Verwirrende Wendungen im Fall Edathy

by f.luebberding on 24. Februar 2014

Gestern Abend diskutierte Günther Jauch über das Thema Kinderpornographie und Pädophilie. Eine gute Sendung, die den bisherigen Diskurs über den Fall Edathy und die Folgen aufzubrechen in der Lage war. Meine These ist bekanntlich, dass alle Akteure, ob nun Politik oder Justiz, gerade nicht mehr aus ihrer eigenen Funktionslogik heraus handeln. Sie vielmehr mögliche Reaktionen der öffentlichen Meinung antizipieren und das ihre Handlungslogik bestimmt. Veröffentlichte Meinung ist schon lange nicht mehr das Privileg des klassischen Journalismus. Das hat Rückwirkungen auf die öffentliche Meinung, die letztlich die Legitimation nicht nur politischen Handelns bestimmt. Nun gibt es heute Morgen ein gutes Beispiel, wie dieser Mechanismus funktioniert.

Vor sechs Tagen ist etwa in diesem Blog eine These zum Fall Edathy und dem Handeln des BKA veröffentlicht worden. Der Autor Fred Schumacher wunderte sich über den langen Zeitraum von fast zwei Jahren, der zwischen der Mitteilung der kanadischen Polizei und der Aufnahme von Ermittlungen seitens des BKA lag. Daraus entwickelte er Spekulationen über die Motive, für die der Autor allerdings keine weiteren Belege anbieten konnte. Nach journalistischen Kriterien beginnt damit erst die Recherche. Jetzt hat diese These der Vorsitzende der Linke, Bernd Riexinger, ebenfalls formuliert. Die Übernahme durch die Politik macht die These zu einer Nachricht – und erzeugt Berichterstattung. Schließlich ist die Kritik des Regierungshandelns die Funktion der Opposition. Dafür wurde sie gewählt. Im Gegensatz zu einem Blogger (oder Leitartikler), der seine Meinung äußert. Der Journalismus muss allerdings zuerst den Sachverhalt aufklären. Erst bei Hinweisen auf eine Falschdarstellung seitens des BKA oder der Politik wird aus der These eine valide Geschichte.

Nun hat sich der BKA-Präsident vor dem Innenausschuss des Bundestages zum Ablauf der Ermittlungen geäußert. Das ist hier nachzulesen. Dieser Ablauf stand allerdings am 19. Februar noch nicht im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses, weil sich an diesem und den folgenden Tagen fast alles nur um den Telefonanruf von Thomas Oppermann beim BKA-Präsidenten drehte. Zierckes Schilderung lässt sich einfach überprüfen und mit den ansonsten üblichen bürokratischen Verfahrensweisen vergleichen. Im Kern geht es heute um diese Aussage Zierckes:

“Zunächst seien im Jahr 2012 jene 443 Fälle mit eindeutig kinderpornografischen Filmen abgearbeitet worden. Am 15. Oktober 2013 sei dann eine Liste mit 80 Personen geringerer Priorität an die 16 Landeskriminalämter verschickt worden. Auf dieser Liste stand auch der Name Edathy. „Dass es sich um den ehemaligen Abgeordneten handelte, war bis dahin nicht bekannt“, sagte Ziercke. „Jeder wurde auf dieser Liste gleich behandelt.“ Das LKA Niedersachsen habe eine Anfrage zur Bestelladresse des Materials aus Kanada an die zuständige Polizei Nienburg/Schaumburg weitergeleitet. Das BKA habe schließlich am 15. Oktober 2013 erst durch den Rückruf eines Beamten aus Nienburg erfahren, dass es sich um den SPD-Politiker Edathy handle. Ziercke sagte, er selbst sei am Nachmittag des 15. Oktober im BKA unterrichtet worden und habe am 16. Oktober dann den damaligen Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Klaus-Dieter Fritsche, informiert. Dazu sei er verpflichtet gewesen, betonte Ziercke.”

An der Plausibilität dieser Darstellung war keine Kritik geübt worden, auch nicht von der Opposition im Innenausschuss. Sie hörte sich allerdings schon damals etwas seltsam an. Der Name Edathy ist schließlich nicht so weit verbreitet. Ob dieser vom BKA unter Druck gesetzt worden ist? Darüber kann Edathy Auskunft geben. Dann wüsste man auch, wer sein Informat gewesen wäre. Warum sollte er das noch verschweigen? Es nützte ihm sogar. Ob das BKA die Ermittlungen im Gegenteil verschleppte, um den Vorsitzenden des NSU-Ausschusses zu schützen? So wäre Zierckes Darstellung zwar richtig gewesen, aber stände im auffälligen Gegensatz zu sonstigen Ermittlungsverfahren. Das liesse sich leicht überprüfen. Die von Riexinger und anderen aufgeworfenen Fragen lassen sich somit klären. Das Interesse der Opposition hat allerdings nicht nur mit dem Aufklärungsinteresse zu tun, sondern mit ihrer Funktion, die Regierung unter Druck zu setzen. Jede Opposition instrumentalisiert Mißstände. Das ist ihr Job, wenn sie die bisherige Regierung einmal ersetzen will. Nur sollte man das wissen bevor man jetzt wieder Schlagzeilen produziert. Nach bisherigem Sachstand hat diese Kritik kaum Substanz. So ist nicht nur bei Jauch immer wieder die unzureichende Ausstattung der Strafverfolgungsbehörden kritisiert worden, was zum Verschleppen von Ermittlungen führte. Von dieser Erklärung ist aber jetzt merkwürdigerweise nicht die Rede.

Wie die Medienlogik offensichtlich eigenen Gesetzen unterliegt, ist an folgendem Zitat aus der Jauch-Frühkritik von Spiegel online nachzulesen.

“Ganz am Ende des sonntäglichen Talks, als Gastgeber Jauch schon die “Tagesthemen” angekündigt hatte, fand der TV-Journalist Bellwinkel, eine sehr einfache, aber nicht simple Replik auf den Ächtungsimperativ: Warum denn Sigmar Gabriel, nachdem er vom damaligen Innenminister Hans-Peter Friedrich bereits im Oktober 2013 von den Ermittlungen erfahren hatte, nicht auf seinen mutmaßlich pädophilen Genossen zugegangen sei und ihn gefragt habe, ob er Hilfe brauche? “Das wäre vielleicht eine Alternative gewesen”, so der Vorschlag von Bellwinkel.”

Damit wären wir wieder beim Anfang der Affäre gelandet. Der Vorwurf an Gabriel lautete allerdings jetzt, Edathy nicht informiert zu haben. Die Fürsorgepflicht der Politik bekäme eine völlig neue Wendung. Wir werden sehen, wer diesen Aspekt aufgreifen wird. Ansonsten spricht viel für den Ratschlag von Wolfgang Michal, Edathy nicht zum Mittelpunkt einer Staatsaffäre zu machen. Warum das trotzdem so ist, kann man hier nachlesen. Wahrscheinlich diskutieren deshalb alle heute Morgen über Thilo Sarrazin. Oder Matthias Matussek und Stefan Niggemeier. Es geht nicht um die Zukunft der Ukraine.

{ 157 comments }

Balken Februar 24, 2014 um 14:18

Lübberding: “Ob das BKA die Ermittlungen im Gegenteil verschleppte, um den Vorsitzenden des NSU-Ausschusses zu schützen?”
Tja, wenn man schon eine anderswo längst, von den Kommentatoren, meine Wenigkeit eingeschlossen, auch hier bereits angesprochene Fragestellung nicht mehr vermeiden kann, weil man ja in der Kaisers-neue-Kleider-Geschichte nicht der allerletzte sein möchte, nachdem die Fragestellung nun schon in der Großbuchstabenzeitung desselben Verlages prangte, dann möchte man sie wenigstens entschärfen, gelle? Brav.
Also, wenn ‘s in DER Zeitung steht, dann ist das über das Stadium der “Verschwörungstheorie” hinaus, dann ist das auch für einen Journalisten und Frühkritiker von Welt fragbar? Irgendwie lustisch. Edathy “schützen”, deshalb wartete das BKA? Das ist rührend, kann man aber auch ganz anders sehen, zudem klar geworden ist, dass Edathy schon lange wusste, dass gegen ihn etwas im Busch ist. Diese andere Springerzeitung sieht daher auch folgende Möglichkeit: Das BKA habe seine Informationen über Edathy zurückgehalten, um bei Bedarf etwas gegen ihn in der Hand zu haben, sollten seine Vorwürfe in der NSU-Affäre für das Amt zu gefährlich werden.

Doktor D Februar 24, 2014 um 14:40

Wenn aus Journalismus Verschwörungstheorie wird (Ich meine nicht FL.) Warum nicht einfach akzeptieren, was Ziercke gesagt hat, und sich bisschen Behörden-Denke aneignen: Nachdem die eindeutigen Fälle aus der kanadischen KiPo-Akte herausgefischt worden sind, landet der Rest auf den Tisch des Praktikanten und das ganz hinten, weil man eh weiß, dass man damit juristisch Blumentöpfe gewinnen kann. Den Rest (v.a. bei der Staatsanwaltschaft) erklären Personal- und Zeitmangel und mangelndes Sang froid bei den Beteiligten, nachdem sie ins Scheinwerferlicht geraten sind. (Und ja, es ist möglich, dass man als kleiner BKAist nix von Edathy weiß: Unter meinen 10 KollegInnen, wissen 8 bis heute nicht, wer das ist. Obwohl sie was mit Medien machen.)
Das was von div. Medien hier vorgeführt wird, ist ja völliger Beziehungswahn. Noch das kleinste Element wird in die eigene kleine Puzzlewelt eingeordnet, als hätte man noch nich was von Occams Razor für VTs gehört: Never attribute to malice what is adequately explained by stupidity or chance.

Doktor D Februar 24, 2014 um 14:41

Da muss natürlich heißen: juristisch KEINE blumentöpfe gewinnen kann…

Balken Februar 24, 2014 um 14:50

@ Doktor D

Ja sicher doch, ein weiteres Fortsetzungsstück der Pleiten-Pech- und Pannenserie um die “NSU” – “Aufklärung”.

Kennen wir, spätestens seit dem 9-11-Mythos.

Ein guter Vorschlag, womöglich werden wir genau solche Erklärungen demnächst zu hören bekommen.

Balken Februar 24, 2014 um 14:55

Wilhelm von Ockhams heuristiches Sparsamkeitsprinzip meint nicht, dass die blödeste Ausrede die Wahrscheinlichste sei! Allerdings ist es wahrscheinlich, dass die blödeste Ausrede gewählt wird, unabhängig von ihrem Wahrscheinlichkeitsgrad. Insofern passt es dann doch, hihi.

Wie wärs schlicht mit”Büroversehen”? Wird immer gern genommen.

focion Februar 24, 2014 um 15:03

Zu Bellwinkel und der “sozialen Ächtung”:

Das Zitat von Bellwinkel ist vom Spiegel schlicht in einen falschen Zusammenhang gestellt worden. Mir ist nicht ganz klar, ob Du das mit den “eigenen Gesetzen der Medienlogik” meinst? Es wird jedenfalls nicht wirklich deutlich.

Es ging nicht um den Oktober. Sondern um den Zeitpunkt, da Edathy eingestanden hatte, seiner Ansicht nach legale Nacktbilder erworben zu haben. Darauf und auf “Meinungsumfragen” stützt Schwesig Ihre Rechtfertigung eines möglichen Ausschlussverfahrens.

Jauch hatte den Oktober und eine persönliche Ebene (Parteifreunde Gabriel/Edtahy) medienlogisch ins Spiel gebracht und Schwesig diesbezüglich befragt.

Bellwinkel bezog sich mit seinem – wohl naiven – Vorschlag aber nicht auf Jauchs Frage, sondern Schwesigs Antwort.

“Der Journalismus muss allerdings zuerst den Sachverhalt aufklären.” Scheint selbst bei Frühkritiken und dem Aufgreifen von “Aspekten” derselben nicht ganz einfach zu sein … ;)

gasthörer Februar 24, 2014 um 15:04

Allein Zierkes Zitat aus der FAZ kann so nicht stimmen:
Am 15. Oktober 2013 wird die 80er Liste an die LKAs verschickt, nachdem sie zwei Jahre rumgelegen hat- äh – kriminalistisch bearbeitet wurde. Nun dauert es aber nicht mehr Jahre oder Monate oder Wochen oder Tage bis die Liste übers LKA zur Polizeidienststelle Nienburg durchdiffundiert.

Nein jetzt geht alles so schnell, dass Zierke schon am Nachmittag des selben Tages, an dem die Liste morgens ans LKA verschickt wurde, informiert ist.

Das BKA und insbesondere seinFührungspersonal wäre gut beraten, hier an Aufklärung mitzuarbeiten.

Carlos Manoso Februar 24, 2014 um 15:17

@Balken Februar 24, 2014 um 14:18
„Diese andere Springerzeitung sieht daher auch folgende Möglichkeit: Das BKA habe seine Informationen über Edathy zurückgehalten, um bei Bedarf etwas gegen ihn in der Hand zu haben, sollten seine Vorwürfe in der NSU-Affäre für das Amt zu gefährlich werden.“

„Für die “Bild”-Zeitung ist die Affäre um den ehemaligen Bundestagsabgeordneten Sebastian Edathy ein “Krimi”, in dem das Bundeskriminalamt (BKA) eine Hauptrolle spielt. In ihrer Montagsausgabe fragt Europas größte Boulevardzeitung auf Seite zwei: “Hat das BKA zwei Jahre weggesehen?” Daneben ist ein Foto des SPD-Politikers Sebastian Edathy (siehe Artikelbild) zu sehen. Sein Name steht auf einer Liste einer kanadischen Firma, die kinderpornografisches Material vertreibt. Diese Information soll das BKA im Oktober 2011 erhalten haben. “Angeblich nahm sich das BKA aber erst im Oktober 2012 die Liste vor, kümmerte sich zunächst um 500 schwere Fälle”, schreibt die “Bild”. Schon der erste Satz des Textes ist spekulativ: “Ein böser Verdacht wabert durchs Berliner Regierungsviertel.”
http://www.dw.de/edathy-affäre-bild-zeitung-attackiert-das-bka/a-17453204

Balken, denken wir mal ein paar Meter weiter. Was wäre heute mit dem Projekt „Große Koalition“ los, wenn „jemand“ es geschafft hätte, das BKA im “höheren Statsinteresse” in Sachen „Edathy“ etwas länger als 2 Jahre lang derart blind & stumm zu machen, dass Edathy im Zuge der Koalitionsverhandlungen Minister oder Staatssekretär auf dem Ticket SPD geworden wäre ? Was wäre, wenn die BKA-Anfrage mit den 80 Pädophilen nicht an die Polizeidienststelle in Nienburg (am Wohnsitz von Edathy, in Sichtweite von dessen Haus entfernt, wo jeder Polizist Edathy vom Sehen kennt) geschickt worden wäre, sondern an eine Polizeidienststelle in Deppendorf an der Aller, wenn Edathy z.B. dort seinen Wohnsitz gehabt hätte. ? Daß die Große Koalition in dem Falle womöglich an die Wand gefahren wäre, läge in dem Falle nicht am bösen Willen des BKA, (das die Liste mit den 80 Pädophilen weitergeleitet hat), sondern an einem pennenden Deppenpolizisten in Deppendorf.
http://www.dw.de/edathy-affäre-bild-zeitung-attackiert-das-bka/a-17453204

gelegentlich Februar 24, 2014 um 15:36

Ich bin skeptisch ob man da viel weiterkommt. Trotteligkeit wird man möglichst lange verstecken; bei einer Intrige waren die Intriganten sicher nicht so naiv ein Protokoll anzufertigen. Man kann sich nur an den Starter halten, nach m.E., Trotteligkeit als Grund reicht dafür aus. Wir reden von Mitte Oktober 2013. Die STA hat nach wie vor keine Ausrede für ihr Verhalten. Schon bei ganz grober Vorermittlung hätte auffallen müssen dass der unberücksichtigt gebliebene Edathy Wind bekommen haben muss, spätestens mit dem Auftauchen des Anwalts im November. Für die Zeit danach hat die STA m.E. nach kein „Alibi“. Und da bleibt der böse Verdacht dass sie stimuliert worden ist.

focion Februar 24, 2014 um 15:46

Der Vorschlag von Bellwinkel bezog sich nicht auf Jauchs “medienlogische” Frage an Schwesig, sondern Ihre Antwort.
Der Spiegel muss es – “medienlogisch” – natürlich eine bejahende Antwort gegeben haben … .

Weiss jetzt nicht, ob Du auch das mit den “eigenen Gesetzen der Medienlogik” meinst? Wird jedenfalls nicht sehr deutlich.

Doktor D Februar 24, 2014 um 15:47

@gelegentlich:
Also wenn ich daraus ein Drehbuch machen würde, würden persönliche Eitelkeiten der StAs, deren Karriereambitionen und Vernetzungen mit der gewesen und neuen ministerialen Oberaufsicht eine zentrale Rolle spielen. Und der völlige Mangel an Beratung in Sachen Öffentlichkeitsarbeit.

BB Februar 24, 2014 um 16:06

Wenn E. vom BKA erpresst wurde, warum war er dann so gut im NSA-Fall? Leutz, Leutz, Leutz, Seuftz.

gelegentlich Februar 24, 2014 um 17:07

@BB

Vielleich war gut nicht gut genug? Eh Spekulation, wie offenbar das Meiste – bis eben auf die Rolle von Fritsche.

Huuh Februar 24, 2014 um 17:20

@ Doktor D.

Es war absehbar, dass sich nun auch Müller aus der Deckung wagen wird. Zu berücksichtigen sind auch die Sichtverhältnisse an jenem Tag im April 2011. Müller vermeidet die direkte Namensnennung, sagt aber, der Mann, der aus der Rathausstraße kam und in das Gebüsch trat, sei mit einem „Glas bewaffnet“ gewesen. Er vermeidet damit das Wort „Rohr“. Nun weiß jeder, dass hinter dem Gehölz rechts der Rathausstraße das evangelische Kinderkrankenhaus gelegen ist und ziemlich genau an dieser Stelle der Schlafsaal der Jungen. Die von ihm angegebene Uhrzeit lässt darauf schließen, dass Müller selbst mit einem mindestens sechzig Zentimeter langen Nachtrohr hinter der Gardine stand. Laut dem Ohrenzeugen (Dr. O.) stieß er, gemeint kann nur Müller sein, damit an keinen Blumentopf, der zu Bruch ging.

Muss heißen: EINEN Blumentopf.

Soldat Schwejk Februar 24, 2014 um 17:28

@ Huuh

Sollte sich das so zugetragen haben, dann wäre dieser Müller ja ein wahrhaftiger Bruchmüller.

Ekel Alfred Februar 24, 2014 um 17:30

@BB
Hr. E. war nicht gut bei der NSA-Aufklärung, er war höchstens dem einen oder anderen ehrenwerten Herren, die nicht gern vor Kameras arbeiten, etwas zu selbstbewusst. Die ungelöste Frage zum NSU lautet nach wie vor, warum frühere Thesen der Ermittler, wonach der türkische (und deutsche) tiefe Staat in NSU verwickelt sei, also z.B. dieser Erkenntnisstand:
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-77108510.html
weniger plausibel sein soll als die These von den der nicht enden wollenden Pannenserie, den beiden sich selbst mordenden Einzeltätern und ihrer tumben Freundin Tschäpe.

Unterstellen wir doch mal, dass Geheimdienste und die schmutzigen Geschäfte wie Drogenhandel, Waffenhandel, Zwangsprostitution und Kinderpornos zusammenpassen wie “Arsch auf Eimer”. Etwas vornehmer könnte man von der Devianz der Elite sprechen. Die besseren Kreise nehmen sich was sie wollen und arbeiten mit denen zusammen, die für ihre Interessen nützlich sind, unabhängig von Spießbürgermoral und gerade geltenden Gesetzen. Dann spekulieren wir mal etwas gründlicher: Wie plausibel ist es, dass Hr. E. alle seine Bilder nur bei einem einzigen Händler und erst ab 2010 bestellt hat? Warum sollten Geheimdienstprofis (man denke bitte nicht nur an den BND) immer bei ihren Versuchen scheitern, gerade in Innen- und Untersuchungsausschüssen “ihre” Leute zu positionieren?
Und dann beachte man bitte die Tatsache, dass nicht nur die STASI eigens Prostituiere missbrauchte, um damit Wessis in die Venusfalle tappen zu lassen. Was ist einfacher: Selbst die Venusfalle auszulegen oder zu warten bis irgend so ein potentieller Einflussagent durch Zufall in ein Netz geht? Ich erinnere mich noch zu gut an diesen Fall, der in Belgien spielte, dem Sitz von NATO und EU:
http://www.spiegel.de/panorama/justiz/fall-marc-dutroux-der-alptraum-endet-nie-a-735731.html

Ein Opferanwalt der selbst zur Szene gehört. Warum nicht ein linker Migrant mit perversen Vorlieben im Dienste der Organisatoren der Strategie der Spannung? Vielleicht besser, wenn wir nicht zu lange suchen. Bei Dutroux sind bis heute 27 Zeugen teilweise mysteriös gestorben. Nicht nur Akten und Kinder können verschwinden.

Balken Februar 24, 2014 um 17:34

@ carlos

O.k., dass die Springerpresse ein Interesse an Aufklärung hat, ist das letzte, was man annehmen kann. Dass sie die anderswo längst geäußerten Verdachte und Mutmaßungen nun in die große Öffentlichkeit von Otto BLÖD-Leser breittritt, muss andere Gründe haben. Vielleicht ist das Politbüro der Sponsorenkreise, die diese – äh – Zeitung stützen, eben doch daran interessiert, gegen den Ratschlag von Michal, dass eine Staatsaffäre hochköchelt. Warum nicht bei dieser Gelegenheit. Vielleicht ist denen der Ludergeruch von Sozialdemokratismus, der der großen Koalition resthaft irgendwie doch noch anhaftet, noch zuviel? Und, unabhängig davon, vielleicht möchte man nicht abwarten und zusehen, wie Merkel langsam ver-Kohlt? Vielleicht sagt man sich, dass die gro0oße Koalition doch lieber nicht womöglich erst durch Zeitablauf erledigt werden sollte: Bringen wir es besser gleich zu Beginn hinter uns?

Doktor D Februar 24, 2014 um 17:34

@huuh: Viel zu 19. Jhdt. gedacht. Aber netter Versuch.

Balken Februar 24, 2014 um 17:37

Schön, wenn einer mit mehreren Nicks arbeiten kann. ;-)

f.luebberding f.luebberding Februar 24, 2014 um 17:40

Nur noch einmal. Die heutige Debatte über das BKA, sie wird wahrscheinlich Morgen schon wieder vergessen sein, beruhte allein auf zwei Punkten. Zum einen der offenkundig irrigen Annahme, die lange Ermittlungsdauer beim BKA sei eine neue Nachricht. Zum anderen der Tatsache, dass diese Kritik von der Opposition aufgenommen worden ist. Es ist eben ein Unterschied, ob ich etwas feststelle oder ein führender Repräsentant der größten Oppostionspartei. Nun gibt es durchaus Anlaß, sich diese Aussage Zierckes noch einmal anzusehen. Das habe ich auch geschrieben. Nur sollte man das nicht auf Grundlage wilder Spekulationen machen, sondern die Aussagen Zierckes nehmen, um sie auf Widersprüche etc. zu untersuchen. Was mich nur erstaunte, ist das völlige Fehlen dieser Ebene in der Berichterstattung. Ich habe keinen Satz darüber gelesen, warum Zierckes Aussage falsch wäre, sondern nur den Eindruck vermittelt bekommen, die Tatsache selbst sei neu gewesen. Was nun nachweisbar falsch ist.

Balken Februar 24, 2014 um 17:47

Oh, wilde Spekulationen, wird morgen schon vergessen sein …

Da rudert je einer mächtig zurück, hätte womöglich inzwischen das Theme so hier lieber nicht hineingebracht?

Keine Sorge. Es hat in der Bildzeitung gestanden. Dann darf man.

Doktor D Februar 24, 2014 um 18:00

Für eine gewisse Form des Entertainment-Journalismus scheinen Demenz und Amnesie konstituiv zu sein. Nur blöd, wenn heute jeder sich im Archiv mit wenigen Klicks umtun kann.

f.luebberding f.luebberding Februar 24, 2014 um 18:04

Balken

Das wird Morgen vergessen sein, wenn nicht endlich jemand Substanz bringt. Die Debatte um den NSU wurde angesprochen. Das hätte Substanz, wurde auch hier schon oft genung diskutiert. Nur gibt es darüber keine neuen Erkenntnisse, deshalb ist das aktuell kein Thema.

Carlos Manoso Februar 24, 2014 um 18:13

Balken Februar 24, 2014 um 17:34
„O.k., dass die Springerpresse ein Interesse an Aufklärung hat, ist das letzte, …“

Balken, daß „AUFKLÄRUNG“ Interesse an „AUFKLÄRUNG“ hat, wäre nicht „das letzte“, sondern nächst liegend !

Carlos Manoso Februar 24, 2014 um 18:24

@Balken Februar 24, 2014 um 17:34
„Vielleicht ist denen der Ludergeruch von Sozialdemokratismus, der der großen Koalition resthaft irgendwie doch noch anhaftet, noch zuviel? Und, unabhängig davon, vielleicht möchte man nicht abwarten und zusehen, wie Merkel langsam ver-Kohlt? „

Balken, vielleicht, vielleicht riecht dieser Ludergeruch aus der braunen Richtung der NSU noch staatstragender, als manche nicht zu glauben wagen.

Goodnight Februar 24, 2014 um 18:25

Kommunikation.
Wer oder was steuert Kommunikation?
Wir haben hier die Kommunikation über Edathy.
Nun gibt es zwei Möglichkeiten: Man beendet die Kommunikation oder man lässt sie laufen bzw. führt sie weiter.
Wenn man sie weiter führt, was gerade geschieht, dann entsteht Komplexität, weil jede weitere Unterscheidung wieder zwei neue Seiten eröffnet: Hätte Gabriel Edathy informieren DÜRFEN? Und damit gegen Gesetz verstoßen? Oder hätte er Edathy informieren MÜSSEN? Um ihm zu helfen? Gesetzestreue versus Fürsorgepflicht? Eine Entscheidung führt zur Unterscheidung und daraus lassen sich jetzt weitere Unterscheidungen kommunizieren.
Sobald man analysiert, “unterscheidet” man..und erzeugt damit Komplexität. Und dieser Prozess ist unendlich. D.h. im Fall Edathy kann man dann bald alles in Frage stellen: Die Politik, die Behörden, das Wertesystem (muss man Pädophilen helfen????) , etc.
Also muss man zurück zur Frage wie man die Kommunikation beendet. Die einfachste Antwort ist: Es muss ein Kopf rollen, d.h. man presst alle Komplexität und damit Verantwortung in eine Person und lässt dann beide zusammen untergehen. Satisfaction in Form maximal möglicherKonsequenz: Eine Person wird bestraft und damit ist jede Frage maximal beantwortet.
Darauf wird es so oder so hinauslaufen müssen, und daher mein Vorschlag frühzeitig einen zusätzlichen Kopf rollen zu lassen, weil nur mit einem Overkill am Anfang wird jedes Interesse an weiterer Kommunikation im Keim erstickt: Warum sollte die Presse weiterfragen, wenn schon alle Verantwortlichen bestraft sind.
Whatever, ich gehe einfach davon aus, das die Profis in Berlin viel mehr von Politik verstehen als ich und deshalb schon genau wissen, was sie da so tun und lassen und so. Die wollen die große Diskussion, die unendliche Komplexität, einfach das volle Programm der Dekonstruktion der Reputation von Politik, Staat, Gesetz, Behörden.
Yep, nach dem NSU Desaster, Flughafen Berlin etc. noch ein bisschen mehr. Das ist wirklich das, was wir alle sehen wollen: Einen Abgrund an Inkompetenz … Politiker die gegen Gesetze verstoßen…Staatsanwälte die gegen Gesetze verstoßen…Kriminalbeamte die gegen Gesetzte verstoßen… Bundesbeamte die gegen Politiker intrigieren…und oben drauf noch das volle Programm von Kinderpornographie in und um dem Reichstag herum….. und alles bezahlt von meinen Steuern.
Wie soll das enden? Diese Kommunikation? Wieviele Köpfe müssen dann rollen?

“Der Staat heißt das kälteste aller kalten Ungeheuer: kalt lügt es auch und diese Lüge kriecht aus seinem Munde: “Ich, der Staat, bin das Volk”.
(Nietzsche)

gelegentlich Februar 24, 2014 um 18:35

@Goodnight

Man will ja konstruktive Kritik, nicht wahr? Und nur ein Kopf ist sicher besser als viele. Einer ist schon gerollt, der von Edathy. Bei Friedrich weiß man nicht ob er nicht eher in den Himmel geschossen wurde.

Ich schlage vor es sollte der von Fritsche sein. Dann muss man nur noch wegen der rechtswidrigen Durchsuchungen mit Öffentlichkeit am langen Arm nachtreten. Denn das sind ja weitreichende und verheerende Signale, nicht wahr?

holger196967 Februar 24, 2014 um 18:46

Goodnight

—>>>und alles bezahlt von meinen Steuern.”

Hör doch auf zu zu sabbeln (kommunizieren)

das ist echt PEINLICH

Goodnight Februar 24, 2014 um 19:00

@gelegentlich

Die Wahrheit ist:
Niemand will Wahrheit.

Wahrheit ist etwas, was man in den Elfenbeintürmen versteckt, und auch dort wird es portioniert, strukturiert und somit verdaulich gemacht. Kein Mensch kann wirklich Wahrheit ertragen. Weil Wahrheit in Wahrheit das Ende von jeglicher Wahrheit ist. Es ist das Ende von Sinn. und ohne Sinn keine Kommunikation und kein “ICH” und kein Bewusstsein. Der Herr Nietzsche hat das wohl erkannt, er war ganz dicht dran an der der Wahrheit…als sein Bewusstsein ohne Sinn operieren wollte…und folglich kam dann nur die Anstalt.

Whatever, am Ende brauchen wir alle Sinn und Sinn stabilisiert sich über die Betonung einer Seite der Unterscheidung, d.h. über Komplexitätsreduzierung, d.h. Strukturen, Regeln, Werte, Gesetze. Sinn stabilisiert sich nicht über Wahrheit. Wahrheit ist das Gegenteil von Sinn.

Und je mehr nun der Bevölkerung die Wahrheit um die Ohren gehauen wird um so mehr ruft es nach einfachen Lösungen. Das ist dann wie in der Ukraine: wir wollen Schutz vor Wahrheit. Und die einfache Lösung ist : Ein Bösewicht, ein Verantwortlicher.
Und diesen einen muss die Regierung jetzt neu suchen. Und zwar schnell. Oder hoffen, dass andere Krisen von dem Fall Edathy ablenken. Yep, so wünsche ich mir meine Volksvertreter: Hoffen und beten statt handeln…dafür bezahle ich die…

“I looked at the Rorschach blot. I tried to pretend it looked like a spreading tree, shadows pooled beneath it, but it didn’t. It looked more like a dead cat I once found, the fat, glistening grubs writhing blindly, squirming over each other, frantically tunneling away from the light. But even that is avoiding the real horror. The horror is this: In the end, it is simply a picture of empty meaningless blackness. We are alone. There is nothing else.”
Malcom (watchmen)

Goodnight Februar 24, 2014 um 19:04

@holger

“Hör doch auf zu zu sabbeln (kommunizieren)
das ist echt PEINLICH”

Nope, wieso aufhören, das hier ist der beste Stressabbau, den ich kenne. Man, wie habe ich das vermisst!

“But first get up out of your chairs, open the window, stick your head out, and yell, and say it: “I’M AS MAD AS HELL, AND I’M NOT GOING TO TAKE THIS ANYMORE!””
Howard (netwook)

holger196967 Februar 24, 2014 um 19:09

goodnight

—>>>Nope, wieso aufhören, das hier ist der beste Stressabbau, den ich kenne. Man, wie habe ich das vermisst!”

:D Flip Flop es kommt der FRÜHLING \o/

gelegentlich Februar 24, 2014 um 19:15

@Goodnight

Ganz recht! Wen interessiert schon die Wahrheit. Es geht eher darum dass die Richtung, die die Kiste in den Graben gefahren hat, das auch auslöffelt. Also bei der Einführung der VDS bitte unbedingt die gleiche Schlampigkeit wie hier! Nicht weniger! Noch viel mehr wäre schön zu Ostern.
Und beim Einschenken für die STA nicht zimperlich sein. Eh eine Kreatur der Vorgängerregierung.

BB Februar 24, 2014 um 20:53

“….Wenn man sie weiter führt, was gerade geschieht, dann entsteht Komplexität, weil jede weitere Unterscheidung wieder zwei neue Seiten eröffnet:….” (Goodnight)

Na, ein bisschen komplizierter ist die Sache schon. Erstens gibt es für jede Unterscheidung eine Wahrscheinlichkeit. Komplexität ist nicht binär, wie uns Goodwill und die Luhmanisten (klingt fast wie Satanisten) weismachen möchten. VT-Wahrscheinlichkeiten z7.B. gehen gegen Null, sie erhöhen damit also nicht wesentlich die Komplexität.

Eigentlich müsste man hier noch den Entropie-Begriff einführen, um diesen Sachverhalt genauer zu diskutieren. Weiß ja nicht, wie gut sich Luhmanisten wie Goodwill mit sowas auskennt. Ich glaube, der Luhmann kennt nur so mathematische Konstrukte wie “Eigenwerte” vom Hörensagen, und das, ohne sie wirklich verstanden zu haben. Ich hatte mal Ahnung von der Materie, das ist aber schon länger verschüttet.

Nur soviel. Man kann natürlich die Komplexität (nicht das gleiche wie Entropie, aber proportional) reduzieren, z.B. indem man Ordnungsstrukturen einführt (Entropieverringerung). Hier wären z.B. die Fragen des Dienstgeheimnisverrats angesiedelt. Die kann man denke ich juristisch und damit “objektiv” als im Grunde weniger komplexe Probleme verhandeln und sich bei der Diskussion darauf beschränken. Wäre eine Empfehlung an die Medien, genau das zu tun. Da erkennt man dann auch, dass der Oppermann nicht gehen muss oder musste, wie Goodwill, der Versteher, ja falsch prognostizierte.

Wenn man also bei der Behandlung des Thema “E.” auf nur diese Punkte abstellen würde, also, wer hat wie gegen die Bestimmungen verstoßen oder welche Gesetze haben E. und andere konkret verletzt, dann kann man den Fall ganz ohne große Komplexität ähhh Hysterie verhandeln.

BB Februar 24, 2014 um 21:42

Um noch einen interessanten Aspekt dieses Ansatzes hinzuzufügen. Wenn man Ordnungsstrukturen (z.B. Gesetze) in ein System einfügt, also die Entropie (Anzahl der Systemmikrozustände, durch die ein bestimmter Makrozustand realisiert werden kann) verringert, dann wird Entropie an die Umwelt abgegeben.

Dort erhöht sich also die Entropie. In diesem Bereich wären dann Fragen angesiedelt, ob beispielsweise die aktuelle Rechtsprechung noch den Erfordernissen entspricht (Gegenstand der allgemeinen Diskussion, nicht der Jurisprudenz). Diese Fragen werden natürlich umso komplexer, je restriktiver und unflexibler die Rechtsprechung durch Verringerung der Entropie, also Erhöhung des Ordnungsgrades, wird. Frau Schwesig ist da nicht zu beneiden.

Die interessante Frage tut sich jetzt nämlich auf, ob es nicht zu einem Komplexitätsoverkill kommt, was die Lösung des Problems des Missbrauchs von Kindern betrifft – man also den Kindern mehr schadet als nützt, wenn man die Gesetzgebung verschärft, also z.B. die Regeln dafür, was inkriminierte Bilder sind und was nicht.

Das wäre mal ein interessantes Problem, dass man mit dieser theoretischen Brille untersuchen könnte. Man reduziert die Entropie im System durch restriktivere Gesetze und erhöht damit die Komplexität außerhalb des Systems bis zur Konterkarierung des Gewollten).

(Schmeißt euren Luhmann wech und lernt erstmal gründlich Mathe)

BB Februar 24, 2014 um 21:53

…. ich bin der Ritter der Kokosnuss, tidipp, tidipp, tidipp, ….

Bogus Februar 24, 2014 um 21:58

Sehr schön. Und nach so vielen Komplexen und deren Reduktion etwas zur Entspannung:

http://www.youtube.com/watch?v=DSyWrudKkfE

holger196967 Februar 24, 2014 um 22:01

BB

—>>>(Schmeißt euren Luhmann wech und lernt erstmal gründlich Mathe)”

Geometrische Mathematik DANKE BITTE :D

holger196967 Februar 24, 2014 um 22:04

Nein, Geometrische Physik so war es richtig. 7 Dimensionen Denken. Geht… auch ohne Schamanen…

Nionde Februar 24, 2014 um 22:26

Honeypot for whistleblower…. :-)

Goodnight Februar 24, 2014 um 22:30

@BB

“Na, ein bisschen komplizierter ist die Sache schon.”

=>Naja, das kommt immer auf die Beobachterperspektive drauf an…

“Erstens gibt es für jede Unterscheidung eine Wahrscheinlichkeit. Komplexität ist nicht binär, wie uns Goodwill und die Luhmanisten (klingt fast wie Satanisten) weismachen möchten. VT-Wahrscheinlichkeiten z7.B. gehen gegen Null, sie erhöhen damit also nicht wesentlich die Komplexität.”

=>Also dat mit der Wahrscheinlichkeit, das ist so: Wenn ich Entscheidungen (wie z.B. Unterscheidungen!) nicht einem Individuum zurechnen möchte, dann, ja dann rechne ich die einfach ner META-Ebene zu, und nen das z.B. Wahrscheinlichkeit. Also ne göttliche Kraft die unsere Entscheidungen und Unterscheidungen vorbestimmt. Wie, dat weiss keiner, nur der liebe Gott, aber die Mathematiker und Statistiker meinen sie könnten sich diesem “wie” ganz ganz doll annähern. Die Wahrscheinlichkeit für eine Entscheidung gegen Oppermann beträgt dann 1/6 oder so. Damit ist zwar noch keine Unterscheidung getroffen, aber man hat Licht ins Dunkel der Entscheidungsfindung gebracht. Die eigentliche Unterscheidung bzw. Entscheidung ist dann natürlich immer binär. Wegen der Form der Sprache und so, per definitionem also, weil aus der Sprache kommt die Kommunikation nicht so leicht raus: man ist schwanger oder nicht schwanger bzw. man ist mit Kopf oder Kopflos, dazwischen gibt es nicht viel.

“Eigentlich müsste man hier noch den Entropie-Begriff einführen, um diesen Sachverhalt genauer zu diskutieren.”

=>Ups, von der Mathematik direkt zur Physik, ..aber wir sind ja heute alle interdisziplinär, wie mir ja morph schon mitgeteilt hatte. Also diese Entropie ist ja eigentlich die Auflösung von Strukturen und damit von Sinn und damit Wahrheit. Und wie bei der Wahrheit will keiner in die Entropie, weil die Entropie in einem schwarzen loch (die es ja seit neusten wohl doch nicht so geben soll) ist wohl maximal. Und keiner will in so etwas hineingeraten.
Spass beiseite, Entropie ist immer auf Systemgrenzen bezogen, d.h. absolute Unordung nicht definierbar. Zudem ist Entropie selbst nicht messbar d.h. in Analogie zu Entscheidungen nicht brauchbar.

“Nur soviel. Man kann natürlich die Komplexität (nicht das gleiche wie Entropie, aber proportional) reduzieren, z.B. indem man Ordnungsstrukturen einführt (Entropieverringerung). ”

=>Yep, nennt man das dann nicht Negentropie? Nur leider ist die Situation ja so, dass diese Entscheidung, welche Ordnungsstruktur eingeführt wird, keiner der Beteiligten mehr treffen kann. Die einen reden vom Dienstgeheimnis, die anderen vom Schutz der Regierung, die anderen von der Fürsorge für “kranke” Menschen, die anderen vom Schutz der Privatsphäre, die anderen von Parteidisziplin..etc. Welche Ordnungsstruktur ist nun primär? An dieser Frage ist ja schon unserer Ex-Innenminister gescheitert.
Das ist ja gerade das Problem, dass die Komplexität so komplex ist, dass man sie mit weiteren Unterscheidungen (vulgo: Ordnung) nicht mehr einfangen kann. D.h. man muss die Kommunikation beenden, d.h. vernichten.

“Da erkennt man dann auch, dass der Oppermann nicht gehen muss oder musste, wie Goodwill, der Versteher, ja falsch prognostizierte.”

=>junger Mann, ich habe hier einen gewissen Ruf, beginnend bei der Öl-Blase bis hin zu dem Herrn von und zu Guttenberg….und der lautet in etwa:

“There aint nothin’ over till it’s over.”
Rocky (Rocky Balboa)

Niemand 101 Februar 24, 2014 um 23:04

BB
Die Sprache der Mathematik beweist, dass Sinn nur Glaube ist.
Das erkennen der Null hat das Bewusstsein verursacht- +1 wir werden in die Welt addiert, -1 der Tod subtrahiert uns.
Die Null ist ein leerer Raum, den wir mit Glauben füllen und weil wir es nicht anders kennen, füllen wir den leeren Raum der Null mit +1 und -1. Aus Angst vor der Sinnlosigkeit der Null produzieren wir immer ein +1 mehr als eine -1 und denken es ist Sinn.
Das Leben selbst die Ursache der Mathematik und gleichzeitig die effizienteste Methode es zu beschreiben.

Morph Februar 25, 2014 um 00:13

@goodnight

“..aber wir sind ja heute alle interdisziplinär, wie mir ja morph schon mitgeteilt hatte”

Da tust Du dem armen @BB aber sehr Unrecht, seine bestimmt ganz gründlichen Wissenschaftskenntnisse mit mir in Verbindung zu bringen.

Aber schau mal hier:

“Mir scheint, dass in der heutigen Situation die wirklich faszinierenden intellektuellen Herausforderungen fast immer interdisziplinär sind” (Niklas Luhmann im Gespräch mit Andreas Geyer. Eine Sendung des Bayerischen Rundfunks, 1994. “Eine Welt aus Systemen”, MP3-CD, Auditorium-Netzwerk, 2009).

keiner Februar 25, 2014 um 08:49

“Warum sollte er das noch verschweigen? Es nützte ihm sogar.”

Kleiner Scheeerz, oder? Dann noch eine Pressekonferenz und er endet in der Badewanne, Bo Riwaaasch! oder so ähnlich, sagt der ….leise zum Abschied.

f.luebberding f.luebberding Februar 25, 2014 um 09:22

Nur falls es noch niemand mitbekommen haben sollte. Zur BKA-Debatte seit gestern Nachmittag.

Balken Februar 25, 2014 um 09:26

@ keiner

Ja. Und insofern hat womöglich Lübberding dann doch wieder recht, mit seinem ” … morgen schon vergessen”. Denn: Das zu vermutende, das fast schon offensichtliche – sei es sogar schon in aller Munde – wird selbst dann noch nicht zur Wahrheit. Der Morph’sche Grund: Organisationsmacht. Was die “Wahrheit” ist, wird von dem bestimmt, der die Macht dazu hat. Deshalb “weiß” man, was die Wahrheit war, meist erst hinterher. Die “Wahrheit” setzt sich durch gemäß der Geschichtsschreibung der Sieger. Wer das ist, weiß man in der Gegenwart jeweils noch nicht nicht so genau. Wer “klug” ist, laviert deshalb. Man möchte, als Journalist, als Politiker sowieso, nicht nichts gesagt haben, aber auch nichts genaues, um dann, je nachdem, wie “et kütt”, auf der “richtigen” Seite zu landen. Nur zornige alte Männer, mit und ohne Adelsprädikat im Nick, deren Äußerungen irrelevant sind, und, wie sie hoffen, für sie persönlich ohne Konsequenzen, können als Heckenschützen aus dem Hinterhalt des anonymen (?) Internets herumätzen. Davon lebt ja auch so’n Blog hier ;-)

Balken Februar 25, 2014 um 09:46

Hm, dass der BKA-Chef soviel Rührung für die überforderte Behörde und soviel beleidigte Respekterheischung in seiner “Entgegnung” bemüht, klingt stark nach Ausflucht. Nichts, jedenfalls nicht inhaltlich, was dazu verhilft, dass die Sache “morgen vergessen” ist. Durchaus allerdings im Sinne eines grollenden Machtworts. Schluss jetzt, wer quatscht, bon voyage nach Beau Rivage, oder so. Die Argumentation klingt bemüht, warum soviel andere Arbeit zunächst dran war, warum seit 2011 vorliegendes Material in seiner Erzählung zu einer “neuen” Liste wird, um die man sich erst ab Juni 2012 habe kümmern können (was, selbst wenn das so wäre, schon eine Weile her ist). In der Tat, verwirrende Wendungen. Da dreht und wendet sich einer.
Aber egal, wie schon meine Oma sagte: Laß dir’ne Ausrede einfallen, sonst gibt’s was hinter die Löffel.
Kommt noch soweit, dass Edathy schneller als das BKA wusste, dass das BKA etwas gegen ihn ausbrütet … :-P

gelegentlich Februar 25, 2014 um 09:47

@Balken

Danke für die Anregung! Irrelevanz als Bedingung von Freiheit? Tja, kann man wohl so sehen.
„… und, wie sie hoffen, für sie persönlich ohne Konsequenzen,…“ – stimmt, ohne Thrill, man weiß ja nie, macht es gleich weniger Spaß.

Den Punkt hatte ich schon einmal in einem anderen Thread angesprochen:
http://www.file-upload.net/download-8568097/egon.flaig.sklaverei.stirbt.nicht.von.selbst.tp.zip.html
Kann doch sein dass auch die Inhaber der Macht nur Sklaven sind. Der schlechthinnig erfolglose Sklave bei diesem Thema wäre dann Herr Fritsche. Nein, ich wette nicht dass der geht.

BB Februar 25, 2014 um 09:53

@Goodnight

“=>Ups, von der Mathematik direkt zur Physik”

Der Begriff “Entropie” ist reine Mathematik. Man könnte auch sagen, eine spezielle Ausprägung der “Wahrscheinlichkeitsrechnung”. Er wurde am Beispiel der Thermodynamik entwickelt, ist aber selbst kein, ….. äh …. mir fehlt da jetzt irgendwie der richtige Begriff …. kein “physikalisch Seiendes” (ich werd hier noch zum Wissenschaftsontologen) sondern beschreibt verschiedene Arten des Seins im….. ähhhh …. “So-Seins”. (Bei Leuten, die sich damit wirklich auskennen, habe ich mich jetzt wahrscheinlich schrecklich blamiert. Aber hier kennt sich ja keiner aus. Hier geht’s nur um’s Eindruck schinden :-) )

“….. Die Wahrscheinlichkeit für eine Entscheidung gegen Oppermann beträgt dann 1/6 oder so. Damit ist zwar noch keine Unterscheidung getroffen, aber man hat Licht ins Dunkel der Entscheidungsfindung gebracht. Die eigentliche Unterscheidung bzw. Entscheidung ist dann natürlich immer binär. Wegen der Form der Sprache und so, per definitionem also, weil aus der Sprache kommt die Kommunikation nicht so leicht raus ….. Die einen reden vom Dienstgeheimnis, die anderen vom Schutz der Regierung, die anderen von der Fürsorge für “kranke” Menschen, die anderen vom Schutz der Privatsphäre, die anderen von Parteidisziplin..etc. Welche Ordnungsstruktur ist nun primär? ….”

Die Mathematik ist eine Universalsprache und wie du hier ansatzweise erkennbar machst, hätte man sie sogar benutzen können, um Voraussagen für einen Abgang von Opperman zu machen.

Die Mathematik ist das beste Beispiel für “gelungene Kommunikation”, denn sie ist ein fast perfektes Bezugssystem im Gegensatz zur Alltagssprache.

….. Entropie ist immer auf Systemgrenzen bezogen, d.h. absolute Unordung nicht definierbar. Zudem ist Entropie selbst nicht messbar d.h. in Analogie zu Entscheidungen nicht brauchbar. …..

“in Analogie zu Entscheidungen nicht brauchbar?” Im Gegenteil! Man kann mit Entropie “Handlungsspielräume” (vor einer konkreten Entscheidung) sehr gut beschreiben.

Entropie ist zwar immer auf Systemgrenzen bezogen (richtig), es gibt aber einen Austausch zwischen diesen Systemgrenzen. Wie gesagt, verringert man die Entropie im System durch Erhöhung der Ordnung, vergrößert sie sich außerhalb des Systems und umgekehrt.

Da hätte jetzt eigentlich deine Kritik ansetzen müssen, denn außerhalb des Systems nimmt die Komplexität bei jedem Versuch, die innere Ordnung zu erhöhen (zwecks Komplexitätsreduktion im System selbst) zu.

“Die eigentliche Unterscheidung bzw. Entscheidung ist dann natürlich immer binär. “

Nach der Entscheidung (oder während, was das gleiche ist) hat man binäre Verhältnisse? Das ist Quatsch! Nach der Entscheidung oder die Entscheidung ist nach der Entscheidung. Da hat man höchstens noch unäre Verhältnisse.

…Die einen reden vom Dienstgeheimnis, die anderen vom Schutz der Regierung, die anderen von der Fürsorge für “kranke” Menschen,…

Dafür sind Ordnungsstrukturen da, damit nicht alle durcheinanderreden. Selbstverständlich kann man Ordnungsstrukturen verändern, dabei sollte man sich über die Entropiewirkung bewusst sein.

Das nennt man dann aber nicht “Kommunikation” sondern “Problemlösen” .

Und genau da trennt sich die Spreu vom Weizen, die Humanisten von den Postmodernen.

….=>junger Mann, ich habe hier einen gewissen Ruf, ….

Das ist mein einziges Problem, dass man mir im Restaurant immer noch den Kinderteller anbietet :-)

Balken Februar 25, 2014 um 09:57

Ach übrigens, da hat’s ja auch hübsche Leserkommentare unter dem von Lübberding verlinkten Artikel!

The Real Slim Shady Februar 25, 2014 um 11:30

>Meine These ist bekanntlich, dass alle Akteure, ob nun Politik oder Justiz, gerade nicht mehr aus ihrer eigenen Funktionslogik heraus handeln. Sie vielmehr mögliche Reaktionen der öffentlichen Meinung antizipieren und das ihre Handlungslogik bestimmt.

Ich sehe darin keinen Widerspruch und keine Abkehr von Altbekanntem. Natürlich waren die Erwartungen des Publikums schon immer Teil der Erwartungen der Akteure, die derart resultierenden Erwartungserwartungen somit wesentlicher Bestandteil der diversen “Funktionslogiken” (was immer man darunter genau verstehen mag). Ein bekannter Bielefelder Soziologie schrieb ja mal zu Lebzeiten, dass das bewusste Sich-Hinüber-Hinwegsetzen über Erwartungserwartungen sein bestimmendes Moment für “Freiheit” sei. Insofern kann man also auch das genaue Gegenteil konstatieren, von Herrn Edathy, über Friedrich, das BKA, diverse Staatsanwälte, Herrn Oppermann, Herrn Gabriel usw usw usw, die sich gewissermaßen alle die Freiheit genommen haben, die Erwartungen des Publikums bewusst zu enttäuschen, Funktionslogiken hin oder her. Ein rechter Spass war das vielleicht für den einen oder anderen, wer weiß, aber jetzt müssen sie halt alle den Preis für ihre Freiheit bezahlen, einer nach dem anderen und jeder für sich. C’est la vie…

> Sie hörte sich allerdings schon damals etwas seltsam an. Der Name Edathy ist schließlich nicht so weit verbreitet.

Was hat die Verbreitung damit zu tun? Gibt es den Namen “Lübberding” sehr häufig oder weniger häufig? Wenn also jetzt auf einer Liste mit 400irgendwas Namen, in Spalte 1 oder 2 nach “Müller”, “Maier” und “Schulze” der Name “Lübberding” steht, denkt sich dann der die Liste durchforstende Beamte: a) “Jö schau, der Lübberding!” oder b) “Who the fuck is Lübberding?” oder c) er denkt sich überhaupt nichts, weil der Name “Lübberding” für ihn von exakt der selben kontextualen Bedeutung ist wie “Müller”, “Maier”, “Schulze”, nämlich womöglich gar keiner. Muss nicht jeder wissen, dass Herr Lübberding wiesaussieht ein bloggender FAZ-Schreiber ist, genauso wenig wie jemand wissen muss, dass Herr Edathy nicht nur ein Herz für Kinder sondern auch für die Bundespolitik hat.

Morph Februar 25, 2014 um 11:45

@BB

“Man kann mit Entropie “Handlungsspielräume” (vor einer konkreten Entscheidung) sehr gut beschreiben.”

Bullshit (ist’n wissenschaftlich mittlerweile eingeführter Begriff). Allenfalls lassen sich Verhaltensspielräume quantitativ beschreiben. Handlungen haben eine qualitative Komponente, die sich nicht messtechnisch valide operationalisieren lässt. Das liegt daran, dass Handlungserfoilge und -misserfolge interpretationsbedürftig und reinterpretierbar sind.

Fürs ‘gründliche’ Mathelernen vielleicht verzichtbar, aber fürs Mathematikstudium sollte man sich doch auch einen Begriff von den Beschreibungsgrenzen der mathematischen Formalsprache gemacht haben, denke ich.

“Hier geht’s nur um’s Eindruck schinden”

Und sei es nur vor dem eigenen Spiegel des privaten Bildschirms, nicht wahr?

“Und genau da trennt sich die Spreu vom Weizen, die Humanisten von den Postmodernen.”

Ich hab’s Dir schonmal gesagt, Du bist sehr viel näher an den Postmodernen, als Du glaubst. Die sind mit exakt Deiner Attitüde ausgezogen, die Gegenwart zu beschreiben. Mittlerweile hat sich das überlebt bzw. in die Spezialdiskurse der Minderheitenpolitiken ausdifferenziert. Aber Du lebst halt noch in den 1980ern, vor den ‘Science Wars’ der 1990er und ihren Folgen.

“Das ist mein einziges Problem, dass man mir im Restaurant immer noch den Kinderteller anbietet”

Es ist der Seniorenteller. ;-)

f.luebberding f.luebberding Februar 25, 2014 um 12:02

TRSS

Der Unterschied zu früher besteht schon in der Bedeutung der Online-Kommunikation. Man hat jetzt weniger Möglichkeiten, Reaktionen zu berechnen. Früher reichte die Kommunikation mit Journalisten, die nicht nur mehr Zeit hatten, sondern sich an definierten Regeln hielten. Das ist heute anders. Was die Reaktion des die Liste bearbeitenden Beamten betrifft: Die Annahme der BKA-Kritiker besteht darin, dass sie den Namen Edathy gekannt haben müssten und entsprechend mit dem Wissen umgegangen sind. Die Vermutung besteht darin, dass seine Funktion im NSU-Untersuchungsausschuss jedem Beamten so bewusst gewesen sein muss, dass er den Namen Edathy automatisch mit seiner politischen Funktion konnotierte. Nun ist der NSU Untersuchungsausschuss im Jahr 2012 eingerichtet worden, während die kanadische Liste schon 2011 das BKA erreichte. Edathy wurde aber erst mit dieser Funktion einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Jenseits dessen hat das BKA wie jede Behörde die Aktenlage nach Dringlichkeit sortiert. Zuerst die Kategorie 2 Fälle, danach die, die sich im Grenzbereich befinden. Insofern wäre es eher naheliegend nicht nach Namen, sondern nach der möglichen Strafbarkeit zu sortieren.

Dass Edathy dem BKA als politisches Problem bewusst gewesen ist, lässt sich aber nur beweisen, wenn es darüber irgendwelche Vermerke oder Zeugenaussagen geben sollte. Wie will man sonst wissen, was jemand gewusst hat? Das BKA hat jetzt aber als Reaktion nur zwei Möglichkeiten zu reagieren: Es muss in Zukunft solche Listen auf die politische Relevanz der dort zu findenden Namen hin kontrollieren. Also das Gegenteil von dem tun, was alle bisher erwartet haben. Denn in dem Moment muss es sein Wissen wieder operativ verarbeiten. Es kann ja nicht einfach ignorieren. Oder es stockt den Personalbestand für kürzere Bearbeitungszeiten auf. Dann wird aber das nächste Nadelöhr die Staatsanwaltschaft sein.

Carlos Manoso Februar 25, 2014 um 12:35

@ f.luebberding Februar 25, 2014 um 12:02
„Der Unterschied zu früher besteht schon in der Bedeutung der Online-Kommunikation. … Was die Reaktion des die Liste bearbeitenden Beamten betrifft: Die Annahme der BKA-Kritiker besteht darin, dass sie den Namen Edathy gekannt haben müssten und entsprechend mit dem Wissen umgegangen sind. Die Vermutung besteht darin, dass seine Funktion im NSU-Untersuchungsausschuss jedem Beamten so bewusst gewesen sein muss, dass er den Namen Edathy automatisch mit seiner politischen Funktion konnotierte. Nun ist der NSU Untersuchungsausschuss im Jahr 2012 eingerichtet worden, während die kanadische Liste schon 2011 das BKA erreichte. Edathy wurde aber erst mit dieser Funktion einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. „

Luebberding, bitte stell dich nicht so KÜNSTLICH DUMM. Das tut ja schon extrem weh!

Beispiel: Wenn du wissen willst, wie viele „Lübberdings“ es in Deutschland gibt, bekommt jeder Internetuser die Antwort in Nanosekunden: In Deutschland gibt es 36 Telefonbucheinträge zum Namen Lübberding und damit ca. 96 Personen mit diesem Namen. (die Datenbank funktioniert übrigens derzeit mit allen Nachnamen, mit Ausnahme von „Edarty“)
http://www.verwandt.de/karten/relativ/l%25C3%25BCbberding.html

„Das BKA hat jetzt aber als Reaktion nur zwei Möglichkeiten zu reagieren: Es muss in Zukunft solche Listen auf die politische Relevanz der dort zu findenden Namen hin kontrollieren.“

Wie schon gesagt: KÜNSTLICH DUMM gestellt !

Goodnight Februar 25, 2014 um 12:56

@morph

“Bullshit (ist’n wissenschaftlich mittlerweile eingeführter Begriff). Allenfalls lassen sich Verhaltensspielräume quantitativ beschreiben. Handlungen haben eine qualitative Komponente, die sich nicht messtechnisch valide operationalisieren lässt. Das liegt daran, dass Handlungserfoilge und -misserfolge interpretationsbedürftig und reinterpretierbar sind.”

Auch Bull (das ist übrigens die moderne amerikanische “short version” für Bullshit…yep, haben wir was gelernt ;-) ). Denn Handlungen können sehr wohl anhand ihrer Erfolge- bzw. Misserfolge messtechnisch valide operationalisiert werden:
Kopf dran oder Kopf ab sind zwei wesentlich unterschiedliche Zustände, und zwar ohne Interpretationsspielraum.

Frank: You do well in school?
Young: Yeah
Frank : Good. So did I. They call that a paradox.
(departed)

Carlos Manoso Februar 25, 2014 um 12:57

@Morph Februar 25, 2014 um 11:45
„Ich hab’s Dir schonmal gesagt, Du bist sehr viel näher an den Postmodernen, als Du glaubst. Die sind mit exakt Deiner Attitüde ausgezogen, die Gegenwart zu beschreiben. Mittlerweile hat sich das überlebt bzw. in die Spezialdiskurse der Minderheitenpolitiken ausdifferenziert. Aber Du lebst halt noch in den 1980ern, vor den ‘Science Wars’ der 1990er und ihren Folgen.“

Morph, in „Spezialdiskursen“ wird z.B. niemand niemals bewusst werden, dass die Eurozone im Kern eine Kriegszone von „1%“ gegen „99%“ ist.

Die „Vertreter des freien Marktes“ haben kapiert, dass man keinen freien Markt haben kann, ohne die völlige totalitäre Kontrolle auszuüben. Das Ziel der totalitären Kontrolle ist es, sicherzustellen, dass es keine Alternative gibt. Idelogisch handelt es sich bei diesen „Figuren“um Totalitäre.

Beispiel das akademische Curriculum der Ökonomie: Wirtschaftsgeschichte (die Geschichte der Theorien von Zinsen, Preis und Wert) existiert amputiert nur noch in der totalitären Welt von „Spezialdiskursen“.

BB Februar 25, 2014 um 13:31

Ich lass das mal jetzt so stehen, will ja nicht immer das letzte Wort haben und außerdem soll man es nicht übertreiben mit diesen formalen Betrachtungen.

Und Morph!

“…Du bist sehr viel näher an den Postmodernen, als Du glaubst…”

Natürlich bin ich nahe dran, aber nicht an der Postmoderne, sondern an der Systemtheorie. Nur komme ich von der seriösen Seite her, den Naturwissenschaften. Da kennt man dann sehr genau die Möglichkeiten und Grenzen der Modellbildung.

The Real Slim Shady Februar 25, 2014 um 13:32

>Auch Bull (das ist übrigens die moderne amerikanische “short version” für Bullshit…yep, haben wir was gelernt ;-) )

Und um das eben Gelernte gleich noch mit einem Sahnehäubchen zu versehen: der “bull” oder “bull shit” als sprachliches Kondensat von “bull session”, einem (laut Oxford dictionary) “informellen Gespräch unter Männern” zeichnet sich dadurch aus, dass “die Diskussion zwar intensiv und durchaus bedeutungsvoll sein mag, in gewisser Hinsicht jedoch nicht ganz “echt” ist. (Harry G. Frankfurt in “Bullshit”, deutsch von Michael Bischoff, Suhrkamp Verlag). “In einer bull session erproben Teilnehmer oft diverse Gedanken und Einstellungen, weil sie wissen möchten, wie es ist, solche Dinge zu sagen und weil sie herausfinden möchten, wie andere darauf reagieren, ohne dass sie annehmen müssen, auf das, was sie sagen, festgelegt zu werden…. Hauptzweck des Unternehmens ist es, ein Höchstmaß an Offenheit und ein experimentelles oder ungeschütztes Reden über die diskutierten Themen zu ermöglichen. Deshalb billigt man den Teilnehmern in diesem Rahmen das Recht auf eine gewisse Verantwortungslosigkeit zu, damit sie frei heraus sagen, was ihnen in den Sinn kommt, ohne allzusehr befürchten zu müssen, beim Wort genommen zu werden.” (ebenda)

Oder anders gesagt: Blogs und Internetforen, gerade dort, wo sie sich besonders ernst nehmen, sind geradezu Brutstätten des Bullshits bzw institutionalisierte Formen desselbigen. In diesem Sinne sollten wir also allesamt akzeptieren, dass wir bullshitten wie die lieben anderen auch, oder uns unseren Wittgenstein zu Herzen nehmen und für immer schweigen.

Morph Februar 25, 2014 um 13:42

@TRSS

Völlig d’accord. Dennoch: Bullshit ist auch in Bullsessions eine Kampfvokabel, kein common ground, sonst wäre es mit der Funktion der ‘Probe’ ja schnell vorbei und alle würden zu jedem Scheiß sagen: Ja, ja, KANN man so sehen, hier im virtuellen Nirgendwo. Dann wäre man eher im Schlafsaal der Dementen als auf der Wiese der Bekloppten.

Morph Februar 25, 2014 um 13:48

@goodnight

“Kopf dran oder Kopf ab sind zwei wesentlich unterschiedliche Zustände, und zwar ohne Interpretationsspielraum.” Kopf dran/Kopf ist zunächst einmal nichts als eine Unterscheidung. Wenn tatsächlich ein Kopf abgehackt wird und abgehackt ist, dann ist das Umwelt und hat nichts mit Entscheidung im kommunikativen Sinn zu tun.

Und die Entscheidung, jemanden z.B. aus einer Organisation auszuschließen (durch Rntlassung z.B.) lässt sich natürlich nicht messen. Wie sich überhaupt Formen nicht messen lassen. Denn es handelt sich um ein kognitives (psychisches und/oder kommunikatives) Abstraktum.

http://www.fen.ch/texte/gast_luhmann_informationsgesellschaft.htm

Morph Februar 25, 2014 um 14:02

@BB

“Natürlich bin ich nahe dran, aber nicht an der Postmoderne, sondern an der Systemtheorie.”

Den Eindruck habe ich nicht…

“Nur komme ich von der seriösen Seite her, den Naturwissenschaften. Da kennt man dann sehr genau die Möglichkeiten und Grenzen der Modellbildung.”

Du hast offenkundig keine Ahnung von der Wissenschaftsgeschichte der Systemtheorie und der Kybernetik. Und was die Seriosität der Naturwissenschaft und ihres Bewusstseins für ihre Kompetenzgrenzen angeht, bist Du offenbar auch ein ausgewiesener Ignorant. Ich sage nur: Lobotomie.

Aber das ist typisch für Wissenschaftsgläubige: Da werden Metaphern des Harten, des Verlässlichen, der uneitlen Objektivität bemüht, und gleichzeitig qillt aus jeder Zeile die ignorante Selbstgerechtigkeit.

Goodnight Februar 25, 2014 um 14:29

@morph

“Wenn tatsächlich ein Kopf abgehackt wird und abgehackt ist, dann ist das Umwelt und hat nichts mit Entscheidung im kommunikativen Sinn zu tun.”

Yours is the worst kind of worthless, foolish, deceitful bullshit the world has ever seen….denn, Entitäten sind real. Niemand, auch nicht Luhmann bezweifelt die Existenz einer “realen Welt”. Die Frage ist nur, ob wir zu dieser Zugang haben…mit unserer Kommunikation.
Whatever, jede Entscheidung operiert entlang von Regeln, Stukturen, Codes. D.h. die Entscheidung wird letztendlich nicht von Personen, sondern von System getroffen. Für Merkel stellte sich nur die Frage ob sie den Ex-Innenminister entlässt oder ob sie ihn nicht entlässt, d.h. das System hat alle vorherigen Entscheidungen schon vorweggenommen und sie vor diese einzige Alternative gestellt. Und den einzigen Entscheidungsspielraum der Ihr blieb war ein temporärer: Wäre Friedrichs später ein Fehlverhalten nachgewiesen worden, so hätte das System automatisch für Entlassung entschieden. So konnte die Kanzlerin diese Entscheidung des System nur vorwegnehmen.
Whatever, damit kann man die Entscheidung anhand der von ihr präferierten Seite einer Unterscheidung messen. Es ging hier um Zeit, d.h. davor/danach. Und Merkel hat sich für davor entschieden.
Ebenso ging es um Inklusion/Exklusion und es wurde für Exklusion entschieden. Und bei Kopf ab geht es immer um Kopf dran/Kopf ab Entscheidungen. und da man Zeit messen kann, Entlassungen schriftlich fixiert werden und damit messbar sind und abgetrennte Köpfe gezählt werden können ist all das messbar.

Police: Who the f.ck are you?
Dignam: I’m the guy who does his job. You must be the other guy.
(departed)

f.luebberding f.luebberding Februar 25, 2014 um 14:46

Goodnight

Die Frage ist, ob das System überhaupt weiß, ob es ein Fehlverhalten gegeben hat oder nicht. Weil Regeln verschwimmen, Strukturen dysfunktional werden und Codes nicht mehr verstanden. Deshalb ist eine Bullshit-Debatte sinnvoll – und wird die Diskussion spannend.

egal Februar 25, 2014 um 14:51

Goodnights Archaismus, rollende Köpfe beendeten Kommunikation, wird doch gerade durch die beiden letzten Bundesinnenministerrücktritte falsifiziert.

Der Innenminister vor Friedrich, der zurücktrat, war Seiters nach Bad Kleinen.

Zunächst schien es nicht so, als sei in Bad Kleinen wirklich Skandalöses passiert. Grams und Hogefeld waren bewaffnet. Die RAF hatte schon vorher Polizisten erschossen. Die Festnahme konnte daher schiefgehen.
Gerüchte über eine Exekution wären vage geblieben.
Dann trat der Bundesinnenminister zurück. An den “Verschwörungstheorien” schien was dran zu sein. Das Thema verschwand nicht, Journalisten recherchierten und förderten allerlei Unappetitlichkeiten über den Verfassungsschutz zu Tage. Wäre der Innenminister nicht zurückgetreten, wäre Bad Kleinen vielleicht nur im linken Millieu Skandal geblieben.

Was ist denn im Fall E. passiert?

Ein Mittelbänkler kauft KiPo. Politische Relevanz: nahe null.
Die Politik ist informiert, möglicherwiese wurde Dienstgeheimnisse verraten. Politische Relevanz: mäßig. Schon viel größere Skandale wurden ausgesessen.
Erst der Rücktritt von Friedrich hat dafür gesorgt, dass das Thema nicht verschwand.

Es ist außerdem absurd, dass es jetzt Medienhysterie gibt, weil Akteure ihr Handeln auch an den zu erwartenden medialen Auswirkung auszurichten versuchen. Die Hysterieschleife ist doch vorprogrammiert, weil ein transparenter Normstaat hier nur durch Ausschluss der Medien erreicht werden könnte. Monitor hatte vorgestern über eine Dienstanweisung berichtet, nach der das BMI vom BKA von Fällen zu unterrichten hat, in der eine nachteilige Medienaufmerksamkeit für das BMI drohen könnte.
http://www.wdr.de/tv/monitor/sendungen/2014/0220/edathy.php5
Anders als die vagen Verdächdigungen, von denen man jetzt lesen kann, ist diese Dienstanweisung ist ein konkreter und nachgewiesener Missstand. Bezeichnenderweise hatte der Monitorbericht kaum medialen impact.

Goodnight Februar 25, 2014 um 14:57

@TRSS

Wenn man all den Größenwahnsinn hinter sich gelassen hat und endlich akzeptiert, dass sich unsere Welt, die Kommunikation, bewegt und dabei verändert, man folglich keine Naturgesetze finden kann, dann, ja dann muss man bullshitten. Um das alles ertragen zu können.

…oder man entwickelt eine Theorie, die die andere Seite von Struktur und Form beschreibt: Was ist Fortschritt, was ist Wachstum, was ist Entropie? Und warum?

Aber aus dem Geschäft sind wir wohl raus…

Laurie: Is that what you are? The most powerful thing in the universe and you’re just a puppet following a script?
Doctor: We’re all puppets, Laurie. I’m just a puppet who can see the strings.
(watchmen)

Balken Februar 25, 2014 um 15:04

@ real slim usw. ; Lübberding

Sagte ich ja schon mal, die dümmste Ausrede ist die wahrscheinlichste! (Soll heißen: Nicht die inhaltlich wahrscheinlichste, sondern es ist am wahrscheinlichsten, dass sie gewählt wird.)
Macht aber nichts, denn: eine Ausrede ist eine Ausrede ist eine Asurede, frei nach Rilke. Man stellt etwas (dämliches) in den Raum, am besten mit grollendem vorwurfsvoll-beleidigtem Unterton, wie der BKA Chef, fordert am besten, gleich wie er, eine Entschuldigung. Das ist ja nun wirklich nicht aufregend, haben schon Kindergartenkinder so drauf.
Wirkt aber immer! Denn: Der Ball ist erstmal weggepfeffert. Soll doch die Gegenseite sich wieder damit abmühen, die Argumente zu dekonstruieren – wenn sie sich noch traut! Denn ich habe ja immerhin schon meinen großen Knüppel gezeigt! Ich fordere Genugtuung! Eine Entschuldigung der – ähh – Zeitung ist das mindeste!
Also sind wir lieber stille und glauben alles, gelle? Kann doch sein, dass irgendein BKA-Beamter eine Liste durchsehen musste, einer, der als rechter Staatsdiener im BKA womöglich alle Formel-1-Sieger herunterbeten kann, auch alle Oskarpreisträger/innen weiß, und was man gerade im Dschungelcamp frisst, aber von einem Edathy vor und während eines NSU-Untersuchungsausschusses nie was mitbekommen hat.
Es kann überhaupt sein, dass es so gelaufen ist: Kanadische Dienste schicken eine oder mehrere Listen durch die Welt, das machen die halt so, unaufgefordert, und dann macht sich ein mißgelaunter überarbeiteter Dschungelcampkenner vom BKA drüber her, wenn er mal Zeit hat …
Es kann überhaupt gar nicht sein, dass vorab jeder kanadischen Ermittlung irgendein Fraktions- oder sonstwie Bundestagsmitglied von den dienstcomputer-notorischen Vorlieben des Edathy etwas gewusst hat …

f.luebberding f.luebberding Februar 25, 2014 um 15:11

egal

Der Bericht von Monitor hatte deshalb keine große Resonanz, weil er nur bestätigte, was alle hätten wissen können. Dass das BKA dem BMI unterstellt ist. Der Verzicht auf eine derartige Regelung bedeutet nichts anderes als die politische Verantwortung des BMI zu beseitigen – und die Bürokratie sich selbst zu überlassen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das jemand ernsthaft fordert.

Morph Februar 25, 2014 um 15:12

@goodnight

“Für Merkel stellte sich nur die Frage ob sie den Ex-Innenminister entlässt oder ob sie ihn nicht entlässt, d.h. das System hat alle vorherigen Entscheidungen schon vorweggenommen und sie vor diese einzige Alternative gestellt. Und den einzigen Entscheidungsspielraum der Ihr blieb war ein temporärer”

Yep, schöne Story. Meine Story würde eher so gehen: Die Regierungschefin beobachtet, dass ein zwingender Grund für die Demissionierung des Landwirtschaftsministers vorliegt und teilt dies, da das nun einmal zur Pflicht des Amtes gehört, dem Landwirtschaftsminister mit, der daraufhin, sich in den systemisch geltenden Comment einfügend, seinen Rücktritt erklärt.

Die beteiligten Personen, die nun einmal zufällig Frau Merkel und Herr Friedrich heißen, fanden vermutlich BEIDE diesen Lauf der Dinge ‘ungerecht’.

So dass man sagen kann, dass sich die soziale Systemlogik gegenüber der persönlichen Psychologik durchgesetzt hat.

“da man Zeit messen kann, Entlassungen schriftlich fixiert werden und damit messbar sind und abgetrennte Köpfe gezählt werden können ist all das messbar.”

Wie gesagt, es war formaliter keine Entlassung, sondern ein Rücktritt, den Friedrich THEORETISCH auch hätte verweigern können. Wir haben es also bei der sozialen Veränderung Friedrich im Amt -> Friedrich aus dem Amt mit einer Sequenz von Kommunikationen zu tun, die KEINE messbare Entität ist.

Aber gut, ich habe offenbar einen anderen Begriff von Messung. Bei Messungen geht es nach meinem Verständnis um die epistemologisch objektive Feststellung von Tatsachen. Die soziale Tatsache, dass Friedrich sein Amt aufgibt, wird in der Entlassungsurkunde lediglich dokumentiert und als soziale Realität gesetzt.

Kommunikativ handelt es sich bei einem solchen Dokument um einen schriftlich fixierten deklarativen Sprechakt: Hiermit gilt xy nicht mehr als Landwirtschaftsminister! Deklarative Sprechakte können prinzipiell (und sei es unter ganz unrealistisch hohem Aufwand) zurückgenommen werden. Eine messbares physische Tatsache kann nicht revoziert werden. Das ist ein mindestens theoretisch entscheidender Unterschied.

f.luebberding f.luebberding Februar 25, 2014 um 15:17

Dass die politische Verantwortung ein Störelement ist, ist jetzt natürlich auch schon anderen aufgefallen. Manche Dinge kommen wie auf Bestellung.

Goodnight Februar 25, 2014 um 15:21

@Lübberding

Yep, die Konflikte der Zukunft sind die zwischen Funktionssysteme (nicht zwischen Kulturen!). Und genau dies wird gerade offensichtlich.
Zugleich eröffnet sich gerade eine alternative Welt, die alles verändert:
Das Internet.
Nicht zuletzt dem Herrscher der Türkei fliegt das jetzt um die Ohren:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/tuerkei-youtube-video-bringt-erdogan-in-bedraengnis-a-955484.html

wie zuvor Herrn Edathy und all den anderen.

Der Kumpel von TRSS schreibt gerade seine interessante Sicht der Dinge:

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/cyborg-facebook-google-auf-wiedersehen-erde-12815873.html

Whatever, der Mensch wird sich entweder anpassen müssen oder die Zeit anhalten. Die moderne Welt ist keine Welt der Strukturen sondern der Veränderungen. Und keiner ist darauf vorbereitet.
Und es ist jetzt schon ersichtlich, dass ganz, ganz viele da nicht mehr mit mitwollen, in diese Welt. Die Welt wird sich aufteilen in die, die sich in der Moderne verlieren (weil es dort kein “Individuum” und kein “Ich” und keine “Person” existiert) und die, die sich im stone age wieder finden, als Person, als Mensch, als Ich…bis einer vorbei kommt und all das per Enthauptung beendet (siehe Syrien, Mexico, Nord Korea…bis hin zu den massiven rechtsradikalen Tendenzen in Europa) .

Naja, vielleicht ist doch alles wie Ende des 19. Jhd. Vielleicht laufen wir in die selbe Situation. Auch wir rufen wie Nietzsche nach dem Übermensch, der die moderne Welt ertragen kann.

Whatever, genug Bull. Muss jetzt wieder Entscheidungen treffen.

“Ich lehre euch den Übermenschen. Der Mensch ist etwas, das überwunden werden soll.”
Nietzsche

Morph Februar 25, 2014 um 15:25

@goodnight

das ist doch, imho jedenfalls, der Witz an dem ganzen Luhmann: dass er damit Ernst macht, dass Kommunikation nicht aus Faktizitäten besteht, sondern aus Geltungen; und Luhmann dann nicht den faulen Trick der empirischen Sozialforschung anbietet, na, dann messen wir halt ‘faktische’ Geltungen; sondern Geltung radikal versteht: als andere Seite der Faktizität, die nicht in einer hegelianischen Identität der Identität mit der Differenz wieder eingeschmolzen wird, sondern als Geltung in Differenz zur Faktizität beobachtet wird. Daher ist der Leitspruch Luhmanns eben nicht, wie die diversen antiluhmannisch gesinnten Nullchecker, die vermutlich nicht einen Text von Luhmann gelesen haben, kolportieren: Es ist wie es ist, sondern: “Es könnte auch alles ganz anders sein!”

The Real Slim Shady Februar 25, 2014 um 15:25

>Yours is the worst kind of worthless, foolish, deceitful bullshit the world has ever seen….

Ach Gott, Freunde… wie habe ich euch vermisst?!

The Real Slim Shady Februar 25, 2014 um 15:29

>Aber aus dem Geschäft sind wir wohl raus…

Kriegst ja auch kaum was für bezahlt, lohnt sich also gar nich…

Goodnight Februar 25, 2014 um 15:39

@TRSS

Dito.

@morph

Gottchen, auch ind er von Luhmann konstruierten Welt gibt es “Faktizitäten”: die nennen sich Codes, Leitdifferenzen, Systeme.
Wenn Du Unrechts begehst wird das Rechtssystem dich verurteilen wenn Du nicht Wahrheit sprichst wird Dich das Wissenschaftssystem exkludieren, etc.
Auch er trifft in seiner Theorie Unterscheidungen und er ist sich dessen bewusst, der autopoisis seiner eigenen Kommunikation:
draw a distinction….und dann kann nicht alles ganz anders sein, denn Luhmann hat keine Theorie für “kann alles ganz anders sein” weil keine solche Theorie existiert, weil unsere Sprache eine solche Theorie garnicht zulässt, oder unser Verstand oder die Kommunikation, weil die oder es immer nur binär operiert.

“If at first you don’t succeed… try, try again.”
Jerome (Quotes)

Goodnight Februar 25, 2014 um 15:43

@TRSS

Naja, zum Thema Geld:
Ist Dir bewusst, dass Manager die Position ist, die in den letzten Jahrzehnten die geringsten Lohnzuwächse verzeichnet hat. Facharbeiter liegen deutlich höher. Yep, wir sind auf nem sinkenden Schiff, wir Yuppie BWL-Deppen der 80er.

“My name is Jordan Belfort. The year I turned 26, I made 49 million dollars, which really pissed me off because it was three shy of a million a week.”
Jordan (the woll of the wallstreet)

Morph Februar 25, 2014 um 15:44

@TRSS

“Kriegst ja auch kaum was für bezahlt, lohnt sich also gar nich…”

Stimmt. Auch so ‘ne Geltungsfrage…

Baslken Februar 25, 2014 um 15:53

Na was sehe ich gerade hier – ja der ist natürlich der begnadetere Satiriker http://www.egon-w-kreutzer.de/index.html

Morph Februar 25, 2014 um 15:57

@goodnight

“Gottchen, auch ind er von Luhmann konstruierten Welt gibt es “Faktizitäten”: die nennen sich Codes, Leitdifferenzen, Systeme.”

Nein, das stimmt einfach nicht. Hab hier grad nicht die SoSy zur Hand, ums explizit am Text belegen zu können. – Tatsachen sind beobachterunabhängig. Codes, Leitdifferenten, Systeme sind beobachterabhängige Entitäten. Und das gilt auch für beobachtende Systeme (Psychen und soziale Gebilde).

The Real Slim Shady Februar 25, 2014 um 15:58

@TRSS

>Ist Dir bewusst, dass Manager die Position ist, die in den letzten Jahrzehnten die geringsten Lohnzuwächse verzeichnet hat.

Ist mir voll bewusst, habe ich am eigenen Leib bitter zu spüren bekommen. Musste bereits einen meiner 3 Porsches verkaufen und kann die Jacht nur noch jährlich warten lassen – das wurmt ungemein.

>Facharbeiter liegen deutlich höher.

Yep, versuche gerade auf Elektrotechniker umzusatteln, ein Beruf auf den die Chicks angeblich total abfahren…

>My name is Jordan Belfort

Für mich jetzt schon das Movie des Jahres. Obwohl DiCaprio natürlich wieder keinen Oscar kriegen wird, dafür aber der andere da, der dicke Donnie, der seine Kusine heiratet.

Morph Februar 25, 2014 um 15:59

genau deshalb spielen Tatsachen ja in der sozialen Welt keine unmittelbare Rolle. Erst als beobachtete Informationen können Tatsachen einen sozialen Stellenwert bekommen. Und Informationen lassen sich fingieren.

Balken Februar 25, 2014 um 16:09

Ach schade, hübscher Hinweis auf den hier http://www.egon-w-kreutzer.de/index.html ist im (Sperr?)off verschwunden. Der ist allerdings der begnadetere Satiriker, da kann ich nicht mithalten.

Bogus Februar 25, 2014 um 17:13

Carlos Manoso Februar 25, 2014 um 12:35

“die Datenbank funktioniert übrigens derzeit mit allen Nachnamen, mit Ausnahme von „Edarty“”

Probiers mal mit Edathy. Kannste sogar Blumengrüße schicken.

BKA Februar 25, 2014 um 17:33

@Bogus Februar 25, 2014 um 17:13
„Carlos Manoso Februar 25, 2014 um 12:35
“die Datenbank funktioniert übrigens derzeit mit allen Nachnamen, mit Ausnahme von „Edarty“”
Probiers mal mit Edathy. Kannste sogar Blumengrüße schicken.“

Bogus, wir probieren es mit „Edarty“ seit mindestens 3 Jahren,
danke für den Tip. Für solche Tipx liebt das BKA euch alle.

Stephan Februar 25, 2014 um 17:37

>Ist Dir bewusst, dass Manager die Position ist, die in den letzten Jahrzehnten die geringsten Lohnzuwächse verzeichnet hat.

Gute Nachricht. BWLer sind sowieso überbezahlt und im normalen Unternehmens-Alltag völlig überflüssig. ;)

Bogus Februar 25, 2014 um 18:13

BKA

Schon wieder vertipxt! So wird das nüscht mit der Rasterfahndung!

The Real Slim Shady Februar 25, 2014 um 18:24

>BWLer sind sowieso überbezahlt und im normalen Unternehmens-Alltag völlig überflüssig

Stimmt. Funktionale Differenzierung wohin das Auge reicht, inklusive neuer Berufsbilder und Zertifizierung immer weitgehenderer Spezialisierung in Sub-, Subsub- und Subsubsub-Disziplinen. Während man mir Depp noch an der Uni eingetrichtert hatte, dass in den Unternehmen die “Generalisten” die Kings seien, muss ich heute mit meinen 2 Rechnungswesen “Speziellen BWLs” zusehen, dass ich bei Jobinterviews gegen die certified “C.A.s”, “ACCAs” oder “CFAs” überhaupt noch einen Stich mache. Konsequenterweise gibt’s an meiner Uni auch gar keinen Studiengang “BWL” mehr, sondern nur noch ” Master in Accounting”, “Master in Marketing”, usw usw

chabis Februar 25, 2014 um 18:44

Kommentar des (Vor) Tages
“Im Strafrecht hat man es überwiegend mit Menschen zu tun, die keinen Respekt vor dem Gesetz haben. Und die Angeklagten sind kaum besser.”
http://blog.beck.de/2014/02/24/mit-dem-titel-die-scharfmacher-erhebt-der-spiegel-in-dieser-woche-eine-klage-gegen-deutschlands-staatsanw-lte#comment-56837

Goodnight Februar 25, 2014 um 18:49

@Morph

Yep, beobachterabhängig. Aber sind die Beobachter unabhängig?
Luhmanns theorie ist ja eine “Theorie”, und d.h.:
Ganz viele Strukturen und “Wenn- dann” Aussagen.
Wofür bräuchte man die, wenn alle Beobachter machen könnten was sie wollen? Nope, die Beobachter können nur beobachten, was Ihnen die Funktionssysteme vorgeben. Im Rechtssystem beobachtet der Beobachter entlang der Differenz Recht/unrecht…alles andere beobachtet er nicht. und wenn ja, dann ist er außerhalb des Rechtssystems.
Yep, jetzt sagst Du: Autopoiesis! Aber ich sage: Die Theorie lässt sich auf sich selbst beziehen, aber auch die Theorie Luhmanns kommt nicht aus seine Zwängen heraus, Unterscheidungen vorzunehmen, d.h. sie zu setzen, und damit Regeln und Gesetzmäßigkeiten zu bestimmen. Lässt sich Luhmann ausführlich in Soziale System drüber aus. (Schon an Anfang)

@TRSS

Yep, noch lachst Du das fette CFO Lachen…aber warte ab, in einigen Jahren, dann schlägt die Spezialisierung voll durch…und dann zahlst Du Deinen Experten mehr als Dir selbst.
Die Manager sind die neuen Sekretärinnen. Die braucht keiner mehr.

“One minute you’re on top of the world, the next minute some secretary’s running you over with a lawn mower.”
Joan (mad men)

Bogus Februar 25, 2014 um 19:04

“Die Manager sind die neuen Sekretärinnen. Die braucht keiner mehr.”

Nachtwächter und Weissnix können dann ja zum BKA gehen.

Goodnight Februar 25, 2014 um 19:20

@TRSS

“Während man mir Depp noch an der Uni eingetrichtert hatte, dass in den Unternehmen die “Generalisten” die Kings seien…”

Yep, früher war das so: Da hat man studiert, dann 10 Jahre gebuckelt und mit Anfang 40 war man Chef, hatte ein Büro größer als seine Wohnung, eine S-Klasse als Dienstfahrzeug und Sex mit Sekretärinnen … und konnte den Rest des Tages Mitarbeiter beschimpfen. Das war die Motivation im Studium.
Und jetzt: Sekretärinnen gibts nicht mehr, Mitarbeiter beschimpfen geht auch nicht mehr (AGG), Dienstwagen schrumpfen seltsamerweise von Jahr zu Jahr und das Büro ist jetzt ganz nah bei den Menschen…d.h. nen Schreibtisch hinter Glas im Großraumbüro.

Und die eigentliche Tätigkeit? Man kümmert sich um die Bedürfnisse der Mitarbeiter: Urlaub, Krankheit, Karriere, Ruhestand, Teilzeit, Mobbing, Gehaltserhöhungen, neue aufregende Aufgaben, Mitarbeitermotivation, Events, das ganze AGG-Gedöns, Work Life Balance, Dienstreisen, Fortbildung, Schulungen, Einstellungen, Kündigungen, Unfälle, ….. d.h. man labbert den ganzen Tag und zwischendurch liest man hunderte von E-mail (bzw. nur die Überschriften) und unterschreibt hunderte Formulare und Briefe, die man nicht liest. Mit BWL hat man gar nix mehr zu tun. Eigentlich ist man Psycho-terror-peut…und zwar 70 Std. die Woche mit 24/7 Rufbereitschaft.
Ergo: Was ist Chef noch wert, ohne Status, Sex und Macht?

Nur was kann man als BWLer sonst noch werden, außer Chef?

“Let me tell you something. There’s no nobility in poverty.”
Jordan (the wolf of the wallstreet)

Linus Februar 25, 2014 um 19:32

@Goodnight:
“Gottchen, auch ind er von Luhmann konstruierten Welt gibt es “Faktizitäten”: die nennen sich Codes, Leitdifferenzen, Systeme.
Wenn Du Unrechts begehst wird das Rechtssystem dich verurteilen wenn Du nicht Wahrheit sprichst wird Dich das Wissenschaftssystem exkludieren, etc.”

Ich kenne Luhmann nicht. Aber die Benennung, Postulierung, Festlegung, Setzung , Differenzierung o.ä. solcher Codes, Leitdifferenzen, Systeme scheint mir extrem gefährlich und angreifbar. Das muss theoretisch äusserst gut begründet werden, sondern bleibt es Bauernfängerei. Merke: Der “Konstruktivismus” beginnt im Nichts.

@all: Sehr schön, dass die alten Socken sich mal wieder einfinden.

Bogus Februar 25, 2014 um 19:49

…wieder einfinden…

Ja, gell? Kaum hat Hans die Hütte verlassen…

wowy Februar 25, 2014 um 20:18
Morph Februar 25, 2014 um 20:51

@goodnight
“Man, wie habe ich das vermisst!”
@TRSS
“Ach Gott, Freunde… wie habe ich euch vermisst?!”
@Linus
“Sehr schön, dass die alten Socken sich mal wieder einfinden.”
@Bogus
“Ja, gell? Kaum hat Hans die Hütte verlassen…”

Eine der eindrücklichsten Erfahrungen der letzten Jahre war für mich die Kanthakendynamik eines sozialen Systems, die man so vermutlich nur im Netz machen kann. Ich gehöre ja auch zu denen, die sich hier mehrfach mit viel Pathos verabschiedet haben (und dann wiedergekommen sind). Die Netzkommuniokation ist erstaunlich pur in ihren Effekten und abstrahiert von allen Interferenzen kontingenter Wahrnehmbarkeiten und anderweitig etablierter Sozialstatus. So ein Kommunikationszusammenhang hat einen krassen Reproduktionssinn, dem wir uns sehr explizit entziehen müssen, um uns ihm zu entziehen. Schon die Migration des ‘heimatlos’ gewordenen Kommentariats hin zu Hans’ blog, als weissgarnix den Laden zumachte, ist ein Wahnsinnsmaterial, kommunikationsanalytisch. Und nb, wir kennen uns nicht, wollen uns im real life nicht kennen und finden uns auch hier in nicht wenigen Fällen wechselseitig ziemlich bescheuert. – Jetzt, nachdem Hans seinen Ausstieg verkündet hat, schlagen hier auf einmal wieder so zwei bloglegendäre Monsterkapazitäten der Kommunikationsattraktion auf. Schon ein Ding! Da sage noch einer, die kommunikative Autopoiesis sei nicht real (sie ist aber keine physikalisch vermessbare bzw. erklärbare Faktizität, @goodnight).

Morph Februar 25, 2014 um 21:11

@goodnight

“Luhmanns theorie ist ja eine “Theorie”, und d.h.:
Ganz viele Strukturen und “Wenn- dann” Aussagen.”

Luhmann formuliert, würde ich sagen, kein einziges Gesetz des Sozialen. Seine ‘Theorie’ ist eigentlich nur eine m.E. ziemlich genial strukturierte Beschreibung der modernen Gesellschaft.

“Wofür bräuchte man die, wenn alle Beobachter machen könnten was sie wollen?”

Können sie doch. Hat @TRSS oben ganz gut auf den Punkt gebracht. Du kannst machen, was Du willst, aber Du musst die Folgen tragen.

“Nope, die Beobachter können nur beobachten, was Ihnen die Funktionssysteme vorgeben”

Interpretieren, benennen, bezeichnen, thematisieren, das ja. Aber wir können auch WAHRNEHMEN! Das lässt sich zwar sprachlich nicht kommunizieren. Aber dafür haben wir die Kunst. Und deshalb ist die Kunst die wichtigste gesellschaftliche Funktion, in Zeiten des laufenden Schwachsinns.

“Wolf of Wall Street” ist ein weiteres Scorsese-Meisterwerk, nicht mehr und nicht weniger.Die Lamborghini-Szene. Das ist schon radikal gut. Auch historisch interessant, wenn man in der Figur des Jordan Belfort so einen Gordon Gekko 2.0 sieht.

Wobei mein Favorit in diesem Jahr “American Hustle” ist. Der Formuliert eine ziemlich abgefahrene, sehr komishe und, ich glaube, schlicht wahre Theorie des Betrugs. (Und schauspielerisch ist der sehr viel dichter als WoWS, finde ich…)

Keynesianer Februar 25, 2014 um 21:21

Vermutlich wollte kein Jurist mit Hintergrundwissen zur Geheimdienstarbeit den NSU-Untersuchungsausschuss übernehmen.

Man brauchte jemand, der keine Ahnung hat von OK und der Arbeit der Dienste und Polizeien. Den konnte man dann in den Massenmedien als großen Aufklärer und Kritiker der Dienste und Polizeien dem Publikum verkaufen:

„Ich bin ziemlich sicher: Hätte irgendein führender Polizeiermittler selber einen türkischen Hintergrund gehabt, hätten die Behörden bei der Ermittlung der Morde nicht sechs Jahre gebraucht, um das erste Mal einigermaßen ernsthaft die Möglichkeit ins Auge zu fassen, es könnte sich um Rassismus handeln“, sagte Edathy.

Also alles Quatsch. Vermutlich kam jemand auf die Idee, den Vorsitzenden des Untersuchungsausschusses später vor dem Publikum wieder ganz gewaltig zu demontieren. Edathy war genau der Mann für den Job im NSU-Ausschuss.

Er hätte sich ja selber fragen müssen, warum die für so einen heißen Job keinen Juristen mit Spezialgebiet Dienste nehmen, sondern einen pädophilen Soziologen. ;)

http://www.youtube.com/watch?v=TucHVw0NVR8

wowy Februar 25, 2014 um 21:36

@Morph
“American Hustle” ist in der Tat ein guter Film.

Morph Februar 25, 2014 um 21:59

@wowy, alter Rechtsfuchser! Das hätt’ ich nun nicht gedacht!

wowy Februar 25, 2014 um 22:01
Andreas Kreuz Februar 25, 2014 um 22:09

@wowy Februar 25, 2014 um 20:18

Die Anzahl der Unterzeichner der Petition bestätigt doch:

Mehr als 90% Verblödung in diesem Land – oder?

Goodnight Februar 25, 2014 um 22:19

Yep.

Als Weissgarnix den Stecker zog, zu google+ wechselte und sich in TRSS umwandelte, da wusste ich, dass man sich irgendwann im Netz wieder begegnen wird. Weil Leute wie wir sind getrieben. Von der Suche nach mehr. Und mehr ist nur hier, im Netz. Denn das Netz ist Geist, es ist eigentlich ein globales Gehirn.
An der Uni habe ich mal meinen hedonistischen BWL-Wiss. Mitarbeitern nen Vortrag gehalten, warum das reale Leben an sich völlig langweilig wäre, all das Streben und Kämpfen für 30 Minuten Begattung, und das wirklich aufregende “Leben” zwischen den Ohren konstruiert wird. Die Zivilisation ist zwischen den Ohren. Die Zivilisation ist schon immer virtuell gewesen. Und die einzige Nahrung war damals Bücher und Filme.
Jetzt haben wir das Netz.
Ich habe noch keinen hier anwesenden Personen in der Realität da draußen getroffen. Aber das ist eigentlich völlig egal, denn alles wichtige über Euch kenne ich: Eure Gedanken. Sorry, aber ich interessiere mich nicht für die Trachtengruppe von Herrn Lübberding, die Bastelgruppe von Holger, die Nacht-und Nebel-Aktivitäten von dem Radikalen Ingenieur-Gott aus Berlin oder den fetten Dienstwagen von TRSS. Das ist doch Schöne am Netz, hier können wir alle anders sein, wir müssen keine sozialen Erwartungen erfüllen. Hier kommen Journalisten, Ings, Arbeiter, Hooligans, Wissenschaftler und Manager ebenso wie H4ler und Millionäre zusammen, d.h. die die sich in der Realität aufgrund sozialer Erwartungshaltungen nie miteinander kommunizieren würden, …und tauschen ihre Gedanken aus. Und man stellt fest, dass man sich mehr zu sagen hat als mit “Seinesgleichen”.
Vielleicht, weil wir alle etwas gemeinsam haben: Denken ist uns wichtiger als Trachtengruppe, Basteln, Randale, Fussball, Karriere, Statussymbole etc.

Whatever, ich wollte mich letztens mal bei google bewerben, dachte da gebs vielleicht für BWLer was Interessanteres als nur “Manager” ;-) Habe mir also die Internetseite von denen angeschaut, mit all den dollen Videos und so. Was soll ich sagen: Das waren alles hässliche, fette, kleine, komische Menschen. Sorry, da war kein einziger attraktiver mensch. Und das waren deren Werbevideos. OMG, wie sieht es dann hinter den Kulissen aus! Also rein nach der Normalverteilung müsste da wenigstens ein Mensch mal rumlaufen, den man evolutionär als Gewinner bezeichnen könnte, aber nein, da waren all die, die in der realen Welt der Jugend keine Sonne sahen. Das waren keine Gordon Gekkos, keine Patrick Batemans. Das waren keine Gewinner.
Aber die haben alle wahrscheinlich mehr Geld als ich!
Und in diesem Moment habe ich verstanden: Das ist entweder ne riesige Blase…oder der Beginn einer neue Zeit…und damit dem Ende meiner Wertvorstellungen. Das Ende von Gordon und Patrick.
Ich habe an diesem Tag meine GMT Master zurück in die Schachtel gelegt und mir einen Kaputzenpulli (nennt sich jetzt “hoody”) gekauft. Nun gut ich werde jetzt nicht wie Her Dieckmann rumlaufen, aber ich habe mich dafür entscheiden, dass das keine Blase ist. Das ist das Ende meiner Welt. Und der Beginn einer neuen Welt, in der der Mensch in der Realität nicht mehr von Bedeutung ist. Da kann er dick und hässlich sein, egal, er hat seine Welt, in der das nicht wichtig ist.D.h. der Kern des Netz ist die Auflösung des “Ich”. Und genau das haben wir hier ansatzweise in diesem Blog. Das “Ich” ist nicht wichtig, wichtig sind nur die Gedanken.
(Ps: natürlich hoffe ich für Euch, dass Ihr nicht bei diesen google Werbevideos mitgespielt habt…sorry, ist meine alte Denke, ;-) )

“I have all the characteristics of a human being: blood, flesh, skin, hair; but not a single, clear, identifiable emotion, except for greed and disgust. ”
Patrick (american psycho)

wowy Februar 25, 2014 um 22:22

@Andreas Kreuz
Schön weitertragen und verbreiten!!!
Wir haben bis 11. März Zeit, um die 50.000 zu schaffen. Wenn eine Petition zur “Abschaffung” von Herrn Lanz über 200.000 Zeichner schafft, dann kriegen wir das wohl hin.

huang hualu Februar 25, 2014 um 22:57

@Goodnight

Nett Dich hier mal wieder zu treffen ;-)

Den einen Punkt verstehe ich an Deiner Einlassung nicht, nämlich den in welchem Du Dich auf das Geld beziehst. Ist vielleicht so eine Begrufskrankheit der BWL? Der Punkt ist doch , dass es selten so einfach war wie heute mit wenig Geld auszukommen? Musst ja nicht unbedingt in einem Szene-Viertel wohnen wollen…und überhaupt finde ich, ist es heutzutage einfacher coole Leute zu treffen als es dies zu meiner Jugend war. Ich wollte hier früher immer raus und habe einige Jahre im Ausland gelebt. Inzwischen kann ich mir hier sogar in der U-Bahn gut unterhalten. Manager? Ich habe einige nach Feierabend kennengelernt. Um damit wieder auf den Punkt zu kommen. Hier in unserer Welt geht zwar alles um das Geld, aber den Menschen die davon etwas haben, wissen, dass man damit nichts erwerben kann. Zumindest nicht das, was wir erstreben. SEX, Macht, ja. Aber Freundschaft, Liebe, Gefühle, eher nein, return to sender. Der Blues goes on…….

huang hualu Februar 25, 2014 um 23:02

@comment awaiting moderation

Lieber Lübbi, das nervt. Bittte schalt Deinen NSA Filter ab. Alles was wir hier sagen ist pisse. Dein Filter ist da wie ein verklemmter Reissverschluss, wenn man versoffen und dringlich in einem öffentlichen Klo irgendeiner Disko einem dringenden Bedürfnis nachgehen will und das Ding nicht aufkriegt. Bitte veröffentlichen. Ansonsnten wünsche ich Dir und WGNX, Ham, Nanumibis, Goodnight, Lemming und wir ihr alle heisst weiterhin viel Spass. Ehrlich! Der Blog war früher supper und ich freue mich immer noch, wenn gelegentlich ein bisschen Funke von damals ‘rüberkommt…. :-)

Frankie (formerly known as Bernankie) Februar 25, 2014 um 23:13

@TRSS

“Funktionale Differenzierung wohin das Auge reicht, inklusive neuer Berufsbilder und Zertifizierung immer weitgehenderer Spezialisierung in Sub-, Subsub- und Subsubsub-Disziplinen.”

Ja genau, und es ist zum Kotzen. Denn z.B. bei mir laufen diese Fachidioten alle auf, weil sie nicht mehr in der Lage sind, betriebswirtschaftliche Funktionsketten zu überblicken. Ich kann das ja auch nicht, aber ich bin auch nur einfacher SAP-ler, aber jeder meint, nur weil ich das Tool betreue, betreue ich auch die Wertschöpfungskette…

holger196967 Februar 25, 2014 um 23:21

goodnight

—>>>Ich habe noch keinen hier anwesenden Personen in der Realität da draußen getroffen. Aber das ist eigentlich völlig egal, denn alles wichtige über Euch kenne ich: Eure Gedanken.”

Nope denkst du dir vielleicht. Weil du spielst hier nur den Kommunikationskasperle. Mehr net. Habe ich aber auch Heute 10 Stunden gemacht. Du meinst, also meine Gedanken wirklich zu kennen? Dann sag mir mal, was ich gerade Denke!

—>>> die Bastelgruppe von Holger”

find ich ja toll… das meine Bastelgruppe das an der Uni von Milano auch vorträgt. Und dass das fette Harzer Roller sich gerade damit rühmen will. Das Vattenfall eben mal so 3,5B an Geldern in den Arsch geschoben bekommt, das zu entwickeln, was wir haben.

Sorry vielleicht wäre es echt mal besser, du kommst aus deinem W-Lan Netz raus, und sprichst mal auch REAL mit den Akteuren.

Dazu fehlt dir aber der Kommunikations-Mut Wa?

Großer Meister

holger196967 Februar 25, 2014 um 23:23

Frankie (formerly known as Bernankie) Februar 25, 2014 um 23:13

:D :D :D Great…. thats great

ruby Februar 26, 2014 um 01:03
petervonkloss Februar 26, 2014 um 03:21

W A H R N E H M E N! aísth?sis

@ Morph
Interpretieren, benennen, bezeichnen, thematisieren, das ja. Aber wir können auch WAHRNEHMEN! Das lässt sich zwar sprachlich nicht kommunizieren. Aber dafür haben wir die Kunst. Und deshalb ist die Kunst die wichtigste gesellschaftliche Funktion, in Zeiten des laufenden Schwachsinns.

“Wolf of Wall Street” ist ein weiteres Scorsese-Meisterwerk, nicht mehr und nicht weniger.Die Lamborghini-Szene. Das ist schon radikal gut. Auch historisch interessant, wenn man in der Figur des Jordan Belfort so einen Gordon Gekko 2.0 sieht.

Wobei mein Favorit in diesem Jahr “American Hustle” ist. Der Formuliert eine ziemlich abgefahrene, sehr komishe und, ich glaube, schlicht wahre Theorie des Betrugs. (Und schauspielerisch ist der sehr viel dichter als WoWS, finde ich…)

Wenn man keine Bildung hat, hat man Einbildungen. (in Zeiten des laufenden Schwachsinns), oder war das jetzt
Ironie?

http://books.google.de/books?id=hhadNwJm4yYC&pg=PA48&lpg=PA48&dq=aisthesis+heidegger&source=bl&ots=4AR87NaQvi&sig=xx4NnRHCrZd56UW9pRAj7dGzO4M&hl=de&sa=X&ei=QkcNU4K2LYTDtQasu4DwAg&ved=0CFAQ6AEwBg#v=onepage&q=aisthesis%20heidegger&f=false

petervonkloss Februar 26, 2014 um 03:44

W A H R N E H M E N! aísth?sis

(nochmals und präziser)
@ Morph
….„Interpretieren, benennen, bezeichnen, thematisieren, das ja. Aber wir können auch WAHRNEHMEN! Das lässt sich zwar sprachlich nicht kommunizieren. Aber dafür haben wir die Kunst. Und deshalb ist die Kunst die wichtigste gesellschaftliche Funktion, in Zeiten des laufenden Schwachsinns.

“Wolf of Wall Street” ist ein weiteres Scorsese-Meisterwerk, nicht mehr und nicht weniger.Die Lamborghini-Szene. Das ist schon radikal gut. Auch historisch interessant, wenn man in der Figur des Jordan Belfort so einen Gordon Gekko 2.0 sieht.

Wobei mein Favorit in diesem Jahr “American Hustle” ist. Der Formuliert eine ziemlich abgefahrene, sehr komishe und, ich glaube, schlicht wahre Theorie des Betrugs. (Und schauspielerisch ist der sehr viel dichter als WoWS, finde ich…).“

Wenn man keine Bildung hat, hat man Einbildungen. (in Zeiten des laufenden Schwachsinns), oder war das jetzt
Ironie?

http://books.google.de/books?id=hhadNwJm4yYC&pg=PA48&lpg=PA48&dq=aisthesis+heidegger&source=bl&ots=4AR87NaQvi&sig=xx4NnRHCrZd56UW9pRAj7dGzO4M&hl=de&sa=X&ei=QkcNU4K2LYTDtQasu4DwAg&ved=0CFAQ6AEwBg#v=onepage&q=aisthesis%20heidegger&f=false

petervonkloss Februar 26, 2014 um 04:14

Scorsese: zu pittoresk, zu christlich, zu sozialistisch, zu viel Spiritus, kein Wesen. Kurzum, flamboyant, oberflächlich. Wegen ihm glauben alle was sie sehen: Gleichheit ohne dramaturgische Tiefe, wie die Fresken
einer Kirche.

BB Februar 26, 2014 um 05:35

*kecker, lach*

hier geben sich die üblichen Verdächtigen jetzt aber ganz doll gegenseitig die Credits *kecker, lach*. Vorsicht Schleimspur!

Was mich Kontinenz- ähh Kommunikationstheoretisch (gar nicht) so überrascht ist, wie sehr die Kommunikation hier dem neurotischen Verhalten in einem stinknormalen Unternehmen ähnelt.

Von wegen, hier gibt’s nur den puren Geist zwischen den Ohren hahaha oder Morphs (tut überrascht, “immer wieder”) “Kanthakendynamik” muhahahaha!

Hier gibt’s nur
- die übliche Dominanz der Lauten,
- das klassische Followertum der Nullchecker,
- die penetrante Wortnahme der Rechthaber,
- die schüchterne Zurückhaltung der Stillen und Bescheidenen sowie
- den unterwürfigen Beifall der kleinen Lichter gegenüber den vermeintlichen Anführern,
- selbst der Lübberding als Geschäftsführer ist als als Typ gar nicht so unüblich. Er erzeugt den geringsten Sicherheitsabstand zu allen anderen, weil so lieb und harmlos.

Letzter Punkt ist wahrscheinlich der Erfolgsfaktor dieses Blogs. Dieser These sollten alle Kommunikationstheoretiker mal verschärft nachgehen. Ich verweise als weiteren Beleg auf den Erfolg des ehemaligen Blogs “Basic Thinking”.

Ich muss amüsiert feststellen, dass das Niveau hier aktuell ziemlich gesunken ist. Das sind ja schauderhafte Theorie-KonstrukteKarikaturen, die uns hier Lautstärke- und Mengen-dominant präsentiert aufgenötigt werden.

Lübberding, zensier mich bitte, damit ich hier nicht soviel Zeit verdaddele.

Bogus Februar 26, 2014 um 06:22

“Lübberding, zensier mich bitte, damit ich hier nicht soviel Zeit verdaddele.”

Bringt nüscht, nach ein paar Wochen kommste unter anderem Namen zurück.

Dabei fällt mir Folgendes ein, was ich neulich in der Zeit gelesen habe:

“Unions-Abgeordneten fällt jetzt eine andere Begebenheit jener Jahren ein: Sebastian Edathy votierte mit einer Mehrheit im Innenausschuss für die Verschärfung der Richtlinien für Kinderpornografie. “Diese Chuzpe ist schon erstaunlich”, meint auch der grüne Innenpolitiker Wolfgang Wieland im Rückblick, der damals ebenfalls im Innenausschuss saß. “Wir haben die vier Jahre lang immer wieder über Kinderpornografie und verwandte Themen geredet – Menschenhandel, die Heraufsetzung der Jugendschutzbestimmungen durch die EU, Internetsperren. Und der Vorsitzende Sebastian Edathy thronte die ganze Zeit über alldem, während er sich gleichzeitig munter solche Fotos auf seinen Computer geladen hat. Das ist schon ein unfassliches Doppelleben.””

http://www.zeit.de/2014/09/sebastian-edathy-portraet/seite-2

Nix Doppelleben. Der Wunsch nach Zensur als Variante des uralten “und führe mich nicht in Versuchung.”

Oh Mann, Küchenpsychologie am frühen Morgen, ich sollte das lassen. Lübberding, bitte sperre mich!

Goodnight Februar 26, 2014 um 07:20

@holger

Du bringst immer und immer wieder Deine ganze Persönlichkeit, das ganzes Leben und selbst Deinen Körper (“hau Dir auf die Fresse”) in diese Netzwelt ein. Und genau damit torpedierst Du den eigentlich Sinn dieser Veranstaltung. Nimm Dir mal ein Beispiel am Lübberding, der ist, wie BB schon sagte, so etwas von zurückhaltend , ruhig und sachlich…der perfekte Gastgeber, vielleicht sollte das ZDF mal bei ihm anrufen, bei der Suche nach einem Lanz-Ersatz.
Whatever, da bist Du nicht allein, wir alle haben das Ding noch nicht wirklich verstanden.

“The idea had been growing in my brain for some time”
Travis (taxi driver)

Kecker Februar 26, 2014 um 07:36

@ BB “Ich muss amüsiert feststellen, dass das Niveau hier aktuell ziemlich gesunken ist.”

Erst betrachte Dich selbst im Spiegel, dann rede. (Chinesisches Sprichwort).

* kecker, lach*

f.luebberding f.luebberding Februar 26, 2014 um 07:45

Huang

Mein Filter führt ein Eigenleben. Nach welchen Regeln weiß wirklich nur die NSA … .

f.luebberding f.luebberding Februar 26, 2014 um 07:52

Goodnight

Morgen werde ich mich tatsächlich mit Lanz beschäftigen. Aber ich wäre für das Fernsehen völlig ungeeignet. Meine Quoten wären nämlich nicht viel höher als die dieses Blogs. Und selbst publizistische Unterstützung könnte dann nichts mehr helfen. Nämlich Quotenmessungen seien heute wertlos und ansonsten das Nicht-Messbare inhaltlich irrelevant … .

Bogus Februar 26, 2014 um 08:40

“…weiß wirklich nur die NSA … ”

Soso, dann dient also die Fondsmanagerei des Herrn Eflation nur der Tarnung?

wowy Februar 26, 2014 um 08:52

Na los, zeichnen und verbreiten! Wir brauchen 50.000 Stimmen bis 11.3. TTIP
https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2014/_01/_27/Petition_48994.nc.html

Bogus Februar 26, 2014 um 09:30

Is ja schon gut, hab’s ja gezeichnet.

wowy, unermüdlicher Kämpfer für Recht und Freiheit, weißt du, ob man irgendwo auch gegen den eCall-Kram petitieren kann, der heute verhandelt wird?

http://versicherungswirtschaft-heute.de/politics/eu-parlament-will-ecall-in-neufahrzeugen-ab-2015/

wowy Februar 26, 2014 um 10:14

@Bogus
Danke fürs Zeichnen, aber gut ist erst, wenn die 50.000 voll sind.
#spreadthenews
Gib mal Petition 1458/2013 des Europäischen Parlaments in die Suchmaschine deiner Wahl ein.

The Real Slim Shady Februar 26, 2014 um 17:18

@Goodnight

>Ergo: Was ist Chef noch wert, ohne Status, Sex und Macht?

An dieser Stelle vielleicht erwähnenswerte der zunehmend inflationäre Gebrauch des Titels “Leader” in Stellenbezeichnungen und -beschreibungen. Der “Manager” ist tatsächlich tot, habe den Titel schon seit langem nicht mehr auf Business Cards gesehen, aber tout le monde ist jetzt “leader” von irgendwas: “Payroll accounting leader”, “Lean-Six-Sigma Leader”, “Customer Quality Engineering Leader”, “Cost Reduction Program Leader”, “New Business Development Leader”, “Valuestream-Leader”, und – mein absoluter Favorit – “HR Change Leader”, die neue all-purpose Stellenbezeichnung für Personalfuzzis jeglicher Couleur.

Das ganze natürlich eingebettet in eine multi-matrix Organisation, deren “leaders” gleichberechtigt und simultan nach regionalen, funktionalen, divisionalen oder zeitlich-strukturellen (zB in Projekten) Gesichtspunkten benannt werden. Kein Witz: da bist du also “Global Schlagmichtot-Leader” für die Funktion “irgendwas”, und hast dich vielleicht damit abgefunden, dass es zur funktionalen-globalen Perspektive immer noch einen regionalen oder in-country Fuzzi gab, der halt vor Ort sicherstellte, dass der Laden läuft; aber neuerdings machst du nicht mehr nur mit dem einen Call, nein, du laberst dich dumm und fusselig mit den “global leaders” diverser anderer Funktionen und den Regional- und Country-Heinis, und das beste: alle auf derselben Hierarchiestufe! Und wenn es ganz heikel wird, dann gibt es noch einen global Project Leader für irgendwas, der natürlich ebenfalls mit im Boot sein muss, in der Regel eine arme Sau, die das schlussendlich liefern muss, was die anderen Leaders so auspaldowern, daher wenn er schlau ist schon im Vorfeld an den richtigen Stellen im Call/meeting die Bremsklötze einschiebt.

Aber wie du schon sagtest: vermutlich sind wir nur hoffnungslos old-school…

ruby Februar 26, 2014 um 17:55

@ TRSS

unser LieblingsLoserTitel in den 70ern war der
WALDHEINI…
;-)

ruby Februar 26, 2014 um 18:01

@ TRSS

http://wortschatz.uni-leipzig.de/cgi-bin/wort_www.exe?site=1&Wort=ausbaldowern

daraus :

Das von Angela Merkel, Al Gore und Tony Blair geförderte „Carbon Disclosure Project“ dient den Heuschreckenfonds zum Ausbaldowern ihrer Übernahme- und Plünderungscoups. (Quelle: http://www.solidaritaet.com, 2011-01-24)

Linus Februar 26, 2014 um 18:15
keiner Februar 26, 2014 um 18:15

Wenn die Pozilei wirklich Edathys Lebensversicherung an NSU aus dem Haus getragen hat bei diesem Raid, dann hätte die ganze Geschichte noch mehr an Geschmäkle, als schon bisher…

holger196967 Februar 26, 2014 um 19:07

Goodnight Februar 26, 2014 um 07:20
@holger

Du bringst immer und immer wieder Deine ganze Persönlichkeit, das ganzes Leben und selbst Deinen Körper (“hau Dir auf die Fresse”) in diese Netzwelt ein. Und genau damit torpedierst Du den eigentlich Sinn dieser Veranstaltung. Nimm Dir mal ein Beispiel am Lübberding, der ist, wie BB schon sagte, so etwas von zurückhaltend , ruhig und sachlich…der perfekte Gastgeber,”

Whut? Man sollte nicht immer Alles zu ernst nehmen. Bin ein ganz friedlicher “Genosse”.

Nur kann ich gewissen Sabbeleien nichts abgewinne. Iss so. Wie oft noch durch kauen?

TRSS

—>>> Kein Witz: da bist du also “Global Schlagmichtot-Leader” für die Funktion “irgendwas”, und hast dich vielleicht damit abgefunden, dass es zur funktionalen-globalen Perspektive immer noch einen regionalen oder in-country Fuzzi gab, der halt vor Ort sicherstellte, dass der Laden läuft; ”

AMEN… :D

So iss der ganze Kack Laden. ROFL

Ich saß heute mit “Leadern” zusammen und ja, auf meiner Business Card steht Manager… weg mit der Scheiße… :D I call my self “Dumpfbacke” now…

Einer hatte den Titel “Einspeiser” SEHR gut… :D

Und was haben wir gelacht… :D :D :D Aber nicht über andere, sondern über uns selber.

Goodnight gehe raus… Ist Goodnight auch ein Titel? Frage nur

Goodnight Februar 26, 2014 um 19:29

@TRSS

“Das ganze natürlich eingebettet in eine multi-matrix Organisation, deren “leaders” gleichberechtigt und simultan nach regionalen, funktionalen, divisionalen oder zeitlich-strukturellen (zB in Projekten) Gesichtspunkten benannt werden. ”

Yep, das zum Thema Lean-management. Anstatt Manag..sorry: Leadern wirkliche Entscheidungsmacht zu geben unterteilt man die Entscheidungsprozesse in einzelne funktionale und hierarchische Strukturebenen, denen man dann jeweils einen Verwalter (Leader) zuordnet. Dessen eigentliche Funktion ist dann die Überwachung, Dokumentation und gegebenenfalls Weiterleitung der Entscheidungsprozesse auf der jeweiligen Ebene. Denn die wesentliche Funktion der Organisation ist ja die Entkopplung der (Entscheidungs-)Prozesse von den einzelnen Individuen. Und so läuft innerhalb der Organisation ein Riesen-Schauspiel für die Mitarbeiter, bei dem Ihnen dolle Titel, dolle Event, dolle Incentives und ganz viel Nestwärme geboten wird, während hinter dem Vorhang die Berater daran arbeiten, den Entscheidungsspielraum jedes Einzelnen mehr und mehr zu reduzieren…bis man ihn endlich endgültig outsourcen und entsorgen kann. Und genau das wird mit den Leaders demnächst passieren.

Was eigentlich zu begrüßen ist, denn die eigentliche Tätigkeit ist ja schon lange abgeschafft. Kein Manager/Leder kann heute noch eigenständig irgendetwas managen oder leaden, man schauspielert nur noch Macht, d.h. optimiert seinen Habitus, seine Sprache, seinen Smalltalk etc. Und eigentlich macht man den Blödsinn ja nur noch, weil man noch halbwegs ordentlich Geld bekommt und sonst nix gelernt hat. Yep, eigentlich ist Manager in der heutigen Zeit wie die schlechte Karikatur einer Beamtenlaufbahn…ein langes, unruhiges, unangenehmes Warten auf den Tod.

“Stop going for the easy buck and start producing something with your life. Create, instead of living off the buying and selling of others.”
Carl (wall Street)

Frankie (formerly known as Bernankie) Februar 26, 2014 um 20:37

@TRSS, Goodnight

Die Welt, die ihr hier beschreibt, das sind aber schon eher Unternehmen aus der Finanzsphäre, oder?

wowy Februar 26, 2014 um 21:22

@TRRS
Auf dem Weg zum Paramount Leader ;-)
http://de.wikipedia.org/wiki/Paramount_Leader

Linus Februar 26, 2014 um 21:25

@Frankie:
“Die Welt, die ihr hier beschreibt, das sind aber schon eher Unternehmen aus der Finanzsphäre, oder?”

Hier wäre es interessant zu hören, was Morph so zu berichten hat.

Goodnight Februar 26, 2014 um 21:56

@Frankie

Wieso Finanzspähre….das ist überall so und wird noch schlimmer.
Jetzt kommt der Fachkräftemangel und die Generation Y….Gott schütze uns alle.
Schon im Jahre 2000 sprach ich zu meinen wiss. Hilfsarbeitern:
“Wir sind die verlorene Generation: Wir werden bettelnd vor den Personalchefs knien, um endlich einen Job zu ergattern, uns dann mühsam hochkämpfen und dann, wenn wir uns endlich Manager nennen dürfen und am heiligen Gral der Macht Platz nehmen wollen…dann kommt der demographische Faktor und wir werden plötzlich bettelnd vor der Uni stehen, um neue, junge Mitarbeiter anzuwerben.”

Yep, diese besch.ssene Y-generation mit ihrer Work Life balance, diese 2 Meter großen Riesenbabys, die nur so groß geworden sind, weil Mutti sie nie vor die Tür gelassen hat und immer gefüttert und gehätschelt hat. Diese Einzelkinder, die keine eigenständigen Entscheidungen treffen können, die alles was länger als 5 Minuten dauert toootaaal langweilig finden, die immer bespassst werden müssen, die ne 35h Woche mit 100tsd Anfangsgehalt und nen coolen Dienstwagen (natürlich Hybrid) oben drauf fordern. Die sofort losweinen, AGG rufen und im Netzt nen neuen Job suchen, sobald man mal sie nicht ausdrücklich für jeden kruden Gedanken, der ihr Hirn verlassen hat, lobt. Ja, selbst bei BMW haben die jetzt wegen denen die Änderung der Handynutzung außerhalb der Dienstzeiten neu, d.h. “humaner” geregelt. Dabei verbringen die jede Sekunde auf Watsab, Gesichtsbuch und wie die Dinger alle heißen, selbst im Bewerbungsgespräch düdelt und piep und blinkt deren von Mutti gesponserte Iphones und Galaxys ununterbrochen…egal..
Und die soll ich jetzt jeden Tag betreuen? Sie darum bitten, bei meiner Firma zu arbeiten? Bin ich irre? Soviel kann mir keiner bezahlen, damit ich das nachhole, was deren Eltern, das “wir geben jeden für ne Blähung ne 1″-Schulsystem und das Ende der Wehrpflicht versäumt haben.

“I am Gunnery Sergeant Hartman, your senior drill instructor. From now on you will speak only when spoken to, and the first and last words out of your filthy sewers will be “Sir”. Do you maggots understand that?”
Hartman (full metal jacket)

Andreas Kreuz Februar 26, 2014 um 22:16

@Goodnight Februar 26, 2014 um 21:56

Du sprichst mir aus der Seele.
Aber diese Versager bekommen die Jobs und ich bald Hartz-IV.
Gute Nacht – der letzte macht das Licht aus.
Ach was, das geht vorher von selber aus…

Natalius Februar 26, 2014 um 23:11

Na ja, ich meine zu beobachten, dass der Generationswechsel immer schneller wird. Das rattenhaft-Despektierliche gegenüber der Folgegeneration ist natürlich im Kern stets vorhanden – aber wurde aus meiner Sicht so richtig schlimm mit Gen X, denn denen wurd die neoliberale Revolution (“Ich bin besser”) richtig tief ins Hirn geblasen. Nach Gen Y (den verhassten Riesenbabies hi hi) kommt aber Gen Z. Und nach Gen Z: Nur noch Idigos, Indigogos, Indigogogos, usw: Eben das Gegenprogramm zu Mensch –> Arbeits- und Konsummaschine (wenn der Planet nicht zuvor kollabiert).
Also ich sehe wache und junge Leute, die diesen competitive scheixx ein- für allemal einstampfen.

holger196967 Februar 26, 2014 um 23:57

Goodnight Februar 26, 2014 um 21:56

Yep… Früher war alles besser… selbst das Sperma. Und sogar “Wetten Dass?”

Iss eben so.

geh am besten störben… hat mein Opa auch gemacht. Werden wir wohl alle machen, unabhängig vom Geschlecht.

GN8 goodnight

"ruby" Februar 27, 2014 um 00:52

Paco / Francisco
die Lässigkeit
des Flamenco
zwischen den Meeren
http://www.youtube.com/watch?v=v35YhhzCrYk
gracias

Morph Februar 27, 2014 um 01:22

@Linus

“Hier wäre es interessant zu hören, was Morph so zu berichten hat.”

Worüber genau?

Linus Februar 27, 2014 um 01:35

@Morph:
“Kein Manager/Leader kann heute noch eigenständig irgendetwas managen oder leaden, man schauspielert nur noch Macht, d.h. optimiert seinen Habitus, seine Sprache, seinen Smalltalk etc. Und eigentlich macht man den Blödsinn ja nur noch, weil man noch halbwegs ordentlich Geld bekommt und sonst nix gelernt hat. ”

Mich würde interessieren, ob es an der Uni/im Wissenschaftsbetrieb Ähnliches zu beobachten gibt.
Oder gilt da (immer noch) die Freiheit im Denken?

Bogus Februar 27, 2014 um 06:24

Haha, mein Techniker-Jüngelchen, arbeitsunfähig mit PTBS nach Stromschlag (150VDC), passt wunderbar in Bild.

Aber eigentlich isses traurig…

Frankie (formerly known as Bernankie) Februar 27, 2014 um 08:26

@Goodnight

“Jetzt kommt der Fachkräftemangel und die Generation Y….Gott schütze uns alle.”

Ääh…nicht alle haben da Gottes Schutz nötig, sondern nur die Leader, hähä.
Ich für meinen Teil bin ja SAP-Fuzzi, da ist man eher blue collar worker, eine Art Maschineneinsteller, der das Glück hat, dass die Maschine eher komplex ist, die Expertise dafür gesucht und diese Maschine aber bei 80.000 Unternehmen weltweit eingesetzt wird.
Von so persoanldispositiven Tätigkeiten habe ich mich immer fern gehalten, das war mir von Haus aus zu anstrengend, aus genau den Gründen, die Du schilderst.

So, nunc sufficit quae privatim.

Morph Februar 27, 2014 um 08:51

@Linus

Die aberwitzige Multiplikation von Zuständigkeiten und der soziale Bedeutungsverlust persönlicher Verantwortlichkeit findet in dem Bereich, den ich überblicken kann, nicht auf der Ebene des Stellenplans der Organisation statt, sondern auf der Ebene des Kriteriums für Wissenschaft einerseits und auf der Ebene der Differenzierung in einzelne Fächer andererseits.

Der Wissenschaftsbetrieb stellt sich in den verschiedenen Disziplinen ja sehr unterschiedlich dar, und nach den weltwissenschaftlich geltenden Codes, die sich nach den amerikanischen Verhältnissen richten, wird das, was ich mache, ja nicht als Wissenschaft (science) geführt sondern als Gedöns (humanities). Zwar kosten die Humanities im Vergleich mit den Sciences die Gesellschaft praktisch nichts. Aber da fürs Allgemeinpublikum was nichts kostet auch nichts wert ist, hält man die Humanities für im Grunde verzichtbar.

Die codemäßig vorgegebene ‘Unwissenschaftlichkeit’ der Humanities und deren öffentliche Legitimationsschwierigkeiten haben diesen Bereich in den letzten zwei, drei Jahrezehnten zu einem Debattierfeld aberwitziger Schattenkämpfe um Anerkennung gemacht hat. Man nennt epistemologisch einigermaßen unverbindlich das eigene Tun ‘Studium’ (und die Fächer entsprechend: ‘studies’; cultural studies, gender studies, military studies etc. – ohne jegliche Trennschärfe bzw. Systematizität; es gibt da einen Haufen inhaltliche Doppel- und Dreifachbesetzungen z.B. art history, visual studies, image studies) und versucht sich über sozial minoritäre, unterdrückte, befreiungsbedürftige Gruppen zu stabilisieren (african american studies, inuit studies, queer studies etc.) oder auch über aufmerksamkeitsträchtige Gegenstände (porn studies).

Entsprechend vielfältig sind die Studien- und Qualifikationsangebote, denen sich Studierende heute gegenüber sehen. Wobei sich die Fächer inhaltlich nur marginal unterscheiden. Der Studienmodulmix der verschiedenen Abschlüsse ist halt mittlerweile ziemlich fein abgeschmeckt. Wobei sich die Basisgeschmäcker und der Nährwert seit vierzig Jahren nicht geändert haben.

Die gesellschaftliche Differenzierung geht weiter, so dass wir die Einheit unserer Biographien in den heute geltenden Rollenmustern nicht mehr wiederfinden können. Das ist eben das Ende des bürgerlichen Indivisuums: des Wirtschaftsbürgers (des heroischen Unternehmers), des Bildungsbürgers (der mit den Künsten und Wissenschaften vertraut ist) und auch des Staatsbügers (der sich patriotisch mit der eigenen Nation identifiziert).

Balken Februar 27, 2014 um 09:47

@ Morph
Differenzierung geht weiter? Ja, vielleicht im Sinne der Zerschlagung.
Was bleibt, nach der Differenzierung? Die große Differenziertheit?
Nö, die große Einheitlichkeit: die Arbeitsbiene. Die nichts bestimmtes mehr ist und weiß, die alles und jedes und nichts machen kann. Der stets herumschubsbare Mann ohne Eigenschaften.
Aber irgendwer ist doch noch da, der schubst? Aber hallo!
Individuelle Identity nicht mehr, aber corporate identity, dat isset nu. Die Korporationen sind jetzt die Individuen.
Dat wissen Politiker wie Wissenschaftler wie Manager oder “leader”.
War früher wirklich besser? Das sollte man bezweifeln. Die corporate identities waren vielleicht andere (Ideologien, Staaten, Kirche …) Noch nicht die Shareolder, die heutigen net worth individuals.
Da ist aber auch schon der ganze Unterschied. Frei waren und sind immer nur wenige Persönlichkeiten, die es immer schon verstehen mussten, mit den Wölfen zu heulen, und es dabei schafften, ihre eigene Melodie zu halten.
(Und natürlich die zornigen alten Männer in den Foren mit und ohne Adelsprädikat im Nick, die am hellen Vormittag Zeit haben, auf dem Sofa ihr Laptop anzuschmeißen. Denen fällt’s leicht, originell zu sein, weil sie irrelevant sind ;-) .)

Keynesianer Februar 27, 2014 um 10:19

@TRSS

An dieser Stelle vielleicht erwähnenswerte der zunehmend inflationäre Gebrauch des Titels “Leader” in Stellenbezeichnungen und -beschreibungen.

Irgendwelche maßgeblichen Leute als “Führer” zu bezeichnen, war im deutschen Sprachraum schon vor der Weimarer Republik völlig unüblich und konnte nur aus dem englischen Sprachraum stammen.

Bei uns denkt man da unweigerlich an zweitrangige Jobs wie Fremdenführer, Museumsführer, Hundeführer, Lokomotivführer etc und das Führerhäuschen befindet sich an einem Kran.

Im angloamerikanischen Sprachraum ist der politische “Führer” immer noch eine hochangesehene Person und man bildet sogar gezielt “junge Führer” aus, also “young leader”. :)

Man sollte sich doch endlich mal näher mit der Finanzierung der NSDAP beschäftigen:

Nr. 722
Vermerk des Staatssekretärs Pünder über die Finanzierung der NSDAP, 16. April 1932

Fest steht, daß aller Geldverkehr über Bayerische Vereinsbank München erfolgt, nicht in einem offiziellen Konto, sondern über eine sehr große Anzahl von Einzelkonten mit harmlosen Namen. Möglich, daß infolgedessen der Bankleitung Tatsache kaum bekannt ist. Genauere Feststellungen wohl nur möglich durch Eröffnung von Konten mit laufenden Überweisungen hinüber und herüber zwecks Ermöglichung vertrauterer Aussprachen mit den technischen Angestellten. Verbindungsbank zur Bayerischen Vereinsbank wahrscheinlich Schweizerische Kredit-Anstalt. Fest steht jedenfalls, daß Zürich der internationale Geldumschlagplatz für diese Dinge ist. In den letzten 12 Monaten vom Ausland sicher 40–45 Millionen geflossen.
http://www.bundesarchiv.de/aktenreichskanzlei/1919-1933/1021/bru/bru3p/kap1_1/para2_208.html

Hatten wir das Thema schon mal? ;)

chabis Februar 27, 2014 um 12:00
Goodnight Februar 27, 2014 um 12:17

@morph

Man könnte letztlich hinterfragen ob akademische Bildung grundsätzlich notwendig ist, für was auch immer. Der Fortschritt der Moderne in den Jahren 1700 bis 1970 verlief letztlich ohne großen Akademikeranteil. Die Bildungsexpansion der 60er Jahre erscheint mehr und mehr wie eine Blase, wenn man allein die hohe Akademikerarbeitslosigkeit in den nicht berufsnahen Disziplinen betrachtet. (wobei die, die von denen eine Tätigkeit finden, in der Regel fern vom Inhalt ihres Studiums tätig sind)
Gegenwärtig zersplittert sich die Akademikerwelt funktional und organisatorisch, d.h. keiner kann mehr sinnvolle Curricula angeben, alles löst sich auf in einzelne Kurse die mehr und mehr übers Netz dargeboten werden. Zurück bleibt Medizin und naturwissenschaftliche Forschung.
Vielleicht werden die Jahre 1965 – 2020 die einzigen Jahre sein, in der so etwas wie eine Massenuni existierte.
Ein sozialpolitisches Experiment…und wir waren dabei …leider ist die Zeit darüber hinweggegangen.

Alicia: How big is the universe?
Nash: Infinite.
Alicia: How do you know?
Nash: I know because all the data indicates it’s infinite.
Alicia: But it hasn’t been proven yet.
Nash: No.
Alicia: You haven’t seen it.
Nash: No.
Alicia: How do you know for sure?
Nash: I don’t, I just believe it.
(a beautiful mind)

Morph Februar 27, 2014 um 13:53

@goodnight

ja, sehe ich auch so. Wobei ich das nicht schlimm finde. Die Universität ist ja schon immer eine ambivalente Institution gewesen, so ähnlich wie die Klinik. Es gibt keinen anderen Ort in der Gesellschaft wie die Klinik, an dem derart systematisch und sophisticated an der Gesundheit der Leute gearbeitet wird. Gibt aber auch keinen Ort, wo soviel kranke Leute herumlaufen. Und es gibt tödliche Krankenhauskeime, die man sich praktisch nur dort einfangen kann.

Die Uni ist ganz analog der Ort der Erkenntnisarbeit, an dem paradoxerweise überdurchschnittlich viele Bekloppte herumlaufen. Und eine bestimmte Art des Beklopptentums gibt es tatsächlich nur in der Uni. Leute, die sich ohne jede Ironie für ‘weltweit führende’ Experten auf ihrem Gebiet halten, weil noch niemand außer ihnen (und ihren studentischen Hilfskräften, die sie mit falschen Karriereaussichten hörig machen) auf die Schnapsidee gekommen ist, ihr possierliches Klitzekleinthema irgendwie für erforschungsbedürftig zu halten, und sie tatsächlich schon mal auf einer ‘internationalen’ Tagung in Klagenfurt einen französischen Kollegen getroffen haben, der das ganz extraordinaire gefunden hat.

Ich könnte mir vorstellen, dass sich das mit den Massive Open Online Courses in den nächsten Jahren ziemlich rasant entwickeln wird und dass insgesamt der Abschlussort wichtiger werden wird als die Art des Abschlussdiploms.

gelegentlich Februar 27, 2014 um 15:29

@Morph
Wobei diese kauzigen Individuen kein besonders geglücktes Beispiel für Bekloppte an Unis darstellen. Der moderne Typus ist eher eine Figur wie der von Dir neulich vorgestellte Gerhard Roth, mit eigener Anschlussfirma. Solche Leute schließen das mit öffentlichen Mitteln Erarbeitete für einen Appel und ein Ei für private Dritte weg, reden aufdringlichen Zeitgeistquatsch, gerne auch in Denglisch, sind lautstark, penetrant, im Einheitsstil geschult unterhaltsam (witzisch) und müssen in Deutschland ziemlich unverständlih bramarbassieren, damit sie hohes Ansehen einfahren können. Ein Bastard aus Akademiker und BMW-Verkäufer.
Auch nach der Uni können die sich „weiterentwickeln“. Hier mal ein Beispiel:
http://www.drstrunz.de/vita.html
Der macht Frohmedizin. Hat wohl die gleichen Unternehmensberatur aufgesucht wie Jürgen Klopp.

Morph Februar 27, 2014 um 17:47

@gelegentlich

“Der moderne Typus ist eher eine Figur wie der von Dir neulich vorgestellte Gerhard Roth”

Nein, der ist ziemlich untypisch.

ruby Februar 27, 2014 um 17:59

@ hh

Werter, zur Rede des Bundeskanzlers Frau Merkel wird Deine Analyse (fast) verzweifelt gesucht!
Bitte, melde Dich.
Danke , ja ?

ruby Februar 27, 2014 um 18:05

Stellt Mensch sich vor einmal in den Häusern Britanniens London zu reden – was für ein Lebenstraum …
Was würdes du alles vortragen ?
Jedes Wort ein Rubin !

ruby Februar 27, 2014 um 18:32
Balken Februar 28, 2014 um 09:20

Keine überraschenden Wendungen mehr im Fall Edathy? Hat Lübberding insoweit wiesaussieht Recht behalten: Morgen wird das Ding vergessen sein.
Ich erlaubte mir, zu ergänzen: Sicher, nach dem grollenden Drohgebärden des BKA-Chefs! Jetzt weiss jeder Journalist Bescheid. Von der Einlassung der BLÖD bleibt übrig: Siehste mal, die trauen sich was. Wat haben wir doch für eine freie und mutige Presse. Und die BLÖD ganz vorn mit dabei. Musste lesen.
Und jetzt alle wieder auf LOS. Das Duo der beiden Deppen vom sogenannten oder auch NSU hat alle Verbrechen seit Erschaffung der Welt, na gut, wenigstens aber seit der Hinrichtung Rohwedders, begangen. Die Brigade rosse aka Propaganda Due waren ein Fliegendreck dagegen.
Schade, dass die beiden uns das alles nicht ehr selbst erzählen können …

keiner Februar 28, 2014 um 18:13

Doch! Einen hamwa noch, passend zur Faschingszeit, damit es ‘GANZ SICHER an Aschermittwoch vergessen ist, END-GEILES Timing der Abteilung Nebelkerzen und Vermischtes:

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bka-spitzenbeamter-befand-sich-auf-edathy-liste-a-956362.html

chabis Februar 28, 2014 um 23:43
petervonkloss März 1, 2014 um 02:45

Morph Februar 27, 2014 um 13:53
„Die Uni ist ganz analog der Ort der Erkenntnisarbeit, an dem paradoxerweise überdurchschnittlich viele Bekloppte herumlaufen. Und eine bestimmte Art des Beklopptentums gibt es tatsächlich nur in der Uni.“

Der Größte der Bekloppten ist natürlich der Soziologe Ulrich Beck. Er ist auch noch Prof. sicherlich deswegen geworden, weil man damals die Gesinnung bevorzugte. Ansonsten besteht seine intellektuelle Reputation auch heute
ausschließlich aus Gesinnung.

petervonkloss März 1, 2014 um 02:57

@ Morph
…..Außerdem mag ich es nicht, mit dieser Art religiösen Idioten (U. Beck) verglichen zu werden.

hoffmann März 2, 2014 um 01:48

schande fuer deutschland.edathy,soll fuer versagen deutscher politik, zahlen.
rassismus, in deutschland, wie unter goebbels.
macht, aber, nichts. merkel, wir sicher arbeitsplaetze.
revolution in spanien 2011, ohne kommentar. notstandsgesetze, aber nicht fuer ukraine.spd verraet ukraine.kinderfxxxx,in deutschland, geschuetz.
katholiken ,keine aufklaerung, erwuenscht.
nsu und deutschedienste, eine einheit

hoffmann März 2, 2014 um 01:59

in deutschland vergessen, sexbomber fliegen richtung, nahost.
finanzminster, verdient mit.
fluege fuer kinderficker, wo wahr der aufschrei

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