Vom Versagen der Staatengemeinschaft vor Kobane

by f.luebberding on 7. Oktober 2014

Einen denkwürdigen Satz formulierte heute Volker Beck, Bundestagsabgeordneter der Grünen.

– ein Versagen der Staatengemeinschaft

Der Satz ist sinnlos, weil es die Staatengemeinschaft als Akteur nicht gibt. Wie kann aber ein Nicht-Akteur versagen? Beck hätte stattdessen die Forderungen der Grünen für den Akteur Deutschland formulieren können. Etwa den Einsatz der Bundeswehr zur Rettung Kobanes. Oder Waffenlieferungen an die PYD und derem militärischen Flügel YPG. Hinter der vorgeblichen Ratlosigkeit über das Versagen der virtuellen Staatengemeinschaft versteckt sich somit nichts anderes als der fehlende politische Wille, für einen relevanten Akteur namens Deutschland eine Forderung zu formulieren.

Bei den Linken wird dagegen die Forderung nach einem Einsatz mit UN-Mandat laut. Das dient zwar auch der innerparteilichen Positionierung in einer umstrittenen Frage. Zudem wird eine deutsche Beteiligung nicht weiter erörtert. Aber interessant ist die Begründung. Es müssten “praktische Schritte erfolgen, um ein Massaker an der Zivilbevölkerung zu verhindern”, so die Bundestagsabgeordnete Ulla Jelpke. Ähnliche Formulierungen findet man weltweit, angefangen beim UN-Generalsekretär. Allerdings wird nie geklärt, was unter diesem drohenden Massaker in Kobane zu verstehen ist.

Für ein Massaker an der Zivilbevölkerung müsste man erst einmal wissen, um wie viele Zivilisten es sich in Kobane überhaupt noch handelt. Dabei wird es aber erstaunlich unkonkret. Letztlich beziehen sich alle Angaben auf die Kurden selbst. So war in der New York Times von 12.000 Zivilisten die Rede, die sich noch in Kobane aufhalten. Sie bezog sich dabei auf Angaben eines Mitglieds von YPG. Die Welt zitiert dagegen einen Sprecher des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte.

“Nach UN-Angaben sind fast alle Zivilisten aus Kobani in die Türkei geflohen. Nur noch wenige Menschen harrten in dem Ort aus, sagt der Sprecher des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte, Rupert Colville, in Genf. Man sei sehr besorgt um das Leben der in Kobani verbliebenen Menschen, betonte Colville. Die Dschihadisten des IS seien für ihre Grausamkeit berüchtigt. Die Kommandeure der kurdischen Einheiten in Kobani hätten die Männer, Frauen und Kinder aufgefordert, über die Grenze in die sichere Türkei zu fliehen.”

Letztlich kennen nur die Kurden die Zahl der Zivilisten, die sich in Kobane aufhalten. In einem Telefoninterview mit der FAZ berichtet Asia Abdullah von der PYD über die Lage vor Ort.

“Im Stadtteil Kaniya Kurdan mussten wir die Zivilisten evakuieren, weil sich die Gefechte dort bis in die Wohnviertel ausgedehnt haben. Die Zivilisten flohen in andere sichere Teile der Stadt. Ein Teil floh über die türkische Grenze nach Nordkurdistan (Südostanatolien). Aufgrund der heftigen Angriffe mit schwersten Waffen durch den IS besteht weiter die Gefahr eines Massakers. Dies sagen wir seit dem Beginn des Angriffs am 15.September nahezu täglich. Durch die Panzer und anderen schweren Waffen hat der IS die Möglichkeit, ein großes Massaker anzurichten. … . Ich hatte auf die Gefahr eines Massakers hingewiesen. Die Bevölkerung ist entschlossen, bis zum Ende Widerstand zu leisten. Derzeit denkt keiner von uns an einen Fall von Kobanê.”

Den Krieg gegen ISIS als Widerstand des gesamten Volkes zu charakterisieren, gehört zur überlieferten politischen Rhetorik aller kurdischen Fraktionen. Nur sind die Widersprüche offenkundig. Einerseits die Zivilbevölkerung evakuiert zu haben, aber andererseits die Gefahr eines Massakers zu annoncieren. Zudem ist die Grenze zur Türkei noch offen. Ankara hat keineswegs vor, etwa die Kämpfer der YPG ihrem Schicksal zu überlassen. Diese haben nur nicht die politische Absicht, sich nach einem Rückzug aus Kobane dem Willen Ankaras auszuliefern. Das mag man für richtig halten – oder auch nicht. Über die politischen Konstellationen in der Schlacht um Kobane wurde bekanntlich schon etwas gesagt. Aber die Gefahr des Massakers wird letztlich als politische Waffe genutzt, damit die PYD (und die PKK) die Bedingungen für eine militärische Unterstützung formulieren können. Letztlich geht es um deren Ziel politischer Autonomie als Nukleus eines eigenen Staates. So das offenkundige Mißtrauen in Ankara.

Kann man jetzt wirklich von Westliche Strategie in Syrien: Die Schande von Kobane” sprechen? Oder ist das “Scheitern der Allianz” nicht die zwangsläufige Folge einer nur in der Vorstellung von Beck existierenden Staatengemeinschaft? Das überall vermutete “Massaker in Kobane” kann allerdings kaum die Grundlage für eine Politik sein, die sich letztlich mit der Neuordnung eines aus den Fugen geratenen Mittleren Osten beschäftigen muss. Alles andere ist dagegen Propaganda. 

Letztlich wird man ISIS vor Kobane nur besiegen können, wenn sich Kurden und Türken über die Zukunft beider Völker in der Region verständigen. Bisher ist eine solche Einigung, die selbst für Kobane eine Art Kompromiss formuliert, nicht in Sicht. Aber man kann natürlich auch über das Versagen der sogenannten “Staatengemeinschaft” räsonnieren. Damit liegt man immer richtig. Sie wird allerdings nie antworten, die “Staatengemeinschaft”, weil sich leider niemand angesprochen fühlt.

update 08.10.2014

Immerhin ist die Debatte über Kobane mittlerweile zu einer Frage politischer Symbolik reduziert worden. Den PR-Erfolg von ISIS nach einem möglichen Fall von Kobane kann man dann doch verschmerzen, wenn es denn noch Leute gegen sollte, die Außenpolitik nicht auf PR reduzieren. So zitiert Spiegel online, wo außenpolitisches Denken ansonsten auf Empörungsrituale reduziert worden ist, den US-Generalstabschef Martin Dempsey.

“Auch als ABC-Reporterin Martha Raddatz nachhakte, ob die USA nicht ein “Gemetzel” riskierten und den Tod von womöglich 5000 Menschen, blieb Dempsey kühl: Dass sich noch so viele Einwohner in Kobane aufhielten, sei “reine Vermutung”, die meisten seien geflohen. Allerdings habe er keine Zweifel, dass die IS-Horden “entsetzliche Gräueltaten ausüben werden, so sie die Gelegenheit dazu haben”.”

Eine Angabe, die jetzt von den Kurden selbst bestätigt worden ist.

“Der Organisator der Verteidigung von Kobane, Ismet Hassan, sagte der Nachrichtenagentur dpa, nur wenige Zivilisten seien in Kobane (arabisch: Ain al-Arab) geblieben.”

So ist es sicher auszuschließen, dass die Schweiz nach diesem Kommentar in der NZZ Bodentruppen nach Kobane entsenden wird. Die Türken mit einer moralischen Verpflichtung zu traktieren, ist doch recht seltsam. Deren Argument, diese hätte auch in den vergangenen Jahren nicht zu einem Eingreifen in den syrischen Bürgerkrieg geführt, ist nämlich plausibel. Dafür muss man zwar nicht als Stellvertreter Ankaras in Deutschland fungieren, wie Ruprecht Polenz. Sein Argument bleibt trotzdem richtig. Es geht bei ISIS um deren Angriff auf die Staatenordnung des Mittleren Ostens. Das erst führte zum Eingreifen der USA.

Insofern kann es auch nur deutsche Kommentatoren erstaunen, wenn sie, wie in der taz, folgendes konstatieren.

Erdogan geht es vor allem anderen um die eigenen Interessen als Regionalmacht.”

Er wird darüber hinaus ein Interesse daran haben, die innenpolitischen Konflikte in Grenzen zu halten. Bei Demonstrationen in der Türkei gab es 14 Tote und schwere Auseinandersetzungen zwischen Kurden, sunnitischen Extremisten und der Polizei. Es weiß wahrscheinlich niemand, wie es in der türkischen Armee zur Zeit aussieht, aber eines sollte man nie ausschließen: Dass deren Panzer nicht in Kobane, sondern in Ankara aufmarschieren, wenn die Türkei wie in den 1970er und 1980er Jahren erneut im Chaos versinken sollte. Niemand kann ein Interesse an der Destabilisierung der Türkei haben. Übrigens noch nicht einmal die Kurden.

13:00 Uhr

Zwei interessante links. Zum einen Markus Bickel. Offenkundig ist ISIS keineswegs unbesiegbar. Was allerdings seltsam bleibt, ist die Debatte über die Zivilisten in Kobane. Bickel bringt einen neuen Hinweis:

“Angesichts der verzweifelten Lage der belagerten Bewohner wächst der Druck auf die Türkei, neben humanitären Hilfen auch Waffenlieferungen an die YPG und ihre Verbündeten zuzulassen. Mehr als 10000 Zivilisten sind weiter eingeschlossen, die meisten von ihnen Angehörigen der kurdischen Milizen. Martin Glasenapp von der deutschen Hilfsorganisation Medico International, die seit Beginn der Revolution gegen Machthaber Baschar al Assad in den syrisch-kurdischen Gebieten medizinische Hilfe leistet, sagte am Mittwoch gegenüber FAZ.NET: „Die Türkei muss endlich die Grenze öffnen, damit die bedrängte kurdische Bevölkerung nicht nur fliehen kann, sondern auch die Möglichkeit hat, ihre eigene Stadt in Syrien zu schützen“. Mit humanitärer Hilfe sei Kobane nicht mehr zu retten.”

Die kurdischen Milizen gehen scheinbar nicht davon aus, Kobane könnte bald fallen. Sie werden es nämlich kaum riskieren wollen, dass ihre Angehörigen in die Hand von ISIS geraten. Dass Medico International neuerdings für politische Ratschläge zuständig sein soll, ist bei einer humanitären Hilfsorganisation seltsam zu nennen.

In diesem Interview mit der kurdisch-stämmigen Basler Stadträtin Sibel Arslan geht es nicht nur um die Zivilisten in Kobane, sondern auch um die Rolle der Türkei.

“Wer wird durchgelassen und wer nicht?
  Es gibt wenig gesicherte Informationen. Hilfsgüter und Waffen an die Zivilisten und Kämpfer werden nicht durchgelassen. Die PKK verfügt wohl über Mittel und Wege, sowas zu bewerkstelligen, aber sicher nicht im grossen Stil. Verwundete konnten aber in Spitäler im Grenzgebiet der Türkei gebracht werden. Dort werden sowohl Kurden als auch IS-Kämpfer behandelt.  

Wie kommen die IS-Kämpfer in die Türkei?
  Das ist nicht ganz klar. Gemäss Augenzeugenberichten aus dem etwa 60 Kilometer von der türkischen Grenze entfernten Urfa, werden manchmal nachts die Lichter gelöscht und die türkischen Grenzwächter ziehen sich zurück. Danach fahren Kleinbusse die Verletzten von der Grenze her kommend zum Spital. Gerüchten zu Folge sollen bereits 80 IS-Kämpfer im türkischen Urfa behandelt werden. Auch einige wenige kurdische Kämpfer werden dort behandelt. “

Vor allem kann man bei Frau Arslan erkennen, wie der Konflikt historische Bezüge reaktualisiert. Diesen Effekt sollte man nicht unterschätzen.

{ 73 comments }

Stephan Oktober 7, 2014 um 18:56

Was mir irgendwie noch niemand erklärt hat ist warum dieses Kobane überhaupt so strategisch wichtig ist? Klingt bisher eher nach einem staubigen Wüsten-Kaff in Syrien?

Carlos Manoso Oktober 7, 2014 um 19:31

@F.LUEBBERDING on 7. OKTOBER 2014
„Einen denkwürdigen Satz formulierte heute Volker Beck, Bundestagsabgeordneter der Grünen.
“#kobane – ein Versagen der Staatengemeinschaft #ratlos”
Der Satz ist sinnlos, weil es die Staatengemeinschaft als Akteur nicht gibt. Wie kann aber ein Nicht-Akteur versagen? „

Lübberding, die Waffensysteme der USA und der imperialen Weltpolizei („NATO“) sind auf einen territorialen Feind ausgerichtet, sind also heute anachronistisch. Das zeigt nur, dass die sog „Staatengemeinschaft“ sich von „Nationalstaatlichkeit“ „Souveränität“ und „Territorialität“ sich noch nicht zu lösen vermag.

Walth Oktober 7, 2014 um 20:15

Ich halte diese Analyse für komplett unstimmig. Zwar habe auch ich keine Ahnung davon wie viel Zivilisten noch in Kobane sind aber die Erfahrung aus anderen Kriegsgebieten sowie von Naturkatastrophen zeigen das immer ein durchaus erheblicher Teil der Bevölkerung das kommende lieber in der Heimat, den eigenen vier Wänden aussitzen will als zu fliehen. Zumal die Kurden der YPD/PYD/PKK allesamt in der Türkei als Terroristen gelten und die geflohene Bevölkerung damit (aus Sicht der Türkei) zumindest Terrorsympatisanten sind. Ich könnte mir jedenfalls schöneres vorstellen als in der Türkei des Terrors verdächtigt zu werden.

Auch habe weis ich nicht wie Du darauf kommst, die türkische Regierung könnte tatsächlich bereit sein diese Gruppen militärisch zu unterstützen. Ich denke da an das niederwalzen Kurdischer Dörfer durch die Türkei in den 70er und 80er Jahren. Das Wort “Massaker” dürfte da passen. Damals wurde die türkische Militärjunta übrigens gerne von der Kohl-Regierung und der NATO mit Waffen unterstützt. Die PKK galt ja als fünfte Kolone der UdSSR . Die IS bzw seine Vorgänger wurden von der Türkei bisher jedoch als natürliche Verbündete gegen Syrien betrachtet. Ich kann mir nicht vorstellen das sich dies nun plötlich komplett anderst darstellt nur weil der Westen den IS als Hau-Drauf-Männchen entdeckt hat.

Für mich stellt es sich grob vereinfacht so dar:
-es gibt “gute” Volksgruppen die in der Glücklichen Lage sind, das ein paar Hundert Tote schon mit Begriffen wie Massaker oder Völkermord belegt werden und der Westen entsprechend handelt.

-dann gibt es eher taktische, befristet Verbündete wie hier die syrischen Kurden an der türkischen Grenze. Verbal findet man es natürlich schlimm was da passiert und man reagiert sogar mit Luftschlägen. Aber seltsamer Weise kann die chirurgisch so perfekte Air Force plötzlich keinen Panzer mitten auf freiem Feld mehr treffen und selbst große Haubitzen die sich nicht mal bewegen können werden einfach nicht getroffen…findet aber in den Medien eh keiner Komisch. Es soll sicher auch nix getroffen werden. Denn die Kurden militärisch dort zu zerschlagen kommt der Türkei und damit der NATO sehr gelegen. Wenn es dabei den IS noch etwas rasiert..gut. Aber auch nicht zu sehr. Denn Merke: den IS braucht man noch gegen die syrische Regierung!

-Und dann gibt es noch die gaaanz Bösen. Jene die man selbst in Friedenszeiten in souveränen Staaten tot bomben kann samt Frauen und Kindern. Würden jene niedergemetzelt die jetzt den IS unterstützen, müssten schon zehntausende sterben das es einer Meldung wert wäre.

Mir wird sowohl der Geschichte der Kurden in Syrien und der Türkei wie auch der Entstehung des IS viel zu wenig Beachtung geschenkt. Aber eben dieses Desinteresse an geschichtlichen und kulturellen Zusammenhängen hat zur Entstehung des IS geführt …
was gerade läuft ist keine Löschaktion sondern weiter zündeln auf das das Feuer ewig brennt. Nicht das Verhindern von Massakern und Völkermord wird beabsichtigt, sonder die intelligente Steuerung derselben zum eigenen Vorteil. Wer annimmt die Türkei bzw. die NATO würden hier nach den Maximen Kants handeln der irrt. Diese Politik ist 100% Machiavelli.

BB Oktober 7, 2014 um 20:47

Das ist doch mal eine interessante Information:

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2014-10/linke-militaereinsatz-kobane-is

Linke plädieren für Militäreinsatz gegen IS. Natürlich mit UN-Mandat.

Also wenn selbst die Linke dafür ist. Was in aller Welt verhindert, genau das zu tun?

Wahrscheinlich falsch, das als Frage zu formulieren.

Tut das, aber Pronto!

Man muss es einfach offensiv fordern. Und zwar sehr aggressiv an unsere Politiker gerichtet, damit die schnell ihren Arsch hochkriegen.

BB Oktober 7, 2014 um 20:50

Hey Joffee, wo bleiben deine Pamphlete. Du bist doch sonst immer schnell dabei mit transatlantischer Kriegstreiberei?

someone Oktober 7, 2014 um 21:43

BB, Du bist der Kriegstreiber. Du willst unversehens in ein Schlangennest stolpern.

BB Oktober 7, 2014 um 23:13

@someone

Ha, aber gegen Putin, da soll die Nato Zähne zeigen, was? Da steigt bei auch Halb- und Voll-Amis der Testosteron- und Adrenalinspiegel bis zur Schmerzfreiheit.

Was wir für ein Schlangennest wir in Eurasien hätten, wenn Putin mal gestürzt würde, …… dass dann von da aus die Globale Wirtschaft von Oligarchen und Mafiosi maximal durchseucht wird, weil die sofort automatisch das Vertrauen der USA und der EU-Kommission genießen, das nehmt ihr dann tolerant oder wie?

Sind schon sehr aufschlussreich, die inkonsistenten Argumentationsmuster von euresgleichen.

gelegentlich Oktober 8, 2014 um 07:48

@someone
Man braucht doch gar keine Kriegstreiber. Dieser Krieg ist doch schon da. Worauf es jetzt ankommt ist „lediglich“:
- die Türkei müßte die Grenze für ISIS wasserdicht zumachen, was leicht fiele.
- die Türkei müßte geeignete Waffenliegerung an Kobane erlauben..
Da wird wohl Niemand eigene Truppen hinschicken müssen. Kämpfen werden die Leute von Kobane selbst.
Nur eben die Unterstützung von Isis muss eingestellt werden. Darum geht es. Wenn die Türkei das nicht will muss sich die politische Öffentlichkeit im Westen fragen, ob man mit Unterstützern solcher Stoneager im gleichen Bündnis verbleiben will. Wenn ja sind halt die vielbeschworenen „westlichen Werte“ im Eimer. Ich vermute das ist auch das, was Brezinski ahnt.

holger196967 Oktober 8, 2014 um 08:40

Da muss man tatsächlich in die “BILD” gucken um eine einfache Karte mal zu finden, wer nun wo ist.

holger196967 Oktober 8, 2014 um 08:45

Somit können sich die Kurden ein Kurdistan abschminken. Das freut aber den Erdogan.

Und ich glaube nicht, dass die “Alianz” gegen den IS wirklich vorgeht. Der Irak wird geteilt, und ein Stück Syrien bis zum Euphrat ist auch weg.

topi Oktober 8, 2014 um 08:56

“Also wenn selbst die Linke dafür ist. Was in aller Welt verhindert, genau das zu tun?”

Erstens ist das ein Aufruf von 14 Personen, nicht der ganzen Partei, gerichtet vor allem an die eigene Partei; oder wie groß ist das Gewicht dieser 14 im UN-Sicherheitsrat?

Zweitens müssten nach deiner Aussage alle anderen sowieso dafür sein; dass ist einfach falsch.

Drittens ist das belanglos, da es eh keinen Sicherheitsratsbeschluss geben wird.
Warum sollte auch die Belagerung einer eher kleinen Kurdenstadt einen Unterschied darstellen, nur weil man medial so massiv darüber berichtet?
Es sind zig oder hunderte solcher Städte von ISIL erobert worden. Und von anderen Milizen in Syrien. Und überall.

Die Kobanis sind sogar in einer bemerkenswert komfortablen Situation; einfach über die Grenze in die Türkei, und sie sind sofort relativ sicher. Das trifft nur für wenige zu, deren Stad vor einer Einnahme steht.

holger196967 Oktober 8, 2014 um 09:22

BB

da kann man noch so viel fordern, es tobt ein Guerilla-Krieg von der feinsten Sorte.

Nun ist die Frage, den IS machen lassen, und keine Verluste in den eigenen Reihen (ohne das vollste Gesicht zu verlieren, ein paar Bömbchen), oder sich auf den Guerilla-Krieg auf dem Boden einlassen.

Das letztere wird man garantiert nicht machen. Bin mal gespannt, wie das so weiter geht, wenn dieses “Kalifat” erstmal steht. Ich denke, dann wird es wohl erst richtig los gehen. Erinnert mich irgendwie an die Taktik wie man Onkel Addi erstmal zu geguckt hat.

Vielleicht hat auch deswegen Odrama gesagt, es wird wohl noch ein wenig länger dauern… bin ja mal gespannt.

Manfred Peters Oktober 8, 2014 um 09:36

Die Lösung:
Erdogan forderte erneut eine Flugverbotszone in Syrien, da die Lufthoheit der IS doch so erdrückend ist.

Man denkt immer, dass es nicht verrückter geht … :-(
Der Polittourismus scheint aber zu florieren

Doktor D Oktober 8, 2014 um 09:46

@Stephan: Hier versucht Günter Seufert, Türkei-Expete der Stiftung Wissenschaft und Politik, die strategische Bedeutung von Kobane zu erklären – für IS und für die Kurden.

Zur “Staatengemeinschaft”: FL interpretiert Volker Becks Aussage als Sich-Verstecken hinter dem Phantasma Staatengemeinschaft – so verstehe ich jedenfalls FL. Aber ich fürchte, es ist schlimmer: Das Drama der Grünen ist es ja, an solche rhethorischen Figuren wie Staatengemeinschaft, Bürgergesellschaft etc. ernsthaft zu glauben. Das kann ich einerseits verstehen, denn viele grüne Funktionäre kommen oder landen in Organisationen, die sich über diese Rhethorik finanzieren, da kann man schon mal glauben, man wäre kein Interessenverband mit Eigeninteressen, sondern Repräsentant der Menschheit aka Staatengemeinschaft. Andererseits ist das natürlich schlimmste ideologische Verblödung, mit der man dann ganz fix zum bellizistischen Völkerfreund wird und nie zu irgendwelchen konstruktiven Lösungen vor Ort beiträgt, weil man immer gleich alles internationalisiert, see also die fatale Rolle der EU-Grünen in der Ukraine.

Andreas Kreuz Oktober 8, 2014 um 09:56

Die ‘Staatengemeinschaft versagt’ nicht nur in Kobane.
Beim Hinstarren auf die syrische Wüstenlandschaft geraten zunehmend die Probleme vor und hinter der eigenen Haustüre aus dem Blick.

http://www.handelsblatt.com/politik/international/arbeitslosengeld-frankreich-kopiert-schroeders-reformen/10806444.html

Sehr interessant auch die Kommentarspalte.

Tja, wenn uns das doch nur einer gesagt hätte,
was da falsch läuft…

f.luebberding f.luebberding Oktober 8, 2014 um 09:57

BB, someone

Eine, wie ich finde, interessante Umkehrung der Positionierung im Vergleich zur Ukraine.

Gregor Keuschnig Oktober 8, 2014 um 10:08

Doktor D’s Kommentar trifft ins Schwarze. Die “Staatengemeinschaft” muss immer dann ‘ran, wenn eine Rechtfertigung gesucht werden muss, militärisch einzugreifen. Die “Staatengemeinschaft” musste nach 1990 für alles herhalten, was Kriegs-, sorry: humanitäre Interventionen hieß. Tatsächlich hat Bush senior 1991 gegen Saddams Kuwait-Invasion so etwas auf die Beine gestellt – mit Hilfe der UN sogar. Die weißen Bettlaken der Friedensapostel in Deutschland sind mir da noch in guter Erinnerung. Ein paar Jahre später war man in der Regierung und schon weiter: Die “internationale Staatengemeinschaft” hatte ihre festen Feinde (in Serbien, Afghanistan, Timor, das “neue Europa” sogar im Irak, danach stand man wieder fest in Libyen, usw). Dabei waren die Grünen immer Vorreiter; sie überzogen Westerwelle mit Schimpf und Schande, weil er nicht mitbomben wollte. Man kann die Parallelen der Sozialdemokratie 1914 mit Händen greifen.

holger196967 Oktober 8, 2014 um 10:09

Also

wird wohl so laufen, dass man das „Kalifat“ erst mal machen lässt. Loser hierbei sind die Kurden. Ma hat ma Pech. Ist halt so.

Wenn aber nun ganz Viele geflüchtet sind, was bleibt dem IS denn eigentlich noch an Volk übrig? Mit Analphabeten ist kein „Staat“ zu machen und von Infrastruktur braucht man da wohl nicht reden.

Ich denke nicht, dass der IS so etwas wie „Ingenieure“ hat, die den Laden auch in Schuss halten können. Allah ist zwar groß und prächtig, aber Häuser, Wasserleitungen, Energieversorgung baut der nun mal nicht. Da kann man 28 mal am Tag, vom Turm, zum Gebet schreien, es hülfet einfach nichts. Wenn es ums Machen geht verpisst sich Allah groß und prächtig genau so, wie seine unfehlbaren Vorgänger.

Was wird das nun für ein „Kalifat“ ? Wenn tja TROMMEL !!! das Kapital (Hirn) nicht vorhanden ist, dieses „Kalifat“ zu erhalten !

Dieses „Kalifat“ sammelt nur die Dümmsten aller Dümmsten ein. Vielleicht auch gar nicht mal so schlecht, so ein „Kalifat-Ghetto“, kann man das doch dann besser unter Kontrolle halten. Erinnert mich irgendwie an die Hausbesetzer Szene.

Ich sag das mal jetzt so provokativ: Was für den „Juden“ Israel, ist für den streng Gläubigen „Allahfisten“ wohl dann der IS. Krasser kann man das in der Gegend gar nicht machen. Auf der einen Seite das hoch moderne Israel. Kurz daneben, tiefstes „Mittelalter“. Quasi als Pufferzone auch noch zum Iran.

Wer freiwillig in das „Kalifat“ zieht, muss ein Geistesgestörter sein. Vielleicht kann man die ganzen Ver-rückten auch so konzentrieren. Vielleicht so ein „Konzentrations-Kalifat“ (KK) „Beten macht Frei“.

Der Käse ist gegessen, das KK wird installiert. Das KK wird ohne fremde Hilfe nicht überleben und ist auch nicht fähig dazu.

Mal was ganz anderes:

Was spricht eigentlich gegen das KK ? Ist doch schön, einen internationalen Feind zu haben. Man muss ihn nur hegen und pflegen. Aldi Kaida war Gestern, es lebe das KK. Auf Nord-Korea kann man sich halt auch nicht mehr verlassen.

Irgendwas ist immer, und wenn nicht, muss man es schaffen.

topi Oktober 8, 2014 um 10:14

“Was mir irgendwie noch niemand erklärt hat ist warum dieses Kobane überhaupt so strategisch wichtig ist? Klingt bisher eher nach einem staubigen Wüsten-Kaff in Syrien?”

Steht doch überall: Isis beherrschte dann einen großen zusammenhängenden Grenzstreifen zur Türkei. :~)

Sollen wir die Fähnchen rausholen?
Solange Ankara bei der jetzigen Haltung bleibt (und mit der Angst vor einem vom Freiheitskampf beseelten Kurdistan sowie vor den eigenen Islamisten im Land gibt es zwei gute Gründe dafür), ist die Grenze zur Türkei doch eine geradezu perfekte Grenze des eigenen Gebiets im Norden.
Solange da kurdische Städte liegen, ist die Gefahr von Angriffen der YPG oder auch PKK erheblich, es werden Kräfte gebunden, die sie nicht sonderlich zahlreich haben.

Es ist mit flexiblen panzerunterstützten Truppen relativ leicht, gegen schwächer bewaffnete Gegner Orte zu erobern. Quasi die Reiterarmee der Halbmoderne, solange keine wirklich modernen Waffen da sind kaum schlagbar.

Gebiete halten, einen Staat betreiben, ist natürlich etwas anderes. Man braucht eine ökonomische Basis, insofern ist die Strategie, die lokalen Gruppen soweit es geht einzubinden, sehr vernünftig.

Gegenüber von Gruppen, die gefährlich werden können, gehen sie dagegen rigoros vor, anscheinend mit weitgehender Entvölkerung.

Also eine rationale Strategie; Gebiete zwischen Euphrat und Tigris sichern, möglichst mit loyalen Bewohnern, das kann man einigermaßen gut verteidigen.
Und im Norden die zumindest nicht feindlich gesinnte Türkei als Grenze.
Ansonsten holt man sich Gebiete, die relativ leicht zu erobern sind, am besten noch mit Bevölkerung, die keine Probleme macht, genug Rechnungen mit den Gegnern offen hat (Sunniten im Irak in großen Teilen des Landes); oder wo es richtig was zu holen gibt, symbolisch oder Ölquellen oder Notenbankkeller oder sonstwas.

Hat man das Gebiet konsolidiert: perfekt, um sich Jordanien vorzunehmen. (Jemen ist äußerst wacklig, aber ein Stück weg)

topi Oktober 8, 2014 um 10:21

Holger, wenn das Kalifat “funktioniert”, zieht es natürlich nicht nur Deppen an.

Wie viele durchaus auch streng gläubige Muslime wurden durch die Ereignisse der letzten Jahre auch aus Ingenieursstellen gedrängt?

Die Nazis hatten meines Wissens auch kein Problem, Techniker zu finden.

Doktor D Oktober 8, 2014 um 10:23

@holger: Von wegen die IS hat keine Ingenieure. Offensichtlich haben die es es geschafft, nach der Eroberung Mosuls sowohl die STrom- als auch die Wasserversorgung wieder an den Start zu bekommen – und das 24 Stunden täglich. Die korrupten irakischen Beamten waren dazu nicht im Stande. Ditto Gesundheitsversorgung. Offensichtlich arbeiten hinter der Kopfabschneider-Propaganda-Brigade alte bahtistische Funktionseliten, mit denen sich sowas wie ein funktonierendes Staatswesen schon aufbauen ließe. Sagen jedenfalls britische Quellen. Der text ist da ganz aufschlussreich.

Frankie (formerly known as Bernankie) Oktober 8, 2014 um 10:33

@topi

“Hat man das Gebiet konsolidiert: perfekt, um sich Jordanien vorzunehmen. ”

Das wird nie passieren. Wenn die IS das versucht, dann wird sie getilgt von der Erdoberfläche, so schnell können die gar nicht schauen.
Ein Jordanien, so wie es jetzt ist, ist von sehr hohem Wert für massgebliche Akteure in der Region.

Gregor Keuschnig Oktober 8, 2014 um 10:51

Der IS rekrutiert sich ja wohl nicht aus aus gelangweilten Jüngelchen aus Europa, sondern bspw. auch aus ehemaligen Offizieren aus der irakischen Armee. Und es gibt durchaus Sympathien sunnitischer Stämme. Entscheidend ist natürlich, inwiefern es gelingt, eine stabile ökonomische Ordnung im “Kalifat” zu etablieren. IS “mal machen lassen” ist schwierig, da man sich wohl auf einem expansivem, militärischen Trip befindet. Der Libanon und Jordanien dürften die nächsten Staaten sein. Bis Wien dauert wohl noch.

f.luebberding f.luebberding Oktober 8, 2014 um 10:59

Im Update noch einige links und dazu meine Anmerkungen.

holger196967 Oktober 8, 2014 um 11:03

Die Nazis hatten meines Wissens auch kein Problem, Techniker zu finden.”

Topi

im Gegenteil… aber das ist eine andere Geschichte. Weil die Infrastruktur schon gestanden hat. Oder will man Bodensee, Göttingen —>>> Thüringen leugnen?

Da war aber ein wenig mehr hinter, als ein Allahfist.

Im Gegensatz zum IS fand der Nazi ein funktionierendes Hochschulwesen vor.

holger196967 Oktober 8, 2014 um 11:07

Doktor D Oktober 8, 2014 um 10:23
@holger: Von wegen die IS hat keine Ingenieure. Offensichtlich haben die es es geschafft, nach der Eroberung Mosuls sowohl die STrom- als auch die Wasserversorgung wieder an den Start zu bekommen”

Dazu bedarf es auch keiner “Ingenieure”… So ein Diesel funktioniert ähnlich wie ein Toyota Kampf kfz…

Darum geht es mir nicht.

holger196967 Oktober 8, 2014 um 11:12

topi Oktober 8, 2014 um 10:21
Holger, wenn das Kalifat “funktioniert”, zieht es natürlich nicht nur Deppen an.”

Wen denn? Die von dir beschriebenen “Exkludierten”?

kannst ja mal beim CIM gucken, was die “Arabärs” so suchen, weil nicht vorhanden.

holger196967 Oktober 8, 2014 um 11:13

ach so, link vergessen

http://www.cimonline.de/de/index.asp

~ Dr. Hannibal-Arminius Halbgott-van-Höllsing ~~ Oktober 8, 2014 um 11:41

@fl
“Vom Versagen der Staatengemeinschaft vor Kobane”

= = = > … äh … wiesojetzteigentlisch? … läuft doch allett genau nach dem CIA-Hollywooddrehbuch in Sürjen. Gestern hat sisch ja au Erdolf Erdokahn eingemischelt un gemeint, daßß er schon gegen IS vorgehen könnte .. aber nur mit Bodentruppen-Großoffensive und nur wenn au Assad aus Sürjen vertrieben wird. Die ganze ISIS-Scharade ist doch total getürkt von den Hintertanen aus Manhattan, @Frank.

(… Aber ich habe den Militaerichen Führer der Freien Welt – Dr. V.PUTIN – strikt angewiesen, jedwede NATO-Besatzungstruppen in Sürjen sofortestenst mit der H2-Hammerstampfwaffe wieder zu vetreiben … )

~ Dr. Hannibal-Arminius Halbgott-van-Höllsing ~~ Oktober 8, 2014 um 11:59

Sichere Zeichen eines bevorstehenden Systemcrashs…

verfasst von Oberbayer E-Mail, 08.10.2014, 11:01

die Neocons haben die Hosen gestrichen voll. Draghi, Juncker, Barroso, Merkel & Co lügen, dass selbst der senile Oberbayer :) vor Lachen nicht mehr in den Schlaf kommt. Schlimm wird es, wenn das Ganze unkontrolliert in einen Aufstand übergeht. In einigen Ländern brodelt es bereits gewaltig. Unsere Politiker sind (…ähnlich wie hin und wieder Zara) derart destruktiv am Werkeln, dass es nur böse enden kann. Beispiele für ihr Versagen findet man zu Tausenden.
Ich vermute, es geht Euch ähnlich wie mir.
Was derzeit geschieht ist so unfassbar, dass einem stellenweise die Sprache wegbleibt. Bei Bernadette merkt man schon etwas Wut im Unterton.
Die Vorgänge in Brüssel ähneln sehr dem Ende von Rom. Parallelen zur Vorgeschichte der Französischen Revolution sind ebenfalls vorhanden. Fehlt bloß noch die große Wirtschaftskrise…
http://exbook.de/20060531-die-ursachen-der-franzosischen-revolution/
und es knallt in den nächsten Jahren.

~ Dr. Hannibal-Arminius Halbgott-van-Höllsing ~~ Oktober 8, 2014 um 12:08

“Hunderte Kurden und Salafisten prügeln sich in Hamburg
Sie gingen mit Metallstangen und Macheten aufeinander los: In Hamburg ist es in der Nacht zu Massenschlägereien zwischen Kurden und radikalen Muslimen gekommen. Es gab mehrere Verletzte.”

===> … Liebe Bundeswehrmacht, .. warum in die Ferne schweifen, wenn datt Gute liegt so nah … ?

( … HH-Rathaus?!?! … das is doch sogar parlamentariche BANNZONE!! … rau disch datt mal als Deutscher! … dann macht disch die BRDDR-Justiz abba sowatt von fertisch … )

===> .. übrigens Frank, deine “MODERNE” is jetzart endlisch au in Celle eingetroffen:

http://www.youtube.com/watch?v=Ny_bBus9p7o

===> Reschpekt + DANKE dafür, @SPD!! … weitermachen!! … mehr von demselben, bitte! … ohne Ende bis zum bitteren Ende.

topi Oktober 8, 2014 um 13:20

http://www.google.de/imgres?imgurl=http%3A%2F%2Fimages.derstandard.at%2F2012%2F12%2F05%2F1353269431088.jpg&imgrefurl=http%3A%2F%2Fderstandard.at%2F1353208320724%2FDer-kurdische-Faktor-und-die-rote-Linie&h=553&w=1049&tbnid=NvbM71VorY4D_M%3A&zoom=1&docid=JNQFCGVoJBBhpM&ei=WBs1VP7NH4KCzAOWuIKgDA&tbm=isch&iact=rc&uact=3&dur=1819&page=1&start=0&ndsp=35&ved=0CCIQrQMwAA

Artikel von 2012

Immer diese Überraschungen :roll:
Mit den Friedensverhandlungen PKK-Ankara hat sich die Lage zwar oberflächlich geändert; aber doch nicht das Kalkül von Erdogan und co.

laut Reporter ARD hinter der Grenze zieht sich ISIL wieder aus dem Stadtzentrum zurück, nachdem präzise, von den Kurden geleitete Luftangriffe gekommen sind.

Das klingt, als ob Erdogan selber den Einsatz lenkt; den IS schwächen UND dabei die Kurdenregionalstadt zerbomben, besser geht’s doch gar nicht.
Und man kann auch noch das humanitäre Fähnchen schwingen.

Oder können Nato und co (wann dürfen denn die Golfdemokratien endlich Vollmitglied werden) nur noch intakte Städte bombardieren, schließlich braucht man ja auch ordentliche Ziele!

topi Oktober 8, 2014 um 13:21
f.luebberding f.luebberding Oktober 8, 2014 um 13:25

Hinweise im 13:00 Uhr Update.

topi Oktober 8, 2014 um 13:31

Zu den “10.000 eingeschlossenen Zivilisten”; da dürften einige sunnitische Araber mit Islamismustendenzen dabei sein, ansonsten die Angehörigen der Kämpfer (also auch die Kämpferinnen); erstere werden einfach bleiben (oder nach Ende der Kämpfe zurückkommen), letzteren steht der Schritt über die grenze frei, es wird nur kein Nachschub in die andere Richtung zugelassen.

Wie kann man dann von “Eingeschlossenen” reden?

topi Oktober 8, 2014 um 13:45

Ein Kommentator in FLs FAZ-Update-Link

“Erdogan, der Strolch aus den Slums von Istanbul, scheint ein radikalislamischer Politiker zu sein, der das Erbe Atatürks verrät, auch die fortschrittlichen Kräfte der Türkei verrät. Die Kurden müssen jetzt erleben, was damals die Armenier erlebten”

Ach geh.
Da liegt Erdogan doch ganz auf Atatürks Linie, durch Assimilation (oder auch mal Ausrottung) eine ethnisch sauberes Land zu schaffen. Die Bergtürken, ähh die Kurden, müssen nur fest dran glauben und brav sein, ihre Kultur samt Sprache vergessen, dann werden sie vielleicht auch mal richtige Türken, war ja auch die kemalistische Linie.

Insofern haben Atatürk und Erben bis zu Erdogan bisher alles getan, um die Reißbrettgrenzen nach Auflösung des osmanischen Weltkriegsverlierers zu zementieren, in dem man treue Staatsnationalpatrioten heranzieht.

Jemand (Linus?) brachte Frankreich als positives Beispiel, wie denn harte Assimilierung zu einem schönen zentralistischen elagitären Gebilde führen kann.

Na danke schön sag ich mal, für die Generationen, die mit Zwang assimiliert werden.

(es soll ja einen Kaufman-Plan gegeben haben zur Auflösung Deutschlands nach WK II, mit Integration der gebiete in die Nachbarländer gegeben haben [kann man nicht verlinken die Karten, hab ich nur auf Drecksseiten gefunden]; wenn auch nur theoretisch: wer hätte da nicht gerne leben wollen, ihr Assimilierungsfreunde?)

topi Oktober 8, 2014 um 13:49

Pipelines durch Syrien
http://www.miprox.de/USA_speziell/mosulhaifapipeline.jpg

Das ist derzeit für ISIL unerreichbar, die ganze Pipeline einzunehmen. Also brauchen sie zwingend die Türkei, um große mengen zu verkaufen.
(ein paar Laster gehen natürlich immer)

Linus Oktober 8, 2014 um 14:38

@topi:
“Jemand (Linus?) brachte Frankreich als positives Beispiel, wie denn harte Assimilierung zu einem schönen zentralistischen elagitären Gebilde führen kann.”
Never ever! Das verbitte ich mir :-D

Schöner Link, den du da ausgegraben hast, und das 2012.

Ad Pipelines: Da hast du die wichtigere Hälfte vergessen
http://www.zeit.de/2009/38/Energie-Tuerkei/seite-2

Der Deal mit Barzani ist mE folgender: Die Türken halten die PKK klein und sorgen so dafür, dass niemand dem Barzani in die Suppe spuckt. Der vertickert dafür sein Öl über die Türkei, statt es z.B. über die kurdischen Gebiete in Nordsyrien zu leiten und somit “Kurdistan” unabhängig von der Türkei zu machen.

Ich fürchte aber, das wird so nicht funktionieren. Die Türkei wird auch innenpolitisch richtig Ärger mit den Kurden kriegen. Da hilft alle Erdogan-Barzani-Spezl-Wirtschaft nichts. Das gibt einen wunderschönen Flächenbrand.

topi Oktober 8, 2014 um 14:57

Wobei hier wohl gilt ” ‘Schönheit’ liegt im Auge des Betrachters”.

Ja, wenn es keine Regelungen anhand dem Selbstbestimmungsrecht der Völker gibt, gibt es keine befriedenden Regelungen. Ob Ankara das versteht, oder wenn sie es verstehen nicht lieber für andere Ziele ignorieren, bleibt abzuwarten. Derzeit sieht es eher nicht nach einer friedlichen Lösung aus.

BB Oktober 8, 2014 um 15:00

@Linus

Wichtiger Punkt! In dem Zusammenhang natürlich auch interessant, dass unser blondes Schrappnel mit einer Stimme wie ein Rambo-IV-Messer – also unsere Flinten-Uschi – ihre Flohmarkt-Panzerwaffen und Schusswesten an die Peschmerga (Barzani) und nicht an die PKK (Arbeiterpartei) liefert.

Klar! Schlossherrinnen, Oligarchen und Ölbarone halten zusammen. Immer!

BB Oktober 8, 2014 um 15:01
Balken Oktober 8, 2014 um 15:10

@ topi
“Oder können Nato und co (wann dürfen denn die Golfdemokratien endlich Vollmitglied werden) …”

Hey, satirisch – treffend.

Balken Oktober 8, 2014 um 15:15

Golfdemokratien, herrlich, könnt mich immer noch beöömmeln.
Unsere Presse mit ihrer “internationalen Staatengemeinschaft” (der Handabhacker und Frauensteiniger), die sich da mit den Waterboardern zusammengefunden hat, hat mich auch erheitert.
Der Neusprech schreckt aber auch vor nichts mehr zurück.

BB Oktober 8, 2014 um 15:47

Wenn der Schreibtisch-Propagandist Kornelius – der, bei dem meinem Cahoots-Plugin die Bildschirmseite nicht ausreicht, um seine ganzen transatlantischen Beziehungen anzuzeigen – wieder ein Pamphlet verfasst, muss man natürlich sofort alarmiert sein.

http://www.sueddeutsche.de/politik/kampf-gegen-is-assad-darf-kein-verbuendeter-sein-1.2162424

Zumal er dort wieder den Schwachsin behauptet, dass Assad die Bevölkerung “mit Giftgas bombardierte”. Das ist ja inzwischen als Infowar-Lüge widerlegt, wird aber von interessierten Kreisen trotzdem weiterbehauptet.

Er plädiert unter dem Label “Keine Unterstützung für Assad” für einen Kriegseinsatz der Türkei, demn selbst die Linken sind ja jetzt dafür:

Man muss ihm insofern recht geben, als ein Assad, der sein eigenes Land in Schutt und Asche gelegt hat, nur um an der Macht zu bleiben, nicht mehr satisfaktionsfähig ist, egal wer aus welchen Gründen in Syrien vorher gezündelt hat.

Aber diese Schlussfolgerung ist ja auch keine große intellektuelle Leistung, sondern sollte eine Selbstverständlichkeit sein.

Das größte Problem dabei sind aber nunmal die Russen, die an Assad aus geostrategischen Gründen hängen.

Schaut man auf die Landkarte, erkennt man natürlich, warum das so ist. Es geht natürlich wieder nur um’s Öl.

Die Türkei hat Putin diesbezüglich aufgrund seines South-Stream-Deals im Griff.

Ändern sich die Machtverhältnisse in Syrien, kann er das Kurzschließen seines Pipeline-Systems durch USA oder Europäer nicht mehr verhindern.

Deshalb liegt der tatsächlich Schlüssel zur Lösung nicht, wie Kornelius behauptet, in einem militärischen Eingreifen der Türkei.

Die Verantwortung der Türkei liegt nicht im Nicht-Eingreifen, sondern in der logistischen Unterstützung für den IS und die Behinderung des kurdischen Widerstandes.

Den Kurden wäre es sowieso lieber, wenn sie (an der Grenze die PKK) panzerbrechende Waffen bekämen (statt die Peschmerga) und von den Amerikanern solide Luftunterstützung nicht erst, wenn sie selbst militärisch ausgeblutet sind.

Der Schlüssel zur Lösung liegt darin, das Putin, Obama und die EU in diesem Krisengebiet ihre Interessen fair ausballancieren müssen.

Dabei kann es nicht darum gehen, dass “der Westen” am Ende alles kriegt und “die Russen” nix. Es geht um die Herstellung einer echten Win-Win-Situation.

Genauso wie in der Ukraine-Krise liegt auch hier der Grundfehler, dass offensichtlich mit den Russen wieder nicht verhandelt wird. Das ist der Kasus-Knacktus in der ganzen Angelegenheit.

Wäre schön, wenn diese Argumentation mal offensiv im Mainstream vertreten würde.

BB Oktober 8, 2014 um 16:29

Allerdings: Warum der Erdogan dann den Sturz Assads fordert, obwohl er ja mit Putin quasi befreundet ist, das versteh ich auch nicht, muss ich zugeben.

BB Oktober 8, 2014 um 18:41

Nach längerer Recherche jetzt im Internet habe ich mir die Frage, warum Erdogan Assad unbedingt stürzen will, obwohl doch beide gute Freunde Putins sind und nachdem es ja sehr lange recht harmonisch zwischen Erdogan und Assad zuging und auch zwischen ihren Ehefrauen, die geradezu Intimfreundinnen waren, so beantwortet:

Erdogan wollte die ganzen Völkerfrühlinge nutzen, um in seinem Umfeld – z.B. Syrien – seine Vorstellungen einer islamischen Demokratie umzusetzen. Dafür hat er sogar die Unterstützung der USA gesucht (währen des angeblichen Giftgasanschlags Assads), aber nicht bekommen, da Obama angeblich zögerte. Der wusste zu dem Zeitpunkt schon, dass es ein Fake war.

http://culturmag.de/litmag/erdogan-und-das-giftgas-von-syrien/80420

Man könnte demnach die aktuelle Forderung Erdogans, nur Bodentruppen einzusetzen, wenn die Nato mithilft, als einen erneuten Erpressungsversuch Erdogans betrachten, die USA so in den Konflikt hineinzuziehen, dass Erdogan seiner Vision, jede Menge islamischer Demokratien in seinem Umfeld zu schaffen, ein gutes Stück näherkommt.

Erdogan hat quasi folgende Prioritätenliste:
1.) Syrien wird islamische Demokratie
2.) Türkei gut, sehr gut Freund von Putin, weil viele Vorteile im Energiebereich winken.

Obama sagt: Nee Freundchen, so nicht. Wenn wir jetzt da mitmachen (über Nato), dann musst du Freundschaft mit Putin kündigen.

Tscha und da pokern sie nun, und pokern und pokern und es werden viele viele Köpfe noch abgeschnitten werden, bis sie aufhören zu pokern.

Und Putin sitzt daneben und will ……. nur verhandeln. Auf Augenhöhe versteht sich. Aber nein, sie lassen ihn am Katzentisch sitzen, auch wenn nochsoviele richtige Köpfe rollen, es ist ihnen egal, denn es geht im Grunde immer nur um …. Putins Kopf.

BB Oktober 8, 2014 um 18:50

Übrigens ist das Konzept “islamische Demokratie” Erdogans natürlich völlig konträer zu einer “autonomen Republik Kurdistan”, die ja mit so vorstellungen wie “Gleichberechtigung von Frauen”, etc. daherkommt.

Auch deshalb muss für Erdogan Syrien als Ganzes erhalten bleiben.

Erdogans Verhalten wird also bestimmt durch den Antagonismus:
- islamische Demokratie nach seinen Vorstellungen und
- säkularisierter Demokratie der Kurden.

Es ist doch ganz klar, auf welcher Seite wir (Humanisten) zu stehen haben. Selbstverständlich auf Seiten der Kurden.

Alles andere ist verlogenes Getrixe, wenn wir tatsächlich mal echte westliche Werte vertreten sollten.

S. Sherpardo Oktober 9, 2014 um 00:06

Vielen Dank für Ihre häufig sehr treffenden Analysen!

Heute bin ich zum wiederholten Male auf eine Behauptung gestoßen, die mich sehr stutzig gemacht hat. Unter anderem hat heute Cornelius in der SZ behauptet, dass Assad den IS erst möglich gemacht hat. Mich beschleicht der Eindruck, dass hier ein neuer Narrativ populär gemacht werden soll. Haben Sie diesbezüglich Informationen oder eine Einschätzung? Die entspechende Quelle hänge ich als Link an.

someone Oktober 9, 2014 um 06:04

BB in Interventionsstimmung, auf dass Kurdistan der demokratische Leuchtturm der Region werde. Mit den demokratischen Barzanis, die seit Jahrzehnten an der Spitze stehen. Lieber den Cousin oder dann doch den Neffen?
Außerdem, wo habe ich den Sturz Putins gefordert? Der soll nur aufhören seine Nachbarländer zu überfallen, aber du findest Krieg ja super, wenn Russland ihn führt. Wobei du inzwischen wohl auch in das Trutherlager mit den großen Masterplänen und Verschwörungskreisen abgedriftet bist. Nimms hin, es gibt keinen großen Plan und es steckt auch kein Sinn hinter dem menschlichen Treiben.
Herrschaftstechniken Isis’:
http://mosuleye.wordpress.com/

Man sollte die Stammes- bzw. Clanstrukturen um einiges ernster nehmen als igendwelche Kalifatsträume. Im Irak gibt es wohl um die 150. Aber immer rein, kann überhaupt nichts schiefgehen.

http://www.unl.edu/rhames/courses/ppoint/iraq.pdf

Dass Assad ISIS möglich gemacht hat, ist vielleicht übertrieben, aber die Situation in Syrien war sehr fruchtbarer Boden für sie und sie wurde von Assad auch nie ernsthaft angegangen. Er kauft ihr übrigens das Öl ab.

gelegentlich Oktober 9, 2014 um 08:15

@S. Sherpardo
Ich bin nicht zuhause und kann in meinem Archiv nicht nachsehen. Freilich kann ich mich gut daran erinnern, dass rund 6 Monate vor (!) den Massendemonstrationen in Damaskus im Netz, und darunter waren auch linke israelische Seiten, von auffälligen Dingen in Nordjordanien und aus Städten im Süden der Türkei berichtet wurde. In Jordanien hat man einige Gebiete ganz im Norden faktisch abgeriegelt und ers wurde berichtet, dass dort eine Reihe von Ausländern tätig wären, die, ich sage es so, mit Entwicklungshilfe nichts zu tun haben. Und in der Türkei waren es auch nicht die üblichen Geschäftsleute oder Ingenieure, die Maschinen einrichten. Man hatte den Eindruck da würde ein verdeckter Krieg vorbereitet. Und ich weiß, dass es ja auch so kam.
Selbstredend ändert diese Aussage nichts an der Tatsache, dass eine Menge Leute in Syrien aus verschiedenen Gründen unzufriedne waren und gegen die Regierung Assad was unternehmen wollten. Es ging darum, wie man diesen Impuls in einen richtigen Bürgerkrieg umwandeln kann. Ja, Sniper spielten da auch eine Rolle. Klar ist wohl auch dass bei solchen Webseiten regelmäßig auch die Geheimdienste mitschreiben, mit gestalten. Aber das machen die bei offiziellen Institutionen auch.
@Natalius
Es ist wurscht wieviel Prozent der Banker Juden sind. Man müßte zeigen, dass das Kritisierenswerte, das sie tun, auf ihrem Judentum folgt. Überproportional vertreten zu sein ist nicht “böse”. Opus Dei und der Cartellverband sorgen auch bei uns für Abweichungen von den Proportionen. Und man muss das auch rationale, nachprüfbare Weise zeigen und nicht mit solchem Quatsch wie dieser “Ponerologie” daher kommen. Die ist was fürs Goldene Blatt, wenn Menschen beim Frisör warten. Sie fühlt sich wohl neben Kleinanzeigen für Haarwuchsmittel.
Und dann noch was ganz Schlichtes: Sie posten hier ja anonym. Das verbietet es natürlich damit anzukommen, was für eine wissenschaftliche Granate man angeblich im früheren Leben gewesen ist. Das kann hier Niemand nachprüfen – und Bemerkungen fallen, weil Viele eben an Ihrer Qualifikation zweifeln. Nicht weil sie böse sind, sondern weil Ihre Einlassungen diesen Zweifel aufherrschen. Dazu kann man nur Eines sagen: Karten auf den Tisch oder Maul halten. Sichtbar wird hier nur dass Sie die Nischen der Kopflosen und Verwirrten gut kennen.

topi Oktober 9, 2014 um 08:25

FL
“BB, someone

Eine, wie ich finde, interessante Umkehrung der Positionierung im Vergleich zur Ukraine.”

Wieso?
Ukraine; someone sagt, die Ukros die in Kiew an der Macht sind (egal wie), können schalten und walten wie sie wollen, ja sollten sogar andere Völker unterdrücken, ihnen keine Sonderrechte einräumen wie dies die Russen in der RF machen, weil solche positive Diskriminierung schlecht ist.

Syrien: someone sagt, dass Assad zwar nicht so toll ist, aber es gehe trotzdem nicht an, dass die Kurden da Autonomiestatus erreicht haben, wo kommen wir da hin!
Und wenn sie von den Türken militärische Hilfe haben wollen, dann müssen sie eben deren Bedingungen akzeptieren (Bedingungen, die wohl kein einziger Kurde akzeptieren würde).

Das ist doch eine sehr konsistente Argumentation von someone.
Gott oder wer auch immer hat dir einen König beschert, dem hast du zu dienen, wenn du ihn nicht abwählen kannst; Farbenrevolutionen sind auch ok.
Als Minderheit, auch als regionale Mehrheit, hast du eben Pech gehabt (auch wenn dein Pech nur in der Blödheit oder Bösartigkeit der Grenzen ziehenden Kolonialherren bestand), am besten, du assimilierst dich so schnell wie es geht.

gelegentlich Oktober 9, 2014 um 08:30

Update
Wieder ein guter Beitrag von Konicz:

Da die Blockade der Türkei für ISIS und gegen Kobane weiter geht muss der Rausschmiss der Türkei aus der NATO auf die Tagesordnung. Weil sich sonst der Charakter der NATO unter der Hand auch “offiziell” geändert hätte. Man verteidgt jetzt Kopfabschneider und arbeitet ihnen zu, indem die Türkei duldet.

Ich hätte das von mir selber nicht gedacht: aber im Falle der Salafisten in Hamburg ist tagesaktuell ein wahrnehmbares Drehen an der Repressionsschraube angesagt. Einige gut publzierte Ausweisungen wären hilfreich. Wer Anderen mit Gewalt die Regeln seiner Sekte aufzwingen will, und das ist der Kern des Salafismus, hat hier nichts zu suchen.

topi Oktober 9, 2014 um 08:30

someone, deine Verlinkung der Stammesstrukturen ist dann allerdings alles andere als konsistent.

Ja es gibt dort lokale Autoritäten. Sinnvolle Lösungen gibt es nur, wenn man diese anerkennt und einbindet in größere Strukturen, unter Berücksichtigung der lokalen Interessen.

Also eben kein Einheitsstaat, in dem sich alle assimilieren dürfen, weil er so toll ist.

topi Oktober 9, 2014 um 08:37

@ gelegentlich, besser gesagt “jetzt dauerhaft” ( ;~) )

Rausschmiss der Türken aus der NATO?
Man das ist “unser” Land, da ist es doch wurscht, wenn sie Kopfabschneider unterstützen!
Dir ist doch bekannt, mit wem us-amerikanische Militärs/Dienste schon alles zusammengearbeitet haben, in der Logik, ich bin der Gute, ist jedes Mittel recht.

“Denn wer kämpft für das Recht, der hat immer Recht”

man was kann man den Scheiß belächeln.

Aber
“Wer kämpft für den “freien Markt” und “Demokratie”, der hat immer recht”,
ja das gilt natürlich.
Hayek hat es doch geschrieben: für “wirkliche” Freiheit muss man die politischen Freiheiten schon einschränken, die Allgemeinheit will einfach keinen knallharten Wirtschafts”liberalismus”.

topi Oktober 9, 2014 um 08:47

Es geht um Ehrlichkeit.

Sollen die “Transatlantiker” doch sagen, was Sache ist, und sehen, ob sie dafür Mehrheiten bekommen.

Da das wahrscheinlich ausschließbar ist, wird gelogen bis sich die Balken des Internets verbiegen.

So wie das “rechte” Politik im Bereich Wirtschaft, Soziales, Gesellschaft immer tun muss.

Eigentlich gilt dies andersherum nur bei Einwanderungsfragen.
Selbstverständlich können wir nicht mal alle Flüchtlinge die kommen wollen aufnehmen, schon gar nicht die Menschen, die aus wirtschaftlichen Gründen kommen wollen; also braucht es Strukturen, die Einwanderung begrenzen.

Wer das nicht sagen will, aus gefühlten Gründen, Zugehörigkeit zum linken Lager oder sonst was, driftet in gewaltiges Geschwurbel ab.
Dabei kann man natürlich, wenn diese Basis geklärt ist, sehr verschieden mit Migranten umgehen; die jahrzehntelange Lüge der konservativen Seite, Deutschland sei kein Einwanderungsland, hat ja erheblichen Anteil an der Entwicklung von Parallelwelten.

topi Oktober 9, 2014 um 08:53

hier noch der Link

http://www.youtube.com/watch?v=865Sn8JrMvY

Hat das noch keiner umgedichtet

Der Markt, der Markt
der hat immer recht

Aus hayekschem Geist von Freedman geschweißt?

Nee, das ist ja dann nur für Insider

someone Oktober 9, 2014 um 09:23

Zum inneren Aufbau des Iraks habe ich mich nicht geäußert. Die Verlinkungen waren nur in Bezug auf Isis, dass ihre Kalifatsstaatsrhetorik hohl ist und dass man den faktischen Kurdenstaat nicht rosarot malen sollte.
Die YPG hat im übrigen schon ein recht ambitioniertes Programm, wenn man ihrem Outlet Glauben schenken darf. Da sind die türkischen und iranischen Gebiete schon einmal direkt als Nord- und Ostkurdistan abgeheftet.

http://web.archive.org/web/20140401131843/http://www.diekurden.de/news/

(Aus dem Netz genommen, wahrscheinlich, weil man die Expansionsbestrebungen nicht allen unter die Nase reiben will, während man um Hilfe ersucht.)

someone Oktober 9, 2014 um 09:42

Aber krass, wie topi hier für eine Zerschlagung der Türkei wirbt. Dann wird die Welt bestimmt ein besserer Ort…

BB Oktober 9, 2014 um 09:42

@S. Sherpardo

“…Unter anderem hat heute Cornelius in der SZ behauptet, dass Assad den IS erst möglich gemacht hat. Mich beschleicht der Eindruck, dass hier ein neuer Narrativ populär gemacht werden soll. …”

Das kann man so sehen, wobei das ja bei unseren MSM nichts ungewöhnliches ist, dass man versucht, alle Schlechte in der Welt, das gerade passiert, auf einen “Bösen” zu projezieren. Damit wären dann alle anderen unschuldig und das ist für Leser ja auch so leicht verdaulich.

Was mich an der Position verwundert, ist, dass – obwohl Cornelius Transatlantiker ist – diese Position nicht mit der von Obama übereinzustimmen scheint, denn der arrangiert sich ja gerade bzgl. Luftschläge mit Assad.

Aber das ist alles schwer einzuschätzen, weil: Vielleicht operieren die USA im Grunde in Syrien, ohne sich mit Assad abzusprechen und der beschwert sich nur deshalb nicht, weil ihm das gerade recht ist.

Interessant ist ja, dass die Russen sich beschwert haben wegen der angeblichen Völkerrechtsverletzung der USA, weil sie sich nicht das Einverständnis Syriens geholt haben.

Ich würde das aber nicht überbewerten wollen in diesem Fall. Erstens ist Assad (im Gegensatz zu Putin) tatsächlich ein Teufel (finde ich, weil er ja sein eigenes Land ohne Skrupel in Schutt und Asche gelegt hat) und zweitens sind die Transatlantiker, also die, welche irgendwelche sinistren Ziele in Think Tanks aushecken, nicht unbedingt immer identisch mit der amerikanischen Regierung. Sie versuchen nur, die Regierung immer in ihrem Sinne zu beeinflussen.

Obama will aber eigentlich – daher sein häufige Zögern – in eine ganz andere Richtung, als die sogenannten “Transatlantiker”. Er will eben nicht Weltpolizist sein, wird aber immer wieder durch die Erbsünden der USA (und das intrigante Drängen der Transatlantiker einschließlich verbundener Medien) in alte Konflikte reingezogen.

Und da könnte dann tatsächlich die maßgebliche Rolle spielen, dass Cornelius vielleicht deshalb so die Schuld Assad in den Mittelpunkt stellt, weil der ja ein Vertreter Russlands in der Region ist und es bei allem, was die Transatlantiker wollen, im Moment immer nur um eine Schwächung Russlands geht.

Ist aber alles nur Spekulation, weil die tatsächlichen Interessen der USA im Konfliktfeld IS im Moment schwer zu durchschauen sind.

Im Moment spielen die USA ja dort eine sehr konstruktive Rolle finde ich.

BB Oktober 9, 2014 um 09:51

@someone

“…..BB in Interventionsstimmung, auf dass Kurdistan der demokratische Leuchtturm der Region werde. Mit den demokratischen Barzanis, die seit Jahrzehnten an der Spitze stehen. Lieber den Cousin oder dann doch den Neffen?…..”

Du muss mich schon genau lesen. Das kannst du unserer Schlossherrin mit Kanzlerambitionen gerne unterstellen, dass sie für den Barzani eintritt, aber nicht mir. Die hilft ja immer gerne Oligarchen, Ölbaronen und korrupten wirtschaftskriminellen Politikern, egal ob in der Ukraine oder im Irak.

Ich plädiere für die Unterstützung durch Waffenlieferungen und Öffnung der Türkischen Grenze für die YPG, also der syrischen PKK

Und langfristig auf für ein Groß-Kurdistan.

Die haben dort offensichtlich eine sehr fortschrittliche Autonomie (Säkulare Basisdemokratie, Gleichberechtigung von Frauen, …)im Vakuum des syrischen Bürgerkriegs aufgebaut und man soll immer den echten (!) Fortschritt belohnen und nicht irgendwelche korrupten Eliten.

Linus Oktober 9, 2014 um 10:24

@topi:
“Ja es gibt dort lokale Autoritäten. Sinnvolle Lösungen gibt es nur, wenn man diese anerkennt und einbindet in größere Strukturen, unter Berücksichtigung der lokalen Interessen.”

someone Oktober 9, 2014 um 06:04 hat auf mosuleye verlinkt (war auch mal in der ZEIT: http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-07/interview-mosul-eye-irak).

Wie wäre dein Satz exemplarisch in Mossul umzusetzen?

f.luebberding f.luebberding Oktober 9, 2014 um 10:36

S.Sherpardo

Dazu werde ich einen eigenen Artikel schreiben.

BB Oktober 9, 2014 um 10:42

Ich muss mein positive Bemerkung über die Rolle der USA in meinem vorletzten Kommentar offensichtlich zurücknehmen. Das war stand gestern abend. Gestern abend hieß es noch bei Illner, die Luftkämpfe hätte alle Panzer bis auf einen der IS zerstört. Heute jammert die USA wieder, Luftschläge alleine bringen nix.

http://www.zeit.de/politik/2014-10/kobani-islamischer-staat-usa-obama

Es scheint so zu sein, dass die USA die Kurden in Kobani nur gerade so unterstützt, dass die Stadt nicht ganz fällt, die IS aber auch nicht ganz vertrieben werden kann.

Denn es gäbe eine einfache Möglichkeit, die IS dort hinauszuwerfen.

Die Türkei müsste einfach nur die Grenze für kurdische Kämpfer öffnen. Es befinden sich nämlich tausende auf der türkischen Seite, die nicht hinübergelassen werden von den Türken (gestern bei Illner der Politiker der Linken).

Die Fahrzeuge der IS kann man per Luft zerstören. Den Rest erledigen dann in der Regel die gut ausgebildeten und kampferfahrenen kurdischen Freiwilligen. Bodentruppen unnötig.

Aber die USA will offensichtlich die Türkei zu einem Bodeneinsatz zwingen.

Das würde aber bedeuten, dass die Türkei (und damit die Nato) den Norden Syriens kontrolliert.

Dann sieht die Situation natürlich eindeutiger aus. Denn dann können die Kurden ihren eigenen Staat vergessen.

Man würde später dann (im Sinne von Kornelius) den Assad beseitigen und würde, genauso wie im Irak, korrupte Eliten in einer neuen Regierung für Syrien installieren, das man dann vollständig dem russischen Einfluss entzogen hätte.

Freie Bahn für USA/EU-Pipelines! Man hätte South-Streams gegen die Interessen der Russen endlich kurzgeschlossen.

Ja klar! Die Amis wollen einen völlig unnötigen Bodeneinsatz der Türken erzwingen! So lassen sich die halbherzigen Lufteinsätze über Kobany erklären.

BB Oktober 9, 2014 um 10:47

Und das ist vielleicht auch die Ursache, die den Erdogan jetzt in den Stock-State treibt.

Er würde ja gerne. Denn auch er möchte den Norden Syriens ( oder noch besser ganz Syrien) kontrollieren.

Wenn er aber die Nato (also seine Panzer) in den Norden Syriens lässt, ist es mit seiner Freundschaft mit Putin vorbei.

BB Oktober 9, 2014 um 11:08

Hier!

http://www.spiegel.de/politik/ausland/kobane-is-milizen-sollen-mehr-als-ein-drittel-eingenommen-haben-a-996193.html

Das ist ein gefährlicher hinterhältiger Spin unserer Medien

Die Kurden verzweifeln an der Untätigkeit der Türkei.

Nein! Das wird ihnen nur listig-intrigant in den Mund gelegt.

Die Kurden möchten nicht, dass die Türkei die Grenze übertritt. Die Kurden möchten nur, dass sie wirksame Waffen bekommen und ihre Kämpfer endlich über die türkische Grenze gelassen werden.

Wer behauptet, dass die Kurden die Hilfe der Türken wollen, lügt! Und zwar im Sinne der Transatlantiker.

Linus Oktober 9, 2014 um 11:11

@BB:
Ich fürchte, dass auch unter den Kurden Clan-Strukturen das dominierende Element sind (so deutet etwa die Figur eines Barzani darauf hin). Ich glaube auch nicht, dass YPG bzw. PKK ‘binnenstaatlich’ potent genug sind, um mit dieser Tradition zu brechen. Ich bin mir auch nicht sicher, ob das unbedingt erstrebenswert wäre. Die Sowjetunion (auch China) stand in ihren Anfängen vor dem gleichen Problem (der Multiethnien) und hat dafür die Methoden des Stalinismus entwickelt.

Zu Waffenlieferungen: Hmm, was machen Clans, wenn sie Waffen in die Hände kriegen?

Bevor man also zur Tat schreitet und sich leichtfertig in irreversible Szenarien begibt, sollte man extrem genau vom Ende her denken. Ein wesentlicher Aspekt dabei ist die Friedensdividende. Nur wenn die hoch genug ist, werden sich die Parteien dauerhaft drauf einlassen. Für eine solche Perspektive braucht es Technologie, braucht es Markt, braucht es, fürchte ich, Kapitalismus. Und zwar einen Kapitalismus, der bei Null beginnt – also in einer Phase, wo er tatsächlich noch in der Lage ist, Mehrwert für alle zu generieren, und nicht in einer Phase, wo er sich selber kannibalisiert. Dieses Null-Level ist extrem schwierig zu gewährleisten, wenn noch alte Macht- und Günstlingsstrukturen bestehen. Also muss man die zuerst zerschlagen. Prost!

Ich hab mich jetzt bewusst geoutet, weil mir diese Überlegungen im Zuge von Nationbuilding wichtig erscheinen, nicht etwa weil ich von ihnen restlos überzeugt wäre. Im Gegenteil: Ich bin um jeden alternativen Vorschlag dankbar.

BB Oktober 9, 2014 um 11:59

Habe ich oben “Gestern bei Illner” geschrieben? Sorry, das war “Anne Will”. Übrigens sehr gute Sendung.

@Linus

Ja natürlich würde der Aufbau eines Staates Kurdistan in der Region nicht ideal verlaufen in dem Sinne, dass sich dann basisdemokratische Prinzipien dort überall durchsetzen. Das sind die Ideale nur einer politischen Kraft dort.

Nur zu unterstellen, dass das auch nur “Stammesstrukturen” sind, ist doch etwas zu abwertend. Die Kurden haben es sowohl im Norden Syriens als auch im Irak geschafft, in der Zeit des Zusammenbruchs relativ stabile staatliche Ersatzstrukturen – und zwar moderne Strukturen (im humanistischen Sinne um das Wort “im westlichen Sinne” zu vermeiden, den humanistische Prinzipien sind globale Prinzipein): gleichberechtigte Religionen, Gleichberechtigung von Frauen, demokratische Prinzipien, …

Außerdem sind Irak als auch Syrien künstliche “Kolonialgebilde” und genau deshalb so instabil. Ein Staat Kurdistan würde die Spannungen, die daraus entstanden sind, stark entlasten, weil er quasi einer natürlichen Ordnung entspräche.

Unter marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten wäre ein solcher Staat (z.B. in der Ölfrage) ein weiterer Anbieter. Und das fordern doch immer unsere Libertären, dass es möglichst viele Anbieter gibt, dann sinken auch die Preise.

Für Russland wäre ein Kurdistan wohl auch eine gute Option, weil sie nicht mehr kriegen könnten. Zwar hätten die Russen einen solchen Staat nicht so unter Kontrolle, wie Syrien, aber Syrien können sie unter den gegebenen Umständen sowieso nicht unter Kontrolle halten und ein Kurdistan wäre immer noch besser als ein weiterer von den USA geschaffener korrupter Marionetten-Staat.

Und die Kurden könnten sich von Fall zu Fall entscheiden, wessen Pipelines sie durchs Land lassen und sich dafür einen fairen Preis aushandeln (wie aktuell die Türkei mit South-Streams). Mit Kurdistan bestünde für Putin die Chance, die Währungshoheit der USA zu brechen. Die hält sowieso nicht mehr lange. Denn China, Europa und viele andere Ländern können eigentlich kein Interesse mehr daran haben, noch weiter die Defizite der USA zu bezahlen.

Kurdistan würde für faire Verhältnisse in der Region sorgen, auch marktwirtschaftlich gesehen. Die Russen hätten nicht alles gekriegt, was sie wollen, die Amis aber auch nicht. Vom Öl profitiert die Region. Insgesamt bleiben die Energiepreise günstig, weil ein Anbieter mehr auf dem Markt.

Was für die Erhaltung der alten Staatsstrukturen (Irak, Syrien) spricht, leuchtet mir eigentlich nicht ein. Da finde ich keinen einzigen Grund für. Die haben sich doch nun bestimmt nicht bewährt.

gelegentlich Oktober 9, 2014 um 12:08

@Linus
Niemand muss sich hier doch die Köpfe anderer zerbrechen, auf welcher Grundlage die Leute im Nahen Osten die nötige Kohärenz ihrer Gesellschaft aufbauen wollen!
Bisher gibt es da im Angebot:
- das “Volk”. Ein behauptetes türkisches Volk, das es so nie gab, war Grundlage des Kemalismus; eine behauptete Rolle der Germanen, die so nie war, war Grundlage der Nazis und ist bis heute Grundlage der bekloppten Xenophoben/AfDler/Post-Heiggeristen (falls ich es richtig verstehe).
- die Religion. Shiismus (mit Duldung der anderen, aber unter Ausschluß der Atheisten/Agnostiker) ist das Angebot im Iran.
Der sunnistische Islam ist das Angebot Erdogans und der Dschihadisten aller Art.
- die Verfassung eines säkularen und vielleicht auch demokratiscchen Staates. Das ist das, was die YPD-Kurdne zur Zeit propagieren, wohl auch unter Zwang der Verhältnisse.

Für den säkularen Westen reicht es, dass die ersten beiden nicht unterstützt werden können, was taktische Vereinbarungen nicht ausschließt. Aber kein Staat auf dieser Grundlage kann Mitglied irgendeines westlichen Bündnisses sein, als Staat. Mitglied bei den internationalen Tierschützern könne die ja werden.
Und das heißt für heute dass Staaten, die Kopfabschneider unterstützen, zunächst mal aus der NATO zu entfernen sind. Von EU wollen wir gar nicht erst reden. An so etwas denkt man nicht mal im Spaß.

someone Oktober 9, 2014 um 13:19

Besonders widerlich ist, dass topi gerne die Türkei zerschlagen sähe und damit den Konflikt im Nahen Osten nochmal eskalieren will, um dann direkt zu sagen, dass die Flüchtlingsströme eingeschränkt werden müssen.

Andreas Kreuz Oktober 9, 2014 um 13:26

@topi Oktober 9, 2014 um 08:47

Sollen die “Transatlantiker” doch sagen, was Sache ist, und sehen, ob sie dafür Mehrheiten bekommen.

Einer hat es schon aufgeschrieben:

http://www.egon-w-kreutzer.de/001/PaD392014.html

Schade, dass es bald keine Satire mehr ist.
Und die Bundestagsmehrheit ist schon lange sicher.

Linus Oktober 9, 2014 um 14:30

@gelegentlich:
“Bisher gibt es da im Angebot:”
- Volk
- Religion
- “säkular-demokratisch”, also in weiterem Sinne “politisches System”
Alle drei Ansätze laufen auf ein Gewaltmonopol hinaus. Das muss man aber erst mal durchsetzen gegen Clan-Strukturen. Und da liegt der Hase im Pfeffer. Es ist völlig egal, welches Modell du bevorzugst. Du kommst um eine drakonische Installation nicht drumrum. Und dann irgendwann mal gibt es eine Friedensdividende:

- Die lässt bei “säkular-demokratisch” idR auf sich warten. Sie fällt zwar auf Dauer für alle im Schnitt sicherlich am höchsten aus, nicht jedoch für die Partikularinteressen der vorhandenen Machtstrukturen. Also werden die eine solche Wendung bekämpfen wie den Satan persönlich (kann man ja auch bei uns beobachten).

- Die Religion steht zumindest auf dem Papier über diesen Machtstrukturen (sicherlich ein Grund, aus dem Religionen ihre “Daseinsberechtigung” ziehen). Sie hätte also Potential, diese in die Schranken zu verweisen. Dummerweise werden dabei – besonders im konkreten Fall – Andersgläubige gnadenlos ausgerottet. Mit der Friedensdividende sieht es eher mau aus. Immerhin gibt es “Frieden” sofort, mit Kopfabschneiden u.ä.. Das sichert den ‘Rechtgläubigen’ das Überleben bis zum nächsten Tag, und weiter wollen die im Augenblick nicht denken.

- Das “Volk” ist mE keine wirkliche Alternative. Der Begriff skaliert wunderbar auf allen Ebenen (von Panslawist bis Südtiroler) und eignet sich damit hervorragend zur Instrumentalisierung. Es ist Clan-Denken in Gross und schlussendlich abhängig davon, wer er schafft, Deutungshochheit über die Clan-Definition zu erringen. Damit sind wir wieder bei den Clan-Kämpfen.
Im Übrigen kannst du in den Begriff hineinlegen, was du willst. Er impliziert erstmal nichts, noch nicht mal eine konkrete Gesellschaftsform (im Unterschied zum Islam). Da liegt also der nächste Hund begraben.

Disclaimer: Natürlich muss man den Betroffenen nach Kräften helfen, ihr Leib und Leben zu verteidigen. Die Frage, die sich mir stellt, ist aber nicht nur, gegen wen, sondern v.a. gegen welche Waffen? Wir haben laufend desaströse Erfahrungen damit gemacht, die “Guten” zu bewaffnen. Wenn es hart auf hart kommt, dann gehen alle über Leichen. Es ist gut möglich, dass die Waffen, die man heute an die YPD gibt, morgen gegen Ankara und Barzani gerichtet werden.

Linus Oktober 9, 2014 um 14:51

@BB:
Ich persönlich habe nichts gegen ein freies Kurdistan (im Gegenteil, deine Argumente stimmen schon), wohl aber die Türkei (das wäre ganz Ostanatolien). Willst du den Türken jetzt erzählen, sie hätten gefälligst das Maul zu halten? So kommt man mE nicht weiter, sondern schlittert geradwegs in die nächste Katastrophe.

Natürlich ist der Nationalstaatsgedanke an dieser Stelle völlig blöde und überholt. Die Türkei und die Kurden könnten sehr wohl eine Föderation bilden. Das geht aber nur in gutnachbarschftlichem Einvernehmen. Diese Option wurde bisher nicht formuliert. Erdogan ist da sicherlich kein Freund davon, und das türkische Militär sowieso nicht. Beide werden sich nicht in Luft auflösen, nur weil wir uns das wünschen. Also muss man sehen, was sich unter den gegebenen Umständen machen lässt.

Keine Waffen an die Kurden bedeutet Boots on the Ground. Die grosse Frage: Sind das die Amis oder die Türken?

Manfred Peters Oktober 23, 2014 um 23:44

“Die von den Amerikanern angeführte Allianz sei erst gegen den IS im Irak und in Syrien vorgegangen, als die Dschihadisten Ölquellen bedroht hätten. … Ihre Sorge gilt also nicht den Menschen, sondern dem Öl.”
Sagt Erdogan, und hier hat er wohl ausnahmsweise recht; oder die späte Erkenntnis eines “Großen Führers”. Im Irak oder Libyen war sein Erkenntnisprozess wohl noch nicht so ausgereift wie heute. :-(

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