Verlogenheit auf allen Seiten

by f.luebberding on 26. April 2014

Gestern Abend sind OSZE-Beobachter in der Ostukraine von den dortigen Separatisten entführt und festgesetzt worden. Sie nennen diese Beobachter “Spione” und “Kriegsgefangene”. Die OSZE führt bekanntlich eine Mission durch, um allen Konfiktparteien ein objektives Bild über die Entwicklung in der Ukraine zu vermitteln – und die Akteure vor Ort zu disziplinieren. Die OSZE-Beobachter haben zwar kein Mandat, aktiv in den Konflikt einzugreifen, aber niemand soll damit rechnen dürfen, unbeobachtet illegitime Handlungen durchzuführen. Darin liegt die disziplinierende Wirkung solcher Missionen. Nun wurde in den Medien der Eindruck erzeugt, bei den festgenommenen Beobachtern habe es sich um Mitglieder dieser besagten Ukraine-Mission gehandelt. Entsprechend groß war die Empörung gewesen. Die Entführung galt als Beleg für die Doppelzüngigkeit der russischen Politik. In Wien beschließt Russland erst die Entsendung dieser Mission und in der Ostukraine werden deren Mitglieder von ihren Gefolgsleuten entführt. Tatsächlich zeigt sich hier nur eins: Die zunehmende Verlogenheit aller in dem Konflikt verstrickten Akteure.

In der Tagesschau gibt es eine korrekte Darstellung des Sachverhalts. Diese festgesetzten Beobachter haben nämlich nichts mit der spezifischen OSZE-Mission zu tun. Sie agieren nur im Rahmen eines OSZE-Vertrages zur Vertrauensbildung in Europa.

“Bei den festgehaltenen OSZE-Beobachtern handelt es sich um ein sogenanntes “Military Verification Team”. Es ist nicht offiziell von der OSZE entsandt, aber offenbar auf Einladung der Regierung in Kiew im Land. Laut OSZE ist ihr Aufenthalt durch das “Wiener Dokument 2011 der Verhandlungen über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen” gedeckt. Diese Übereinkunft wurde von allen 57 OSZE-Staaten akzeptiert. Zentraler Bestandteil ist ein Austausch von Informationen über ihre Streitkräfte und Hauptwaffensysteme. Diese dürfen durch Inspektionen überprüft werden. Eine solche wird nun in Slawjansk festgehalten.”

Hier wird der Sachverhalt peinlich, und zwar für alle Akteure, inclusive der Medien. Diese Möglichkeit zur Entsendung ist nichts anderes als über die OSZE institutionalisierte und legitimierte Spionage. Sie soll wechselseitiges Vertrauen in die Absichten des jeweils anderen herstellen, indem die militärischen Aktivitäten aller Vertragsparteien überprüft werden können. Das ist nichts anderes als die Funktion der klassischen Spionage. Etwas über die Handlungen der anderen Seite zu erfahren. Nur liegt die Vertrauensbildung gerade in der Einsicht, nichts zu verbergen zu haben. Man braucht daher keine Spione mehr, sondern schickt Beobachter. Wo liegt in diesem Fall das Problem?

Natürlich ist das Argument der Separatisten in der Ostukraine dreist, hier handele es sich um Spionage (oder gar um Vorbereitung von Sabotageakten). Allerdings unter der Voraussetzung, die Legitimation der Regierung in Kiew anzuerkennen. Nur eine legitime Regierung kann bekanntlich solche Beobachter einladen. Dass es diese Regierung in den Augen der Separatisten (und ihrer Unterstützer in Moskau) nicht ist, muss man als bekannt voraussetzen. Das wusste sicher auch die Bundesregierung. Zwar kann man diese Sichtweise der Separatisten mit guten Gründen ablehnen, aber das ändert nichts an der Problematik. Daher stellen sich einige Fragen.

Was sollten diese Beobachter im Rahmen des OSZE-Mandats erfahren, was die tatsächlichen OSZE-Beobachter im Rahmen der Ukraine-Mission nicht hätten erfahren können? Diese Beobachter müssen übrigens nur ihrer vorgesetzten Behörde berichten, nicht allen OSZE-Staaten. Insofern ist der Eindruck nicht völlig falsch, dass man vor Ort in der Ostukraine etwas über die militärischen Aktivitäten der Separatisten erfahren wollte. Bei einer Weitergabe dieser Information an die Regierung in Kiew wäre man allerdings Konfliktpartei geworden. Nichts ist im Krieg so wertvoll wie Informationen.

Es ist nicht anzunehmen, dass der Bundesregierung diese Problematik nicht bekannt gewesen sein sollte. Im Umfeld der Ukraine-Mission eine Inspektion im Rahmen des Wiener Dokuments durchzuführen, kann kaum unter Naivität verbucht werden. Wenn die Regierung in Kiew eine solche Einladung an die NATO ausspricht, wird sie diesen Besuch sicherlich nicht in Moskau angekündigt haben. Es wäre übrigens theoretisch möglich gewesen, Russland zum Besuch ukrainischer Stützpunkte in der Ostukraine einzuladen. Oder umgekehrt Russland die Ukraine zu ihren Manövern in Grenznähe. Das hört sich zwar mittlerweile wie ein schlechter Witz an, aber entpräche erst dem Geist des “Wiener Dokuments”. Es soll nämlich in Konfliktsituationen Vertrauen schaffen. Und zwischen der Regierung in Kiew und der NATO gibt es keine Spannungen, die solche vertrauensbildende Maßnahmen erforderlich machten. Zwischen Kiew und Moskau schon. Welchen Zweck hat also diese Mission im Rahmen des “Wiener Dokuments” gehabt? Sollte die OSZE nur die legalistische Fassade für ein militärisches Informationsinteresse liefern? Da sind wir jetzt wirklich auf Antworten gespannt.

Der Kreml ist allerdings nicht besser. Er betont immer wieder, mit der eskalierenden Lage in der Ostukraine nichts zu tun zu haben. Nur woher wollen eigentlich die Separatisten das Wissen um diese Mission gehabt haben? Weder die Regierung in Kiew, noch die Bundesregierung wird es ihnen angekündigt haben. Die Separatisten sind schließlich kein zu informierendes Völkerrechtssubjekt. Soll dieser Haufen einen so gut funktionierenden Geheimdienst haben, um zwischen einer Mission auf Grundlage des “Wiener Dokuments” und den OSZE-Missionen in der Ukraine unterscheiden zu können? Oder hat hier nicht Russlands Geheimdienst jene nützlichen Tipps gegeben, die das Festsetzen der Beobachter erst ermöglichte? Auch hier sind wir jetzt wirklich auf Antworten gespannt.

An dieser Geschichte wird das eigentliche Problem in der Ukraine-Krise deutlich. Es agieren schon längst alle Seiten mit jener Verlogenheit, die den Rest der Welt in die Angst vor einer Eskalationsspirale versetzt. Das ist aber das genaue Gegenteil von dem, was nicht nur in der OSZE seit Jahrzehnten unter Vertrauensbildung verstanden worden ist. Dabei handelte es sich übrigens um kluge Realpolitik, und nicht um die Traumtänze von Ideologen aus dem “Kalten Krieg”.

Es wird wirklich Zeit, mit diesem Unsinn aufzuhören. Und zwar auf allen Seiten.

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Carlos Manoso Mai 16, 2014 um 11:04

@Natalius Mai 15, 2014 um 20:01
„Nein, Psychopathie scheint systemunabhängig zu sein. Stalin und Hitler waren etwa gleich krank auf der Hare score. Lobaczewski beschreibt, dass seine Erstuntersuchungen, die ihn auf die Hypothese Psychopathie führten, in Polen während oder kurz nach der Stalin-Zeit durchgeführt wurden. Das erste Manuskript hat er in den Ofen geworfen, als die Geheimpolizei die Treppe herauf kam. Danach hat es es neu geschrieben und per Kurier in den Vatikan geschickt. Keine Antwort – Material verschwunden. „

Natalius, angesichts von soviel Pech auf einmal muß ja ein katholischer Pole sowohl an der Existenz sowohl „Satans“ wie „Gottes“ zweifeln.
Direkt nach dem Ende des 2. Weltkrieges und während der jahrzehntelangen Auferlegung der sozialistischen Diktatur in den Ländern Westeuropas begann eine Gruppe von Wissenschaftlern — hauptsächlich aus Polen, der Tschechoslovakei und Ungarn — im Geheimen eine wissenschaftliche Studie über das Wesen des Totalitarismus durchzuführen. Weil ihre Kontakte in den Westen durch die staatlichen Sicherheitsdienste blockiert wurden, blieb ihre Arbeit unerkannt, obwohl zur gleichen Zeit amerikanische Wissenschaftler wie Hervey Cleckley und Gustave Gilbert mit denselben Fragestellungen rangen. [1] Der letzte Überlebende der Gruppe dieser Wissenschaftler, ein polnischer klinischer Psychologe und Experte in Psychopathie, Dr. Andrzej ?obaczewski (1921-2007), gab dieser neuen Wissenschaft — einer Synthese aus psychologischen, psychiatrischen, soziologischen und geschichtlichen Untersuchungen — schlussendlich einen Namen, Ponerologie, das ist ein Begriff, den er von den Priestern des Benediktinerklosters in dem geschichtsträchtigen polnischen Ortschaft Tyniec borgte. Abgeleitet von dem Wort poneros, das im Griechischen des Alten Testaments zu finden ist, bedeutet es ein angeborenes Böses mit korrumpierenden Eigenschaften“
http://de.sott.net/article/2014-Das-1×1-der-Ponerologie-Lobaczewski-und-die-Wurzeln-der-Politischen-Ponerologie
http://de.wikipedia.org/wiki/Abtei_Tyniec

Carlos Manoso Mai 16, 2014 um 11:09

@g.w. Mai 16, 2014 um 10:07
„Er unterstütze die Bemühungen von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier für eine Friedenskonferenz, erklärte Schmidt in der “Bild”: „Der von Herrn Steinmeier geplante Gipfel ist dringend geboten. Aber zurzeit gibt es leider niemanden, der konstruktive Vorschläge zur Zukunft der Ukraine vorbringt.“
Insgesamt brauche das EU-Parlament deutlich mehr Macht gegenüber den EU-Bürokraten in Brüssel. “Das gelingt aber nur über einen Aufstand des Parlaments.” Es brauche einen Putsch gegen die EU-Komission, meint der Altkanzler im “Bild”-Interview.”

g.w., ehrlich gesagt sollen sich die Deutschen langsam damit abfinden, bei den kommenden Wahlen zum europäischen Parlament die SPD ( Schultz) zu wählen.

BB Mai 16, 2014 um 11:24

Gratuliere CM, du hast gewonnen!

g.w. Mai 16, 2014 um 12:18

Während die drei Affen in Japan eigentlich die Bedeutung „über Schlechtes weise hinwegsehen“ haben, werden sie in der westlichen Welt eher als „alles Schlechte nicht wahrhaben wollen“ interpretiert. Aufgrund dieses negativen Bedeutungswandels gelten die drei Affen daher häufig als Beispiel für mangelnde Zivilcourage.

peewit Mai 16, 2014 um 13:08

@CM

“Der Spruch „nichts (Böses) sehen, nichts (Böses) hören, nichts (Böses) sagen“ ist Bestandteil der Lehre des buddhistischen Gottes Vadjra. ”

Yep Carlos! Und da wir schon bei östlichen Weisheiten sind, pack’ ich gleich noch eine drauf: Die Unterscheidung zwischen Gut und Böse ist DIE Krankheit des menschlichen Geistes (daoistischer Autor, wenn ich nicht irre, aus dem Gedächtnis zitiert).

Nionde Mai 16, 2014 um 17:52

Hintergründe zur Verlogenheit auf allen Seiten oder die Verlogenheit bekommt Schlagseite.

Zensur bei der Deutschen Welle oder soll man eher politisch korrekt “Sprachreglung” sagen

zur politischen Weiterbildung:

Interview mit einem anonymen DW Journalisten. Ja, ja, es gibt viel Wahrheiten und die Realität ist vieldeutig, deshalb Nachrichten um sich danach zu richten….. ;-)

http://www.jungewelt.de2014/05-15065.php?sstr=deutsche|welle

sehr gute Auseinandersetzung mit der sogenannten 4. Gewalt in Deutschland zum Thema “Ukraine”

http://www.heise.de/tp/artikel/41/41787/1.html

interessant sind auch die Leserbriefe

good night & good luck

FL bist Du der anonymous im DW Interview? *fg*

Carlos Manoso Mai 16, 2014 um 18:16

@peewit Mai 16, 2014 um 13:08
„da wir schon bei östlichen Weisheiten sind, pack’ ich gleich noch eine drauf: Die Unterscheidung zwischen Gut und Böse ist DIE Krankheit des menschlichen Geistes (daoistischer Autor, wenn ich nicht irre, aus dem Gedächtnis zitiert).“

Peewitt, „der Willen zur Wahrheit“ erfreut sich gewiss nicht der schärfsten Ohren“ : daoistischer Autor von „Jenseits von Gut und Böse, Vorspiel einer Philosophie der Zukunft“

petervonkloss Mai 16, 2014 um 19:22

@peewit Mai 16, 2014 um 13:08

Dschuang Dsi`s heraklitisches Denken.

„……….Als dann das LEBEN noch weiter verfiel, da kamen Yau und Schun zur Herrschaft über die Welt.
Sie brachten die Strömung des Ordnens und Besserns in Lauf, befleckten die Reinheit, zerstreuten die Einkeit, ver-
ließen den SINN (siehe auch Martin Heideggers Seyn) und stellten statt seiner das Gute auf, gefährdeten das
LEBEN und stellten statt seiner die Tugenden auf. Von da ab ging die Natur verloren, und man folgte dem
Verstand. Verstand tauschte mit Verstand die Kenntnisse aus, und doch war man nicht mehr fähig, der Welt
eine feste Ordnung vorzuschreiben. Darauf fügte man Formenschönheit hinzu und häufte die Kenntnisse.
Aber die Formenschönheit zerstörte den Inhalt, und Kenntnisse ertränkten den Verstand.. Da wurden die
Leute vollends betört und verwirrt, und kein Weg führte mehr zurück zur wahren Natur und zum Urzustand.“

(365 vor Christus)

Nichts anderes bedeutet M. Heideggers und Nietzsches (Paulus) „seinsgeschichtlicher Antisemitismus“ bzw.
Die Umwertung aller Werte (Nietzsche) bzw. sein Versuch diese erneut zu bewirken.

Nionde Mai 16, 2014 um 19:54

falls der Link zur Jungen Welt nicht funktioniert (DW Anonymous), versucht diesen Link

http://www.jungewelt.de/2014/05-15/065.php?sstr=deutsche%7Cwelle

ruby Mai 17, 2014 um 09:21

Ahoj :
http://www.zeit.de/2014/20/guenter-grass/komplettansicht
Brausepulver für Europa
http://sommer-sommer.com/files/ahoi-plakat_ly.jpg
für Paul-Brause oder Brause-Paul
;-)

ruby Mai 17, 2014 um 10:03

3.541 mehr, mehr …schon 3545
“Und Relevanz heißt eben nicht nur Klicks! Relevanz heißt zum Beispiel, eine solche Debatte anzuregen, wissend, dass sie nur wirksam wird, wenn sie den Stream der eigenen Zeitung verlässt. Wenn es uns gelingt, relevante Inhalte zu produzieren, muss es auch eine Möglichkeit geben, diese Leistung zu monetarisieren. Das Ereignis dieser Tage ist doch, dass eine Idee wie “Krautreporter”, die aus dem Herzen des Internets kommt, zumindest partiell auf Bezahlinhalte und den Club-Charakter setzt, den die Printmedien seit Jahren diskutieren und nie umsetzen. Was dort über Klick-Journalismus und Google-getriebene Geschichte steht, teile ich zu 100 Prozent. Viele Verlagsleute hatten aber Angst, das Gleiche zu sagen, aus Angst, als altbacken zu gelten. Nun kommt es als Revolution daher. Dafür bin ich richtig dankbar. ”
aus
http://www.horizont.net/aktuell/medien/pages/protected/FAZ-Herausgeber-Schirrmacher-Wir-muessen-verhandeln-welchen-Wert-Qualitaetsjournalismus-hat_120550.html
Endlich aufgewacht?

Carlos Manoso Mai 17, 2014 um 15:00

@petervonkloss Mai 16, 2014 um 19:22
„Nichts anderes bedeutet M. Heideggers und Nietzsches (Paulus) „seinsgeschichtlicher Antisemitismus“ „

“Das Weltjudentum, aufgestachelt durch die aus Deutschland hinausgelassenen Emigranten, ist überall unfassbar und braucht sich bei aller Machtentfaltung nirgends an kriegerischen Handlungen zu beteiligen, wogegen uns nur bleibt, das beste Blut der Besten des eigenen Volkers zu opfern.” (O-Ton Heidegger)
http://www.neues-deutschland.de/artikel/931627.seinsgeschichtlicher-antisemitismus.html

ruby Mai 17, 2014 um 17:11

Wie konnte es passieren, dass die Powerelite die Medien und Bevölkerungen so haben kaufen können, dass erst ein Putin uns “aufgeklärte” zum massenweisen aufwachen verhalf?
Es ist unerträglich, wie der 25.Mai zur Verfassungsaushebelung genutzt werden soll.

"ruby" Mai 17, 2014 um 18:02
petervonkloss Mai 17, 2014 um 23:19

@Carlos Manoso Mai 17, 2014 um 15:00

(Acta diurna M. K.)
Die hier bereits thematisierten Reaktionen auf die Veröffentlichung der nachgelassenen “Schwarzen Hefte” Heideggers werfen, wie man sagt, ein Schlaglicht auf den erbärmlichen geistigen Zustand einer doch ehemals in Geistesdingen nicht ganz unbedeutenden Weltgegend respektive Mundartgemeinschaft. Nahezu unisono und wie verabredet bzw. neurotisch gewährten die Rezensenten einen tiefen Einblick in ihren Konditionierungsmodus, indem sie einen Randaspekt der privaten Notizen ins Zentrum rückten, der dort nur wenige Seiten umfasst und im übrigen Werk nicht die geringeste Rolle spielt: den vermeintlichen Antisemitismus des Denkers. Die Heidegger-Gesamtausgabe beläuft sich auf 103 Bände (der Nietzsche-Doppelband als einer gezählt), und sogenannte Intelligenzblätter verkündeten in barbarischer Einhelligkeit, dass der Philosoph nun durch vier, fünf Nachlass-Seiten “überführt” und “erledigt” sei. Es ist immer wieder delikat, wenn sich wirklich freie teutsche Geister zum Aufklärungs-Thing versammeln.

Gleichwohl ist es völlig belanglos, was Feuilletonisten und Professoren über einen Denker schreiben, der dem kleinen Gremium derer angehört, die bleiben werden. Solch wohlfeil-trendkonforme Anklagen, erhoben aus der Tiefebene täglicher intellektueller Brotberufsausübung und gerichtet nach ganz oben (“ganz oben” meint Heidegger als Kopf, nicht als Mensch), haben ja etwas maßlos Komisches, Groteskes, den-Mond-Anbellendes, sich-selbst-Erledigendes; man liest Heidegger in allen Teilen der Erde und wird ihn lesen, nachdem Deutschland längst verschwunden ist, ob mit oder ohne “antisemitische” Giftspuren, weil er die ewigen Fragen stellt und sich dafür eine vollkommen neue Sprache geschaffen hat, über deren hirnzerknüllende Zumutungen sich der lektüreschwache Fortschrittsfolklorist besonders ereifert. “Gönn’ ihm die geifernde Lust”, singt Wotan im Rheingold, und so wollen wir es halten.

Immerhin bleibt die Frage, woher Heideggers vereinzelte ablehnende Äußerungen gegenüber “dem” Judentum rühren. Bei dieser Gelegenheit scheint es geboten, daran zu erinnern, dass keineswegs jedes kritische oder distanzierende Wort über “das” jüdische Denken beziehungsweise jüdische Denker Antisemitismus ist, weil sonst das jüdische Denken insgesamt von einer so teuflischen Vollkommenheit sein müsste, wie sie der schlimmste Antisemit nicht halluzinieren könnte. Den Antisemiten nicht ins Garn zu gehen, ist das eine; ich lege freilich großen Wert darauf, auch den allzu eifrigen Antisemitismusunterstellern die Gefolgschaft zu verweigern. Es ist zum Beispiel unsinnig, Heidegger dafür an den Pranger zu stellen, dass er das Judentum als ort- oder heimatlos betrachtete, denn das taten u.a. die Zionisten seiner Zeit auch. Interessant ist vielmehr, welche Rolle diese Feststellung in seinem Denken spielt – und ob es tatsächlich irgendeinen okkulten Anschluss zur NS-Ideologie gibt.

Heidegger-Notizen wie: “Die Frage nach der Rolle des Weltjudentums ist keine rassische, sondern die metaphysische Frage nach der Art von Menschentümlichkeit, die schlechthin ungebunden die Entwurzelung alles Seienden aus dem Sein als ‚weltgeschichtliche’ Aufgabe übernehmen kann”, oder: “Die ‚Kultur’ als Machtmittel sich anzueignen und damit sich behaupten und eine Überlegenheit vorgeben, ist im Grunde ein jüdisches Gebaren”, in den besagten Intelligenzblättern quasi mit Schafottbesteigungsbegleittrommelwirbel präsentiert, reißen mich jetzt nicht wirklich empört vom Hocker, da bin ich aus dem späten 19./frühen 20. Jahrhundert anderes gewöhnt, auch von jüdischen Autoren. Die darin manifesten Verallgemeinerungen mögen tendenziell antisemitisch klingen, aber damals standen sie noch nicht unter dem Bann der Politischen Korrektheit. Man sprach und schrieb über “die” Deutschen und “die” Franzosen und “die” Amerikaner und “die” Frauen und “die” Nietzscheaner und “die” Sozialdemokraten und “die” Nachfahren der Wikinger eben auch “die” Juden (Relikte dieses Sprechens finden sich heute noch, etwa wenn von “den” Rechten oder dem Extremismus “der” Mitte die Rede ist). Erst nachdem sich die meisten Menschen in allen Teilen der westlichen Welt immer mehr zum Verwechseln und also Verallgemeinern ähnlich geworden waren, kamen Wohlmeinende auf die Idee, sogenannte Gruppenstereotype für verwerflich zu erklären. Sollten sie damit in gewissem Umfange Recht haben, was durchaus möglich ist, muss freilich daran erinnert werden, dass aus ihrer Mitte neue Stereotype wie die “Mutterrolle” oder “Gender” hervorgingen, worüber wiederum die nächste Generation sich je nach Gusto empören oder amüsieren wird. Panta rhei.

Weiter indes mit den schwefligen Stellen aus den “Schwarzen Heften”. “Das Weltjudentum, aufgestachelt durch die aus Deutschland herausgelassenen Emigranten, ist überall unfaßbar und braucht sich bei aller Machtentfaltung nirgends an kriegerischen Handlungen zu beteiligen, wogegen uns nur bleibt, das beste Blut der Besten des eigenen Volkes zu opfern”, schreibt Heidegger 1941; das ist schon übler, vor allem der Begriff “herausgelassen”. Andererseits deutet diese Bemerkung an, dass er offenbar keinen Schimmer davon hatte, was den Juden im NS-Machtbereich in diesem Augenblick drohte. Schlimmer wird es nicht mehr. Mit keiner Silbe hat Heidegger – im Gegensatz zu den zahlreichen Stalin-Hofierern der westeuropäischen linken Intelligenzija – je irgendein NS-Verbrechen gutgeheißen, befördert oder angestiftet. Sein teilweise negatives Urteil über “die” Juden bzw. “das” Judentum bewegt sich in einem rein gedanklichen Rahmen. Und diese Notate waren immerhin nicht zur Veröffentlichung bestimmt.

Die “jüdische” Geschäftstüchtigkeit – korrekt formuliert: das signifikant häufige Vorkommen geschäftstüchtiger Menschen jüdischer Herkunft – ist ebensowenig eine Erfindung von Antisemiten wie die “jüdische” Intellektualität (ab hier bilde jeder die korrekt verunallgemeinerte Formulierung selbständig) oder die Rolle jüdischer Intellektueller als “Ferment der Moderne”. In der Geldwirtschaft, in den Naturwissenschaften und in den Künsten war “der” jüdische Geist bzw. waren Juden sehr aktiv an der Erzeugung jener zentrifugalen Beschleunigungskräfte beteiligt, die die modernen Gesellschaften prägten, die Technik entfesselten, die Traditionen pulverisierten, die Menschen entwurzelten und aus ihren angestammten Kollektiven rissen. Heideggers Äußerungen zum Judentum stehen in diesem Kontext, sie gehören zu seinem Antimodernismus. Vielleicht ist es ja zutreffend, aber gewiss ist es undifferenziert, wenn Heidegger “die” Juden bzw. “den” jüdischen Geist überwiegend oder maßgeblich der “Machenschaftlichkeit” und dem weltüberstülpenden “Gestell” zuschlägt, also dem abendländischen Rationalismus und seinen weltverändernden Folgen, denn es gibt ja zum Beispiel noch die jüdische Mystik und die große Schar orthodox-religiöser Juden, die mit diesen Entwicklungen nichts an den Hüten hatten und haben, und nicht zuletzt, um den Blick in Heideggers vaterländische Umgebung zu lenken, die von den Nazis außer Landes getriebenen oder ermordeten kulturkonservativen deutschen Assimilationsjuden, die sich ebenfalls nicht einfach der Moderne zuschlagen lassen, doch sollten wir in Rechnung stellen, dass es im Wesen von unausformulierten Notaten liegt, die Dinge auch mal übers Knie zu brechen, und dass unsere Idee, über Gruppen als solche möglichst überhaupt keine Aussagen mehr zu treffen oder gar zu urteilen und so lange zu differenzieren, bis nur noch der Einzelne übrigbleibt (Heiner Müller: “Alles was für zwei Menschen gilt, ist falsch”),womöglich zum völligen Erlahmen des Urteilens führen wird, ohne dass die Unterschiede zwischen den Kollektiven dadurch verschwinden. Dass zum Beispiel fundamentale Differenzen zwischen Christenum/Judentum auf der einen und dem Buddhismus auf der anderen Seite bestehen, was das Verhältnis dieser Religionen zur Unterwerfung und Nutzbarmachung der Erde und damit zur Technik betrifft, wird niemand bestreiten wollen, wenngleich natürlich auch hier die Ausnahmen in die Millionen gehen dürften.

Anstatt dem letztlich bei allen seinen erstaunlichen Kenntnisse etwa der modernen Physik grotesk weltfremden Heidegger irgendeine Nazi-Nähe anzudichten, sollten wir zu verfolgen suchen, wohin der in den “Schwarzen Heften” skizzierte Denkweg führt – nämlich zur berühmten “Kehre”, die sich ja in dieser Zeit vollzog. Überspitzt formuliert: Aus dem Fundamentalontologen Heidegger wurde ein radikaler Grüner (hat nichts mit der Partei zu tun). Hier wäre denn auch die Frage angebracht, ob es eine Verbindung zwischen seinen Vorbehalten gegenüber Judentum und Christentum gibt. Sie dürfte im Gottesbefehl “wimmelt auf der Erde und herrschet über sie” (Gen. 9, 7) zu suchen sein. Heidegger wollte bekanntlich die gesamte abendländische Metaphysik, dieses Denken der Weltaneignung und Weltvernutzung, zurücknehmen, über Platon hinaus bis zu den Vorsokratikern, und damit auch hinter das Judentum und das Christentum; seine Philosophie strebte fort vom praktischen, die Welt als Objekt betrachtenden und sie unterwerfenden Tun, zurück – oder, wer weiß, voraus – zum Sagen und Schauen, abends vor der Hütte, bei einem Viertele badischen Weines, das Seyn hütend. Er wollte, dass der Mensch, den ohnehin nur ein Gott retten könne, jedenfalls nicht er selber sich, des “Wunders aller Wunder” gewahr werde, nämlich “daß Seinendes i s t”, und womöglich im gesamten Kosmos nur wir Menschen dazu bestellt sind, dieses Wunder wahrzunehmen. Aber alle Beschreibung von Heideggers Denken ist trivial und irreführend, weil dieses Denken eben gedacht – mit einem blöden Modewort: nachvollzogen – werden soll; es geht ihm nicht um irgendwelche Resultate, Postulate, Doktrinen, sondern um das Denken selbst. Ansonsten besteht vom späten Heidegger unter anderem eine Verbindung zu Rudolf Bahros “Logik der Rettung” oder Eugen Drewermanns “Der tödliche Fortschritt”. Er muss zuvor für kurze Zeit geglaubt haben, die Nazis seien die berufene Kraft, dem nach seiner Ansicht zerstörerischen Walten der Moderne Einhalt zu gebieten, bis ihm klar wurde, dass von ihnen noch mehr Zerstörung drohte. Die ganze Menschheit war dem technischen Dämon, der Tachokratie und der Seinsvergessenheit verfallen, was die auf den ersten Blick anstößige Tatsache erklärt, dass für Heidegger ein Konzentrationslager und ein Düsenjäger sozusagen Resultate eines identischen Irrweges darstellten.

„Wir, die wir die Denker ehren wollen“, schrieb Hannah Arendt zum 80. Geburtstag ihres einstigen Lehrers, „können schwerlich umhin, es auffallend und vielleicht ärgerlich zu finden, daß Plato wie Heidegger, als sie sich auf die menschlichen Angelegenheiten einließen, ihre Zuflucht zu Tyrannen und Führern nahmen. Dies dürfte nicht nur den jeweiligen Zeitumständen und noch weniger einem vorgeformten Charakter, sondern eher dem geschuldet sein, was die Franzosen eine ‚déformation professionelle’ nennen. Denn die Neigung zum Tyrannischen läßt sich theoretisch bei fast allen großen Denkern nachweisen (Kant ist die große Ausnahme). Und wenn diese Neigung in dem, was sie taten, nicht nachweisbar ist, so nur, weil sehr wenige selbst unter ihnen über ‚das Vermögen, vor dem Einfachen zu erstaunen’, hinaus bereit waren, ‚dieses Erstaunen als Wohnsitz anzunehmen’.
Bei diesen wenigen ist es letztlich gleichgültig, wohin die Stürme ihres Jahrhunderts sie verschlagen mögen. Denn der Sturm, der durch das Denken Heideggers zieht – wie der, welcher uns nach Jahrtausenden noch aus dem Werk Platos entgegenweht –, stammt nicht aus dem Jahrhundert. Er kommt aus dem Uralten, und was er hinterläßt, ist ein Vollendetes, das, wie alles Vollendete, heimfällt zum Uralten.“

ruby Mai 18, 2014 um 08:39

Interessantes Interview In der Zeit mit Glenn Grennwald.
Kommt bestimmt bald online.
3.780 Krautreportermitglieder – heute sollte die 4.oooender Marke geknackt werden.
http://www.lousypennies.de/2014/05/16/alexander-von-streit-ueber-krautreporter-die-zeit-war-reif/
Der Umgang mit Spenden wird ein Meilenstein sein oder?
Financial Continuity

ruby Mai 18, 2014 um 08:45

“Wieso kann ich eigentlich nur mit Kreditkarte zahlen? Das schließt einige Leute aus.

Weil wir das Geld nur in Anspruch nehmen, wenn wir erfolgreich sind. Das geht nur mit Kreditkarte. Bei anderen Zahlungsmöglichkeiten würde das direkt auf einem Konto landen und wir hätten bei einer solchen Summe ein Problem mit der BaFin. Ich weiß dass, es manche ausschließt, aber es war für uns der einzig gangbare Weg.”

Wie sieht es mit einer Lastschrifteinzugszusage auf Termin bei EC-Karte aus?
Treuhänderkonto geprüft?

g.w. Mai 18, 2014 um 09:30

es gibt doch immer wieder aufschlussreiche Kommentare hier

ruby Mai 18, 2014 um 20:04
ruby Mai 18, 2014 um 20:17
Balken Mai 18, 2014 um 21:56

Hm, da muss ich mich doch mal bei pvk bedanken, für die Zitate aus den sowohl seltsamen (das etwas seltsam sei, meint bedeutet ja vielerlei) als auch anregenden acta diurna, in denen ich daher auch ein wenig geblätter habe. Einige Lesefrüche möchte ich hier zum besten geben:
(Alles copy und paste. Einschließlich der Parenthesen um Stellen, an denen der Schreiber selbst Zitate bringt.

18. April 2014

Aus Moskau schreibt Leser B. über Putins TV-Fragestunde, die ich hier auszugsweise verfolgt habe: “Obwohl mit Sicherheit eine gewisse Vorauswahl der Fragen und Frager stattfindet, zeigen sowohl unangenehme Fragen von Oppositionellen als auch kleine Ausrutscher, dass hier kein Theater gespielt wird und Putin sich durchaus nicht sicher sein kann, womit er als nächstes konfrontiert wird. Umso beeindruckender ist die Souveränität, mit der der russische Präsident über vier Stunden hinweg Fragen aus den verschiedensten Bereichen sachlich und bisweilen auch mit Humor beantwortet. Am meisten besticht Putin durch seine Zahlenkenntnis – ob dies nun der Brotpreis, das durchschnittliche Gehalt in St. Petersburg oder ein Ukas Katharinas der Großen über die Krimtataren ist. Man möchte sich nicht ausmalen, wie führende deutsche oder EU-Politiker sich in dieser Situation schlagen würden. Es wird einen guten Grund geben, warum wir sie jenseits von oberflächlichen, in der Regel bereits durch Themen- und Gästewahl durchorchestrierten Talkrunden kaum sehen.”
….
“Apropos Krimtataren: Auf die Frage eines solchen nach Wiedergutmachung für die Repressionen unter Stalin antwortete Putin, dass dies auf jeden Fall auf seiner Agenda wäre, allerdings müsste eine solche Wiedergutmachung auch andere Völker umfassen, die unter Stalin gelitten hätten, beispielsweise Armenier oder Deutsche (!). Es ist schon erstaunlich, dass der Sproß einer Leningrader Familie, die unter der deutschen Belagerung litt, sich so um die Deutschen bemüht, auch wenn es in dieser Situation (wie auch sonst meistens) für Deutschenfreundlichkeit garantiert keinen Blumentopf zu gewinnen gab.”

Vor allem in Deutschland nicht. Spätere Historiker, vornehmlich wohl Asiaten, werden zu diesem Thema interessante Abhandlungen verfassen. Weiter im Text:

“Von diesen Dingen wird man aber wohl kaum etwas in den Zusammenfassungen der westlichen Presse lesen. Am wenigsten über folgende Bemerkung: Auf die Beziehungen zu Westeuropa angesprochen sagte Putin, es bereite ihm Schwierigkeiten, außenpolitische Fragen mit den westeuropäischen Staaten zu besprechen. Da diese einen Gutteil ihrer Souveränität bereits abgegeben hätten, sei es überhaupt nicht mehr möglich geopolitische Fragen vernünftig zu diskutieren. Darüber hinaus würden sie selbst zu Hause nur flüstern aus Angst, abgehört zu werden. Dieser letzte Satz – und nur dieser – findet sich auch auf Spon. Von dem viel grundsätzlicheren Problem – der deligierten Souveränität an EU und Nato und im Falle Deutschlands auch der Unfähigkeit, eigene Interessen zu verteten, ja überhaupt die Formulierung derselben als ureigenes Recht einer souveränen Nation und als Pflicht ihrer gewählten Vertreter zu sehen – findet sich nichts.”

Was dieses Problem irgendwie bestätigt.

Putin wiederum – ich wiederhole mich hier – ist keineswegs der schlimme Autokrat, der sein Volk knebelt und Russland wieder zur Weltmacht führen will, sondern, auf die gesamte Geschichte gesehen, der moderateste russische Herrscher überhaupt. Die UdSSR-Nachfolgerin GUS ist unter ihm quasi verschwunden. Den Afghanistan-Krieg des Westens, der nicht legitimer ist als die Krim-Annexion, hat er unterstützt. Als Dank rückten ihm die Amerikaner via Nato noch ein bisschen näher auf den Bärenpelz. Nur dass die Krim eben so russisch ist wie Helgoland deutsch. Noch nie herrschte ein so businessfreundlicher, öffentlich kritisierbarer, westlich orientierter Regent über das russische Reich. Es könnte alles viel schlimmer sein. Wir sollten aufhören, dem Rest der Welt unsere Kriterien aufzunötigen. Die anderen haben keine zwei Weltkriege verloren, sie wollen nicht aus Selbstekel und Toleranz aussterben – natürlich nur als “Volk”, keineswegs als “Individuen” –, und sie haben auch keinen “Nato-Partner”, den sie, närrisch fixiert wie Lorenz’sche Graugänse, für ihren großen Bruder halten und hinter dessen Hosenbeinen sie sich vor der Welt verstecken (manche haben es auch bis hinauf ins Gesäß geschafft). Es wird interessant sein zu beobachten, was passiert, wenn der vermeintliche Bruder seine eingebildeten Verwandten einfach abschüttelt und sich absentiert. Also zu wem sie dann hilfesuchend krabbeln bzw. watscheln. Denn Irgendjemand muss es ja sein, seitdem der Führer tot ist.

ruby Mai 19, 2014 um 05:14

Was will uns dieser Bekloppten-Link sagen, vor dem Hintergrund der aktuellen Geschichte ?

http://www.deutschlandradio.de/audio-archiv.260.de.html?drau:page=1&drau:audio_id=278204&drau:play=1
Dem Täter auf der Spur – Lieben Sie Krimis?
Sendezeit: 19. Mai 2014, 01:05 Uhr
Autor: Scholl, Dr. Joachim
Programm: Deutschlandradio Kultur
Sendung: 2254 Länge: 52:11 Minuten
;-)

Soldat Schwejk Mai 19, 2014 um 12:52

@ Balken

Also egal welche Aussage da welcher Ebene des Zitierens entstammt, ich greif da mal nacheinander was raus.

—> “Apropos Krimtataren: Auf die Frage eines solchen nach Wiedergutmachung für die Repressionen unter Stalin antwortete Putin, dass dies auf jeden Fall auf seiner Agenda wäre, allerdings müsste eine solche Wiedergutmachung auch andere Völker umfassen, die unter Stalin gelitten hätten, beispielsweise Armenier oder Deutsche”

Die Krimdeutschen waren wie die Krimtataren u.a. nach Mittelasien deportiert worden und sind seit Beginn der 90-er auf die Krim zurückgekehrt. Nur sind es heute auf der Krim wohl einige tausend Deutsche, aber zwischen 200.000 und 300.000 Krimtataren. D.h. die Tataren sind ein politischer Faktor, sei es an der Wahlurne, sei es bei Protesten wie z.B. Blockaden von Eisenbahnlinien, um ihre Forderungen durchzusetzen (meistens geht es um Land).

Zwischen dem politischen Establishment der Krim-Autonomie und der Zentrale in Kiew gab es immer Kompetenzstreitigkeiten. Die Kiewer Zentralmacht förderte die Bewegung der Krimtataren, so als “Hebel” gegen den größeren Autonomiewunsch der slawischen Mehrheit auf der Krim. Der krimtatarische Medschlis wiederum suchte die besondere Protektion durch Kiew, um gegenüber Parlamentsmehrheit und Regierung in Simferopol an Verhandlungsmacht zu gewinnen.

Bei Krimdeutschen wie auch bei Angehörigen anderer Minderheiten rief das gewisse Aversionen hervor; mehrfach habe ich so Sachen gehört wie: Die Tataren tun so, als seien sie die einzige deportierte Volksgruppe gewesen, sie versuchen auf erpresserischem Wege Privilegien nur für sich herauszuhandeln und zeigen überhaupt keine Solidarität mit den anderen Minderheiten. Und die einseitige Unterstützung aus Kiew nur für die Tataren rief auch Mißmut hervor.

Im Ergebnis, wie ich jetzt hörte, haben die Krimdeutschen wie auch andere kleinere Minderheiten dort die Abspaltung von der Ukraine und den Anschluß an Rußland von Beginn an positiv gesehen, u.a. weil sie sich von Moskau eine fairere Nationalitätenpolitik versprechen als von Kiew. (Soweit ich es beurteilen kann, kann man die Nationalitätenpolitik in der Russischen Föderation tatsächlich als ziemlich vorbildlich ansehen, also zumindest in den zentralrussischen Republiken und Gebieten.)

Die Krim ist seit jeher eine multiethnische Region, und Putins Aussage zielt gewiß auch darauf, sich der Unterstützung der kleineren Ethnien auf der Krim weiterhin zu versichern. (Mal ganz abgesehen davon, daß die Leute auf der Krim jetzt sowieso heilfroh sein dürften, daß ihnen auf diesem Wege Ereignisse wie in der Ostukraine erspart geblieben sind.)

Fairerweise muß man sagen, daß auch die Organisationen der Krimdeutschen von Angehörigen anderer Volksgruppen damals kritisch gesehen wurden, weil sie in deren Augen vor allem die Übersiedlung ihrer Mitglieder nach Deutschland zu betreiben schienen. Aber das dürfte heute nicht mehr so eine Rolle spielen: Wer wollte und rechtlich konnte, der ist jetzt hier. Die Spätaussiedlung ist weitgehend beendet.

—> “Putin wiederum – ich wiederhole mich hier – ist keineswegs der schlimme Autokrat, der sein Volk knebelt und Russland wieder zur Weltmacht führen will, sondern, auf die gesamte Geschichte gesehen, der moderateste russische Herrscher überhaupt. [...] Noch nie herrschte ein so businessfreundlicher, öffentlich kritisierbarer, westlich orientierter Regent über das russische Reich. Es könnte alles viel schlimmer sein.”

Das ist sicher richtig. Und das Blöde ist: die ganze antirussische Rhetorik & Sanktionsdrohungen des Westens lassen es nur wahrscheinlicher werden, daß es nach Putin wieder ein Rollback gibt und keine weitere gesellschaftliche Liberalisierung & Modernisierung. Aus amerikanischer Sicht mag dem noch eine gewisse Rationalität zugrunde liegen, weil den westeuropäischen Staaten so längerfristig eine Ost-Orientierung erschwert wird. Aus westeuropäischer Sicht aber sind die Drohgebärden gegen Rußland eine reine Idiotie.

—> “Die anderen haben keine zwei Weltkriege verloren, sie wollen nicht aus Selbstekel und Toleranz aussterben – natürlich nur als “Volk”, keineswegs als “Individuen””

Was ist denn das? “Aussterben…” *Kopfschüttel* … Warum nach den vernünftigen Betrachtungen dann diese Nonsens-Rhetorik? Wahrscheinlich muß mal ein Traktat geschrieben werden: “Über die Gründe, weshalb sozialer Protest so anfällig ist für nationalparanoische Beklopptengeistigkeit” :-)

Soldat Schwejk Mai 19, 2014 um 13:11

@ ruby OT

Nun hat Dein Verein Spieltag für Spieltag wirklich immer alles gegeben, um kommende Saison endlich im Lößnitztal spielen zu dürfen. Man konnte förmlich sehen, wie es die Spieler nach einem Auftritt im Lößnitztal dürstete. Und dann: wieder nichts! Weil der von Berlin ausgeliehene Söldner Lasogga es sabotiert hat! Das muß doch frustrierend sein :-)

carlos manoso Mai 19, 2014 um 14:55

@petervonkloss Mai 17, 2014 um 23:19
„Wir, die wir die Denker ehren wollen“, schrieb Hannah Arendt zum 80. Geburtstag ihres einstigen Lehrers, „können schwerlich umhin, es auffallend und vielleicht ärgerlich zu finden, daß Plato wie Heidegger, als sie sich auf die menschlichen Angelegenheiten einließen, ihre Zuflucht zu Tyrannen und Führern nahmen. Dies dürfte nicht nur den jeweiligen Zeitumständen und noch weniger einem vorgeformten Charakter, sondern eher dem geschuldet sein, was die Franzosen eine ‚déformation professionelle’ nennen. Denn die Neigung zum Tyrannischen läßt sich theoretisch bei fast allen großen Denkern nachweisen“

petervonkloss , Hannah Arendt hat als seine ehemalige jüdische Geliebte (als Studentin) den verehrten Heidegger m.E. am klarsten durchschaut, in ihrem Märchen von der Falle, die in ihrem Kern selbst eine Falle ist.

Und u.a. zu Plato hat der britische Philosoph und Mathematiker Alfred North Whitehead bereits alles Sagenswerte gesagt.

carlos manoso Mai 19, 2014 um 15:07

@Soldat Schwejk Mai 19, 2014 um 12:52
„ das Blöde ist: die ganze antirussische Rhetorik & Sanktionsdrohungen des Westens lassen es nur wahrscheinlicher werden, daß es nach Putin wieder ein Rollback gibt und keine weitere gesellschaftliche Liberalisierung & Modernisierung. Aus amerikanischer Sicht mag dem noch eine gewisse Rationalität zugrunde liegen, weil den westeuropäischen Staaten so längerfristig eine Ost-Orientierung erschwert wird. Aus westeuropäischer Sicht aber sind die Drohgebärden gegen Rußland eine reine Idiotie.“

Soldat Schwejk , der Zeitfaktor und das russische Öl sind m.E. zwangsläufig entscheidend. Der “Westen” insgesamt transformiert sich immer schneller in rostige Eimer mit immer mehr Löchern.

Balken Mai 19, 2014 um 17:47

Unsere öffentlich rechtlichen berichten den ganzen Tag, dass russische Soldaten im Grenzgebiet zur Ukraine ihre Kasernen verlassen und wieder in ihre Kasernen zurückkehren.
Das ist eine Nachricht.
Ferner berichten sie, Putin habe gefordert, dass die Militäreinsätze in der Ostukraine beendet werden müssen und politische Lösungen innerhalb der Ukraine gefunden werden müssen.
Über die Ukraine berichten sie nichts. Aus den Nachrichten, aus dem Sinn. Alles paletti dort. Man bereitet sich friedlich auf die Wahlen vor. Nur Putin quatscht was von Gewalt.

Es gab mal vor vielen Jahren eine Sendereihe der BBC: “Der verwunderte Zeitungsleser”. Sollte man wieder aufleben lassen.
Es gab mal vor noch etwas mehr Jahren ein Buch “Ligua tertii imperii”.
Ich mein’ja nur. Kann man natürlich alles nie nicht vergleichen. Das gegenwärtige Imperium hatganz andere Möglichkeiten des spin doctoring. Das gerissenste daran ist: Das propagandistische Gebrüll ist subtiler. Es wird sozusagen leise gebrüllt. Die Propaganda fide wird in einem beiläufigen Ton unters Volk gedrückt, als verlese man den Wetterbericht.

"ruby" Mai 19, 2014 um 19:37

@ Soldat Schwejk OT
hatte schon Vorfreude auf die Auer Fahnenschwenker, die wir einmal beim SC Verl kennenlernten und die das ganze Spiel paradierten
http://www.freiepresse.de/DYNIMG/24/53/4542453_W620.jpg
;-)

"ruby" Mai 19, 2014 um 19:59

1,7 von 50 Milliarden aus Flüssiggasgewinnen nach Staatshaushalt aus Katar
http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2014/05/19/dlf_20140519_1836_15c7c6dc.mp3
für Cash machen die Deutschen Banker alles;
Menschenrechte sind garnix, und die wollen Vorbilder sein und die Bürger zu labern ?
Waffenexporte – Gabriel ist voll dabei, K-M W lassen grüssen.
Adieu Besserregierer – alle erkennen das Lügen und Heucheln – ihr seid nicht ein Jota anders.

Balken Mai 19, 2014 um 20:51

Neues aus dem Generalgouvernement

“Nach der Ukraine sollen nun auch Georgien und Moldawien näher an die EU rücken. Ratspräsident Van Rompuy hat auf Reisen in beide Länder die Weichen gestellt, im Juni kommt es zum Schwur. Wieder einmal werden die EU-Grenzen nach Osten verschoben.

Genauso plausibel ist aber die Vermutung, dass es darum geht, die Grenzen in Europa ein für allemal neu zu ziehen. Dafür wagt man auch schon mal eine Grenz-Überschreitung, wenn es um die eigenen Spielregeln geht.

Letztlich macht Brüssel genau das, was es Moskau vorwirft: Es weitet seine Einflusszone aus – dabei haben Van Rompuy & Co. kein Mandat für eine neue Ost-Erweiterung bzw. ein neues Protektorat (im Kosovo gibt es schon eins).”

Quelle: http://lostineu.eu/

Wilma Mai 19, 2014 um 21:32

@ Balken
Auf diese Vereinbarung habe ich hier schon am 14. Mai hingewiesen.

Nicht nur Moldau
“Im Juni will die EU mit Georgien ein Assoziierungsabkommen besiegeln. Van Rompuy stellt der ehemaligen Sowjetrepublik weitere Kooperationsschritte in Aussicht.”
http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-05/georgien-eu-rompuy-assoziierungsabkommen

Wobei in Moldau ja vorher erst einmal die Nato zu Besuch war.

Vor der EU-Wahl soll das wohl kein großer Aufmacher in der Presse sein.

ruby Mai 20, 2014 um 01:40

Was zeigen die Taten :
http://www.deutschlandradiokultur.de/deutsche-bank-und-katar-alles-ist-eine-frage-des-geldes.996.de.html?dram:article_id=285845
und Worte zu kulturellem Wandel :
http://www.deutschlandfunk.de/deutsche-bank-partnerschaft-mit-katar-ist-schwer.720.de.html?dram:article_id=285827
Deutsche Bank als letzter europäischer Investmentbanker, wer will das beenden?
Warum ziehen sich die Finanzinvestoren aus der Bankenanlage zurück?
Gegenmaßnahme:
I N K L U S I O N,
Bekloppte und Behinderte in die Banken
Etat: 100 Milliarden aus Bundesbankinklusionszertifikakten statt Zinssenkung und negative Einlagezinsen durch EZB
;-)

ruby Mai 20, 2014 um 03:02

VT pur
https://www.youtube.com/watch?v=j56s46e97Lo
muse: H.A.A.R.P. Live From Wembley Stadium 2007
http://www.youtube.com/watch?v=ZKxNCNtMd0U

"ruby" Mai 20, 2014 um 04:21

Banker und Hedger lest schon mal die Beschreibungen von Samuel Pepys über die populären Hinrichtungen in London (Aufhängen unter Applaus der Massen) – Lizenzentzug ist nicht genug !
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/fruehaufsteher/credit-suisse-bekennt-sich-schuldig-12947856.html
;-)
Ja, die Schweinbrut wird gerichtet werden – no way out
http://www.youtube.com/watch?v=G90ngH2anxQ

ruby Mai 20, 2014 um 05:57

“Die Hinrichtungen waren beliebte öffentliche Spektakel, die Massen von Schaulustigen anzogen. Die Dorfbewohner von Tyburn errichteten große Zuschauertribünen, deren Plätze sie an zahlendes Publikum vermieteten. Gelegentlich brachen die Aussichtsplattformen zusammen und begruben hunderte Besucher unter ihren Trümmern. Die Exekutionen wurden als willkommene Feiertagsunterhaltung betrachtet. Londoner Lehrlinge bekamen sogar einen Tag frei. Der englische Graphiker und Karikaturist William Hogarth warnte deshalb 1747 die Auszubildenden der Themsestadt in seinem satirischen Kupferstich The Idle Prentice executed at Tyburn (dt. Der faule Lehrbub wird in Tyburn gerichtet) eindringlich vor allzu großer Neugier.

Tyburn tauchte in vielen beschönigenden und spöttischen Redensarten auf, die sich auf die Todesstrafe bezogen. Wem kein gutes Schicksal vorausgesagt wurde, der „machte eine Fahrt nach Tyburn“ (engl. „to take a ride to Tyburn“). Den „Tyburn-Hüpfer tanzte“ (engl. „dancing the Tyburn jig“), wer bereits am Galgen zappelte. Als „Grundherrn von Tyburn“ (engl. „Lord of the Manor of Tyburn“) bezeichnete man den öffentlich bestellten Henker. Verurteilte wurden im offenen Ochsenkarren vom Newgate-Gefängnis herbeitransportiert. Von ihnen wurde eine „gute Vorstellung“ erwartet, worunter das zeitgenössische Publikum verstand, dass die „armen Seelen“ in ihrer besten Kleidung und mit lässiger Haltung aus dem Leben schieden. In diesem Fall brüllten die Zuschauer beifällig „Gut Gestorben!“ (engl. „good dying!“), doch Schwächeanfälle der Todeskandidaten wurden lauthals verhöhnt.

Neben einem gefassten Auftreten verlangte das Publikum von den Todgeweihten eine „last dying speech“ (dt. „letzte Sterberede“). Die meisten Verurteilten hielten sich an dieses eigentümliche Ritual und hielten vor ihrer Hinrichtung eine Ansprache, in der sie üblicherweise ihre Reue über die begangenen Freveltaten zum Ausdruck brachten und die Nachwelt warnten, nicht denselben sündigen Pfad zu beschreiten. Diese Rede wurde häufig in Form eines Flugblattes als eine Art „Programmzettel“ vor der Urteilsvollstreckung verkauft.”
aus wiki
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/52/HogarthTyburnLarge.jpeg

ruby Mai 20, 2014 um 06:18
egal Mai 20, 2014 um 11:52

FL meinte mal, die Bundesregierung habe die Ukrainekrise zunächst zwar unterschätzt, aber nicht befördert. Die Verantwortung für die Eskalation läge bei anderen.
Ich habe die Einschätzung damals interessiert zur Kenntnis genommen.

Günther Verheugen auf SPON via nds sagt was anderes:

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/ukraine-krise-helmut-schmidt-von-ex-eu-kommissar-verheugen-kritisiert-a-970150.html

petervonkloss Mai 20, 2014 um 13:16

Soldat Schwejk Mai 19, 2014 um 12:52
„Was ist denn das? “Aussterben…” *Kopfschüttel*

Er ist ein Rechter mein lieber Schweik, so wie Du ein Linker bist, der immer noch nicht begriffen hat, daß es keinen
Internationalismus gibt, und keine Rettung für alle. Ansonsten ist deine vertrauenswürdige Position geeignet……….
weiter zu denken, Du mußt nur die Metaphysik des Links- Rechts abstreifen, bzw. vorerst beibehalten mit der Forderung einer Schuldenunion. Damit käme die AfD auf ca. 30% und die Linke auf 20%;

reicht für eine neue GROKO.

Carlos Manoso Mai 20, 2014 um 15:35

@petervonkloss Mai 20, 2014 um 13:16
„Er ist ein Rechter mein lieber Schweik, so wie Du ein Linker bist, der immer noch nicht begriffen hat, daß es keinen Internationalismus gibt, und keine Rettung für alle. Ansonsten ist deine vertrauenswürdige Position geeignet………. weiter zu denken, Du mußt nur die Metaphysik des Links- Rechts abstreifen, bzw. vorerst beibehalten mit der Forderung einer Schuldenunion. Damit käme die AfD auf ca. 30% und die Linke auf 20%; reicht für eine neue GROKO.“

pvk, du hast immer noch nicht begriffen, so wie übrigens die meisten „Linken“ und so gut wie fast alle „Rechten“ (inoch in alter Terminologie, die „Metaphysik des Links- Rechts“ ist seit mindestens 200 Jahren nur Futter für Ignoranten und Dummköpfe) , dass es kein JENSEITS der bereits auslaufenden Selbstzweck-Logik des „abstrakten“ Kapitals mehr gibt. Die „abstrakte“ Reichtumsproduktion läuft immer schneller aus wie Wasser aus sich durchlöchernden rostigen Wassereimern.

Der totalitäre Zwang , dass aller stoffliche (konkrete) Reichtum immer durch das Nadelöhr der Warenform und der Kapitalverwertung hindurch muß, war auch schon vor dem historischen Beginn des „Systems des Kapitals“ komplett verrückt. Die Krisenverwaltung jagt am Ende des Systems des Kapitals 2014 ff wie ein Haufen Wahnsinniger der irrealen Fata Morgana eines „gesunden Kapitalismus“ nach und zerstört dabei alle Grundlagen gesellschaftlicher Reproduktion. Das zwanghaft-verrückte Festhalten daran generiert ein Programm zur massenhaften Stillegung gesellschaftlicher Ressoucen und wird zum Motor eines gigantischen globalen Verarmungsschubs.

Da nicht nur in Europa, sondern auch in den USA & China abstrakte Arbeit zum Auslaufmodell wird, unterminiert das „System des Weltkapitals“ in seiner ureigenen Logik immer schneller seine eigenen basalen Grundlagen, während zur gleichen Zeit die Produktivkräfte des „Systems des Weltkapitals“ historisch einen Zenit erreichen (3. mikoelektronische Revolution).

Phänomene wie „Schuldenunion“, „GROKO“ etc. sind lediglich „alternativlose“ (hilflose) Mittel, den vollen Durchschlag der Krise nochum ein paar Monate oder gar Jahre aufzuschieben. Sollten die deutschen Sparkommissare in der EU sich aber mit ihrem Vorhaben eines rigiden Herunterfahren der Staatsverschuldung wirklich durchsetzen, wäre der Zusammenbruch des riesigen Gebäudes an fiktivem Kapital, das in den letzten 30 Jahren errichtet wurde, unvermeidlich. Innerhalb der Krisenlogik des Kapitals wäre die „mildere“ Alternative dann das gewaltsame Zusammenschrumpfen der abstrakten Reichtumsform, verbunden mit dem “realen” Übergang zu einer extrem autoritären Notstandsverwaltung.

Balken Mai 20, 2014 um 16:24

Witzig, unsere freien Medien ™ finden zum Demo-Aufrufsmodus aus Maidan-Zeiten zurück. Ausführlich berichtet der Nachrichtensender NDR Info über einen Aufruf (!) deols “reichsten Oligarchen der Ukraine, Achmetow,” der selbst aus Donezk stamme, gegen die “prorussischen Separatisten” zu protestieren! Z.B mittags täglich Hupkonzerte zu veranstalten. Hoffentlich verbreitet die Deutsche Welle das auch auf ukrainisch? Aber vielleicht sollen wir ja auch hier mithupen.

ruby Mai 20, 2014 um 19:39
ruby Mai 20, 2014 um 19:43
ruby Mai 20, 2014 um 19:56
"ruby" Mai 20, 2014 um 20:08
Insider Mai 20, 2014 um 20:44

@Carlos Manoso Mai 20, 2014 um 15:35
Der totalitäre Zwang , dass aller stoffliche (konkrete) Reichtum immer durch das Nadelöhr der Warenform und der Kapitalverwertung hindurch muß, war auch schon vor dem historischen Beginn des „Systems des Kapitals“ komplett verrückt. Die Krisenverwaltung jagt am Ende des Systems des Kapitals 2014 ff wie ein Haufen Wahnsinniger der irrealen Fata Morgana eines „gesunden Kapitalismus“ nach und zerstört dabei alle Grundlagen gesellschaftlicher Reproduktion. Das zwanghaft-verrückte Festhalten daran generiert ein Programm zur massenhaften Stillegung gesellschaftlicher Ressoucen und wird zum Motor eines gigantischen globalen Verarmungsschubs.
Da nicht nur in Europa, sondern auch in den USA & China abstrakte Arbeit zum Auslaufmodell wird, unterminiert das „System des Weltkapitals“ in seiner ureigenen Logik immer schneller seine eigenen basalen Grundlagen, während zur gleichen Zeit die Produktivkräfte des „Systems des Weltkapitals“ historisch einen Zenit erreichen (3. mikoelektronische Revolution).

Ohne darüber eine vertiefte Diskussion führen zu wollen, wozu dieser Blog auch nicht geeignet wäre, möchte ich nur anmerken, dass es aus meiner Sicht nicht zutreffend ist, den sozioökonomischen Prozess in den USA und in China gleichzusetzen.

In China verläuft eine andere Entwicklung, nicht nur die Logik der Kapitalverwertung, auch wenn dies in den prokapitalistischen Medien anders dargestellt wird.
In 5 bis 10 Jahren wird die unterschiedliche Entwicklung noch deutlicher wahrnehmbar sein.

"ruby" Mai 21, 2014 um 00:28
"ruby" Mai 21, 2014 um 00:34
"ruby" Mai 21, 2014 um 00:42

wenn krakehlen dann richtig
https://www.youtube.com/watch?v=WZ-1DYwaxrE

"ruby" Mai 21, 2014 um 00:51
"ruby" Mai 21, 2014 um 01:04
Insider Mai 21, 2014 um 12:48

Noch ergänzend:

Die Frage ist, ob das Nicht-Erkennen der soziostrukturellen Unterschiede zwischen der Entwicklung in den westlich-kapitalistischen bzw. vom US-Imperialismus dominierten Gesellschaften und China auf mehr auf Systemblindheit und Ignoranz oder auf intellektueller und theoretischer Unfähigkeit basiert?

aifran Mai 21, 2014 um 14:35

http://de.ria.ru/business/20140521/268547321.html

gibts jetzt Sanktionen auch gegen China???

http://derstandard.at/2000001413577/Russland-und-China-unterzeichnen-Gasdeal-im-Wert-von-400-Milliarden

….Bezahlt wird in US Dollar oder Landeswährung????????

Carlos Manoso Mai 21, 2014 um 14:53

@Insider Mai 20, 2014 um 20:44
„Ohne darüber eine vertiefte Diskussion führen zu wollen, wozu dieser Blog auch nicht geeignet wäre, möchte ich nur anmerken, dass es aus meiner Sicht nicht zutreffend ist, den sozioökonomischen Prozess in den USA und in China gleichzusetzen.
In China verläuft eine andere Entwicklung, nicht nur die Logik der Kapitalverwertung, auch wenn dies in den prokapitalistischen Medien anders dargestellt wird.
In 5 bis 10 Jahren wird die unterschiedliche Entwicklung noch deutlicher wahrnehmbar sein.“

Insider, vor unseren aller Augen vollendet sich global ein „einheitlicher“ Weltmarkt (ein kleiner Teil dieses Prozesses ist z.b. TIIP, bezogen auf die USA/EU/Europa usw.), und du behauptest: „In China verläuft eine andere Entwicklung, nicht nur die Logik der Kapitalverwertung.“ China bildet m.E. die Kehrseite der Defizite der USA ab sowie den defizitären/überschüssigen Teilen der EU ab.

„Linke“ haben insofern tragischerweise einen Vorsprung in Sachen Ignoranz, als sie bereits die letzten Akte der historischen Tragödie, die sich gerade vor unseren Augen vollzieht, weder begriffen, geschweige denn erahnt haben, sofern sie gewohnheitsmäßig an der lauwarmen Oberfläche herumplätschern

Insider Mai 21, 2014 um 15:18

@ Carlos Manoso

Reise nach China und schau Dir vor Ort die Infrastrukturpolitik, die Entwicklung des Bildungswesens, den Ausbau des Sozialstaates, die Entwicklung der Löhne und der Binnenökonomie etc. an.

Sieh Dir die Entwicklungen an, die in China in den letzten in den drei letzten Jahrzehnten abgelaufen sind.

Sprich mit den Menschen. Lass Dir erzählen, wie sich ihr Leben verändert hat und weiterhin verändert.

Und vergleich dazu die Entwicklungen in den kapitalistischen Ländern.

Dann kannst Du kompetent mitreden.

Carlos Manoso Mai 21, 2014 um 15:41

@Insider Mai 21, 2014 um 15:18
„Sieh Dir die Entwicklungen an, die in China in den letzten in den drei letzten Jahrzehnten abgelaufen sind.
Sprich mit den Menschen. Lass Dir erzählen, wie sich ihr Leben verändert hat und weiterhin verändert.
Und vergleich dazu die Entwicklungen in den kapitalistischen Ländern.
Dann kannst Du kompetent mitreden.“

Insider, ich habe 2 Jahre lang mit Chinesen in der Provinz Zhèji?ng (im Südosten Chinas) verbracht, teilweise 12 Stunden am Tage, hauptsächlich mit Managern, Bürokraten und den intelligentesten jungen Intelligenzlern die ich gesehen habe.

Viele Manager ließen nach langen tastenden Gesprächen hinter vielen Masken eine ökonomische Sicht auf die Menschen für Minuten raus, die mir das Blut in den Adern gefrieren ließ. Der historische „Manchesterkapitalismus“ wäre dagegen vergleichsweise für Europäer das pure Paradies.

Insider Mai 21, 2014 um 16:23

@Carlos Manoso Mai 21, 2014 um 15:41
Viele Manager ließen nach langen tastenden Gesprächen hinter vielen Masken eine ökonomische Sicht auf die Menschen für Minuten raus, die mir das Blut in den Adern gefrieren ließ.

Dass Teile der chinesischen Eliten skrupellos und verbrecherisch handeln, wurde beispielsweise beim sog. Melamin-Skandal deutlich.

Selbstverständlich ist das heutige China eine Klassengesellschaft und die Polit- und Staatsbürokratie ist durch neofeudale Strukturen, durch Privilegien, Korruption etc., durchsetzt.

Den Satz:
Der historische „Manchesterkapitalismus“ wäre dagegen vergleichsweise für Europäer das pure Paradies.
halte ich für einen Ausdruck von typisch europäischer Arroganz und Ignoranz.

Denn die europäische Geschichte ist – anders als die chinesische – durch kriegerischen Imperialismus und Kolonialismus, Sklaverei, Rassismus, systematischen Völkermord etc. gekennzeichnet.

Historisch waren die Europäer und ihre Auswanderer nach Nordamerika die Schlimmsten der Schlimmen auf diesem Erdball.

Und diese imperialistische und kriegerische Geschichte wurde nach dem WK II fortgesetzt.

Die größte Gefahr für die Menschheit geht von den US-Amerikanern und den Europäern aus.

Das ist leider – die meist verdrängte – Wahrheit.

Insider Mai 21, 2014 um 16:52

P.S.

Man findet in Chinas Geschichte durchaus Despotie, Grausamkeit und Menschenverachtung bei Herrschern und Eliten.

Zugleich gehört die Orientierung am Staats- und Gemeinwohl zur geistigen und kulturellen Tradition sowie kollektiven Identität in China.

Ich sehe bislang nicht als dominierende oder als zukünftige Tendenz, dass die Chinesen einem anti-sozialen Liberalismus verfallen so wie die dekadenten kapitalistischen Gesellschaften.

ruby Mai 22, 2014 um 06:30

@ Frankie (fkaB)
Stanley Fischer hat noch einiges in der Zauberkiste…
http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/nachrichten/geldpolitik-der-fed-us-notenbank-will-leitzins-vorerst-nicht-erhoehen/9930722.html
Der ist doch kein asoziales Arschloch und Penner wie …
;-)
http://www.deutschlandradio.de/audio-archiv.260.de.html?drau:page=1&drau:audio_id=279049&drau:play=1
Looking for a good society?

ruby Mai 22, 2014 um 06:37

Die “Great society”- vor 50 Jahren präsentierte Präsident Johnson Reformprogramm
Sendezeit: 22. Mai 2014, 05:18 Uhr
Autor: Horchler, Andreas
Programm: Deutschlandfunk
Sendung: Informationen am Morgen
Länge: 03:33 Minuten MP3

"ruby" Mai 22, 2014 um 18:26

@ Gerald Braunberger
+
@ Carlos Manoso

Wie und wann enden die toxischen Anlagen, Zertifikate?

http://www.faz.net/aktuell/finanzen/fonds-mehr/historische-finanzkrisen-frankreich-1720-aufstieg-und-fall-von-john-laws-finanzsystem-1283673.html
Ist bereits sechs Jahre her …
http://de.wikipedia.org/wiki/John_Law
bzw.
knapp 300 Jahre

Ist vielleicht etwas unfair?
;-)

Frankfurt am Main Dezember 21, 2014 um 09:57

Der Abend beginnt mit dem Kindertanzhaus (18:00-20:00), in dem die Kinder spielerisch Spiele, Tänze und Lieder verschiedener Regionen kennenlernen können.

rocha Januar 14, 2015 um 22:19

Wenn Sie ein Darlehen zu machen zwischen bestimmten danke zu wollen
Kontakt mit Frau Rocha Dassilva
das mich lächeln machte
Lippen. Und meine Tante als Darlehen erhalten
50.000 € und ich habe mehrere Kollegen, die auch
erhaltenen Darlehen auf sein Niveau ohne Probleme statt
Sie von böswilligen Personen haben
zur Arbeit nehmen die Unschuldigen zu betrügen und
Ich veröffentliche diesen Beitrag, weil es mir gut mit
dass Darlehen und nicht entmutigt werden, weil mich
tun 3 Mal, dass ich haben, aber das 4. Mal
Ich traf diese ehrlich und großzügige Frau, denn ich bin wirklich in Not
so nehmen Sie mit ihr in Verbindung zu treten ist ihr E-Mail: rochadassilva01@gmail.com
Danke mir gefällt und senden Sie Ihre Anfrage an
erhalten Ihr Darlehen in 72 Stunden oder weniger.
Ps: endlich die Nachricht, um den Bedürftigen zu helfen geben

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