Geier sind nützlich, nur nicht in Argentinien

by f.luebberding on 31. Juli 2014

Was macht ein Geier ohne Aas? Er wird verhungern. Wird das jetzt den Geierfonds so gehen, die von Argentinien kein Geld bekommen? Deren Geschäftsmodell, die als sogenannte Hedgefonds fungieren, ist einfach. Sie kauften nach dem tatsächlichen Staatsbankrott Argentiniens im Jahr 2001 Bonds zu den gefallenen Kursen nach der Pleite. Die Geier setzen dabei auf ein Gericht in New York, um die Einigung Argentiniens mit seinen Gläubigern nach einem Zahlungsausfall anzufechten. Im Gegensatz zum Federvieh brauchen die Fonds somit juristische Expertise, um eine frühere Einigung zum eigenen Vorteil anzufechten. Nun sind Geier in einem Ökosystem nützlich. Welchen Nutzen könnten aber diese Hedgefonds haben? Rechtssicherheit und Haushaltskonsolidierung?

Das ist natürlich Unsinn. Die Fonds haben lediglich einen Konsens aufgekündigt, der in den vergangenen Jahrzehnten die Abwicklung von Staatspleiten sicherstellte. Wenn jemand Pleite geht, sind immer zwei Akteure dafür verantwortlich. Der Schuldner, weil er seine Rückzahlungsmöglichkeiten überschätzte, der Gläubiger für seine Risikobereitschaft. Weil es lediglich einen Konsens, aber keine rechtsverbindliche Durchsetzung des Schuldenschnitts geben kann, setzen die Geierfonds an dieser Schnittstelle an. Sie sind keine Geier-, sondern vielmehr Erpresserfonds. Ihr Geschäftsmodell beruht darauf, die Aufkündigung des Konsens und die Angst vor den möglichen Folgen zum eigenen Vorteil auszuschlachten. Sie handeln daher wie Schutzgelderpresser der Mafia. Wer ihnen für dieses Handeln Gratifikationen gewährt, ist ihnen egal. Das dürfen auch gerne die Banken sein, die an einem funktionierenden System zur Behandlung von Zahlungsausfällen Interesse haben müssen. Ansonsten droht das Vertrauen in das System zu kollabieren. Denn ohne einen solchen Konsens, der der Verantwortung von Schuldner und Gläubigern gerecht wird, wird das Investitionsrisiko unkalkulierbar. Auf Finanzmärkten muss das Risiko des Scheiterns (sprich des Zahlungsausfalls) einkalkuliert werden. Das wissen die Erpresserfonds – und darauf beruht ihr Geschäftsmodell. Sie können dabei juristische Lücken zu ihren Gunsten nutzen. Groteskerweise befinden sie sich so in einer Situation als wenn die Mafia die Prämien für den Schutz gegen Brandstiftungen vor einem Gericht einklagen könnten. Das Argument mit der Rechtssicherheit und Haushaltskonsolidierung liesse sich auch auf Restaurantbesitzer anwenden.

Geier ohne Aas sterben. Es ist ein Verlust für das Ökosystem. Die Erpresserfonds, die irrtümlich als Geierfonds fungieren, sollte man allerdings schlicht sterben lassen. Sie haben keinen Nutzen. Die USA sollten sich zugleich fragen, ob ihr Rechtssystem noch in der Lage ist, das Vertrauen in die Funktionsfähigkeit von Finanzmärkten sicherzustellen. Es ist ein weiterer Schritt zum Zerfall der globalen Finanzmarktarchitektur, der durch die Krise um die Ukraine schon deutlich an Fahrt aufgenommen hat. Und die Europäer? Bei uns ist zur Zeit viel von Sanktionen die Rede. Es sollte daher kein Problem sein, die verantwortlichen Mafiosi aus den Erpresserfonds mit Kontensperrungen und Einreiseverboten zu belegen.

update

Die taz zur Zahlungsunfähigkeit.

Im WDR ein Spezialist über den Umgang mit der Mafia.

Laut Welt ist der Restaurantbesitzer Schuld. Er mag ein lausiger Geschäftsmann sein: Nur was hat das jetzt mit dem Vorgehen der Erpresserfonds zu tun?

Der Hintergrund wird in den Blättern erläutert.

Die Metaebene bei Andre Kühnlenz.

Das schmerzt die Enkelin.

Die fehlende Moral der Geier.

Hedgefonds-Versteher, einmal anders. Die Arroganz der Gauchos.

Rolle der US-Justiz im Standard.

1.08.2014

Zum Thema Riskorückstellungen.

Konkursprovokation.

4.08.2014

Der Wirtschaftswurm mit einem Kommentar zur bisherigen Debatte.

Jens Berger auf den Nachdenkseiten.

 

 

{ 321 comments… read them below or add one }

aifran August 2, 2014 um 09:32

… nun ja so ab und an treiben wir halt auch mal einen Sündenbock durchs Dorf -

einen Sündenbock opfern damit es der Herde gut geht ….

holger196967 August 2, 2014 um 09:32

karla August 2, 2014 um 00:45

karla, ich sage nur , dass der Begriff Kapital nicht den Begriff Geld gleichsetzen kann. Das weiß jeder, der zB ein Unternehmen plant. Denn die Planung ist grundsätzlich erstmal vom Geld gelöst.

Ungefähr so, wenn ein Künstler ein Bild malt. Dieser Vorgang ist ein kapitalistischer. Ob er dafür irgendwas bekommt, weiß der Künstler meistens nicht.

Dieser Planung stehen nun in der “Modernen” Kosten gegenüber. Diese werden in Geld-Einheiten betrachtet. Und später nur noch in Kennzahlen ohne die Einheit €.

Erst wenn die Produkte angeboten werden, bekommt das Kapital den Zusatz “WAS? SOOOOOOO Teuer?”

Aber ohne das vordenkende Kapital (Hirnschmalz) kann es nicht zu dem “SOOOOOOOO Teuer” kommen.

Siehe die Idee der Börsen. Da trifft Kapital (Idee) auf Geld. Oder guck dir die ganzen Start-Upps an. Genau der gleiche Vorgang.

Und natürlich kann man den “Kapitalismus” nicht überwinden. Weil ohne das Kapital hat das ganze Geld der Welt keinen Sinn.

Nun kommt in dieses Spiel der Sozialist hinein. Der ist nur Geld fixiert, weil er nicht das Kapital besitzt, fröhliche Dinge zu entwickeln. Und nun entsteht das Zusammenspiel zwischen denkenden Menschen (Kapitalisten) und den aussaugenden, raub Menschen (Sozialisten). Es gibt also den reinen Kapitalismus nicht. Es ist immer ein Mix.

A) sozialistischer (90%) Kapitalist (10%)
B) kapitalistischer (90%) Sozialist (10%)

Und nun kommt es, Kapital-Vernichtung fängt nicht im Geld-Markt an, sondern in der sozialistischen Verdummung der Massen. Kurz allgemein “bildende” Schulen. Hier werden gleich dumme herangezogen. Die alle den gleichen Einheitsbrei erzählen.

Und nun zum Investieren mit Geld. Wohin stecke ich die Fantastilliarden?

Es gibt nur 2 Möglichkeiten:

A) in totes Kapital (Häuser Wolkenkratzer Unternehmen…)
B) in lebendiges Kapital (den Menschen)

Und nun steht die Masse der sozialistischen Kapitalisten nämlich auf dem Schlauch. Die können nur, weil se nichts inner Rübe haben, in A) Investieren. Selbst wenn es die berühmte Strobler Brücke ist.

Ein kapitalistischer Sozialist würde ausgewogen in A und B investieren. Das ist aber nicht gewollt. Oder im Buch der Bücher nicht vorgesehen.

Wir laufen auf die größte Kapitalvernichtung zu, und das nennt sich Massenverblödung. Den großen Bruch wird man in DE bald spüren. Dann, wenn die Alten, die noch was gelernt haben nicht mehr da sind. Der Knick fängt übrigens 1971 an.

Im Mittelstand heißt die Kapitalvernichtung übrigens Fachkräftemangel. Und den gibt es wirklich.

karla August 2, 2014 um 09:46

enrico August 2, 2014 um 01:31

nochmal @karla

” Hier ein paar Fragen, deren Beantwortung aufzeigen, dass es wenig Sinn macht “das alles zusammen zu bringen”:

Es gibt Leute, die arbeiten können.
Dürfen Leute, die arbeiten können verkäuflich sein?”

Nicht die Leute werden verkauft, sonder sie bieten ihre Arbeitskraft auf dem Arbeitsmarkt an. Geregelt durch BGB, Arbeitsrecht etc.

“Es gibt Wissen, das diese Leute dabei einsetzten können.
Darf Wissen verkäuflich sein?”

Ist durchVertragsrecht geregelt.

” Es gibt Werkzeuge im weiteren Sinne (Betriebsausrüstung).
Dürfen Werkzeuge verkäuflich sein?”

Ja! BGB, Wirtschaftsrecht, Patentrecht etc. (damit sie sich in der Konkurrenz nicht zu sehr an die Wäsche gehen, könnte ja dem großen Ganzen schaden).

“Es gibt bereits gefertigte Produkte.
Dürfen gefertigte Produkte verkäuflich sein?”

Na klar. Ist doch der Grundkonsens in dieser Gesellschaft. Sollte den einer aufkündigen bekommt er Probleme.

"ruby" August 2, 2014 um 10:14
"ruby" August 2, 2014 um 10:21

Gewissen kann soviel Spaß bereiten.
Auf ein Bierchen und eine neue Gesellschaft !
http://previewcf.turbosquid.com/Preview/2014/07/04__05_32_13/tetrapack.png1efa7632-798f-4223-a732-3b655cd206c9Large.jpg
fettarm ;-)

"ruby" August 2, 2014 um 10:24

Super gutes Verwahrkonto – für die Ewigkeit?
Oder darf der Fiskus verwenden?
Zicke Zacke Geldscheinhälfte …

"ruby" August 2, 2014 um 10:27

@ aifran

Beamte und Journalisten durchs Städtchen treiben, damit es der Meute gut geht

"ruby" August 2, 2014 um 10:32

@ holger96

Bitte Zuckerrübe statt nur “Rübe”
Wieso ab 1971?

Goodnight August 2, 2014 um 10:35

NOPE

Die Moderne ist nicht statisch. Sie lebt und entwickelt sich weiter. Ja, sie ist noch nicht einmal modern. Was wir beobachten können ist eine funktionale Ausdifferenzierung, d.h. ein Prozess, mit all seinen collateral damages. Da operieren Akteuere aus dem WIRTSCHAFT-bereich (“Geierfond”) mittels dem RECHT-system (Klage in USA) mit dem letztendlichen Effekt das POLITIK-System in Argentinien zu destabilisieren. Wow, denkt sich da der Systemtheoretiker, wat nicht alles möglich ist. Da sage noch mal einer, dass Funktionssysteme entkoppelt sind….insbesondere da zugleich ähnliches im Ukraine-Konflikt zu beobachtet ist: Die Politik (EU) benutzt die Wirtschaft (Sanktionen), mit Zwischenschaltung des Rechtssystems, um einen militärischen Konflikt zu beenden.

Der Unterschied ist, dass die Geierfonds gar keine Politik beeinflussen wollen sondern nur reines CASH verlangen, d.h. nicht über Ihr System hinausdenken, aber gerade aufgrund der Ausdifferenzierung der Funktionssysteme diese gegeneinander ausspielen können. D.h. sie können das unabhängige Rechtssystem nutzen um ein politischen Funktionssystem unter Druck zu setzen, ohne dass das Rechtssystem das politische System schützen kann, da das Rechtssystem von dem politisches System entkoppelt ist, d.h. nicht nach politischen Interessen operiert, d.h. es ihm letztlich egal ist ob jemand in Argentinien Macht verliert oder hungert..
Hingegen benutzen die EU-Politiker gezielt das Wirtschaftssystem, da dieses noch nicht so weit entkoppelt ist um sich Machtkalkülen des politischen Systems zu entziehen.

Nun werden wir beobachten können:
Lässt sich das Wirtschaftssystem von der EU politisch instrumentalisieren oder wird es sich emanzipieren?
Kann sich das Rechtssystem der USA dem moralischen Druck des politischen Systems entziehen bzw. kann es die gesellschaftlichen Folgen seiner Aktivität in einer Unterscheidung Recht/Unrecht soweit reflektieren, dass es sich … nope, ich denke der Gedanke ist nicht anschlussfähig ohne eine Rückführung der Moderne.

Ergo: Wir beobachten Funktionssysteme die noch bei weitem nicht so ausdifferenziert sind, wir wir es uns wünschen bzw. schon so ausdifferenziert sind wie wir es uns nie wünschten. Wir beobachten Vergangenheit und Zukunft, d.h. Hierarchie, die alles kontrolliert und damit Freiheit verhindert und zugleich sehen wir Freiheit die ihren eigenen neuen Preis von den Menschen fordert. Beides ist nicht schön, aber real. Und wir werden entweder fortschreiten und lernen oder zurück ins Stoneage….und damit wären wir bei der wesentlichen Differenz des 21. Jhd.

“The arrogance of men is thinking nature is in their control and not the other way around. Let them fight.”
(Godzilla)

holger196967 August 2, 2014 um 10:36

“ruby” August 2, 2014 um 10:32
@ holger96

Bitte Zuckerrübe statt nur “Rübe”
Wieso ab 1971?”

Pillenknick…

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/0e/Bevoelkerungsentwicklung_deutschland.png

sollte man durchaus ernst nehmen.

holger196967 August 2, 2014 um 10:52

ruby

gehe in der Tabelle davon aus, dass der Jahrgang 49 jetzt erst offiziell in Rente ist. Dann kannst du in den nächsten Jahren das Grausen bekommen.

Und zwar in den alltäglichen Dingen. Gleichzeitig sind die Handwerklichen Berufe immer weniger besetzt. Weil ja jeder unbedingt Soziologe oder Journalist werden wollte.

Echtes Kapital (mehr oder weniger) kommt nur aus der Gebärmutter.

Noch schlimmer wirds in rund 26 Jahren, wer soll denn die alten Säcke als Pflegen? Und die werden immer mehr und immer Älter.

Hauke August 2, 2014 um 11:02

“… mit dem letztendlichen Effekt das POLITIK-System in Argentinien zu destabilisieren. ”

Das ist eine Fehleinschätzung. Das politische System in Argentinien stabilisiert sich derzeit erheblich. Die Menschen solidarisieren sich mit Kirchner auf Grund ihrer Verweigerungshaltung gegenüber den Hedgefonds. Und diese Solidarität mit Kirchner eröffnet der argentinischen Regierung gleichzeitig den nötigen Verhandlungsspielraum den sie braucht, um eine günstige Einigung mit den Hdgefonds zu erzielen. Funktionssysteme irritieren sich wechselseitig.

holger196967 August 2, 2014 um 11:04

ruby

der Peak des Geburtenzunamis erreicht mit dem Jahrgang 63, also den jetzt 51 Jährigen, seine höchste Stufe.

Also in rund 13/14 Jahren danach geht es steil Bergab. Und dann wird es ungemütlich.

"ruby" August 2, 2014 um 11:09

@ holger96

Siehst Du das nicht etwas zu national/territorial oder völkisch/sprachlich “Teutschland” ist doch immer verändert und migriert worden. Siedlungsgeschichte anschauen!
Schau Dich alten Streuselkuchfresser doch an – Du willst doch gar nicht mehr in die “gute” alte Heimat ;-)
Und wer hätte vor ein paar Jahren gedacht, dass der Gerald Asamoah mal für die Rente zahlt …

holger196967 August 2, 2014 um 11:15

“ruby” August 2, 2014 um 11:09
@ holger96

Siehst Du das nicht etwas zu national/territorial oder völkisch/sprachlich “Teutschland” ist doch immer verändert und migriert worden. ”

Nein, sehe ich nicht zu national. Ich gehe von Zahlen IHK und HWK aus. Und da ist es mir egal, wer da Stift aus welchem Land ist.

Fakt ist, dass es wirklich einen Fachkräfte-Mangel an ganz “normalen” Handwerklichen Berufen gibt. Fängt bei Gas-Wasser-Scheiße an.

Wirst schon sehen, dass die alten Säcke später im Freien Scheixxen müssen, weil keiner da ist, der das alte reparieren kann.

holger196967 August 2, 2014 um 11:30

ruby

ich habe obbe geschrieben Kapitalvernichtung fängt in den allgemein bildenden sozialistischen Schulen an.

Hier das Ergebnis:

http://www.hauptsache-bildung.de/wp-content/uploads/2014/03/nicht-besetzte-ausbildungsplaetze.png

Huuh August 2, 2014 um 11:46

Lernstoff

Funktionssysteme (hier @ Hauke, @ goodnight) differenzieren sich weiter aus und irritieren sich dabei wechselseitig. Beginne ich gerade, etwas zu verstehen?

bertrandolf August 2, 2014 um 12:02

Auch intressant ist ein Artikel von Flassbeck vom 30.Juni. Er beschreibt die Problematik das die Schuldverträge bereits in den 90er Jahren unter Aufsicht des IWF unterschrieben wurden.
http://www.flassbeck-economics.de/der-schuldenschnitt-von-2001-und-die-heutige-not-argentiniens/

Im Grunde zeigt ein Hilfe- oder Entwicklungsprogramm, welches vor ca 20 Jahren aktiv war, jetzt erst seinen Schrecken und die Auswirkungen.
Die PIGS, also Portugal, Irland, Griechenland und Spanien geben ihre neuste Staatsanleihen auch nach britischem Recht, in Euro und nochmal durch dei EU gesichert aus. Am Euro geht es natürlich nicht vorbei, aber die Bedingungen könnten für diese Länder noch sehr problematisch werden.

carlos manoso August 2, 2014 um 13:00

@”ruby” August 1, 2014 um 17:36
„@ cm
Das ist das einmalige am Menschen, der Gesellschaft er, sie müssen nicht logischerweise und oder programmiert sein.“

Ruby, vollständig richtig. Aber genau darin besteht das Irrationale der Produktionsweise des Kapitals, das die vom Kapital geformten Gesellschaften immer sollständiger nach „logischen“ „und-oder Gesetzmäßigkeiten“ programmiert sind!

topi August 2, 2014 um 13:23

NOPE NOPE NOPE

“Die Moderne ist nicht statisch. Sie lebt und entwickelt sich weiter. Ja, sie ist noch nicht einmal modern.”

Ah so. Na dann ist’s ja gut. Oder auch nicht. Auf jeden Fall egal, was uns der moderne nichtmoderne Modernenvertreter sagen will, oder?

“Was wir beobachten können ist eine funktionale Ausdifferenzierung, d.h. ein Prozess, mit all seinen collateral damages. Da operieren Akteuere aus dem WIRTSCHAFT-bereich (“Geierfond”) mittels dem RECHT-system (Klage in USA) mit dem letztendlichen Effekt das POLITIK-System in Argentinien zu destabilisieren.”

Quatsch Ausdifferenzierung.
Wirtschaft, beruhend auf privatem Eigentum inklusive Zahlungsversprechungen, ist ohne MACHT zur Durchsetzung der Eigentumstitel undenkbar, war es immer.

Historisch sprach der Fürst etc. oft selber RECHT, oder es gab ein eigenes Rechtssystem; dieses denkt sich aber im Allgemeinen nicht das Recht aus, sondern setzt geschrienes Recht oder auch anerkannte Prinzipien um. Diese Vorgaben kommen aus der Politik (oder auch aus der Religion), das Rechtssystem kann prüfen, ob konkrete Gesetze/Verordnungen etc. anderen, höhergestellten “Rechten” widersprechen. (und je dümmer, fauler, korrumpierter die Politik ist, und konkrete Gesetze scheut, desto mehr dürfen sich Richter Recht ausdenken, aber nur bis zum nächsten Gesetz; so wird dann das GG ben mal neu ausgelegt, weil sich das “gesunde Volksempfinden” gewandelt hat).

Ein amerikanischer Richter ist in seinem Käfig quasi narrenfrei, kann auch 4 Milliarden Strafe verhängen, weil auf der Mikrowelle nicht draufsteht, dass man keine Katzen drin trocknen soll. Das ist jedoch keine Entwicklung hin zur Moderne, sondern in die Groteske.

Hier gab es ein ganz klares “RECHT”, Argentinien hat sich mit seinen Gläubigern hingesetzt und gemeinsam mit der gewaltigen Mehrheit eine Lösung gefunden. Dies zu verneinen wäre in zivilisierten Staaten eine klare Kompetenzüberschreitung, nur im Narrenkäfig des zur WWK I geborenen Wall-Street-Richters als “Recht” möglich. (wer an dessen Unabhängigkeit vom System FINANZEN glaubt, muss wohl mindestens Systemtheoretiker sein)

Dass die Politik in Argentinien davon gestürzt wird, ist natürlich offenbarer Unfug, das ist Kirchners größte Chance, sich wieder zu stabilisieren.

” Wow, denkt sich da der Systemtheoretiker, wat nicht alles möglich ist. Da sage noch mal einer, dass Funktionssysteme entkoppelt sind…”

Ja muss er ja nicht sagen. Kann er ja auch mal selber denken.
Wirtschaft kann nicht ohne MACHT, heute gespielt durch Recht, auf diese Art existieren.
Bei FINANZEN, keineswegs mit Wirtschaft identisch, gilt dies noch mehr.
Es kann Hierarchien geben, so wie heute die Finanzer den Politikern erklären, was sie machen müssen; aber eine Entkopplung ist Unsinn, war es auch immer. 350% des Sozialprodukts als Verschuldung, sobald die Schuldner nicht mehr GLAUBEN, dass sie durch irgendwelche Papiere gezwungen sind, ist sofort Schluss mit FINANZ.

“Der Unterschied ist, dass die Geierfonds gar keine Politik beeinflussen wollen sondern nur reines CASH verlangen, d.h. nicht über Ihr System hinausdenken, aber gerade aufgrund der Ausdifferenzierung der Funktionssysteme diese gegeneinander ausspielen können. D.h. sie können das unabhängige Rechtssystem nutzen um ein politischen Funktionssystem unter Druck zu setzen, ohne dass das Rechtssystem das politische System schützen kann”

Nein. Das Urteil kommt von einem Wallstreetrichter in seinem Narrenfreiheitskäfig, der sich “Recht” neu ausdachte.
Die nächsten Verträge werden einfach angepasst, dass wieder das RECHT gilt, wie es von den Ausgebern der Staatsanleihen gedacht war (und von den Zeichnern akzeptiert, und von IWF etc. begrüßt) , und nicht wie die Lücke, die er da zu finden vorgab.

” Nun werden wir beobachten können:
Lässt sich das Wirtschaftssystem von der EU politisch instrumentalisieren oder wird es sich emanzipieren?”

Yep, eine richtige Frage ist auch dabei.

” Kann sich das Rechtssystem der USA dem moralischen Druck des politischen Systems entziehen bzw. kann es die gesellschaftlichen Folgen seiner Aktivität in einer Unterscheidung Recht/Unrecht soweit reflektieren, dass es sich … nope, ich denke der Gedanke ist nicht anschlussfähig ohne eine Rückführung der Moderne.”

Völlig falsche Frage; dies wäre interessant, wenn die Entscheidung Auswirkungen auf zukünftige Fälle hätte, aber das ist nicht der Fall: es wird das RECHT von den maßgeblichen Akteueren geschaffen, welches auch gemeint war, nicht die skurrile Interpretation eines einzelnen Greises. (und wenn höhere amerikanische gerichte mitspielen sollten, ändert das auch nichts).

Es gibt möglicherweise ein Problem für schon bestehende Verträge; aber selbst das lässt sich bei einer neuen anstehenden Umschuldung sicher auch lösen.

carlos manoso August 2, 2014 um 13:25

@Morph August 1, 2014 um 18:46
“Nun müssen nicht alle Finanzer komplett zynische A., äh, Dings sein; aber du hältst es darin nicht aus, ohne kräftig an kognitiver Dissonanz kauen zu müssen, wenn du nicht diese Werte zumindest teilweise übernimmst.”
Damit sprichst Du das Betriebsgeheimnis des laufenden Geschehens ganz gelassen aus. Ganz genau so ist es. Und genau deshalb prägen trotz der Willensfreiheit des Einzelnen und der vielen schön gedachten allgemeinen Menschheitsziele nicht diese Ziele das Gesicht der Gesellschaft, sondern die Reproduktionszwänge ebenso zufälliger wie ‘egoistischer’ Organisationen.
Je durchinstitutionalisierter, organisierter die Gesellschaft ist (kurz: je moderner sie ist), desto geringer werden die Chancen für ein gesamtgesellschaftlich verbindliches Verbesserungsprogramm. Es bleiben dann m.E. drei Alternativen: Entweder man verfolgt mit immer schärferer Aggressivität die immer geringer werdenden Chancen auf das Paradies auf Erden (also die fundamentalistische Option) oder man kultiviert die kulturpessimistische Depression (und übt sich im gekonnten Klagegesang) oder man sucht sich die neobiedermeierliche Nische. Man kann natürlich auch mal so, mal so unterwegs sein.“

Morph, selbstverständlich ist das völlig richtig beobachte: „Je durchinstitutionalisierter, organisierter die Gesellschaft ist (kurz: je moderner sie ist), desto geringer werden die Chancen für ein gesamtgesellschaftlich verbindliches Verbesserungsprogramm“.

Aber die von dir aufgezählten „drei Alternativen“ vertraten lediglich, dass du den Funktionsmodus des Systems nicht mal im Ansatz kapiert hast. Es gibt z.b. nicht den geringsten Grund, „mit immer schärferer Aggressivität die immer geringer werdenden Chancen auf das Paradies auf Erden“ zu beschwören“ oder gar in „kulturpessimistische Depression“ zu verfallen oder sich gar in „neobiedermeierliche Nischen“ zu verkriechen. Es gibt allerdings viele Entwickungen ganz cool zu beobachten, die das System in die gute Richtung auflösen.

Goodnight August 2, 2014 um 13:39

@Hauke

“Das politische System in Argentinien stabilisiert sich derzeit erheblich.”

Na, warten wir mal ab, wie stabil das bleibt, wenn die Leute nix mehr kaufen können…..mal Fernando de la Rua fragen.

“There’s a cancer in the presidency and it’s growing.”
(Nixon)

Goodnight August 2, 2014 um 13:56

@Topi

Nope, noch einmal die Grundlagen:

Früher, in den guten alten Zeit, da hat der Fürst alles Recht selbst gesprochen und zugleich alles Volksvermögen kontrolliert.
Wegen der Hierarchie und so.

Dann kam das ganze Gedöns mit Bürgertum und Eigentum und so und schwups lief sie los, die Moderne. Und sie läuft noch immer. Und zwar weg von der Hierarchie.

Ergo: Die Narrenfreiheit des Richters ist die maximale Entkoppelung des Rechtssystem von anderen Funktionssystemen. Wo wir in Europa noch eine etwas enge Verbindung von Recht und Politik mittels code law fahren sind die USA schon einen Schritt weiter in der Moderne…natürlich mit all den Vor- und Nachteilen, d.h. jedes Individuum hat deutlich größere Möglichkeiten sich Rechte anzueignen bzw. zu verlieren.
Whatever, wirklich wichtig ist, dass sowohl in Europa wie auch in den USA die Entscheidung des Richters verbindlich für andere Funktionssysteme bleibt. Da kein Fürst mehr alles kontrolliert, so sind die anderen Funktionssystem wie Wirtschaft und Politik darauf angewiesen, dass alle Rechtsentscheidungen auch im Rechtssystem getroffen werden. Und da sie diese Entscheidungen nicht selber treffen können, so müssen sie den Entscheidungen des Richters folgen: D.h. Argentiniens Politik wird sein Land in den Bankrott führen, wenn das ein Richter in den USA so entscheidet.
Klingt absurd für Leute, die die Moderne noch nicht verstanden haben, ist aber so.
Das ist ja das Nette an diesem Blog, dass hier der Konflikt von Moderne und Vormoderne friedlich geführt wird. Wenn Herr Lübbberding und Co immer wieder nach der Macht ( des Fürsten) rufen, der wieder für Moral und Anstand und Ordnung sorgt … und dann die Morphs, TRSS und COs die andere Seite markieren.

“Freedom isn’t free at all, that it comes with the highest of costs. The cost of blood.”
(300)

topi August 2, 2014 um 14:01

Carlos, nix selbstverständlich.
„Je durchinstitutionalisierter, organisierter die Gesellschaft ist (kurz: je moderner sie ist), desto geringer werden die Chancen für ein gesamtgesellschaftlich verbindliches Verbesserungsprogramm“.

Wenn auf einen Zeitraum “Modernisierung” zutrifft, dann ja wohl auf sagen wir mal 20er bis 70er letztes Jahrhundert.

Da gilt genau das Gegenteil!

"ruby" August 2, 2014 um 14:03

@ topi

“350% des Sozialprodukts als Verschuldung, sobald die Schuldner nicht mehr GLAUBEN, dass sie durch irgendwelche Papiere gezwungen sind, ist sofort Schluss mit FINANZ.”

Frag doch mal den Schäuble und die Merkel für die ist bereits bei der Schuldenbremse und Nullstaatsverschuldung Sense !

Biete Reinhart / Rogoff :
“Sobald die Staatsschulden einen Wert von mehr als 90 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, also der jährlichen Wirtschaftsleistung dieses Landes, erreichen, beginnt die Höhenkrankheit. Das ist das Ergebnis der Berechnungen von Reinhart und Rogoff. Von da an wächst die Wirtschaft nicht mehr, sie schrumpft schlagartig, das Land verarmt.”
aus :
http://www.zeit.de/2013/27/staatsverschuldung-rechenfehler-thomas-herndon

The Real Slim Shady August 2, 2014 um 14:30

@Goodnight

>Da operieren Akteuere aus dem WIRTSCHAFT-bereich (“Geierfond”) mittels dem RECHT-system (Klage in USA) mit dem letztendlichen Effekt das POLITIK-System in Argentinien zu destabilisieren. Wow, denkt sich da der Systemtheoretiker, wat nicht alles möglich ist.

Sehr schön auf den Punkt gebracht. Ich schrieb es weiter oben bereits: rein systemtheoretisch betrachtet kann man sich echt nur zurücklehnen und staunend feststellen: “Potzblitz, was es nicht alles gibt!”

The Real Slim Shady August 2, 2014 um 14:32

Im Übrigen glaube ich, dass es höchste Zeit ist, wieder einen echten, deutschsprachigen Wirtschaftsblog ins Netz zu stellen. Offenbar liegen spannende Zeiten vor uns, die es wert sein könnten, fach-, sach- und bildungsschichtengerecht kommentiert zu werden…

glühwürmchen August 2, 2014 um 15:03

“Je durchinstitutionalisierter, organisierter die Gesellschaft ist (kurz: je moderner sie ist), desto geringer werden die Chancen für ein gesamtgesellschaftlich verbindliches Verbesserungsprogramm. ”

Auf jeden Fall eine interessante Aussage. Ich weiss nicht, ob Luhman die Antwort auf die Frage gibt, warum das so ist. Ich hab mir mal versucht, eine Antwort zu finden und hoffe, dass das einigermassen in die derzeitige Diskussion reinpasst:

Eigentlich versprechen Institutionen doch eine Verringerung der Entropie sowie Synergieeffekte, insofern müsste es der Gesellschaft ja damit besser gehen. Das ist ja wohl auch ihr Sinn. Aber Institutionen zwingen die Menschen, nach bestimmten Regeln zu handeln während sie vorher frei waren zu handeln oder auch nicht zu handeln, so, wie es ihnen anhand der Gegebenheiten sinnvoll schien und so wie sie es für sich für nützlich erachteten. Die I. hat aber nicht nur ihre eigenen persönlichen Interessen sondern auch eigene. Sie selber ist auch von ihren Entscheidungen gar nicht betroffen, so wie Berufs-Politiker, die für keine Entscheidung haften müssen. Die gesellschaftlich bereits existierenden Institutionen sind daran interessiert, ihre Kompetenzen und Einflusssphären zu erweitern und beschneiden damit immer mehr Freiheiten. Die Entscheidungen fallen immer weiter entfernt von den Belangen, um die es geht. Die Entscheidungsträger entscheiden nicht aufgrund eigener Betroffenheit, sondern weil sie dafür bezahlt werden. Deswegen werden die Entscheidungen umso lebensfeindlicher je höher die Hierachiestufe, auf der sie gefällt worden sind.
Oft stehen die Ziele der Führung im Widerspruch zu denen der Betreuten. Die Führung möchte ihre Kompetenzen ausdehnen und wird natürlich von den Betreuten bezahlt. Und je inkompetenter die Betreuten umso besser für sie, denn um umso mehr Dinge kann und muss sie sich kümmern. Gleichzeitig wird der Mensch jedoch immer unfreier und muss immer mehr Steuern etc. zahlen.
Sobald Institutionen geschaffen werden, haben bestimmte Individuen, die Amtsinhaber, mehr Macht als alle anderen. Für diese gelten zwar Regeln, aber sie haben eben auch Entscheidungen zu treffen, weil es einen gewissen Spielraum gibt. Und damit ist noch nicht einmal der Machtmissbrauch gemeint, der auch ohne kriminelle Absicht möglich wäre. Ausserdem gibt es die Möglichkeit, dass die führenden Funktionäre, die ja schon aufgrund ihrer Funktion miteinander zu tun haben, sich absprechen und damit noch leichter im eigenen Sinne agieren können.
Dies sehe ich erstmal bei den öffentlichen I. so. Daneben gibt es auch die privaten, hier geht es mir vor allem um die Konzerne. Als big five könnte man die Finanz, Energie, Rüstung, Pharma und Medienkonzerne benennen. Jeder in den modernen Gesellschaften ist an denen beteiligt. Während die öffentlichen I. nicht primär durch Gewinnabsicht, sondern zur Daseinsvorsorge existieren, liefern die privaten o.g. I. zwar auch (teilweise) notwendige Güter wie Energie oder Medizin, aber ihr primärer Zweck besteht im Erzielen von Profit für Privatpersonen. Alle intern geltenden Regeln sind ausnahmslos diesem Zweck untergeordnet. Darum gilt für die privaten I. umsomehr, dass ihr eigener Nutzen vielleicht nicht vollkommen, aber stark konträr zu dem der Endverbraucher ist: je abhängiger, dümmer und desorientierter der Endverbraucher oder Kunde, umso ausgreifender die Entscheidungsbefugnis und Zuständigkeit und umsomehr Profit macht die Firma. Das Bestreben privater I. besteht darin, sich den Kunden so zurecht zu formen, wie es den eigenen Bedürfnissen entspricht. Während öffentliche I. nach geltenden Gesetzen handeln, besitzen private I. das nötige Kapital um mithilfe von Lobby, Medien oder auch einfach Bestechung die Gesetze nach ihren Bedürfnissen zu lenken.
Was für die Absprache unter den Funktionären öffentlicher I. gilt, gilt natürlich genauso für die privaten Konzerne. Wenn man die Banken als die ersten der big five bezeichnen könnte, lässt sich sogar vermuten, dass sich dank ihres Vermögens die Banken auch die Rechte an Energie verschafft haben und dass beide Branchen sehr eng miteinander verflochten sind. Dasselbe gilt genauso für die Bereiche Rüstung, Pharma und Medien. Bei letzteren wurde ja schon darauf hingewiesen, dass sämtliche Grossmedien direkt oder indirekt in Bankenbesitz sind.
Und da es eben nicht tausende kleinerer Banken-, Energie-, Phama- oder Rüstungskonzerne in allen Ländern gibt, sondern jeweils nur ganz wenige global player, die den Markt dominieren, liegt die reale Macht jedenfall in den westlichen Ländern in den Händen einiger weniger Konzerne. Natürlich gibt es einen oder zehn Prozent, die massiv an deren Reichtum beteiligt werden, aber die wirklich die Fäden in der Hand haben, sehe ich eher in der Grössenordnung von zehn oder zwanzig Familien, was den Westen angeht.
Nebenbei gesagt, vielleicht kann man die Gesellschaften, in denen die öffentlichen I. dominieren wie dem ehemaligen Ostblock als Sozialismus bezeichnen und die G., in denen die privaten Konzerne dominieren, als Kapitalismus.
Die Frage wäre m.M. noch, warum die Konzernlenker sich so sozialschädlich und menschenverachtend verhalten und mit dem Raubbau des Planeten sogar ihre eigene Lebensgrundlage zerstören. Und um die Verantwortung nicht immer nur „denen da oben“ zu geben, warum die einzelnen Bürger und Konsumenten so gedankenlos und gleichgültig dahinleben und nicht mal daran denken, ihren eigenen Kindern die Lebensgrundlagen zu erhalten.
Wäre der Mensch auf früheren Stufen der Evolution so rüchsichtslos gewesen, wäre er wohl kaum zum beherrschenden Lebewesen auf der Erde geworden. Dies konnte er doch nur durch sein soziales Verhalten. Irgendetwas muss ihn von diesem Weg abgebracht haben.

Frankie (f.k.a.B.) August 2, 2014 um 15:52

@TRSS

“Im Übrigen glaube ich, dass es höchste Zeit ist, wieder einen echten, deutschsprachigen Wirtschaftsblog ins Netz zu stellen. ”

Na, dann mal los, mit Eifer und frischem Mut!

topi August 2, 2014 um 16:02

“Auf jeden Fall eine interessante Aussage. Ich weiss nicht, ob Luhman die Antwort auf die Frage gibt, warum das so ist. Ich hab mir mal versucht, eine Antwort zu finden und hoffe, dass das einigermassen in die derzeitige Diskussion reinpasst:”

Du kannst ja alles mögliche interessant finden.

Allerdings ist sie aussagenlogisch WIDERLEGT!

Entweder ihr erklärt, dass es in den 50ern 60ern 70ern keine Modernisierung gab, ok, dann rettet das die Aussage, aber wer sowas behauptet kann gerne mit sich selber diskutieren.

Oder die allgemein ohne Einschränkung formulierte Aussage ist offenbar falsch.
Zwar steht da “Chancen”, aber wenn in einem Zeitraum der Modernisierung in nahezu allen Gesellschaften mit dieser Modernisierung auch “gesamtgesellschaftlich verbindliche Verbesserungsprogramme” umgesetzt werden, kann das nicht ein einzelner Ausreißer sein.

Also formuliert die Aussage um, dass sie gilt, dann kann man auch darüber diskutieren!

holger196967 August 2, 2014 um 16:10

topi

—>>>Entweder ihr erklärt, dass es in den 50ern 60ern 70ern keine Modernisierung gab, ok, dann rettet das die Aussage, aber wer sowas behauptet kann gerne mit sich selber diskutieren.”

Die “Moderne” fing mit dem Stromkrieg Edison Tesla an. SIC :D

Und das ist schon länger her… LOL

http://de.wikipedia.org/wiki/Stromkrieg

holger196967 August 2, 2014 um 16:13

Die weitere “Moderne”

mit dem Commodore C64 erster Massentauglicher CompJUTER…

im Jahre 1982 Höhepunkt 1984

http://de.wikipedia.org/wiki/Commodore_64

Nü… ;)

holger196967 August 2, 2014 um 16:34

The Real Slim Shady August 2, 2014 um 14:32
Im Übrigen glaube ich, dass es höchste Zeit ist, wieder einen echten, deutschsprachigen Wirtschaftsblog ins Netz zu stellen. Offenbar liegen spannende Zeiten vor uns, die es wert sein könnten, fach-, sach- und bildungsschichtengerecht kommentiert zu werden…”

Mach doch… “Weissgarnix— jetzt erst recht” :D

Sieh zu

"ruby" August 2, 2014 um 16:37
bertrandolf August 2, 2014 um 16:37

Hi,
im Kontext zur Disziplinierung anderer Staaten und Machtpolitik, mit verschiedenen Mitteln finde ich das Thema Venezuela sehr intressant. Vor allen Dingen weil diese abseits des Mainstreams gerade stehen. Die Infos kommen ausschließlich auf die Webseite des sicherlich linksgerichteten Portal Amerika21.de

Dies schreibt, das die USA die Opposition Venezuelas, was gegen innerstaatliches recht versößt, illegal finanziert (Entwicklungshilfe) [1]. Diese verursacht Aufstände und Revolten, wobei Menschen Sterben und verletzt werden.

Die USA verurteilen und verhängen wegen Menschenrechtsverstößen bei diesen Demonstrationen Sanktionen (Einreiseverbote) gegen Venezuela [2].

Die kommerziellen (profitorientierten) Presseorgane in Lateinamerika schließen sich zusammen um eine Kampagne gegen Venezuela, wegen Menschenrechtsvertößen und Gefährdung der Pressefreiheit[3]

1 https://amerika21.de/2014/07/103313/usa-finanzieren-opposition
2 https://amerika21.de/2014/07/103443/venezuela-reaktion-us-sanktion
3 https://amerika21.de/2014/06/102580/pressekampagne-gegen-linksregi

carlos manoso August 2, 2014 um 16:41

@topi August 2, 2014 um 14:01
„Carlos, nix selbstverständlich.
„Je durchinstitutionalisierter, organisierter die Gesellschaft ist (kurz: je moderner sie ist), desto geringer werden die Chancen für ein gesamtgesellschaftlich verbindliches Verbesserungsprogramm“.
Wenn auf einen Zeitraum “Modernisierung” zutrifft, dann ja wohl auf sagen wir mal 20er bis 70er letztes Jahrhundert.
Da gilt genau das Gegenteil!“

Topi, was Luhmann da sagt, meint er gewöhnlich aus einer Perspektive zu glauben, die jenseits der Geschichte is. Was bekanntlich in der menschlichen Geschichte gar nicht möglich ist!

Wir könn(t)en in der Geschichte immer klarer erkennen, dass sich das System des Kapitals -sowohl materiell als auch ideell- zu Tode siegt. Je brutaler das zur Weltgesellschaft entwickelte Systen des Weltkapitals die globale Reproduktion der Welt verwüstet, desto mehr untergräbt es seine eigene Existenz.

"ruby" August 2, 2014 um 16:44
Andreas Kreuz August 2, 2014 um 16:51

@”ruby” August 2, 2014 um 16:37

Ja, das waren noch vormoderne Zeiten.
Darauf habe ich meine erste quasi-analoge Uhr ;-) in basic programmiert…

carlos manoso August 2, 2014 um 17:16

@Glühwürmchen, ich würde den „ehemaligen Ostblock“, der sich selbst als „Realsozialismus“ zu betiteln pflegte, als Gesellschaften der „nachholenden Modernisierung“ bezeichnen. Die historische Eingliederung in das Weltsystem des Kapitals innerhalb einer einzigen Generation war für das Weltsystem des Kapitals ein weiterer logischer Schritt im Prozess des sich „zum eigenen Tode hin zu siegen“.

Grundsätzlich gesprochen verfehlt man ein tieferes Verstehen des „Systems des Weltkapitals“, wenn man es personalisiert und z.B. auf die Ebene von „Konzernlenkern“ reduziert, die sich „sozialschädlich und menschenverachtend verhalten und mit dem Raubbau des Planeten sogar ihre eigene Lebensgrundlage zerstören“.

Quantitativ betrachtet wissen wir heute, dass im heutigen Entwicklungsstadium des „Systems des Weltkapitals“ ca. 147 transnationale Betriebswirtschaften ca. 40% des BIP der globalisierte Welt kontrollieren:
http://www.theintelligence.de/index.php/wirtschaft/finanzen/3424-147-unternehmen-herrschen-ueber-die-weltwirtschaft.html

Deine Frage: “irgendetwas muss ihn von diesem Weg abgebracht haben“ zwingt uns jetzt dazu, die ganze Geschichte wirklich erst verstehen zu wollen.

"ruby" August 2, 2014 um 17:28

@ Andreas Kreuz
;-)
Vorstellungskraft ist wichtiger als Wissen
http://www.youtube.com/watch?v=441EbbcuQjE
we will never surrender …

topi August 2, 2014 um 17:28

Carlos, das nicht Luhmann.

Wie hätte auch Luhmann sagen wir 84 einen solchen Satz bringen können?
Bis Ende der Siebziger brachte Modernisierung im luhmannschen Verständnis, also Institutionalisierung und Ausdifferenzierung, keineswegs schlechtere Chancen für gesamtgesellschaftliche Verbesserung, sondern das Gegenteil.
Ob man jetzt die “Krise” Anfang der 80er oder die “geistig-moralische Wende” als Umkehrpunkte in D nehmen will, oder auch schon den Wechsel zum Weltgroßökonom Schmidt, egal, in soziologischen Dimensionen verschwindende Zeiträume bis Anfang der Achtziger.

Nein die Aussage ist von einem Luhmannianer, und wird hier offenbar gefressen, ihre offenbare Widerlegung nicht mal zur Kenntnis genommen.

Warum? Das ist die TINA, die sich in fast alle Köpfe hereingefressen hat, nur weil alle etwas glauben wollen, weil sie seit Jahrzehnten gelernt haben, dass es so ist.

Aber es ist offenbar falsch.

topi August 2, 2014 um 17:31

Für jeden gelernten Soziologen müsste es übrigens ein leichtes sein, die Aussage zu retten, ein winziges Adjektiv reicht.

Aber da habe ich natürlich Verständnis, dass der Luhmannianer nicht darauf kommt, geradezu existenzbedrohend. ;-)

Nur sich einfach um eine Antwort drücken ist doch sehr billig.

holger196967 August 2, 2014 um 17:35

“ruby” August 2, 2014 um 16:44
@ holger
haste noch nen original joystick?”

Neeein :D Meine Welt fing erst mit dem C64 und dann Atari an… das dingen ZX81 habe ich mal zwar gesehen. Aber nicht beachtet.

Systemfrager August 2, 2014 um 17:48

@holger

Meine Welt fing erst mit dem C64 und dann Atari an…

Tja,
und wie sind wir mit der Antwort veblieben, war Atari oder Amiga besser.
Gibst du endlich zu, Amiga war es
:)
:)
:)

Systemfrager August 2, 2014 um 18:06

Ach Luhmann, wie rührend!

Viel später hat der konservative deutsche Soziologe und Philosoph Niklas Luhmann (1927-1998) mit dem gleichen Argument wie Spencer die Freiheit in Schutz genommen. Er hat die Kompliziertheit in die Komplexität umgetauft und die zuvor simplen Beispielen über die Kompliziertheit der Welt mit den alten rhetorischen Tricks der Agnostiker über Nichtwissen ausgetauscht. So konnte Luhmann mit dem Vorwand von der Komplexität jeden Versuch ins soziale und ökonomische Leben bewusst einzugreifen nur als ein „Umschlag von Nichtwissen in Ungeduld“ denunzieren, der angeblich – wie es sich für einen konsequenten Konservativen gehört – nur fatal ändern kann. Neu an dem Konservatismus von Luhmann ist, dass bei ihm gerade die Freiheit, als ultima ratio, das Erlaubnis bekommt die Bühne der „sozialen Systeme“ zu passieren. Schließlich ist das „soziale System“ von Luhmann nichts anderes als Liberalismus von Spencer, im neuen sprachlichen Gewand. Fügen wir noch hinzu, dass Karl Popper (1902-1994) ebenfalls mit dem Nichtwissen freiheitliche Ordnung verteidigte. Alles, was über „Herumbasteln“ und „Fortwursteln“ hinausginge, so seine Warnung, würde die beste aller möglichen Ordnungen, die freiheitliche, zerstören und zum Totalitarismus führen. Wie bei jeder frühere Klassengesellschaft, Agnostizismus hat sich auch im Kapitalismus als die beste Apologie der bestehenden Verhältnisse erwiesen. Die Auffassung von Luhmann und Popper ist hier deshalb erwähnenswert, weil sie uns zeigt, dass bis heute noch, die Freiheit bzw. die freiheitliche Ordnung keine wissenschaftliche Grundlage hat. Sie lässt sich nicht einmal selbständig definieren, nur als eine die nicht deterministisch ist, also als eine reine Negation der deterministischen Ordnung. Deshalb haben wir in dem Untertitel deterministisch und freiheitlich mit einem Bindestrich zusammengefügt. Die Freiheit aus sich selbst zu erklären hat sich also bis heute als unmöglich erwiesen. Das Wort Freiheit ist bis heute ein leeres Wort geblieben. Folglich entbehrt es jeder Grundlage, über das System der unbeschränkten Freiheit als eine Konzeption der Ordnung von besonderer Art zu sprechen. Man kann sich für Freiheit oder für Ordnung entschieden, aber man kann nicht beides gleichzeitig bekommen. Die freiheitliche Ordnung ist ein großer Irrtum der späteren Moderne oder zumindest eine naive Utopie, zu der kein liberaler Ökonom, kein Philosoph oder sonst jemand eine wissenschaftlich valide Theorie geschrieben hat. Die sozialen Systeme funktionieren nur auf zweierlei Weise: Man kann entweder steuern, dann haben wir die eine Funktionsweise des Sozialsystems, oder regeln, dann haben wir die andere. Tertium non datur.

Der Ökonom mit dem Hammer

Keynesianer August 2, 2014 um 18:56

@Systemfrager

Eine ganz ausgezeichnete Luhmann-Analyse.

glühwürmchen August 2, 2014 um 19:07

@topi zu “Ich hab mir mal versucht, eine Antwort zu finden”

das “mir” ist versehentlich stehen geblieben, sollte eigentlich gelöscht sein

@cm
“Grundsätzlich gesprochen verfehlt man ein tieferes Verstehen des „Systems des Weltkapitals“, wenn man es personalisiert und z.B. auf die Ebene von „Konzernlenkern“ reduziert,”

ich finde aber, dass man von der menschlichen Komponente nicht einfach völlig absehen kann. Personen sind zwar austauschbar, aber die werden durch bestimmte Programme gesteuert. M.a.W. Es weht ein bestimmter Geist in der Geschichte und der ist nicht determiniert, der Mensch kann sich dazu verhalten und positionieren und seine eigenen Programme ändern, einzeln als auch kollektiv.
Indem man sich einfach auf das System wie auf ein unveränderbares Schicksal beruft, beraubt man sich seiner Möglichkeiten.

holger Ü45 August 2, 2014 um 19:09

Muhhh :D

Mähhh :D

Luhmann … ODER?

"ruby" August 2, 2014 um 19:10

Sosiehtsaus
http://www.handelsblatt.com/politik/international/pariser-schuldenplaene-deutschland-signalisiert-zustimmung/10284356-2.html
Siggi wird wieder flennen, wenn er Angela in den Steigbügel hilft und die Stiefel leckt…
Die scheeren sich einen Dreck um ihre Zusagen und Versprechen…
Lügen, Lügen, Lügen

Keynesianer August 2, 2014 um 19:11

Es ist doch einfach so, dass alle Macht über die Massen auf deren Abhängigkeit und Bedürftigkeit beruht. Die Entwicklung der Produktivkräfte führt nun dazu, dass plötzlich alle ohne Not ein schönes Leben führen könnten, womit die Macht der Oligarchen und Plutokraten gebrochen wäre.

Also werden Krisen und Kriege mit dem Ziel inszeniert, die Menschen wieder in Not und Elend zurück zu werfen:

“Die Ideologen der Hochfinanz haben Karl Marx besser verstanden als die Marxisten und sogenannten Kommunisten, Progressiven. Linken etc. Insbesondere haben sie begriffen, dass wenn die Entwicklung der Produktivkräfte einen gewissen Schwellwert überschritten hat, die bisherige Herrschaftsposition umzukippen droht – und zwar aus dem einfachen Grund, dass die zu ihrer Erhaltung nötigen Zwänge und Einschränkungen aufgrund der verfügbaren Mittel (“Produktivkräfte”) nicht mehr zu rechtfertigen sind.”
http://www.spatzseite.com/2014/08/des-lied-ich-sing/

BB August 2, 2014 um 19:15

@Systemfrager

Ökonom mit dem Hammer? Warum kann man den nicht googeln?

carlos manoso August 2, 2014 um 19:16

@topi August 2, 2014 um 17:28
„Carlos, das nicht Luhmann.
Wie hätte auch Luhmann sagen wir 84 einen solchen Satz bringen können?
Bis Ende der Siebziger brachte Modernisierung im luhmannschen Verständnis, also Institutionalisierung und Ausdifferenzierung, keineswegs schlechtere Chancen für gesamtgesellschaftliche Verbesserung, sondern das Gegenteil.
Ob man jetzt die “Krise” Anfang der 80er oder die “geistig-moralische Wende” als Umkehrpunkte in D nehmen will, oder auch schon den Wechsel zum Weltgroßökonom Schmidt, egal, in soziologischen Dimensionen verschwindende Zeiträume bis Anfang der Achtziger.
Nein die Aussage ist von einem Luhmannianer, und wird hier offenbar gefressen, ihre offenbare Widerlegung nicht mal zur Kenntnis genommen.
Warum? Das ist die TINA, die sich in fast alle Köpfe hereingefressen hat, nur weil alle etwas glauben wollen, weil sie seit Jahrzehnten gelernt haben, dass es so ist.
Aber es ist offenbar falsch.“

Topi, das sehe ich ein wenig anders. Luhmanns Aussage ist für die Ära der „Modernisierung“ im Prinzip richtig. Denn Luhmann denkt im Prinzip noch in der Welt des „fordistischen Kapitalismus“, wie übrigens auch die Mehrheit aller heute lebenden Deutschen.

Zu dieser alten Welt des „fordistischen Kapitalismus“, in der massenhaft Arbeitsplätze gebraucht und Massenkaufkraft und Steuerkraft geschaffen wurden, passte politisch am besten die keynesianische Ideologie der deutschen Sozialdemokratie. Die “geistig-moralische Wende” vom „Weltgroßökonomen Schmidt „ zum dicken Mann aus Oggersheim hast du ja richtig beschrieben. Die verbliebenen Reste der alten „Deutschland AG“ mussten aber unter Kohl noch geschleift werden, bevor Deutschland in das System des Weltkapitals nahtlos integriert werden konnte.

holger196967 August 2, 2014 um 19:31

da Herr Lübberding wohl schläft unter altem Namen

Muhhh :D

Mähhh :D

Luhmann … ODER?

"ruby" August 2, 2014 um 19:58

Schluß mit Glamorrock,
http://www.youtube.com/watch?v=-QlsqyxUkro
für das
Glamormoney als Nachfolger des
Glamorgoldes
http://de.wikipedia.org/wiki/Bretton-Woods-System
1971 – 2014
Vorschläge für eine neue Weltwirtschaftsordnung werden gern gelesen.
Tschüß mit
beste Grüßen
@ TRSS

Euer ruby

carlos manoso August 2, 2014 um 20:29

@glühwürmchen August 2, 2014 um 19:07
““Grundsätzlich gesprochen verfehlt man ein tieferes Verstehen des „Systems des Weltkapitals“, wenn man es personalisiert und z.B. auf die Ebene von „Konzernlenkern“ reduziert,”
ich finde aber, dass man von der menschlichen Komponente nicht einfach völlig absehen kann. Personen sind zwar austauschbar, aber die werden durch bestimmte Programme gesteuert. M.a.W. Es weht ein bestimmter Geist in der Geschichte und der ist nicht determiniert, der Mensch kann sich dazu verhalten und positionieren und seine eigenen Programme ändern, einzeln als auch kollektiv.
Indem man sich einfach auf das System wie auf ein unveränderbares Schicksal beruft, beraubt man sich seiner Möglichkeiten.“

glühwürmchen , im Sinne der marxschen Forderung der „Überwindung des modernen Fetischismus“ als „Ende der Vorgeschichte“ steht heute ein alle Ebenen der Reflexion und alle Lebensbereiche übergreifendes Großprojekt auf der Tagesordnung, das die abstraktesten Kategorien wie zB. Ware ebenso umfaßt wie die kulturell-symbolischen Formen des Alltags der negativen Großutopie „System des Weltkapitals“.

Die Hebel der radikalen Kritik der negativen Großutopie müssen noch wesentlich tiefer ansetzen als alle Vorgänger des 19. und 20. Jahrhunderts.

carlos manoso August 2, 2014 um 20:41

@Keynesianer August 2, 2014 um 19:11
“Die Ideologen der Hochfinanz haben Karl Marx besser verstanden als die Marxisten und sogenannten Kommunisten, Progressiven. Linken etc. Insbesondere haben sie begriffen, dass wenn die Entwicklung der Produktivkräfte einen gewissen Schwellwert überschritten hat, die bisherige Herrschaftsposition umzukippen droht – und zwar aus dem einfachen Grund, dass die zu ihrer Erhaltung nötigen Zwänge und Einschränkungen aufgrund der verfügbaren Mittel (“Produktivkräfte”) nicht mehr zu rechtfertigen sind.”
http://www.spatzseite.com/2014/08/des-lied-ich-sing/“

Keynesianer, die von dir zitierte „Spatzseite“ hat einige zentrale Essentials des Denkens von Marx wesentlich präziser und besser verstanden als die sich selbst so nennenden „Marxisten und die sogenannten Kommunisten, Progressiven. Linken etc“, einschließlich natürlich du selbst.

bertrandolf August 2, 2014 um 22:36

Schade das ich wieder zuviel verlinkt habe, so ist mein Beitrag über Venezuela wohl an der Diskussion vorbei geschramt:
bertrandolf August 2, 2014 um 16:37

@glühwürmchen August 2, 2014 um 19:07

“ich finde aber, dass man von der menschlichen Komponente nicht einfach völlig absehen kann. Personen sind zwar austauschbar, aber die werden durch bestimmte Programme gesteuert.”

Ja Glühwürmchen, das ist ein wichtiger Punkt, der meiner Meinung nach, gerade in der Wirtschaft und Ideologien noch unterschätzt wird. In den Genderwissenschaften (will jetzt nicht darüber diskuttieren) hat Judith Butler den performativen Sprechakt auf die Geschlechter entwickelt. Dies meint sozusagen, das die tatsächliche Handlung (meist Sprachakt), auf der Grundlage von sozialen Narrativen geschieht, entweder durch Erziehung, Bildung oder Umfeld erzeugt, vielleicht auch Kultur genannt. ( http://www.krass-mag.net/glossar/performativitat/ )
Das gleiche haben wir ganz klar bei wirtschaftlichen Ideologien und es ist schwer sich zu trennen oder sozusagen ein anderes Paradigma anzunehmen.
Auch die wenigen Eigentümer, des hohen Vermögens sind von Anfang an mit einem Paradigma aufgewachsen, dies zu halten und zu mehren und so fahren sie ihre quasi erlernten Strategien. Und es ist die Frage, ob sich das jemals irgendwie ändern kann.

Soldat Schwejk August 2, 2014 um 22:39

Ein Plus dieses Blogs ist es, daß manchmal richtig gute wirtschaftshistorische Texte verlinkt werden. Das geschieht in größeren Abständen, und ein gutes Erinnerungsvermögen ist deshalb von Vorteil. Dieses sehr lesenswerte Interview mit Michael Hudson hatte während der Zypern-Krise vor anderthalb Jahren jemand verlinkt, und es paßt auch hier, da es längere Passagen zur Dollar-Verschuldung lateinamerikanischer Staaten gibt.

http://www.counterpunch.org/2004/03/25/an-insider-spills-the-beans-on-offshore-banking-centers/

Balken August 2, 2014 um 23:10

“Das ist ja das Nette an diesem Blog, dass hier der Konflikt von Moderne und Vormoderne friedlich geführt wird. Wenn Herr Lübbberding und Co immer wieder nach der Macht ( des Fürsten) rufen, der wieder für Moral und Anstand und Ordnung sorgt … und dann die Morphs, TRSS und COs die andere Seite markieren.”

Jo, genau! Ein Teich ist ein Teich ist ein Teich, Rilke leicht abgewandelt. Das ist ja in der Lyrik ganz hübsch. Aber was Gutnacht da mit Luhmann im Hinterkopf locker fluffig zu schreiben pflegt, das ist, als Die Wirtschaft der Gesellschaft und als Die Gesellschaft der Gesellschaft, eine Binse. Reine beschreibende Affirmation der Verhältnisse, die so tut, als ob sich die (zufälligen) Verhältnisse in sich selbst begründen. Und solches Herangehen ist die “Moderne”? Oh mein Gott! Ewiger Stillstand!

Aber es ist hoffnungslos. Die Frösche blasen solange die Backen auf und quaken solange, bis jemand ihren Teich trockenlegt. Dann gibt’s da dann doch plötzlich noch etwas jenseits der systemtheoretisch affirmierten Zirkelschlüsse.

holger196967 August 2, 2014 um 23:20

Balken

—>>> Dann gibt’s da dann doch plötzlich noch etwas jenseits der systemtheoretisch affirmierten Zirkelschlüsse.”

Dann empfehle ich dir Purge II :D

bleistift August 3, 2014 um 00:54

@ Balken

“Jo, genau! Ein Teich ist ein Teich ist ein Teich, Rilke leicht abgewandelt. Das ist ja in der Lyrik ganz hübsch. Aber was Gutnacht da mit Luhmann im Hinterkopf locker fluffig zu schreiben pflegt, das ist, als Die Wirtschaft der Gesellschaft und als Die Gesellschaft der Gesellschaft, eine Binse. Reine beschreibende Affirmation der Verhältnisse, die so tut, als ob sich die (zufälligen) Verhältnisse in sich selbst begründen. Und solches Herangehen ist die “Moderne”? Oh mein Gott! Ewiger Stillstand!

Aber es ist hoffnungslos. Die Frösche blasen solange die Backen auf und quaken solange, bis jemand ihren Teich trockenlegt. Dann gibt’s da dann doch plötzlich noch etwas jenseits der systemtheoretisch affirmierten Zirkelschlüsse.”

Hervorragender Kommentar!

bleistift August 3, 2014 um 02:28

@ Thomas Strobl

“Im Übrigen glaube ich, dass es höchste Zeit ist, wieder einen echten, deutschsprachigen Wirtschaftsblog ins Netz zu stellen. Offenbar liegen spannende Zeiten vor uns, die es wert sein könnten, fach-, sach- und bildungsschichtengerecht kommentiert zu werden…”

Da bin ich ja mal gespannt wie ein solcher Blog “bildungsschichtengerecht” moderiert werden wird.
Was man bei dieser ganzen Luhmann Sache vergisst ist halt eine Sache: nämlich den Tod.
Das ist der große Ausgang. Das große Tor.
Als Weißgarnix (alias Thomas Strobl) noch seinen Blog betrieb habe ich einmal einen Witz (!) gemacht: “Da wünscht man sich doch die RAF zurück!”.
Daraufhin wurde ich gesperrt.
Dabei liegt doch hier die Wahrheit. Was diese ganze (so empfinde ich das!) selbstherrliche, zynische, arrogante, man könnte sagen menschenverachtende Argumentation ausmacht ist, dass sie einen wesentlichen Punkt völlig vergisst. Nämlich den Tod.
Sie vergisst sowohl den eigenen Tod als auch den Tod anderer Menschen. Der Tod anderer Menschen wird vielmehr zynisch in Kauf genommen.
Ich bin überzeugt davon, dass es Götter gibt. Menschen und andere Kreaturen. Wer ist nun ein Gott? Da haben wir wohl nur Hinweise und Zeichen. Ein Gott ist jemand der die Welt nach seinem Belieben verändern kann. Der Völker und Menschen nach seinem Belieben beeinflussen kann. Insofern war also Jesus ein Gott. Oder Mohammed. Oder Platon, Hegel und Marx.
Marx war ein Genie und er hatte sicherlich eine Vorstellung davon welche Macht er hat. Gerade deshalb ist er auch der Philosoph/Gott der die größte Menge Blut an seinen Händen kleben hat.
Luhmann beeinflusst nur das was ohnehin gerade da ist. Er erklärt das was da ist, aus der Tatsache dass es eben da ist.
Er hat weder eine Idee oder eine Vorstellung von Geburt. Noch hat er eine Idee oder Vorstellung vom Tod.
Der Zynismus mit der hier Menschen wie The real slim shady oder Goodnight argumentieren wirkt auf mich irreal angesichts der Tatsache, dass wir nicht im Jahr (sagen wir) 2500 leben. Denn dann wird es vielleicht möglich sein, dass reiche Menschen ihren Geist in irgendeinen Roboterkörper transformieren können . Dann werden sich reiche Menschen vielleicht noch ein paar hundert Jahre Zeit kaufen können bevor sie dem Tod in’s Auge blicken müssen.
Heute ist das aber (glücklicherweise, noch) nicht der Fall.
Ich stelle eine Angst fest, dass Menschen den Tod anderer Menschen benutzen könnten um ein System zu durchbrechen, dass sie möglicherweise als unmenschlich oder zynisch empfinden. Es gibt auch Menschen die den eigenen Tod in Kauf nehmen um die Logik dieses Systems (das sie als unmenschlich empfinden) zu durchbrechen. Die RAF war mal Fakt. Die Islamisten sind heute Fakt.
Ich rechtfertige damit AUSDRÜCKLICH NICHT das Morden der RAF oder irgendwelcher Islamisten!
Ich habe hier in den letzten Tagen einige Postings geschrieben. Daher sollte es klar sein, dass ich persönlich sogar ein eher konservativ orientierter Mensch bin!
Diese zynische Art zu argumentieren regt mich nur eben auf!

Goodnight August 3, 2014 um 08:47

@Balken, Bleistift

Yep, Luhmann ist weitgehend Ideologiefrei. Und genau deshalb dem Ideal der Wissenschaft näher als z.B. der spätere Marx. Wissenschaft soll nur beschreiben was IST nicht, was sein SOLLTE. Und das was IST, ist nicht unbedingt schön und so. Aber es IST. Und das sollte gesagt werden.
Das bedeutet nicht, das es in Zukunft auch anders sein könnte, wenn z.B. ein Idealist das Sein nicht mehr akzeptiert und sich mittels Politik daran macht, das zukünftige IST von dem gegenwärtigen IST zu entkoppeln.

Ergo: Wissenschaft und Politik sind unterschiedliche Dinge, und sollten auch so betrachtet werden. Luhmann war einer der besten Wissenschaftler des 20 Jhd. und seine Arbeiten ermöglichen eine sehr realistische Betrachtung der Welt. Luhmann war kein Politiker, er hatte keine Vision einer anderen Welt. Diese Aufgabe können und sollten andere erfüllen. Luhmanns Weltsicht könnte jedoch für angehende Weltverbesserer als Grundlage genommen werden, um die wirklichen Probleme der Welt zu erkennen und dann anzugehen, und nicht z.B wie z.B. Rechtsradikale im Rassenkampf, Islam-radikale im Religionskampf oder wie die SPD im Klassenkampf zu verharren.

“Truly, for some men nothing is written unless THEY write it.”
(Lawrence of arabia)

topi August 3, 2014 um 09:24

Ah, Balken, danke für das Zitat, die Antwort von Goodnight war mir wegen Parallelposting durchgerutscht.

Goodnight

“Früher, in den guten alten Zeit, da hat der Fürst alles Recht selbst gesprochen und zugleich alles Volksvermögen kontrolliert.
Wegen der Hierarchie und so.

Dann kam das ganze Gedöns mit Bürgertum und Eigentum und so und schwups lief sie los, die Moderne. Und sie läuft noch immer. Und zwar weg von der Hierarchie.

Ergo: Die Narrenfreiheit des Richters ist die maximale Entkoppelung des Rechtssystem von anderen Funktionssystemen. Wo wir in Europa noch eine etwas enge Verbindung von Recht und Politik mittels code law fahren sind die USA schon einen Schritt weiter in der Moderne…natürlich mit all den Vor- und Nachteilen”

Das ist Käse. Der Richter in seinem Narrenkäfig, der Willkürjustiz betreiben kann, ist keine “Modernisierung”, sondern eine archaische Figur.
Nachdem Mohammed noch alleine richtete, setzte schon frühe Kalifen einen Kadi ein, der dann richtete und rechtete, wie er wollte (nur begrenzt durch seine Kollegen).

Da hast du dein komplette Entkopplung des Funktionssystems RECHT.

MODERNE? Zwangsläufige Entwicklung in diese Richtung? Das wird den Ajatollah jetzt vielleicht freuen, oder auch erschrecken, wer weiß.

Die Frage ist, ob es überhaupt eine Tendenz gibt, dass die Richter das Recht entwickeln (dass sie es sprechen, ist banal).

Je unklarer der Gesetzgeber (also MACHT) seine Gesetze verfasst, oder Regelungen unterlässt, um so wichtiger wird Richterecht als Vorlage für andere Fälle.
Ob es da tatsächlich eine Entwicklung gibt, weiß ich nicht?
Jedenfalls gilt: wenn die Wohnungsrichter (in der Freizeit gerne Lobbyvertreter der Immobilienbesitzer) es mal wieder übertreiben mit ihrer Eigentümerfreundlichkeit beim Urteilen, kommt ein Politiker und profiliert sich mit einer Gesetzgebungsinitiative gegen die Mieterbenachteiligung.
Es werden ständig Gesetze novelliert bzw. Durchführungsbestimmungen nachgeschoben, wenn Richter die Texte anders auslegen, als sie die Politik gedacht hat.

Das spricht doch deutlich gegen die These, dass sich das Rechtssystem verselbstständigt.

Größere Freiheit hat das BVerfG bei seiner Interpretation des GG, weil es für die Politik teurer ist, eine Verfassungsänderung anzuleiern.
So kann der Schwule mal als Familien- und damit Gesellschaftsfeindlich in die Schranken verwiesen, oder als gleichberechtigt emporgehoben werden.
Aber auch nicht im luftleeren Raum, sondern nach gesellschaftlicher Grundstimmung.

Wenn es wirklich wichtig wird, werden über Nacht europäische Verträge “ergänzt”, dann kann das Recht richten, was es will.

” Whatever, wirklich wichtig ist, dass sowohl in Europa wie auch in den USA die Entscheidung des Richters verbindlich für andere Funktionssysteme bleibt.”

Nein das ist trivial.
Die Entkopplung in deinem Sinn wäre gegeben, wenn damit das gesprochene Recht unveränderbar wäre und immer wieder so angewendet werden müsste! Also das Recht entwickelt, statt gesprochen wird.

“D.h. Argentiniens Politik wird sein Land in den Bankrott führen, wenn das ein Richter in den USA so entscheidet.
Klingt absurd für Leute, die die Moderne noch nicht verstanden haben, ist aber so.”

Absurd klingt deine Plumpifizierung. :roll.
Im Einzelfall könnte sich Kirchner in zwei Tagen mit den Geiern einigen, wenn sie wöllte. Nur warum sollte sie? Eine bessere Image-Kampagne könnte keine Werbeagentur für noch so hohes Budget in Gang setzen. Man denke nur an die Bilder, als sie ihr Schulschiff heim nach Argentina geholt hat, großartig.

Im Sinne der “Entkopplung” wäre zu prüfen, ob diese Entscheidung des Wall-Street-Greises jetzt zu allgemeinem Recht beim Umgang mit Geierfond-Gläubigern wird.

Und wie ich sagte: das ist keineswegs so, diese Entscheidung wird nicht verschiedene Gläubiger bei der nächsten Umschuldung anders stellen, so wie es sich der Richter hier wünscht, sondern andere Verträge hervorbringen.
Das Urteil bleibt damit insgesamt folgenlos für das RECHT.

Diese Argumentation solltest du mal versuchen nachzuvollziehen, statt immer in Zirkelschlüssen zu antworten: was bedeutete eine Entkopplung des Subsystems wirklich.

glühwürmchen August 3, 2014 um 11:00

@bertrandrolf “Dies meint sozusagen, das die tatsächliche Handlung (meist Sprachakt), auf der Grundlage von sozialen Narrativen geschieht, entweder durch Erziehung, Bildung oder Umfeld erzeugt, vielleicht auch Kultur genannt. ”

deswegen ist es ja auch so entscheidend, was die Menschen glauben. Wer die Narrative formt, bestimmt letztlich, was die menschen tun bzw. (noch wichtiger) nicht tun, obwohl letztere glauben, sie wären frei.

Goodnight August 3, 2014 um 12:46
carlos manoso August 3, 2014 um 13:49

@Goodnight August 3, 2014 um 08:47
Yep, Luhmann ist weitgehend Ideologiefrei. Und genau deshalb dem Ideal der Wissenschaft näher als z.B. der spätere Marx. Wissenschaft soll nur beschreiben was IST nicht, was sein SOLLTE. Und das was IST, ist nicht unbedingt schön und so. Aber es IST. Und das sollte gesagt werden.“

Goodnight, äußerst dürftige Sichtweise! In gewisser Weise ist Niklas Luhmann-Theorie eigentlich auf nichts anderes als das destruktiv-dürftige Marxismusverständnis des alten „Arbeiterbewegungsmarxismus“, lediglich auf ein aktuelles systematisch- abstraktifiziertes Begriffssystem upgedated.

„Luhmann war einer der besten Wissenschaftler des 20 Jhd. und seine Arbeiten ermöglichen eine sehr realistische Betrachtung der Welt. Luhmann war kein Politiker, er hatte keine Vision einer anderen Welt. Diese Aufgabe können und sollten andere erfüllen. Luhmanns Weltsicht könnte jedoch für angehende Weltverbesserer als Grundlage genommen werden, um die wirklichen Probleme der Welt zu erkennen und dann anzugehen, und nicht z.B wie z.B. Rechtsradikale im Rassenkampf, Islam-radikale im Religionskampf oder wie die SPD im Klassenkampf zu verharren.“

Selbstverständlich hatte Luhmann keine „Vision“! Denn ein perfekter Beamten-Philosoph kann prinzipiell immer nur immanent denken! Seine „sehr realistische Betrachtung der Welt“ ist deshalb „sehr realistisch“, weil die Welt der Fliegen unter einem Glas in der Tat als „sehr realistische“ Welt für die Fliegen erscheint, in der sie sich mit längst überflüssigen Beschäftigungen wie “ Rassenkämpfen“, „Religionskämpfen „ oder „Klassenkämpfen“ die Zeit „ideologiefrei“ vertreiben können.

Wissenschaft basiert auf hinterfragbaren Annahmen. Das ist gerade bei einem so brillianten Wissenschaftler wie Marx exakt die im Detail nachvollziehbare Vorgehensweise.

topi August 3, 2014 um 14:12

Goodnight willst du nicht?
Oder kannst du nichts mehr anderes produzieren als die immer gleichen leeren Sätze?

War der Kadi nun der Endpunkt der Modernen Rechtssysteme?

Bedeutete Ausdifferenzierung nicht, dass die Justiz Recht entwickelt, statt nur geschriebenes spricht, welches jederzeit von der Politik geändert werden kann und wird? (siehe Insolvenzrecht für Staaten, wenn die Geier zu lästig werden)

Gibt es diese Entwicklung dann überhaupt, also findet Ausdifferenzierung im Rechtssystem statt, oder ist es nur cool, solche Sätze zu sprechen?

Bist doch anonym, also raus damit.

Balken August 3, 2014 um 14:19

@goodnight: “Luhmanns Weltsicht könnte jedoch für angehende Weltverbesserer als Grundlage genommen werden, um… ”

Einverstanden! “Weltverbesserer”, die quasi im stillen Kämmerlein alles besser wissen und an die böse Welt da draußen “Forderungen stellen”, gibt es genug. Sie dringen nicht durch – und ein bißchen Luhmannlektüre mag ihnen sagen, warum sie nicht durchdringen.
Der Marsch durch die Institutionen (und dabei mag ja Luhmann helfen: die man kennen muss und nehmen, wie sie sind, um durchzumarschieren) ist unabdingbar, um eine Gesellschaft verändern zu wollen. Von hinterm Ofen hervor geht es nicht recht. Und dass dann am Ende beim Durchmarsch von den ursprünglichen Idealen oftmals ziemlich wenig übrigbleibt, ist – ja ist nichtmal das schlimmste! Wo kämen wir hin, wenn hier jeder Idealist der Gesellschaft seine Spinnereien überstülpen könnte.

Dein obiger Satz ist so aber eben nun nicht mehr bloß affirmative Beschreibung eines inerten Zustandes, wie du sonst üblicherweise rüberkommst. Anscheinend gibt’s ja denn doch noch ein Leben jenseits der Aktienkurse …

131415 August 3, 2014 um 14:45

[i]Im Übrigen glaube ich, dass es höchste Zeit ist, wieder einen echten, deutschsprachigen Wirtschaftsblog ins Netz zu stellen. Offenbar liegen spannende Zeiten vor uns, die es wert sein könnten, fach-, sach- und bildungsschichtengerecht kommentiert zu werden…[/i]

Wünsche ein glückliches Händchen/Köpfchen/Herzchen dazu. Aber verschulde Dich bitte anständig dafür. Denn bekanntlich läuft ohne Schulden ECHT nüx..

131415 August 3, 2014 um 15:01

Auch echte, alte Blogweisheit U = R x I (Spannung = Widerstand mal Investitionen) in volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, einbeziehen:

Wiesaussieht ..[u]bin ich[/u] ABER ECHT [u]froh, dass es vorbei ist. Ich habe in den letzten drei Jahren das Interesse an Wirtschaftspolitik total verloren – und auch den Glauben an die Volkswirtschaftslehre insgesamt.

Die Debatte über tagesaktuelle, wirtschaftspolitische Fragen langweilt mich nur noch. Für jedes gute Argument gibt es ein mindestens genauso gutes Gegenargument. Was man am Ende für richtig hält, ist nur eine Frage der Ideologie. Ich glaube, es ist wirklich schon lange alles gesagt, und die Diskussionen drehen sich im Grunde nur noch im Kreis.[/u]..

(ausdifferenzierte Betrachtungsweise, Maske der Semihose etc..)

PS. Mein Comment erwartet keine…nicht wirklich eine (soßialdemokratische?) Moderation.

holger196967 August 3, 2014 um 15:32

carlos

weißte was?

Deinen genialen Wissenschaftler Marx, kannste da hinschieben, wo verdautes die Welt erblickt.

Der hätte man nen Klingelton für Zuckerberg erfinden sollen, als sich über Kapital oder Aaaaabeit Gedanken zu machen.

Wenn ich nicht erkenne, dass AAAAAbeit und das ganze Leben nur eine Umwandlung und Nutzung von Energieformen ist, dann sollte ich als genialer Wissenschaftler aufgeben.

Das muss ich aber nicht Marx sagen, das haben schon andere gemacht.

enrico August 3, 2014 um 16:33

Eine Regierung, die ihr Land gegenüber ausländischen, privaten Gläubiger verschuldet, handelt verbrecherisch!

Für was benötigt die Regierung Argentinien Dollars (ich rede von der Regierung Argentiniens und nicht von den argentinischen Unternehmen)?

Eigentlich doch nur um Waffen zu kaufen, die die inländische Industrie nicht herstellen kann. Nur? Nein, der Rest geht in die Taschen der Politiker und deren Amigos. Und das läuft auch so in den achsorevolutionären “Bolivarischen Republiken”.

Was die Unternehmen betrifft ist es klar, die benötigen den einen oder anderen Dollar oder Euro um Vormaterialien kaufen zu können. Nur, wie diese zu Dollars kommen geht die Regierung doch (außerhalb des Steuerrechts) nichts an.

Wir benötigen ein gerechtes, internationales Zahlungssystem. Jetzt!

Goodnight August 3, 2014 um 16:42

@topi

Noch einmal Grundlagen:

Die Moderne entwickelt sich aus der Vor-Modernene, d.h. die funktionale Ausdifferenzierung entwickelt sich aus der Hierarchie.
D.h.: Zunächst ist da Hierarchie, d.h. oben wird ALLES entschieden. Dann wird Schritt für Schritt all diese Entscheidungsmacht mehr und mehr in andere gesellschaftliche Bereiche ausgelagert, d.h. in die Funktionssysteme Politik und Recht (vulgo: Gewaltenteilung) sowie Wirtschaft etc.
Der Witz , der sich nun aus der hier angeführten nicht statistischen Betrachtung ergibt, ist, dass die ausdifferenzierten Funktionssysteme zwar eigenständig aber nicht unabhängig voneinander operieren: Alle sind Teil eines ganzen, d.h. der Gesellschaft. Und hier beginnen die Verständnisprobleme, denn die Sache wird hier Paradox, d.h. wir haben hier eine Einheit der Differenz…und das ist schwer zu denken ;-)
Ergo: Das Rechtssystem titt eigenständige Entscheidungen nach einer Logik (Recht/Unrecht), die nur dem Rechtssystem eigen ist. Den Entscheidungsspielraum für diese Rechtsprechung liefert die Politik, die rein nach Machtinteressen Gesetzesvorlagen definiert.
Da das Rechtssystem keine eigene Gesetzte erschaffen kann, so ist es abhängig von der Politik und deren Machtbasierten Gesetzen. Hingegen kann das Rechtssystem Entscheidungen treffen, d.h. im Rahmen der Gesetzestexte Recht sprechen, welches die machtbasierten Entscheidungen der Politik binden kann.
Beide Systeme operieren eigenständig in Abhängig voneinander.

Das ist die moderne Welt. Und man wird sie nicht verstehen, wenn man nach der hierarchischen Spitze, d.h. nach einer endgültigen Entscheidung, einer Macht, einem Retter oder den Bilderberger sucht.

“It’s funny how the colors of the real world only seem really real when you viddy them on the screen.”
(a clockwork orange)

Insider August 3, 2014 um 17:01

Die Geier kreisen schon über Europa …

Gegenwärtig findet ein Wirtschaftskrieg statt, aber nicht zwischen Nationen, sondern zwischen Klassen:
Kapitalistenklasse versus gesellschaftlich produktive Menschheit.

Der modernen Soziologie fehlt die Klassentheorie und deshalb kann sie auch nicht die gesellschaftliche Realität erfassen.

Was ist die Kapitalistenklasse?

Sie ist eine international (globale) Klasse. Ihre Spitze bildet die Plutokratie: Milliardäre, Oligarchen etc.

Zudem gehören dazu ihre Dienstklassen. Ganz unten die Fondmanager, die Verkäufer, die Zocker. Sie bilden den Bodensatz der parasitären Kapitalistenklasse, wobei „unten“ die A- und Anti-Sozialität nicht selten noch ausgeprägter ist als „oben“.
Kein Wunder, sie machen ja auch die betrügerische „Drecksarbeit“. Sie träumen davon, selbst nach oben zu kommen. Flankiert werden sie von Systemapologeten, Mediensöldnern und korrupten Wissenschaftlern.

Der Kapitalistenklasse geht es um Systemerhalt sowie um Werterhalt und Vermehrung ihres Privateigentums. Dazu führen sie Wirtschaftskriege. Und diese sind heutzutage vor allem Plünderungskriege.

Es sind „Mehrfrontenkriege“, nämlich

1. gegen “Konkurrenzysteme”, gegen Putin und Russland sowie auch gegen die KP China,

2. gegen – was nicht thematisiert wird – die eigenen Vasallen- und Satellitenstaaten, insbesondere gegen Europa,

3. gegen die eigenen Arbeitsbevölkerungen. Hierbei handelt es sich um klassischen und systemtypischen Verteilungskampf.

Der Punkt 2 ist ein Beispiel für „kapitalistischen Kannibalismus“. Wie in der Tierwelt Eltern ihre Jungen fressen, um zu überleben, frisst – metaphorisch gesprochen – die herrschende Klasse ihre eigene soziale Reproduktionsbasis.

Genau dies drückt sich im „Fuck the EU“ aus.

Dies zeigte sich bereits beim Platzen der Immobilienblase aka „Banken- und Finanzkrise“ 2007 der Fall, anschließend bei der sog. Griechenland-, Banken- und Euro-”Rettungen”. Denn in Wirklichkeit waren dies nichts anderes als Transfers zur herrschenden Kapitalistenklasse.

Europa wird schadet vor allem sich selbst mit den Russland-Sanktionen. Europa wird ausgeplündert, Griechenland war nur ein Anfang.

Die Geier kreisen schon über Europa …

karla August 3, 2014 um 17:41

holger196967 August 2, 2014 um 09:32

karla August 2, 2014 um 00:45

“karla, ich sage nur , dass der Begriff Kapital nicht den Begriff Geld gleichsetzen kann.”
Ja, Geld ist eine Form in der Kapital handgreiflich in Erscheinung tritt. Dass sich aber hinter dieser Erscheinungsform ein gesellschaftliches Verhältnis verbirgt ist dem Geld nicht anzusehen.

Dass wir hierzu divergierende Erklärungen haben ist auch bemerkbar an deinem letzten Beitrag :

holger196967 August 3, 2014 um 15:32

” weißte was?

Wenn ich nicht erkenne, dass AAAAAbeit und das ganze Leben nur eine Umwandlung und Nutzung von Energieformen ist, dann sollte ich als genialer Wissenschaftler aufgeben.”

An “AAAAArbeit” wird hier richtig erkannt, dass sie Austausch zwischen Mensch und Natur ist.
Nur, was völlig ignoriert wird ist der gesellschaftliche Aspekt an Arbeit.
Nimm z.B. das Beispiel der Sklavenarbeit:
Die tauschten sich nicht nur mit der Natur aus, sondern es gab einen spezifischen Aspekt der zum Austausch mit der Natur hinzukam. Beim Lohnarbeiter sieht dieser spezifische Aspekt wieder etwas anders aus. Dass aber in der Sklavenarbeit oder in der Lohnarbeit alles nur Austausch zwischen Mensch und Natur sei ist zu erklären statt es einfach bestreiten.

carlos manoso August 3, 2014 um 17:51

@Goodnight August 3, 2014 um 16:42
„Die Moderne entwickelt sich aus der Vor-Modernene, d.h. die funktionale Ausdifferenzierung entwickelt sich aus der Hierarchie. D.h.: Zunächst ist da Hierarchie, d.h. oben wird ALLES entschieden. Dann wird Schritt für Schritt all diese Entscheidungsmacht mehr und mehr in andere gesellschaftliche Bereiche ausgelagert, d.h. in die Funktionssysteme Politik und Recht (vulgo: Gewaltenteilung) sowie Wirtschaft etc.“

Goodnight, deine Beschreibung „die Moderne entwickelt sich aus der Vor-Moderne“ ist banal, denn es ist einfach nur eine simple Beschreibung, aber keine begriffliche Erklärung. Daß die „funktionelle Ausdifferenzerung“ der „Moderne“ mit der „Hierarchie“ startet, ist ebenfalls nur eine simple Beschreibung, ein begriffsloses Plaudern und Plappern. das den inneren Zusammenhang dieser Entwicklung offensichtlich überhaupt nicht begrifflich erfasst hat

Die gesellschaftliche Ur-Konstellation der Moderne –Marx würde Moderne unter „Vorgeschichte“ subsumieren- könnte als „politische Ökonomie der Feuerwaffen“ im 15./16. Jhdt datiert werden, als „militärische Revolution“, die über die frühmodernen Militärdespotien zum modernen Staat ebenso wie zur Entfesselung des kapitalistischen Verwertungsprozesses führte (Geldwirtschaft als irrationaler Selbstzweck) Nach dem historischen Durchgang durch Absolutismus, der den primärem politischen und ökonomischen Systembildungsprozess der kapitalistischen Produktionsweise ausnachte, war die Möglichkeit eines anderen Entwicklungspfades abgeschnitten, auch wenn sich der soziale Widerstand gegen diesen Prozess sich noch bis ins 20. Jhdt. hinein zog.

glühwürmchen August 3, 2014 um 18:10

@goodnight
“Beide Systeme (Legislative und Jurisdiktion) operieren eigenständig in Abhängig voneinander.

so sah es sicherlich auch die Weimarer Verfassung vor, und so hat die BRD auch eine Zeit lang funktioniert, aber in Krisenzeiten gilt Alternativlosigkeit, dann darf das Recht auch gerne gebeugt werden zwecks Systemerhalt, und dann ist es schon wieder vorbei mit der “Moderne”

“Das ist die moderne Welt. Und man wird sie nicht verstehen, wenn man nach der hierarchischen Spitze, d.h. nach einer endgültigen Entscheidung, einer Macht, einem Retter oder den Bilderberger sucht.”

deswegen geht es ja auch darum, die post- oder unmoderne Welt zu verstehen, die wir spätestens seit 9/11 haben

holger196967 August 3, 2014 um 18:45

karla

—>>>An “AAAAArbeit” wird hier richtig erkannt, dass sie Austausch zwischen Mensch und Natur ist.
Nur, was völlig ignoriert wird ist der gesellschaftliche Aspekt an Arbeit.
Nimm z.B. das Beispiel der Sklavenarbeit:”

Nope nehme ich nicht. 99% meiner Jobs, habe ich gerne gemacht. Egal ob militärisch oder zivil.

Aaaaaabeit wird dir erst bewusst, wenn dir der Zufall dir die Möglichkeit dazu nimmt.

Auf gut Deutsch, wenn du ein Krüppel wirst. Erst dann wird dir klar, was AAAAAABEIT überhaupt ist!

Wenn du es nämlich nicht mehr machen kannst. Traurig aber wahr.

Ich würde hier nicht schreiben, wenn ich nicht körperlich eingeschränkt wäre. Dann würde ich mir um solche Fragen keine Gedanken machen.

Dadurch, dass mich keiner Verwenden kann und will, musste ich mir halt was anderes suchen. Wie gesagt, gearbeitet im Sinne von AAAABEITEN habe ich vielleicht 1% meines Lebens.

Goodnight August 3, 2014 um 18:50

@carlos manoso

“Goodnight, deine Beschreibung „die Moderne entwickelt sich aus der Vor-Moderne“ ist banal, denn es ist einfach nur eine simple Beschreibung, aber keine begriffliche Erklärung. ”

Nope, es besagt, dass die gesellschaftliche Einheit, die sich in der Person des “Fürsten” materialisierte, in der Moderne weiterhin bestehen bleibt, nur dass sich die Form ändert: Anstatt einer hierarchisch an der Spitze positionierten Person haben wir nun gleichgestellte Funktionssysteme, die jedoch weiterhin zusammen dem “Gemeinwohl” dienen, sowie zuvor der Fürst ;-)

“Why are you guys so anti-dictators? Imagine if America was a dictatorship. You could let 1% of the people have all the nation’s wealth. You could help your rich friends get richer by cutting their taxes. And bailing them out when they gamble and lose. You could ignore the needs of the poor for health care and education. Your media would appear free, but would secretly be controlled by one person and his family. You could wiretap phones. You could torture foreign prisoners. You could have rigged elections. You could lie about why you go to war. You could fill your prisons with one particular racial group, and no one would complain. You could use the media to scare the people into supporting policies that are against their interests.”
(the dictator)

Insider August 3, 2014 um 19:10

@ carlos manoso +glühwürmchen

Die Aufhebung der feudalen Gesellschaft durch die bürgerliche Gesellschaft markiert den Übergang von Vor-Moderne zur Moderne.

Das neue Menschen- und Gesellschaftsbild, die Aufklärung, die Entwicklung des bürgerlichen Individuums, der zivilisatorische und wissenschaftlich-technische Fortschritt, die bürgerliche Hochkultur – all dies kennzeichnet die Moderne, nämlich gesellschaftlicher Fortschritt in historischer Persoektive.

Das Ende der Moderne und den Beginn der Postmoderne manifestiert sich im Sterben und Untergang der bürgerlichen Kultur. Der Erste Weltkrieg stellt den Epochenbruch zwischen Moderne und Postmoderne dar, nämlich den Übergang zur postbürgerlichen Barbarei, welch sich danachin Diktaturen, Verbrecherherrschaften, Faschismen, WK II etc. manifestierte. Daran anschließend der wie ein Krebsgeschwür wuchernde Spätkapitalismus mit imperialistischen, neokolonialen Kriegen, Obsolenzproduktion, Konsummanipulation, Naturzerstörung etc.

Trotz technischer Innovationen zeigt sich seit der postbürgerlich-psotmodernen Ära vor allem ein zivilisatorischer Rückschritt. Die Menschen in den kapitalistischen Ländern – wie allerdings auch im stalinistischen Ostblock – erleiden einen Rationalitätsverlust und moralischen Niedergang.

Die entwickelten Produktivkräfte werden zu Destruktivkräften, anstatt zu Mitteln des gesellschaftlichem Fortschritt

Die kapitalistischen Gesellschaften nehmen immer mehr den Charakter von Irrenhäusern an. Adorno sprach vom „irren Ganzen“.

Robert Kurz hat die Metapher vom „Todestrieb des Kapitals“ verwendet. Dieser fortschreitende Prozess der Selbstzerstörung lässt sich besonders in den USA und Europa beobachten.

glühwürmchen August 3, 2014 um 19:41

@insider
“Trotz technischer Innovationen zeigt sich seit der postbürgerlich-psotmodernen Ära vor allem ein zivilisatorischer Rückschritt. Die Menschen in den kapitalistischen Ländern – wie allerdings auch im stalinistischen Ostblock – erleiden einen Rationalitätsverlust und moralischen Niedergang.”

der technische Fortschritt entfernt die Menschen auch immer mehr von der Natur und ihren Abläufen.
Bildschirme oder Medien ersetzen den Kontakt mit der Umwelt.
Elektrizität und künstliches Licht ermöglicht die Dauerberieselung- und Beschäftigung. Ich schätze, dass der Niedergang der Kultur bzw. der geistigen Gesundheit sich proportional verhält zu der Zeit, die mit den Medien verbracht wird.

carlos manoso August 3, 2014 um 19:46

@Insider August 3, 2014 um 17:01
„Wie in der Tierwelt Eltern ihre Jungen fressen, um zu überleben, frisst – metaphorisch gesprochen – die herrschende Klasse ihre eigene soziale Reproduktionsbasis.
Genau dies drückt sich im „Fuck the EU“ aus.
Dies zeigte sich bereits beim Platzen der Immobilienblase aka „Banken- und Finanzkrise“ 2007 der Fall, anschließend bei der sog. Griechenland-, Banken- und Euro-”Rettungen”. Denn in Wirklichkeit waren dies nichts anderes als Transfers zur herrschenden Kapitalistenklasse.
Europa wird schadet vor allem sich selbst mit den Russland-Sanktionen. Europa wird ausgeplündert, Griechenland war nur ein Anfang.
Die Geier kreisen schon über Europa …“

Insider, kommen wir zum Wesensker: Die „Krise“ entwickelt sich in einem Zustand, in dem das „System des Weltkapitals“ seine eigne Reproduktionsbasis auflöst und seine Entwicklungsfähigkeit erlischt. Dies beinhaltet, dass alle Gläubigen alle ihre Illusionen fahren lassen sollten.

Niemand kann präzise wissen, in welchen Zeiträumen sich dieser Auslösungsprozess abspielen wird und in welchen destruktiven Formen. Wir sollten wissen, dass die Gesetze der Kapitalverwertung nur in einem Land des Globus quasi absoluten, ununterfragbaren Glaubenrang haben: in „Gods own country“, den USA.

Ein reoroduktionsunfähig werdendes „Gods own country“ wird, wenn es notwendig wird, Europa als seinen inneren Verteidigungsring -in dem Germany das wichtigste Asset ist- ohne auch nur mit der Wimper zu zucken über die Klinge springen lassen. Und sei es auch einfach nur deshalb, damit seine darbenden „Geier“ wieder mal was zu fressen bekommen.

„Germanys Regierung“ ist m.E. mittlerweile so illusionslos geworden, dass sie hofft, dass sich die „Geier“ über die östlichen Ruinen im Umfeld Putins hermachen, in der vergeblichen Hoffnung, dass die „Geier“ dann Deutschland und Europa verschonen.

carlos manoso August 3, 2014 um 20:06

@Goodnight August 3, 2014 um 18:50
„Nope, es besagt, dass die gesellschaftliche Einheit, die sich in der Person des “Fürsten” materialisierte, in der Moderne weiterhin bestehen bleibt, nur dass sich die Form ändert: Anstatt einer hierarchisch an der Spitze positionierten Person haben wir nun gleichgestellte Funktionssysteme, die jedoch weiterhin zusammen dem “Gemeinwohl” dienen, sowie zuvor der Fürst „

Goodnight, im Prinzip richtig beschrieben. Präzise gesprochen, änderte sich die Person des absoluten Fürsten in der „Moderne“ nicht in der „Form“, sondern im „Inhalt“. Die „Form“ blieb, „gleichgestellte Funktionssysteme“ kamen (mitsamt der sogenannten „Demokratie“, die eine Lüge sein muß).

Goodnight August 3, 2014 um 20:13

@carlos, glühwürmchen, insider etc.

Ihr habt mein Mitleid. Gottchen, was für ein Leid über Euch gekommen ist, dass ihr in einer geheizten Wohnung mit Kühlschrank und TV und Computer und Handy und internet sitzen müsst und vielleicht 38 Std. in der Woche arbeiten müsst, bei voller Renten-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung…oder direkt von den anderen bezahlt werdet…in dieser ach so kalten Welt, in der diese bösen kalten Menschen alle anderen durchfüttern und so gut wie keiner sich aufs maul haut oder klaut oder raubt oder vergewaltigt oder mordet…
Werdet endlich erwachsen….ansonsten könnt Ihr gerne in Länder der Vor-Moderne ziehen und die emotionale Wärme von Menschen ohne Eigentum und Sozialversicherung und Rechtsstaat spüren.
Viel Glück.

“Stupid is as stupid does.”
(Forrest Gump)

aifran August 3, 2014 um 20:16

… schon oft gepostet – warum also nicht ein weiteres mal :-)
Demokratie ist lediglich eine “Java Applikation” fürs Volk ohne jeden Zugriff auf das Betriebssystem der Welt – f.aigner

karla August 3, 2014 um 20:30

enrico August 2, 2014 um 01:19

@karla

” Kapital = ein gesellschaftliches Verhältnis? Hmm…

man könnte das aber auch ganz einfach ein “Unternehmen” nennen. Irgendwie peinlich trivial, gell? …Wie unwissenschaftlich, da weiß ja gleich Hinz und Kunz, was damit gemeint ist.”

Ein Unternehmen ist eine wirtschaftliche Einheit die diverse Rechtsnormen annehmen kann. So weit trivial.

Über den gesellschaftlichen Charakter von Eigentümer, Lohnabhängiger gibt deine Bennung nichts her.

“Nein, der Terminus “Kapital” ist unbrauchbar geworden, weil es einfach zu viele unterschiedliche Definitionen gibt.”

Weil es unterschiedliche Definitionen gibt wirft man gleich alles über Bord.

carlos manoso August 3, 2014 um 20:33

@Goodnight August 3, 2014 um 20:13
„Ihr habt mein Mitleid. Gottchen, was für ein Leid über Euch gekommen ist, dass ihr in einer geheizten Wohnung mit Kühlschrank und TV und Computer und Handy und internet sitzen müsst und vielleicht 38 Std. in der Woche arbeiten müsst, bei voller Renten-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung…oder direkt von den anderen bezahlt werdet…in dieser ach so kalten Welt, in der diese bösen kalten Menschen alle anderen durchfüttern und so gut wie keiner sich aufs maul haut oder klaut oder raubt oder vergewaltigt oder mordet…
Werdet endlich erwachsen….ansonsten könnt Ihr gerne in Länder der Vor-Moderne ziehen und die emotionale Wärme von Menschen ohne Eigentum und Sozialversicherung und Rechtsstaat spüren“

Goodnight, den herablassend-gönnerhaft altjüngferlichen Tonfall („Werdet endlich erwachsen „) kannst du dir wirklich sparen. Ich war lange genug in „Ländern der Vor-Moderne“ unterwegs, um zu kapieren, dass die „Moderne“ ihre „Abfallhalden der Überflüssigen“ produziert, damit sie sich außerhalb der Zusammenbruchzonen in den Kernzonen des Kapitals den Luxus von „Eigentum und Sozialversicherung und Rechtsstaat“ leisten kann.

Eagon August 3, 2014 um 20:54

“Werdet endlich erwachsen….ansonsten könnt Ihr gerne in Länder der Vor-Moderne ziehen und die emotionale Wärme von Menschen ohne Eigentum und Sozialversicherung und Rechtsstaat spüren.
Viel Glück.”

Genau das Gejammere kann niemand mehr hören.

Die Chilenen hattten nur verrostete Töpfe.

Die Deutschen können auf echtem Silit-Geschirr trommeln.

Es langweilt die Manager von KKR die bei WMF aufräumen zu Tode.

Wer wählt was er wählt bekommt was er verdient.

Getrommel ohne Echo.

enrico August 3, 2014 um 21:19

@karla
>>>Über den gesellschaftlichen Charakter von Eigentümer, Lohnabhängiger gibt deine Benennung nichts her.<<<>>>>Weil es unterschiedliche Definitionen gibt wirft man gleich alles über Bord.<<<<<

Na, na, was heißt hier "gleich"? Die Verwirrungen gehen jetzt ja schon ein paar Jahrhunderte. Basta Ya! ….inaff is enough!

Wenn man etwas besser machen kann, sollte man es tun und alte, störende Zöpfe einfach über Bord werfen.

So traurig es ist, aber man muss einfach sagen, dass die bisher gelehrte VWL zu einem sehr großen Teil schlicht weg unbrauchbarer Schrott ist.

Zeit von Grund auf neu zu beginnen.

Kecker August 3, 2014 um 21:29

@CM “Ich war lange genug in „Ländern der Vor-Moderne“ unterwegs, um zu kapieren, dass die „Moderne“ ihre „Abfallhalden der Überflüssigen“ produziert, damit sie sich außerhalb der Zusammenbruchzonen in den Kernzonen des Kapitals den Luxus von „Eigentum und Sozialversicherung und Rechtsstaat“ leisten kann.”

Die Deutschen fahren ins Ausland, um auch mal andere Vorurteile kennenzulernen. (Richard W. B. Cormack)

enrico August 3, 2014 um 21:46

armer @Goodnight, der muss nämlich in einer fürchterlich kalten Welt leben, wo er ständig –einfach so– eine aufs Maul kriegt, wo ständig sein Händy geklaut wird und wo er ständig von groben Gutmenschen vergewaltigt wird. Na ja, dafür ist er jetzt aber auch schon recht erwachsen geworden und kann jetzt sogar Mitleid mit anderen empfinden. ;-)

enrico August 3, 2014 um 21:51

@karla
sorry, da fehlte etwas:
>>>Über den gesellschaftlichen Charakter von Eigentümer, Lohnabhängiger gibt deine Benennung nichts her.<<<

hat auch niemand verlangt. Es gibt viele Arten von Unternehmen. Auch eine Kooperative ist ein Unternehmen. Es wird aber einmal eine Zeit kommen, wo man sich wundert, dass früher einmal Unternehmen verkäuflich waren.

glühwürmchen August 4, 2014 um 10:16

erwachsen sein heisst vor allem die Dinge so zu sehen wie sie wirklich sind oder zumindest dazu bereit zu sein und nicht so zu tun als würde man an Märchen a´la 9/11 glauben ;-)

Insider August 4, 2014 um 11:08

@Goodnight August 3, 2014 um 20:13
Ihr habt mein Mitleid. Gottchen, was für ein Leid über Euch gekommen ist, dass ihr in einer geheizten Wohnung mit Kühlschrank und TV und Computer und Handy und internet sitzen müsst und vielleicht 38 Std. in der Woche arbeiten müsst, bei voller Renten-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung…oder direkt von den anderen bezahlt werdet…in dieser ach so kalten Welt, in der diese bösen kalten Menschen alle anderen durchfüttern und so gut wie keiner sich aufs maul haut oder klaut oder raubt oder vergewaltigt oder mordet…
Werdet endlich erwachsen….

Menschen mit kapitalistischer Sozialisation und Lohnarbeitssklavenmentalität argumentieren so, Menschen, die nie Zugang zu einer höheren Kultur und Lebenskunst hatten. Die sind zufrieden mit dieser Art des Lebens im kapitalistischen Menschenzoo.

Es ist eine Frage der Kultur.

Wer gut damit leben kann, sich selbst und andere Menschen zur Ware zu machen, wer sich am Elend und der Erniedrigung von Menschen nicht stößt, wem die Zukunft der Menschheit gleichgültig ist, bei dem ist es nicht überraschend, wenn er sich im Kapitalismus wohl fühlt, wo er seinen Sozialdarwinismus und Sadomasochismus ausleben kann.

aifran August 4, 2014 um 11:46

…. ist Marktkonforme Justiz/Demokratie nicht etwas schönes?

” Es klingt, als hätte das Satire-Magazin TITANIC zugeschlagen: Mit einer Zahlung von etwas über 100 Millionen US-Dollar an die darbende bayerische Justizkasse könnte Bernie Ecclestone, 83, der den Bayern-LB-Vorstand Gerhard Gribkowsky mit 44 Millionen Dollar bestochen hatte, ohne Verurteilung den Gerichtssaal in München verlassen. Ein Bestecher würde durch Bestechung freigesprochen – das sollte in Deutschland eigentlich nur eine polemische satirische Spitze, also ein Fall für “Die Anstalt” sein. Nun könnte es erstmals Realität werden. …”

http://www.heise.de/tp/artikel/42/42438/1.html

und um auch die kleinsten im Kindergarten für das Leben fit zu machen erzählt ihnen diese Geschichte – erklärt ihnen wie schön es ist in einer Welt zu leben in der GELD FREI MACHT

carlos manoso August 4, 2014 um 12:30

@Kecker August 3, 2014 um 21:29
@CM “Ich war lange genug in „Ländern der Vor-Moderne“ unterwegs, um zu kapieren, dass die „Moderne“ ihre „Abfallhalden der Überflüssigen“ produziert, damit sie sich außerhalb der Zusammenbruchzonen in den Kernzonen des Kapitals den Luxus von „Eigentum und Sozialversicherung und Rechtsstaat“ leisten kann.”
Die Deutschen fahren ins Ausland, um auch mal andere Vorurteile kennenzulernen. (Richard W. B. Cormack)

Kecker, viele Deutsche fahren ins Ausland, speziell in „Länder der Vor-Moderne“ , weil sie dort blind nur sich selbst erleben können und auf blind die dort von der „Moderne“ produzierten „Überflüssigen“ herabsehen können.

Ihre eigenen jungen Leute haben sie infantilisiert, was man daran erkennt, dass eine wachsende Zahl von jungen Leuten selbst in ihren späten Zwanzigern noch immer bei ihrer Mama lebt.

Überbeschützt aufwachsen, haben sie mit der Zeit ein aggressiv-ängstliches Gefühl ihrer Umwelt gegenüber und ein sinkendes Bedürfnis nach Unabhängigkeit entwickelt. Das fehlende Bedürfnis, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen, ist gerade zu der Stoff, aus dem ein transatlantisches Land wie Deutschland gemacht wird.

carlos manoso August 4, 2014 um 12:42

@karla August 3, 2014 um 20:30
” Kapital = ein gesellschaftliches Verhältnis? Hmm…“
Karla, das Kapital wird als gesellschaftliche Verhältnis Kapital von den Gläubigen des Kapitals zu einem toten Gegenstand verdinglicht. Das wirkliche Herrschaftssubjekt im Kapitalismus ist ein toter Gegenstand, das Geld, das in der Rückkopplung auf sich selbst zum quasi geisterhaften Beweger der gesamten gesellschaftlichen Reproduktion wird.

Den Menschen tritt ihre gesellschaftliche Arbeit in der Form eines toten Gegenstands als fremde Macht eines blinden Systemzusammenhangs entgegen, der als völlig irrationaler Selbstzweck von den Gläubigen der Selbstmordsekte des Kapitals blind wie Lemminge angebetet wird.

Insider August 4, 2014 um 13:33

@carlos manoso August 3, 2014 um 19:46
Insider, kommen wir zum Wesenskern: Die „Krise“ entwickelt sich in einem Zustand, in dem das „System des Weltkapitals“ seine eigne Reproduktionsbasis auflöst und seine Entwicklungsfähigkeit erlischt. …
Niemand kann präzise wissen, in welchen Zeiträumen sich dieser Auslösungsprozess abspielen wird und in welchen destruktiven Formen…
Ein reproduktionsunfähig werdendes „Gods own country“ wird, wenn es notwendig wird, Europa als seinen inneren Verteidigungsring – in dem Germany das wichtigste Asset ist – ohne auch nur mit der Wimper zu zucken über die Klinge springen lassen. Und sei es auch einfach nur deshalb, damit seine darbenden „Geier“ wieder mal was zu fressen bekommen.
„Germanys Regierung“ ist m.E. mittlerweile so illusionslos geworden, dass sie hofft, dass sich die „Geier“ über die östlichen Ruinen im Umfeld Putins hermachen, in der vergeblichen Hoffnung, dass die „Geier“ dann Deutschland und Europa verschonen.

Carlos Manoso, die Metapher „Geier“ sollte uns nicht zu falschen Analogien verleiten. Die „Geier“ sind genauso wie die „Heuschrecken“ normale Investmentfonds. Sie machen mangels Alternativen ihre Profite in unproduktiven bzw. „anti-(re)produktiven“ Bereichen. Sie halten die Kapitalakkumulation aufrecht, indem sie die (re)produktive Basis der kapitalistischen Ökonomie beeinträchtigen. Ein typisches Paradox im kapitalistischen System.

Das hat Folgen für die betroffenen Arbeitsbevölkerungen, nämlich Prozesse der Enteigung, Verarmung und Verelendung.

Der limitierende Faktor für dererlei („neoliberale“) Raubzüge gegen die eigenen Arbeitsbevölkerungen ist die Aufrechterhaltung von deren Systemloyalität, denn diese ist die politökonomische Conditio sine qua non für den Systemerhalt.

Das Machtzentrum des Empire liegt in den USA (Militär, Geheimdienste, USD als Weltwährung etc.), jedoch funktioniert das Empire als ein transnationales System, welches den Eliten in den Vasallenstaaten deren Machtposition, Sozialstatus, Vermögen und Einkommen garantiert. Insofern funktionieren diese Eliten aus Eigeninteresse im Sinne des Systemerhaltes des Imperiums.

Genau dies zeigt sich auch bei „Germanys Regierung“.

Was den „Geiern“ von den Eliten zum Fressen freigegeben wird, um die Kapitalakkumulation aufrechtzuerhalten, sind die Vermögen, Einkommen, Altersrenten etc. der Mittelschichten. Denn bei den Unterschichten ist nicht viel zu holen, hier kann man nur die staatlichen Ausgaben für Schulen, Bildung, Gesundheit, Infrastruktur etc. sowie die Sozialleistungen kürzen.

Die entscheidenden Fragen sind also:

1. Welche Mittelschichten in welchen Ländern des Empire können den „Geiern“ zum Fraß vorgeworfen werden, ohne dass die Gefahr besteht, dass die Systemloyalität dieser Schichten verloren geht, es zu Widerstand kommt und ggf. die Systemfrage gestellt wird?

2. Wie kann man die damit verbundenen Prozesse der Enteigung, Verarmung und Verelendung massenmedial am besten „verkaufen“?

Man braucht ein entsprechendes Szenario und einen Sündenbock.
So ein Szenario können wir jetzt mit der Ukraine, MH 17, Wirtschaftssanktionen gegen Russland, Verteufelung von Putin etc. beobachten.

Damit ist auch relativ klar, wer zu zukünftigen Opfern der „Geier“ gemacht werden soll.

Insider August 4, 2014 um 14:27

Im Nebenthread schreibt „Bogus“:
Die spannendere Frage allerdings, die man sich “gelegentlich” stellen sollte, ist, warum wir – vertreten durch unsere schwarz-rot-grünen Koalitionäre – diese offen dokumentierte US-Strategie mittragen, obwohl die negativen Auswirkungen u.a. für unsere Wirtschaft klar absehbar sind.
http://www.wiesaussieht.de/2014/07/28/war-der-titel-des-spiegel-ein-missverstaendnis/#comment-123521

Gegenfragen:

Was meint „Bogus“ mit „wir“?

Die deutsche Volksgemeinschaft?

Meint er, dass „unsere schwarz-rot-grünen Koalitionäre“ die Interessen einer klassenlosen deutschen Volksgemeinschaft vertreten?

Insider August 4, 2014 um 14:30
bertrandolf August 4, 2014 um 16:40

Mir gefällt der Link von Jens Berger sehr gut. Er zeigt auch die Hintergründe, die ich für wichtig halte. Argentinien, im ökonomischen Nationalistenstyle auch Gauchos genannt, ist nicht schon wieder pleite, sondern im Grunde gehört es noch zum vorherigen Staatsbankrott. Und die Verträge hat eine neoliberale Regierung ausgehändigt. Allerdings ist jetzt eine ?sozialdemokratische?, in den Beiträgen auch sozialistische genannte Regierung, die alles ausbaden muss.

holger196967 August 4, 2014 um 17:37

Insider 13:33

—>>>1. Welche Mittelschichten in welchen Ländern des Empire können den „Geiern“ zum Fraß vorgeworfen werden, ohne dass die Gefahr besteht, dass die Systemloyalität dieser Schichten verloren geht, es zu Widerstand kommt und ggf. die Systemfrage gestellt wird?”

Die einzig wichtige Frage… aber mal los gelöst von Mittelschicht, die KMU sind hier der Ansprechpartner.

Klein-Mittelständische-Unternehmen…

Und das sage ich ohne Witz voraus… da wird es in Bälde rappeln..

Insider August 4, 2014 um 18:46

Die Diskussion darüber, welche Interessen und welche Strategie hinter dem Ukraine-Russland-Szenario stecken und welche gravierenden negativen Folgen die Sanktionen gegen Russland insbesondere für die deutsche Wirtschaft haben werden, will oder kann man in diesem Blog nicht führen.

carlos manoso August 4, 2014 um 18:54

@Insider August 4, 2014 um 13:33
„Was den „Geiern“ von den Eliten zum Fressen freigegeben wird, um die Kapitalakkumulation aufrechtzuerhalten, sind die Vermögen, Einkommen, Altersrenten etc. der Mittelschichten.“

Insider, es geht m.E. längst nicht mehr darum, die „Kapitalakkumulstion“ aufrecht zu erhalten, sondern es geht schon darum, überhaupt die Reproduktion des Systems des Weltkapitals aufrecht zu erhalten.

Die Metapher „Geier“ sehe ich persönlich völlig leidenschaftslos. Der antisemitische Beigeschmack zeigt aber bereits in eine ganz grobe Richtung, wenn erst „die Vermögen, Einkommen, Altersrenten etc. der Mittelschichten“ verbrannt werden.

carlos manoso August 4, 2014 um 19:15

@Insider August 4, 2014 um 18:46
„Die Diskussion darüber, welche Interessen und welche Strategie hinter dem Ukraine-Russland-Szenario stecken und welche gravierenden negativen Folgen die Sanktionen gegen Russland insbesondere für die deutsche Wirtschaft haben werden, will oder kann man in diesem Blog nicht führen.“

Insider, als realistisch & optimistischer Mensch, der die deutsche Wirtschaft auch oben kennt, bin ich mir mir ziemlich sicher, dass die „gravierenden negativen Folgen der Sanktionen gegen Russland“ Entwicklungsprozesse in eine Richtung anstoßen werden, die uns alle noch sehr überraschen werden.

Keynesianer August 4, 2014 um 19:18

@carlos manoso

Die Mittelschichten wären das Problem nicht. Die haben das 1929-33 auch nicht wirklich kapiert, dass die ganze Weltwirtschaftskrise einfach von der Geldpolitik verursacht war.

Das hat mich ja interessiert, ob damals jemand das kapiert hatte; war aber nicht der Fall. Jedenfalls nicht die typischen Kleinbürger, denn die sind ja selber alle begeisterte Sparer und jubeln da noch dem Mises und dem Hayek zu.

Das Problem sind Leute wie ich. :)

Und das ist nicht zu verstehen – wie für den Kleinbürger die Geldpolitik.

Insider August 4, 2014 um 19:24

@carlos manoso August 4, 2014 um 18:54
„Insider, es geht m.E. längst nicht mehr darum, die „Kapitalakkumulstion“ aufrecht zu erhalten, sondern es geht schon darum, überhaupt die Reproduktion des Systems des Weltkapitals aufrecht zu erhalten.“

Carlos Manoso, beides ist doch ein Prozess: Die Aufrechterhaltung der Reproduktion des Systems erfordert zumindest in entscheidenden Teilbereichen, die Kapitalakkumulation aufrechtzuerhalten.

Während die Sparer, Kapitalversicherten, Rentenanwärter etc. schon längst kalt enteignet werden, gelingt es den „Geiern“ und „Heuschrecken“ Profite zu machen, wenngleich die “große Entwertung” nicht aufzuhalten ist.

„Die Metapher „Geier“ sehe ich persönlich völlig leidenschaftslos. Der antisemitische Beigeschmack zeigt aber bereits in eine ganz grobe Richtung, wenn erst „die Vermögen, Einkommen, Altersrenten etc. der Mittelschichten“ verbrannt werden.“

Bislang sehe ich nicht, dass eine Wiederholung jenes Antisemitismus stattfindet, bei dem Juden – als Personifizierung des „raffenden Kapitals“ – massenmedial zum Sündenbock für den wirtschaftlichen Niedergang gemacht werden.

Deine These vom „antisemitischen Beigeschmack“ müsstest Du näher ausführen und belegen. Das hat mich auch bei Robert Kurz nicht überzeugt.

Was sich abzeichnet, ist, dass Putin und Russland zum Sündenbock gemacht werden sollen.

Auch hier im Block machen ein paar vermutlich hirngewaschene und fanatische Russenhasser Propaganda in genau diese Richtung.

ruby August 4, 2014 um 19:55
Schatten August 4, 2014 um 21:38

@Insider

>”Menschen, die nie Zugang zu einer höheren Kultur und Lebenskunst hatten.”

Hmm, das impliziert ja, dass Du nicht dazugehörst, also Zugang hattest.

Damit scheint ja der Kapitalismus nicht dieses totalitäre, allumfassende Verwertungsdingsbums zu sein.

Kannst Du mal Beispiele bringen für “Zugang zu einer höheren Kultur und Lebenskunst”?

Bogus August 5, 2014 um 08:16

Nanu, jetzt wird dem kleinen Bogus sein Schmarrn hier schon threadübergreifend von selbsternannten “Insidern”
verlinkt!? Zuviel der Ehre!

Insider, “wir”, das sind alle, die hier nur rumblöken, äh rumbloggen, und draußen in der realen Welt den Arsch nicht hochkriegen.

“Meint er, dass „unsere schwarz-rot-grünen Koalitionäre“ die Interessen einer klassenlosen deutschen Volksgemeinschaft vertreten?”

“Er” meint garnix, er tut sich nur wundern. U.a. darüber, dass die olle Merkel ihre geliebte Exportwitschaft den Geiern zum Fraß vorwirft. Womit wird die Alte unter Druck gesetzt? Schickt uns Obama sonst ‘ne Drohne? Oder geht unser S&P-Rating runter, wie das schon mal vor einem Kriegseinsatz der Fall gewesen sein soll (is’ aber VT)? Oder was…?

aifran August 5, 2014 um 08:51

Es ist Krieg – und ich sehe keine Parteien mehr – ich sehe nur noch das Reich d.G.

Mutti erpressen? Wozu – die ist doch in tiefster Nibelungentreue dem Reich d.G. verbunden :-)

aifran August 5, 2014 um 13:42

Bernie wird nicht angeklagt – Geld macht Frei
ja so ist es nun mal Reich d.G.

Insider August 5, 2014 um 14:29

@Schatten August 4, 2014 um 21:38
Damit scheint ja der Kapitalismus nicht dieses totalitäre, allumfassende Verwertungsdingsbums zu sein.
Kannst Du mal Beispiele bringen für “Zugang zu einer höheren Kultur und Lebenskunst”?

Das ist ein sehr kompliziertes und komplexes Thema. Dazu nur kurz:

Die Psychogenese eines Menschen wird entscheidend beeinflusst durch die Beziehungs- und Erziehungsumwelt. Die Grundbeziehung zu anderen Menschen ist sehr abhängig von frühen Erfahrungen (Ur-Vertrauen, Ur-Misstrauen, Menschenliebe, Menschenhass).

So kann die Familie eine Art „Gegenstruktur“ gegen die kapitalistische Sozialisation bilden, genauso wie eine Peergroup, eine humanistische Schule, eine religiöse oder politische Gemeinschaft etc.

Je nach der Kultur es sozialen Kontextes – sei er christlich, bürgerlich-humanistisch, liberal-sozialdarwinistisch, kleinbürgerlich-egoistisch etc. – ist die Entwicklung eines Individuums unterschiedlichen Einflüssen ausgesetzt.
Später als Erwachsener kann das Individuum zwischen vorhandenen kulturellen Kontexten auswählen und entscheiden, welchem er sich anschließen möchte. Zu meiner Studienzeit gab es eine Vielzahl von unterschiedlichen Kontexte: reaktionäre Burschenschaftler, Junge Union, K-Gruppen, freiheitlich-sozialistische Gruppen etc.

Das es niedrigere und höher entwickelte Kulturstufen gibt, welche von unterschiedlichen sozialen Gruppen repräsentiert werden, muss hier wohl nicht dargelegt werden.

Insider August 5, 2014 um 15:13

@Bogus August 5, 2014 um 08:16
Nanu, jetzt wird dem kleinen Bogus sein Schmarrn hier schon threadübergreifend von selbsternannten “Insidern”
verlinkt!? Zuviel der Ehre!
Insider, “wir”, das sind alle, die hier nur rumblöken, äh rumbloggen, und draußen in der realen Welt den Arsch nicht hochkriegen.
“Meint er, dass „unsere schwarz-rot-grünen Koalitionäre“ die Interessen einer klassenlosen deutschen Volksgemeinschaft vertreten?”
“Er” meint garnix, er tut sich nur wundern. U.a. darüber, dass die olle Merkel ihre geliebte Exportwitschaft den Geiern zum Fraß vorwirft. Womit wird die Alte unter Druck gesetzt? Schickt uns Obama sonst ‘ne Drohne? Oder geht unser S&P-Rating runter, wie das schon mal vor einem Kriegseinsatz der Fall gewesen sein soll (is’ aber VT)? Oder was…?

„Selbsternannter Insider“ – völlig richtig. Der Nick war ironisch gemeint.

Man muss jedoch nicht unbedingt an Bilderberger-Treffen oder ähnlichem teilnehmen, um zu wissen, wie jene Figuren ticken, welche die Rollen von demokratischen Politikdarstellern ausüben.

Ehrlich gesagt, es erscheint mir doch reichlich naiv und weltfremd, anzunehmen oder zu erwarten, dass Frau Merkel „unsere“ Interessen vertritt.

Vertritt das Management eines Unternehmens die Interessen der lohnarbeitenden Belegschaft?

Nope, weder die der Belegschaft noch jene der Eigentümer (Aktionäre), sondern zuerst die eigenen.

Und was sind die Interessen der Frau Merkel?

Was will die Ex-SED-Sekretärin für Agitation und Propaganda anderes als Kanzlerin bleiben, hofiert werden und im Mittelpunkt stehen?

Noch nie hat sie sich mit den Reichen und Mächtigen angelegt. Im Gegenteil. Und schon gar nicht mit den Mächtigen in USA und Israel.

Dort erhält sie höchste Auszeichnungen und Ehrungen, wie:

- Presidential Medal of Freedom, die gleichrangig mit der Congressional Gold Medal höchste zivile Auszeichnung der Vereinigten Staaten von Amerika, erhalten von Präsident Barack Obama am 7. Juni 2011.

- „Ehrenmedaille des Präsidenten“, höchste Auszeichnung Israels (2014), erhalten von Präsident Schimon Peres am 25. Februar 2014

Zudem kann sie sich die als mächtigste Frau der Welt fühlen:

„Das US-amerikanische Wirtschaftsmagazin Forbes verzeichnete Merkel in den Jahren 2006 bis 2009, 2011, 2012 und 2013 in der Liste der 100 mächtigsten Frauen der Welt auf dem ersten Platz. Auf der Forbes-Liste der mächtigsten Personen der Welt rangiert sie im Jahr 2012 hinter Barack Obama auf Platz 2. Es ist der höchste Rang, den jemals eine Frau in dieser Liste erreicht hat.

Merkel ist Mitglied der Atlantik-Brücke.

Quelle:
http://de.wikipedia.org/wiki/Angela_Merkel#Auszeichnungen_und_Ehrungen

Wundert sich Bogus noch immer?

Bogus August 5, 2014 um 15:37

“Wundert sich Bogus noch immer?”

Ja. Merkels verantwortungsloses Handeln – welches schon vor ca. 20 Jahren hätte auffallen müssen, Stichwort Asse – nur auf ihre Sozialisation in der DDR und ihren Wunsch, von den Reichen und Mächtigen hofiert zu werden, zurückzuführen, erscheint mir zu trivial.

Was natürlich nicht heißen muss, dass es falsch ist.

Durch den vorauseilenden Gehorsam bzgl. Sanktionen riskiert sie aber die Grundvoraussetzug ihrer Macht, die deutsche Wirtschaftskraft. Wie passt das ins Bild?

Insider August 5, 2014 um 18:50

@Bogus August 5, 2014 um 15:37
Ja. Merkels verantwortungsloses Handeln – welches schon vor ca. 20 Jahren hätte auffallen müssen, Stichwort Asse – nur auf ihre Sozialisation in der DDR und ihren Wunsch, von den Reichen und Mächtigen hofiert zu werden, zurückzuführen, erscheint mir zu trivial.
Was natürlich nicht heißen muss, dass es falsch ist.
Durch den vorauseilenden Gehorsam bzgl. Sanktionen riskiert sie aber die Grundvoraussetzug ihrer Macht, die deutsche Wirtschaftskraft. Wie passt das ins Bild?

Die Gier nach Status, Macht, Aufmerksamkeit etc. kann ein gewaltige Triebkraft sein. Aus Sucht nach narzisstischer Bestätigung entstanden schon die schlimmsten Verbrechen.

Selbstverständlich verfügt Merkel über Macht, so in der Partei und über ihr Personal. Einige ihrer Konkurrenten haben dies bereits zu spüren bekommen.

Aber verfügt Merkel über wirkliche gesellschaftliche Macht oder handelt es sich bei ihr lediglich eine symbolische Personalisierung von Macht?

Macht besitzt ein Politiker, wenn er die stärksten Machtgruppen hinter sich hat und wenn er über Machtapprate (Militär, Geheimdienste, Polizei, Medien etc.) verfügt.

Das ist bei Putin der Fall.

Berlusconi verfügte über viel Geld und seine privaten TV-Sender, zudem über Connections zu Machtgruppen.

Aber PolitikerInnen wie Merkel und Obama verfügen nicht über Machtgruppen und Machtapparate. Im Gegenteil, sie müssen verhindern, dass sie mit den Interessen von starken Machtgruppen kollidieren. Obama war nicht einmal in der Lage, sein Wahlversprechen der Schließung von Guantanamo einzuhalten.

Merkels Strategie des Erhalts von Kanzlerin-Job und Status ist, sich nicht definitiv bei kontroversen Interessen festzulegen, sondern abzuwarten, welche Machtgruppen sich durchsetzen, um dann deren Position zu übernehmen. Man mag das Opportunismus ansehen oder als clevere Strategie, Kanzlerin zu bleiben.

So hat Merkel immer Politik betrieben. Merkel war zuvor Bundesministerin für Frauen und Jugend (1991–1994) und Bundesumweltministerin (1994–1998). Hat sie jemals einen Konflikt ausgetragen oder etwas gesellschaftlich Relevantes erreicht, was uns in Erinnerung geblieben ist?

Merkel ging es immer nur um Merkel, um ihren eigenen politischen Aufstieg.

Merkel betreibt demokratische Schauspielerei, so als ob sie als Kanzlerin über wirkliche gesellschaftliche Gestaltungsmacht verfügen würde.

Man wird sehen, ob und wie Merkels Politik der Sanktionen gegen Russland mit den Interessen von Machtgruppen kollidiert.

Insider August 6, 2014 um 12:45

@Bogus
Durch den vorauseilenden Gehorsam bzgl. Sanktionen riskiert sie aber die Grundvoraussetzug ihrer Macht, die deutsche Wirtschaftskraft. Wie passt das ins Bild?

Was ist die „deutsche Wirtschaftskraft“ bzw. „die deutsche Wirtschaft“?

Davon ist viel in den Medien die Rede, aber gibt es denn in der gesellschaftlichen Wirklichkeit überhaupt „die deutsche Wirtschaft“? Was ist darunter konkret zu verstehen?

Tatsächlich besteht die sog. „deutsche Wirtschaft“ aus Unternehmen, die unterschiedlichste Eigentümer aufweisen.

Wem gehört z. B. die „Deutsche Bank“?
http://www.spiegel.de/wirtschaft/jura-kurios-wem-gehoert-eigentlich-die-deutsche-bank-a-725121.html

Es sind die Eigentümer der in Deutschland existierenden Unternehmen, denen die „deutsche Wirtschaft“ gehört.

Die „deutsche Wirtschaft“ gehört nicht den Deutschen oder dem deutschen Staat, sondern die „deutsche Wirtschaft“ ist eine statistische Größe, ein Abstraktum.

Damit stellt sich die Frage:
Wer sind die Eigentümer der „deutschen Wirtschaft“?
Man wird zunächst als Eigentümer juristische Personen als Aktionäre ausmachen: Hedgefonds, Banken etc. Wer aber sind die realen Personen, die von den Unternehmen profitieren?

Man kann beispielsweise nach:
„Wem gehört die „Deutsche Bank““
„Wem gehört Deutschland“
googlen.

Soll aber jeder selbst machen.

Man wird sehr schnell feststellen, dass die Vorstellung, es gebe heute noch so etwas wie eine „deutsche Wirtschaftskraft“ oder „deutsche Wirtschaft“ eine naive und realitätsfremde Fiktion ist, welche zwar von den Medien propagiert wird, jedoch die gesellschaftliche Wirklichkeit verschleiert.

Deutsch im Sinne einer „deutschen Wirtschaft“ sind nur die Klein- und Mittelunternehmen. Die mögen zwar die meisten Beschäftigten haben, aber ihnen fehlt es an gesellschaftlicher Gestaltungsmacht, an Wirtschaftsmacht, Medienmacht, Lobbymacht etc.

Falsch ist daher die Annahme, Merkel riskiere durch vorauseilenden Gehorsam bzgl. Sanktionen die Grundvoraussetzug ihrer Macht, nämlich die deutsche Wirtschaftskraft.

Entscheidend für Merkel ist, dass sie im demokratischen TV-Beliebtheitsrating weiterhin ganz oben steht und Wahlen gewinnt, was zur Voraussetzung hat, dass sie von den Meinungsmacher-Medien aka Milliardärsmedien promotet wird. Da hat sie sich opportunistisch nach deren Politikvorgaben zu richten, was sie auch macht.

Fazit:

Es ist Ausdruck von mangelndem gesellschaftlichen Durchblicks, wenn den demokratie-simulierenden Politfiguren unterstellt wird, sie würden in ihrer Handlungslogik gegen die eigenen Interessen verstoßen.

Negativ werden sich die Sanktionen gegen Russland auf die wirtschaftliche Situation der Normalbevölkerung auswirken, insbesondere auch auf die Mittelschichten sowie einen nicht unerheblichen Teil der KMUs.

Insofern wirkt sich die Politik der demokratischen Repräsenten aka Demokratiedarsteller gegen die Interessen des Volkes – gegen der Arbeitsbevölkerung und die KMUs – aus.

Ist dies etwas Neues?

Hallo, die kapitalistische Gesellschaft ist eine Klassengesellschaft, da war dies nie anders.

Aber wer will dies wissen?

Eagon August 6, 2014 um 19:23

Jedes staatliche Unternehmen in Deutschland das privatisiert wurde, verstärkte die Vermögenskonzentration und damit den Druck auf die Lohnquote.

Die Mistgabeln werden kommen.

Damit der Kapitalismus weiter leben kann.

Insider August 7, 2014 um 10:03

Der Selbstbetrug der Mittelschichten. Sie sind Verlierer, wollen es aber nicht wahrhaben:

Ulrike Herrmann:
Wieso eigentlich tolerieren die breiten Mittelschichten politisch, dass sie ökonomisch immer weiter zurückfallen?

Die eigentliche Frage ist daher nicht, warum die Reichen reicher werden, sondern warum die Mittelschicht dies toleriert. In den vergangenen Jahrzehnten war immer wieder zu erleben, dass die Mehrheit für Gesetze stimmt, die nur einer privilegierten Minderheit nutzen.

Die Erklärung ist so simpel wie erstaunlich: Die Mittelschicht hält sich selbst für einen Teil der Elite. Obwohl sie sich über den Reichtum der Reichen aufregt, fürchtet die Mehrheit, dass auch sie getroffen würde, falls die Vermögenden stärker belastet würden.

Wie kann sich die Mittelschicht so täuschen? Denn objektiv besitzt sie fast kein Vermögen, und auch die Reallöhne stagnieren seit mehr als einem Jahrzehnt.

http://www.b-republik.de/aktuelle-ausgabe/vorsprung-durch-tautologie

ruby August 9, 2014 um 11:10

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