Sichergestellt

by h.huett on 28. Oktober 2013

Hiermit beschlagnahme ich …. So könnte Edward Snowden eines Tages auf Hawaii gedacht haben, bevor er sich via Hongkong auf den Weg nach Scheremetjewo machte. Er stellte Beweismaterial sicher. Patrick Bahners´ Idee, das Enthüllen, das Unterschlagen, das Entwenden und das Verraten in die juristische Variante eines Beschlagnahmebeschlusses zu verwandeln, steht als Beispiel für semantische Operationen in dieser Causa nicht allein. Plötzlich hören wir von Amerikanern, die Snowdens Handeln im Einklang mit amerikanischen Werten sehen. Plötzlich betrachten wir Snowden als Boten einer Kopernikanischen Wende unserer Kulturgeschichte. Plötzlich: das ist die Pointe der Geschichte, verstehen wir uns selbst nicht mehr.

Lübberding im Frühschichtmodus. Seine Lieblingskonjunktion im Nacherzählen ist das historisch selektive “bisweilen”. Fast keine Frühkritik ohne bisweilen. Sie wirkt auf mich wie der Rüttelfalke. Hoch oben steht er über dem abgemähten Feld und späht nach Beute. Dann stürzt er auf sie herab. Im bisweilen schwebt so etwas wie ein Nachsommer Adalbert Stifters. Das Beschauliche trügt. Denn hinter dem gemächlichen Ton lauert der historische Komparatist und späht nach dem Erkenntnisblitz. Dann schlägt er zu. Dabei geht es nicht immer um Treffer oder ein Versenkungserlebnis. Eher geht es um die Suche nach etwas Erhellendem, das selbst den Leuten im Studio bei Herrn Jauch oder Frau Will oder all den anderen nicht aufgefallen sein mag.

Die Frühkritik ist in der Kultur unserer Zeit das letzte Ansitzerlebnis. Jäger kennen das, wenn der Nebel, die Kälte in die Glieder kriecht, bis endlich die Geduld belohnt wird.

Der Spähangriff auf das Mobiltelefon der Bundeskanzlerin steht nur noch pars pro toto für das, was ich unsere neuerliche kopernikanische Wende nenne. In die Erregung (also auch die Heuchelei) mischt sich etwas Anderes, erst nur wie eine Ahnung, nun schon fast als Gewissheit. Günter Hack hat vor einigen Tagen den Weg zu dieser Einsicht gebahnt:

Merkel ist ein Cyborg. Ihre offiziellen Funktionen sind zumindest teilweise in einen Taschencomputer mit Netzwerkanbindung ausgelagert. Das Mobiltelefon ist als Speicher der Verbindungen der Regierungschefin der zweite Körper der Königin, er ist ein Abbild des stets zu aktualisierenden Machtnetzwerks. (…) Heftige Reaktionen wie jene aller befragten Akteure (…) lassen darauf schließen, dass die Berührung des zweiten Körpers der Kanzlerin durch den eigentlich verbündeten Geheimdienst als eine Verletzung des gesamten Staatskörpers angesehen wurde. Vorher, als nur gewöhnliche Bürger betroffen waren, hielt sich der Apparat bedeckt, ja er solidarisierte sich implizit und explizit mit dem verbündeten Militärgeheimdienst.

In Kantorowicz Studie über die elisabethanische Bilderwelt lesen wir die Entstehungsgeschichte des modernen Staates. Heute interessiert uns nicht mehr so sehr die Idee der Sterblichkeit (als Grundlage für die Einsicht in die Gleichheit der Menschen, auch das bald dahin) und die Unsterblichkeit der Königin. Heute schockiert uns die Schutzlosigkeit der so gut bewachten Kanzlerin. Unter dem Eindruck der öffentlichen Erregung verwandelt sich der Staatskörper der Bundeskanzlerin in eine Schutzlosigkeitsmadonna.

Wir sind nackt auf weitem Feld. Kein Schutz in Sicht.

1987 schrieb die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung eine bundesweite Kampagne aus. Gegenstand der Kampagne war die Einsicht: Die Bürger wissen Bescheid über die Gefährdung durch das HI-Virus. Ihr Wissen wird nur nicht verhaltenswirksam.

Nun wird der Aluhut nicht zur Pflicht. Aber schon hören wir Rufe nach europäischen Datenwolken. Nach einer Euronanosoft-Company. Nach eigenen Servern. Der verspätete Kontinent erinnert in dieser Situation an die Aufrüstungspläne des letzten deutschen Kaisers. Als ginge es heute noch um Marineertüchtigung.

Die Bewegungssensoren Eurer Handies sind so smart, dass ihre Datenströme schon heute den Epidemiologen Aufschluss darüber geben, wann und wo die nächste Grippewelle losgeht. Du merkst nicht mal selbst, dass Du an diesem Montagmorgen anders als sonst durch die Straße schlurfst. Wen interessieren da noch Deine heimlichen Kreditkartenkäufe, die Sparraten, die verspäteten Unterhaltszahlungen?

Big Data ist das falsche Codewort, führt in die Irre, bedient nur die Schmalspurphantasie der handelsüblichen Paranoiker. Die am Horizont erkennbare Größte Koalition könnte als eine weitsichtige Maßnahme der politischen Hygiene einen Handyzwang einführen. Wenn schon, denn schon. Wenigstens ein Trost wäre dann gewiss: die Renaissance der Opposition.

{ 182 comments }

Balken Oktober 28, 2013 um 09:59

Hütt at his “best”: Entrüstung wohl dosiert und gepaart mit Abwiegelung:
“Die Bewegungssensoren Eurer Handies sind so smart, dass ihre Datenströme schon heute den Epidemiologen Aufschluss darüber geben, wann und wo die nächste Grippewelle losgeht. Du merkst nicht mal selbst, dass Du an diesem Montagmorgen anders als sonst durch die Straße schlurfst. Wen interessieren da noch Deine heimlichen Kreditkartenkäufe, die Sparraten, die verspäteten Unterhaltszahlungen?”

Ach klar, so ist das! Grippewelle! Jemand etwas gegen eine genaue Vorhersage der nächsten Grippewelle durch die Dienste? Kann man doch nix gegen haben! :roll: Ich dachte immer, das RKI mache das anhand von epidemiologischen Daten des Gesundheitswesens, in Zusammenarbeit mit vergleichbaren internationalen Partnern, nicht mit der NSA?
Ich halte diese Frühkritik http://www.nachdenkseiten.de/?p=19059 denn doch für treffsicherer.

Huuh Oktober 28, 2013 um 10:18

Wir führen Ihr Handy spazieren. Täglich. Gern auch rund um die Uhr.

Huuh Oktober 28, 2013 um 10:32

Hey?

Hellow?

Hey, das ist nicht das Schwein! Das ist sein Hund!

Balken Oktober 28, 2013 um 11:23

Auch der Nebel, der in Hütts Diskussionsaufmacher aus dem mäandrierenden logorrhoischen Fluss seiner unaufhaltsamen schöngeistigen Assoziationen aufsteigt, macht unkenntlich, was eigentlich er sagen wollte, wenn er denn nicht gar ein Stilmittel dessen ist, was er sagen wollte, womöglich nämlich nichts außer: Leute, es ist so. Regt euch gern mal auf (so ähnlich formulierte es ja gestern Herr Kornblum), aber dann kriegt euch mal wieder ein: “Wir sind nackt auf weitem Feld. Kein Schutz in Sicht.”

Ich empfinde die Richtungslosigkeit dieses Artikels als einen Bestandteil jenes journalistischen Rauschens, das gegenwärtig wegen der “Affäre” (welche Affäre?) ertönt, und in dem jede denkbare Andeutung einer Quintessenz glücklich untergeht. Da sind eine Menge journalistischer Scouts mit umgedrehter Zielrichtung unterwegs: Spuren nicht zu suchen, sondern zu verwischen, indem sie alle möglichen aus allen Richtungen anbieten.
Dies wäre nun, gerade diesen Artikel betreffend als einen von vielen dieser Art, nicht sonderlich hervorhebenswert, wenn Hütt nicht auf seine hochgestimmte Art, wie ein in Prosa gesetzter Rilke, eine Metaebene bedienen würde, die Bescheid raunt über die Zeitläufte und die sich darin herumtastenden Gewöhnlichen: “… Kopernikanischen Wende unserer Kulturgeschichte”, darunter macht er’s nicht. “… unsere neuerliche kopernikanische Wende.” Er bedient nicht “die Schmalspurphantasie der handelsüblichen Paranoiker”. Seinem hochtönenden Anspruch sehe ich in dem Artikel nirgends eingelöst. Das macht diesen Artikel, einen unter den vielen Spurenverwischern, ärgerlicher als andere.
Bitte zur Übung (quasi als Schul-Strafarbeit ;-) ) zehnmal einen Artikel über russische oder chinesische Geheimdienstspionage. Aber in Schönschrift!

h.huett Oktober 28, 2013 um 11:38

Balken
Die politisch korrekte Sicht auf das, was der Fall ist, bleibt bisher, auch auf den sogenannten Nachdenkseiten, zu einfältig. Es geht auch längst nicht mehr um irgendwelche geographischen oder geopolitischen Feinde oder Freunde oder Sonntagsverbündete.

Der technologische Fortschritt erzeugt eine Situation, in der die Diskrepanz zwischen dem, was möglich ist, und dem, was die meisten Menschen verstehen (nämlich fast nichts), kaum größer sein könnte.

Aus dem Brustton der Einfalt darüber rumzuschimpfen betrachte ich ausnahmsweise milde. Kantorowicz´Studie über die zwei Körper des Königs lieferte die Grundlagen für die politische Philosophie der letzten 500 Jahre. Die Situation, der wir uns heute gegenübersehen, ist aus einem Grund neu, den ich erstaunlich einfach formuliert habe: Was hindert die Leute davor, über einander herzufallen und sich erneut die Köpfe einzuschlagen, hm? Was ist mit der Legitimation des staatlichen Gewaltmonopols, wenn er sich nicht einmal selbst mehr schützen kann?

Aber diesen Balken können Sie von mir aus weiter wie eine Monstranz Ihrer politischen Korrektheit durchs Land tragen.

egal Oktober 28, 2013 um 11:41

Tobias Kniebe meinte am Samstag in der SZ, die NSA sei mit Merkels Handy nocheinmal Thema geworden, weil Big Data, hier als Spionagegeschichte, jetzt erzählbar sei. Ansonsten sei Big Data zu abstrakt, um Bilder und Storys zu liefern.

Halte ich für plausibler als body politic Spekulationen. Der letzte Staatsmann, der den Staat körperlich repräsentiert, ist Wladimir Putin (s. Sommerstunt). Merkel hat keinen Körper.

Vielleicht ist der erste Nutzen der NSA-Affäre ja ein medienkultureller: Die jetzt notwendige Abkehr vom Schlüsselbild, vom zu Tränen rührenden Einzelschicksal, von Kirsten Dunst mit niedlichem Hündchen, (dem albanischen Kind in Wag the Dog).

http://www.sueddeutsche.de/digital/parallelwelt-big-data-du-kannst-dir-kein-bildnis-machen-1.1804584-2

Soldat Schwejk Oktober 28, 2013 um 12:43

Na, ich finde das mit dem Kantorowicz-Bezug schon ganz interessant. Eigentlich ist die Merkelfon-Sache ja das Banalste an der ganzen Angelegenheit. Daß Verhandlungsführer anderer Staaten ein Ziel der Spionage waren, daß deren Positionen & Verhandlungsspielraum vorab in Erfahrung gebracht werden sollten, das war schon zu Zeiten der Kabinettsdiplomatie nicht anders. Egal in welchem Grade nun “Verbündete”… Daß die technologische Entwicklung nun gerade hier haltgemacht haben sollte, wer hätte das ernsthaft erwartet?

Insofern finde ich bei der erstaunlichen Aufregung um Merkelfon schon den frühneuzeitlichen Bezug auf die zwei Körper der Königin bedenkenswert. Nur daß dieses Bild damals ganz “realistisch” den Übergang vom Personenverbandsstaat zum Absolutismus beschrieb, während es heute eher Ausdruck eines politischen Phantomschmerzes in postdemokratischen Verhältnissen ist. Angesichts der Degeneration der demokratischen Verfahren erscheint das Rest-Politische in Gestalt einer Mutti oder eines Pappi der Nation. Vor 500 Jahren das historische Drama, heute die Wiederkehr als Farce. Um auch mal ein bissel rumzuspekulieren…

Ansonsten, wie schon im Nebenthread geschrieben: TAFTA/TTIP mit seinen Investitionsschutz-Klauseln und seiner Ausweitung postdemokratischer Rechtsräume scheint mir viel bedeutender (und bedrohlicher) als die Merkelfon-Enthüllung…

holger Oktober 28, 2013 um 13:04

Ach na denn…

der Kornblum hat im wahrsten Sinne alles VERKÖRPERT , was man nur verkörpern kann.

Die Technik die man anwendet ist Nebensache… ob Rauchzeichen absehen oder Smartphone abhören… was solls.

Mit Kornblum saß genau diese Fette Generation am richtigen Platz.

Wo ich ihn sah, sah ich nur einen fetten Brocken voller Rübenasen Fett in sich… fehlte nur noch das Rülpsen…

Kornblum hat sich gedacht: Was wollt ihr kleinen Penner überhaupt? Wer seid ihr kleinen Kröten überhaupt, überhaupt was checken zu können Rüüüülps ein dicker fetter aus einem Resonanzkörper BMI 50 oder so.

„Dinge wurden aufgeschrieben“, so Yogeshwar, „die ich schon selbst vergessen hatte.“

Yep. 1989 eben selbst erlebt. Ohne W-Lan… :D

Rüüülps ich bins der Kornblum leckt mich fett…

niemand Oktober 28, 2013 um 13:56

>”Daß die technologische Entwicklung nun gerade hier haltgemacht haben sollte, wer hätte das ernsthaft erwartet?”

Jetzt wissen wir, warum deutsche “Dienste” den SPIEGEL so schätzen.

Ritter "ruby" Oktober 28, 2013 um 14:47
h.huett Oktober 28, 2013 um 14:53

Putin ist der letzte in der elisabethanischen Tradition, aber nur als Karikatur. Ansonsten frage ich mich, ob egal Lübberding bzw. mich gelesen hat, denn wir haben beide deutlich gemacht, dass es längst nicht mehr um “Spionage” geht.

ruby Oktober 28, 2013 um 15:12

“Neuerliche kopernikanische Wende”

Zum nachdenken …
Was das so werden wird?

Balken Oktober 28, 2013 um 15:32

Nun ja, die “politische Korrektheit” sehe ich doch eher darin, wie nun allenthalben, begleitet von Aufgeregtheit im Sekundären, das eigentliche Skandalon als Tatsächlichkeit gesetzt ist und eben nicht skandalös. Genau deshalb bat ich ja, nicht ganz spaßeshalber, um einen Aufsatz über chinesische oder russische Dienste, deren Tätigkeit dann ja doch wohl von den Artikelschreibern, ebenso politisch korrekt, als Spionage, gegenüber der jeweils eigenen Bevölkerung als Bespitzelung, als Erzeugung eines vorauseilenden Gehorsams zum System, bezeichnet würde? (Von Hütt zweifellos noch garniert mit Assoziationen aus dem literarischen Kabinett. Besonders “im bisweilen schwebt so etwas wie ein Nachsommer Adalbert Stifters” hat mir gut gefallen, jetzt wird mir Lübberdings frühkritischer Adlerblick gleich viel anschaulicher :-P .)
Meine Schmalspurphantasie stellt sich in der Tat vor, dass bei diesem aktuellen Thema statt über angeblich aus dem Ruder gelaufene neue technische Möglichkeiten über Politik geredet werden sollte. Die Mutmaßungen bei Jauch gestern, ob Obama nun über die Abschnorchelung des Merkelphones informiert gewesen ist oder nicht, waren doch geradezu rührend (ach, wenn Väterchen Zar das gewusst hätte). Auf solchen Nebenschauplätzen bewegt sich die “Diskussion”!
Ich meine, Frau Zeh hatte einen guten Vergleich mit dem Straßenverkehr, in den wir uns auch nicht (oder jedenfalls noch nicht überwiegend und nicht jeder) hochgerüstet und schutzgepanzert stürzen, wie das ein ernstgenommen werden wollender Innenminister für die Teilnahme am Datenverkehr im Internet empfiehlt. Neuerdings denn nun wohl auch beim Telefonieren. Das erinnert an spaßige DDR-Bürger, die seinerzeit bei “Auslandsgesprächen ” in die BRD immer gleich die Genossen von der Stasi mitgrüßten.

Dass es “längst nicht mehr um irgendwelche geographischen oder geopolitischen Feinde oder Freunde oder Sonntagsverbündete” gehe, ist doch schlicht nicht wahr. Selbstredend sind die USA unsere Alltags- und Sonntagsverbündeten (besser: wir ihre), was denn sonst. Habe ich versäumt, mitzubekommen, dass der Nato-Bündnisfall zeitlich begrenzt und inzwischen aufgehoben ist? http://www.berliner-zeitung.de/politik/geheimdienste-ist-der-nato-buendnisfall-der-schluessel-,10808018,23648258.html

Hütt: “Der technologische Fortschritt erzeugt eine Situation, in der die Diskrepanz zwischen dem, was möglich ist, und dem, was die meisten Menschen verstehen (nämlich fast nichts), kaum größer sein könnte.”
Ja und, nun? Was hat dies mit dem Thema zu tun? Fährt deshalb das Auto von Fritz und Lieschen Müller wohin es mit Fritz und Lieschen will, weil die beiden schlicht nichts davon verstehen, wie die Motorhaube aufgeht, und wenn, dort auch nur wie ein Schwein ins Uhrwerk hineinsehen würden?
Das Gerede von den “technischen Möglichkeiten” ist Ablenkungsmanöver.
Bekanntlich übrigens wissen die USA selbst sehr wohl politisch auf den verschiedensten Gebieten mit sog. neuen technischen Möglichkeiten, die kaum noch jemand versteht, umzugehen. Das galt z.B.beim für den US-amerikanischen Fiskus ärgerlichen Cross-Border-Leasing, überhaupt bei Steuervermeidungsversuchen ihrer Staatsbürger durch komplizierte Vermögensverschleierung mit Hilfe ausländischer Banken, wobei die Schweizer erfahren mussten, dass Vorbild für ihr Bankgeheimnis durchaus ihr Schweizer Käse sein kann.
Inwiefern also ein politisches Herangehen der Nachdenkseiten an das aktuelle Thema einfältig ist, erschließt sich mir nicht von vornherein.

Balken Oktober 28, 2013 um 15:46

Je nun, die “sogenannten Nachdenkseiten” – hier z.B. befinden wir uns auf dem so genannten Wiesaussieht-Blog. Und nun?

Balken Oktober 28, 2013 um 15:57

“… dass es längst nicht mehr um “Spionage” geht”, – ist das so? So kann man das Thema natürlich auch erledigen. Vielleicht hat Frau Merkel das ja so gemeint, als sie sagte, “das geht unter Freunden gar nicht”. Genau, es geht nicht mehr um Spionage, das ist die Lösung! Genial!
Vor Freunden kann man sich nicht schützen. Oder man ist kein Freund. Also reden wir von der Schutzlosigkeit, nackt auf weitem Feld. Und – Geniestreich- wir überhöhen das religiös! Merkel als unsere Schuztlosigkeitsmadonna. Bitte für uns!

Ludwig Büchner Oktober 28, 2013 um 16:12

Aber um was geht es eigentlich ?

Wiesaussieht haben ja die Europäer, also praktisch alle, mitgespielt und seit 2001 in zahlreichen geheimen Abkommen und gut verborgen vor ihrer jeweiligen Öffentlichkeit versucht, sozusagen zum 6. Auge zu werden. Dabei ist die Politik den “Diensten” auf den Leim gegangen und hat sich mit Versprechen über Austausch von Erkenntnissen und dem ja jetzt auch wieder allgegenwärtigen Gerede von der Partnerschaft dazu verführen lassen, alles mit zu machen, was sich die Amerikaner so gewünscht haben. Recht und Gesetz ? Schei..egal, wir müssen da mitmachen.
Bis dann im Juli 2013 unerwartet das Flugzeug von Evo Morales in Wien aufgehalten worden ist und die beteiligten Regierungen gesehen haben wie die Partnerschaft im hier und jetzt funktioniert. Wie groß muß wohl das Erschrecken gewesen sein, zu erkennen, dass man nicht mehr konsultiert und noch nicht mal mehr informiert wird. Auf ein Fingerschnippen der “Partner” hin, hat sich alles blitzschnell gefügt. Unsere Dienste sind nicht mehr “unsere” Dienste, das war die Botschaft die die Herren Rajoy, Hollande aber sicher auch die in Berlin erst jetzt, dafür aber richtig verstanden haben. Durch die umfangreiche und unkontrollierte Kooperation der Exekutive haben sich die Befehlsketten in einem Maß nach Washington verlagert, das einen Eingriff auf Regierungsebene z.B. durch einen französischen Präsdenten oder auch nur irgend ein Parlament nicht nur nicht mehr erforderlich macht, sonder praktisch gar nicht mehr zulässt. Dann kamen immer mehr Snowden Informationen und praktisch alle sind umfänglich überwacht worden. Als richtiger Partner hätte man dass ja irgendwann mal bemerken müssen, so mit Zugriff auf all die tollen PRISM Systeme oder zumindest sehen müssen, dass die Nachbarn ausgespäht werden und deshalb angefangen sich Fragen zu stellen, aber nix dergleichen. Man war halt nicht zum Partner und schon gar nicht zum 6. Auge geworden, sondern bestenfalls zur ausführenden Hand, vielleicht manche auch nur zum Blinddarm… Aber Spaß beiseite: Wie kommt man aus der Nummer wieder raus ?

Huuh Oktober 28, 2013 um 16:19

Ich versuche mal, die Tragödie auf die Ebene eines Staates von Affen zu heben. (Nachdem ich ein Stück weiter oben das Schwein skizziert habe, das sein Handy am Hals seines Hundes befestigt hat).

Im Affenstaat weiß der Oberaffe alles. Ein paar seiner Unteraffen wissen natürlich viel mehr. Der Rest lebt weiter das unnormale Affenleben, das von den Unteraffen analysiert wird. Die Analysen gehen über die Algorithmen der Zwischenaffen zum Oberaffen, der, (ihr wisst schon), alles schon weiß.

Doktor D Oktober 28, 2013 um 16:31

Eine ganz ähnliche Argumentation wie Ludwig Büchner plus die ultimative Aufforderung an uns Europäer “Grow some spine!” findet man bei Michael Brenners Gastbeitrag auf The Blaster http://chuckspinney.blogspot.de/2013/10/nsa-does-grand-tour_27.html

Carlos Manoso Oktober 28, 2013 um 17:13

@ H.HUETT on 28. OKTOBER 2013
„Wir sind nackt auf weitem Feld. Kein Schutz in Sicht.“

Huett, Zerfallsprozesse von Betriebswirtschaften zeigen sich meist auch als Zerfallsprozesse von „Politik“. Das Erscheinen der inneren Schranke des Systems des Weltkapitals beginnt jetzt, sich als „transnationale molekulare Auflösung der Betriebswirtschaften“ zu manifestieren.

Die Globalisierung fängt an, sich selbst zu ersticken. Diese neue Qualität der Globalisierung geht über den historischen Horizont hinaus (und damit auch über den Begriffshorizont von „Volkswirtschaftslehre“ und „Politikwissenschaft“ hinaus). Die Resultate können „wissenschaftlich“ nicht mehr erfasst werden, weil der „Begriffsraum“ der einschlägigen Wissenschaften seit ihrem Anfang seit dem 18. Jhdt. an den nationalökonomisch-nationalstaatlichen Funktionsraum gebunden ist. Das System des Weltkapitals (und der „Weltmarkt“) fungierte in diesem Verständnis nur als Relation zwischen nationalen Funktionsräumen.

Es tritt also die von Marx vorausgesagte historische Situation ein: der Funktionszusammenhang des Systems des Kapitals wird mitten durchgerissen, was sich im politischen Spagat der „Funktionseliten“ grotesk reproduziert.

Balken Oktober 28, 2013 um 18:18

@ Schwejk

Bedeuten postdemokratische Verhältnisse dass es nun nur noch eine “Restpolitik” gibt?
Restdemokratie würde ich unterschreiben. Jedoch heisst das nicht, dass es nur noch Restpolitik gibt. Auch die Postdemokratie ist hochpolitisch, nur ist die Politik eben aus den formalpolitischen Institutionen ausgewandert und lässt diese als leere Hülle zurück. Politik wird jetzt halt anderswo gemacht. In den Parlamenten geschieht Akklamation aus “politischer Verantwortung”. Etwa, wenn der Finanzminister bei Ackermann “in einen Abgrund blicken” durfte.
Und da finde ich deinen Verweis auf die Freihandelsabkommen genau treffend. Sie zementieren und Legitimieren die Verlagerung der Politik an die großen Player der Wirtschaft. Irgendwie muss man das genjunkfood doch nach Europa reindrücken! Mit “Wirtschaftshilfe” geht es hier eher nicht. Also Abkommen, die alles irgendwie noch demokratisch-politisch motivierte (und legitimierte!) Zuwiderhandeln als “nichttarifäre Handelshemmnisse” verbieten und mit schiedsgerichtlichen Sanktionen belegen werden.
Die termingedrückte Eile, mit der schon auch das EU-Kanadische Freihandelsabkommen in nur vier Jahren durch die politischen Selbstverwaltungsorgane gejagt wurde, ist ein probates bewährtes Überrumpelungsmittel. Hunderte Seiten Entwürfe in der “Arbeitssprache Englisch” gehen durch nationale, Bundesstaatliche und regionale Verwaltungen und Parlamente zur Prüfung und Beteiligung, aber pronto subito bitte, Termin für Stellungnahmen war gestern. Für das Abkommen mit den USA (das mitKanada war nur zum Angewöhnen) lässt das nichts gutes erwarten.
Restpolitik? Ich denke, mehr Politik als je zuvor, ein politischer Overkill geradezu. Nur halt, dass das, was man noch immer gewohnheitsmäßig als “die Politik” bezeichnet, nicht mehr Herr des Verfahrens und der Lage ist.

Carlos Manoso Oktober 28, 2013 um 18:36

@ h.huett Oktober 28, 2013 um 11:38
„Kantorowicz´Studie über die zwei Körper des Königs lieferte die Grundlagen für die politische Philosophie der letzten 500 Jahre. Die Situation, der wir uns heute gegenübersehen, ist aus einem Grund neu, den ich erstaunlich einfach formuliert habe: Was hindert die Leute davor, über einander herzufallen und sich erneut die Köpfe einzuschlagen, hm?“
Huett, die große Leistung von Kantorowicz besteht darin, dass er am englischen Beispiel das Problem der letztlich sakral konstituierten Personifikationen und ihrer frühmodernen Auflösungsprozesse exemplarisch analysiert hat. Es geht dabei um eine Darstellung des „Superkörpers“ oder „politischen Körpers“ des absolutistischen Königs, die nicht von einem abstrakten „Staat“ ausgeht, sondern von einer „abstrakten physiologischen Fiktion“ (Kantorowicz) . Dies führte z.B. zu historischen Ereignissen.daß das englische Parlament im Namen Karls I, (als König im politischen Körper) ein Heer aufbot, um denselben Karl I. (im natürlichen Körper) mit dem gleichen Heer militärisch zu bekampfen.

Was lernen wir daraus ?

In vormodernen Gesellschaften war das, was in der „Moderne“ als GELD erscheint, eigentlich etwas völlig anderes: das Geld galt als „heiliges Zeichen“, quasi als „Königsware“. .Es wurde durch relgiöse Vorschriften darauf geachtet, dass sich das Geld nicht zu einem eigenen Zweck verselbständigt (Zinsverbot !). Der „eigene Zweck“ des Geldes erschöpfte sich in der Vermittlungsbewegung, als bloßes Medium zwischen unabhängigen Produzenten: Gerade deshalb konnte das Geld in vormodernen Gesellschaften einen bloß symbolischen Charakter annehmen. Die Voraussetzung dafür war dass keine allgemeine Waren- und Geldgesellschaft wie in der Vormoderne existierte.

Ganz anders erscheint das Geld in der entwickelten Moderne! Während das Geld in vormodernen Gesellschaften nur als ein den Austausch vermittelndes Drittes dient, das keinen eigenen Zweck besitzt, mutiert Geld in der „Moderne“ zum zentralen kapitalistischen Fetischmedium und gleichzeitigen irrationalen totalitären Selbstzweck.
Guckst du:
http://www.youtube.com/watch?v=4CVkQUAp1q0

Soldat Schwejk Oktober 28, 2013 um 18:50

@ Balken – “Restdemokratie würde ich unterschreiben. Jedoch heisst das nicht, dass es nur noch Restpolitik gibt. Auch die Postdemokratie ist hochpolitisch, nur ist die Politik eben aus den formalpolitischen Institutionen ausgewandert und lässt diese als leere Hülle zurück.”

O.K., einverstanden.

“Restpolitik” in einem normativen, etatistischen Sinne, wenn man den Leviathan als Träger eines Allgemeininteresses ansieht, das über die Partikularinteressen einiger hochorganisierter wirtschaftlicher Machtgruppen hinausgeht.

Aber analytisch haste natürlich recht, da sollte man das Ganze als ein zusammenhängendes politökonomisches Puzzle betrachten, und dann hat es wenig Sinn, von Restpolitik in der Postdemokratie zu sprechen. Eher von einer Entstaatlichung von Politik und ihrer Verlagerung in intransparente, informelle Räume.

@ Huuh

Die Sau, sie hat ein Fon dabei
Der Hund trägt es davon. Auwei.
Im Affenstaat der Unteraffe
erklettert munter die Giraffe
und späht das and’re Viehzeug aus
was es so treibt. Und findet raus
daß jedes Vieh im Affenstaat
ein Ding an seiner Waffel hat

BB Oktober 28, 2013 um 18:58

@CM

Geld in der Post-Moderne als Fetischmedium und gleichzeitigem irrationalem totalitären Selbstzweck?

Muss ich gleich mal auf diesen anschaulichen Artikel verlinken: “Sinnlos wanderndes Geld”

http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=me&dig=2013%2F10%2F25%2Fa0108&cHash=1f627e8a163d10f270a0d0ef57938009

Einziger Kritikpunkt: Ulrike Herrmann jammend über die vielen, die Keynes nicht gelesen haben, weil: der sei schon immer für Umverteilung per Steuern gewesen.

Ehrlich, das ist mir neu. Ich dachte, Keynes steht für antizyklische Verschuldung, Konjunkturprogramme, niedrige Zinsen, etc.

Wenn der hohe Steuern gefordert hat, haben seine Apologeten das aber nicht besonders laut verkündet, auch die Linken nicht, zumindest nicht im Zusammenhang mit Keynes.

Nun gut, ich habe Keynes tatsächlich nicht im Original gelesen, wenn das also jetzt offiziell ist, dass Steuern gaaaanz wichtig und essentiell für Keynes sind, ist das supi.

BB Oktober 28, 2013 um 19:00

Apropos: Jauch am Thema vorbei.

Der Presseclub war es nicht ganz so und wer saß da? Der Joffe von der Zeit!

Und was vertrat der für eine Meinung? Man solle als Reaktion auf die USA einfach das gleiche machen. Also selbst alle anderen ausspionieren!

Ich dachte, bekloppt oder was? Damit die Seuche sich noch mehr ausbreitet? Und wir stracks in die Dysthopie abdriften?

Huuh Oktober 28, 2013 um 19:34

Das Affel zwar die Waffel sieht
doch nicht das Ding, das da erblüht.

Ansonsten, hoch verehrter Schweich:
solang noch Birnenquark im Teich
ich froZgemut am Ufer schleich.

Leselotte Oktober 28, 2013 um 19:48

Falls das Erhellende noch in “etwas” einmünden möchte – bitte da entlang:
https://rechtsanwaelte-gegen-totalueberwachung.de/unterzeichner/

Übrigens fand wenige Tage vor der Wahl (19.09.2013) ein Protestmarsch (initiiert durch Juli Zeh) auf das Kanzleramt statt, dabei wurden 67 407 Unterschriften einer Forderung nach mehr Konsequenz in der NSA-Affäre überreicht.
http://www.tagesschau.de/inland/marschaufskanzleramt100.html

wowy Oktober 28, 2013 um 20:46
egal Oktober 28, 2013 um 21:24

Klar ist Merkelphone keine Spionagegeschichte. Aber, es wird als Spionagegeschichte erzählt – nicht von Hütt/Lübberding, aber das habe ich auch nie behauptet.

Balken Oktober 28, 2013 um 21:25

‘N Ding an der Waffel?
Nee, eins von McAppel,
eins MTC,
dat sin denn nu zwee.
Wie meinen, Herr Hütt, jetzt Handyzwang?
Die Freiheit mir nehmen, da gehts lang?
Dann aber Gebührensubvention!
Sonst trag’ ich die zwei aus Opposition!

egal Oktober 28, 2013 um 21:27
Leselotte Oktober 28, 2013 um 22:02

An wowy:
Das ist aber nicht erbaulich.

Balken Oktober 28, 2013 um 22:19

“Putin ist der letzte in der elisabethanischen Tradition, aber nur als Karikatur”. Ich meine, es gibt eine Brahms-Anekdote, nach der dieser bei einem Spaziergang am Ufer auf die Klage eines befreundeten Komponisten, dass alle gute Musik schon geschrieben sei, ins Wasser wies: Sieh! Da kommt gerade die letzte Welle!

Prognosen sind immer zweifelhaft, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.
Kann ja sein, dass sich die Hoffnung erfüllt, und als nächstes wieder ein Jelzin kommt, oder war der der letzte in der Tradition der Smuty, aber nur als Karrikatur?
Man weiss es nicht – das ist das Privileg der Zukunft. Einfältig zu sagen, irgendjemand oder etwas sei der die das Letzte seiner Art.

Soldat Schwejk Oktober 28, 2013 um 22:35

@ egal, H.Hütt

Also ich weiß nicht, wie Ihr bei den zwei Körpern des Königs auf Putins Oberkörper kommt… das hat mit dem “politischen Körper” der elisabethanischen Zeit wenig zu tun, das ist ikonographisch sogar so ziemlich das Gegenteil… während die Merkel-Ikonographie der Sache schon viel näher kommt…

Aber das ist eigentlich @Morphs Teil der Spielwiese, das soll der mal genauer erläutern, wenn er mag und wenn er inzwischen über seinen Verlust hinweg ist… also daß Laurie Anderson ihr Mann jetzt rübergemacht hat…

h.huett Oktober 28, 2013 um 23:02

Schwejk
Vergiss meine Frozzelei (sic) zu egal. Ich habe Putin nur als Karikatur der elisabethanischen Bildersprache bezeichnet.

Günter Hack hat den Faden aufgenommen und weiter gesponnen. Das finde ich interessanter.

h.huett Oktober 28, 2013 um 23:03

Balken
Was soll der Blödsinn?

Leselotte Oktober 29, 2013 um 08:02

Dass das Grundgesetzwidrige erkannt wird lässt mich hoffen, dass dies auch in Bezug auf die Sanktionen der ohnehin finanziell Schwachen geschieht. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Ansonsten wie bei Textdump:
Keine Heimat.

Morph Oktober 29, 2013 um 08:13

@schwejk

In der Unterhaltungsindustrie werden die Leute, die uns unterhalten, in der Regel nach Maßgaben des Marketing erlogen und mit gefälschten Charaktereigenschaften, gefälschten Überzeugungen und gefälschten Leistungen angepriesen. Sich in dieser Sphäre als selbstverantwortliche Autorenperson zu behaupten und Bilder, Klänge Texte zu produzieren, die selbstgemacht und relativ unkonventionell sind (im Fall der Popmusik u.a.: Dylan, Cohen, Mitchell, Waits, Bowie, Young und eben auch Lou Reed) ist so schwierig wie es für uns andere auch nicht so leicht ist, bei uns zu bleiben.

Mir persönlich ist der Tod Lou Reeds komplett egal, denn ich bin dem Herrn nie begegnet. Aber wenn man der Auffassung ist, dass es grundsätzlich eine gute Sache ist, dass Leute ihr eigenes Ding machen, dann sind solche paradigmatischen Autorenpersonen wie Lou Reed, und zwar je populärer sie sind, desto mehr, Aktivposten der Aufklärung. Es gibt davon nicht allzu viele und der Tod eines jeden ist ein kultureller Verlust.

Tja, und was ‘die zwei Körper des Königs’ und meine Spielwiese angeht: Ich kenne kaum eine blödere Beschäftigung für ‘gebildete’ Menschen als die, aktuelle Ereignisse durch die Brille möglichst abseitiger und unzuständiger Interpretamente zu betrachten. Ich habe schon damals gedacht, ich sollte meine Ambitionen überdenken und besser auf Müllfahrer umschulen, als irgendwelche ‘gebildeten’ Gegenwartsdiagnostiker im Zuge der Monica-Lewinsky-Affäre hochgelahrt von den ‘zwei Körpern des Bill Clinton’ faselten.

@Hans Hütt

lies Dir Deinen Nebensatz “was ich unsere neuerliche kopernikanische Wende nenne.” mal mehrfach, langsam und laut vor! Merksch’ was? – Genau: jedes Wort ist falsch, verlogen, aufgeplustert bis kurz vorm Platzen! Da hat der @Balken schon recht.

Andreas Kreuz Oktober 29, 2013 um 09:35

@Morph Oktober 29, 2013 um 08:13

Wo Du Recht hast, hast Du Recht. ;-)

Huuh Oktober 29, 2013 um 10:31

@Morph Oktober 29, 2013 um 08:13

… auf Müllfahrer umschulen…

Grandios, das nehme ich auf! Das nehme ich sicherheitshalber erstmal für mich in Anspruch. Aber das passt doch für so gut wie jeden anderen auch. Oder kennst Du heutzutage noch einen, von dem Du mit Sicherheit sagen kannst, dass es kein Müllfahrer ist?

Allzeit weiter gute Fahrt!

Linus Oktober 29, 2013 um 10:36

@Morph:
Das Gegenstück zu NYC man: “The end of the day”
http://www.youtube.com/watch?v=t7SXOrmdLyE

peewit Oktober 29, 2013 um 10:48

@Morph u. @Soldat

Sorry, OT, aber vielleicht interessiert es ja die Rortyenthusiasten hier:

http://www.unc.edu/~jfr/RR4PPR.htm

Leider habe bis auf weiteres ich keine Zeit, in eine Diskussion einzusteigen…

Grüße

Linus Oktober 29, 2013 um 11:00

http://www.michael-michaelis.de/htdocs/comment/1310282242_leb.html

“Der Raum von Privatheit wird immer weiter marginalisiert; damit werden alle individuellen Handlungen immer mehr politisiert. Das war für marxistische Theoretiker aller Couleur bisher nur eine kühne Behauptung, und gleichzeitig eine Utopie für eine bessere Welt. (Es kam ganz anders, obwohl es genauso geschah – mit der Politisierung; nicht mit der besseren Welt).”

Hier wird ein wichtiger Aspekt von Privatheit und Geheimnis deutlich. Widersprüche können mehr oder weniger reibungsfrei bestehen bleiben, indem man sie voneinander getrennt hält. Man stelle sich vor, was passieren würde, wenn diese Fassade plötzlich global zusammenbräche.

egal Oktober 29, 2013 um 11:43

@schwejk

Du wirst es vermutlich besser wissen als ich. Nachdem die SU in den 70ern dank des hohen Ölpreises nach Außen sichtlich selbstbewusster Auftrat, war in den 80ern ein sinkendes Renommee auch für Sowjetbürger unübersehbar. Sinnbild für den Abstieg: neben dem vergreisten ZK und Politbüro vor allem die sichtbar kranken Generalsekretäre Andropow und Tschernenko.

Westliche Politiker – und meinen Obamalink von oben ziehe ich daher als dämlich zurück – stellen sich selber als viril da, wenn sie in irgendwelchen Sportposen auftreten. Putins Oberkörper hingegen repräsentiert auch die Stärke Rußlands.

Diese Repräsentation ist die Analogie zum body politic. Aber, ich räume ein, weit führt das nicht.

Aber noch ein Wort zur Ikonographie Merkels: sie wird so gut wie nie in klassischen Herrscherposen dargestellt. Es gibt keine Siegerposen. Sie steht öfter, als dass sie sitzt. Wenn sie steht, macht sie häufig einen Buckel. Sie steht oft am Rand. Selten allein.
Es gibt keine Insignien wie einen Koffer mit Atomcodes, Leibwächter, dicke Zigarren und Brioni. Keine Bilder Merkel über einem Stadtpanorama. Aus diesen dicken Audis klettert sie eher unbeholfen.
Und unnahbar und vergeistigt – naja, liegt wohl im Auge des Betrachters.

h.huett Oktober 29, 2013 um 12:17

Morph

Nun müssen wir uns mit der Frage auseinandersetzen, was eine Lüge ist – und wodurch ein Nebensatz verlogen wird? Das aufgeplustert lass ich weg. Das “falsch” (setzen!) könntest Du vielleicht begründen?

Ich erspar uns den Rückblick auf das, was früher mal kopernikansiche Wende genannt wurde. Für meine Zwecke erfüllt der Verweis die Funktion einer Übertreibung. Jetzt geht es nicht mehr um die Frage des Wechsels von einem geo- zu einem heliozentrischen Weltbild, jetzt geht es zurück zu dem Souverän, zu dem Staatsvolk, zur Demokratietheorie, zu den Grundrechten, zu der Verabschiedung von der Idee des Bürgers.

Nun wenden sich manche von der schutzlosen Kanzlerin mit einem Achselzucken ab. So leicht lassen sich allerdings Symbole und symbolische Situationen nicht aus der Welt schaffen. Günter Hack hat die Folgen weiter ausgeführt: http://textdump.antville.org/stories/2179296/

Wenn das Schutzversprechen dahin ist, dann zerfällt die Ordnung in Trümmer.

Carlos Manoso Oktober 29, 2013 um 12:33

@ h.huett Oktober 29, 2013 um 12:17
Ich erspar uns den Rückblick auf das, was früher mal kopernikansiche Wende genannt wurde. Für meine Zwecke erfüllt der Verweis die Funktion einer Übertreibung. Jetzt geht es nicht mehr um die Frage des Wechsels von einem geo- zu einem heliozentrischen Weltbild, jetzt geht es zurück zu dem Souverän, zu dem Staatsvolk, zur Demokratietheorie, zu den Grundrechten, zu der Verabschiedung von der Idee des Bürgers.… Wenn das Schutzversprechen dahin ist, dann zerfällt die Ordnung in Trümmer.

Huett, der Terminus „kopernikanische Wende“ hört sich viel zu übertrieben an, viel klarer wäre m.E. ein philosophischer Terminus wie „ontologischer Bruch“.
http://www.exit-online.org/link.php?tabelle=autoren&posnr=188

Carlos Manoso Oktober 29, 2013 um 13:06

@Morph Oktober 29, 2013 um 08:13
„Tja, und was ‘die zwei Körper des Königs’ und meine Spielwiese angeht: Ich kenne kaum eine blödere Beschäftigung für ‘gebildete’ Menschen als die, aktuelle Ereignisse durch die Brille möglichst abseitiger und unzuständiger Interpretamente zu betrachten. Ich habe schon damals gedacht, ich sollte meine Ambitionen überdenken und besser auf Müllfahrer umschulen, als irgendwelche ‘gebildeten’ Gegenwartsdiagnostiker im Zuge der Monica-Lewinsky-Affäre hochgelahrt von den ‘zwei Körpern des Bill Clinton’ faselten.“
Morph, ich kenne wirklich blödere Beschäftigungen, als eine „kopernikanische Wende“ live zu beobachten. Bekanntlich hat das vormoderne Konstrukt von den „zwei Körpern des Königs“ und seine Transformationen von schamanistischen Strukturen bis hin zu den mittelalterlich-christlichen Feudalismen eine eigene ganz große Geschichte, die in „der Moderne“ tatsächlich in etwas mündet, was Herr Huett als “unsere neuerliche kopernikanische Wende“ untertreibend erahnt.

Wie schon gesagt: „In vormodernen Gesellschaften war das, was in der „Moderne“ als GELD erscheint, eigentlich etwas völlig anderes: das Geld galt als „heiliges Zeichen“, quasi als „Königsware“. .Es wurde durch relgiöse Vorschriften darauf geachtet, dass sich das Geld nicht zu einem eigenen Zweck verselbständigt (Zinsverbot !). Der „eigene Zweck“ des Geldes erschöpfte sich in der Vermittlungsbewegung, als bloßes Medium zwischen unabhängigen Produzenten: Gerade deshalb konnte das Geld in vormodernen Gesellschaften einen bloß symbolischen Charakter annehmen. Die Voraussetzung dafür war dass keine allgemeine Waren- und Geldgesellschaft wie in der Vormoderne existierte.

Ganz anders erscheint das Geld in der entwickelten Moderne! Während das Geld in vormodernen Gesellschaften nur als ein den Austausch vermittelndes Drittes dient, das keinen eigenen Zweck besitzt, mutiert Geld in der „Moderne“ zum zentralen kapitalistischen Fetischmedium und gleichzeitigen irrationalen totalitären Selbstzweck.“

Anders gesagt: „das Geld“ war in der „Vormoderne“ die bloß symbolische Erscheinung der Herrschaft von Subjekten und mutiert in „der Moderne“ in die symbolische Erscheinung des subjektlosen „automatischen Subjekts“ (Marx)

holger Oktober 29, 2013 um 13:07

—>>> Günter Hack hat die Folgen weiter ausgeführt:”

Aha der Herr Günter Hack… na wer denn auch sonst? Neben dem Papst auch so ein Stellvertreter von wem auch immer.

Kenne Günter nicht… muss aber immensen Einfluss auf was auch immer haben.

chabis Oktober 29, 2013 um 13:32

@ G.Hack
Habe wie die meisten meiner Zeitgenossen in der Nachkriegszeit es für selbstverständlich gehalten, dass die BRD kein souveräner Staat ist, warum sollte uns eine auf “failed state” zugespitzte Analyse oder Lagebeschreibung im aktuellen Zusammenhang erschüttern?
(Lebten ganz gut unter dem Schutzschirm, ein bisschen fallout, aber Blut für Öl oder für die Kontrolle der Handelswege blieb uns erspart.)

Morph Oktober 29, 2013 um 13:36

Hans

Während des Balkankonflikts in den 1990er Jahren gab es unter den Bellizisten in den journalistischen Schreibstuben eine rhetorische Standardfigur, die bis zur Lächerlichkeit und darüber hinaus ins Lesepublikum hineingepresst wurde: Wenn wir nicht jetzt sofort xyz machen, dann hat Europa seine Werte endgültig verraten!

Und so albern dieser Diskurs des entscheidenden Ereignisses und der allgemeinen Werte in der Sphäre des Politischen ist, er wird zuverlässig inszeniert, wenn es darum geht, in zwischenstaatlichen Konflikten beim Publikum dafür zu trommeln, es gehe um seine wohlverstandenen Eigeninteressen. Dass es genau darum nicht geht, ist für jeden Zurechnungsfähigen daran kenntlich, dass argumentativ auf sozialtheoretisch gänzlich absurde Kategorien wie ‘Ereignis’ und ‘Universalwert’ abgehoben wird. Aber die Verdummungsmaschine funktioniert immer wieder.

Der Nebensatz in Deinem Text, der mich reizte, Dir auf den Hut zu hauen, funktioniert m.E. so: Vor dem Hintergrund der Tatsachen, dass 1. unsere digitalen Kommunikationsspuren gespeichert und ausgewertet werden und 2. amerikanische Dienste die Staatsapparate von Bündnispartnern nach dem je aktuellen Stand der Technik ausspionieren, ‘bezeichnest’ Du eine ‘kopernikanische Wende’ und deklarierst Dich damit als souveränen Diagnostiker der gegenwärtigen Lage, die darin bestehe, das Verhältnis zwischen Einzelperson und Institution umzukehren. Eine souverände Feststellung des Souveränitätsverlusts. Aus diesem Widerspruch lässt sich programmatisch alles ableiten. Da aber die Überzeugung, dass ‘wir’ (die deutschen Staatsbürger) den unheilvollen Überwachern (NSA, Google, Facebook etc.) schutzlos ausgeliefert seien, den Hintergrund des Sprechaktes bilden, kann das Argument nur in eine Richtung wirken, nämlich das Publikum für kontinentaleuropäische Überwachungssysteme zu erwärmen. Und genau darauf läuft die gegenwärtige Debatte offernbar hinaus. Siehe nur:

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/jakob-augstein-ueber-die-notwendigkeit-der-digitalen-aufruestung-a-930342.html

Darin:
“Die USA haben der Vernunft gekündigt. Die bittere Wahrheit ist: Die digitale Allmacht hat den Amerikanern den Kopf verdreht. Ist das Land in seinem jetzigen Zustand überhaupt bündnisfähig? (…) Und nun? Die Idee, ein “No-Spy-Abkommen” abzuschließen, ist unsinnig. Die USA sind nicht in der Lage, ein Abkommen zu schließen, das von ihnen Selbstbeschränkung verlangt. Kein Vertrag dieser Welt kann die US-Dienste binden, soviel wissen wir jetzt. Aber es wäre genauso falsch, das Freihandelsabkommen zu stoppen. Warum sollte Deutschland seinen Wirtschaftsinteressen schaden, um seine Rechtsinteressen zu verteidigen? (…) Die Nachrichtendienste und die digitale Gefahrenabwehr müssen gestärkt werden. So unwahrscheinlich es klingt: Angela Merkel muss – technologisch – aufrüsten.”

Eine kopernikanische Wende: wohl wahr…

Zum Konnex Überwachung/Freihandelsabkommen hat @Schwejk schon das Nötige gesagt.

h.huett Oktober 29, 2013 um 13:54

Morph
“Da aber die Überzeugung, dass ‘wir’ (die deutschen Staatsbürger) den unheilvollen Überwachern (NSA, Google, Facebook etc.) schutzlos ausgeliefert seien, den Hintergrund des Sprechaktes bilden, kann das Argument nur in eine Richtung wirken, nämlich das Publikum für kontinentaleuropäische Überwachungssysteme zu erwärmen.”

Genau das tue ich nicht. Warum auch? Wie Lübberding sagen würde: Der Drops ist gelutscht. Die Idee der Privatsphäre ist dahin. Die Nachrüstung ist völliger Quatsch. Die neuen Nationalismen dito. Die europäische Suchmaschine. Dass ich nicht lache!

Warum ende ich mit der absurden Idee der künftigen Handypflicht, hm? Weil die Willkür nicht mehr gestoppt werden kann und die Logik des Überwachungsstaats sich verselbständigt hat. Also übertreibe ich auch da. Denn was hören wir aus den Koalitionsverhandlungen? Dass die Partner sich, mit Ausnahme des bayerischen Espenlaubs, für die Vorratsdatenspeicherung aussprechen.

Dazu kommt ja noch etwas, das ich da noch umgehe. Was die Idee des Individuums, einer Person oder nenne es, wie Du willst, heute noch ausmacht, sehen wir mal von dem Sonderfall “Holger” ab, wird ja immer unklarer. Die Idee der Privatsphäre einer sich atomisierenden Menge von Datenspuren betrifft das genauso. Insofern wird natürlich auch die Idee des Verrats – oder des Geheimnisses – obsolet.

Edward Snowden ist der Eugène Sue des 21. Jahrhunderts. Liefert “Geheimnisse” den Abonennenten in Fortsetzungsserien. Wie kommen wir, nächste Übertreibung, zu einer Autonomieerklärung unserer Spuren? In welchem Verhältnis stehen sie zu den mehr oder weniger noch vorhandenen Ich-Funktionen, ihrem Bewusstsein, ihrem Unbewussten?

Die internationale Politik, die Wirtschaftsinteressen usw – das interessiert mich in diesem Zusannemnhang nicht die Bohne. Die handelsüblichen Ressentiments von Leuten wie Balken kann ma ja nicht mal in der Pfeife rauchen.

h.huett Oktober 29, 2013 um 14:11

“Souverän ist, wer über das Abhörgerät verfügt!” http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/ueberwachung/ueberwachung-so-hoert-china-ab-12637892.html

Sehr interessant. Wir laufen, das ist die Quintessenz, in eine neue Epoche absoluter Macht hinein. Die Unterwerfung erfolgt völlig funktional, Widerstand wird rausgerechnet oder gebrochen.

Balken Oktober 29, 2013 um 14:15

Unsinn? Dann gehe ich nochmal in mich und schaue mir meine Auslassungen von Oktober 28, 2013 um 22:19 noch einmal an. O.K., da habe ich überzogen. Mit “letzter” ist oftmals einfach der/die/das Aktuelle, augenblickliche letzte seiner Art gemeint. Wer z.B. “letzten Sonntag” sagt, will nicht ausdrücken, es gebe keinen weiteren Sonntag mehr.

Da allerdings der Großmeister des Glasperlenspiels, wenn es um Putin geht, schonmal die distinguierte Hochgeistigkeit fahren lässt und vom “Hooligan” redet, bei milderer Gestimmtheit auch vom “Genossen Putin”, schien mir nicht abwegig, auch diese andere Bedeutung mitschwingen zu fühlen, die “letzter” nun einmal auch hat.

Gut, ist wurscht, was ich mitschwingen fühle, es war nicht mitteilenswert, und im Sinne einer Unterstellung auch unangemessen.
Ich erteile mir schonmal Absolution. Solange jemandes Lieblingskonjunktion “bisweilen” auf mich nicht wie der Rüttelfalke wirkt, mir darin nicht so etwas wie ein Nachsommer Adalbert Stifters schwingt, und mir die Frühkritik in der Kultur unserer Zeit nicht als das letzte Ansitzerlebnis erscheint, geht’s ja noch.

Morph Oktober 29, 2013 um 14:31

@Hans

“Genau das tue ich nicht.”

Mag sein, dass Du der Überzeugung bist, mit Deinen ‘Übertreibungen’ etwas anderes mitzuteilen, weil Du sie ‘Übertreibungen’ nennst. Aber so funktioniert das eben nicht. Bzw. was ist denn dann der Punkt, den Du mit diesen ‘Übertreibungen’ zu machen gedenkst?

“Wie Lübberding sagen würde: Der Drops ist gelutscht. Die Idee der Privatsphäre ist dahin.”

Das ist doch keine Frage der faktischen Praktiken irgendwelcher Schlapphüte, sondern immer noch eine Frage des Rechts. Genau so gut könnte man auch angesichts der abertausend Diebstähle, die jeden Tag passieren, sagen, die Idee des Privateigentums sei dahin, oder angesichts der abertausend Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung, dass man Ampelanlagen lachhaft seien.

Sorry, aber diese Art intellektueller Spitzenleistung ist mir zu hoch (um mal nicht auf die Mütze zu hauen).

wowy Oktober 29, 2013 um 14:33

@huett
Souverän ist, wer die Macht hat. Die Machthat inzwischen nur noch, wer das Geld hat, nicht mehr, wer demokratisch legitimiert ist. Wahlen sind durch Medien beeinflusste Wunschergebnisbringer. Die GroKo war vorgesehen und, oh Wunder, sie kam.
Ein Konzern schreibt die neue Europäische Verfassung und wer zweifelt ernsthaft, dass sie kommen wird.
Wir sind in der Postdemokratie und der Poststaatlichkeit.
Abraham Lincolns Satz lautet heute: Government of the trust, by the trust and for the trust.
Und das Bahnbrechendste in meinen Augen: Die Philosophie mit einer mindestens 2, 5 tsdjãhrigen Geschichte verschwindet.
Nicht das Sein, sondern der Code, das Datum bestimmt das Bewusstsein.
Wir werden keine Wissensgesellschaft, sondern eine Glaubensgesellschaft sein.
Die neue Kirche der Plutokraten, die ihrer Aufklärung harrt.
hkeit,

Carlos Manoso Oktober 29, 2013 um 14:49

@ h.huett Oktober 29, 2013 um 13:54

„ Was die Idee des Individuums, einer Person oder nenne es, wie Du willst, heute noch ausmacht, sehen wir mal von dem Sonderfall “Holger” ab, wird ja immer unklarer. Die Idee der Privatsphäre einer sich atomisierenden Menge von Datenspuren betrifft das genauso. Insofern wird natürlich auch die Idee des Verrats – oder des Geheimnisses – obsolet. Edward Snowden ist der Eugène Sue des 21. Jahrhunderts.“

Huett, die „falsche Form“ des Selbst geht fast immer einher mit dem „ontologischen“ Bedürfnis, die „falsche“ Kontinuität des Bewusstsein in einer positiven Entwicklungslogik“ fortsetzen zu wollen. Das Denken der “Aufklärung” hat sich dieses ontologische Denken zunutze gemacht. Aber gerade mit diesem „ontologischen Denken“ wird gerade gebrochen. Deshalb auch die große Scheu, das „abendländische Aufklärungsdenken“ zu kippen. Der „ontologische Bruch“ in der „Geschichte von Fetischverhältnissen„ wird allerdings bodenlos sein.

Eugène Sue´s Fortsetzungsroman „Les Mystères du Peuple « wurde übrigens zum Plagiat „die Protokolle der Weisen von Zion“ verwurstet.

f.luebberding f.luebberding Oktober 29, 2013 um 14:53

Morph, Hütt

Ich halte den Drops übrigens keineswegs für verzehrt. Aber jenseits dessen: Es ist natürlich absurd, wenn man in dem Genuß solcher Süßwaren einen anderen Sprechakt vermutet, als die Aussage: Mein Drops ist gelutscht. Es gibt ja keine Parteilinie, die von oben noch deklarieren könnte, dass dieser Verzeht damit ab sofort sinnlos wäre. Hütt formuliert eine These: Es sei sinnlos, die Begriffe des 19. und 20. Jahrhunderts zur Grundlage einer politischen Beschreibung heutiger Wirklichkeit zu machen. Daraus ergeben sich Schlussfolgerungen, die aber nichts über die Gesellschaft aussagen, sondern nur über den, der diese Gesellschaft beobachtet. Nur daran liegt ja die Relevanz dieser Debatte: Diese These zu diskutieren. Die Folgen solcher Debatten ergeben sich aus den Handlungen der Politik, die bekanntlich stellvertretend für die Gesellschaft handelt. Sascha Lobo hat gerade auf Spon Vorschläge dazu gemacht. Es müsste natürlich von der Politik als Institution umgesetzt werden.

Balken Oktober 29, 2013 um 14:57

Danke, @wowy, für diesen, wie Hütt wohl sagen würde, naiven oder einfältigen Verweis auf Politik und Recht. Genau da muss der Ansatz sein, nicht bei Cyberwar nun jeder gegen jeden.

Das Spindoctoring des Spiegel ist in der Tat autemberaubend. Thema aufgebracht, Thema auf die gewünschte Schiene gesetzt. Digitale Aufrüstung also. Gegen “Amerika”, sollen wir implizit mitlesen? Aber gewiss doch!!!

Mir scheint, Hütt könnte da wunderbar mitmachen. “Wir laufen, das ist die Quintessenz, in eine neue Epoche absoluter Macht hinein.”
Dieser Alarmismus aus dem Hochtöner geht mir gewaltuig auf den Senkel, zumal nichts, im Worten: Nichts, daraus folgt als: Ist so. Stellt euch drauf ein.
Nein! Wieso ihm die neuen digitalen Möglichkeiten als Ausrede herhalten sollen, jede Privatsphäre gläsern zu machen und den deutschen Blick wieder zur alltäglichen Gewohnheit von Jedermann zu machen, soll Hütt mal erklären. Wo ist da der zawingende Zsammenhang? Die technischen Möglichkeiten, die es früher gab, Briefe unterwegs mitzulesen, Festnetztelefone abzuhören, wurden im Rechtsstaat politisch und rechtlich eingegrenzt. (Ob die Grenzen immer eingehalten wurden, ist jetzt nicht mein Thema). Bloß weil diese Kommunikationsformen inzwischen unbedeutender werden und es heute um etwa E-Mails und Mobilfunk geht, entsteht ein rechtsfreier Raum (wer kann, der darf)?

BB Oktober 29, 2013 um 15:12

Ach Leutz, wenn ich euch mal “ontologisch” wieder aufmuntern darf in eurer depressiven Grundstimmung.

Is doch so!

Der @CM, der hat da auf diesen ermüdenden Text von diesem Robert Kurz verlinkt. Und siehe da, schwafel, schwafel, blablabla, da steckt sogar eine richtige Idee drin.

Wir diskutieren in Kategoriensystemen (irgendwie = Ontologien aber auch nicht ganz), die neoliberal reduziert sind und da uns nichts anderes zur Verfügung steht, können wir die Wahrheit nicht erkennen.

Deshalb ist Monsieur le Huett so frustriert. “Der Drops ist gelutscht”. Will sagen, der Zug ist abgefahren, Leute, ist sowieso alles pseudo, was soll’s, findet euch damit ab. So ungefähr seine Zielrichtung. Der Morph pflichtet ihm da bei, war ja klar, wenn er auch so tut, als vertrete er eine andere Position.

Man prokrastiniertbespaßt / verliert sich in einer immer sinnloseren Detail-Diskussion über “kopernikanische Wende” natürlich mit immer schwierigeren Gedankengängen und gewichtigeren Autoritäten, auf die man sich bezieht und so plätschert und wabert der endlose Diskurs ergebnislos so dahin.

Wie immer halt!

Nu kritisiert der Kurz – den stell ich mir irgendwie so vor, wie so einen verbiesterten Intellektuellen, der in irgendwelchen links-esoterisch-marxistischen Grüppchen hochverehrt wird, weil der so unglaublich komplizierte Texte produziert, wie es kein anderer kann – der Kurz kritisiert also die Aufklärung ebenfalls als Produkt einer fehlerhaften Ontologie, aus der man nicht entkommt, selbst wenn man kritisch denkt und deshalb ist auch dieser Weg hoffnungslos.

Allerdings liefert der Kurz nicht den kleinsten Ansatz – und das nehm ich ihm übel – wie man aus dieser ontologischen Scheiße Zwickmühle wieder rauskommt.

Die Lösung heißt “Neomoderne“.

“Ziel ist die Vollendung der Aufklärung als metaphysisch offene rationale Begründung existentieller normativer Grunderfahrungen mit universalisierbarem Anspruch. “

Da ist kein Platz für post-strukturalistisches oder ontologisches Nebelwerfen. Selbstverständlich lassen sich auch für die aktuelle beschissene Lage Lösungsansätze “formulieren” (oder blablabla Ontologien entwickeln), mit denen man “Fortschritt” beschreiben kann.

Wie wäre z.B.: Man könnte, statt mit dem überholten Begriff “Nationalstaat” zu arbeiten und dann deswegen mit den gängigen Wirtschaftstheorien zu scheitern in einer globalisierten Welt, irgendwie mit Begriffen, wie “hyperlokal”, “dezentral”, “lose vernetzt” meinetwegen sogar “Schwarmintelligenz” operieren oder wäre das jetzt regressiv im Sinne von Kurz, weil man damit als aufgeklärter Progressiver unter seinem Verdacht steht, zurück zur Substitutionswirtschaft zu wollen?

Um das mal anschaulich zu machen.

Warum sollte es in Zukunft nicht zumindest für einen Teil der Bevölkerung möglich sein, wieder eine kleine Kate auf dem Land zu besitzen und sich zum einen wieder selbst zu versorgen und gleichzeitig einen halben Tag vernetzt mit anderen an Software zu arbeiten, mit der Weltraum-Touristen in Peenemünde auf eine Erdumlaufbahn geschossen werden können? Und zwar ganz entspannt, ohne Stress, morgens Traktor nachmittags Computer, abends Kinder in’s Bett?

Wie trägt sich das? Nur so ein Hinweis: Las heute, dass der deutsche im Jahr ungefähr 40 kg Fleisch und 250 Eier ist. Das ist doch blos ein Schwein pro Jahr und 5 Hühner auf dem Hof. Mehr braucht man dafür doch gar nicht. Kleines Feld davor für den Weizen, hochproduktive Anbaumethoden. Ausgeglichene Life/Work-Balance und statt Grundeinkommen ordentlich steuerfinanzierte Subventionen aus dem EU-Haushalt für “Landschaftspflege”. Gibt’s heute doch auch schon.

Damit man mich nicht falsch versteht. Soll nicht jeder machen müssen. Ist nur mal was neues, das man mit dem bestehendem Vokabular durchdenken und kalkulieren kann.

Warum sollte so etwas nicht funktionieren? Weil es keine geeignete Ontologie dafür gibt? Weil es ein regressives komplett illusorisches Wirtschaftsmodell ist?

Es gibt kein Problem mit der Sprache, fehlenden Begriffen, Onthologien oder ähnlichem, sondern höchstens mit unserer geistigen Unbeweglichkeit und dem sich breit machenden Defätismus.

Und genau das ist wohl auch das Ziel, wenn so Typen wie der Joffe uns hier an den Überwachungsstaat gewöhnen wollen mit ihren radikal-Vorschlägen. Da hat Morph schon recht: Es geht diesen Kräften darum, die Alternativlosigkeit überwachungstechnischer Aufrüstung zu suggerieren.

Haben wir per Empörungswelle uns erst mal abreagiert, kann man die nächstgrößere Schweinerei planen und durchführen, weil sich dann schon keiner mehr aufregt.

Was kann man gegen solche Typen tun? Sie einfach nicht ernst nehmen. Ruhig mal konstatieren:

- Joffe, du bist bekloppt!

So redet man mit denen. Was anderes haben die nicht verdient.

“Beklopptheit” ist auch etwas “Seiendes”, also eine Entität, mit der man operieren darf. (Wenn ich mit dem Satz jetzt Scheiße geredet habe, merkt das sowieso keiner).

BB Oktober 29, 2013 um 15:14
Balken Oktober 29, 2013 um 15:23

“Und nun? Die Idee, ein “No-Spy-Abkommen” abzuschließen, ist unsinnig. Die USA sind nicht in der Lage, ein Abkommen zu schließen, das von ihnen Selbstbeschränkung verlangt. Kein Vertrag dieser Welt kann die US-Dienste binden, soviel wissen wir jetzt.”

aus dem oben verlinkten Spiegel-Artikel. Soviel wisen wir jetzt. Das muss ich mir erst noch auf der Zunge zergehen lassen. Vor allem den mittleren der lakonischen drei Sätze. Der ganz zufällig, zufällig (was ich immer alles so mithöre), für sich genommen über das konkrete Thema hinausgehend allgemein formuliert ist: …nicht in der Lage… ein Abkommen … Selbstbeschränkung.
Ich bin sprachlos.

Wowy? Übernehmen Sie.

Balken Oktober 29, 2013 um 15:32

Hütt: “Die internationale Politik, die Wirtschaftsinteressen usw – das interessiert mich in diesem Zusannemnhang nicht die Bohne.”

Gut, dann ist das ja geklärt.

Carlos Manoso Oktober 29, 2013 um 16:14

@ BB Oktober 29, 2013 um 15:12
„Wie wäre z.B.: Man könnte, statt mit dem überholten Begriff “Nationalstaat” zu arbeiten und dann deswegen mit den gängigen Wirtschaftstheorien zu scheitern in einer globalisierten Welt, irgendwie mit Begriffen, wie “hyperlokal”, “dezentral”, “lose vernetzt” meinetwegen sogar “Schwarmintelligenz” operieren oder wäre das jetzt regressiv im Sinne von Kurz, weil man damit als aufgeklärter Progressiver unter seinem Verdacht steht, zurück zur Substitutionswirtschaft zu wollen?“

BB, wirklich seltsam, dass es manche Leute in Zeiten der aktuellen „3. mikroelektronischen Rebolution“ allen Ernstes immer noch dazu drängt, emanzipative menschliche Zukünfte nur in „romantischen“ Vergangenheiten suchen zu wollen.

h.huett Oktober 29, 2013 um 16:27

Balken
Gar nichts ist geklärt. Ihre Buchstabenseligkeit versteht buchstäblich nichts. Kein Wunder, dass es nur zum Nachbeten oller Kamellen reicht. Viel Spaß dabei!

h.huett Oktober 29, 2013 um 16:41

Morph

Erstaunlich, dass Du als Luhmannweiterdenker die Insuffizienz des Rechts in dem Zusammenhang dieses Themas übersiehst. Es hält nicht einmal mehr hinkend Schritt mit dem, was der Fall ist – und wo die absolutistische Politik durchblicken lässt, dass sie im übergesetzlichen Notstand operiert, winkt das Recht sie weiter, mit einigen kosmetischen Nachbemerkungen.

Die absolute Macht auf der einen Seite erzeugt bei Simpeln wie Balken die alten politischen Reflexe, Arbeiterklasse usw. Wie putzig! Welche Arbeiterklasse hat sie da im Sinn? Die VW-Stammbelegschaft? Die bei Mercedes? Oder Siemens? Gute Nacht! Von der internationalen Solidarität ganz zu schweigen. (Nicht, dass mich das sonst nicht interessiert, nur in dem Zusammenhang mit der sich abzeichenden absoluten Macht ist das völlig egal).

Es gibt daher weder einen revolutionären Akteur (im Sinne der alten bolschewistischen Schule), noch gibt es Vordenker (oder für Balken: Nachdenker zum nachdenken). Selbst Frau Wagenknecht ziehts in die Laube, wo sie über den Dichterfürst schmachtet und die Wunden ihres letzten Kampfs um die Macht zupflastert. Also auch auf der Seite der Opposition nichts als kosmetisch geschöntes Neobiedermeier.

Eine Opposition von Regierungs- Gnaden, schlimmer kann es nimmer kommen. Wenigstens wächst damit die Aussicht auf rhetorische Girlanden bei den Debatten. Irgendwie müssen sie die Blöße ja bedecken.

Es gibt keine Opposition, die den Namen verdient. Dieser deplorablen Lage ist es zu verdanken, dass ich den Beitrag mit der Hoffnung enden ließ, dass die Macht im Übermut ihrer Absolutheit (Handyzwang!) der Opposition zu neuer Blüte verhelfen werde. Vor 2017 (oder realistischer: 2021) wird damit nichts.

Damit komme ich zurück zu den Anfangsgründen dieses Blogs, auch seines Namens: wiesaussieht, dem Augenblick auf den Fersen, mit dem Ehrgeiz, etwas zu verstehen zu versuchen, mit dem Risiko, daneben zu liegen, aber vielleicht ein Ende des Schopfs zu ergreifen, in der Bereitschaft, mich zu irren, nur um den Preis kommt manchmal so etwas wie der Bruchteil eines weiter zu denkenden Gedankens in die Welt.

Morph Oktober 29, 2013 um 16:50

@FL

“Sascha Lobo hat gerade auf Spon Vorschläge dazu gemacht.”

Und wie findest Du die? Ich wusste nicht, mit wie erbärmlich schlichten Texten man in SPON auftreten kann. “Zehn Lehren aus der Späh-Affäre” Allein der Titel! Eine Lehre sei, dass Obama doch nicht der Erlöser ist, für den ihn alle gehalten haben. Ach echt?! Wer hat das eigentlich jemals geglaubt? Außer Hans fällt mir keiner ein…(sorry, Hans, der musste sein! ;-) )

Ich habe das Gefühl, alle werden langsam komplett gaga. Das könnte schon so eine kopernikanische Wende sein…

Da lässt sich so ein Hobbythek-Moderator (vermutlich der zweitschlaueste Mensch in Deutschland gleich nach Günther Jauch) einen Trojaner auf sein Handy spielen, latscht übern Trödelmarkt und darf dann in der FAZ beschreiben, wie es sich anfühlt, dass die Software tut, wozu sie gemacht worden ist.

Erschütternd!

holger Oktober 29, 2013 um 17:12

Morphi

ich muss es ja mal gestehen, Du wirst mir immer sympatischer :D

Morph Oktober 29, 2013 um 17:16

@Hans

Also, als ‘Luhmannweiterdenker’ fällt mir zunächst einmal auf, dass wir es mit einem typisch modernen Fall zu tun haben, dass man die Gesellschaft nicht mehr überzeugend als eine wohlgeordnete Veranstaltung darstellen kann. Dass das Recht irgendwie hinterherkinkt, kann ich nicht sehen. Bzw. waren die Möglichkeiten, bestehendes Recht zur Geltung zu bringen, immer politisch konditioniert. Es gibt doch nicht erst seit gestern Geheimdienste!

Erkenntnisse, die aus unrechtmäßigen Überwachungen stammen, werden auch künftig nicht vor Geriht verwendet werden dürfen. Wenn ich mich in einem Bewerbungsverfahren auf Grund irgendwelcher Diskriminierungen zurückgesetzt sehe, kann ich die Berücksichtigung einklagen. Die Vorstellung, dass die bloße technische Möglichkeit der Überwachung das Recht aushebelt, ist atemberaubend naiv.

Aus der Geschichte technischer Innovationen kann ich aus dem Stand ein halbes Dutzend Beispiele nennen, dass zunächst hysterisch reagiert wurde und dann ziemlich schnell die Normalisierung einsetzte. Onlinedaten und Handydaten werden gespeichert und ausgewertet. Ist ja ein Ding! Ich prophezeie, dass wir in zwei Jahren darüber nicht mehr reden werden und uns trotzdem noch hitzige Debatten liefern werden, auf unsere Privatsphäre pochen usw. usf.

Vorgestern war es die Virtuelle Realität mit ihren Killerspielen (Amok!!), gestern war es die Gentechnik (Menschnparkrede Sloterdijks noch jemande im Gedächtnis?), heute ist es die Überwachungstechnologie, morgen ist es, hm, mein Tipp: der Speziezismus (ist total überfällig, diese, äh, Sau mal big time durchs Dorf zu treiben, bisher hat das ja nicht richtig geklappt, trotz Froer, Duve etc.).

Kecker Oktober 29, 2013 um 17:20

@ BB “Warum sollte es in Zukunft nicht zumindest für einen Teil der Bevölkerung möglich sein, wieder eine kleine Kate auf dem Land zu besitzen und sich zum einen wieder selbst zu versorgen und gleichzeitig einen halben Tag vernetzt mit anderen an Software zu arbeiten, mit der Weltraum-Touristen in Peenemünde auf eine Erdumlaufbahn geschossen werden können? Und zwar ganz entspannt, ohne Stress, morgens Traktor nachmittags Computer, abends Kinder in’s Bett?”

Wenn ich durch die Straßen gehe // Und etwas Neues, Schönes sehe // Weis’ ich stolz darauf: // Das hat mein Freund getan! // Mein Freund, der Plan! (Walter Ulbricht)

* kecker, lach *

holger Oktober 29, 2013 um 17:23

Morphi

—>>> Dass das Recht irgendwie hinterherkinkt, kann ich nicht sehen. Bzw. waren die Möglichkeiten, bestehendes Recht zur Geltung zu bringen, immer politisch konditioniert.”

Nö… Tatsachenentscheidung heißt das im Fußball… “Phantomtor” iss so… Der DFB hat gesacht, das ein Tor was keines ist auch ein Tor ist.

Es kömmt nur auf den Schiri an. LOL

So viel dazu, ob alle Gaga sind…

Yep… sind se…

BB Oktober 29, 2013 um 17:31

@CM

“….. Begriffen, wie ‘hyperlokal’, ‘dezentral’, ‘lose vernetzt’ meinetwegen sogar ‘Schwarmintelligenz’ …. BB, wirklich seltsam, dass es manche Leute in Zeiten der aktuellen „3. mikroelektronischen Rebolution“ allen Ernstes immer noch dazu drängt, emanzipative menschliche Zukünfte nur in „romantischen“ Vergangenheiten suchen zu wollen.”

Wieso romantische Vergangenheit? Was ist die Energiewende doch hoffentlich, wenn sie geschafft ist? Dezentral!

Und was fördern zukünftige, innovative, wirklich smarte Internetplattformen , wenn sie mal entwickelt sind (Facebook ist nicht gemeint) ? Die Schwarmintelligenz!

Alles Microelektronik gestützt!

Was meinst denn Du mit microelektronischer Revolution? Transhumanistische Verstärkung des Menschen? Wer sich’s leisten kann, kauft sich ‘nen Borg-Implantat oder die Unsterblichkeit?

Deine marxistisch begründete Hoffnung in die technische Revolution ist wirklich skuril :-)

Wenn ich so daher rede, dass, wer will, einen Teil seiner Existenz wieder mit Subsistenzwirtschaft fristen soll, dann meine ich natürlich, auf hohem microelektronischen Niveau (computergesteuerte Bewässerunganlage mit direkter Kopplung an Boden-, Wetter- und Satellitenbilderdatenbanken oder sowas).

Ich glaube, du bist selbst noch ein Gefangener Deiner regressiven Begriffswelten.

h.huett Oktober 29, 2013 um 17:42

Für die unterseeischen Waldausflüge von holger https://www.youtube.com/watch?v=uimEMplkf34&feature=player_embedded

f.luebberding f.luebberding Oktober 29, 2013 um 18:29

Morph

Lady Gaga war auch in Deutschland … . Aber jenseits dessen. Es gibt gar keinen Text, der jetzt irgendetwas verändern könnte. Texte im hier diskutierten Sinn handeln nämlich gar nicht, da können sie noch nie komplex sein. Tatsächlich müssten die Ideen dieser Texte institutionell verarbeitet werden. Das bedeutet also in unseren Gesellschaften nichts anderes, sie bürokratisch als Handlungsanweisung zu verarbeiten. In Deutschland hieße das etwa die Spionageabwehr auch auf die Aktivitäten der USA hin zu orientieren. Daraus ergeben sich dann erst Handlungen. Du solltest jetzt nicht hinter Max Weber zurückfallen, finde ich … . Was Yogeshwar betrifft: Er vermittelt Erkenntnisse. Das nennt sich nämlich Journalismus … .

BB Oktober 29, 2013 um 18:30

Ach @keckerchen

da trägst du mal wirklich was Gehaltvolles zur Diskussion bei und merkst es gar nicht.

…Wenn ich durch die Straßen gehe // Und etwas Neues, Schönes sehe // Weis’ ich stolz darauf: // Das hat mein Freund getan! // Mein Freund, der Plan! (Walter Ulbricht)…

Wirklich lustig, das Zitat. Aber du willst wahrscheinlich mit deinem selektiven Akt suggerieren, dass solche Zukunftsskizzen zu erstellen, wie “…Warum sollte es in Zukunft nicht zumindest für einen Teil der Bevölkerung möglich sein, …” ein Plan sind, also eine Vorschrift, die von Oben herab angeordnet werden.

Meistens kommen so Einwände von den Libertären, die alles und jedes, was sie nicht verstehen, sofort als Sozialismus abkanzeln. Als solchen dürfen wir Dich also in Zukunft einsortieren. Danke für das Outing.

Leider hasst Du gar nichts verstanden. Ich schrub ja schon: “Nicht alle … ” und meinte damit: “Jeder der will” also nix Plan.

Es geht doch in diesem Diskussionsstrang darum , inwieweit wir durch unser Gefangensein in den Terminologien und Begriffswelten des “freien Markts” geradezu alternativlos in nur die eine mögliche dystope Richtung der totalen Überwachung laufen müssen, also gerade dabei sind, immer “unfreier” zu werden.

Und mein unzulänglicher Beitrag sollte dazu dienen, die bezweifelten aber vorhandenensprachlichen Räume zu öffnen, um zu zeigen, wie man sich aus diesem Sachzwang “der unsichtbaren Hand” befreien kann.

Ich sprach früher ja schon mal davon, Sozialismus und Libertarismus sind zwei Seiten der gleichen Medallie.

Was dem Ulbricht sein Plan, ist dem anderen seine unsichtbare Hand.

Insofern danke für Deinen fruchtbaren Beitrag.

f.luebberding f.luebberding Oktober 29, 2013 um 18:34

Morph

Übrigens eine spannende Frage, was man unter Normalisierung versteht. Den Menschenpark gibt es noch nicht. Und die Nutzung von Killerspielen als Erklärung für Brutalisierung war bekanntlich umstritten. Du objektivierst Texte als Wirklichkeit. Tatsächlich waren es bloße Thesen.

Doktor D Oktober 29, 2013 um 18:35

Weniger apokalyptisch, dafür aber mal von dem einzig interessanten Standpunkt aus geschrieben, nämlich: Wie zur Hölle können die überhaupt sinnoll mit diesen Datenmassen arbeiten? – David Soar in der LRB:
“For all the doomsaying certainty of the news stories that have periodically filled front pages since early June we are still in the dark about most of the NSA’s actual methods and day to day activities. The NSA employs more than thirty thousand people and has an annual budget of nearly $11 billion; outside its headquarters at Fort Meade in Maryland, it operates major facilities in Georgia, Texas, Hawaii and Colorado, and staffs listening posts around the world. The leaks are, at best, a series of tiny windows into a giant fortress. It’s still hard to spy on the activity within.” Hier kann man seinen Artikel nachlesen: http://bit.ly/1ac7VeS

Morph Oktober 29, 2013 um 18:40

@FL

‘tschuldige, Frank, zufällig weiß ich, ganz ohne Überwachung, nämlich persönlich verifiziert, dass Du zu klug bist, um nicht zu erkenne, dass Lobos zehn ‘Lehren’ aus der Spähaffäre eine Geistesbeleidigung erster Güte sind!

Und ich bezweifle ja gar nicht, dass Yogeschwar ein guter Didaktiker ist. Er sollte sich halt auf so Sachen wie Waschmittelbaukästen, ‘Wir bauen uns einen Heißluftballon’ oder ‘Gesunder Rücken 1, 2 und 3′ beschränken, dann würden wir ihn alle für das bewundern, was er ist, die etwas intelligentere Ausgabe von Jean Pütz.

Seine gesellschaftsdiagnostischen Beiträge sind einfach nur peinlich!

Linus Oktober 29, 2013 um 18:55

“Dass das Recht irgendwie hinterherkinkt, kann ich nicht sehen.”

Weil’s grad so schön passt: http://blog.fefe.de/?ts=ac902841

Holgers “Tatsachenentscheidung” trifft das schon. Es werden vollendete Tatsachen geschaffen, die normative Kraft des Faktischen.

Lösungen gibt es übrigens schon: Stecker ziehen!
Warum nicht? ;-)

“Bzw. waren die Möglichkeiten, bestehendes Recht zur Geltung zu bringen, immer politisch konditioniert.”
Bis zur Wende haben die Allierten über unsere Verfassung gewacht. Inzwischen ist das wieder uns selbst überlassen. Und es scheint, wir können nicht so recht was damit anfangen.

Huuh Oktober 29, 2013 um 18:58

->>>Seine gesellschaftsdiagnostischen Beiträge sind einfach nur peinlich!

Ein Müllfahrer, würde ich sagen (oder sagte ich bereits…)

Morph Oktober 29, 2013 um 19:04

@Linus

“Holgers “Tatsachenentscheidung” trifft das schon.”

Naja, es gibt ja das System der Rechtsinstanzen. Sicher ist ‘in letzter Instanz’ keine Gerechtigkeit gesichert. Aber diese Kröte müssen wir eben schlucken. In vielerlei Hinsicht. Die Komplexität des modernen Rechts jedenfalls ist schon so fortgeschritten, dass von einer umstandslosen Verwirklichung ‘absoluter Macht’ oder ‘des Kapitals’ überhaupt nicht die Rede sein kann. Das ist alles ideologischer Blödsinn! Man sollte sich schon mal die Mühe machen, die eigenen Vorurteile an der Realität zu überprüfen. Sage ich mal so. Als Aufklärungsfreund.

Doktor D Oktober 29, 2013 um 19:17

Meanwhile in Washington: http://atfp.co/HqNdSC
Wenn ich das richtig verstehe, gibt es im Kongress wieder eine überarteiliche Gesetzesinitiative, um die Überwachungsregeln neu zu justieren. Und das gefällt der NSA nicht so.

Morph Oktober 29, 2013 um 19:24

@peewit

Danke für den Link! Ich kann mich mit Rortys Philosophie auch nicht identifizieren. Allerdings halte ich Rorty für einen sehr inspirierenden Philosophen. Sehr viel inspirierender als derjenige, der den Text Deines Links verfasst hat.

Das ist ja das Merkwürdige an der Philosophie: Es geht nicht um objektiv entscheidbare Behauptungen, sondern um Nachdenk-Angebote. Und ob man die gut findet oder nicht, hängt davon ab, wo man selber steht und was man gerade brauchen kann.

Mir scheint, dass das Problem der modernen Wissenschaft sich viel weniger für Geistes- und Sozialwissenschaftler stellt, die ja wissen, dass sie mit vagen Konzepten und Methoden umgehen, sondern für die Hard-Science-Fraktion, die extrem gegenwarts- und extrem wettbewerbsorientiert sind. Die machen high modernity, keine Frage. Aber im persönliche Gespräch mit Leuten, die ihr Paper in, sagen wir, Quantenoptik in Science plazieren wollen/müssen, damit es karrieretechnisch weiter geht, fällt schon auf, dass da etwas aus dem Ruder gelaufen ist.

Und Rorty ist jemand. der diese Art Wissenschaft problematisiert. Finde ich ganz richtig. Weiß aber, dass man das mit guten Gründen anders sehen kann. Und das weiß Rorty auch!

h.huett Oktober 29, 2013 um 19:26

Die Menschenparks gibts längst, sie werden nur nicht so bezeichnet. Ganz zu schweigen von den Biohackern, die sich ihre Körper elektronisch aufpeppen: die Erdbebenchoreographin und der Farbblinde, der seine Farbensicht einem Implantat verdankt, das er bald aus körpereigener Energie mit Strom versorgt. Man zahlt sogar schon Eintritt dafür, sie zu sehen. Letztens bei der :re publica.

holger Oktober 29, 2013 um 19:33

Morphi

—>>>Naja, es gibt ja das System der Rechtsinstanzen. Sicher ist ‘in letzter Instanz’ keine Gerechtigkeit gesichert. Aber diese Kröte müssen wir eben schlucken.”

Ich weiß ja nicht, ob ich richtig aufgepasst habe… jedenfalls hat man mir erzählt: Judikativ, Legislativ und Exekutiv

Auch wenn ich es nicht gerne mache… der “Rechtsextremist” Ernst Haeckl (Häckel oder so) hat das mal erforschen wollen, was das mit den Advokaten so auf sich hat. Oder das Recht an sich.

Mittlerweile ist es ja so, und da kannste meinen Boss (73) fragen, der als und immer Beschwerden an die EU schreibt, LOL, :D wann fängt man eigentlich mit einer Klage an?

Bis man natürlich die Instanzen durch hat.

Ich frage dich, reicht dafür ein Leben?

Versuche doch mal gegen einen Staat zu klagen! Da musst du mit 15 schon wissen und verklagen, was du mit 40 hast, damit du das Urteil noch erleben tust.

Deine Rechtssicherheit lässt dich am ausgestrecktem Arm verhungern. Ein Trabbi zu bestellen ist einfacher.

holger Oktober 29, 2013 um 19:37

Morphi

und noch was: Hätte ich gewusst, was mich für beschissene Eumel hier empfangen, hätte ich bei der Geburtsurkunde schon Widerspruch eingelegt.

Hat mir aber damals keiner gesagt. :D

Linus Oktober 29, 2013 um 20:38

“dass von einer umstandslosen Verwirklichung ‘absoluter Macht’ oder ‘des Kapitals’ überhaupt nicht die Rede sein kann. Das ist alles ideologischer Blödsinn!”
Davon redet auch keiner, zumindest IM MOMENT HIER nicht :-D.

Das Dilemma stellt sich mir in etwa so dar:
Was würde passieren, wenn von einem Tag auf den anderen alles, aber auch alles offengelegt würde? Riesen-Katastrophe!!! Also dürfen nicht alle alles wissen. Also müssen die, die wissen dürfen, dafür sorgen, dass das Geheimnis/die Konspiration nicht überhand nimmt. Das sind sie denen schuldig, die ihnen das Vertrauen ausgesprochen haben. Dies betrifft nicht nur die ‘ad hoc’-Ebene, also die Tagespolitik, sondern auch strukturelle und strategische Entscheidungen: Wie sind Organisationen/ Vorgänge zu gestalten, um möglicht wenig geheimhalten zu müssen?

Gerade Letzteres wird nicht mal angedacht. Vielmehr verhalten sich hier Regierungen ganz offensichtlich konspirativ. Da findet tatsächlich ein Clustering statt, es entwickelt sich eine Front: Die Regierung gegen den Bürger. Diese Entwicklung ist nicht gesteuert, aber nichtsdestoweniger ist die zu beobachtende Lagerbildung emergenter Fakt.

Der Ball ist klar im Feld der Regierung. Sie hat Handlungs- und Gestaltungsspielraum. Eingefordert wird ein glaubhaftes Bemühen um Transparenz. Nochmal: Es geht nicht nur um den Einzelfall, es geht um eine Strategie.

Linus Oktober 29, 2013 um 20:45

@Carlos Manoso:
“BB, wirklich seltsam, dass es manche Leute in Zeiten der aktuellen „3. mikroelektronischen Rebolution“ allen Ernstes immer noch dazu drängt, emanzipative menschliche Zukünfte nur in „romantischen“ Vergangenheiten suchen zu wollen.”

Entschuldigung, aber hier outest du dich als echter Fortschritts-Depp. Man kann mit einiger Plausibilität die Meinung vertreten, dass wir mit einem Bruchteil dieses ganzen Gerümpels wesentlich besser dran wären. Ich persönlich hab auch was gegen diese Fortschritts-Diktatur.

Ritter "ruby" Oktober 29, 2013 um 23:21

Etwas Agitation :
@ Günter Bannas
http://www.faz.net/aktuell/politik/nsa-affaere-wo-das-recht-endet-12639921.html
Die SPD-Mitglieder werden nicht zulassen, dass die geschäftsführende Bundeskanzlerin eine dritte Ernennungsurkunde erhält.
Wie vorher, das Spiel ist am Ende.

http://www.youtube.com/watch?v=h_jxYxvvc00

Soldat Schwejk Oktober 29, 2013 um 23:42

@ Morph, @ egal – (zwei Körper des Königs)

@ Morph, nu hab ich Dir einen Ball hingespielt, den hättest Du annehmen, mir zurückspielen oder jemand anders zuspielen können, der ihn annehmen mag. Stattdessen hast Du ihn hoch in die Zuschauerreihen geballert. Das ist im Rahmen dieser Spielwiese kein prosoziales Verhalten und sollte nicht gefördert werden…

Zu den Körpern. Also, wie war das so im elisabethanischen Zeitalter? Es gab kein Fernsehen, keine Fotos, und die Malerei war auch nicht gerade… äh… fotorealistisch… Also wurde der physische Körper des Königs/der Königin auch nicht wirklich abgebildet. Und der gemeine Pöbel bekam den Herrscher zumeist auch gar nicht zu Gesicht, sondern er bekam Bilder vom Herrscher zu sehen, wie gesagt, keine fotorealistischen, und auch nicht von Leonardo da Vinci gemalte. Sondern, nehmen wir eine Darstellung eben jener Elisabeth Tudor:

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Elizabeth_I_%28Armada_Portrait%29.jpg

Das ist noch weit näher an mittelalterlicher Sakralmalerei als an dem, was wir uns unter Renaissance gewöhnlich so vorstellen. Alles was auf individuelle Merkmale eines physischen Körpers schließen läßt, wird vermieden, stattdessen gibt es aber eine symbolische Geste. Wie eben auf Heiligenbildern. Die Königin ist die Trägerin des Staates, und die Darstellung ihres Körpers meint den Staatskörper, nichts anderes.

Deshalb, @ egal, wenn Du meinst: “Merkel hat keinen Körper”, im Sinne: die öffentliche Darstellung von Merkel verzichtet auf die physische Körperlichkeit… dann ist das genau im Sinne dieser frühneuzeitlichen/spätmittelalterlichen Ikonographie.

Etwas ganz anderes ist dagegen die fotografische Darstellung von Putin oder Obama mit freiem Oberkörper oder die Darstellung von Schröder mit Zigarre und Brioni-Tuch. – Und auch die im Fernsehen wahrnehmbare physische Gebrechlichkeit von Tschernenko etc. tut da nichts zur Sache. Manche absolutistische Herrscher waren auch physisch gebrechlich, schon allein wegen des Inzests im Hochadel, und doch hat das der Darstellung ihres “politischen Körpers” keinen Abbruch getan.

Schauen wir dann auf die Inszenierung der Merkel-Raute:

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bild-919905-539329.html

Auf alle real-körperlichen Attribute ist verzichtet, und es bleibt einzig eine Geste… und die Darstellung mit ihrem betonten Faltenwurf scheint mir zudem so eine Mischung aus archaischer Sakralmalerei und Pop-Art zu sein… (Bin kein Kunsthistoriker, aber alles muß man hier selber machen… stöhn… :-) ) Also – ist das nicht näher an der Darstellung von Elisabeth Tudor als an der von Putin?

Kein Obama, kein Putin, kein Hollande, kein Erdogan würde/könnte sich so darstellen lassen. Und, um den Geschlechter-Bias zu vermeiden… ich vermute, Cristina Kirchner oder Dilma Rousseff könnten es auch nicht.

Das ist archaisch und innovativ gleichzeitig. Und kann man es nicht als Rückgriff sehen auf eine alte, vormoderne Bildersprache, als eine Inszenierung rein symbolischer Körperlichkeit? Die Rückkehr des politischen Körpers, um die politische Verfaßtheit eines Territoriums zu repräsentieren… nachdem die formalen Verfahren, die einen Verfassungspatriotismus möglich machten, abgedankt haben? Wie gesagt, im Sinne einer postdemokratischen, augenzwinkernden Farce? Und hat vielleicht die doch ziemlich irrationale Aufregung um “Merkelfon” etwas mit dieser Inszenierung politischer Körperlichkeit zu tun, mit diesem Rückzug des Repräsentativ-Politischen auf Gesten und schutzmantelige Symbole?

Ich meine, @Morph, würde ich hier als Empiriker reden, dann würde ich diese Fragen vielleicht abtun… :-) Und, klar, man kann sich die Frage stellen, ob diese ikonographischen Betrachtungen im Fernseh-Zeitalter mit seiner Echtzeit-Darstellung des physischen Körpers von Politikern überhaupt noch eine Rolle spielen. Aber so im spielerischen nichtempiristischen Modus: Kann es nicht manchmal der Gesellschaftsdeutung hilfreich sein, aktuellen Entwicklungen mit zunächst “unzuständigen Interpretamenten” zu begegnen? Wer ist denn jenseits der empirisch-analytischen Verfahren überhaupt für irgendwas zuständig? Und wozu ist die ganze Postmoderne eigentlich gut, wenn an der nächsten Ecke dann ein Nicht-Empiriker steht, der Interpretamente für unzuständig erklärt?

P.S. @ Morph –
Und das eintönige und völlig humorlose Moritatengeschrammel von Lou Reed… aber lassen wir das… Du nennst ihn neben Leuten, deren Attitüde ich genauso wenig mag (Cohen, Waits… zwar schöne Stimmen… da fühlt sich gleich jeder bourgeoise Arsch als Bohemien im Geiste, sofern er nur eine Flasche Single Malt im Regal stehen hat … aber sonst??) …

… aber dann auch neben dem hochverehrten theatralischen Genius David Bowie…

… aber … naja… über Popmusik und Pop-Attitüden kann man wohl nicht sinnvoll streiten…

Und sonst muß ich erst mal einige Texte hinter den Links lesen, u.a. den von @ peewit zu Rorty…

herc Oktober 30, 2013 um 05:12

@Schwejk

“Ich meine, @Morph, würde ich hier als Empiriker reden, dann würde ich diese Fragen vielleicht abtun…”

Tut mir ja leid, aber sowohl datenversessene Empiriker als auch interpretationsselige Hermeneuten verhalten sich ignorant gegenüber den Kontexten, in denen soziale Tatsachen überhaupt erst zu sozialen Tatsachen werden. Insofern ist Deine schöne Reihe von Similaritäten, die Du uns vorführst, um dann den Schluss anzubieten: Postdemokratie als Vordemokratie, zwar ein wunderbarer Bauplan für einen Feuilleton-Artikel, aber nicht wirklich ‘emanzipatorisch-progressiv’. Na gut, Du nennst das Ganze ja auch ‘spielerisch-nichtempirisch’ und deutest damit an, dass Forschung ‘im Ernst’ natürlich empirisch zu sein hat (oder was Anhänger der empirischen Sozialforschung so für empirisch halten…).

Nochmal: sorry, da bin ich zu nah dran um das komisch zu finden.

Aber wie immer ist es natürlich anregend, was Du schreibst, denn mir ist selten so deutlich geworden, dass die empiristische und die hermeneutische Verkennung des Sozialen zwei Seiten einer Medaille sind.

Noch ein Satz zu den Attitüden von Popmusikern. Jeder Jeck is anders. Und jede Popattitüde ohnehin schon derart stilisiert, dass sie als ernstgemeintes Identifikationsangebot gar nicht auszuhalten ist. (Was übrigens m.E. Tom Waits in seiner Art der Stilisierung am besten reflektiert: http://www.youtube.com/watch?v=EOrG1r3S6ZA ) Das Entscheidende ist für mich: Dass die individuelle Attitüde zum Gegenstand der individuell kontrollierten Darstellung wird und nicht, wie im Marketingpop, einem Pseudokalkül der Zielgruppenforschung entsprechend vorfabriziert ist bzw. im Gruppenmuff der Stilgemeinschaften plattgewalzt wird.

Bogus Oktober 30, 2013 um 05:41

Hütt, was ist denn eine Erdbebenchoreographin?

h.huett Oktober 30, 2013 um 06:49

Bogus

Sie verwandelt seismographische Signale, die ihr Chip spürt, in Tanzbewegungen. Mehr dazu hier.

herc Oktober 30, 2013 um 07:11

ach, @schwejk, und noch was zur Bildlichkeit/Körperlichkeit der Herrscherin im gegenwärtigen Zeitalter:

http://stohl.de/wordpress/wp-content/2013/09/mehrinhalteschlecky.jpg

;-)

Linus Oktober 30, 2013 um 07:13

@Schwejk:
Wer hat denn die Raute erfunden? Wohl doch irgendein Medien-Fuzzi. So gesehen sagt die Raute wohl eher was über die Medien aus als über die Verfasstheit unserer Demokratie oder gar Frau Merkel. Du meinst in der heutigen Bildersprache irgendetwas erkennen zu können? Ich meine, es bleibt iW eine reine Selbstinzenierung der Medien, ein mehr oder minder zufälliger und äusserst kurzlebiger Output der grossen Verwurstungsmaschine. Da kann man gleich Gewölle lesen.
Schau dir doch mal die Bildersprache von der Spiegel- oder Focus-Startseite an. Natürlich könnte man da Herrn Putin mit nacktem Oberkörper neben Frau Merkel mit Raute-Icon stellen. Und ich bin mir sicher, dass die das im Fall des Falles auch umgekehrt hinbrächten. Da haben die kein Problem damit. Steinbrücks Mittelfinger ging ja auch.
Wo bitte soll da Platz bleiben für postdemokratische Ironie? Die wäre doch gar nicht abgrenzbar von dem anderen Schwachsinn.

Plausibler finde: Die Raute erfüllt die Funktion eines Icons, so wie viele andere in unserer Blipp- und Click-Welt. Ein Ankerpunkt, mehr ist da nicht dahinter.

Andreas Kreuz Oktober 30, 2013 um 07:41

Die Raute ist gekennzeichnet durch die gleiche Länge aller Seiten.
Das ist wohl bei Daumen und Zeigefinger eher selten der Fall?
Und schon sind wir beim Drachen-Viereck…

herc Oktober 30, 2013 um 07:50

@Linus

Jeder Satz ein Treffer! 12 x 12 Punkte!

wowy Oktober 30, 2013 um 08:57

@Balken
Was ist schon naiv, wenn Schirrmacher bei twitter jetzt schon russische Seiten verlinkt, die hier vor einem halben Jahr noch unter Verschwörung liefen?

@Morph Oktober 29, 2013 um 19:04

Da hast du aber in letzter Zeit nicht genau hingeschaut.
Nehmen wir nur die 2 Beispiele zu den EU-Verträgen:
No-bail-out – EFSF/ESM – ursprüngliche Intention/heutige Anwendung —>Rechtsbruch

EZB – Aufgaben nach Vertrag – heutige Aufgaben —-> Rechtsbruch

Das anfangs vehement verteidigte und vom Bundestag beschlossene Zensursula Gesetz wurde nicht angewandt. Es wurde eine Verordnung (oder war es eine Dienstvorschrift?) erlassen, dass es nicht anzuwenden ist. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. —–> Rechtsbruch
Erst ein Jahr später wurde das Gesetz durch den Bundestag wieder aufgehoben.

Man könnte die Liste weiter fortsetzen. Von den vielen verfassungswidrigen Gesetzen, die das BVerfG kassiert hat, will ich gar nicht reden. Siehe z.B. zur Vorratsdatenspeicherung, die auch ohne Gesetz fortgesetzt wird.
………

Linus Oktober 30, 2013 um 08:58

@herc:
Erstaunlich! Ich hatte deinen Link noch nicht gesehen.

Morph Oktober 30, 2013 um 09:34

@wowy

Das Rechtssystem kann Rechtsbrüche nicht verhindern. Das ist aber nicht neu. Im Gegenteil: Das ist ein konstitutiver Umstand dafür, dass es das Recht gibt und es sich ständig den Umständen anpassen muss. Mir ging es doch nur darum, diese überschießende Diagnosen vom Verschwinden der Privatsphäre, dem Ende des Staatsbürgers etc. zu kritisieren.

Mich stört dirser Alarmismus, der suggeriert, der Unterscheid zwischen den Lebensverhältnissen hier und, sagen wir, in Somalia sei eine Illusion von Schafsköpfen, die ignorieren, dass wir hier objektiv in der Hölle lebten. Ich meinerseits finde ein solches Katastrophengeplapper ist die Vorstufe des politischen Populismus, den aufzuhalten m.E. die zentrale politische Aufgabe von Bloggern, Journalisten und Politikern heute sein sollte.

Bogus Oktober 30, 2013 um 09:44

Sehr schön, Hütt, die Performance der Erdbebentante. Aber was hat das mit dem Themenkomplex Big Data / NSA zu tun? Und ihr Kumpel der geheilte Farbenblinde: Ist jeder Träger eines Herzschrittmachers ein Cyborg?

Die Diskussion bleibt weiter seltsam unscharf… Das Bedrohungszenario durch Big Data wird nicht klarer, wenn man einen Burschen, der dank Chiptechnik Farben sehen kann, da hineinwurschtelt. Medizinischer Fortschritt, ist doch Klasse!

wowy Oktober 30, 2013 um 09:48

@Morph
Der Unterschied ist nur, dass diese Art von Rechtsbruch, den es in der Tat schon immer gab, früher die Ausnahme war und heute zur Regel wird. Man hat geradezu den Eindruck, dass BVerfG soll mit Verfahren zugeschüttet werden, damit es zwangsläufig der Aktualität hinterherhinkt. Das hat Methode und geriert sich immer dreister.

wowy Oktober 30, 2013 um 09:49

Ich streiche ein s

wowy Oktober 30, 2013 um 09:59

Zu den Klagen zu EFSF/ESM zu denen ein Urteil bezüglich der einstweiligen Verfügungen am 12. September 2012 erging, fehlt immer noch das Urteil in der Hauptsache.
Wir haben inzwischen (fast) November 2013. Seitdem hat sich viel an der Faktenlage geändert.

wowy Oktober 30, 2013 um 10:15
h.huett Oktober 30, 2013 um 10:39

Bogus

Das ist nur ein weiteres Detail, aber insofern interessant, als es durch Biohacking einen Sachverhalt in den Blick rückt, der von so robusten Gegenwartsmenschen wie unserem Morph nur als Unkerei adressiert werden kann: die Frage nämlich, wie ein Rechtsdenken in Tradition des Habeas Corpus Aktes sich in der Digitalen Welt auf unsere zweiten Körper in Gestalt der Datenspuren erweitern ließe. Die Frage danach, wer mit welchem Recht Zugriff auf welche Daten hat und wie bzw. wo eine Grenze zwischen der zivilen Nutzung allen zugänglicher Daten auf der einen und der staatlichen Nutzung für Überwachungszwecke auf der anderen Seite gezogen wird.

Balken Oktober 30, 2013 um 11:04

“Die Frage danach, wer mit welchem Recht Zugriff auf welche Daten hat und wie bzw. wo eine Grenze zwischen der zivilen Nutzung allen zugänglicher Daten auf der einen und der staatlichen Nutzung für Überwachungszwecke auf der anderen Seite gezogen wird.”

Er ist von selbst darauf gekommen, dass in seiner Darstellung des Themas genau dieser Gesichtspunkt fehlte, dass es nämlich um diese Frage (immer noch) geht. Simpel und robuste Gegenwartsmenschen werden ihn nicht darauf gebracht haben.

.

Bogus Oktober 30, 2013 um 11:07

Balken, er hat ja auch wirtschaftliche Aspekte bisher ausgeklammert. Und damit zum Beispiel die Frage, welches Interesse meine Versicherungen (KFZ, Gesundheit…) an meinen Daten haben könnten.

Das meinte ich mit “Die Diskussion bleibt weiter seltsam unscharf”.

wowy Oktober 30, 2013 um 11:38
wowy Oktober 30, 2013 um 11:40

http://www.harvardlawreview.org/issues/125/february12/Article_8868.php

Der Ansatz von allem ist ein völkerrechtlicher. Ich schrieb das hier bereits. Der Ausnahmezustand “war on terror” ist das Einfallstor für alle Rechtsbrüche.
https://de.wikipedia.org/wiki/Krieg_gegen_den_Terror

Und die Europäer sollen hier nachziehen.

wowy Oktober 30, 2013 um 11:43

Oh damn, ein Link zuviel. Bitte freischalten.

Morph Oktober 30, 2013 um 11:54

@Hans

Ich kann mich nur wundern. Du tust so, als würde, seit es die Mobiltelefonie gibt, irgendein Persönlichkeitsrecht in Frage gestellt. Das ist schlicht und ergreifend nicht der Fall. Und Deine unklar metaphorische Rede vom “zweiten Körper in Form von Datenspuren” (willst Du den Preis für den krachendsten Bildbruch 2013 gewinnen, oder was?) arbeitet rhetorisch denen zu, denen eine Neubestimmung von Persönlichkeitsrechten ganz gut in den Kram passen würde.

Die Grenze zwischen der menschen- und persönlichkeitsrechtlich erlaubten und der verbotenen Datennutzung steht nicht zur Debatte und sollte nicht zur Debatte gestellt werden.

Die Frage kann einzig und allein sein, ob durch kommerzielle und staatliche Datensammlungen und -auswertungen die Persönlichkeitsrechte verletzt werden. Und darüber erfahren wir nichts durch solche idiotisch fabulierenden Zwei-Körper-Diskurse plus Hobbythekexperiment mit Trojaner. Das ist einfach nur läppisch!

Die KULTURELLE Frage ist keine der Überwachung, Unterdrückung, Entmenschung und Vergläserung des Individuums etc., sondern die, wie wir uns online präsentieren. Wir haben noch nicht einmal zwanzig Jahre Erfahrung mit der Form radikal öffentlicher Interaktion (einer menschheitsgeschichtlichen Erstmaligkeit!). Wir werden uns daran gewöhnen und angemessene Kommunikationstechniken erlernen müssen, so wie wir uns auch an Photo-, Phono-, Kinematografie, an Radio, Fernsehen und Textverarbeitungssystem gewöhnt haben.

Und nach der Lesewutdebatte um 1800 (als man glaubte, dass Frauen, die zuviel lesen, asozial verludern), nach der Kinodebatte um 1900 (als man glaubte, dass die “Kinopest” die Jugend zu Verbrechern erziehe) könnte man doch mal um 2000 einen anderen Modus wählen als immer wieder dieselbe Katastrophenleier. Zumal wir heute so unglaublich viel klüger sind als vor 100 oder 200 Jahren (jedenfalls wenn die klugen Fortschrittsfreunde Recht haben).

Bogus Oktober 30, 2013 um 12:16

Morph, an was werden wir uns gewöhnen müssen?

http://www.heise.de/newsticker/meldung/Telefonica-vernetzt-das-Auto-mit-der-Versicherung-1842870.html

“”So können Risikogruppen besser eintarifiert werden”, sagte Haas. Umgekehrt ist es auch denkbar, dass positive Punkte gesammelt werden, um die Höhe der Versicherungsprämie zu reduzieren.”

Etwa daran? Vermutlich. Und jetzt denken wir uns dieses Prinzip im nächsten Schritt übertragen auf das Gesundheitssystem.

Bogus Oktober 30, 2013 um 12:20

Aber Morph, das hier

” idiotisch fabulierenden Zwei-Körper-Diskurse”

ist sehr schön formuliert und hat meine vollste Zustimmung. Bitte auch auf Erdbeben tanzende Farbenblinde ausweiten.

wowy Oktober 30, 2013 um 12:25

Ergänzung:
“The Privilege of the Writ of Habeas Corpus shall not be suspended, unless when in Cases of Rebellion or Invasion the public Safety may require it”.
http://definitions.uslegal.com/s/suspension-clause/

f.luebberding f.luebberding Oktober 30, 2013 um 12:26

morph

Vielleicht sollte man den Frauen doch das Lesen verbieten … . Aus der Sicht eines Mannes aus dem Jahr 1800 wären die Frauen heute so zu beurteilen, wie er sie damals fürchtete: Als asoziale Luder. Nicht die Befürchtung der damaligen Männer ist widerlegt worden, sondern die Idee, es wäre zu fürchten. Deshalb beschreiben wir heute lesende Frauen nicht mehr als asoziale Luder, sondern die Männer, die Frauen so beurteilen. Wenn der Gedanke richtig ist, müsste man fragen, ob sich unsere Sichtweise auf die heutige Wirklichkeit in 200 Jahren verändert haben wird. Also das, was heute noch als unannehmbar gilt, dann für selbstverständlich gehalten wird. Was in solchen Debatten vergessen wird, ist die Dynamik für soziale Beziehungen in solchen vom technologischen Fortschritt ausgelösten Entwicklungen. Christoph Kappes hat einen, wie ich finde, guten Text dazu geschrieben. Sein Fazit lautet so:

“Privatheit ist ein soziales Konstrukt, und als solche nimmt sie auch im digitalen Raum langsam neue Formen an. Macht, Bedrohung und Diskriminierung hingegen, vor denen die Privatheit schützen soll, sind Grundkonstanten menschlichen Lebens, die digital wie analog immer wieder eingehegt werden müssen.”

Nun ist es tatsächlich eher reaktionär, daraus eine Art deterministischen Prozeß zu machen. In der Argumentation von Hütt ist das tatsächlich der Pferdefuß. Nur muss man sich fragen, ob die Ausgestaltung dieser neuen Form von Privatsphäre ohne die Einschränkung der in der Technologie vorhandenen Möglichkeiten machbar ist. Es ginge also darum, Handlungsmöglichkeiten der diese Technologie kontrollierenden Konzerne (oder des Staates) einzuschränken. Dafür wird man einen Preis zahlen müssen, etwa eine Reduzierung des möglichen ökonomischen Nutzens oder des Anspruchs des Staates, Sicherheit zu garantieren. Das ist natürlich anders als im Jahr 1800. Wie wir heute wissen, hat das Lesen keine soziale Katastrophe ausgelöst. Diejenigen, die das damals befürchtet hatten, sind schon lange tot.

f.luebberding f.luebberding Oktober 30, 2013 um 12:28

Bogus

Gutes Beispiel. Es verändert unser gesamtes soziales Handeln.

wowy Oktober 30, 2013 um 12:39

@fl
Privatheit ist nicht nur ein soziales Konstrukt, es ist ein Grundrecht.
https://de.wikipedia.org/wiki/Privatsph%C3%A4re
Erweitert zuletzt mit diesem Urteil
http://www.bundesverfassungsgericht.de/entscheidungen/rs20080227_1bvr037007.html

Morph Oktober 30, 2013 um 12:41

@Bogus

Im Verbindung zum Versicherungswesen wirkt sich Big Data zweifellos disziplinierend aus, so wie sich schon seit vielen Jahrzehnten die vernetzte, auf großen Fallzahlen basierende durchtherapeutisierte Gesellschaft als gigantisches Disziplinierungsunternehmen verwirklicht. Andererseits bleiben Ventilpraktiken erhalten und werden subkulturelle Extasen vielleicht stärker ausgelebt als vor zwanzig, dreißig Jahren.

Man sieht, meine ich, das ganze Thema etwas entspannter, wenn man sich vergegenwärtigt, dass eine Komplettüberwachung des Sozialen schon aus logischen Gründen unmöglich ist. Man kann immer nur selektiv sammeln, immer nur selktiv auswerten, und angesichts knapper Mittel wird man nur die profitablen Formen der Überwachung unterhalten können, also: Werbung. Und da muss ich ganz hedonistisch sagen: Wenn mir nicht mehr die ganze Schrottwerbung für Krimskrams ins Bewusstsein gepresst wird, was ich ohnehin nicht kaufen werde, sondern mich nur noch Empfehlungen erreichen, die auf meine Bedürfnisse, meinen Geschmack und meinen Geldbeutel abgestimmt sind, habe ich dagegen gar nichts einzuwenden.

wowy Oktober 30, 2013 um 13:01

“Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Schaar, bezweifelt die Argumentation Washingtons, die Spionage diente der Terrorabwehr”
http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/datenschutzbeauftragter-schaar-uebermittlung-von-bankdaten-aussetzen-12640489.html

Andreas Kreuz Oktober 30, 2013 um 13:07

@Morph Oktober 30, 2013 um 12:41

So, wie heute schon Empfänger von Überweisungen vom Arbeitsamt den Dispo auf Null gestellt bekommen,
selbst wenn sie dort angestellt sind und es ihr Einkommen darstellt?

Da müssten Hartz-IV-Empfänger im Netz
vollkommen werbefreie Seiten sehen – das wär’ super!

wowy Oktober 30, 2013 um 13:14
Morph Oktober 30, 2013 um 13:15

@AK

“So, wie heute schon Empfänger von Überweisungen vom Arbeitsamt den Dispo auf Null gestellt bekommen,
selbst wenn sie dort angestellt sind und es ihr Einkommen darstellt?”

Keine Ahnung, ist das so? Ich nehme mal an, dass die Kreditinstitute, die so verfahren, dadurch Kostenvorteile realisieren. Ich sehe nicht, warum, das empörend ist. Oder findest Du, es gibt ein Menschenrecht auf Dispo?

Morph Oktober 30, 2013 um 13:16

@AK

“Da müssten Hartz-IV-Empfänger im Netz
vollkommen werbefreie Seiten sehen – das wär’ super!”

Wieso, die kriegen doch keine Lebensmittelmarken, oder habe ich was verpasst?

Bogus Oktober 30, 2013 um 13:22

“Ich nehme mal an, dass die Kreditinstitute, die so verfahren, dadurch Kostenvorteile realisieren.”

Morph, Computerfehler. Maschinen machen Fehler.

Bogus Oktober 30, 2013 um 13:24

Wenn sie schlecht programmiert sind, sollte ich dazusagen. Aber kein Computerprogramm ist perfekt.

h.huett Oktober 30, 2013 um 13:24

Morph

Ich sitze gerade auf der Spurensuche in der Nuklearmedizin. Strahle vor mich hin und erinnere mich infolge Deiner robusten Papperlappsphaltung an Lukrez De rerum natura und seine Idee, dass der Sehsinn wie ein stäbchenweises Abtasten der Welt zu denken sei. Im Bild besaß er schon eine Vorahnung der bildgebenden Verfahren der Medizin.

Die Erdbebenchoreographin und der biologisch optimierte Farbenseher verfügen über materielle von außen nicht sichtbare Hilfsmittel, nennen wir sie spaßeshalber nichr Prothesen, sondern Prophesen. Sie spüren was, was Du nicht spürst.

In der gleichen Logik exponieren wir uns mit der Fülle von Datenspuren in der physischen Welt, die schon aus Gründen der Handhabbarkeit nicht mit Besitztiteln zugeparkt werden kann.

sie gehören gleichwohl zu uns. Wir lagern unentwegt solche Spuren aus und machen uns für Dritte lesbarer, als wir es für uns selbst sind.

Ich lasse die der Aufklärung der Gesellschaft über sich selbst dienenden Spuren beiseite (bin seit jeher für eine optimistische Leseweise zu haben). Anders sieht es aus mit den ins Kraut schießenden Technik der Kontrollle und Überwachung. Da ist eine Grenze überschritten und so leicht nicht erneut zu ziehen.

Aber selbst das scheint den robusten Frontexfreund in Dir nicht zu scheren?

Andreas Kreuz Oktober 30, 2013 um 13:26

@Morph Oktober 30, 2013 um 13:16

… oder habe ich was verpasst?

Mal ein Jahr Hartz-IV würde manchem
die erkenntnistheorethische Basis enorm verbreitern.

Morph Oktober 30, 2013 um 13:39

@AK

Das glaube ich nicht. Vermutlich trifft eher das Gegenteil zu, nämlich dass man alle Probleme der Welt durch die Brille Hartz IV zu sehen beginnt:

NSA? Big Data? Ja, schlimm, weil H4lern der Dispo gestrichen wird!

Hää?

Andreas Kreuz Oktober 30, 2013 um 13:49

@Morph Oktober 30, 2013 um 13:39

Wie Du gerade schreibst,
hast Du den geschilderten Sachverhalt nicht verstanden.

Macht ja auch weiter nichts…

Huuh Oktober 30, 2013 um 13:49

Ich fürchte, hier brandet eine neue Woge EBQ (emanzipatorischer Birnenquark) heran.

Wenn ein Algorithmus in der Lage sein sollte, den besten und den schlechtesten Menschen aus einer Filtertüte zu holen, dann möchte ich mit keinem von beiden etwas zu tun haben. Aber auch mit den übrigen nicht. Denn das wären dann alle Huuhuuhs.

Soldat Schwejk Oktober 30, 2013 um 13:57

@ Herc, Linus

Hm, das ist offenbar nicht so richtig anschlußfähig, also irgendwie komme ich mir mit dem Zweitkörper vor, als hätte ich mich im Mittelfeld verdribbelt… zumal der @H.Hütt damit nun wieder in eine ganz andere Richtung will, wo m.E. aber nicht das Tor steht…

Aber @Linus, der Unterschied zu allen möglichen bildlichen Darstellungen in den Medien ist, daß es sich hier um eine offizielle Wahlkampfinszenierung der politischen Organisation CDU handelt, also sozusagen das Äquivalent zur auftragsgemäßen Darstellung des Herrschers durch den angestellten Hofmaler… Und die Frage wäre nicht, was in den Medien heute alles so montiert werden kann, sondern welche bildliche Darstellungsform die repräsentative Macht selbst wählt. Darauf bezog sich der Vergleich mit Putin, Hollande, Rousseff etc. – Also ich finde, einige von Deinen 144 Punkten müssen wieder abgezogen werden.

Und, @Herc…
–> ” zwar ein wunderbarer Bauplan für einen Feuilleton-Artikel, aber nicht wirklich ‘emanzipatorisch-progressiv’.”

Gut, einverstanden. Aber manchmal will ich mich auf der Spielwiese einfach nur austoben.

–> “Nochmal: sorry, da bin ich zu nah dran um das komisch zu finden.”

Na, wenn Du zu nah dran bist, dann tritt einfach mal einen Schritt zurück. Denk an die Dame mit dem Assessment-Center-Job…

Bogus Oktober 30, 2013 um 14:00

AK, Morph

“Macht ja auch weiter nichts…”

Doch, das macht was. Es zeigt nämlich, dass selbst ein einfaches Programm, das lediglich die Entscheidung darüber fällt, ob jemand einen Disp0 bekommt oder nicht, fehlerhaft sein kann. Es sieht nur Kohle vom Amt => kein Dispo. Für die Unterscheidung zwischen Harzer und beim Amt angestellten Kohleempfänger isses zu doof.

Und jetzt übertragen wir diese Erkenntnis auf eine Software, die beispielsweise Verbrechen vorhersagen soll (sowas gibt es schon). Oder darüber entscheidet, ob jemand einen bestimmten Job bekommt. Oder…

Morph Oktober 30, 2013 um 14:03

@Hans

Sicher, man kann alles mit jedem in Beziehung setzen. Bestrahlung, Überwachung, Hartz iV, Flüchtlingsdramen, Kunst, das liebe Ich und die bösen Maschinen (oder umgekehrt, ist doch wurscht).

Ich persönlich bin halt nicht so tanzfreudig auf dem unverbindlichen Problem-Rap, dieser ‘kritischen’ Zungenrede, die auf staatlich geförderten Podien einen deep remix der Kontroversen veranstaltet, und jede Diskussion besonderer Probleme semantisch enteignet. Kann man auch furchtbar finden. Ist aber nur das dominante Geschäftsmodell der Humanities seit dem Ende gesamtgesellschaftlich intelligibler Projekte. So eine Art geistiger Derivatehandel.

Nicht schlimm und ja auch total marginal. Solange die jungen Polithipster den Kram fressen, ist alles bueno.

Morph Oktober 30, 2013 um 14:06

@Bogus

Gute Güte, dann wechsel ich halt die Bank oder beschwere mich beim Kundenberater. Ja, und wenn die Verbechensvorhersage eine Hundertschaft morgens um vier auf die Kuhweide schickt, wird das von den Bullen auch nicht einfach so hingenommen, schätze ich Obwohl…

Bogus Oktober 30, 2013 um 14:15

Morph, inwieweit die nuklearmedizinische Behandlung von Hütt etwas mit dem Thema zu tun hat ist mir auch nicht klar, aber ich hoffe für ihn, dass der Grund dafür nichts Schlimmes ist.

Ansonsten schließe ich mich jetzt doch AK an: Macht ja nichts…

BB Oktober 30, 2013 um 14:18

@Morph

….dem Ende gesamtgesellschaftlich intelligibler Projekte. ….

Total spannend! Wann genau war das Ende und welche gesamtgesellschaftlich intelligible Projekte waren das?

Morph Oktober 30, 2013 um 14:39

@BB

Da kann man kein genaues Datum angeben. Die Entstehung der modernen Debattenkultur beginnt unter feudalistischen Bedingungen und der bürgerliche Republikanismus ist das erste Projekt in dem von mir gemeinten Sinn. Der Sozialstaat ist ein weiteres. Alle darüber hinausreichenden Utopien, die auf die ALLGEMEINE Aufhebung sozialer Ungerechtigkeit zielten, haben sich als Irrtümer herausgestellt. Seither haben wir es mit Minderheitenprojekten zu tun, die mit viel falschem Pathos ihre gesamtgesellschaftliche Relevanz behaupten. Schon okay, das gehört zur Rhetorik politischer Gruppen. Geht aber heute nur noch auf die Nerven. Man sollte einsehen, dass sich das Pathos der Emanzipation im Wettbewerb der Pressure-Groups um die Aufmerksamkeit der Politik verliert.

Balken Oktober 30, 2013 um 14:41

O.T.

Szintigraphie ist sehr umstritten. Man strahlt ein wenig, wird aber darüber beruhigt, ein Transatlantikflug … usw.

Nach einiger Wartezeit wird dann fotografiert, und der Arzt stellt fest, dass an einer/einigen Stellen im Körper eine Anreicherung des Isotopenmaterials stattgefunden hat, was auf alles und nichts hindeuten kann, z.B. auf aktive spondylarthritische Prozesse in der Wirbelsäule, altersbedingt und ohne Erkrankunswert. Die “aktiven Areale” sind dann in der Rückdiagnose für den Hausarzt aufgeführt mit der Anmerkung: Empfehle weitere Abklärung. Wenn dann der Hausarzt den Patienten, weil er privatersichert ist und diese Versicherung daher wegen teurer Diagnostik trotz nur vager Anzeichen vermutlich keine Scherereien machen wird, frotzelt der MRT-Arzt in Gegenwart des Patienten herum über diesen vorsintflutlichen Szintigrafologen, den es ja immer noch zu geben scheint, obwohl man ihn in der Diagnostik-Kette längst hätte auslassen können …

Alles Gute!!!

Balken Oktober 30, 2013 um 14:46

ergänze: … den Patienten zur nächsten Diagnostik weiterüberweist, weil er privatversichert …

Lina Oktober 30, 2013 um 15:20

@Soldat Schwejk

“…manchmal will ich mich auf der Spielwiese einfach nur austoben”

Ich hätte da was für Dich :)

Kästners folgendes Gedicht ist einwenig verstaubt und braucht dringend ein update. Füge zwischen letzter und vorletzter Strophe eine neue ein und verwende folgende Begriffe

lauern digital gegenseitig Chip Arsch

Viel Vergnügen
;)

Entwicklung der Menschheit

Einst haben die Kerls auf den Bäumen gehockt,
behaart und mit böser Visage.
Dann hat man sie aus dem Urwald gelockt
und die Welt asphaltiert und aufgestockt,
bis zur dreißigsten Etage.

Da saßen sie nun, den Flöhen entflohn,
in zentralgeheizten Räumen.
Da sitzen sie nun am Telefon.
Und es herrscht noch genau derselbe Ton
wie seinerzeit auf den Bäumen.

Sie hören weit. Sie sehen fern.
Sie sind mit dem Weltall in Fühlung.
Sie putzen die Zähne. Sie atmen modern.
Die Erde ist ein gebildeter Stern
mit sehr viel Wasserspülung.

Sie schießen die Briefschaften durch ein Rohr.
Sie jagen und züchten Mikroben.
Sie versehn die Natur mit allem Komfort.
Sie fliegen steil in den Himmel empor
und bleiben zwei Wochen oben.

Was ihre Verdauung übrigläßt,
das verarbeiten sie zu Watte.
Sie spalten Atome. Sie heilen Inzest.
Und sie stellen durch Stiluntersuchungen fest,
daß Cäsar Plattfüße hatte.

So haben sie mit dem Kopf und dem Mund
den Fortschritt der Menschheit geschaffen.
Doch davon mal abgeseh’n und
bei Lichte betrachtet, sind sie im Grunde
noch immer die alten Affen.

Balken Oktober 30, 2013 um 15:38

Das animal sociale hat zu jeder Zeit Möglichkeiten der kulturellen Kontrolle gefunden, ausgehandelt, in Herkommen, Sitten und Gebräuche, schließlich in Gesetze gegossen. Dies ist eine notwendige Äußerung seiner Kultur- und Kommunikationsfähigkeit, eben seiner Sozialität.
Was wir als vermeintlich größere induviduelle Freiheit in unserer Zeit erfahren, noch im Vergleich zur Elterngeneration, bedeutet keinen tatsächlichen Rückgang von Bindungen, sondern lediglich eine Verlagerung der Bindungen und Übereinkünfte in weitere Horizonte hinaus, als sie bis vor “kurzem” etwa mit Familie, Dorf, Zunft, gegeben waren.
Die durch PC und Mobiltelefon eingeleitete “neue kopernikanische Wende” (wenn denn mit so großen Begriffen hantiert werden soll) fordert das Aushandeln adäquater Formen der (überhaupt nicht neuen und auch durch technische Neuerungen nicht in ihrem Wesen überhaupt tangierten, schon gar nicht durch sie etwa obsolet gewordenen) kulturellen Kontrolle heraus. Dieses Aushandeln geht, wie immer, nicht ganz ohne Gezerre ab.
Der Zustand der Machtverhältnisse (im konkreten Falle: wer darf was mit welchem Ziel zur Verfügung stellen, kanalisieren, kontrollieren) ist wie immer der entscheidende Faktor beim Aushandeln von Regeln. Der Zustand der Machtverhältnisse war schon mal besser, im Sinne der Möglichkeit des Aushandelns emanzipatorischer Verhältnisse, als gerade in diesem Moment, da die digitale Kultur des animal sociale sich eine Form geben muss. Da komme ich, als amtlich beglaubigter Forensimpel, auf mein simples ceterum censeo zurück: Eine 0,1%-Gesellschaft hat schlechte Karten, zu einer emanzipatorischen Digitalkultur zu kommen. Es ist zu erwarten, dass in einer solchen Gesellschaft die Macht, zu kontrollieren, und die “Macht” kontrolliert zu werden, etwa in demselben Verhältnis verteilt ist.
Wer, in unserer Demokratie, kontrolliert die Kontrolleure?

Linus Oktober 30, 2013 um 15:49

@Schwejk:
“der Unterschied zu allen möglichen bildlichen Darstellungen in den Medien ist, daß es sich hier um eine offizielle Wahlkampfinszenierung der politischen Organisation CDU handelt”

Ja, die haben es irgendwann aus den Medien übernommen. Dennoch wurde kein zusätzlicher “Sinn” hinzugefügt und die Interpretation ist beliebig. Der einzig festmachbare Inhalt ist der des Icons, der schnellen Referenz. Das ist sein Zweck. Der Rest liegt im Auge des Beobachters.

Zur Klarstellung: Ich finde es ein gelungenes Motiv, gerade weil so völlig bedeutungsoffen ist. Aber genau deswegen scheint es mir auch abwegig, da irgendwas jenseits von Inhaltslosigkeit hineinzugeheimnissen. Im nächsten Wahlkampf haben wir halt Ei und Spiegelei.

Doktor D Oktober 30, 2013 um 16:03

@Soldat Schweijk:
Du hast nach einem Kunsthistoriker gerufen, Dein Wunsch sei Dir gewährt!
Ikonographisch ist die Merkelsche Inszenierung ziemlich interessant, das finde ich auch, aber deine Versuche, das ikonographisch an frühmoderne Herrscherbilder zurückzubinden, überzeugen mich nicht – aber vielleicht habe ich dich auch einfach nicht verstanden. Das Interessante – zumindest für mich – an der Merkelschen Inszenierung und (Re-)Präsentation ist, dass sie so ziemlich alle historisch möglichen Herrschaftsposen konsequent verweigert, während diese ganzen Alpha-Tier-Darsteller (das gilt ausdrücklich nicht für Obama) wie Sarkozy, Schröder, Putin, Bush jr. etc. sich diese Klamotten der Macht versuchen zu eigen zu machen. Die wollen damit Macht inkorporieren / verkörpern, Merkel will das ganz offensichtlich nicht. Eher das Gegenteil: Sie entkorporalisiert sich selbst – und damit die Macht gleich mit. Mehr auf der Höhe der Zeit geht gar nicht, während die Herren Politiker anscheinend noch nicht mal in der Spätmoderne, geschweige denn in der Gegenwart angekommen sind.
Ich betone hier ganz bewusst den Gender-Aspekt: Dass sie eine Frau „ist“, macht es Merkel viel leichter, nicht in diese dumme Poserei zu verfallen (das ist für Frauen einfach überhaupt nicht vorgesehen, auch heute noch nicht). Da der andere Posen-Pool (Weiblichkeit herausstellen) sich für jede Politikerin von selbst verbietet, bleibt Merkel die Pose der Neutralität, deren Kostüm der Hosenanzug ist. Und im Gegensatz zu vielen anderen Politikerinnen scheint „sie“ (als Abkürzug für das ganze Team, das das leistet) begriffen zu haben, was das für eine großartige Möglichkeit ist, Bundeskanzlerin darzustellen: ohne persönliche Ambitionen, nicht vom Ehrgeiz zerfressen, sondern schlicht und ergreifend der beste Profi, den wir für den Job kriegen können.
Dieses ganze „Mutti“-Gerede ist ein ziemlich hilfloser Versuch, an dieser Inszenierung zu kratzen. (Und sagt mehr über ihre „Kritiker“ als über sie selbst aus.)
Dass Merkel dafür auch eine Geste nutzt, die man als Iteration einer alten Bescheidenheitsgeste aus der Ikonographie der Weiblichkeit/Machtlosigkeit lesen kann, freut den Kenner besonders.
Das beschränkt Merkel aber natürlich auch: Formulierungen wie „Freunde abhören, das geht gar nicht.“ wirken von der Personifikation des Vollprofitums falsch. Eigentlich darf sie so was nicht sagen. Das hat sie wohl auch selbst verstanden, denn sie selbst äußert sich ja nicht mehr zum Thema.
Dass das Handy der eigentliche Körper der Kanzlerin sei und die NSA also so was wie einen machtsexuellen Übergriff begangen hat, weswegen sich jetzt alle so aufregen – das ist, je länger ich darüber nachdenke, für mich nicht stimmig. Oder doch vielleicht so: Mit dem öffentlich werden dieses „Übergriffes“ ist die narzisstische Kränkung Berlins / Europas perfekt: Das Imperium macht sich noch nicht mal mehr die Mühe, die Form zu wahren.

Frankie Bernankie Oktober 30, 2013 um 16:17

@Doktor D

Endlich mal ein interessanter Beitrag hier in diesem thread…gratuliere.

Soldat Schwejk Oktober 30, 2013 um 16:27

@ Lina

Schön daß Du mal wieder ein Stöckchen auf die Spielwiese wirfst. Will’s auch gleich apportieren… das viersilbige “gegenseitig” ist zwar ein bissel sperrig…

Sie mißverstehen sich nun digital
und glauben, ein Chip könne denken
Ist das Denken im Arsch, ist ein Furz das Signal
Solche Daten sie sammeln in riesiger Zahl
um gegenseitig sich zu lenken

(Aber das mit dem fließenden Wasser, das ist wirklich ein Menschheitsfortschritt…)

@ Doktor D

Ah, vielen Dank… also hat doch noch jemand den Ball angenommen…

Morph Oktober 30, 2013 um 16:36

@DocD

“Ikonographisch ist die Merkelsche Inszenierung ziemlich interessant”

Nein, denn es handelt sich nicht um eine positiv kalkulierte Ikonographie, sondern um pure Verlegenheitsgestik in Ermangelung anderer Möglichkeiten. Die Raute ist alternativlos wie das gesamte Merkelsche Nichtregieren. The last option left.

Merkels Bildstrategie ist sehr einfach: Schlechte Bilder vermeiden! Genau wie ihre politische Kunstmaxime einfach ist: Nur nicht stolpern!

Hättet Ihr feinsinnigen Rautenversteher Recht, hätte es z.B. dieses Operndekolletée-Bild nicht geben dürfen (Platz 3 der Google-Bildersuche). Wirklich zum Piepen, wie so Feingeister aus einem erwiesenen Körperklaus wie Merkel eine raffinierte Körperbildpolitik herausgeheimnissen. Immer wieder zum Kopfschütteln, dass das Offensichtliche nicht gesehen wird…

Doktor D Oktober 30, 2013 um 16:44

@morph: Ich glaube schon auch, dass die aus einem Mangel eine Tugend machen. Aber das mittlerweile ziemlich gut – und mit der Riesenraute in Berlin lassen sich sogar alle blöden Dekolletée-Fotos abräumen.
Übrigens interessant, dass bei deiner Google-Bidlersuche das Dekolletée-Foto an dritter Stelle kommt. Bei mir nämlich nicht.

Morph Oktober 30, 2013 um 16:47

DocD

An welcher Stelle kommt es denn bei Dir?

Soldat Schwejk Oktober 30, 2013 um 16:47

@ Morph

Du grobschlächtiger Rautenverständnisverweigerer, Du…

Balken Oktober 30, 2013 um 16:55

@ Morph

na na, das ist ja fast schon hoffmannesk, ts, ts …

http://de.wikipedia.org/wiki/Klein_Zaches,_genannt_Zinnober

Doktor D Oktober 30, 2013 um 16:56

morph:
Schätzungsweise (ich war zu faul zu zählen) als 50. Dafür bekomme ich schon in der ersten Reihe die Schwitzachseln. Und dann Merkel im Badeanzug. Was will mir denn Google damit sagen?
Auch interessant: “Angela Merkel” liefert das Dekolletee bei mir noch später als nur “Merkel”. Auch spannend: Die Suchwort-Ergänzungen, die Google vorschlägt: Wenn ich Merkel eingebe, schlägt Google vor, nach “Armes Europa! Wird Merkel die EU retten?” und bei Merk kommt dann gleich “Merkel fkk”.

Soldat Schwejk Oktober 30, 2013 um 16:58

Das Dekolleté-Foto vom Opernball… also bei mir gerade auf Platz 15

Frankie Bernankie Oktober 30, 2013 um 17:04

“Übrigens interessant, dass bei deiner Google-Bidlersuche das Dekolletée-Foto an dritter Stelle kommt. Bei mir nämlich nicht.”

Sehr aufschlussreich, das soll noch mal einer sagen, wir befänden uns nicht an einer kopernikanischen Wende. Menschen beurteilen sich jetzt schon über die Ergebnisse, die die Persönlichkeitsdatenmakler wie google liefern. Trefferergebnisse und Ranglisten vermitteln ein Bild des Gegenübers, ergänzen (und ersetzen?) die subjektive Beurteilung.

Frankie Bernankie Oktober 30, 2013 um 17:06

@Doktor D

“Dafür bekomme ich schon in der ersten Reihe die Schwitzachseln. Und dann Merkel im Badeanzug. Was will mir denn Google damit sagen?”

Das ist nicht die Frage. Die Frage ist: was hast Du Google gesagt?

Doktor D Oktober 30, 2013 um 17:10

@frankie bernankie: Sowas geisterte mir auch durch den Kopf!
Ich kann mich noch gut dran erinnern, wie mir die ersten Amazon-Empfehlungen, die ich bekam, eine mittlere Identitätskrise bescherten, weil ich sofort dachte: Für wen halten die mich eigentlich? Mittlerweile nehm’ ich die Empfehlung für 50 shades of grey mal als statistisches Artefakt. Aber wie Facebook mit den seltsamen Empfehlungen, die mir von deren Adservern angedient werden, Geld verdient, ist mir wirklich schleierhaft.

Morph Oktober 30, 2013 um 17:46

Wie auch immer: Wir haben jetzt jedenfalls neben der ach so archaischen Raute noch das Dekolletée-Bild und das Achselschweiß-Bild aus unserer Kollektiverinnerung hervorgezaubert. Mir fällt außerdem noch Merkel im Packeis vor Grönlamd ein und Merkels merkwürdige Jubelgestik beim Fußballspiel.

Merkels freie Rede ist so dermaßen unbeholfen, dass jeder Gynmasialdirektor zitierwürdiger reden kann. Und sie wird dennoch geachtet. Aber nicht DAFÜR! Sondern, wie jedes Staatsoberhaupt, für Solidität. Deshalb musste Schröder das mit den Brioni-Anzügen bekanntlich auch zurückfahren. Im Aufstieg können/dürfen Leute glamourös sein, in charge müssen sie solide sein. Das kann in unterschiedlichen Situationen verschieden plausibilisiert werden. Putins Sportlichkeit zeigt: Er säuft nicht.

Mit dem Frausein hat das m.E. nicht allzu viel zu tun. Immerhin ‘funktioniert’ medial in D auch eine Politikerin Wagenknecht. Und auch eine Politikerin Roth. Und eine Künast. Und eine von der Leyen. Und und und.

Strukturell und funktional kann man aus Einzelfällen gar nichts ableiten. Man muss sich viele Fälle vergleichend anschauen und kann dann vielleicht das eine oder andere Muster erkennen. Aber letzten Endes ist die mediale Inszenierung der Politik heute einfach nur Unfallvermeidung. Denn die großen Schlüsselbilder stammen ohnehin längst nicht mehr aus der Politik.

Andreas Kreuz Oktober 30, 2013 um 17:46

Das ist doch alles nur Ausdruck der Höher -Entwicklung.
Aus dem alten Dienstleister-Versprechen:

‘Jeder liefert jedem Qualität.’

ist in der Höher-Entwicklung durch ein einfaches Addon: ;-)

‘Jeder liefert jedem jede Qualität.’

geworden.

Balken Oktober 30, 2013 um 17:51

Es wäre ja toll, wenn Hollande/Merkel und das ganze EU-Europa drumherum an dieser Tatsache, mit der Nase auf die aus der Sicht des großen Bruders sehr begrenzte Souveränität der von ihnen regierten Staaten gestoßen worden zu sein, den Anstoß finden, sich gegenüber den USA einen aufrechten Gang zuzulegen. Ein de Gaulle irgendwo in Sicht?
Augenblicklich klingen mir allerdings Forderungen nach einem Aussetzen der Übermittlung europäischer SWIFT-Daten an die USA und der Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen noch ehe sie recht begonnen haben, und denen gleich auf dem Fuße folgend ebensooft widersprochen wird, als sie erhoben werden, im politischen Konzert lediglich wie das “Haltet-den-Dieb-Geschrei” der üblichen Verdächtigen einer “Opposition”, die sich das herrschende Machtkartell praktischerweise gleich selbst organisiert hat.

h.huett Oktober 30, 2013 um 18:00

Doktor D

Wie müssen wir in der Welt der Referenzen und Spiele mit Andeutungen den Sachverhalt bewerten, dass Merkel in ihrem Dienstzimmer ein Bild von Katharina der Großen ständig vor Augen hat? Ich erinnere mich mit endlosem Vergnügen an eine Vorlesungsreihe Klaus Heinrichs, in der er die Bildergeschichte von der Antike, der frühen Renaissance bis in die Gegenwart (Beckmann u.a.) zum Gegenstand einer existenzphilosophischen Betrachtung machte. Großartig zB sein Essay über das Floß der Medusa, den Renate Schlesier irgendwann in den 80ern in einen Sammelband aufgenommen hatte. Ein wiederkehrender Aspekt waren die symbolischen Anspielungen der alten und der neuen Meister.

Merkel ist ja in ihrer kompartmentalisierten Liebe zur Oper (Wagner, Strauss), zum Genre der großen Biographien (zuletzt: Stalin, dann wollte sie dieses Jahr in den Ferien Florian Illies 1914 lesen, das liegt wohl noch als Brikett auf dem Nachttisch in der Uckermark) – und in der ersten Schule der Machttechnik als Pressesprecherin eine Kontrolleurin von Bildern geworden. Unvergesslich, wie sie als Kanzlerin einen Photograph aus dem arrangierten Bild scheuchte “Gehn se mal aus der Latüchte”, unvergesslich auch die resolute Handbewegung aufs Objektiv eines Fotografen, der eine Situation mit de Maizière (dem letzten DDR-Ministerpräsidenten) zu schießen versuchte. Nix Distanz, sondern Anwendung unmittelbaren Zwangs, da war sie plötzlich als stellvertretende Regierungssprecherin zugleich Vollzugsbeamtin.

Morph
ich finde die Ruppigkeit Deiner hiesigen Diskussionsbeiträge verstockt. Unter den einschlägigen ressentimentalen Geisteshalbgrößenpodien wirst Du mich nicht finden, auch nicht hin transplantieren. Aus der einen oder anderen Boshaftigkeit spricht eher ein anderes Ressentiment, ob gespielt oder authentisch ist Wurst, also auch überflüssig.

Wenn ich an gelegentliche Schockresonanzen auf Frontex, also andere Vollzugsbeamte erinnere, kann ich mir auch eine andere Anschlussfähigkeit an die von mir zur Diskussion gestellten Thesen denken. das ist bei Figuren wie Balken undenkbar. ich weiß nicht, welcher negativ gestimmten Idolatrie ich diese Stalkingfigur zu verdanken habe.

h.huett Oktober 30, 2013 um 18:12

Hier haben wir so ein Bild unserer Zeit, das immer noch nicht hinreichend verstanden ist. http://www.hans-huett.de/?p=7309 (vor der Depublikation an anderer Stelle bewahrt)

Doktor D Oktober 30, 2013 um 18:29

@HH: Ich würde Merkels konfiszieren der Deutschlandflagge am Wahlabend auch zu deinen Beispielen rechnen.

@morph:
Niemand kann seine mediale (Re-)präsentation komplett kontrollieren. Das hat ja hier auch niemand behauptet, sondern das Team Merkel sich schon den ein oder anderen Gedanken um die Bilder macht. Und in einer Zeit, in dem jeder 3-jährige mit einer Handy-Kamera bewaffnet ist, ist das, was du als “Unfallfreiheit” herunterspielst, eine echte Leistung.

“Immerhin ‘funktioniert’ medial in D auch eine Politikerin Wagenknecht. Und auch eine Politikerin Roth. Und eine Künast. Und eine von der Leyen. Und und und.”
Mit den vielen Fällen hat @morph recht, ich bin aber auch ganz zuversichtlich, dass ich qua deformation professionell ganz gut im Muster erkennen bin. Deswegen kurz aus dem Handgelenk geschossen, weil’s gerade Spaß macht:
Künast ist Merkel in Grün, was aber ihr aber im Berlin-Wahlkampf quasi vorgeworfen wurde: “Zu Berlin passt so’ne Spaßbremse einfach nicht.” (ideelles Gesamtzitat meiner FB-Timeline)
Wagenknecht macht was interessantes: Ganz offensive Selbst-Inszenierung als Ikone der revolutionären Bewegung, besetzt also eher so eine Nische, aus der sie – zumindest was den Zugang zur Macht angeht – auch nicht rauskommt. Als Politentertainerin aber sehr geschickt gemacht. Mal sehen, wie das nach dem Goethe-Besinnungsaufsatz in der FAZ weitergeht.
Claudia Roth: auch eine Nischenbesetzerin, was aber ganz lange medial überhaupt nicht gut funktioniert hat. Das dürfte die Politikerin sein, die am meisten sexistische Dreck übergekübelt bekommen hat. Sie wäre mein Paradebeispiel, das man mit deutlich wahrnehmbarer, nicht-konventionell attraktiver Weiblichkeit in DE nicht in ein Kabinett kommt.
von der Leyen: Hat als höhere Tochter gut funktioniert, hat aber gemerkt, dass für den nächsten Schritt umdesignt werden muss. Ikonographisch jetzt als Managerin im Sharp-Suit unterwegs. Ob das für die letzten Meter bis zum Kanzleramt in DE funktionieren kann? Ich bin skeptisch, aber nun wird ja in der CDU auch ernsthaft über die Frauenquote diskutiert. Da ändert sich wohl was.

Doktor D Oktober 30, 2013 um 18:31

Über das Bild von Katharina der Großen in Merkels Büro muss ich noch nachdenken. Vor Vergnügen in meine Patschehändschen klatschen, gilt ja nicht als wertvoller Diskussionsbeitrag.
Weißt du, von welchem Maler das ist?

egal Oktober 30, 2013 um 18:35

Man sieht, meine ich, das ganze Thema etwas entspannter, wenn man sich vergegenwärtigt, dass eine Komplettüberwachung des Sozialen schon aus logischen Gründen unmöglich ist. Man kann immer nur selektiv sammeln, immer nur selktiv auswerten, und angesichts knapper Mittel wird man nur die profitablen Formen der Überwachung unterhalten können, also: Werbung.

Die Berufsverbote sind gerade mal vierzig Jahre her. Ab hundert Risikopunkten nicht mehr in den Staatsdienst, ab 90 nicht mehr in den höheren Dienst. Fürs Richteramt nicht ab 60 und in der Uni hängst vom Fach ab. Das wirkt ganz schön disziplinierend. Hat es zumindest in den 60ern. Und die Revoluzzer damals wollten nur spielen.

Es kommt gar nicht auf die Qualität der Algorithmen an. Sind die Kennzahlvorgaben in großen Unternehmen nicht oft lächerlich dumm? Werden sie nicht trotzdem befolgt?

Und dein Vertrauen auf den Verwaltungsrechtsweg teile ich überhaupt nicht. Es dauert heute schon Jahre, überhaupt die Akteneinsicht beim LfV einzuklagen. Klag dann mal Algorithmen oder Rohdateneinsicht ein, um zu beweisen, dass du nicht gefährlich bist. Mutmaßliche 9/11-Beteiligte wurden in Deutschland auch aufgrund von geheimen Beweisen verurteilt, die nicht mal die Richter sehen wollten.

@ Dr. D
Hört sich ja sehr klug an. Stimmt aber nicht, wie Morphs Verweis auf andere Politikerinnen belegt. Merkel beherzigt nur das, was heute jeder Castingteilnehmer weiß: sei authentisch.
Die ist so.

h.huett Oktober 30, 2013 um 18:39
Doktor D Oktober 30, 2013 um 18:44

Danke!

h.huett Oktober 30, 2013 um 18:46

DD

und hier ausführlicher Kurbjuweit http://www.spiegel.de/spiegel/a-658715.html

Morph Oktober 30, 2013 um 18:51

@Hans

Die Ruppigkeit hat einen Grund: Ich habe einen geradezu körperlichen Widerwillen gegen die Vermischung von Themen und Hinsichten. Ich finde Deine Texte immer dann gut, wenn sie an konkretem Redematerial zeigen, in welch miserabler Verfassung der institutionalisierte politische Diskurs ist. Das ist ein eindeutiges Thema und eine eindeutige kritische Hinsicht.

Wenn Du aber die große Lage besprichst und Perspektiven empfiehlst, dann werden (durchaus verdienstvolle) Whistleblower zu weltgeschichtlich eminenten Widerstandskämpfern, dann wird aus einem (ganz witzigen) social-web-experiment die Zukunft der Mediengesellschaft, und das hat nach meinem Stilgefühl etwas Unseriöses. Für wie blöd hält der seine Leserschaft, denke ich dann immer. Im Zusammenhang solcher Großsprecherposen dann Frontex zu erwähnen macht es eher noch schlimmer. Und die rhetorischen Figuren der Selbstrelativierung machen es auch nicht besser.

NSA ist ein Thema, Frontex ist ein Thema, Big Data ist ein Thema, Nanorobotik in der Medizin ist ein Thema. Aber DIE Gegenwart ist kein Thema, und DER Mensch ist auch kein Thema, sondern nolens volens (!) Affirmation, auch (und gerade) wenn beim Versuch die Gegenwart und den Menschen zu thematisieren NSA, Frintex, Big Data, Nanorobotik und weiß der Teufel was sonst noch alles verwurstet werden.

Morph Oktober 30, 2013 um 18:58

@egal

Dein Verweis auf die Berufsverbote und die betrieblichen Kennzahlen zeigt ja, was ich sagen will: Es sind nicht die digitale Überwachungstechnologie und das quantitative Wachstum der EDV-Kapazitäten, die das ernsthafte Problem darstellen, sondern die sehr altbekannte Tatsache der Bürokratie.

Morph Oktober 30, 2013 um 19:29

DocD

das sind keine Muster, die Du beschreibst, jedenfalls nicht in einem irgendwie aufschlussreichen Sinn, sondern ad-hoc-Konstruktionen von Individual-Klischees. Das läuft auf eine Wiederholung der massenmedialen Personalisierung im Vokabular der ästhetischen Gestaltung hinaus. Und ich kenne leider die Sorte ‘Profis’, die eine solche Rekapitulation der Oberfläche schon für Analyse oder gar für Kritik halten.

Hat Merkels massenmediale Präsenz eine eindeutige Botschaft, die sich in allen Elementen wiederfindet (so dass wir von einer außerdiskursiven Strategie ausgehen können, die wir kritisch zur Sprache bringen könnten)? Ist sie paradigmatisch für die Selbstdarstellung anderer Politikerinnen (so dass sich ein Trendwende des Politikstils abzeichnet)? Hat sich im Zusammenspiel zwischen Massenmedien und Politik etwas Entscheidendes verändert seit Merkels Vorgänger? Ich kann nichts dergleichen erkennen.

Sondern nur eine für mich nicht nachvollziehbare Faszination für die Machttechnikerin Merkel. Die ‘professionelle’ und ‘kritische’ Ausdeutung der medialen Präsenz Merkels ist kaum verholenes Herrscherlob, die Suggestion, dass Merkel als Person einen Unterschied macht.

h.huett Oktober 30, 2013 um 19:34

Balken OT
Danke.

BB Oktober 30, 2013 um 19:40

@Morph


“…. intelligible Projekte. ….

Die Entstehung der modernen Debattenkultur beginnt unter feudalistischen Bedingungen und der bürgerliche Republikanismus ist das erste Projekt in dem von mir gemeinten Sinn. Der Sozialstaat ist ein weiteres. …”

Ich weiß jetzt nicht, welcher Ontologie deine Auswahl zugrunde liegt, aber selbst, wenn Du mit diesen beiden historischen Errungenschaften zufrieden bist, müsstest Du doch zu dem Schluss kommen, dass …
1. wir wieder wieder unter den Bedingungen der Globalisierung in eine postmoderne Form (oder wie auch immer) der Feudalisierung hinein laufen,
2. Der Sozialstaat unter den gleichen Rahmenbedingungen wieder abgeschafft wird bzw. auf ein Restniveau reduziert wird, dass vielleicht etwas Mehr als das Existenzminimum garantiert, aber so kalkuliert ist, dass Elendsaufstände gerade mal so massenpsychologisch vermieden werden (in Kombination mit Tittytainment). Genau parallel läuft der Aufbau der globalen (!) Überwachungsstrukturen letztlich mit dem Ziel der Verhinderung von Aufständen gegen die neuen feudalen (!) Klassen.

Und damit besteht doch dringender Handlungsbedarf, oder? Es besteht also Bedarf an Zukunftsgestaltung! Ansonsten droht zwangsläufig auch nach Deiner Analyse der funktionalen Ausdifferenzierung die Dystopie!

Oder ist für dich der Sozialstaat nichts anderes als ein Euphemismus für ein postmodernes Existenzminimum, mit dem wir uns a la longue zufriedengeben sollen ? Und die republikanische Debattenkultur degeneriert auf ein Niveau wie hier in diesem Thread, oder was?

Um es zuzuspitzen: “Arsch huh!” oder “Allet Scheißejal” ?

Soldat Schwejk Oktober 30, 2013 um 19:43

Oben das mit der Einfügung ins Kästner-Gedicht war ein Schnellschuß. Bin damit nicht zufrieden. Besser ist es wohl leicht verändert.

Sie mißverstehen sich nun digital
und glauben, ein Chip könne denken
Steckt der Chip dann im Arsch, gibt ein Furz ein Signal
Solche Daten sie sammeln in riesiger Zahl
um sich gegenseitig zu lenken

h.huett Oktober 30, 2013 um 19:57

Schweijk

Sehr schön, zumal die rhythmisch verbesserte letzte Zeile. Der Rhythmus erzeugt den Eindruck eines höhnischen Tänzelns.

Doktor D Oktober 30, 2013 um 19:58

“die Suggestion, dass Merkel als Person einen Unterschied macht.” Hmm, für recht viele WählerInnen hat Merkel oder was sie dafür halten anscheinend einen Unterschied gemacht. Und die tief detaillierten Wahlprogramme von Grünen, SPD und Linke scheinen eher abgeschreckt zu haben. Das finde ich faszinierend und denke weiter daran herum.

Morph Oktober 30, 2013 um 20:33

Doktor D

“Hmm, für recht viele WählerInnen hat Merkel oder was sie dafür halten anscheinend einen Unterschied gemacht.”

Die Zahlen sprechen eine andere Sprache. Merkel ist nicht wirklich gewählt worden. Keiner ist wirklich gewählt worden. Und daher bleibt Merkel im Amt.

Und Steinbrücks Team hat im Wahlkampf Fehler über Fehler produziert. Deshalb konnte man einfach mit dem etablierten Icon für Merkel (@Linus) ein simples inhaltsleeres Präsenzsignal setzen und sogar die wenig einnehmende Erscheinung Merkels zur Sicherheit aus dem kollektiven Sichtfeld nehmen.

@BB

Es geht, glaube ich, in Zukunft nur noch darum, den Abbau zivilisatorischer Errungenschaften zu verhindern bzw. zu bremsen. Im Fall von Frontext z.B. wird es darum gehen, das unvermeidliche Grauen vom unnötigen Grauen zu unterscheiden. Dafür fehlen uns bislang die Kategorien und jene gefühlsmäßige Kombination aus Zynismus und Sensibilität, die eher militärisch kultiviert wird und in Zivilgesellschaften verpönt ist.

h.huett Oktober 30, 2013 um 20:41
Soldat Schwejk Oktober 30, 2013 um 20:42

Mist… ich hab das “lauern” vergessen… Also noch mal:

Sie mißverstehen sich nun digital
und glauben, ein Chip könne denken
Steckt der Chip dann im Arsch, gibt ein Furz ein Signal
Auf solch Daten sie lauern (und groß deren Zahl)
um sich gegenseitig zu lenken

Naja… vorher war’s besser… aber harte Vorgaben…

BB Oktober 30, 2013 um 21:12

@Morph

“…. In Zukunft ….. das unvermeidliche Grauen vom unnötigen Grauen zu unterscheiden … Dafür fehlen uns bislang die Kategorien und jene gefühlsmäßige Kombination aus Zynismus und Sensibilität, die eher militärisch kultiviert wird und in Zivilgesellschaften verpönt ist. ….”

Pohoho. Interessante aber erschreckende Auffassung.

Die Frage ist dann nur noch, ob diese Entwicklung irgendwo halt macht und ob die Anstrengung nur noch darin bestehen kann, den unausweichlichen dystopen Prozess (Fortschritt) in Richtung einer immer inhumaner werdenden Gesellschaft zu verlangsamen.

Nun ja, ich praktiziere bekanntlich nicht dein postmodernes Luhmannsches Instrumentarium. Deshalb bin ich auch in der Lage, mir einen humanen Fortschritt vorzustellen. Die von mir verwendete Ontologie ist halt eine andere, optimistische.

Deine Ontologie ist tatsächlich die konsequente Weiterentwicklung des Mainstreams. Beleg: Siehe die Auffassung von Joffe von der transatlantischen Agentenpostille “Die Zeit”, die er im Presseclub geäußert hat, nach der Geheimdienste auch bei uns auf das Niveau der NSA aufrüsten müssen.

Aber wann hätte der Mainstream schon jemals Recht behalten in der Geschichte. Er hat immer zuletzt eine Katastrophe herbeigeschwafelt und sich dabei mitschuldig gemacht am Untergang.

Jeder kann sich jetzt selbst aussuchen, ob das für Deine Auffassung spricht oder ob der Mainstream eben nicht Recht hat.

Das ist jetzt ein kleines unlösbares syllogistisches Rätsel, das jeder für sich selbst beantworten muss :-)

Morph Oktober 30, 2013 um 22:09

@BB

Mir leuchtet die Unterscheidung zwischen Mainstream und ‘Independent’ nicht ein. Gerade in Bezug auf den Migrationsdruck aus Afrika gibt es einen großen Konsens der Realitätsblindheit und der Problemverleugnung. Das Problem ist ungleich dringender und menschlich existenzieller als dieser Überwachungsmist, der seit jeher der Fall ist und nun leider heraus gekommen ist.
Die neue Qualität der Sache ist doch heute allenfalls, dass man sich nicht mehr so gut vor leaks schützen kann – und das gilt für alle am Beobachtungsspiel Beteiligten.
Was im Mittelmeer passiert hat dagegen eine andere Qualität. Ich wüsste nicht, dass es dazu Polittalks und Frühschichtreflexionen gegeben hätte.
Komisch eigentlich, denn da wäre mal die Gelegenheit, europäisch zu diskutieren und Europa zu bilden! Aber diese Chance wird vertan werden und öffentliche Ignoranz, Sklavenarbeit, unkontrolliertes Grenzregime und Fremdenfeindlichkeit werden sich noch stärker zur brutal-deprimierenden Normalität auswachsen, derweil in den Ledergarnituren des Geistes versucht wird, den Verlust des Menschlichen im Datenstrom in möglichst exzentrischen Sprachbildern an die schöngekalkte Decke zu projizieren.

BB Oktober 31, 2013 um 09:07

@Morph

Das mit Afrika sehe ich genauso.

Die Lösung des Problems erfordert aber exakt die “Ontologie”, die ich oben am naiven Beispiel “Subsistenzwirtschaft plus Weltraumbahnhof Peenemünde” versucht habe, anzudeuten, ohne dies auch nur annähernd ausgearbeitet zu haben. Das wäre die Aufgabe von “Independent”-Intellektuellen, die aber so mit dem “Mainstream” vernetzt sind, dass sie auch tatsächlich Einfluss haben.

Ist doch so:
- Seit vor Somalia wegen der Piraterie keine europäischen Trawler mehr das Meer leer fischen, erholen sich die Fischbestände dort, die Märkte in Somalia erholen sich, in Mogadischu erholt sich die Immobilienwirtschaft
- In Tansania bauen die Bauern wieder Zwiebeln an und erholen sich wirtschaftlich, weil man ein Importverbot für deutsche und holländische Zwiebeln zumindest für 8 Monate im Jahr erlassen hat. Die restlichen 4 Monate werden angegangen, sobald die Bauern Läger für ihre Zwiebeln für den Rest des Jahres errichtet haben.
- In Somalia wurde der Geflügelmarkt komplett ausgelöscht, weil wir dort unsere europäischen nicht-verkaufbaren Hühnerreste exportieren
- usw.

Diese Beispiele zeigen, das Freihandel und die brutale Entwicklungsdynamik der Finanzmärkte eben nicht den Wohlstand befördern sondern in den Ländern, in denen die Heuschrecken wüten, zu einer “ungleichen” inhumanen Gesellschaft führen.

Zur Zeit werden aber Freihandelsabkommen mit Kanada und USA ausgehandelt, die dann wahrscheinlich auch bei uns weiter den “Sozialstaat” untergraben.

Diese Freihandelsabkommen sind schon deshalb illegal, weil sie geheime Teile enthalten bzw. unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt wurden. Einblick haben nur technokratische meist nicht gewählte Politiker (Kommisssion), Experten und Konzernvertreter.

Gleichzeitig werden in diesen Freihandelsabkommen Überwachungsmaßnahmen globalen Maßstabs verhandelt (globale Datenaustausche, Freibriefe für Bespitzelungen, etc.)

Diese Entwicklung hat schon unakzeptablen Einfluss auf unsere freiheitlich gedachten Verfasstheiten:

- kürzlich wurden einem Schriftsteller die Einreise in die USA verweigert, weil er sich kritisch gegen die NSA geäußert hat

- gestern lief ein Bericht im Fernsehen über eine republikanische Politikerin in den USA, die sich aus Gewissensgründen aus irgendwelchen Gremien zur Kontrolle der NSA zurückgezogen hat, und die mit einem Haftbefehl konfrontiert wurde, in dem weite Teile aus gründen der Nationalen Sicherheit geschwärzt wurden. Sie weiß heute noch nicht, was ihr vorgeworfen wurde.

Dies sind Entwicklungen, die klar eine Eskalationsstufe erreicht haben, in denen zumindest nach unserer Verfassung Artikel 20 zur Anwendung kommt. Leider weiß keiner, wie man diesen Artikel tatsächlich praktisch anwenden kann. Darüber muss ab jetzt verstärkt laut nachgedacht werden, solange man noch nicht deswegen verhaftet wird.

Und genau da liegt der Link zwischen der NSA-Affaire und Afrika!

Man kann das eine nicht ohne das andere diskutieren.

Es wäre wahrscheinlich jetzt der richtige Augenblick, wo das Blog “Netzpolitik” seine enge Themen-Fokussierung auf reine “Netzpolitik-Themen” aufgeben muß und z.B. auch über “dezentrale ökologische Landwirtschaftsprojekte mit dem Ziel der Förderung der Subsistenzwirtschaft in den Ländern am Horn von Afrika bei gleichzeitiger konsequenter Marktregulierung und Marktabgrenzung zum Schutze der Betroffenen” diskutieren müsste, um Problem wie Datenschutz und Vorratsspeicherung “ganzheitlich” zu verstehen, zu durchdringen und Lösungen zu erarbeiten.

Auch Netzpolitik muss jetzt klar Stellung beziehen. Die reichen Zahnarztsöhnchen mit iPhone in deren Zielgruppe, die keine andere Sorge mit der Überwachung haben, als dass das Finanzamt keinen Einblick in ihre Bankkontendaten haben darf, die müssen hinauskomplementiert werden. Deren Interessen tragen nämlich nix zur Problemlösung bei.

Aber die mit den billigen Linux-Gadgets, die sich kein iPhone leisten können und die soviel Humanismus und Empathie aufbringen, dass sie sich mit den Interessen der Bauern und Slumbewohner in Afrika identifzieren können, die können die Mitgliedschaft bei den Digital Natives behalten.

Marktregulierung nicht zum Schutze “nationaler” Wirtschaftsinteressen, sondern zum Schutze dezentraler, möglichst autonomer (nicht ganz) Wirtschaftskreisläufe auf der Ebene von Dörfern, Kommunen, Regionen, dass müsste die Ontologie einer neuen Wirtschaftstheorie werden.

Gerade Afrika macht das sehr anschaulich deutlich!

Dies kann nur auf der Basis humanistischer Wertefundierung entwickelt werden. Es gilt, das Paradigma “Freie Märkte über alles” zu vernichten!

Leider ist da so gut wie noch gar nichts in Sicht. Das wäre aber mit höchster Priorität zu entwickeln.

Und im übrigen:

(
Internationale Geheimabkommen sind ab sofort illegal. Insbesondere der Scheiß in diesem kanadischen Freihandelsabkommen und dem geplanten USA-Freihandelsabkommen mit diesen Klagemöglichkeiten für Konzerne. Politiker und Konzernmanager, die sich an sowas beteiligen, werden zu 10 Jahren Haft verurteilt.

Geheimer Militärgerichte sind illegal, egal wo auf der Welt. Wer sich daran beteiligt, wird bestraft.

Haftbefehle mit geschwärzten Textstellen sind illegal. Wer solche Urteile oder Haftbefehle ausstellt, wird mit Haft nicht unter 10 Jahren bestraft.

Erlass der globalen Exilregierung mit sofortiger Wirkung
)

BB Oktober 31, 2013 um 09:20

PS:

Ich bin übrigens insofern Optimist, als ich glaube, wenn wir diese “neue Ontologie” entwickelt haben, dann setzt sie sich auch durch.

Man muss dann niemanden zwingen. Jeder weiß dann an seinem Platz, was er zu tun hat.

BB Oktober 31, 2013 um 09:35

Artikel 20 Grundgesetz diskutieren, solange man dafür noch nicht verhaftet wird:

http://www.fr-online.de/kultur/enthuellungen-von-ossietzky-zu-snowden,1472786,24804124.html

(gefunden via Nachdenkseiten)

BB Oktober 31, 2013 um 12:10

Das Unternehmen Socfin ist zu enteignen, die widerrechtlich erworbenen Landflächen sind in einem strukturierten Prozess an die Landbevölkerung zurückzugeben, die verantwortllichen Manager sind vor ein Gericht zu stellen.

http://www.nachdenkseiten.de/?p=19105

(Beschluss der globalen Exilregierung mit sofortiger Wirkung)

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