Anmerkungen eines ehemaligen Zeitungslesers

by f.luebberding on 7. August 2014

Wer heute Morgen eine Zeitung in die Hand genommen hat, bekommt ein Bild vom Weltgeschehen. Ob die Ukraine, Ebola, ein muslimischer Schützenkönig oder der Nahe Osten. Es fehlt in den klassischen Ressorts wie Politik, Wirtschaft, Feuilleton oder Sport nichts, was ein gut informierter Zeitgenosse wissen muss. Dabei gibt es in jeder Zeitung Artikel, die man nicht gelesen haben muss, um zu wissen, was passiert ist. Die es einem aber ermöglichen, die Welt zu verstehen, in der wir leben. Nehmen wir etwa das heutige FAZ-Feuilleton. Der emeritierte Professor für Systematische Theologie und Ethik an der Universität München, Friedrich Wilhelm Graf, schreibt im Aufmacher über die Rolle des Glaubens für die Gewaltbereitschaft in historischen und zeitgenössischen Kriegen. Man muss den Artikel nicht gelesen haben, wenn man wissen will, was etwa ISIS gerade im Irak und Syrien macht. Man sollte ihn aber gelesen haben, wenn man deren Handeln einordnen will.

Mit dieser klassischen Rolle des Feuilletons beschäftigt sich in der heutigen FAZ auch Hannelore Schlaffer. Sie rekonstruiert dessen Rolle am Beispiel von Louis Sébastien Mercier. “Das Feuilleton als Mittel der Politik. Wie Louis-Sébastien Mercier mit seinen Texten, Dramen und Alltagsbeobachtungen am Ende des Ancien Régime eine eigene Gattung erfand und ihr zu politischer Relevanz verhalf”, so der Titel des Artikels. Ähnliches liesse sich auch in anderen Zeitungen finden. Die FAZ dient hier nur als Beispiel. Zeitungen geben einen Überblick über das Weltgeschehen und unterstützen den Leser bei seiner Meinungsbildung. Nur beruht diese (zugegeben idealtypische) Sichtweise auf die Rolle von Zeitungen zu früheren, analogen Zeiten.

Mit der Digitalisierung hat sie diese Funktion, über das Weltgeschehen zu informieren, verloren. Zwar gibt es sie noch im Netz, aber kostenlos. Das ist kein Geschäftsmodell, wenigstens nicht für den Anbieter. Im folgenden Gastbeitrag von tera euro reflektiert der Autor sein eigenes Medienverhalten – und operiert zugleich via Twitter als Medienakteur. Darin drückt sich die Dynamik aus, die wir gerade in Medienmärkten erleben. Der Anlaß für diesen Beitrag war eine Debatte auf Twitter. Zu den im Artikel angesprochenen Abrechnungsmodellen hat Roland Tichy interessante Erfahrungen gemacht. Das Projekt der Krautreporter gehört ebenfalls in diese Debatte. Das nur noch als Hinweis.

Anmerkungen eines ehemaligen Zeitungslesers

Ein Gastbeitrag von tera euro

Ich bin mit Zeitungen (Totholzversion) großgeworden und die Tageszeitung war in meinem Elternhaus selbstverständlich (KSta) gewesen. Auch während der Studienzeit (und danach) leistete ich mir mehrere Print-Abos (ehemaliges Nachrichtenmagazin, ZEIT, FR und noch diverse Fachzeitschriften, die FAZ war damals der „Feind” ;). Wenn ich meinen damaligen Medienetat zusammenrechne, habe ich bestimmt das Äquivalent von 50-70 € pro Monat ausgegeben. Anfang des Jahrtausends wurden die Print-Abos dann systematisch abgeschafft. (Zeitmangel, elend große Papierberge, ökologisches Gewissen, …). Am schwierigsten war der Abschied von der FR.

Spung in die Gegenwart: Wie sieht mein Medienkonsum heute aus und was nervt mich am aktuellen Verlagspublikations-/Bezahl-Modell ?

Zeitungen (im klassischen Sinne) interessieren mich nicht mehr. Was mich interessiert, sind einzelne Artikel aus einer ganzen Reihe von
Zeitungen/Quellen. 90-95% dessen, was mich interessiert, finde ich (mehr oder weniger problemlos) frei im Netz. Ein paar Artikel liegen dort hinter Paywalls, für deren Umgehung ich meistens keine Lust und/oder Zeit habe. Werbung beim Artikel-Lesen interessiert mich ebenfalls nicht. Dafür gibt es ad-Blocker-Software. Online frisst dieser Müll nur Übertragungsvolumen und macht den Seitenaufbau langsamer, von besonders nervigen Online-Werbungs-Schapsideen einmal ganz abgesehen.

Das bedeutet jetzt nicht, dass ich nicht bereit und fähig wäre, für ansprechende/entsprechende Qualitätsjournalismus-Inhalte (was immer das ist, erfährt man beim Lesen) zu bezahlen. Nur: Man lässt mich einfach nicht! Ich habe exakt null Lust darauf bei x Verlagen einzelne Abo-Modelle zu studieren und dann an y Stellen intransparente Abos abzuschließen. Für die Nicht-Twitterwelt will ich hier meinen Vorschlag festhalten und präziser formulieren.

Was könnte ich mir vorstellen (in 5 Minuten auf Twitter skizziert)?

Man nehme:

a) FAZ, ZEIT, SZ, TAZ, NZZ aus dem deutschen Sprachraum, addiere
b) Guardian, NYT, WaPo , Atlantic und Aeon (Liste könnte man erweitern. Es geht erst einmal um das Prinzip)

und mache mir folgendes Angebot:

Die ersten 100 Artikel sind für jeden frei (finanziert von mir aus über eine Kulturflatrate, freie Mittel nach Abschaffung des BND, der
Mineralölsteuer oder bei den öffentlich-rechtlichen Sendern abgezwackt, whatever), weitere Artikel kosten anschließend Geld:

50 Artikel kosten 3 € im Monat
100 Artkel 5€
200 10€
500 20 €

Eine Flatrate 30 € bis 40 € im Monat.

Das Ganze wird über Kreditkarte, iTunes (oder was weiss ich) abgerechnet. Stellt sich natürlich die Frage, wie wird dieser Kuchen zwischen den Verlagen aufgeteilt?

1.) In den Verteilungsschlüssel für die Verlage gehen einmal Länge des Artikels, Aufwand für den Artikel und ähnliches ein.
2.) Wenn einem ein Artikel besonders gut gefallen hat, kann man eine Gewichtung angeben ( z.B. plus 50% ), d.h. er soll überdurchschnittlich bezahlt werden
3.) Wenn man sich extrem geärgert hat, kann man auch eine Gewichtung nach unten vornehmen (maximal minus 50%). Dann haben Verlag und Autor halt Pech gehabt.

Ich habe zwar eine Reihe von Gegenargumenten auf Twitter zu hören bekommen, so richtig überzeugt hat mich aber kein Argument.

“Was ist wenn xyz nicht mitmacht?“
Nicht mein Problem (geht sterben)?

“Ich möchte aber noch Kicker zusätzlich haben?“
Warum nicht, soll der Kicker Verlag entscheiden … .

Um das Modell genauer zu beleuchten, bin ich dabei, eine Excel-Tabelle zu erstellen um Beispielrechnungen für Verlage zu machen, was jeweils bei diesem Modell an Geld reinkommen könnte. Gegenüber dem jetzigen Zustand (ich zahle z.Zt. exakt 0,00 €) kann ich
mir mathematisch aber kaum eine Verschlechterung vorstellen ;).  Es sei denn, ich werde demnächst für das Lesen bezahlt … .

Es bleiben offene Fragen:

1.) Entsteht da nicht ein subventioniertes Qualitätsjounalismus-Oligopol? Das kann man fragen, stört mich nicht. Alternativen wären m.E. höchstens stiftungs-basierter Journalismus in Deutschland. Dafür sehe ich aber bei uns keine Grundlage. Auch wird die Frage deutsch-englischsprachige Verlage damit nicht gelöst.

2.) Soll man gute Blogs in dieses Finanzierungsmodell mit aufnehmen ? Ich sehe nichts, was dagegen spricht, egghat und blicklog werden
reich … .

3.) Wer macht die Erfassung und Abrechnung? Hier liegen meines Erachtens die meisten Probleme begraben. GEMA oder GEZ sind nicht sehr beliebt, von den datenschutzrechtlichen und Überwachungs-Aspekten ganz zu schweigen. Andererseits: NSA, Google, Amazon und Co wissen eh sehr genau, was wer jeweils liest.

update 14:04 Uhr

Der in der Einführung angesprochene Artikel von Friedrich Wilhelm Graf ist jetzt online.

10.08.2014

Dazu jetzt auch ein lesenswerter Artikel in der heutigen FAS.

{ 90 comments }

holger196967 August 7, 2014 um 12:42

Tera Euro

erinnerst Du dich noch an den “Lesezirkel” ? Wäre das Modell nicht ein Ähnliches?

Die Betriebssysteme gibt es doch schon. zB Sky… oder TV Angebote über Stream. Ist ja nun egal, ob du Zeitung oder TV digitalisiert empfängst. Man könnte sich quasi ein Abo zurecht schneidern. Und das kostet eben so und so viel im Monat.

Sender und Themen sucht sich der Leser selber aus. Fehlt nur noch das Portal dazu. Mach et… :D

Keynesianer August 7, 2014 um 12:52

So nicht!

Die FAZ, ZEIT, SZ, TAZ, NZZ und so weiter können wir uns alle schenken.

Wir brauchen eigentlich nur eine Software für unsere neue und ganz individuelle Tageszeitung im PC. Nur eine Software für die Aufgabe:

Mir zu jedem Zeitpunkt Artikel der von mir dafür vorgesehenen Autoren auf meinen Monitor abzurufen.

Diese Artikel sinnvoll zu gliedern.

Mir die Möglichkeit zu geben, bestimmte Autoren neu aufzunehmen und auch wieder rauszuwerfen.

Bezahlt wird über den Kauf von E-Books dieser Autoren, in denen die noch die Hintergründe zu ihren Berichten liefern.

Aber ich lasse mir doch von keiner Verlagshaus in Zukunft noch irgendeinen Seich vorsetzen. ;)

Sondern jeder Autor, denn ich lesen will, schalte ich mir dafür frei. Heute muss ich zig Webadressen ansteuern, um einigermaßen informiert zu sein. Das könnte in Zukunft eine Software übernehmen, die allen Artikeln auch ein einheitliches Format und Aussehen gibt, von mir gewählt.

Ariane August 7, 2014 um 12:56

Mir gefällt TeraEuros Idee sehr gut. Bei der “Ich will aber den Kicker”-Problematik könnte ich mir auch eine Auswahl vorstellen, wie bei Fernsehkanälen. Man wählt aus einem Angebot 10 Zeitungen/Blogs aus und wenn man mehr möchte, muss man zusätzlich zahlen. (bzw die kostenfreien 100 Artikel sind dann schneller da)

Beim Verteilungsschlüssel würde ich die Gewichtung etc aber eher rausnehmen, das würde arg kompliziert werden (und die Frage, wer das abrechnet ist ja auch noch ungelöst). Imo sollen entweder alle gleichviel abbekommen oder der das meiste, bei dem viel gelesen wird und fertig.

holger196967 August 7, 2014 um 12:58

Keynesianer August 7, 2014 um 12:52
So nicht!

Die FAZ, ZEIT, SZ, TAZ, NZZ und so weiter können wir uns alle schenken.”

ÜBERFLÜSSIG mein Lieber, ich möchte sogar noch das “Goldene Blatt” und “BRAVO” “YPS” “Raum&Zeit” etc.pp.

Du scheixx Kommunisten Sau… :D

Ich lese das, was mir passt, und nicht was du meinst, ich lesen hab zu sollen.

Keynesianer August 7, 2014 um 13:03

Einfaches Beispiel:

Heute muss man auf dem Blog von Heiner Flassbeck vorbeischauen, wenn man etwas von ihm lesen will. Inzwischen kann man sich mit Mail informieren lassen, ob es einen Artikel gibt.

http://www.flassbeck-economics.de/

Die Software müsste einfach einen Wirtschaftsteil für meine Tageszeitung bauen, in dem die Artikel von Flassbeck automatisch eingefügt werden. Dann müsste den Autoren noch vorgegeben werden, dass sie ihre Artikel in wichtig und weniger wichtig und auch thematisch einteilen. Dann kann man als Leser von einem Autor auch nur die wichtigsten Artikel zu einem speziellen Thema abrufen lassen.

So könnte das bis hin zu den lokalen Nachrichten gehen.

Trotzdem wird man ja noch im Netz stöbern und immer mal wieder neue und interessante Autoren entdecken und dann in seine Quellen neu aufnehmen und andere rauswerfen, wenn die nicht länger interessant sind.

Verlage und Zeitungen wird es also nicht mehr geben. :)

PasserBy August 7, 2014 um 13:03

“1.) In den Verteilungsschlüssel für die Verlage gehen einmal Länge des Artikels, Aufwand für den Artikel und ähnliches ein.”

Länge: Setzt Anreiz den Artikel sprachlich und mit inhaltlich trivialem aufzublähen.
Aufwand: Schwierig quantifizierbar außer über Zeitaufwand, der leicht manipulierbar ist und auch nichts über die Qualität des Artikels aussagen muss.

“2.) Wenn einem ein Artikel besonders gut gefallen hat, kann man eine Gewichtung angeben ( z.B. plus 50% ), d.h. er soll überdurchschnittlich bezahlt werden
3.) Wenn man sich extrem geärgert hat, kann man auch eine Gewichtung nach unten vornehmen (maximal minus 50%). Dann haben Verlag und Autor halt Pech gehabt.”

Die Leute lesen (leider) das, was ihr Weltbild bestätigt und bewerten dementsprechend auch Artikel. Belohnt werden also Artikel die möglichst nah an der Meinung der Leser sind und Artikel die dieser nicht entsprechen werden bestraft. Ein sehr guter und gut recherchierter Artikel, der z.B. zum Thema X eine befürwortende Haltung einnimmt, welches von 90% der Leser abgelehnt wird, wird dennoch viele schlechte Bewertungen erhalten.

holger196967 August 7, 2014 um 13:06

Keynesianer

—>>>Verlage und Zeitungen wird es also nicht mehr geben. :) ”

DOCH… aber ich bastel mir die dann selber zusammen.

Und die kann dann 1 Euronen/Tag kosten… Also rund 30 Ocken/Monat.

Keynesianer August 7, 2014 um 13:08

@Holger

Du kannst bei meiner Idee doch lesen was Du willst. Du musst nur die Autoren für Deine Zeitung als Quellen freigeben. Dann schaust Du halt bei Bravo, wie der heißt, und schon kommt jede Folge “Wie geht küssen und wird man davon schwanger?” auf Deinen Monitor. :)

f.luebberding f.luebberding August 7, 2014 um 13:16

PasserBy

Das wäre auch mein Einwand: Journalismus, der sich nicht als bloße Berichterstattung versteht, könnte unter die Räder kommen. Zeitungen müssen für den Leser irritierend bleiben, wenn sie ihren publizistischen Auftrag erfülllen sollen. Wobei diese Logik schon heute von Bedeutung ist. Artikel, die nicht gelesen werden, aber journalistisch relevant sind, geraten durch die Statistik unter zunehmenden Legitimationsdruck. Mit dem Modell von tera euro wird diese Tendenz noch verstärkt. Aber letztlich war das immer die Differenz zwischen Boulevardmedien und der Qualitätspresse gewesen. Nämlich die Bedeutung journalistischer Kriterien.

~ SPIEGELverschlepper ~ August 7, 2014 um 13:17

Es gibt aber au noch GUTE MELDUNGEN in den Zeitungen!! … zB kömmt grad datthier rein:

Brände und Zusammenstöße auf dem Maidan in Kiew

http://www.zeit.de/news/2014-08/07/konflikte-braende-und-zusammenstoesse-auf-dem-maidan-in-kiew-07125210

===> … so isch’s recht!! … nieder mit … allen Faschisten!!

Keynesianer August 7, 2014 um 13:20

@PasserBy

Das Bezahlen ginge nach meiner Ansicht durch den Kauf von E-Books der Autoren besser. Die lassen sich auch für 1 Euro anbieten und so, dass fast alles an den Autor geht.

Die Artikel sollten dagegen umsonst sein, weil man ja auch Zeugs lesen wird, das einem nicht gefällt, wenn es zum Beispiel verlinkt ist.

Das müsste die Software natürlich auch leisten, dass die gewählten Autoren auf andere Artikel verlinken, die dann in das Format eingebunden werden, wenn ich die anklicke.

holger196967 August 7, 2014 um 13:20

Keynesianer August 7, 2014 um 13:08

so meinte ich das… Also Verlag und danach Autor buchen… ich hätte da vielleicht 10-15 die ich lesen würde. So eine Plattform gibt es aber wohl noch nicht.

Aber das wäre eben auch eine Sache der Autoren selber.

holger196967 August 7, 2014 um 13:25

f.luebberding

—>>> Wobei diese Logik schon heute von Bedeutung ist. Artikel, die nicht gelesen werden, aber journalistisch relevant sind, geraten durch die Statistik unter zunehmenden Legitimationsdruck. Mit dem Modell von tera euro wird diese Tendenz noch verstärkt.”

Eben nicht! Genau das Gegenteil ist der Fall. Das ist wie mit Büchern auch.

Wer ließt denn das “journalistisch relevante” ? Wohl doch nur, die, die das lesen und verstehen wollen. Und genau da könnte man eben, der eben dazu geneigt ist, sich “journalistisch relevante” komprimiert zu besorgen.

Es soll auch noch Fach-Magazine geben. Dieser dann “journalistisch relevante” gebildete Bürger braucht dann nicht mehr den Freien Stellenmarkt mit kaufen. Oder Anzeigen mit Herz.

holger196967 August 7, 2014 um 13:31

Klar, dass der Ewald wieder rummotzen muss ;)

Schatten August 7, 2014 um 13:38

Ich bin sehr für eine Kulturflatrate – nur darf die 40€ im Monat nicht überschreiten. Für ALLES! Für Filme, Dokus, Spiele, Artikel, name it.

Die Rundfunkzwangssteuer gehört also eingedampft, aber gehörig!

Was mir beim Beitrag von @tera euro auffällt: Was ist mit Werbung! Google kann jedem zu jedem Artikel heute schon eine individualisierte Werbung liefern! Das wäre dann die Kulturflatrate für die Armen, kostet eben nur 10€, aber plus Werbung.

Zu Zeitungen allgemein: Das Zeitungsangebot, das mir am besten gefällt, ist ein newsticker der dpa. Irgendwelche “Journalisten”, die die Nachrichten dort für mich “einordnen” wollen, brauche ich weniger als Fußpilz.

Ist Journalist überhaupt ein geschützter Beruf? Braucht man dafür wenigstens einen Realschulabschluss?

Stephan August 7, 2014 um 13:40

Das ist eine Schnapsidee.

Erstens würden DE Zeitungsverlage ihre angelsächsischen Brüder mit so einem Modell quersubventionieren. Die NYT, Guardian, … hätten ohne Mehraufwand mehr zahlende deutsche Leser. Die FAZ, SZ, … hätten fast keinen zahlenden Leser mehr, da die Zahl deren Leser mit Deutschkenntnissen überschaubar ist.

Zweitens ist dieses Modell ökonomisch nicht tragbar. Die Mehrheit der Leser will kein Abo. Die Minderheit wird vielleicht 200 Artikel für 10 Euro pro Monat bestellen. Das sind max. 1 Euro pro Leser für jedes Medium pro Monat? Als FAZ Herausgeber würde ich dann eher sagen: Alles ist kostenlos. Aber die Online FAS kosten 1 Euro pro Ausgabe. Wochenende nur für Subscriber.

Drittens die Verteilungsproblematik der Einnahmen. Das kenne ich aus meiner Arbeit mit Mobile Payment Provider. Mobile Payment in DE gibt’s unter anderem nicht wirklich weil die sich nicht zusammenraufen können. Bei dem vorgeschlagenen Modell ist die Krise vorprogrammiert. Großer Anbieter A versteht nicht warum er kleinem Anbieter B seine Leser frei Haus liefern soll.

f.luebberding f.luebberding August 7, 2014 um 14:03

Dieser Artikel aus den heutigen Feuilleton passt auch zum Thema. Nämlich wie Geschäftsmodelle funktionieren, wenn journalistische Geschäftsmodelle gescheitert sind.

Fritz (@Fritz) August 7, 2014 um 14:05

Das scheint mir im Kern das Flatpreis-Modell á la Spotify zu sein. Das Problem der radikalen Entbündelung ist bei Texten, dass 1 Abonnent im Nu X-”Unterleser” versorgen kann, b) dass die umsatzstarken Voll-Abos zu 90% perdu gehen. Was man dann auf der einen Seite – eventuell, eventuell – durchs Mengengeschäft verdienen würde, würde einem bei der “treuen Leserschaft” doppelt verloren gehen.
Vielleicht liegt eine Lösung eher in der Mitte? Tera Euro rechnet mit einem Preis pro Bezahl-Artikel von rund 5 Cent. Das ist sehrrrr wenig, wenn man bedenkt, dass der ganze klassische Nachrichtenkram sowieso schon gratis ist und es also nur noch um die “höherwertigen” Autoren- und Recherche-Artikel geht. Ein gleichzeitig vernünftigen wie mengengeschäftstauglichen Preis sähe ich eher bei circa 10 bis 30 Cent (einfach abhängig von Länge). Die Vertriebsgemeinschaft wäre dann nur eine Abrechnungsgemeinschaft (da könnte man http://www.genios.de/presse-archiv nutzen), so dass die Nutzer nur 1 Account benötigen. Die Anbieter können sich dann noch überlegen, ob sie häufige Nutzung gerade ihres Titels rabattieren.
Bei einer solchen Preisstellung würden die Alt-Abos eher fortgeführt werden, weil Intensiv-Nutzer 1 bestimmten Zeitung eben mit einem klassischen oder Digital-Abo besser fahren als mit dem Einzelkauf.
Im Grunde ist es eine Frage der Preissensitivität. Der Springer Verlag scheint ja inzwischen bei den Digital-Abos interessante Zahlen zu erreichen. Holtzbrinck experimentiert beim Handelsblatt mit einem Digital-Pass, der mehrere Services als Bündel anbietet.
Aus Kundensicht ist übrigens nur scheinbar die billigste Lösung die Beste – “there’s no such thing as a free lunch”. Das Geld, das nicht von Kunden kommt, kommt von Werbung, “native advertising”, Redaktions-Austerity, aus mit Produktverkauf und Makelgeschäften integrierten Geschäftsmodellen etc.
“Billigen” Journalismus braucht eigentlich kein Mensch. Die fachliche Qualität muss sich ja in vielen Rubriken inzwischen an Bloggern messen – so hohe Qualität können sich Zeitungen und Zeitschriften momentan kaum noch leisten.
Für das Redaktionskollektiv das Beste ist mE die Finanzierung aus mehreren Quellen, weil allein dadurch die Abhängigkeit von nur 1 Quelle vermieden werden kann. (Allein von den Lesern abhängig zu sein ist auch nicht so toll, weil sich auf der Linie alles zum Verkaufbaren hinentwickelt – Diktatur der Quote.)

egghat August 7, 2014 um 14:12

Luebbberding: “Journalismus, der sich nicht als bloße Berichterstattung versteht, könnte unter die Räder kommen. Zeitungen müssen für den Leser irritierend bleiben, wenn sie ihren publizistischen Auftrag erfülllen sollen.”

Anmerkung ist gut, AAABER:

Muss das Modell von TeraEuro all diese Probleme lösen? Wäre es nicht schon ein Schritt, wenn 90% des Journalismus über das TeraEuro-Modell gelöst werden könnten?

Anders herum: Wie viele Leute aktuell in Deutschland schreiben solche Artikel? Und wie viele Deutsche lesen die? 1 Mio. Menschen pro Tag? Meinst du nicht, dass unabhängig vom TeraEuro-Modell Diskurs, Rechereche und Debatte nicht auch anders finanziert werden könnten? Ich glaube das schon; sowas wie Cicero (nur ale Beispiel) wird beim Zusammenbruch des Massenjournalismus wahrscheinlich die geringsten Probleme bekommen. Die leben von ihren Abonnenten und nicht von Werbung oder Immobililienanzeigen. Diese Modelle sind am einfachsten ins Netz zu heben.

f.luebberding f.luebberding August 7, 2014 um 14:37

egghat

Cicero hat als Monatsmagazin eine Nische gefunden, die offensichtlich funktioniert. Das gilt ja auch für die Zeit, die ihre Auflage unter anderem deshalb halten konnte, weil ehemaligen Lesern von Tageszeitungen eine Wochenzeitschrift mittlerweile reicht. Das gilt in gleicher Weise für die Sonntagszeitungen. Nur ist das kein Modell für Tageszeitungen. Der Einwand von Stephan ist richtig: Wenn ich auf ein derartiges Modell umstelle, verliere ich die bisherigen Abonnenten. Das Spannende an tera euros Überlegungen ist ja seine Beobachtung, dass er früher mehr als 70 € in Zeitungen investiert hatte und heute eben 0 €. Es für ihn keinen Anreiz gibt, daran etwas zu ändern.

Stephan August 7, 2014 um 14:50

Zunächst einmal möchte ich anmerken: Ich finde das eine spannende Debatte die TeraEuro hier angestossen hat.

Weitere Probleme mit dem Ansatz von TeraEuro sehe ich hier: Erstens stimmt es nicht, dass er als Online-Leser 0,00 Euro dem Verlag bringt. Er ist Teil einer Leser-Crowd, die der Verlag an seine Werbekunden vermarktet. Und er ist Bestandteil eines potentiellen Käuferschicht, an die die Verlage weitere Produkte verkaufen können. Zweitens gibt es für einen Verlag auch Opportunitätskosten. Es macht schon einen Unterschied ob ich 5 Mio Gratis-Leser habe oder 250.000 Online-Abonnenten.

Insider August 7, 2014 um 15:00

Wirklichen Qualitätsjournalismus würde ich gern finanziell unterstützen.
Nur wären dafür Qualitätsjournalisten Voraussetzung.

Von Projekten wie „Krautreporter“ erwarte ich nichts. Soweit ich dies richtig sehe, handelt es sich dort meist um mittelmäßige JournalistInnen, welche bislang im Mainstream mitgeschwommen sind.

Heute ist nur eine verschwindend kleine Minderheit in der Lage, informative und kritische Artikel zu schreiben. Und dies sind häufig keine Berufsjournalisten.

Bei den etablierten Medien findet man m. E. die besten Beiträge im öffentlich-rechtlichen Bereich, meist allerdings erst zu später Stunde.

In den großen Meinungsmacher- und Werbungsverbreitungsmedien – den Milliardärsmedien – sind meist die gleichen Informationen vorhanden. Das Geld und die Zeit dafür kann man sich sparen, sofern man an echter und relevanter Information interessiert ist.

Journalistische Beiträge oder Berichte in der Qualität eines Günther Gaus, Peter Scholl-Latour, Peter von Zahn, Sebastian Haffner etc. sind Vergangenheit. Weil die Milliardärs- oder Staatsmedien keinen kritischen Qualitätsjournalismus mehr wollen.

Die heute noch wirklich guten und kritischen JournalistInnen und AutorInnen sollten daher versuchen, übers Internet neue Vertriebs- und Bezahlformen zu entwickeln (z.B. e-books etc.).

Allerdings kann man heutzutage seinen Lebensunterhalt allein mit Schreiben von kritischen Artikeln und Büchern in der Regel nicht finanzieren.

Wer einen solchen Lebensweg einschlagen will und nicht familiär mit Vermögen ausgestatte ist, dem ist zu raten, eine entsprechende berufliche Qualifikation aka „Brotberuf“ zu erwerben, wenn er nicht mit Hartz IV auskommen will.

Denn nur ausnahmsweise wird es möglich sein, einen Ehepartner oder Unterstützer in der Art eines Friedrich Engels zu finden.

Stephan August 7, 2014 um 15:01

Aber ich habe TeraEuro ja versprochen ein alternatives Bezahlmodell vorzustellen. Das ist eigentlich ganz einfach und die Verlage brauchen sich auch nicht untereinander einigen oder über Bezahl-Tarife und Verteilungsschlüssel streiten.

Es gibt bereits ein Bezahlverfahren in Deutschland für digitale Inhalte, dass fast jeder Deutsche kennt, mit dem die wenigstens ein Problem haben und das viele sehr gerne nutzen. Den Prepaid-Internet-Tarif der Mobilfunkanbieter.

Der Verband der deutschen Zeitungsverleger legt eine Prepaid-Karte auf. Die Verlage können sich entscheiden ob und wie sie mitmachen wollen. Zum Beispiel sagt die FAZ: 500 MB unsere Daten kosten pro Monat 9,99. Bezahlt wird via Prepaid-Guthaben.

~ SPIEGELverschlepper ~ August 7, 2014 um 15:12

@frank

===> … geh ma vor die Tür. Da steppt nämlich der Bär – er “Multikulti”-Bär, um genau zu sein:

“Die Polizei musste mit Hundertschaften eingreifen: Im westfälischen Herford sind Jesiden und Sympathisanten der Terrorgruppe “Islamischer Staat” mit Holzlatten, Steinen und Flaschen aufeinander losgegangen. Es gab mehrere Verletzte.”

~ SPIEGELverschlepper ~ August 7, 2014 um 15:37

Heute, 7. August: Demo vor Spiegel-Redaktion in Hamburg

verfasst von Leserzuschrift

Hamburg. Für den heutigen Donnerstag ruft das Hamburger Friedensnetz in Kooperation mit der Hamburger Mahnwache zu einer Demonstration vor dem Gebäude des Nachrichtenmagazins Der Spiegel in Hamburg auf. Motto: »Stoppt die Kriegspropaganda – empört euch JETZT!«

Grund für die scharfe Medienschelte des Bündnisses ist die Ausgabe des Spiegel Nr. 31. Auf dem Titel prangt die Aufschrift »Stoppt Putin jetzt«. Im Hintergrund sind Fotos einiger Menschen zu sehen, die beim Abschuß der Passagiermaschine der Malaysia-Airlines MH17 umgekommen sind. Der Leitartikel verlangt sodann ein »Ende der Feigheit« und ruft auf, »Putin für den Abschuß von Flug MH17 zur Rechenschaft zu ziehen«.

Mehrfach seien im Blatt »Muster von Kriegsverharmlosung« zu erkennen, erklärt Katrin McClean, Koordinatorin der Demonstration. Für ein vermeintliches Attentat werde ohne überzeugende Beweise Rußland beschuldigt, während die Verbrechen der Kiewer Regierung verschwiegen und somit gebilligt würden. Vermißt werde eine »objektive Berichterstattung über die aktive Einflußnahme der US-Regierung, der NATO, der EU, des IWF und westliche Thinktanks bei internationalen Krisenentwicklungen« sowie »vehementes Eintreten für Friedensverhandlungen und Waffenruhen«. (düp/jW)

Demo: Donnerstag, 7. August, 17 Uhr, Hafencity Hamburg, Ericusspitze 1

===> … yep! … genau sooo! … Antifaschistische Spiegelverschlepper aller Länder … vereinigt eusch!

~ SPIEGELverschlepper ~ August 7, 2014 um 15:44

@ tera-euro
“Auch während der Studienzeit (und danach) leistete ich mir mehrere Print-Abos (ehemaliges Nachrichtenmagazin, ZEIT, FR und noch diverse Fachzeitschriften, ”

===> … warum steigst du nich um? … das hier erfüllt denselben Zweck … und is obendrein besser & billiger:

http://blog.gratisparade.de/2013/06/19/gratis-toilettenpapier-mit-werbeaufdruck/

~ SPIEGELverschlepper ~ August 7, 2014 um 15:51

@teraeuro

… einen hab isch noch, dann mußß ich aber wirklich auf die FKK-Wiese wo die Studentinnen sisch ölen:

===========================
‘JOURNALISMUS’ = LÜGENPROPAGANDA !
===========================

( http://fastpic.ru/view/67/2014/0807/e5895e531e350ede5dba399c4687b465.jpg.html )

holger196967 August 7, 2014 um 16:31

Herr Stephan

—>>>Zum Beispiel sagt die FAZ: 500 MB unsere Daten kosten pro Monat 9,99. Bezahlt wird via Prepaid-Guthaben.”

Ich will aber die “FAZ” Todesanzeigen net BUCHEN !!!!

holger196967 August 7, 2014 um 16:33

Auch will ich net den Spocht aus der “FAZ” da will ich da “FR” #EINTRACHT \o/

Stephan August 7, 2014 um 16:37

@Holger
Ich weiß, dass dieses Konzept zumindest dich intellektuell überfordert und daher für dich ungeeignet ist. Aber ich erkläre es dir trotzdem gerne: Wenn du keine FAZ Todesanzeigen abrufst, ensteht auch kein FAZ Todesanzeigen Daten-Traffic und somit keine auch keine mit FAZ Todesanzeigen verbundene Kosten für dich.

holger196967 August 7, 2014 um 16:43

Stephan August 7, 2014 um 16:37
@Holger
Ich weiß, dass dieses Konzept zumindest dich intellektuell überfordert und daher für dich ungeeignet ist”

Yep… deswegen protestiere ich ja auch!!!

—>>> Aber ich erkläre es dir trotzdem gerne:”

Yep… das ist very nett…

—>>> Wenn du keine FAZ Todesanzeigen abrufst, ensteht auch kein FAZ Todesanzeigen Daten-Traffic und somit keine auch keine mit FAZ Todesanzeigen verbundene Kosten für dich.”

Habe ich nun ein “FAZ” Abo für 9.99 oder nicht? Mit 500MB ?

Bezahle ich mit dem ABO nun auch Ruth die tüchtige, die von uns gegangen ist? JA oder Nein?

holger196967 August 7, 2014 um 16:45

Und da ich ja ständig betriebswirtschaftlich intellektuell überfordert bin, kannst du mir das ja gerne erläutern…

holger196967 August 7, 2014 um 16:48

Oder anders gefragt!!!

Wie viel bekommt Herr Lübberding von den 9.99 ?

holger196967 August 7, 2014 um 16:55

Oder noch anders gefragt!!!

Wie viel ist ein Herr Lübberding Volkswirtschaftlich WERT ??? (im Monat?)

Stephan August 7, 2014 um 16:57

@Holger
Du hast kein FAZ Abo erworben. Mit den 9,99 Euro hast du das Recht erworben 500 MB an FAZ Artikeln abzurufen. Welche Artikel du gerne lesen willst bleibt dir überlassen. Wie die FAZ deine 9,99 Euro intern verwendet bleibt der FAZ überlassen.

holger196967 August 7, 2014 um 17:01

Stephan August 7, 2014 um 16:57
@Holger
Du hast kein FAZ Abo erworben. Mit den 9,99 Euro hast du das Recht erworben 500 MB an FAZ Artikeln abzurufen. Welche Artikel du gerne lesen willst bleibt dir überlassen. Wie die FAZ deine 9,99 Euro intern verwendet bleibt der FAZ überlassen.”

Und welchen Vorteil habe ich nun? Welchen hat Lübber?

Erkläre er mir das mal bitte.

Wenn ich bei der Dellekomm Datenvolumen kaufe, dann ist das nicht auf die “FAZ” beschränkt… oder?

holger196967 August 7, 2014 um 17:04

Du Stephan…

ich zahle schon bei der Dellekomm jeden Monat rund 80 Ocken für eine anständige Versorgung mit GB

TV Telefon etc.pp. Warum profitieren meine angeklickten Autoren davon nicht?

aifran August 7, 2014 um 17:05

Oder noch anders gefragt!!

Wie viel Klicks/Seitenaufrufe braucht Herr Luebberding um davon Leben zu können?

Stephan August 7, 2014 um 17:08

@Holger
Wenn du eine Prepaid Karte des Verbands der deutschen Zeitungsverleger hast bist du natürlich nicht verpflichtet die FAZ zu buchen. Du kannst dein Prepaid Guthaben auch dafür verwenden deine Stammlektüre SuperIllu Online zu konsumieren.

holger196967 August 7, 2014 um 17:12

Stephan August 7, 2014 um 17:08

siehe hier holger196967 August 7, 2014 um 12:58

Dann schreib das auch so… LOL :D

holger196967 August 7, 2014 um 17:14

Stephan

dein Problem ist, du liest anscheinend immer nur 1/3 und verstehst davon nur 1/8 :D

aifran August 7, 2014 um 17:14

und der Medienpreis geht an den Meistgeklickten – es ist ……
oder
und der Medienpreis geht an d. Wichtigsten Meinungsmacher – es ist ..oder
und der Medienpreis geht an den Aufklärer des Jahres- es ist …..

Weitermachen :-)

Stephan August 7, 2014 um 17:21

@Holger
Wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Ich habe “Zum Beispiel …” geschrieben? Im übrigen halte ich nicht viel davon, dass die Leser-Bewertung eines Journalisten durch ein Online Bezahlverfahren besonders berücksichtig wird. Das würde einen Schönheits-/Beliebtheitswettbewerb unter Journalisten um geneigte Leser auslösen. Ob so ein Verfahren geeignet ist um guten Journalismus zu produzieren wage ich zu bezweifeln.

Stephan August 7, 2014 um 17:25

@Holger
OK. Lassen wir’s nun gut sein. Ich glaube wir wissen beide, dass Diskussionen zwischen uns sinnlos sind. Ich halte dich für einen schwer gestörten Neurotiker und du mich für einen Vollidioten.

aifran August 7, 2014 um 17:29

um keiner klickt Luebberding – er bringt keine Klicks ….. rechnet er sich dann noch für den Verlag – der Verlag braucht doch Klicks, Klicks, Klicks damit der Verlag sich rechnet

oder?

holger196967 August 7, 2014 um 17:34

Stephan

—>>> Ich halte dich für einen schwer gestörten Neurotiker und du mich für einen Vollidioten.”

Nope… wir meinten das Gleiche, nur mit anderen Wegen nach Rom… kommt öfters vor :D

holger196967 August 7, 2014 um 17:36

Stephan August 7, 2014 um 17:21
@Holger
Wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Ich habe “Zum Beispiel …” geschrieben? Im übrigen halte ich nicht viel davon, dass die Leser-Bewertung eines Journalisten durch ein Online Bezahlverfahren besonders berücksichtig wird. Das würde einen Schönheits-/Beliebtheitswettbewerb unter Journalisten um geneigte Leser auslösen. Ob so ein Verfahren geeignet ist um guten Journalismus zu produzieren wage ich zu bezweifeln.”

Yep ich auch… weil wegen den Inhalten und nach dem gemeinen Maul faseln …

Es geht nicht um “Schönheit”

holger196967 August 7, 2014 um 17:38

Deswegen hat Tera Euro auch vorgeschlagen “Abwerten” zu können. Gut, dann verhungert Lübber allerdings :D

aifran August 7, 2014 um 17:38

oder ist der Verlag gar nicht auf Klicks angewiesen da er ohnerhin von ganz anderer Stelle unter PR-Kosten Verrechnet wird …..

holger196967 August 7, 2014 um 17:42

Und deswegen mein lieber Stephan bist du der Allerletzte, den ich in den Anus kriechen würde, kannst du auch als Ehre ansehen.

thorsten August 7, 2014 um 18:53

@f.luebberding August 7, 2014 um 14:03

Das Geschäftsmodell von Dr. Jackisch oder – ähem – Dr. Jackish von “Dr. Jackish’s” (Trademark lag bei Susanne Kremer) scheint jedenfalls relativ krisensicher zu funktionieren. Seit immerhin fast 15 Jahren.

“IT REALLY WORKS”:

> http://goo.gl/PFwW3R

> http://goo.gl/p9rvnl

Vielleicht also nicht die schlechteste Idee da anzuknüpfen … . ;)

thorsten August 7, 2014 um 19:05

Die Advertisements” stammen aus den “Weekly World News” aus dem Jahr 2000.

http://goo.gl/uOI6e1

Natalius August 7, 2014 um 19:24

EINE Zukunft des Journalismus könnte tatsächlich im “native advertising” bestehen, so wie Keynesianer das oben schon angedeutet hat. “Native advertising” bedeutet die Aufhebung der Trennung zwischen Bericht und Werbung. Wenn truth und “trutherns” ehe kein seriöses Geschäftsfeld für Journalisten mehr ist und ehe gelogen wird, dann kann – bitte schön – wenigstens so gelogen werden, dass es dem privaten Auftraggeber schön nützt. Der Journalist hat also eine story zu erfinden, die als “seriöse Nachricht” verpackt, Angst auslöst. Zur Angstbeseitigung wird dann zugleich exklusiv auf ein Produkt verwiesen, das das Problem löst.

Fiktion? Offenbar nicht: http://www.whatdoesitmean.com/index1792.htm

Natalius August 7, 2014 um 19:58

PS: Fiktives Beispiel (von meiner Seite). Der Auftraggeber sitzt in der City of London, kontrolliert den Bullion-Markt und will erreichen, dass Kleinanleger (“gold bugs”) ihr physisches Gold panikartig verkaufen.

“Gigantischer Goldfund auf den Phillipinen”

Der gesamte Goldvorrat der Erde wird auf etwa 180.000 Tonnen geschätzt, das entspricht einem Würfel mit einer Kantenlänge von 21 Metern. Ein Team amerikanischer Mineralogen und Höhlenforscher hat jetzt die angeblich grösste Goldader lokalisiert, die je auf der Erde gefunden wurde. “Wir haben uns das nicht vorstellen können” sagt Bill Rumblebee, Professor für Mineralogie an der Rockefeller University in New York und führt aus: ….

So in etwa: Brave New World!

holger196967 August 7, 2014 um 20:04

Natalius August 7, 2014 um 19:58
PS: Fiktives Beispiel (von meiner Seite). Der Auftraggeber sitzt in der City of London, kontrolliert den Bullion-Markt und will erreichen, dass Kleinanleger (“gold bugs”) ihr physisches Gold panikartig verkaufen.”

LOL :D guckst du bei Rott Meyer beim Frankie Boy… DAS wird gehalten… LOL oder fragst da Experte Polleit LOL :D

Aber hast scho recht… dann wären wir aber im LUNATISCHEN Geld Wesen. Was nur aus GLAUBEN besteht :D

hier gehts ja darum, wie kann man so einen Artikel, auch noch verkaufen… oder?

Am besten ist, man schreibt Bücher, die eh keiner ließt. Die Bibliotheken kaufen es eh. ;)

xefix August 7, 2014 um 21:47

@FL
“…Journalismus, der sich nicht als bloße Berichterstattung versteht, könnte unter die Räder kommen. Zeitungen müssen für den Leser irritierend bleiben, wenn sie ihren publizistischen Auftrag erfülllen sollen. Wobei diese Logik schon heute von Bedeutung ist. Artikel, die nicht gelesen werden, aber journalistisch relevant sind, geraten durch die Statistik unter zunehmenden Legitimationsdruck…”

Lieber Frank,
bitte zerlege Obiges in verständliche Einzelteile,
sonst werden es Andere tun.

nixfürungut

xefix August 7, 2014 um 21:59

Legitimationsdruck
Legitimationsdruck
Legitimationsdruck

nixfürungut

xefix August 7, 2014 um 22:09

For reality there is no reason
to meet expectations!

Natalius August 7, 2014 um 22:51

P.P.S. “Marktwert” Google 275 Mrd USD, Daimler-Benz 75 Mrd USD. Völlig korrekt unter den gegenwärtigen Rechtsverhältnissen, hüben wie drüben. Lüge ist nicht verboten, sondern Geschäftsgrundlage.

“Was können wir dazu, dass sich unsere Kunden an etwas binden, was sie nicht verstehen? Natürlich nutzen wir die IT unseres Partners Google, der unsere Kunden besser kennt als wir selbst. Wir bekommen Kundenprofile von unseren Kunden über Google. Wir nennen unsere Kunden wahre, richtige und natürliche Kunden, IBM’s “Omnisoph-X” hat uns sehr weitergeholfen. Wenn wir also ein Produkt entwickelt haben für unsere natürlichen Kunden, dann wissen wir auch, welchen freelancer wir ansprechen müssen, um diese Kundengruppe gezielt zu erreichen. Unsere natürlichen Kunden wünschen z.B. mehr Spass, mehr Lebensfreude, und mehr Risiko als der Durchschnitt, also lassen wir einen freelancer schreiben, der selbst so ist wie sein Klientel. Wir haben z.B. kürzlich einen Herrenduft namens “Irresistable” entwickeln lassen. Schon seit langem war bekannt, dass gewisse androgene Steroide geeignet sind, um das weibliche Geschlecht zu betören. Völlig unbewusst. Unser Freelancer hat das Lab kontaktiert, die “Industriespende” in unserem Auftrag ausgehandelt und anschliessend eine wirklich klasse Story geschrieben, die mit unserem Partner Google punktgenau plaziert wurde per GPN (Google Personal News). Wir nennen GPN advertisement neuerdings DNA – directed native advertisement. Es funktioniert. Alle sind zufrieden. Unser freelancer hat mit einer story das erreicht, was andere nicht in ihrem ganzen Journalistenleben erreichen. Unsere Kunden sind in der Damenwelt tatsächlich “irresistable”. Mittlerweile ist soviel Hype im Spiel, dass auch unsere anderen Kunden das Produkt kaufen.”

Insider August 7, 2014 um 22:56

M. E. geht es um zwei völlig unterschiedliche Fragen:

1. Wie können freie Journalisten und Autoren mit ihrer Arbeit im Internet Geld verdienen?
2. Wie können Medienunternehmen im Internet Gewinne machen?

Mich selbst interessiert der „marktgerechte Journalismus“ allerdings weniger.

Es ist mir egal, ob z. B. die FAZ Verluste macht.
http://de.wikipedia.org/wiki/Frankfurter_Allgemeine_Zeitung#Wirtschaftliche_Entwicklung

Wenn sich die FAZ nicht marktgerecht positionieren kann, dann entscheidet der Markt, wie es weiter geht.

Von mir aus kann die FAZ von Springer oder von Bertelsmann aufgekauft werden. Dann kann man durch Synergieeffekte viel an Personal, Räumlichkeiten etc. sparen. Das ist doch nur marktadäquat und dient der Gewinnoptimierung. Bekanntlicherweise – wie immer in der Marktwirtschaft – profitiert der Kunde davon.

Eigentlich müsste dies bei den Freunden der Marktwirtschaft doch Begeisterung hervorrufen.

Die Tendenz zur neoliberalen und NATO-Einheitspresse ist sowieso weitgehend abgeschlossen. Die Unterschiede bei der Presse sind so gering wie bei den Parteien.

Natürlich kann man die alten Zeitungsmarkennamen wegen der Kundenbindung erhalten. Das ist dann wie bei der Ski-Produktion.

Zum Punkt 1 habe ich oben schon etwas geschrieben. Dass immer mehr Journalisten ihren Arbeitsplatz verlieren oder ihre Dienstleistungen nicht mehr verkaufen können, ist bedingt durch den Forschritt in der Moderne und ein generelles Phänomen in der gesamten Arbeitswelt, wo der Kapitalismus immer weniger menschliche Arbeitskraft benötigt.

Alles kein Problem.

@Goodnight wies bereist darauf hin, dass wir in der Moderne
„in einer geheizten Wohnung mit Kühlschrank und TV und Computer und Handy und internet sitzen [] und vielleicht 38 Std. in der Woche arbeiten [], bei voller Renten-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung…oder direkt von den anderen bezahlt werde[n]“
http://www.wiesaussieht.de/2014/07/31/geier-sind-nuetzlich-nur-nicht-in-argentinien/#comment-123068

"ruby" August 7, 2014 um 23:21

@ natalius
this note`s for you
http://www.youtube.com/watch?v=GC5iLNC5FBE

_Flin_ August 8, 2014 um 06:27

Komisches Modell. Das wäre dann quasi “Öffentliches Verlegertum”.

Es würde doch schon reichen, wenn einige Zeitungen ein pay-per-article Modell hätten. Konto mit 10 € aufladen, dann pro Artikel abziehen. Wie bei jedem Onlinespiel auch.

TeraEuro August 8, 2014 um 13:02

*zuWortmeld*
Einerseits erfreut einen die Anzahl von Rückmeldungen auf Twitter und die Kommentare hier im Blog,
andererseits fühlt man sich direkt wieder etwas sehr zu Hause in DE …)

Ich habe (hoffe ich) fast alle Reaktionen verfolgt und gelesen,
deshalb hier mal eine erste Stellungnahme meinerseits:
Ich könnte es mir sehr einfach machen und auf eine Antwort des hiesigen Hausherren ver-/hinweisen:
Es gibt absolut keinen Anlass/Anreiz für mich, mein aktuelles Medienkonsumverhalten zu ändern,
d.h. ich kann wahrscheinlich länger warten / so weitermachen, als es Verlage/Journalisten evtl. aushalten.

Desweiteren stellt @luebberding die m.E. wichtigste Frage:
Was ist mit wichtigen, aber unpopulären Artikeln ?
(habe selber noch keine mich zufriedenstellende Antwort)

Zu einigen anderen Kommentaren ein paar erste Antworten in Stichwort-Kurzform:

@stephanewald
Quersubventionierung englisch -> wo ist das Problem? von mir aus können gute englischsprachige Journalisten/Medien gern mitverdienen. Evtl. unterschätzt man ja auch die Sprachbarriere ?

Marco Herack (@mh120480) tweet:
er bezahlt meinen FAZ Konsum mit .. -> ja tut er, danke …
hart formuliert : solange sich genug Dumme finden ..
nett formuliert: wenn mir Qualitätspressevielfalt nicht am Herzen läge, hätte ich mir Artikel sparen können

Vorwurf Staats-/ÖR-Presse (Twitter) ->
Klarstellung Verlage können(!) – nicht müssen sich – beteiligen,
opt-in Modell

Verleger können sich nicht einigen ->
Leidensdruck anscheinend nicht groß genug, löst sich wahrscheinlich durch Abwarten (ich habe Zeit …)

Stichwort: ich bezahle durch Informationen und Werbekonsum/Werbeeinahmen der Verlage
nochmal lesen (hilft zumindest manchmal):
„Werbung beim Artikel-Lesen interessiert mich ebenfalls nicht. Dafür gibt es ad-Blocker-Software. Online frisst dieser Müll nur Übertragungsvolumen und macht den Seitenaufbau langsamer, von besonders nervigen Online-Werbungs-Schnapsideen einmal ganz abgesehen.”
werden Werbekunden und Mobilfunkanbieter nicht gerne lesen …

@StephanEwald prepaid Alternativ Modell -> verdient ausführlichere Antwort,
klingt nett und einfach, aber (wie bei „einfachen“ Ökonomen-Modellen häufiger) technisch schwer undurchdacht (Datenvolumen)
Oder meinst Du sogar eine prepaid Karte pro Verlag ???
LOL zu unbequem, wovon träumst Du sonst ?

Insider August 8, 2014 um 13:58

Man sieht an der fehlenden Resonanz, dass das Thema außer kaum jemanden interessiert.

Zumal das einzige Ziel ist, den Internetlesern Geld aus der Tasche zu ziehen.

Insider August 8, 2014 um 14:09

… außer ein paar Journalisten kaum jemand interessiert.

Mario August 8, 2014 um 19:07

Dagegen! Ich werde alle stun um dies zu verhindern.

Der Aufstand August 8, 2014 um 23:45

Tja, der Holger hat es schon schön ausgedrückt mit dem was kommt bei Lübber an… Dem ist nichts hinzuzufügen. Außer noch:
Solange die Medien aber auch Meinungsbildend für die Masse sind solange gibt es weiterhin journalistische Prostitution. Ob nun in Form von Kraut oder wasweißich funding. Deswegen unterstütze ich garnichts.

"ruby" August 9, 2014 um 14:15

@ holger96

Logik des militärisch-industriellen Komplexes im Funktionssystem der Wirtschaft ist die weiteren Produktionen neuer Waffen, Raketen, Bomben … zu höchsten Preisen an Kundschaft zu verkaufen.
Das klappt mit dem aktuellen politischen System und Personal sehr, sehr gut. Und die Medien als Kultursubsystem machen den free Rider .
siehe Talcott Parsons
http://www.researchgate.net/publication/47873663_Medien_und_Gesellschaft__Die_Medienkonzepte_von_Talcott_Parsons_Jrgen_Habermas_und_Niklas_Luhmann/file/79e41507d08cd855f2.pdf

f.luebberding f.luebberding August 10, 2014 um 12:28

Im update der Hinweis auf den heutigen FAS-Artikel.

fritz August 10, 2014 um 13:39

@Luebberding “Aber letztlich war das immer die Differenz zwischen Boulevardmedien und der Qualitätspresse gewesen. Nämlich die Bedeutung journalistischer Kriterien.”
Das ist natürlich richtig und betrifft die Unabhängigkeit der Redaktion. In besseren Zeiten war die Trennung zwischen kaufmännischer Geschäftsleitung und dem Redaktionskollektiv ziemlich eindeutig und “gute Tradition” – eben mit Ausnahme von Medien, die sozusagen allein kaufmännisch “regiert” wurden. Unter den heutigen Bedingungen ist das kaufmännische Denken zunächst von den Chefredaktionen adaptiert worden (“Zahlenverantwortung” nicht mehr nur bei Vertrieb und Anzeigenakquisition, sondern dann auch immer mehr bei Chefredakteuren). Dann auch im Online-Bereich von den Redakteuren, die immer mit der Controlling-Perspektive identifizieren müssen, die man sich heute vermutlich minütlich ansehen kann und dann zu den gängigen Hitparaden führt (“Meist gelesen heute “).
Der Trend zur Boulevardisierung der professionellen Redaktionen ist von daher heute solange unausweichlich, wie die Quote der einzige Strohhalm ist, an dem sich der Bezahljournalismus noch festhalten kann. Hat sich irgendwo ein privater TV-Sender mit nennenswerten inhaltlichen Kriterien etabliert? Ich glaube nicht. Bei den Zeitungsmarken sind heute auch schon enorme Abstände zwischen dem traditionellen Markenkern und dem Gebaren im Online-Sektor zu sehen.
Es geht mE gar nicht ohne neue Geldquellen, wenn man die früheren Funktionen des Redaktionskollektivs stärken möchte, und es dürfte ein schwerer Fehler sein, wenn man die Geldfrage den Kaufleuten (Verlagsinhabern) überlässt.
Übrigens: Das LSR hätte vielleicht einen Ansatz bieten können, leider wurde die Debatte von den “netzpolitischen” Opponenten vergeigt, so dass – wenn überhaupt – etwaige Gelder jetzt kaufmännischen Gesichtspunkten folgen und lediglich bei den Kaufleuten landen, während der professionelle (im Kollektiv erstellte und verantwortete) Journalismus sich immer weniger inhaltliche Prüfungen und Kriterien leisten kann. Es läuft am Ende dann wohl auf Mäzenatentum, Stiftungen und öffentliche Gelder hinaus (analog zur Literaturszene), der Rest sind eventuell Spezialisierungen mit qualitativem Mehrwert (z.B. Wirtschaft, Sport, Kultur) plus “Massenangebote” circa auf dem Niveau von Privatfernsehen. Auf keinen Fall sollte das Publikum glauben, es könne mehr Qualität bekommen, wenn es weniger oder nichts dafür zahlt.

Insider August 10, 2014 um 15:11

@F.L.
Dazu jetzt auch ein lesenswerter Artikel in der heutigen FAS.

Lesenswert ist der Artikel von Hank et al. schon allein aufgrund der dargestellten Fakten. Aber es ist kein guter Artikel, sondern ist selbst ein Ausdruck des Niedergangs von Journalismus.
Da sind – wie häufig – die Kommentare besser als der Artikel.

Freigesetzter August 11, 2014 um 11:05

Solange ich als nur rudimentär englisch Lesender in der deutschsprachigen Presse statt Meinungspluralismus nur Einheitsbrei zu sehen bekomme zahle ich nix.
Deutschsprachige Zeitungen unterscheiden sich nur noch in den unterschiedlichen Adressen der Trauerhäuser im Lokalteil.
Da gewöhne ich mir eher das Lesen ab oder mache bei der VHS einen Crashkurs “Änglisch for Runnaways”.

Insider August 11, 2014 um 13:55

Die Schizophrenie der Journalisten besteht darin, dass sie „ihre“ Zeitungen an zahlende Leser verkaufen wollen, aber keine Zeitung machen, welche den Interessen der Leser dient.
In Ihren Artikeln vertreten sie die Interessen der Eigentümer der Medien, also der Milliardäre, und die Interessen der großen Anzeigenkunden. In den ÖR-Medien sind es die Interessen von Regierung und Parteien.

So intelligent und kritisch sind jedoch JournalistInnen häufig nicht, diesen Widerspruch zu erkennen, ihn zu thematisieren und entsprechend zu handeln.

Den meisten fehlen unternehmerischer Geist, Mut und Kreativität.

Stattdessen wählen sie die „A-Kriecher-Tour“. In Polen heißt es: S-Lutscher-Tour.

Andreas Kreuz August 11, 2014 um 14:30
"ruby" August 11, 2014 um 17:18

@ AK
herrlich das Asterix Obelix Zitat
;-)

Sebastian Heiser August 14, 2014 um 13:34

Hallo tera euro, leider gibt es zu wenige Leser wie Dich, die für Online-Journalismus zahlen möchten. Du glaubst, dass das an den Zeitungen liegt, weil die den Lesern das Bezahlen nicht leicht genug machen. Ich habe das auch mal geglaubt. Inzwischen glaube ich, dass es an den Lesern liegt – weil die meisten von ihnen in Wirklichkeit gar nicht zahlen wollen.

Bei der taz haben wir vor gut drei Jahren „taz zahl ich“ eingeführt und unsere Leser darum gebeten, für die Artikel auf taz.de zu bezahlen. Im Mai zahlten unsere Leser 10.634,28 Euro. Der Mai war damit ein ziemlich durchschnittlicher Monat. Im Jahr nehmen wir also so rund 130.000 Euro über „taz zahl ich“ ein.

Es ist sehr gut, dieses Geld zu haben und für freuen uns sehr über jeden Leser, der für taz.de bezahlt. Es sind leider nur zu wenige Leser. Angesichts der vielen Leute, die taz.de Lesen, und angesichts unserer Kosten, um die Inhalte zu erstellen, stehen die Zahlungen in einem krassen Missverhältnis.

Im Mai 2014 haben 1,45 Millionen Menschen (Unique User) uns 4,35 Millionen Mal besucht und dabei 10,85 Millionen Seiten aufgerufen (Page Impressions). Im Schnitt zahlten die Leser also 0,2 Cent pro Besuch auf taz.de.

Wie viel die Leser fairerweie bezahlen sollten? Wenn 30 Prozent der Menschen, die taz.de lesen, im Monat 3,64 Euro pro Monat zahlen würden, hätten sie damit eine Flatrate für das unbegrenzte Lesen aller Artikel und wir könnten damit die komplette Redaktion finanzieren. (http://blogs.taz.de/hausblog/2013/10/08/wie-viel-sollte-man-als-leser-fairerweise-fuer-taz-de-bezahlen/)

Die taz hat rund 250 Festangestellte und unzählige freie Mitarbeiter. Im Jahr 2013 hatten wir Ausgaben von 26,7 Millionen Euro. Die freiwilligen Zahlungen für taz.de deckten gerade mal 0,5 Prozent dieser Ausgaben. taz.de wird derzeit also von den Lesern der gedruckten Ausgabe querfinanziert.

Jetzt ist die Frage: Warum zahlen die Leser für den Journalismus, der ihnen auf tote Bäume gedruckt mehr als 20 Millionen Euro wert ist, im Internet nur einen so kleinen Bruchteil?

Deine Vermutung ist: Weil es so kompliziert ist. Für „taz zahl ich“ bieten wir sieben verschiedene Zahlmöglichkeiten. Im Mai wurden diese wie folgt genutzt:
112,50 Euro über Kreditkartenzahlungen
166,40 Euro über SMS
452 Euro per Flattr
456,36 Euro über Paypal
583,03 Euro per einmalige Einzugsermächtigung
1053,04 Euro per Überweisung
7.811,35 Euro per regelmäßiger Einzugsermächtigung

Die einfachste Zahlmöglichkeit ist per Flattr: Ein Klick (wenn man schon registriert ist). Bei Paypal muss man sich zum Zahlen einmal einloggen (wenn man schon registriert ist). SMS klappt auch ohne Registrierung: Wer damit bezahlen will, muss einmal seine Handynummer auf unserer Webseite eingeben, bekommt dann sofort eine SMS mit einem Bestätigungscode mit sechs Ziffern, und gibt den Code wieder auf der Webseite ein. In 30 Sekunden ist man da durch. Und ein Handy hat jeder immer dabei.

Dabei machen wir eine Menge, um die Leute vom Bezahlen für taz.de zu überzeugen. Es gibt eine Artikelserie auf taz.de (http://www.taz.de/!t3553/), wir machen die Zahlungen transparent (http://blogs.taz.de/hausblog/category/taz-zahl-ich/), wir haben kürzlich Bitcoin als achten Zahlungsweg ergänzt, es gibt einen Twitter-Account mit Kommentaren von Zahlern (https://twitter.com/tazzahlich), wir machen auf taz.de mit verschiedenen Werbemotiven auf die Sache aufmerksam (http://taz.de/Neue-Paywahl-Motive/!126943/) und die taz gehört einer Genossenschaft: So wissen die Leser, dass bei uns jeder gezahlte Euro in Journalismus fließt und nichts davon an renditehungrige Eigentümer ausgeschüttet wird.

Interessant in dem Zusammenhang finde ich den Vergleich mit dem ePaper der gedruckten Ausgabe. Das ePaper kostet 12,95 Euro im Monat, wer schon ein Print-Abo hat, kann das ePaper für 1 Euro pro Woche dazubuchen. Im letzten Jahr haben unsere Leser 862.000 Euro für das ePaper gezahlt. Also mehr als sechsmal so viel wie für taz.de!

Das ePaper ist quasi ein PDF der gedruckten Ausgabe, optimiert auf die Ansicht auf einem Medium mit 47 Zentimetern Höhe und 28 Zentimetern Breite. Auf einem Computerbildschirm und erst recht auf einem Tablet muss man die ganze Zeit zoomen und scrollen. Dagegen ist taz.de auf genau das Medium optimiert, auf dem es angezeigt wird (für Handys haben wir die Mobilversion m.taz.de). Wenn in einem Artikel eine Webseiten-Adresse steht, kann man die im ePaper nicht anklicken, auf taz.de schon. Das ePaper erscheint erst gegen 20 Uhr, wenn die meisten Artikel aus dieser Ausgabe schon ein paar Stunden kostenlos auf http://www.taz.de stehen. Auf taz.de gibt es zu jedem Artikel auch Links zu früheren Artikeln zum gleichen Thema. Nur auf taz.de sind Videos eingebunden, es gibt Themenschwerpunkte, Fotogalerien und interaktive Karten. Wer taz.de mit dem ePaper vergleicht, muss zu dem Schluss kommen, dass das ePaper kaputt ist.

Trotzdem zahlen die Leser viel mehr Geld für das ePaper und nehmen dafür sehr komplizierte Zahlungswege in Kauf. Der Trend ist dabei wie folgt: Die Zahlungen für das ePaper haben sich im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Die Zahlungen für taz.de stagnieren auf gleichbleibendem Niveau. Ich halte damit die These für wiederlegt, dass die Leser deshalb nicht für taz.de zahlen, weil es so kompliziert ist. Meine These ist, dass sie für taz.de nicht bezahlen wollen, weil sie es auch kostenlos bekommen.

Die Schlussfolgerung daraus ist nicht, dass taz.de kostenpflichtig werden muss. Wir verdienen gutes Geld mit der gedruckten Ausgabe. Die taz wurde ja nicht gegründet, um möglichst viel Geld zu verdienen. Wir freuen uns, dass wir online so viele Menschen erreichen. So lange wir mit der Print-Ausgabe (und dem ePaper) so viel Geld verdienen, dass wir damit unsere Journalisten bezahlen können, können wir die Artikel auch auf taz.de verschenken für Leute, die nichts zahlen wollen.

glühwürmchen August 14, 2014 um 17:03
Hardy August 19, 2014 um 09:25

“Dazu jetzt auch ein lesenswerter Artikel in der heutigen FAS.”

hahaha, ja genau, ein Artikel, bei dem die Kommentare schon wieder gesperrt sind. Die lernen es einfach nicht.

Hier noch etwas schönes zur Gesinnungspresse in Deutschland:

http://www.hintergrund.de/201408153197/hintergrund/medien/mh-17-der-glaubwuerdigkeits-gau.html

Hardy August 19, 2014 um 09:28

@Sebastian Heiser

” Ich halte damit die These für wiederlegt, dass…”

Und ich halte hiermit die These für widerlegt, dass Deutsche Qualitätsjournalisten (TM) die deutsche Sprache beherrschen.

Keynesianer August 19, 2014 um 10:03

@Sebastian Heiser

Jetzt ist die Frage: Warum zahlen die Leser für den Journalismus, der ihnen auf tote Bäume gedruckt mehr als 20 Millionen Euro wert ist, im Internet nur einen so kleinen Bruchteil?

Antwort: Es sind nicht dieselben Leser.

Auch ich klicke ab und zu auf einen Artikel der TAZ, wie unlängst mehrfach zum Thema der Ukraine. Der Grund ist, dass ich wissen will, ob die TAZ ebenso korrupt berichtet wie die übrigen Medien. Ich lese also die Artikel nur, um dann meinen Verdacht bestätigt zu finden, dass die TAZ wieder genau so gleichgeschaltet ist wie die übrige Lügenpresse.

Dafür zahle ich doch nicht auch noch!

Ihr solltet einen weiteren Antwortbutton bei der Frage ergänzen, ob ich für diesen Artikel zahlen will, nämlich “Nein, für diesen Drecksartikel niemals!”.

Die TAZ war aber schon immer schlimmer als der Spottname “Kinder-FAZ” vermuten lässt.

Schon in ihren allerersten Tagen hat die TAZ keinerlei Kritik an der damaligen Hochzinspolitik gebracht, mit der zu Beginn der 80er Jahre Krise und Massenarbeitslosigkeit bewusst erzeugt wurden.

Ganz im Gegenteil übrigens zur damaligen FR, aber nur in Gestalt des Wirtschaftsredakteurs. Die FR hatte ich darum damals abonniert, später natürlich auch nicht mehr.

Ich zahle doch nicht auch noch dafür, mich anlügen zu lassen!

Das dürfte die Lesergruppe sein, die auf einzelne Artikel auf TAZ.de zugreift, um sich davon zu überzeugen, dass die TAZ auch bei diesem Thema den Platz auf dem Monitor nicht wert ist. ;)

Die Käufer der Holz- und der PDF-Version werden der Lesergruppe angehören, die nicht ihre Infos freihändig aus dem Internet bezieht, sondern die herrschende Meinung nachplappert und sich dabei aber als revolutionärer Kopf fühlen will. Das sind also die Schäflein, die gar nicht ahnen, wie sie verarscht werden. Die könnten auch die FAZ lesen, aber dann wäre ja offenkundig, dass sie nur Opportunisten und keine revolutionären Köpfe sind, darum TAZ statt FAZ, auch wenn der Inhalt gleich ist.

Bei vielen Schäflein dieser Sorte ist das TAZ-Abo einfach ein Statusobjekt:

“Ich bin ein kritischer linker Leser!” :) :) :)

Meinen die noch und zahlen dafür, denn umsonst wäre das nichts wert, das muss schon auch Geld kosten. Nicht gleich so viel wie ein Porsche, aber umsonst darf es als Statusobjekt auch nicht sein, so wenig wie geschenkte Porsche für jeden.

Andreas Kreuz August 19, 2014 um 12:11

Ja, es ist schon traurig,
dass niemand mehr zahlen will
und kaum noch einer lesen kann…

http://derstandard.at/2000004429955/13-Zeitungskassen-aufgebrochen-und-1470-Euro-erbeutet

Andreas Kreuz August 19, 2014 um 12:11

Oder ist es vielleicht auch umgekehrt?

no.name August 22, 2014 um 09:00

In eingener Sache. Aber mit Bezug zur Sache.

Frank Sieren betreibt ein Medien Unternehmen in China und berichtet u.a. für die DW (die von größtenteils von Steuergeldern finanziert wird). Den “Offener Brief zur Kampagne gegen die China-Berichterstattung der Deutschen Welle” hat er als Erstunterzeichner unterschrieben. Damals verlor eine Mitarbeiterin der DW ihren Job weil sie (nachweislich) Propaganda der chinesischen Staatsorgane unreflektiert über die DW verbreitete. Jetzt Frank Sieren. Die Journalistin Su wagt über Twitter Kommentare gegen Sieren abzusetzen. Su arbeitet wie Sieren auch für die DW. Ohne China Kenntnisse kommt man hier nicht weiter. In der chinesischen Blog Szene (Taiwan und Hongkong) wird der Fall klar als Eingeständnis der DW gegenüber der Zentralregierung China gewertet freundlicher über China zu berichten. Es gibt enge Kontakte der DW Mitarbeiter und der chinesichen Botschaft. Über die Blogzene erhält man konkrete Hinweise. Auf der anderen Seite brauchen wir gute Wirtschaftsbeziehung. Wen interessiert es schon, was damals wirklich passierte ausser den dummen Leser. Der ooto-normal Beamter ist eher daran interessiert, dass von der Wirtschaft keinen Druck bekommt und die China-Berichterstatter und Sinologen wollen sich mit China gutstellen, damit sie weiterhin Visa sowie Einladungen erhlalten. Fairer Berichterstattung? Wen interessiert es ??? Haben die Medien abseits des Mainstreams einen Sinn?

Peter Limbourg

no.name August 22, 2014 um 09:08

P.S. Su hat ihren Job verloren, weil sie in der offiziellen Autoritätsstruktur unter Sieren steht und weil sie in ihrer Funktion Gewehr bei Fuss den Feed auf Twitter nicht absetzen hätte dürfen. Das ist ja der Witz dabei. So können demokratische Medien nicht funktionieren. Ein Sender, eine Stimme. Und das unter der Aufsicht politischer Interessen. Der Fall wäre für mich weniger dramatischer, wenn Su ihren Job hätte behalten dürfen. Aber hier zeigt, wie Druck auf die Berichterstattung und auf die private Meinung der Mitarbeiter ausgeübt wird. Ausserdem sollten wir uns erinnern, dass in diesem Jahre diverse Blogger und auch Journalisten in China verhaftet worden sind. Dass dennoch der Pro-China Fraktion grünes Licht gegeben wird, zeigt wie korrupt auch unser System ist. Wirtschaft und Geldinteressen ist Trumpf! Aber wozu sich dann noch über die Medien informieren? Aus dem Mix aus Wahrheit und Propaganda werde ich nicht mehr klug.

f.luebberding f.luebberding August 22, 2014 um 09:19

no.name

Der Kommentar ist natürlich nicht von Peter Limbourg. Limbourg ist Intendant der Deutschen Welle. Es geht um folgenden Sachverhalt, den man hier und hier nachlesen kann. Der Hinweis auf die Debatte in China ist aber interessant.

no.name August 22, 2014 um 10:42

@Frank

Auf die Schnelle habe ich das hier gefunden (mit englischer Übersetzung):

https://www.facebook.com/Free.Liu/posts/10152653214473210

Interessant, dass Du auf Limbourg verweist. ;-)

Sohn eines Diplomaten und in den von Dir verlinkten Artikeln wird sein Name sls zentrale Person in dieser Sache nicht erwähnt. Es gibt einen Verweis im Spiegel Artikel darauf, dass Su in einen offenen Brief sich an den DW Intendanten wendete. Man stelle sich vor Kopernikus wendete sich in einen offenen Brief an den Papst. Warum wird nicht erwähnt, dass er sie feuerte. Er muss sich doch nicht hinter einer Intution verstecken, wenn den Insidern doch klar ist, das er sie führt. Wozu also dieses Katz und Maus Spiel? Der chinesische Botschafter und seinem Mitarbeitern im Aussenmisterium werden die Sache zu interpretieren wissen. Sollte mich nicht wundern, wenn diese Aktion für Limbourg und seine China Beziehung förderlich sein sollte. So funktioniert Macht. Aber mit Aufklärung hat das nichts zu tun. Cheers!

Trotzdem sehr Schade diese Wendung.

no.name August 22, 2014 um 10:45

Auszug aus dem von mir oben verlinkten Artikel:

“Su said DW Director General Peter Limbourg earlier this year told staff that he visited Chinese Ambassador Shi Mingde in Berlin before Limbourg took office. Limbourg demanded the staff at DW’s Chinese language section promote the Chinese government, not just criticizing it. Before taking the DW top job, Limbourg attended several China-Germany Media Forums, sponsored and organized by Global Times (top Chinese propaganda machine)”. Chinese media (in English) coverage of Limbourg’s China visits. http://english.sina.com/china/2010/0520/320676.html
Chinese language coverage: http://baike.baidu.com/view/9909662.htm

Andreas Kreuz August 22, 2014 um 11:57

Ich lese gerade Guy de Maupassant.
Kommt im Folgenden etwas bekannt vor?
Vielleicht Modernes?

Die ‘Vie française’ war in erster Linie ein Finanzblatt, denn ihr Besitzer war ein Geldmann, dem Zeitung und Abgeordnetenhaus nur als Mittel dienten.
Seine Waffe war ein gewisses biedermännisches Auftreten, er hatte seine Spekulationen immer unter der lächelnden Maske des braven Mannes vollführt. Aber zu allen seinen Geschäften, welcher Art sie auch immer sein mochten, nahm er nur erprobte Leute, die er genau kannte, von denen er wußte, daß sie gerissen, rücksichtslos und geschmeidig waren. Duroy, den er nun zum Lokal-Redakteur ernannt, schien ihm eine besonders wertvolle Kraft zu sein.
Bis dahin hatte diese Stelle der Redaktions – Sekretär Boisrenard ausgefüllt, ein alter, zuverlässiger Journalist, pünktlich und peinlich wie ein Beamter. Seit dreißig Jahren war er Redaktions-Sekretär bei elf verschiedenen Blättern gewesen, ohne im geringsten seine Anschauungs- und Handlungsweise zu ändern. Er ging von einer Redaktion in die andere über, wie man ein Restaurant wechselt und kaum dabei merkt, daß das Essen dort ganz anders schmeckt. Religiöse oder politische Ansichten hatte er nicht. Bei welchem Blatt er auch immer arbeitete, er war ihm ganz ergeben und äußerst brauchbar und wertvoll wegen seiner reichen Erfahrung. Er arbeitete wie ein Blinder, der nichts sieht, wie ein Tauber, der nichts hört und wie ein Stummer, der nichts sagt. Dennoch hatte er eine große Ehrlichkeit im Beruf und wäre für nichts zu haben gewesen, was er nicht für anständig und richtig gehalten hätte, nach seinen Standesansichten.
Obgleich ihn Herr Walter schätzte, hatte er doch oft einen andern als Redakteur für das Lokale gewünscht, das, wie er sich ausdrückte, das Rückgrat der Zeitung ist. Denn im lokalen Teil konnte man Nachrichten lancieren, Gerüchte verbreiten, und auf Publikum und Kurs einen Druck ausüben.
Zwischen die Beschreibung zweier Feste in der Gesellschaft muß man verstehen, ganz harmlos die wichtigste Sache einfließen zu lassen, nicht deutlich, nur andeutungsweise. Durch einen Doppelsinn muß man seine Absicht erraten lassen, indem man so dementiert, daß das Gerücht gerade Bestimmtheit annimmt, oder in einer Form etwas behauptet, daß kein Mensch an die Thatsachen glaubt. Im lokalen Teile muß jeder täglich mindestens ein paar Zeilen finden, die ihn interessieren, damit ihn jeder liest; an alle und alles, an alle Gesellschaftsschichten, an jeden Beruf muß gedacht werden, an Paris wie an die Provinz, an das Militär wie an die Geistlichkeit, an die Künstler wie an die Universitäts-Professoren, an die Stadtverwaltung wie an die Halbwelt.
Wer den lokalen Teil unter sich hat, und damit einen ganzen Stab von Reportern, muß bei jeder Kleinigkeit auf seiner Hut sein, alles beobachten, vorhersehen, er muß gerissen sein, immer bei der Hand, zu allem fähig, und einen unfehlbaren Instinkt haben, um auf den ersten Blick das Falsche an einer Nachricht zu erkennen, und beurteilen zu können, was man sagen kann und was man lieber verschweigt, vor allem aber zu fühlen, was auf das Publikum Eindruck macht. Und das alles muß er in einer Form wiedergeben können, die die Wirkung davon noch erhöht.
Herr Boisrenard, der eine lange Praxis für sich hatte, besaß doch nicht genug Blick und Chik, vor allen Dingen fehlte ihm die angeborene Schlauheit, um jeden Tag die geheimen Wünsche des Chefs zu erraten.
Duroy würde sicher die Geschäfte vorzüglich leiten, und er würde ausgezeichnet den Redaktionsstab dieses Blattes ergänzen, das, wie Norbert von Varenne sich ausdrückte, »auf den Strömungen des Staates und den Unterströmungen der Politik schwamm.«

Zitat aus:

Guy de Maupassant
Der Liebling
Gesammelte Werke 9
Übersetzung: Georg Freiherr von Ompteda
Siebentes Tausend
Egon Fleischel & Co.
1914
(freies E-Book)

Natalius August 22, 2014 um 17:30

Herrlich zu lesen in diesem Zusammenhang:
Eva’s Wut tut gut!
“Es ist soweit: Die Krise in den Medien nimmt deutlich Gestalt an. Ein riesiger, prachtvoller Glaspalast, der seit einem Jahrhundert auf einflussreichem Podest stand, beginnt jetzt zu splittern, er bricht ein. Warum? Ganz einfach: Weil sein Fundament instabil ist: der Sturz war vorprogrammiert. Denn es fehlte von Beginn an der Wille zur reinen Wahrheit. Nun fordern immer mehr Menschen von unseren Journalisten einen Tag der Wahrheit. Gerade am Beispiel der Ukraine-Russland-Berichterstattung werden die Medienlügen derzeit immer deutlicher.”
Weiterlesen: http://german.ruvr.ru/2014_08_22/Tag-der-Wahrheit-Westliche-Medien-vor-dem-Zusammenbruch-9598/

Andreas Kreuz August 22, 2014 um 20:23

Wiesaussieht wird es leise,
wenn sich die Übeltäter ertappt fühlen?

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