Über die Interessen der USA in Syrien

by f.luebberding on 3. September 2013

Bisweilen kommt es anders als man denkt. Die Niederlage David Camerons im britischen Unterhaus zu Syrien wird größere Veränderungen bewirken als in den aktuellen Debatten zum Ausdruck kommt. Der einzige handlungsfähige Akteur in der internationalen Politik ist offenkundig immer noch jenes alte Bündnis zwischen den USA und den alten europäischen Großmächten, nämlich Großbritannien und Frankreich. Ohne diesen alten Westen zerfällt die Weltpolitik in ein Chaos aus handlungsunfähigen Großorganisationen, wie die UN oder die EU, und partikularen Einzelinteressen. Im Mittleren Osten sind das klassische Staaten (wie Russland, der Iran, die Türkei, Saudi-Arabien und die Golfemirate, Israel) oder nichtstaatliche Organisationen, von der Hisbollah bis zu Al Kaida Terroristen. Was war nun die Funktion des Westens in dieser Konstellation?

Sicher nicht seine Interessenlosigkeit. Das wäre schlicht naiv. Der Westen (und wir reden hier von besagtem Bündnis und nicht von Zaungästen wie Deutschland) hat im Gegensatz zu allen anderen Akteuren noch ein übergeordnetes Interesse: Nämlich das an Stabilität. Deshalb hatte er bisher in der internationalen Politik zugleich eine Ordnungsfunktion übernehmen können. Das entsprach auch seiner Interessenlage. Die kapitalistische Weltwirtschaft war weitgehend vom Westen geprägt und dominiert worden. Als größter Profiteur dieses kapitalistischen Weltsystems musste er also zugleich eine Ordnungsfunktion übernehmen, wenn es diese spezifische historische Konstellation aufrechterhalten wollte. Das schloß Irrtümer und Niederlagen ein: Vom Verlust Chinas 1948 über Vietnam bis zur Irak-Intervention im Jahr 2003. Der Westen mit seiner Vormacht USA kann diese Funktion aber nur übernehmen, wenn er seine spezifischen Interessen nicht mit denen des von ihm dominierten Weltsystems verwechselt. Wer etwa Kriege nur noch zur Kontrolle von Ölressourcen führt, agiert nicht mehr als imperiale Ordnungsmacht, sondern nur noch als ein weiterer bornierter Einzelakteur. Er sorgt damit selbst für den Zerfall des Ordnungssystems, dessen einziger relevanter Ordnungsfaktor er selber sein muss. Die Rolle einer Hegemonialmacht ist daher ein teures Vergnügen, wie wir seit dem Römischen Imperium wissen. Nun braucht man keine überragenden analytischen Fähigkeiten, um die existentiellen Interessen der USA in Syrien zu definieren.

Sie haben keine, die den Einsatz des amerikanischen Militärs rechtfertigen könnten.

Den USA kann der Zerfall des Mittleren Ostens zwar nicht gleichgültig sein. Wem ist schon alles gleichgültig? Aber das iranische oder saudische Öl brauchen vor allem Japan und China – und nicht die USA. Zudem leben sie geographisch immer noch recht komfortabel: Sie werden vor einer chaotischen Welt vom Atlantik und Pazifik geschützt. Und Syrien liegt nicht vor den Küsten der USA. Die ökonomischen, politischen und humanitären Auswirkungen eines zerfallenden Staates (und einer instabil gewordenen Region) werden daher vor allem die Europäer spüren. Auch wenn das die naiven Deutschen immer noch nicht begriffen haben: Den USA kann Syrien eigentlich gleichgültig sein. Den Deutschen nicht.

Tatsächlich erleben wir jetzt einen Gezeitenwechsel in der Weltpolitik. Der Multilateralist Obama ist dabei, die Rolle der USA in der internationalen Politik neu zu definieren. Er übernimmt nicht mehr mit der früheren Selbstverständlichkeit die beschriebene Funktion der Ordnungsmacht in einer chaotischen Welt. Bis zum jüngeren Bush haben die USA in diesem Bewusstsein der einzigen verbliebenen Weltmacht agiert. Das ist jetzt vorbei: Obama will die Zustimmung des Kongresses für einen Miltäreinsatz, um am Ende nicht alleine für die Folgen einer militärischen Intervention verantwortlich gemacht zu werden. Er zwingt der amerikanischen Innenpolitik damit eine für die Europäer unangenehme Debatte auf: Welche Interessen haben wir eigentlich in Syrien, die einen solchen Einsatz rechtfertigen? Kann es uns nicht völlig egal sein, was am Ende der Welt passiert? Und warum sollen die USA etwas tun, was vor allem den Europäer nutzt (nämlich Stabilität in der Region), wofür sie aber selber nichts tun wollen? Außer jenem substanzlosen Geplapper etwa in Deutschland, dass Frieden besser sei als Krieg? Wenn im US-Kongress so wie im Deutschen Bundestag diskutiert werden wird, müssen die USA die Erkenntnis gewinnen, dass die Europäer in ihrem Hinterhof sehen sollen, wie sie klarkommen. Aber sie werden uns sicher ihre Solidarität brieflich ausdrücken. Vielleicht findet sich dort sogar die Sentenz, Frieden sei besser als Krieg. Sie könnten aber auch praktischerweise das Gerede des Bundesaußenministers übernehmen. Dafür brauchen sie noch nicht einmal die NSA.

Es geht in der amerikanischen Diskussion zu Syrien also nicht um Syrien, sondern um das zukünftige Selbstverständnis einer Weltmacht. Ob sie wirklich noch bereit sein wird, die Funktion einer weltpolitischen Ordnungsmacht zu übernehmen. Die Deutschen werden sich über die Folgen wundern, wenn die Amerikaner ernsthaft beginnen sollten, ihre nationalen Interessen zur Grundlage ihrer Politik zu machen. Im Wahlkampf, so ist zu vermuten, wird das bei uns aber keine Rolle mehr spielen.

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otto September 3, 2013 um 10:09

Schönen Gruß von Horst Köhler und viel Spaß beim verteidigen unserer “Freiheit” weltweit.

f.luebberding f.luebberding September 3, 2013 um 10:13

otto

Das ist übrigens die These: Die USA verlieren den Spass am Verteidigen der Freiheit weltweit. Sie handeln so, wie es Otto wünscht.

holger September 3, 2013 um 10:21

Uiuiui

—>>> Obama will die Zustimmung des Kongresses für einen Miltäreinsatz, um am Ende nicht alleine für die Folgen einer militärischen Intervention verantwortlich gemacht zu werden. Er zwingt der amerikanischen Innenpolitik damit eine für die Europäer unangenehme Debatte auf:”

Dazu wäre ja zu sagen, dass der Herr Friedensnobelpreisträger einen ganzen Stab von “Beratern” hat. Also wollen die, die Zustimmung des Kongresses, warum auch immer.

—>>> Die Deutschen werden sich über die Folgen wundern, wenn die Amerikaner ernsthaft beginnen sollten, ihre nationalen Interessen zur Grundlage ihrer Politik zu machen.”

Yep… sag ich doch schon seit Jahren, wenn die USA sich aus NATO und Europa wirklich zurück ziehen, siehts mau aus.

Die USA so ist zu lesen, werden ihren Blick und Konzentration auf den Pazifik lenken und auf den Milliarden Markt Kina, samt Militär. Dann steht die europäische NATO aber dumm da. Besonders die Deutschen, was die Entente macht, LOL :D

Mich hats ja echt gewundert, dass die CoL das Parlament gefragt hat. Und das gleiche passiert nun an der Ostküste auch.

Da stimmt doch was nicht :D Haben Kina und Russland etwas deutlich gemacht im Fall Syrien (Iran)?

Wie bringt ein US Präsi dem Volk bei, Kina koste was es wolle zu befreien? Ich denke, das wird nach Vietnam schwer zu vermitteln sein.

Nein, ich bleib dabei, das imperalistische Geldvermögen, hat sich anders orientiert.

Aber du hast wirklich recht, was macht Deutschland ohne die Schutzmacht USA?

Unser Militär ist zu nix fähig.

Und ich bin echt gespannt, wenn Deutschland tatsächlich wieder 100% Souveränität erlangt. Wenn es keine Lenkung mehr aus VSA gibt.

Das gibt nur Chaos…

otto September 3, 2013 um 10:25

Welche “Freiheiten” verliert Deutschland denn in Syrien, wenn es sich dort nicht verteidigt?

otto September 3, 2013 um 10:47

Zur Erinnerung Köhlers Wortlaut:
“Meine Einschätzung ist aber, dass wir insgesamt auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen – negativ durch Handel, Arbeitsplätze und Einkommen:”

Grundgesetz Artikel 26
(1) Handlungen, die geeignet sind und in der Absicht vorgenommen werden, das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören, insbesondere die Führung eines Angriffskrieges vorzubereiten, sind verfassungswidrig. Sie sind unter Strafe zu stellen.

§ 80 StGB Vorbereitung eines Angriffskrieges
Wer einen Angriffskrieg (Artikel 26 Abs. 1 des Grundgesetzes), an dem die Bundesrepublik Deutschland beteiligt sein soll, vorbereitet und dadurch die Gefahr eines Krieges für die Bundesrepublik Deutschland herbeiführt, wird mit lebenslanger Freiheitsstrafe oder mit Freiheitsstrafe nicht unter zehn Jahren bestraft.

lily September 3, 2013 um 10:58

@ Frank Lübbering

“Frieden sei besser als Krieg?” Wen willst du hier für dumm verkaufen?

Linus September 3, 2013 um 11:09

Das Wirtschaftssystem der USA beruht wesentlich darauf, dass Öl in Dollar gehandelt wird.

egal September 3, 2013 um 11:12

Von Anfang an waren die USA an den Waffenlieferungen für die syrischen Aufständischen beteiligt. Steht zumindest seit Jahren regelmäßig in der FAZ. Inwiefern wirkte das ordnungsstiftend und stabilisierend?

f.luebberding f.luebberding September 3, 2013 um 11:17

egal

So stabilisierend wie die Waffenlieferungen (und sonstigen Hilfsleistungen) aller anderen Akteure in dem Konflikt. Das ist jetzt nicht wirklich eine Überraschung, oder?

Horst September 3, 2013 um 11:19

“@otto: Schönen Gruß von Horst Köhler und viel Spaß beim verteidigen unserer “Freiheit” weltweit.”

auch im namen meiner frau.

Nionde September 3, 2013 um 11:52

George Galloway´s Rede im britischen Parlament zur Syriendebatte/Abstimmung
http://www.youtube.com/watch?v=Han5fgzy4KU (Vorschau) Tiefster Respekt.
Die Matrix bekommt Risse……

keiner September 3, 2013 um 11:58

Wenn sich der Islamistengürtel von der Straße von Gibraltar bis zum indischen Ozean und weiter bis in den Pazifiz schließt, wird’s für Israel komplett unlustig. Und für die Amis damit auch. DAS dürfte ihr Interesse sein. Schon witzich, einen Beitrag über Sürien zu schreiben, ohne das Wort Israel auch nur einmal zu erwähnen.

Carlos Manoso September 3, 2013 um 12:02

@ F.LUEBBERDING on 3. SEPTEMBER 2013
„Der Westen (und wir reden hier von besagtem Bündnis und nicht von Zaungästen wie Deutschland) hat im Gegensatz zu allen anderen Akteuren noch ein übergeordnetes Interesse: Nämlich das an Stabilität. „

Luebberding, du solltest die Begriffe schon etwas klarer definieren. „Der Westen“ ist gleichbedeutend mit „System des Weltkapitals“. Das „besagte Bündnis“ ist gleichbedeutend mit dem militärischen/bewaffneten Arm des „System des Weltkapitals“, also der NATO. Übergeordnetes Interesse des „Systems des Weltkapitals“ ist der Systemerhalt. Das sollen Begriffe wie „Stabilität“, „Sicherheit“, „Sicherheitspartnerschaft “ und udgl. ausdrücken Sobald das „System des Weltkapitals“ anfängt, Begriffe wie „War on terror“, „Kampf gegen den Terrorismus“ udgl. zu prägen, kommt es in das Stadium, wo es trennscharf zwischen „Freund und Feind“ unterscheiden muss und das absolut zu Vernichtende trennscharf benennen will.

Das “System des Weltkapital” trennt also in diesem Stadium sich selbst trennschärfer in „Gut und Böse“auf. Indem das System das „absolut Böse“ kreiert, will es selbst als das „absolut Gute“ gesehen werden. Dieses Stadium markiert das Stadium der beginnenden Schizophrenie des Systems, ein Stadium, das die Selbstzersetzung des „Systems des Weltkapitals“ immer sichtbarer macht.

„Der Westen mit seiner Vormacht USA kann diese Funktion aber nur übernehmen, wenn er seine spezifischen Interessen nicht mit denen des von ihm dominierten Weltsystems verwechselt. Wer etwa Kriege nur noch zur Kontrolle von Ölressourcen führt, agiert nicht mehr als imperiale Ordnungsmacht, sondern nur noch als ein weiterer bornierter Einzelakteur. Er sorgt damit selbst für den Zerfall des Ordnungssystems, dessen einziger relevanter Ordnungsfaktor er selber sein muss. Die Rolle einer Hegemonialmacht ist daher ein teures Vergnügen“

Luebberding, das „System des Weltkapitals“ hat ein Problem, das absolut unlösbare ist. Zum Funktionieren braucht es die alten „Nationalstaaten“. Die alten „Nationalstaaten“ funktionieren aber nur im Modus der Konkurrenz der Nationalstaaten/ Nationalökonomien. Als “unipolares” Monopol mit einer Hypermacht USA konnte das „System des Weltkapitals“ nur kurze Zeit funktionieren. Zwangsläufig mußte das System sehr schnell wieder in den Modus „multipolares System“ umschalten, weil der USA (und dem System des Weltkapitals) seine ökonomische Basis längst irreversibel zerfällt.

„Es geht in der amerikanischen Diskussion zu Syrien also nicht um Syrien, sondern um das zukünftige Selbstverständnis einer Weltmacht. Ob sie wirklich noch bereit sein wird, die Funktion einer weltpolitischen Ordnungsmacht zu übernehmen. Die Deutschen werden sich über die Folgen wundern, wenn die Amerikaner ernsthaft beginnen sollten, ihre nationalen Interessen zur Grundlage ihrer Politik zu machen.“

Lueberding, das Menetekel der USA waren schon am 11.9.2001 die „twin towers“. Der eine Turm steht für den US-Dollar; der andere Turm steht für die US-Militärmaschine. Wie wir alle im TV gesehen haben, stürzte erst der eine Turm im freien Fall, dann zwangsläufig der zweite Turm im freien Fall.
Wie auch immer das Parlament der USA im September 2013 abstimmt (für oder gegen Angriffskrieg Syrien): das Ergebnis pro oder contra wird in jedem Falle den freien Fall der „twin towers“ nicht aufhalten können.

Die allergrößte Gefahr nicht nur für Deutschland, sondern für die ganze Welt geht ganz klar vom weltweiten Zerfall der US-Militärmaschine aus.Insofern sollten wir hoffen, daß das US-Parlament contra Angriffskrieg gegen Syrien abstimmt. Ein Contra des US-Parlaments würde vielleicht einen kontrollierten Zerfall der “twin towers” eher möglich machen.

egal September 3, 2013 um 12:23

Als die USA Waffen an die Aufständischen lieferten, handelten Sie da aus übergeordnetem Stabilitätsinteresse, aus borniertem Einzelinteresse oder nur aus vermeintlichem Interesse?

f.luebberding f.luebberding September 3, 2013 um 12:51

egal

Noch einmal: Es geht nicht darum, ob die USA über ihre Verbündeten Waffen liefern (wie alle anderen auch. Der geostrategische Hintergrund ist bekannt), sondern was passiert, wenn sie diese nicht mehr liefern. Also sie das machen, was Du vorschlägst. Und welche Interessen die USA an Syrien haben? Bei Lichte betrachtet keines, das den Ärger rechtfertigt.

f.luebberding f.luebberding September 3, 2013 um 13:00

Nur einmal ein Hinweis auf die US-Debatte via DLF.

Die US-Zeitung DETROIT FREE PRESS rät:

“Obama sollte sich nicht darauf beschränken, einen vermutlich ineffektiven, wenn nicht gar kontraproduktiven Raketenangriff zu befehlen, nur weil der Kongress oder die amerikanische Öffentlichkeit eine weitergehende Intervention nicht ertragen könnten. Stattdessen sollte der Präsident beträchtliche militärische Ressourcen für das Ziel einsetzen, jenen Zivilisten einen sicheren Hafen zu bieten, die zwischen die Fronten geraten sind”,

empfiehlt die DETROIT FREE PRESS.

Eine weitere US-Zeitung – die CHICAGO TRIBUNE – nimmt Obama vor Angriffen von konservativen Politikern in Schutz:

“Jene Republikaner, denen die Amerikaner den unseligen Einsatz im Irak zu verdanken haben, verwechseln nun vernünftige Zurückhaltung mit übertriebener Angst. Ein Einmarsch in Syrien ohne auch nur die geringste Ahnung, wie es weitergehen soll, wenn Probleme auftreten, wäre weder mutig noch stark, sondern leichtsinnig und selbstzerstörerisch. Tatsächlich wäre es eine weise Entscheidung Obamas, sich aus dem syrischen Bürgerkieg völlig herauszuhalten. Schließlich hat dieser Konflikt keine echte Auswirkungen auf die Sicherheit Amerikas und ist von US-Seite auch nicht sonderlich beeinflussbar. Immerhin bemüht sich der Präsident um einen Weg, die Risiken für unser militärisches Personal und die Gefahr eines Engagements ohne absehbares Ende möglichst gering zu halten”,

lobt die CHICAGO TRIBUNE.

Pjotr56 September 3, 2013 um 13:09

Das Niveau der Analysen in diesem Blog beeindruckt mich immer wieder auf’s Neue. So interessant es auch sein mag, die verschiedenen Interessen weltweit zu beleuchten – für mich erscheint das aktuell entbehrlich, wenn nicht sogar überflüssig.
Obwohl ich mit dem Verein gar nichts an der Mütze habe, scheint der Vatikan den Syrien-Konflikt sehr realistisch analysiert zu haben:
“Der Sekretär des päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, Mario Toso, warnte im Radio Vatikan vor den Gefahren eines möglichen Angriffs. Der Konflikt in Syrien habe das Potenzial, “um in einem Weltkrieg zu explodieren”, sagte er. Eine “bewaffnete Intervention” könne zudem nicht die Lösung der Probleme in Syrien sein. Dadurch werde die Gewalt nicht abnehmen und die Gefahr bestehe, dass sich der Konflikt auf andere Länder ausdehne.”
(Quelle: http://www.n24.de/n24/Nachrichten/Politik/d/3452570/vatikan-warnt-vor-einem-weltkrieg.html)
Diese Meldung fand ich übrigens in der heutigen Printausgabe von jungewelt.

Keynesianer September 3, 2013 um 13:11

Seit wann sollte es der US-Regierung um die Interessen der USA oder gar der US-Bürger gehen?

Wer Interesse an der Bombardierung Syriens hat, damit es dort danach so zugeht, wie in Afghanistan, Irak und Libyen, ist doch bekannt – also von John Kerry bis Cohn-Bendit. Nach Syrien geht es dann gegen den Iran.

Unbestätigten Gerüchten im Internet zufolge, soll aber die US-Army nicht mitspielen wollen. Was vielleicht auch die Kampagne gegen die der Army zuzuordnende NSA durch unsere “freie Presse” erklärt.

Sonst hat die “freie Presse” es ja nicht so mit Freiheit und Frieden, sondern betreibt jeden Tag Kriegshetze gegen den pösen Diktator Assad und anschließend wohl wieder gegen den Iran. Auch der türkische Präsident schien erst noch etwas Druck aus einem Park in Istanbul benötigt zu haben, ehe er wieder auf Kurs war.

Was steht davon in den Zeitungen?

Dass ausgerechnet der BND jetzt noch bei der Fälschung von Beweisen gegen Assad hilft, wird uns sicher bald gedankt werden, ganz sicher. Die Deutschen waren es!

Linus September 3, 2013 um 13:30

@fl: Ich schrieb es oben schon: “Das Wirtschaftssystem der USA beruht wesentlich darauf, dass Öl in Dollar gehandelt wird.”

Saudi-Arabien hat in diesem Konflikt bereits massiv eingegriffen und versucht, die USA vor den eigenen Karren zu spannen. Der ausgesprochen Teil der Botschaft dabei: Wenn ihr es nicht tut, dann müssen wir uns selbst drum kümmern.
Der unausgesprochene Teil: Wir müssen unser Öl nicht in Dollar handeln.
Und da wird es zappenduster für die USA. Woher sollen sie dann die Devisen nehmen, um ihren Energieverbrauch zu finanzieren?

holger September 3, 2013 um 13:37

Linus

wenn der USD als Weltwechselkurs, auch nur eine militärische Schwäche zeigt, also nicht mehr vollstrecken kann worldwide, dann iss eh aus die Maus…

Das Militär ist Gläubiger im Sinne des USD und Gerichtsvollzieher zu gleich. Für was gibts denn sonst das Militär?

Wäre doch Schwachsinn ne Armee zu unterhalten, die nicht 27 Länder der Wahl befreien darf.

Wenn die Armee keinen Bock darauf mehr hat zu VOLL-STRECKEN, dann wirds hibbelisch…

Auch für das Land am Jordan…

holger September 3, 2013 um 13:39

Linus

das iss ungefähr so, als wie wennste de Klitschko den Schlag-Arm amputieren tätest…

f.luebberding f.luebberding September 3, 2013 um 13:43

Pjotr56

Dedr vatikan hat recht, bis auf einen Irrtum: Die Ausweitung des Konfliktes hat schon längst stattgefunden. Spätestens durch das aktive Eingreifen der Hisbollah und des Iran. Die wieder zunehmende Instabilität des Irak ist auch eine Folge dieser Ausweitung. Die USA denken an eine (begrenzte) Intervention, um das Gleichgewicht zwischen Regierung und Opposition sicherzustellen, also den Sieg Assads zu verhindern. Das Interesse daran hat nur etwas mit der Weltmacht-Rolle der USA zu tun. Die Israelis sind nicht ohne Grund von Obama mehr als irritiert.

holger September 3, 2013 um 13:43

Unn da nun Oh Drama “I have a Dream” nicht alleine entscheiden kann, sondern nur der Vortragende, liegt es Nahe, dass in den USA besonders anner Ostküste, kein gemeinsamer Nenner gefunden ist.

Die VSA haben vor Syrien KAPITULIERT, warum auch immer.

Pjotr56 September 3, 2013 um 13:49

@holger
Sorry, falsches Zitat. Richtig heisst es: “I have a drone”.
http://www.nrhz.de/flyer/media/19160/03-2013-06-17-rt-9998.jpg

Nionde September 3, 2013 um 14:00

@keiner
” Schon witzich, einen Beitrag über Sürien zu schreiben, ohne das Wort Israel auch nur einmal zu erwähnen.”

keine Sorge, ich hole es mit diesem Link nach.

Wieder am Golf von Tonkin
http://apxwn.blogspot.de/2013/09/wieder-am-golf-von-tonkin.html#.UiXOS6xlGUk

holger September 3, 2013 um 14:02

Piotr56 13:49

kenne ich… habs gesehen… deswegen ja, was wollte King und was Odrama

—>>> Die Israelis sind nicht ohne Grund von Obama mehr als irritiert. [fl]

Das ist DER Aspekt… der zählt. Und nur der.

Was passiert, wenn man Israel aufgibt seitens der Ostküste?

holger September 3, 2013 um 14:07

http://www.zeit.de/politik/ausland/2013-09/raketenabschuss-mittelmeer-russland

was steckt da hinter?

Israel hat im Mittelmeer einen Raketentest vorgenommen. Das Manöver sei in Abstimmung mit den US-Streitkräften in dem Gebiet erfolgt, das teilte das israelische Verteidigungsministerium mit. Zu einem möglichen zweiten Raketenstart machte das Ministerium keine Angaben.

Der Raketenabschuss wurde den Angaben zufolge durch das russische Frühwarnsystem in Armawir im Süden Russlands registriert. Verteidigungsminister Sergej Schoigu habe Präsident Wladimir Putin über den Vorfall informiert.

Tja… warum testet man was? Die eigenen Raketen oder das Frühwarnsystem?

Carlos Manoso September 3, 2013 um 14:27

@Linus September 3, 2013 um 13:30
„Saudi-Arabien hat in diesem Konflikt bereits massiv eingegriffen und versucht, die USA vor den eigenen Karren zu spannen. Der ausgesprochen Teil der Botschaft dabei: Wenn ihr es nicht tut, dann müssen wir uns selbst drum kümmern.
Der unausgesprochene Teil: Wir müssen unser Öl nicht in Dollar handeln.
Und da wird es zappenduster für die USA. Woher sollen sie dann die Devisen nehmen, um ihren Energieverbrauch zu finanzieren?“

Linus, „Bis heute ist nur wenig bekannt, dass das saudische Herrscherhaus im Sommer 2001 einen radikalen Kurswechsel plante. Auf offiziellen diplomatischen Kanälen wurde der US-Regierung damals übermittelt, dass die Saudis künftig ihre Politik generell nicht mehr mit den USA abstimmen würden. Die Anschläge vom 11. September machten diese Loslösungspläne nur wenige Wochen später zunichte.“
http://www.heise.de/tp/artikel/39/39753/1.html#l_1

Das US-Parlament hat bis Ende Oktober 2013 noch Zeit, der anstehenden Anhebung der US-Schuldenobergrenze mehrheitlich zuzustimmen. Bis dahin können sich die USA darauf verlassen, dass ihnen der Scheich von Saudi-Arabien und der Sultan von Katar noch die Stange hält und die internationalen Medienhuren wie im Dauerfeuer „false flag“-Lügen verkünden, als wären es Tatsachen.

Kurzum, die Welt wird so was wie „Frieden“ auch in der fernsten Ferne so lange nicht sehen, bis das amerikanische Kartenhaus zusammengefallen ist.

Linus September 3, 2013 um 14:56

@Carlos:
Soweit einverstanden. Aber: Für mich ist es keineswegs ausgemacht, dass die Giftgas-Attacke von Rebellenseite kam.

https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=J5lGXClbzrM

Putin gebraucht ein Argument der Logik, aber gerade die ist Krieg häufig ausgeschaltet. Was fehlt, ist also ein Beweis.

Jedoch auch der würde im Grunde nichts ändern. Beide Kriegsparteien haben bereits eindrucksvoll unter Beweis gestellt, zu was sie fähig sind. Und ein Grund für Intervention wäre doch nicht erst dann gegeben, wenn die Katastrophe schon stattgefunden hat, sondern bereits wenn die Katastrophe droht. So gesehen ist die Frage nach dem Schuldigen ziemlich irrelevant. Sie lässt sich halt gut instrumentalisieren.

Die Russen (nein, wir alle) haben schlechte Erfahrungen mit einseitigen Interventionen des Westens gemacht. Also bliebe allenfalls eine Intervention der Staatengemeinschaft.

Und für die USA sieht es in der Tat schlecht aus. Welche Optionen haben sie noch? Saudi-Arabien besetzen?

h.huett September 3, 2013 um 14:59

Linus

Welche Intervention der Staatengemeinschaft ist Dir erinnerlich, die sich bewährt hat?

Carlos Manoso September 3, 2013 um 15:02

@holger September 3, 2013 um 13:37
„Das Militär ist Gläubiger im Sinne des USD und Gerichtsvollzieher zu gleich. Für was gibts denn sonst das Militär?.. Wenn die Armee keinen Bock darauf mehr hat zu VOLL-STRECKEN, dann wirds hibbelisch…
Auch für das Land am Jordan…“

Holger, schätze mal, „das Land am Jordan“ wird rechtzeitig das Menetekel an der Wand lesen und die List der Vernunft wird es dann zur Vernunft bringen.

Linus September 3, 2013 um 15:27

@huett:
‘Bewährte Interventionen’:
Das ist in der Tat schwierig. Aber denk mal an Ruanda. Was wäre wohl passiert, wenn sich die Staatengemeinschaft überhaupt nicht engagiert hätte?

keiner September 3, 2013 um 15:33

JA mich hat besonders die internationale Intervention nach dem Massaker auf dem Platz des himmlischen Friedens schwer beeindruckt, erst die Marschflugkörper und dann eine Invasion für Frieden, Demokratie, Bürgerrechte und Gewerkschaften. Oder hab ich da jetzt was verwexelt?

Carlos Manoso September 3, 2013 um 16:14

@Linus September 3, 2013 um 14:56
„Und für die USA sieht es in der Tat schlecht aus. Welche Optionen haben sie noch? Saudi-Arabien besetzen?“

Linus, die Gegner oder Rivalen der USA und der westlichen Interventionspolitik sind selber nur Bestandteile des Zerfallsprozesses der „bürgerlichen“ Vernunft. Die „Globalisierung“ erzeugt nun mal ein globales Kraftfeld mit Tendenz zur Barbarei.

h.huett September 3, 2013 um 16:16

Linus

Das frag mal den Kommandeur der Blauhelme, der damals nicht eingriff: http://m.spiegel.de/politik/ausland/a-56799.html#spRedirectedFrom=www&referrrer=https://www.google.de/

Linus September 3, 2013 um 16:45

@huett: Schrieb ich was Gegenteiliges?

someonee September 3, 2013 um 16:47

@lübberding:
“Die Ausweitung des Konfliktes hat schon längst stattgefunden. Spätestens durch das aktive Eingreifen der Hisbollah und des Iran. Die wieder zunehmende Instabilität des Irak ist auch eine Folge dieser Ausweitung. Die USA denken an eine (begrenzte) Intervention, um das Gleichgewicht zwischen Regierung und Opposition sicherzustellen, also den Sieg Assads zu verhindern.”

Also das ist jetzt eine sehr verquere Argumentation. Die zunehmenden Unruhen/Anschläge im Irak sind doch gerade eine Folge der syrischen Rebellenbewegung und ihrer Waffen. Der Maliki drückt dem Assad beide Daumen, schon allein wegen der Separatismstendezen der Kurden. (Und Erdogans Traum einer Großtürkei, in der Türken und Kurden friedlich nebeneiander leben?)

someonee September 3, 2013 um 16:49

“Separatismustendenzen”

Marlowe September 3, 2013 um 17:26

“Tatsächlich erleben wir jetzt einen Gezeitenwechsel in der Weltpolitik. Der Multilateralist Obama ist dabei, die Rolle der USA in der internationalen Politik neu zu definieren. Er übernimmt nicht mehr mit der früheren Selbstverständlichkeit die beschriebene Funktion der Ordnungsmacht in einer chaotischen Welt. ”

So neu ist das nicht. Jetzt mal unabhängig von Syrien. Das ist eigentlich eine schon mit dem ersten Amtsantritt von Obama verknüpfte Forderung, daß die EU-Mitglieder sich aus ihren nationalstaatlichen Ansinnen herauslösen und ein gemeinsames Gremium für die Außenpolitik schaffen.

Um z. Bsp. die USA als Statthalter im Nahen Osten abzulösen.

Oder nein, anders formuliert um überhaupt als handlungsfähiges Gebilde wahrgenommen zu werden.

Innerhalb der EU kommt es regelmäßig in der Außenpolitik zu widersprüchlichen Handlungen und Aussagen der einzelnen Mitgliedsstaaten. Damit aber verwässert sich der Anspruch der EU auf der Weltbühne der Politik und der Wirtschaft ein Wörtchen mitreden zu dürfen.

Tatsächlich ist die Europa gespaltener denn je. Militärische Alleingänge der Franzosen und Engländer, angedrohter Rückzug der Engländer aus der EU, Avancen von Deutschland Richtung Eurasien, Länder innerhalb Europas mit gemeinsamer und eigener Währung, unterschiedliche Rechtssysteme, etc. Zusamenbruch der Nato, Gründung einer europäischen Armee…

Höchst irritierend, wenn Obama Europa anspricht und Merkel wahrnehmen soll.

Ein aus jesuitischer Sichtweise unhaltbarer Zustand, der, wenn hier nicht bald etwas passiert, das Bild von Europa in der Wahrnehmung der anderen verschwinden lassen wird.

Die Amerikaner können nicht überall sein und richten den Fokus auf den asiatisch-pazifischen Raum, während Europa zerfällt.?

Nicht wahr, wirtschftlich gibt es die EURO-Med-Zone, inclusive Israel, also zolltechnisch. Wirtschaftlich soll das mal alles ein Block sein, von Marokko bis Nowosibirsk (Russland in die EU?).

Außenpolitisch aber Unterstützung der Intifada durch einzelne Akteure?? Leos für alle mit Geld, wenn die Deutschen keine Waffen liefern, dann machens eben die Anderen…

Mit dem Käppi an der Klagemauer stehen und gleichsam Ägypten in ein Pulverfass verwandeln.

So wird das nichts.

Syrien ist ein europäisches Problem. Eigentlich.

f.luebberding f.luebberding September 3, 2013 um 17:26

Someonee

Wieso ist eine Argumentation verquer, wenn man ihr gleichzeitig zustimmt? Dass der Irak zum weiteren Schlachtfeld geworden ist, wird ja nicht bestritten. Die Frage, wer denn nun für die Ausweitung verantwortlich zu machen ist, ist am Ende zweitrangig. Nach aller historischer Erfahrung werden alle Konfiktparteien den Feind jeweils dafür verantwortlich machen.

holger September 3, 2013 um 17:46

Marlowe

—>>>Die Amerikaner können nicht überall sein und richten den Fokus auf den asiatisch-pazifischen Raum, während Europa zerfällt.?”

Falls es entgangen ist, Goldman Sachs liebäugelt sein Headquarter nach Singapoor zu verlegen :D

Aber egal, hat bestimmt nichts zu bedeuten. Viehhändler eben… No-Maden #oderso

holger September 3, 2013 um 17:47

Aber von Bauernhöfen und Felder und Viehzucht und deren Ausbeutung, habt ihr ja eh keine Ahnung LOL ;)

Carlos Manoso September 3, 2013 um 19:02

@f.luebberding September 3, 2013 um 17:26
„Wieso ist eine Argumentation verquer, wenn man ihr gleichzeitig zustimmt?“

„Der Kosovo-Krieg: Es begann mit einer Lüge – Deutschlands Weg in den Kosovo Krieg“
http://www.youtube.com/watch?v=NqPnn-GD4-k

http://my.telegraph.co.uk/debatableopinion/debatableopinion/16/u-s-intelligence-agencies-involved-in-chemical-attack-in-syria/

Nionde September 3, 2013 um 19:33

super Kommentar in der FAZ, besser könnte ich es auch nicht beschreiben:

Republikaner Boehner stellt sich hinter Obama

eduard kramer (illampu) – 03.09.2013 18:56 Uhr

Es ist erschütternd, mit anzusehen, wie hier der Schwanz den Hund wackelt und zeigt auf,

wer wirklich in den USA die politischen Richtlinien festlegt. Selbst vor Sophismus schreckt man nicht zurück in dem man erklärt, wer Giftgas eingesetzt hat ist uns egal, entscheidend für ist nur, dass es eingesetzt wurde. Über soviel Dreistigkeit und Unverschämtheit kann man nur erschüttert sein. Offensichtlich wissen auch die Amerikaner inzwischen, dass es die Rebellen waren, macht aber nichts; denn entscheidend ist, sich auf einen dialektischen Vorwand abgestimmt zu haben. Der Straftäter ist dabei völlig irrelevant, die Straftat wird bestraft, selbst wenn es dabei Unschuldige trifft und die Schuldigen belohnt. Die USA und auch Israel sind also fest entschlossen, sich mit der Al-Qaida, aus verschiedenen Interessen, zu verbünden, wenn es ihnen nützlich erscheint. Die USA haben damit die Führung der Schurkenstaaten übernommen und werden sicher alles dafür tun, diese auszubauen. Für Merkel kommt diese Entscheidung sicher 3 Wochen zu früh, für die Wähler rechtzeitig.

Soldat Schwejk September 3, 2013 um 19:54

Nun, es ist offenbar zuallererst ein Stellvertreterkrieg zwischen Saudi-Arabien und Iran um die Hegemonie in jenem Teil der islamischen Welt, oder?

Wenn die Amerikaner vorübergehend eingreifen würden, was sollte das eigentlich bewirken? Offenbar doch nur, daß sich das militärische Kräfteverhältnis in Syrien verschiebt, ohne daß sich an der Grundkonstellation was ändert. Ist ja nicht Bosnien*, wo die faktische Teilung des Landes als politische Lösung eh klar war und es nur noch um den Grenzverlauf ging.

In Syrien wird es mit großer Wahrscheinlichkeit so oder so über Jahre weitergehen, mal mit Erschöpfungs-, mal mit Wiederaufflammphasen, ohne wirklichen Frieden, aber auch ohne Ausweitung über Syrien hinaus. Oder hat jemand ein begründetes anderes Szenario? (jetzt mal ohne die routinehaften Weltkriegsphantasien, die jedesmal herausgeholt werden, wenn es in der Gegend rummst – und die die Friedensbewegung über die Jahre etwas unglaubwürdig haben werden lassen).

Deutschland ist sicher v.a. durch Flüchtlinge betroffen, wie auch seinerzeit im libanesischen Bürgerkrieg. Ist nicht überhaupt der libanesische Bürgerkrieg der nächstliegende Vergleich, nur der Maßstab in Syrien größer?

Deutschland kann sicher ein allgemeines Interesse an Frieden und Stabilität in der Region bekunden, hat aber absolut keine Mittel, das wirksam zu befördern. Dagegen haben etliche der deutschen Partner von Paris über Ankara bis Moskau offenbar eine eigene Agenda. Sinnvoll wäre zwar vermutlich ein absolutes Waffenembargo gegen alle Seiten incl. Saudi-Arabien. Aber wer will das durchsetzen?

Also kann Deutschland effektiv offenbar nichts bewirken, noch nicht einmal diplomatisch, und da erscheint mir weitgehende Zurückhaltung die vernünftigste Lösung. Weder das Verhältnis zu Frankreich noch das zu Rußland wären eine Belastung wegen Syrien wert.

Überhaupt kann man sich fragen, ob es der Stabilität nicht eher zuträglich ist, wenn der Brocken in der Mitte Europas generell eine Politik der Zurückhaltung und Neutralität bei Konflikten in außereuropäischen Räumen sich zu eigen macht, und das umso mehr, je mehr sich die “Flügelmächte” einem widerstreitenden Interventionismus verpflichtet fühlen. Weit hergeholter schiefer Vergleich: Preußens Haltung im Krimkrieg.

Daß das “System des Weltkapitals” identisch wäre mit irgendeiner Mächtekonstellation, scheint mir eine höchst absonderliche Vorstellung zu sein. Ebenso daß es Interessen hätte. Zwischen Akteuren und Systemen wird man doch wohl unterscheiden können, also soviel darf auch auf der Spielwiese erwartet werden…

(*Nun, die Intervention in Bosnien, isoliert betrachtet, hat sich wohl bewährt. Zwar kann man die einseitige anti-serbische Ausrichtung, mit der die deutsche Außenpolitik damals von Beginn an die Balkankonflikte behandelt hat, zu Recht als Öl-ins-Feuer-Gießen ansehen. Aber dennoch hat die Bosnien-Intervention für sich genommen Erfolg gehabt, oder? Immerhin war dort vorher über Jahre geschossen worden, seither aber nicht mehr.)

someone September 3, 2013 um 19:56

@lübberding:
“Die Frage, wer denn nun für die Ausweitung verantwortlich zu machen ist, ist am Ende zweitrangig. Nach aller historischer Erfahrung werden alle Konfiktparteien den Feind jeweils dafür verantwortlich machen.”

Nein, diese Frage ist nicht zweitrangig. Wenn man als Westen dort “Stabilität” möchte, ist die Unterstützung der Rebellen und der Freischärler kontraproduktiv, weil man damit die Spannungen im Irak anheizt. Und dieses Ziel der Stabilität würde ich auch in Frage stellen:
Der Irakkrieg wurde explizit begonnen, um in diese Region Dynamik zu bringen. Dies wurde unbestreitbar auch erreicht, wenn auch nicht unbedingt so wie man sich das vorstellte.
Die Bürgerbewegungen in Nordafrika wurden mit großen Wohlwollen wahrgenommen und unterstützt. Nun sieht man in Syrien und Ägypten die Schattenseiten des Umbruchs. Dann kann man nicht plötzlich sagen, das Interesse des Westens sei Stabilität, wenn er seit Jahren das genaue Gegenteil betrieb.
Nur damit wir uns richtig verstehen, ich würde einen demokratischen Wandel der dortigen Gesellschaften auch begrüßen. Allerdings sollte man nicht jeder Bewegung dort einen Blankoscheck ausstellen und sie vor allem mit Waffen beliefern. Bei einigen Teilen kann man durchaus faschistische Tendenzen wahrnehmen. Eine französische Revolution gebierte nun auch mal solche Leute wie Robespierre und mit solchen Leuten sollte man sich nicht einlassen.

Davon abgesehen hat Putin recht, wenn er sagt, dass man mit diesen ad hoc Einsätzen der letzten Jahre Kriegs- und Friedenszustand verwischt.
Merkel sagte vorgestern ja auch, dass ihr der Sicherheitsrat egal ist, wenn Russland und China nicht kuschen, und sie bereit ist, eine Selbstermächtigung der NATO oder EU mitzutragen. Ob man solch ein Verhalten auch der Schanghai-Organisation zugestehen würde?

wowy September 3, 2013 um 19:59

Europa durfte nicht zu einig werden, der Euro nicht zu bedeutend, die absolute Kontrolle musste her – das hat man geschafft.
Jetzt muss der Petrodollarkapitalismus erhalten werden und dort die Macht gesichert, wo die zukünftigen Konsumenten sind.
Auf dem Weg dorthin erledigt man noch die eine oder andere Gefälligkeit – das ist der Preis.
http://www.zeit.de/politik/ausland/2013-07/schiiten-sunniten-saudi-arabien-machtpolitik-iran

Linus September 3, 2013 um 20:07

@Nionde:
” man erklärt, wer Giftgas eingesetzt hat ist uns egal, entscheidend für ist nur, dass es eingesetzt wurde.”

Es war klar, dass diese Argumentation irgendwann kommen musste. Sie ist mE auch die einzig tragfähige.

Das ist aber kein Blankoscheck. Es gilt weiterhin, dass man die Konsequenzen einer Intervention sehr genau überlegen muss. Damit führt kein Weg an der internationalen Staatengemeinschaft vorbei.

Ich bin mir daher ziemlich sicher, dass dieser taktische Schwenk nicht genug Überzeugungskraft für einen Alleingang entfaltet.

wowy September 3, 2013 um 20:13

@Linus und @huett
Aus der Situation in Ruanda ist R2P entstanden. Zentrale Figur in allen Belangen, Kofi Annan, der auf Druck der USA Generalsekretär der Vereinten Nationen wurde.
Übrigens auch Friedensnobelpreisträger, was immer das auch heißen mag.

Schatten des untergehenden Halbmondes September 3, 2013 um 20:18

@Nionde

>”Die USA und auch Israel sind also fest entschlossen, sich mit der Al-Qaida, aus verschiedenen Interessen, zu verbünden”

Schon in Ägypten, über welches kaum noch berichtet wird, gab und gibt es ja zweifelhafte Konstellationen: Amis, die einen Putsch nicht einen Putsch nennen wollen, zusammen mit Saudis, welchen die sozialistische Mubarak-Clique lieber ist, als die Muslimbrüder, zudem alles wohlwollend von Israel beobachtet.

Jetzt in Syrien wollen die Amis was genau tun? Den sozialistischen Assad schwächen, also Al Kaida stärken und das zusammen mit Saudi-Arabien, während Israel schon mobil macht?

In Ägypten also für, in Syrien gegen die Sozialisten?

Wie kann das sein?

Ich glaube ja, die Saudis und Katar haben eigenmächtig den Syrien-Konflikt hochgefahren – wegen so einem Blödsinn à la Shia vs. Sunni.

Denn der Assad war kein wirklicher Feind Israels! (Und die Amis haben ja bzgl. dieses Landes ihre eigene Staatsräson.) Warum musste Assad also weg? Wegen der Demokratie? Unwahrscheinlich! Denn die Kräfte, die gegen Assad sind, sind im Falle Ägyptens ja nun wirklich nicht pro-demokratisch.

Deshalb erscheint mir ein unabgestimmter Alleingang der Golfaraber auch am wahrscheinlichsten.

Na ja, Spekulationen…

wowy September 3, 2013 um 20:35

Obama fragt den Kongress nur deshalb bezüglich Syrien, damit dieser dann auch der Haushaltsaufstockung zustimmen m u s s (mitgehangen, mitgefangen). Das bedeutet mehr Geld für die Militärs (vorher gehen die niergendswo mehr hin) und mehr Geld für die Rüstungsindustrie.
Ist das eigentlich Planwirtschaft ;-)

"ruby" September 3, 2013 um 20:51

end of an economic regime
http://link.springer.com/book/10.1007/978-3-531-91217-2/page/1
“Das Weltsystem des Erdöls
Entstehungszusammenhang, Funktionsweise, Wandlungstendenzen”
oder
http://www.econbiz.de/en/search/detailed-view/doc/all/das-weltsystem-des-erd%C3%B6ls-entstehungszusammenhang-funktionsweise-wandlungstendenzen-z%C3%BCndorf-lutz/10003716493/?no_cache=1
Braudel und Wallerstein
some scientific soverenity
absolut zukunftsfähig
look inside Seite 276 f
fünf Bestimmungslinien heute topaktuell -siehe syrische verkaufte Erdölschöpfungsrechte an US-Firmen
;-)

h.huett September 3, 2013 um 21:19

wowy

Ruanda und Srebrenica

Nionde September 3, 2013 um 21:21

@ruby
die Cruise Missiles gegen Gaddafi wurden von dem konfizierten Auslandsvermögen der Libyer akurat abgebucht, es war ein Deal der Freunde Libyens incl. AQ, aka Katar, Israel und der westlichen Wertegemeinschaft mit den Rebellen Marionetten am Boden. Irgendwie irrwitzig, tragisch. Die Finanzierung des eigenen Untergangs….. naja anscheinend Lauf der Welt

Konrad September 3, 2013 um 21:41

@ fl
“Der Westen (und wir reden hier von besagtem Bündnis und nicht von Zaungästen wie Deutschland) hat im Gegensatz zu allen anderen Akteuren noch ein übergeordnetes Interesse: Nämlich das an Stabilität.”

Zwei Brüller in einem Satz:
1. Vor einigen Wochen war noch der ganze Westen “Zaungast”, => jetzt “Umgestalter” offiziell nach @fl ;-).
2.Interesse an Stabilität => eben nicht: Beschäftigungstherapie für “die Anderen”.

Konrad September 3, 2013 um 21:44

Übrigens vielleicht wird der Obama doch noch der amerikanische “Gorbatschow”. Hätte wirklich nicht gedacht!

"ruby" September 3, 2013 um 21:45

@ Nionde
Für alle die auf winning setzen :
Soddy`s
Solar-Solutions
Savings
;-)
end of an financesystem
have new fantasies !

Nionde September 3, 2013 um 21:58

@Ruby
Alba, BRICS incl. China, Rußland werden aus den libyschen Erfahrungen gelernt haben. Dollar-Oil Currency… Commodities for nothing will end up in a Nightmare und damit das westliche Unwertesystem.

Linus September 3, 2013 um 22:00

@Schatten:
“Ich glaube ja, die Saudis und Katar haben eigenmächtig den Syrien-Konflikt hochgefahren – wegen so einem Blödsinn à la Shia vs. Sunni.”

Ich hab nun wirklich keine Ahnung von, aber das glaube ich überhaupt nicht, zumindest nicht in Syrien. Beide sind viel zu sehr “Geschäftsmänner”, als dass sie sowas wirklich interessieren würde. Als ‘vorgeschobenes’ Motiv ist das allerdings ein wunderbarer Aufhänger, um hegemoniale Ansprüche durchzusetzen.

Insgesamt scheint mir das Saudi-USA-Verhältnis inzwischen deutlich belastet. Ich könnte mir vorstellen, dass den Saudis allmählich das Öl ausgeht, und sie dementsprechend vorbauen wollen. Offensichtlich reicht ihnen der alte Deal mit den USA ‘Sicherheit gegen Öl’ nicht mehr.

Gut möglich, dass es den Saudis erstmal darum geht, die Konkurrenzproduzenten im Nahen Osten möglichst klein zu halten, um bei ihren knapper werdenden Vorräten nicht aus dem Spiel gekickt zu werden. Aus dieser Perspektive wäre es von Vorteil, den Syrien-Konflikt am Köcheln zu halten.

Auf lange Sicht werden sie sicherlich versuchen, eine Art Wirtschaftszentrum des NO zu errichten. Da ist der Iran natürlich der grosse Konkurrent. Und gegen den mobilisiert man am Besten mit Religion.

Insgesamt habe ich aber keinen Plan, an was die sich ausrichten. Wäre schön, wenn hier jemand deren Politik erklären könnte, auch was ihre Rolle in Ägypten anbetrifft.
Ebenso interessant wäre es, mal deren Verhältnis zu Al Kaida zu durchleuchten. Machen die sich keine Sorgen, dass sich das mal gegen sie richten könnte?

Schatten des untergehenden Halbmondes September 3, 2013 um 22:09

@Linus

>” Als ‘vorgeschobenes’ Motiv ist das allerdings ein wunderbarer Aufhänger, um hegemoniale Ansprüche durchzusetzen.”

Ja, die Iraner + Shiiten hatten ja so eine Linie vom Iran über den shiitischen Süden Iraks, das shiitisch dominierte Syrien bis zur shiitischen Hisbollah (+ shiitische Amal?) im Libanon.

So ziemlich entlang des “Grünen Halbmondes”
http://en.wikipedia.org/wiki/Fertile_Crescent

Nur wären die Saudis eher aufgefordert, zu dessen Entwicklung mit ihren Ölmilliarden beizutragen, statt mit Waffen und Kämpfern.

wowy September 3, 2013 um 22:27

@Linus
Das ist in erster Linie eine Dynastische Frage.
https://de.wikipedia.org/wiki/Dynastie_der_Saud

Nionde September 3, 2013 um 22:30

super Beitrag bei Zerohedge für alle Krugman Fans, aka Keynes supporters

http://www.zerohedge.com/news/2013-09-03/no-electricity-or-toilet-paper-small-price-pay-all-time-highs

No Electricity Or Toilet Paper Is A Small Price To Pay For “All Time Highs”

So: all time stock highs but no toiler paper or electricity… oh and a constantly devaluaing currency of course, which is the only reason for the stock market performance? At what point does the stock market surge no longer serve as a distraction to what is plain and simple social collapse (not only in Venezuela): is the breaking point civil war, cannibalism, the zombie apocalypse, or thermonuclear war? Luckily, if and when the US attacks Syria, we made find out soon.

DAX 10000 ….. yeh! even the German will think twice without toiletpapers. Sie gehen zwar nicht ohne Bahnsteigkarte auf den Bahnsteig, aber you never know, how they are acting without toilet paper. ;-) long Toilet Paper! Long Revolution!

Carlos Manoso September 3, 2013 um 22:30

@Soldat Schwejk September 3, 2013 um 19:54
„Daß das “System des Weltkapitals” identisch wäre mit irgendeiner Mächtekonstellation, scheint mir eine höchst absonderliche Vorstellung zu sein. Ebenso daß es Interessen hätte. Zwischen Akteuren und Systemen wird man doch wohl unterscheiden können, also soviel darf auch auf der Spielwiese erwartet werden…“

Soldat Schwejk, ich zitiere mich jetzt mal selbst: „das „System des Weltkapitals“ hat ein Problem, das absolut unlösbar ist. Zum Funktionieren braucht es die alten „Nationalstaaten“. Die alten „Nationalstaaten“ funktionieren aber nur im Modus der Konkurrenz der Nationalstaaten/ Nationalökonomien.„ Oder anders gesagt, „agierte“ das „System des Weltkapitals“ bisher – im alten Modus – in der Form der Konkurrenz der Nationalstaaten/Nationalökonomien.

Das „System des Weltkapitals“ transformiert sich immer schneller in einen höher integrierten Funktionsmodus. Beispielsweise kontrollieren inzwischen 147 transnationale Konzerne ca. 40 Prozent der gesamten Weltwirtschaft, quer zu den bestehenden nationalökonomischen Strukturen. Konkret bedeutet das, dass die Macht von immer mehr kleinen und mittleren Nationalstaaten immer geringer wird und die Macht der 147 transnationalen Konzerne immer größer wird.

Im „System des Weltkapitals” haben Politiker von kleineren und mittleren Staaten zunehmend nur noch die Rolle von Schauspielern auf der Bühne, während die tatsächliche „Politik“ im Hintergrund „gemacht“ wird von den Chefs von 147 transnationalen Konzernen, die niemand kennt und niemand außerhalb der transnationalen Konzerne wählen kann. Politische Wahlinszenierungen werden im „System des Weltkapitals” am Ende so überflüssig wie „Politik“

wowy September 3, 2013 um 22:34

Die große Nähe zu den USA wird der Familie der Saud langsam zum Problem. Besonders, aber nicht ausschließlich, wegen des Iran. Die Saudis wollen das Problem deshalb unbedingt “gelöst” haben.

holger September 3, 2013 um 22:38

carlos

—>>>während die tatsächliche „Politik“ im Hintergrund „gemacht“ wird von den Chefs von 147 transnationalen Konzernen”

Du glaubst aber auch jeden Humbug :D Zertifizierungs-Institute machen das… :D

Derer Zahl ist auf esoterischer Weise auf 7 begrenzt ;)

Trete mal in deinem SUV auf die Bremse LOL

Oder guck dir die Normungen an… WER macht die?

http://youtu.be/MWUJvTyl-m4

wowy September 3, 2013 um 22:40
f.luebberding f.luebberding September 3, 2013 um 22:42

Konrad

Stimmt. Vor wenigen Wochen war das auch noch so. Allerdings hat Obama wohl seine Meinung geändert. Wobei sicher bin ich mir dabei auch nicht.

Nionde September 3, 2013 um 22:46

wo bleibt das Popcorn…..

http://www.zerohedge.com/news/2013-09-03/russia-sends-two-marine-carrying-ships-mediterranean

Hat jemand schon die Koffer gepackt?

Konrad September 3, 2013 um 22:47

Meinung geändert?
Darf Assad jetzt bleiben? ;-)

Soldat Schwejk September 3, 2013 um 22:55

@ Schatten – “Denn der Assad war kein wirklicher Feind Israels!”

Natürlich nicht. Deshalb finde ich die ganzen reflexhaften Verweise auf Israel als maßgeblichen Akteur auch ziemlich lächerlich. Natürlich haben die gewisse Sicherheitsinteressen, wenn es gerade nördlich und südlich von ihnen kracht. Aber mit Assad sen. & jun. hatte man sich ja irgendwie arrangiert.

Wenn man so will, Israel hat an seinen Grenzen zwei Feinde: die sunnitische Hamas und die schiitische Hisbollah. Die waren einander nicht grün, die einen kriegten Waffen & Geld aus Katar und von den Saudis, die anderen aus dem Iran und Syrien. (Assad hatte dabei aber v.a. Interessen im Libanon selbst.) – Wenn Israel Streß im Norden hatte, dann war es im Süden ruhig… und umgekehrt.

Was Israel davon gewönne, wenn sich das änderte und wenn statt der Assad-Regierungstruppen jetzt hinter dem Golan irgendwelche sunnitischen Milizen das Kommando übernehmen würden, das verstehe wer will. Und in ihren eigenen Sicherheitsbelangen wird man bei den Israelis wohl einige Kompetenz vermuten können.

Aber es gibt hierzulande natürlich diesen hartnäckigen Reflex, beim jedem Herumgeballere in dem Raum mit dem Finger auf Israel zu zeigen. Hat was von einer kollektiven Neurose an sich…

wowy September 3, 2013 um 22:58
"ruby" September 3, 2013 um 23:23

Dank zurück an Ritter Edward !
Übersetzung:
“Meine Dankbarkeit gilt all denen, die ihre Freunde und ihre Familie angesprochen haben, um ihnen zu erklären, warum verdachtsunabhängige Überwachung ein Problem ist. Sie gilt dem maskierten Mann auf der Straße an einem heißen Tag und der Frau mit einem Schild und einem Schirm im Regen. Sie gilt den Studenten mit Stickern für Freiheitsrechte auf ihren Laptops, und dem Jungen hinten im Klassenraum, der Internet-Memes erfindet. Alle diese Menschen erkennen, dass Veränderung mit einer einzigen Stimme beginnt, und sie alle überbrachten der Welt eine Botschaft: Regierungen müssen für ihre Entscheidungen Rechenschaft ablegen. Entscheidungen darüber, wie die Welt aussehen wird, in der wir leben. Die Entscheidung, welche Rechte und Freiheiten die Menschen haben, muss öffentlich gefällt werden, und nicht von den Regierungen im Geheimen.”
Original:
“My gratitude belongs to all of those who have reached out to their friends and family to explain why suspicionless surveillance matters. It belongs to the man in a mask on the street on a hot day and the women with a sign and an umbrella in the rain, it belongs to the young people in college with a civil liberty sticker on their laptop, and the kid in the back of a class in high school making memes. All of these people accept that change begins with a single voice and spoke one message to the world: governments must be accountable to us for the decisions that they make. Decisions regarding the kind of world we will live in. What kind of rights and freedoms individuals will enjoy are the domain of the public, not the government in the dark. ”

aus :
http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2013-09/edward-snowden-whistleblower-preis-rede

Linus September 3, 2013 um 23:26

@wowy:
https://en.wikipedia.org/wiki/Iran%E2%80%93Saudi_Arabia_relations

Schöner Link. Scheint sich um ein ziemlich bewegtes Verhältnis zu handeln, besonders hier:
“In 2007, President Ahmadinejad of Iran attended the first-ever annual summit of the Gulf Cooperation Council (GCC) which was established in 1988 with an aim of containing revolutionary Iran. This visit by the President of Iran was an event which signaled a possible change. Soon after the meeting, Saudi Arabia, the biggest member out of the six GCC states and which has also long been hostile to Iran, invited Mr. Ahmadinejad to Saudi Arabia to take part in the annual Hajj (pilgrimage) to Mecca.

In 2009, Saudi prince Faisal said in a press conference with Hillary Clinton that the “threat posed by Iran demanded a more immediate solution than sanctions.” A statement condemned by Iranian officials.[26]

On 11 October 2011 US Attorney General Eric Holder accused Iran of planning to assassinate the Saudi-Arabian ambassador to the United States.”

Ich habe vorhin ein bisschen bei wiki/Al-Qaida geblättert.
In den 90′ern war der Sturz des saudischen Königshauses noch erklärtes Ziel. Da gab es auch einige Anschläge im Zusammenhang mit US-Basen in SA.
Später hat sich das dann im Sande verlaufen. Dafür erhält AQ heute wesentliche Gelder aus SA, aus – von der Umma verordneten – Charity-Spenden.
Überhaupt scheint das Verhältnis zwischen Königshaus und wahabitischer Umma ziemlich undurchsichtig. Man könnte meinen, es handelt sich um einen Deal gemäss ‘Ihr lasst uns feiern und wir finanzieren euch euren Glaubenskrieg’. Sehr sonderbar das alles.

Testbild September 3, 2013 um 23:37

Lucke:Auch der erwartete Primärüberschuss sei reine Augenwischerei, denn er werde nur erzielt, weil die griechische Regierung fast keinerlei Rechnungen mehr begleicht und den Verpflichtungen gegenüber den Bürgern nicht nachkommt. Griechenland sei weit davon entfernt, über tatsächliche Budgetüberschüsse zu verfügen.

"ruby" September 4, 2013 um 00:36

Prophezeiung:
Fahre mit dem Wagen durch unsere Stadt und erkenne im vorbeifahren eine Frau mit Guy Fawkes Maske.
Zeige mit Sonnenbrille spontan das Ackermann-Victory-Zeichen
http://thebuyablesluts.files.wordpress.com/2012/06/ackermann_victory_01.jpeg
und erhalte ein fröhliches freudiges zurückwinken – Gemeinschaftlichkeit ohne Worte
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/feature/2208163/
Septemberrevolution 2013 in Leningrad
;-)

FUCK YOU, WARMONGERS! September 4, 2013 um 00:41

silvermail
silvermail’s picture

Russian missiles out of date? LOL
Only one volley of new Russian missile system “Yakhont” (Sunburn), will guaranteed to send to the bottom, all the ships of sixth Navy U.S.

I remind you that the new system “Yakhont” – is 72 rockets in 24 mines. They can carry a tactical nuclear warhead. And they behave like a pack of wolves. The first missile does not go to the ship for attack, before moment when the last missile will go out of the mine.
After that, all of they attack to the main ship. After the defeat of the first goal, the remaining rocket doing attack to the second ship. And so on. Do not be naive, the U.S. has no means of protection against these Russian missiles and everybody in the Pentagon well knows about this.

"ruby" September 4, 2013 um 00:43

Nachruf:
“Vor Coase war das Denken über externe Effekte stark von dem britischen Ökonomen Arthur Cecil Pigou geprägt gewesen. Pigou hatte für den Fall negativer externer Effekte im wesentlichen drei Vorschläge unterbreitet, die allesamt mit staatlichen Eingriffen verbunden sind:

- Schadenersatzzahlungen vom Schädiger an die Geschädigten,

- eine Besteuerung der Schäden auslösenden Tätigkeit, in der Fachwelt “Pigou-Steuer” genannt. Ein CO2-Steuer wäre ein Musterbeispiel.

- ein Verbot der externe Schäden anrichtenden Tätigkeit, z.B. zum Beispiel das Verbot des Betriebs von Kraftwerken mit starken Schadstoffemissionen.

Das Coase-Theorem bot die Möglichkeit, mit ökonomischer Argumentation Staatseingriffe in Frage zu stellen und statt dessen auf Marktlösungen zu vertrauen, indem man Eigentumsrechte am externen Effekt, zum Beispiel Verschmutzungsrechte, schafft und diese handelbar macht.”
aus:
http://blogs.faz.net/fazit/2013/09/03/ronald-coase-ist-tot-2582/
@ GB
Sehr gute Zusammenfassung !
Mercie Bien

"ruby" September 4, 2013 um 00:50

Will mal jemand den Preis für die Kilowattstunde Atomstrom aus Fukushima nachkalkulieren?

01:05 Uhr 2254 Deutschlandradio Kultur 04.09.2013
Nachtgespräche am Telefon 00800 – 22542254

Die Lage in Fukushima ist weiter außer Kontrolle: Befürchten Sie Folgen auch für uns in Europa?

Auch fast zweieinhalb Jahre nach dem GAU von Fukushima ist die Lage rund ums das havarierte japanische Atomkraftwerk außer Kontrolle: Weiterhin fließen Unmengen verseuchten Wassers ins Meer, die Strahlendosis im Katastrophengebiet ist lebensbedrohlich. Befürchten Sie, dass über die Nahrungsketten auch unsere Lebensmittel immer mehr belastet werden? Steht Fukushima als Symbol dafür, dass Atomkraft nicht beherrschbar und daher extrem gefährlich ist? Muss die Welt weiter hilflos zusehen, wie die Betreiberfirma und die Regierung in Tokio bei der Krisenbewältigung versagen?

Moderation: Birgit Kolkmann

@ Holger
Was sagst Du zur Vereisungstechnik?

petervonkloss September 4, 2013 um 03:43

Youth Bulge in der Levante.
Für unsere Fortschrittsfeunde, und ohne die Friedensbewegten, denkt da einer ganz verzwickt und ins unvermeidlich
Tragische hinein.
Ich tippe mal auf einen 30jährigen, (dritte) Welt -Weltkrieg I.
………und wir könnten uns vor Flüchtlingen kaum noch retten!

http://blog.zeit.de/joerglau/2013/06/27/gastbeitrag-jugenduberhang-und-neuer-konfessionskrieg_6043/comment-page-2#comments
“Holm ist nichts für an eher schlichte texte gewöhnte schnelleser.”

“Die Geburtenraten sinken aktuell rapide.” – Und daher: Strategische Torschlusspanik, jetzt oder nie. Iran: die 45-Jährigen sehen, dass sie von den jetzt 25-Jährigen kaum die Hälfte für sich haben und Folgegeneration: Fehlanzeige.

Dito etwas zeitversetzt: Türken und Araber. Bei den Kurden müssen die Alt-Kader fürchten, dass sich ihnen die Jugend von der säkularen Revolutions-Flagge weg islamisiert:

“Nine years later she left the organization, after a fight over the way female fighters should dress for sports. She demanded they should wear T-shirts and shorts, just like the men. When she insisted, she was locked away for a month, only to be released after her team and other comrades openly took a stand in her favor.”

Wenn schon der Apo-Kult von der Renaissance der Scham-Kultur angekränkelt werden kann, dann ist doch alles zu spät.

Bei Heinsohn gibt es einen Hinweis, dass die Japanische Armeeführung sich unter dem Endruck des letzten Rekrutenjahrgangs zum Krieg entschieden hatten, der noch stärker war, als der vorherige.

Die Botschaft: ‘Die nächsten werden weniger sein’ hießt: Jetzt oder nie. Neuer Katastrophenbericht von der ICG:

http://www.crisisgroup.org/en/regions/middle-east-north-africa/egypt-syria-lebanon/syria/143-syrias-metastasising-conflicts.aspx „ Thomas Holm.

„So fing aber alles an: “Ein kluges Wort, schon ist man Kommunist”.
Vierzig Jahre später haben wir die 180° geschafft.“ Thomas Holm.

„Das hatten wir uns doch alle ein wenig anders vorgestellt, im 21. Jahrhundert nach der Abschüttelung westlicher Bevormundung, der Entmachtung der schießwütigen NeoCons und dem Aufstand der Anständigen gegen Intoleranz und Islamophpbie, für Diversität und Buntheit, oder ?

Ist nicht solch vergnügliche Schnodderigkeit als Acedia (ἀκήδεια ‘Sorglosigkeit, Nachlässigkeit) unter die Todsünden von Geist, Seele und Gemüt zu rechnen – im Zeitalter von Wissensverarbeitung und der Globalisierung von Empathie ? Geben Sie mal “Frühling” in die Suchfunktion dieses blogs (Zeit) ein.“ Thomas Holm.

holger September 4, 2013 um 08:23

ruby

—>>>@ Holger
Was sagst Du zur Vereisungstechnik?”

Was strahlt strahlt :D ob fest, flüssig, gasförmig wie stark weiß ich nicht, kein praktische Ahnung…

ich gebe zurück nach Damaskus…

petervonkloss September 4, 2013 um 08:58

h.huett August 30, 2013 um 21:28
momo
„PvK ist ein Rassist, jedenfalls argumentiert er so.“

Der Impetus der totalen Mitgliedschaft innerhalb der monotheistischen Kulturen, hat das Postulat der „Gleichheit“ zur Voraussetzung. Das Ganze erst recht angesichts der industriellen Globalisierung, die in der Tendenz die schwächeren Kulturen einebnet. Angesichts dieser „Gleichheit“, haben Chinesen ihre Mauer nur noch konservieren können; wiewohl sie in ihr Riesenreich, wie die Japaner im Kleineren, insgesamt und in der Regel auch Heute keine Ausländer reinlassen! Aus alter Weisheit wissen sie noch, mit diesen Dingen wohldosiert umzugehen.

Dagegen die Christlich – Sozialistische Decadenz und Besiegtengeistigkeit der Deutschen. Sie neigen in ihrem verweichlichten, anscheinend immerwährenden Schuldkomplex, zu kompensierenden Maßlosigkeiten , die der Willfährigkeit käuflicher Frauen und Männer entspricht.

Deutschland ist die Sado – Maso – Nutte Europas, die in asiatischen Augen noch verehrt, aber zusehends skeptisch beäugt wird, ob ihres zu weit gehenden laissez-faire……und der KGB-Mann Putin lächelt auch über die Deutschen, und läßt ihre Post-68iger-Mentalität nur sehr wenig in sein Land. Insgesamt sind die Europäer die total Verwirrten
des Christlich – Sozialistischen Ethos., der eine Falschübersetzung des Griechischen ins Gemeine der Gleichheit
darstellt.
Das heraklitische „Einer gilt mir mehr, als Zehntausend“, ist eine Maxime der Wenigen und der Seltenen, die es in
vielen Kulturen gibt!
Nichtsdestotrotz wird Europa vor der drohenden, levantinischen Katastrophe, nicht darum herumkommen, eine eini-
germaßen sichere „Mauer“ zu bauen, wie es die vereinigten, multikulturellen Staaten von Amerika gegenüber Mexiko, immer sicherer realisieren……….Dies ist die Zukunft einer überbevölkerten, im optischen Gleichheitswahn der Medien befangenen Welt.

h.huett September 4, 2013 um 09:23

pvk

Ein bisschen viel Vertikalspannung, hm? Zu viel Mohler inhaliert? Spengler? Zur falschen Zeit? Und das als Panzer missverstanden?

Nichts für ungut. Auch diese copy & paste Wiedergängerseligkeit hat ihren Platz. Im Museum der Lächerlichkeit. Natürlich der erhabenen Lächerlichkeit.

Linus September 4, 2013 um 10:13
holger September 4, 2013 um 10:16

Also nun doch,

das Gesicht von der VSA wird in 60/90 Tagen gepackt… Ein paar Bomben hier, ein paar Bomben da… nur so aus Prinzip, bringen wirds wohl Nichts.

Und da regt sich die “Bild” samt DFB auf, wenn im Stadion mal ein paar Pyros gezündet werden.

Der Obama kann ja schon einem Leid tun… kein anständiger Krieg?

holger September 4, 2013 um 10:22

Nix mehr im Portfolio?

http://de.wikipedia.org/wiki/Agent_Orange
http://de.wikipedia.org/wiki/Napalm

Obwohl Entlaubungsmittel braucht man in Syrien wohl nicht.

Egal… immer feste druff…

holger September 4, 2013 um 10:26

Eigentlich müsste man sich ja mal Fragen, wie lange die Weltgemeinschaft sich diese Irren Leader in den USA noch leisten kann.

Sind ja nicht die Einwohner. Also die ich kenne, sind nett.

petervonkloss September 4, 2013 um 10:38

@ h.huett
Lieber, im ersten Beitrag von heute, ist es sicherlich als von mir als solches Bezeichnetes copy & paste. Aber das ist auch Alles.
Ansonsten bist du für deine „Verknüpfungen“ im Strang der Zeit selbst verantwortlich und hoffentlich fair.

testbild September 4, 2013 um 10:50

“Den USA kann Syrien eigentlich gleichgültig sein. Den Deutschen nicht.”

Den USA könnte Syrien in der Tat eigentlich gleichgültig sein – wenn sie nicht die Weltherrschaft anstreben würden (-> Full-Spectrum-Dominance-Doktrin, die).

Den Deutschen sowieso (->DIERCKE’s GROSER WELTATLAS, der)!

Israel, Saudiarabia, Türkistan, Katarsien könnte Syrien in der Tat eigentlich überhauptnich gleichgültig sein.

Und in den USA wird immer noch das gemacht, was Israel will. Und Israel möschte die blutigstmöglich-blutige Balkansisierung seiner moslemistischen Nachbarstaaten. Period. Punkt. Basta.

Auch der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu meldete sich zu Wort. Er bezeichnete den mutmaßlichen Giftgasangriff als “furchtbare Tragödie und Verbrechen”. So könne es nicht weitergehen. “Die gefährlichsten Regime der Welt dürfen nicht die gefährlichsten Waffen der Welt haben.” Israel wisse seine Bürger im Notfall selbst zu verteidigen, betonte er. Man werde sich verantwortlich verhalten, aber “notfalls ist unser Finger am Abzugshahn”, sagte Netanjahu.

Staatspräsident Schimon Peres rief die internationale Gemeinschaft dazu auf, die Chemiewaffen in Syrien “zu beseitigen”. Dies sei zwar schwierig und kostspielig, aber “es wird noch teurer und gefährlicher, nicht zu handeln”, sagte er, ohne explizit ein militärisches Eingreifen anzusprechen.

Die israelische Justizministerin Zipi Livni betonte angesichts eines möglichen US-Militärschlags in Syrien, Israel verfolge weiterhin eine Politik der Nichteinmischung(LOOOOL). US-Präsident Barack Obama müsse in der Frage einer militärischen Intervention in Syrien eine “sehr dramatische Entscheidung” treffen, sagte sie dem israelischen Rundfunk.

Huuh September 4, 2013 um 11:15

h.huett September 4, 2013 um 09:23

Ein Museum für Lächerlichkeit halte ich für eine ausgezeichnete Idee. Es sollte dort jeder etwas hineinstellen können, der zwei Bedingungen erfüllt. Zum ersten eine eidesstattliche Erklärung, dass er seinen Ausstellungsgegenstand für wichtig erachtet. Völlig egal in welcher Beziehung. Wichtig also auch universell.

Und zweitens sein Einverständnis, dass er von anderen Besuchern selbst als wichtiges Ausstellungsstück betrachtet werden kann.

Huuh September 4, 2013 um 11:25

@ holger

Habe am Montag im letzten Moment den Busfahrer der Eintracht für 45 Millionen freigeschaltet. Nur als Hinweis für Dich. Kann ja sein, dass die nun einen Ballonfahrer suchen. Auf jeden Fall müssen die nun nach oben.

Marlowe September 4, 2013 um 11:34

Merkel, die Bundeskanzlerin in spe, die sagte ja gestern ganz klar, daß sich Deutschland nicht beteiligen wolle?

Ja und was ist mit der Bundeswehr in der Türkei? Also diese Patriot-Flugabwehrraketen?

Aus der Jungen Welt:

“Thomas Kossendey, Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium, antwortete unterdessen am Dienstag auf eine schriftliche Frage der Linke-Bundestagsabgeordneten Sevim Dagdelen hin. Demnach würden die deutschen Systeme in der Türkei zum Einsatz kommen, »wenn syrische Flugkörper oder Luftfahrzeuge in den türkischen Luftraum eindringen sollten« – offenbar unabhängig davon, ob dieses Eindringen eine Angriffs- oder eine Verteidigungshandlung darstellt.

Und überhaupt ist der EU-Anwärter Türkei, der sich mit USA verbündet, die EU links liegen lässt sogar einen Austritt aus der UN für möglich hält, der jedenfalls möchte, wenn schon denn schon, einen Einsatz wie damals im Kosovo. Seine Truppen sind marschbereit. Also der Erdogan, der macht das schon.

Carlos Manoso September 4, 2013 um 13:00

@Linus September 3, 2013 um 23:26
„Ich habe vorhin ein bisschen bei wiki/Al-Qaida geblättert.
In den 90′ern war der Sturz des saudischen Königshauses noch erklärtes Ziel. Da gab es auch einige Anschläge im Zusammenhang mit US-Basen in SA.
Später hat sich das dann im Sande verlaufen. Dafür erhält AQ heute wesentliche Gelder aus SA, aus – von der Umma verordneten – Charity-Spenden.
Überhaupt scheint das Verhältnis zwischen Königshaus und wahabitischer Umma ziemlich undurchsichtig. Man könnte meinen, es handelt sich um einen Deal gemäss ‘Ihr lasst uns feiern und wir finanzieren euch euren Glaubenskrieg’. Sehr sonderbar das alles.“

Linus, das ölreiche Saudi-Arabien ist wie im Mittelalter Eigentum eines Clans von früheren Beduinen, der zur totalen Kontrolle des „Staatsvolks“ den Salafismus als „Staatsreligion“ benutzt. Daneben duldet Saudi-Arabien seit 80 Jahren auch noch die Muslimbrüder. Mit den Muslimbrüdern gibt es einen Deal: Im Unterschied z.B. zu Ägypten treten die Muslimbrüder in Saudi-Arabien nicht offen als „Bewegung“, geschweige denn als „Partei“ auf. Die Schriften des geistlichen Gründers der Muslimbrüder, Sayyid Qutb (z.B. sein Buch „Zeichen auf dem Weg“), werden deshalb seitens der saudischen „Staatsreligion“ teils gepriesen, teils kritisiert, teils verdammt.

In der vormodernen Welt (von Islam, Judentum und Christentum) waren Mythologie und Politik klar GETRENNTE BEREICHE. Zum Beispiel waren für die Bereiche Staatsführung und die Wirtschaft die rationalen Disziplinen des Logos zuständig, während der Mythos diese pragmatischen Disziplinen in sich einschloss und ihnen eine höhere Bedeutung gab. Der Mythos konnte z.B. den vormodernen Menschen bestimmte Werte jenseits aller pragmatischen Erwägungen der Vernunft näher bringen. Eine irdische Realität konnte zum Beispiel zum Symbol des „Göttlichen“ werden, war aber nie für sich heilig.

Ein Beispiel: Der Ort Mekka wurde von der vormodernen Welt nur als ein Symbol des „Göttlichen“ betrachtet, aber nie für sich „heilig“ angesehen. Mekka verwies „nur“ auf einen Ort, der für die Vernunft nicht erreichbar war. Die Verschmelzung der beiden getrennten Bereiche (Vernunft und Mythos) zu einer Staatsreligion, die vom Salafismus gezielt betrieben wurde, beinhaltet für die vormoderne Welt eine permanente große Gefahr.

Statt der dialektischen Synthese von „Weltlichem“ und „Religiösen“ vollzog die salafistische Staatsreligion unter dem Druck des “Satans” (Ölländer England + USA) die totale Vereinnahmung des „Säkularen“ durch das „Göttliche“. Für strenge Muslime wie Osama bin Laden musste dies einer EXTREMEN GOTTESLÄSTERUNG gleichkommen. Doch damit nicht genug, der König von Saudi-Arabien, dem Mekka von Allah anvertraut wurde, paktierte sogar mit dem Satan höchstpersönlich, nämlich Amerika + England, ja der Scheich ließ sogar US-Militärbasen in der saudischen Wüste zu.

Eins ist sonnenklar: nicht nur für gläubige Muslime ist der Clan der Saudis mit dem Satan höchstpersönlich infiziert. Ein sonnenklares „Zeichen auf dem Weg“ (so Muslimbruder Sayyid Qutb): Als die ägyptischen Muslimbrüder einen Muslimbruder zum ägyptischen Präsidenten machten, (worauf „der Westen“ drohte, seine Finanzhilfen einzustellen), wurde Muslimbruder Mursi per Putsch beseitigt, worauf z.B. Prinz Saud al-Faisal, gehorsamst meldete „die islamische Nation“ (Saudi-Arabien + Katar ?) werde Agypten einige Milliarden Dollar überweisen.

Kurzum, Saudi-Arabien + Katar wird es nicht mehr lange geben.

Linus September 4, 2013 um 14:24

@Carlos:
–>> ” das ölreiche Saudi-Arabien ist wie im Mittelalter Eigentum eines Clans von früheren Beduinen, der zur totalen Kontrolle des „Staatsvolks“ den Salafismus als „Staatsreligion“ benutzt.”

Das sieht mir eher nach einer Art Symbiose aus. Schau mal in meinen zweiten Link oben. Zur Veranschaulichung (S319):
“Die Auseinandersetzung mit den Ikhwan entwickelte sich über territoriale Grenzfragen hinaus zu einem Spezifikum, das in der politischen Landschaft des saudischen Staates und seiner Gesellschaft bis heute eine wiederkehrende Rolle spielt. Die frühen Kontroversen zwischen dem saudischen Königshaus und den religiös eifernden Ikhwan, die sich als die Wächter der wahhabitischen Lehre verstanden, waren beispielgebend für den Prozess der Identitätsbildung und der Modernisierung des Landes im 20. Jahrhundert. Exemplarisch stellen die von Ibn Saud durchgeführten technischen Modernisierungen, wie etwa die Zulassung von Automobilen und Telegraphen, dieses Spannungsverhältnis dar. Beide galten nach wahhabitischer Lehre zunächst als bida, eine nach wahhabitischer Auffassung ‘unerlaubte Neuerung’ und damit als unislamisch (vgl. ebd.: 38f). Dennoch gelang es Ibn Saud, durch Rechtsgutachten (fatawa, Sg.: fatwa) der ihm true ergebenen wahhabitischen Gelehrten seine Modernisierungsschritte zu legitimieren und den Widerstand der Ikhwan gegen seine Politik unter Zuhilfenahme militärischer Gewalt in der Schlacht von Sibilla 1929 zu brechen.”

Am besten liest du das ganze Kapitel. Das ist sehr aufschlussreich.

–>> “Statt der dialektischen Synthese von „Weltlichem“ und „Religiösen“ vollzog die salafistische Staatsreligion unter dem Druck des “Satans” (Ölländer England + USA) die totale Vereinnahmung des „Säkularen“ durch das „Göttliche“. Für strenge Muslime wie Osama bin Laden musste dies einer EXTREMEN GOTTESLÄSTERUNG gleichkommen.”
Wer hat hier wen vereinnahmt? Das solltest du nochmal konkretisieren.

“Eins ist sonnenklar: nicht nur für gläubige Muslime ist der Clan der Saudis mit dem Satan höchstpersönlich infiziert.”
So einfach ist es eben nicht. Mit Geld lassen sich ganze Völker kaufen.

Carlos Manoso September 4, 2013 um 16:26

@Linus September 4, 2013 um 14:24
„ (vgl. ebd.: 38f). Dennoch gelang es Ibn Saud, durch Rechtsgutachten (fatawa, Sg.: fatwa) der ihm true ergebenen wahhabitischen Gelehrten seine Modernisierungsschritte zu legitimieren und den Widerstand der Ikhwan gegen seine Politik unter Zuhilfenahme militärischer Gewalt in der Schlacht von Sibilla 1929 zu brechen.”

Linus, wie ich schon schrieb: “ Die Verschmelzung der beiden getrennten Bereiche (Vernunft und Mythos) zu einer Staatsreligion, die vom Salafismus gezielt betrieben wurde, beinhaltet für die vormoderne Welt eine permanente große Gefahr.“ Der entscheidende Punkt dabei ist die Art und Weise, wie historisch der Übergang von einer „vormodernen“ Gesellschaft in eine „moderne“ Gesellschaft vollzogen wurde.

Der historische Schritt des Gründers von Saudi Arabien, Scheich Ibn Saud bestand darin, den Weg Saudi-Arabiens -von der „Vormoderne“ in die „Moderne“ durch Rechtsgutachten (fatwas) der wahabitischen Gelehrten zu legitimieren und so die Grundlage für das Entstehens einer „Nation“ zu legen. In vormodernen Bevölkerungen, die schnellen sozialen Wandelprozessen ausgesetzt sind, entwickeln sich die ideologischen oder spirituellen Formen als „Abwehrschirme„ gegen schnellen sozialen Wandel immer fundamentalistischer, bewahrender, konservativer. Im Kern äußert sich in fundamentalistischen Bewegungen tiefe Vernichtungsangst, egal ob es sich dabei um fundamentale Moslems in Saudi-Arabien, fundamentale Juden in Israel oder fundamentale Evangelikale in Texas handelt.

In Saudi-Arabien wurde der ganz spezielle Weg beschritten, einerseits eine Gesellschaft von mittlerseile 27 Mio. Menschen „real“ in die extremste Moderne zu katapultieren, andererseits diese Gesellschaft mit 27. Mio. Menschen „geistig“ in die extremste Vormoderne einzumauern. Einerseits werden Menschen wegen „Ehebruch“ öffentlich, geköpft, andererseits hat Saudi-Arabien heute das weltweit größte Marktvolumen von Pornofilmen.

Diese alles totalitär durchdringende Schizophrenie produziert nach außen milliardenschwere Geheimdienstoperationen von der perversten Art, extremste Terrororganisationen wie „AlQuaida“ nur deshalb zu sponsern, weil sie extrem fundamentalistisch sind und weil sie gegen säkuläre Machthaber wie Assad kämpfen. Total krank!!

„–>> “Statt der dialektischen Synthese von „Weltlichem“ und „Religiösen“ vollzog die salafistische Staatsreligion unter dem Druck des “Satans” (Ölländer England + USA) die totale Vereinnahmung des „Säkularen“ durch das „Göttliche“. Für strenge Muslime wie Osama bin Laden musste dies einer EXTREMEN GOTTESLÄSTERUNG gleichkommen.”
Wer hat hier wen vereinnahmt? Das solltest du nochmal konkretisieren.“

Linus, rational betrachtet haben Ölfirmen Politiker gekauft, die mit den saudischen Scheichs, Öleigenümer+Politiker in einer Person) Öldeals machten. Gleichzeitig sind die saudischen Scheichs extreme religiöse Fundamentalisten. Sie müssen sich gleichzeitig möglichst vorteilhaft an den „gottlosen“ Satan verkaufen und gleichzeitig ein extrem „frommer“ Muslim“ sein. Schätze mal, die saudischen Scheichs gieren nach Jahrzehnten extrem angenehmer Schizophrenie immer dringender psychische Entlastungen, die ihnen „Al Quaida“ gegen Geld natürlich gern gewährt.

„“Eins ist sonnenklar: nicht nur für gläubige Muslime ist der Clan der Saudis mit dem Satan höchstpersönlich infiziert.”
So einfach ist es eben nicht. Mit Geld lassen sich ganze Völker kaufen.“

Linus, so läuft halt die Zerstörungsstrategie Satans.
Guckst du:
http://www.gottliebtuns.com/fallstricke.htm#3

Think positive September 5, 2013 um 10:46

@Soldat Schwejk September 3, 2013 um 19:54
Daß das “System des Weltkapitals” identisch wäre mit irgendeiner Mächtekonstellation, scheint mir eine höchst absonderliche Vorstellung zu sein. Ebenso daß es Interessen hätte. Zwischen Akteuren und Systemen wird man doch wohl unterscheiden können, also soviel darf auch auf der Spielwiese erwartet werden…

Der Witz bei menschlichen Systemen ist, dass die Individuen diese bilden.
In der sozialen Wirklichkeit existieren sie daher nicht jenseits von den Individuen, nur in der Abstraktion erscheint es so.
Die marxistische Rede vom System als Subjekt lässt dies so erscheinen. Andersherum begreifen „systemblinde“ Individuen nicht, dass Systeme „Subjektcharakter“ erhalten.

Die mächtigen Individuen bestimmen die Regeln des Systems. Sie besitzen die „Definitionsmacht“. Diese Systemdefinitionsmacht kennzeichnet ihre Machtposition, diese Macht unterscheidet Herrschenden von Beherrschten. Die Beherrschten sind diesen Regeln unterworfen bzw. unterwerfen sich „freiwillig“ den Systemregeln.

Zunächst werden die sozialen Systeme meist durch Gewalt (-> Revolution) etabliert. Aber dann finden die Indivduen das System als „normal“, als „natürlich“ oder „alternativlos“. Wenn sie sich freiwillig anpassen, dann erscheint das System losgelöst von personaler Herrschaft.

Aber Herrschaft und Ausbeutung funktionieren nur vermittels des Systems, was Vertreter einer personalen Verschwörungstheorie – wie z. B. der „Keynesianer“, der „HG“ etc. – offensichtlich nicht begreifen können. Nämlich dass das System so konstruiert ist, dass es Herrschaft und Ausbeutung ermöglicht und aufrechterhält.
Wird dieses Funktionieren des Systems nicht begriffen, so entsteht die falsche und illusionäre Vorstellung, wie z.B. von (links)liberalen Ideologen propagiert, es könne eine „andere“ bzw. „wirkliche“ Marktwirtschaft geben, welche anders funktioniert als der heutige Kapitalismus.

Auf Basis dieser Idealvorstellung von Markwirtschaft können dann Vorstellungen in Art einer Verschwörungstheorie entstehen, nämlich dass die Mächtigen eine „echte“ Marktwirtschaft verhindern, würden, so wie die Modellvorstellung von Marktwirtschaft in ihren Köpfen.

Dass das “System des Weltkapitals” identisch ist mit einer Mächtekonstellation, ist keineswegs eine „absonderliche Vorstellung“, sondern Realität. Da die Mächtigen (= die Plutokraten, cf. Krysmanski) das kapitalistische System von Herrschaft und Ausbeutung aufrechterhalten wollen – dies ist ihr zentrales gemeinsames Interesse – müssen sie die Systembedingungen ständig so verändern, dass die Kapitalverwertung weiterhin funktioniert. Durch die Systemerhaltungslogik werden diese mächtigen Subjekte zugleich zu „Objekten der Systemerhaltungslogik“ und das System erhält einen Subjektcharakter, d.h., es funktioniert in gewissem Sinne eigengesetzlich.

Diese Dialektik ist gemeint, wenn vom „System des Weltkapitals” die Rede ist.

Akteure und System kann man zwar in der Abstraktion unterscheiden, aber nicht in der Realität.

Genauso wenig wie ein bestimmtes Familiensystem jenseits einer Familie existiert. Im Gegenteil, es ist das Verhalten der Familienmitglieder, welches das System bildet.

Aber es scheint so, als würden die „Idealisten der Marktwirtschaft“ diese Subjekt-Objekt-Dialektik nie begreifen können. Möglicherweise, weil sie nicht zwischen marktwirtschaftlichem Modell und marktwirtschaftlicher Realität unterscheiden können. Und deshalb konstruieren sie Verschwörungstheorien, worin Menschen verhindern, dass die Markwirtschaft so funktioniert, wie sie nach ihrer Überzeugung eigentlich funktionieren müsste bzw. könnte.

Nun, das geht jenen Mitgliedern von Familien genauso, die ein illusionäres Bild von Familie in ihren Köpfen haben und mit personalisierenden Schuldvorwürfen operieren, wenn die Familie in Wirklichkeit ganz anderes funktioniert als das Idealmodell in ihrem Kopf.

Das TINA-Syndrom befindet sich in ihren Köpfen. Sie können sich keine andere sozioökonomische Wirklichkeit jenseits von Marktwirtschaft und Kapitalismus vorstellen. Aber begreifen ihre Limitierung nicht. (Ein Albrecht Müller von den NDS ist im Gegensatz dazu so reflektiert, dass er dies offen ausspricht.)

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