos Manoso August 11, 2013 um 13:17

@Linus August 10, 2013 um 22:07
@Think positive:
“Womöglich bist du zu neu hier, um zu wissen, dass diese Debatte um das ‘automatische’ Ende des Kapitalismus hier schon zigmal rauf und runter gebetet wurde. Du kannst dir also durchaus ein wenig Mühe geben.
Dein Text besagt diesbzgl. wenig: …
Sollte die wertkritischen Überlegungen zur Krisendynamik des produktiven Kapital zutreffend sein, dann ist der Beginn des Krisenprozesses nicht 2007 oder 2008 zu verorten, sondern bereits in den 80er Jahren. Überhaupt ist darauf hinzuweisen, dass die Rede von Krise und Zusammenbruch des Waren produzierenden Systems keinen postmodernen Event meint, keinen punktförmigen Showdown, sondern einen längeren Prozess des schrittweisen Verfalls, der durch Krisenschübe, zeitweilige Erholungen und das Nebeneinander-Bestehen unterschiedlicher Phasen von offenem Notstand und mehr oder weniger moderateren Formen der Krisenverwaltung begleitet wird.”
Und? Was jetzt? Was folgt daraus? Was entwickelt sich?“

Linus, die wertkritischen Überlegungen zur Krisendynamik laufen darauf hinaus, daß das Kapital aus sich heraus als Folge der aktuell erreichten Reife der Produktivkräfte zwar notwendig Kaskaden von sozialen Krisen produziert, dass diese Krisen aber keineswegs AUTOMATISCH zu einer emanzipativen Überwindung der Verhältnisse führen.

Emanzipation kann niemals das Ergebnis eines gesellschaftlichen Automatismus sein. Emanzipation beginnt mit der bewussten Entscheidung einzelner Individuen, sich selbst zu erkennen und zu entfalten: sich durch sich selbst aufzurichten und den Feind, -dem schwer beizukommen ist-, der „Begierde“ und „Wut“ heißt, in sich selbst gewaltlos zu vernichten.

Letzten Endes sind wir selbst die Produzenten der Krise, wir SIND die Krise, solange nicht einzelne Individuen die Abschaffung einer Vergesellschaftung über den Wert, die EMANZIPATION von einer Vergesellschaftung über den Wert, die Überwindung der Waren- und Geldlogik , die uns zur zweiten Haut gemacht wurde, theoretisch wie praktisch in vollstem Ernst ins Auge fassen.

Wie gesagt, die aktuell immer sichtbarere Selbstzerstörung des Kapitals bewirkt definitiv nicht Emanzipation. Selbstverständlich wollen die Passagiere der Titanic krampfhaft an Deck bleiben und dass alle Kapellen die alten Stücke immer weiterspielen.

Worin bestehen die wirklichen Herausforderungen kommender Emanzipationsbewegungen ?

Neben den immer härter werdenden Abwehrkämpfen mit den immer wahnsinniger werdenden Geistern des absterbenden Systems des Weltkapitals muß es erstens darum gehen, mit den beschränkten Mitteln des demokratischen parlamentarischen Rechtsstaats darauf einzuwirken, dass das System des Weltkapitals nicht militärisch AMOK läuft. Dazu gehört zweitens, die laufende Austerity-Politik so abzuschwächen, dass der soziale Stress nicht so extrem verschärft werden kann, dass große Bevölkerungsanteile in rechtsautoritäre Mobilisierungsspiralen reinmanipuliert werden können und nicht gegen ihre eigenen Interessen in die Interessen des Systems des Weltkapitals eingespannt werden können. Drittens wird es darum gehen – abstrakt gesprochen-, die stoffliche Reproduktion von immer mehr Individuen vermehrt jenseits der Darstellungsformen des Kapitals (Arbeit, Ware, Geld) zu realisieren. Denn wenn das System des Weltkapitalsund dessen Gesellschaftsmaschine untergeht, wird an vielen Stellen auch die gesellschaftliche Reproduktion zeitweise mit untergehen.

Keynesianer August 11, 2013 um 13:37

Es gibt keine innere Schranke des Kapitalismus: Der einzelne Kapitalist darf nur nicht weniger Profit machen, als seine Konkurrenten, wenn er sich am Markt halten will. Nicht weniger Profit zu machen, als die Konkurrenz, wäre aber selbst dann möglich, wenn alle Verlust machen. Dann darf der einzelne Kapitalist nur keinen höheren Verlust einspielen, als die Konkurrenten.

Wenn also der technische Fortschritt so sehr Kapital sparend würde, dass es jedes Jahr zu einem Schrumpfen des Kapitalstocks kommt, dann kann sich immer noch jeder Unternehmer erfolgreich fühlen, wenn er weniger Verlust macht als der Durchschnitt.

Und mit der “lebendigen Arbeit” hat das schon gar nichts zu tun.

Wäre alle Produktion voll automatisiert, könnte der private Kapitaleigner sich immer noch die größte Villa und die schönste Yacht aneignen und bekäme damit die schärfsten Blondinen ins Bett. Da braucht er keine “lebendige Arbeit”, solange die Nicht-Kapitaleigner bescheiden von Hartz leben müssen.

Wenn es Krisen gibt, dann nur, weil sie absichtlich von der Geldpolitik inszeniert werden. Manchmal sogar ganz weitblickend und vorausschauend wie mit der Agendapolitik zur Maximierung der deutschen Exportüberschüsse und damit der Zwangsverschuldung unserer Handelspartner im Euroraum, die gegen das Lohn- und Sozialdumping in Deutschland jetzt nicht mehr Abwerten konnten.

Da war nichts zwangsläufig und unvermeidbar, sondern alles war perfide geplant. Man könnte das sogar verhindern, wenn genügend viele Leute sich endlich einmal mit den Hintergründen der Geldpolitik befassen würden. Es steht ja inzwischen alles im Netz auf meiner Homepage. ;)

gelegentlich August 11, 2013 um 13:40

@Keynesianer @Carlos Manoso

Danke für die Illustration! In eigener Schreibe ist die immer glaubwürdiger.

Carlos Manoso August 11, 2013 um 13:53

@holger August 11, 2013 um 13:13
„—>>>Kurz: Das Grundproblem sind die Eigentumstitel. Die existieren aber unabhängig vom Kapitalismus. Auch das Erreichen einer inneren Schranke wird daran nichts ändern.”
Yep…“

Holger, „Eigentumstitel“ sind eine Rechtsform. In der Tat sind Eigentumstitel ein Grundproblem.

Beispielsweise wäre das Grundproblem grundsätzlich so zu lösen, dass alle Gegenstände, die jedes Individuum praktisch nutzt und tatsächlich benötigt, um seine Lebens-Bedürfnisse zu befriedigen, vom Individuum als Eigentum so lange genutzt werden kann, wie er dieses Eigentum benötigt. Zum Beispiel wäre der Nutzer einer Wohnung prinzipiell auch der Eigentümer. Nehmen wir mal an, dem Nutzer würden heute (im Kapitalismus) noch weitere 99 Wohnungen gehören, dann würden selbstverständlich die praktischen Nutzer der 99 Wohnungen die (neuen) Eigentümer sein. Der (alte) Eigentümer der 99 Wohnungen bliebe selbstverständlich Eigentümer seiner von ihm selbst genutzten eigenen Wohnung.

Anderes Beispiel: Einem Eigentümer einer Wohnung gehören als Eigentumstitel 100.000 Aktien der Volkswagen AG zum heutigen Kurswert von EUR 175,55. Am Ende des Erreichen der „inneren Schranke“ des Kapitalismus wäre nach einer Vollentwertung aus dem Kurswert von EUR 175,55 genau EUR 0,00 geworden.

Dem heutigen Eigentümer der VW-Aktien blieben also am Ende als Eigentum die von ihm tatsächlich genutzte Wohnung (incl. seiner tatsächlich genutzen/gebrauchten Eigentumstitel) . Zum Lebensunterhalt bliebe ihm selbstverständlich (wie jedem Mitglied der Gemeinschaft) ein allgemeines bedingungsloses Grundeinkommen, das die Gemeinschaft angesichts des erreichten hohen Produktivitätsniveaus sich problemlos leisten kann.

Medienbeobachter August 11, 2013 um 14:13

@gelegentlich

>>“Andernfalls wäre…” – mit “wäre” ist es, vorsichtig gesagt, immer so eine Sache. Warum Konjunktiv wenn das Faktum doch da ist?

Weil wir Wahljahr haben, deshalb Konjunktiv. Das klappt leider nicht jedes Jahr, mit der Demokratie. Und der Gustl hätte weiterhin einhocken müssen. Aber freue Dich, die nächsten Wochen wird Dir im Fernsehen weiterhin Demokratie vorgegauckelt werden und Du wirst Dir denken,,,ah siehste klappt doch, Demokratie funktioniert, wenn ich/Du/uns engagieren…. Ja, stimmt, für die Zeitperiode der ca. sechs Monate vor der Wahl bis zum Wahlstichtag. Danach ist dann alles wieder beim Alten. Wer glaubt, über Internet-Foren wirkliche Macht auszuüben, dem ist wirlich nicht mehr zu helfen. Noch einmal sorry (Kopfschüttel, Kopfschüttel…..) Aber für Gustl freut es mich wirklich. Das war ein sehr grosses Unrecht und ich freue mich, dass er jetzt frei ist.

Medienbeobachter August 11, 2013 um 14:19

Alles was vor sechs Monaten geschah, haben die Leute ohnehin vergessen. Hinzukommt, dass sich heute jeder Fernsehgucker als engagierter Demokrat hält. Das Teilnehmen an der Beobachtung der Propaganda-Sendungen wird als aktiver Widerstand von den Menschen empfunden. Wer täglich Tagesschau sieht hält sich für einen Widerstandskämpfer. Tja, aben wenn’s denn glücklich macht….

gelegentlich August 11, 2013 um 14:25

@Medienbeobachter

Das Wahljahr begründet den Konjunktiv halt nicht. Ist genauso eine Behauptung wie der nachfolgende Satz.
” Wer glaubt, über Internet-Foren wirkliche Macht auszuüben, dem ist wirlich nicht mehr zu helfen.”
Auch eine Behauptung. Aber vielleicht kommt es doch auf das Forum an? Ist Apathie – folgt aus Ihrer Einlassung Anderes? – besser?
Durch Gegenüberstellung von Behauptungen geht es offenbar nicht weiter.
Startpunkt meines Beispiels war ja eine weitere Welterklärungsnummer, die von Herrn Sohn. Und die These, dass so etwas genauso wie TINA wirkt: gar nicht, stabilisiert den Status quo, aber als Zirkelschluss unwiderlegbar.
Gehört so etwas aber in einen politischen Blog?

holger August 11, 2013 um 15:10

@carlos

—>>>Holger, „Eigentumstitel“ sind eine Rechtsform. In der Tat sind Eigentumstitel ein Grundproblem.”

Es gibt ja sowas, wie “Sharing” also das Teilen von “Eigendumm” verstehen noch nicht viele, aber es wird sich durchsetzen.

Oder so etwas wie “Mitfahrzentralen”…

Gibt viele Wege nach Rom :D

"ruby" August 11, 2013 um 15:21

@ Medienbeobachter

Interessante kritische Argumente, aber als
Menschenbeobachter, der zum Medienteilnehmer mutiert, kann doch Hoffnung und Veränderung multipliziert werden ;-)

Think positive August 11, 2013 um 15:23

@Linus August 11, 2013 um 13:06
Und so scheint mir bis dato die Krise des Kapitalismus keineswegs der Aufbruch in eine neue Welt, sondern selbst Teil eines grösseren geschichtlichen Schleife, die schon mehrmals durchlaufen wurde und in deren Fortsetzung irgendwo wieder Kapitalismus steht. Warum sollte sie diesmal verlassen werden?
[…]
Kurz: Das Grundproblem sind die Eigentumstitel. Die existieren aber unabhängig vom Kapitalismus. Auch das Erreichen einer inneren Schranke wird daran nichts ändern.

Die Privateigentumsordnung ist die Metastruktur dieser historischen Formation, genauso wie die Versklavung
Man kann daher den Kapitalismus als modifizierte Fortsetzung des Feudalismus sehen und den Lohnarbeiter als eine neue Form eines Sklaven, nämlich des Lohnsklaven.

Das ist in der sozialwissenschaftlichen Theoriebildung nichts Neues, bereits Marx und Engels haben hier Entscheidendes herausgearbeitet.

Schon der Faschismus funktionierte nicht mehr als kapitalistische Marktwirtschaft. Das Privateigentum an Produktionsmitteln war de jure noch vorhanden, aber tatsächlich bestimmte der Staat, was in welcher Menge und Qualität zu welchen Preisen produziert wurde und welche Gewinnprämie die Privateigentümer bekamen.

Auch das liberale Eigentum am eigenen Körper gab es de facto nicht mehr. Es gab Zwangsarbeit und später Kriegsdienst. Das liberale Gesellschaftsmodell mit formell freien und gleichen Bürgern existierte nicht mehr.

Dabei ist m.E. die Frage zweitrangig, ob man den Faschismus als Noch-Kapitalismus oder Post-Kapitalismus beurteilt.

Natürlich wird sich die Plutokratie davor hüten, noch einmal die Staatsmacht in die Hände von faschistischen Parvenüs übergehen zu lassen. Denn nach der Eroberung der Staatsmacht hatten die faschistischen Eliten die absolute Macht über Leben und Tod, auch über die superreichen Privateigentümer.

Die materielle Basis des Kapitalismus ist die industrielle Produktion und die Differenz beim G –> G´ kommt aus der Mehrwertaneignung, die nur möglich bei der lebendigen Arbeit ist. Denn Geld arbeitet nicht.

Insofern befindet sch der heutige Finanzkapitalismus – aka „Kasinokapitalismus“ – bereits einer Übergangsphase zum Postkapitalismus. Finanzkapitalismus ist ein Nullsummenspiel, im Gegensatz zum Produktionskapitalismus wird dort kein materieller gesellschaftlicher Reichtum – also kein Wirtschaftswachstum – geschaffen.

Der entscheidende gesellschaftliche Unterschied im Vergleich zur Zeit des damaligen Faschismus liegt in der heutigen technologischen Struktur. Der Faschismus benötigte noch ständig neue menschliche Arbeitskraft.

Die heutige produktionstechnologische Struktur hingegen braucht immer weniger lebendige menschliche Arbeitskraft. Ein immer größer werdender Teil der Arbeitbsvölkerung wird in der Logik des herrschenden ökonomischen Systems zu überflüssigen Menschen. Die Faschisten sprachen von „Ballastexistenzen“.

Selbstverständlich bedeutet das Ende des kapitalistischen Geldverwertungsprozesses (G –> G´ ) nicht das Ende der plutokratischen Herrschaft.

Beim Herrschaftserhalt spielt eine entscheidende Rolle das Verhalten der Mittelschichten. Denn die Plutokratie stellt eine verschwindend kleine Minderheit dar. In den USA gibt es bei einer Bevölkerung von über 300.000.000 Menschen eine Gruppe von 400 Milliardären, zugleich befinden sich 40.000.000 Menschen an der Grenze zur Hungersnot. Lotta Suter wirft die Frage auf: Wer rettet den Mittelstand?
http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/leben/-/id=660174/nid=660174/did=4510470/watyyb/index.html

Heute besitzen die Mittelschichten anders als die lohnarbeitenden Unterschichten und das Prekariat die entscheidende Funktionsmacht. Und die Frage ist, ob und wie die Plutokratie sich die Loyalität der Mittelschichten erhalten kann?

Es könnte ja sein, dass insbesondere die Intelligenzschichten in den kapitalistischen Gesellschaften einmal kapieren, dass sie – und zwar die große Mehrheit von ihnen – zusammen mit der gesamten arbeitenden Bevölkerung von einer Systemtransformation profitieren würden.

"ruby" August 11, 2013 um 15:39

@ Linus (ot)
http://www.youtube.com/watch?v=N3ismQVIj-k
siren yourself for our understanding

holger August 11, 2013 um 16:07

think what you want

—>>> Denn nach der Eroberung der Staatsmacht hatten die faschistischen Eliten die absolute Macht über Leben und Tod, auch über die superreichen Privateigentümer.”

Nope… wann will das mal ins Hirn, dass es eben anders herum ist. Denn der Staat kann nicht auf die Privateigentümer “Superreich” und derer, die Superreich drucken und verwalten nicht verzichten… wer soll denn sonst das Kriegsspektakel finanzieren?

Der Staat selber ist ohne seinen Inhalt ja nix. Das iss in welcher Form auch immer, eben so.

Weil der Staat nur ein Verwaltungskonstrukt vergangener Zeiten ist. Ein Staat selber ist nicht innovativ, sondern ein träger Haufen voller korrupter Verwaltungsorgane.

Das iss der Staat. Der Staat muss aus sich heraus, “Faschistoid” sein. Wobei mir die Begriffe eh zu dämlich sind.

Fragt die Revoluzzer Bevölkerung auf Kuba oder sonst wo.

Deswegen, wird es auch nicht zu einer “ächten Demokratie” nie und nimmer reichen. Auch nicht reichen können. Denn dann wäre der Staat überflüssig.

Carlos Manoso August 11, 2013 um 17:09

@Think positive August 11, 2013 um 15:23
„Die materielle Basis des Kapitalismus ist die industrielle Produktion und die Differenz beim G –> G´ kommt aus der Mehrwertaneignung, die nur möglich bei der lebendigen Arbeit ist. Denn Geld arbeitet nicht.
Insofern befindet sch der heutige Finanzkapitalismus – aka „Kasinokapitalismus“ – bereits einer Übergangsphase zum Postkapitalismus. Finanzkapitalismus ist ein Nullsummenspiel, im Gegensatz zum Produktionskapitalismus wird dort kein materieller gesellschaftlicher Reichtum – also kein Wirtschaftswachstum – geschaffen.“

Think positive, Begriffe wie Finanzkapitalismus“, „Kasinokapitalismus“. „Postkapitalismus“ oder „Produktionskapitalismus“ entstehen aus schweren Fehlverständnissen.

Beispiele: Die Volkswagen AG besteht intern immer weniger aus direkt an der Fertigung von Fahrzeugen tätigen Mitarbeitern und immer mehr aus indirekt an der Fertigung beteiligten Mitarbeitern, also Mitarbeitern zb. in Bereichen wie F&E, Produktionsvorbereitung, -planung, -kontrolle sowie vermehrt in Funktionen wie Marketing, Kommunikation, Finanzen etc. Dazu existieren extern Unternehmen wie z.B. VW-Autohäuser , VW-Werkstätten etc. samt der entsprechenden Beratungsunternehmen, Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, Kommunikationsunternehmen, Softwareunternehmen etc. etc. Diese Entwicklung immer weiterer Dienstleistungsfunktionen ist Ausdruck der „Verwissenschaftlichung“ der Produktionen im Zuge der 3. technologischen Revolution einerseits, andererseits Ausdruck der Tatsache, dass die Outputs der Fertigungen nur mit immer höheren direkten oder indirekten Dienstleistungsaufwendungen in „den Markt gedrückt“ werden können.

Die Volkswagen AG will, so die „Strategie 2018“, bis zum Jahr 2018 die Zahl der gefertigten Fahrzeuge von 6 auf weltweit 11 Mio Fahrzeuge erhöhen und zwar mit konstanter Gesamt-Mitarbeiterzahl. Mit anderen Worten will Volkswagen bis 2018 seinen Output verdoppeln bei gleicher Personalstätke. Diese Ziele verdeutlichen beispielhaft das aktuelle Ausmaß des Produktivitätstempos in der weltweiten Industrie.

Das extrem hohe Produktivitätstempo lässt die Börsenwerte der Eigentumstitel (Aktien) börsennotierter Konzerne nach oben schießen, was den Konzernen ermöglicht, sich immer preisgünstiger zu finanzieren, um die immer weiter steigenden Finanzierungskosten der 3. industriellen Revolution zu mobilisieren.

Finanztechnisch gesehen verkaufen die Konzerne des Weltkapitals immer umfassender blanko ihre Zukünfte, genauer gesagt ihre optimistisch gemalten net-cash-flows ihrer künftigen Perioden. Wenn man analysiert, dass Neuwert bildend nur die lebendeige Arbeit ist, dann muß man leidenschaftslos feststellen, das konkurrenzgetrieben diese Wertbasis weltweit immer schmaler wird.

Somit werden die längst verkauften optimistisch gemalten net-cash-flows der Konzerne in der Zukunft mit extrem hoher Wahrscheinlichkeit real wohl niemals eintreten. Das bedeutet, dass das System des Weltkapitals auf Situationen hinsteuert, die wir, nach allem, was wir wissen, niemals lösen kann.

holger August 11, 2013 um 17:18

Carlos

—>>>Die Volkswagen AG will, so die „Strategie 2018“, bis zum Jahr 2018 die Zahl der gefertigten Fahrzeuge von 6 auf weltweit 11 Mio Fahrzeuge erhöhen und zwar mit konstanter Gesamt-Mitarbeiterzahl.”

Nope… muss ich widersprechen VW eröffnet demnächst ca. 7 Werke in China… was unser Export Quote nach China senken wird.

Die Gesamt-Mitarbeiterzahl wird steigen, aber nicht der Einkauf der Leistungen in dem Sinne (monetär).

Weiterhin steigt bei einem gesteigerten Output auch logischer Weise der Input an Energie.

Carlos Manoso August 11, 2013 um 17:31

@holger August 11, 2013 um 17:18
„Carlos —>>>Die Volkswagen AG will, so die „Strategie 2018“, bis zum Jahr 2018 die Zahl der gefertigten Fahrzeuge von 6 auf weltweit 11 Mio Fahrzeuge erhöhen und zwar mit konstanter Gesamt-Mitarbeiterzahl.”
Nope… muss ich widersprechen VW eröffnet demnächst ca. 7 Werke in China… was unser Export Quote nach China senken wird.
Die Gesamt-Mitarbeiterzahl wird steigen, aber nicht der Einkauf der Leistungen in dem Sinne (monetär).
Weiterhin steigt bei einem gesteigerten Output auch logischer Weise der Input an Energie.“

Holger, was willst du eigentlich sagen ? Volkswagen ist ein Weltkonzern, der seinen Weltoutput an Fahrzeugen von 6 auf 11 Mio. bis 2018 steigern will. In welchem Country der Output rauf oder runtergeht ist vollkommen wurscht, wenn nur der Gesamt-Output raufgeht.

Wenn du meinst, dass die „Gesamt-Mitarbeiterzahl“ steigen wird, dann zitier doch bitte das Strategiepaper 2013 von Volkswagen, wenn du kannst.

Natürlich steigt bei dem gesteigerten (verdoppelten) geplanten Output auch der „Input an Energie“, ganz sicher allerdings in den 7 neuen VW-Werken in China.

holger August 11, 2013 um 17:36

Carlos

—>>>Wenn du meinst, dass die „Gesamt-Mitarbeiterzahl“ steigen wird, dann zitier doch bitte das Strategiepaper 2013 von Volkswagen, wenn du kannst.”

Könnte ich, mach ich aber nicht. Ich geb dir ja recht im Rest. Nur 7 neue Werke erhöhen nun mal auch den Faktor Mensch. Wenn VW (und nicht nur die) ihre Strategie umsetzen können, können wir ja dann das nochmals überdenken.

Wünsch dir was, kann ich mir immer in die Strategie schreiben, aber ob es auch so umgesetzt werden kann, bezweifle ich derzeit noch sehr stark.

holger August 11, 2013 um 17:48

Carlos

und das die Zeit kommen wird, wo 3D Drucker 3D Drucker bauen, das bezweifele ich als letzter…

Autos kaufen keine Autos August 11, 2013 um 17:54

VW ist auch nur ein Konzern, der Waren verkauft.
Das bedeutet, daß irgendjemand Geld besitzen muß, um diese Schrottautos zu kaufen.

Da liegt der Hase im Pfeffer.
VW geht nach China. VW tut nichts dafür, Geld in Form von Lohn unter die Blöden zu bringen.
Wie geht denn so eine Geschichte aus, wenn das alle Konzerne machen?

Wo kommt denn das Geld der 11 Mio Idioten her?

Aus 3-D-Druckern vermute ich mal.

Autos kaufen keine Autos August 11, 2013 um 18:03

Mal ein Stichwort – steigende organische Zusammensetzung des Kapitals.
Wer das verstanden hat, braucht nicht mehr rumzueiern.

holger August 11, 2013 um 18:05

Autos kaufen keine Autos August 11, 2013 um 17:54

Tja mein Libber/Libbe

so siehts aus… möchte mal wissen, was passiert, wenn des Marxes Lohnsklaven endlich zu 99% durch Maschinen ersetzt worden sind.

Was dann wohl mit dem Geld passieren tut… ich bin echt gespannt, werde es aber wohl nicht erleben tun tuten…

holger August 11, 2013 um 18:15

Tja

liebe Marxes Brothers SPDler Rotfrontschweine, und ich tue alles dafür, dass der dämliche Lohnsklave am ausstörben iss… passt euch zwar nicht in euer Konzept, weil ja Aaabeit über Aaaabeit alles iss, was ihr in die faule Hirnrinde bekommt… aber nun.

Selbst für Kriege brauchts demnächst kaum mehr Sold-Aten machen dann die Drohnen.

Fiction? Iwo… der Roboter iss der billigste Lohnsklave überhaupt. Liest kein Marx Müll aus vergangenen Zeiten, und beschwert sich auch nicht.

Glück Auf ihr Knappen

Autos kaufen keine Autos August 11, 2013 um 18:17

Wir erleben das gerade sehr schick in der Autoindustrie.
Da kacken die Automarken gerade ab und machen Werke dicht.
Namen bitte selbst ergoogeln.

Zur Zeit haben nur noch die Hersteller der Luxusautos Konjunktur.
Denn dessen Käufer haben halt die Kohle.

Übrigens zu VW – dessen letzter verzweifelter Versuch, am Leben zu bleiben ist der Gang nach China.
Wird aber nichts nützen. Verlängert das Sterben um ein paar Jahre.

Holger – der Staat springt ja nun seit Jahren ein und verschuldet sich, um dieses Wunderding “Kapitalismus” am Leben zu erhalten.
Gelingt ja auch ganz gut. Hartz 4 war so ein Tropf für kranke Unternehmen.

Der Staat als Gelddrucksklave und Waxdummmotor der paar Superreichen. So sieht das aus.
Zur Not finanziert der Staat auch 99% seiner dummen Wähler.

Wetten daß? ;-)

Carlos Manoso August 11, 2013 um 18:21

@holger August 11, 2013 um 17:36
7 neue Werke erhöhen nun mal auch den Faktor Mensch. Wenn VW (und nicht nur die) ihre Strategie umsetzen können, können wir ja dann das nochmals überdenken.“

Holger, wie gesagt, volkswagen ist ein weltkonzern, der 2018 mit –gleichbleibend- ca. 500.000 Mitarbeitern den Output auf ca.11 Mio Fahrzeuge verdoppeln will. So weit ich weiss, ist volkswagen wegen seiner Staatsbeteiligungen noch ein “deutscher ” Konzern. Wenn man bedenkt, dass es im Fahrzeugbau ist es nicht üblich ist, Geschäfte weltweit in US-Dollar abzuwickeln, wird Volkswagen wahrscheinlich bis 2018 wie wild in Deutschland in Rationalisierungen investieren und keine Sekunde daran denken Werke in Europa zu schließen. Das Problem von volkswagen in China ist vermutlich das Beschaffen von genügend chinesischen Mitarbeitern, weil die unterbrechungsfreie Versorgung mit Elektrizität, die für den Einsatz von Industrierobotern so entscheidend ist, so unsicher ist.

Autos kaufen keine Autos August 11, 2013 um 18:27

Nein VW wird niemals ein Werk schließen @Manoso.
Niemals. Nein.
Eher verbrennt die Sonne und fällt auf die Erde.

Oh Gott -lass Hirn regnen. :-)

Autos kaufen keine Autos August 11, 2013 um 18:34

Vielleicht doch mal ein link für die Unbelehrbaren und Alleswisser

“Wegen der schwachen Nachfrage durch die Autokäufer wird die Auslastung der Autofabriken in Europa der Analyse zufolge sogar so schlecht ausfallen, wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr.”

http://www.t-online.de/wirtschaft/unternehmen/id_63804034/2013-fuer-automobilindustrie-schlechtestes-jahr-seit-jahrzehnten-.html

Nachfrage bedeutet übrigens hier – Geld fehlt. ;-)

"ruby" August 11, 2013 um 18:39

@ holger

keine Sorge, der Bundessiggi war schon im AR bei VW und wird Lamborghiiiiiiiiiiiinies für alle organisieren ;-)
http://www.wallgc.com/lamborghini-murcielago-super-abstract-car-my-196365/

holger August 11, 2013 um 18:40

carlos

—>>> Das Problem von volkswagen in China ist vermutlich das Beschaffen von genügend chinesischen Mitarbeitern, weil die unterbrechungsfreie Versorgung mit Elektrizität, die für den Einsatz von Industrierobotern so entscheidend ist, so unsicher ist.”

Nope… du kommst nur in den chinesischen Markt von USD abgeschottet (noch) wenn du den Binnenmarkt, bei 3Kind Konzept erst aus innerstaatlichen Produktionen decken kannst.

Inert von 2 Jahren, machen dir die Kinesen soviele Nachdebitoren, die einmal die Population Europas ersetzen können.

500 Millionen Kinesen in 2 Jahren? No Problem…

gelegentlich August 11, 2013 um 18:43

Worum geht es in diesem Thread nochmal?

holger August 11, 2013 um 18:44

carlos

und dann setzt der Kinese nicht nur auf Kung-Fu Schulen, sondern kopiert 1:1 und besser unser “Bildungssystem” mit einem Touch von Konfuzius oben auf… so siehts aus…

der Kinese iss Deutscher als Deutsch…

200 Milliarden USD in Umwelt, und ca. 300 Milliarden in F&E

nun…

holger August 11, 2013 um 18:47

gelegentlich August 11, 2013 um 18:43
Worum geht es in diesem Thread nochmal?”

darum

—>>> Insofern brauchen wir keinen Whistleblower in einer Tiefgarage. Aber wir können ja alle trotzdem einen Blumentopf in unser Fenster stellen”

"ruby" August 11, 2013 um 19:09

Realsatire in Mainz : Merkel kommt aus dem Urlaub zurück, um Weichen zu stellen!
Wieviel Staatsmobbing lässt sich der Michel zumuten…
Testfall für Privatisierungsbestrebungen nach der Wahl…
Wir wollen mehr Seehofer und Döring ;-)

Linus August 11, 2013 um 19:33

@ruby (ot):
Klingt vielversprechend, da halbwegs authentisch (die Backing vocals sind zu dick).
Erinnert mich an das da:
http://www.youtube.com/watch?v=A0X_FmPnKwE
Schlechter Text (kann man ihnen in dem Alter nicht übelnehmen), guter Song. Hält auch, wenn man ihn allein am Lagerfeuer schrammelt.

Der grüne Daumen August 11, 2013 um 19:50

auch ein blumentopf braucht pflege. seramis ist gut geeignet, wenn man einen längeren cuba-urlaub ( z.B. guantanamo ) plant.

seramis speichert das wasser für ca. 14 tage.
achten sie darauf, daß ihr fenster etwas schatten bekommt.
selbst ein waterboarding kann einen vertrockneten blumentopf nicht mehr retten.

Der grüne Daumen August 11, 2013 um 20:00

damit der topf nicht runterfällt und wie eine drohne wirkt, sollte er gut befestigt werden. hier ein paar tipps
http://www.helpster.de/fensterbaenke-aussen-mit-gelaender-fuer-blumentoepfe-versehen-so-geht-s_51964#anleitung

Der grüne Daumen August 11, 2013 um 20:05

morgen liebe gartenfreunde, werde ich euch brutalstmöglich über die artgerechte haltung von apfelbäumen aufklären.

Linus August 11, 2013 um 20:06

@ruby:
Die sollte man sich merken:
Aus dem letzten Album “Trouble will fight me”
http://www.youtube.com/watch?v=NS7qvkpd-O4

gelegentlich August 11, 2013 um 20:55

@Linus

Trouble will fight me

Schon geschehen:

“darum
—>>> Insofern brauchen wir keinen Whistleblower in einer Tiefgarage. Aber wir können ja alle trotzdem einen Blumentopf in unser Fenster stellen” (holger August 11, 2013 um 18:47)

Was ist wenn der Blumentopf auf den Kopf gefallen ist? Weil wir den Whistleblower übersehen haben? Oder nicht mehr sehen?

Carlos Manoso August 11, 2013 um 21:33

@Autos kaufen keine Autos August 11, 2013 um 18:27
„Nein VW wird niemals ein Werk schließen @Manoso.
Niemals. Nein.
Eher verbrennt die Sonne und fällt auf die Erde.
Oh Gott -lass Hirn regnen. “

Autos kaufen keine Autos , sei doch nich so voreilig!

Es wird sogar ein Tag kommen, an dem BILD titeln wird: Vfl Wolfsburg verkauft zum Start der Bundesliga alle 11 Spieler!

Soldat Schwejk August 11, 2013 um 21:56

–> Eigentumstitel

Hab ja schon mal vorgeschlagen, das juristische Konstrukt der Eigentumstitel als einen Sonderfall von Positionsmacht zu betrachten. Dann ist die Frage nicht mehr nur die nach Eigentumsrechten, sondern nach gesellschaftlichen Machtverhältnissen. In einer eigentumslosen Ordnung gibt es andere Institutionen, die Macht von einigen über andere begründen, und auch in unserer Gesellschaft kommt Macht nicht nur vom Eigentum her.

Man kann fragen: Wer hat welche Verfügung über Ressourcen, wer hat welchen Status und welche Handlungsmöglichkeiten, wer aber nicht? Und welche Spielregeln sorgen dafür, daß dieser Zustand so erhalten bleibt? Und an welcher Stelle gibt es situative Mehrheiten/ Möglichkeiten, die Spielregeln zu ändern?

Ob man das, was dann im besten Fall dabei rauskommt, als eine „andere Ordnung“ beschreiben kann… das kann man ja erst mal dahingestellt lassen… Man sollte es nur nicht von einem vorgestellten Endzustand her zu denken versuchen.

@ Andreas Kreuz – “Die Kommentare hier sind doch das beste Beispiel, dass die bewusst betriebene Atomisierung der Gesellschaft, die Vereinzelung der Menschen, gut funktioniert hat.”

Naja, hier findet keine politische Koalitionsbildung statt, sondern es ist eine Spielwiese. Also ich für meinen Teil mache gern mal einen Dissens auf auch ggü. Mitkommentariern, denen ich eigentlich sonst zu 80% zustimmen könnte und mit denen ich etwa innerhalb einer politischen Organisation gewiß keinen Dissens suchen würde. Hier tu ich es manchmal, nur um zu sehen, wohin das Argument dann treibt und wohin es anschlußfähig wird. Ich glaube, andere machen es ebenso.

@ gelegentlich – “Sehen Sie denn nicht dass die Grundidee von Sohn auch nur TINA ist?”

Ja, früher nannte ich es mal die umgedrehte TINA. Also ANITa. Auch so eine Sirene.

Aber, @Linus, @ruby, ich fürchte, mit Heather Nova und Boy ist diesen Sirenengesängen keine Konkurrenz zu machen. Es braucht da schon die Stimme einer Frau Päffgen…

http://www.youtube.com/watch?v=RHHNG9nMkcE

"ruby" August 11, 2013 um 22:00

@ Linus
klasse Gesang ;-)
Calm will peace us ?

http://www.youtube.com/watch?v=TAHS6VyQtLE
noch nicht blockiert !!!

Linus August 11, 2013 um 22:37

@Soldat Schweijk:
Vorab einen noch für den Dichter:
http://www.youtube.com/watch?v=Dw3OAsuAT2E

“Man kann fragen: Wer hat welche Verfügung über Ressourcen, wer hat welchen Status und welche Handlungsmöglichkeiten, wer aber nicht? Und welche Spielregeln sorgen dafür, daß dieser Zustand so erhalten bleibt? Und an welcher Stelle gibt es situative Mehrheiten/ Möglichkeiten, die Spielregeln zu ändern?”

Ja, man könnte fragen. Damit wären wir aber bei einer Diskussion weit jenseits des Kapitalismus. Doch die führen wir nicht, weil – , ja weil uns der Kapitalismus so beschäftigt und den Blick verstellt.
Das Geld ist ein Schleier.

Aber das Beste, was ich für heute abend mitnehme:
Trouble will fight me – Calm will peace us
Danke @ruby!

gelegentlich August 11, 2013 um 23:45

@Soldat Schwejk

Hmmh, in einer anderen Sprache bedeutet “Anit” soviel wie Mausoleum/Gedenkstätte. Was hieße das in diesem Zusammenhang? Dass TINA-Theoreme die Ruhestätten einstmals politisch relevanter Diskussione sind? Das erschiene mir in diesem Zusammenhang für die von mir hier im Blog erkannten TINA-Modelle nachvollziehbar zu sein.

Soldat Schwejk August 12, 2013 um 00:25

@ Linus

Naja, ich würde sagen, der BEGRIFF des Kapitalismus verstellt uns den Blick. Nicht daß ich ihn nicht für angemessen halte, Fernand Braudel etwa hat ihn m.E. gut begründet.

Aber wenn wir aktuelle Schweinereien und Möglichkeiten ihrer Überwindung nur danach beurteilen, ob sie für den Kapitalismus systemimmanent ist, ob das “Danach” dann noch kapitalistisch wäre… und ob man sogar sie überhaupt nicht überwinden kann, wenn man nicht gleich auch den Kapitalismus mit überwindet… dann macht man sich zum gedanklichen Sklaven einer Abstraktion und übersieht emanzipatorische Chancen der Gegenwart.

Insofern will ich dann auch mal einen Konsens im Dissens suchen… :-) mit dem Schlußabsatz von @Carlos Manoso 13:17…

Der große systemalternative Wurf ist nicht in Sicht, aber eine emanzipatorische Agenda ist es auch, reaktionäre Auswege derer von oben zu blockieren, die Anschlußfähigkeit regressiver Reflexe
von unten zu verhindern… und außerdem einen Sinn dafür zu gewinnen, daß “unsere” Interessen und Möglichkeiten nicht unbedingt die sein müssen, die uns von einer hegemonialen polit-ökonomischen Sprache aufgeherrscht werden…

@ gelegentlich

Na, mit ANITa meine ich ja den hier doch recht zahlreich und in verschiedenen Spielarten vertretenen Diskurs, wonach jenseits einer völligen Systemüberwindung keine progressiven Optionen vorhanden sind.

Sofern da an Marx angeschlossen wird, ist das mit den Ruhestätten vielleicht nicht ganz falsch. In der früheren Arbeiterbewegung wirkte der Marxismus sozusagen handlungs-ermächtigend. Die Theorie, die die Massen ergriff… Heute wirkt ein spezifischer, deterministischer Bezug auf die Marxsche Mehrwertlehre vielfach eher ent-mächtigend.

Mit der vorwärts gelesenen TINA verhält es sich aber wohl noch etwas anders…

gelegentlich August 12, 2013 um 10:39

@Soldat Schwejk
” In der früheren Arbeiterbewegung wirkte der Marxismus sozusagen handlungs-ermächtigend. Die Theorie, die die Massen ergriff… Heute wirkt ein spezifischer, deterministischer Bezug auf die Marxsche Mehrwertlehre vielfach eher ent-mächtigend.
Mit der vorwärts gelesenen TINA verhält es sich aber wohl noch etwas anders…”
Meine These ist ja: beide, ANITa und TINA, machen nur apathisch.
Wenn “…die da oben eh machen was sie wollen…” bleibe ich lieber zuhause und mache was ich will. Und diese Folge ist immer das Resultat jedweder Oberchecker-Predigten. Kennt man sie erst einmal bleibt nur noch Langeweile. Im Moment kommen die Infos, wegen der man Blogs aufsucht, fast nur noch von den Threadstartern, also aus den Artikeln. Das gefällt mir natürlich nicht. Natürlich findet hier keine Koalitionsbildung statt, aber es gibt zur Zeit nicht mal Informationen, die man evtl. dafür verwenden könnte. Es ist also im Grunde vollständig unpolitisch geworden. Irgendein Impuls, der auf die res publica einwirken könnte, wenn auch noch so indirekt, ist nicht mehr sichtbar. Eine Art gemütlicher Wartesaal – bis der Zug kommt.

Think positive August 12, 2013 um 10:51

Lernerfahrungen im Internet:
Über TINA und Alternativen

Diejenigen, die behaupten, es gäbe keine Alternative zur Veränderung des Systems als Ganzen, also die Systemveränderer, unterliegen – so habe ich erfahren – auch dem TINA-Syndrom.

Sie machen sich selbst zum Systemsklaven, also unfrei.

Begründung:
„wenn wir aktuelle Schweinereien und Möglichkeiten ihrer Überwindung nur danach beurteilen, ob sie für den Kapitalismus systemimmanent ist, ob das “Danach” dann noch kapitalistisch wäre… und ob man sogar sie überhaupt nicht überwinden kann, wenn man nicht gleich auch den Kapitalismus mit überwindet… dann macht man sich zum gedanklichen Sklaven einer Abstraktion und übersieht emanzipatorische Chancen der Gegenwart. (Soldat Schwejk)

Das scheint die Mehrheitsmeinung dieses Blogs zu sein.

Der Aussage, dass Altersarmut in diesem System für die meisten nicht zu vermeiden ist, würde niemand begründet widersprechen können. Denn niemand könnte dazu eine Lösung aufzeigen, es sei denn eine Systemüberwindung.

Aber immerhin zeige – so wurde argumentiert – der Fall Mollath, dass etwas zu erreichen ist und sich auch etwas ändern kann.

Linus weist darauf hin, „dass diese Debatte um das ‘automatische’ Ende des Kapitalismus hier schon zigmal rauf und runter gebetet wurde.“

Das glaube ich gerne.

Und wahrscheinlich immer mit dem gleichen Resultat.

Nämlich, dass die Systemüberwinder auf den Kapitalismus fixiert sind, sich damit zum Sklaven einer Abstraktion machen, anstatt …

Nun ja, was eigentlich „anstatt“?

Eine Antwort darauf sehe ich nicht, also formuliere ich sie selbst:

Anstatt Altersarmut hinzunehmen und sich zum Beispiel für Leute wie Gustl Mollath einzusetzen.

Wenn das DIE Alternative ist, dann sollte man sich überlegen, ob man nicht zu den Pfadfindern geht. Nach dem Motto: „Wir können am Kapitalismus nichts ändern, aber jeden Tag ist eine kleine gute Tat möglich!“

Das hätte auch den Vorteil, von NSA, BND und was es sonst noch immer gibt, nicht als „Systemüberwinder“ identifiziert und der Kategorie „politische Dissidenz“ zugeordnet sowie ein Fall für die Überwachung durch den Verfassungsschutz zu werden.

Wählen gehen muss man natürlich auch. Schon aus dem Grund, um nicht als „Nichtwähler“ erfasst zu werden und sich als „politisch unzuverlässig“ verdächtig zu machen.

So schrieb Hans Magnus Enzensberger im SPIEGEL :
“Das Schöne in dem postdemokratischen Regime, in dem wir leben, ist seine Lautlosigkeit. […] Für die allermeisten ist das ziemlich angenehm.
Aber er fügt hinzu:
Doch wer sich mit diesem Regime abfindet, der tut es auf eigene Gefahr.
http://www.fr-online.de/meinung/auslese–lautloser-terror,1472602,23931076.html

Ein Journalist hingegen hat es nicht so einfach. Denn wer als Journalist keine richtige Werbung fürs Wählen-Gehen macht, wird „sterilisiert“, wie auf dem Nebenblog zu erfahren ist. Nicht medizinisch, versteht sich. Aber eben politisch. Und deshalb gibt es kaum einen Journalisten, der nicht Werbung fürs Wählen-Gehen macht.

Doch für die Pfadfinder bin ich viel zu alt. Aber es gibt Alternativen.

Heilsarmee wäre doch so eine Alternative. Oder in eine Partei gehen – aber nein, da wird es nichts mit der guten Tat.

Einen schönen Tag und weiterhin viel Spaß beim Bloggen!

gelegentlich August 12, 2013 um 11:27

@Think Positive
Ein Mißverständnis: wir wollen ja positiv denken!!! Aber bitte wie?

“Wenn das DIE Alternative ist, dann sollte man sich überlegen, ob man nicht zu den Pfadfindern geht. Nach dem Motto: „Wir können am Kapitalismus nichts ändern, aber jeden Tag ist eine kleine gute Tat möglich!“

Den Kopf muss man aber mit mehr Erfolg anstrengen. Den letzten Satz hat Niemand so formuliert. Eine polemische Unterstellung, aus der dann folgerichtig die Pfadfinder folgen.

Das Argument war: aus Ihrer Sicht folgt – Nichts. Gnosis, die Eingebung/die Anschauung der Weltformel. Der Betroffene darf sich zu den Illuminierten zählen. Das ist Alles.
Wenn wir über die Zeugen Jehovas schmunzeln – warum dann nicht auch über Herrn Sohn?

Ist da nicht aussichtsreicher: jeden Tag eine kleine gute Tat ist besser als jeden Tag gar keine Tat?

Carlos Manoso August 12, 2013 um 12:12

@Think positive August 12, 2013 um 10:51
„Diejenigen, die behaupten, es gäbe keine Alternative zur Veränderung des Systems als Ganzen, also die Systemveränderer, unterliegen – so habe ich erfahren – auch dem TINA-Syndrom. … dass die Systemüberwinder auf den Kapitalismus fixiert sind, sich damit zum Sklaven einer Abstraktion machen, anstatt … Nun ja, was eigentlich „anstatt“? … Sie machen sich selbst zum Systemsklaven, also unfrei. … Wenn das DIE Alternative ist, dann sollte man sich überlegen, ob man nicht zu den Pfadfindern geht. Nach dem Motto: „Wir können am Kapitalismus nichts ändern, aber jeden Tag ist eine kleine gute Tat möglich! „“

Think positive, wie schon gesagt, (Carlos Manoso August 11, 2013 um 13:17) : „Emanzipation kann niemals das Ergebnis eines gesellschaftlichen Automatismus sein. Emanzipation beginnt mit der bewussten Entscheidung einzelner Individuen, sich selbst zu erkennen und zu entfalten: sich durch sich selbst aufzurichten und den Feind, -dem schwer beizukommen ist-, der „Begierde“ und „Wut“ heißt, in sich selbst gewaltlos zu vernichten.“

Ganz konkret bedeutet TINA, dass es keinen anderen Weg gibt als den Weg, den „Feind…, der „Begierde“ und „Wut“ heißt, in sich selbst gewaltlos zu vernichten“! Das ist einer der elementarsten und einfachsten Grundsätze menschlichen Lebens !

gelegentlich August 12, 2013 um 12:28

@Alle
Inwieweit ist diese Art von Seelsorge jetzt nun politisch? Oder liegt da ein Mißverständnis vor: Alle wissen es, nur ich nicht?

f.luebberding f.luebberding August 12, 2013 um 13:09

Die Debatte über das Nicht-wählen kommt übrigens von Journalisten. Etwa Georg Diez. Es wird niemand deswegen politisch sterilisiert. Eher ist das im Rahmen der Aufmerksamkeitsökonomie eine interessante These. Sie hat unter anderem den Vorteil, sehr viel Zustimmung zu finden. Das bedeutet Verlinkungen und Klicks. Also werden sich die großen Portale dann Autoren mit hinreichenden Bekanntheitsgrad suchen, die diese These vertreten. Es gibt halt schon den Primat der Ökonomie, nur halt anders als bisweilen gedacht.

Carlos Manoso August 12, 2013 um 13:22

@gelegentlich August 12, 2013 um 12:28
„@Alle
Inwieweit ist diese Art von Seelsorge jetzt nun politisch? Oder liegt da ein Mißverständnis vor: Alle wissen es, nur ich nicht?“

Gelegentlich, lass mich mal raten: alle wissen es, nur du (noch) nicht.

ALLES wird “nun politisch“. Die „NSA“ macht Privatsphäre zur öffentlichen Sphäre – und umgekehrt. Jedes Individuum hat das Potenzial, »Künstler« zu sein, kann also die Fähigkeit entwickeln, Dinge anders zu sehen und sich selbst unter schwierigen Bedingungen ganz neue Lebensformen vorstellen, aus »innerer Notwendigkeit« heraus tätig werden. Jeder Mensch hat das gleiche Recht,, verschieden zu sein.

„Die Grundlage der Idee einer Sozialen Plastik ist der Mensch, der durch Denken und Sprache soziale Strukturen entwickelt. Diese Entwicklung der Gesellschaft verstand Joseph Beuys als einen kontinuierlichen kreativen Prozess. Die Aufgabe der Kunst sei es, dem Menschen diesen Prozess bewusst zu machen. Der Gesamtzusammenhang der Sozialen Plastik erklärt sich aus einem sozialen, also das Allgemeinwohl betreffenden Handeln und dem Begriff Plastik, der ein modellierfähiges und formbares Gebilde benennt, das visuell, haptisch, akustisch und thermisch erfahrbar ist und mit der Wahrnehmung der Gesellschaft gleichzusetzen ist. … Mit allem, was der Mensch gestaltet und somit als eine geistige Leistung schöpferisch hervorbringt, gilt der Einzelne als gesellschaftsverändernd aktiv.“
http://de.wikipedia.org/wiki/Soziale_Plastik

Linus August 12, 2013 um 13:25

@Soldat Schweijk:
“Naja, ich würde sagen, der BEGRIFF des Kapitalismus verstellt uns den Blick.”

Ich glaube, es ist mehr als der Begriff. Nochmal zu meiner oben postulierten geschichtliche Schleife. Ich sehe da zwei Phasen:
- stagnierende Phase: Wirtschaftliche und persönliche Unfreiheit. Die wirtschaftlichen/sozialen/politischen Verhältnisse sind festgeschrieben. Es besteht keine ökonomische und soziale Mobilität. Feudalismus ist eine spezielle Ausprägung dieser Phase.
- Übergang zur dynamischen Phase: Überwindung der bestehenden stagnierenden Verhältnisse aufgrund ihres Anachronismus (Unerträglichkeit allein reicht mE iA nicht, es muss schon ein greifbarer Fortschritt in Sicht sein. Revolution ist kein Spass).
- dynamischen Phase: Wirtschaftliche und in weiten Teilen auch persönliche/politische Freiheit und Gestaltungsmöglichkeit. Neu- und Umverteilung. Ökonomische und soziale Mobilität. All dies, solang das ‘Neuland’ noch nicht vollständig erschlossen, also Wachstum möglich ist. Kapitalismus ist eine spezielle Ausprägung dieser Phase.
- Übergang zur stagnierenden Phase: Vollendete Landnahme, Erschöpfung der Wachstumsmöglichkeiten, Festschreibung der Besitzverhältnisse, Entwicklung von Besitzenden und Abhängigen zu Herrschern und Beherrschten, indem zweitere schliesslich ihre Haut zum Tausch anbieten müssen.

Der Übergang von dynamischen zu stagnierenden Verhältnissen folgt dem Prinzip des kleinsten Widerstandes, entspricht also einer Art Naturgesetz, und ist nur zu verhindern durch Massnahmen, die der einseitigen Akkumulation aktiv entgegenwirken.
Der akkumulative Prozess wird getragen von Handel, er wird zusätzlich beschleunigt durch Knappheit. Diese kann real vorliegen, sprich Mangel an Ressourcen, oder künstlich erzeugt sein, eben durch “Eigentumstitel”.

Die marxistische Kritik benennt korrekt die “Gesetzmässigkeit” des Prozesses. Sie beleuchtet ihn aber ausschliesslich aus der Sicht des Kapitalismus, einer spezifischen Ausprägung der dynamischen Phase, gekennzeichnet durch Geld, hoch spezialisierte, automatisierte Produktion etc.. Diese zu enge Sichtweise schlägt sich dann nieder in Sätzen wie dem Erreichen der inneren Schranke des Kapitals. Dieser Punkt ist nur insofern bemerkenswert, als er den Übergang von dynamischer zu stagnierender Phase markiert. Ein Ausbruch lässt sich da nicht rauslesen.

Tatsächlich wirkt dieser Prozess aber in nahezu jeder Art von Wirtschaft. Ich habe das selbst beobachten können bei Indios in Argentinien, die eine Art Subsistenzwirtschaft betrieben. Sie waren dennoch angewiesen auf gewisse externe Handelsgüter wie Benzin, Werkzeuge, einfache Maschinen, Medizin, welche ihnen ausschliesslich angeboten wurden von einem Hidalgo. Dieser konnte sie so in eine Art Leibeigenschaft treiben. Mit Geld hatte das Ganze dabei so gut wie nichts zu tun, wohl aber mit Leistungen.

Die Missverhältnisse der stagnierenden Phase lassen sich nur aufrecht erhalten durch Gewalt oder Gesetz, also Eigentumstitel. Also gehören letztere auf den Prüfstand.
Eigentum muss deswegen keineswegs vollständig abgeschafft werden. Im Gegenteil, es ist wichtig, denn es verschafft dem Einzelnen Freiheit vom Zwang zum Kollektiv. Es muss aber sichergestellt sein, dass jeder davon nur soviel erhält, wie er tatsächlich brauchen kann.

Dieses Prinzip der Beschränkung von Eigentum ist allgemein anwendbar. Es verhindert den Feudalismus und hält den Kapitalismus im Zaum, ohne ihm seine Innovationskraft vollständig zu beschneiden.

Nochmal: Die Grundfrage ist die Frage nach dem Eigentum. Jeder, der meint, diese Frage hintanstellen zu können, weil das Thema ja nicht gern gehört wird, oder weil er meint, dass es sich in Bälde von selbst erledigt (innere Schranke), der hat was nicht begriffen.
Das Thema ist ungeliebt, nichtsdestoweniger kommt es auf den Tisch. Und es wird sich nicht von selbst lösen.

gelegentlich August 12, 2013 um 13:26

Wer ein nicht so kurzes Gedächtnis hat erinnere sich an 2005. Da haben die Leitmedien in einer bis dahin nie gesehenen Weise für Merkel geschrieben. Diejenigen, die das schlecht konnten, weil das Probleme mit der politischen Identität ihrer Wähler gegeben hätte, haben natürlich nie gesagt, man solle Merkel und ihr damals offen neoliberales Programm wählen. Sie haben stattdessen immer nur verbreitet das Rennen sei gelaufen, es sei Alles langweilig usw.usf. – bis im letzten Moment Schröder Wahlkampf gegen sein eigenes Programm machte. Daran erinnert die gegenwärtige Situation. Nur dass er, wie heißt er: Steinbrück?, keinen Wahlkampf gegen sein Programm (Welches?) machen wird. Die Herrenreiter (Gebt mir Beinfreiheit!) wählen ihn eh nicht.

Das mit dem Nichtwählen ist nur noch öde. Entweder man hat 60-70% der Bevölkerung hinter sich, bewaffnete Kräfte im Hintergrund und will so den letzten Schubs geben – oder man ist ein unpolitischer Kleinbürger, der sich damit gut fühlen will, biedermeierlich und sonst wenig. Nichtwählen ist wie TINA oder ANITa, stört wenigstens keine Friedhofsruhe.

Carlos Manoso August 12, 2013 um 13:54

@gelegentlich August 12, 2013 um 13:26
Das mit dem Nichtwählen ist nur noch öde. Entweder man hat 60-70% der Bevölkerung hinter sich, bewaffnete Kräfte im Hintergrund und will so den letzten Schubs geben – oder man ist ein unpolitischer Kleinbürger, der sich damit gut fühlen will, biedermeierlich und sonst wenig. Nichtwählen ist wie TINA oder ANITa, stört wenigstens keine Friedhofsruhe.

Gelegentlich, Nicht zu wählen entspringt einem –in Deutschland (noch) sehr verbreiteten- Missverständnis von Politik.

Absolute Wahrheit und endgültige Freiheit können grundsätzlich durch nichts erreicht werden. Das menschliche Leben ist stets unvollendetes Anderswerdenmüssen. Freiheit kann nie Besitz werden. Es gibt keine isolierte Freiheit. Daher geben einzelne Individuen die Starre ihrer leeren Freiheit zugunsten der erst im Miteinander zu erwerbenden Freiheit auf.

Im Kern ist Freiheit die Vernunft grenzenloser Offenheit. Daher muß Freiheit die fruchtbaren Polaritäten suchen. So gesehen ist Freiheit die Vernunft gesteigerter Dialektik.

Kurzum, wenn ich mich noch recht entsinne, hatte ich in der Vergangenheit keinerlei Problem damit, erst FDP, später SPD und noch später zusammen CDU,„Linke“ und “Piraten” zu wählen.

gelegentlich August 12, 2013 um 14:04

Genau, selbst eine sorgfältig gewählte Nonsens-Stimmabgabe, nur um die auswertenden Campaigner aus dem Fenster springen zu lassen, hat eine Wirkung, nicht zu wählen aber keine.

chabis August 12, 2013 um 14:16

Aus Anlass des Mainzer DBakels, weils in den Faden passt und weil
ich bei der Wahl, die wählen werde, die einige hier aufgeführte wesentliche Missstände ebenfalls klar benennen,- ein immer noch
aktuelles Interview mit Daniel Suarez (sollte es hier schon mal besprochen worden sein, nehme ich Prügel gern in kauf). Es lohnt sich, es von vorn bis hinten zu lesen, als Teaser:

“Suarez: Ich bin überzeugt davon, dass die plötzliche Fixierung auf „Sicherheitsgesetze“ sowohl im virtuellen Raum als auch in der physischen Realität aus der Erkenntnis resultiert, wie anfällig die moderne Welt – vor allem die Weltwirtschaft – selbst für geringfügige Störungen geworden ist. Mit diesem Trend geht die rasche Abkehr vom Rechtsstaat im Namen der „nationalen Sicherheit“ einher, wie etwa der Verlust an persönlichen Freiheitsrechten und das fortgesetzte Abhören ohne richterlichen Beschluss. Die rasche Aufgabe hochgeschätzter und schwer erkämpfter Rechte zeigt, dass hier etwas ganz falsch läuft. Historisch gesehen, geben Gesellschaften die Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit auf oder pervertieren sie, wenn die Obrigkeit sich bedroht fühlt. Aber ich möchte behaupten, dass in vielen Ländern der Staat nicht mehr Träger der politischen Macht ist, sondern nur noch ein Agent der wahren Machthaber – des Ökosystems multinationaler Unternehmen. Und genau dieses System ist nun bedroht. Warum? In einem Wort: Effizienz.

Im letzten Jahrhundert hat das auf privatwirtschaftlichen Firmen basierende System weltweit in allen Industrien die Herrschaft errungen. Und das Grundprinzip von Firmen ist Effizienz. Die Konsolidierung der Landwirtschaft, der Medien, des Finanzwesens, der Telekommunikation, des Energiesektors et cetera in Großunternehmensstrukturen hat weite Teile des „Fettpolsters“ unserer Infrastruktur abgeschmolzen, die Profite erhöht und das Management zentralisiert. Doch solche „Fettpolster“ haben in der natürlichen Welt eine wichtige Funktion – sie helfen dem Organismus, plötzlich auftretende Probleme zu überleben. Und solche Probleme treten früher oder später auf: Unterbrechungen in der Versorgung mit Rohstoffen und anderen Ressourcen wie Öl, Trinkwasser, Kapital oder dergleichen; größere natürliche oder vom Menschen gemachte Katastrophen, subversive Aktivitäten von Außenseitern wie Terroranschläge oder von skrupellosen Insidern, etwa Wall-Street-Bankern.

Ein tatsächlich von Wettbewerb geprägter Markt, der vielfältigen konkurrierenden Interessen diente und in vernünftiger Weise reguliert wurde, um soziale Standards für Arbeitnehmer und Konsumenten zu sichern, lieferte früher dieses „Fettpolster“. Das war zwar nicht besonders effizient, aber dafür war ausgeschlossen, dass ein einziges korruptes Unternehmen fast die ganze Weltwirtschaft in Mitleidenschaft zog oder eine Malware-Infektion die Versorgung einer ganzen Gesellschaft oder die Finanzmärkte paralysierte. Die blindwütige Deregulierung in den Vereinigten Staaten und anderswo beseitigte die Beschränkungen für Monopolbesitz in wichtigen Branchen, höhlte die steuerliche Grundlage für die Erhaltung der Infrastruktur aus und zerriss den Sozialvertrag zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Das Ergebnis war ein Präzisionssystem zur Verlagerung von Reichtum nach oben, das sich aber selbst anfällig für Subversion von innen und außen machte.

Unsere Infrastruktur zeigt inzwischen vielerorts beträchtliche Mängel, die niemand von denen, die an der Macht sind, eingestehen und für deren Reparatur niemand zahlen will. Darum glaube ich, dass die Mächtigen begonnen haben, sich in Erwartung eines sozialen Zusammenbruchs einzubunkern, eines Zusammenbruchs, zu dem es kommen wird, wenn die öffentliche Infrastruktur oder die Wirtschaft zusammenbricht. Natürlich möchten die Regierenden das so lange wie möglich hinausschieben, aber da es an gemeinsamen Anstrengungen zur Behebung der strukturellen Mängel fehlt, wird die Weltwirtschaft eher früher als später kollabieren.

Darauf wird eine Zeit folgen, die sowohl Gefahren birgt als auch Chancen eröffnet. Wahrscheinlich werden Demagogen versuchen, aus dem Volkszorn und den Ressentiments Profit zu schlagen, und wahrscheinlich werden sie einzelnen sozialen Gruppen die Schuld an diesem Zusammenbruch in die Schuhe schieben. Durch zentralisierte Kontrolle der Medien und des Internets dürfte die Plutokratenklasse dann jedoch nicht im Brennpunkt des Volkszorns stehen. Stattdessen wird man die Schuld auf illegale Einwanderung, islamischen Radikalismus, säkularen Humanismus oder ein anderes demographisches Segment schieben. Ob das zu einer Reihe neofeudaler Hightech-Stadtstaaten führt, deren wohlhabende Schichten über NetJet-Mitgliedschaften von einem umzäunten Seerosenblatt zum anderen hüpfen, wird die Zeit zeigen. Damit es kein Missverständnis gibt: Ich habe nichts gegen Reichtum. Wenn jemand etwas erfindet, etwas Innovatives oder Inspirierendes tut, verdient er es, belohnt zu werden. Aber es läuft etwas sehr schief, wenn die häufigste Quelle großen Reichtums heute darauf beruht, dass man im Finanzsystem zockt, Mittelschichtjobs vernichtet und keinerlei materiellen Wert erschafft.”
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/digitales-denken/gespraech-mit-daniel-suarez-wir-werden-mit-system-erobert-14089.html

gelegentlich August 12, 2013 um 14:41

@Chablis

Ja, danke für den Link: daraus ziehe ich den Schluss dass ich Die Linke wählen werde, obwohl mir die Tatsache, dass Herr Sohn auch in dieser Partei ist, nicht so sympathisch ist: jedenfalls wenn er so denkt wie in erwähntem Text. Ich unterstelle dass die hinreichend viele Leute haben, die verstehen, dass ihre parlamentarische Arbeit mit Systemfrage nichts zu tun hat. Wenn sie gut sind wirken sie als Stöcke, die man die Speichen steckt.Viel mehr geht wohl nicht.

Think positive August 12, 2013 um 15:49

@gelegentlich August 12, 2013 um 11:27
Ist da nicht aussichtsreicher: jeden Tag eine kleine gute Tat ist besser als jeden Tag gar keine Tat?

Was soll daran aussichtsreicher sein?

Hier geht es um die Frage der Transformation eines Gesellschaftssystems.

Tatsächlich führt hier der Aktionismus regelmäßig in eine Sackgasse. Das war auch bei der 68-er-Bewegung so. Man wollte die “Instant-Revolution”, basierend auf entschlossenem Willen, Mut und Opferbereitschaft. Die Folge des Aktionismus waren Guerillaaktionen und Parteigründungen einerseits, Hippiebewegung und Zivilisationsflucht andererseits.
Und als diese Bewegungen gescheitert waren, gab es andere Formen des Aktionismus, so den religiösen Aktionismus, wie die Jesus People, Hare Krishna, Bhagwan-Sekte, Scientology etc., zudem den psychologischen Aktionismus auf die psychoanalytische Couch oder in die Psychogruppe, den Öko-Aktivismus, den feministischen Aktionismus, Esoterik, Friedensbewegung und und und …

Der letzte Aktionismus war die Occupy-Bewegung.

Žižek sagt dazu:
Was bringen die Occupy-Leute vor? Abstrakte, moralische Dummheiten wie „Das Geld soll den Menschen dienen, die Menschen sollen nicht dem Geld dienen.“ Da steckt etwas potenziell Antisemitisches drin: Auf der einen Seite hat man einen gesunden Kapitalismus und auf der anderen einen degenerierten, den die Banker bestimmen. Die korrupten Banker sind für die Occupy-Leute die Buhmänner. Doch das Problem sind nicht korrupte Banker, mein Gott, Banker waren immer korrupt. Der springende Punkt ist, welche wirtschaftlichen Veränderungen es diesen Menschen ermöglichen, ihr korruptes Wesen auszuleben. Hier stimme ich Brecht zu: Versuche nicht, die menschliche Natur zu ändern. Menschen werden immer böse sein. Verändere die Umstände so, dass die Menschen ihre Bosheit nicht ausleben können.

Wenn man ein Gesellschaft verändern will, dann muss man erst einmal begreifen, wie sie funktioniert, welche Gesetzmäßigkeiten sie aufweist, wo die verborgenen, tieferen Ursachen für die Probleme liegen.

Ansonsten ist man auf dem Niveau eines Kurpfuschers, der nach trial and error an den Symptomen herumkuriert.
So wie jene, die das Fieber als die Ursache der Krankheiten ansahen, wie Marx schreibt:
„Gerade das wiederholte Auftreten von Krisen in regelmäßigen Abständen trotz aller Warnungen der Vergangenheit schließt indessen die Vorstellung aus, ihre letzten Gründe in der Rücksichtslosigkeit einzelner zu suchen. Wenn die Spekulation gegen Ende einer bestimmten Handelsperiode als unmittelbarer Vorläufer des Zusammenbruchs auftritt, sollte man nicht vergessen, daß die Spekulation selbst in den vorausgehenden Phasen der Periode erzeugt worden ist und daher selbst ein Resultat und eine Erscheinung und nicht den letzten Grund und das Wesen darstellt. Die politischen Ökonomen, die vorgeben, die regelmäßigen Zuckungen von Industrie und Handel durch die Spekulation zu erklären, ähneln der jetzt ausgestorbenen Schule von Naturphilosophen, die das Fieber als den wahren Grund aller Krankheiten ansahen.”

Die wichtigste und schwierigste Aufgabe in der Medizin, zu der man wissenschaftliche Kenntnisse und Denkvermögen benötigt, ist die richtige Diagnosestellung. Die Therapie ist dann wie Kochen aus dem Rezeptbuch.

Das ist hinsichtlich der Gesellschaft nicht anders.

Aber die meisten Menschen, die sich im Internet über gesellschaftliche Probleme und ihre Lösungen äußern, verfügen nicht über eine entsprechende wissenschaftliche Bildung, sondern sind Dilettanten.
Heraus kommen dann subjektive Konstrukte, „Meinungen“ auf Basis von subjektiven Evidenzen, in der Art wie Patienten ihre selbstgestrickten Krankheitstheorien bilden.

Dann entsteht folgendes Bild:
@Andreas Kreuz August 11, 2013 um 12:11
Die Kommentare hier sind doch das beste Beispiel, dass die bewusst betriebene Atomisierung der Gesellschaft, die Vereinzelung der Menschen, gut funktioniert hat.
Es ist außerordentlich schwierig, mehr als zwei zu finden, die in wenigstens drei Dingen zu einer einheitlichen Meinung gelangen.

Die Ursache sehe ich im Bildungsdefizit. In der Diskussion bezieht man sich nicht auf das über in langen Forschungs- und Diskursprozessen gesicherte wissenschaftliche Wissen, sondern man bringt seine „Meinung“, also diese selbstgestrickten Privattheorien, ein.
Wenn Žižek sagt, „Wissen Sie, ich mag keine Studenten. Sie haben meistens keine Ahnung, wollen aber trotzdem immer diskutieren., dann geht es um dieses Phänomen. Heute bringen die die Studenten den ganzen Müll, den sie aus den Massenmedien in ihrem Kopf haben, in die Hochschulen. Und jene, die sich im Verlaufe ihres Studiums ernsthaft mit Theorie auseinandersetzen, sind nur eine kleine Minderheit, weil das Theoriestudium ein sehr trockener und steiniger Weg ist.

Aber ohne die Wissenschaft als Referenzsystem kann dann im Internet NUR diese Art der Diskussion herauskommen. Man bezieht sich nicht auf wissenschaftliche Autoritäten und ihre Ergebnisse, im Gegenteil, die narzisstischen Dilettanten sind gegen wissenschaftliche Autoritäten eingestellt, sie bilden sich nicht anhand deren Werke, weil sie sich selbst für grandios halten und zudem gar nicht die Frustrationstoleranz und Sublimierungsfähigkeit für ein entsprechendes Theoriestudium entwickelt haben.

Keynesianer August 12, 2013 um 16:07

@Think positive

Was zitierst Du da für ein einfältiges Gewäsch von Marx über die Ursache der Krisen?

Die Ursache der Krisen unter dem Goldstandard war ganz einfach:

Expansive Kreditpolitik (vor allem natürlich in Kriegszeiten) ließ die Konjunktur aufblühen. Die Geschäfte liefen immer besser, die Löhne und die Preise stiegen: Die Importe stiegen und die eigenen Waren ließen sich immer schlechter ins Ausland verkaufen, weil zu teuer. Also floss das Gold der Zentralbank ins Ausland ab und die Zentralbank musste die Konjunktur abwürgen.

Dazu erhöhte die Zentralbank die Zinsen, der Kredit verteuerte sich und die Investitionen rentierten sich bei den hohen Zinsen nicht mehr. Die Konjunktur brach ein, Firmen bankrottierten, die Menschen lagen zu Abermillionen erwerbslos auf den Straßen.

Aber die Löhne und Preise sanken, die Importe ebenso und die Exporte stiegen. Jetzt floss das Gold aus dem Ausland wieder zurück in den Tresor der Bank von England.

Man hatte nach dem Napoleonischen Krieg eine mörderische deflationäre Depression erzeugt und ebenso war schon 1918 das Cunliffe-Committee im Parlament mit der Vorbereitung der nächsten Depression beauftragt worden. Das wurde dann etwas spät die Weltwirtschaftskrise 1929-33.

Man wollte die Löhne und Preise mit dem Goldstandard wieder auf das Niveau von 1913 senken in England und in den USA. Die das wollten waren die Internationalen Banker und die Rentiersklasse, die sich von der Inflation der Kriegsjahre und der goldenen 20er Jahre betrogen fühlten.

Die Krise war mit der Aufgabe des Goldstandards praktisch zuende, natürlich nicht der Schaden, den sie angerichtet hatte. Geld ist nicht neutral, auch langfristig nicht.

So, und jetzt kannst Du mit dem dummen Scheiß von Deinem Marx weitermachen, damit die Leser was zum Lachen haben.

Andreas Kreuz August 12, 2013 um 16:20

@Think positive August 12, 2013 um 15:49

Hast Du einmal eine Versammlung der Linken im Bergischen erlebt?

gelegentlich August 12, 2013 um 16:28

@Think Positive
Die Zeugen Jehovas sind einfach netter, geduldiger und reden nicht mit soooo hoch erhobener Nase.
Und jetzt will ich das Lebensalter erfahren. Pronto, bitte hier, bitte jetzt, bitte für Alle!!!

Linus August 12, 2013 um 16:33

@Think positive:
“Was soll daran aussichtsreicher sein?”
Das kommt auf den Fall an. Bsp: In der aktuellen Situation halte ich die Linke für die einzig wählbare Partei. Gäbe es sie nicht, dann würde ich nicht wählen. Eine Demonstration der Verweigerung schiene mir in diesem Fall ausdrucksstärker als ein sich Abfinden mit pest oder Cholera.

Nun dein Argument:
“Hier geht es um die Frage der Transformation eines Gesellschaftssystems. [...]
Aber die meisten Menschen, die sich im Internet über gesellschaftliche Probleme und ihre Lösungen äußern, verfügen nicht über eine entsprechende wissenschaftliche Bildung, sondern sind Dilettanten. [...]
Die Ursache sehe ich im Bildungsdefizit. In der Diskussion bezieht man sich nicht auf das über in langen Forschungs- und Diskursprozessen gesicherte wissenschaftliche Wissen, sondern man bringt seine „Meinung“, also diese selbstgestrickten Privattheorien, ein.”

Womit wir bei Herrschaftswissen und geistigen Eliten wären.
Deshalb Nope!
Ein Gesellschaftssystem, das erst nach langen theoretischen Studien als legitim begriffen werden kann, taugt nicht.
Wäre dies bei uns tatsächlich der Fall, so bliebe nur die Rückkehr zu weniger komplexen Formen, die intuitiv begriffen werden können. Nur dann hält der soziale Kitt, bestehend aus so intuitiven Regungen wie Gerechtigkeitsgefühl, Solidarität etc.

Im Übrigen: die hier besprochenen grundlegenden Zusammenhänge scheinen vergleichsweise einfach und keineswegs zu kompliziert, als dass ein Normalsterblicher ohne WiWi sie verstehen könnte.

gelegentlich August 12, 2013 um 16:37

@Think Positive

@gelegentlich August 12, 2013 um 11:27
Ist da nicht aussichtsreicher: jeden Tag eine kleine gute Tat ist besser als jeden Tag gar keine Tat?
Was soll daran aussichtsreicher sein?

Bei Gelingen fühlen sich mindestens 2 Menschen besser. Bei TINA fühlen sich alle nur schlecht, immer.

@Alle
Ich gebe es zerknirscht zu, dass ich Die Linke eher anhand ihrer Veröffentlichungen und Redebeiträge im Parlament kenne, weil ich sehr viel unterwegs bin. Ist das hier wirklich “von Denen”? Die Untertertia-Nachwuchsgruppe, kann vor Stolz nicht mehr laufen weil man “Wissenschaft” unfallfrei geschrieben hat?

Keynesianer August 12, 2013 um 17:02

@gelegentlich

Die Linke ist selbstverständlich voll unterwandert von den Figuren, die schon als 68er dafür gesorgt haben, dass Keynes beim Publikum einen ganz schlechten Ruf bekam – der wolle ja nur den bösen Kapitalismus retten – und die Neoliberalen ungestört Rezession, Massenerwerbslosigkeit und Schuldenkrisen inszenieren konnten, während die Opfer der Krisen hingebungsvoll mit ihrem großen Marx die Wertform analysiert haben.

Statt sich mit der Geldpolitik zu beschäftigen, was ja ganz Pfui ist, wie auch denen ihr Žižek (auch so ein Pseudorevoluzzer wie Marx) bei jeder Gelegenheit betont. ;)

Think positive August 12, 2013 um 17:03

@Andreas Kreuz August 12, 2013 um 16:20
Hast Du einmal eine Versammlung der Linken im Bergischen erlebt?

Habe ich etwas versäumt?

Denn was ich bislang von Mitgliedern der PdL erlebt und gelesen habe, würde mich eher davon abhalten, eine Versammlung der PdL – wo auch immer – aufzusuchen.

Die WASG fand ich interessant, da hätte ich mir damals eventuell eine Mitarbeit vorstellen können. Bei der PDS/PdL nie.

Was Manfred Sohn betrifft, kommt mir das Sprichwort in den Sinn, dass eine Schwalbe noch keinen Sommer macht. Mein Eindruck ist, dass Sohn mit seiner theoretischen Position in der PdL so ziemlich allein dasteht. Wie die tatsächlichen Verhältnisse in der PdL sind, darüber habe ich keine entsprechenden Informationen.

gelegentlich August 12, 2013 um 17:12

@Think Positive

“Was Manfred Sohn betrifft, kommt mir das Sprichwort in den Sinn, dass eine Schwalbe noch keinen Sommer macht. Mein Eindruck ist, dass Sohn mit seiner theoretischen Position in der PdL so ziemlich allein dasteht. ”
Wenn diese Allgemeinplätzigkeit die Schwalbe sein soll – wie soll dann der Sommer aussehen? Dass die Mücken uns nicht stechen weil sie nicht an Einzelsymptomen herumlaborieren wollen?

@Andreas Kreuz
Bitte erzählen! Gespannte Neugier ist vorhanden. Kann man die (Threadstart!) Übewachung durch obfuscation besoffen machen?

holger August 12, 2013 um 17:58

hahaha, der think what you want iss cool

:D

die staatlich/kirchliche Theorie der sich Auskennenden Scheibe, wurden doch tatsächlich vonner runden Praxis überrempelt.

Hahaha, das iss wie die Jünger von einstein und die theoretische Begrenzung vonner Geschwindigkeit des Lichtes LOL selbst c² is schon schneller inner Resultierenden. Und warum licht nicht Kubisch sein soll, entzieht sich ja auch gewisser Überlegungen.

Hauptsache man malt nen Quadrat c² auf, und freut sich diebisch, wie man sich an sowas aufgeilen kann. So sind se die Theorien… der Altmeister.

ROFL

think positiv und quäl dich weiter mit den Theorien die allesamt Grau sind und bleiben werden

Carlos Manoso August 12, 2013 um 19:18

@Think positive August 12, 2013 um 17:03
„Was Manfred Sohn betrifft, kommt mir das Sprichwort in den Sinn, dass eine Schwalbe noch keinen Sommer macht. Mein Eindruck ist, dass Sohn mit seiner theoretischen Position in der PdL so ziemlich allein dasteht. “

Think positive, daß ein Mensch mit der politischen Position Manfred Sohns Landesvorsitzender in einer Partei wie „die Linke“ werden kann, ist ein sehr positives Signal. Für mich ist es definitiv der einzige entscheidende Grund, bei den Bundestagswahlen im September meine Stimme der Partei die „Linke“ zu geben.

Carlos Manoso August 12, 2013 um 19:34

@Keynesianer August 12, 2013 um 17:02
„Die Linke ist selbstverständlich voll unterwandert von den Figuren, die schon als 68er dafür gesorgt haben, dass Keynes beim Publikum einen ganz schlechten Ruf bekam – der wolle ja nur den bösen Kapitalismus retten – und die Neoliberalen ungestört Rezession, Massenerwerbslosigkeit und Schuldenkrisen inszenieren konnten, während die Opfer der Krisen hingebungsvoll mit ihrem großen Marx die Wertform analysiert haben.
Statt sich mit der Geldpolitik zu beschäftigen, was ja ganz Pfui ist, wie auch denen ihr Žižek (auch so ein Pseudorevoluzzer wie Marx) bei jeder Gelegenheit betont. “

Keynesianer, daß du den Glauben verbreitest, das System des Weltkapitals sei mit „Geldpolitik“ zu heilen, erinnert intensiv an einen obskuren Quacksalber, der den Glauben verbreitet, eine Krebserkrankung sei mit Trinken von Eigenurin zu heilen.

gelegentlich August 12, 2013 um 19:51

@Carlos
“Think positive, daß ein Mensch mit der politischen Position Manfred Sohns Landesvorsitzender in einer Partei wie „die Linke“ werden kann, ist ein sehr positives Signal. Für mich ist es definitiv der einzige entscheidende Grund, bei den Bundestagswahlen im September meine Stimme der Partei die „Linke“ zu geben.”

Und warum sollen Leute mit solchen Auffassungen in ein Parlament gehen? Um das zu entlarven? Frage ich spontan, bevor ich mein Gedächtnis einschalte.

Think positive August 12, 2013 um 20:18

@Carlos Manoso August 12, 2013 um 19:18
Think positive, daß ein Mensch mit der politischen Position Manfred Sohns Landesvorsitzender in einer Partei wie „die Linke“ werden kann, ist ein sehr positives Signal. Für mich ist es definitiv der einzige entscheidende Grund, bei den Bundestagswahlen im September meine Stimme der Partei die „Linke“ zu geben.

Ich denke, dass die Publikation von Sohns Text zu diesem Zeitpunkt genau diesen Zweck hat.

Die PdL ist ein ideologischer Gemischtwarenladen, breit diversifiziert von rechts nach links. Da Wagenknecht nunmehr eine Position in der Mitte bei den sozialdemokratischen Reformlinken einnimmt, braucht es jetzt vor der Wahl auf „Linksaußen“ einen Stimmenfänger.

Das scheint auch zu funktionieren.

Carlos Manoso August 12, 2013 um 20:38

@Think positive August 12, 2013 um 20:18
…daß ein Mensch mit der politischen Position Manfred Sohns Landesvorsitzender in einer Partei wie „die Linke“ werden kann, ist ein sehr positives Signal. Für mich ist es definitiv der einzige entscheidende Grund, bei den Bundestagswahlen im September meine Stimme der Partei die „Linke“ zu geben.
Ich denke, dass die Publikation von Sohns Text zu diesem Zeitpunkt genau diesen Zweck hat.“

Think positive, so läuft halt politisches Marketing. Ein Proll-Supermarkt muß sich viel breiter aufstellen wie ein kleiner, aber feiner Gourmet-Feinschmeckerladen.

Think positive August 12, 2013 um 21:26

@Carlos Manoso August 12, 2013 um 20:38
Think positive, so läuft halt politisches Marketing. Ein Proll-Supermarkt muß sich viel breiter aufstellen wie ein kleiner, aber feiner Gourmet-Feinschmeckerladen.

Deshalb ist diese Partei auch nicht interessant für die Intelligenzschichten und hat auch – insbesondere qualitativ – sehr wenig Intelligenz in ihren Reihen. Im Gegensatz zur damaligen Neuen Linken in der 68-er Zeit wird die PdL daher auch nie hegemonial im gesellschaftsprogressiven Diskurs der Intelligenzschichten sein bzw. werden.

Irgendwann – so meine Annahme- wird der „Proll-Supermarkt“ auseinanderbrechen und der größte Teil wird in die SPD gehen.

holger August 12, 2013 um 21:29

Hahaha

mal wieder angekommen…

Linker Sozialist Mittiger Sozialist Rechter Sozialist :D

Dazu noch ein wenig Schimpe auf die Neo-Libs-Sozialisten und es iss wieder verwirrter Druck im Kessel…

Un täglich grüßt der Nigger LOL

holger August 12, 2013 um 21:34

Ich weiß schon warum ich nicht Wählen gehe,

da geh ich lieber innen Zoo und beobachte die Rot-Ärsche aufm Felsen… beim rudel-bumsen

:D

68er LOL #früherwarallesbesser

gelegentlich August 12, 2013 um 21:57

@holger
Also dieses undifferenzierte 68er-bashing verbitte ich mir! Es war früher ja eben nicht Alles besser. Die wollten ja wohl dass die Leute das mehr selber machen, statt es nur im Zoo zu spannen.
Die historische Reihenfolge ist also:
Neckermann Wäsche-Katalog – 68er – Zoo
, die Höhenlinie zeichne ich lieber nicht ein.

holger August 12, 2013 um 22:05

gelegentlich

—>>>Also dieses undifferenzierte 68er-bashing verbitte ich mir!”
Warum??? wo sitzen die denn dato bitte ? Die schrubben sich doch den ganzen Tag einen auf dem Felsen, na gut, nicht alle… aber die meisten… LOL

Ganz so Blöd wie ich aussehe bin ich nun nich… :D

Soldat Schwejk August 12, 2013 um 22:20

Komm grad nicht so hinterher… hechel… aber eine Antwort an

@ Linus

–> “Nochmal: Die Grundfrage ist die Frage nach dem Eigentum. Jeder, der meint, diese Frage hintanstellen zu können, weil das Thema ja nicht gern gehört wird, oder weil er meint, dass es sich in Bälde von selbst erledigt (innere Schranke), der hat was nicht begriffen. Das Thema ist ungeliebt, nichtsdestoweniger kommt es auf den Tisch. Und es wird sich nicht von selbst lösen.”

Mal ein Beispiel, das @CM oben anführt. Eigentumsrechte an nicht selbst genutzten Mietwohnungen sind für mich z.B. schon ein Unding. Und wenn Du morgen eine Gesetzesinitiative starten oder dafür mobilisieren willst, daß bei Wohnimmobilien privatwirtschaftliche Eigentumsrechte grundsätzlich aufgehoben werden und nur noch über Nutzungsrechte von Mietern verhandelt wird, dann wäre ich gern dabei und würde mich auf welchem Wege auch immer anschließen.

Nur müssen wir davon ausgehen, daß das SO auf absehbare Zeit nicht mobilisierungs- und durchsetzungsfähig sein wird. Dennoch ist das Mietrecht ein Beispiel dafür, daß es ein Feld der Auseinandersetzung um die BEGRENZUNG von Eigentumsrechten gibt, auch ohne daß die Institution des Eigentums hier vor der Abschaffung stünde (was ich in diesem Bereich wie gesagt grundsätzlich befürworten würde!).

Es geht um einen Haufen von gesetzlichen Fragen, in denen Mieterrechte gegen Eigentümerrechte stehen, und die Auseinandersetzung ist hier nicht aussichtslos. Kündigungsrechte von Mietverträgen, Zulässigkeit von Mieterhöhungen, Mietpreispolitik öffentlicher Wohnungsunternehmen, Blockade von Privatisierungen öffentlicher Bestände… und bei etwa Zwangsräumungen in der Nachbarschaft gibt es auch spontane praktische Solidarität, die die Durchsetzung von Eigentümerrechten erschwert. All das sind konkrete Machtfragen, in denen soziale Rechte gegen Privateigentümerrechte stehen, und wo letztere eingegrenzt werden können oder ihre Durchsetzung erschwert werden kann, ohne daß sie gleich außer Kraft gesetzt werden.

Und das gibt es auf etlichen Feldern. Das Machtgefälle zwischen Eigentümern und Nicht-Eigentümern kann steiler oder weniger steil sein, das ist eine Frage der Spielregeln (Institutionen) und des Handelns von Akteuren. Und man sollte die darin enthaltenen Möglichkeiten sehen, auch wenn man gute Argumente dafür haben mag, daß das Spielbrett als solches umgeworfen gehört…

gelegentlich August 12, 2013 um 22:38

“Der Rest ist nicht mehr schwierig.”

Gut. Aber der Anfang ist unmöglich:

“Denn wenn WIR erkennen, dass wir alle abgesaugt werden, und dann sagen “Eigentlich mag ich Dich, Huett…eigentlich mag ich Dich, Natalius”

Geht langsam ein Licht auf? Wenn es nur noch witzisch ist?

Kecker August 12, 2013 um 23:06

@ natalius “Spirituell sind uns diese Entitäten offensichtlich überlegen – ob man sie Götter, ETs oder IDs nennt, ist im Grunde genommen Wurscht.”

Manchmal wird der Mann im Mond
für seinen treuen Dienst belohnt.
Und wenn du ihn ganz lieb anschaust
dann holt er die Laterne raus. (Die Prinzen)

Marlowe August 12, 2013 um 23:08

@Linus:

Interessanterweise ist in unserer heutigen überalterten Gesellschaft mit zunehmenden “Singels” die Eigentumsfrage hinsichtlich des
“Erbes” und dessen Wirkung bei Auflösung – Rückgabe an den Staat – Neuland?

Da gibt es Raum für Neuverteilung?

Bzw. eine grundlegende Änderung des Erbrechts (warum gibt es eigentlich noch Adelstitel????) wäre in unserer heutigen Situation
schonmal ein denkbarer Schritt.

Soldat Schwejk August 12, 2013 um 23:09

ach doch noch…

@ Think positive –> “Die Ursache sehe ich im Bildungsdefizit. In der Diskussion bezieht man sich nicht auf das über in langen Forschungs- und Diskursprozessen gesicherte wissenschaftliche Wissen, sondern man bringt seine „Meinung“, also diese selbstgestrickten Privattheorien, ein. [...] Aber ohne die Wissenschaft als Referenzsystem kann dann im Internet NUR diese Art der Diskussion herauskommen. Man bezieht sich nicht auf wissenschaftliche Autoritäten und ihre Ergebnisse…”

Tja, aber das Lustige ist, daß die Sozialwissenschaften im Gegensatz etwa zur Physik keine paradigmatischen Wissenschaften sind, es also jede Menge Schulen, Methoden, Wissenschaftssprachen samt ihrer ungesicherten Kategorien gibt. Gerade die von Dir wohl präferierten Theoriestränge (ich nenne sie mal: psychoanalytisch inspirierte Gesellschaftstheorien) zeichnen sich ja nun noch dadurch aus, daß die dortigen Autoren einander höchst gram sind und einander in fast allem widersprechen, daß viele eine eigene Schule ausgebildet haben und sich teils ziemlich hermetischer Sprachen bedienen (die Lacanianer mal als Extrembeispiel).

Insofern, würde Deiner Forderung entsprochen, käme es wohl zu einem Nebeneinanderherreden unterschiedlicher wissenschaftlicher Sprachen und Begriffsysteme, einem wahrhaft babylonischen Gewirr, und letzten Endes würde innerhalb jedes Teilsystems sich ein Guru zu einer charismatischen Herrschaft über die Begriffe aufschwingen. Letztlich läuft es ja in solchen Kreisen auch tatsächlich so. Einer ist der Chef, die anderen sind “die Jünger, die Kunden” (Udo Lindenberg).

Mal abgesehen davon, daß Deine Forderung so natürlich auch wortgleich von einem neoklassischen Ökonomen kommen könnte… aber das wäre Dir dann vermutlich wieder nicht recht…

Soweit ich die Diskussionen hier verfolgt habe, entsteht Anschlußfähigkeit gerade nicht durch den Slang jeweils einschlägiger akademischer Zirkel… wie sollte es auch, jeder hat halt was anderes gelesen, es gibt nicht mehr DIE Universalwissenschaft… Sondern eben gerade dadurch, daß jeder seine vermeintlichen Einsichten in einer Sprache darbietet, die einem kritischen Alltagsdiskurs zugänglich ist. Das ist möglich, und es hat übrigens auch was mit Emanzipation zu tun…

Nu werde ich mal der Lübberdingschen TV-Empfehlung folgen…

Linus August 13, 2013 um 00:13

@Soldat Schweijk:
“Nur müssen wir davon ausgehen, daß das SO auf absehbare Zeit nicht mobilisierungs- und durchsetzungsfähig sein wird. Dennoch ist das Mietrecht ein Beispiel dafür, daß es ein Feld der Auseinandersetzung um die BEGRENZUNG von Eigentumsrechten gibt, auch ohne daß die Institution des Eigentums hier vor der Abschaffung stünde (was ich in diesem Bereich wie gesagt grundsätzlich befürworten würde!).”

Das ist die “Hoffnung”, den Laden umbauen zu können, ohne gleich alles einzureissen. Die alte Frage nach dem Pfad dorthin.

Ich bin da sehr skeptisch. Ich sehe nur wenig Handlungsspielräume. Unsere politische Kultur ist inzwischen so dermassen ruiniert, dass mE der Druck von der Strasse kommen muss. Eine innerparlamentarische Opposition gibt es derzeit so gut wie nicht, also müsste man zunächst ausserparlamentarisch ansetzen.

Da hat sich zwar in letzter Zeit ein wenig getan, doch so richtig gezündet hat das alles nicht. S21, Occupy, Piraten, AfD, ist da irgendwas von ernstzunehmen? Heute medial gehyped, morgen schon vergessen. Und auch auf der Strasse sind die Dinge und Interessenlagen inzwischen so komplex und verknäuelt, dass ein Entwirren aussichtslos erscheint. Das Problem erinnert fatal an den gordischen Knoten.

Ich sehe weit und breit keine politische Kraft, die das Zeug dazu hätte, die etablierten Parteien das Fürchten zu lehren. Die halten gut zusammen, die Linke kann ein Lied davon singen.
Ausserdem: es geht ja auch nicht darum, jetzt alle in die Wüste zu schicken, sondern konstruktive Politik zu machen und vor allem wieder zu einer politischen Kultur zu kommen, die diesen Namen verdient. Das setzt man weder als Regierung noch als Opposition durch, das setzt man nur gemeinsam durch (am besten durch eine neue Verfassung). Toller Appell!

Zugegeben, auf Grasswurzel-Ebene sieht es etwas hoffnungsvoller aus. Aber was hilft das, wenn die anderen inzwischen unser Gemeinwesen demontiert haben.

Vielleicht ist es tatsächlich Zeit für eine neue Verfassung. Vielleicht ist dies der zuallererst notwendige Schritt.

Linus August 13, 2013 um 00:49

@Marlowe:
“Interessanterweise ist in unserer heutigen überalterten Gesellschaft mit zunehmenden “Singels” die Eigentumsfrage hinsichtlich des
“Erbes” und dessen Wirkung bei Auflösung – Rückgabe an den Staat – Neuland?”

Guter Hinweis! Ich habe mir sagen lassen, dass dies in bestimmten politischen Kreisen bereits besprochen wird. Und das sind keine Linken.

gelegentlich August 13, 2013 um 05:31

@Soldat Schwejk

“Ich sehe weit und breit keine politische Kraft, die das Zeug dazu hätte, die etablierten Parteien das Fürchten zu lehren. Die halten gut zusammen, die Linke kann ein Lied davon singen.”

Freiheit muss man halt auch wollen. Es muss eine Art Instinkt dafür da sein. Ich verstehe bis heute nicht wie es Leute auch ganz anderer Meinung zulassen konnten wie man Die Linke einfach in den Medien tabuisiert hat. So durchsichtig, dass man schon aus Prinzip, aus Instinkt heraus, dagegen hätte halten müssen. Wer mit diesem Mittel arbeitet kann nichts Gutes im Schilde führen. Das kann eigentlich auch ein CSU-Anhänger einsehen.

@Natalius
“Huett, kehre zurueck – ich kann sonst nichts mehr für Dich tun! Du allein verantwortest Deine Zukunft. Irgendwann ist es der letzte Löschakt – danach ist es Eigengesetzlichkeit!”
Tragisch, aber wohl war: es gibt auch den Abflug in den Irrsinn… da, wo Sie sind, will man nicht hin. Zuviel “Gnosis”…

petervonkloss August 13, 2013 um 09:24

petervonkloss Januar 31, 2013 um 07:53
DIE DEBATTE IST BEENDET (neuer Titel).
Denn das „paulinische“ Denken des Wir ist am Ende. Der Ausnahmezustand ist als solcher wahrzunehmen!.
Deswegen müssen (wir) Einzelnen springen:
„Die Leitstimmung des Sprungs“
„Der Sprung, das Gewagteste im Vorgehen des anfänglichen Denkens, läßt und wirft alles Geläufige hinter
sich und erwartet nichts unmittelbar vom Seienden, sondern erspringt allem zuvor die Zugehörigkeit zum Seyn
in dessen voller Wesung als Ereignis. Der Sprung erscheint so im Schein des Rüchsichtslosesten und doch ist
er gerade gestimmt von jener Scheu (vgl. Vorblick, 5. Für die Wenigen – Für die Seltenen), in der der Wille
der Vehaltenheit sich übersteigt zur Inständigkeit der fernsten Nähe der zögernden Versagung.
Der Sprung ist das Wagnis eines ersten Vordringens in den Bereich der Seinsgeschichte. (Martin Heidegger)“.
Siehe „Die Hölderlin – Droge“:
http://www.3sat.de/mediathek/index.php?display=1&obj=34558.
Der Holger ist die Holger-Kunstform! und insofern – mit den kleinen Einschränkungen seines eigenen selbstbestimten Schweigens – unendlich unentbehrlich. (Er entfaltet als einer der Wenigen eine authentische
Sprache).
Für ihn habe ich eine Art Gedicht zur Ergänzung seiner bisweilen solipsistischen Neigungen:
„Monismus – das Wort stammt von Goethe, dem vollkommensten Monisten nach Bruno und Spinoza.
„All-Einheits-Glaube“ ist der Grundglaube der ganzen indischen und chinesischen Philosophie, der Indianer,
der Kelten, der Germanen – einzig nur die persisch – jüdische Religion und ihre Nachfolgerin, die christliche,
und deren Nachfolger, der Islam, haben den Dualismus aufgebracht und damit unser eingeborenes Geistesgut
verseucht und verwüstet: Daß zwei feindliche Gegenmächte die Welt regieren. Leben entfaltet sich nur in
Gegensätzen und Widersprüchen, aber sie fallen zusammen in der übernatürlichen Einheit.“
(Jürgen von der Wense)
Auch Morph hat seine Phasen, da denke ich der Junge ist gut, sogar sehr gut (er hat laufend destillierte Texte)
Aber er redet genausoviel wie Holger;
Daher zitiere ich für ihn: „ Nur eine unanständige Heiligkeit führt zu einem genügend glücklichen Selbstverlust.
Die Todesfreude bedeutet………Sie nimmt all dem seinen Sinn, was ein intellektuelles oder moralisches Jenseits,
was Substanz, Gott, unwandelbare Ordnung oder Heil ist…….. Es gilt etwas wiederzufinden, was dem erschliche-
nen Eindringen der Sklavenmoral vorausgegangen ist…….“ (Georges Bataille).
Ich wollte ja schon lange Baudrillard zitieren, traute mich aber nicht wegen der old –school.
Treidelsteins „Kleine Publikumsbeschimpfung“ ist großartig!.
Ich dachte, wer schreibt den ersten derartigen Text!.
Daß hier keiner auf Heidegger oder Nietzsche eingehen kann, ist eine Schande der neueren deutschen Kulturgeschichte.

Think positive August 13, 2013 um 11:53

@Soldat Schwejk August 12, 2013 um 23:09
Tja, aber das Lustige ist, daß die Sozialwissenschaften im Gegensatz etwa zur Physik keine paradigmatischen Wissenschaften sind, es also jede Menge Schulen, Methoden, Wissenschaftssprachen samt ihrer ungesicherten Kategorien gibt. Gerade die von Dir wohl präferierten Theoriestränge (ich nenne sie mal: psychoanalytisch inspirierte Gesellschaftstheorien) zeichnen sich ja nun noch dadurch aus, daß die dortigen Autoren einander höchst gram sind und einander in fast allem widersprechen, daß viele eine eigene Schule ausgebildet haben und sich teils ziemlich hermetischer Sprachen bedienen (die Lacanianer mal als Extrembeispiel).
Insofern, würde Deiner Forderung entsprochen, käme es wohl zu einem Nebeneinanderherreden unterschiedlicher wissenschaftlicher Sprachen und Begriffsysteme, einem wahrhaft babylonischen Gewirr, und letzten Endes würde innerhalb jedes Teilsystems sich ein Guru zu einer charismatischen Herrschaft über die Begriffe aufschwingen. Letztlich läuft es ja in solchen Kreisen auch tatsächlich so. Einer ist der Chef, die anderen sind “die Jünger, die Kunden” (Udo Lindenberg).

Unbestritten ist, dass die heutigen Sozialwissenschaften „jede Menge Schulen, Methoden, Wissenschaftssprachen samt ihrer ungesicherten Kategorien“ aufweisen.
Das werten die einen als „wissenschaftlichen Fortschritt“, andere – zu denen ich gehöre – sehen darin ein Zeitphänomen von Wissenschaftsverfall, welcher durch Rationalitätsverlust und Regression in ein vorwissenschaftliches Stadium gekennzeichnet ist.

Das Phänomen des Wissenschaftsverfalls ist keineswegs neu, man erinnere sich an den Zustand der Wissenschaft zur NS-Zeit, im Stalinismus und Poststalinismus oder in „modernen“ Gottesstaaten, wobei die Erscheinungsform sehr unterschiedlich sein kann.

Im heutigen Wissenschaftsbetrieb zeigt sich der Prozess des Verfalls vor allem in der Denunziation des wissenschaftlichen Wahrheitsanspruchs als Lüge (vgl. v. Foerster) sowie der marktförmigen Beliebigkeit und Vielfalt. In anderen Zeiten und Kontexten manifestiert sich der Rationalitätsverlust durch das Gegenteil, nämlich totalitären Dogmatismus und absoluten Wahrheitsanspruch.

Wobei diese Zustandsbeschreibung jener postmodernen Beliebigkeit und Vielfalt nicht für alle Fakultäten gilt, so finden wir insbesondere in den Wirtschaftswissenschaften einen Markt-Dogmatismus mit Absolutheitsanspruch.

In den USA hat der Kreationismus schon Eingang in die Schulen gefunden, vermutlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis er sich dort auch an den Universitäten etabliert.

Vor der postmodernen Wende gab es im Westen in den Sozialwissenschaften zwar unterschiedliche Schulen (s. z. B. Positivismusstreit), aber die Ausbildung von Wissenschaftlern war nicht schulenzentriert, sondern durch reflexive Distanz zu den unterschiedlichen Schulen gekennzeichnet. So war es in der Soziologie selbstverständlich, dass die Studierenden vertiefte Kenntnisse in allen relevanten Theorieansätzen (Marx, Weber, Parsons, Popper usf.) sowie empirische Methoden erwarben. Genauso selbstverständlich war damals der wissenschaftliche Diskurs zwischen den Vertretern unterschiedlicher Schulen und Richtungen.

Um ein Beispiel zu geben: Dahrendorf war sicherlich kein Anhänger des Marxismus, aber er verstand mehr von der Marxschen Theorie als die meisten Marxisten, insbesondere als jene „marxistischen Wissenschaftler“ im Osten.

Soweit ich die Diskussionen hier verfolgt habe, entsteht Anschlußfähigkeit gerade nicht durch den Slang jeweils einschlägiger akademischer Zirkel… wie sollte es auch, jeder hat halt was anderes gelesen, es gibt nicht mehr DIE Universalwissenschaft… Sondern eben gerade dadurch, daß jeder seine vermeintlichen Einsichten in einer Sprache darbietet, die einem kritischen Alltagsdiskurs zugänglich ist. Das ist möglich, und es hat übrigens auch was mit Emanzipation zu tun…

Die Aussage: „jeder hat halt was anderes gelesen“ beschreibt sehr gut den heutigen Zustand in den Sozialwissenschaften: mit der Folge, dass kaum jemand mehr die professionelle Kompetenz zum schulenübergreifenden Diskurs und zur Metadiskussion entwickelt hat.

In der Psychologie haben Verhaltenspsychologen keine Ahnung von Psychoanalyse und Psychoanalytiker keine von Lern- und Verhaltenstheorie.

Aber kann man einen Psychoanalytiker bzw. Verhaltenspsychologen, der nur in seiner „Schule“ wissenschaftliches Wissen und Kompetenz aufweist, aber in den anderen Entwicklungsrichtungen der Psychologie nicht, als einen „Wissenschaftler der Psychologie“ akzeptieren?

Vor der „postmodernen Wende“ hätte dies dem Wissenschaftsverständnis widersprochen.

An diesem Beispiel zweigt sich die Inkompatibilität von klassischen und postmodernen Wissenschaftsverständnis. Da hat ein Kontinuitätsbruch stattgefunden, ein Bruch in der Wissenschaftskultur, vergleichbar mit jenem Bruch zwischen bürgerlich-aufgeklärter Wissenschaft und faschistischer („arischer“) Wissenschaft. Ich betone: vergleichbar in Art der Inkompatibilität und des Kontinuitätsbruchs, jedoch nicht inhaltlich identisch.

Es erscheint daher unmöglich, zwischen klassischen und postmodernen Wissenschaftsverständnis zu einer gemeinsamen Diskursbasis zu finden, eben weil die Inkompatibilität der Rationalitätskonzepte dies ausschließt.

Die Vorstellung, Anschlussfähigkeit über einen „kritischen Alltagsdiskurs“ herstellen zu können, ist für einen „klassischen Wissenschaftler“ eine wissenschaftsferne Fiktion, genauso der angeblich „gesunde Menschenverstand“.

Carlos Manoso August 13, 2013 um 12:42

@Soldat Schwejk August 12, 2013 um 23:09
das Lustige ist, daß die Sozialwissenschaften im Gegensatz etwa zur Physik keine paradigmatischen Wissenschaften sind, es also jede Menge Schulen, Methoden, Wissenschaftssprachen samt ihrer ungesicherten Kategorien gibt. Gerade die von Dir wohl präferierten Theoriestränge (ich nenne sie mal: psychoanalytisch inspirierte Gesellschaftstheorien) zeichnen sich ja nun noch dadurch aus, daß die dortigen Autoren einander höchst gram sind und einander in fast allem widersprechen, daß viele eine eigene Schule ausgebildet haben und sich teils ziemlich hermetischer Sprachen bedienen“

Soldat Schwejk, man könnte bei „Schulen“ m.E. eine „deutsche“, „französische“ und eine „angelsächsische“ Sicht unterscheiden.

Die deutsche Sicht besteht darin, viele Pyramiden zu bauen, also sich bekämpfende hierarchische Gebilde mit einer breiten Basis, die auf sich bekämpfende Spitzen spitz zulaufen. Die französische Sicht sieht Hängebrücken aus aneinandergereihten schön und intelligent klingenden Wörtern von einem Ufer zu einem anderen Ufer. Die angelsächsische Sicht sieht nur eine horizontale Ebene, auf der einzelne Punkte netzwerkartig verknüpft sind

Andreas Kreuz August 13, 2013 um 13:03

@Think positive August 13, 2013 um 11:53

Da bleibt uns ja nur noch ein gemeinsamer Aphabetisierungskurs.
Nur – sollten wir uns vorher zu einer Sprache,
einem Dialekt und
einem Zahlensystem verständigen…

petervonkloss August 13, 2013 um 14:52
Think positive August 13, 2013 um 22:09

@Andreas Kreuz August 13, 2013 um 13:03
Da bleibt uns ja nur noch ein gemeinsamer Aphabetisierungskurs.
Nur – sollten wir uns vorher zu einer Sprache, einem Dialekt und einem Zahlensystem verständigen…

Es geht nicht um einen „Alphabetisierungskurs“.

Die theoretische Bildung ist ein ernstes Problem und sollte nicht ins Lächerliche gezogen werden

Als SPD noch eine gesellschaftsprogressive progressive Kraft war, war ein Schwerpunkt die theoretische Schulung.
http://de.wikipedia.org/wiki/Reichsparteischule_%28SPD%29
und
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/6/6b/Spdparteischule1907.jpg/689px-Spdparteischule1907.jpg

Keynesianer August 13, 2013 um 22:29

@Think positive

Du meinst wohl, die SPD sollte jetzt wieder anfangen, die Wertform zu analysieren? :)

Damit in der nächsten Krise wieder so ein Hilferding behaupten kann, keynesianische Politik würde den Erkenntnissen von Marx widersprechen?

Woytinsky:

That afternoon the ADGB board met to hear Hilferding on the British devaluation. He characterized the decision of the Bank of England as insanity. London had abdicated its role as the economic center of the world. It would need half a century to recover. Other countries should disengage themselves from the British mess and build up the world economy without Great Britain. Germany`s main task continued to be to protect its currency.
I asked Hilferding, “How will the devaluation of the pound affect unemployment in England?”
“Unemployment will increase,” he replied without hesitation.
“How soon will the increase begin?”
“In a few days … or perhaps a month. Certainly very soon.” (Stormy Passage, S. 467)

Comments on this entry are closed.

Previous post:

Next post: