Fußball als gesamtgesellschaftliches Phänomen

by f.luebberding on 14. Juli 2014

Die Funktion von Medien ist die Sinnstiftung. Sie sollen erklären, wie das einzuordnen ist, was gerade erst passiert ist. Seit der Minute 113 im WM-Finale von gestern Abend ist Deutschland in einer Weise mit dieser Sinnstiftung beschäftigt, die wohl nur eine Fußball-WM auslösen kann. Da wird nicht nur der Ausgang eines Fußballspiels analysiert. Die Welt schuf etwa für Bastian Schweinsteiger den Begriff des Blutkriegers, den begabte Kopisten aus München gleich übernahmen. So warnen Jakob Augstein und Klaus Theweleit vor einer Fehlinterpretation des WM-Titels durch die deutsche Außenpolitik. Oder in der New York Times wird der Sieg als ein Symbol globaler Macht betrachtet. Warum Bundespräsident Joachim Gauck irrt, wenn Mario Götze ein Tor schießt, ist damit aber leider noch nicht geklärt. Auf anderer Ebene wird sogar der Aufschwung prognostiziert oder Tipps zur persönlichen Lebensführung gegeben. Fußball ist mehr als ein Sport. Er ist ein gesamtgesellschaftliches Phänomen. Ansonsten wäre diese Form der Sinnstiftung kaum zu erklären.

Klaus Theweleit ist dafür ein besonders gelungenes Beispiel, weil er den soziologischen Kontext des Fußballs in einzigartiger Weise mit der Verachtung des Pöbels verbindet. In dem Interview im Deutschland-Radio beschränkte er sich noch auf die Schaffung eines Mythos namens Joachim Löw. Dazu am Ende mehr. Aber im Mittagsinterview des DLF holt er zum großen Schlag aus, der in dieser Form in den vergangenen Jahrzehnten kaum noch zu lesen war.

“Schulz: Sie haben das am Anfang schon kurz angedeutet. Noch ein bisschen pointierter hat das Manuel Neuer gesagt. Der sagt, ganz Deutschland sei Weltmeister. Ist das so?

Theweleit: Nein, für mich nicht, denn man hat ja genug bei diesen Public Viewings Leute vor der Kamera gesehen mit ihren schwarz-rot-gold vollgeschmierten Gesichtern und Brutalo-Fratzen dahinter. Die heften sich was an, was denen nicht gehört. Die sollen von mir aus zum Teufel gehen!”

Theweleit analysiert den Fußball als Massenphänomen und verbindet es zugleich mit der Verachtung jener Masse. Wobei der Gestus des intellektuellen Theaterkritikers der Hochkultur hier besonders grotesk ist. Seine Kenntnisse über den fußballerischen Nachwuchs bezieht er aus Strandspaziergängen. Die Attraktivität des Fußballs für Kinder war auch vor diesem Titelgewinn noch nie so groß gewesen wie heute. Insofern wird sich in dieser Beziehung gar nichts ändern. Außer dass sich Theweleit nicht auf heuristische Beobachtungen verlassen sollte, wenn er, wahrscheinlich geplagt vom Anblick der Fratzen touristischer Massen, am Nordseestrand flaniert.

Die “deutschen Tugenden”, so Theweleit, seien eine Erfindung der englischen Presse. Das gilt allerdings auch für das “Made in Germany” im 19. Jahrhundert, womit sich die Briten von der Importschwemme der deutschen Industrie abgrenzen wollten. Was sagt Theweleits Hinweis aus? Nichts. Gleiches gilt für den von ihm im Interview angesprochenen Rücktritt Rudi Völlers nach der EM 2004. Er fällt einem Medienmythos zum Opfer, den ein einziges Interview nach einem EM-Qualifikationsspiel auf Island mit Waldemar Hartmann ausgelöst hatte. Theweleit erzählt schlichten Nonsens, wie ein einfacher Blick in ein beliebiges Pressearchiv deutlich gemacht hätte. Er ist nicht besser informiert als die von ihm beschriebene fußballerische Unschuld, die sich in der Fanmeile für Fußball als Event interessiert.

Nun ist die Kritik an den Massen ein klassischer konservativer Topus, den schon die Kritische Theorie pflegte. Sie hat eine Begründung, wenn sie sich dem Konformitätsdruck widersetzt, den Massen zweifellos ausüben können. Allerdings ist Theweleit, der wahrscheinlich ungeschminkt vor dem Fernseher saß, selber jenem Phänomen zum Opfer gefallen, das er karikiert. Und damit geht er durchaus konform mit jenem journalistischen Mainstream, an dem er ansonsten kein gutes Haar lässt. Der Erfolg, wer hätte das gedacht, ist der Vater aller Dinge. Vor allem wenn es um die Beurteilung des Bundestrainers geht.

Seit dem Triumph überschlagen sich die Medien in Oden der Begeisterung über einen Trainer, der erst mit dem Sieg im Finale als legitimiert gilt. Das kommt in byzantinisch anmutenden Unterwerfungsgesten zum Ausdruck, die im Stile der Selbstanklage oder der Anklage formuliert sind. Nur wird der Journalist (inklusive seines kritischen Kritikers Theweleit) hier selbst zum Fan, weil die Beurteilung der Leistungen dieses Bundestrainers gerade nicht vom Titelgewinn abhängig gemacht werden kann. Theweleit selbst macht nämlich im DLF-Interview deutlich, warum ein Sieg in einem solchen Endspiel in hohem Maße vom Zufall abhängig ist. Ein Führungstreffer der Argentinier war nicht ausgeschlossen – und hätte unter Umständen zu einem völlig anderen Ergebnis geführt. Das kann aber kein Trainer der Welt beeinflussen. Ihn dafür verantwortlich zu machen, ist die Perspektive des Fans, der sich aus guten Gründen mit dem Erfolg der Mannschaft identifiziert – und im Falle des Scheiterns einen Sündenbock sucht.

Man kann daher jeden Artikel über den WM-Titel an einem einfachen Kriterium überprüfen, ob er nämlich von einem Journalisten oder einem Fan geschrieben worden ist. Wäre Löw genauso beurteilt worden, wenn er gestern Abend aus welchen Gründen auch immer das Spiel verloren hätte? In den meisten Fällen ist das wohl zu verneinen. Wie sagte es Theweleit heute Morgen im Deutschland-Radio?

“Theweleit: Zu was soll der führen? Das weiß ich nicht. Mich interessiert aber auch weniger Deutschland, sondern tatsächlich diese Fußballmannschaft, die ja vor dem Turnier sehr schlecht geschrieben wurde, immer mit Erinnerung an das verlorene Halbfinale Italien, das sogar in den Siegartikeln über Brasilien sieben zu eins immer noch erwähnt und zitiert wurde. Also für mich ist das vor allen Dingen eine Niederlage des deutschen Sportjournalismus.

Brink: Also das hat Sie gestört, das hat Sie sehr gestört?

Theweleit: Ja, widerlich. Ich fand die deutsche Schreibe über dieses Turnier, über diese Mannschaft ekelhaft.”

Die Niederlage des Sportjournalismus ist allerdings eine andere als Theweleit vermutet. Dieser ist selbst zum Beispiel für den Verlust kritischen Denkens geworden. Er setzt an die Stelle eines Journalismus, der gerade alles verliert, was ihn auszeichnen sollte, eine Mythologisierung des Bundestrainers. Er wird bei ihm zum einsamen Schlachtenlenker auf dem Feldherrnhügel in Brasilien. Damit ist Theweleit unverhofft selbst zu jener Masse geworden, die in den kommenden Tagen in Wort und Bild ihre Begeisterung ausdrücken will. Er darf sich Morgen gerne auf der Fanmeile blicken lassen. Theweleit wird sich dort gut aufgehoben fühlen. Ekelhaft sollte man das aber nicht nennen. Schließlich sind wir gut erzogen.

{ 57 comments }

Gregor Keuschnig Juli 14, 2014 um 17:35

Ich habe meine gute Erziehung vergessen. Darf ich dann “ekelhaft” sagen?

f.luebberding f.luebberding Juli 14, 2014 um 17:42

Keuschnig

Nein. Wir wollen schließlich sachlich bleiben … .

Metalhead Juli 14, 2014 um 17:58

Die gesellschaftspolitischen Meta-Deuter des WM-Titels sollen uns bitte alle verschonen. Wer da alles rumschwurbelt und dieses und jenes Deutschland zu erblicken vorgibt und in Wahrheit herbei sehnt, Du meine Fresse. Davor kann man sich fürchten, nicht vor der bemalten Multitude.

Schatten Juli 14, 2014 um 18:10

>”Nun ist die Kritik an den Massen ein klassischer konservativer Topus, den schon die Kritische Theorie pflegte”

“konservativ” und “Kritische Theorie” in einem Satz, das ist auch erst seit ‘Mutti’ Merkels Regentschaft möglich. Aber ist schon richtig… irgendwie!

f.luebberding f.luebberding Juli 14, 2014 um 18:16

Schatten

Das ist Nähe von Adorno zu Gehlen.

holger196967 Juli 14, 2014 um 18:33

Haha LOL…

Fußball ist so ein dumm, geiles Spiel, man weiß ja gar nicht mehr, was man lesen soll. :D Soziologen und ähnliches Geschmeiß werden eh nie net dahinter kommen, was das eigentlich ist. Das Fußball. Der Fußball. Die Fußball.

1974, gerade einen Tag nach dem Finale gegen Holland, 5 Lenze geworden, hui ab in die damalige E-Jugend. Den Adler auf der Brust und im Herzen. Warum? War der hässliche Katsche wirklich ein Idol oder der kleine Terrier Berti der Schreckliche? Oder sogar Holz und Grabi vonner (meiner Liebe) der Eintracht aus Frankfurt? Ausschlaggebend? Oder gar Rudi Michel ? Den ich gar nicht mitbekommen hatte?

Nein… ich war der Rechts-Außen, der im ersten Spiel nur nicht 1.000 mal in die Abseitsfalle getappt ist, weil die Spielzeit begrenzt war. Naja, der Schiri war jedenfalls am Verzweifeln, und erklärte mir dann das. Das mit dem Abseits. Musste man ja dann in aktiv und passiv umwandeln. Nur da hab ich kein Fußball mehr gespielt. Rasenspray und Tor-Kamera gabs auch noch nicht. Eher hat man bei 30° im Sommer (das gabs wirklich, diese Temperaturen auch ohne Klimawandel) auf den Rasen gekotzt.

Heute sind fahrende Busse wichtiger. Der Reporter hat sein Gesicht gewechselt. Bela Rethy der Offenbarer. Oder Gottlob der Göttliche zur Not kommt auch noch Simon der Fischer. KMH (kurz Müllers-Hohenstein) verteilt Flip Flops, wo selbst die Größe nicht stimmt. Auf Rio-Usedom.

Das in die Ferne Sehen, das sich selbst feiernde Medien-Volk, samt „Schlampen“ versaut mir den Fußball und oder aber auch nicht. Was wären wir OHNE Rehty Gottlob Simon? Was wären wir ohne funktionierende, fahrende Busse und der „Fanhansa“ die Morgen die Helden von 2014 präsentieren werden?

Die WM2014 hat rund 11 Milliarden „gekostet“. WGNX hätte bestimmt dafür Brücken gebaut wo niemals ein Auto drüber fahren würde. Gutmenschen evtl. Kindergärten.

Sie landen in Berlin Tegel. Sie werden Empfangen von Klaus (und das ist gut so) Wowereit. Wann der Flughafen BER fertig gestellt wird, man weiß es nicht. Ob er die 11 Milliarden der WM2014 noch toppt auch nicht. Man weiß nur, vor rund 24 Jahren hat man angefangen BER zu planen. Kurz nach der „Wende“. Da wusste Brasil nicht, dass es die WM2014 veranstalten sollte.

Nun sind „wir“ Weltmeister, 24 Jahre nach dem letzten Titel und mein DRITTER nach 1974. Nicht im Flughafenbau aber immerhin im Fußball.

So gesehen muss man Jogibert Löw (abdanken bitte) ein großes Lob ausstellen. Auch den Brasilianern. Sie haben das geschafft, was unfähige Politiker nicht schaffen würden. Unabhängig von Rethy Gottlob und Simon und der beschissenen FIFA.

Die Spiele haben 2014 statt gefunden. Die Flughäfen haben funktioniert. „Wir“ wurden wie orakelt Weltmeister.

Vielleicht sollten sich mal die „großen“ Denker und Dichter der „Post-Modernen“ darüber Gedanken machen. Sich demütig, nackig in ein Fass setzen, und ein wenig Grübeln.

Carlos Manoso Juli 14, 2014 um 18:42

@ F.LUEBBERDING on 14. JULI 2014
„Die Niederlage des Sportjournalismus ist allerdings eine andere als Theweleit vermutet. Dieser ist selbst zum Beispiel für den Verlust kritischen Denkens geworden. Er setzt an die Stelle eines Journalismus, der gerade alles verliert, was ihn auszeichnen sollte, eine Mythologisierung des Bundestrainers. Er wird bei ihm zum einsamen Schlachtenlenker auf dem Feldherrnhügel in Brasilien. Damit ist Theweleit unverhofft selbst zu jener Masse geworden, die in den kommenden Tagen in Wort und Bild ihre Begeisterung ausdrücken will.“

Luebberding, in der Verlängerungspause des WM-Endspiels zappte ich in ein anderes TV-Programm und blieb fast hängen bei einem extrem faszinierenden parallel laufenden spannenden Interview mit dem Dirigenten Herbert von Karajan. Die Assoziation Herbert von Karajan und Jogi Löw war im Kontext so wirkmächtig montiert, dass ich das Zurückzappen in die Verlängerung des WM-Endspiels beim Spielstand 0:0 fast verpasst hätte.

C.K. Juli 14, 2014 um 18:58

Ich habe es ja vorhin schon auf Twitter angedeutet: was ist an diesem Interview bemerkenswert – außer der Uninformiertheit des angeblichen Experten und der Uninformiert des DLF über die Uninformiertheit des Experten?
Ich habe lange nicht mehr so einen schlechtgelaunten Interviewpartner gelesen. Wahrscheinlich ist der Spiegel der Vornacht mittags gesunken?

Insider Juli 14, 2014 um 19:31

TV ist ein sowohl ein Unterhaltungsmedium wie auch das wichtigste Medium der Werbeindustrie. Sport ist ein Mittel, die Menschen an die Werbung zu bringen. Daher die Relevanz der „Quote“.

Die Fußball-WM ist zudem ein großer Event, wie Karneval oder Love Parade. Die Massen wollen Party machen, Fußball ist der Anlass dazu.

Die Kritik an den Massen ist übrigens vor allem ein bürgerliches Phänomen. Insofern treffen sich in dieser Kritik jene, welche das Ideal eines bürgerlichen Individuums besitzen, welches selbstbestimmt, rational und moralisch handelt.

Die Anbiederung an die Massen ist vor allem an (sozial)demokratisches Phänomen. Man braucht sie als moderne Arbeitssklaven, Konsumenten, zahlende Mitgliedermassen und manipulierbare Wähler.

Man schmeichelt ihnen und verarscht sie zugleich (s. z.B. ZDF).
http://www.bild.de/unterhaltung/tv/zdf/nach-listen-schummelei-das-sind-wirklich-deutschlands-beste-36782340.bild.html

Massenmedial begegnet man den Massen mit geheucheltem Respekt, während man sie in Wirklichkeit geringschätzt.

Früher sprach man in der Zeitungsredaktion von den „Primitivos“, wie Wallraff berichtete.

Nach außen repräsentiert sich die Bild-Zeitung jedoch als Anwalt und Kämpfer für den „kleinen Mann“. Und behauptet:
„Wir sind jetzt eure APO!“
http://www.bild.de/politik/topics/apo/bild-apo-33923262.bild.html

Insider Juli 14, 2014 um 19:37

Die Anbiederung an die Massen ist vor allem ein (sozial)demokratisches Phänomen.

Fritz Juli 14, 2014 um 19:39

Ihre Anmerkungen finde ich sehr schlüssig. Die lenken mich allerdings vom Sonderfall Theweleit weg zum allgemeinen Schema, nämlich zum Zusammenbruch des Denkens unter der Welle der unaufgeklärten Emotion. In der besonders hohen Aufschäumung der WM sieht man, was Alltag in den Köpfen ist – ein chaotisches Rationalisieren von Zufällen, ein verbissenes Glauben an Schlussfolgerungen aus singulären Vorfällen etc.
Ein Einwand allerdings: Die Funktion der Medien sei “Sinnstiftung”? Wohl kaum, wenn es um Sport geht. Die Medien gehen, scheint mir, zunehmend in der Funktion auf, den Resonanzkörper für die Inszenierungen zu bilden, die andere geschäftlich planen und denen wir alle dann emotionalst und dankbar auf den Leim gehen sollen. Die Geschichte der Weltmeisterschaften (wie des Sports überhaupt) ist ja auch eine Geschichte der medialen Aufheizung und Ausschlachtung. Man weiß, wann das begonnen hat, und man muss davon ausgehen, dass diese Geschichte nie zum Ende kommt. Die Fähigkeiten zur (Live-)Berichterstattung sind geradezu gewachsen für und mit dem Sport. Nirgends wird mehr Aufwand getrieben, ist mehr Technik vom Feinsten involviert. Diesmal war auch wieder alles doller als je zuvor. Von den Blutkriegern und den Schmerzen der Spieler hat man vor ein paar Jahren längst nicht so viel Genaues gesehen wie jetzt (HD, Super-Slow, über dem Geschehen hin und her sausende Kamera als “Auge Gottes”, Fotografen, die Tausende Knipser pro Spiel in “Echtzeit” online in die Redaktionen schicken etc.). Im TV werden die Zuschauer schon fast nach dem gleichen Muster eingeschnitten wie bei gescripteten Castingshows (noch nicht perfekt, da ist noch mehr Effekt zu holen, die Tränen der Brasilianischen Zuschauer geben da aber schon ganz gut die Richtung vor). Parallel zu dieser visuellen Aufheizung wird man als Zuschauer auch immer mehr zum verständigen Publikum erklärt, indem die Geheimnisse der Taktiktafeln jetzt allmählich immer schöner offenbart und für die Schulung der Zuschauer genutzt werden. Das Publikum ahnt mehr als je zuvor, was da für ein SAP-unterstütztes Rasenschach abgeht – und projiziert daher den Starkult, der sich früher auf Torschützen, Flügeldribbler, Fallrückzieherakrobaten und Abwehrhelden konzentrierte, auch auf die Trainer – eine neue Stufe der Mystifizierung, die Mystifizierung von Taktik, Konzept und Planung. Dabei rechnet die “sinnstiftende” Vernunft dann mit allem, nur nicht mit der Vorherrschaft von Irrationalität und Zufall. Aber wie sagte Tucholsky beim Anblick von Boulespielern in Frankreich: “Nichts ist ernster als der Sport”. Diesem Ernst fallen dann sogar solche Giebelleuchten wie Theweleit zum Opfer. (Man erkennt daran übrigens die Amateure, die Profis – ob Kahn oder Scholl oder Lahm – scheinen die Vorgänge immer viel vernünftiger zu deuten.)

LH Juli 14, 2014 um 19:40

Diese Journalismus-Metaebene finde ich etwas langweilig. Aber offenbar brauchen viele irgendeinen Punkt, wohin sie negative Gefühle entwickeln können um die Überwältigung durch den kollektiven Glücksrausch auszugleichen? Ihr Deutschen braucht noch für den Sieg einen Sündenbock. :P

Aber mal ernsthaft, so als Einwohner mit Migrationshintergrund der als solcher seinen 2. WM-Sieg in Deutschland erlebt: Nichts ist in Deutschland wie ein Fußball-Weltmeistertitel. Kein anderes öffentliches Ereignis könnte dieses Land so bewegen. Und ich meine das gar nicht negativ, sondern vor allem fasziniert. Was bedeutet das?

Soldat Schwejk Juli 14, 2014 um 20:10

Und nun noch diese Meta-Deutung: Deutschland hat zuletzt seine Endspiele gegen katholische Mannschaften immer verloren. Ausnahme war 1990, der Kapitän hieß damals Matthäus. Nun wieder ein Endspielsieg gegen eine katholische Mannschaft, der Endspieltorschütze aber heißt Götze. Ist das ein Zeichen? Und wenn ja, wofür?

@ Insider —> “Die Kritik an den Massen ist übrigens vor allem ein bürgerliches Phänomen.”

Diese Kritik ist aber langweilig und ergebnislos. Interessant wird es erst, wenn das auch umgekehrt gilt und die Kritik am Bürgertum ein massenhaftes Phänomen wird. :-)

Hans Hütt Juli 14, 2014 um 20:17

Frank, warum ignoriers t Du die Begeisterung Theweleits für die Sportler und Löw? Das Bemerkenswerte an dem Interview Theweleits liegt in der ideologisch nicht verfügbaren Freude am perfekten Spiel der deutschen Mannschaft als Figur der Kritik. Er äußert sich als Fan – allerdings um den Preis der Distanz zu anderen Fans.

Wer heute Morgen den DLF gehört hatte, bekam im Halbstundenrhythmus das Gebrüll und Geschrei mit, mit welchem jenseits der Freude am Spiel (kaum einer sagt etwas über das atemberaubende Tor) die gleichen Motive aktiviert werden, die später die Bundeskanzlerin und den Bundespräsidenten in die Kabine führten – ein nationales Einfangen, man könnte es auch Geiselnahme des Sports nennen, dem aus guten Gründen kritisch zu begegnen wäre.

aifran Juli 14, 2014 um 20:20

Fußball als gesamtgesellschaftliches Phänomen …. vor allen die in den Medien massenhaft vertretenen Fussballfachfrauen – es gibt ja keine Sendung, keine Printmedien die ohne die Fussballfachfrauen auskommen …. oder?

Gesamtgesellschaftlich halt …. :-))

holger196967 Juli 14, 2014 um 20:22

Insider Juli 14, 2014 um 19:37
Die Anbiederung an die Massen ist vor allem ein (sozial)demokratisches Phänomen.”

So langsam aber sicher, beginne ich zu verzweifeln… :D ich dachte Gott wäre dafür zuständig… oder halt ne doch nicht… wie auch immer…

Passt mal uff ihr glorreichen Dichter und Denker, wenn es euch nicht passt, dass es Fußball gibt, ihr Leuchten der Leuchten und oder Brot und Spiele, DANN guckt einfach nicht hin !!!

So einfach wäre das. Ignoriert es doch einfach. Buddelt euch ein und gut ist es, die Messe gelesen.

Euer Idealbild des Menschen erinnert eher an die Neanderthaler bei Düsseldorf.

Verpisst euch ihr Maden, die in jedem Haar noch Suppe finden können.

Die Götter wollen euch ewigen Stinkstiefel nicht. :D

Der Ball bleibt rund und das wird für Ewigkeiten so sein. Selbst wenn alle ausgestorben sind. Der Ball bleibt rund und gehört ins Eckige… Mit Sozialisten oder Ohne.

Das hat selbst MAO Paule Breitner kapiert. Herrschaften. ;)

holger196967 Juli 14, 2014 um 20:30

Soldat

—>>> Nun wieder ein Endspielsieg gegen eine katholische Mannschaft, der Endspieltorschütze aber heißt Götze. Ist das ein Zeichen? Und wenn ja, wofür?”

Hah… könnte ich ja schreiben, glaubt mir aber eh keiner :D Die “Hure-Babel” wurde besiegt… ;)

Der Götzendienst erfolgreich geführt. Die Götter können 2014 (7) zurück kehren. :D Steht aber auch im Buch Eziechel drinn ;) der Thronwagen Gottes. :D

„4 Ich sah: Ein Sturmwind kam von Norden, eine große Wolke mit flackerndem Feuer, umgeben von einem hellen Schein. Aus dem Feuer strahlte es wie glänzendes Gold. 5 Mitten darin erschien etwas wie vier Lebewesen. Und das war ihre Gestalt: Sie sahen aus wie Menschen. Quelle Wiki

Nun ja… ist ACHTUNG nicht auf meinem Mist gewachsen :D

Carlos Manoso Juli 14, 2014 um 20:31

@ Fritz Juli 14, 2014 um 19:39
„Parallel zu dieser visuellen Aufheizung wird man als Zuschauer auch immer mehr zum verständigen Publikum erklärt, indem die Geheimnisse der Taktiktafeln jetzt allmählich immer schöner offenbart und für die Schulung der Zuschauer genutzt werden. Das Publikum ahnt mehr als je zuvor, was da für ein SAP-unterstütztes Rasenschach abgeht – und projiziert daher den Starkult, der sich früher auf Torschützen, Flügeldribbler, Fallrückzieherakrobaten und Abwehrhelden konzentrierte, auch auf die Trainer – eine neue Stufe der Mystifizierung, die Mystifizierung von Taktik, Konzept und Planung. Dabei rechnet die “sinnstiftende” Vernunft dann mit allem, nur nicht mit der Vorherrschaft von Irrationalität und Zufall.“

Fritz, Mystifizieren von Taktik, Konzept und Planung entsteht bei SAP-unterstütztem Rasenschach zwangsläufig, denn auch SAP-unterstütztes Rasenschach kann niemals den Zufall ausschalten. Rasenschach will etwas ausschalten, was gerade die wirkliche Energie des Fußballspiels produziert. Dieser prozessierende Widerspruch des Kapitals wird um so stärker, je mehr der Sport zum Show Business und zu einer Form des Konsums wird.

Nanuk Juli 14, 2014 um 20:33

“Die bemerkenswerteste Pressekonferenz, die zum Thema Fußball in Deutschland je stattgefunden hat und ausgestrahlt wurde.?”
http://www.youtube.com/watch?v=OCFj9lf8IQE

metalhead Juli 14, 2014 um 20:35

@Soldat Schwejk Jetzt sind wir auf einer Meta-Ebene, die mir gefällt. Du vergleichst aber Äpfel mit Birnen. Kapitän war gestern das Lahm Gottes.

ruby Juli 14, 2014 um 21:13

Schürrle startet den Turbo, zieht an den Argentiniern vorbei mit letzter Kraft die Flanke rein, Götze streichelt mit der Brust die Kugel und schippt die WM-Pille ins lange Eck.
Kurzes zappeln und zittern im Tornetz.
Alles von und mit Links – Unsterblichkeit.

Balken Juli 14, 2014 um 21:55

Irgendwie beängstigende Szenerie, gestern abend. Kurz nach 21 Uhr ging ich nach draußen vor die Haustür um die Hecke ein wenig nachzuschneiden und die Rosen aufzubinden. Das Gefühl, das mich beschlich, changierte zwischen Dankbarkeit, dies so friedlich tun zu dürfen, und der Ahnung von Unangemssenheit, dies zu tun, ausgerechnet jetzt, wohl wissend, dass in der Ukraine und in Palästina, wie für diese Nacht angekündigt, in diesem Augenblick womöglich eine Offensive beginnt und die Fortsetzung von Politik mit anderen Mitteln über Leichen geht. Wie zur Bestätigung herrschte ringsum beklemmende Stille als hielte die Stadt den Atem an. Am Nachmittag hatten hier ein paar Meter weiter auf dem Spielplatz die Kinder noch ein munteres Spiel gespielt, es war ein Vergnügen gewesen, ihnen zuzuschauen: Fußball. Keine Autogeräusche drangen jetzt mehr von der nahen Straße herüber. Nur dann und wann waren aus den sommerlich offenen Fenstern der umliegenden Häuser eigenartige Geräusche wie leises Röcheln, Stöhnen und unterdrückte Schreie zu hören.
Im Gefühl, etwas Unpassendes zu tun, was mich außerhalb der Gemeinschaft stellt, etwas obszönes geradezu (obszön: gegen die Koinonia, die Gemeinschaft, gerichtet), ging ich bald ins Haus zurück.

bruno Juli 14, 2014 um 21:58

hier wird mal wieder alles hochsterilisiert.

Andreas Kreuz Juli 14, 2014 um 22:12
Insider Juli 14, 2014 um 22:59

@Soldat Schwejk Juli 14, 2014 um 20:10
@ Insider —> “Die Kritik an den Massen ist übrigens vor allem ein bürgerliches Phänomen.”
Diese Kritik ist aber langweilig und ergebnislos. Interessant wird es erst, wenn das auch umgekehrt gilt und die Kritik am Bürgertum ein massenhaftes Phänomen wird.

Das klingt witzig, aber es erinnert an den DDR-Sozialismus.
Dort war man anti-bürgerlich eingestellt, war gegen Individualismus und gegen die Psychoanalyse als „bürgerliche Wissenschaft“.

Das Ziel war nicht die Entwicklung einer selbstbestimmten, mündigen Persönlichkeit mit kritischer Urteilskraft, sondern die Einordnung ins Kollektiv und unter die Partei.

Genau ein Leben, welches eine fremdbestimmte Arbeiterexistenz im System eines Betriebes kennzeichnet.

Sich mit bürgerlichen Emanzipationszielen zu identifizieren, gat als anti-sozialistisch und konterrevolutionär.

Dem stand gegenüber eine Sozialismuskonzeption, deren Ziel die freie Entwicklung und freie Assoziation der Individuen war und die ernst machen wollte mit den Versprechungen der bürgerlichen Revolution.

Heute hat man sich von diesen bürgerlichen Freiheits- und Persönlichkeitsidealen längst verabschiedet. Noch mehr, man kann diese Emanzipationsbedürfnisse nicht einmal nachempfinden.

Heute möchte man vor allen einen Sozialstaat, der seine Klientel gut und sicher versorgt.

So auch Dein geäußerter Wunsch nach einem „Gulaschkapitalismus“.

wowy Juli 14, 2014 um 23:15

Da ist alles drin, angefangen bei der Überschrift :
http://www.faz.net/aktuell/sport/fussball-wm/deutsches-team/wm-schweinsteiger-ist-der-deutsche-gladiator-13045285.html

Wie sagte schon George Orwell:
“Serious sport has nothing to do with fair play. It is bound up with hatred, jealousy, boastfulness, disregard of all rules and sadistic pleasure in witnessing violence. In other words, it is war minus the shooting.”

chabis Juli 14, 2014 um 23:30

@Luebberding
Was Fussball betrifft liegen Sie bei Theweleit haarscharf daneben.
Theweleit ist oft im Stadion bei Heimspielen des SC Freiburg anzutreffen und hat wahrscheinlich mehr “Fussballverstand” und Praxis als die meisten hier und ist wie diese Bildergalerie beweist, gut bekannt mit Streich und Finke.
http://www.freiburg.de/pb/,Lru/626314.html
Ueberhaupt scheinen über Südbaden und die dortigen Indigenen, weil weitab vom Schuss und mit einem fremdartigen Dialekt
geschlagen, im Rest von Deutschland schräge Vorstellungen zu
herrschen, sie sind, siehe Löw oder Streich oder Hitzfeld, deshalb noch lange keine Hinterwäldler. Habe im Hochschwarzwald oder Hotzenwald auch in der Kreisklasse hervorragende Fussballkenner und Trainer kennengelernt, die nebenbei für den SC Freiburg
Talentscouting betreiben (der SC Freiburg hat dort ein fast lückenloses Scoutingnetz gespannt). Nicht umsonst hat der SC Freiburg in Deutschland mit seiner Fussballerausbildung (nach niederländischem und schweizer Modell) Schule gemacht.

Michael Michaelis Juli 14, 2014 um 23:30

Ich kann Hans Huetts Einwand nur unterstreichen.

Theweleits Perspektive ist die eines Experten für die Sache (Fußball) selbst. Seine Polemik richtet sich gegen jene, die sich für diese Sache letztlich nicht interessieren und sie für völlig andere, eigene Bedürfnisse uminterpretieren. Seine Wahrnehmung einer „Fratze“ kann ich (als nicht am Fußball, aber an anderen, regelmäßig ähnlich „umgebogenen“ Themen Interessierter) gut nachvollziehen. ME. bietet Theweleit hier ein gutes Beispiel ganz konkreter Ideologiekritik.

chabis Juli 14, 2014 um 23:51

Hier noch ein vor 10 Jahren stattgefundenes Gespräch zwischen Finke und Theweleit über Fussball und Gesellschaft.

f.luebberding f.luebberding Juli 14, 2014 um 23:52

Hans

Die Berichterstattung über den WM-Titel betrifft ja weniger das Expertenurteil (“tolles Tor”), das auch alle teilen, sondern die Atmosphäre nach dem Triumph. Da wäre eine sachliche Reportage, wie toll das Tor gewesen war, schnell ermüdend gewesen. Interessanter ist die Begeisterung über diesen Sieg, der kollektive Taumel auf Basis einer Identifizierung mit der eigenen Mannschaft. Genau das lehnt Theweleit ab, und nimmt damit dem Massen-Phänomen schlicht seine Bedeutung. Er kann in gleicher Weise über die Skat-Weltmeisterschaft berichten. Nur ist der Unterschied zwischen Fußball und Skat gerade nicht das Spiel selbst, mit seinen Regeln und seiner Dramaturgie, sondern die Identifizierungsmöglichkeit. Wenn Theweleit mit dem Ekel der konservativen Denunziatoren der Massen aufwartet, um dann noch als Experte Bockmist zu erzählen, ist das schlicht lächerlich.

Vor allem dann, wenn er die mediale Kritik an Löw quasi als Kulturkampf deutet, wo wirklich nur noch der “linke Fußball” fehlt, den Menotti als ideologisches Konstrukt einführte. Löw als Held gegen die deutsch-nationalen Ewig-Gestrigen. Damit geht er allerdings einem DFB auf den Leim, der sich mittlerweile seiner Machtposition gegenüber den Medien bewusst ist. Der große Zampano ist nicht Löw, sondern Bierhoff. Und Bierhoff weiß nur zu gut, wie sehr die Medien selbst zu Akteuren im Geschäftsmodell Fußball geworden sind. Klaus Raab hat dazu was bei der Zeit.

f.luebberding f.luebberding Juli 15, 2014 um 00:27

chabis

Da liege ich gerade nicht daneben, sondern habe offensichtlich den Punkt getroffen. Wenn man nämlich die Interventionen von Theweleit als Solidaritätserklärungen mit einem Landsmann deutet (von mehr will ich nicht reden), dann wird die Verbissenheit schon deutlich, mit der er hier seine Abrechnung mit dem Sportjournalismus vollzieht. Dagegen habe ich auch nichts, wenn wenigstens die Fakten stimmten. Und seine Deutung des Völler-Rausschmisses war nur ein Fauxpas, den er sich leistete. Die ersten Schritte zur Modernisierung der deutschen Nachwuchsausbildung fanden schon viel früher statt als mit der Amtsübernahme von Klinsmann/Löw. Spätestens nach der EM 2000 begann der Umbruch. Im Grunde hatte man schon 1998 nach dem WM-Sieg Frankreichs gewusst, wo die Schwächen des deutschen Systems waren. Die Agonie der Ribbeck/Stielicke Jahre, die zum Desaster bei der EM 2000 führten, waren nur der letzte Tropfen, der das Faß endgültig zum Überlaufen brachte. Die Deutschen kopierten dabei die Modelle, die es etwa in Frankreich und den Niederlanden gab. Das konnte aber weder in Frankreich, noch den Niederlanden die sportlichen Pleiten verhindern. Löw als Trainer ist nur nach dem zu beurteilen, was er tatsächlich machte. Und die Zweifel an ihm begannen im Halbfinale bei der EM 2012 als eine vergleichbare Euphorie herrschte. Aber sie wuchsen vor allem in den Spielen der Nationalmannschaft, die plötzlich den Eindruck erweckte als hätte sie den Faden verloren. Das 4:4 gegen Schweden war der Endpunkt dieser Entwicklung gewesen. Man muss sich die Begründung für den Rücktritt Völlers im Jahr 2004 ansehen. Das war nicht die Stahlhelm-Fraktion in der Presse, sondern Völlers begründete Vermutung, bis zur WM 2006 keine Impulse mehr setzen zu können. Den Eindruck hatte ich nach dem Schweden-Spiel auch, vor allem nach einer hinreißenden ersten Halbzeit, die noch besser gewesen war als das Halbfinale gegen Brasilien.

Insoweit finde ich die Bemerkung des DFB-Präsidenten interessant, der Löw mit Del Bosque verglichen hat. Nur ist der gerade ein Beispiel dafür, was passiert, wenn ein Trainer und eine Mannschaft in die Jahre kommen. Man fühlt sich wechselseitig verpflichtet. Das jetzt wieder aufkommene Gerede von der deutschen Dominanz und dem deutschen Modell ist genauso irreführend wie der Tiki Taka Kult um Spanien. Die gleiche Mannschaft, die zwischen 2008 und 2012 drei Titel gewann, galt 2006 nach ihrem Ausscheiden im Achtelfinale als der hoffnungslose spanische Patient, der nie was gewinnen wird, trotz Barca und Real. Es hängt in hohem Maße von einer Spielergeneration ab, die den Unterschied ausmacht, und deren größtes Problem ihre Unfähigkeit ist, nicht mehr mitzubekommen, wann der eigene Zenit überschritten ist. Die Lobeshymnen nach dem Gewinn eines WM-Titels sind nur noch für die Geschichtsbücher von Interesse. Die Deutschen haben aber bisher das sagenhafte Glück gehabt, bei WMs nie so unterzugehen, wie es exemplarisch bei den drei letzten Weltmeister der Fall war. Wobei Italien und Spanien sogar in der Vorrunde ausschieden.

Soldat Schwejk Juli 15, 2014 um 00:59

@ Insider —> “So auch Dein geäußerter Wunsch nach einem „Gulaschkapitalismus“.”

Äh… es ist ja schön, daß meine Kalauer hier jahrelang in Erinnerung bleiben :-) Aber fürs Protokoll muß ich, OT, hier doch mal was klarstellen. Sonst entstehen bei jungen Leuten aus dem Westen noch völlig falsche Deutungen…

“Gulaschkapitalismus” bezieht sich natürlich auf den Ausdruck “Gulaschkommunismus” für das ungarische Modell innerhalb des damaligen Ostblocks. Es bezeichnete institutionelle Spielräume innerhalb zunächst unveränderlich scheinender Rahmenbedingungen. So wurde in Janos Kadars Ungarn nach dem niedergeschlagenen Aufstand von 1956 die Monopolisierung der politischen Macht nach sowjetischem Vorbild nicht mehr in Frage gestellt, ebensowenig die Einbindung in die östlichen Militär-und Wirtschaftsstrukturen. Unterhalb dieser Ebene gab es aber eine relative Liberalität der Gesellschaft, kaum Repression, lange auch relativen Wohlstand. Der Unterschied zwischen Kadars Ungarn und Ceausescus Rumänien in den 80-er Jahren war frappierend; man hatte den Eindruck, dort verlaufe die eigentliche Systemgrenze. Und nicht zuletzt erlebte Ungarn in den 80-ern einen ziemlichen kulturellen, auch subkulturellen Aufschwung; die Avantgarde des Ostens saß in dieser Hinsicht eindeutig in Ungarn.

“Gulaschkapitalismus” meinte vergleichbare institutionelle Spielräume innerhalb kapitalistischer Rahmenbedingungen. Und ich verstand das nicht so affirmativ, wie Du das interpretierst. Es ist eher als ein Stück Optimismus im Fatalismus zu deuten. Die Erkenntnis, daß eine radikalere Umwälzung der Gesellschaft für die überschaubare Zukunft keine realistische Option ist, daß aber deshalb nicht alles Scheiße ist, sondern innerhalb einiger zunächst unverrückbarer Rahmenbedingungen bessere oder schlechtere (humanere oder inhumanere) Regelwerke möglich sind.

Wie Du aber sicher bemerkt hast, verwende ich den Ausdruck schon lange nicht mehr, seit der Euro-Krise nicht. Bei den bestehenden Interdependenzen in der Währungsunion scheint es mir doch inzwischen unangebracht und stark mißverständlich, das kleine Ungarn am Rande des sowjetischen Machtblocks begrifflich (und wenn auch nur kalauernd) zum Vorbild für die Zentralmacht der Eurozone zu erklären…

bleistift Juli 15, 2014 um 01:06

Meine Bewunderung gilt jedem der über das Nichts so gelehrt reden kann.
Erinnert mich an religiöse Menschen (Christen, Muslime, Juden, Hindus…) die wortreich erklären können, was bspw. der dreieinige Gott will oder nicht will.
Respekt! Ich wäre nicht in der Lage zwei vernünftige Sätze über sowas zu schreiben.
Ich freue mich auf den Tag an dem Frank Lübberding und Hans Hütt gelehrte Abhandlungen über das Dschungelcamp schreiben werden!
Dafür könnte ich mich begeistern! Das wäre dann wirklich Ironie.
So ist es nur schrecklich viel Pathos.

bleistift Juli 15, 2014 um 01:26

Thomas Müller:

http://www.youtube.com/watch?v=VOLPZ9Xs3h8

versus

Larissa Marolt:

http://www.youtube.com/watch?v=YO134pFgfzw

Warum ist das eine Ironie und das andere Pathos?
Warum verfasst man gelehrte Artikel über so Typen wie Müller und verbreitet Hohn und Spott über Larissa Marolt.
Interessant ist vor allem: Thomas Müller wird nie (niemals!) in’s Dschungelcamp ziehen.

Nanuk Juli 15, 2014 um 06:32

@Bleistift
Weil das ist doch keine Kultur das ist Unterschicht Glotze und nicht vergessen Larissa würde nie ein Fähnchen schwingen und wenn doch könnte Merkel ihr das wegnehmen?
http://www.youtube.com/watch?v=U0drp_J5yMI

Nanuk Juli 15, 2014 um 06:39
Frankie (f.k.a.B.) Juli 15, 2014 um 09:22

@hhuett

” ein nationales Einfangen, man könnte es auch Geiselnahme des Sports nennen, dem aus guten Gründen kritisch zu begegnen wäre.”

Geiselnahme ist gut, hihi.
Hier sieht man übrigens zwei begnadete Geiselnehmer ( der eine von Beherrschungs- der andere von Geldmotiven bestimmt – eine perfekte Kombination ), wie sie gerade die nächste Geiselnahme planen:

http://i0.web.de/images/172/19124172,pd%3D2,mxh%3D550,mxw%3D620.jpg

Balken Juli 15, 2014 um 14:18

@Insider
http://www.wiesaussieht.de/2014/07/14/fussball-als-gesamtgesellschaftliches-phaenomen/#comment-108735

Klingt wie jemand, der aus dem einen System noch nie herausgekommen ist, darüber also soviel sinnvolles, beurteilendes erzählen kann wie der Fisch vom Teich, und der vom anderen System nur vom Hörensagen weiß, und darüber somit ebensoviel erzählen kann wie der Fisch (diesmal nicht vom Teich, sondern vom Wald).
Aber nichtsdestotrotz: Alle Klischees gut verinnerlicht und aus dem FF aufgesagt. 1, setzen.

feedback loop Juli 15, 2014 um 14:28

Theweleit analysiert den Fußball als Massenphänomen und verbindet es zugleich mit der Verachtung jener Masse.

http://www.suhrkamp.de/buecher/die_verachtung_der_massen-peter_sloterdijk_6597.html

Elitär, aber lesenswert in diesem Zusammenhang.

Carlos Manoso Juli 15, 2014 um 14:37

@f.luebberding Juli 14, 2014 um 23:52
„Wenn Theweleit mit dem Ekel der konservativen Denunziatoren der Massen aufwartet, um dann noch als Experte Bockmist zu erzählen, ist das schlicht lächerlich.
Vor allem dann, wenn er die mediale Kritik an Löw quasi als Kulturkampf deutet, wo wirklich nur noch der “linke Fußball” fehlt, den Menotti als ideologisches Konstrukt einführte. Löw als Held gegen die deutsch-nationalen Ewig-Gestrigen. Damit geht er allerdings einem DFB auf den Leim, der sich mittlerweile seiner Machtposition gegenüber den Medien bewusst ist. Der große Zampano ist nicht Löw, sondern Bierhoff. Und Bierhoff weiß nur zu gut, wie sehr die Medien selbst zu Akteuren im Geschäftsmodell Fußball geworden sind. „

Luebberding, sehe ich auch so, dass der „große Zampano …. nicht Löw, sondern Bierhoff“ ist. Wobei die Mystifizierung „großer Zampano“ offenbar vor allem bei der „quasi genialen“ Führungskraft Yogi Löw funktioniert. Bierhoff sehe ich dabei eher eher als geschäftsmäßig-coolen „Dealmaker“ ( im Vorstandsrang) im extremst !! profitablen Milliarden- Fußballbusiness. Bierhoff darf lt. Regie im halb-sichtbaren Hintergrund agieren, während Löw halbwegs massentaugliche Projektionsfläche offen von den Medien präsentiert wird.

Ich unterstelle jetzt mal, dass auch Theweleit sich bewusst ist, daß das „WM-Fußball-Business“ allein auf der Ebene der „transnationalen Betriebswirtschaft“ FIFA Profitraten von 300% bis einige 1.000% erwirtschaftet (ohne Sekundär/Tertiär — etc. Business) und die zahlende Kundschaft global nach milliarden Köpfen zählt. Die Zwergenperspektive der „deutsch-nationalen Ewig-Gestrigen“ weckt zwar nur noch Mitleid, ist aber absolut unverzichtbarer Bestandteil des „Geschäftsmodells Fußball“ .

Doktor D Juli 15, 2014 um 14:42

Theweleits Abscheu vor den mit Nationalfarben-verschmierten Brutalo-Fratzen als konservatives Ressentiment gegen Massen zu verstehen – das ist auch mal eine interessante hermeneutische Leistung. (Mal ganz davon abgesehen, dass der Abscheu vor Masse als Plebs / Proll und vor aktuellen Massen, in denen der Kaiser dann nur noch Deutsche kennt, zwei unterschiedliche Paar Schuhe sind.) Ganz offensichtlich bezog sich Theweleit auf das – im Gleichklang von Medien und Politmarketing seit 2006 verkündete – Ideologem vom “entspannten Patriotismus / Nationalismus”. Was natürlich, wie uns bereits zahlreiche Studien gezeigt haben, eine Lüge ist: Offensichtlich ist der Zusammenhang zwischen dem Anstieg rassistischer und rechtsmotivierter Gewalttaten und dem neuen entspannten Nationalimus mit Fähnchen aller Orten sehr viel enger als so manchem “Journalist” nicht nur lieb, sondern auch bekannt ist.
Und wer die Sache mal selbst empirisch austesten möchte: Einfach mal mit dem Leibchen der gegnerischen Mannschaft zum Public Viewing kommen (besonders mutige suchen sich Italien, Algerien, die Türkei oder einen anderen “Untermenschen”-Staat aus), die Leistungen des eigenen Teams bewundern und sich lautstark über Thomas Müllers xte Schwalbe echauffieren – wenn da nicht noch mindestens 3 weitere Gegner-Fans dabei sind, wird es ganz schnell ganz interessant. Und da der Anteil der Menschen in einer Fußball guckenden Menge, der sich für Fußball nicht die Bohne interessiert, aber Deutschland gewinnen sehen will, in den letzten Jahren deutlich gesteigert hat, haben sich auch die Zahl meiner interessanten Erlebnisse mit deutschen Fans eher erhöht als “entspannt”. Es gibt ja Gründe, warum manche Fußballkneipen während WM und EM keine mit den Nationalfarben beschmierten Menschen reinlassen.

Carlos Manoso Juli 15, 2014 um 14:51

@Doktor D Juli 15, 2014 um 14:42
„wer die Sache mal selbst empirisch austesten möchte: Einfach mal mit dem Leibchen der gegnerischen Mannschaft zum Public Viewing kommen (besonders mutige suchen sich Italien, Algerien, die Türkei oder einen anderen “Untermenschen”-Staat aus), die Leistungen des eigenen Teams bewundern und sich lautstark über Thomas Müllers xte Schwalbe echauffieren – wenn da nicht noch mindestens 3 weitere Gegner-Fans dabei sind, wird es ganz schnell ganz interessant.
hervor.“

Doktor D, „Psychodynamische Ansätze sehen im Masochismus ein Abwehrverhalten, um Ängste und Gewissenskonflikte, die im Zusammenhang mit dem Loslösen von der Mutter stehen, zu unterdrücken. Psychologen erklären Masochismus dagegen mittels der Lerntheorie: Masochismus entwickelt sich demnach u.a. über klassische und operante Konditionierung, z.B. bei Masturbationsphantasien.“
http://de.wikipedia.org/wiki/Masochismus

Insider Juli 15, 2014 um 15:21

@Balken Juli 15, 2014 um 14:18
Klingt wie jemand, der aus dem einen System noch nie herausgekommen ist…

Für WEN klingt es so?

Wann ist er geboren?

Was hat er überhaupt von der Geschichte und Realität der DDR bewusst mitbekommen?

Offensichtlich sehr wenig, sonst würde er nicht dies nicht schreiben.

Insider Juli 15, 2014 um 15:31

@Soldat Schwejk Juli 15, 2014 um 00:59
“Gulaschkapitalismus” meinte vergleichbare institutionelle Spielräume innerhalb kapitalistischer Rahmenbedingungen. Und ich verstand das nicht so affirmativ, wie Du das interpretierst. Es ist eher als ein Stück Optimismus im Fatalismus zu deuten. Die Erkenntnis, daß eine radikalere Umwälzung der Gesellschaft für die überschaubare Zukunft keine realistische Option ist, daß aber deshalb nicht alles Scheiße ist, sondern innerhalb einiger zunächst unverrückbarer Rahmenbedingungen bessere oder schlechtere (humanere oder inhumanere) Regelwerke möglich sind.

Die Erwartung, „daß eine radikalere Umwälzung der Gesellschaft für die überschaubare Zukunft keine realistische Option ist“, ist m.E. ähnlich realitätsblind wie damals die Zukunftshoffnung auf einen „Gulaschkapitalismus“.

Denn die Gesellschaft befindet sich schon längst in einem Prozess radikaler Umwälzung.

holger196967 Juli 15, 2014 um 16:11

Doktor D

—>>>Einfach mal mit dem Leibchen der gegnerischen Mannschaft zum Public Viewing kommen (besonders mutige suchen sich Italien, Algerien, die Türkei oder einen anderen “Untermenschen”-Staat aus), ”

Nööö Alder sonder Oxxenbach :D

holger196967 Juli 15, 2014 um 16:16

Doktor D

—>>> Offensichtlich ist der Zusammenhang zwischen dem Anstieg rassistischer und rechtsmotivierter Gewalttaten und dem neuen entspannten Nationalimus mit Fähnchen aller Orten sehr viel enger als so manchem “Journalist” nicht nur lieb, sondern auch bekannt ist.”

Dann bin ich aber froh, dass die intellektuelle “ANTIFA” nichts vom fußball hält… sonst würde ja ständig ein Stadion abfackeln. :D

OK Millerntor und und das von FC Union alte Försterei bilden wohl ne Ausnahme… :D

aifran Juli 15, 2014 um 16:55

…. Wenn das Spiel zum Werbeclip wird

Protestplakate, Demonstrationen vor dem Stadion, oder die Aktion eines indigenen Jungen, der im Rahmen der Eröffnungsfeier Friedenstauben auf das Spielfeld brachte und den Auftritt anschließend dazu nutzte, um auf die Situation seines Volkes aufmerksam zu machen, fallen unter FIFA-Zensur. Was hier gezeigt wird, sind Potemkinsche Dörfer einer heilen FIFA-Welt, die der zynischen Botschaft des Verbandes vom “fairen Spiel” und “für das Spiel und für die Welt” mehr Glaubwürdigkeit verleihen soll. Sportjournalismus hat, während die FIFA ihre Bilder schafft, Sendepause.

Nichts ist mehr dem Zufall überlassen, alles ist genaustens reglementiert. Das Spiel mit seinen ausgewählten und gezähmten Zuschauern und seiner Dramaturgie erinnert an die vollkommene aber aalglatte Ästhetik eines Werbeclips von Coca-Cola. ….

aifran Juli 15, 2014 um 16:56
holger196967 Juli 15, 2014 um 17:01

aifran Juli 15, 2014 um 16:55
…. Wenn das Spiel zum Werbeclip wird”

aifran fliegt der Papst nicht “Fanhansa” :D

BB Juli 15, 2014 um 17:13

So unterschiedliche sind die patriotischen Bedürfnisse und Reflexe.

Putin krault seinen selbsterlegten Tiger und die Kanzlerin ihren Pudel Olski

(Achtung Kalauer-Alarm. Nein, das hat Podolski nicht verdient!)

holger196967 Juli 15, 2014 um 17:22

aifran

Täuschen, Tarnen, Verpissen ohne das läuft das alles nicht… das muss man nur mal akzeptieren… :D

Soldat Schwejk Juli 15, 2014 um 23:23

@ Insider

Ist zwar am Thema vorbei, aber doch…

—> “es erinnert an den DDR-Sozialismus. Dort war man anti-bürgerlich eingestellt, war gegen Individualismus und gegen die Psychoanalyse als „bürgerliche Wissenschaft“.”

Hm… nun ja, also immerhin brachte der Verlag Volk und Welt im letzten Jahr der DDR 1989 die wesentlichen Texte von Onkel Siggi Freud in einer dreibändigen Sammlung heraus.

Und… Titel der dreibändigen Ausgabe war: “Sigmund Freud. Essays I-III.”

Niemand hat diesen bürgerlichen Wissenschaftler besser verstanden als seine ostdeutschen Verleger. – “Sigmund Freud. Essays”… das trifft es in Vollendung, finde ich :-)

wowy Juli 15, 2014 um 23:32

In den deutschen “Qualitäts”medien kann man gerade verfolgen, wie man Seite um Seite mit nichts als nichts füllen kann.

Natalius Juli 16, 2014 um 00:43

egal, wen interessiert es, dass Essays I-III in der Republik spät erschienen – eine späte Lüge wird nicht durch Verspätung zur Wahrheit. Wir müssen es ja doch irgendwann aufarbeiten. Darwin – Einstein – Freud. Es ist trotzdem frustrierend, wenn man beginnt es zu sehen. Irgendwann kann es dann kein Zufall mehr sein – selbst wenn man sein halbes Leben daran geglaubt hat. Man tröstet sich,in dem man sieht, dass Weltmeisterei auch nur einen Tag anhält: https://www.youtube.com/watch?v=YYjBQKIOb-w

aifran Juli 16, 2014 um 09:28

… Hallo ihr Weltmeisterlichen Kicker – habe da eine Marktlücke für euch entdeckt. Nur Mut Schweini und Kollegen die Fans werden euch die Fan-Shop Türen einrennen und Kaufen, Kaufen, Kaufen ….

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13692206.html

http://www.stern.de/lifestyle/leute/kunst-ein-haeufchen-suri-569026.html

Doktor D Juli 16, 2014 um 12:24

@holger: Das Lustige ist ja, dass während Clubspielen – entgegen der Propaganda von Polizei, Medien und DFB – viel weniger Randale abgeht und Menschen, die einem nicht in die große Brüllgemeinschaft passen, verbal und körperlich angegangen werden als während der Schland-Schei..e.
Und ich würde auch noch einen kategorialen Unterschied machen zwischen Kloppereien zwischen rivalisierenden Hooligan-Gruppen und dem Anpöbeln von Kindern, die im Trikot von Messi rumlaufen. Da waren sich die Offenbacher Hooligan-Jungs, mit denen ich mal vor Jahrzehnten unterwegs war, echt zu schade für. Wobei ich nicht unterschlagen will, dass Fußballfangruppen damals sehr aktiv und erfolgreich von der FAP rekrutiert worden sind. Da haben sich dann unsere Wege auch getrennt.

letting agents in Hadley Wood April 30, 2015 um 12:04

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