Personenkult

by h.huett on 3. Dezember 2013

Es diskutierten:  Roland Tichy in der Rolle der “Jutta Ditfurth des Neoliberalismus”,  Thomas Oppermann als der Marcel Marceau der nichtssagenden verrutschten Mittelscheitel–Mitmischer-Mimik,  Ursula von der Leyen als die wolkige Pythia ihrer eigenen Zukunft, Katja Kipping als schnippische Sibylle der Revolution und Katrin Göring-Eckardt als mutiger Hase Cäsar. Sie waren zu Gast bei Frank Plasberg als dem Albus Dumbledore unserer wöchentlichen Feuerzangenbowle.

Die Anregung zu diesem Hinweis verdanke ich Frank Lübberding sowie dem Umblätterer.

PS: Bei Paul Jorion fand ich heute Morgen noch den Hinweis auf Japan als dem Uzbekistan der Pressefreiheit im Fernen Osten.

{ 50 comments }

Der Streibl unter den Linke-Wählern Dezember 3, 2013 um 15:41

Danke für den Umblätterer! Lese mich grad fest…

BB Dezember 3, 2013 um 20:15

Hahah, der Hase Cäsar! der ist gut! Den hatte ich schon ganz vergessen und verschollen geglaubt. Da lässt ihn der Huett vor meinem geistigen Auge wieder auferstehen. Hase Lazarus Cäsar sozusagen.

BB Dezember 3, 2013 um 22:25

(

Die globale Exilregierung beschließt mit sofortiger Wirkung:

- die Endloswiederholschleifen von Nazi-Dokus in Nazi-TV (ZDF-Info) sind zu beenden. Die einschlägigen Konserven werden vernichtet.

- Die Schleifen werden ersetzt durch Wiederholungen von Sendungen mit folgenden Darstellern: Hase Cäsar, Krümelmonster, Kermit der Frosch und Miss Piggy.

- Der freche, aufmüpfige, aufklärerische und habermasische Charakter dieser Protagonisten besitzt im Gegensatz zum Führungspersonal des Dritten Reiches vorbildliche erzieherische Wirkung auf unsere Welt-Bürger, die sich zuletzt aufgrund jahrzehntelanger Meinungsführerschaft der globalen Eliten in langweiligen lähmenden postmodernen Zynismus geflüchtet haben und damit jeglichen echten Fortschritt behindern.

- die Öffentlich-Rechtlichen (nicht nur Nazi-TV) werden angewiesen, 1 Jahr lang keine Nazi-Dokus oder kitschige Braune-Heimat-Filme zu zeigen. Diese Maßnahme dient der Förderung der Kreativität der Programmverantwortlichen.

- Wer sich für’s dritte Reich interessiert, soll ein Buch lesen. Da kapiert er mehr.

)

)

BB Dezember 3, 2013 um 22:38
Soldat Schwejk Dezember 4, 2013 um 00:05

Aber das Krümelmonster ist der Hermann Göring der Sesamstraße.

ruby Dezember 4, 2013 um 00:26

Höre die ätzende Stimme des Hasen Cäsar…

gggrrr

BB Dezember 4, 2013 um 00:35

@Schwejk

Zuviel Nazi-TV gesehen? Daher die spontane Assoziation?

Diese etwas zeitgemäßere Assoziation passt auch nicht richtig. Nicht habermasisch genug:
http://www.spiegel.de/spiegel/ehemaliges-tennisidol-die-selbstdemontage-des-boris-becker-a-929985.html

Aber vielleicht der hier! Krümelmonster Messerich

http://gregorbrand.twoday.net/stories/75244622/

(gut, ich musste jetzt lange suchen)

ruby Dezember 4, 2013 um 00:36

Stundenlohn für
Azubies im Handwerk ab 21€…
TTG ab 9€
Sozen, vergesst die GroKo.
Macht euch nicht zum Beaker!

"ruby" Dezember 4, 2013 um 00:45
wowy Dezember 4, 2013 um 13:52

Personenkult
Wusste gar nicht, dass Schirrmacher dermaßen schwachnervig ist.
Popcorn :-)
http://meedia.de/internet/stalken-sie-doch-den-kister-statt-mich/2013/12/04.html

"ruby" Dezember 4, 2013 um 18:02

Siggi,
schnapp
Sven +
Sarah und los geht die Arbeit,
statt mit
Schmarotzern zu
solidarisieren!
http://www.deutschlandradiokultur.de/bankenskandal-harte-strafen-im-libor-skandal.1895.de.html?dram:article_id=270978

"ruby" Dezember 4, 2013 um 18:07

Mensch Gerald, geh mit Sarah mal Hummer essen, dann wissen wir wie Bankenregulierung funktioniert ;-)
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/banken-voellig-von-der-rolle-12694946.html

"ruby" Dezember 4, 2013 um 18:24
BB Dezember 5, 2013 um 00:43

(
Die globale Exilregierung beschließt mit sofortiger Wirkung:

Die Sendung von Anne Will wird wieder so gelegt, dass sie vor 24 Uhr endet.

Der verantwortliche Programmplaner, der die Sendung von Anne Will so gelegt hat, dass die arbeitende Bevölkerung nicht in den Genuss echter politischer Aufklärung kommen kann, ist zu entlassen.

)

Hochklassige Sendung heute. Muss man schon sagen! Seit langem mal wieder ein Talkshow-Highlight.

Schade, dass die ARD es mit ihrer Programm-Planung so verkackt hat.

Frankie Bernankie Dezember 5, 2013 um 10:16

@ruby

“Mensch Gerald, geh mit Sarah mal Hummer essen, dann wissen wir wie Bankenregulierung funktioniert”

Oh mann, ihr sed sowas von der Rolle! Gehts noch irrelevanter?

Wir stehen kurz vor den Ersten Europäischen Mautkriegen, und ihr schwafelt von so einer Petitesse wie Bankenregulierung.

Verzweifelte Beschwichtigungsversuche, just before doom:

http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.maut-gebuehr-fuer-deutsche-autofahrer-seehofer-will-pickerlstreit-mit-oesterreich-beenden.30b259ab-a211-44b4-87d3-cab553e1c0b6.html

1913 – 2013: wer die Analogie jetzt nicht erkennt, dem ist nicht mehr zu helfen.

Dipfele Dezember 5, 2013 um 11:14

Die globale Exilregierung verkennt den Stellenwert einer Pokalrunde im Fußball.
Die arbeitende Bevölkerung zieht sich Samstagabend die Anna rein:
http://m.ardmediathek.de/Franziskus-verteufelt-Kapitalismus-Muss-Deutschland-umdenken-?docId=18469032&pageId=13932928

Doktor D Dezember 5, 2013 um 11:55
f.luebberding f.luebberding Dezember 5, 2013 um 16:34

Doktor D

Es war aber eine harte Nachtschicht … .

Doktor D Dezember 5, 2013 um 16:58

Ist aber ein guter Artikel raus gekommen: Die sollten dich das dauernd machen lassen! Is’ aber natürlich nicht so toll für Gesundheit und Familienleben. Aber du hast ja uns ;-)!

"ruby" Dezember 5, 2013 um 18:21

@ frankie bernankie

ja :

http://www.youtube.com/watch?v=7IfsjYVWNaM

ein klassiker

wowy Dezember 5, 2013 um 22:52

R.I.P. Nelson Mandela

wowy Dezember 5, 2013 um 22:59

OT
http://www.faz.net/aktuell/politik/europaeische-union/nsa-affaere-europaparlament-will-snowden-vernehmen-12696768.html

Liebe FAZ, verhört und vernommen wird man bei der Polizei oder vor Gericht. Vor einem Parlament wird man gehört.

wowy Dezember 6, 2013 um 08:04
f.luebberding f.luebberding Dezember 6, 2013 um 10:56

Doktor D

Das ist ein Trost.

"ruby" Dezember 6, 2013 um 17:46
"ruby" Dezember 6, 2013 um 18:08

Kalte Progressionsabgezockte wollen keine Parteibonzenbüttel, die Interessen der privaten FED-Vertreter wahrnemen!
http://blogs.faz.net/fazit/2013/12/06/die-versager-von-der-fed-3095/

no more short profit gains for old speaking gamblers

http://www.youtube.com/watch?v=5n7qfRNzS3s

"ruby" Dezember 7, 2013 um 12:07

Danke

jmg

im Herdentrieb
http://blog.zeit.de/herdentrieb/2013/12/07/ein-vorschlag-zur-bankenunion_6843#comment-106628

Weihnachten steht an …
Der 17. Dezember soll ein Meilenstein werden.
Die Vermögenden freuen sich, wenn in ihrem Sinne umverteilt wird.

Verräter in der GroKo
Feiglinge in den Parteien
Schmarotzer im Geiste

Europa, Deutschland, was gibt es mehr !

"ruby" Dezember 7, 2013 um 13:40

Götter aus Fleisch und Blut besiegen die Ungeheuer und Schimären des Schlechten – seid bereit.
http://de.wikipedia.org/wiki/Bellerophon#Kampf_gegen_die_Chim.C3.A4re

"ruby" Dezember 8, 2013 um 09:51

13:30 Uhr Deutschlandfunk:
Zwischentöne Musik und Fragen zur Person
Der britische Soziologe Colin Crouch im Gespräch mit Joachim Scholl

“Er ist vor allem in Deutschland zu einem gefragten Gesprächspartner geworden: Mit seinen Büchern „Postdemokratie“ und „Jenseits des Neoliberalismus“ hat der britische Soziologe Colin Crouch eine grundlegende Diskussion über die aktuellen Gefährdungen der parlamentarischen Demokratie angestoßen. Seinen Thesen zufolge wird die Politik inzwischen so sehr von Wirtschaftsinteressen gelenkt, dass ein soziales Gemeinwohl dahinter zurückbleibt.”

Es gibt sie …

"ruby" Dezember 8, 2013 um 18:01

http://www.youtube.com/watch?v=IBN7vN4Kqxo
Engel der Welt zeigt euch !

petervonkloss Dezember 10, 2013 um 00:20

@ “ruby” Dezember 8, 2013 um 18:01
„Engel der Welt zeigt euch !“

ENGEL I
Nein, das Mittelmaß darf nicht immer bedient werden, sondern „die Engel der Menschheit“ @ ruby; denn „das Formgesetz der Natur ist unkonstruierbar“ T. W. Adorno.

-Heidegger bezeichnet das technische und verobjektivierende Denken als das vorstellende Denken in dem Sinne, dass dieses Denken das Seiende als Objekt vor sich bringt und zugleich damit im zeitlichen Modus der Gegenwart als für es vorhandenes auffasst. So stellt also der Mensch mittels Technik die Natur vor sich als bloße Ressource. Er tut dies in Verwendung technischer Mittel, deren Gesamtheit Heidegger Gestell nannte.-

ENGEL II

Irgendwann sagte mir ein Engel, daß die Schuld der Existenz immer ist, soweit es die Geschichte des Leviathan (Zeit) gibt. Denn die Menschen wollen sich immer wieder aneinander reiben und deswegen ensteht der Leviathan.

ANGELUS NOVUS I

Walter Benjamin:
„Es gibt ein Bild von Klee, das Angelus Novus heißt. Ein Engel ist darauf dargestellt, der aussieht, als wäre er im Begriff, sich von etwas zu entfernen, worauf er starrt. Seine Augen sind aufgerissen, sein Mund steht offen und seine Flügel sind ausgespannt. Der Engel der Geschichte muß so aussehen. Er hat das Antlitz der Vergangenheit zugewendet. Wo eine Kette von Begebenheiten vor uns erscheint, da sieht er eine einzige Katastrophe, die unablässig Trümmer auf Trümmer häuft und sie ihm vor die Füße schleudert. Er möchte wohl verweilen, die Toten wecken und das Zerschlagene zusammenfügen. Aber ein Sturm weht vom Paradiese her, der sich in seinen Flügeln verfangen hat und so stark ist, daß der Engel sie nicht mehr schließen kann. Dieser Sturm treibt ihn unaufhaltsam in die Zukunft, der er den Rücken kehrt, während der Trümmerhaufen vor ihm zum Himmel wächst. Das, was wir den Fortschritt nennen, ist dieser Sturm.“——–
@ Morph
„Ad 2.
Der Kern der politischen Klimaideologie besteht in der Überzeugung, dass wir dieselbe individuelle Mobilität, denselben individuellen Verbrauch von Gütern und Dienstleistungen auch mit einer Wirtschaftsweise erreichen können, die klimaneutral ist. Das ist DIE aktuelle Lebenslüge der industrialisierten Menschheit, vollkommen GROTESK, wenn man es durchdenkt! Und der Biokraftstoffwahnsinn ist ein besonders deutliches Verwirklichungsbeispiel dieser grotesken Idee! – M.E. gibt es zwei idealtypische Szenarien: 1. Radikale Regionalisierung der Zivilisation + radikale Beschränkung individuellen Ressourcenverbrauchs (= vergleichsweise enge Begrenzung der individuellen Mobilität und der Varianz von Gebrauchsgütern) 2. Radikale Exklusion von vordem massenhaft verfügbarer Modernität + Massensterben in den Exklusionszonen. – Zwischen diesen beiden Szenarien wird sich die Realentwicklung vollziehen.

Schönen 1. Advent allerseits!“

Morph November 30, 2013 um 13:58

Und übrigens: Ich glaube durchaus nicht an die Möglichkeit einer lebensstilerhaltenden Energiewende von fossilen Energieträgern auf Sonne, Wind und Wasser, jedenfalls nicht in globalem Maßstab. Denn Energie ist nur eine Facette der dramatischen Rohstoffverknappung im Zuge des exponentiellen Bevölkerungswachstums (das weder die Fans des Liberalismus noch die klassischen Kapitalismuskritiker überhaupt auf dem Problemschirm haben in ihrer Besessenheit von Modellkonstrukten wie geldvermitteltem Innovationswettbewerb oder tendenziell fallenden Profitraten). Insofern bin ich auch kein Parteigänger der sozialökologischmarktwirtschaftlichen Fortschrittsfreunde.

Morph November 30, 2013 um 14:37
„Meine Behauptung ist nur, dass wir mit ihren Folgen leben werden müssen und es mir sinnvoll erscheint, frühzeitig darüber zu debattieren, wie das gehen kann. Finde ich persönlich jedenfalls interessanter, als über politische Ziele und Methoden zu streiten, deren Prämissen in zwanzig Jahren obsolet sein werden.“

Morph November 30, 2013 um 15:32
@Schwejk Morph November 30, 2013 um 15:32

Die Geschichte des politischen Themas ‘Erderwärmung’ in den letzten zwanzig Jahren lehrt m.E. folgendes: Die Bevölkerungen der entwickelten Staaten sind nicht bereit, ihren Lebensstil zu ändern. Die wissenschaftlichen Ergebnisse haben zunächst die Eliten motiviert, eine Weltpolitik für künftige Generationen anzustoßen. Es hat sich erwiesen, dass die bestehenden politischen Institutionen eine solche vernünftige Agenda nicht verarbeiten können.

Das kollektive Handlungsprinzip der aktuellen Weltbevölkerung, insofern sie sich politisch zur Geltung bringen kann, lautet: Nach mir die Sintflut! Und der Witz ist, dass dies eine selbsterfüllende Prophezeiung ist. An guten Tagen kann ich darüber sogar lachen! :-)

Und, Du hast schon recht, ich bin ein Apokalyptiker. Aber ist das nicht vernünftig, wenn man die Wand schon sehen kann, alle Signale auf Speed stehen und alle Leute, mit denen man sich zusammentun müsste um zu bremsen, sagen: Bremsen? Bistu verrückt?? Gasgasgasgasgas!!!!

Die Geschichte des politischen Themas ‘Erderwärmung’ in den letzten zwanzig Jahren lehrt m.E. folgendes: Die Bevölkerungen der entwickelten Staaten sind nicht bereit, ihren Lebensstil zu ändern. Die wissenschaftlichen Ergebnisse haben zunächst die Eliten motiviert, eine Weltpolitik für künftige Generationen anzustoßen. Es hat sich erwiesen, dass die bestehenden politischen Institutionen eine solche vernünftige Agenda nicht verarbeiten können.

Das kollektive Handlungsprinzip der aktuellen Weltbevölkerung, insofern sie sich politisch zur Geltung bringen kann, lautet: Nach mir die Sintflut! Und der Witz ist, dass dies eine selbsterfüllende Prophezeiung ist. An guten Tagen kann ich darüber sogar lachen! :-)

Und, Du hast schon recht, ich bin ein Apokalyptiker. Aber ist das nicht vernünftig, wenn man die Wand schon sehen kann, alle Signale auf Speed stehen und alle Leute, mit denen man sich zusammentun müsste um zu bremsen, sagen: Bremsen? Bistu verrückt?? Gasgasgasgasgas!!!!

ANGELUS NOVUS II

Ernst Jüngers „Überwindung“ des Leviathan und Sichten ins 21. Jahrhundert:

„Es wird sich alles ändern, alles wird weggepustet werden … Die heutigen Politiker sind dem, was sich da als Tiefenströmung vorbereitet, in keiner Weise gewachsen.“

Ernst Jünger ist eine der umstrittensten Personen dieses Jahrhunderts, ob unter Rechten oder unter Linken. Unbestritten dagegen dürfte eine prognostische Hellsichtigkeit und Intuition für Kommendes sein, die ihresgleichen sucht. Jünger selbst bemerkte einmal in einem Fernsehinterview, er sei den historischen Realitäten vorgeschaltet. Die dynamische, nivellierende und informierende Tendenz unseres Jahrhunderts wurde in wohl keinem Buch treffender analysiert als im „Arbeiter“. Die Aufmerksamkeit des Uralten richtete sich in zunehmendem Maße auf das kommende, das ungeheure Jahrhundert, das herandroht, in dem der Mensch nach Jüngers Ansicht bis an die Grenzen des Humanen und darüber hinaus geführt wird.

DIE HERRSCHAFT DER TITANEN

„Wird das Interim als unverhüllte, also auch gestalthafte, Heraufkunft der Titanen betrachtet, so muß mit ihm vor allem eine Veränderung der Erde verknüpft sein, wie sie sich bereits, und nicht zuletzt durch Katastrophen, ankündigt.“

Auch Ernst Jünger konstatiert das Ende der Geschichte, doch nicht in dem undramatischen und behaglichen Sinne wie Francis Fukuyama, der den Erdenball für alle Zukunft von „letzten Menschen” besiedelt sieht, die nur noch Monaden der Konsumption und Produktion einer entgrenzten und globalen Wirtschaft sind. Denn: „Wo die Geschichte endet, führt sie zur Natur oder zum Mythos zurück-mit oder ohne menschliche Präsenz.“ Nach Jünger wird die Geschichte dem Mythos Platz machen und zwar, was beinahe schon ein Schlüsselwort seines Spätwerks geworden ist, der Herrschaft der Titanen.

Woran erkennt man den Titanismus? Unter diesem Stichwort wären beispielsweise die Veränderung von Bios und Materie durch Gen- und Kerntechnik, die Ablösung des Krieges durch den Terrorismus, die Vermassung, die Entstaatlichungsprozesse, die Machtkonzentration kleiner bürokratischer Eliten, die Schwächung alles Patriarchalen zugunsten des Matriarchalen und vor allem ein Energiehunger zu nennen, dem alles andere einschließlich der Moral geopfert wird. Die Titanen, die Mächte der Erde des griechischen Mythos, kehren auf elementarer Ebene in den verschiedenen Formen der Energie zurück, mit denen der technische Apparat der westlichen Zivilisation am Laufen gehalten wird, denn nach Jünger ist „auch unsere Elektrizität eine entseelte, spezialisierte und abstrahierte Erdkraft…, ein Beleg dessen, was Erdgeist vermag.“

Unsere ganze Zivilisation trägt nach Jünger tellurischen Charakter und ist für ihr Fortbestehen auf die Verfeuerung von Stoffen angewiesen, die der Mensch der Erde abgewinnt: „Der plutonische Trieb gräbt nicht mehr nach Gold, sondern von den fossilen Brennstoffen bis zum Uran nach Energien, die sich in Utopien umsetzen. Er handelt nicht ökonomisch, sondern wie ein Verschwender, der sein Erbe für eine fixe Idee verpraßt … Der Dienst ist kollektiv und planetarisch, vorwiegend anonym und ohne umrissene Ziele, seitdem der Fortschritt verdächtig geworden ist.“. Den Naturwissenschaften fällt dabei die Rolle eines Türöffners für Kräfte zu, die der Mensch nicht ansatzweise zu kontrollieren imstande ist.

Auf diesem Feld wird es nach Jünger noch zu ungeheuren Überraschungen kommen, die dem forschenden Geist sein Damaskus bereiten werden: „Es ist nicht auszuschließen, daß die Naturgewalten das Heft in die Hand nehmen. Sie personifizieren sich oder werden durch Apparaturen maskiert. Die Energie überbietet ihre Funktionen unter anderem dadurch, daß sie zu ,denken’ beginnt. Das wiederum, rufet die Arme der Götter herbei’.“ Für Jünger ist dabei wiederum sicher, daß auch die titanische Machtenfaltung den Weg alles Irdischen gehen wird: „Der Untergang der Titanic, ihr Scheitern am Eisberg, ist ein prophetisches Zeichen, wie es deren sonst nur im Mythos gibt. Unter anderem ist daraus zu schließen, daß es sich beim Fortschritt in der Tat um ein Interim handelt – um eine Erscheinung, die Anfang und Ende hat. Daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen, hat man freilich schon immer gewußt.“

ERDREVOLUTION UND WELTREVOLUTION

„Diese lange Fülle und Folge von Abbruch, Zerstörung, Untergang, Umsturz, die nun bevorsteht -, wer erriete heute schon genug davon, um den Lehrer und Vorausverkünder dieser ungeheuren Logik von Schrecken abgeben zu müssen, den Propheten einer Verdüsterung und Sonnenfinsternis, deren gleichen es wahrscheinlich noch nicht auf Erden gegeben hat?“ (Friedrich Nietzsche)

Ernst Jünger unterscheidet zwischen der Weltrevolution und der Erdrevolution. Als Weltrevolution bezeichnet Jünger die politischen Umwälzungen des Jahrhunderts, den Marxismus und seine Reaktionen, den Weltbürgerkrieg 1914 – 1945 bis hin zum entgrenzten, plutokratischen Liberalismus der „One World“, in der sich die Masse ohne Eigenschaften, Nietzsches „letzter Mensch“, das ihr analoge politische System geschaffen hat.

Diese Weltrevolution ist nach Jünger jedoch nur der Ausdruck einer tieferliegenden Strömung, der Erdrevolution, die mit großen geologischen Veränderungen verbunden ist. Die Erdrevolution ist Teil der Erdgeschichte und entzieht sich aller historischen, ja selbst humanen Wertungen. Umwälzungen dieser Art hat es nach Jünger schon gegeben, nämlich beim Übergang von einem Erdzeitalter in ein anderes, beispielsweise beim Aussterben der Dinosaurier durch einen Meteoriteneinschlag.

Jünger bleibt hierbei seiner durch und durch mythischen Weltsicht, die Erdmutter Gaia wechselt ihr Kleid, wie sie das beim Übergang von einem zum nächsten Erdzeitalter schon oft getan hat. Der Mensch ist dabei nicht das treibende Subjekt, sondern das Objekt der Veränderungen, seine „totale Mobilmachung“ entspricht dem titanischen Impuls, er führt nur das aus, was die Erde will: „Unsere Mitwirkung könnte der des Skorpions gleichen, der sich mit seinem eigenen Stachel aus dem Wege schafft.“ Doch Jünger verbindet mit dem großen Übergang auch große Hoffnungen: „Demgegenüber sagen die Astrologen eine ungemeine Vergeistigung voraus. Damit harmoniert die christliche Erwartung eines Zeitalters des Heiligen Geistes, das als drittes jenen des Vaters und des Sohnes folgt. Und mit ihm ein Drittes Testament, dessen Fassung den Dichtern vorbehalten bleibt.“

DARWIN UND CUVIER

Jünger übernimmt Nietzsches Urteil über Darwin, daß es Wahrheiten gebe, die nur von mittelmäßigen Köpfen erkannt werden können. Er wendet sich dem französischen Gelehrten Cuvier und seiner vor Darwin entwickelten Katastrophentheorie zu, die besser Jüngers Theorie von der Erdrevolution entspricht. Nach Cuviers Theorie werden konstante Arten einer Erdepoche jeweils durch Katastrophen vernichtet und in einem Schöpfungsakt durch neue Arten ersetzt.

Die Wendung von Darwin zu Cuvier ist auch eine Wendung von einer linearen zu einer zyklischen Zeitbetrachtung, die Evolution erfolgt nicht wie bei Darwin linear und sukzessive, sondern sie macht Sprünge, die Erde gleicht in dieser Betrachtung dem Vogel Phoenix, Arten und Stämme werden durch kosmische Katastrophen vernichtet, doch immer wieder verjüngt sich die Erdmutter Gaia durch den Erfindungsreichtum und die Anpassungsfähigkeit des Bios. In diese Transformation wird nach Jüngers Ansicht auch der Mensch miteinbezogen werden: „Daß sich der Mensch verändern wird, und zwar im Sinne der Spezies,… hat Nietzsche vorausgesehen oder eher noch gewittert; inzwischen sind Biotechniker am Werk.“

Mit Nietzsche teilt Jünger auch die Aussicht auf den Übermenschen: „Friedrich Nietzsche fühlte sich, wie er sagte, im 21. Jahrhundert zu Haus, vor dessen Schwelle wir stehen. Dort ist auch das Zeitalter des Übermenschen zu erwarten, dessen Ankunft sein Prophet verkündete … Der Übermensch ist ein Titan. In ihm triumphiert der Wille zur Macht. Der Übermensch ist für ihn (Nietzsche) keine Variante, sondern eine neue Spezies. Er ist weniger eine zoologische als eine geistige Mutation.“

DER ZEITSPRUNG

Wie die Welt, in die wir gehen, nach Jüngers Ansicht aussehen könnte, schildert er, und wie könnte das bei ihm anders sein, in seinem Traum in seinen Tagebüchern “Siebzig verweht” unter dem Datum 8.8.88. Jünger selbst scheint diesem Traum einige Bedeutung beigemessen zu haben, denn er schildert ihn auf 14 Seiten und redet von einem „Zeitsprung“.

Im Traum besucht Jünger sein geliebtes Paris. Doch statt der hektischen Betriebsamkeit einer Millionenstadt spürt er eher eine Atmosphäre der Verwahrlosung wie auf einem Bild von Alfred Kubin. Die Stadt selbst hat sich stark verändert und Jünger mutmaßt, es müsse inzwischen einen Krieg, ein Erdbeben oder einen Börsenkrach gegeben haben. Er erkennt nur noch einige Gebäude und Plätze wieder, mit denen er persönliche Erinnerungen verknüpft, um schließlich in einem Bistro Platz zu nehmen. Dort macht er eine angenehme Bekanntschaft, den Kellner Freddy, der sich völlig von der heruntergekommenen Umgebung durch seine Geistesgegenwart, Bildung und Höflichkeit unterscheidet. Jünger und Freddy beginnen ein gutes Gespräch, doch als Jünger aufbrechen will, warnt Freddy vor einsamen Streifzügen in der Stadt, da der Grund unsicher geworden sei und ständig Erdbeben drohten. Jünger hält die Schilderungen seines Gegenübers für weit übertrieben, doch nimmt er sein Angebot zur Begleitung an. Die Szenerie wird nun vollständig unheimlich, die beiden bewegen sich auf den Trümmern einer untergegangenen Komfortzivilisation, deren Nihilismus sich nicht mehr durch Wohlstand und Konsum maskieren läßt. Jünger beobachtet Tiere, die sich zoologisch nicht mehr genau zuordnen lassen, Chimären, die anscheinend von der Gentechnik geschaffen wurden. Fortwährend wird die Umgebung für die beiden feindlicher und magmatische Ausbrüche und Erdbeben erschweren das Fortkommen, das direkt auf einen Punkt konzentrierten Feuers und Strahlung zuläuft. Schließlich bleibt für Jünger und Freddy nur noch ein von Feuer umgebener Trichter als letztes Rückzugsgebiet. Jünger, der Freddy inzwischen als sein stärkeres Ich erkannt hat, fragt diesen, ob sie verloren seien, doch dieser antwortet nur: „Das wird nicht akzeptiert.“

In seinem Traum erlebt Jünger den Eintritt in ein neues Erdzeitalter, in welcher der Fortschritt sich in eine Welt des unkontrollierbaren Feuers und der Strahlung verwandelt hat. Diese ist nur, wie Freddy es vormacht, durch Haltung und ein Ethos des Nicht-Aufgebens zu bestehen.

ZEITENWENDE

„Perpetua schreibt mir, daß das Ende dieses Jahrhunderts vielleicht noch fürchterlicher als Anfang und Mitte werden wird. Ich möchte das nicht glauben und dachte oftmals, daß es dann dem Herakles, der Schlangen in seiner Wiege erdrückte, geglichen haben wird.“

In seinem Aufsatz „Erde und Heimat“ in dem Sammelband „Die selbstbewußte Nation“ prophezeite Gerd Bergfleth, daß „die Ökokatastrophe zu einem Großkollaps führen wird, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hat“, der nach seiner Ansicht gleichzeitig den Endpunkt der „Ära des Unheils“ darstellt. Die Angst vor einer Apokalypse zur Jahrtausendwende ist bei den Massen, wenn auch unbewußt, vorhanden, wie ein Blick ins Kinoprogramm beweist: von „Deep Impact“ bis „Armageddon“ wird der globale Crash auf der Leinwand vorweggenommen.

Jünger rechnet zur Jahrtausendwende mit einer starken „Anflutung“: „Jedes Jahrtausend schließt mit Ermüdung und Hoffnungslosigkeit. Vielleicht wiederholen sich diesmal noch stärkere, uns unbekannte Welten -Sintfluten, die Kulturen überschwemmten und Tierstämme vernichteten.” Die Prognose einer Apokalypse zur Jahrtausendwende wird in dem Spätwerk „Die Schere“ wiederholt: „Daß zugleich Katastrophen sich häufen, wird kein Zufall sein. Götterdämmerungen sind mit Naturkatastrophen verbunden, wie sie auch bei Hesiod, in der Edda und im Alten Testament geschildert werden- so mit Sintfluten, Feuerregen, sehr langen Wintern, Finsternissen, Dürren, von denen die Erde sich erst nach Jahren erholt.“

Mit seinen Befürchtungen zur Jahrtausendwende befindet sich Jünger in Übereinstimmung mit etlichen Prophezeiungen. Wie auch der italienische Philosoph Julius Evola nach dessen Ansicht sich die Menschheit in der Endphase des „Kali-Yuga“ , des „düsteren Zeitalters“, befindet, begreift er die Zerstörungen als notwendig zur Erreichung eines neuen „Goldenen Zeitalters”.

KRITIK AN JÜNGERS BEGRIFF DES
„TITANISCHEN“

Nicht jeder wird Ernst Jüngers mythische Weltsicht teilen wollen. Das was Ernst Jünger unter dem Begriff des „Titanischen“ subsumiert, kann auch als das Ergebnis historischer Abläufe dargestellt werden. Kennzeichnend für die Titanen des griechischen Mythos ist der Vatermord, übertragen auf unsere Zeit also der Bruch mit allem Tradierten und Überkommenen. Diesen Bruch könnte man aber auch anders als Jünger nicht als mythische Wiederkehr, sondern als das Ergebnis des amerikanischen Globalismus, dem kaum Titanenhaftes eignet, deuten. Dessen Auswirkungen beschreibt Hans-Dietrich Sander so: „Wo diese Wirtschaft eindringt, hebt sie alle Hegungen der Volkswirtschaft auf, zerstört durch Raubbau den Boden, verausgabt die Bodenschätze, verheizt die Werktätigen. Massenproduktion und Massenkonsum ebnen die Kulturen ein, lösen die Völker auf, schaffen manipulierbare Massen mit ubiquitären Bedürfnissen, die sich das alles gefallen lassen.“

Die amerikanische Ideologie, die man als Freihandel + Profitmaximierung um jeden Preis bezeichnen kann, versucht sich in der Überwindung aller ethischen und biologischen Grundlagen, wie aktuell an dem Vorhaben amerikanischer Ärzte deutlich wird, Kliniken zum Klonen von Menschen einzurichten. Die Gentechnik ist nach Jünger eine der Merkmale des Titanismus.

Der Unterschied zwischen einerseits mythischer und andererseits historisch-soziologischer Betrachtungsweise kommt auch in der Kritik von Ernst Niekisch an dem von Jünger in den 50er Jahren verfaßter Essay „Der Waldgang” zum Ausdruck. Niekisch bezeichnet Jüngers Ansicht vom Wald als einem Symbol innerer, existentieller Freiheit als ein „Symbol des Ungesellschaftlichen“ und als „Flucht aus der Geschichte“. Friedrich Kabermann schreibt in seiner Niekisch ­Biographie „Widerstand und Entscheidung eines deutschen Revolutionärs“ zu dieser Kritik, daß „Niekisch stets jede metaphysische Position politisch-soziologisch historisiert, Jünger dagegen jede politische Stellungnahme in Metaphysik verwandelt und beide dabei die existentielle Position des anderen jeweils zu relativieren scheinen, doch bestätigen sie sich dabei im Grunde eigentlich nur gegenseitig.“

Doch auch wenn man der Ansicht ist, daß Jüngers Figur des Waldgängers eine Flucht ins Ungesellschaftliche ist oder daß Jünger die Herrschaft der Titanen mit der Herrschaft der USA verwechsle, gleitet diese Kritik an Jünger leicht ins Polemische ab, wenn man nicht bedenkt, daß er gar nicht begrifflich oder dialektisch denken will. Jünger denkt, so Kabermann, „überhaupt nicht geschichtlich, sondern mythisch, d. h. die Wahrheit geschieht nicht in, sondern ist außerhalb der Zeit und erscheint in der Geschichte lediglich verschlüsselt, als Gleichnis, Symbol und Mythos …“ wobei diese Denkweise durch Jüngers Wahrnehmung noch unterstützt werde, denn in allen Schriften Jüngers gehe es „stets um geistiges Sehen bzw. Erleben … nicht aber um abstrakte begriffliche Analysen.“

FAZIT

Jüngers Aufmerksamkeit richtete sich zunehmend auf die Wucht der Transformationsprozesse eines von ihm als erdgeschichtlich aufgefaßten Umbruchs. Dementsprechend schwand sein Sinn für Politik. Als er 1983 von dem nationalen Kommunisten Richard Scheringer aufgefordert wurde, sich der Friedensbewegung gegen die Stationierung atomarer Mittelstreckenraketen in Deutschland anzuschließen, antwortete Jünger lakonisch: „Die Politik jeglicher Färbung ist mir seit langem zuwider, und ich marschiere hinter keiner Fahne mehr her. Auch ist die Erdrevolution mit politischen Mitteln nicht zu bewältigen. Sie dienen höchstens zur Garnierung des Vulkanrandes, falls sie nicht die Entwicklung sogar vorantreiben.“

Die Bundesrepublik, auf die Jünger beinahe unverschlüsselt in dem utopischen Roman „Eumeswil“ Bezug nimmt, bezeichnet er als „Fellachengesellschaft, die periodisch von Demagogen moralisch strapaziert wird“ als eine vom liberalistischen Gezänk der Parteien und Interessengruppen gekennzeichnete „große Deponie“ abgelegter Ideen und historischer Trümmer in einer Welt, „in der nichts mehr wirklich und alles möglich scheint“. Daß Ernst Jünger in dem von ihm entworfenen, katastrophalen Szenario auch das Ende der Bundesrepublik voraussah, versteht sich von selbst: „Jedes juste-milleu erfordert Balance-Akte, “ausgewogen” ist eines der Schlagwörter. Es spiegelt sich in den Standardbegriffen, so im freiheitlichen Rechtsstaat, der sozialen Marktwirtschaft’ und anderen. Wie all und jedes, gehen solche Epochen an sich selbst zugrunde…“

An der Formulierung politischer Altemativen beteiligte er sich, wie gesagt, nicht mehr. Gerd Bergfleth, der ähnlich wie Jünger, einen „Aufstand der Erde“ prognostiziert, erwartet die „verwandelnde Heilstat … von einer Religion der Erde, die sich aus mythischer Urerinnerung speist und den Men­schen aufs neue mit der Erde verbindet“. Den Deutschen mit ihrer Tradition der Naturphilosophie und Naturdichtung der Romantik und ihrem „metaphysischen Draht zur Erde und zur Heimat“ fiele es dabei zu, einen „deutschen Sonder­weg“ zu statuieren, „der das bankrotte Leitbild des techno­kratischen Liberalismus abzulösen berufen ist” und ohne den wir die kommende Katastrophe nicht bewältigen, und die westliche Welt schon gar nicht“.

Jünger, der in der Akzeleration unseres Jahrhunderts, dem sich beschleunigenden Anfall von Tatsachen und Ereignissen, den Schlußpunkt eines abgelaufenen Zyklus und den Beginn eines neuen Zeitalters erkennen möchte, würde der Idee, künstlich eine „Religion der Erde“ zu schaffen, sicherlich skeptisch gegenüberstehen, da seiner Ansicht nach Religionen nur auf Erscheinungen, also „dem Einbruch des Absoluten in die Zeit“ basieren können. Für die Umbruchszeit, in der wir leben, würde er wohl weiterhin das für gültig halten, was er in einem Brief vom 7. 6.1934 an seinen Bruder Friedrich Georg schrieb: „Das revolutionäre Stadium, in das wir eingetreten sind, kann nur durch tiefere Kräfte bestanden werden, als durch die rhetorischen, literarischen oder ideologischen- es prüft uns in der Substanz. Man muß jetzt das Blatt aufdecken und zeigen, wer man ist! – .

( Evola schreibt in seinem Hauptwerk „Revolte gegen die moderne Welt“: „… daß den Verteidigern des ,Konkreten’ nicht mehr zugerufen werden soll: Haltet ein’ oder ,Kehrt um’ oder ,Erhebt das Haupt’, sondern vielmehr: ,schneller, immer schneller, immer weiter abwärts, stürmt die Ziele, reißt die Dämme ein. Ketten, die Euch halten, gibt es nicht. Sammelt den Ruhm all eurer Eroberungen. Eilt mit immer schnelleren Flügen, voll von Stolz, der durch Eure Siege’ durch Eure Eroberungen, durch Eure Reiche und Eure Demokratien immer größer wird. Die Grube muß gefüllt sein, und Dünger ist nötig für den neuen Baum, der flammend Eurem Ende entspringen wird.“)

Hänschen's Clown Dezember 10, 2013 um 01:13

@PVK
Wow!
Erleichtert?

petervonkloss Dezember 10, 2013 um 02:47

Hänschen’s Clown Dezember 10, 2013 um 01:13
@PVK
„Wow!
Erleichtert?“
Ach, die Kreuzigung ist schwer genug.
http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/buecher/Die-Welt-ist-in-einer-prekaeren-Schieflage/story/21749868

Hänschen's Clown Dezember 10, 2013 um 09:56

Ich weiss nicht, ob Herr Sloterdijk aus der Perspektive eines Campingurlaubers im verregneten Voralpenland schreibt, aber das was uns auf diesem Planeten beisst, ist nicht ein aggressives Amerika versus unterhaltungszentriertes Europa. Mir scheint folgende Lagebeschreibung treffender:
“Notwithstanding the presence of well-meaning individuals and organisations within the natural capital nexus, there is a shadow side to the current revisioning of nature as ‘natural capital’. ‘Nature’ is being painstakingly conceptualized, abstracted and constructed such that ‘it’ is made more visible to an economic system led by concentrated wealth and power. This is a system associated not only with extreme disrespect regarding the finely-tuned system of life within which we are embedded, but also with desperate and growing socioeconomic inequality. Ideology aside, recent systems theory analysis by Stefania Vitali and co-authors – an analysis that considered connections and material flows between over 43,000 trans-national corporations and financial institutions – has demonstrated that the financial flows controlled by the corporate world are dominated by what they describe as a super-connected corporate ‘super-entity’.[xviii] They write that overall the global network of Trans-National Corporations and financial institutions ‘consists of many small connected components’, but the largest connected component, consisting of ‘3/4 of all nodes contains all the top TNCs by economic value’ and accounts ‘for 94.2% of the total TNC operating revenue’. This entity of corporate and financial connections consists almost entirely of major international financial institutions, and these few organisations and associated individuals are basically able to act as a bloc to determine network control and ownership. This is indicative of extreme inequality in wealth distribution and economic control. It is a mirror of the extreme poverty that means that [xix]”
Quelle: http://www.resilience.org/stories/2013-12-06/at-the-edinburgh-forums-on-natural-capital-and-natural-commons
Wer steht hinter dieser selbstorganisierten “super-connected corporate super-entity”. Wie und von wem wird diese “super entity” verkörpert? Sind es hochgradig inspirierte Visionäre mit traumatischen “split ego” Erfahrungen in ihrer Kindheit (?) – sagen wir mal Jeff Bezos kurz vor einem seiner gruseligen Lachanfälle? Was bedeutet dann Inspiration? Kreativität? Welches physikalische Realitätsmodell entsteht, wenn wir uns das menschliche Hirn nicht wie einen Computer, sondern wie einen TV-Empfänger vorstellen?

Morph Dezember 10, 2013 um 20:27

@pvk

ich sehe, ich sollte doch die Jüngerbrüder lesen.

Übrigens hat Charles S. Peirce, der letzte Universalgelehrte und Begründer der Semiotik, die Lebensdauer der industriellen Gesellschaft auf 200 Jahre geschätzt, und das war um 1900.

Allerdings darf man m.E. Apokalyptik nicht mit Anschlussperspektiven verbinden. Ich kann nicht zweifelsfrei begründen, warum das so ist, aber diese Intuition ist eine meiner deutlichsten Gewissheiten.

Daher ist dies hier:
“Gerd Bergfleth, der ähnlich wie Jünger, einen „Aufstand der Erde“ prognostiziert, erwartet die „verwandelnde Heilstat … von einer Religion der Erde, die sich aus mythischer Urerinnerung speist und den Men­schen aufs neue mit der Erde verbindet“.”

ganz, ganz falsch. (wie gesagt, ist meine Intuition). Und eher würde ich allen Fortschrittsfeunden zujubeln, die uns in die merde führen, als in der Partei postapokalyptischer Optimisten einzutreten.

Sloterdijk ist, trotz allem, eine Stimme, der man zuhören sollte.

Hänschen's Clown Dezember 12, 2013 um 00:20

“Sloterdijk ist, trotz allem, eine Stimme, der man zuhören sollte.”
Es wäre gut, wenn Sie das – wenigstens exemplarisch am verlinkten Beispiel – verdeutlichen könnten. Aus meiner Sicht klagt er sich selbst an und verlangt von uns, dafür Gründe zu benennen. Na schön – Campingurlaub im verregneten Voralpenland kann – wenn das Zelt es hergibt – durchaus angenehm sein: Regen ist eine Naturerfahrung, die insbesondere im Schlaf “reinwaschen” kann.

petervonkloss Dezember 14, 2013 um 03:06
petervonkloss Dezember 14, 2013 um 03:07
ruby Dezember 14, 2013 um 07:28

@ pvk

Engel der Inspiration

Dank für die Bildbeschreibung von W.Benjamin.
Im Museum eine Bildbeschreibung zu machen ist sehr schön.

Suche noch eine passende Musik zu Paul Klees Gemälde.

-;)

"ruby" Dezember 14, 2013 um 09:14

Eine silberne Wolke zum ausruhen für den Engel des neuen, werdenden:
http://www.youtube.com/watch?v=G2yV__nxLSU
;-)
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/d/db/Klee-angelus-novus.jpg
Scheruschalem

"ruby" Dezember 14, 2013 um 09:21

Auf der Reise durch die Zeit …
http://www.youtube.com/watch?v=EeYYT3b5Pro

"ruby" Dezember 14, 2013 um 09:47
"ruby" Dezember 14, 2013 um 10:00

Auch Ich habe einen Traum.
Dass jedes Schulkind einen Tagesausflug ins Museum mit Pausenbrot erfährt.
Könnt ihr euch die Lebendigkeit dieses Ereignisses vorstellen?
;-)

petervonkloss Dezember 14, 2013 um 11:09

“ruby” Dezember 14, 2013 um 09:14

„Eine silberne Wolke zum ausruhen für den Engel des neuen, werdenden:
http://www.youtube.com/watch?v=G2yV__nxLSU“

Lieber, sei wirklich umarmt!

"ruby" Dezember 14, 2013 um 11:21

@ Morph + alle Musikanten
zum 3. Advent

http://www.deutschlandradiokultur.de/aus-medizinersicht-die-kraft-der-musik.970.de.html?dram:article_id=271970

eine wissenschaftlich erkenntnisreiche Sendung
und beste musikalische Grüße von Hannoveranern

http://www.youtube.com/watch?v=wIZZgGE-74M

mit der neuen flying v

"ruby" Dezember 14, 2013 um 13:11

Das Grauen kehrt zurück
http://www.zeit.de/politik/deutschland/2013-12/Grosse-Koalition-Liveblog-Finale
noch 5 Minuten bis zum Ergebnis.

petervonkloss Dezember 21, 2013 um 06:03

„Mensch ist nur ein Ding unter Vielen“

Die TAZ – Überschrift ist natürlich schwachsinnig!

Aber…..
http://www.taz.de/Neuer-Merve-Band/!129660
http://www.badische-zeitung.de/nachrichten/kultur/alles-wissen-nichts-sehen–77771147.html

petervonkloss Dezember 21, 2013 um 08:49

Kleinartig… Hach… gegen die Großen… wiewohl….ich mag sie auf diese neurotische Art nicht!
Daher „germanisch – jüdische“ Music at the best!

http://www.youtube.com/watch?v=USfsPTwSinw

petervonkloss Dezember 21, 2013 um 10:20

Dies ist natürlich auf @ Hänschen bezogen, der einfach nur ein Irrlicht ist.

Hänschen's Clown Dezember 21, 2013 um 10:56

@pvk
Stimmt! Wer keines ist, hat den Sumpf noch nicht studiert und geht stets von übernatürlichen Lichterscheinungen aus ;-)
(Will heissen: Die gibt es auch. Man sieht, was man sehen will oder deucht, sehen zu müssen. Simple physics of perception).

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