Putin und die Realpolitik

by f.luebberding on 28. August 2014

Im Konflikt über die Ukraine kommt Bewegung. In diesem Fall über die Grenze zu Russland, wie uns russische Medien treuherzig versichern. Über die Klugheit der westlichen Politik in dieser Region kann man sicher diskutieren. Jeder hätte die Grenzen eines geopolitischen Konflikts vor der Haustür des immer noch größten Staates der Welt vorher kennen können. Insofern muss sich niemand wundern, wenn der Kreml jetzt am längeren Hebel zu sitzen scheint. Die ökonomische Lage der Ukraine ist desolat, ihre militärischen Fähigkeiten bescheiden und der Zustand ihrer politischen Führung trostlos. Gleichzeitig wird der Westen eine direkte militärische Konfrontation mit Russland nicht riskieren. Ein Kriegsgrund wäre ein Übergreifen auf einen NATO-Staat, etwa im Baltikum, wenn auch Defaitisten sogar daran Zweifel aufkommen lassen. Oder wie ist der Essay von Bernd Ulrich in der heutigen Zeit sonst zu verstehen? Eine Politik, die vor Monaten die realpolitische Konstellation der Ukraine-Krise souverän ignorierte, sollte jetzt nicht deren vermeintliche Ratlosigkeit konstatieren. So wartet man immer noch auf die Anträge der Grünen zur Aufstellung neuer deutscher Panzerbrigaden zur Abwehr der russischen Autokratie. Die Grünen sind jetzt aber in den Nordirak weitergezogen, wie man lesen kann. Das ändert aber alles nichts an der Dreistigkeit, die Russland gerade an den Tag legt.

Bisher agierte der Kreml im Verhältnis zu den Separatisten, wie man es aus dem Handbuch der von auswärtigen Mächten unterstützten Guerilla kennt. Er liefert Waffen, sorgt für Rückzugsräume und hilft bei der Abordnung sogenannter “Freiwilliger” auf den Kriegsschauplatz. Vergleichbar agierten etwa die Nordvietnamesen in Südvietnam, China im Koreakrieg oder die USA in Nicaragua. Man könnte noch weitere Beispiele nennen. Solche Konflikte werden zu Stellvertreterkriegen von Tertiärmächten. Diese achten dabei darauf, nicht in direkte Kampfhandlungen verwickelt zu werden. Niemand hat ein Interesse an einer Eskalation. Selbst wenn es dazu kommen sollte, wird es zumeist erst Jahrzehnte später der Öffentlichkeit bekannt. So kam es im Koreakrieg von 1950 bis 1953 zu Luftkämpfen zwischen russischen und amerikanischen Piloten. Die Unterstützung der Tertiärmachte für die Konfliktparteien verfolgt dabei zumeist einem Kalkül: Beide Seiten wollen die Niederlage ihres Verbündeten verhindern, wenn sie schon nicht in der Lage sind, den Krieg zu gewinnen. Die Fortsetzung des Krieges hat dabei die Funktion, einen Kompromiss möglich zu machen, der es beiden Seiten erlaubt, das Gesicht zu wahren. Unter dieser Bedingung ist das Handeln der Konfliktparteien zu beurteilen.

Was bedeutet das heute für die Ukraine? Russland hat ein Ziel: Die militärische Lage der Separatisten zu deren Gunsten zu verändern. Daran ändern auch die PR-Komödien über russische Hilfslieferungen nichts. Eine direkte Intervention durch russisches Militär muss aber den Westen zu Reaktionen zwingen. Er wird sich einen Gesichtsverlust nicht leisten können. Das ist völlig unabhängig davon, wie man dessen bisherige Ukraine-Politik beurteilt. Der Westen wird eine offene Niederlage der Regierung in Kiew nicht hinnehmen. Er ist damit in eine vergleichbare Lage geraten, wie Russland nach dem Sieg des Maidan in Kiew. Russland musste diesen Umsturz als einen Angriff auf seine fundamentalen Interessen definieren. Der Westen hatte nämlich deutlich gemacht, dass es in Zukunft keine Rolle mehr spielen sollte. Die völkerrechtswidrige Annexion der Krim und die Politik der Destabilisierung des Ostens der Ukraine war die Konsequenz gewesen. Russland versuchte man damit aus der Defensive herauszukommen, in die ihn der Westen gedrängt hatte. Das konnte wirklich nur den überraschen, der Außenpolitik für einen Ponyhof hält.

Russland droht jetzt allerdings diese Schraube zu überziehen. Oder soll der Westen mit den gleichen verdeckten Operationen die Niederlage der Regierung in Kiew verhindern? “Freiwillige” zu finden, ist nur eine Frage der Bezahlung. Man kann auch reguläre Einheiten in solche umdeklarieren. Da sollte man sich im Kreml nichts vormachen. Die Folge wäre eine Fortsetzung des Krieges. Dazu kommt der politische Druck auf den Westen, die nach der Annexion der Krim angekündigte Eskalation in der Sanktionspolitik umzusetzen. Keine Seite kann sich einen Gesichtsverlust leisten, der die Glaubwürdigkeit der eigenen Politik und der Bündnisstrukturen in Frage stellt. Das galt im Februar für Russland als es hilflos der Entwicklung in der Ukraine zusehen musste. Das gilt Ende August für den Westen, der gerade seine eigenen Grenzen erleben muss.

Russlands Präsident Putin wird den Westen in diesem Konflikt nicht besiegen können. Das wäre der gleiche Denkfehler, den der Westen gegenüber Russland im Winter vergangenen Jahres gemacht hat. Er ist aber heute auf dem besten Weg, ihn zu wiederholen und seine Gegner zu unterschätzen. Beide Seiten können es aber auch mit dem Kompromiss versuchen, den jeder schon längst kennt. Die formale Anerkennung der Separatisten als Konfliktpartei braucht dem nicht im Wege zu stehen. Sie werden in Zukunft keine Rolle mehr spielen. Sie waren bloße Bauern im Spiel der großen Mächte.

update

Immer lesenswert: Die Lagebeobachtungen bei Thomas Wiegold.

Die Feinheiten im diplomatischen Sprachgebrauch sind immer wieder faszinierend.

Das passiert immer auf dem Weg zum Kompromiss.

17:00 Uhr

In der Tagesschau wird gerade folgende Erkenntnis mitgeteilt. Es ist Krieg. In Vietnam gab es nach 1945 in wechselnder Besetzung 30 weitere Jahre Krieg. Was will uns jetzt die Tagesschau sagen? Dass der in der Ukraine noch 29 Jahre dauern könnte? Oder sich der Westen direkt in diesen Krieg einmischen soll? Dieses Gerede überfrachtet Außenpolitik mit Empörung, Wut und einem Überschuss an Moral. Es ist wahrscheinlich das einzige Moment, was die Lage außer Kontrolle bringen könnte. Bisher agieren nämlich alle Seiten durchaus rational. Wie im Text mit Verweis auf den Huntington-Artikel erläutert, müssen die Sekundär- und Tertiärmachte zum Verrat an den Primärmächten bereit sein, wenn sie die Kontrolle über die Entwicklung behalten wollen. Sowohl die Regierung in Kiew als auch die Separatisten fürchten berechtigterweise Kompromisse zu ihren Lasten.

Die NATO spricht nicht von einer Invasion, weil sie sich nicht unter Zugzwang setzen lassen will. In solchen Konflikten geht es nicht um die sogenannte Wahrheit, sondern wie man Tatbestände politisch und rechtlich beschreibt. Deswegen hatten weder Russland, noch China ab 1965 die amerikanischen Luftangriffe auf Nordvietnam als Invasion interpretiert. Das galt solange Washington die unsichtbare Grenze einer Ausweitung des Landkrieges auf Nordvietnam vermied. Das hätte damals zwangsläufig den Einsatz der im Korea-Krieg berühmt gewordenen Freiwilligen-Regimenter Chinas bedeutet (Sie hießen wirklich so). Aus dem Grund akzeptierten die USA diese unsichtbare Grenze in der militärischen Eskalation des Krieges.

Insoweit ist es aber für den Westen in dieser Situation unausweichlich, eine weitere Verschärfung der Sanktionen anzukündigen. Wohl verbunden mit der Hoffnung, dass die Armee der Ukraine nicht vor dem Kollaps steht. In den Kalkülen beider Seiten geht es einerseits um maximale Eskalationsdominanz, um Druck aufzubauen, andererseits um Eskalationskontrolle. Wer will schon in einen Krieg hineinrutschen? Noch nicht einmal die Wütenden und Empörten. Vor allem, wenn man gleichzeitig auf anderen Kriegsschauplätzen etwas ratlos ist. Insofern wird man heute im UN-Sicherheitsrat ein interessantes Schauspiel erleben. Zuerst wird man sich bzgl. der Ukraine Wortgefechte liefern. Um sich dann aber anschließend beim Tagesordnungspunkt Syrien zu fragen, ob sich die Großmächte dort wirklich von einer Miliz vorführen lassen wollen. Daran, so ist zu erwarten, hat niemand ein Interesse.

19:30 Uhr

Eric Bonse mit weiteren links. Außerdem der Kommentar von Berthold Kohler in der FAZ.

{ 915 comments… read them below or add one }

"ruby" September 1, 2014 um 23:24

The Eterbal Idol :

No one said it had to be this way
Why are we the victims of their
Final word
Dying world is killing us so slowly
I believe no god may save us now

Can’t you see what I see
Sinners say your prayers tonite
Your judgement day is here

Child tomorrow will die, not even
Born jesus our questions
He never seems to hear
Dying for the answers may be
The price we pay, to find the
Key to our lives
Is there a heaven is there
A hell
sponsored links
Who’s this god, tell me there’s
No god above, why
We chose what lord, deep
Within our souls
He’s not one thing
We are his spirit
We could save this world
From destruction day

Can’t you see what I see
You and I victims of
Their word
As the master of power
Try to poison our world
Greed money taken over
Their souls, you’re
Just mechanical brains
Politicians don’t know
Just don’t know
We can chance this world we
Live in, don’t let it die
https://www.youtube.com/watch?v=RnNUYlJozRE

niemand September 1, 2014 um 23:28

>”Merkel sagte, es könne nicht sein, “dass Russland das Recht hat, infrage zu stellen, wer Mitglied der NATOwird”.”

Die Dummdreistigkeit dieses Satzes muß man sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen.

Richtig, Russland wird nicht infragestellen, daß ihm Nachbarn zu Gegnern gemacht werden, sondern dies nötigenfalls unterbinden.

Leichtmatrosen.

Es fällt mir schwer das zu sagen, aber: Außenminister Westerwelle war wohl der letzte Bonner.

topi September 1, 2014 um 23:37

Merkel, als FDJ-Agitatorin in der Wolle gefärbte “Moderne”, sagt doch nix anderes als Goodnight.

Mit Russland muss ich nicht reden, wenn ich nicht will, weil es sich excludiert hat.

Die Panzer schaue ich mir dann auch nicht an, und wenn die Pipelines trocken bleiben, muss ich das auch nur wegkommunizieren.

” Wenn die Tatsachen nicht mit der Theorie übereinstimmen – umso schlimmer für die Tatsachen!”

niemand September 1, 2014 um 23:40

>”1. The Parties shall enhance practical cooperation in conflict prevention and crisis man agement, in particular with a view to increasing the participation of Ukraine in EU – led civilian and military crisis management operations…”

Flutscht…

niemand September 1, 2014 um 23:45

>”Mit Russland muss ich nicht reden, wenn ich nicht will, weil es sich excludiert hat.”

Nein, obiger O-Ton hat m.E. die Struktur:

Mit Russland muss ich nicht reden, wenn ich nicht will, weil ich nicht will.

niemand September 1, 2014 um 23:47

“obiger” = “der in Bezug genommene”

someone September 1, 2014 um 23:53

Klar, war eine spontane Erhebung:
http://kosmologelei.wordpress.com/2014/04/13/lagebeurteilung/

Vom 13.4.

someone September 1, 2014 um 23:54
topi September 2, 2014 um 00:04

~~~~~~~
>”Mit Russland muss ich nicht reden, wenn ich nicht will, weil es sich excludiert hat.”

Mit Russland muss ich nicht reden, wenn ich nicht will, weil ich nicht will.
~~~~~~~

wo soll denn da der Unterschied sein? ;-)

niemand September 2, 2014 um 00:22

Daß es sich zum Zeitpunkt der Aussage jedenfalls wohl noch nicht excludiert haben dürfte.

Im übrigen ist es amüsant, daß Merkel Friedensfragen nicht nur nicht erkennt, sondern sogar sprachlich grünelnd darüber räsoniert.

*

Kosmologelei – hart am Dreck.

niemand September 2, 2014 um 00:25

Oder vielleicht noch besser: “Excludiert” impliziert eine zu ahnende Handlung Russlands, während die Eskannnichtsein-Phrase eine argumentative Lücke markiert, die mit Wertegemeinschafts-Sprech ausgestopft wird – vulgo: Russland hat nicht gehandelt, weswegen dieser Ersatzgrund ausgesprochen wird, dessentwegen man Russland ignorieren könne.

ott0 September 2, 2014 um 00:49

Der internationalen politischen Führungskaste wird wohl langweilig in ihrer comfort zone und sucht nach dem besonderen Kick. Warum verortet ihr diese Leute auf verschiedenen Seiten? Die schießen sich nicht gegenseitig die Birne weg, dass ist common sense.

Es wird an einem neuen Aufzug des Klassikers gearbeitet und wir werden nicht die Zuschauer, sondern die Darsteller sein. In den Logen sitzen die mit den Abonnements.

Propaganda ist kein Spiel und auch kein Selbstzweck. Sie findet auf allen Seiten statt und hat zum Ziel irgendwo die eine entscheidende Frage wieder mehrheitlich mit ja zu beantworten, “Wollte ihr ……….?”

Hurrrrrrahhhh, was sagst du dazu?

Soldat Schwejk September 2, 2014 um 00:51

@ someone

Nu hatteste gerade mal ein Argument gebracht, auf das sich einzugehen lohnte, und nicht nur Hetze… aber prompt fällste wieder in den alten Trott zurück. Ist ja auch ‘ne lustige Seite, zu der Du da verlinkst… noch so einer, der besinnungslos Striche und Kreise auf Landkarten malt. Das scheint ein ansteckendes Virus zu sein. – Zur Beurteilung dieser Seite ist es aber vielleicht besser, man schaut sich einen aktuellen Beitrag an:

http://kosmologelei.wordpress.com/2014/09/01/mariupol-wartet/

Ja gut, da bleiben wohl keine Fragen mehr offen. Tolle Hetzseite hast Du da ausgegraben.

Aber Zitat daraus:

—> “Allein die neue russische Südfront im Donbass, von Novoasowsk über Mariupol bis Donezk ist gut 250 km lang.”

Wie kann so etwas möglich sein? Schau mal, das hier ist die offizielle Karte der ATO vom 1. September. :-)

http://image.112.ua/original/Sep2014/67962.jpg

Also, es gibt keine Südfront… Das ist eine defätistische Propagandalüge, daß es eine Südfront zwischen Mariupol und Donezk geben könnte. So etwas kann es gar nicht geben. Laß Dir das bloß nicht einreden,@someone, daß es da eine solche Südfront gibt. Die Helden der ATO vertreten europäische Werte, darunter auch die Wahrheit. Und wenn die auf ihre Karte keine Südfront malen, dann gibt es auch keine. Verstehste?

ott0 September 2, 2014 um 00:53

ich nehm ein e zurück

ott0 September 2, 2014 um 01:21

Übrigens, an alle Sandkastenstrategen, vom sterben und sterben lassen – auch das präziseste Scharfschützengewehr bläst dir bei ein bisschen Seitenwind bei allem guten Willen nur den halben Kopf weg. Wenn du das dann überlebst, kennst du die Schattenseite des gerechten Krieges.

Es gibt keine humanen Kriege – das der gute Grund eines Krieges ihn humanisieren könnte, ist die größte Propagandalüge überhaupt!

ruby September 2, 2014 um 01:26

“comfort zone”
“besonderer Kick”
Den könnse haben.

Senkung der Sozialabgaben
Begradigung des Steuertarifs im Bereich der kalten Progression mit höherer Sekantensteigung
http://de.wikipedia.org/wiki/Sekante
Vermögensabgabe 3%
Erbschaftssteuererhöhung
aktuelle Einheitswertermittlung
http://www.bdo.de/aktuelles/article/grundsteuer-finanzverwaltung-setzt-einheitswerte-und-grundsteuermessbetraege-vorlaeufig-fest/
Finanztransaktionsteuer

Fortsetzung vorgesehen
;-)

bleistift September 2, 2014 um 01:32

@ Linus

“Da braucht es mE schon einen grossen Zufall von aussen, um das Blatt noch zu wenden.
Also hätten die USA ihr “Kriegsziel” erreicht. Die EU bleibt ein Anhang der USA, Russland wird sich wohl oder übel Richtung BRICS orientieren müssen.”

Was soll dieser Schmarrn? Bist du so blind oder tust du nur so?
Wer sind denn die “die Europäer”? Haben die sich irgendwie aus der Taufe gehoben?
Die EU ist ein Zusammenschluss unabhängiger Staaten mit dem Ehrgeiz mehr sein zu wollen. Gibt es eine europäisch Aussenpolitik? Gar eine europäische Armee?
Ich habe dich in einem anderen Thread schon mal darauf hingewiesen. Polen wird wenig Motivation besitzen sich von den USA zu emanzipieren. Worauf du mich darauf hingewiesen hast, dass du von Europa sprechen würdest.
Ja, Europa, Deutschland, Polen. Das ist halt das Problem. Du identifizierst Europa ganz selbstverständlich mit Deutschland. Womit du streng genommen eben nicht von Europa redest, sondern von einer Art Groß-Deutschland. Zu Europa gehört nämlich durchaus auch Polen, das Baltikum usw.
Die Sicherheitsinteressen Deutschlands oder Polens divergieren nunmal. Und solange Europa keine gemeinsame Aussen- und Sicherheitspolitik besitzt ist es nur natürlich, dass osteuropäische Staaten sich an starken Partnern orientieren.
Solange du nicht bereit bist für Polen oder das Baltikum einen Weltkrieg zu riskieren, solange musst du dich nicht wundern, dass die USA in Europa Einfluss besitzen.
Dein Europa gibt es nicht. Höchstens in deiner Phantasie und da eher als Groß-Deutschland.
Würde man deine Theorien in die Tat umsetzen so würden sich die feuchtesten Träume der Neu-Rechten erfüllen. Die EU wäre dann Geschichte. Entstehen würde ein riesiger Machtbereich bestehend aus der heutigen EU und der heutigen Russischen Föderation. Eine eurasische Union mit einem Übervater als Strippenzieher. Mal ganz abgesehen davon, dass ich persönlich nicht die geringste Lust hätte in einer solchen eurasischen Union zu leben (ich würde mein Köfferchen packen und dem Hergott danken, dass ich die amerikanische Staatsbürgerschaft besitze), wäre es unweigerlich der Beginn eines neuen großen Krieges.
Nur wie gesagt, die EU ist nicht Groß-Deutschland. Nicht nur Polen oder das Baltikum auch Frankreich oder England hätten keinen Bock auf eine eurasische Union (zumindest solange Le Pen nicht Präsidentin wird).
Bislang habe ich dich nicht als Neu-Rechten gesehen. Eher als einen relativ vernünftigen Menschen. Muss ich meine Meinung überdenken?
Oder bist du nur einfach auf deinem antiamerikanischen Auge blind?
Wenn du die EU unabhängig machen willst gegenüber den USA (was ich durchaus begrüßen würde), dann geht das nur unter Einhaltung einer Reihe von Bedingungen:
1. Du musst aufhören die EU mit Groß-Deutschland zu verwechseln und anfangen die unterschiedlichen Interessen innerhalb Europas mit zu berücksichtigen.
Kein nennenswerter europäischer Staat will ein Eurasien.
2. Die EU muss auch unabhängig werden gegenüber Russland. Andernfalls würden weder die osteuropäischen Staaten noch der große Bruder mitziehen.
3. Man braucht eine gemeinsame europäische Aussenpolitik.
4. Man benötigt eine gemeinsame europäische Sicherheitspolitik. Eine europäische Armee die jedem Aggressor unmissverständlich klar macht, dass es irrelevant ist ob die Truppen nun vor Berlin oder vor Riga oder Warschau stehen.
Die Folge wäre unweigerlich ein Dritter Weltkrieg.

Solange diese Punkte nicht erfüllt sind werden die USA in Europa so oder so ein Player sein. Ob es dir nun gefällt oder nicht.
An der Misere die heute in der Ukraine herrscht sind übrigens hauptsächlich die Europäer schuld. Nicht die Amerikaner.
Ohne die Amerikaner wäre die Hysterie in Europa wahrscheinlich kaum mehr messbar. Ohne die USA im Rücken hätte die Bundesmutti wahrscheinlich schon längst die Generalmobilmachung ausgerufen. So kann man sich bequem zurück lehnen und seinen dämlichen antiamerikanischen Affekten freien Lauf lassen.

ruby September 2, 2014 um 01:34
ruby September 2, 2014 um 01:40

@ bleistift

in short :
Verteidigung ist kein Pazifismus

ruby September 2, 2014 um 01:52

@ bleistift

“Generalmobilmachung”
Hast Du nicht eine etwas überhöhte Meinung von der Bundeswehr?
Das ist doch nur eine Karnevalstruppe!
Da muss die “Bundesmutti” aber eine sehr, sehr gute Kartoffelsuppe als Zaubertrang kochen
http://blog.jensprausnitz.com/2013/europaeischer-zaubertrank/
http://www.ibelieveinadv.com/commons/McDonalds-Asterix.jpg

niemand September 2, 2014 um 01:52

>”Solange du nicht bereit bist für Polen oder das Baltikum einen Weltkrieg zu riskieren, solange musst du dich nicht wundern, dass die USA in Europa Einfluss besitzen.”

‘Riskieren’ ist auf die aktuelle Situation nicht anwendbar; ‘herauszufordern’ wäre korrekt.

Denn wie Du richtig sagst: Deutschland (u.a.) hat einen bereits maroden Staat wenigstens fahrlässig veranlaßt, Ethnien innerhalb seiner selbst vor den Kopf zu stoßen, vielmehr zu provozieren und angesichts der Konsequenzen mit nichts zurückgelassen als der Möglichkeit, mit seinen neuen “Freunden” zu prahlen.

Wir sehen jetzt, wie reif Ukraine für eine NATO wäre, und Ukraine sieht, was “Wertegemeinschaft” bedeutet: Minerale und Löß.

Schöne Wertegemeinschaft.

Natürlich – gerne esse auch ich einmal ein Stück Schokolade…

Wilma September 2, 2014 um 01:54

@ bleistift

Ohne diese EU hätte sich niemand auch nur einen Scheißdreck für die Ukraine interessiert.
Die EU ist nur das Instrument zur Machterweiterung der USA in den Osten.

niemand September 2, 2014 um 01:55

>”Ohne die USA im Rücken hätte die Bundesmutti wahrscheinlich schon längst die Generalmobilmachung ausgerufen.”

Das sehe ich übrigens anders.

Mutti hat nämlich nix. Heute wäre Volkssturm die Vorhut. So gesehen ist die Schuldenbremse die beste Friedenssicherung, die man sich denken kann.

ruby September 2, 2014 um 02:02

Ihr seids aber gut drauf ;-)

ruby September 2, 2014 um 02:12
ott0 September 2, 2014 um 02:15

@ruby
wo kein Sinn, macht die Gesinnung auch nichts mehr her. Ein Intensivwochenende Verdun und mein Bauch (vor 36 Jahren) beantwortete die Frage nach Ethik im Krieg.

Wilma September 2, 2014 um 02:20

War jetzt Quatsch. Die USA hatten immer Interesse.
Der Hebel aber ist die EU.
Deshalb sitzen ja all die Luschen da.
Gottseidank hat die EU es geschafft, dass man sich zumindest “optisch” für die Repräsentaten nicht mehr fremdschämen muss.

bleistift September 2, 2014 um 02:28

@ Wilma

“Die USA hatten immer Interesse.
Der Hebel aber ist die EU.”

Naja, Deutschland hatte auch immer Interessen. Der Hebel war und ist die EU.
Wenn die Europäer nicht mehr von den USA benutzt werden möchten (und natürlich macht die USA nix kostenlos, genauso wie Dtl. nicht kostenlos Griechenland oder Irland rettet) so habe ich doch den Ausgang mit großen Lettern markiert.
Hier ==> ist der Ausgang.
Eigene Aussenpolitik.
Eigene Sicherheitspolitik.
Solange ihr das nicht hinkriegt werden die USA in Europa natürlich ihre Interessen durchsetzen.
Was ist daran so schwer zu kapieren?

@ niemand

“Denn wie Du richtig sagst: Deutschland (u.a.) hat einen bereits maroden Staat wenigstens fahrlässig veranlaßt, Ethnien innerhalb seiner selbst vor den Kopf zu stoßen, vielmehr zu provozieren und angesichts der Konsequenzen mit nichts zurückgelassen als der Möglichkeit, mit seinen neuen “Freunden” zu prahlen.”

Richtig. War nicht klug.

ruby September 2, 2014 um 02:47

Dieses “provozieren” durch die Medien zu beenden ist eine schöne herausfordende Aufgabe, die es zu lösen gilt.
Jetzt und nachhaltig !
Zeigen des besten
Change to the Bimboplayers
;-)

petervonkloss September 2, 2014 um 03:11

Lieber „ruby“

Diese Music hat mich alten Mann (Rotfuchsdackel) wieder auf die Bühne zurückbeordert.

https://www.youtube.com/watch?v=RnNUYlJozRE

Aber bisweilen will ich schon to be ruby bzw. or not to be „ruby“ verstehen.

bleistift September 2, 2014 um 03:24

@ petervonkloss

http://www.youtube.com/watch?v=OEcpLt0iN20

Ironie halt. Gift für dich!

http://www.youtube.com/watch?v=GU2pviUauTA

Du untoter Geist!

bleistift September 2, 2014 um 03:40

@ petervonkloss

Du magst Kitsch:
http://www.youtube.com/watch?v=zplaNKA3aeY

ruby September 2, 2014 um 03:47

Die Sanktionen gegen Russland geben den abschliessenden Kick Off, das Land, die Nation, die Geographie – den Menschen in “die” Moderne oder vielleicht sogar Postmoderne zu führen und eine feudale Rückständigkeit zu überwinden. Das haben die Strategen des “Westen” underrated in ihrer überheblichen manipulierenden Siegermentalität .
Nun ist es zu spät und Putin ist Fuchs sowie tough enough dagegen zuhalten. Deshalb die verzweifelten Anstrengungen der persönlichen Demontage.
Und deshalb auch ist eine Pudelstrategie so kontraproduktiv – Amerika, Europa, Asien und Afrika haben besseres zu erarbeiten – unabhängig von Institutionen und Personen.

@ PVK

Ist Nichtverstehen manchmal nicht interessanter bzw. herausfordender, unlangweiliger ?
;-)

petervonkloss September 2, 2014 um 03:56

Die „Wacht am Rhein“ ist mir zu vielfältig geworden.

petervonkloss September 2, 2014 um 04:12

und @Linus ist wohl der Klügste hier. Immerhin kommt er zu Schlüssen

ruby September 2, 2014 um 04:37

Let us have a nice flight
https://www.youtube.com/watch?v=IfniG-AdSC4
through time and space and on stage
1972 in der Deutschlandfunk Hitparade

Andreas Petzold “Ich bin 55 Jahre alt und wenn schon nicht seit meiner Kindheit, so ist Ihr Sender seit frühester Jugend mein Begleiter, welcher mir besonders in finsteren DDR-Zeiten Stütze und Informationsquelle war. Die absolut, absolut, absolut wichtigste Radiosendung der Woche war für alle Jugendlichen meiner Region die “Deutschlandfunk-Hitparade”. Die Tonbandgeräte und später Kassettenrekorder waren stets empfangsbereit um von Ihrer Mittelwellenfrequenz mitzuschneiden. (…) Während meine Brüder und ich bereits damals genau wussten wo die Grenzlinien lagen, ab denen das System brutal zuschlug, so gab es an unserer Schule naturgemäß auch politisch naive Zeitgenossen, für die eine Überwachung des Postverkehrs in die “imperialistische BRD” außerhalb des Denkkreises lag. Begeistert für zunächst Beat- später Rock- und Popmusik beteiligten sie sich brieflich an den Abstimmungen zu Ihrer Hitparade. Die Briefe (alle???) wurden selbstverständlich abgefangen und geöffnet. Das Ergebnis waren Bloßstellung vor den Klassenkameraden, Demütigungen, Schulverweis – und damit der Abschied von jeglicher akademischer Bildung. Berufswege und Lebensplanungen wurden somit aus Liebe zu der von Ihnen ausgestrahlten Musiksendung zerstört. Vielleicht ergibt sich in Ihrer Rückschau auch einmal die Gelegenheit an die Menschen zu denken, die leiden mussten, weil sie Ihren Sender hörten.”
Elmar Bode “Deutschlandfunk und Hitparade: das gab es wirklich. Immer montags, wenn ich mich richtig erinnere. Und 1965 war es, als die Beatles mit “Help” ganz oben standen. Ich schrieb als Schüler eine 10- Pfennig-Postkarte an den DLF, weil ich zwei verschiedene Versionen dieses Hits hörte (die es tatsächlich gibt, was ich aber damals nicht wusste) und ich mir das nicht erklären konnte. Die Leute vom Radio wussten doch alles! Und so erbat ich von diesen Experten Aufklärung zu dieser mich sehr beschäftigenden Frage. Ich beschrieb genau die Unterschiede der beiden Versionen und schickte die Karte erwartungsvoll ab. Die Adresse kannte ich ja auswendig. Eine Antwort habe ich nie erhalten! Mittlerweile habe ich mich aber längst mit dem DLF versöhnt!”

petervonkloss September 2, 2014 um 05:05

„Die Theorie muss sich nicht nur von ihren Quellen, sondern auch von jedem
Kommentar lösen: Es ist nicht normal, eine Autopsie des Kindes vorzunehmen,
das man zur Welt bringt.“
(Jean Baudrillard, Cool Memories 1980-1985)

ruby September 2, 2014 um 05:25

Die “Strategen” der NATO sind so strohdoof, dass es schon wieder herrlich ist :
was gibt es besseres als eine Besinnung auf die Verteidigung !
;-)
Gell, da bleibt nichts mehr für Angriffsszenarien und Bedrohungsnarrative …
und schon garnicht von so schlechten, lächerlichen Geschichtenerzählern wie Claus Kleber + Co.
Freut euch auf die Worte und Bilder aus Wales.

ruby September 2, 2014 um 05:35

Verteidigung benötigt keine Geheimhaltung und Geheimdienste sondern das Gegenteil ;-)

petervonkloss September 2, 2014 um 05:40

Heidegger, schwarze Hefte, Reaktionen:

S. Vietta, der Besitzer des Schwarzen Heftes sagte: “Er hat in ihnen den “rechnenden Geist” am Werk gesehen und dabei völlig übersehen, dass Juden in bestimmte Berufe gedrängt wurden. Die Einseitigkeit der Rationalität bleibt aber Hauptpunkt der Kritik, was mit Antisemitismus nichts zu tun hat. Heideggers Kritik an Juden ist Zivilisationskritik, kein Rassismus.”

“…sind eine radikale Variante der (unterstellten) Endogamie im Judentum.”

Nach der Halacha ist eine Eheschließung zwischen Juden und Nichtjuden verboten. Der Staat Israel wiederum kennt nur religiöse Eheschließungen, weswegen Rabbiner interreligiöse Paare nicht verheiraten. Diese müssen dafür ins Ausland. Die Endogamie ist also nicht “unterstellt”, sondern Tatsache.

“Dass es deutsche Juden gibt und dass „Nationalsozialisten“ kaum die Bezeichnung einer Ethnie sein kann…”

Wenn man “Juden” als eigenständiges, durch Abstammung definiertes Volk sieht, dann setzt das zwangsläufig eine Endogamie voraus. Was ein Widerspruch zur vorherigen Behauptung des Autors wäre. Wenn man Juden dagegen einfach als Angehörige einer bestimmten Religion definiert und das als Ethnie bezeichnet (was der Begriff “deutsche Juden” ja impliziert), dann kann man das gleiche auch für die Weltanschauung der Nationalsozialisten tun.

Will sagen/schreiben: man kann Heidegger ja gerne kritisieren, aber dann doch bitte auch argumentativ untermauert und in sich schlüssig.

Husserl

… ich kenne die Geschichte so …
… dass die Suspendierung von Husserl unter dem Rektorat von H. AUFHOBEN wurde. Aber das war sicherlich nur eine perfide Täuschung…

Ganz falsch ist es ja nicht
Nehmen wir an, Herr Kaube würde die Ansichten eines Rabbiners wiedergeben und dieser hätte über das Judentum behauptet, dass es durch die „Bodenlosigkeit“, „Weltlosigkeit“ und „rechenhafte Begabung“ einen besonderen Zugang zur wissenschaftlichen Theoriebildung gehabt hätte – Herr Kaube hätte sich nicht über die Wortwahl ereifert.

Nehmen wir ferner an, der fiktive Rabbiner hätte behauptet dass das „Weltjudentum“ auch als handlungsfähiges Kollektiv, das „nach dem Rasseprinzip“ lebe, der Globalisierung besondere Impulse verliehen hätte, ohne die unsere schöne bunte Welt nicht funktionieren würde – Herr Kaube hätte vermutlich auch daran kein Anstoß genommen.

Es hängt also auch davon ab, was man in den Worten sehen will. Und ganz nebenbei: Vielleicht dachte Heidegger ja auch an die vielen großen und kleinen Trotzkis unter Lenin…..

Ein sehr spezifischer Antisemitismus

Trägt, wer das Judentum als Akteur in einem weltweiten “metaphysischen” Ringen bezeichnet, schon dadurch Mitschuld am Holocaust?
.
Heideggers Antisemitismus scheidet sich an einem bestimmten Punkt deutlich von dem der NS-Ideologie: Er ist nicht “rassisch” bestimmt. Ganz im Gegenteil: Rassismus ist für ihn eine ebenso “bodenlose”, entwurzelte und rechenhafte Ideologie wie Bolschewismus oder Bürger-Christentum. Boden und Verwurzelung sind ihm zentrale Kategorien, aber “Blut” und Boden gehören für ihn gerade nicht zusammen.
.
Diese Auffassung führt ihn zu einer “metaphysischen” Feindschaft gegenüber dem “boden-losen” Judentum – ebenso wie gegenüber Bolschewismus oder britischem Krämertum. Diese Feindschaft ist damit a) tiefer, als Kaube darstellt, in seiner Philosophie verwurzelt, führt ihn aber b) nicht zum biologistischen und damit unausweichlich “eliminatorischen” (Goldhagen) Antisemitismus der Nazis und des Holocaust. Als Jüdin wird Hanna Arendt das zu unterscheiden gewusst haben.

Es dreht sich nicht nur
um die sehr junge Hannah Ahrendt, sondern auch um die reife und weise Philosophin,
die sich nie von Heidegger distanzierte.

Bemerkenswert ist ja: Ein Denker der Ostzone wie Ernst Bloch, der in den Dreißigern Stalin feierte, wird für eben diese positive Haltung zu dem neben Hitler und Mao wohl schlimmsten Verbrecher selten getadelt. Es wird einfach verschwiegen. Adornos primitiver Antiamerikanismus oder dessen schon hart am rassistischen entlangschrammende Verdammung des Jazz, wird als lässlicher Fehler abgetan. Vielleicht verzeihen die linken Intellektuellen Heidegger nicht, dass er kein Linker war und trotzdem immer noch tiefer gedacht hat, als alle Adornos und Blochs zusammengenommen. Dann zeigt die Wortwahl einen tiefsitzenden Neid.

H.s Philosophie ‘Gegen die Anpassung’

dürfte der NWO ein Dorn im Auge sein,
denn die möchte den angepassten Menschen,
nur so kann ich mir die Kampagne gegen H. hier erklären

Ein Lehrstück…
Was ich dem Traktat von Kaube entnehme ist weniger eine widerliche ‘Niedertracht’ Heideggers, sondern die Selbstgererechtigkeit des Autors, der sich mit seinen unsachlichen Subjektiv-Einlagen dem Zeitgeist regelrecht an den Hals schmeißt. Mit dem Gesinnungsdetector auf Tote einzudrechen scheint ohnehin in Mode gekommen zu sein, allerdings nur eine Richtung.

Bei Heidegger finden wir jedenfalls keine Euphorie für Morde wie bei Brecht eine schamlose Begeisterung für die Untaten des Stalinismus. ”Denn je unschuldiger sie sind, um so mehr haben sie den Tod verdient’ schrieb er 1937. Ist das auch Niedertracht, die man aber nicht so abstioßend findet.:? Wir warten dann analog auf die Umbewertung vieler Zeitgenossen Heideggers anstatt auf den nächsten Bashing-Artikel im Anti-Heidegger-Modus seiner Richter…

Tatsache ist …
dass die Nationalsozialisten mit dem ‘bohrenden Denken’ des Philosophen Heidegger nichts anzufangen wussten. Er sei “einer der größten Wirrköpfe und ausgefallensten Eigenbrötler, die wir im Hochschulleben haben“, befand der nat.sozialist. Marburger Psychologe Erich Jaensch in einem Gutachten, worauf Heidegger schon 1934 von seinem Amt als Rektor zurücktrat. 1944 wurde er als “einer der Entbehrlichsten” zum Volkssturm eingezogen.

H. Arendt, die ihn ein Leben lang fasziniert studierte, unterstützte die Herausgabe seines Werkes in den USA und überwachte die Übersetzung.
Zu seinem 80. Geb. würdigt sie ihn als leidenschaftlich bohrenden Denker, der “so entscheidend die geistige Physiognomie des Jahrhunderts mitbestimmt hat”.

Die Attribute “Nationalsozialist”, “Antisemit” und “Rassist” finden in beiden, konträren Bewertungen keinen Niederschlag.

——————————————————————————————————————————————————-
Steil und Hoch.

„The Times They Are A-Changin’“ ist nichts anderes als die von einem liebenswerten und intelligenten Juden

poetisierte Musikalisierung der Paraphrasierung und Überformung eines Heidegger –Textes!

Grundsätzlich analogisch entsprechend, der bei Adorno und Horkheimers „Dialektik der Aufklärung“. etc. etc.

stattfindenden Konklusio.

Wenn man das mal begriffen hat, kann man jetzt sich ganz normal mit Heidegger in Sichtweite begeben.

(Denn die Juden und Heidegger werden niemals auseinandergehen).

Und zwei erwählte Völker sind eine Herausforderung, insofern sie nicht beide dekadent werden.

Die intelligenten Juden müssen einsehen, daß der Untergang Deutschlands (durch multikulturelle Überbe-

völlkerung)

auch ihr Untergang ist!

Aber gut, man kann dies wollen,…..sozusagen eine Art Trotzkismus.

Systemfrager September 2, 2014 um 07:53

Inzwischen sind es mindestens 4000 Russen und die Schätzungen gehen bis 20000. Dazu noch dieser zusammengewürfelte Haufen aus Verbrechern, Söldnern, Ideologen und ein paar Einheimische, Girkin beschwerte sich reglnäßig, dass die Bewohner nur schwer zu begeistern waren.

Goebbels würde vor Neid platzen

Systemfrager September 2, 2014 um 07:54

ARD Monitor: Die NATO als Kriegstreiber in der Ukraine
youtube >>>

gelegentlich September 2, 2014 um 08:02

@pvk
Zu Heidegger und Heideggeristen hat doch @Morph hier im Blog Finales gesagt.
„Und zwei erwählte Völker sind eine Herausforderung, insofern sie nicht beide dekadent werden.
Die intelligenten Juden müssen einsehen, daß der Untergang Deutschlands (durch multikulturelle Überbevöllkerung)auch ihr Untergang ist!“
Erzeugt nich mal Ärger. Die biologische Lösung hat wohl schon angefangen zu „erwählen“. Für diesen Rahmen den Namen Trotzkis zu mißbrauchen ist freilich geschmacklos.

Systemfrager September 2, 2014 um 08:13

Nun ist es klar, dass die Faschisten damals die proamerikanischen Demostranten erschossen haben … dann haben sie in Odesa die Gewerkschftler verbrant haben, das nannte man schon immer Faschismus
Das sind die Menschen von der Moral wie sol1, Jarchow, someone

Die ganze Geschichte sagt, es gibt böse Menschen, die das Täuflische tun würden … es gab bekanntlich nie Probleme genug Kfz-Deutsche zu finden, die fleißig gefoltert und vergast haben
Adolf … er hat keinem Juden ein Haar krum gemacht

Systemfrager September 2, 2014 um 08:24

Jarchow, sol1, someon
Alles klar
Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert.

Systemfrager September 2, 2014 um 08:40

Wie die EU die Denkfehler Hitlers wiederholt
>>>
GROßARTIG!
Damals: Volk ohne Raum
Heute: Vok ohne Verbraucher

petervonkloss September 2, 2014 um 08:44

Zu Heidegger sage ich das Finale!

Wer ist in diesem Zusammenhang Morph?

gelegentlich September 2, 2014 um 08:54

@pvk

Ein kontroverser, aber von mir im Zusammenhang mit Heidegger und der Rede über Heidegger sehr geschätzter Autor. Lesepflicht!

Im Übrigen: was soll „Volk“ denn sein? Und wie hat man es sich vorzustellen wie solch ein qualliges Gebilde „erwählt“ wird. Oder ist solch ein „Volk“ nur außen quallig, innen aber hart, wie die Rede der Ukraine-Faschos über sich als „Kernvolk“ nahe legt?

Da hat Alexander Dill sicher recht: es geht eher um Verbraucher (in dem Link von @Systemfrager).

petervonkloss September 2, 2014 um 09:18

@gelegentlich September 2, 2014 um 08:02

Der jüdische Philosoph Jacob Taubes hat einmal zu Beginn seines Nietzsche-Seminars diesen Witz erzählt: Während der russischen Revolution soll es ein besonders fanatisches Bataillon der Roten Armee gegeben haben. Seine Mitglieder: alles davongelaufene Schüler eines Moskauer Rabbiners. Wird der Rabbi gefragt: “Wie kann das sein? Du unterrichtest sie jahrelang im Talmud, und jetzt das. Bewirkt die wahre Lehre denn gar nichts?”- “Es ist furchtbar”, hebt er die Hände zum Himmel, “aber eins weiß ich doch: Spaß haben die keinen dabei.”.

Hardy September 2, 2014 um 09:21

@Lübbe

Hat was gedauert, daher nur stichpunktartig:

1. Der Fall der Mauer und somit die Niederlage des Ostens ist 25 Jahre her. Sollten das nicht inzwischen auch die schlauen Redakteure erkannt haben? “Survival of the fittest” bedeutet ja eben nicht, dass der stärkste überlebt, sondern der, der sich am besten auf wechselnde Randbedingungen einstellt. Die Presse gehört offensichtlich nicht dazu.

2. “…Atlantik-Brücke (….), deren Einfluß heute aber grotesk überschätzt wird.”
Wenn er grotesk überschätzt wird – warum sind die ganzen Affen dann in diesen “Vereinen”? Warum sagen die nicht: Ich bin unabhängiger Redakteur, Herausgeber einer überregionalen Zeitung, unser Ruf, unsere Glaubhaftigkeit, ja: Unsere Existenz steht auf dem Spiel – ich gehe da raus? Ist denen dieser Gedanke noch nie gekommen? Die FAZ schreibt im dritten Jahr rote Zahlen, in einem rapide schrumpfenden Markt – das lässt sich kein Gesellschafter dieser Welt noch viel länger gefallen.

3. Realitätsabgleich: Die FAZ ist nicht bißchen, sondern massiv gegen Russland. Das ist keine Weltansicht, das ist massive Ideologisierung. Gesinnungspresse. Das mag’ heute keiner mehr lesen im sog. Meinungspluralismus. Entsprechend sieht es der – laut FAZ stets allwissende – “Markt”: Der Absatz der FAZ sinkt, massiv und anhaltend. Reicht das denn nicht?

4. Seit inzwischen 25 Jahren merken die Deutschen – die zumindest, die es interessiert – dass der Aggressor auf dieser Welt Amerika ist, nicht Russland. Diese Erkenntnis fehlt der kompletten FAZ sowie einigen anderen Käseblättern nach wie vor. Hätte die FAZ bei den ganzen Eroberungsfeldzügen der Amis auch nur die Hälfte des Geschreis angestellt wie jetzt bei der Ukraine – sie wäre ja noch ein wenig glaubhaft. Aber so? Gesinnung. Ideologie. Nenn’ es wie Du möchtest.

5. Die Rede von Gauck war dumm und unnötig. Deutschland sollte endlich hergehen, und ein System zum Finden und Wiederverwerten von Rohstoffen auf die Beine stellen, statt die Freiheit am Hindukusch oder die Versorgungswege am Horn von Afrika zu verteidigen. Das können die Amis besser; wiederverwenden – eher nicht. Viele Politiker und Schreiberlinge scheinen es einfach nicht verstehen zu wollen: Die Bevölkerung will das einfach nicht. Die Bevölkerung mißtraut dem Ami inzwischen mehr als dem Russen. Wer ist denn jetzt dumm – der Deutsche, der aus den letzten 25 Jahren gelernt hat, oder die Presse, die offensichtlich nichts lernt, obschon sie längst am Abgrund steht? Der Spiegel schließt das Forum, die FAZ zensiert es. Das ist eure Reaktion? Kopfschütteln. So viele kluge Leute, die ihre Energie damit verschwenden, Menschen zu indoktrinieren.

6. Snowden: Vergleich‘ die Presse dazu mit der zur Ukraine. Die Amis hören **alles** ab, auch Anwälte und Schreiberlinge. Schirrmacher reagierte, und sonst? Die Ukraine – ein Regionalkonflikt im russischen Hinterhof – jedoch hält die FAZ seit Wochen am Hyperventilieren. FAZ-Redakteure und ihre Kinder an die Front, dann hört das dämliche Gerülpse aus Frankfurt auf.

7. Diese Leute haben keine westliche Positionierung; genau hier liegt Dein Irrtum. Sie lügen (Abschuss durch die Russen), sie manipulieren (Video mit dem emporgehaltenen Tierchen), um die Bevölkerung anti-russisch einzustellen. Wie die Reaktion auf den Spiegel-Titel zeigt, lässt sich diese das aber schon längst nicht mehr gefallen. Wenn die westliche Welt doch so geil ist und Russland so scheiße – dann reicht doch die pure Wahrheit, oder? Die Presse wird so zum Handlanger der Kriegsfraktion – und berichtet im selben Blatt über 1914. Dummheit, Dummheit, Dummheit. Es ist unfassbar.

8. Es gibt schon längst keinen Konsens mehr. Jeder, wirklich jeder, der klar denken kann und objektiv abwägt, muss und kann nur zum Schluss kommen, dass der Ami diese Welt zerstört. Eine Länderaufzählung spare ich mir.

9. Die Berichterstattung zur Ukraine hat bewiesen, dass die Presse
nicht mehr zwischen Meinung und Bericht unterscheiden kann. Schlimmer noch: Nicht mehr zwischen Wahrheit und Ideologie. Daran wird sie zugrundegehen. Je eher desto besser.

Zuguterletzt: http://www.sueddeutsche.de/medien/serie-wozu-noch-journalismus-das-ist-nicht-ihr-kanzleramt-1.63398

Das hat nichts an Aktualität verloren – die schlauen Pressestrategen haben sich durch das dümmliche LSR gegenüber der Politik entleibt. Auch hier: Dummheit bis zum Abwinken.

petervonkloss September 2, 2014 um 09:22

Aus historischer Einsicht können wir wissen, daß es sich hierbei vor-
allem um Trotzkisten gehandelt hat.

Hardy September 2, 2014 um 09:28

Nachtrag, wie gerufen:

Spiegel Online Aufmacher: “Putins Lügen”

Forum: geschlossen.

Tja, weil ihnen darin wohl wieder ihre schreckliche Dumhheit rechts und links hinter die Löffel gehauen werden würde. Was lernen wir daraus? Auch in Hamburg wird ziemlich viel gerülpst.

petervonkloss September 2, 2014 um 09:36

gelegentlich September 2, 2014 um 08:54
@pvk

„Ein kontroverser, aber von mir im Zusammenhang mit Heidegger und der Rede über Heidegger sehr geschätzter Autor. Lesepflicht!“

Wer jetzt, Heidegger oder Morph?

Mein Gott, so schlecht steht es um unsere Bildung?

gelegentlich September 2, 2014 um 09:41

@pvk
Danke für den Kurztext! Köstlich. Aber: für Fanatiker jeder Art ist Spaß eh etwas sozusagen Teuflisches. Will man nicht, Sodom und Gomorrha.

@Hardy
Gut beschrieben! Es bleibt, ohne dass man alle Einzelheiten kennt, das diffuse Gefühl dass „die Medien“ einfach nicht wahhaftig berichten. Was sie rauslassen paßt irgendwie nicht mehr zum Wahrgenommenen.

Bestes Beispiel: unsere Heroes von der Mondseite hier. Wochenlang Jubelmeldung über die stetigen Fortschritte der „ATO“ – und plötzlich, ohne irgendeine befriedigende Erklärung, das heutige Ergebnis. Die Ausrede mit den russischen Truppen genügt natürlich nicht, ist eh in Zweifel zu ziehen aufgrund anderer Meldungen.
Was bleibt: Denen darf man nicht trauen – haben wir eh nicht! ;-)

Systemfrager September 2, 2014 um 09:51

So hat man nicht einmal in Adolf-Zeiten gelogen

Die Einschläge sind zweifellos Kollateralschäden und kein gezieltes Feuer.

SPON: Putins Lügen >>>

Die internationale Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) wirft den ukrainischen Militärkräften einen wahllosen Einsatz von Artillerie und Raketen innerhalb der ukrainischen Stadt Lugansk

Human Rights Watch:
Ukrainische Armee für Massentod von Zivilisten in Lugansk verantwortlich >>>
Tja,
Adolf & Co waren einfach nur typische Vertreter der sog. westliche Kultur

petervonkloss September 2, 2014 um 10:00
Morph September 2, 2014 um 10:07

@gelegentlich

“Es bleibt, ohne dass man alle Einzelheiten kennt, das diffuse Gefühl dass „die Medien“ einfach nicht wahhaftig berichten.”

Immerhin schreibst Du “nicht wahrhaftig berichten” und nicht “nicht die Wahrheit berichten”. Das ist schon einmal was. Denn ‘die Wahrheit’ kann nicht berichtet, sondern nur erkannt werden. Denn ‘die Wahrheit’ kann sich systematisch nicht auf Berichtsgegenstände beziehen, sondern nur auf die Beziehungen zwischen Gegenstandsklassen. (Wirklich ein Jammer, dass es keine schulisch institutionalisierte Vermittlung erkenntnistheoretischer Grundlagen gibt). – Aber, wie gessagt, Du schreibst immerhin: “nicht wahrhaftig berichten”. Nun ist die Wahrhaftigkeit eines Berichts keine Eigenschaft dieses Berichts, sondern eine Eigenschaft des Berichtenden. Wer berichtet, wenn medial berichtet wird? ‘Die Medien’? Nein, es sind konkrete Personen, Journalisten genauer gesprochen. Ein Journalist kann wahrhaftig (d.h. subjektiv ehrlich) bzw. unwahrhaftig (d.h. absichtlich irreführend und lügnerisch) berichten. ‘Die Medien’ (gemeint können in diesem Zusammenhang nur sein: Medienorganisationen, à la FAZ, ZDF, dpa, Russia Today, Al Jazeera etc. pp.) berichten nicht, sondern sie VERÖFFENTLICHEN Berichte. Und zwar UNABHÄNGIG von deren Wahrhaftigkeit, weil sie die in KEINER Weise überprüfen können (da sie dem von außen unbeobachtbaren, subjektiven Ethos des berichtenden Journalisten unterliegt). Die medialen Selektionskriterien, die über die VERÖFFENTLICHUNG von Berichten entscheiden, sind die ‘Nachrichtenwertfaktoren’ und die mediale ‘Tendenz’ (beides Fachbegriffe, die sich leicht googlen lassen: Stw. ‘Nachrischtenwerttheorie’ u. ‘Tendenzschutz’).

Die Klage darüber, dass ‘die Medien’ nicht wahrheitsgemäß oder wahrhaftig berichten würden, steht schon mit einem Bein im Lager der lunatics.

Ganz im Ernst: Get real! Stellt Euch den Tatsachen und verlasst Euer beklopptes Wolkenkuckucksheim!

Das die Geschäftsmodelle der klassischen Medienbetriebe nicht mehr funktionieren, hat nichts aber auch gar nichts mit einem wachsenden Unmut des Publikums über ‘wahrheitswidrige’ Berichterstattung zu tun. Mit Nachrichten haben die Medien NOCH NIE (!) Geld verdient.

Es gibt für die werbetreibende Wirtschaft heute interessantere mediale Formen, um ihre Zielgruppen zu erreichen als die klassische Zeitung. Der Einbruch des Zeitungsmarktes beruht auf dem medientechnologischen Wandel, nicht auf einem veränderten ‘Wahrheitsanspruch’ des Publikums.

Gregor Keuschnig September 2, 2014 um 10:10

@Klaus Jarchow
Danke für Ihre Antwort.

Divisionen in die östlichen Nato-Staaten zu verlegen
Es gibt Verträge, die dies vorher anzeigen müssten. Will man sich auf das gleiche Niveau wie Russland begeben, kann man diese aufkündigen, gewinnt damit aber nichts.

Rausschmiss aus der G-20
Isolation löst keine Probleme

Rückforderung der russischen Auslandsschulden
Gibt es dazu keine Verträge? Mit welcher Begründung würde man diese kündigen wollen?

Kassieren der Überflugrechte, Botschafter abberufen
Wahrlich eine fürchterliche Drohung.

Die Politik des Kalten Kriegs hat gezeigt, dass mit Aktionismus nicht viel zu gewinnen ist. Wenn man Russland in die Isolation treibt, erzeugt man einen gegenteiligen Effekt. Dass das Land auf Dauer ökonomisch schweren Schaden nehmen muss, ist zwar ausgemacht, sollte aber nicht unbedingt forciert werden, um nicht die militärische Karte übermächtig werden zu lassen.

Interessant ist, dass Sie Russland als absteigende Mittelmacht sehen. Das ist die strategische Einschätzung der Bush-Administration gewesen (Bush jr), die Obama übernommen hat. Immerhin besitzt das Land Atomwaffen und dies in nicht unbeträchtlichen Volumina. Aber das kann einem auch schon mal durchgehen.

Hardy September 2, 2014 um 10:21

@Morph

” Der Einbruch des Zeitungsmarktes beruht auf dem medientechnologischen Wandel, nicht auf einem veränderten ‘Wahrheitsanspruch’ des Publikums.”

Bei den mir bekannten Freunden, die ins Internet und dessen Möglichkeiten hineingewachsen sind, war das aber genau so. Die haben fast alle irgendwann bemerkt, wieviel unqualifizierter Dünnschiss in den Qualitätsmedien steht und wie schnell man das als dümmliche Lüge enttarnen kann. Die haben dann extrapoliert – ein Abo weniger.

(FAZ: “Im Iran gibt es keine Cafés”. Google Bildersuche: 3,4 Fantastilliarden Fotos aus iranischen Cafés).

Zu Lügen ist dumm. Sich dabei zu erwischen lassen ist dümmer. Etwas zu schreiben, was jeder Blödmannsgehilfe in 2 ms widerlegen kann, ist: Journalismus.

Morph September 2, 2014 um 10:41

@Hardy

Dass mediale Berichterstattung verzerrt ist (Stw. ‘Tendenz’) und in vielen Fällen die Verzerrung leicht beobachtet werden kann, ist das Normalste der Welt.

Die Hoffnung aber, jenseits der klassischen Medien ein ‘wahrhaftigeres’ Bild der globalen Zustände vermittelt zu bekommen, ist absurd.

Die Hoffnung, den Medien einigermaßen zutreffende Lagebeschreibungen entnehmen zu können, lässt sich am ehesten durch eine geldwirtschaftlich konditionierte Konkurrenz von Nachrichtenmedien realisieren. Die wirtschaftliche Konkurrenz zwischen Tendenzbetrieben verhindert, dass die jeweilige Tendenz das alles entscheidende Selektionskriterium für Berichte ist.

Im Internet der Freizeitblogger läuft dagegen die je individuelle Tendenz des Berichtenden Amok und erschlägt jeden Rest eines journalistischen Ethos.

Die selbstgefälligen MSM-Kritiker, die ihre eigene Marginalität durch wüsten Antijournalismus kompensieren (‘Mietmäuler’, ‘Pressenutten’ etc.), werden sich noch wundern, vom Regen in die Traufe gelangt zu sein, wenn der Qualitätsjournalismus entgültig geschleift ist.

Wobei, sie werden sich wahrscheinlich nicht wundern, sondern sich auf den Internetpräsenzen des Tendezlers ihrer Wahl zusammenrotten und die Kuhwärme wechselseitig bestätigter Glaubensseligkeit genießen…

Systemfrager September 2, 2014 um 10:50

Interessant ist, dass Sie Russland als absteigende Mittelmacht sehen. Das ist die strategische Einschätzung der Bush-Administration gewesen (Bush jr), die Obama übernommen hat.

Ja,
man will dem Michel suggerieren: Nimm die Schrottflinte und jage Putin bis nach Kamtschatka … und dann stell ihn vor das Nazi-Gericht in Haag

Carlos Manoso September 2, 2014 um 10:50

@Morph September 2, 2014 um 10:07
„Die Klage darüber, dass ‘die Medien’ nicht wahrheitsgemäß oder wahrhaftig berichten würden, steht schon mit einem Bein im Lager der lunatics.
Ganz im Ernst: Get real! Stellt Euch den Tatsachen und verlasst Euer beklopptes Wolkenkuckucksheim!“

Morph, wir glauben gern , das zu sein, womit wir uns identifizieren (wie wie wir uns selbst sehen) .

Selbsterkenntnis meint aber, das Selbst zu finden, nicht das Ich, denn das Ich verhindert durch Abgrenzung ständig das Erkennen des Selbst.

Carlos Manoso September 2, 2014 um 11:12

@Morph September 2, 2014 um 10:41
„Die Hoffnung, den Medien einigermaßen zutreffende Lagebeschreibungen entnehmen zu können, lässt sich am ehesten durch eine geldwirtschaftlich konditionierte Konkurrenz von Nachrichtenmedien realisieren. Die wirtschaftliche Konkurrenz zwischen Tendenzbetrieben verhindert, dass die jeweilige Tendenz das alles entscheidende Selektionskriterium für Berichte ist.“

Morph, du schriebst zuvor: „Mit Nachrichten haben die Medien NOCH NIE (!) Geld verdient.“
Oben setzt du auf die „geldwirtschaftlich konditionierte Konkurrenz von Nachrichtenmedien „?

Morph September 2, 2014 um 11:27

@CM

Stimmt, klingt widersprüchlich. Der Sachzusammenhang, den ich meinte, ist der: Weil Medien (in einer Welt, die vor allem mit Fiktionen unterhalten werden möchte) mit nichtfiktionalen Nachrichten (insbesondere: mit Nachrichten aus der Welt der Politik) kein Geld verdienen können, gibt es praktisch keine reinen Nachrichtenmedien (in Sinne nichtfiktionaler politischer Berichterstattung), sondern nur Mischpublikationen. Die ‘Bücher’ einer Qualitätszeitung im Innenteil (Auto, Motor, Sport, Reise, Lifestyle, Kultur) generieren das anzeigefreundliche Medienumfeld, nicht der politische Teil. Die politische Berichterstattung ‘parasitiert’ an den unterhaltsameren anderen Teilen eines Qualitätsmediums.

Hardy September 2, 2014 um 11:40

@Morph

“Die Hoffnung aber, jenseits der klassischen Medien ein ‘wahrhaftigeres’ Bild der globalen Zustände vermittelt zu bekommen, ist absurd.”

Unsinn. Durch die erheblich (!) größere Fülle an Autoren, Meinungen, Fakten, Argumenten etc. die man heutzutage in erheblich kürzerer Zeit sichten kann inkl. darob folgender Gegenpositionen, ist man der Wahrheit/Wahrhaftigkeit sicherlich (bei entsprechendem Interesse) erheblich näher als früher. Zudem diszipliniert der wachsende Wettbewerb v.a. im Internet den einen oder anderen allzu wüsten Meinungsmacher.

“Im Internet der Freizeitblogger läuft dagegen die je individuelle Tendenz des Berichtenden Amok und erschlägt jeden Rest eines journalistischen Ethos.”

Gesetz der großen Zahl? Ich lese zu einem Thema dann halt 10 solcher mono-tendenziöser Blogger und habe 10 meist gut fundierte Meinungen zu einer Sache. Wo ist das Problem? Die Gewichtung übernehme ich selbst, da brauche ich keinen Klugscheißer in einer Redaktion. Und bitte, Ethos. Ausgerechnet Du bezeichnest anderer Leute Meinung als “absurd”? Journalistisches Ethos gab es noch nie, das ist eine Schimäre, eine totgerittene dazu: “„Die Aufgabe der Journalisten ist es, die Wahrheit zu zerstören, gerade heraus zu lügen, zu verdrehen, zu verunglimpfen, vor den Füßen des Mammons zu kuschen und sein Land und seine Rasse um sein tägliches Brot zu verkaufen. Sie wissen es und ich weiß es.” (zitiert nach John Swinton)

“Die selbstgefälligen MSM-Kritiker (….) werden sich noch wundern”

Uiuiui, ich bekomme Angst – wundern werden die sich? Na da bin ich gespannt wie wir uns wundern. Ich glaube aber eher, dass die journalistische Zunft sich wundert wie der aktuelle Sozialstaat aussieht, von dem sie dann “profitieren”. Soziale Hängematte, oder wie die FAZ immer schreibt.

“…wüsten Antijournalismus kompensieren (‘Mietmäuler’, ‘Pressenutten’ etc.), ”

Nochmal Swinwon: “Wir sind intellektuelle Prostituierte.”

Und bitte – Antiamerikanismus, Antijournalismus: Das sind keine Argumente, das sind Rückzugsallegorien.

“Wobei, sie werden sich wahrscheinlich nicht wundern, sondern sich auf den Internetpräsenzen des Tendezlers ihrer Wahl zusammenrotten und die Kuhwärme wechselseitig bestätigter Glaubensseligkeit genießen…”

Ja ja, alle dumm, außer Dir.

Zusammenfassend: Ich glaube, Du lebst in einer anderen Blog-Welt als ich. Dies hier ist der einige Schwafel-Blog den ich besuche, den Heise-Freitag tue ich mir seit Studienende nicht mehr an. Alle anderen von mir besuchten Blogs sind meist von ausgesuchten Fachleuten geschrieben, da brauche ich keine Zeitung mehr dafür.

Morph September 2, 2014 um 11:47

@Hardy

“Durch die erheblich (!) größere Fülle (…) Fakten”

Fakten? Denk da lieber noch mal drüber nach…

“Zudem diszipliniert der wachsende Wettbewerb v.a. im Internet den einen oder anderen allzu wüsten Meinungsmacher.”

Von was für einem Wettbewerb sprichst Du?

Der Wettbewerb um Aufmerksamkeit jedenfalls wird durch so robuste Aufmerksamkeitsmotive wie Sex, Gewalt, Tabubruch und Großmäuligkeit reguliert.

Schon mal über die Dynamik von Shit-Storms nachgedacht?

Morph September 2, 2014 um 11:53

@Hardy

Es geht um politische Berichterstattung. Dass man sich in der Blogosphäre über Special-Interest-Themen (vom Angeln bis zur Zystenbehandlung) besser informieren kann als in der prädigitalen medialen Öffentlichkeit, bestreite ich nicht.

topi September 2, 2014 um 11:55

Gibt es da Untersuchungen?

Könnte ja in Zeiten, in denen die Nachrichten näher an das eigene Leben rücken, anders sein.

Die Blätter sähen natürlich anders aus; sahen sie ja auch mal, meine ich.

Morph: ” Die wirtschaftliche Konkurrenz zwischen Tendenzbetrieben verhindert, dass die jeweilige Tendenz das alles entscheidende Selektionskriterium für Berichte ist.”

Deshalb ja dieses grandiose Scheitern in der “Amerika-Frage”.
Da gibt es keine “konkurrierenden Tendenzen”, die Westintegration komplett internalisiert und eine Infragestellung quasi undenkbar.

Die Attraktivität derselben, damals, hab ich oben grob skizziert; wieso das Publikum heute da weniger begeistert ist, wird sofort klar.

Nur anscheinend nicht bei der systemtragenden Funktionselite.

Da der Mensch natürlich von seinem Umfeld geprägt wird, ist es auch keineswegs egal, dass da so viele Transatlantische Netzwerke auf dem Weg zu den sicheren Posten (welche noch dazu stark abnehmen) stehen.

Carlos Manoso September 2, 2014 um 12:07

Morph September 2, 2014 um 11:27
„Stimmt, klingt widersprüchlich. Der Sachzusammenhang, den ich meinte, ist der: Weil Medien (in einer Welt, die vor allem mit Fiktionen unterhalten werden möchte) mit nichtfiktionalen Nachrichten (insbesondere: mit Nachrichten aus der Welt der Politik) kein Geld verdienen können, gibt es praktisch keine reinen Nachrichtenmedien (in Sinne nichtfiktionaler politischer Berichterstattung), sondern nur Mischpublikationen. Die ‘Bücher’ einer Qualitätszeitung im Innenteil (Auto, Motor, Sport, Reise, Lifestyle, Kultur) generieren das anzeigefreundliche Medienumfeld, nicht der politische Teil. Die politische Berichterstattung ‘parasitiert’ an den unterhaltsameren anderen Teilen eines Qualitätsmediums.“

Morph, es „klingt“ nicht nur „widersprüchlich“, sondern es ist widersprüchlich.

Daß „die politische Berichterstattung (…) an den unterhaltsameren anderen Teilen eines Qualitätsmediums .. ‘parasitiert’..“ ist integraler Teil des Geschäftsmodells der „Qualitätmedien“ seit Jahrhunderten. Das ist banal.

Das Neue ist, das mit der globalen „Digitalisierung“ solcherart geschlossene Systeme sich in Bits auflösen und milliardenfach offene Systeme entstehen.

Hardy September 2, 2014 um 12:10

@Morph

“Fakten? Denk da lieber noch mal drüber nach…”

Wer hat denn zeitnah über den Steuerhinterzieherprozess gegen Theo Sommer berichtet? Deine ethosgesteuerte Qualitätspresse jedenfalls nicht. Nur ein winziges Beispiel zum Nachdenken.

““Zudem diszipliniert der wachsende Wettbewerb v.a. im Internet den einen oder anderen allzu wüsten Meinungsmacher.”

Von was für einem Wettbewerb sprichst Du?”

Internet vs. Zeitungen. Internet (Spiegel Online) vs. Internet (Blogger, etc.)

“Der Wettbewerb um Aufmerksamkeit jedenfalls wird durch so robuste Aufmerksamkeitsmotive wie Sex, Gewalt, Tabubruch und Großmäuligkeit reguliert. ”

Wer sagt denn, dass ich an diesem Wettbewerb teilnehme? Wer sagt denn, dass die, die das tun, wichtig sind? Wer sagt denn, dass das klappt? Die beständig sinkende Auflage der Bildzeitung jedenfalls zeigt ein eindeutig anderes Ergebnis.

“Schon mal über die Dynamik von Shit-Storms nachgedacht?”

Schonmal drüber nachgedacht, dass das früher “eine Sau durchs Dorf treiben” hieß und man nur warten musste bis “eine andere Sau durchs Dorf getrieben wird”? Alter Wein in neuen Schläuchen, mit höherer Frequenz und Heftigkeit, sonst nichts. Aber darüber wird sich der ein oder andere Politologe/Soziologe/Sozialpädagoge/… sicherlich noch promovieren/habilitieren können.

“Es geht um politische Berichterstattung.”

Richtig. Und da lese ich lieber Lübberding hier (und die Kommentare) als die ideologiegesteuerten Tröter bei SZ und FAZ. Beispielsweise.

Morph September 2, 2014 um 12:20

@topi

“Deshalb ja dieses grandiose Scheitern in der “Amerika-Frage”. Da gibt es keine “konkurrierenden Tendenzen”, die Westintegration komplett internalisiert und eine Infragestellung quasi undenkbar.”

Stimmt. Dennoch: Das Schwarz-weiß-Bild einer korrupten westlichen Lügenpresse im Kontrast zur Berichtsvielfalt im Internet, über deren Wahrhaftigkeit man sich vermöge des eigenen Urteilskraft sachlich angemessen entscheiden könne, ist eine missratene Karikatur der Verhältnisse.

Und meine Wahrnehmung ist auch die, dass die politische Westintegration in der Online-Öffentlichkeit immer lauter in Frage gestellt wird (wobei auch zu Zeiten der alten Bundesrepublik die Ablehnung der Westintegration unter den außerparlamentarischen Rechten und Linken Konsens war).

“Nur anscheinend nicht bei der systemtragenden Funktionselite.”

Naja, das, was Du ‘systemtragende Funktionselite’ nennst, umfasst so ziemlich die Gesamtbevölkerung von der Grundschuhllererin bis zum Konzernboss. Und der durchdrehende Antiamerikanismus ist sicher unter Prekären weiter verbreitet als in der Gruppe der stabil Integrierten, aber die asymetrische Beobachtung des Ukrainekonflikts zu Gunsten Putins und der russischen Regierungspolitik hat nach meiner Wahrnehmung auch bei stabil Integrierten sehr viele Anhänger.

Carlos Manoso September 2, 2014 um 12:21

@Morph September 2, 2014 um 11:47
„Der Wettbewerb um Aufmerksamkeit jedenfalls wird durch so robuste Aufmerksamkeitsmotive wie Sex, Gewalt, Tabubruch und Großmäuligkeit reguliert.
Schon mal über die Dynamik von Shit-Storms nachgedacht?“

Morph, wir wissen, dass der „Wettbewerb um Aufmerksamkeit“ im heutigen System durch Geld reguliert wird.

Die „Dynamik von Shit-Storms“ sehe ich als Phänomen der notwendigen Transformationsperiode. In dem sich entwickelnden offenen Raum werden wir folglich noch viel Anomie sehen!

Morph September 2, 2014 um 12:27

@Hardy

“Und da lese ich lieber Lübberding hier (und die Kommentare) als die ideologiegesteuerten Tröter bei SZ und FAZ. Beispielsweise.”

Nichts gegen Franks Artikel und die Kommentare, aber die enthalten exakt Nullkommanull Bericht. Es handelt sich um reine Meinungskundgaben!

Ich habe manchmal den Eindruck, dass überhaupt nicht mehr verstanden wird, was eigentlich eine Nachricht und ein Bericht sind! Es ist durchaus kein Fortschritt, verschiedene Berichtsqualitäten nicht mehr erkennen und unterscheiden zu können/ zu wollen.

f.luebberding f.luebberding September 2, 2014 um 12:28

Hardy

Blogs sind bis heute in Deutschland eine Nische. Bedeutung haben etwa You Tube Kanäle, die sich im weiteren Sinne mit Verbraucher-Themen befassen, vor allem Mode und Kosmetik. Politische Blogs sind praktisch irrelevant, wenigstens bzgl. der Reichweite. Die meisten Menschen informieren sich aber immer noch über die Portale der großen Verlage oder bei ARD und ZDF. Deine Annahme, diese könnten eine abnehmende Bedeutung haben, ist schlicht falsch. Sie hatten noch nie eine so große Reichweite wie heute.

Allerdings können sie die Kosten für den Journalismus nicht mehr refinanzieren, weil sich das Marktumfeld verändert hat. Das Legitimationsproblem des Journalismus beruht keineswegs auf der fehlenden Reichweite der Portale. Die Auflagenverluste im Print beruhen schlicht auf die Einführung digitaler Medien. Niemand muss sich heute noch in Zeitungen informieren, um die Nachrichten von gestern zu lesen. Es beruht allein auf der Bereitschaft, sich mit der Kritik auseinanderzusetzen. Das Legitimationsproblem ensteht also erst, wenn diese nicht mehr vorhanden wäre.

Morph September 2, 2014 um 12:32

@Carlos

“Morph, wir wissen, dass der „Wettbewerb um Aufmerksamkeit“ im heutigen System durch Geld reguliert wird.”

Du glaubst das vielleicht. Wir wissen aber, dass die Leute für ihre Mediennutzung nicht bezahlt werden, sondern umgekehrt: bezahlen! Und weil sie bezahlen, erwarten sie, dass ihre Aufmerksamkeitsinteressen bedient werden. Und daher treffen die Medien mit den größten Reichweiten die kleinsten, gemeinsamen Aufmerksamkeitsnenner: Sex, Gewalt, Tabubruch und Großmäuligkeit.

Hardy September 2, 2014 um 12:38

@Morph

“Und da lese ich lieber Lübberding hier (und die Kommentare) als die ideologiegesteuerten Tröter bei SZ und FAZ. Beispielsweise.”
Nichts gegen Franks Artikel und die Kommentare, aber die enthalten exakt Nullkommanull Bericht. Es handelt sich um reine Meinungskundgaben!

Wo schreibe ich etwas Gegenteiliges? Ich schrieb: “Da lese ich lieber Lübberding…” Ich schrieb nicht: “Da lese ich lieber Lübberdings Berichte/Nachrichten/….”

“Ich habe manchmal den Eindruck, dass überhaupt nicht mehr verstanden wird, was eigentlich eine Nachricht und ein Bericht sind! Es ist durchaus kein Fortschritt, verschiedene Berichtsqualitäten nicht mehr erkennen und unterscheiden zu können/ zu wollen.”

Und ich habe den Eindruck, dass Du nicht genau liest was ich schreibe (siehe oben) – kann das sein? Das wäre dann natürlich auch kein Fortschritt, so bei Kommentar knapp 900.

Carlos Manoso September 2, 2014 um 12:40

@Morph September 2, 2014 um 12:20
„meine Wahrnehmung ist auch die, dass die politische Westintegration in der Online-Öffentlichkeit immer lauter in Frage gestellt wird (wobei auch zu Zeiten der alten Bundesrepublik die Ablehnung der Westintegration unter den außerparlamentarischen Rechten und Linken Konsens war).“

Morph, historisch-politisch war die Westintegration m.E. die Folge der historischen Tatsache, dass Kurt Schuhmacher im Machtkampf mit Konrad Adenauer unterlag und so der Weg frei wurde, um Westdeutschland in ein US-dominiertes förderalistische Europa zu integrieren.

„der durchdrehende Antiamerikanismus ist sicher unter Prekären weiter verbreitet als in der Gruppe der stabil Integrierten, aber die asymetrische Beobachtung des Ukrainekonflikts zu Gunsten Putins und der russischen Regierungspolitik hat nach meiner Wahrnehmung auch bei stabil Integrierten sehr viele Anhänger.“

Morph, „der durchdrehende Antiamerikanismus“ ist sicher eine Folge des Problems, dass da ein Gleichgewicht ins Trudeln geraten ist, was sich auch in dem Phänomen des durchdrehenden Anti-Putinismus zeigt.

f.luebberding f.luebberding September 2, 2014 um 12:42

Morph, Hardy

Als Blog kann man keine Berichterstattung leisten. Dieser Blog lebt nur davon, dass er sich auf die klassischen Medien beziehen kann, und ich nicht vom Blog leben muss. Es wird auch von fast allen Kommentatoren zumeist auf klassische Medien verlinkt. Die Frage stellt sich aber, wie lange es sich etwa die Verlage noch leisten können, diese Voraussetzung für den politischen Diskurs weiterhin zu liefern. Die Tendenz, sich bei der Themenauswahl an den Erwartungen der Leser zu orientieren, ist nicht zu übersehen. Welche Meinung man dazu formuliert, ist fast nebensächlich.

Morph September 2, 2014 um 12:45

@Hardy

“Wo schreibe ich etwas Gegenteiliges?”

Ich bezog mich dabei auf Deine Aussage, im Internet könne man sich vielfältiger über FAKTEN informieren. Das trifft zumindest im Bereich der politischen Berichterstattung nicht zu.

Carlos Manoso September 2, 2014 um 12:45

@Morph September 2, 2014 um 12:32
„“Morph, wir wissen, dass der „Wettbewerb um Aufmerksamkeit“ im heutigen System durch Geld reguliert wird.”
Du glaubst das vielleicht. Wir wissen aber, dass die Leute für ihre Mediennutzung nicht bezahlt werden, sondern umgekehrt: bezahlen! Und weil sie bezahlen, erwarten sie, dass ihre Aufmerksamkeitsinteressen bedient werden. Und daher treffen die Medien mit den größten Reichweiten die kleinsten, gemeinsamen Aufmerksamkeitsnenner: Sex, Gewalt, Tabubruch und Großmäuligkeit.“

Morph, ich „glaube“ das nicht, sondern es ist so. Die einen bezahlen und die anderen werden bezahlt.

f.luebberding f.luebberding September 2, 2014 um 12:50

Hardy, Morph

Werde die Kommentare noch in einem Artikel aufnehmen.

Hardy September 2, 2014 um 12:52

@Lübbe

“Die meisten Menschen informieren sich aber immer noch über die Portale der großen Verlage (….)*. Deine Annahme, diese könnten eine abnehmende Bedeutung haben, ist schlicht falsch. Sie hatten noch nie eine so große Reichweite wie heute. ”

Einspruch, da Du Äpfel mit Birnen vergleichst. Reichweite bedeutet eben nicht Bedeutung! Klar, ich überfliege auch FAZ, SPON, SZ. Vermutlich jeder Interessierte tut das. Dort kommt dann auch die Reichweite her: Wer früher (aus Kostengründen) ein Blatt im Abo hatte, liest nun alle; somit hat jedes Blatt eine größere (numerische) Reichweite als früher. Die Bedeutung jedoch lässt nach – einerseits ist der Ruf ruiniert, andererseits wandern Leser bei größerem Interesse ab, in bspw. spezialisierte Blogs.

*Die öffentlich-rechtlichen Sender habe ich in der gesamten Diskussion herausgehalten, da die schlicht zu speziell sind.

f.luebberding f.luebberding September 2, 2014 um 13:00

Hardy

Man brauchte für die These, der Ruf sei ruiniert, empirische Belege. Das Mißtrauen gegen Massenmedien ist keineswegs neu. Es lässt sich heute nur wesentlich leichter artikulieren.

f.luebberding f.luebberding September 2, 2014 um 13:10

Hardy

In welche Blogs willst Du abwandern, um Dich über das Zeitgeschehen (also Berichterstattung) zu informieren? Ich kenne keinen. Und wenn man die kumulierte Zahlen der politischen Blogs zusammenrechnet, erreicht man noch nicht einmal annähernd die Reichweite einer Fernseh-Talkshow mit miserabler Quote.

Carlos Manoso September 2, 2014 um 13:15

@f.luebberding September 2, 2014 um 12:42
„Dieser Blog lebt nur davon, dass er sich auf die klassischen Medien beziehen kann, und ich nicht vom Blog leben muss.“

Luebberding, wenn sich ein Blog nicht mehr auf die klassischen Medien beziehen könnte, würden sich neue Kommunikationen entwickeln und ebenso würden sich m.E. neue technische Infrastrukturen entwickeln

f.luebberding f.luebberding September 2, 2014 um 13:19

Carlos

Das kann sein. Ob es besser wäre? Schwierig zu sagen. Nach meinem Eindruck wird es eine weitere Fragmentierung von Medienmärkten bedeuten.

Natalius September 2, 2014 um 13:29

f.luebberding September 2, 2014 um 13:00

“Man brauchte für die These, der Ruf sei ruiniert, empirische Belege. Das Mißtrauen gegen Massenmedien ist keineswegs neu. Es lässt sich heute nur wesentlich leichter artikulieren.”

Na ja, zumindestens ist das Vertrauen auf der Kippe (und heute vermutlich bereits gekippt), wobei es regionale Unterschiede zu geben scheint:
http://de.statista.com/statistik/daten/studie/153801/umfrage/allgemeines-vertrauen-in-die-presse/
http://de.statista.com/statistik/daten/studie/284606/umfrage/umfrage-in-oesterreich-zum-vertrauen-in-die-presse/

Ist es erst einmal verloren gegangen, gibt es auch kein schnelles zurück mehr. Ich wette, dass eine entsprechende Umfrage für 2014 noch krasser ausfällt.

topi September 2, 2014 um 13:35

Wie ist denn das Verhältnis zwischen “klassischen Medien” und Nachrichtenagenturen bei der reinen Faktenberichterstattung?

Wäre ja mal ein Test; die wichtigen Agenturen lesen, und dann Artikel schreiben zu einem Thema, und schauen, was denn die Klassischen besser berichten.

Morph September 2, 2014 um 13:44

@CM

“Morph, „der durchdrehende Antiamerikanismus“ ist sicher eine Folge des Problems, dass da ein Gleichgewicht ins Trudeln geraten ist, was sich auch in dem Phänomen des durchdrehenden Anti-Putinismus zeigt.”

Ich bin ja immer gegen Personalisierungen, wo es um Vorgänge organisierter Sozialität geht. Aber in der Berichterstattung der Medien muss nun einmal personalisiert werden, anders ließen sich aktualitätsbezogene Nachrichten und Berichte gar nicht mitteilen.

Und in dem Zusammenhang sind Antiamerikanismus und Antiputinismus unterschiedliche Arten von Phänomenen. Der Antiamerikanismus ist eine Argumentationsweise, die man tagtäglich in Gesprächen erleben kann. Der Antiputinismus ist vor allem ein Medieneffekt, der aus der Logik westlicher Presseberichterstattung entspringt.

Lustigerweise sind übrigens die neuen medialen Ausdruckformen des Antiamerikanismus ein weiteres Beispiel für die fortschreitende Amerikanisierung der globalen Lebenswelt. So eine Figur wie Ken Jebsen ist ästhetisch vollkommen durchamerikanisiert (in den USA gibt es solche Handlungsreisenden in Sachen Weltverschwörung ja wie Sand am Meer).

Und noch einmal zum Thema Geld regiert die Medienwelt: Natürlich lässt sich mit entsprechendem Produktionsaufwand ein bestimmtes Medienprodukt pushen. Die gesamte Popmusik-Branche wird in diesem Sinn durch unterschiedlich hohe Kapitaleinsätze gelenkt. Nur kann man nicht beliebige Inhalte pushen. Auch mit dem größten Kapitalaufwand wird man Anton Weberns Bagatellen nicht zum Sommerhit 2015 machen können.

http://www.youtube.com/watch?v=qip7ze8D1N0

Der ästhetischen Form massenattraktiver Medienangebote sind durch die kleinsten gemeinsamen Aufmerksamkeitsnenner ziemlich enge Grenzen gesetzt, die nicht durch Finanzeinsatz aufgehoben werden können (unter diese Aufmerksamkeitstrigger zählen neben Sex, Gewalt, Tabubruch auch noch: einfache Rhythmen, d.h. prägnante Gestaltbildungen, die differenzlos wiederholt werden, süße, cremige Valeurs, muskulöse, kraftvolle Monovalenz u.a. – halt das, was man so mit Hollywood assoziiert, wobei das nichts mit Hollywood als solchem zu tun hat, sondern mit den ästhetischen Funktionszusammenhängen der Massenattraktivität).

Hardy September 2, 2014 um 13:53

@Lübbe, “Man brauchte für die These, der Ruf sei ruiniert, empirische Belege.”

@natalius ” Ich wette, dass eine entsprechende Umfrage für 2014 noch krasser ausfällt.”

2014:

http://www.gfk-verein.de/files/gfk_verein_vertrauen_in_berufe_rgb.jpg

Im Ansehen hinter dem Banker. Da gibts nichts mehr zu beschönigen.

Systemfrager September 2, 2014 um 13:54

In welche Blogs willst Du abwandern, um Dich über das Zeitgeschehen (also Berichterstattung) zu informieren?

So hatt es immer die Pfaffen (Gott-Experten) argumentiert. Sie seien unersetzbar.
Dann wurde Druck erfunden. Wer Lust und Geld hatte, konnte den Pfaffen konkurrieren.
Danach behautete die Journalia dasselbe wie damals, nur sie hätte Mittel um vor Ort zu informieren.
Nun hat sich auch das geändert, mit dem Internet und den IT-Technologien, Es gibt immer viele mit Handy vor dem Ort des Geschehens, die – wenn man den Journalisten gegenüber sehr höflich sein will – moralisch genauso kompetent sind als Profis.
Fazit:
Nur die Mentalität der Menschen muss sich noch ändern, das ist nur die Frage der Zeit … spätesten als die alte Genration mit der Zeitung unter dem Arm ausgestorben ist …

petervonkloss September 2, 2014 um 13:55

Ich erhole mich immer mehr von diesem Blog und von den Menschen,
indem ich mir häufiger Sendungen mit Tieren anschaue!

Die einzelnen Pfleger sind sehr dicht bei den Tieren; die “Akademiker”
(Biologen, Tierärzte) versuchen aufgeklärte Distanz zu wahren.

Aber auch sie ahnen, daß der Mensch nun langsam aber sicher immer mehr antiquiert ist.

Nicht in dieser Art althergebrachter Kulturkritik, sondern wirklich in seiner geringsten Form zu Grunde gehend. Er ist der Abschaum!

Und die Tiere nehmen dies mit ihren besonderen “Antennen” wahr.
Wie man da auf Ufos kommen kann ist mir ein Rätsel.

Hardy September 2, 2014 um 13:56

@ Morph

“Der ästhetischen Form massenattraktiver Medienangebote sind durch die kleinsten gemeinsamen Aufmerksamkeitsnenner ziemlich enge Grenzen gesetzt, die nicht durch Finanzeinsatz aufgehoben werden können (unter diese Aufmerksamkeitstrigger zählen neben Sex, Gewalt, Tabubruch auch noch: einfache Rhythmen, d.h. prägnante Gestaltbildungen, die differenzlos wiederholt werden, süße, cremige Valeurs, muskulöse, kraftvolle Monovalenz u.a. – halt das, was man so mit Hollywood assoziiert, wobei das nichts mit Hollywood als solchem zu tun hat, sondern mit den ästhetischen Funktionszusammenhängen der Massenattraktivität).”

1. Du weißt, was Popper gerne an Adorno kritisierte?
2. Du weißt, was Wolf Schneider gerne an der FAZ kritisierte?

Systemfrager September 2, 2014 um 13:58

ZB
viele Amateure haben ins Netz bilder gestellt, die eindeutig belegen, dass auf Demostranten damal der Rechte Sektor von hinten geschossen hat … das problem sind nicht die Fakten, sondern die Mentaliät den Medien zu glauben
Oder
Flugzeug- Abschuss
Solche Bilder können schon Layen machen. Nun wenn es “seriöse Medien” machen, will man daran glauben
Der Prozess wird so ablaufen:
Die Medien werden in der Panik immer mehr Lügen, so dass man irgendwann aufhört sie kaufen …

Morph September 2, 2014 um 14:03

@Hardy

tja, ich halte es eben in mancherlei Hinsicht eher mit Adorno und der FAZ als mit Popper und Wolf “die schreibende Faustregel” Schneider.

Sehr viel besser als Schneider ist jedenfalls:

Judith Macheiner: Das grammatische Varieté: oder Die Kunst und das Vergnügen, deutsche Sätze zu bilden

Natalius September 2, 2014 um 14:03

Für diejenigen, die der russischen und ukrainischen Sprache nicht mächtig sind, hier ein Blog, der m.E. recht informativ ist, wenn es um die Lage in der Ukraine geht:
http://www.vineyardsaker.de/
Wird in mehrere Sprachen übersetzt, womit er gefundenes Fressen für @sol1 und @Jarchow sein dürfte. Da wimmelt es vor lauter Putin-Trollen.

f.luebberding f.luebberding September 2, 2014 um 14:05

Systemfrager

Hier kann jeder anonym schreiben, ohne über seine sonstigen Aktivitäten Auskunft zu geben. Oder wie Jarchow auch mit Klarnamen. Das bitte ich zu respektieren.

Hardy September 2, 2014 um 14:09

@Morph

“Sehr viel besser als Schneider ist jedenfalls:”

Hätte mich auch gewundert, wenn Du es nicht nochmal besser gewusst hättest. Antwort auf meine Frage hast Du jedenfalls keine.

Und ich bin ziemlich sicher, dass Dein unverständliches Geschwurbel auch bei Macheiner durchgefallen wäre.

topi September 2, 2014 um 14:11

Morph

“Stimmt. Dennoch: Das Schwarz-weiß-Bild einer korrupten westlichen Lügenpresse im Kontrast zur Berichtsvielfalt im Internet, über deren Wahrhaftigkeit man sich vermöge des eigenen Urteilskraft sachlich angemessen entscheiden könne, ist eine missratene Karikatur der Verhältnisse.”

Davon sprach ich auch nicht, nicht wahr? ;-)

Lässt man diese Kontrastbemühung weg, bleibt: wenn es um die deutschen Beziehungen zur USA geht, wie sie sind, sein könnten oder sollten, und was daraus für das politische Handeln in D folgt, liefern die “etablierten” Medien ein finsteres Bild ab.

Nun sind diese Beziehungen keine Sumpfblüten, sondern beeinflussen quasi alles andere.
Ob Miteinmarsch im Irak, Chlorhühnchen oder Russlandeindämmungsversuche.

“Und meine Wahrnehmung ist auch die, dass die politische Westintegration in der Online-Öffentlichkeit immer lauter in Frage gestellt wird .”

Ja um so mehr fragt man sich ja, wieso das sich in den klassischen Medien nicht wiederfindet.
Wobei “politisch” nicht korrekt ist. Wenn “Westen” nur noch der ganz freie Kapitalismus sein soll, ist das ja in Europa nur in London mehrheitsfähig. In Deutschland ist man vor allem zu dämlich zu kapieren, was Wettbewerbsfähigkeit bedeutet, in der Wechselwirkung zum Wechselkurs.
Ökonomisch will man in Europa keineswegs immer mehr laissez fair, die Anstalten zur Publikumsverdummung, um dafür politische Mehrheiten zu besorgen, werden immer grotesker (jetzt sind ja schon offiziell Volksverdummer als Regierungsmitarbeiter angestellt, ein vorläufiger Höhepunkt).

“Naja, das, was Du ‘systemtragende Funktionselite’ nennst, umfasst so ziemlich die Gesamtbevölkerung von der Grundschuhllererin bis zum Konzernboss. Und der durchdrehende Antiamerikanismus ist sicher unter Prekären weiter verbreitet als in der Gruppe der stabil Integrierten, aber die asymetrische Beobachtung des Ukrainekonflikts zu Gunsten Putins und der russischen Regierungspolitik hat nach meiner Wahrnehmung auch bei stabil Integrierten sehr viele Anhänger.”

Die Grundschullehrerin meines Sohnes war MLPD-Bundestagskandidatin. :roll:
Ansonsten bist du doch der Soziologe, definiere Funbktionselite, nach Einkommen und Berufsgruppen etc.
Die dichothome Abgrenzung zu Exkludierten wird wohl (noch?) nicht ganz zutreffen.

Morph September 2, 2014 um 14:27

@Hardy

“Und ich bin ziemlich sicher, dass Dein unverständliches Geschwurbel auch bei Macheiner durchgefallen wäre.”

Gut möglich. Ich überarbeite meine Kommentare ja auch nicht. Ist ja hier nicht der Bachmann-Wettbwerb. Und was die Unverständlichkeit angeht: Die Rückmeldungen, die ich hier bekomme, insbesondere die negativen, zeigen mir in Form und Inhalt, dass ich zumeist ganz richtig verstanden werde.

Linus September 2, 2014 um 14:39

meine 5 cent

MSM:
- Fakten:
Kopie der Agentur-Meldung, manchmal diverse Meldungen kombiniert, häufig in der Wortwahl mit dem richtigen Spin ausgestattet, e.g. “Gauck betrachtet Partnerschaft als gekündigt” (er hat gesagt, RU hätte gekündigt, aber die mediale Wirkung ist natürlich höher, wenn Gauck kündigt).
Videos werden so gut wie nicht als Quelle verwendet, da sie als nicht verifizierbar gelten.
Imo wird dieser Teil vom Fussvolk verrichtet.
- Meinung:
Persönliche Meinung unserer journalistischen Leuchtfeuer, also der Journalisten-Elite. Die Quellenlage (Meldungen) wird als bekannt vorausgesetzt. Kaum einer macht sich die Mühe, seine Meinung mit gut recherchierten Fakten zu untermauern. An dessen Stelle tritt der Verweis auf andere Quellen genehmer Meinung, die ebenso wenig Fakten zu bieten haben.
- investigativer Journalismus: also gute Faktenlage und persönliche Recherche, am besten vor Ort, ehrliche Kompilation und angemessene Lageeinschätzung. Eher selten, da nicht finanzierbar.

Blogs:
- Fakten:
Der Grossteil greift auf die selben Quellen zurück. Videos haben allerdings einen viel höheren Stellenwert, da auch im Leser-Forum ausreichend Muse und häufig auch Kompetenz besteht, deren Glaubwürdigkeit abzuklopfen.
- Meinung:
Häufig ähnlich wie in den MSM, oft noch tendenziöser, um Leserschaft zu bedienen. Einen guten Anhaltspunkt liefert hierbei die Diskussionskultur innerhalb des Leserforums. Werden da auch gegensätzliche Meinungen vertreten, zugelassen und diskutiert? Im besten Fall dient der Artikel zum Anstossen ein fruchtbaren Diskussion.
- investigativer Journalismus:
Einige wenige Blogs sind auf ihrem Spezialgebiet extrem gut informiert. Sie haben allerdings nicht die Reichweite der MSM.

Persönliches Fazit:
Heutzutage kann und muss man sich seine Information zusammenklauben. Das geht nur durch viele Quellen und eine kritische Beurteilung der Vertrauenswürdigkeit der jeweiligen Quelle.

Dazu gibt es aber ein Hilfsmittel: Ein Grossteil der Quellenbeurteilung – früher Aufgabe des Journalisten – wird heute von den Lesern in den interaktiven Blog-Foren erledigt. Interaktiv statt Broadcast ist hier die Zauberformel. Frank schreibt selbst, dass er diesen Blog häufig als Steinbruch für andere Artikel nutzt.

Die Meinungsseiten der MSM taugen iA nicht viel. Sie sind oft schlecht informiert und deutlich tendenziös. Wichtige Sachen werden unter den Tisch gekehrt. Aussagen werden mit Spin versehen. Dummerweise steht einem dabei kein wirklich interaktives Forum zu Verfügung, das beim Aufdecken helfen würde.
Ich lese Opinions iW zur gegenwärtigen Lagebeurteilung im Kampf um die öffentliche Meinung (‘second order’-Betrachtung).

Der Informationsvorsprung gegenüber ‘früheren’ Zeiten ist aber beträchtlich. Wer will, ist heutzutage VIEL besser informiert. Leider ist dies mit reichlich Zeitaufwand verbunden.

Und ganz wichtig: Es gibt tatsächlich ein Crowd-Funding an Information und ihrer Überprüfung. Das können die MSM per definitionem nicht nutzen. Denn dann wären sie ihrer Deutungshochheit beraubt.

Morph September 2, 2014 um 14:47

@topi

“Davon sprach ich auch nicht, nicht wahr?”

Nein, war aber der Diskussionskontext mit @Hardy.

“Ansonsten bist du doch der Soziologe”

Ich bin kein Soziologe, aber ich interessiere mich hobbymäßig für soziologische Themen und Sozialtheorie, wie viele andere hier auch.

“definiere Funbktionselite, nach Einkommen und Berufsgruppen etc.”

Ich halte den Begriff der Funktionselite für nicht so wahnsinnig aufschlussreich. Ich glaube, es ist angemessener, im Kontext von Organisationshierarchien und Entscheidungsmacht nicht von Funktionseliten zu sprechen, als würde es sich um irgendwelche festen Clubs handeln, sondern von Top-Positionen.

Es gibt Top-Positionen in der Politik, in der Wirtschaft, im Recht, in der Wissenschaft, in den Medien, in der Kunst, in der Religion; und je nach Bereich ist eine solche Top-Position zu erreichen mehr oder weniger voraussetzungsreich und die Stabilität einer solchen Position mehr oder weniger unwahrscheinlich. Z.B. ist Papst zu werden relativ voraussetzungsreich, aber die Position ist praktisch unkaputtbar, wenn man sie einmal erreicht hat. Ganz anders in den Medien: Es gibt da für den Aufstieg nur wenige klare Voraussetzungen, der Zufall kann einen ganz nach oben bringen, aber die Position ist nicht so leicht zu halten. Die Top-Positionen in den anderen Bereichen liegen irgendwo dazwischen.

chabis September 2, 2014 um 14:47

MEMORANDUM FOR: Angela Merkel, Chancellor of Germany
FROM: Veteran Intelligence Professionals for Sanity (VIPS)
SUBJECT: Ukraine and NATO
“We the undersigned are long-time veterans of U.S. intelligence. We take the unusual step of writing this open letter to you to ensure that you have an opportunity to be briefed on our views prior to the NATO summit on Sept. 4-5.”
http://consortiumnews.com/2014/09/01/warning-merkel-on-russian-invasion-intel/

Morph September 2, 2014 um 14:51

@Linus

“Wer will, ist heutzutage VIEL besser informiert.”

Wo viel Information (im medialen Sinn), da auch viel Desinformation.

Daher würde ich so formulieren:

Wir sind heute VIEL besser und VIEL schlechter informiert, ob wir wollen oder nicht.

Linus September 2, 2014 um 15:00

@Morph:
Nun ja. Natürlich ersaufen wir in Information. Ich glaube trotzdem, dass das Signal/Noise-Verhältnis besser geworden ist, zumindest für den, der sich die Mühe macht. Oder anders ausgedrückt: Früher war es in vielen Fällen schlichtweg nicht möglich, die Plausibilität einer Quelle zu überprüfen. Du musstest ihr blind vertrauen. Heute gibt es da einige gangbare Möglichkeiten.

topi September 2, 2014 um 15:05

Was kommt denn nun von den “Klassischen” an Fakten zu sätzlich zu den Agenturmeldungen?

Und kann man da noch differenzieren zwischen ÖR und Holz?

Wieviel holen die Agenturen aus Klassischen Medien anderer Länder?
Das müsste man ja dazu rechnen.

Bruchmüller September 2, 2014 um 17:35

@ Frank Lübberding

>>> Und wenn man die kumulierte Zahlen der politischen Blogs zusammenrechnet, erreicht man noch nicht einmal annähernd die Reichweite einer Fernseh-Talkshow mit miserabler Quote.

Mich würde durchaus interessieren, was Deine Motive sind, dieses Blog zu betreiben, zumal Du ja nun so gut wie allein zu Hause bist. Vielleicht kannst Du mal darüber schreiben und rückst damit ein paar Meter näher an Dein Publikum heran. Jedenfalls kann ich mir vorstellen, dass es zumindest unter den etablierten Kommentatoren ein ähnliches Interesse an Deiner Motivlage gibt. (Die Japaner mal außen vor.)

Bei der Selbstreflexion betrachte ich mich als Exot. Ich hatte schon als Arbeiter und Bauer meine Schwierigkeiten, im Kollegenkreis zu erklären, warum ich das Rote Tuch, den Sudel-Ede Carl-Eduard von Schnitzler gucke und das spannend finde. Es ist mir hoffentlich zufrieden stellend gelungen. Man wusste ja im Voraus, was er sagt. Und ich habe erklärt, dass es mich ausschließlich interessiert, w i e er seine Ware an den Mann bringt. Er war ein Hetzer von außerordentlicher Qualität.

Ich habe inzwischen mittels Selbstreflexion begriffen, dass sich auch diese Dinge sowohl subtil als auch mit dem Holzhammer weiter entwickeln lassen… Ist es nicht absurd, dass heute eine Welt wie sie normal wäre, nämlich eine, die ausschließlich aus kooperativen Handlungen besteht, in einem Maß undenkbar geworden ist, dass man sie als Möglichkeit eliminiert hat und gar nicht mehr in Betracht zieht? Das hat mit Deinem Blog vordergründig nicht viel zu tun.

Also interessieren mich auch jetzt mehr die Hintergründe, hier mal konkret die, die Dich bewegen.

Genau genommen sind es überall nur die Hintergründe, die mich beschäftigen, bis hinein in die Vorstellung von der Psyche der Akteure im Hintergrund. Ist das schon krank?

Ich habe ziemlich präzise Vorstellungen von den Lieferketten im Marktgeschehen der „News“ verarbeitenden Industrie, vom Ablauf der Redaktionskonferenzen in Zeitungen oder Talkshows (mit miserablen Quoten, wie Du sagst), den vorgeschalteten Briefings und der eigentlich sinnlosen Proporzsicherung. Wobei ich weiß: Es wird das alles ganz sicher ganz, ganz anders laufen.(?)

Mein Zeitvertreib auf der Spielwiese ist, im Voraus zu wissen, was die Kommentatoren X, Y, Z zum Thema sagen und auch w i e sie ihren jeweiligen Vortrag gestalten, wie sie Beziehungen und Bezüglichkeiten suchen oder nach Möglichkeiten der Provokation. Auch wie sie (Lübberding) ihre Artikel „strukturieren“. Das ist, entgegen einem früheren Urteil von mir, recht interessant, manchmal auch spannend und hält sogar hier und da Überraschungen parat. Weil man sich ja bekanntlich auch mal irrt.

Dein Blog an Talkrunden zu messen erscheint mir verfehlt. Dort bieten intellektuell erstarrte Gestalten ihre gestanzten Alternativlosigkeiten einem abgeordneten Publikum zum Beifall an den verabredeten Stellen. Opa Krause zu Hause schläft ein. Die miserablen Quoten werden nach Opas letztem Einschlafen noch miserabler werden. Dein Blog, so prognostiziere ich mal, bleibt dagegen beim gewohnten Auf und Ab.

aifran September 2, 2014 um 18:05

ist der liebe Frank L. ein Meinungsforscher? (daher auch kaum Zensur)

"ruby" September 2, 2014 um 18:24

@ Bruchmüller

Du bist bei bester Betriebstemperatur !
;-)

wowy September 2, 2014 um 18:40
"ruby" September 2, 2014 um 18:46

@ Hardy
“Schwafel-Blog”
Das nimmst Du sofort zurück!
Ansonsten gibt es eine passende Musik ;-)

Systemfrager September 2, 2014 um 19:05

@fl

Hier kann jeder anonym schreiben, ohne über seine sonstigen Aktivitäten Auskunft zu geben.

du hättest mich aufmerksamer lesen sollen
Ich habe über die Zukunft von den Medien und dem Internet gesprochen und gesagt
Internet würde die journalistische Arbeit übernehmen, weil die technischen Vorausetzungen für die Laien schon so gut sind wir der Journalisten … Die Glaubwürdigkeit der Laien würde davon abhängen, ob sie über sich alles was nötig ist sagen: Wie sie ihr Geld verdienen, was tun sie, usw

Hardy September 3, 2014 um 09:25

@ruby

Hei…was wahr ist, muss wahr bleiben 3:)

Hardy September 3, 2014 um 09:58

Auch darüber wird man bei den Geostrategen aus Frankfurt wohl nie etwas lesen:

http://www.heise.de/tp/artikel/42/42680/1.html

Alles Verschwörungstheoretiker!!1elf!!

gelegentlich September 4, 2014 um 10:44

Das hier paßt eigentlich als Illustration des Problems hierher:
man stelle sich vor man hört beim Autofahren im Radio WDR 5 und ist plötzlich in einem sehr progagandistischen Interview drin. Freilich wird der Interviewte als Experte dargestellt und behandelt. Er ist immerhin promoviert und arbeitet für die “Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politk“. Klingt amtlich, irgendwie.

Ich darf gar nicht daran denken wie lange man früher, Interesse vorausgesetzt, gebraucht hätte. Heut geht das blitzschnell:
http://propagandaschau.wordpress.com/2014/09/03/wdr5-dgap-waffen-fur-ukraine/
und
https://dgap.org/de/think-tank/experten/276
- ein Mietmaul also. Das, arrgh, offenbar auch mit Steuergeldern dafür bezahlt wird den Interessen einer nicht unbeträchtlichen Anzahl deutscher Steuerzahler entgegen zu arbeiten.
Nein, das war früher in diesem Umfang nicht so.

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