Ein Gespenst namens ISIS im Irak

by f.luebberding on 12. Juni 2014

Manchmal tauchen Gespensterarmeen in den Medien wie der fliegende Holländer auf. So wird in den vergangenen Tagen der Irak zum Thema, weil es einer islamistischen Organisation namens ISIS gelungen ist, Mosul einzunehmen. Die zweitgrößte irakische Stadt liegt an der Schnittstelle zwischen den autonomen Kurdengebieten und dem formal von einer Zentralregierung in Bagdad beherrschten Staat. Sie ist zudem eines der Zentren der irakischen Ölindustrie. Nun besteht im Irak seit dem Einmarsch der USA im Jahr 2003 ein prekäres Gleichgewicht zwischen Kurden, Sunniten und Schiiten. Sie streiten sich um die politischen Trümmer, die die USA in dem Land hinterlassen haben. Bis heute haben sie keinen Verfassungskompromiss gefunden, der dem Land eine mehr als labile politische Stabilität zu sichern vermochte. So kämpften sunnitische Gruppen schon immer mit terroristischen Mitteln gegen die von der schiitischen Mehrheit des Landes kontrollierte Zentralregierung, während die Kurden in den seit 1991 quasi selbstständigen Nordprovinzen an ihrem eigenen Staat bastelten. Dazu kommt der Einfluß des Auslands, den erst die neokonservativen Vollidioten in der Regierung des jüngeren Bush mit ihrem Einmarsch im Jahr 2003 ermöglichten. So haben die Saudis und die Ölemirate am Golf, die Türkei und der Iran ein Interesse an der Instabilität des Irak. Saudis und Kataris betrachteten ihn seit dem Sturz Saddam Husseins als Schlachtfeld im Kampf mit Teheran um die Hegemonie am Golf. Dann brach im Jahr 2011 der Bürgerkrieg in Syrien aus.

Dort wiederholte sich das irakische Drama. Der Bürgerkrieg wurde zum Interventionsplatz der gleichen auswärtiger Mächte, die schon im Irak eine Rolle spielten, inclusive der USA und Rußland. In Syrien gibt es heute ein (zynisch gesprochen) militärisches Patt zwischen Regierung und Opposition. Wenn schon keine der beiden Seiten diesen Krieg gewinnen konnte, sollte wenigstens die Niederlage der eigenen Verbündeten verhindert werden. Dabei entwickelten sich die merkwürdigsten Konstellationen. So wurden die USA zum Verbündeten der gleichen radikalen Islamisten, die ihnen etwa in der Besatzungszeit im Irak Schlachten wie die um Falludscha geliefert hatten, und bisher in Syrien gegen Assad und seine Verbündeten von der Hisbollah agieren. Die USA bekämpfen einen Säkularisten wie Assad in Damaskus, während sich schiitische und sunnitische Gotteskrieger gegenseitig den islamistischen Schädel einschlagen. Das hört sich nur für Leute seltsam an, die ideologische Folklore mit Realpolitik verwechseln. So überlegt die Türkei nach der Eskalation im Irak im Nordirak zu intervienieren. Grundlage soll eine Selbstermächtigung durch das Parlament in Ankara sein. Nur richtete sich diese ursprünglich gegen die Kurden – und gerade nicht gegen ISIS. Es ist mittlerweile wirklich schwierig geworden, angesichts dieser auseinanderlaufenden Interessen den Überblick zu behalten.

Die Regierung in Bagdad hatte sich allerdings lange Zeit in Syrien zurückgehalten, weil sie dort nichts zu gewinnen, aber alles zu verlieren hatte. Im Irak funktioniert nämlich die von den neokoservativen Vollidioten aus Washington eingeführte “Demokratie” genannte Staatsform immer noch als eine Art Volkszählung. Die demographisch dominierenden Schiiten stellen daher den Regierungschef, haben aber das Problem, dass die wichtigsten Ölvorkommen des Irak gerade nicht im schiitisch dominierten Südirak zu finden sind, sondern in der Region um Kirkurk. Die Sunniten haben dagegen ihre Siedlungsgebiete in jenen Gebieten, wo es kein Öl gibt. Sie hatten bis 2003 das Land faktisch allein regiert – und waren nach dem Sturz Saddams zum Verlierer im Machtpoker um den neuen Irak geworden. Angesichts dessen war nicht die Instabilität des Irak das Erstaunliche, sondern dass der Irak trotzdem bis heute nicht völlig zerfallen ist. Im Irak ging und geht es bis heute allen Gruppen um die Kontrolle der gigantischen Olressourcen des Landes. Was sollen die radikal-islamistischen Sunniten mit einem Kalifat von Syrien bis zum Mittelirak anfangen, das gerade von einigen Leuten an die Wand gemalt wird, wenn dort buchstäblich nicht mehr zu finden wäre als Sand? Welches Interesse soll die Mehrheit der irakischen Sunniten an diesem ominösen Kalifat haben, wenn das nach einem Zerfall des Iraks bedeutete, an der Verteilung des Ölkuchens nicht mehr beteiligt zu werden? Sogar Gotteskrieger können ihre Rechnungen für Pickups und Kalaschnikows, mit denen sie gerade Mosul eingenommen haben, nicht mit Gotteslohn bezahlen.

Um so seltsamer ist es, wenn dieser Vormarsch einer Truppe, deren Stärke mit 10.000 Mann angegeben wird, als “größte Gefahr für den Nahen Osten” beschrieben wird. Sie konnten Mosul erobern, während die nominell 500.000 Mann starke irakische Armee davon gelaufen ist und sich die Kurden das Schauspiel lediglich von außen angesehen haben. Es wird heute sogar der Marsch von ISIS auf Bagdad angekündigt, wo aber nach 2003 noch nicht einmal die US-Army gegen den Widerstand der schiitischen Milizen agieren konnte. Dann soll ausgerechnet ein schlecht ausgebildeter Haufen von Paramilitärs namens ISIS Bagdad erobern und danach kontrollieren können? Wer soll das glauben? Tatsächlich agieren diese radikalsunnitischen Islamisten offenkundig als nützliche Idioten für andere Interessen. Deren Ziel ist der Premierminister des Irak, Nuri al Maliki. Dieser hatte es seit 2006 durchaus verstanden, das prekäre Gleichgewicht im Irak halbwegs stabil zu halten. Er musste sich mit der amerikanischen Besatzungsmacht verständigen, die Interessen von Kurden und Sunniten berücksichtigen – und dabei zugleich den Scharfmachern im schiitischen Lager etwas entgegenzusetzen. Das ist aber spätestens seit den Parlamentswahlen im Frühjahr diesen Jahres vorbei. Maliki geriet, so der Vorwurf, immer mehr in das Fahrwasser Teherans. Insofern muss man sich einige Meldungen von heute genauer ansehen. Während ISIS als militärischer Riese beschrieben wird, der sogar Bagdad bedroht und damit eine mit der US-Army vergleichbare Schlagkraft zu haben scheint, haben die Kurden mittlerweile die Kontrolle über die Ölstadt Kirkuk übernommen. Gleichzeitig haben die USA bisher eine Unterstützung Malikis in seinem Kampf gegen ISIS abgelehnt, während in allen möglichen Kommentaren vor dem Zerfall des Irak gewarnt wird. Gleichzeitig, so der Tenor, müsse die Türkei über eine Veränderung ihres Verhältnisses zu den Kurden nachdenken.

Schon seltsam. Alle warnen vor dem sunnitischen Kalifat und dem internationalen Dschihadismus, aber niemand beschäftigt sich mit der realpolitischen Funktion dieses paramilitärischen Haufens namens ISIS. Er setzt nämlich Maliki unter Druck, um ihn zu Zugeständnissen an Sunniten und Kurden, oder gleich zu seinem Abtritt zu bewegen. Gleichzeitig sorgen sie offenkundig im Westen für die nötige Legitimation, um die säkulare Opposition in Syrien militärisch zu unterstützen. In dem für die Zivilbevölkerung in Syrien desaströsen Patt zwischen der Assad-Regierung und der Opposition könnte somit Bewegung kommen. Die bisherige Konstellation, wo die USA und die Türkei radikale sunnitische Islamisten wie die ISIS gegen Assad instrumentalisierten, wäre mit der Eskalation im Irak vorbei. Dafür gibt es aber eine Voraussetzung: Sie müssen erst die Schiiten schwächen, die der wichtigste Verbündete Assads sind. Daran haben zugleich die Saudis und die Golfemirate ein Interesse, die den Irak oder Syrien nur als Nebenkriegsschauplätze zur Eindämmung des Iran betrachten. Und dann muss man auch nicht mehr lange raten, wer der beste Hebel ist, um den Iran und Assad via dem schiitischen Ministerpräsidenten Maliki in Bagdad unter Druck zu setzen: Die ISIS. Sie übernehmen die Funktion des nützlichen Idioten in einem globalen Machtpoker.

{ 70 comments }

Schatten Juni 12, 2014 um 16:39

Isis – die alte ägyptische Göttin…

Die Amis und die Israelis haben die Gotteskrieger doch immer in Syrien redlich unterstützt – Good Joe! Nun wundern sie sich, dass sie so erfolgreich sind… – Good Joe… You broke it, you own it!

In einem hatte dieser verrückte Professor Heinsohn aus Bremen (?) ja recht, die youth bulge – bleibt aber entgegen seinen Annahmen autoaggressiv!

Bladnoch1971 Juni 12, 2014 um 17:30

@ Luebberding
Sehr interessante Fragen die Sie in Ihrem Artikel aufwerfen. Zwar scheinen die Jungs von ISIS bereits wieder das für radikale Islamisten übliche Programm in “eroberten” Gebieten durch zu ziehen:
http://www.spiegel.de/politik/ausland/mossul-im-irak-islamisten-bringen-chaos-vertreibung-krieg-a-974692.html
Allerdings ist es schon eine Überlegung Wert, wie man mit ein paar hundert Kämpfern dies in einer Millionenstadt flächendeckend durchziehen will; bei der Anzahl dürfte schon eine Kontrolle der wichtigsten neuralgischen Punkte nahezu unmöglich sein.
Die lachenden Dritten dieses Konflikts könnten allerdings dieses mal wirklich die Kurden sein. Die Einschätzung von Martens in seinem Artikel teile ich, dass die Türkei ihr Verhältnis zu den Kurden im Nordirak überdenken muss. Durch die Besetzung von Kirkuk (ob dauerhaft, wird sich zeigen) haben die Kurden, wie sie ja selbst schon angemerkt haben, die Finger am Ölhahn. Dadurch hat ihr de facto schon eigenstaatliches Gebilde im Nordirak eine deutlich breitere ökonomische Basis. Die Einnahmen die daraus fließen, werden mit Sicherheit zu einem nicht unerheblichen Teil in die weitere Aufrüstung der Peschmerga verwendet werden, was wiederum Ihre Machtposition weiter stärken wird.
http://de.wikipedia.org/wiki/Peschmerga
Nach allen was ich so im Netz gefunden habe, ist die Kurdenregierung des Nordirak eher pragmatisch orientiert. Somit wird sie wohl auf die Ausrufung eines eigenen Staats mittelfristig weiterhin verzichten, um der Türkei die Möglichkeit zu lassen, die Beziehungen gesichtswahrend neu zu definieren.

aifran Juni 12, 2014 um 18:03

OT
“FAZ”-Mitherausgeber Frank Schirrmacher gestorben —

Frankie (f.k.a.B.) Juni 12, 2014 um 19:19

Danke, viel Erhellendes in dem Artikel.

aifran Juni 12, 2014 um 20:37

http://kurier.at/chronik/oesterreich/austro-control-wieder-stoerangriff-auf-flugsicherung/69.912.159

Zum zweiten Mal verschwanden Flieger vom Radar / Europäische Behörden untersuchen.

Nionde Juni 12, 2014 um 21:09

Guten Abend,

ein sehr guter analytischer Beitrag zum Irak/Nahost/Farben Revolution/WWIII. Hätte ich nicht von Ihnen erwartet.

Good night & good luck
Chapeau!
Nionde

egal Juni 12, 2014 um 21:24

Danke für diese kompetente Einschätzung.

Natalius Juni 13, 2014 um 00:52

Ich kann mich nur anschliessen! Was haben diese irren Ziocons vor? Reicht Ukraine nicht? What’s next? Carpet bombardement eines fiktiven islamischen Grossgottesstaats? Self-fulfilling biblical prophecy? Das ist doch alles nicht wahr! Wie kriegen wir es hin, uns mit Freunden auf der ganzen Welt in Resonanz zu setzen, die diese unsäglich dumme Selbstvernichtung durch Krieg und Globalkapitalismus ebenfalls nicht wollen? Global prayer an unsere Mutter und das Mütterliche – internet organized? Webs of webs of webs of human demands: Stop sucking our planet!

bleistift Juni 13, 2014 um 02:27

“Schon seltsam.”…

Und dann beginnt die Verschwörungstheorie.

gelegentlich Juni 13, 2014 um 06:18

@fl

Ausgezeichneter Beitrag! Vielen Dank! Trifft dort, wo ich es übersehen kann, den Nagel auf den Kopf. ISIS endet in dem Moment, wo Schiiten und Kurden um ihr Leben kämpfen müssen und die westliche Unterstützung (Saudi-Arabien und Katar zähle ich dazu) nicht adäquat gesteigert werden kann.

@Natalius: einfach mal Aliens und eigene Projektionen (Ziocons) weglassen und an normale Köpfe anschlußfähig bleiben. Tut nicht weh! Und dann kann man immer noch die Hobbies im Hobbykeller bearbeiten.

nochsoeiner Juni 13, 2014 um 06:39

Ausgezeichneter Beitrag. Dürfte die Realität ziemlich gut treffen.

Hier ein Artikel zu der Geschichte aus einer libanesischen Zeitung (diese hat m.E. oft recht interessante Stories zu den Vorgängen in Nahost, da sie sozusagen “näher dran” ist):

http://english.al-akhbar.com/node/20146

Frankie (formerly known as Bernankie) Juni 13, 2014 um 09:25

Auch nicht uninteressant – diese Analyse ausm Standard:

http://derstandard.at/2000001978893/Sunnistan-am-irakisch-syrischen-Horizont

Wobei, “Analyse” ist etwas hochgegriffen, meine ich, letztlich ist es doch nur eine Aneinanderreihung potential denkbarer Motive der Akteure in dieser Weltgegend. Aber mei, was wissen wir schon.

Witzig: eine der Motive wäre lt. Harrer , dass ISIS sogar eine Assad-Kreation ist, um die Opposition zu spalten – während @Lübberding ja meint , die ISIS wäre von USA und Türkei gegen Assad instrumentalisiert worden…

Mein Gott, was für ein Durcheinander. Ich schau lieber wieder Fussball: der Ball ist im Tor oder nicht, und nach 90 Minuten ist alles vorbei. Das ist die Übersichtlichkeit , die mein schlichter Geist in der Lage ist zu verarbeiten.

aifran Juni 13, 2014 um 09:26

http://principiis-obsta.blogspot.se/2014/06/usa-frankreich-und-saudi-arabien.html

http://nattvandare.blogspot.se/2014/06/washingtons-eiserner-vorhang-in-der.html

Machtpoker – Strategie der Macht
… ach was solls –
Dingsbums vor – noch ein Toooooooor
Dingsbums vor – noch ein Toooooooor

gute Zeiten für die Pokerspieler der Demokratie ihre gezinkten Karten neu zu mischen

aber wieviele Spielrunden wirds wohl noch brauchen bis UNSERE im Iran lagernden Rohstoffe In UNSERER DEMOKRATISCHEN Hand sind?

Bladnoch1971 Juni 13, 2014 um 09:36

@Frankie

Wobei von Zeit zu Zeit (seit Wembley 1966) auch die Frage ob Tor oder nicht Tor nicht eindeutig geklärt werden kann.

Gott ist die Welt kompliziert……….

Bogus Juni 13, 2014 um 09:51

Mich überrascht etwas das positive Urteil Lübberdings über Maliki. Dessen Methode, das “Gleichgewicht stabil zu halten” sah ja wohl so aus:

“…dass die al-Maliki Regierung in Bagdad sich stark mit den Schiiten identifizierte und Repressionskampagnen gegen die Sunniten auslöste. Immer wieder kam es zu Massenverhaftungen von Sunniten, sogar sunnitischen Frauen, denen ohne klare Beweise vorgeworfen wurde, sie arbeiteten mit dem sunnitischen Widerstand zusammen. Wenn die Beweise fehlten, versuchten die schiitischen Sicherheitskräfte Geständnisse durch Brutalität und Folter zu erpressen.”

Der das schreibt sollte sich in dieser tragischen Ecke der Welt eigentlich auskennen:
http://www.journal21.ch/der-zusammenbruch-in-mosul

Auch erscheint mir die Bezeichnung “nützliche Idioten” für eine derart erfolgreiche Rebellenarmee unangemessen verharmlosend. Deren nahezu ungehinderter Durchmarsch dürfte ein Hinweis sein auf die Unzufriedenheit weiter Bevölkerungskreise mit dem derzeitigen Regime.

jmg Juni 13, 2014 um 09:52

“Wembley Tor” ist eindeutig geklärt!
http://www.youtube.com/watch?v=HeXWEVXhdUo

Doktor D Juni 13, 2014 um 10:43

Gut informierten (soweit ich das beurteilen kann) Hintergrund und laufenden Kommentar zu ISIS und dem Mittleren Osten kann man auch hier lesen http://www.juancole.com/

Hardy Juni 13, 2014 um 10:52

Endlich mal ein guter Kommentar zu diesem Schrottkrieg.

Mist, ich wollte eigentlich im September nach Erbil.

Allen Amis sollte man eine Sonderedition von Goethes Zauberlehrling zukommen lassen – ob’s hilft?

egal Juni 13, 2014 um 11:50

Übrigens, OT, deutsche Medien machen es sich gerade in ihrer VT bequem, die Putinversteher seien bezahlte Trolle. Beispielhaft die SZ: http://www.sueddeutsche.de/politik/propaganda-aus-russland-putins-trolle-1.1997470

“Propaganda aus Russland Putins Trolle

Auffälliges Missverhältnis

Nun gibt es erstmals Belege dafür, dass die Manipulatoren auch gezielt das Publikum von Nachrichtenportalen und sozialen Netzwerken jenseits des russischen Sprachraums ins Visier genommen haben. Den Verdacht gibt es spätestens, seit sich Redaktionen im Zuge der Ukraine-Krise mit einer Flut von Kommentaren konfrontiert sahen, die – ganz auf der Linie des Kreml – die Maidan-Proteste als Werk amerikanischer Geheimdienste und die Regierung in Kiew als Nazi-Junta zu diskreditieren suchten.

Zwar sind zweifellos auch Menschen im Westen aufrichtig dieser Meinung. Allerdings sind sie allen seriösen Umfragen nach in der Minderheit: Laut Allensbach-Institut bekennen gerade einmal acht Prozent der Deutschen, sie hätten “eine gute Meinung von Putin” (das entspricht etwa dem Ergebnis der Linkspartei bei der jüngsten Bundestagswahl). Laut Emnid haben 70 Prozent kein Verständnis für den russischen Präsidenten. Infratest dimap ermittelte, dass zwei Drittel der Bundesbürger Wirtschaftshilfen für Kiew befürworten und fast ebenso viele den politischen Druck der USA und der EU auf Moskau für sinnvoll halten. Die Kommentarflut, egal ob auf Spiegel oder Zeit Online, Sueddeutsche.de oder bei der ARD, aber erweckt den Eindruck, man stehe mit seiner Meinung alleine da, wenn man die Annexion der Krim als solche verurteilt – ein auffälliges Missverhältnis.”

Die Umfragen sind nicht verlinkt und ihre korrekte Interpretation damit nicht überprüfbar. Davon abgesehen – Quellenkritik?

“An den Veröffentlichungen fällt auf, dass die Anonymen ihr Material nicht nur aus gehackten Postfächern beziehen, sondern offenbar auch Zuträger im Zentrum der Macht haben. Immer wieder sind Dokumente dabei, die offenbar in den Kabinetten der Kreml-Administration abfotografiert wurden.”

Warum soll ich irgendsoeinem Hans von der SZ glauben, dass er nicht Merkels Troll ist?

gelegentlich Juni 13, 2014 um 12:33

@egal
Zumal der Hans von der SZ dem eigentlichen Problem aus dem Weg geht: man muss Putin nicht mögen, man kann seine Innenpolitik in Russland vehement ablehnen, man kann den Anschluss der Krim als völkerrechtswidrig betrachten – und dennoch vehement gegen die gegenwärtigen Versuche des Westens sein, unter hanebüchenen Vorwänden (Menschenrechte und so…)einen neuen Kalten Krieg heraufzubeschwören. Diese Ablehnung teilen vermutlich 60-70% der Deutschen. Das idiotische Märchen vom Putinversteher greift da nicht.
Und eine im außenpolitischen Teil so gut transatlantisch vernetzte Redaktion wie die der SZ ist da schon gar nicht glaubwürdig.
Und angesichts des neuen Themas ISIS sei daran erinnert: das sind unsere Gangster. Ohne westliche Hilfe (Katar und Saudi-Arabien zähle ich da mit) wären das zweifellos fanatische, aber bettelarme Schafe, die umsonst in der Wüste blöken.

Natalius Juni 13, 2014 um 12:38

Hier die iranische Sicht:
Iran’s president says the Islamic Republic will not tolerate violence and terror as foreign-backed Takfiri militants wreak havoc in northern Iraq.
http://www.presstv.ir/detail/2014/06/12/366645/iran-wont-tolerate-violence-in-iraq/
Mein Eindruck ist, dass man den Iran irgendwie in den Konflikt “einzuverwickeln” versucht. Interessant auch, dass man bei uns mit dem Akronym ISIS (das zweite S steht für Syrien) übersetzt, was der Irak mit ISIL (L für Levante) abkürzt. Die Levante bezieht Israel ein – unter (Groß)syrien kann sich keiner etwas vorstellen.

Hardy Juni 13, 2014 um 13:33

@egal

Dass nahezu die komplette deutsche Qualitätsjournaille (SZ, FAZ, WELT, Bild, ZDF, ARD,…) in irgendeinam amerikanischen “Think Tank” organisiert ist, scheint die Weltversteher von der (nicht nur geistig) nahezu bankrotten SZ nicht zu stören. Aber die 70% der Deutsche, die Russland im Recht sehen, müssen halt auch noch überzeugt werden – Gesinnungsjournalismus auf allen Kanälen.

Doktor D Juni 13, 2014 um 14:05
Carlos Manoso Juni 13, 2014 um 14:25

@Frankie (formerly known as Bernankie)Juni 13, 2014 um 09:25
Witzig: eine der Motive wäre lt. Harrer , dass ISIS sogar eine Assad-Kreation ist, um die Opposition zu spalten – während @Lübberding ja meint , die ISIS wäre von USA und Türkei gegen Assad instrumentalisiert worden…
Mein Gott, was für ein Durcheinander. Ich schau lieber wieder Fussball: der Ball ist im Tor oder nicht, und nach 90 Minuten ist alles vorbei. Das ist die Übersichtlichkeit , die mein schlichter Geist in der Lage ist zu verarbeiten.“

Frankie, des mit dem Fußballgucken is so wie Pädophilie bei erwachsenen Männern. Bei Pädophilen bleibt die sexuelle Reifeentwicklung -wenn sie janz großes Glückhaben- im Alter von 18 Jahren janz einfach stehen, weshalb sie –auch als erwachsene Männer- zeitlebens auf noch nicht ganz erwachsen gewordene “Männerspieler” ” stehen“.

Kommen wir nun zu den Spielerinnen des VfL Wolfsburg. denen der Trainer „schon vor einigen Wochen einen „entscheidenden Entwicklungsschritt“ attestierte: „Sie haben gelernt, im entscheidenden Moment da zu sein““
http://www.faz.net/aktuell/sport/fussball/der-vfl-wolfsburg-ist-frauenfussball-meister-12979509.html

Kommen wir nun zum Geheimnis der ISIS. Viele rätseln, ob es da noch den „großen Unbekannten im Dunkeln“ gibt. Die Medien haben bereits ISIS-Chef Abu Bakr al-Baghdadi bereits zum wahren Erben von Osama bin Laden gekürt, „viel erfolgreicher als dessen blasser Nachfolger, Ayman al-Zawahiri, der sich irgendwo im Niemandsland zwischen Pakistan und Afghanistan eingebunkert hat. … Bei manchen Operationen handelt es sich offenbar nur darum, Angst und Schrecken zu verbreiten, um die Angegriffenen davon abzuhalten, das Territorium, dass die Isis besetzt hält, zurückgewinnen zu wollen.“

Es geht nur noch darum, die Schuldigen für die Krisen und Kriege zu benennen, während die aus den eskalierenden Systemwidersprüchen resultierende Krisendynamik, die ja den eigentlichen Motor der beständig um sich geifernden Krisen bilden, ausgeblendet bleibt.

Linus Juni 13, 2014 um 15:33

@Carlos:
“Es geht nur noch darum, die Schuldigen für die Krisen und Kriege zu benennen, während die aus den eskalierenden Systemwidersprüchen resultierende Krisendynamik, die ja den eigentlichen Motor der beständig um sich geifernden Krisen bilden, ausgeblendet bleibt.”

Das ist ja für sich ein schönes Statement. Es erklärt aber bzgl. ISIS gar nix.

Offensichtlich ist nicht klar, mit wem die Allianzen bilden. Angeboten werden: Assad, Türkei, Salafisten/Wahabiten, Baathisten, hab ich wen vergessen? Ebenso unklar bleibt ihre Agenda. Islamischer Gottesstatt, ja schon, aber konkretisiert wird das nicht, sonst müsste sich das eben in einer gewissen Kohärenz der Aktionen/Bündnisse niederschlagen.

Einzig Blutdurst lässt sich als durchgehendes Muster erkennen. Inzwischen hat sich ein regelrechter Dschihad-Tourismus etabliert. Mord und Totschlag dienen nicht mehr einem “höheren” Ziel, sondern sind zum Selbstzweck geworden. Das erinnert fatal an die Horden im 30-jährigen Krieg, oder auch verbreitet in Afrika, getreu dem Motto: der Krieg ernährt den Krieg.

Wer sich mit denen einlässt, der versucht den Tiger zu reiten. Zu kontrollieren sind die mE nur über ihre Waffenzuflüsse. Und diese sind eben von einem Stakeholder allein nicht wirksam zu begrenzen.

Das ist das wirklich Fatale an den coloured revolutions: die völlig unkontrollierte Ausbreitung von Waffen. Das Rezept ist ebenso simpel wie wirkungsvoll. Allerdings ist das Mittel nicht sehr zielgenau. Man sollte daher gehörigen Abstand einhalten, wenn man es zündet. Als Inselstaat haben die USA diesbzgl. eine strategisch äusserst vorteilhafte Position.

aifran Juni 13, 2014 um 16:07

… mein Gott – der Terror der ISIS würgt unser gerade so Suuuupeeerr anlaufendes Wirtschaftswachstum ab – 2, 3 oder sogar 4% hättens werden können Scheixxxx ISIS… Oh Gott, Oh Gott

jetzt verschenken sogar schon die Patenteinhaber ihre Patente an alle … das Ende ist da – oh Gott, oh Gott

topi Juni 13, 2014 um 16:23

” eine der Motive wäre lt. Harrer , dass ISIS sogar eine Assad-Kreation ist, um die Opposition zu spalten – während @Lübberding ja meint , die ISIS wäre von USA und Türkei gegen Assad instrumentalisiert worden…”

Das schließt sich doch nicht mal aus.

f.luebberding f.luebberding Juni 13, 2014 um 16:55

topi

Manches schließt sich schon aus. Etwa diese Analyse aus der FAZ mit meinen eigenen Überlegungen. Wenn sich die USA und der Iran anähern, weil sie beide den gemeinsamen Feind ISIS für eine größere Bedrohung halten als die bisher klassische Kostellation USA vs. Iran. Dann ginge das auf Kosten der Saudis und der syrischen Opposition. Für die USA existiert dabei nur ein Problem. Während der Iran im Irak und in Syrien bleibt, verlieren die USA ihre bisherigen Verbündeten. Sie müssten sich mit dem Iran als Hegemonialmacht abfinden. Offensichtlich ist es aber die Strategie von ISIS, die Schiiten zum Religionskrieg gegen sie zu zwingen. Damit wäre die Teilung des Landes perfekt – oder der Iran würde zur Besatzungsmacht etwa in den sunnitischen Regionen des Irak. Es wäre das beste Instrument zur Eskalation.

aifran Juni 13, 2014 um 17:16

Russland ist nicht in die Ukrainefalle gegangen

also ein neuer Versuch an anderer Stelle

Wird der Iran in die Falle gehen?

Das Imperium der Fallensteller braucht den großen Knall um Imperium zu bleiben!

egal Juni 13, 2014 um 17:49

Nochmal OT. Die SZ hat ihren Artikel kommentiert. 8/10 Punkten auf der Franz-Beckenbauer-Skala für paradoxales Nullsprech.

“Liebe Leser,

selbstverständlich behaupten wir nicht, dass jeder von Ihnen ein Troll ist. Viele von Ihnen kennen wir ja schon wesentlich länger, haben Ihre Kommentare gelesen und diese an die Redaktion weitergeleitet. Wir nehmen Ihre Kritik an unserer Berichterstattung ernst und reflektieren darüber.

Dennoch ist uns in Bezug auf die Debatte zur Ukraine aufgefallen, dass es immer wieder Nutzer gibt, die versuchen selbige zu beeinflussen. Eine solche Beeinflussung schadet der Diskussion.

Mit freundlichen Grüßen,
Daniel Wüllner”

Die NDS zum SZ-Artikel:
http://www.nachdenkseiten.de/?p=22052#h01

Doktor D Juni 13, 2014 um 17:56

@FL und topi:
ISIS als Instrument der Golfstaaten, um USA bei der Stange zu halten – damit sie nicht anfangen, sich mit dem Iran auf irgendwas zu verständigen?

Keynesianer Juni 13, 2014 um 18:52

Die ZEIT hat jetzt das Rätsel gelöst:

Russland und der Iran sind für die ISIS verantwortlich!
http://www.zeit.de/politik/2014-06/irak-isis-russland-usa

Der Verfasser dieses Gerüchts, ein Michael Thumann, hat 2012 den Helga und Edzard Reuter-Preis für Völkerverständigung und den Deutschen Journalistenpreis erhalten.

Irgendwie fasse ich es nicht und muss mich fragen:

Hatten wir etwa schon immer so eine Lügenpresse und ich habe das früher nur nicht gemerkt, weil ich da selber auch nur so ein armes Schäflein gewesen bin, dem die alles erzählen konnten?

Schatten Juni 13, 2014 um 21:08

Heute im Handelsblatt: Die USA wollten die ganze Region militärisch aufmischen – „Sieben Staaten in fünf Jahren“ (mittlerweile stark redigiert).

“Die Gesamtkosten (von dem, was sie “geschafft” haben), einschließlich Wiederaufbau und Behandlungskosten für US-Soldaten, beläuft sich der Studie Zufolge auf 2,2 Billionen Dollar.”
http://www.handelsblatt.com/politik/international/us-aussenpolitik-sieben-staaten-in-fuenf-jahren/10036758.html

kecker Juni 13, 2014 um 21:26

@ keinsinnianer “Irgendwie fasse ich es nicht…”

Die Dummheit ist rund. Niemand weiß, wo sie anfängt und wo sie aufhört. (Ernst Ferstl)

"ruby" Juni 13, 2014 um 22:10

@ Keynesianer würde die Adaption in
@ keinsinnianer sofort anwenden – ist einfach gut, sehr, sehr gut
;-)

Linus Juni 13, 2014 um 22:26

@Keynesianer:
Ich frage mich, ob die nicht zunehmend ganz bewusst übertreiben, damit es auch der letzte merkt. Das aber würde bedeuten, dass bereits Zustände herrschen wie in der DDR.

Natalius Juni 13, 2014 um 22:38

Ich weiss nicht, ob das noch zu früh ist, aber Atzmon erklärt sich diese Undurchsichtigkeiten über den sog. Yinon-Plan: http://www.globalresearch.ca/greater-israel-the-zionist-plan-for-the-middle-east/5324815
Letztlich also das uralte Prinzip des divide et impera. Unlogisch ist es nicht. Condoleeza ist schon aufgetreten, warten wir mal auf Victoria und John, was die da zur Befriedung vorschlagen.

Balken Juni 13, 2014 um 23:52

Gelegentlich vrllinkt er seinen Blog hier ja selbst, jetzt mache ich das mal:
http://lostineu.eu/nichts-dazugelernt-3/?utm_source=feedburner&utm_medium=feed&utm_campaign=Feed%3A+lostineu%2Frfqp+%28Lost+in+EUrope%29

Bedenkenswert, wie ich finde. Verstärkt den Eindruck, dass da allenthalben Zauberlehrlinge am Werk sind, de die gerufenen Geister nicht wieder los werden.

Bemerkenswert still geworden ist es übrigens um Weißrussland. Noch vor einiger Zeit hatte da unsere freie Presse ™ Lukashenko zweimnal täglich als den letzten Diktator Europas ausgemacht. In der Tat, da gibt es noch ein Land mit geringer Arbeitslosigkeit, noch nicht gräzisiertem Gesunheitswesen usw. zu destabilisieren und in die Freiheit zu führen. Vieloleicht sind derzeit genug Fässer aufgemacht, eine farbige Revolution in Minsk muss noch etwas warten.

"ruby" Juni 14, 2014 um 00:10

16575
http://www.youtube.com/watch?v=jexLbflbBFc
Die Krauts sind auf der Bühne!
@ Frankie
Shane und Barry als Drum + Rhythm Masters
und die können auch anders …
http://shanegaalaas.com/index.php
ziemlich jazzig ;-)
Gespenster gehören vertrieben

gelegentlich Juni 14, 2014 um 16:09

Eine sehr nachdenklich gewordene Stimme, die lange Jahre den modernen, liberalen Islamismus unterstütze, den er in der AKP vorzufinden glaubte:
http://www.hurriyetdailynews.com/turkey-wakes-up-to-jihadist-terror.aspx?pageID=449&nID=67771&NewsCatID=411

#VOLKSAUFSTAND1706 Juni 14, 2014 um 18:05


Ich wette, dass in den kommenden Wochen der Parlamentsvorbehalt für Bundeswehreinsätze fällt…

verfasst von stocksorcerer, 14.06.2014, 17:43

http://politropolis.wordpress.com/2014/06/11/deutschland-und-die-nato-angriff-statt-verteidigung/

Wenn der Parlamentsvorbehalt fällt bedeutet das mehr oder weniger, dass der Bund die Kommandogewalt über die Bundeswehrtruppen an den NATO-Oberbefehlshaber verliert.

Die Zukunft unseres Landes wird verscherbelt von Menschen, für die das Verschachern Selbstzweck ist und “wir” schauen Fußball-WM.

Ich hätte gerne, dass alle Bürger das Fenster aufmachen und hinausschreien, dass sie sich das nicht mehr gefallen lassen wollen. Mancher mag wissen, worauf ich anspiele. Ich finde das Video bloß gerade nicht.

#VOLKSAUFSTAND1706 !
#VOLKSAUFSTAND1706 !!
#VOLKSAUFSTAND1706 !!!

Carlos Manoso Juni 14, 2014 um 19:46

@f.luebberding Juni 13, 2014 um 16:55
„Wenn sich die USA und der Iran anähern, weil sie beide den gemeinsamen Feind ISIS für eine größere Bedrohung halten als die bisher klassische Konstellation USA vs. Iran. Dann ginge das auf Kosten der Saudis und der syrischen Opposition. Für die USA existiert dabei nur ein Problem. Während der Iran im Irak und in Syrien bleibt, verlieren die USA ihre bisherigen Verbündeten. Sie müssten sich mit dem Iran als Hegemonialmacht abfinden. Offensichtlich ist es aber die Strategie von ISIS, die Schiiten zum Religionskrieg gegen sie zu zwingen. Damit wäre die Teilung des Landes perfekt – oder der Iran würde zur Besatzungsmacht etwa in den sunnitischen Regionen des Irak. Es wäre das beste Instrument zur Eskalation.“

Luebberding, wies aussieht, werden sich die USA wohl mit dem Iran als regionale Hegemonialmacht gezwungenermaßen abfinden müssen – und somit Israel ebenfalls.

Aber der Zerfall des Irak wird nur das Vorspiel dessen sein wird was die Welt noch zu erwarten hat, wenn die USA ihr Abschiedsabenteuer in Afghanistan gezwungenermaßen voll gegeben haben. Die für heimliche militärische Spezialmissionen bei Irans Revolutionsgarden zuständige iranische „Ghods“-Brigade wird wohl noch viel zu tun bekommen. Vor allem, wenn man bedenkt, daß die weltgrößte Anhäufung von Geld und Öl , die aber nur von einer Handvoll Wüstenscheichs kontrolliert wird, in den Golfstaaten und Saudi-Arabien konzentriert ist.

Balken Juni 14, 2014 um 19:49

Habe ich richtig gehört? Pfarrer Emeritus Gauck hat Deutschland zu mehr Verantwortung, auch zum Kriegseinsatz aufgerufen, etwa wenn irgendwo auf der Welt ein Regime gegen das eigene Volk Krieg führt. Zuerst hörte ich fast heraus, er habe gegen Poroschenko zum Kampf aufgerufen. Aber nein doch, Kampf gegen das eigene Volk, das war doch Janukowitsch. Der stand ja kurz vor dem Abtransport nach den Haag, weil er nicht nachweisen konnte, dass die Maidan-Scharfschützen wirklich nicht von ihm … Oder so. Poroschenkos Fallschirmjäger hingegen (gibt es eigentlich auch in Deutschland Staatstrauer? Unsere Medien klangen so empathisch) wollten im eigenen Land doch wohl mit Care-Paketen unterm Arm abspringen.
Man sieht echt nicht mehr durch.
Schwierig auch, noch auseinanderzuhalten, wann irgendwelche Al-Kaida-Freischärler nun oppositionelle Freiheitskämpfer oder Separatisten, Islamisten sind. Zumal es durchaus dieselben Kämpfer sein können. Der Unterschied, wenn sie denn ein halbwegs laizistisches und halbwegs parlamentaristisches Regime behämpfen, ist offenbar, ob es sich bei diesem um ein prowestliches oder um ein nicht lagergebundenes oder gar mit Russland oder China verbandeltes handelt. Im ersten Falle Islamisten, Jihadisten u. dgl., im letzteren Freiheitskämpfer.
Sollte man nicht meinen, diese ISIS-Truppen sind dabei, ein schiitisches Einflussgebiet vom Iran bis zur Levante zu verhindern – also Freiheitskämpfer’? Oder haben Saudi-Arabien und die Emirate es überzogen, ein unter deren Einfluss stehendes Sunnistan vom Golf bis zur Levante ist den USA nun auch wieder nicht recht – daher nun wider Erwarten doch Islamisten?
Muss wohl so.sein. Weil sonst wären es doch Freiheitskämpfer.

Carlos Manoso Juni 14, 2014 um 20:16

@ Linus Juni 13, 2014 um 15:33
„Einzig Blutdurst lässt sich als durchgehendes Muster erkennen. Inzwischen hat sich ein regelrechter Dschihad-Tourismus etabliert. Mord und Totschlag dienen nicht mehr einem “höheren” Ziel, sondern sind zum Selbstzweck geworden. Das erinnert fatal an die Horden im 30-jährigen Krieg, oder auch verbreitet in Afrika, getreu dem Motto: der Krieg ernährt den Krieg.“

Linus, das Stichwort „30-jähriger Krieg“ trifft es. Allerdings leben wir heute 450 Jahre später. So gesehen sehen wir einen Zeitrafferfilm, der –von heute aus gesehen- immer schneller rückwärts läuft, allerdings mit dem Handicap, dass der Horizont der meisten Zuschauer noch auf die untergehende beschränkt-regionale Welt von „Souveränität“, „Territorialität“ und „Politik“ geeicht ist, während der rückwärtslaufende Film doch gerade erstgestartet ist am Beginn des weltimperialen Ausnahmezustands und seiner Akteure

#VOLKSAUFSTAND1706 Juni 14, 2014 um 21:01

“Ein Gespenst namens ISIS im Irak”

…. im IRAK??

===> … ISIS …. und Co. … ANTE PORTAS GERMANIAE!!:

Patronenhülsen sichergestellt
Schüsse bei Massenschlägerei in Mannheim

Bei den Auseinandersetzungen zwischen Polizei und zwei rivalisierenden Gruppen sollen Schüsse gefallen sein. Die Beamten stellten eine Pistole und Patronenhülsen sicher. Insgesamt kam es in Mannheim innerhalb kürzester Zeit zu drei Massenschlägereien.

Elf Verletzte
Polizei sichert Mannheimer Innenstadt nach Massenschlägerei

In Mannheim gingen mehr als 40 Personen mit Hieb- und Stichwaffen sowie Reizgas aufeinander los. Bei den Auseinandersetzungen wurden elf Personen verletzt, einige davon schwer. Die Polizei sichert die Innenstadt nun mit einem Großaufgebot.

( Deutsche Wirtschafts Nachrichten )

===> … SIC TRANSIT GLORIA MULTICULTICAE!!

gelegentlich Juni 14, 2014 um 21:28

Leicht OT, aber nur leicht:
http://www.spiegel.de/politik/ausland/russland-gegen-die-ukraine-historiker-ueber-erinnerung-an-weltkrieg-a-974402-druck.html
Man kann ja auch Spon mal loben. Das, was der in den USA lehrende Jochen Hellbeck hier anbietet, ist doch ein anderes Kaliber als die unsägliche Komplexitätsreduktion, die der Modernist @Goodnight zum gleichen Thema hier abgeliefert hatte. Ich würde sagen: reicht an @Soldat Schweijk heran, der aber m.W. noch keinen Lehrstuhl hat.

Balken Juni 14, 2014 um 23:12

Gauck sollte die Deutschen Christen 2.0 gründen. Vielleicht kann er Huber dafür gewinnen, dann sind’s schon mal zwei.
Also na, natürlich nicht mit diesem Nazi-Geruch, das heißt, der Titel geht so doch nicht. Vielleicht nicht Deutsche, aber immerhin Bundesdeutsche Christen? Mit Gott für die freiheitlich demokratische Grundordnung. Das Nähere regelt ein Gesetz.
Pastorales ungenaues Gewäsch und das salbadernde Absondern von Binsenweisheiten ist doch immer wieder gut, von konkreten Schlussforlgerungen vereinnahmt zu werden, die nachträglich dann der Herr Pastor – oder seine Nachnachfolger- so nie gemeint haben wollen, und von denen sie sich dann folgenlos bedauernd distanzieren.

Balken Juni 15, 2014 um 22:26

Ich versuche immer noch, eine Ordnung meines Verständnisses in diese durch unsere Medien wabernden Bezeichnungen von Jhiadisten, Islamisten, Terroristen, Separatisten, Oppositionellen, Auständischen, Freischärlern, bis Freiheitskämpfern zu bringen (ob meine Skala aus dem Gedächtnis das ganze unseren Journaillien verfügbare Begriffsspektrum von pejorativ bis affirmativ abdeckt, bezweifle ich. Sicher gibt es weitere, die mir gerade nicht gegenwärtig sind.)
Also ich vermute mal: Die Begriffe sind zu wählen je nach dem Ausdrucksstärke des Information ersetzenden lagerideologischen Ausrufungszeichens, das der Schreiber zu setzen beabsichtigt im Rahmen seines Aufregungs- und Überzeugtseinsjournalismus. Mit der einfachen Lagerzuordnung eines Geschehens (West-Ost, oder ein noch imaginäreres Wir-Die) ist die treffsichere Auswahl des richtigen Begriffs eigentlich gegeben- also doch gar nicht so schwierig.
Wer “wir” ist wird klar aus einem diffusen Zugehörigkeitsgefühl, dem ein sehr konkretes Abhängigkeitsbewußtsein verdeutlichend unter die Arme greift.
Beispiele, bei denen die zu verwenden Begriffe nach diesem Kompass leicht und treffsicher gefunden werden:
Natürlich kann man sich alles und jedes einverleiben, das halbe Mexiko etwa, die Panama-Kanalzone oder Hawaii, weil das so schön mitten im Pazifik liegt. Aber doch nicht z.B. Tibet! Tibet geht gar nicht! Und da es aber doch geschehen ist, wird ein dem Mittelalter entsprungener Klosterfeudalist zum menschenrechtserkämpfenden Freiheitsfanal.
Man kann ein Stück aus einem Staat herausbrechen und ein aus sich selbst heraus nicht lebensfähiges Mafiastan, das dafür Zeit seines Bestehens ein dankbares Protektorat bleiben muss, um ein Cape Bondsteel herum errichten, das in der Perlenkette der Militärstützpunkte noch fehlte. Man kann aber nicht eine Halbinsel, die lange Zeit zum eigenen Staatsgebiet gehörte und eine geschichtlich unbedeutende Zeit einem Gebiet zugeschlagen war, das zu der Zeit nicht ein anderer Staat, sondern bloß eine andere Verwaltungsgliederung desselben Staates war, wieder in das eigene Staatsgebiet aufnehmen. Das geht gar nicht, auch nicht, wenn es ohne einen Schuss Pulver geschehen kann, weil der größere Teil der Bevölkerung dies aktiv so will und der kleinere wenigstens indifferent ist. Hier hätte demütig abgewartet werden müssen, bis in baldiger Folge eines vom interessierten Ausland orchestrierten Coup d’etat in der Hauptstatd jenes Staates, dem seit kurzem das Gebiet zugehört, die bestehenden eigenen Flottenverträge aufgekündigt und an selber Stelle die Kriegsflagge jenes interessierten Auslands aufgezogen wäre.
Irgendwie eigentlich doch ganz einfach, wann welche Titulierungen für diverse Kombattanten zutreffen.
Und sollten sich im Laufe des Geschehens die Interessen einmal ändern, wechseln für dieselben Gruppen schon auch eventuell die Bezeichnungen. Darin liegt kein Widerspruch. Die Lagerzugehörigkeit war halt unklar oder hat sich geändert. Man schaue sich etwa die wechselvolle Bewertung der osttimoresichen Separatisten bzw. dann Freiheitskämpfer an. Es hatte sich halt etwas geändert an der Auffassung der USA gegenüber den Ansprüchen Indonesiens.
Anderes (unbedeutendes und weniger bekanntes) Beispiel ist das wechselvolle Benennungs- und Bewertungsschicksal der Mudschaheddin e Chalgh (Volksmudschahedin).

Balken Juni 16, 2014 um 23:21

Heute interessanter Medien-Spin in den Nachrichten zum “Gasstreit” ‘Russland – Ukraine. “Der russische Gasmonopolist Gazprom” … “russisches Ultimatum” (wow, klingt martialisch bis mafiös) … “gegenseitig vor einem britischen Schiedsgericht verklagt” … “Ukraine lehnt den geforderten Preis als zu hoch ab” …
“Russland warnt vor Engpässen in der Gasversorgung Europas” …

Die Ukraine wehrt sich also gegen überhöhte russische Preisforderungen. So geht das in den Nachrichten minutenlang.
Was nicht berichtet wird:
Welcher Preis wird denn von Russland gefordert?
Welcher Preis ist weltmarktüblich?
Zu welchem Preis hat Russland bisher geliefert?
Seit wann hat Russland den Termin des “Ultimatums” bereits angekündigt?
Propaganda statt Information. DDR-Medien in ihren letzten Zügen, im Uhrzeit- und Wetterbericht-Glaubwürdigkeitsmodus.

Balken Juni 17, 2014 um 21:20

Neues von der Nachrichtenfront:
die ISIS verschwimmt in den Nachrichten der öffentlich-rechtlichen, wie es sich für eine Göttin gehört ;-) in einem Nebel der Nichtinformation. Wer sind die auf einmal? Vom Mond gefallen? Warum so erfolgreich? Wer hat sie bewaffnet? Oder kämpfen sie wie weiland die Israeliten vor Jericho mit bloßen Händen, mit Posaunengetös und dem Segen Gottes?
Umso deutlicher wird die vor Tagen schon geargwöhnte Stoßrichtung des Spins: Die die Stimmenmehrheit repräsentierende gewählte Regierung Maliki ist in Ungnade. Die den US-amerikanischen Streitkräften kein weiteres Agieren im rechtsfreien Raum genehmigen mochte (im Nachrichtensprech: keine Immunität zugestehen wollte). Was allerdings eine ziemlich freche Unbotmäßigkeit ist. Gehört sich nicht. Das muss natürlich Folgen haben.
Schon wird die Regierung Maliki aufgerufen die Menschenrechte zu wahren und die sunnitische Minderheit nicht weiter zu unterdrücken. Es sei kein Wunder, das anderenfalls solche Oppositionsgruppen auftreten.
Der Eindruck verstärkt sich, dass es also doch um die zu verhindernde schiitische Allianz vom Golf bis zur Levante geht.
Da wird mal wieder mächtig über Bande gespielt. Ein Teufelchen ist aus der Flasche gelassen. Ein Grund für das Einfliegen von special forces und marines ist gefunden. Drohnen sind angekündigt.
Leute, sagt doch gleich, was ihr wollt. Verstehe ich ja. Natürlich wollt ihr da nicht einfach raus sein aus dem Spiel. Natürlich wollt ihr den Orient nicht den Orientalen überlassen.
Aber erzählt nicht solche Geschichten! Von Menschenrechten, und so. Habt euch doch solche Umstände, die Lage zu einem Fall für den Internationalen Strafgerichtshof zurechtzuspin(n)en, das letzte Mal bei Milosewitsch gemacht.Und auch da lief es nicht besonders gut, bis glücklicherweise der Tod das Verfahren beendete. Bei Hussein und Gaddhafi ging es doch auch ohne!

aifran Juni 18, 2014 um 12:23

http://hinter-der-fichte.blogspot.de/2014/06/neurussland-strelkow-beklagt-sich-uber.html

… die Ungeziefervernichtungsaktion in bester Nazitradition scheint im Plan zu sein. Die Konzern-USA-EU Nazihäuptlinge klatschen und Jubeln – unsere Naziputsch Jungs in Kiew sind Super

“Putsch – Zur Geschichte des Amerikanischen Imperialismus”
Stephen Kinzer
http://www.amazon.de/Putsch-Zur-Geschichte-amerikanischen-Imperialismus/dp/3821845872

Wirtschaftsfaschismus ist was feines. Tradition ist was feines … Heil Nato Heil Hundekeks
(Finger Weg von unseren Nazi-Freunden in Kiew! – für euch liebe Nutzmenschen haben wir rasch mal die ISIS und diverse Killerbanden in Afrika aus dem Hut in die Schlagzeilen gezaubert und unsere Medien erzählen Täglich die passenden Storys damit ihr was zum “Rumbalgen” habt – also balgt euch mal schön …..)

Keynesianer Juni 18, 2014 um 15:09

Die wollen ihre Leser jeden Tag noch mehr veralbern. Jetzt habe Poroschenko einen “Friedensplan”, heißt es heute in unseren Medien:

Die Bürgerwehren in der Ostukraine sollen umgehend ihre Waffen abgeben und auf eine Amnestie hoffen, dafür werde das seine eigenen Bürger beschießende und bombardierende Kiewer Regime eine sehr kurze Feuerpause einlegen.
http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/ukraine-krise-poroschenko-kuendigt-feuerpause-an-12996430.html

Die müssen den Rest der Welt für sonstwie blöde halten.

Balken Juni 19, 2014 um 00:08

Wenn auch kaum in den Nachrichtensendungen der Hauptprogramme der öffentlich-rechtlichen, die nach einer Minute Politik fünf Minuten Mafifa-WM bringen, aber doch in den Informationssendern, kann man inzwischen schon mal etwas hören von Financiers und Ausrüstern, und von Dementis aus USA. http://www.dw.de/wer-finanziert-isis/a-17718504
In desem Zusammenhang wird das Gequatsche gegen die irakische Regierung, sie möge die sunnitische Minderheit nicht weiter unterdrücken und die Menschenrechte bewahren, oder die Personalisierungsmasche (“Maliki wird gehen müssen”), besonders witzig. Wie hält es mit den Menschenrechten der Stabilitätsanker in Nahost (O-Ton Merkel), Saudi-Arabien? Muss da jemand gehen?
Leutchen, nennt Ross und Reiter, nennt die Ziele eurer Nahostpolitik, und hört mit der Märchenstunde von den Menschenrechten als Beweggrund eurer Nahostpolitik auf.

Balken Juni 19, 2014 um 13:07

Nun also: Die US -Administration hat signalisiert, dass sie nicht mehr hinter Maliki stehe und einen neuen Regierungschef wünsche.

Ja wenn der Imperator den Daumen senkt … dann ist das eben so.

aifran Juni 19, 2014 um 14:27

Ein Regierungssprecher sagte, der “Einsatz gegen Terroristen” werde fortgesetzt. “Der Kampf geht weiter.” Auf die Frage, ob tatsächlich bis zu 4000 Separatisten beteiligt seien, antwortete er: “Dann wird es 4000 Särge geben.” (APA/Reuters, 19.6.2014) ….

http://derstandard.at/2000002152068/Schwere-Gefechte-in-der-Ukraine

http://www.heise.de/tp/artikel/42/42041/1.html

“Dann wird es 4000 Särge geben” …. Konsequent die Burschen! Da lacht das Wirtschafts-Faschistenherz – UNSERE – von USA/EU an die Macht geputschten Jungs, Bravo ….

aifran Juni 19, 2014 um 19:49

Hey Jungs, weiter so – weiter so …
Und nicht Vergessen – die versprochenen Sonderprämien werden erst nachdem es gelungen ist Russland zu einem Militärischen Eingreifen in der Ost Ukraine zu Provozieren auf Eure Geheimkonten in xxx überwiesen.

Eure Euch liebende USA/EU

Balken Juni 19, 2014 um 20:24

Alles gut. Der Irak hat die USA um Hilfe gebeten. Die USA sind bereit, mit sehr präzisen Luftschlägen das neue Teufelchen ISIS oder ISIL wieder in Aladins Wunderlampe zurückzustöpseln. Man ist also wieder da, und man beginnt, Regime change zu organisieren.
Die Unverfrorenheit, mit der man seltsame Terrorischten nun schon kaum noch verhüllt als Türöffner vorschickt, ist, im Vergleich zu G.W., neu. Der Friedensnobelpreisträger ist subtiler.

Mann, was die Russen sich so an Weltinnenpolitik trauen überall auf dem Globus! Dass die das dürfen!

Balken Juni 19, 2014 um 20:55

Man braucht auch keine UNO mehr für die USA-Weltinnenpolitik. Insofern führt Obama nahtlos weiter, was sein Vorgänger begann.
Wozu auch, in diesem Falle, wenn der Irak so nett gebeten hat, zu kommen … Kann doch niemand etwas dagegen haben. Muss man keinen Dritten fragen. Reiner Freundesdienst.
Anschließend gibt es dann da eine neue Regierung. Die nichtmehr,wie die jetzige, das Ergebnis der letzten Wahl widerspiegelt? Das macht doch nichts, es kann ja dann erneut gewählt werden. Wenn das gar in der Ukraine so gelaufen ist (das Pferd von hinten aufgezäumt, erstmal eine Übergangsregierung, dann wird ein dazu passender Präsident zur Wahl gestellt und gewählt, dem das gereinigte Restparlament applaudiert, dann, steht in der Ukraine jetzt bevor, als demokratische Krönung Wahl eines neuen Parlaments) dann läuft das doch wohl im Irak ebensogut.

Natalius Juni 20, 2014 um 11:44

Ich teile folgende Auffassung, nach der ISIL/ISIS vom religiösem Kern her kein “sunnitischer” Jihad sein kann: http://www.veteranstoday.com/2014/06/19/is-isil-sunni/
Atzmon’s Hinweis auf den Yinon-Plan erklärt zwar die Existenz des Gespenstes, nicht aber seine mirakulöse Vorgehensweise – etwa der Zentralbankraub in Mossul. Ich frag mich z.B., ob man Waffen (oder Academi-Söldner) auf dem internationalen Markt überhaupt mit irakischen Dinaren bezahlen kann? Kann es sein, dass die Zentralbank “zufälligerweise” Fremdwährungsreserven in USD gehortet hatte, die da kurz zuvor hingekommen waren? Nur mal so als Arbeitshypothese. Wie ist die irakische Zentralbank mit London und der Wall Street verknüpft? Viel findet man nicht: http://www.fed-iraq.com/

Natalius Juni 20, 2014 um 12:19

PS: Letztgenannter link auf das “Kundennetz” der CBI ist etwas ergiebiger als der link auf die CBI selbst.

Balken Juni 20, 2014 um 13:00

@ Natalius
Solche Mühen, um offizielle Narrative zu verifizieren oder zu widerlegen? Das lohnt die Mühe nicht! Der Nachrichtenspin setzt inzwischen längst irgendwelche Geschichten in die Welt, von denen gelegentlich sogar ergänzend erklärt wird, sie ließen sich “nicht aus unabhängiger Quelle bestätigen”, und das war’s. Man will nichts gesagt haben, kann aber -mit Recht – hoffen, dass die Behauptungen im Gedächtnis der eiligen Nachrichtenhörer hängen bleiben, bevor sie wieder zu den wichtigeren Dingen des Lebens (zur Zeit die Mafifa-WM) switchen. Solche Art Nachrichten wirken fast schon als Unterbewußtseins-Prägung, Psychowar. Um Seriosität und Nachprüfbarkeit geht es längst nicht mehr.
Natürlich ist ein “Überfall auf die Zentralbank” mit Erbeutung von Devisen eine bequeme Erkärung der finanziell guten Ausstattung der Bande. Die war zwar auch schon vorher gut. Aber Erzählungen müssen nichtmal mehr passen.
Zum Spin gehört auch die rührend komische, Ausgewogenheit suggeriende Mahnung an die Regierung (noch Maliki), die Diskriminierung von Suniten und KURDEN zu beenden. Die Kurden haben im Nordirak nahezu Souveränität erreicht, was etwa der Türkei ein Dorn im Auge ist. Neuerdings sorgt sich die NATO um die (angebliche) Diskriminierung der Kurden?
O.k., klingt natürlich hübscher, als würde der Westen deutlicher machen, nun die Sunniten wieder in Stellung bringen zu wollen, um eine Prävalenz der Schiiten (Bevölkerungsmehrheiten und Wahlergebnisse hin oder her) zu verhindern.
Ach hätten wir doch unseren guten alten Gauner Saddam behalten ;-) . Der hat zwar gegen den Iran versagt, aber im eigenen Land immerhin die Schiiten kurz gehalten.

Hübsch auch, wie die von Außen kommende Finanzierung der ISISL nun inzwischen zugegeben, und wie dafür wie für diese Truppe selbst insoweit Verständnis gezeigt wird, als eben die Regierung Maliki durch ihre Sunnitenpolitik an solchen Entwicklungen eine erhebliche Mitschuld trage.
Während gleichzeitig die russenfeindliche Politik der ukrainischen Putschregierung, die sofort gegen die russisschstämmige Bevölkerung in der Ukraine losging, kein Thema ist, für die Reaktionen der russisschtämmigen Bevölkerung anders als für die Sunniten im Irak im Westen kein Verstäündnis aufkommt, hinter jedem aufgemöbelten altenPanzer, den die ostukrainischen Aufständischen vorweisen, geargwöhnt wird, dass er aus Russland stamme, was ja gar nicht geht, denn es handelt sich schlißlich nicht um Pro-ISIS-Importe aus Saudi Arabien …
Diese unterschiedliche “Argumentations”weise der “öffentlich-rechtlichen” zur gleichen Zeit, je nach Interessenlage mit ein und denselben Argumentationsfiguren (Minderheitenrechte, Einmischung von außen) ist eine Frechheit, da sie entweder mit der abgrundtiefen Blödheit der “Nachrichten”rezipienten rechnet oder für den Nachrichtenrezipienten nur noch blanke Verachtung hat. Danke, freiheitlich-demokratische Grundordnung!

Balken Juni 20, 2014 um 14:09

O.T.
Öffentlich-rechtliche: Gabriel habe auf eine Kandidatur von Schulz für das Amt des Kommissionspräsidenten verzichtet, sogar auf ein sonstiges wichtiges Amt für ihn in der KOM, wenn Schulz wieder zum EP-Präsidenten gewählt werde.

Ja dann – Irgendwie waren die “Wahlen” zur Volkskammer der DDR dann doch gar nicht so undemokratisch, wie ich immer dachte :roll:

aifran Juni 20, 2014 um 14:14

Aus der Serie “Haut den Putin – Die skurrilsten Ideen der Kriegstreiber”

“NATO-Chef hat alarmierende Erkenntnisse über Fracking-Gegner

Wofür der neue kalte Krieg der NATO-Staaten gegen Russland doch so gut sein kann: Sogar zur Stimmungsmache gegen Umweltschützer eignet er sich. NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen hat nämlich erfahren, dass Fracking-Gegner eigentlich nur russische Agenten sein können.”
http://www.heise.de/tp/news/Umweltbewegung-russisch-unterwandert-2235557.html

“Was rauchen die?”Nato sieht russische Fracking-Verschwörung

“Nato-Generalsekretär Rasmussen sieht beim Streitthema Fracking eine gezielte russische Kampagne am Werk. Zusammen mit NGOs wie Greenpeace arbeite der Kreml daran, Europas Abhängigkeit von russischem Gas zu sichern. ”

http://www.n-tv.de/politik/Nato-sieht-russische-Fracking-Verschwoerung-article13058701.html

chabis Juni 20, 2014 um 15:09
Natalius Juni 20, 2014 um 15:45

@Balken,
“Solche Mühen, um offizielle Narrative zu verifizieren oder zu widerlegen? Das lohnt die Mühe nicht! Der Nachrichtenspin setzt inzwischen längst irgendwelche Geschichten in die Welt, von denen gelegentlich sogar ergänzend erklärt wird, sie ließen sich “nicht aus unabhängiger Quelle bestätigen”, und das war’s. Man will nichts gesagt haben, kann aber -mit Recht – hoffen, dass die Behauptungen im Gedächtnis der eiligen Nachrichtenhörer hängen bleiben, bevor sie wieder zu den wichtigeren Dingen des Lebens (zur Zeit die Mafifa-WM) switchen. Solche Art Nachrichten wirken fast schon als Unterbewußtseins-Prägung, Psychowar. Um Seriosität und Nachprüfbarkeit geht es längst nicht mehr.”

Mag sein, dass ein “information overload” mit sich inhaltlich widersprechenden aber stets propagandistischen Nachrichtenfragmenten das probate Mittel ist, um “politische” AHDS zu erzeugen. Wenn keiner mehr durchblickt, wie Dinge zusammenhängen – was hier im thread ja thematisiert ist – kann auch keiner mehr Stellung beziehen. Um so erstaunlicher ist es dann, wenn “alte Hasen” wie Scholl-Latour Fragen in einer Form beantworten, die nicht mal eine Spur von Zweifel aufkommen lassen:
http://www.heise.de/tp/artikel/42/42035/1.html

In seiner Analyse kommen zwar die Emirate als stakeholder vor, Israel aber z.B. nicht. Auch dass er den Iran jetzt schon als den Gewinner dieses Konflikts ausmacht, ist mit Verlaub mutig. Ob das Kerry wohl auch so sieht? Bei ihm und Nuland weiss man ja nie so genau, welche Interessen eher vorder- und welche hintergründig sind.

Was die Gesamtlage belangt, ist das Ganze schon ein wenig irritierend. Monitor wies gestern darauf hin, dass die Amerikaner ohne Rücksprache den Austausch taktischer Nuklearwaffen im Fliegerhorst Büchel vornehmen würden. Die Logik dieses Austausches erläutert Gordon Duff: http://www.veteranstoday.com/2014/06/18/vt-nuclear-education-as-the-hammer-drops/

Manche Falken scheinen davon überzeugt zu sein, dass man heute, 2014, einen Nuklearkrieg gewinnen könne…

Balken Juni 21, 2014 um 23:29

Ein Artikel der TAZ beschäftigt sich am 16.06. mit der unterstützenden Rolle der Türkei gegenüber ISIS, ein Engagement, das nach hinten losgeht.
Wie dem auch sei, und wer nun alles als Paten fungierte, jedenfalls Zauberlehrlinge allesamt,,die klug sein wollten und nun daran gehen, ihre als ihre Wasserträger hochgezüchtete Spukgestalt , da sie aus dem Ruder läuft, zu zerschlagen, wenn nicht anders mit Hilfe des großen US-Knüppels (Drohnen und Special forces), woraufhin sich wie im wirklichen Märchen (äh, Leben!) jeder zersplitterte Schurke sogleich in doppelter Anzahl erheben wird.
Europa und seine ehemalige Siedlungskolonie und heutige Vormacht lernen nicht. Sie wollen der Welt bei Strafe ihres eigenen, des “Abendlands” Untergang nicht anders als mit Gewalt begegnen.

Balken Juni 21, 2014 um 23:32

Da ich gerade von “Abendland” und im selben Zusammenhang von der Türkei rede – ich glaube nicht, dass in der Sache ISIS die Türkei auf eigene Rechnung agiert, ohne zumindest Duldung der NATO, also der USA.

topi Juni 22, 2014 um 15:21

Habt ihr die “schiitischen Rekrutierungsbusse” gesehen?

youth-bulge in Echtzeit

Natalius Juni 22, 2014 um 19:45

Es wird kompliziert. Busse nicht nur auf der Shia-Seite. Beim Barte des Propheten und seiner Erbfolge: Angeblich sind es 6 Mio Iraki, die mit ISIS “sympathisieren”. Israel kann sich im Moment noch zurücklehnen, es läuft bisher alles nach (Yinon)-Plan. Aber: Sollte ISIS/ISIL/DAASH (“The final “S” in the acronym “ISIS” relates to the Arabic word “al-Sham” which itself is variously used to refer to the Levant, Syria or even Damascus. But DAASH (ISIS) means the Levant or Eastern Mediterranean including Cyprus, Palestine, Jordan, Syria, and southern Turkey. ISIS has just announced that Raqqa, the only one of 14 Governorates its controls in Syria, is now the “Capital” of their emerging “Caliphate” which so far is a swathe of territory encompassing much of eastern and northern Syria and western and northern Iraq.”) tatsächlich Fahrt aufnehmen und als Gegenreaktion Drohneneinsatz, carpet bombing, und eine konzertierte Aktion Iran/USA erfolgen, dann wird die Sache möglicherweise für keinen mehr beherrschbar. http://www.veteranstoday.com/2014/06/21/will-isis-create-al-sham-caliphate-and-liberate-palestine/

Balken Juni 25, 2014 um 20:46

Da bereist ein Ketchup-Oligarch far far away den Irak, hat schwerbewaffnete “Militärberater” im Gepäck und ist von Drohnen umschwirrt wie andere von Mücken, gibt Ratschläge zum Regiemechange, dem seine Militärberaten nachhelfen sollen, und fordert nebenbei Putin dazu auf, seinen Einfluss auf die russischen Ukrainer gleich nebenan aufzugeben, und niemand findet das komisch. Das finde ich komisch.

Comments on this entry are closed.

{ 6 trackbacks }

Previous post:

Next post: