Fragen und Antworten

by f.luebberding on 13. Juni 2014

Gestern ist Frank Schirrmacher gestorben. Nach meiner Erfahrung hätte er auf so ein Ereignis mit Fragen reagiert, deren Antworten er noch nicht wusste. Was bedeutet das für diese Gesellschaft, wenn einer ihrer besten Köpfe mit 54 Jahren unerwartet stirbt? Schirrmacher war nicht nur Journalist und Publizist, sondern hat die Debattenstruktur und damit die politische Agenda in den vergangenen 20 Jahren maßgeblich beeinflusst. Die Antwort sagte zugleich etwas über die Rolle des Individuums aus. Schirrmacher hätte sich nicht für unersetzbar gehalten, aber immer gewusst, dass manche Menschen nicht zu ersetzen sind. Was bedeutet das eigentlich, wenn in manchen Nachrufen aus seinen Mails zitiert wird, um den Menschen Frank Schirrmacher zu charakterisieren? Man hätte mit ihm über den kategorialen Unterschied zwischen einem Brief und einer Mail diskutieren können, ohne deshalb gleich in das Lamento über das Ende der Briefkultur zu verfallen. Ihm wäre aber das Phänomen sofort aufgefallen, da bin ich mir sicher. Vor allem hätte ihn die Frage interessiert, was diese Mails eigentlich über ihn aussagen, womit man mitten in der Digitalisierungsdebatte wäre, die er in den vergangenen Jahren angestoßen hat. Seit gestern Nachmittag kann man unzählige Nachrufe auf Schirrmacher lesen. In den analogen Zeiten wäre die Zahl überschaubar gewesen, die meisten Eindrücke privat geblieben. Lässt sich jetzt über eine Datenanalyse sein Leben rekonstruieren? Wissen wir so alles über den Menschen Frank Schirrmacher?

Schirrmacher war kein Feind der Digitalisierung. Er nutzte sie und besaß zugleich das Bewusstsein dafür, wie es in den Zeiten davor gewesen war, und was mit ihr verlorenzugehen droht. Die Kritik am homo oeconomicus in Ego ist von dieser Erfahrung geprägt worden. Für seine Skepsis gab es aber auch einen Grund, der ihn wie kaum einen anderen auszeichnete: Schirrmacher selbst dachte kybernetisch und handelte in Netzwerken. Über Metadaten und die Analyse digitalen Handelns brauchte man ihm daher nichts zu erzählen. Er kannte die Bedeutung von Schlüssen und Fehlschlüssen, wusste nur zu gut, wie mit dieser Deutungshoheit Macht verbunden ist. Er konnte Nachts auf Mails reagieren, oder welche schreiben, und er bekam viele. Wie er das alles zusammenhalten konnte, weil auch sein Tag nur 24 Stunden hatte, blieb mir allerdings immer ein Rätsel. Computer haben es da leichter. Sie können eine Unmenge an Daten erfassen und strukturieren. Schirrmacher machte eigentlich nichts anderes, ob nun online über Mails oder offline im persönlichen Gespräch. Es war eine einzigartige Fähigkeit von ihm, Kontakte zu knüpfen, und auf dieser Grundlage Zusammenhänge zu erkennen. Aber er wusste natürlich, wo der Unterschied zwischen Mensch und Computer zu finden ist. Ein Mensch strukturiert am Ende diese Daten (früher nannte man das Eindrücke) indivduell auf Grundlage seiner Lebenserfahrung. Schirrmacher fürchtete sich vor einer Digitalisierung, die diesen Lernprozeß in der Logik von Nummer 1 kollektiviert, und damit am Ende die Individualität auslöscht.

Das alles diente einem Zweck: Eine Zeitung herausgeben, Bücher und Artikel schreiben, Vorträge halten. In einer Gesellschaft, die nur noch in Subsystemen funktionieren kann, konnte man von Schirrmacher lernen, wie und warum Medien als Schnittstelle zur Herstellung von Kommunikation von Bedeutung sind – und welchen Widersprüchen sie ausgesetzt sind bis sie ihre Rolle im Zeitalter der Digitalisierung gefunden haben werden. Das prägte auch seine Beziehung zur Politik. Wenn sie nicht nur von ihrer eigenen Logik namens Machtgewinn und Machterhalt dominiert werden soll, müssen Medien für die Irritation dieses Selbstverständnisses sorgen. Frank Schirrmacher konnte das alles, wie niemand anderes. Auf meine Fragen wird er mir nicht mehr antworten können. Wer ihn kennenlernen durfte, weiß den Verlust zu ermessen. Ich verdanke ihm viel, beruflich und persönlich. Es ist heute die Trauer über den Verlust eines Menschen, der mir viel bedeutet hat.

update 14.06.2014

Auf Anregung von Marco Herack eine Linkliste zum Tod von Frank Schirrmacher. Sie wird nicht vollständig sein. Findet man dort ein Leben?

 

15.06.2014

Die Ausgaben der FAZ von gestern und der heutigen FAS sind Schirrmacher gewidmet. Es steht nicht alles online. Einer formulierte zwei Sätze:

“Alle, die ihm viel verdanken, wissen, dass sie sehr zahlreich sind. Die Welt wird jetzt öder und dümmer. Schrecklich.”       Dietmar Dath

Was fehlt? Immer noch was. Dafür Goodnight nicht mehr. Anke Domscheit-Berg, Volker Zastrow, Michael Seemann, Kutter, Titel, Thesen, Temperamente, Nico Hofmann, Niklas Maak, Stefan Niggemeier, Nicola Wessinghage, Bülend Ürük, Juli Zeh, Philipp GollHans-Ulrich Gumbrecht, Stephan Nollar, Hans-Werner Sinn. Außerdem das heutige Altpapier von Matthias Dell mit weiteren Hinweisen – und dem Blick auf Grenzen und Möglichkeiten des Datenjournalismus. Was man schon immer wusste: Die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Satire sind bisweilen fließend. Dell hat aber den Nachruf von Jakob Augstein im Spiegel nicht berücksichtigt. Was nicht fehlt? Die heutige Frühkritik von Günther Jauch. Mein Tipp: Um 18:00 Uhr bloß kein Fußball sehen. Fortsetzung folgt.

17.06.2014

Volker Schlöndorf, Daniel Martienssen, Herbert Burda 2, Bettina Röhl, Verboten (taz), Hansjörg Müller, Muriel, Dieter Stein, Philip Oltermann.

Der Tag im HR heute zum Thema Nachruf.

18.06.2014

Ronnie Grob, John Brockman 2, Sascha Lobo, Harry Nutt, Jens Jessen 2, Lutz Hachmeister 2, Sandra Kegel, Wolfram Schütte.

19.06.2014

Michael Wuliger, Wolfgang Röhl, Jörg Sundermeier, Joachim Petrick, Georg Seesslen.

20.06.2014

Vor- und Nachruf auf Frank Schirrmacher, Thomas Wagner, Ursula Weidenfeld.

22.06.2014

Arno Orzessek, Sebastian Loudon, Letztes Geleit, Heike Ellersiek, Der Tod, die Worte – und ein Pfau, Uwe Kammann, Jürgen Kaube.

23.o6.2014

Andreas Unterberger, Daily Telegraph.

30.06.2014

Jetzt erst gesehen: Oliver Driesen.

05.07.2014

Ulrike Herrmann.

 

 

{ 221 comments… read them below or add one }

Carlos Manoso Juni 23, 2014 um 15:33

@Morph Juni 23, 2014 um 12:24
„Dummerweise erklärt das “Zwiebelschalenmodell” Krysmanskis sehr gut die von der ETH-Gruppe um Battiston gefundene Netzwerktopologie.”
Behauptest Du mal so. So wie Du die Existenz von jüdischen Reptilienorks from Outer Space behauptest.
Dass es bemerkenswerte Vermögenskonzentrationen und zentrale Finanzierungsagenturen gibt, ist bekannt. Weder aber wird diese Tatsache durch K.s ‘Zwiebelschalenmodell’ erklärt, noch ist klar, was aus diesem Faktum gesellschaftlich folgt.
Außer dass irgendwelche Ressentimentalen im long tail des Internet rote Öhrchen bekommen.“

Morph, du schreibst: „Weder aber wird diese Tatsache („bemerkenswerte Vermögenskonzentrationen „) durch K.s ‘Zwiebelschalenmodell’ erklärt, noch ist klar, was aus diesem Faktum gesellschaftlich folgt.“ Dieser Satz ist m.E. völlig wirr. Krysmanski will das Zustandekommen der „bemerkenswerten Vermögenskonzentrationen“ als solche nicht mir seinem ‘Zwiebelschalenmodell“ erklären. Es geht Krysmanski darum, die gesellschaftlichen Folgewirkungen dieser „bemerkenswerten Vermögenskonzentrationen“ mit Hilfe seines ‘Zwiebelschalenmodells“ systematisch zu beschreiben

„ Und nochmals: Die technologische Entwicklung, die Institutionalisierung gesellschaftlicher Rechte und Pflichten sowie die Entwicklung der nichtgesellschaftlichen Faktoren der gesellschaftlichen Reproduktion (Ressourcen und demographische Entwicklung) sind wichtiger als die Eigentumsstruktur. Sowas ähnliches hat ja schon der Marx gewusst. Der nannte das Basis/Überbau. Ihr Schnullis.“

Vergiß dieses schablonenhafte alte Denken, Morph. Lies Marx neu mit dem gesellschaftlichen Wissen des Jahres 2014! Marx Denken spiegelt seine Widersprüchlichkeit und seine Doppelbödigkeit wider, weil es seinem historischen Standort entsprechend einerseits die Modernisierungsaufgabe des Kapitalismus denkt, aber andererseits auch die (finale) Krise und die (überwindende“) Kritik am Ende des Modernisierungsprozesses mitdenkt. Erst am Ende des Modernisierungsprozesses des Kapitalismus kann z.B. die finale Krise der immer unhaltbarer werdenden Warenform viel konkreter als noch vom exoterischen Marx formuliert werden wie auch die Kritik subjektloser Herrschaft endlich vom sich auflösenden Paradigma des sog. „Klassenstandpunkts“ entkoppelt werden.

topi Juni 23, 2014 um 14:42

oder :roll:

topi Juni 23, 2014 um 14:42

“Und nochmals: Die technologische Entwicklung, die Institutionalisierung gesellschaftlicher Rechte und Pflichten sowie die Entwicklung der nichtgesellschaftlichen Faktoren der gesellschaftlichen Reproduktion (Ressourcen und demographische Entwicklung) sind wichtiger als die Eigentumsstruktur. Sowas ähnliches hat ja schon der Marx gewusst. Der nannte das Basis/Überbau. Ihr Schnullis.”

Na klar.
Und wenn einem alles gehört, macht nix.
Er muss doch nur sein Vermögen so einsetzen, dass die Einkommen aus der gemeinschaftlichen Produktion so verteilt sind, dass sie von einer deutlichen Mehrheit irgendwie als fair empfunden werden.

Es gibt so tolle Sonnenbrillen mit auswechselbaren Gläsern, da kann man sich ein sattes gelb einsetzen; damit sieht die Welt noch viel besser aus als rosarot. :rolleyes:

gelegentlich Juni 23, 2014 um 14:27

@Morph @Natalius
„Dummerweise erklärt das “Zwiebelschalenmodell” Krysmanskis sehr gut die von der ETH-Gruppe um Battiston gefundene Netzwerktopologie.”
Nein, das Modell erklärt gar nichts, die Netzwerktopologie auch nicht. Die beschreiben nur. Struktur und Funktion sind doch verschieden voneinander.
Dass Jemand in einem Gremium zusammen mit einem Anderen sitzt könnte etwas zu bedeuten haben, muss es aber nicht. Vielleicht schnarchen sie nur nebeneinander und kassieren das Sitzungsgeld. Dass sie sich dort miteinander zu bestimmten Handlungen verabreden müßte man halt getrennt beweisen können. Das gelingt selbst einem Chomsky nur selten.
Am absurdesten fand ich das mal im Netz. Da hat ein zwielichtiger Blogbetreiber (Opablog) die Tatsache hochgehalten, dass Beckstein und ein wichtiger Staatsanwalt im gleichen kirchlichen Gremieum saßen – als Entdeckung.
Da schlägt dann VT ins Denunziantenhobby um.
Ob die 500 Reichsten mit ihrem Geld tatsächlich das tun, was sie damit tun könnten, ist kaum zu untersuchen. Diejenigen, die sie kennen (laut @Natalius), sagen uns ja nicht einmal wer das sein soll.

aifran Juni 23, 2014 um 13:40

Wachstumszwang – (Wachstum oder Krise) macht mächtig Stress … weil wenns mit dem Wachstum nicht mehr klappt rappelt es in der Kapitalismuskiste :-)

Wachstumszwang (sonst Krise) – was ist der Auslöser, die Ursache?

aber darüber zu Reden ist ja Pfui Gack …. Warum?

Morph Juni 23, 2014 um 13:36

@Insider

;-)

Okay, ich will mal nicht so sein:

In Hegels Analyse des Verhältnisses von Herrschaft und Knechtschaft geht es um die Genese des Selbstbewusstseins. Hegels ganz gute Ausgangsidee ist, dass Selbstbewusstsein nur im Spiegel von Seinesgleichen möglich ist. D.h. Selbstbewusstsein ist nur als anerkanntes möglich. Das reflexive Ich kann sich als selbständiges Selbstbewusstsein nur erleben und erfahren, indem es von einem anderen Selbstbewusstsein (einem anderen reflexiven Ich) als solches anerkannt wird. Und darin liegt eine Spannung, denn damit sich die eigene Unabhängigkeit/Selbständigkeit des Selbstbewusstseins für sich beweist, muss das je andere Selbstbewusstsein sozusagen den ersten Anerkennungsschritt machen. Das aber will es nicht, denn es will sich ja gerade nicht in der Abhängigkeit vom je anderen Selbstbewusstsein sehen.

Diese Spannung begründet einen Kampf um Anerkennung, der in seiner ersten, ursprünglichen Form tatsächlich ein “Kampf auf Leben und Tod” ist. Das Problem aber ist, dass der Sieg in diesem Kampf ein Pyrrhus-Sieg ist, denn das ‘gewinnende’ Bewusstsein verliert in diesem Kampf seinen Gegenpart, den es doch anerkennungstechnisch braucht.

Aus dieser Erfahrung entspringt das Verhältnis von Herrschaft und Knechtschaft. In diesem Verhältnis ist das im Kampf auf Leben und Tod strukturell unterlegene Bewusstsein aber auf eigentümliche Weise dann doch der eigentliche Held, denn es ist, zur Knechtschaft und zur Arbeit gezwungen, damit das Subjekt der Produktion objektiven Geistes.

Mit Rollensoziologie und einer Komplementarität von institutionalisierten Handlungsprogrammen hat das nichts aber auch gar nichts zu tun.

Gern geschehen!

;-)

Schatten Juni 23, 2014 um 13:21

“500″? Dass dies nicht so einfach ist, dafür ist ja der Putin das beste Beispiel: Dem haben die “Oligarchen” den Wahlkampf finanziert und er hat sich bedankt, indem er sie aus der Politik rausdrängte, nach London oder ins Straflager schickte.

Selbst wenn den “500″ die halbe Welt gehört (China?), dann gehört sie ihnen als Eigentum, sie haben sie aber nicht in Besitz, unter Kontrolle.

Es geht als “geheime Macht” nämlich nur dann höchstens gut, wenn es für viele ein gutes Geschäft ist. Ist es kein gutes Geschäft mehr, klappt nix. Dann bricht das Chaos aus und die Condottieres kommen.

Früher ging es hier öfter mal um Keynes: Der hat in seinem Buch “Die wirtschaftlichen Folgen des Friedensvertrages” die “starken Männer” für Deutschland vorhergesagt, weil eben der Versailler Vertrag D ausbluten würde. Und bevor man jetzt mit Prescott Bush kommt – den WKII hat niemand so gewollt!

Aber das ist vielleicht das Gute an der heutigen “Opposition”, dass sie sich auf unbeweisbare graue Eminenzen konzentriert, “die Kreatur von Jekyll Island” und so Zeugs, statt auf naheliegende Dinge, wie demokratische Partizipation; den Staat, vielleicht EU-Verbund, als ordnende Hand, usw.

Wenn ich Illuminat wäre, würde ich diese unbeweisbaren Theorien noch befördern. Auch dieser Esoterik-Scheiß ist super! Leuten, die irgendwo zwischen freier Energie, Reptilien-Aliens und Metawellen des Bewusstseins sich ihre Theorien zusammenbauen, die sind beschäftigt…

Ostsächsischer Papierkorb Juni 23, 2014 um 13:20

Im Wissenschaftssystem gängige Papageiensprache. Diese Bezeichnung kannte ich bisher nicht. Ich nannte es deshalb Birnenquarkproduktion.

kecker Juni 23, 2014 um 13:15

@ BB “Deshalb – sorry Linus – An Morphs Argumentation ist nix methodisch, aber auch gar nix.”

Ehe man den Kopf schüttelt, vergewissere man sich, ob man einen hat. (Truman Capote)

*kecker,lach*

Insider Juni 23, 2014 um 12:59

@Morph

Sie behaupten vieles, aber begründen nichts.

Sie treten mit aggressiver Arroganz auf, werten andere Kommentatoren ab, verdrehen deren Argumentation und beleidigen diese. Wahrscheinlich erscheinen Sie nicht nur mir als ein Blender. Als ein Loser ohne Erfolg im Wissenschaftssystem, der hier im Internet den Professor spielt, den er im Real Life nicht erreicht hat und auch nie erreichen wird.

Sie wollen mit wissenschaftlicher Terminologie beeindrucken, aber das ist nichts weiter als im Wissenschaftssystem gängige Papageiensprache. Zum erfolgreichen Wissenschaftler fehlt ihnen m. E. vor allem die Argumentationskraft sowie Originalität.

Zudem weist ihr anti-soziales, hooliganhaftes Sozialverhalten auf einen eklatanten Mangel an psychischer Reife und Gesundheit hin.

Beeindrucken können Sie mit Ihrem Verhalten nur Ihresgleichen.

BB Juni 23, 2014 um 12:45

@Linus

Mit Epiphänomen will Morph doch wohl nur sagen, dass die Reichtumsverteilung im Grunde irrelevant ist, d.h. in der Konsequenz: keine Gefahr für die Demokratie, keine gefährliche Machtkonzentration, keine zunehmende Deprivierung bzw. Schrumpfen der Mittelschichten, etc.

Es ist die Linie: Regt euch doch nicht auf. Die Reichen sind nicht unser Problem. Er übernimmt damit die betäuben-wollende Position der Eliten und das auf ganz schwachen Füßen.

Er bringt das auch nicht gegen “Personalisierung” in Stellung. Die Personalisierung benutzt er nur als Punching-Argument gegen seinen aufgebauschten Intimfeind Natalius. Wenn er seine schwache Argumentation als Kampf gegen VT verkaufen kann, wirkt es größer.

Ich würde ihn jetzt nicht mit Napoleon vergleichen wollen, sondern mit Siegfried, der im Kampf gegen den Drachen unverwundbar wurde (Der Vergleich ist jetzt gelungener als der Vergleich Schirrmachers mit Napoleona *kecker, lach*)

Morphs Argument “Epiphänomen” beinhaltet (!) die Personalisierung und ist keine Gegenposition dazu.

Deshalb – sorry Linus – An Morphs Argumentation ist nix methodisch, aber auch gar nix.

BB Juni 23, 2014 um 12:34

Im übrigen – Morph – mein proletarischer Intellekt ist absolut authentisch :-) Das Sein bestimmt das Bewusstsein. Nicht unbedingt das aktuelle, aber das Sein in Zeiten der Prägung.

Linus Juni 23, 2014 um 12:25

@BB:
“Sein alternativer methodischer Ansatz bleibt komplett im Dunkeln”
Das stimmt so nicht ganz:

Morph bringt zunächst “Epiphänomen” gegen “Personalismus” in Stellung. Dieser Gesichtspunkt ist eine Prüfung wert. Leider macht hier jeder einen grossen Bogen drumrum.
Nach meiner Erinnerung lässt sich Krysmanskis Studie in BEIDE Richtungen interpretieren!

Das ist aber letztendlich egal. Die gegenwärtige Verteilung ist, grob verharmlosend gesagt, nicht “legitim”. Also gehört sie geändert. Die Frage ist nur, wie? Es geht um das Verständnis der Mechanismen, die zu diesem Missstand führen und ihren intelligenten Umbau. Sonst haben wir morgen wieder den gleichen Schlamassel.

Dabei sind auch und gerade Mächtigen gefragt. Oder sind die auch nur Opfer der Verhältnisse?

Morph Juni 23, 2014 um 12:24

@Natalius

“Dummerweise erklärt das “Zwiebelschalenmodell” Krysmanskis sehr gut die von der ETH-Gruppe um Battiston gefundene Netzwerktopologie.”

Behauptest Du mal so. So wie Du die Existenz von jüdischen Reptilienorks from Outer Space behauptest.

Dass es bemerkenswerte Vermögenskonzentrationen und zentrale Finanzierungsagenturen gibt, ist bekannt. Weder aber wird diese Tatsache durch K.s ‘Zwiebelschalenmodell’ erklärt, noch ist klar, was aus diesem Faktum gesellschaftlich folgt.

Außer dass irgendwelche Ressentimentalen im long tail des Internet rote Öhrchen bekommen. ;-)

Und nochmals: Die technologische Entwicklung, die Institutionalisierung gesellschaftlicher Rechte und Pflichten sowie die Entwicklung der nichtgesellschaftlichen Faktoren der gesellschaftlichen Reproduktion (Ressourcen und demographische Entwicklung) sind wichtiger als die Eigentumsstruktur. Sowas ähnliches hat ja schon der Marx gewusst. Der nannte das Basis/Überbau. Ihr Schnullis.

@Insider

Und Du solltest Dir bei Gelegenheit nochmal das Herrschafts-Knechtschafts-Kapital in Hegels Phänomenologie vornehmen. Oder hast Du das vielleicht noch nie gelesen? Ist jedenfalls schwer vorstellbar, dass jemand diesen schwierigen Text durchgearbeitet hat und derartigen Blödsinn darüber schreibt.

BB Juni 23, 2014 um 12:23

@Morph

“….Jede mir bekannte Möglichkeit des Tabellierens läuft hier vor die Wand. Es ist einfach Mumpitz, pure Systematizitätssimulation. ….”

In dieser Gegenrede zeigen sich die ganzen Kurzschlüsse deiner Argumentationsweise.

Eine solche Tabelle ist erst mal nichts anderes als ein Hilfsmittel zur Strukturierung eines Problemfeldes, zur Veranschaulichtung eines Zusammenhangs, whatever.

Allgemein akzeptiert auch in der Wissenschaft und bisher meines Wissens außer von dir noch nirgends kritisiert, solange der Inhalt plausibel ist.

Plausibel ist der Inhalt, solange die Argumentation, die zu der Tabelle geführt hat und die in der Regel irgendwo nachzulesen ist, plausibel (valide) ist.

Eine Tabelle ist ein Visualisierungshilfsmittel für Ergebnisse, keine wissenschaftliche Methode und kann als solche deshalb auch nicht angegriffen werden, wie du es versuchst.

Ansonsten ist über den Link über Krysmanski und seine Methodik zu lesen:

“…..Bislang fand die Forschung durch intensive Nutzung von Bibliotheken und Archiven, Beobachtung der Presse, Durchforstung von Regierungsdokumenten und Interviews mit Insidern statt. Die Recherchen zu dieser Forschung werden heutzutage durch intensive Internet-Recherchen ergänzt…..”

Eine absolut anerkannte wissenschaftliche Methodik besonders in den Geisteswissenschaften (meiner Meinung nach nicht die schlechteste), wenn quantitative Methoden (z.B. Statistik) nicht möglich oder sinnvoll sind.

Ergänzt und bestätigt wird diese Art von Forschung mit ihren Ergebnissen etwa durch “ernsthafte Wissenschaftler” (Noam Chomsky, Verweis von Natalius also berechtigt) welche die USA heute als Polykratie bezeichnen sowie natürlich auch durch empirische Ergebnisse etwa aktuell von Thomas Piketty.

Da fragt man sich, wie Du zu deiner Einschätzung kommst, dass das alles Quatsch sein soll.

Stattdessen behauptest du mal einfach, dass die Liste der PSR-Forscher in Wikipedia natürlich Blödsinn sei, wie du genau meinst zu wissen, aber – geschweige denn einen Beleg – nicht einmal eine Begründung lieferst (außer, dass Noam Chomsky da nicht hingehört). Ich habe aber selbst ein Buch von Noam Chomsky im Bücherregal und nach allem, was ich jetzt zur “deskriptiven” Methodik von PSR weiß, kann man den ruhig dazu zählen.

Deine Argumentation besteht nur aus “Von-dem-halte-ich-nix”-Urteilen. Meiner Meinung immer dann, wenn sie dein Wording zur Beschreibung eines Gegenstandes nicht verwenden. Du selbst verwendest aber dein “deskriptives” Wording komplett ohne Belege (nicht mal per Link).

Es ist (!) eine Methode, wenn man zur Begründung auf Presseartikel und Internet-Dokumente verweist/verlinkt, insbesondere üblich in eher geisteswissenschaftlichen Diskziplinen und wenn quantitative Methoden nicht zur Verfügung stehen.

Es ist keine (!) Methode, wenn man nur “eleganten Unsinn” daher redet.

holger196967 Juni 23, 2014 um 12:15

Wir halten fest:

Es gibt keine Kartelle der Macht. Es gibt definitiv keine OPEC es gibt Siemens GE Alstom BMW Mercedes Monsanto Black Rock und die all die ganzen Banken NICHT.

Keiner von denen hat das Ziel der “Gewinnmaximierung”. Nie und Nimmer.

Man hat Nigger nicht in Sklavenschiffen verschickt. NEIN, das war nicht so wie es aussieht.

Wir haben kein KASTEN-System… NEIN natürlich nicht. Und die Kasten haben auch gar kein Interesse daran, Kaste zu bleiben. NEIN, man unterhält auch keine Armee… ach iwo… alles Mumpitz.

Rockefeller gabs auch nicht, und die A-Bombe ist nur eine Fiktion unverbesserlicher VT ler.

Nur der Große MORPH weiß komplett alles. Weil er hat ja studiert, was, weiß er wohl selber nicht. Und das berechtigt schon, alles zu wissen. Weil, weil ein MORPH es eben kann. Monty Pyton hat schon recht: “Rüben-Nasen” eben.

Aber auch er ist Teil einer Gesellschaft. Alimentiert von der Gesellschaft für die Gesellschaft.

Naja, die wm2014 hat mehr zu bieten.

Natalius Juni 23, 2014 um 11:49

“Dieser Krysmanski ist ein schlechter Wissenschaftsfake. Müsste gerade Dir auffallen. “Power Structure Research” – dieses Blähsprech sagt alles, was man wissen muss.”

Dummerweise erklärt das “Zwiebelschalenmodell” Krysmanskis sehr gut die von der ETH-Gruppe um Battiston gefundene Netzwerktopologie: http://www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0025995

Plos one – ist hinsichtlich impact etwa vergleichbar mit PNAS – also fake science ist das nicht. Klar, dass es einen Biedermeierling ärgern muss, dass so etwas wie “systems design of global corporate control” im 21. Jahrhundert stärker zieht als das völlig zahlenlose Phänomenologiegeschwafel eines Bielefelder “Philosophen”. Natürlich gibt es neben Geld auch noch weitere “Metriken” – das bestreitet ja keiner.

Find dich einfach damit ab, dass “Systemtheorie” gegenüber “systems design” einfach schlecht abschneidet. Zahlenlos ist heute zahnlos. Und dieser Krysmanski hat immer grossen Wert darauf gelegt, seine Aussagen empirisch zu belegen. Aber damit haste es ja nicht so – stattdessen zunehmend hohle Polemik. Tu Dir mal selbst nen Gefallen: Mach mal ne Bestellung an den Dampfboot-Verlag fertig.

Morph Juni 23, 2014 um 11:46

@BB

zu Deinem Wiki-Link: schönes Beispiel für die rhetorischen Möglichkeiten des Tabellierens. Die Tabelle ist systematisch-begrifflich betrachtet kompletter Murx. Was soll das sein? Eine Kreuztabellierung? Eine Systematisierung der Kombinationsmöglichkeiten von Eigenschaften? Jede mir bekannte Möglichkeit des Tabellierens läuft hier vor die Wand. Es ist einfach Mumpitz, pure Systematizitätssimulation.

Und wozu werden hier die Zelleninhalte ganz offenkundig ohne Sinn und Verstand herbeiassoziiert? Und warum stehen Sozialwissenschaftler unten rechts?

Na, weil der Krysmanski selber ein Sozalwissenschaftler ist und mit dieser bekloppten Tabelle signaisieren will, dass sein Stand im Spiel der Macht involviert ist, er also systematisch affiziert ist, aber genügend Distanz hat um kritisch sein zu KÖNNEN.

Die Liste von Vertretern der sog. “Power Structure Research” in diesem Wiki-Eintrag (den wahrscheinlich der Krysmanski selber verfasst hat) ist schlicht zusammengelogen. Wieder einmal muss der arme Noam Chomsky dafür herhalten, von ‘kritischen’ Wirrköpfen vereinnahmt zu werden (das macht ja auch @Natalius hier im Blog).

Ich bin übrigens sowenig ein Sozialwissenschaftler wie Du ein respektables Beispiel für proletarische Intelligenz. ;-)

holger196967 Juni 23, 2014 um 11:39

BB

—>>>In der Tabelle dort zur Rolle von Machteliten im Produktionsprozess stehen Sozialwissenschaftler ganz weit unten rechts”

Allein das die noch aufgeführt werden ist ein Schande :D

Insider Juni 23, 2014 um 11:32

@Carlos Manoso Juni 22, 2014 um 17:17
Insider, Schirrmacher war eine Charaktermaske des „Bürgertums“ in einem bestimmten Segment der Kapitalmaschine. Diese Charaktermaske hätte Schirrmacher als wichtiger Funktionszuträger im Ring der Macht niemals ablegen können und wollen.

Carlos Manoso, Schirrmacher wollte bei der FAZ Karriere machen und hat sie gemacht. Selbstverständlich wusste er, dass die FAZ ein Kampfblatt des Establishments ist.
Gemäß seinem Rollenauftrag hat er immer im Interesse der FAZ und des Establishments gehandelt. Wobei ich dieses Establishment nicht als „Bürgertum“, auch nicht in Anführungszeichen, bezeichnen würde, denn politisch und kulturell ist es in Wirklichkeit anti-bürgerlich, weil anti-emazipatorisch, und weiß auch nicht, was die untergegangene bürgerliche Kultur auszeichnete.

Nach Marx sind die Menschen das, was sie tun. Insofern sind alle Menschen, die im arbeitsteiligen System des Kapitalismus eine Funktion ausüben „Charaktermasken“, egal ob Kapitalist, Lohnarbeiter, Zirkulationsagenten …
Sie sind Personifikationen von Kapitalverhältnissen.

In nicht-marxistischer Terminologie würde man von Rollenträgern sprechen. Die Rolle erzwingt ein rollenkonformes Verhalten, und nicht nur beim „Knecht“, sondern auch beim „Herrn“. Der Knecht zwingt den Herren zu Rollenkonformität, d.h. zu einem unfreien Verhalten. Denn dies ist die Voraussetzung dafür, dass die Knechte ihre Herren als Herren anerkennen (vgl. Hegel).

Das ist auch der Grund dafür, warum freiheitsliebende und besonders intelligente Individuen aus der bürgerlichen Klasse zu Revolutionären wurden, weil sie die Zwänge und Unfreiheit in der kapitalistischen Gesellschaft überwinden wollten, da diese Gesellschaft den Menschen ein fremdbestimmtes Leben aufzwingt und diese an ihrer Selbstentwicklung und damit an einem erfüllten Leben hindert.

So wird im Kapitalismus die geistige und kreativ-künstlerische Arbeit den Zwängen der Ökonomie – dem Zwang zur Vermarktung – unterworfen. Dies bedeutet, dass die bürgerliche Hochkultur zu einer sterbenden Kultur werden musste und das gebildete Bürgertum zu einer untergehenden Klasse.

Klaus Harpprecht verglich einmal Schirrmacher mit dem Hochstapler Felix Krull.
Nun, der gesamte, für den Markt produzierende Kulturbetrieb hat etwas Hochstaplerisches an sich, weil er mit seinen Werken eben nicht „Große Kunst“ schafft, so aber tut, als ob.

Zusammen mit den Medien bringt die Kulturindustrie Pop-Stars hervor, deren Werke jedoch im Wesentlichen nur aus modisch-affirmativer Unterhaltungskultur bestehen und wie Modeartikel keinen dauerhaften Bestand haben, sondern Teil der marktförmigen Obsoleszenz- und Wegwerf-Produktion sind.

Den Marxschen Begriff der „Charaktermaske“ sehe ich als problematisch an, weil er allein an die objektive Funktion des Individuums gebunden ist und das Subjekt darin verschwindet.

Den Rollenzwängen der arbeitsteiligen kapitalistischen Gesellschaft unterliegen zu sein, bedeutet nicht zwangsläufig, sich in der kapitalistischen Gesellschaft in toto als Subjekt ausliefern und seine Subjektivität aufgeben zu müssen.

So konnte Friedrich Engels Unternehmer und revolutionärer Geist in einer Person sein.
Das wäre jedoch als FAZ-Journalist und –Herausgeber unmöglich.

Wer den Weg des Aufstiegs ins Establishment wählt, wählt den Weg in die geistige Unfreiheit. Das derart angepasste Individuum versucht sich und anderen Pseudo-Subjektivität und Individualität dann durch wirtschaftlichen Erfolg, Sozialstatus, Konsumgüter, Äußerlichkeiten etc. vorzugaukeln.
Denn je weniger diese Individuen geistig zu unterscheiden sind, umso mehr versuchen sie es durch Äußerlichkeiten.

BB Juni 23, 2014 um 11:14

Aha, ich weiß, warum Morph von Krysmanski nichts hält:

http://de.wikipedia.org/wiki/Power_Structure_Research

In der Tabelle dort zur Rolle von Machteliten im Produktionsprozess stehen Sozialwissenschaftler ganz weit unten rechts :-)

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