Nach der Siegesfeier: Die Party ist vorbei

by f.luebberding on 16. Juli 2014

Das Internet ist schon eine interessante Sache. Wo man früher aufwändige empirische Untersuchungen brauchte, ist das jetzt in wenigen Stunden zu bekommen. Allerdings sind diese Stellungnahmen keineswegs repräsentativ, um das ZDF anzusprechen. Seit der Siegesfeier der deutschen Fußballnationalmannschaft am Brandenburger Tor geht es rund. Man muss nur auf Twitter unter #Gauchogate oder #Gaucho nachsehen. Es reicht aber auch TV-Kritik einzugeben oder meinem eigenen Accout zu folgen. Bei Facebook kocht die Volksseele noch mehr, wobei man sich fragen muss, ob es mittlerweile FIFA-Volksseele zu heißen hat. Letztere interessiert sich aber wohl mehr für die verfügbaren Einkommen der Fußball-Fans als für die Seele irgendeines Zeitgenossen, wenn er nicht Sepp Blatter heißt. Die Reaktionen auf die Kritik an der Siegesparty der Nationalmannschaft, und das betrifft vor allem meinen eigenen Artikel, machen eines deutlich: Es ist ein schwerer Fehler, wenn man den Fußball nicht mehr nur als ein gesamtgesellschaftliches Phänomen betrachtet, sondern ihn zur Ideologie verkommen lässt.

Schon nach dem Sieg im Halbfinale über Brasilien begann jene Form der Sinnstiftung, die das Auftreten der Nationalmannschaft zum Symbol für das ganze Land umdeutete. Die Bild stand dabei an der Spitze der Bewegung. Offensichtlich meinen einige Leute außerhalb der jungen Herren auf dem Platz, ebenfalls Weltmeister geworden zu sein. Ob das Fußballfans sind, ist völlig unerheblich. Wer vom “Wir-Gefühl” redet, meint nicht den Fußball. Er sieht dort ein Identifizierungsangebot, das weit über ihn hinausreicht. Diese Form der Instrumentalisierung des Fußballs betrifft zwei Sektoren. Zum einen die Ökonomie. Unternehmen nutzen die Begeisterung (nicht nur der von ausgewiesenen Fußballfans) als Marketing-Instrument. Selbst der CEO der Lufthansa ließ es sich nehmen, den Fußballern nach deren Landung persönlich die Tür zu öffnen. Zum anderen aber auch die Politik. Es ist eben nicht irrelevant, wenn sich die Bundeskanzlerin und der Bundespräsident nach dem Sieg der Mannschaft äußern. Sie mit der Mannschaft einen Selfie nach dem anderen produzieren und es ansonsten als einen Sieg des ganzen Landes interpretieren.

Hier ging es schon lange nicht mehr um Fußball. Die Siegesfeier war nicht die Privatangelegenheit eines Vereins, der seinen Fans und Kunden etwas bieten möchte. Es war mit der stundenlangen Live-Übertragung in den beiden öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten zur Abschlussveranstaltung eines nationalen “Wir-Gefühls” geworden. Was dieses anzurichten vermag, kann man aus den Reaktionen auf meinen Artikel ablesen. Dort war mit keinem Wort von Nationalismus, Rassismus oder der Plastikformel der angeblichen Political Corecctness die Rede. Die Engstirnigkeit, die Nationalismus und Patriotismus gemeinsam haben, wurde allerdings in den folgenden Stunden deutlich. Die meisten Kommentare hatten Selbstoffenbarungscharakter. Man hatte dem “großen Wir” den Spaß verdorben, das, außer sich selbst, nichts anderes mehr zulassen kann. Sozialpsychologisch als Ausgrenzung ein klassisches Kriterium nationalistischer Ideologie. Das gilt auch für den unsinnigen Hinweis, was Fußballfans anderer Nationen an Gesängen zu bieten haben. Diese veranstalten nicht vor dem Brandenburger Tor Siegesfeiern des deutschen “Wir-Gefühls”.

Im Artikel ging es um den öffiziösen Charakter dieser Veranstaltung. Und eben nicht um die aus dem Ruder gelaufene Feier nach einem Pokal-Endspiel, wo ein Spieler die Fassung und die Kontrolle über seine Blase verliert. Daher ist das Argument, ob ich schon einmal auf einer Tribüne gewesen sei oder seit wann ich über Fußball berichte (übrigens nie), grandioser Unfug. Seit wann werden solche Veranstaltungen nach den Wertmaßstäben von Fußballfans ausgerichtet? Natürlich war diese Gaucho-Persiflage nichts Neues. Nur hat diese Siegesfeier einen anderen Charakter als das Gruppenverhalten von Fans. Selbst ein eher schlichtes Gemüt sollte das verstehen. Aber das hatte noch nicht einmal der DFB verstanden. Der Fußball bekommt mittlerweile eine Funktion zugewiesen, die ihn selbst und vor allem die Spieler überfordert. Die Medien haben diesen Trend aufgenommen und sogar noch verschärft. Es ist schlicht ein Unding, wenn der Regierende Bürgermeister von Berlin am Pariser Platz als ein mit Nationaltrikot ausstaffierter Fan die Einträge in das “Goldene Buch” der Stadt abholt. Geht es noch? Die Fußballer sind nur Fußballer – und keine Nationalhelden. Oder höchstens für 90 Minuten. Die Entlohnung für ihre Mühe ist übrigens nicht schlecht.

Insoweit muss sich vor allem der DFB überlegen, ob er weiterhin den Popanz der Vorbildfunktion von Nationalspielern aufrechterhalten will. Gerade in der Debatte vor der WM über Kevin Großkreutz hat es an solche Ermahnungen eines kaum erwachsen zu nennenden Spielers nicht gefehlt. Der DFB hat damit ein Interesse verbunden: Die Bedeutung des Fußballs – und das ist in Deutschland er selbst – zu unterstreichen. Von der Vorbildfunktion von Handball- oder Skatspielern ist bekanntlich nie die Rede. Das braucht er für seine Reputation in der Politik. Schließlich ist die Diskussion um die Polizeieinsätze bei Ligaspielen nie verstummt. Dort ist das Gruppenverhalten mancher Fans zu besichtigen, wie bald wieder zu erleben sein wird. Wobei der Verband  ansonsten keine Gelegenheit auslöst, das Verhalten der Fans im Stadion zu moralisieren und zu skandalisieren. Er ist aber als Veranstalter noch nicht einmal in der Lage, einen angemessenen Rahmen für eine Siegesfeier nach der Rückkehr der Nationalmannschaft zu finden. Ansonsten hätte Oliver Bierhoff gewusst, warum der Gauchotanz im Stadion seinen Platz finden kann, aber sicher nicht auf der Bühne vor dem Brandenburger Tor. In meinem Artikel geht es nicht um die Spieler. Deren “Vorbildfunktion” ist dort nicht eingeklagt worden. Das kann man gerne dem DFB überlassen.

Die Party ist vorbei. Wie immer haben manche Teilnehmer danach einen Kater. Katzencontent funktioniert im Internet übrigens immer.

update 14:27 Uhr

Ein Hinweis von Stefan Niggemeier. Er liest Zeitungen und DFB-Presseerklärungen.

15:24

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach hat gerade folgende Presseerklärung veröffentlicht.

17:51

Im Zündfunk eine Zusammenfassung dieser kaum noch zu überblickenden Diskussion. Unter anderem mit links zum Guardian.

{ 235 comments… read them below or add one }

Natalius Juli 18, 2014 um 14:42

Also Leute, äährlich, jetzt muss ich auch mal den Frank verteidigen.
Denn: Als ich die Bilder live sah, fand ich es auch daneben. Da regrediert ne Gruppe von 5 Erwachsenen zu 5 Jungs im Kindergarten, denen die Kindergärtnerin das Lied von den Zwergen und den Riesen beigebracht hat. Auch fand ich’s nicht so passend, weil die Argentinier wirklich gut gespielt hatten – mal von so ein paar Fouls abgesehen. Es hätte ebenso wie im Halbfinale ARG/NED auf ein Elfmeter ARG/GER hinauslaufen können – Götze war “Glücksretter”, der uns das erspart hat. Aber selbst eine Kindergartennummer wäre nicht “angestossen”, wenn das ganze Ding mit der Siegesfeier nicht durch die “Verortung” in der Symbolumgebung zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule stattgefunden hätte. Diese “Überladung” eines überaus verdienten Sieges (der nach 24 Jahren statistisch gesehen ehe fällig war) mit Symbolen der deutschen Reichsgeschichte und Insignien deutscher Exportweltmeisterschaft (Weltmeister fahren Mercedes) war die eigentliche Peinlichkeit, für die unsere Jungs nix können. Und auch wieder dieser BER-Bär Wowereit und die Eintragung ins goldene Zauberbuch zuvor war irgendwie daneben. Wenn sich Politik in den Sport reinhängen will, dann kann man es ja auch so machen, dass man den Jungs nen kleinen Orden verpasst am Tag danach und die Siegesfeier im Grüngürtel mit Rockkonzert, Bierwagen, Würstchen und Döner fürs Volk veranstaltet. Nein, stattdessen Primat der Politik. Dass sich dann jemand wie Frank gewissermassen “vorauseilend” vor der “internationalen Beobachterschaft” der FAZ für eine kleine symbolische Entgleisung entschuldigt, ist zumindestens vor dem Hintergrund der herrschenden Doktrin einer “politischen Korrektheit” verständlich. Denn diese Doktrin hat mit Siegesfeier nichts zu tun.

Natalius Juli 18, 2014 um 15:09

PS: Falsch in Erinnerung. Es waren sechs.

Karl Kolumna Juli 18, 2014 um 16:13

Ich bin seit gestern wieder hier in FFM Herr Lübberding und verbringe nun meine Semesterferien im Land des Weltmeisters, bevor ich Mitte August wieder zurück nach Bs As ins Land meiner Mutter fliegen werde. Bis zu meinem Abflug am späten Mittwoch Abend konnte ich in Argentinien keinerlei Groll gegen den Tanz vernehmen. Man trägt das mit Humor und feiert den 2ten Platz um einiges ausgelassener als wir unseren Weltmeistertitel. Mit dem Verweis auf Ihre Eltern habe ich wohl einen wunden Punkt getroffen. Herr Lübberding schämen Sie sich nicht, auch mein Großvater war ein Nazi, Sie sind nicht allein.

Karl Kolumna Juli 18, 2014 um 16:29

“Weltmeister fahren Mercedes” oder auch “Dahinter steckt immer ein kluger Kopf” beides Slogans, die so nicht ganz stimmen . Wobei zumindest die Weltmeister an dem Tag, anstatt Lamborghinis und Ferraris, einen Mercedes gefahren haben. Kluge Köpfe sehe ich seit dem Tod von Herrn Schirrmacher LEIDER keine mehr. Die Entwicklung geht eher zu arroganten, selbstherrlichen, mit ihrer Bedeutungslosigkeit unzufriedenen, kleinen Menschen wie dem vorliegenden Autor.

f.luebberding f.luebberding Juli 18, 2014 um 16:40

Kolumna

Dann haben wir das geklärt. Sie haben keinen wunden Punkt getroffen, sondern meine Eltern waren keine Nazis. Meine Großväter habe ich nie kennengelernt. Jenseits dessen würde ich es nicht wagen, mich in solche haltlosen Spekulationen zu ergehen. Was die Medienreaktionen in Argentinien betrifft, waren sie durchaus unterschiedlich. Soweit das Ausland aber die Siegesfeier wahrgenommen hat, stand sie schon längst unter dem Eindruck der deutschen Debatte. Wie sie ohne diesen Hintergrund verlaufen wäre, ist nicht zu klären. Dass sie bei uns solche Ausmaße angenommen hat, konnte man nun wirklich nicht ahnen. Das sagt aber etwas über die Atmosphäre aus, die sich bei uns entwickelt hatte. Zwar wurde ich immer zur Lockerheit aufgefordert (von den unhöflicheren Formulierungen will ich absehen), aber davon war nun wirklich nichts bei meinen Kritikern zu spüren. Für sie war ihre Lockerheit eine überaus ernste Angelegenheit. Wobei ich gegen Kritik gar nichts einzuwenden habe. Aber das sollte bekannt sein.

Schöne Grüße nach Frankfurt – und genießen Sie den Aufenthalt.

Frank Lübberding

f.luebberding f.luebberding Juli 18, 2014 um 16:48

Kolumna 16:29 Uhr

Nur ein Hinweis. Sie sind ja Student. Solche Charakterisierungen sind kein Argument. Sie haben vor allem immer das Problem, etwas über den Absender und nicht den Adressaten zu sagen.

Karl Kolumna Juli 18, 2014 um 17:01

Eine kurze Frage noch Herr Lübberding. Stört es Sie denn persönlich, dass profane Fußballer und ihre Fans seit 2006 mehr für die positive Außendarstellung unseres wunderschönen Landes getan haben, als Politiker und andere damit beauftragte Personen seit 1945? Ein Kniefall in Warschau, schön! Reparationszahlungen, gut! Gebracht hat uns das nicht wirklich was! 70 Jahre im Ausland gebeugt gehen und hoffen, dass man nicht auf das NS Regime angesprochen wird, vorbei! Während Frau Merkel im Ausland Assoziationen zu Hitler hervorruft (Griechenland), wird die Nationalmannschaft (unsere Repräsentanten) für ihr mehr als sympathisches Auftreten und ihren Teamgeist gefeiert. Der Fußball ist die einzig funktionierende Imagekampagne Deutschlands!

f.luebberding f.luebberding Juli 18, 2014 um 17:09

Kolumna

“Der Fußball ist die einzig funktionierende Imagekampagne Deutschlands! ”

Der Fußball. Aber nicht die Inszenierungen, die um ihn veranstaltet werden. Das war auch das Thema des Artikels gewesen. Der Adressat waren nicht die Spieler gewesen, sondern der DFB, ARD/ZDF – und alle anderen, die von dem “Kuchen namens Begeisterung” (Zitat aus FAZ-Artikel) etwas abbekommen wollen. Sobald man den Fußball instrumentalisieren will, geht es schief. Dann gelten andere Kriterien als die der Fankurve.

Karl Kolumna Juli 18, 2014 um 17:14

Der DFB, ARD/ZDF und alle anderen haben dem Volk genau das gegeben, was es wollte und vllt. auch brauchte! Sie und einige wenige Ihrer Kollegen haben versucht es dem Volk wieder zu nehmen und damit im Ausland hauptsächlich Unverständnis und Gelächter ausgelöst…

Karl Kolumna Juli 18, 2014 um 17:15

Wir belassen das nun… Ich gehe kicken!

karla Juli 18, 2014 um 17:41

Karl Kolumna Juli 18, 2014 um 17:14

” Der DFB, ARD/ZDF und alle anderen haben dem Volk genau das gegeben, was es wollte und vllt. auch brauchte! Sie und einige wenige Ihrer Kollegen haben versucht es dem Volk wieder zu nehmen…”

Die Vetreter obiger Vereine sind auch die Propagandisten der Kampagne “RESPEKT”. Und ihre Kicker die Staffage dazu.
@fl`s Artikel ist mit einem banalen Thema ein guter Treffer gelungen.

thorsten Juli 18, 2014 um 18:22

karla

Na ja … . Er hat halt Hermann den Cherusker gegen die Blutkrieger ins Feld geschickt und dabei vielleicht nicht “alle”, aber doch die ein oder andere Grenze überschritten.

Ein Treffer wars dann ja auch eher nicht, auf Schalke hätte es einer werden können:

http://www.youtube.com/watch?v=w09SkXS7Mso

Mainbube Juli 18, 2014 um 18:50

“Der Adressat waren nicht die Spieler gewesen, sondern der DFB, ARD/ZDF – und alle anderen, die von dem “Kuchen namens Begeisterung” (Zitat aus FAZ-Artikel) etwas abbekommen wollen. Sobald man den Fußball instrumentalisieren will, geht es schief. Dann gelten andere Kriterien als die der Fankurve.”

Und wohin es führt, wenn man Sport instrumentalisiert, haben wir doch 1936 erlebt … “Triumpf des Willens” etc. p.p.

Markus Gerbersmann Juli 18, 2014 um 19:37

In diesem Bericht schreiben Sie:
“Dort war mit keinem Wort von Nationalismus, Rassismus oder der Plastikformel der angeblichen Political Corecctness die Rede.”
In Ihrem Artikel, der vollkommen zurecht eine Welle der Empörung ausgelöst hat schreiben Sie aber:
“Es ist nicht ohne HISTORISCHE Ironie, die Siegesfeier für den „4. Stern“ auf den Trikots der Nationalmannschaft an diesem Ort abzuhalten.”
Dies ist kein Bezug, oder eine Anspielung darauf, dass der harmlose “Tanz” rassistisch, patriotisch oder politisch inkorrekt war?

Weiter schreiben Sie:
” Selbst ein eher schlichtes Gemüt sollte das verstehen. Aber das hatte noch nicht einmal der DFB verstanden.”
Mit anderen Worten…der DFB ist noch schlichter als schlichte Gemüter?

Und schließlich:
” Deren “Vorbildfunktion” ist dort nicht eingeklagt worden. Das kann man gerne dem DFB überlassen.”
Zum einen wieder eine Breitseite gegen den DFB.
Zum anderen…und das wiegt “schwerer”…wenn Sie Vorbildfunktion nicht einklagen…warum setzen Sie diese dann in Anführungszeichen und warum holen Sie explizit noch ein mal das Beispiel “Großkreutz” aus der Schublade?
In diesem Zusammenhang möchte ich Ihnen noch mal diesen Link empfehlen (Es geht hierbei um rund 400.000 Euro)

http://www.sport1.de/de/fussball/fussball_dfbteam/newspage_922843.html

Ich bleibe dabei…die einzigen, die nach dieser WM ein Eigentor geschossen haben, sind Sie Herr Lübberding und eine zum Glück verschwindend kleine Anzahl Ihrer Kollegen.

Mal ehrlich…warum diese Hetze? Haben Sie ein persönliches Problem mit dem DFB? Waren Sie nicht eingeladen zur Feier? Hatten Sie keine Akkreditierung? Wo ist/war das Problem?
Gönnen Sie den Leuten dieses neue “Wir Gefühl” nicht?
Es würde mich freuen, wenn sie offen und ehrlich antworten würden…ohne diese Häme und durchaus auch Arroganz, die man hier und dort durchaus in Ihren Antworten lesen kann (mein Gefühl..keine handfeste Meinung)

f.luebberding f.luebberding Juli 18, 2014 um 21:17

Gerbersmann

Der Hinweis auf das Brandenburger Tor bezog sich auf den zentralen Ort der deutschen Identitätsbildung. Von der Siegessäule bis zum Holocaust-Mahnmal. Daraus jetzt den Vorwurf des Rassismus oder Nationalismus abzuleiten, ist tatsächlich das Problem mancher Leser gewesen. Nur gibt es im weiteren Text keinen Hinweis darauf, sondern er bezog sich lediglich darauf, in einem solchen Kontext eine offizielle Feier eben nicht als reine Party wie in einem Hotel in Rio zu betrachten. Wie soll man diesen Veranstaltungsort Brandenburger Tor sonst charakterisieren? Die Übertragungen von ARD und ZDF? Den Anspruch des DFB, hier der Nation mitzuteilen, dass der Fußball wie nichts anderes ein “Wir-Gefühl” ausdrückt? O-Ton Niersbach. Was allerdings wirklich tief blicken lässt: Zwar habe ich in meinem Text mit keinem Wort die Fans kritisiert, etwa als Rassisten oder Nationalisten tituliert (Im Gegenteil. In meinem Text zu Theweleit habe ich gegen diese Form der Kritik sogar argumentiert), aber offensichtlich fühlten sich genug Fans als solche angesprochen. Nur was habe eigentlich ich damit zu tun, wenn mir jetzt Kommentatoren erklären, sie hätten mit den Nazi-Verbrechen nichts zu tun? Eine Aussage, die ich allerdings auch nie gemacht habe. Wie soll ich jetzt mit Menschen umgehen, die Dinge in Texte interpretieren, die dort gar nicht zu finden sind?

Und dann der Vorwurf der Arroganz. Der wird üblicherweise von Leuten erhoben, die nicht argumentieren, sondern lieber mit Unterstellungen arbeiten. Ich nenne Ihnen einmal ein Beispiel. Es gibt sicherlich auch andere.

“Mal ehrlich…warum diese Hetze? Haben Sie ein persönliches Problem mit dem DFB? Waren Sie nicht eingeladen zur Feier? Hatten Sie keine Akkreditierung? Wo ist/war das Problem? Gönnen Sie den Leuten dieses neue “Wir Gefühl” nicht?”

Jetzt einmal etwas arrogant: Wie blöd muss jemand sein, der auf solche Unterstellungen nicht verzichten kann, von meiner Arroganz faselt, um aber dann auch noch eine Antwort von mir zu erwarten? Das alles natürlich anonym. Die Antwort habe ich jetzt gegeben, wo es sachlich begründet war. Mehr bekommen sie aber nicht. Wie gesagt: Dieser Thread ist eine Dokumentation.

Andreas Kreuz Juli 18, 2014 um 21:34
Markus Gerbersmann Juli 18, 2014 um 21:56

1. bin ich keineswegs anonym..mein vollständiger Name ist erkenntlich.
2.kann Wo wenn nicht am Brandenburger Tor ” der Weltmeister das Image der weltoffenen, toleranten Nation” besser zeigen? Zumal dieser Weltmeister mit Spielern aus unterschiedlichsten Nationen gespickt ist.
3. IST Satz wie “bei den Reatkionen wundert mich nichts mehr ” arrogant.
4.ist “wie blöd muss jemand sein” nicht arrogant, sondern beleidigend. Ich habe Sie keinster Weise in dieser Art angegangen.
5. haben Sie,wie ich durchaus erwartet habe, meinen Link zu Mesut Özils (ein deutscher Nationalspieler türkischer Herkunft) grandioser VORBILLICHER Aktion gänzlich unkommentiert lassen.
6.ist es richtg, dass Sie in Ihrem ersten Artikel die Fans nicht kritistiert haben, aber sehr wohl in diesem. “Unsinnig” und “schlichte Gemüter” (und da können Sie sich drehen wie Sie wollen, das IST an die Fans gerichtet) sind da nur einige Beispiele.Auch das latente lächerlich-machen des “Wir-Gefühls” spricht für sich.
Lieber Herr Lübbering,
berichtigen Sie mich bitte erneut, sollte ich falsch liegen, aber diese Ihre Antworten an mich und auch die an andere Kommentatoren zeugen doch bei genauerer Betrachtung ein wenig von “Angekratztheit”.
Ich meine das doch alles nicht böse, aber wäre es so schlimm, ein wenig einzulenken, und vllt, mal darüber nachzudenken, dass dieser eine Artikel alles andere als eine Glanzleistung war?

f.luebberding f.luebberding Juli 18, 2014 um 22:34

Gerbersmann

Tatsächlich? Und Ihre angegebene Mailadresse stimmt mit Ihrem Nick nicht überein? Die veröffentliche ich grundsätzlich nicht. Was soll der Unsinn?

Jetzt zu den Inhalten. Sie haben den Hinweis auf Mesut Özil gegeben. Nur was hat das jetzt mit meinem Text zu tun? Nichts. Was Herr Özil spendet oder nicht, war überhaupt nicht Gegenstand der Debatte. Wenigstens habe ich mich bisher nicht dazu geäußert. Sie können aber gerne andere Beispiele bringen. Die Herren Lahm und Mertesacker haben etwa Stiftungen gegründet. Nur was hat das jetzt mit mir zu tun?

Was das Brandenburger Tor betrifft. Hier ging es nicht um die Zusammensetzung der Nationalmannschaft, sondern um die Organisation der Siegesfeier.

Und jetzt zu dem von mir zitierten Absatz in Ihrem Kommentar. Sie halten das für völlig normal mit Unterstellungen zu arbeiten? Fehlende Akkreditiierung etc. Die alles nichts mit dem Thema zu tun haben, sondern lediglich dazu dienen, etwas zu insinuieren. Das halten Sie für selbstverständlich? Interessant. Ich nenne das Blödheit. Sie arbeiten nicht zufällig für die Bild?

Und was die schlichten Gemüter betrifft. Eben haben Sie sich noch auf den FAZ-Text mit der entsprechenden Reichweite bezogen, jetzt wechseln Sie den Standort. Tatsächlich können selbst schlichte Gemüter begreifen, dass in dem FAZ-Text nicht das zu finden ist, was dort manche zu finden meinen. Wo ist das Problem? Schlichte Gemüter findet man übrigens in allen Schichten der Bevölkerung.

Wie Leser meinen Artikel beurteilen? Das Urteil überlasse ich den Lesern. Und Angekratztheit? Dann hätte ich Sie schon längst gelöscht. Ich habe ja Spass an Debatten. Auch wenn jemand versucht, mit den alten Tricks der Sophisten zu arbeiten. Übrigens eine interessante Lektüre für jeden, der sich mit den Grundsätzen der Rhetorik beschäftigt.

Und ob mein Artikel eine grandiose Leistung war? Auch das Urteil überlasse ich anderen. Ob jeder Kommentator eine solche abgeliefert hat? Nun wie immer Sie auch heißen: Das hier ist eine Dokumentation.

Markus Gerbersmann Juli 18, 2014 um 22:50

Herr Lübberding,
nun reicht es aber….für die BILD arbeiten?
Nein..ganz bestimmt nicht. :D
Aber auf eine gewisse Art und Weise nehme ich das sogar als Kompliment.
Was mir aber tatsächlich reicht, ist Ihr “Tonfall”.
Ich habe so höflich es mir möglich ist, versucht mit Ihnen eine Debatte zu führen und ,meiner ganz bescheidenen Meinung nach, weitestgehend den Ton gewahrt.
Das kann ich umgekehrt mit wenigen Einschränkungen nicht behaupten.
Deshalb klinke ich mich nun aus dieser “Diskussion” aus, freue mich immer noch über einen vierten Stern, liebe weiterhin Fußball mit all seinen Facetten, werde den Gaucho-Tanz nach wie vor lustig finden, fiebere dem 03.09.2014 entgegen, und wünsche Ihnen von Herzen, dass sich der Shitstorm gegen Sie und Ihre unglücklichen Kollegen, die ähnliche Beiträge verfasst haben, zeitnah legen wird.
Mit freundlichsten Grüßen
Markus Gerbersmann
(Liebhaber des neuen Wir-Gefühls)

wowy Juli 18, 2014 um 22:51

@fl
Nu komm mal wieder runter.

f.luebberding f.luebberding Juli 18, 2014 um 23:12

Gerbersmann

Völlig in Ordnung. Höflich fand ich Ihren Tonfall in einem Fall nicht. Das wurde deutlich. Ansonsten wünsche ich Ihnen viel Spass beim Fußball. Den habe ich nämlich auch. Wenn es sich denn auf den Fußball beschränkt … . Alles andere habe ich Ihnen gerade mitgeteilt.

Mit freundlichen Grüßen

Frank Lübberding

f.luebberding f.luebberding Juli 18, 2014 um 23:14

wowy

Ich war noch nie auf den Bäumen. Aber es gibt Grenzen.

wowy Juli 18, 2014 um 23:24

@fl
Ich mach mir langsam Sorgen, so wie du hyperventilierst :-)

bleistift Juli 18, 2014 um 23:36

“Das hier ist keine Anklage. Es ist keine Suche nach einem Sündenbock, oder eine Wutschrift. Das hier ist einzig und allein der Versuch zu verstehen, warum ich so fühle, wie ich fühle.

Das Land, dessen Staatsbürgerschaft ich trage, ist außer sich. Hunderttausende empfingen ihre Mannschaft auf der Fanmeile. Ja, die deutsche Nationalelf hat das Finale der WM verdient gewonnen und ein ganzes Land in einen kollektiven Freudentaumel versetzt…..”

http://www.alsharq.de/2014/weltweit/europa/wir-sind-weltmeister/

alex Juli 19, 2014 um 09:22

Herr Gerbersmann, stimme Ihnen in den meisten Punkten zu. Was mich ebenfalls stört und ich scheine nicht der einzige zu sein, ist diese latente Arroganz in Ihren Antworten Herr Lüberding. Sie können und werden es anders sehen, müssen aber meine Meinung bzw. Empfindungen ebenso akzeptieren. Leider konnte auch Ihr hervorragender Kollege Horeni eines nicht verhindern, meine Kündigung des FAZ Abonnements für alle Kanzleien. Wegen Ihrem Artikel? Nein, Ihrer Art des Umgangs mit Kritik. – subjektive Empfindungen? Sicherlich. Aber es geht um meine Befindlichkeiten, auch wenn diese subjektiv sein sollten. Ich möchte Sie einfach nicht mehr lesen und gebe deshalb einer Zeitung im SüddeutschenRaum an sofort den Vorzug. :-)

f.luebberding f.luebberding Juli 19, 2014 um 11:49

Alex

Sie haben recht: Es geht um Emotionen. Das ist das Problem.

Frank Lübberding

f.luebberding f.luebberding Juli 19, 2014 um 12:07

Hier jetzt der schon des öfteren angesprochene Klaus Theweleit in der heutigen http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=ku&dig=2014/07/19/a0066. Eine Polemik bringt Emotionen zur Sprache.

f.luebberding f.luebberding Juli 19, 2014 um 12:12

Den Schuh von Theweleit mit dem Hinweis auf die EM 2008 und die Rolle des DFB ziehe ich mir übrigens an. Mir war das nicht aufgefallen.

karla Juli 19, 2014 um 12:38

thorsten Juli 18, 2014 um 18:22

” Ein Treffer wars dann ja auch eher nicht,…”

Und was für einer? Wie ein Wespennest sind sie aufgeschreckt.

Warum hört man von fl`s Kriikern nur beleidigte Kommentare angesichts ihrer Freude am Sieg der deutschen Mannschaft..

Einfach Freude über ein gutes Spiel – zweier Mannschaften – das kommt so gut wie nie vor. Da sind sich die Nationalisten aller Länder von Argentina bis Zaire immer einig.

Ohne nationale Identität ist es halt nur kicken.

Insider Juli 19, 2014 um 17:04

Ein großes Missverständnis

Frank Lübberding kritisierte in seinem Artikel die Inszenierung der WM-Feier, allerdings in einer Art und Weise, welche bei den Fans Kritik und Widerstand hervorrief.

Den Fans waren die Siegessäule und das Brandenburger Tor als nationale Symbole gleichgültig. Trotz des Meeres von Schwarz-Rot-Gold hatte dies bei den meisten Menschen nichts mit Nationalismus/Chauvinismus zu tun. Das waren lediglich die Farben der eigenen Mannschaft.

Sie wollten sich dem Gefühl der Sieger-Ekstase hingeben. Und dies lassen sie sich nicht durch eine Kritik nehmen, welche sie als spießig und verklemmt erleben.

Eskstase mit einem Verschmelzen in einem „WIR“ ist ein elementares menschliches Bedürfnis. Weil Menschen nicht jene berechnenden, gegeneinander konkurrierenden und feindseligen Einzelwesen sind, wie sie sie von der liberalistischen Ideologie („homo homini lupus“) dargestellt werden.

Ekstase mit einem Verschmelzen zu einem WIR gehört zu einem gelingenden und lustvollen Gemeinschaftsleben wie der Orgasmus zum sexuellen Höhepunkt.

Nach des Ekstase kehrt – wie auch beim Orgasmus – dann wieder die Nüchternheit der Normalität ein.

Man sollte wieder die „Massenpsychologie des Faschismus“ von W. Reich lesen, um die Menschen besser zu verstehen und um diese nicht zum Gegenstand der eigenen Projektionen zu machen.

So schreibt Deniz Yücel in der TAZ:

Verständnisvoller zeigt sich Frank Lübberding auf faz.net: Der Spott sei “nachvollziehbar”, hätte aber “nicht vor einem Millionenpublikum ausgebreitet werden müssen”. Der Autor scheint zu wissen, welches Liedgut vor ein paar Jahren bei FAZ-Redaktionsfeiern angestimmt wurde. So klingt sein Rat, als spräche ein Alter Herr zu jungen Burschenschaftlern: Jungs, so was nur unter euch.

Quatsch! Wer sich über die Spieler aufregt, war noch nie im Stadion. Und wer ihnen vorwirft, dem nationalen Ansehen geschadet zu haben, ist selber in nationaler Mission unterwegs. [Hervorh. v. mir]

P.S.
Nur eine Minderheit derjenigen Menschen, die von den Massenveranstaltungen begeistert waren, welche von den Nazis organisiert wurden, waren selbst begeisterte Nazis und/oder nationalistische Chauvinisten.

karla Juli 20, 2014 um 00:05

Insider Juli 19, 2014 um 17:04

” Ein großes Missverständnis….
Und wer ihnen vorwirft, dem nationalen Ansehen geschadet zu haben, ist selber in nationaler Mission unterwegs. [Hervorh. v. mir]”

Das wär mal ein Argument um @f’s Artikell zu kritisieren.

“Nur eine Minderheit derjenigen Menschen, die von den Massenveranstaltungen begeistert waren, welche von den Nazis organisiert wurden, waren selbst begeisterte Nazis und/oder nationalistische Chauvinisten.”

Wenn Mensch keinen Pass hat ist das ein handicap. Ein stinknormaler Nationalist muss man deshalb nicht sein. (Siehe deine Anmerkung zu @fl: ” in nationaler Mission unterwegs”)

Insider Juli 20, 2014 um 10:17

@karla Juli 20, 2014 um 00:05
” Ein großes Missverständnis….
Und wer ihnen vorwirft, dem nationalen Ansehen geschadet zu haben, ist selber in nationaler Mission unterwegs. [Hervorh. v. mir]”
Das wär mal ein Argument um @f’s Artikel zu kritisieren.

Dafür – also für die „nationale Mission“ – würde ich F. L. keineswegs kritisieren. Im Gegenteil. Wenn die Deutschen mehr Verantwortung für ihr Gemeinwesen hätten, dann würden sie nicht zulassen, dass ihr Land wie ein Steinbruch behandelt wird.

Aber sie haben noch nicht einmal wahrgenommen, dass und wie aus ihrer Nationalmannschaft eine Mercedes-Benz-Mannschaft gemacht wurde (vgl. Theweleit).

Trotz Schminkens und der Kostümierung mit den Nationalfarben fehlt den meisten Fans ein Nationalbewusstsein im Sinne der Mitverantwortung für Deutschlands Zukunft. Die wenigsten Deutschen fühlen und denken in diesem Sinne national.

Völlig anders als z. B. die Schweizer.

Mir geht es um die Analyse des gegenseitigen Missverständnisses zwischen F. L. und seinen Lesern. Die Leser haben den Artikel als Angriff erlebt. Das kann F. L. keineswegs intendiert haben. Denn die Leser sind die Kunden des Journalisten. Der GAU ist für ihn, wenn er Leser und Abonnenten vergrault.

Insider Juli 20, 2014 um 12:02

P.S.
Im Übrigen glaube ich nicht, dass die FAZ auch nur einen einzigen Abonnenten wegen F.L.´s Artikel verliert.

Wie gesagt, ein Missverständnis.

F.L. wurde als „Spaßbremse“ wahrgenommen, was m. E. gar nicht dessen Intention war.

karla Juli 20, 2014 um 23:24

Insider Juli 20, 2014 um 10:17

“Dafür – also für die „nationale Mission“ – würde ich F. L. keineswegs kritisieren. Im Gegenteil.”

Was war dann der Grunddas Zitat von Yüzel (TAZ) extra hervorzuheben ohne jede Erklärung?

“Trotz Schminkens und der Kostümierung mit den Nationalfarben fehlt den meisten Fans ein Nationalbewusstsein..”

Gegen Schminke und Kostüm ist nichts einzuwenden. Eine solch einheitliche “Kostümierung” hat einen zusätzlichen Grund. Den nicht zu hinterfragen ist nur nachvollziehbar, wenn man ihm selbst anhängt. Z.B. so: “…fehlt den meisten Fans ein Nationalbewusstsein im Sinne der Mitverantwortung für Deutschlands Zukunft.”

petervonkloss Juli 22, 2014 um 06:10

Acta diurna

„Der mit dem Begriff “Gauchogate” verniedlichte Berliner Auftritt der deutschen Nationalmannschaft war keineswegs nur peinlich oder geschmacklos, wie manche Zeitungskommentatoren verharmlosend schrieben, sondern aggressiv, diskriminierend, rassistisch, chauvinistisch und ewiggestrig. So hat sich eine deutsche Mannschaft, so haben gerade wir als Deutsche uns nicht zu benehmen! 100 Jahre nach dem von Deutschland maßgeblich mitangezettelten Ersten Weltkrieg und 75 Jahre nach dem Überfall auf Polen stellen sich Deutsche kampffähigen Alters in Herrenmenschenpose über einen geschlagenen Gegner, verhöhnen ihn und stacheln Millionen sogenannter Fans zur Völkerverachtung an. Man muss dergleichen scharf bekämpfen; diesem Eklat sollten Maßnahmen folgen.

Ein paar Vorschläge zur Güte und Beruhigung des zu Recht hellauf empörten Auslands sowie der eigenen Presse:
1. Deutsche Tore werden künftig nicht mehr bejubelt. Stattdessen begeben sich die Spieler gesenkten Kopfes und möglichst unauffällig zurück in ihre Hälfte. Freudentrauben und ähnliche Kundgebungen fehlender Anteilnahme und Empathieferne sind verboten. TV-Moderatoren informieren nach deutschen Treffern das Publikum über die sozialen Probleme im Land des Konkurrenten.
2. Nach einer gewonnenen Partie entschuldigt sich jeder deutsche Akteur bei seinem Gegenspieler. Interviews werden in einem dem Ernst der Lage angepassten Ton gegeben. Der Bundestrainer bittet auf der Pressekonferenz im Namen der Mannschaft die gegnerischen Anhänger um Vergebung.
3. Nach jedem Sieg legt der Kapitän der deutschen Mannschaft im gegnerischen Strafraum einen Kranz nieder. Fällt ein deutscher Sieg mit mehr als zwei Toren Unterschied aus, organisiert der DFB Soforthilfen für die Opfer und ihre Angehörigen. Die Mannschaft versteigert ihre Trikots und spendet die Einnahmen an die Kinder der Unterlegenen.
4. Hat sich die deutsche Nationalmannschaft für eine Welt- oder Europameisterschaft qualifiziert, durchläuft jeder Kicker ein Antidiskriminierungsprogramm. Findet das Turnier in einem von Deutschland früher einmal besetzten Land statt, haben die Spieler dort entweder in der Landessprache zu sprechen oder zu schweigen.
5. Hat die deutsche Nationalmannschaft in einem Turnier das Viertelfinale erreicht, wird in allen TV- und Radiosendern jede zweite Stunde die Hymne des Gegners gespielt, im Halbfinale jede Stunde. Erreicht Deutschland das Finale, lernen die Schulkinder die Hymne des Endspielgegners auswendig. Boateng, Khedira und Özil singen die gegnerische Hymne im Stadion vor dem Spiel mit.
6. Nach einem gewonnenen Turnier bildet die Bevölkerung im gesamten Land Lichterketten der Solidarität mit den Geschlagenen. Auf öffentlichen Plätzen und in den evangelischen Kirchen werden die Namen der unterlegenen Spieler verlesen. Freudenkundgebungen sind untersagt. Die Frauenfußballnationalmannschaft kann als Klagechor eingesetzt werden. Die deutschen Fahnen vor offiziellen staatlichen Einrichtungen sind entweder auf Halbmast zu setzen oder durch Fahnen der auf dem Weg ins Finale besiegten Länder zu ersetzen. Die Spieler haben bei der Heimkehr Trauerbinden an den Armen zu tragen und öffentlich ihren Anteil an der kollektiven Schuld zu bekennen. Die Siegesprämien werden an Bedürftige in den Ländern der geschlagenen Kontrahenten abgetreten.
7. Beim Gewinn des Weltmeistertitels herrscht mindestens eine Woche Staatstrauer.“.

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