Die Fugger des 21. Jahrhunderts und ihre Nachrichtenmacher

by h.huett on 17. Oktober 2013

Gestern war die Buchpremiere in München. Jeremy Scahill, langjähriger Autor bei Democracy Now! und The Nation, stellte die deutsche Übersetzung seines Buchs über “Schmutzige Kriege” vor. Nach seinem Buch über die Firma Blackwater eines der interessantesten Bücher über den “Krieg gegen den Terror”, seine Akteure, ihr politisches Denken und ihre Praxis.

Was ihn außerdem interessant macht, ist die Kooperation mit Glenn Greenwald und Laura Poitras, die von dem Ebay-Gründer Pierre Omidyar finanziert wird. In dem Interviewausschnitt, der Rest des 90minütigen Interviews steht bis zum Wochenende im Netz, gibt Scahill erstmals (noch etwas vage) Auskünfte darüber, was wir uns unter seinem “investigativen Journalismus” vorstellen können.

Was daran bemerkenswert ist, das ist der Sachverhalt, dass nun die Gegenkräfte zum Überwachungsstaat und zum ewigen Krieg auf den Plan treten. Günter Hack hat es heute morgen so auf den Punkt gebracht: “Fuggerei und korrespondierender Journalismus. Willkommen in der frühen Neuzeit.”

Der Epochenbruch kann ökonomisch-kulturell im Rückwärtsgang der alten industriellen Interessen betrachtet werden. Oder aus dem Verständnis eines neuen politischen Journalismus Partei ergreifen.

Eine Gänsehaut auf dem Rücken des Emgels der Geschichte.

{ 25 comments }

wowy Oktober 17, 2013 um 22:28

Whats wrong with journalism today :-)
A lot, baby, a lot!

@jungundnaiv Schlaraffenland=land of milk and honey

Das ist das erste wirklich spannende Projekt, weil es eine einfache Weisheit begreift:
Guter Journalismus ist wichtig und muss ausreichend bezahlt werden.
Ich hoffe, dass sie schneller sind beim Wachrütteln, als die Demokratieabschaffer beim Einschläfern. Sonst könnte es nämlich ein massives Problem geben:
Die Pressefreiheit ist weg.

BB Oktober 17, 2013 um 22:28

Investigativer Journalismus, der von irgendwelchen Milliardären finanziert wird. Da lachen ja die Hühner!

Nur noch einzelne Milliardäre können uns vor der räuberischen Unersättlichkeit der Milliardärsklasse schützen, indem sie die besten Journalisten überall weg kaufen.

Aber die tumbe Digital-Native-Crowd kriegt sich nich mehr ein.

"ruby" Oktober 17, 2013 um 22:34

Ist das der Start für unabhängigen Stream of Democracy across the World?
Oder kommen wir nicht aus den Sackgassen heraus?
Let us start to use the Money created on Illusion and Choices .

http://www.youtube.com/watch?v=XBojreRyubk

Schatten Oktober 17, 2013 um 22:56

Tja, die einen Milliardäre leisten sich einen Fußballverein, die anderen eine Journalisten-Auswahl.

Gute Nachrichten für Fußballer und Journalisten!

BB Oktober 17, 2013 um 23:03

Defätisten aller Länder, vereinigt euch!

Grundsätzlich Zustimmung! Nur die Idee mit den poststrukturalistischen Salons ist Scheiße!

Ändern wir in “radikal-humanistische Salons”, dann passt’s.

Übrigens: EBay ist auch Scheiße!

…. und damit ist dann dieser Kommentar nicht mehr OT.

Doktor D Oktober 17, 2013 um 23:17

Wenn man sich mal die Liste der Empfänger der Jakob Fugger-Medaille “für hervorragende Verdienste und außerordentliche Leistungen, welche die Freiheit, Unabhängigkeit und Integrität der Zeitschriftenpresse fördern und in das Bewusstsein der Bevölkerung rufen.” anschaut, muss es sich da um ein schweres Mißverständnis handeln.

2012: Wochenzeitung „Die Zeit“
2007: Hubert Burda
2000: Reinhard Mohn
1995: Karl Theodor Vogel
1989: Aenne Burda
1982: Golo Mann
1979: Karl Steinbuch
1976: Axel Cäsar Springer
1973: Edmund Banaschewski
1969: Hans Albert Kluthe
1967: Hans Dürrmeier
1965: Focko Lüpsen

BB Oktober 17, 2013 um 23:37

http://netzwertig.com/2013/10/17/im-zuge-von-medienkrise-und-ueberwachungsskandal-it-milliardaere-entdecken-ihre-liebe-zum-journalismus/

Der Beitrag formuliert durchaus zentrale Kritikpunkte.

Bezeichnend aber wieder dieses eloquente Wischi-Waschi-Fazit am Ende des Blogposts:

“Das heißt aber nicht, dass der Journalismus zwangsläufig darunter leiden muss. Was Pierre Omidyar plant, der sich seit langem als Philanthrop betätigt und 2010 in Hawaii eine mehrfach ausgezeichnete Nachrichtenwebsite startete, kann man nur begrüßen.”

Falsch! Ganz falsch! Das kann man nicht begrüßen! Das ist total Scheiße ist das! Das weiß der radikale Humanist einfach, ihr postmodernen Eloquenz-gesteuerten Netzheinis, Immer eine kleine Rückversicherung offenhalten, gelle? Man könnte ja beruflich den Leuten, die man gerade angegangen ist, über den Weg laufen.

Genau dafür sind diese kleinen korrupten postmodernen journalistischen Rückversicherungs-Fazite gedacht. Das macht uns natürlich der Mainstream-Journalismus tagtäglich vor. Sogar TAZ-Journalistinnen – wenn sie denn im Presseclub auftreten – beherrschen diese Relativierungstechnik perfekt!

Soldat Schwejk Oktober 17, 2013 um 23:39

@ BB

Oh Holy Shit… da seh ich, es kommentiert bei der Taz jemand unter dem Namen Švejk.

Und Ansichten hat der…

Also… bin nicht verwandt oder verschwägert…

Schatten Oktober 17, 2013 um 23:56

@BB

Ich verstehe Deine Empörung nicht!

Wann wäre es denn jemals anders gewesen?

Es war doch schon immer so, von den Fugger-Briefen des späten 15. Jahrhunderts bis heute, dass die Reichen die besseren Nachrichten hatten und für das Volk dann die entsprechenden Kommentare verfassen ließen. (War im Sozialismus übrigens nicht anders, nur ärmer.)

Um noch mal auf die Fuggerei aus obigem Artikel zurückzukommen: Die gibt es heute noch – und sie gewährt seit rund 500 Jahren unschuldig in Not geratenen Augsburger Bürgern Zuflucht. Dass allerdings die Journalisten unschuldig in Not geraten wären, kann man so pauschal nicht behaupten.

h.huett Oktober 18, 2013 um 06:24

Doktor D

Ich beziehe mich auf die Gründungsfugger und ihre Wirkung. Wir befinden uns mitten in einem Epochenbruch , vergleichbar zur frühen Neuzeit.

Letztes Jahr verglich Bob Stein – Gründer des Institute for the Future of the Book – den Stand der Digitalisierung mit den ersten Schritten nach Gutenbergs Erfindung. Danach befänden wir uns heute etwa im Jahr 1547, als man erstmals Seitenzahlen einführte.

Doktor D Oktober 18, 2013 um 09:46

@HH: Entschuldige die schlampige Formulierung: Ich bezog mich darauf, dass die Medaille, die den Namen eines super-innovativen Finanz- und Handels-Tycoons trägt, zumindest in letzter Zeit gerne an eher weniger wagemutige Leute gegeben. Gerade weil mir die Analogie zu den Pionieren der Netzwirtschaft so schlagend war.

Frankie Bernankie Oktober 18, 2013 um 09:58

@H.Huett

“Danach befänden wir uns heute etwa im Jahr 1547, als man erstmals Seitenzahlen einführte.”

Ääh…sorry, aber das war ja auch die letzte Innovation von Relevanz beim Buchdruck, oder kam danach noch Wesentliches?

Ok, das Paperback…

Immer diese Vergleiche…

Doktor D Oktober 18, 2013 um 10:21

@FB: Kommt vlt. ein bisschen darauf an, was man da quasi alles reinrechnet. Geht man weg von der reinen Technik und auf das Medium müsste man eher von den Fuggerschen Handelsbriefen auf der einen und den Flugblättern auf der anderen Seite, zu den ersten richtigen Zeitungen zu den Intelligenzblättern (und deren Verbreitungs- und Finanzierungsmethoden!) voranschreiten plus die weiteren technischen Innovationen wie in hohen Auflagen verwendbarer Kupferstich, der dann wieder durch den noch besseren Holzstich abgelöst wird, dann Lithografie, mit der man auch in Farbe billig drucken kann , Offset etc. und deren Einbindung in Informations- und Finanzregime/dispositive. Sonst bringt’s die Analogie wahrscheinlich echt nicht. Wäre vielleicht ganz spannend, sich mal die Biographien der Neuen Medien-Mogule der ersten Generation wie den Cranachs, Merians, den italienischen Druck-/Grafikern etc. in der Beziehung anzuschauen. Ich kenn’ das von der kunsthistorischen Seite aus und das ist super spannend. Zumal viele dieser Leute wirklich sehr farbige Persönlichkeiten waren.

BB Oktober 18, 2013 um 10:30

@Schatten

soll das jetzt ironisch sein oder glaubst Du das wirklich?

Die Fugger waren die ersten globalisierten Bankster. Ihre Schuldner waren so ziemlich alle abendländischen Könige und Päpste. Damals konnte man Ämter und Titel von ihnen kaufen. Heute braucht man seine Dissertation ja nur noch fälschen und der BAT-bezahlte Prof muss ein Auge zudrücken.

Aber die Fuggerei, die noch heute steht, beweist – unwiderlegbar -, was für fortschrittliche Philantropen das waren.

Ich glaube, der Twitt von diese Gueter Hack war anders gemeint. ABer das ist das Problem mit dieser Art von Austausch. Nur 140 Zeichen. Da verstehen manche nicht, was gemeint war.

*kecker,lach*.

h.huett Oktober 18, 2013 um 11:09

FB

Du hast offenbar noch nie einen Buchvertrag zu lesen bekommen. Manche sind unendlich lang, allein wegen der Aufzählung der Nebenrechte. Jedes einzelne Nebenrecht ist eine “Innovation”, vergleichbar dem Bauernlegen des 18./19. Jahrhunderts. Die HuffPo.de treibts insoweit auf die Spitze, als sie nicht nur völlig darauf verzichtet, irgendeine Leistung ihrer Autoren zu honorieren. Sie überlässt ihnen auch alle Scherereien, die infolge ihre Veröffentlichungen entstehen könnten. Die nächste Stufe wären Verlags-finanzierte Armenhäuser, in die die Contentieferanten zeit ihres Lebens eingesperrt werden.

Frankie Bernankie Oktober 18, 2013 um 11:32

@HHuett

“Du hast offenbar noch nie einen Buchvertrag zu lesen bekommen. ”

Das stimmt.
Ich hab jetzt nur ein Buch vor Augen gehabt, und meine, dass ich mich in einem Buch von 2013 genauso gut zurechtfände wie in einem von 1547 (auch dank der Seitenzahlen). Aber stimmt schon , das ist eine zu enge Sicht , @Doktor D hat schon darauf hingewiesen, und auch das ganze Content-Thema weist auf die vielen Weiterungen hin, die man im Auge haben muss.

Doktor D Oktober 18, 2013 um 12:29

“Die nächste Stufe wären Verlags-finanzierte Armenhäuser, in die die Contentieferanten zeit ihres Lebens eingesperrt werden.” – Das klingt jetz wiederum so, als würden im Journalismus/News-Industrie-Wesen frühindustrielle Sitte eingeführt werden. Dafür einfach mal Grub Street googeln oder hier klicken http://grubstreetproject.net/.

Fritz Oktober 19, 2013 um 08:46

Der Gedanke, dass wir erst am Anfang eines Transits in eine neue Zeit stehen, leuchtet mir ein, die Assoziation an die Fugger weniger. Abgesehen davon, dass sogar Marx einen Fabrikherrn als Financiers hatte und z.B. Adorno und die Folgen auf das Konto des Kaufmanns Weil gingen (und jetzt darf man noch an andere vom Großkapital finanzierte Kapitalkritik denken), abgesehen davon handelt es sich in diesem Fall lediglich um einen Millardär von mittlerem Kampfgewicht, der vielleicht einfach nur an die kulturell besseren Zeiten anknüpft, die er mal erlebt hatte, bevor er zufällig einen Jackpot knackte. Ich möchte außerdem daran erinnern, dass Geist und Journalismus noch nie finanziell unabhängig waren. o,1% Spitzenakteure ausgenommen, war und ist für die intellektuelle Produktion das Zuschussgeschäft die Norm. Gerade der Journalismus kam noch nie ohne Nebeneinnahmen aus der Kapitalsphäre aus.
Neu ist eigentlich nur die aktuelle Häufung von Globalisierungsgewinnern, die buchstäblich nicht mehr wissen, was sie Sinnvolles mit ihrem Geld anstellen sollen. Jede Menge “money to burn”, auch “fuck you money” genannt, schwirrt da herum. Gates ist längst Geldverschenker in Vollzeit und hat zahllose Milliardäre dazugebracht, die Hälfte ihres Vermögens vor oder nach dem Tod an gute Zwecke abzugeben, Buffett haut die Kohle auch nur raus und vererbt seinen Söhnen neben etwas Kleingeld jeweils eine Stiftung… absolut lesenwert, wie Peter Buffett erst neulich über den “charitable-industrial complex” in der NYT gerantet hat (“All are searching for answers with their right hand to problems that others in the room have created with their left.” http://is.gd/c9PCs7 ). Da ist – jedenfalls in den USA – jede Menge Geld auf der Suche nach dem Sinn des Lebens, auch traditionell.
Von diesen Sinnsuchern sind andere zu unterscheiden, die ganz anders vorgehen, namentlich zum Exempel die Kochs Brothers, die zuletzt sich auch irgendwelche Zeitungen kaufen wollten, die aber über “think tanks” und Parteispenden etc schon lange recht aggressiv geschäftliche Ziele politisch absichern. Die investieren aber eher in TV und direkte politische Beeinflussung als in eine kleine lumpige Website für gediegenen Journalismus. Da kommen denen ja die Tränen …
Wie auch immer, der Ebay-Gründer ist in meinen Augen kein “Fugger”.
Wer Burckhardts “Die Kultur der Renaissance in Italien kennt”, kann dabei eher an die Erklärungen denken, die dort entwickelt werden, warum die meistenteils brutalen Stadtherrschaften begannen, die Künstlern und Gelehrten zu lieben und zu sponsern – das waren nämlich Menschen, denen man halbwegs über den Weg trauen konnte und die nicht insgeheim nur darüber nachsannen, einem die Macht und das Vermögen wieder abzuknöpfen ;)
Kommt ein Investmentbanker durch die Tür, weiß man doch nicht, welches Messer der in der Hostentasche hat – da plauscht man lieber mit Journalisten über großartige Projekte, an denen zwar nichts zu verdienen, aber auch nicht viel zu verlieren ist.

Keynesianer Oktober 19, 2013 um 10:21

@Fritz

… z.B. Adorno und die Folgen auf das Konto des Kaufmanns Weil gingen (und jetzt darf man noch an andere vom Großkapital finanzierte Kapitalkritik denken)

Die Philanthropie muss leider noch länger auf mutige Historiker warten, die den Mut besitzen, in diese Kloake hinab zu steigen. Der Getreidehändler Weil und sein Sohn gedachten wohl, sich von den Bolschewiken beliefern zu lassen, die plötzlich die russischen Kornkammern kontrollierten. Wäre mal interessant, wie der Getreidehandel sich weiter entwickelt hat, besonders während der großen Hungersnot in der Ukraine.

Die Bolschewiken brauchten seinerzeit dringendst die gesammelten Werke von Marx und Engels für ihre Institute in Moskau. Die befanden sich in den Archiven der deutschen Sozialdemokraten und wurden dann in Frankfurt vom Institut für Sozialforschung kopiert und nach Moskau verbracht.

Auch andere Philanthropien haben ganz dunkle Hintergründe. Zum Beispiel die Förderung des Maxim Gorki durch reiche Industrielle zur Zarenzeit. Meint wirklich jemand, die Theater hätten durch die Aufführung irgendwelcher Stücke vor begeisterten Zuschauern sich finanzieren können?

Keynesianer Oktober 19, 2013 um 12:17

Das ist übrigens ganz interessant mit dem Getreidehändler Weil:

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland widmete sich Weil sehr aktiv dem politischen Geschehen. Im Ersten Weltkrieg war er Ratgeber bei Institutionen der Wirtschaft, er wurde sogar Berichterstatter bei Kaiser Wilhelm II. Seine weltweiten Beziehungen kamen ihm hierbei sehr zustatten.

Der Kaiser studierte sehr aufmerksam die politischen und wirtschaftlichen Vorstellungen des Getreidehändlers Weil; er nahm einige davon in seine eigene Konzeption auf. Weil wurde des öfteren im kaiserlichen Hauptquartier in Kreuznach empfangen. Nach Weils Vorstellungen hätte England dem massiven U-Boot Krieg der Deutschen unterliegen müssen. Nach einer Niederlage Englands sollten die Falkland-Inseln an Argentinien fallen.

Mit dem Aushungern der Engländer durch die U-Boot-Blockade und anderen Einschätzungen über die Weltlage hatten sich allerdings der Kaiser und Weil sehr geirrt. Die Siegermächte hatten einen Teil seines Vermögens in England in Höhe von 33 000 Pfund beschlagnahmt. Die Engländer mussten sein beschlagnahmtes Vermögen sehr bald wieder freigeben, da er ja neben der deutschen auch die argentinische Staatsbürgerschaft besaß.
http://www.rsw.hd.bw.schule.de/shal/drweil/leben.htm

Da waren die Briten bei Weils beschlagnahmten Vermögen aber wirklich sehr verständnisvoll. Ist ja klar, dass auch bei solchen Kriegsgegnern die Rechtslage streng beachtet werden muss, das kennen wir doch von den Briten. ;)

Deutschland hat seinerzeit ein funktionsfähiger Secret Service gefehlt, der hätte das Kaiserliche Hauptquartier erst mal leergeräumt und später wohl auch das FHQ.

Fritz Oktober 19, 2013 um 12:52

Interessant. Wie P. Buffett sagt? Mit der linken Hand gut machen wollen, was man mit der Rechten anstellt … Von Benjamin gibt es ja auch das Diktum, dass alle Kultur von der Barbarei abstamme (sehr dem Sinn nach erinnert, weiß nicht mehr genau, wie und wo …), bei Benjamin aber sowieso tiefgründiger gemeint …

Balken Oktober 19, 2013 um 23:49

Hütt:
“Der Epochenbruch kann ökonomisch-kulturell im Rückwärtsgang der alten industriellen Interessen betrachtet werden. Oder aus dem Verständnis eines neuen politischen Journalismus Partei ergreifen.

Eine Gänsehaut auf dem Rücken des Emgels der Geschichte.”

Wieder einmal dunkel hingeraunte Sätze, die anregen zum Weiterspinnen.
Der Epochenbruch kann … aus dem Verständnis eines neuen politischen Journalismus Partei ergreifen? Hmm… Aber die Gämsehaut auf dem Rücken des Engels der Geschichte (Klee, Bemnjamin?) sehe ich auch.

Es mag ja, in Nischen, mit zweifelhaftem Wirkungskreis angesichts des Kampfes um Aufmerksamkeit im Overkill der Berieselung) einige Journalisten geben, die “aus dem Verständnis eines neuen politischen Journalismus Partei ergreifen”. Sind die mit diesem eigenartigen Halbsatz, anerkennend, gemeint?

@Schatten
“Tja, die einen Milliardäre leisten sich einen Fußballverein, die anderen eine Journalisten-Auswahl.

Gute Nachrichten für Fußballer und Journalisten!”

Diese Sätze verstehe ich (wohl richtig?) als Satire. Es ist gar nicht gut, dass sich Milliardäre eine Journalistenauswahl leisten, dabei auch gleich die systemkritischen Stimmen anstellen und kanalisieren.

In einer 0,1%-Gesellschaft kann es aber gar nicht anders kommen, dazu bedarf es keines Politbüros und keines ZK der SED. Das ergibt sich unter solchen Umständen ganz von selbst, quasi “zwanglos”.
Es scheint tatsächlich so zu sein, dass die 0,1% die Globalisierung der Wirtschaft ausgenutzt haben, um die verschlafen-nationalstaatlich organisierte Demokratie auszuhebeln, zu einer leeren Hülle zu machen (“marktkonforme Demokratie”). Insofern erleben wir tatsächlich eine Re-Fuggerisierung.
Wer die Augsburger Fuggerei tränenrürig bewundert, der bewundert auch heutige Charity aus der Portokasse, Stiftungsunwesen, Fressgelage zugunsten der Armen. Da kommt, ganz passend, diese Haltung des ehrerbietigen Mütze-Abnehmens zurück, wenn der Herr vorbeikommt und ein Almosen gibt, bloß weil er zufällig der Herr ist, der das Vermögen von hunderttausend Zeitgenossen eingesammelt hat, wofür ihn meint bewundern zu müssen.

Balken Oktober 19, 2013 um 23:51

Gänsehaut. Bitte eine Bearbeitungsfunktion.

Balken Oktober 19, 2013 um 23:55

… wofür man ihn meint bewundern zu müssen.
Komisch, wenn man schreibt, liest man, was man ja schreiben wollte. wenn man das Abgesendete liest, liest man es wie Fremdes und sieht die Tippfehler.
Bearbeitungsmöglichkeit!!!

Im eigenen Auge Oktober 20, 2013 um 21:11

Nicht grämen, man versteht es ja trotzdem …

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