Zeit, über den Liberalismus neu nachzudenken. Von Patrick Schreiner

by f.luebberding on 12. September 2013

Heute Abend werden unter anderem Hans-Magnus Enzensberger und Gerhart Baum bei Beckmann zu Gast zu sein. Das Thema lautet „Das digitale Ich – (Über)Leben im Datendschungel“. Wer dort zu finden ist? Das kann man in diesem Interview mit Markus Morgenroth nachlesen. Im Grunde geht es um eine Frage: Nämlich in welchem Verhältnis stehen politischer und ökonomischer Liberalismus zueinander? Eine der Folgen der Digitalisierung unserer Lebenswelt ist die Durchsetzung der Figur des Nutzenmaximierenden homo oeconomicus als Leitidee sozialen Handelns. Die Substanz des politischen Liberalismus – vom Schutz der Privatsphäre bis zur Garantie von Grundrechten – kommt dabei unter die Räder eines schleichenden Zwangs zum Konformismus. In dem genannten Interview ist der Mechanismus nachzulesen. Nun entsprechen die Ideen des politischen Liberalismus weitgehend dem Verfassungskonsens in den westlich genannten Demokratien. In dem folgenden Gastbeitrag von Patrick Schreiner geht es darum, wie sich diese beiden Sphären liberalen Denkens seit dem Sturz des damaligen chilenischen Präsidenten Salvador Allende am 11. September 1973 entwickelt haben.

Schreiner nimmt damit eine Frage auf, die Rainer Hank (in der FAS vom 1. September) entwickelt hat: Warum hat es die Entfremdung zwischen Neoliberalen und der politischen Linken gegeben? Die Trennung zwischen beiden Sphären des Liberalismus lehnt Hank ab. Schreiner greift unter anderem auf die Ideen Karl Polanyis zurück, um zu zeigen, dass der Kapitalismus als historische Formation genau von dieser Differenzierung bestimmt wird. Der Putsch in Chile habe vor allem eins zum Ausdruck gebracht, so Schreiner:

“Wirtschaftliche Freiheit und politische Freiheit als gleichwertig zu behaupten, ist einfach. Die schöne Illusion, vermeintlich selbstregulierende Märkte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit seien miteinander vereinbar, sie seien gar zwei Seiten der gleichen Medaille, lässt sich abstrakt und theoretisch leicht aufrechterhalten. Liberale Politik sieht aber anders aus, wenn die erwünschte Ausweitung vermeintlich selbstregulierender Märkte soziale Konflikte provoziert oder auf massive politische Widerstände trifft.”

Aber stimmt das so noch? Oder zeigt sich nicht an der Digitalisierung unserer Lebenswelt, wie der Kapitalismus mittlerweile eine demokratische Form annehmen konnte, die tatsächlich den alten Widerspruch zwischen ökonomischen und politischen Liberalismus aufzuheben in der Lage ist? Aber wohl doch anders als es Hank erwartet. Heute brauchen wir nicht mehr die brutale Gewalt eines putschenden Militärs. Es reicht in der digitalen Welt, das soziale Handeln des Menschen unter das Diktat des homo oeconomicus zu stellen. Der wirtschaftliche Liberalismus kapert damit lediglich die Idee des politischen Liberalismus selbst, um ihn am Ende auszuhöhlen. Es wäre ein schleichender Putsch, aber ohne Panzer und Soldaten. Damit haben wir aber zugleich eine weitere Schlussfolgerung zu ziehen: Der politische Liberalismus hat mit dem Ökonomischen wirklich nur den Namen gemeinsam. Der Wirtschaftsliberalismus ist dagegen ohne die politische Zähmung in seinem Wesen autoritär – und illiberal. Was Liberale, Konservative und Sozialisten in gleicher Weise beunruhigen sollte. Hier aber jetzt der wirklich lesenswerte Text von Patrick Schreiner. Er ist ursprünglich auf annotazioni.de erschienen.

Zeit, über den Liberalismus neu nachzudenken
Ein Gastbeitrag von Patrick Schreiner

Am 11. September 1973 putschte das chilenische Militär unter der Führung von Augusto Pinochet den demokratisch gewählten, sozialistischen Präsidenten Salvador Allende aus dem Amt und trieb ihn in den Suizid. Die Putschisten genossen dabei die offene oder verdeckte Unterstützung sowohl der USA und anderer westlicher Staaten als auch der Unternehmer des Landes. Nicht zu Unrecht gilt dieser Putsch als eines der wichtigsten weltpolitischen Ereignisse der Nachkriegszeit. Er zeigte: Der Rückgriff des Liberalismus auf Autoritarismus und brutale Gewalt ist kein historisches Vorkriegsphänomen, sondern in ihm selbst angelegte Möglichkeit.

Zunächst seien einige Daten zur Machtergreifung und zur Gewaltherrschaft Augusto Pinochets in Chile aufgeführt (den Wikipedia-Seiten über Augusto Pinochet sowie über den Putsch in Chile 1973 entnommen):

  1. Am Tag des Putschs gab es 2.131 Verhaftungen, bis Jahresende waren es 13.364. Opfer wurden vorwiegend Mitglieder und Anhänger linker Parteien und Gewerkschaften.
  2. Die so genannte Valech-Kommission hat 27.255 politische Gefangene über die gesamten 17 Regierungsjahre Pinochets hinweg anerkannt. Andere Quellen vermuten einige 10.000 Opfer mehr.
  3. Mindestens 2.000 bis 2.500 der politischen Gefangenen blieben „verschwunden“, wurden also ermordet. Die Gesamtzahl der Morde betrug nach Angaben der so genannten Rettig-Kommission über die gesamten Regierungsjahre Pinochets hinweg 3.197; andere Quellen geben noch deutlich höhere Zahlen an.
  4. Es gab massive Folterungen an etwa 94 Prozent der Verhafteten.
  5. Es wurden unmenschliche Gefangenenlager und Geheimgefängnisse eingerichtet; Rechtsstaatlichkeit wurde abgeschafft.
  6. Über eine Million Chileninnen und Chilenen mussten das Land verlassen.
  7. Menschenrechte und Demokratie gehörten ebenso der Vergangenheit an wie freie Wahlen. Das demokratisch gewählte Parlament wurde aufgelöst.

Die wirtschaftspolitischen Maßnahmen, die Pinochet und sein Militärregime ergriffen, sind bekannt: Man rief die so genannten „Chicago Boys“ zurück ins Land; junge, neoliberale Wirtschaftswissenschaftler aus Chile, die an der Universität von Chicago ausgebildet worden waren – unter anderem von „Wirtschafts-Nobelpreisträger“ Milton Friedman. Auch Friedman selbst, obgleich nicht offizieller Berater der Regierung, unterstützte diese. Er ermahnte 1975 das chilenische Militärregime, alle Hindernisse zu beseitigen, die einem freien Wirken der Marktkräfte im Wege stünden; er bereiste das Land, hielt entsprechende Vorträge und legitimierte auf diese Weise das Regime. Chile brauche, so verkündete er, eine “Schocktherapie”. Bei Pinochet stieß er auf offene Ohren: Mit Ausnahme der staatlichen Kupfergesellschaft wurden alle staatlichen oder halbstaatlichen Unternehmen privatisiert, die öffentlichen Ausgaben massiv gekürzt, Märkte dereguliert, das Bildungswesen ebenso wie die Sozialversicherungen weitgehend privatisiert und die Durchschnittslöhne deutlich gesenkt (bis 1980 um 17 Prozent). Chile wurde eine Art Experimentallabor für neoliberale Ideologen. Friedman bezeichnete diesen Machtwechsel und die mit ihm verbundene Wirtschaftspolitik euphorisch als „Wunder von Chile“.

Anders als (neo-) liberale Ideologinnen und Ideologen gerne kolportieren, war die Wirtschaftspolitik des Regimes aber alles andere als erfolgreich. Die Wirtschaftsleistung brach in den Jahren nach dem Putsch drastisch ein und blieb über die Gesamtzeit der Junta Pinochets hinweg unterdurchschnittlich, die Inflation ging nur langsam zurück, Arbeitslosigkeit und Armut stiegen deutlich an. Wenngleich Chile noch heute eines der neoliberalsten Länder der Erde sein dürfte, wurden einige größere Privatisierungsexzesse aufgrund ihrer fatalen Ergebnisse nach dem Ende der Militärdiktatur wieder rückgängig gemacht. In der Wochenzeitung Jungle World erschien zur wirtschaftlichen und politischen Entwicklung Chiles nach dem Putsch jüngst ein aufschlussreicher Artikel. Und selbst das neoliberale Web-Portal Spiegel Online musste einräumen:

Wenn heute jemand die Diktatur Augusto Pinochets (1973 bis 1990) verteidigt, dann geschieht das gewöhnlich mit den Worten: Schaut, was er aus dem Land gemacht hat. Chiles Wirtschaft ist das allseits bewunderte Vorbild in Lateinamerika. […] Für die Pinochetistas ist klar, wem das Wirtschaftswunder zu verdanken ist: den Chicago Boys, jenen radikalen Ökonomen, die an der University of Chicago studiert hatten und die monetaristischen Theorien ihres Gurus Milton Friedman ab 1975 in Chile ausprobieren durften. […] Doch war es das wirklich? Bei aller Erfolgsrhetorik wirkt die Bilanz der Chicago Boys im Rückblick eher enttäuschend: Das durchschnittliche Wachstum zwischen 1973 und 1990 lag bei mageren 2,9 Prozent – nicht besser als der weltweite Durchschnitt. Damit nicht genug: Der Durchschnittslohn sank während der Pinochet-Ära, und der Anteil der Bevölkerung unter der Armutsgrenze stieg dramatisch von 20 auf 44 Prozent.

40 Jahre Putsch in Chile – das sollte aber nicht nur Anlass sein, über das offensichtliche Scheitern neoliberaler Wirtschafts- und Sozialexperimente und die Brutalität bei ihrer Umsetzung nachzudenken. Es sollte auch und vor allem Anlass sein, sich Gedanken über den Liberalismus als solchen zu machen.

Dies war wohl jüngst auch die Intention von Rainer Hank, liberaler Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung – wenn auch aus anderer Perspektive. Ihm wurde der Karl-Hermann-Flach-Preis der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung verliehen. Hank fragt sich in seiner am 1. September in der FAS abgedruckten Dankesrede (nicht im Internet verfügbar), weshalb es in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einer Spaltung zwischen Linken und Liberalen gekommen sei: „Warum sind Liberale nicht mehr links? Warum hasst die Linke den (Neo-) Liberalismus so sehr?“ In einer durchaus spannend zu lesenden Argumentation kommt er zum Schluss: „Alles hat angefangen mit dem Jahr 1973“.

Für die Entfremdung zwischen Liberalen und Linken spielen in Hanks Augen, unter anderem, die Ereignisse am 11. September 1973 in Chile eine zentrale Rolle. Ein Grund sei die inhaltliche und politische Nähe der Chicago-Liberalen zum Pinochet-Regime gewesen, die für Linke inakzeptabel gewesen sei und zu einer dauerhaften Spaltung zwischen Liberalen und Linken geführt habe. Hank zitiert kritisch Milton Friedman, der 1976 in einem Newsweek-Artikel seine oben beschriebene Unterstützung des Regimes verteidigte (ich zitiere im Folgenden das englischsprachige Original Friedmans):

Having set the facts straight, let me add that, despite my sharp disagreement with the authoritarian political system in Chile, I do not regard it as evil for an economist to render technical economic advice to the Chilean government to help end the plague of inflation, any more than I would regard it as evil for a physician to give technical medical advice to the Chilean government to help end a medical plague.

Friedman rechtfertigte sein Handeln in diesen Zeilen damit, dass er Chiles Regierung nur wirtschaftlich unterstützt habe, nicht aber politisch; ein technokratisches Argument. Hank erkennt hierin eine inhaltliche Spaltung zwischen einem wirtschaftlichen Liberalismus und einem politischen; und er legt Karl-Hermann Flach eine kritische Einschätzung in den Mund, der er – Hank – sich auch selbst anschließt:

Wir können sicher sein, Flach hätte nicht nur mit einem Leitartikel Einspruch erhoben gegen die Auffassung, man könne wirtschaftliche Freiheit trennen von politischer Freiheit, ein Einspruch, der sowohl das Regime Allendes als erst recht jenes Pinochets getroffen hätte.

Hank spricht sich hier, Flach als Zeugen nehmend, gegen eine Trennung von politischem und wirtschaftlichem Liberalismus aus. Beide seien nur mit dem jeweils anderen denkbar. Wie Hank argumentiert, ist allerdings widersprüchlich – und mehr als aufschlussreich für ein besseres Verständnis des Liberalismus. Hank setzt im letzten Halbsatz en passant Pinochet und Allende gleich. Zwar verurteilt er Pinochet etwas mehr („erst recht“), doch im Grunde hält er die Politik Allendes und die Politik Pinochets insofern für gleichsetzbar, als beide spezifische Formen von Freiheit verachteten, Pinochet die politische und, das wäre die implizite Schlussfolgerung, Allende die wirtschaftliche. Damit tut Hank so, als sei das Ermorden und Foltern vieler tausend Menschen moralisch so verwerflich wie etwa das Erhöhen von Steuern für Reiche oder das Enteignen von Unternehmern. Er bestärkt diese Einschätzung an späterer Stelle, wenn er vermerkt, die Linken ignorierten, dass Pinochet den Chileninnen und Chilenen immerhin Wohlstand gebracht habe:

[Die Linken] ignorierten geflissentlich, dass die Menschen in Chile dank Marktwirtschaft vor dauerhafter Armut bewahrt wurden! Bescheidener Wohlstand wurde ihnen zugestanden, Würde und Freiheit wurden ihnen indessen verwehrt.

Hier kehrt die Trennung von politischer und wirtschaftlicher Freiheit, die Hank – mit Flach – eigentlich Friedman vorwerfen möchte, durch die Hintertür wieder. Hank unterscheidet, entgegen seinen eigenen Worten, sehr wohl zwischen wirtschaftlicher und politischer Freiheit. Spätestens hier erweist sich, dass er sich lediglich gegen Friedmans Argument wehrt (und selbst dies nur halbherzig), wirtschaftliche Freiheit und politische Freiheit seien moralisch unabhängig voneinander zu werten. Hank und Friedman teilen damit bei aller Differenz eine urliberale Grundposition, ein argumentatives Element des Liberalismus und der kapitalistischen Marktwirtschaft schlechthin: Die gedankliche und ideologische Trennung von Politik/Staat und Wirtschaft und, daraus resultierend, die (vermeintlich gleichwertende) Unterscheidung von wirtschaftlicher und politischer Freiheit.

  1. Politik/Staat, das gilt Hank und Friedman – wie dem Liberalismus überhaupt – jenseits der wirtschaftlichen Sphäre als Raum der Freiheit – und zwar Freiheit zur Partizipation wie auch Freiheit vor der Verletzung individueller Rechte (insbesondere dem Eigentumsrecht). Politik gilt dem Liberalismus aber zugleich als zumindest potentiell freiheitsfeindlich, da sie immer wieder in das Wirtschaftsgeschehen interveniert.
  2. Wirtschaft hingegen gilt Hank und Friedman – wie dem Liberalismus überhaupt – als Sphäre selbstregulierender Märkte, in der dank Vertragsfreiheit, Eigentumsrecht und freiem Unternehmertum materieller Wohlstand gemäß marktinhärenter natürlicher Gesetzmäßigkeiten geschaffen wird. Dieser Gedanke einer Unabhängigkeit und Eigengesetzlichkeit von Wirtschaft (von Märkten) ist Dreh- und Angelpunkt liberalen Denkens. Damit eine solche Wirtschaft funktionieren kann, solle sich die Sphäre von Politik/Staat weitgehend oder vollständig aus ihr heraushalten.

Diese Argumentation blendet aus, dass die behauptete institutionelle Trennung von Politik/Staat und Wirtschaft weder naturgegeben noch alternativlos ist, sondern vielmehr als Kern des modernen Kapitalismus ein Ergebnis historischer Prozesse und politischer Entscheidungen darstellt. Sie ist menschengemacht. Karl Polanyi hat diesen Umstand in seinem Hauptwerk „The Great Transformation“ wie folgt beschrieben:

Ein selbstregulierender Markt erfordert nicht weniger, als die institutionelle Trennung der Gesellschaft in eine wirtschaftliche und eine politische Sphäre. Eine solche Dichotomie ist, genau genommen, vom Standpunkt der Gesellschaft als Ganzes gesehen, bloß eine andere Formulierung für die Existenz eines selbstregulierenden Marktes. Man kann natürlich meinen, dass diese beiden Bereiche in jeglicher Art von Gesellschaft zu allen Zeiten voneinander getrennt sind. Eine solche Folgerung wäre jedoch ein Trugschluss. Sicherlich kann keine Gesellschaft ohne irgendein System auskommen, das die Erzeugung und Verteilung von Gütern sicherstellt. Daraus folgt aber nicht, dass es separate wirtschaftliche Institutionen geben muss; normalerweise ist die Wirtschaftsordnung bloß eine Funktion der Gesellschaftsordnung, in die sie eingeschlossen ist.

Die Trennung von Wirtschaft und Politik ist historisch also nichts anderes als eine menschengemachte Voraussetzung (vermeintlich) selbstregulierender Märkte; damit ist sie ein Phänomen der Neuzeit. Polanyi verortet sie im Wesentlichen im 19. Jahrhundert. Kapitalismus ist jene historisch entstandene Gesellschaftsform und Produktionsweise, die nicht die Märkte der Gesellschaft, sondern die Gesellschaft den Märkten unterordnet – und dabei aber stets mit Widerständen und Grenzen ihrer Realisierbarkeit konfrontiert ist. Umgekehrt bedeutet dies aber, dass, wer wie Liberale an selbstregulierende Märkte glaubt, notwendig die Trennung von Politik und Wirtschaft immer wieder unterstreichen und politisch-institutionell immer wieder neu herstellen muss. Genau dies machen Friedman und Hank.

Diese Trennung von Politik und Wirtschaft immer wieder zu unterstreichen und politisch-institutionell herzustellen, ist in der Realität allerdings alles andere als unproblematisch und widerspruchsfrei. Polanyi führt eine ganze Reihe überzeugender Beispiele dafür an, dass und wie sich Wirtschaftsliberale für politische Interventionen in die Wirtschaft oder für die Beschränkung politischer Freiheit zu Gunsten der wirtschaftlichen Freiheit starkmachten – und zwar keineswegs nur zur Etablierung vermeintlich selbstregulierender Märkte, sondern auch für deren Erhalt und Funktionieren. Die Pinochet-Gewaltherrschaft kann ohne Weiteres in diese Reihe eingeordnet werden, auch sie diente der Herstellung und Aufrechterhaltung „freier“ Märkte. Polanyi stellt (mit Blick auf Chile fast schon prophetisch) fest:

Das Gegenteil von Interventionismus ist Laissez-faire, und wir haben eben festgestellt, daß der Wirtschaftsliberalismus nicht mit Laissez-faire gleichgesetzt werden kann (obzwar es im allgemeinen Sprachgebrauch nichts ausmacht, sie wechselseitig zu gebrauchen.) Im engeren Sinne ist der wirtschaftliche Liberalismus das Organisationsprinzip einer Gesellschaft, in der die Wirtschaft auf der Institution eines selbstregulierenden Markts beruht. Sicherlich werden weniger Interventionen eines bestimmten Typs erforderlich sein, sobald sich ein solches System mehr oder weniger etabliert hat. Das bedeutet jedoch bei weitem nicht, daß Marktsystem und Intervention einander ausschließende Begriffe sind, denn solange das System nicht etabliert ist, müssen und werden die Liberalen ohne zu zögern nach staatlichen Eingriffen zum Zweck seiner Etablierung, und, sobald dies geschehen ist, zu seiner Aufrechterhaltung rufen. Der Anhänger des Wirtschaftsliberalismus kann somit, ohne sich zu widersprechen, den Staat auffordern, gesetzlich einzugreifen; er kann sogar Zuflucht zu den Kräften des Bürgerkriegs nehmen, um die Vorbedingungen für einen selbstregulierenden Markt zu schaffen.

Es ergibt sich für Liberale im Moment der Konfrontation mit der politischen, sozialen und wirtschaftlichen Realität ein dauerhafter ideologischer Konflikt: Wie weit, so stellt sich ihnen die Frage, darf politische Freiheit eingeschränkt werden, um wirtschaftliche Freiheit zu gewährleisten, und wie weit muss umgekehrt auf wirtschaftliche Freiheit verzichtet werden, um politische Freiheit zu ermöglichen? Friedman und Hank entwickeln lediglich graduell unterschiedliche Antworten auf diese urliberale Frage.

Dieser ideologische Konflikt ist nun aber keineswegs nur ein Konflikt zweier Grundsätze, die in der Realität „auf Augenhöhe“ in Widerspruch gerieten. Es handelt sich vielmehr um einen Konflikt zwischen Ungleichem. Bei genauerer Betrachtung nämlich, und wenn es hart auf hart kommt, gilt dem Liberalismus die wirtschaftliche Freiheit durchaus mehr als die politische. Der Grund dafür ist, dass wirtschaftliche Freiheit im Liberalismus stärkere Begründung hat als politische Freiheit. Beide gelten ihm zwar als moralisch wertvoll, als ethisch angemessene und wichtige Ziele. Die wirtschaftliche Freiheit allerdings genießt zusätzlich quasi-naturgesetzliche Legitimation – der Glaube an ökonomische Gleichgewichtsmodelle, an intrinsische Markteffizienz und die objektive Rolle von Preissignalen machen die Idee des selbstregulierenden Marktes für den Liberalismus zum Dreh- und Angelpunkt. Märkte gelten ihm als naturgegeben. An dieser Stelle kommt die oben angesprochene liberale Blindheit gegenüber dem historisch-sozialen Gemachtsein von (vermeintlich) selbstregulierenden Märkten zum Tragen.

Die Frage nach möglichen Zusammenhängen – in der Konzeption des Liberalismus – zwischen der Verletzung politischer Freiheit auf der einen Seite und der Verwirklichung wirtschaftlicher Freiheit auf der anderen Seite erweist sich damit als Kernfrage. Selbst wenn man im ideologischen Elfenbeinturm die strikte und konsequente Trennung von Staat/Politik und Wirtschaft hochhalten kann – in der Realität scheitern solche Ideen rasch an politischen, sozialen und wirtschaftlichen Gegebenheiten. Beide geraten in der politischen Realität, wie oben beschrieben, permanent in Konflikt.

Sie tun dies in unterschiedlichem Ausmaß und im Regelfall nicht mit den unfassbaren Konsequenzen, die vor 40 Jahren Chile erlebte. So kann man zwar durchaus, muss aber keineswegs notwendig immer bis hin zu Bürgerkriegen und Militärputschs denken, um Beispiele für die Einschränkung politischer Freiheit zu Gunsten wirtschaftlicher Freiheit – zur Etablierung vermeintlich selbstregulierender Märkte – zu finden: Die Garantie des Eigentums an Produktionsmitteln, die Legitimation von Parteispenden durch Reiche und Unternehmen mittels des Persönlichkeitsrechts oder die Nichtkodifizierung sozialer Rechte sind nur drei der wichtigsten entsprechenden (verfassungs-) rechtlichen Mechanismen. (Was, nebenbei bemerkt, die vermeintliche Gleichwertigkeit von politischer und wirtschaftlicher Freiheit im Liberalismus einmal mehr in Frage stellt.) Polanyi betont mit überzeugenden Argumenten, dass das liberale Verfassungsdenken sich trotz oberflächlich identisch erscheinender Begriffe im historischen Verlauf drastisch gewandelt hat: Ging es zunächst um verfassungsrechtliche Sicherungen gegen Angriffe der Krone, so sollten Eigentum und Märkte später vorrangig gegen das Volk gesichert werden. Oder in den Worten Loic Wacquants:

[Der neoliberale Staat] spiegelt vor, beides, die Marktkräfte und die Freiheit zu bewahren, behält aber in Wirklichkeit die Segnungen dieser Art von Freiheit den Eliten vor, während er gegenüber den unteren Klassen eine Politik des „bestrafenden Paternalismus“ durchsetzt.

Die Spannbreite des real existierenden Liberalismus ist vor diesem Hintergrund groß, sie reicht von bürgerlich-demokratischen Verfassungen bis hin zu Militärregimes. Wirtschaftliche Freiheit und politische Freiheit als gleichwertig zu behaupten, ist einfach. Die schöne Illusion, vermeintlich selbstregulierende Märkte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit seien miteinander vereinbar, sie seien gar zwei Seiten der gleichen Medaille, lässt sich abstrakt und theoretisch leicht aufrechterhalten. Liberale Politik sieht aber anders aus, wenn die erwünschte Ausweitung vermeintlich selbstregulierender Märkte soziale Konflikte provoziert oder auf massive politische Widerstände trifft. Wie in Griechenland 2013. Oder vor allem wie in Chile 1973.

Eine gewisse Tendenz zum Autoritären, zum Brutalen und zur Gewalt ist im Liberalismus ideologisch angelegt. Zu Recht prägte Hermann Heller den Begriff des „autoritären Liberalismus“.

Patrick Schreiner ist Gewerkschafter und Publizist aus Hannover. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten gehören Finanz- und Wirtschaftspolitik, Verteilung und Politische Theorie.

{ 125 comments }

wowy September 12, 2013 um 21:34

@fl
Allende war “chilenischer” Präsident ;-)

f.luebberding f.luebberding September 12, 2013 um 21:42

wowy

Ob China oder Chile, alles egal, wir sind global … . Habe ich geändert – und Danke für den Hinweis.

wowy September 12, 2013 um 22:52
"ruby" September 12, 2013 um 22:59

Für HME
http://www.youtube.com/watch?v=QiyLeqNbfKY
vom Gottvater des Analogen
;-)

"ruby" September 12, 2013 um 23:12

geht mal alle zum Frisör auf Kosten von Yvonne Hochstätter

wowy September 12, 2013 um 23:14

Bisher eher enttäuschend

"ruby" September 12, 2013 um 23:15

Wer schickt dem Wrobel ein gutes Kochrezept (Algorhytmus) für das Wochenende?

"ruby" September 12, 2013 um 23:18

Haben die Neocons noch/schon eine aktuelle Rasterfahndung, um Gerhard Baum aus dem Verkehr zu ziehen?

wowy September 12, 2013 um 23:19

Ist das die Sendung mit der Maus?

Linus September 12, 2013 um 23:20

@wowy: Enttäuschend? Unerträglich!

wowy September 12, 2013 um 23:26

Genau, Herr Baum, endlich sagt es mal jemand: Datenschutz betrifft die Privatunternehmer das betrifft n i c h t die NSA!!!

h.huett September 12, 2013 um 23:28

ruby

Algorehüttmuss

"ruby" September 12, 2013 um 23:36

hh
;-)
kaufe morgen einen duden

wowy September 12, 2013 um 23:38
Folkher Braun September 12, 2013 um 23:40

Na und? – Wir haben doch auch unsere “Chicago- Boys”: Clement, Müntefehring, Schröder, Steinmeier, Steinbrück. Die Sülzokraten vom INSM, CDU, Grüne und FDP nicht mitgezählt. Der Vorteil bei uns ist: Man landet nicht direkt in Guantanamo. Ein paar Jahre in der geschlossenen Psychiatrie geht schon. Man wird auch nicht ohne Fallschirm aus Flugzeugen geworfen. Wir sollten der SPD dankbar sein.

wowy September 12, 2013 um 23:50

Hofstetter: Drohnen = Autonome Strategie
#Euphemismus

"ruby" September 12, 2013 um 23:50

@ wowy
Zeit Schuberths Unvollendete mal wieder aufzulegen – Danke!
@ Folkher Braun
“Chicago- Boys”: Clement, Müntefehring, Schröder, Steinmeier, Steinbrück”
Wir machen demnächst ein Seminar für die mit Thema :
Produzentenrente versus Konsumentenrente
Yvonne Hochstetter kann auch teilnehmen …

"ruby" September 12, 2013 um 23:53

Bitte um Abstimmung, ob dem Wrobel sein Budget zu kürzen oder aufzustocken ist .

wowy September 12, 2013 um 23:56

Die sind doch einfach nur nicht erwachsen, wenn sie permanent jemand brauchen, der ihnen sagt, was sie tun sollen.
Mutti als Gürtel :-D

"ruby" September 12, 2013 um 23:57

Musste heute einem Kollegen Isolierband geben, weil er sich gestern fast an sein defektes Elektrorasenmäherkabel angeschlossen hätte ;-)

Schatten September 12, 2013 um 23:59

@Chile

Komisch, dass es heute auch viele Linke gibt, die bejubeln, dass der erste frei und demokratisch gewählte ägyptische Präsident weggeputscht wurde, wie weiland Allende.

Wenn jetzt Linke noch verstehen könnten, dass sie für viele auch so eine Art Muslimbrüder sind…

Kurzer Vergleich:

Ende der Geschichte: Der Koran und das Kapital, beide sagen die Zukunft und das Ende der Geschichte voraus, was Opfer auf dem Weg dahin – insbesondere die der Ungläubigen – erträglich macht.

Unfehlbarkeit:”Die Lehre von Marx ist allmächtig, weil sie wahr ist” (Lenin) – der Koran ist dem Propheten via Erzengel Gabriel direkt von Gott übersandt worden.

Unfehlbarkeit II: Der Oberkommunist geht ähnlich aus den werktätigen Massen hervor, wie der Papst aus den Gläubigen und der rechtgeleitete Glaubensgelehrte aus der Umma – allen ist eigen, das ihr Wort Gesetz ist. (Die Ironie bei den Moslems: Mohammed war fehlbar -> satanische Verse)

Politische Gerechtigkeit: Ist beiden eigen. Der Koran ruft explizit dazu auf, gegen Pharao vorzugehen, Linke sowieso.

Soziale Gerechtigkeit: Der Koran lehrt den Zakkat, die Armensteuer, Linke sowieso mit ihrem Fetisch der Besserverdienenden.

usw.

—————————————————————————–

@Linke und Liberale

Liberal bedeutet doch ganz überspitzt “Vermarktlichung”:

Demokratie als Markt der politischen Meinungen nur beschränkt durch die Vernunft, die von allen eingefordert wird, und nicht als eingehegte Pups-Gemütlichkeit politischer Korrektheit. Damit wollte der Liberalismus das Gottesgnadentum der Feudalzeit ablösen.

Und dann bedeutet Liberalismus einen knallharten Markt ökonomischer Ideen, nur beschränkt eben durch die Vernunft, und nicht die eingehegte Pups-Gemütlichkeit sozialer Korrektheit. Damit wollte der Liberalismus die Unproduktivität der Feudalzeit ablösen.

Links dagegen bedeutet einem Kontrollzwang entspringende Pups-Gemütlichkeit, das innere Bedürfnis, alles Wirtschaftliche und Politische kontrollieren und regulieren zu müssen, und die Menschen zudem zu erziehen.

Soviel mal, um hier eine Diskussion anzuregen…

wowy September 13, 2013 um 00:00

Ich schalte jetzt aus. Das ist tatsächlich unerträglich @Linus

"ruby" September 13, 2013 um 00:18
Folkher Braun September 13, 2013 um 00:57

@Schatten: Was die Interpretation der “inneren Organisation der bürgerlichen Produktionsweise” angeht, sehe ich nirgends einen rechtschaffenden Ökonom, der dieselbe anders und/oder beschrieben hätte. Nur taugt die Analyse nicht dazu, zukünftige Wirtschaftsformen zu beschreiben.
Ob der Liberalismus überhaupt eine zusammenhängende Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung beschrieben hat, wage ich zu bezweifeln. Ich vermute eher, dass zutrifft, was Horst Afheldt in “Wirtschaft, die arm macht” vor zehn Jahren schon beschrieben hat, dass – global betrachtet – Arbeitskraft unglaublich billig ist. Deswegen ist es die Funktion der SPD/Grüne etc., genau diese Errungenschaften von 49 nis 72 von Arbeiter- Organisationen zu vernichten. Ist ihnen ja jetzt schon weitgehend gelungen.

Jackle September 13, 2013 um 01:02

Es ist 2013 und man ist weiterhin so blöd mit den Clowns des Liberalismus herum zu balgen. Man, man, man.
Das sind Traumtänzer fern jeder Realität, die an Welten glauben, in denen die Menschen aus freien Stücken durch Wiesen hüpfen und nebenher ein paar Dinge miteinander tauschen. Auch noch so, dass beide davon immer profitieren. Dafür sorgt eine unsichtbare Hand. blabalbalbalba….

Hört’s auf mit denen zu reden! Beschimpft sie! Behandelt sie, wie sie den Menschenabfall der Welt behandeln! Zerkratzt ihre Autos! Spuckt in ihr Essen! Kackt in ihre Vorgärten! Aber diskutieren? Ist doch scheiß egal, was die Irren sagen. Die werden aussortiert. Dafür wird der Markt der Ideen schon sorgen.

Folkher Braun September 13, 2013 um 01:30

Bester Jackle,

ich habe erleben dürfen, wie eine examinierte Altenpflegerin, meine Lebensgefährtin, von der Arbeiterwohlfahrt (ihrem Arbeitgeber), der Arbeitsagentur, der Gewerkschaft Verdi und der Deutschen Rentenversicherung niedergemacht wurde. Das habe ich mir gemerkt. Ich wünsche mir, dass unseren Sülzokraten FL, HH und M. selbiges widerfährt. Anschließend können sie hier ihre Beichte aus “ground zero” veröffentlichen.

Nanuk September 13, 2013 um 07:23

“Armut ist relativ.” hab ich letztens wieder in der FAZ gelesen…
https://www.youtube.com/watch?v=lip7T352jC4

Bladnoch1971 September 13, 2013 um 09:30

Beieindruckender Artikel!

topi September 13, 2013 um 11:52

“” Bei aller Erfolgsrhetorik wirkt die Bilanz der Chicago Boys im Rückblick eher enttäuschend: Das durchschnittliche Wachstum zwischen 1973 und 1990 lag bei mageren 2,9 Prozent – nicht besser als der weltweite Durchschnitt. Damit nicht genug: Der Durchschnittslohn sank während der Pinochet-Ära, und der Anteil der Bevölkerung unter der Armutsgrenze stieg dramatisch von 20 auf 44 Prozent.”

40 Jahre Putsch in Chile – das sollte aber nicht nur Anlass sein, über das offensichtliche Scheitern neoliberaler Wirtschafts- und Sozialexperimente und die Brutalität bei ihrer Umsetzung nachzudenken. ”

Wieso Scheitern?
Durchschnittliches Wachstaum, dabei sehr hohe Einkommenskonzentration. Genau das, was der Liberale will. Und die, für die er Politik macht. Der “Tüchtige” schaffts, der andere muss sich halt mehr bemühen, der loser.

Gescheitert ist das Lügengebäude (aufgebaut, um Mehrheiten in Wahlen gewinnen zu können), dass denn möglichst liberales Wirtschaften zum Vorteil aller (zumindest der großen Mehrheit) führt.

topi September 13, 2013 um 12:39

Wie sähe denn eine vollkommen liberale Wirtschaftspolitik aus?

Nehmen wir ein rein marktlich organisiertes Bildungssystem.
Gegen Geld ließe sich die beste Bildung kaufen. Schön.

Und die anderen? Lernen in der Dorfschule genau so viel, wie sie brauchen, um der Kapitalverwertung zugeführt werden zu können (gegen Schuldgeld natürlich). [übrigens kein Schelm, wem jetzt eine norditalienische Nudelsoßenmetropole einfällt]

Daneben gibt es vielleicht noch ein paar Stipendien. (oder besonders potente Mäzenaten nehmen gleich wieder die aufgeweckten Knaben der Unterschicht unter ihre Fittiche)

Öffentliche Güter werden nicht von Individuen hergestellt. Punkt. Ohne staatlichen EIngriff kein Angebot (deutlich reduziertes Angebot, soweit die Güter auch privaten Charakter haben, wie bei der Bildung).
Infrastruktur, Sicherheit, etc.pp.

Rein marktliches Gesundheitswesen?
Spitzenmedizin für die Spitzenverdiener und vermögenden.
Die Mehrheit kriegt schlechte Leistungen zu hohen Preisen.
Der Rest freut sich über ein paar Idealisten, die unentgeltlich die schlimmste Not lindern.
Das sieht man übrigens schon mit neoklassischer Theorie, also einer Grundlage des Liberalismus. Asymmetrische Information führt zu nicht funktionierenden Märkten, bis zum Zusammenbruch.

Private marktliche Vorsorge fürs Alter, oder Pflegerisiko, etc.?
Entweder, man kauft sich direkt ein Stück land und lebt von der Bodenrente, oder ein Anteil an einem Unternehmen, und hofft auf zukünftige Erträge. Bei allem Risiko.

Oder man trägt sein Geld in eine Kapitalsammelstelle, welche es in die große Kreditblase hineinsteckt. Funktioniert bis zum Knall (Lehmann ohne staatlichen Eingriff, und das ganz “Ersparte” in Geldanlagen wäre quasi weg) ganz gut. Danach ist Ende.

Schließlich Marktmacht.
Vermachtete Marktstrukturen senken die Wohlfahrt ggü. Märkten vollständiger Konkurrenz, dürfte auch kein “liberaler” Ökonom bestreiten.
Arbetsmärkte sind per se vermachtet. Happi happi muss einfach sein, Kapitalverwertung kann auch mal einen Monat ruhen.

Dazu die ganzen Monopole/Oligopole. Manche natürlich, manche auch erst Politikgeschaffen.
Man kann sich anschauen, wie Politik, auch die unter dem Fähnchen liberal, wirkt.
Monopolregulierend? Alternativen begünstigend? Wenigstens die Monopolrenten abschöpfend und der Allgemeinheit zuführend?

Ganz im Gegenteil. Der “Liberale” sorgt in der täglichen Politik dafür, dass Monopole stabil bleiben.

gelegentlich September 13, 2013 um 13:53

Vermutlich gibt es kein soziologisches Verfahren, über dessen Ergebnisse sich die unterschiedlichen politischen Lager einigen könnten, um das Ausmaß an Freiheitsoptionen in einer Gesellschaft quantitativ abschätzen zu können.
Dann könnte man eine Analyse der gesellschaftlichen „Schichtung“ (wäre das der neutralste Begriff?) machen, die Zahl der Schichtmitglieder mit der Zahl der jeweiligen Freiheitsoptionen multiplizieren und bekäme so einen Anhaltspunkt für die auch im Alltag in den Gesellschaften vorhandenen Freiheitsrechte.
Umständlich, aber vermutlich ist das nötig wenn man mit Liberalen diskutieren will. Es gibt ja kaum Jemand, nicht mal die schlimmsten islamistischen Fundis, die so quasireligiös dogmatisch fixiert sind wie die Liberalen. Der Grundfehler ist von Anfang an die Freiheitsoptionen stets von der Zahl der Gesellschaftsmitglieder zu trennen, welche diese genießen können. Ein „realer“ Liberalismus müßte so eine Art Integral (Zahl der Freiheitsgrade, Zahl der Genießenden) darstellen. Darüber könnte man reden. Mit den heutigen Liberallalas verschwendet man nur Zeit mit ihren Lebenslügen.

Vor der anstehenden Wahl sollte man sich mal in Ruhe vor Augen führen, in welchem unglaublichen Ausmaß sich unser Alltag im Gefängnis illusionärer Begrifflichkeiten und Lebenslügen abspielt: freier Wettbewerb, freie Medien, usw. usf., nur das „feeling“ am Ende ist nur partiell frei, erst recht dort, wo man Empirie zuläßt. Wunderbar illustriert von @holger in seiner erschütternden Beichte
September 12, 2013 um 11:11 bei „Knick in der Optik“.

holger September 13, 2013 um 14:21

gelegentlich

BEICHTÄ?

sehr Liberal LOL http://eur-lex.europa.eu/de/legis/latest/index.htm

gelegentlich September 13, 2013 um 14:41

@holger
„Beichtä?“ – Ich finde man kann diese Zeilen im Sinne des von mir oben Gemeinten verstehen.Ok, eigene Sünden wurden da nicht eingeräumt…

Marlowe September 13, 2013 um 14:51

“Der Grundfehler ist von Anfang an die Freiheitsoptionen stets von der Zahl der Gesellschaftsmitglieder zu trennen, welche diese genießen können.”

Der hier hinterlegte Freiheitsbegriff ist aber unklar, woll, wo verorten denn die Liberalen die Freiheit? Ausschließlich im ökonomischen Funktionsmodell?

Hardy September 13, 2013 um 15:23

@Soldat Schwejk:

Du musst einfach entschuldigen – aber der Großdenker Hank war genau der Spezialexperte und Weltökonom, der in der FAZ das Wesen der Banken darlegte als System in dem “die Banken die Ersparnisse der Privathaushalte und der Unternehmen (!) bündeln und weiterreichen”. Giralgeldschöpfung? Ist dem großen Leiter des Wirtschaftsressorts der FASZ unbekannt. Unternehmen investieren nicht, sie sparen? Das ist die Theorie des großen promovierten Literaturwissenschaftlers und Nebenher-Ökonomen.

Und dann liest man diesen gequirlten Schrott und denkt sich: Wie weit ist die FAZ nur gesunken, dass dort nicht mal mehr Grundlagen der Makro- oder Mikroökonomie bekannt sind. Ahnungslosigkeit, schon durch ein einfaches (!) Lehrbuch (sagen wir Samuelson) zu lindern.

Der Straubhaar aus Hamburg, aber dies nur am Rande, verstieg sich in der FUW zu einer ähnlichen “Theorie”: Amerika frackt – Erdgas dort wird billiger – Nachfrage nach Kohle sinkt – Preis für Kohle sinkt – Europa wird mehr Kohle verbrauchen – CO2-Ausstoß Europa steigt.

Dass extrem viele Prozesse längst von der Kohle weg sind und nie wieder umgestellt werden können? Weiß der Mann nicht. Noch so ein facepalm-Kandidat. “Aber der ist doch Professor!”. Ja, isser. So schlimm ist es schon in diesem Land.

gelegentlich September 13, 2013 um 15:37

@Marlowe
Das war nicht primär ökonomisch gemeint. Ich dachte mehr an Dinge wie Konformitätszwang, Zwänge im Zusammenhang mit Religion, Dresszwang am Arbeitsplatz, an ökonomische Freiheiten natürlich auch. Wie „freiheitlich“ ist eine Gesellschaft? Ist das nicht das Kernanliegen der Liberalen?

gelegentlich September 13, 2013 um 15:49

@Marlowe
Das war nicht primär ökonomisch gemeint. Ich dachte mehr an Dinge wie Konformitätszwang, Zwänge im Zusammenhang mit Religion, Dresszwang am Arbeitsplatz, an ökonomische Freiheiten natürlich auch. Wie „freiheitlich“ ist eine Gesellschaft? Ist das nicht das Kernanliegen der Liberalen?

Linus September 13, 2013 um 16:20

@gelegentlich:
“Der Grundfehler ist von Anfang an die Freiheitsoptionen stets von der Zahl der Gesellschaftsmitglieder zu trennen, welche diese genießen können.”
Das ist idT das Grundproblem. Es ist aber keine Erfindung der Liberalen, auch wenn sie diese Denke für sich vereinnahmt haben.

Die Verteilungsfrage stellt sich aus der Sicht des Einzelnen, also ‘lokal’, als Knappheitsproblem dar. Und wie so oft, suchen wir auch hier erst mal eine ‘lokale’ Lösung und versuchen anschliessend, diese aufs Ganze anzuwenden. Diese Strategie funktioniert sehr oft ausgezeichnet (wenn die Komponenten ausreichend voneinder entkoppelt sind), nur eben nicht in der Ökonomie. Der Unterschied zwischen Mikro-und Makro-Ökonomie ist für die allermeisten daher kontraintuitiv!

Der Begriff ‘Freiheit’ ist, wie schon Marlowe angedeutet hat, mE an dieser Stelle völlig verfehlt und propagandistisch motiviert. Freiheit suggeriert im Endeffekt Grenzenlosigkeit, und genau die ist bei Verteilungsfragen eben nicht gegeben.

Nun beharren die Liberalen trotzdem auf dem Motto: ‘ein jeder sorge für sich, dann ist für jeden gesorgt’, sprich Autarkie und Unabhängigkeit hochhalten. Auf diese Weise erübrigt sich dann die Verteilungsfrage.
Jedoch muss man dann ehrlicherweise auch jeglichen Synergie-Gewinn abschreiben. Die unter solchen Umständen maximal mögliche Freiheit wäre kläglich im Vergleich zu den Möglichkeiten, die ein Organisation von Zusammenarbeit und Arbeitsteilung bietet.

gelegentlich September 13, 2013 um 17:12

@Linux
„Nun beharren die Liberalen trotzdem auf dem Motto: ‘ein jeder sorge für sich, dann ist für jeden gesorgt’, sprich Autarkie und Unabhängigkeit hochhalten. Auf diese Weise erübrigt sich dann die Verteilungsfrage.
Jedoch muss man dann ehrlicherweise auch jeglichen Synergie-Gewinn abschreiben.“
Das ist das, was ich mit pseudoreligiös meine. Wir sind keine autarken Präriebauern auf Neuland (die aber auch in der Arbeitsteilung waren; ihre Flinten machten sie nicht selbst). Wir leben extrem arbeitsteilig und sind von Zusammenarbeit vollständig abhängig. Also ist solch ein Konzept wirklichkeitsfremd bis zum Anschlag und in der Tat reine Propaganda. Ich verwendete den Ausdruck Lebenslüge dafür. Begriffe, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun haben. Man darf sie um keinen Preis beim Wort nehmen. So habe ich doppelt Arbeit: ich muss den Begriff beherrschen und gleichzeitig verstehen, dass er in der Realtität nicht funktioniert. „Freie Marktwirtschaft“: ich kaufe einen PC – und kaufe -zig Sachen mit, die ich gar nicht will und von denen ich oft gar nichts weiß, zunächst. Gegen Regulierungen habe ich gar nichts; sie müssen aber transparent sein.

Frankie Bernankie September 13, 2013 um 17:42

@gelegentlich

“Wir leben extrem arbeitsteilig und sind von Zusammenarbeit vollständig abhängig. Also ist solch ein Konzept wirklichkeitsfremd bis zum Anschlag und in der Tat reine Propaganda”

Stimme zu. Manchmal hab ich den Eindruck, “Freie Marktwirtschaft” funktioniert in den Sphären am besten (und am lukrativsten für die Teilnehmer) , wo funktionierende Kollektivsysteme die “Gemeinkosten” des jeweiligen Bereichs tragen. Siehe Gesundheitsheitsystem, da sorgen die 90% Kassenpatienten für die Bewältigung des Fixkostenanteils, der Privatpatient bringt dann auf den letzten Metern die Sahnestückchen des Grenzgewinns. Da schnurrt dann der Computertomograph! Beispiel Automobilindustrie: trefflich lässt sich hier der edle Wettbewerb der freien Marktwirtschaft mit freien Produzenten und freien Konsumenten feiern, aber die notwendige Infrastruktur (Strassen, Verkehrsleitsysteme, Umweltkosten, ambulanter Rettungsdienst) muss schon kollektiv von der Allgemeinheit verursacherunabhägig zunächst mal verfügbar gemacht werden.

BB September 13, 2013 um 18:21

@Frankie Bernankie

“Beispiel Gesundheitswesen, Beispiel Verkehr”

Bildungssysteme nicht vergessen:

http://www.sueddeutsche.de/bildung/private-und-oeffentliche-schulen-wettbewerb-zugunsten-der-kinder-1.1767654-2

S. dort insbesondere die Position dieses Ifo-Nonsens-Forschers Ludger Wößmann.

Der Staat soll private Schulen voll finanzieren, damit diese dann den Wettbewerb zwischen den Schulen anheizen.

Wie wird man diese neoliberale Pest eigentlich wieder los?

Kecker September 13, 2013 um 18:30

@ BB “Wie wird man diese neoliberale Pest eigentlich wieder los?”

Man hat beobachtet, daß bei der Pest und anderen Ansteckungskrankheiten diejenigen am ersten angesteckt werden, die sich am meisten fürchten. (Karl Julius Weber)

* kecker lach*

holger September 13, 2013 um 18:51

Was iss denn nun mit Grumpy Peers Finger?

Lübberding noch am üben?

"ruby" September 13, 2013 um 19:43

Wenn das Interview von Schäuble heute morgen im DLF 2002 zur Euroeinführung gesendet worden wäre, hätte man diesen sofort als Vollhonk in die Klappsmühle gesteckt mit anschließender Sicherheitsverwahrung . Und übernächsten Sonntag will diese lügende schmarotzende grundgesetzbrechende Ideologie wiedergewählt werden. Jeder der dieses asoziale, europaschädliche Gedankengut mitträgt gehört identifiziert, bloßgestellt, verspottet und der Stinkefinger gezeigt bis seine menschenverachtenden Intentionen selbst dem dümmsten Analphabeten offenkundig werden.
Noch eine Woche Wahl-Brüderle und Wahl-Rösler und die FDP hat sich selbst vernichtet.
Wie Jackle beschrieben hat, mit diesen Verrätern demokratischer Werte kann nicht mehr diskutiert werden.
Stinkefinger satt und saftig .
Eine Woche bleibt das beschämende dieser Politik zu offenbaren, gnadenlos erbarmungslos. Anders wird die Gesellschaft dieses werteverachtende selbstreferentielle Unwesen nicht los.
Und wenn es nicht klappt, dann werden diese Träger sich selbst zerlegen und ihre virtuell real gedruckten Geldscheine und Saldenstände fressen müssen bis sie ihnen gequirlt zu den Ohren herauskommen – Konkursverschleppung inklusive.
Die Krönung ist Merkels Gesichtsausdruck zur Ausspähung der Persönlichkeitsrechte der Bundesbürger.
Wie kann sich eine Wählerschaft derart verarschen und verblöden lassen?
Stinkefinger bei Erst- und Zweitstimme !
Revolution – das kannst haben …
Bekloppte, weg von der Macht, eure Meineide werden euch zerfressen.

wowy September 13, 2013 um 20:36

@holger
Bei Peer hats zur Raute nicht gereicht :-D

f.luebberding f.luebberding September 13, 2013 um 21:21

Holger

Ich habe mich damals nicht am Shistorm gegen Röttgen beteiligt als er bei ZDF login bewusst falsch verstanden worden ist, sondern habe das für gequirlten Unfug gehalten. Das gilt in gleicher Weise für die Äußerung von Frau Merkel über das Internet als Neuland oder für die Kampagne gegen Brüderle wegen seiner nächtlichen Barbesuche. Wie werde ich dann wohl die Debatte über Steinbrücks Mittelfinger finden?

holger September 13, 2013 um 21:31

Lübberding

dafür haste aber Bobby Car Wuff verscheucht … OBER NICHT? :D

holger September 13, 2013 um 21:32

Tausche B gegen D LOL ;)

holger September 13, 2013 um 21:35

Hach… was waren nicht für alle Ämter beschädigt damals ROFLMAO

Aber Peer kann Stinkyfinger LOL huhuhuhuhuhuuu haaaaaahaaaaaaaaaaa ich geh kaputt

f.luebberding f.luebberding September 13, 2013 um 21:36

holger

Ich hatte gute Gründen, mich mit dem Bundespräsidenten zu beschäftigen. Allerdings gehörte ich ebenfalls nicht zu denen, die ihm aus Rachsucht den Großen Zapfenstreich oder die Pension streichen wollten. Für mich war die Angelegenheit mit seinem Rücktritt erledigt.

"ruby" September 13, 2013 um 21:37

schwarz vor kohle
rot vor wut
gelb vor neid
https://www.youtube.com/watch?v=MD6x-7v-DcY
grün vor gallensaft

f.luebberding f.luebberding September 13, 2013 um 21:37

holger

Wer alles in einen Topf schmeisst, sollte aufpassen, nicht hineinzufallen. Die Brühe ist nämlich ungenießbar.

holger September 13, 2013 um 21:47

Lübberding

mein Leben hat mich zu Stahl werden lassen :D

Haifische kenne ich zur Genüge… LOL

Was du persönlich mit Wuff hattest, geht mich nichts an. ;)

Hat er dich persönlich bescheißt? Na gut, dann kann ich das ja verstehen.

Grumpy Peer with fucking finger

Das wird präääääägend… LOL

aber egal Lübberding, das Land und die Bevölkerung hiergewöhnt sich ja an alles… muhahahahaaaa

holger September 13, 2013 um 22:02

Lübberding

in diesem Land bekommt jeder ne Chance mal den Obermotz zu spielen, selbst Österreicher…

es ist doch vollkommen Wurscht, wer die Wurscht gerade iss!

Und nun ziehen se mit Stinkefinger und Raute durchs Land…

Ey Lübber geht das mit “rechten” Dingen zu?

Wie heißt es hier immer so schön? Jeder blamiert sich Blablabla

holger September 13, 2013 um 22:07
Schatten September 13, 2013 um 23:50

Ich denke, es ist ein Fehler zu glauben, dass der Liberalismus quasi die Ideologie von “Präriebauern auf Neuland” (@gelegentlich) ist.

Der Liberalismus entstand doch als Antwort auf den feudalen Kameralismus-Merkantilismus der Feudalzeit! Also als Antwort auf die Plus-machen-Strategie zentralistischer feudaler Etatismen!

Liberalismus ist eben auch Ricardo – komparative Kostenvorteile – Freihandel, nicht?

Der Liberalismus entstand in einer wirtschaftlich auch global sehr fortgeschrittenen Phase.

Was mich wundert: Warum waren die wirklich großen Kapitalisten nie Freunde des freien Wettbewerbs?

Beispiele: Die Fugger schufen Monopole beim Kupfer; J.P. Morgan betrieb die Morganizations und eliminierte dabei en passant ex post den Wettbewerb; Howard Hughes, der erste Dollar-Milliardär, war aus unerfindlichen Gründen ein geborener “Pionierunternehmer” (Schumpeter) und also dem Wettbewerb voraus mit Erfindungsmonopolen.

Conclusio: Wirklich reich wird nur, wer am Wettbewerb, am more of the same, am cut-throat-competition nicht teilnimmt.

Und heute ermöglichen es globale Märkte bei maximal kontinentalen (EU, Nafta) Regulierungen ganz schöne, marktbeherrschende Stellungen aufzubauen.

Kein Wunder, dass die Reichen reich bleiben, oder sogar noch reicher werden!

Kecker September 14, 2013 um 00:25

@ ruby “Jeder der dieses asoziale, europaschädliche Gedankengut mitträgt gehört identifiziert, bloßgestellt, verspottet und der Stinkefinger gezeigt bis seine menschenverachtenden Intentionen selbst dem dümmsten Analphabeten offenkundig werden.”

Das Ärgerlichste in dieser Welt ist, daß die Dummen todsicher und die Intelligenten voller Zweifel sind. (Bertrand Russell)

gelegentlich September 14, 2013 um 06:14

@Schatten
„Ich denke, es ist ein Fehler zu glauben, dass der Liberalismus quasi die Ideologie von “Präriebauern auf Neuland” (@gelegentlich) ist.
Der Liberalismus entstand doch als Antwort auf den feudalen Kameralismus-Merkantilismus der Feudalzeit! Also als Antwort auf die Plus-machen-Strategie zentralistischer feudaler Etatismen!“
Ja sicher entstand er so. Und verstand unter Freiheit die Ablösung von alten Zwängen (Feudalismus) und die Fähigkeit, sich dem Risiko (beim Präriebauern: auf Leben und Tod) zu stellen, wie es die Libertären und etwa Ayn Rand dauernd ideologisieren. Diesen Begriff benutze ich, weil er, erst recht im Rückblick, mit den Realitäten nichts zu tun hatte, wohl aber zur Legitimation von Ungleichheit benutzt wird. Das war schon vor 200 Jahren nicht so. Wenn der Staat die Flächen nicht „frei“ geschossen hätte wäre kein Individuum allein in dieses Risiko gegangen. Diese Denkfigur gilt erst recht für praktische alle großen Innovationen. Da gab es kein wirkliches Risiko und die Verteilungskämpfe unter einigen Gangs ändern an dem Bild nichts. Sobald das Risiko den Unternehmern nicht abgenommen wrid klappt die Innovation nicht: Magnetschwebebahn.
Daher ist dieser Liberalismus Mummenschanz. Und in Deutschland hat sich das Bürgertum ja nach der Niederlage 1848 realiter längst von ihm abgewendet. Ich persönlich finde dies wirkt bis heute nach, in den Alltag hinein als Mangel an freiheitlichem Instinkt. Statt „Seid Ihr verrückt?“ denkt man spontan, „…das wird schon seine Richtigkeit haben!“

gelegentlich September 14, 2013 um 08:05

Gerade sehe ich, dass ich Material für meinen Standpunkt (so etwas wie „deutschen Liberalismus“ gibt es gar nicht; Leute wie Baum sind wie die Zeugen Jehovas in der Mehrheitsgesellschaft) aus diesem Artikel saugen kann:
http://www.heise.de/tp/artikel/39/39864/1.html
„Anhänger der Liberalen scheinen viel Zeit an Flughäfen zu verbringen. Ihnen gefallen fast durchgehend Germanwings und die Lufthansa. Der Hang zur Geschwindigkeit drückt sich auch mit der Unterstützung politischer Initiativen wie Freie Fahrt für freie Bürger aus, einer Seite, die sich gegen das Tempolimit auf Autobahnen richtet. In der Lebenswelt der FDP bildet diese Seite die einzige politische Aussage neben Grüne nein danke.
Schaut man tiefer in die Interessen der FDP findet man aber vor allem eins: Nobelmarken und Luxusgüter. Besonders Aston Martin, Boss und Porsche sind besonders beliebt. Dem Erfolg fühlen sich Liberale auch im sportlichen Sinne verbunden: Der Lieblingsverein in der FDP-Lebenswelt heißt FC Bayern
München..“
Damit ist Alles gesagt. Nicht mal „Lifestyle“ können die und sind auf „Marken“ angewiesen.

Schatten September 14, 2013 um 09:06

@gelegentlich

Ja, aber libertär und liberal zusammen?

Was ist mit den ordoliberalen Spielarten – sehr deutsch…

@Ayn Rand: Kenne ich nur vom Hörensagen, nie gelesen, aber mir wurde an der Uni in verschiedenen Seminaren wiederholt von sehr “progressiv-linken” Dozenten, habe ich hier schon mal erzählt, aber trotzdem – also es wurde nahegelegt, dass wir Studenten mit unseren Kommilitonen in Tokio bspw. mehr gemeinsam hätten, als mit den Landsleuten aus dem Umland. Kein Witz! Nur führt dieser implizite Antinationalismus natürlich auch zu einem Aufweichen regionaler Solidaritätsbünde – vulgo Sozialstaat.

Und so denke ich, muss man Ayn Rand verstehen – selbe Botschaft, aber an die amerikanischen Umstände angepasst.

gelegentlich September 14, 2013 um 09:21

@Schatten
„Ja, aber libertär und liberal zusammen?“
Was denn sonst bei solch schwammigem Kram?
„Ayn Rand: Kenne ich nur vom Hörensagen, nie gelesen, aber mir wurde an der Uni in verschiedenen Seminaren wiederholt von sehr “progressiv-linken” Dozenten,“
Viel mehr als dass sie wissen was gerade angesagt ist haben die damit aber auch nicht vermittelt? Junge Dozenten unterliegen doch auch den Zwängen des Arbeitsmarktes, publish or perish, da sagt man dann leicht dummes Zeug, weil man auf der Höhe der Zeit sein muss.
Die hat das Libertäre bis zum asozialen Ende gedacht – und dann am Ende ihres Lebens Sozialhilfe akzeptiert. Hayek, der deutsche ultraliberale Freiheitsheld, wurde, als er die biographische Wahl zwischen Freiheit und Sicherheit hatte, deutscher Beamter. Das Beispiel allein gibt es nicht her, es ist aber ein weiteres Mosaiksteinchen in meiner Überzeugung, dass der sog. politische Liberalismus nicht mehr als ein pseudoreligiösen Wahngebilde ist, in allen seinen Spielarten. Man muss so weit von der realen Welt abstrahieren damit man nicht vor Lachen umkommt… anders kann man damit nicht umgehen. Liberale, die nach Bekanntwerden der NSA-Affäre nicht mit der Kalaschnikow rumlaufen, sind keine.

BB September 14, 2013 um 10:37

@Schatten

“Was mich wundert: Warum waren die wirklich großen Kapitalisten nie Freunde des freien Wettbewerbs? … Conclusio: Wirklich reich wird nur, wer am Wettbewerb, am more of the same, am cut-throat-competition nicht teilnimmt. … Und heute ermöglichen es globale Märkte bei maximal kontinentalen (EU, Nafta) Regulierungen ganz schöne, marktbeherrschende Stellungen aufzubauen. … Kein Wunder, dass die Reichen reich bleiben, oder sogar noch reicher werden!”

Du bist schon nahe dran an der Erleuchtung. Es fehlt nur noch ein kleiner Schritt.

Du sagst es selbst: Reich wird nur, wer am Wettbewerb, am more of the same, am cut-throat-competition, also am ruinösen (!) Wettbewerb nicht teilnimmt. Sag’s einfach auf deutsch, dann kannst Du auch klarer denken.

In deiner Logik haben wir also nur die zwei Alternativen:
- Ruinöser Wettbewerb für alle, dann wird auch keiner richtig reich
- oder: Status Quo, es bilden sich Monopole, mit denen nur die Eliten reich werden.

Beides ist unattraktiv. Ein ruinöser Wettbewerb jeder gegen jeden orientiert am “Immer mehr vom Gleichen” (Deutsch reden macht die Birne klar) entspräche zwar so etwas wie “Chancengerechtigkeit”, würde aber eben alle (!) in den gesundheitlichen und psychischen Ruin treiben. Die Ressource Mensch würde sich genauso verschleißen wie die Ressource Umwelt.

Der Status Quo (staatlich und nicht staatlich geförderter Monopolwettbewerb) ist unbefriedigend, weil: darüber wird ja unter anderem hier dauernd diskutiert.

Es muss also einen dritten Weg geben. Und der basiert eben nicht auf dem “Wettbewerbsfetisch” sondern auf etwas anderem, das genauso wie ein gelegentliches sich Vergleichen und Messen früher bei der Jagd heute im Sport (Wettbewerb) zum Wesen des Menschen gehört, nämlich das solidarische Leben in einer Gemeinschaft (früher Dorf oder in Wigwams).

In diesem Sinne ist die Globalisierung etwas, was dem Menschen im Grund wesensfremd ist und ihn entwurzelt. Wettbewerb und Arbeitsnomadentum – also die vorherrschende postmoderne Managerkultur – wurden uns übergestülpt und es gilt, sich davon zu befreien.

holger September 14, 2013 um 11:10

BB

—>>>Es muss also einen dritten Weg geben. Und der basiert eben nicht auf dem “Wettbewerbsfetisch” sondern auf etwas anderem, das genauso wie ein gelegentliches sich Vergleichen und Messen früher bei der Jagd heute im Sport (Wettbewerb) zum Wesen des Menschen gehört, nämlich das solidarische Leben in einer Gemeinschaft (früher Dorf oder in Wigwams).”

Hört sich zwar komisch an, aber die 4 Jahre Armee waren mit Abstand das Beste, was ich erleben durfte.

Weil du entwickeltst dort ein anderes Bewusstsein für deinen “Nächsten”.

Nun gut, ich war ja auch nur in Einheiten, wo es kaum Wehrpflichtige gab.

Aber innerhalb dieses Systems gab es mehr Freiheiten, als man glauben sollte. Und zwar eine Verantwortungsvolle Freiheit. Denn ohne die gibts keine “Liberalala”.

Du hast zwar dort auch Druck, aber nicht den, den die “Invisible Hand” so zur Verfügung hat.

Ich betone aber nochmals, wir waren zu 90% alle Frei-Willig dort. Mit Zwang hätten die Einheiten auch nicht funktioniert.

Und natürlich entstehen in dem System Monopole, nennt sich nur da: “Spezialisten”

Nur ist es immer eine Frage wie man mit einer Monopol Stellung umgeht. Wir innerhalb der Einheit konnten uns keine Exklusion erlauben. Jeder war wichtig auf seine Art und Weise. Und das Frei-Willig…

Und natürlich gab es intern gewaltige Diskussionen, wo die Meinungen hart auseinander gingen. zB Auslandseinsätze. Das war ja für uns “Neuland”. Aber immer mit einem bestimmten Ziel vor Augen.

Das ist in diesem “Zivilen” Leben einfach nicht möglich.

Dieses “Liberale” ist in einem ungeordneten Schwachmaten Haufen von “Zivilisten” einfach nicht drin. Weil sie eines nicht kennen, Verantwortung zu übernehmen.

Es kommt nicht von Ungefähr, dass das Militär ab und zu die Führung übernimmt. Denn die Ächte Demokratie ist ja nicht in der Lage dazu.

Es ist ja nicht ungewöhnlich, dass sich Monopole bilden müssen! Dort und nur dort, finden die Spezialisten und die Spezialisierung ihren Platz, und bekommen Frei-Heit

Sie stehen quasi unter dem Schutz des Monopols. Und wer wollte das Aufgeben?

BB September 14, 2013 um 13:05

@holgi

klar, der Barras befriedigt archaische Bedürfnisse nach Kameradschaft, “Gemeinsam was Schaffen”, “Einsatz / Verantwortung / Aufopferung für’s Vaterland / die Kameraden, “, etc.

“Dieses “Liberale” ist in einem ungeordneten Schwachmaten Haufen von “Zivilisten” einfach nicht drin. Weil sie eines nicht kennen, Verantwortung zu übernehmen.”

Schon interessant, dieses Herabblicken der Soldaten a.D. auf unsereins Zivilisten-Pack :-)

Man muss natürlich aufpassen, dass der Appell an “Solidarische Werte” nicht in’s bräunliche abgleitet. Der Vorwurf wird von den “Libertären” gegenüber sozialistischen Bewegungen häufig erhoben nach dem Motto: Sozialisten und Nationalsozialisten sind alle aus dem gleichen Holz. Auch ich musste mich in diesem Blog schon gegen solche Vorbehalte zur Wehr setzen. Tatsächlich befriedigt der Nationalsozialismus gewisse Sehnsüchte nach “Solidarität”, die er in perverser Weise überhöht, dass nämlich der einzelne nichts, das Volk alles ist. So lassen sich die Menschen dann für sinistre Ziele missbrauchen (entweder für die Gewinnung deutschen Lebensraum im Osten oder als tumbe Kunden für Nazi-Lieder-CD’s und Militaria-Kitsch).

Meine Vorstellungen aber gehen eher in die Richtung: “Denke global, agiere lokal” oder für die Managertypen hier im Forum: “Think global, act local”. Große Entfernungen kann man per Internet überwinden. Da darf man den Flieger ruhig in der Garage stehen lassen. Denn chinesische Äpfel für deutsche Schulspeisungen, das muss wirklich nicht sein.

holger September 14, 2013 um 13:12

BB

dann frag mal bei der Fremdenlegion oder der US Army nach… Oder wo auch immer… Kameradschaft mit Braun zu vergleichen ist ja einfach.

Aber ich habs vermutet, dass solch eine Argumentation kommt.

Danke :D

gelegentlich September 14, 2013 um 13:25

@holger
Ich kenne Beides. Die Kameradschaft war bei den Pfadfindern besser. Und später in den Basisgrupppen an der Uni, vor der Sektenperiode der Studentenbewegung. Wie dem auch sei: der Mensch als soziales Gruppenwesen kommt in der Ich-AG nur in verstümmelter Form vor. Das haben die Liberalalas nicht verstanden.

BB September 14, 2013 um 13:29

Nein, war jetzt nicht so direkt gemeint :-)

Aber es gibt Wege in den Sumpf, die führen über soldatische Ideale. Das weiß man doch. Muss aber nicht immer sein.

Ware ja durchaus mal interessant, das genauer herauszuarbeiten. Hier geht’s ja um Liberalismus. Was wäre das Gegenstück? Welche Facetten hat es?

holger September 14, 2013 um 13:31

BB

ich habe lediglich eine Organisationsstruktur benannt, die funktionieren muss. Von der Roten Armee bis zum Indianerkrieger.

Das hat mit einer politischen Einstellung wenig zu tun. Und ich habe lediglich bemerkt, dass das in der “Zivilen” Gesellschaft als Ganzes vermutlich nicht möglich ist.

Jedenfalls nicht mit dem jetzigen Verständnis…

Das Exkludieren, was hier tag täglich unter der Zivilisation passiert, geht in solchen Einheiten nicht. Weil jeder auf die Fähigkeiten des anderen angewiesen ist.

Und das nicht in Manager-Seminaren 7 Tage auf ner Insel, sondern über einen längeren Zeitraum.

Das ist mir bewusst geworden nach den 4 Jahren, als ich wieder im alten Betrieb nach Meisterausbildung in der Produktion gearbeitet hatte. Hauen und Stechen wie im Kindergarten. Der hat aber dies, der hat aber das… Herr Hauptmann Herr Hauptmann ich weiß was, im Keller brennt noch Licht.

Ob im VW Werk oder beim Daimler oder bei der alten AEG überall habe ich das Gleiche vorgefunden. Hauen und Stechen… UNTEREINANDER

Und genau das, nutzen die Liberalalas & Sozialisten aus…

Und das, kann sich das Militär nicht leisten… das wollte ich damit sagen.

holger September 14, 2013 um 13:59

Und was es dann wohl noch geben mag ist:

Liberalismus bei Nestflüchtern ( zB Abenteurer Eroberer…)
Liberalismus bei Nesthockern (zB #mimimi Beamte Sicherheit)

oder das Freiheitsverständnis über das, was überhaupt Freiheit sein kann.

Und mE prallen dort die Welten des Liberalismus aufeinander.

Kann sich ja jeder selber einordnen. Ich bin Nestflüchter. Mit all den dämlichen Begleiterscheinungen.

Morph September 14, 2013 um 16:41

@Holger

Kameradschaft hat per se nichts mit Faschismus zu tun, und Kameradschaft kann eine ziemlich coole Sache sein, keine Frage.

Aber es gibt unter den Leuten nun mal jene, die lieber in Ruhe gelassen werden wollen und das enge Miteinander der Kleingruppe nicht so schätzen, und es gibt so Pfundskerle wie Dich, die voll die Mannschaftstiere sind, klare Spielregeln und Zuständigkeiten schätzen, wenig Privatsphäre brauchen und für die Kameradschaftserlebnisse das Nonplusultra sind. – So unterschiedlich sind halt die Menschen.

Faschistisch wird das Ganze, wenn geglaubt wird, dass die großen sozialen Aggregate, mit denen wir es seit der Industrialisierung und der Urbanisierung des 19. Jh.s nun einmal zu tun haben (sogenannte Menschenmassen), nach Kategorien der Kameradschaft und des Mannschaftssports organisiert werden könnten.

Eigentlich zum totlachen, diese wahnwitzige Idee, wenn sie nicht von machen – immer noch – so toternst genommen werden würde.

Und das liegt daran, dass uns die großen sozialen Aggregate unheimlich sind, denn wir sind von unserer natürlichen Ausstattung her nicht auf sie vorbereitet. Deshalb ist es leider nötig, kompliziert und selbstkritisch zu denken.

Die Art, wie Du hier immer wieder Deine Intuitionen und ‘Lebenserfahrung’ generalisierst, wirkt auf den einen oder anderen sicher amüsant und erfrischend. Ihrer logischen Substanz nach funktionieren Deine Beiträge wie der politische Populismus z.B. eines Berlusconi. Warum kompliziert und kritisch, wenn’s auch einfach und selbstherrlich geht? Davon werden wir in den nächsten Jahrun und Jahrzehnten sicher noch mehr sehen, zumal das Militärische immer wichtiger werden wird und daher den Kameradschaftswerten eine große Konjunktur bevorsteht. Insofern liegst Du voll im Trend.

holger September 14, 2013 um 18:05

Morph

—>>>Deine Beiträge wie der politische Populismus z.B. eines Berlusconi. Warum kompliziert und kritisch, wenn’s auch einfach und selbstherrlich geht?”

Dann erzähle mir mal, was das wunderbare Gute! an “kompliziert und kritisch” sein soll? Anstatt das Böse! “einfach und selbstherrlich”?

Guck die deinen PEER Grumpy an… FuckFingerJoe

Ist der nicht herrlich einfach?

Für mich ist er einfach lächerlich… :D

Morph September 14, 2013 um 18:18

@Holger

“Dann erzähle mir mal, was das wunderbare Gute! an “kompliziert und kritisch” sein soll?”

Habe ich schon: Es befähigt uns, einigermaßen friedlich, wenn’s gut läuft sogar glücklich! in großen sozialen Aggregaten zu leben, für die wir von unserer Natur her eigentlich komplett ungeeignet sind.

Ich meine, man kann durchaus argumentieren, dass ‘einfach und selbstherrlich’ besser ist, als ‘kompliziert und kritisch’ und wir deshalb die Schrumpfung der Weltbevölkerung um, sagen wir, fünf Sechstel ins Auge fassen sollten. So dass der Mensch wieder in überschaubaren Gruppen seinen ‘naturgemäßen’ metamagisch integrierten emotional beglückenden Mannschaftssport betreiben kann. Das ist durchaus konsistent. Aber nicht meine Position. Ich glaube, dass kein Lebewesen den Tod verdient. Und deshalb müssen wir zusehen, wie wir die biosphärische Lage, die wir nun einmal vorfinden, organisieren. Und das ist: kompliziert! ;-)

holger September 14, 2013 um 19:18

Morph

—>>> Ich glaube, dass kein Lebewesen den Tod verdient.”

Hahahahhhhaaaaaaaa LOL :D

Hey Morphi, dies ist ne andere Abteilung…

mE nur ne Frage der Zeit… (auf natürliche Art und Weise versteht sich) ;)

genau so gut könntest du Argumentieren, “Ich glaube, das kein Lebewesen die “Geburt” verdient”

Du bist echt mir ein Konsequenter Denker… LOL

gelegentlich September 14, 2013 um 19:22

@Morph
Da sollte man m.E. die Füße ein wenig still halten. Schließlich war der Beitrag von @holger kein politisches Programm, sondern eher von der Art „wie ich es erlebt habe!“ mit ein wenig euphorischen Übertreibungen hintendran. Und was die Biosphäre angeht: die ist kameradschaftlichkeitsneutral. Soweit wir heute wissen können.

Morph September 14, 2013 um 20:01

@Holger

wenn Du Deinen schrecklichen Lachkrampf überwunden hast (dieses ganze ‘LOL’ und ‘Muhahaa’, kommst Du Dir dabei selber nicht manchmal wie ein Vergifteter vor?), kannst Du ja noch einmal nachdenken, vielleicht.

Sterben zu müssen und den Tod zu verdienen sind verschiedene Sachverhalte.

Aber lassen wir das. Es hat wirklich keinen Sinn.

Morph September 14, 2013 um 20:03

@gelegentlich

“Füße still halten”? Was ist das denn für eine absurde Forderung? Argumente bitte!

gelegentlich September 14, 2013 um 20:22

@Morph
Das ist eine Aufforderung, die darum bittet weniger erregt darauf zu reagieren und aus Mücken keine Elefanten zu machen. Mit der Biosphäre hat es eh nichts zu tun.

Morph September 14, 2013 um 20:36

@gelegentlich

Warum haben Leute wie Berlusconi Erfolg? Weil die @Holgers dieser Welt das Einfache, Zotige und Selbstherrliche ganz großartig finden, und weil Leute wie Du finden, man solle aus Mücken keine Elephanten machen.

gelegentlich September 14, 2013 um 20:41

@Morph

Nein. Weil sie wissen dass ab und zu eine Zote nötig ist.
Nein. Weil Du und ich Mücken sind und als solche weniger laut.
Nicht mal so laut dass uns und Anderen auffällt dass Holgers Kameradschaftlichkeit mit dem Thema über den Liberalismus neu nachzudenken nichts zu tun hat.

holger September 14, 2013 um 20:53

gelegentlich

—>>> Schließlich war der Beitrag von @holger kein politisches Programm, sondern eher von der Art „wie ich es erlebt habe!“”

Ich habe kein “politisches” Programm… deswegen habe ich ja das mal mit dem Militär gebracht. Meine Erfahrungen. Da gabs keine Politik im Sinne von “Politik”. Man hat sich auf ein Ziel verständigt. Egal, was ein jeder auch gewählt hat.

Und ich sags nochmal, die Diskussionen : “In den Iraq oder nicht in den Iraq” waren immens.

Ich habs schon mal angedeutet: Ich musste meiner Holden erklären CIAO vielleicht sehen wir uns nie wieder…

Liberal !!!

Der größte Teil der Heckenseicher HIER standen nie vor der Situation. Good bye zu sagen…

Das ist das schlimmste was es gibt! Und nicht als Spielchen oder Übung sondern, als Echtzeit.

Liberal… WAS IST DAS?

BB September 14, 2013 um 21:42

Hahahah, “Leading chickens auf Gut Erlenhof”. Sehr schöne Übertragung.

Natürlich hat Holgis “Kameradschaftlichkeit” was mit dem Thema zu tun. Morph hat das schon sehr schon formuliert. “Kameradschaftlichkeit” praktiziert in “großen Aggregaten” = Faschismus = (sage ich jetzt:) entartete Gegenbewegung zum Liberalismus.

Interessanter aus aktuellem Anlass (Finanzkrise, Auseinanderentwicklung von Einkommens- und Vermögensentwicklung, Totales globales Scheitern der neoklassisschen Theorien) sind doch wohl nur ernsthafte Alternativen zum ebenfalls entarteten Liberalismus a la Chile (s. Blogposting von fl) = rechter Libertarismus.

Und da hat @Schatten provokant unverschämt den relevanten Input geliefert sogar inklusive des Widerspruchs, an dem seine eigene Argumentation scheitert:

“Links dagegen bedeutet einem Kontrollzwang entspringende Pups-Gemütlichkeit, das innere Bedürfnis, alles Wirtschaftliche und Politische kontrollieren und regulieren zu müssen, und die Menschen zudem zu erziehen. “

“Liberalismus ist eben auch Ricardo – komparative Kostenvorteile – Freihandel, nicht?”

Ist das tatsächlich so? Ich schrub:

In dseiner Logik haben wir also nur die zwei Alternativen:
- Ruinöser Wettbewerb für alle, dann wird auch keiner richtig reich
- oder: Status Quo, es bilden sich Monopole, mit denen nur die Eliten reich werden.

Ist doch so! Wer verdient bei uns am besten? Diejenigen, die es geschafft haben, ihren Markt abzugrenzen, also nix da mit freiem Wettbewerb:
- Monopole (Versorger)
- Verbeamtete Unternehmer (Ärzte)
- Zünfte (Apotheker)
- Ausbeuter (Unternehmer)
- Rentiers

Die Lohn- und unteren Einkommensempfänger schauen in die Röhre und sind als einzige Gruppe dem gnadenlosen “ruinösen Wettbewerb” ausgesetzt.

Ricardo, Freihandel *kecker, lach*. Kann man ja an der Finanzkrise sehen, wohin das führt. Außerdem, unsere Exporteure zahlen hier kaum noch Steuern, schaffen Arbeitsplätze in China aber nicht bei uns, kassieren dafür aber umso mehr Subventionen und lassen sich ihre Wechsel von vom Steuerzahler permanent zu rettenden Banken ausbezahlen, aber nicht von ihren Kunden. Das ist so, als verkaufe man einem Bettler am Straßenrand einen Porsche, lasse sich den Kaufpreis von der Bank auszahlen und die refinanziert sich dann per Bad Bank. Ganz schlechtes Geschäft für uns als Gesellschaft. Sollte man sofort unterbinden.

Also sollte doch die Idee, dass der Staat nicht in erster Linie die Exportwirtschaft, sondern seine Lohnempfänger zu schützen hat, zumindest eine gewisse Plausibilität haben.

Da dieser Zusammenhang quasi schon die Qualität axiomatischer Evidenz besitzt, bräuchte man das eigentlich gar nicht mehr zu diskutieren, sondern nur noch, wie man dem Staat in den Arsch tritt, damit er endlich seine wirklichen Pflichten erfüllt.

Alle Macht den Räten oder wie?

Schatten September 14, 2013 um 22:02

@BB

Natürlich hast Du recht, Kapitalismus, more of the same, das ist die Hölle! Wahrscheinlich hat deshalb jeder einen Onkel, ich zumindest schon, der meint, man müsse sich seine Nische suchen.

Wer also kann, der verschafft sich sein Alleinstellungsmerkmal.

Und es ist natürlich aber ein Vorteil dieses more of the same, dass immer auch ein back up da ist, jemand, der einspringt, wenn jemand ausfällt, sei es durch Managementfehler, sei es durch zu optimistisches Wachstum usw.

Der Real Existierende Sozialismus schuf übrigens auch nur Monopole – Stalin mit seinen Kombinaten auf der grünen Wiese, Eisenhüttenstadt, Leuna: alles nationale Champions (Monsieur Hollande steht übrigens vor selbigem Problem…)…

BB September 14, 2013 um 22:03

Nachtrag:

Wer verdient bei uns am besten?

Ausbeuter (Unternehmer und
Rentiers
sind natürlich keine Marktabgrenzer sondern Mehrwert-Aneigner.

Wir haben also zwei Gruppen, denen es gut geht:
- die Mehrwertaneigner und die
- Marktabgrenzer

BB September 14, 2013 um 22:11

@Schatten,

“Wer also kann, der verschafft sich sein Alleinstellungsmerkmal.”

Jo, es lebe der totale Individualismus.

“Es gibt einen Markt für Euch, wenn ihr gut seid im Aufbauen von Themen und Sichtweisen, die sonst niemand hat.”

Wer sagt das? Don Alphonso

Zwei verwandte Seelen. Der Zocker und der Rentier.

(Klar, das predigen die, denen es ja bald hoffentlich an den Kragen geht)

BB September 14, 2013 um 22:20

Mit “an den Kragen gehen” meine ich natürlich “Finanztransaktionssteuer”, “Erbschafts- und Vermögenssteuer”. Jedenfalls nichts Schlimmes.

holger September 14, 2013 um 22:40

Und sollte ich den AFFEN MORPH mal treffen,

—>>>Sterben zu müssen und den Tod zu verdienen sind verschiedene Sachverhalte.”

DANN REISSE ICH IHM DEN ARSCH BIS AN DIE OHREN AUF

holger September 14, 2013 um 22:42

Dann kann er weiter studieren, der Drecksack…

Kecker September 14, 2013 um 22:46

@ BB “Mit “an den Kragen gehen” meine ich natürlich “Finanztransaktionssteuer”, “Erbschafts- und Vermögenssteuer”. Jedenfalls nichts Schlimmes.”

Man muss nicht immer da anknüpfen, wo man den Faden verloren hat, sondern auch mal etwas Neues einfädeln. (Gerhard Uhlenbruck)

* kecker, lach*

Morph September 14, 2013 um 22:50

@Holger

Your mind is on vacation and your mouth is working overtime. ;-)

http://www.youtube.com/watch?v=-wBdQ16rDgI

holger September 14, 2013 um 22:54

Der Arsch Bumms Kumpane Morph redet über den Tod!

Was für ein kleingeistiger Arschlecker… LOL :D

Ein armseeliges Schwein…

Good Bye sleep very well

https://www.youtube.com/watch?v=LTD4noOudR8

holger September 14, 2013 um 23:11

Personal Jesus :D

https://www.youtube.com/watch?v=hqpdAGkK4Dk

Morph leg dich hin jetzt aber GN8 alte hässliche Wurst ;)

gelegentlich September 15, 2013 um 04:24

@
Wirklich müde grinsend:
„Der Arsch Bumms Kumpane Morph redet über den Tod!
Was für ein kleingeistiger Arschlecker… LOL :D
Ein armseeliges Schwein…“
? Wozu soll so was gut sein? Zum Nachweis wie „liberal“ es hier zugeht? Ein Künstler, der nur noch seine vermeintlich besten und erfolgreichsten Sachen kopiert, nur leicht abwandelt usw. wird zum Langweiler.

"ruby" September 15, 2013 um 06:24

Chill Out für die nächste ParisClubNight
http://www.youtube.com/watch?v=HnriNpixczY
No Copy Kill
;-)

BB September 15, 2013 um 09:59

@kecker

Thrakisches Lachen will gelernt sein:

http://www.lit-verlag.de/isbn/3-8258-6200-3

"ruby" September 15, 2013 um 10:44

OT – Anfrage an die Meisterrhetoriker :
Aus welcher Sprachenecke kommt das “Wiesaussieht”, “Wiessoist” oder “Wiesmalseinkönnte”?
Hoffentlich nicht von der Wiesen …

holger September 15, 2013 um 14:22

gelegentlich

—>>>? Wozu soll so was gut sein? Zum Nachweis wie „liberal“ es hier zugeht?”

Quatsch… das ist unterste Niveau Stufe… so, wie der Waschbär auch immer Argumente vor bringt. :D Nur in einer anderen Wortwahl.

gelegentlich September 15, 2013 um 17:41

@holger
„Der Arsch Bumms Kumpane Morph redet über den Tod!
Was für ein kleingeistiger Arschlecker… LOL :D
Ein armseeliges Schwein…“ Zitat 1
Aber dann:
„Quatsch… das ist unterste Niveau Stufe… so, wie der Waschbär auch immer Argumente vor bringt. :D“ Zitat 2

Ich bin irritiert. Wie paßt Niveau zu 1? Ich verstehe einfach nicht was uns der Autor damit sagen will.

holger September 15, 2013 um 18:35

gelegentlich

ich auch nicht ;) verstehe eh nix… und dabei bleibts…

holger September 15, 2013 um 18:49

gelegentlich

übrigens hat die NPD in Bayern von 49% Wahlbeteiligung 0,8% bekommen.

Ich würde dafür ne Großdemo veranstalten wollen gegen Rachts. Kann ja nicht sein in einer liberalen Demokratie, wo die FDP leider in Bayern nicht mehr teilnehmen darf.

;)

Think positive September 16, 2013 um 12:36

Den Kern der Ideologie des Liberalismus bildet dessen sozialdarwinistisches Menschen- und Gesellschaftsbild. Sein „freier Mensch“ ist das egoistische und egozentrische Individuum, befreit von prosozialer Moral sowie gesellchaftlicher Verantwortung, Verpflichtungen und Zwängen.
Insofern ist der Liberalismus anti-feudal, anti-christlich und anti-sozialistisch.

Die Markt-Ideologie ist eine Rechtfertigungsideologie. Wie das feudale „Gottesgnadentum“ und wie die sozialdarwinistische Ideologie der angeblich anti-sozialen Natur des Menschen („homo homini lupus“) entlastet die liberale Ideologie ihre a-sozialen Anhänger und Praktiker von einem „schlechten Gewissen“, wenn sie a- und anti-sozial handeln.

Die Ideologie des Liberalismus ist die Ideologie einer herrschenden Klasse und von Mitprofiteuren, deren ökonomische Aktivitäten auf skrupelloser Ausbeutung und Selbstbereicherung basieren.

Insofern ist die Metamorphose eines Liberalen zum Faschisten nichts Überraschendes, sondern in dessen anti-sozialen Ideologie und Persönlichkeit angelegt.

1973 war ich zur Zeit des CIA-gesteuerten Pinochet-Putsches bei einer Schulfreundin in Hamburg zu Besuch. Eine Frau mit VWL-Abschluss, die als Journalistin beim STERN tätig war. Und die mit dem damaligen Linksliberalismus sehr sympathisierte. Als ich mich voller Entsetzen und Abscheu über den faschistischen Putsch und die Missachtung der Demokratie äußerte, meinte sie: „Aber das sind doch Kommunisten …!“

Der Neoliberalismus ist die heutige Ideologie der Profiteure der „Marktwirtschaft“, in Zeiten, wo man zu sozialliberalen Klassenkompromissen nicht mehr bereit ist und – aufgrund fehlenden Solidarisierung und des fehlenden Widerstandes auf Seiten der lohnarbeitenden Bevölkerung – nicht mehr bereit sein muss.

In solchen Zeiten wird einem Rainer Hank der Karl-Hermann-Flach-Preis der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung verliehen und es wird eine „”Henry-Kissinger-Professur”“ zu Ehren des ehemaligen US-Außenministers Henry Kissinger an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn eingerichtet.

Wobei der Liberale Friedrich Naumann ein Vordenker des „nationalen Sozialismus“ war, welcher „Volksgemeinschaft“ nach innen und Imperialismus nach außen praktizieren wollte.
http://de.wikipedia.org/wiki/Nationaler_Sozialismus

„Missachtung der Demokratie ist immer noch nicht strafbar. Auch wenn man sie in Blut ertränkt?

Aber das ist doch überhaupt nichts Neues. Schauen Sie doch mal gut 40 Jahre zurück, um nur ein einziges Beispiel zu bringen. 1970 hatte Salvador Allende als Kandidat der Linken die Präsidentschaftswahlen in Chile gewonnen. ITT, Pepsi Cola, die Chase Manhattan Bank und der CIA intervenierten: Notfalls müsse mit Gewalt verhindert werden, dass Allende sein Amt antreten könne.

Henry Kissinger, damals Sicherheitsberater von Präsident Nixon, sagte dazu, man könne doch einem Land nicht erlauben, kommunistisch zu werden, weil dessen Bevölkerung so unvernünftig sei. „Unvernünftig“ – haben wir dieses Wort nicht ständig im Zusammenhang mit den griechischen Wahlen vorgesetzt bekommen? „Unvernünftig“ wäre die Wahl der „falschen“ Parteien, und dann würden Konsequenzen folgen müssen.

Welch Fortschritt seit 1970! Heute kann man als Konsequenz ein hochverschuldetes Land nur mit ökonomischen Mitteln innerhalb weniger Tage platt machen, 1970 griff man noch zu anderen Mitteln, wie im Beispiel Chile:

Die USA – Präsident Nixons Sicherheitsberater Henry Kissinger als einer der entscheidenden Drahtzieher hinter den Kulissen – arbeiteten sofort auf einen Militärputsch hin. Am 16. Oktober, fünf Wochen nach Allendes Wahlsieg und acht Tage vor dessen Vereidigung durch den chilenischen Kongress, kabelte die CIA folgende unmissverständliche Order an ihre Dienststelle in Santiago: “Weiter bestehendes, klares Ziel ist der Sturz Allendes durch einen Putsch. Es wäre wünschenswert, wenn dies noch vor dem 24. Oktober zustande käme, doch Bemühungen in dieser Hinsicht werden über dieses Datum hinaus unvermindert verfolgt.”

Der Putsch kam dann 1973. Vorausgegangen war eine Vielzahl von Geheimoperationen gegen die gewählte chilenische Regierung. Eine besonders ekelhafte fand noch vor Allendes Amtsantritt statt: Ein Militärputsch ist ohne Militär nicht möglich, und in Chile machte ausgerechnet der Oberbefehlshaber der Armee, General René Schneider, nicht mit. Zitieren wir aus dem Wikipedia-Artikel über René Schneider:

„Schneider stand treu zur Verfassung und war Garant einer freien Abstimmung im Kongress über die Wahl Salvador Allendes zum Staatsoberhaupt. Am 22. Oktober 1970 wurde der General von einem von der CIA unterstützten Killerkommando überfallen und schwer angeschossen. Er stand den Putschisten im Wege, die die amerikanischen Interessen gewährleisten sollten (u. a. die des ITT-Konzerns). […] Schneider starb drei Tage nach dem Angriff im Krankenhaus, einen Tag nach der Wahl Salvador Allendes.

[…] Nach jetzt freigegebenen Dokumenten des US-amerikanischen Geheimdienstes soll Präsident Nixons Sicherheitsberater Kissinger 1970 die Ermordung von General René Schneider veranlasst haben. Die Angehörigen Schneiders suchen inzwischen gerichtlich Entschädigung für Kissingers Verwicklung in das Attentat.“

Mehr darüber mit weiteren Links.

Demokratie? Da scheißen doch schon seit allen Zeiten die drauf, die wirklich die Macht haben. Der Fortschritt von den 1970ern zu den 2010er Jahren? Statt Mord und Massenmord (infolge des Putsches von 1973 in Chile verloren ca. 30.000 Menschen ihr Leben) angedroht Euro-Rausschmiss und kein Geld mehr für den Kreislauf Banken im Westen – Griechenland – Banken im Westen. Was für ein Fortschritt!!!

Und mit den Geistern der Vergangenheit hat ja auch noch niemand aufgeräumt. Henry Kissinger: Chile ist ja nur einer von vielen Dreckflecken auf seiner Weste, man lese etwa mal einen alten TAZ-Artikel von 2001 nach. Und dieser Mann wird heute immer noch allgemein hoch geehrt und nicht vor Gericht gestellt. Missachtung der Demokratie ist immer noch nicht strafbar, und wenn man sie in Blut ertränkt hat?
http://www.nachdenkseiten.de/?p=13605

Wenn man meint, es sei „Zeit, über den Liberalismus neu nachzudenken“, dann liegt ein entscheidendes Motiv wahrscheinlich darin, dass inzwischen soziale Schichten, insbesondere die privilierten Mittelschichten, die 1973 aus globaler Perspektive noch zu den „Winnern“ gehörten, inzwischen immer mehr zu „Losern“ werden

"ruby" September 16, 2013 um 12:47

Eine Regierung unter Beteiligung der derzeitigen FDP scheint für Wähler erledigt. Die Protagonisten der Parteispitze können das nicht mehr revidieren. Keiner wird ihnen Zweitstimmen geben.
Die Linke kann dieses Dilemma durch die Ostregionalität noch kompensieren ohne Machtbeteiligung.
Wer also keine Große Koalition will weiß ganz genau, was er wählen wird oder bereits “gebrieft” hat.
Rot-Grün
Absolute CDU-Mehrheit
Kleine Parteien : Afd, Freie Wähler oder Piraten

BB September 16, 2013 um 15:16

Das neoliberale Selbst

“Es sei hier nur auf die neoliberale Technologie par excellence verwiesen, auf Facebook. Facebook ist der perfekte reflexive Apparat: Es ist ein äußerst erfolgreiches Geschäft, das denen, die mitmachen, beibringt, wie man sich selbst in eine biegsame, anpassungsfähige unternehmerische Identität verwandelt.”

Think positive September 16, 2013 um 17:00

Die Überlegenheit des Liberalismus gegenüber einem Herrschaftssystem wie dem „Realen Sozialismus“ beruht auf dem Umstand, dass ersterer schwerer durchschaubar ist.
Denn er operiert im Alltag nicht mit manifesten Zwängen, sondern mit „Belohnungen“ fürs Mitmachen. Der Zwang steckt in den Strukturen. Niemand wird gezwungen, zu arbeiten oder sich zu vermarkten. Aus egoistischen Motiven unterwerfen sich die Individuen „freiwillig“ den Systemzwängen.

Habermas warnte 1967 davor, die latente Gewalt in den Strukturen freizusetzen.

Allerdings bedarf es sozialer Intelligenz, die Systemgewalt zu erkennen, die in den Strukturen der marktwirtschaftlichen Organisation von Gesellschaft steckt . EineIntelligenzvermögen, über welches in heutiger Zeit die kapitalistisch sozialisierten Individuen bis auf wenige Ausnahmen nicht (mehr) verfügen. Denn sie erleben die Marktwirtschaft als alternativlose Quasi-Natur.

Gleichwohl ist diese Gewalt immer als brutale Herrschaftsgewalt latent vorhanden, wie Allende 1973 erfahren musste. Wenn die Herrschenden ihr System als gefährdet ansehen, dann lassen sie ihre liberale Maske fallen.

Dann zeigt sich auch, auf welcher Seite die liberale Linke steht, so wie in der Person von Ebert, Noske, Brandt …

Der sozialdemokratische Kanzler Willy Brandt trägt die politische Veranwortung für den sog. „Radikalenerlass“ aka Berufsverbote gegen systemkritische Linke.
Das war ein klarer Verstoß gegen das freiheitlich-demokratische Prinzip. Es ist der Meilenstein, der im Nachkriegsdeutschland den Weg in die Postdemokratie markiert.

Steht die freiheitlich-demokratische Verfassung im Konflikt mit den Herrschafts- und Ausbeutungsinteressen der Liberalen, dann sind sie schnell bereit, die Verfassung zu brechen.

Die schöne Illusion, vermeintlich selbstregulierende Märkte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit seien miteinander vereinbar, sie seien gar zwei Seiten der gleichen Medaille, lässt sich abstrakt und theoretisch leicht aufrechterhalten. Liberale Politik sieht aber anders aus, wenn die erwünschte Ausweitung vermeintlich selbstregulierender Märkte soziale Konflikte provoziert oder auf massive politische Widerstände trifft. (Patrick Schreiner)

Das ist die historische Lektion und das politische Trauma all derer, die ein anderes System wollen. „Freedom and democracy“ währen in liberalen Gesellschaften nur solange, wie sie den Wirtschaftsinteressen der Reichen und Mächtigen nicht im Wege stehen.

Think positive September 16, 2013 um 18:30

@BB September 16, 2013 um 15:16
“Es sei hier nur auf die neoliberale Technologie par excellence verwiesen, auf Facebook. Facebook ist der perfekte reflexive Apparat: Es ist ein äußerst erfolgreiches Geschäft, das denen, die mitmachen, beibringt, wie man sich selbst in eine biegsame, anpassungsfähige unternehmerische Identität verwandelt.”

Völliger Unsinn. Typisch FAZ-Feuilleton.

Eine Projektion der Huren und Stricher insbesondere im Wissenschafts- und Mediensystem.

Dem Otto Normalo und der Frau an der Kasse des Supermarkts bringt es nichts.

Carlos Manoso September 16, 2013 um 18:55

@Think positive September 16, 2013 um 18:30
“Es sei hier nur auf die neoliberale Technologie par excellence verwiesen, auf Facebook. Facebook ist der perfekte reflexive Apparat: Es ist ein äußerst erfolgreiches Geschäft, das denen, die mitmachen, beibringt, wie man sich selbst in eine biegsame, anpassungsfähige unternehmerische Identität verwandelt.”
Völliger Unsinn. Typisch FAZ-Feuilleton.
Eine Projektion der Huren und Stricher insbesondere im Wissenschafts- und Mediensystem.
Dem Otto Normalo und der Frau an der Kasse des Supermarkts bringt es nichts.“

Think positive , was unterscheidet eigentlich noch die Huren und Stricher „im Wissenschafts- und Mediensystem“ von den Huren und Strichern „an der Kasse des Supermarkts“?

Think positive September 16, 2013 um 19:30

@Carlos Manoso September 16, 2013 um 18:55
Think positive , was unterscheidet eigentlich noch die Huren und Stricher „im Wissenschafts- und Mediensystem“ von den Huren und Strichern „an der Kasse des Supermarkts“?

Obwohl das Gros der JounalistInnen sich im Erwerbseinkommen wahrscheinlich kaum von jenen an der „an der Kasse des Supermarkts“ unterscheidet, so liegt die entscheidende Differenz im Sozialstatus und im Selbstwertgefühl. Sie wähnen sich darüberstehend und in einer gehobenen sozialen Schicht.

Entsprechend ist ihre warenästhetische Verpackung. Intellektuell sind es Blender und Bluffer. Insbesondere Frauen setzen zudem aufs Aussehen.

„An der Kasse des Supermarkts“ zählt dies jedoch nicht, sondern die Schnelligkeit beim Einscannen und Kassieren.

BB September 16, 2013 um 20:25

@Think positive

“Insofern ist die Metamorphose eines Liberalen zum Faschisten nichts Überraschendes, sondern in dessen anti-sozialen Ideologie und Persönlichkeit angelegt.”

OK, das ist eine psychologische bzw. soziologische Folgerung. Allerdings keine systemische.

Systemisch sind Faschismus und Sozialismus sowie Kombinationen davon (Nationalsozialismus) Antagonismen des Liberalismus.

Ein systemischer Gegenentwurf zum Liberalismus wird dies berücksichtigen müssen. Wenn im entarteten Liberalismus a la Chile bis Merkelrepublik Euroland das sich selbst zu Markte tragende Individuum in Konkurrenz zu anderen Individuen dem Ideal des freien Menschen entspricht, muss man dem einen Gesellschaftsentwurf entgegensetzen, der den “Gemeinschaftssinn” (oder wie auch immer: Solidarität, ….) stärker betont und belegen, dass das wirklich freie Individuum das solidarisch handelnde ist.

Wie könnte man das belegen? Z.B. in dem man der abgeblich freiheitlichen Forderung der Liberalen nach “mehr Eigenverantwortung” und deshalb “privat im Alter vorsorgen” statt “sich auf den Staat zu verlassen” dadurch begegnet, dass man deutlich macht, wie frei man ist, wenn man nicht jedes Wochenende Angst um seine Altersvorsorge haben muss und aus 1000 verschiedenen Angeboten fachkundig auswählen muss, von denen 500 betrügerisch sind. Freiheit bedeutet, sich in der Freizeit mit anderem zu beschäftigen, als Fachwissen über Privatversicherungen zu erwerben. Die solidarische Rente macht in diesem Sinn frei! Die solidarische und verlässliche Organisation der sozialen Sicherungssysteme befreit die Menschen von der Qual der Wahl.

So ungefähr könnte man der albernen liberalen Argumentation nach mehr Eigeninitiative begegnen. Das kann man auch auf andere Bereiche übertragen (Krankenkasse, Bildung, …)

“Völliger Unsinn. Typisch FAZ-Feuilleton. Eine Projektion der Huren und Stricher insbesondere im Wissenschafts- und Mediensystem.”

Philip Mirowski gehört nicht zum FAZ-Feuilleton sondern hat einen Gastbeitrag geschrieben, wie du leicht hättest ergoogeln können.

BB September 16, 2013 um 20:38

PS: Sozialismus und Liberalismus sind natürlich nicht per se “entartet” wie etwa der Faschischmus oder der Nationalsozialismus. Vielmehr könnte man über Kombinationen (sozialliberal) diskutieren oder über ganz anderes.

Think positive September 16, 2013 um 21:58

@BB September 16, 2013 um 20:25
“Insofern ist die Metamorphose eines Liberalen zum Faschisten nichts Überraschendes, sondern in dessen anti-sozialen Ideologie und Persönlichkeit angelegt.”
OK, das ist eine psychologische bzw. soziologische Folgerung. Allerdings keine systemische.
Systemisch sind Faschismus und Sozialismus sowie Kombinationen davon (Nationalsozialismus) Antagonismen des Liberalismus.

Selbstverständlich widerspricht der faschistische Staat einem liberalen Gesellschaftsmodell.

Wenn aus soziologischer Sicht Systeme analysiert werden, dann sollte es sich jedoch nicht nur um einen oberflächlichen Modellvergleich, sondern um eine Analyse der gesellschaftlichen Realität handeln. Hier gilt es zwischen äußerer Form und gesellschaftlicher Wirklichkeit zu unterscheiden.

Tatsächlich bedeutete in Chile die faschistische Pinochet-Diktatur keinen Kontinuitätsbruch in der gesellschaftlichen Wirklichkeit. Das System imperialistischer Ausbeutung – repräsentiert von den USA – wurde aufrechterhalten genauso wie das innergesellschaftliche Ausbeutungssystem durch die herrschenden Klassen.
Insofern kann von einem gesellschaftlichen Antagonismus zwischen liberaler Demokratie und faschistischer Diktatur nicht die Rede sein. Im Gegenteil, die Diktatur ist ein Mittel der Aufrechterhaltung von Herrschaft und Ausbeutung. Beides – formale Demokratie und Diktatur/Faschismus – sind Formen kapitalistischer Herrschaft.

So stellte auch der deutsche Faschismus keinen Bruch in der Kontinuität von klassengesellschaftlicher Wirklichkeit dar. Denn die Faschisten ließen die Eigentumsordnung unangetastet, wenngleich die Verfügbarkeit der Privateigentümer über ihre Produktionsmittel von staatlicher Seite eingeschränkt war. Doch bekanntlich ermöglichte der Nationalsozialismus den Reichen noch reicher zu werden, insbesondere durch Aneignung jüdischen Vermögens sowie durch Ausbeutung von Sklavenarbeitern.

Auch die demokratische Nachkriegsordnung in Westdeutschland beinhaltete in dieser Hinsicht keinen Kontinuitätsbruch, im Gegenteil. Unterhalb der demokratischen und liberalen Fassade gab es nach wie vor eine Macht- und Vermögensverteilung, die völlig anti-demokratisch und anti-liberal war.

Man könnte bei oberflächlicher Betrachtung meinen, es bestehe ein Widerspruch zwischen dem liberalen und formaldemokratischen Gesellschaftsmodell einerseits und der gesellschaftlichen Wirklichkeit andererseits. Das jedoch ist grundfalsch. Die formale Demokratie ist ein Mittel der Klassenherrschaft. Und formale Demokratie und Faschismus sind miteinander kompatibel, wie die nationalsozialistische Herrschaft bis 1939 zeigte. In der Sphäre der Ökonomie ging es niemals liberal zu, sondern immer hierarchisch und autoritär.

Fazit:
Der Liberalismus war und ist eine Ideologie, welche die gesellschaftliche Wirklichkeit verschleiert.

Der Liberalismus ist die Fortsetzung der Sklaverei auf Basis von scheinbarer Vertragsfreiheit und Freiwilligkeit, während in Wirklichkeit die eigentumslosen Menschen durch die latente Gewalt in Systemstrukturen zur Unterwerfung unter das System der Lohnarbeit gezwungen sind.

Wird – wie in Chile – durch sozialistische Reformen – dieses System der Herrschaft und Ausbeutung durch Lohnsklaverei in Frage gestellt, so wird die latente Gewalt in den gesellschaftlichen Strukturen zur offenen diktatorischen und faschistischen Gewalt.

Wohlstand für alle, eine bedinglose Grundsicherung und/oder eine „solidarische und verlässliche Organisation der sozialen Sicherungssysteme“ sind sozialliberale Illusionen, die in diesem System niemals Wirklichkeit werden können, weil die Armut und Lohnsklaverei der arbeitenden Bevölkerung die Bedingung des arbeitsfreien Einkommens sowie des Wachstums der Vermögen der Reichen und Mächtigen ist.

gelegentlich September 17, 2013 um 06:37

Um auf meinen Beitrag
gelegentlich September 14, 2013 um 06:14
zurückzukommen. Eine Autorin, ich sehr schätze, veröffentlichte gerade ein Buch zu genau diesem Thema:

http://www.heise.de/tp/druck/mb/artikel/39/39907/1.html

„Kapitalismus ist nicht das Gegenteil von Staat
Ulrike Herrmann 17.09.2013
Der Staat ist im Kapitalismus allgegenwärtig. Dieser Zusammenhang ist so offensichtlich, dass sich die Frage stellt, warum Marktliberale dies hartnäckig ignorieren
Neoliberale erwecken stets den Eindruck, als ob die Wirtschaft vom Staat geknebelt würde und sich von dieser politischen Diktatur mühsamst befreien müsste. Historisch ist dies ein völlig schiefes Bild: Wo immer es Frühformen des Kapitalismus gab – da hatten diese frühen Kapitalisten auch politisch das Sagen.“

Fazit: Liberalismus/Neoliberalismus sind erfolgreiche pseudoreligiös-wahnhafte Konstrukte. Sie haben Erfolg, weil sie Jedem, der auskömmlich zu leben geschafft hat, vermitteln dies habe er allein errreicht, weil er besser ist als die Anderen. Und für diese grandiose narzißstische Erhöhung muss er nicht mal 5x am Tag sich nach Mekka beugen oder andere aufwändige Rituale bedienen. Der Liberalismus ist also auch „triebökonomisch“ besser, d.h. günstiger.
In historischen Situationen, wo wir Alle gemeinsam an die Grenzen stoßen (Krisen, Kriege) muss er halt mal eine Zeitlang in den Hintergrund treten. Aber diesen Kummer sind die Liberalen ja gewohnt.

Schatten September 17, 2013 um 09:56

@gelegentlich

Der Staat und der Neoliberalismus?

Als die Liberalen und historisch kürzlich die Neoliberalen aufkamen, da gab es den Staat schon längst. Und zumindest für die Neoliberalen kann man nicht behaupten, dass sie sich nicht alle Mühe geben würden, ihn abzuschaffen!

Neo-Liberalismus ist Privatisierung und Deregulierung und es ist eine gewaltige Schuldenorgie – ein Impotent-Machen des Staates.

Und wenn man jetzt anführt

- dass der Staat Steuern eintreibt… Das könnte Blackwater auch.

- dass man den Staat für humanitäre Interventionen braucht – Blackwater…

- dass der Staat Straßen baut… Was glaubt man, wo die Maut hinführt?

- dass der Staat Schulen betreibt… Privatschulen!

etc.

Der Neoliberalismus ist nicht auf den Staat angewiesen, die Bürger sind es! Der Neoliberalismus braucht keinen Staat, die Demokratie braucht ihn.

Da der Staat aber immer so eine Machtscheiße ist, stellt sich die Frage, was für eine Demokratie…

Think positive September 17, 2013 um 10:54

@gelegentlich September 17, 2013 um 06:37
Fazit: Liberalismus/Neoliberalismus sind erfolgreiche pseudoreligiös-wahnhafte Konstrukte. Sie haben Erfolg, weil sie Jedem, der auskömmlich zu leben geschafft hat, vermitteln dies habe er allein errreicht, weil er besser ist als die Anderen. Und für diese grandiose narzißstische Erhöhung muss er nicht mal 5x am Tag sich nach Mekka beugen oder andere aufwändige Rituale bedienen. Der Liberalismus ist also auch „triebökonomisch“ besser, d.h. günstiger.

Es führt in die Irre, den Propagandisten des Liberalismus vorzuhalten, ihre Deutungsmuster seien „pseudoreligiös-wahnhafte Konstrukte“.

Der Liberalismus ist eine Ideologie. That´s all.
Ideologie sind bewusstseinsmanipulierende Herrschaftstechniken.
Nichts mit Wahn oder Religion auf Seiten der Herrschenden.

Liberale glauben nicht an den Liberalismus, glauben nicht an die selbstregulierende Funktion des Marktes. Und deshalb haben sie auch nichts gegen Diktatur und gegen Faschismus, wenn es – wie in Chile – ihre Interessen und ihre Profite erfordern.

Liberale sind die Profiteure der Ideologie des Liberalismus. That´s all.

Gegen den Staat sind sie, wenn dieser ihre Profite schmälert oder ihre Geschäftstätigkeit einengt. Für den Staat sind sie, wenn er ihr Privateigentum schützt und den Erfolg ihrer Geschäfte fördert. Einmal sind sie für Freihandel, ein andermal für Marktregulation und Schutzzölle.

Ist das so schwer zu begreifen, was eine Ideologie und deren Funktion ist?
Eben kein Wahn, keine Religion, sondern Ausdruck eines kalten, berechnenden Interesses.

Wahn und Religion kann man allerhöchsten jenen unterstellen, die an den Liberalismus glauben, aber zu den Verlierern in diesem System gehören.
Statt von Wahn oder Religion, kann man auch von subalterner Gläubigkeit, Unverstand und Dummheit sprechen.

Man kann sich darüber streiten, ob diese Dummheit von oben gemacht oder selbstverschuldet ist.

Und politischer Unverstand zeigt sich auch bei jenen Kritikern des Liberalismus, die glauben, die Herrschenden und ihre bezahlten liberalen Apologeten würden selbst an den Liberalismus bzw. an die selbstregulierende Funktion des Marktes glauben.

gelegentlich September 17, 2013 um 11:23

@Schatten
Auch wenn der Staat Aufträge an Blackwater ausreicht: es bleibt ein staatlicher Auftrag. Die Absolventen der Privatschulen brauchen eine Insitution, die ihre Abschlüsse anerkennt.
Ob die Nutznießer des Neoliberalismus selber an diesen glauben oder nicht macht politisch keinen Unterschied.
Wichtig ist aber, dass ihr Credo nicht zu den beobachtbaren Fakten paßt. Das wieder einmal herausgearbeitet zu haben ist das Verdienst von Ulrike Herrmanns Buch.

petervonkloss September 17, 2013 um 12:14

Jetzt benimmt euch mal alle wieder, und seid lieb und heftig und wahrhaftig in allem eurem Tun!
Denn der große Zampano des großen, abstrakten guten Wir (wie einst der große Pan) ist vergangen. Jetzt müssen wir, da uns das verfließende der Theorie kaum noch hält, in einen neuen Zusammenhang kommen,.

Alles was geschieht, hat einen „mystischen“ Anfang und ein „mystisches“ Ende. D. h. es wird nur von Weni-
gen unmittelbar verstanden werden; das Mittelbare und sein Verlauf, sind im tragischen Geschehen der Geschichte
befangen. Insofern kann man trotz geisteswissenschaftlicher Theoriebildung für die Ferne und selbst für die Gegenwart keine Wahrheit bilden, da sie vor allem heute aus einem verschärften Agonismus der Dialektik ent-
stand.
Wahrheit ist der Knotenpunkt, der nur selten aufglüht; ist vielleicht nur ein seltenes Satzfeuer einer Sentenz und Gedichtzeile, die meist in Paradoxien gebildet ist, wie dies im Anfänglichen durch Heraklit und Anaximander ge-
schieht.

Das Schöne an Deutschland ist, daß es tragische Konglomerate bevorzugte;… (dazu zähle ich auch über dem aufgetürmten Hauf der letzten, schrecklichen Geschichte, das Gedicht der Todesfuge von Paul Celan)……………….. Sonst hätte es nie diese großartige Musik hervorbringen können, in Verbindung mit allerlei Technik!
Eine Art „Theodizee“ des Deutschen scheint kaum möglich, und ist trotzdem im Wesen seiner Geschichte enthalten.

Es ist der Versuch des genauen Absoluten in allen Bereichen. Es ist die vollendete Metaphysik (Kants, Hegels), die die Neunte Beethovens denken und fühlen und komponieren konnte. Die Revolution bildete das französiche Material und das Cogito ergo, zur Beschleunigung der technischen Mittel, durch die Unruh der marsianisch, getakteten Zeit.

Aber überall in dieser Musik schwang etwas durch, daß in dieser Metaphysik nie aufging, man nennt es meist mit je-
weiligen Adjektiven das Romantische, welches seine Kulmination in den fragwürdigen Texten eines Hölderlin, Nietzsche, Heideggers erfährt, den die deutsch – jüdischen Intellektuellen, in ihrer Substitution fast immer ins Fahrwasser der Aufklärung zu geleiten wussten; bis sie selbst, wie Horkheimer und Adorno, ihrem pessimisti-
schem „Fluch“ ergeben waren. Die „Minima Moralia“ ergeben ein schreckliches Beispiel, welches die dunkelsten
Texte Martin Heideggers, in der ihm gebührenden Helligkeit des Clair/Obscure erstrahlen läßt.

Und so kommen wir wieder zum Anfänglichen des Heraklit und Anaximander;

Alles Große hat in sich die Bereitschaft zum Untergang!
Dies gilt insbesondere für die außereuropäischen Kulturen.

Der vollends und in der Tendenz totale, durch das paulinische Christentum umgefälschte Platonismus — obgleich er
selbst schon eine Verfallsphase (Agonismus) darstellt – gebirt die für die gesamte Erde folgenreichste und primitiv-
ste Kultur, nämlich die totale Zivilisation!, in der die geheime Mystik des Subjekts den Fortschritt mittels Christentum, Sozialismus und Computerisierung die „mystische“ Kurzschließung der Welt und des Universums
per Technologie herstellen möchte.

Der Fortschritt ist insofern die „Mystik“ des objektivierten Subjekts seiner technichen Formation im höchsten
Stadium seiner „Seinvergessenheit“.
Jetzt kommt es darauf an, die Kernthesen zu erinnern und sozusagen umzupolen!

Oder wie der geniale Ernst Jünger sagt: „….Die Religionen als Kunstwerke. Ein Olymp wird erdichtet; die Götter
ziehen ein. Sie werden glaubwürdig. Das Licht hat sich in ein Spektrum aufgespalten; dem Namenlosen
sind für ein Jahrtausend Namen verliehen.

http://derstandard.at/1376535136435/Diethard-Leopold-Was-ist-Zeit-im-Zen

petervonkloss September 17, 2013 um 12:26

Ich habe folgendes von Ernst Jünger fettbetont:

“Das Licht hat sich in ein Spektrum aufgespalten; dem Namenlosen
sind für ein Jahrtausend Namen verliehen.”

BB September 17, 2013 um 12:55

@Think positive

Alles schon richig, was du aus soziologischer Perspektive analysierst.

Allerdings würde eine klare Widerlegung der Funktionsfähigkeit des liberalen Modells helfen, einen Gegenentwurf zu entwerfen und zu legitimieren.

Schließlich argumentieren die “Libertären” (um die “marktradikalen” von den “Bürgerrechtsliberalen” etwas abzugrenzen) ja geradezu penetrant mit ihren albernen neo-klassischen Gleichgewichtsmodellen.

Eine andere Frage, die sich dann daraus ergibt und die dann sicherlich wieder soziologisch zu beantworten wäre, ist die, inwieweit logische Gegenargumente bzw. Gegenentwürfe sich überhaupt gegenüber dem neoliberalen Mainstream durchsetzen lassen.

Aber auch da wäre eine Diskussion sinnvoller, die weniger die historischen Analysen (NS, Chile, …) in den Vordergrund stellt, sondern vor dem Hintergrund soziologisch begründeter Widerstände Handlungsanleitungen entwickelt, wie man der Aufklärung gegenüber der allgegenwärtigen Manipulation und Propaganda zum Durchbruch verhelfen kann.

Hättest Du da mit deinem soziologischen Instrumentarium etwas zu bieten?

Think positive September 17, 2013 um 13:18

@gelegentlich September 17, 2013 um 11:23
Ob die Nutznießer des Neoliberalismus selber an diesen glauben oder nicht macht politisch keinen Unterschied.
Wichtig ist aber, dass ihr Credo nicht zu den beobachtbaren Fakten paßt. Das wieder einmal herausgearbeitet zu haben ist das Verdienst von Ulrike Herrmanns Buch.

Die Behauptung: „Ob die Nutznießer des Neoliberalismus selber an diesen glauben oder nicht macht politisch keinen Unterschied.“ sehe ich als politischen Fehler an.

Denn was bedeutet es politisch, wenn die Herrschenden selbst nicht (mehr) an die behaupteten Effekte einer neoliberalen Unstrukturierung – an die heilende Kraft eines selbstorganisierenden Marktes – glauben?

Die logische Konsequenz ist doch, dass die Herrschenden anders als die marktgläubigen Sheeple sich auf ein Ende der liberalistischen Organisation von Gesellschaft vorbereiten.
Anders als die Sheeple glauben sie nicht mehr an ein ewiges Leben von Demokratie und Kapitalismus.

Und was heißt dies konkret?

Offensichtlich sind die Massen einschließlich des akademischen Kleinbürgertums zu realitätsuntüchtig und psychisch zu schwach, um sich mit der Antwort auf diese Frage zu konfrontieren. Sie stecken den Kopf und den Sand und überlassen sich fatalistisch und unpolitisch der weiteren Entwicklung.

Think positive September 17, 2013 um 14:03

@BB September 17, 2013 um 12:55
Allerdings würde eine klare Widerlegung der Funktionsfähigkeit des liberalen Modells helfen, einen Gegenentwurf zu entwerfen und zu legitimieren.
Schließlich argumentieren die “Libertären” (um die “marktradikalen” von den “Bürgerrechtsliberalen” etwas abzugrenzen) ja geradezu penetrant mit ihren albernen neo-klassischen Gleichgewichtsmodellen.

Wissenschaftlich-theoretisch ist das marktwirtschaftlich-liberale Modell längst widerlegt. Zudem zeigt sich empirisch, dass der Kapitalismus nicht (mehr) in der Lage ist, wissenschaftlich-technischen Fortschritt in wachsenden allgemeinen Wohlstand und in eine Zunahme menschlicher Freiheit vom ökonomischen Zwang zu erreichen. In der Realität zeigt sich das Gegenteil, nämlich „Terror der Ökonomie“, schwindender allgemeiner Wohlstand und eine Zunahme existentieller Unsicherheit.

Eine andere Frage, die sich dann daraus ergibt und die dann sicherlich wieder soziologisch zu beantworten wäre, ist die, inwieweit logische Gegenargumente bzw. Gegenentwürfe sich überhaupt gegenüber dem neoliberalen Mainstream durchsetzen lassen.

Die Frage ist, inwieweit sich das „System einer gekauften Wissenschaft“ und ihrer Propagandisten (Journalisten, Medienleute etc.) noch in dieser Form aufrechterhalten lässt. Die Plutokratie kauf sich die renommiertesten Wissenschaftler, wie Nobelpreisträgern, lässt sie mit Spitzeneinkommen in ihren Think Tanks Herrschaftsstrategien und –ideologien konzipieren. Etc.

Je weiter die Entwicklung voranschreitet, umso mehr stehen marktwirtschaftlich-liberale Ideologie im Widerspruch zur empirischen Evidenz der gesellschaftlichen Realität.

Aber auch da wäre eine Diskussion sinnvoller, die weniger die historischen Analysen (NS, Chile, …) in den Vordergrund stellt, sondern vor dem Hintergrund soziologisch begründeter Widerstände Handlungsanleitungen entwickelt, wie man der Aufklärung gegenüber der allgegenwärtigen Manipulation und Propaganda zum Durchbruch verhelfen kann.

Zustimmung.
Aus meiner Sicht sollte sich der Fokus der Diskussion von der Kritik an den Ideologien und am schlechten Zustand der Gesellschaft neu ausrichten auf die latenten Möglichkeiten von allgemeiner Freiheit und allgemeinen Wohlstand, welche durch den wissenschaftlich-technischen Fortschritt bereits vorhanden sind, aber dessen Realisierung durch das kapitalistische System verhindert wird.

Und dies sollte an konkreten Beispielen dargestellt werden.

Ein weiterer Punkt ist, inwieweit auf dieser Welt bereits Alternativmodelle von gesellschaftlicher Entwicklung entstehen.

Die Kritik am schlechten Zustand der Gesellschaft, am anti-sozialen Verhalten der herrschenden Figuren etc. halte ich in dieser historischen Situation für unproduktiv. Daraus resultieren nur endlose und politisch unwirksame Betroffenheits- und Empörungsdiskurse.

Vinxtor September 17, 2013 um 15:46

PVK

…schreiben Sie ruhig Ihr “metaphysik des Schicksals” weiter. Es ist höchstamüsant.
Aber begrabschen Sie doch bitte nicht wiederholt Beethovens Neunnte.
Der letzte Satz von mir aus, daran vergreifen Sie sich nach vollem Lust, bitte.
Die erste Drei sind für amusikalische Mystiker Tabu.
(Spengler hatte mehr Ahnung von Musik als Sie….
Adorno sowieso, das am Rande)

desweiteren gerne mal diese Links zum Grübeln:

http://www.youtube.com/watch?v=eNGvZRuAdMA
(hatte ich schon mal verlinkt..)
und das:
http://www.youtube.com/watch?v=jBnkIVgU00I

V

gelegentlich September 17, 2013 um 17:21

@BB
Ich war nicht angesprochen.
„Eine andere Frage, die sich dann daraus ergibt und die dann sicherlich wieder soziologisch zu beantworten wäre, ist die, inwieweit logische Gegenargumente bzw. Gegenentwürfe sich überhaupt gegenüber dem neoliberalen Mainstream durchsetzen lassen.
Aber auch da wäre eine Diskussion sinnvoller, die weniger die historischen Analysen (NS, Chile, …) in den Vordergrund stellt, sondern vor dem Hintergrund soziologisch begründeter Widerstände Handlungsanleitungen entwickelt, wie man der Aufklärung gegenüber der allgegenwärtigen Manipulation und Propaganda zum Durchbruch verhelfen kann.“
Ich meine reine, nackte und konsequente Empirie hilft da am besten. 1/3 aller Lebensmittel wird im Abfall versenkt. Soviel zur Fähigkeit des besten aller „Systeme“ zur effizientesten Verwendung von Ressourcen. Immer nur der Realität die ideologischen-pseudoreligiösen Begriffe entgegenhalten, zum Spott gesteigert wirkt es noch besser. Die haben einfach ein Problem mit der Wirklichkeit. Dass ihnen die Medien gehören macht es einfacher, aber die haben keine beliebige Reichweite.

BB September 17, 2013 um 21:21

@gelegentlich

Ich meine reine, nackte und konsequente Empirie hilft da am besten

Ich fürchte, das reicht nicht. Womöglich benötigt man auch eine gehörige Portion Agitation.

gelegentlich September 18, 2013 um 06:22

@BB
Bleiben wir bei nackter Empirie. Hier wieder ein Beispiel dafür, was die Protagonisten von freiem Markt halten:
http://www.heise.de/tp/artikel/39/39886/1.html
„Abwrackprämie für Wissenschaftsverlage
Tino Brömme 17.09.2013
Open Access – ein wissenschaftspolitischer Krimi mit open end“
Daraus:
„Ein Wissenschaftler kann für seine Arbeit auf die jeweils besten und aktuellsten Beiträge der Kollegen seines Faches nicht verzichten. Diese starre Nachfrage nutzen globale Verlagshäuser, um sich die aus Steuermitteln finanzierte Forschungsliteratur teuer noch einmal abkaufen zu lassen. Eine Handvoll Konzerne, darunter Springer Science, Thomson Reuters und Elsevier, beherrschen 50 Prozent des Marktes und erzielen Jahresgewinne zwischen 30 und 40 Prozent, eine Marge, die selbst Deutsche-Bank-Analysten für exzessiv halten.“

Also genau der hier diskutierte Sachverhalt.

Und gleich weiter im Problem:
http://www.heise.de/tp/artikel/39/39873/1.html
“Das Parlament soll nicht bestimmen dürfen, was der Wirtschaft erlaubt ist”
Rolf-Henning Hintze 18.09.2013
Fritz Glunk zu Gefahren des geplanten Freihandelsabkommens EU-USA“
Der Link zu der Arbeit von Glunk hier:
http://www.infosperber.ch/data/attachements/Glunk_Schiedsgericht.pdf

Auch dieses neu entstehende Rechtssystem wird von Staaten garantiert. Es ist schon so wie Ulrike Herrmann analysiert hatte.

BB September 18, 2013 um 12:04

@gelegentlich

Sehr interessant der TP-Artikel, vor allem das mit der “Stillstands-Klausel” wusste ich noch nicht.

Hier noch ein spaßiger Cicero-Artikel zu Thema “Liberalismus” (gefunden über Sargnagelschmiede). Der Autor hat den Braten gerochen, dass den Leuten der Marktliberalismus und sein Ellenbogen-Individualismus langsam zum Halse raus hängt und flugs ein neues Schreckgespenst erfunden: den Neo-Kollektivismus:

http://www.cicero.de/berliner-republik/neokollektivismus-der-wolf-im-schafspelz-gleichmacherei-im-namen-des-individuums

Lustig auch die Bildergallerie darunter: “Warum Egoismus siegt”.

Tscha, was soll man dazu sagen? Jeder blamiert sich, wo er kann.

gelegentlich September 18, 2013 um 16:22

Was man dazu sagen soll? Deutschland, das Land der Dichter und Denker – und Plätscherer. Und gräßlich naiv: als ob solche Beobachtungen (die nicht falsch sind) von irgendwelchen politischen expliziten Programmen abhingen. Es ist eher ein fast schon totalitärer Konformismus. Eine Bekannte war bei einem Sender beschäftigt. Eines Morgens hatte sie sich mit dem Morgenprogramm verspätet und ging ungeschminkt ins Büro. Sie erzählte dann, richtig gruselig beeindruckt, an diesem Morgen seien viele Leute in ihrem Büro erschienen und hätten sich für sorglich erkundigt: was fehlt Dir denn? Bist Du krank?
Das eben ist liberal: wir können ganz frei und ganz individualistisch sein – solange wir wie alle Anderen sind. Dann geht nichts aus den Fugen. Liberal heißt ja schließlich nicht unordentlich.

Wirtschaftswurm September 26, 2013 um 18:15

Meine Antwort auf den Artikel. Pinochet und Walter Eucken passen nicht zusammen oder Zeit, über den Liberalismus wirklich neu nachzudenken.

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